Papst Paul VI. und das Gedächtnis der afrikanischen Märtyrer

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Papst Paul VI. in Namugongo (2. August 1969)

Die Homilie von Papst Paul VI.

bei der Erhebung der ugandischen Märtyrer zur Ehre der Altäre.

Im Jahr 1964 wurden 22 katholische Gläubige heiliggesprochen. Menschen, die zwischen 1885 und 1887 in Uganda den Märtyrertod erlitten haben. Der bekannteste davon, Charles Lwanga, war am 3. Juni 1886 in Namugongo zusammen mit 12 Katholiken und einigen Christen anderer Konfessionen lebendig verbrannt worden. Paul VI. wollte bei seiner 1969 nach Uganda unternommenen Reise den Hochaltar des Sanktuariums von Namugongo weihen, das man dort errichtet hat, wo Charles Lwanga und seine Leidensgenossen das Martyrium erlitten hatten. Lesen Sie hier einen Auszug aus der Homilie, die der Papst am 18. Oktober 1964 bei der Heiligsprechung der ugandischen Märtyrer hielt.

„Durch diese afrikanischen Märtyrer wird dem Buch der Siegreichen, dem Martyrologium, eine tragische und herrliche Seite hinzugefügt, die es wahrlich verdient, jenen wunderbaren Seiten des Afrikas des Altertums hinzugefügt zu werden – eine Fortsetzung, die wir Moderne, Menschen mit wenig Glauben, niemals für möglich gehalten hätten. Wer hätte z.B. annehmen können, daß zu den bewegenden Geschichten der szyllanischen Märtyrer, der Märtyrer Karthagos, der Märtyrer der uticanischen „Massa Candida“, deren Gedächtnis uns Augustinus und Prudentius überliefert haben, der Märtyrer Ägyptens, von denen uns das Lob des hl. Johannes Chrysostomos erhalten ist, der Märtyrer der Verfolgung durch die Vandalen, in unserer Zeit neue, und keinesfalls weniger heldenhafte, nicht weniger glorreiche Geschichten hinzukommen sollten? Wer hätte vorhersehen können, daß den großen historischen Gestalten der heiligen afrikanischen Märtyrer und Bekenner – Cyprian, Felicitas und Perpetua, aber auch der große Augustinus – eines Tages so teure Namen wie Charles Lwanga und Matthew Mulumba Kalemba mit ihren zwanzig Leidensgenossen zur Seite gestellt werden würden? Und dabei wollen wir auch die anderen, der anglikanischen Konfession angehörenden, nicht vergessen, die ihr Leben im Namen Christi hingegeben haben.

Diese afrikanischen Märtyrer eröffnen eine neue Epoche – Oh! Nicht der Verfolgung oder religiösen Kontraste, wie wir hoffen wollen, sondern christlicher und ziviler Neugeburt. Das vom Blut dieser Märtyrer getränkte Afrika, die Ersten der Neuzeit (oh, Gott gebe, daß es die letzten sind, so groß und wertvoll ist ihr Holocaust!), kann frei und erlöst auferstehen. Die Tragödie, die sie verschlungen hat, ist von derart unerhörter Tragweite, daß sie ausreichende Elemente für die moralische Gründung eines neuen Volkes liefert, für die Gründung einer neuen geistlichen Tradition, als Sinnbild und Stütze des Übergangs von einer primitiven Zivilisation – wenngleich auch nicht ohne optimale menschliche Werte, so doch verunreinigt und angeschlagen, fast schon Sklavin ihrer selbst – zu einer Zivilisation, die offen ist für höhere Ausdrucksformen des Geistes und der Sozialität.“

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Quelle