Vatikan-Konferenz fordert weltweite Ächtung von Organhandel

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Debatte an der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften

Eine Konferenz im Vatikan ruft die Verantwortlichen weltweit zu schärferen Maßnahmen gegen Organhandel auf. „Die Verwendung der Organe hingerichteter Häftlinge und Geldzahlungen an Organspender oder die Hinterbliebenen verstorbener Organspender sollten als Verbrechen weltweit verurteilt und von der Justiz verfolgt werden.“ Das fordern die Teilnehmer der Konferenz, die von der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften ausgerichtet wurde, in ihrer Schlusserklärung.Organhandel und „Menschenhandel zum Zweck der Organentnahme“ seien „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, so die Erklärung. Vor allem arme und ausgebeutete Menschen würden in diesem Bereich leicht zu Opfern; zahlende „Transplantationstouristen“ dürften nicht die Augen vor den Schattenseiten dieses Geschäfts verschließen, bei dem „skrupellose Zwischenhändler“ und „korrupte Mitarbeiter im Gesundheitswesen“ die Menschenwürde mit Füßen träten.Die Erklärung rügt ungenannte Staaten, die zum Ziel von „Transplantationstouristen“ würden, weil ihre Gesetzgebung „zum Schutz der Armen und Verwundbaren“ nicht ausreiche oder nicht durchgesetzt werde. Vor allem Indien, China und die Philippinen werden in diesen Jahren zum Ziel von Menschen aus reichen Ländern, die auf der Suche nach einem für sie lebenswichtigen Organ alle Bedenken beiseiteschieben. Aus China haben zwei Regierungsvertreter an der Konferenz im Vatikan teilgenommen.

Religions- und Kirchenführer sollen nach den Empfehlungen der Konferenz zur Organspende ermutigen und Regierungen dafür sorgen, dass in ihren Ländern genug Organe bereit sind, damit sich gar nicht erst ein Schwarzmarkt entwickelt.

Bei der Konferenz im Vatikan war es zu teils hitzigen Debatten mit Blick auf die Praxis in China gekommen. Die Tagung zu Organhandel gehört zu einem Reigen von Vatikan-Initiativen gegen Menschenhandel und moderne Sklaverei. Damit hat Papst Franziskus die Päpstliche Akademie der Wissenschaften betraut.

(rv 09.02.2017 sk)

Papst gegen Menschenhandel: „Beschämend und inakzeptabel“

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Papst Franziskus bei der Generalaudienz

Franziskus hat zur Befreiung Minderjähriger von Sklaverei und Menschenhandel aufgerufen. Am internationalen Gebetstag gegen den Menschenhandel, der an diesem Mittwoch begangen wird, wandte sich der Papst erneut an Regierungen und politische Verantwortungsträger, „mit Entschiedenheit diese Plage zu bekämpfen“. Es müsse „jede Anstrengung“ unternommen werden, „um dieses beschämende und inakzeptable Verbrechen zu bezwingen“, sagte er bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz. An diesem Mittwoch begeht die katholische Kirche den dritten Weltgebetstag gegen Menschenhandel, den Franziskus seinerzeit einführte und auf den 8. Februar legte.

Iana Mafei ist Gründerin und Präsidentin der Hilfsorganisation „Reaching out Romania“, die sich seit 1998 in Rumänien um die Befreiung von Mädchen aus den Fängen von Menschenhändlern kümmert. Sie war in diesen Tagen auf einer Konferenz in Rom, die das Ordensnetzwerk gegen Menschenhandel „Talitha Kum“ ausgerichtet hat. Im Interview mit Radio Vatikan zieht die engagierte Helferin eine ernüchternde Bilanz über die Situation der Opfer von Sklaverei und Menschenhandel in ihrem Heimatland Rumänien:

„Die Situation ist dieselbe wie vor 20 Jahren, der einzige Unterschied ist nur, dass das Alter der Mädchen dramatisch gesunken ist. Wir haben jetzt Opfer schon ab elf Jahren, das sind alles Minderjährige, sie werden jünger und jünger.“

Staat und Polizeibehörden kennen das Phänomen aufgrund internationaler Bemühungen etwa der Vereinten Nationen inzwischen, sagt die Menschenrechtlerin, trotzdem aber erfahren die gehandelten und versklavten Kinder nur selten Hilfe: „In all den Jahren haben die Autoritäten gelernt, sich politisch korrekt zu verhalten, sie haben die Sprache gelernt, aber die Mentalität ist die alte“, urteilt Mafei.

Sie selbst wurde vor Jahren gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel aktiv, als sie auf einer Polizeistation drei minderjährige Zwangsprostituierte kennenlernte, die die Beamten einfach wieder auf die Straße schicken wollten. Kurzerhand mietete Mafei eine Wohnung und nahm die Mädchen auf – und entwickelte daraus nach und nach eine gut funktionierende Hilfsorganisation, die bereits hunderten Mädchen wieder zu einem halbwegs normalen Leben verhalf. „Reaching out Romania“ bietet den Opfern medizinische und psychologische Betreuung sowie Rechtsberatung an, organisiert Ausbildungsprojekte und unterhält landesweit drei Schutzhäuser, ein weiteres wird derzeit gebaut.

Zuhälter und Menschenhändler machten auch heute in Rumänien noch reiche Beute, berichtet Mafei: „Die Anwerber der Mädchen gehen zu den Waisenhäusern, das ist ihr Aktionsfeld. Diese Kinder haben niemanden, der sich um sie kümmert und sie großzieht oder sie unterrichtet, und da kommt dann der Händler und sagt: ich kümmere mich um dich. Viele von ihnen werden durch die Loverboy-Methode angeworben, ein junger Mann macht den Mädchen den Hof, sagt ihnen, ich liebe dich und will dich heiraten.“

Ursachen des Missbrauchs lägen dabei weniger in der Armut als vielmehr in sozialer Verwahrlosung: „Es gibt diesen Mangel an Liebe, den diese Kinder haben, deshalb landen die Mädchen auf der Straße, es ist nicht die Armut. Es geht um Familien, die nicht funktionieren, fehlende Liebe. Einige werden auch von ihren eigenen Eltern verkauft oder auf die Straße geschickt, um Geld zu verdienen. Das ist mangelnde Bildung; die kriegen Kinder, weil es passiert, nicht, weil sie das wollten. Und das Kind wird dann benutzt, um etwas zu verdienen.“

Handlungsbedarf sieht Mafei im Kontext des Phänomens vor allem im Bereich der Kinderrechte. An der Gedankenlosigkeit der Behörden beiße sie sich, erzählt die Menschenrechtlerin, die Zähne aus. Selten nähmen die Beamten die Perspektive der minderjährigen Opfer ein, es fehle an Fingerspitzengefühl und auch an gutem Willen – das sei für sie „das härteste“ an ihrer Arbeit:

„Es geht immer um Autoritäten und darum, der Perspektive des Kindes zum Durchbruch zu verhelfen. Diese Menschen nehmen die Bedürfnisse des Kindes einfach nicht wahr. Sie denken, es gibt doch die Gesetzgebung, wir müssen die Familien neu integrieren, das Recht der Mutter ist es, in Kontakt mit ihrem Sohn zu sein, aber wenn man das umdreht und sagt, was ist denn mit dem Recht des Kindes, die Mutter war doch diejenige, die missbraucht hat, wo können wir das festmachen? Das macht mich so wütend, denn die Behörden bringen die Kinder zurück in die Hände derjenigen, die sie missbraucht haben, einfach um sie loszuwerden. Denn es ist ja nicht einfach, diese Kinder zu betreuen, man muss sie zur Schule schicken etc. Ihr Mut aber ist atemberaubend – sie sind dazu bereit, ihr Leben wieder auf die Reihe zu kriegen, wenn man sie nur ein kleines bisschen unterstützt. Und das kostet kein Geld – es braucht nur Seele, ein Herz.“

(rv 08.02.2017 pr)