Papstpredigt an Neujahr: „Wir alle brauchen ein Mutterherz“

Papst Franziskus im Petersdom (AFP or licensors)

Der Papst hat alle Christen zum Blick auf das Wesentliche und zu mehr „Mütterlichkeit“ aufgerufen. Am ersten Jahrestag und zum Hochfest der Gottesmutter Maria predigte Franziskus im Petersdom über die besondere Natur Mariens als Mutter Gottes und ihre Bedeutung für die heutige Kirche.

Anne Preckel – Vatikanstadt

Die Mutter Gottes sei die „persönliche Signatur Gottes auf der Menschheit“, formulierte der Papst in seiner Neujahrspredigt. Ihre Verehrung sei „keine spirituelle Anstandsregel“, sondern „Notwendigkeit des christlichen Lebens“.

„Der Blick auf die Mutter ermutigt uns, viel unnötigen Ballast abzuwerfen und das wieder zu entdecken, was zählt. Das Geschenk der Mutter, das Geschenk jeder Mutter und jeder Frau ist so wertvoll für die Kirche, die Mutter und Frau ist. Während der Mann oft abstrahiert, Behauptungen aufstellt und Ideen durchsetzt, ist die Frau und Mutter in der Lage zu bewahren, im Herzen zu verbinden und beleben. Damit der Glaube nicht zu einer reinen Idee oder Lehre verkommt, brauchen wir alle ein Mutterherz, das die Zärtlichkeit Gottes bewahrt und die Regungen des Menschen wahrnimmt.“

“ Daran erinnern wir uns, wenn wir Mutter Gottes sagen: Gott ist der Menschheit nahe wie ein Kind seiner Mutter, die es in ihrem Schoß trägt ”

In seiner Predigt entfaltete der Papst die Dimensionen einer solchermaßen barmherzigen und hörenden Kirche. Seit der Herr in Maria Mensch geworden sei, gebe es Gott nicht mehr ohne sein Menschsein, führte er mit Blick auf Jesu Menschwerdung aus: „Der menschliche Leib, den Jesus von seiner Mutter bekam, ist auch jetzt sein Leib und wird es immer bleiben. Daran erinnern wir uns, wenn wir Mutter Gottes sagen: Gott ist der Menschheit nahe wie ein Kind seiner Mutter, die es in ihrem Schoß trägt.“

In Maria, der Mutter Gottes, habe sich Gott klein gemacht, fuhr Franziskus fort, „zu Materie, um nicht nur mit uns, sondern auch wie wir zu sein. Dies ist das Wunder, die Neuheit: Der Mensch ist nicht mehr allein; er ist nie mehr Waise, er ist für immer Sohn und Tochter. Mit dieser Neuheit beginnt das neue Jahr.“

Aus diesem Trost, diesem Liebesbeweis, lasse sich für den Menschen eine Haltung ableiten, fuhr Franziskus fort – eine Haltung des Lebens-Schutzes, des Dienstes am Leben, der darin bestehe, „jedes Leben, vom Mutterleib an bis ins hohe Alter, auch das leidende und kranke Leben, wie unbequem oder gar widerwärtig es auch sein mag, … anzunehmen, zu lieben und zu unterstützen.“

Das Tagesevangelium aufgreifend kam der Papst dann auf zwei Tugenden Mariens zu sprechen: „Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen“ (Lk 2,19).

Schweigen mit Gott

Bewahren – In der Weihnachtsgeschichte sei nicht ein Wort von Maria überliefert, merkte der Papst an: Sie habe schweigend und „ganz schlicht“ Gottes Wort und Auftrag bewahrt. Daran sollten sie die Gläubigen heute ein Beispiel nehmen, appellierte Franziskus:

„Dieses Schweigen sagt uns, dass auch wir  die Stille brauchen, wenn wir etwas bewahren wollen. Es ist notwendig, schweigend die Krippe zu betrachten. (…) Wenn wir uns jeden Tag einen Moment Zeit nehmen, um mit Gott zu schweigen, bewahren wir unsere Seele, bewahren wir unsere Freiheit vor den zersetzenden Banalitäten des Konsums und vor der Betäubung durch die Werbung, vor der Verbreitung leerer Worte und den beunruhigenden Wogen des Klatsches und des Lärms.“

Zweite Tugend: Erwägen. Maria habe Freuden und Schmerzen, Hoffnungen und Ängste, Licht und Schatten erwogen, meditiert, „in ihrem Herzen Gott übergeben“, so Papst Franziskus – ohne Verbitterung, ohne Rückzug in sich selbst. Auch dies sei eine Geste des Bewahrens, führte er aus:

“ Um voranzukommen, so sagt uns das heutige Fest, muss man zurückgehen: neu beginnen bei der Krippe, bei der Mutter, die Gott in den Armen hält. ”

„Man bewahrt etwas, indem man es Gott anvertraut: indem man das Leben nicht der Angst und der Trübsal oder dem Aberglauben als Beute überlässt, indem man sich nicht in sich selbst verschließt oder zu vergessen sucht, sondern indem man alle in einen Dialog mit Gott münden lässt. Und dann kommt Gott, dem wir am Herzen liegen, um in unserem Leben Wohnung zu nehmen.“

Mariens Herz als Ort dieser Vorgänge sei zentral, brachte der Papst seine Gedanken zum Abschluss: Ihr Herz sei die Mitte, von der aus es neu aufzubrechen gelte: „In ihrem Herz schlägt das Herz der Kirche. Um voranzukommen, so sagt uns das heutige Fest, muss man zurückgehen: neu beginnen bei der Krippe, bei der Mutter, die Gott in den Armen hält.“

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Quelle

Die Mutter Gottes ist unsere Mutter

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Pfärrich (Gemeinde Amtzell), Pfarr- Und Wallfahrtskirche Mariä Geburt / Wikimedia Commons – Photo: Andreas Praefcke, CC BY 3.0

Hochfest der Mutter Gottes, Lesejahr A — 30. Dezember 2016

Genau eine Woche nach Weihnachten, nämlich am 1. Januar, feiert die Kirche nicht nur Neujahr, sondern, seitdem Papst Paul VI. es einführte, das Hochfest Maria Mutter Gottes.

Tatsächlich steht Maria im Heilsgeschehen am Anfang.

Und der Glaubenssatz, dass Maria die Mutter Gottes ist, stellt für uns heute kein Problem dar. Das war aber einmal anders.

Versetzen wir uns in die Situation der ersten Christen. Wir dürfen nicht vergessen, dass in der Hl. Schrift, die ja eine Hauptquelle unseres Glaubens darstellt, die Einzelheiten des Glaubens durchaus nicht systematisch dargelegt werden. Die Bibel ist kein wissenschaftliches Lehrbuch. Die wesentlichen Dinge sind oft von Christus beinahe wie en passant hingeworfen worden. Denken wir z.B. an die Einsetzung der Hl. Beichte: Jesus haucht die Jünger an und sagt: Empfangt den Heiligen Geist. Wem ihr die Sünden nachlasst, dem sind sie nachgelassen. Wem ihr sie behaltet, dem sind sie behalten. Beinahe nebenbei wird noch klar gestellt, dass die Sündenvergebung, deren Vollmacht die Apostel hier erhalten, ein individuelles Geschehen ist, also die Einzelbeichte.

Was die Mutterschaft Mariens angeht, so besteht kein Zweifel daran, dass sie die Mutter Jesu ist, wobei sie vor der Geburt, in der Geburt und nach der Geburt Jungfrau ist und bleibt. Was aber die Christen verunsicherte, war die Frage: Kann man Gottesgebärerin zu ihr sagen? Denn wörtlich verstanden, hieße das ja, dass sie Gott geboren, also hervorgebracht hat. Das aber kann nicht sein, dass ein Geschöpf den Schöpfer hervorbringt. Dann also müsste es heißen Maria Christusgebärerin.

Die Bischöfe, die im Jahre 431 in Ephesus zum Konzil versammelt waren, sahen deutlich, dass die mariologische Frage eigentlich eine christologische war. Christus ist Gott und ist Mensch, und zwar wahrer Gott und wahrer Mensch. Kann es sein, dass Maria die Mutter nur des Menschen Jesus ist? Das würde bedeuten, dass Jesus Christus nicht eine, sondern zwei Personen wäre. Dann wäre Maria die Mutter des Menschen Jesus, aber nicht des Gottes Christus. Das wiederum widerspricht der Erkenntnis über Christus, dass er nämlich nicht zwei Personen sein kann, sondern nur eine: eine Person in zwei Naturen. Wenn das so ist – und frühere Konzilien hatten das bereits festgestellt, und es ist auch in sich logisch – dann können wir Maria als Theotokos bezeichnen, als Gottesgebärerin.

Als die Konzilsväter am Abend des 31. Juli 431 den Beschluss verkündeten, gab es bei der vor dem Haus versammelten Bevölkerung einen großen Jubel, denn das gläubige Volk, das ja auch den Hl. Geist hat, hatte sich längst für “Gottesgebärerin” entschieden. Mit einem glanzvollen Fackelzug begleiteten sie die Konzilsväter durch die Stadt.

Wenn wir heute, nach so langer Zeit, auf diesen Begriff Gottesgebärerin schauen, werden uns die Streitereien der damaligen Theologen nicht mehr berühren. Was aber bleibt, und woraus wir auch heute sehr viel Segen empfangen können, ist das Bewusstsein, dass die Jungfrau Maria unser aller Mutter ist. So jedenfalls hat es Christus verfügt, als er im Augenblick seines größten Schmerzes am Kreuz zum Jünger sagte: „Siehe da deine Mutter!“ und zu Maria: „Siehe da dein Sohn!“

In unserer krisengeschüttelten Zeit ist es sicherlich ein Trost zu wissen, dass wir Christen, ja alle Menschen eine himmlische Mutter haben.

Zur Mutter kann man hingehen, wenn alles sehr schwierig wird und wir keine Lösung sehen.

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