Benedikt XVI. zum Hochfest der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau und Gottesmutter Maria – 2005

EUCHARISTIEFEIER ANLÄSSLICH DES 40. JAHRESTAGES DES
ABSCHLUSSES DES II. ÖKUMENISCHEN VATIKANISCHEN KONZILS

PREDIGT VON BENEDIKT XVI.

Hochfest der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau und Gottesmutter Maria
Donnerstag, 8. Dezember 2005

Liebe Mitbrüder im Bischofs- und Priesteramt,
liebe Brüder und Schwestern!

Vor 40 Jahren, am 8. Dezember 1965, vollzog Papst Paul VI. auf dem Vorplatz dieser Petersbasilika den feierlichen Abschluß des II. Vatikanischen Konzils. Es war nach dem Wunsch von Johannes XXIII. am 11. Oktober 1962, damals Fest der Mutterschaft Mariens, eröffnet worden und fand seinen Abschluß am Tag der Unbefleckten Empfängnis. Ein marianischer Rahmen umgibt also das Konzil. Tatsächlich ist es aber viel mehr als ein Rahmen: Es ist eine Orientierung für den ganzen Verlauf des Konzils. Ebenso wie seinerzeit die Konzilsväter verweist es auch uns auf das Bild der Jungfrau, die zuhört, die im Wort Gottes lebt, die die Worte, die von Gott zu ihr gelangen, in ihrem Herzen bewahrt und die sie begreifen lernt, indem sie sie gleichsam zu einem Mosaik zusammenfügt (vgl. Lk 2,19.51); es verweist uns auf die große Glaubende, die sich demütig und vertrauensvoll in die Hände Gottes übergibt, indem sie sich seinem Willen überläßt; es verweist uns auf die demütige Mutter, die, wenn es die Sendung des Sohnes verlangt, in den Hintergrund tritt, und zugleich auf die mutige Frau, die unter dem Kreuz steht, während die Jünger die Flucht ergreifen. In seiner Ansprache anläßlich der Promulgation der Konzilskonstitution über die Kirche hatte Paul VI. Maria als »tutrix huius Concilii« – »Beschützerin dieses Konzils« – bezeichnet (vgl. Oecumenicum Concilium Vaticanum II, Constitutiones Decreta Declarationes, Vatikanstadt 1966, S. 986) und mit unverkennbarer Bezugnahme auf den von Lukas überlieferten Pfingstbericht (Apg 1,12–14) gesagt, die Konzilsväter hätten sich »cum Maria, Matre Iesu« – »mit Maria, der Mutter Jesu« – in der Konzilsaula versammelt und würden nun auch in ihrem Namen aus ihr hinausgehen (ebd., S. 985).

Unauslöschlich bleibt in meinem Gedächtnis der Augenblick, in dem sich die Konzilsväter, als sie seine Worte hörten: »Mariam Sanctissimam declaramus Matrem Ecclesiae« – »Wir erklären die seligste Jungfrau Maria zur Mutter der Kirche« –, spontan von ihren Sitzen erhoben und stehend applaudierten und auf diese Weise der Gottesmutter, unserer Mutter, der Mutter der Kirche huldigten. In der Tat faßte der Papst mit diesem Titel die marianische Lehre des Konzils zusammen und bot den Schlüssel zu deren Verständnis. Maria steht nicht nur in einer einzigartigen Beziehung zu Christus, dem Sohn Gottes, der als Mensch ihr Sohn werden wollte. Indem sie vollkommen mit Christus verbunden ist, gehört sie auch vollkommen zu uns. Ja, wir können sagen, Maria ist uns so nahe wie kein anderer Mensch, weil Christus Mensch für die Menschen ist und sein ganzes Sein ein »Sein für uns« ist. Christus als Haupt ist, wie die Konzilsväter sagen, nicht von seinem Leib, der Kirche, zu trennen; er bildet zusammen mit ihr sozusagen ein einziges lebendiges Subjekt. Die Mutter des Hauptes ist auch die Mutter der ganzen Kirche; sie wird sozusagen sich selbst vollkommen entzogen; sie gibt sich ganz Christus hin und wird mit ihm uns allen geschenkt. Denn je mehr sich die menschliche Person hingibt, um so mehr findet sie sich selbst.

Das Konzil wollte uns sagen: Maria ist so in das große Geheimnis der Kirche eingewoben, daß sie und die Kirche ebenso wenig voneinander zu trennen sind wie sie und Christus. Maria ist Spiegelbild der Kirche, sie nimmt sie in ihrer Person vorweg und bleibt in allen Turbulenzen, die die leidende und sich abmühende Kirche heimsuchen, immer der Stern des Heils. Sie ist ihre wahre Mitte, der wir vertrauen, auch wenn uns ihre Randbereiche so oft schwer auf der Seele lasten. Dies alles hat Papst Paul VI. bei der Verkündigung der Konstitution über die Kirche mittels eines neuen, tief in der Überlieferung verwurzelten Titels in der Absicht herausgestellt, die innere Struktur der auf dem Konzil entwickelten Lehre über die Kirche zu erhellen. Das II. Vaticanum sollte über die institutionellen Glieder der Kirche sprechen: über die Bischöfe und über den Papst, über die Priester, die Laien und die Ordensleute in ihrer Gemeinschaft und in ihren Beziehungen zueinander; es sollte die pilgernde Kirche beschreiben, »die in ihrem eigenen Schoß Sünder umfaßt; die zugleich heilig und stets der Reinigung bedürftig ist…« (Lumen gentium, 8). Aber diese »petrinische« Dimension der Kirche ist in jener »marianischen« Dimension enthalten. In Maria, der unbefleckt Empfangenen, begegnen wir dem unentstellten Wesen der Kirche. Von ihr sollen wir lernen, selber zu »kirchlichen Seelen« zu werden, wie sich die Konzilsväter ausdrückten, damit auch wir, nach dem Wort des hl. Paulus, »schuldlos« vor den Herrn treten können, so wie er uns von Anfang an haben wollte (vgl. Kol 1,22; Eph 1,4).

Aber nun müssen wir uns fragen: Was bedeutet »Maria, die unbefleckt Empfangene«? Hat uns dieser Titel etwas zu sagen? Die Liturgie des heutigen Tages erklärt uns den Inhalt dieses Wortes in zwei großartigen Bildern. Da ist zuerst der wundervolle Bericht von der Ankündigung des Kommens des Messias an Maria, die Jungfrau aus Nazaret. Der Gruß des Engels ist aus Fäden des Alten Testaments, besonders aus dem Buch des Propheten Zefanja, gewoben. Er zeigt, daß Maria, die einfache Frau aus der Provinz, die aus einem priesterlichen Geschlecht stammt und das große priesterliche Erbe Israels in sich trägt, der »heilige Rest« Israels ist, auf den sich die Propheten zu allen Zeiten der Drangsal und Finsternis bezogen haben. In ihr ist das wahre, das reine Zion, die lebendige Wohnstatt Gottes, gegenwärtig. In ihr wohnt der Herr, in ihr findet er seinen Ort der Ruhe. Sie ist das lebendige Haus Gottes, der nicht in steinernen Häusern wohnt, sondern im Herzen des lebendigen Menschen. Sie ist der Sproß, der in der dunklen Winternacht der Geschichte aus dem Baumstumpf Davids hervorsprießt. In ihr erfüllt sich das Psalmwort: »Das Land gab seinen Ertrag« (Ps 67,7). Sie ist der junge Trieb, aus dem der Baum der Erlösung und der Erlösten heranwächst. Gott ist nicht gescheitert, wie es gleich am Anfang der Geschichte mit Adam und Eva oder während des Babylonischen Exils vielleicht scheinen mochte und wie es sich zur Zeit Mariens neuerlich abzuzeichnen schien, als Israel zu einem bedeutungslosen Volk in einem besetzten Land geworden war, wo kaum Zeichen seiner Heiligkeit zu erkennen waren. Gott ist nicht gescheitert. In der Schlichtheit des Hauses von Nazaret lebt das heilige Israel, der lautere Rest. Gott hat sein Volk gerettet und rettet es auch weiterhin. Seine Geschichte beginnt von neuem zu leuchten von dem Baumstumpf aus, der zu einer neuen lebendigen Kraft wird, die Orientierung gibt und die Welt durchdringt. Maria ist das heilige Israel; sie sagt »Ja« zum Herrn, sie stellt sich ihm voll zur Verfügung und wird so zum lebendigen Tempel Gottes.

Das zweite Bild ist viel schwieriger und dunkler. Diese Metapher aus dem Buch Genesis spricht zu uns aus einer großen historischen Distanz und läßt sich nur mühsam erklären; erst im Laufe der Geschichte war es möglich, ein tieferes Erfassen des dort Berichteten zu entwickeln. Es wird vorausgesagt, daß während der ganzen Geschichte der Kampf zwischen dem Menschen und der Schlange, das heißt zwischen dem Menschen und den Mächten des Bösen und des Todes, weitergehen wird. Es wird jedoch auch vorhergesagt, daß »die Nachkommenschaft« der Frau eines Tages siegen und der Schlange, dem Tod, den Kopf zertreten wird; es wird vorhergesagt, daß die Nachkommenschaft der Frau – und in ihr die Frau und Mutter – siegen wird und daß auf diese Weise, nämlich durch den Menschen, Gott siegen wird. Wenn wir zusammen mit der glaubenden und betenden Kirche hörend an diesen Text herangehen, dann können wir beginnen zu verstehen, was die Ursünde, die Erbsünde ist, und auch, was der Schutz vor dieser Erbsünde ist, was die Erlösung ist.

Was für ein Bild wird uns in diesem Abschnitt vor Augen geführt? Der Mensch vertraut nicht auf Gott. Von den Worten der Schlange verführt, hegt er den Verdacht, daß Gott letzten Endes ihm etwas von seinem Leben wegnehme, daß Gott ein Konkurrent sei, der unsere Freiheit einschränke, und daß wir erst dann im Vollsinn Menschen sein würden, wenn wir Gott zurückgesetzt haben; kurz, daß wir nur auf diese Weise unsere Freiheit voll verwirklichen können. Der Mensch lebt in dem Verdacht, die Liebe Gottes erzeuge eine Abhängigkeit und er müsse sich von dieser Abhängigkeit befreien, um vollkommen er selbst zu sein. Der Mensch will seine Existenz und die Fülle seines Lebens nicht von Gott empfangen. Er will selber vom Baum der Erkenntnis die Macht dazu erlangen, die Welt zu formen, Gott zu werden, indem er sich auf eine Stufe mit Ihm erhebt, und den Tod und die Finsternis mit eigener Kraft zu besiegen. Er will nicht auf die Liebe zählen, die ihm nicht zuverlässig erscheint; er zählt einzig und allein auf die Erkenntnis, da sie ihm die Macht verleiht. Anstatt auf die Liebe setzt er auf die Macht, mit der er sein Leben selbständig in die Hand nehmen möchte. Und indem er das tut, vertraut er der Lüge statt der Wahrheit und stürzt so mit seinem Leben ins Leere, in den Tod. Liebe ist nicht Abhängigkeit, sondern Geschenk, das uns leben läßt. Die Freiheit eines Menschen ist die Freiheit eines begrenzten Wesens und ist daher selbst begrenzt. Wir können sie nur als geteilte Freiheit, in der Gemeinschaft der Freiheiten, besitzen: Nur wenn wir in rechter Weise miteinander und füreinander leben, kann sich die Freiheit entfalten. Aber wir leben in rechter Weise, wenn wir gemäß der Wahrheit unseres Seins, das heißt nach dem Willen Gottes leben. Denn der Wille Gottes ist für den Menschen nicht ein ihm von außen auferlegtes Gesetz, das ihn einengt, sondern das seiner Natur wesenseigene Maß, ein Maß, das in ihn eingeschrieben ist und ihn zum Abbild Gottes und somit zum freien Geschöpf macht. Wenn wir gegen die Liebe und gegen die Wahrheit – also gegen Gott – leben, zerstören wir uns gegenseitig und zerstören die Welt. Dann finden wir nicht das Leben, sondern handeln im Interesse des Todes. Das alles wird mit den unvergänglichen Bildern in der Geschichte vom Sündenfall und von der Vertreibung des Menschen aus dem irdischen Paradies erzählt.

Liebe Brüder und Schwestern! Wenn wir über uns und über unsere Geschichte aufrichtig nachdenken, müssen wir sagen, daß mit diesem Bericht nicht nur die Geschichte des Anfangs, sondern die Geschichte aller Zeiten beschrieben wird und daß wir alle einen Tropfen des Giftes von jener Denkweise in uns tragen, wie sie in den Bildern aus dem Buch Genesis veranschaulicht wird. Diesen Gifttropfen nennen wir Erbsünde. Gerade am Hochfest der Unbefleckten Empfängnis taucht in uns der Verdacht auf, daß eine Person, die gar nicht sündigt, im Grunde genommen langweilig sei; daß etwas in ihrem Leben fehle, nämlich die dramatische Dimension, autonom zu sein; daß die Freiheit, nein zu sagen, hinabzusteigen in die Dunkelheiten der Sünde und des Selber-machen-Wollens zum wahren Menschsein gehöre; daß man nur dann die ganze Weite und Tiefe unseres Menschseins, des wahren Wir-selbst-Seins bis zum Letzten ausnützen könne; daß wir diese Freiheit auch gegen Gott auf die Probe stellen müssen, um wirklich voll und ganz wir selbst zu werden. Mit einem Wort, wir meinen, daß das Böse im Grunde genommen gut sei, daß wir es, zumindest ein wenig, brauchen, um die Fülle des Seins zu erleben. Wir meinen, daß Mephistopheles – der Versucher – Recht habe, wenn er sagt, daß er die Kraft sei, die »stets das Böse will und stets das Gute schafft« (J. W. von Goethe, Faust I, 3). Wir meinen, ein wenig mit dem Bösen zu paktieren, sich ein wenig Freiheit gegen Gott vorzubehalten, sei im Grunde genommen gut, vielleicht sogar notwendig.

Wenn wir uns allerdings die Welt um uns herum anschauen, können wir sehen, daß es sich eben nicht so verhält; daß vielmehr das Böse den Menschen immer vergiftet, ihn nicht erhöht, sondern ihn erniedrigt und demütigt, ihn nicht größer, reiner und reicher macht, sondern ihm schadet und ihn kleiner werden läßt. Das müssen wir vor allem am Tag der Unbefleckt Empfangenen lernen: Der Mensch, der sich vollkommen in die Hände Gottes übergibt, wird keine Marionette Gottes, keine langweilige, angepaßte Person; er verliert seine Freiheit nicht. Nur der Mensch, der sich ganz Gott anvertraut, findet die wahre Freiheit, die große und schöpferische Weite der Freiheit des Guten. Der Mensch, der sich zu Gott hinwendet, wird nicht kleiner, sondern größer, denn durch Gott und zusammen mit Ihm wird er groß, wird er göttlich, wird er wirklich er selbst. Der Mensch, der sich in die Hände Gottes übergibt, entfernt sich nicht von den anderen, indem er sich in sein privates Heil zurückzieht; im Gegenteil, nur dann erwacht sein Herz wirklich und er wird zu einer einfühlsamen und daher wohlwollenden und offenen Person.

Je näher der Mensch Gott ist, desto näher ist er den Menschen. Das sehen wir an Maria. Der Umstand, daß sie ganz bei Gott ist, ist der Grund dafür, daß sie auch den Menschen so nahe ist. Deshalb kann sie die Mutter jeden Trostes und jeder Hilfe sein: Jeder kann es in seiner Schwachheit und Sünde wagen, sich in jeder Art von Not an diese Mutter zu wenden, denn sie hat Verständnis für alles und ist die für alle offene Kraft der schöpferischen Güte. Ihr hat Gott sein Bild aufgeprägt, das Bild dessen, der dem verlorenen Schaf bis in die Berge und bis in die Stacheln und Dornen der Sünden dieser Welt nachgeht, indem er sich von der Dornenkrone dieser Sünden verwunden läßt, um das Schaf auf seine Schultern zu nehmen und es nach Hause zu tragen. Als Mutter, die mitleidet, ist Maria die vorweggenommene Gestalt und das bleibende Bildnis des Sohnes. Und so sehen wir, daß auch das Bild der Schmerzensmutter, der Mutter, die das Leiden und die Liebe des Sohnes teilt, ein wahres Bild der Immaculata ist. Ihr Herz hat sich durch das Mit-Gott-Leben und Mit-Gott-Fühlen geweitet. In ihr ist uns Gottes Güte sehr nahe gekommen. So steht Maria vor uns als Zeichen des Trostes, der Ermutigung und der Hoffnung. Sie wendet sich an uns und sagt: »Hab’ Mut, es mit Gott zu wagen! Versuche es! Hab’ keine Angst vor Ihm! Hab’ Mut, das Wagnis des Glaubens einzugehen! Hab’ Mut, dich auf das Wagnis der Güte einzulassen! Laß dich für Gott gewinnen, dann wirst du sehen, daß gerade dadurch dein Leben weit und hell wird, nicht langweilig, sondern voll unendlicher Überraschungen, denn Gottes unendliche Güte erschöpft sich niemals!«

Wir wollen an diesem Festtag dem Herrn danken für das große Zeichen seiner Güte, das er uns in Maria, seiner Mutter und der Mutter der Kirche, geschenkt hat. Wir wollen ihn bitten, Maria auf unserem Weg Raum zu geben – als Licht, das uns hilft, unsererseits zum Licht zu werden und dieses Licht in die Nächte der Geschichte hineinzutragen. Amen.

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Der hl. Petrus Canisius: Die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel

Die leibliche Aufnahme Mariä
in den Himmel.*

1. Alle Menschen streben nach Glückseligkeit, den Christen aber ist es eigen, nicht bloß auf die Glückseligkeit der Seele zu hoffen, sondern auch auf die ihres Leibes, um auch auf diese Weise ihrem Haupte Christus gleichförmig zu werden. Der heilige Paulus verlangt aufgelöst zu werden und mit Christus zu sein, aber nicht bloß dies, sondern er erwartete den Erlöser, der seinen Leib gleichförmig machen werde dem Leibe seiner Herrlichkeit und er seufzte darnach, es möge das, was an ihm sterblich war, umgewandelt werden in Unsterblichkeit (Phil. 12. Kor. 5). So wird gewiß auch Maria immer darnach verlangt haben und sie um so mehr, weil sie aus dem vertrauten Umgang mit dem auferstandenen Sohn die Herrlichkeit eines verklärten Leibes kannte und weil sie gestützt auf ihre innige Verbindung mit ihrem Sohne großes Vertrauen auf Gott hatte, bat sie vor ihrem Tode Gott oft und inständig, daß sie bald mit Leib und Seele dorthin komme, wo ihr Sohn ist; der Heilige Geist wird ihr dieses Verlangen ins Herz gegeben haben, denn er ist es ja, der mit unaussprechlichen Seufzern in uns betet.

2. Die Kirche glaubt, daß Maria nebst vielen andern Privilegien auch dieses von Gott erhielt, daß ihr Leib nach ihrem Tode auferweckt und mit Unsterblichkeit bekleidet wurde. So erlangte also Maria auch die Seligkeit des Leibes und herrscht nun im himmlischen Reiche mit Leib und Seele. So lehren Antoninus von Florenz1, Thomas von Aquin2, der Fürst aller Kirchenlehrer, Albertus der Große3, der sagt, daß nicht bloß Maria sondern auch andere, die mit Christus von den Toten auferstanden, mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurden. Ebenso Bonaventura4 und Durandus. Letzterer sagt: „Zu Staub werden ist die allgemeine Strafe der Erbsünde und besteht darin, daß die menschliche Natur sich selbst überlassen wird, denn in diesem Falle muß der Leib von selbst zu Staub werden. Bei Maria aber wurde eine Ausnahme gemacht, weil Christi Leib auch nicht der Verwesung anheimfiel nach dem Worte des Propheten im Ps. 15: ‚Du wirst deinen Heiligen die Verwesung nicht schauen lassen‘, sein Leib ist aber aus dem Leibe der Jungfrau genommen, dieser durfte mithin auch nicht verwesen.“5 Auch Richard von St. Victor6 lehrt so. Bernhard7 aber beschreibt die Freude aller Himmelsbewohner, die sie hatten, als sie die Stimme Marias hörten, ihr Antlitz schauten, ihre Gegenwart genießen konnten, also glaubte er an ihre leibliche Auferstehung. Ebenso Augustin: „Christus, der sie auf Erden mehr als alle andern liebte durch Verleihung von Gnaden, ehrte sie auch nach dem Tode mehr als alle andern, indem er sie nicht den Würmern, dem Staub und der Fäulnis überließ, sie, die den geboren hat, der ihr und aller Menschen Erlöser ist.8 Amadeus: „Weil sie Christus mehr liebte als alle andern, deswegen sieht sie ihn auch besser, sieht ihn nicht bloß als Gott mit den Augen des Geistes, sondern auch als Menschen mit den Augen des Leibes.“9 Nicephorus: „Sie wurde zwar begraben, aber dann ins Paradies versetzt als Baum des Lebens. Wie, das weiß Gott, der dies getan.“10 Michael Glykas: „Sie war den allgemeinen Gesetzen der Natur unterworfen, starb und wurde begraben, ist aber dann lebendig vom Grabe auferstanden wie Christus; nur die Linnen, in denen sie begraben wurde, fanden sich vor.“11 Andreas von Jerusalem, Erzbischof von Kreta: „Weil sie den Urheber des Lebens geboren hat, wurde sie auch dorthin versetzt, wo die Quelle des ewigen Lebens war, wo nichts flüchtig und vorübergehend ist, wo es keine Beschwerden und Leiden dieses Lebens, keinen unangenehmen Wechsel der Dinge mehr gibt.“12 Der hl. Germanus, Patriarch von Konstantinopel: „Der Leib der Jungfrau wurde von den Toten auferweckt und wurde ganz geistig, unsterblich, unverweslich. Es ist ein menschlicher Leib, aber ein solcher, der zum unsterblichen Leben gelangte, absolut voll Leben, der nicht mehr sterben kann, denn er war das Gefäß, das Gott enthielt.“13Johannes Damascenus bezeugt, „sie sei am dritten Tage auferstanden und zu ihrem Sohne aufgenommen worden. Als Tochter der alten Eva ist sie zwar gestorben, wie auch Christus, obwohl das Leben selber, den Tod nicht von sich gewiesen hat, allein weil Mutter des lebendigen Gottes, wurde  sie zu ihm aufgenommen.“14 Seine Predigt über Marias Aufnahme in den Himmel nahm die Kirche in das Brevier des Festes auf. Juvenal, Erzbischof von Jersalem, ist ein gewichtigerer Zeuge als alle andern, weil er in allem, was die Kirche von Jerusalem betrifft, durchaus glaubwürdig ist. Vor dem Kaiser Marcian und der Kaiserin Pulcheria erklärte er auf dem Konzil von Chalcedon, er wisse es aus der langjährigen und wahrhaften Überlieferung der Vorfahren, daß die Apostel drei Tage beim Grabe der Mutter Gottes blieben und als sie es aufmachten, sei ihr Leib nicht mehr dort gewesen, sondern nur die Leintücher, ebenso wie es bei der Auferstehung Christi war.15 Kaiser Leo bezeugte auch dasselbe in einer Rede.16 Alle diese bezeugen die Auferstehung und die Aufnahme Mariä in den Himmel dem Leibe nach. Athanasius sagt, „Maria sitze zur Rechten ihres Sohnes, des ewigen Königs, im Himmel und zwar auch leiblich, nämlich mit unsterblichem und unverweslichem Leibe. Sie ist also bereits selig im Himmel nicht bloß der Seele nach, sondern auch im Leibe und herrscht dort mit Christus. Das sei gemeint unter dem Kleide der Königin, die zu seiner Rechten sitzt, nämlich ihr Leib angetan mit Unsterblichkeit, Unverweslichkeit Glanz und Herrlichkeit.“17

Die griechische Kirche singt schon seit Jahrhunderten am Feste der Himmelfahrt Mariä: „Die Heerscharen der Engel schützten den Leib der Jungfrau mit ihren Flügeln und trugen ihn in den Himmel als die lebendige Bundeslade des Herrn.“ Wie hätte aber die griechische Kirche dieses Fest unter so großem Zulauf des Volkes und mit solchen Gebeten und Gesängen feiern können, wenn ihr Glaube nicht in der Überlieferung der vorausgegangenen Jahrhunderte begründet gewesen wäre?

Die lateinische Kirche betet: Assumpta est Maria…: Aufgenommen ist Maria in den Himmel, es freuen sich die Engel und lobpreisen Gott“ und wieder: „Maria Virgo assumpta est…: Die Jungfrau Maria ist aufgenommen zum himmlischen Brautgemach, in welchem der König der Könige auf dem Throne sitzt, den die Sterne bilden“ und „Exaltata est…: Erhöht wurde die heilige Gottesgebärerin über alle Chöre der Engel in die himmlischen Gefilde.“ Schon in der Liturgie des heiligen Ambrosius finden wir dieses Fest. Von jeher wurde dieses Fest das Fest der assumptio genannt und wurde nur von ihr aber von keinem andern Heiligen gefeiert. Es bedeutet also die leibliche Aufnahme Mariä, denn die der Seele nach kommt allen Heiligen zu. Wir verehren aber nicht die ascensio, die Himmelfahrt, sondern nur die assumptio, die Aufnahme, weil nur Christus aus eigener Kraft aus dem Grabe stieg, Maria aber nur kraft der Gnade ihres Sohnes. Diese Anschauung, daß Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde, ist also schon Jahrhunderte alt und sitzt den Gläubigen so tief im Herzen, daß man jene, die dieses leugnen, gar nicht hören will und sie fürverwegene Streiter, ja eher für Ketzer als für Katholiken hält. Sogar einige von den Führern der Protestanten zur Zeit Luthers glaubten daran, hatten wenigstens nichts dagegen einzuwenden. Die Worte des königlichen Propheten: „Erhebe dich, o Herr, du und die Lade deiner Heiligkeit“ (Ps. 131) wenden die Väter auf die Auferstehung und Himmelfahrt Christi und seiner Mutter an; ebenso die Worte: „Es stand die Königin zu deiner Rechten“ usw. (Ps. 44) und verstehen unter diesem königlichen Kleid den verklärten Leib Marias. Was alle Gerechten erst bei der allgemeinen Auferstehung erhalten werden, das erhielt der König und die Königin des Himmels gleich nach ihrem Tode, damit die Himmlischen alle die leibliche Gegenwart beider genießen, bewundern und betrachten können.

3. Das göttliche Gesetz lehrt: „Ehre deinen Vater und deine Mutter.“ Wenn nun irgendein Sohn, dann hat Christus dieses Gebot gegen Maria aufs genaueste erfüllt, als sie noch auf Erden lebte; er ehrte sie noch besonders bei seinem Tode, also gewiß auch nach ihrem Tode, indem er ihren Leib vor der Verwesung bewahrte und ihm Unsterblichkeit verlieh.

In ihrem Leibe wurde er empfangen und bei seiner Geburt verletzte er ihre Jungfräulichkeit nicht, verdarb sie nicht, also ehrte er diesen Leib auch nach dem Tode durch eine ganz besondere Gnade, indem er ihren Leib nicht der Fäulnis überließ. Allerdings ist dies ein gewöhnliches, natürliches Ereignis, „aber das Fleisch Mariä ist ausgenommen, weil es das Fleisch Jesu ist“, sagt Augustin.18 Ihr Leib war zu gut für diese Erde, nur der Himmel war seiner würdig. Der Fluch, der über die erste Eva erging, lautete: ‚Ich will vermehren deine Leiden und deine Empfängnisse, in Schmerzen sollst du Kinder gebären und unter der Herrschaft des Mannes sein.‘ „Aber Christus nahm Maria aus von allen diesen Folgen der Erbsünde, von diesen allgemein geltenden Strafen, denn sie empfing von keinem Mann, sondern vom Heiligen Geist und blieb Jungfrau in der Geburt. Dies verdiente sie sich durch ihre ganz einzige Heiligkeit und durch ihre Gnadenfülle. So mußte es sein bei der Mutter eines Gottmenschen; sie gebar auch ohne alle Schmerzen. Also wird sie Christus auch vom andern Fluch bewahrt haben: ‚Staub bist du und zu Staub sollst du wieder werden.‘ Er ließ also ihren Leib nicht Staub werden, nicht der Verwesung anheimfallen. Dies geziemte sich für einen solchen Sohn, denn Jesus kann alles. Er sagte von sich: ‚Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden.‘ Wenn er sie also als Jungfrau unversehrt bewahren sollte, warum sollte er sie nicht auch vor Fäulnis und Verwesung bewahren?“19

Daß jener heiligste Leib, aus dem Christus sein Fleisch, die menschliche Natur annahm und mit seiner göttlichen Natur vereinigte, der Leib, in welchem also das Wort Fleisch, das heißtGott Mensch wurde, den Würmern zum Fraße hingegeben worden sei, das zu denken getraue ich mich nicht, das auszusprechen fürchte ich mich. Um dies zu behaupten, müßte jemand entweder Christi Macht oder Christi Liebe zu Maria leugnen wollen. Die Schrift sagt von Henoch, er sei der Erde entrückt worden und Elias im feurigen Wagen gegen Himmel geführt worden (Eccli. 44 u. 48); sie sind also nicht gestorben, sind von Gott nur aus der Welt hinweggenommen worden und führen irgendwo ein Leben ohne Leid, ohne Fehl, ohne Beschwerde; sie bewahren ihr Leben durch göttliche Kraft. Warum sollen wir also bei Maria zweifeln, daß, wenn sie auch gestorben ist, durch göttliche Kraft wieder zum Leben kam?

Maria muß man alles zuerkennen, was irgend einem Freund und Diener Gottes zuteil wurde. Nun berichtet aber Matthäus, es seien beim Tode Jesu die Leiber vieler Heiligen, die gestorben waren, aus dem Grabe auferstanden und die Auferstandenen seien in die Stadt Jerusalem gegangen und dort vielen Bewohnern lebendig erschienen (Mat. 27). Alle diese wurden gewiß mit Christus, als er zum Himmel auffuhr, in den Himmel aufgenommen, denn es wäre doch verwegen zu sagen, sie seien wieder zu Staub geworden; es lehren auch viele Theologen20, sie seien nicht mehr gestorben. Christus wollte nämlich, daß sie Zeugen seiner Auferstehung, aber auch Herolde und Genossen derselben seien. Sie wären aber keine wahren Zeugen, wenn sie nicht wirklich auferstanden wären. Gott tat dies zur größeren Ehre Christi, der sie auferweckte: damit sie nämlich noch bessere Zeugen Christi des Auferstandenen seien, machte er sie Christo dem Erstgeborenen unter den Toten gleichförmig. Zum Beispiel David wird auch unter diesen sein, weil Petrus (Apostelgesch. 2) von ihm nur bemerkt, sein Grab sei hier bei ihnen, er wagt nicht zu sagen, auch sein Leib. Sein Grab war leer, wie das der Mutter Gottes. Warum sollte nun dies nicht auch von Maria gelten, da Gott doch nichts unmöglich ist? Die drei Jünglinge im Feuerofen bewahrte Gott auch unversehrt, so daß nicht bloß ihr Körper vom Feuer nicht angegriffen wurde, sondern nicht einmal ihre Kleider, und der Prophet Jonas war im Bauche des Fisches und wurde dann unversehrt von ihm ans Land gespien und Daniel, der Prophet, wurde von den grimmigen Löwen nicht aufgefressen, alles durch Gottes Allmacht. Also konnte er auch den Leib Marias wunderbar erhalten. Und hat er schon bei jenen so große Wunder gewirkt, dann um so mehr bei Maria, seiner Mutter. Wie also Maria bei ihrer Entstehung und bei der Geburt Jesu vom allgemeinen Fluche der Menschheit durch ein ganz besonderes Privileg Gottes ausgenommen war, so auch bei ihrem glücklichen Hinscheiden. Gott gefiel es, bald nach der Trennung der Seele vom Leibe diesen zu einem herrlichen und unsterblichen Leben aufzuerwecken, mit der Seele wieder zu vereinigen und den mit der Seele wieder verbundenen Leib zu den himmlischen Wohnungen zu übertragen. Dies beweist Augustin mit vielen Gründen21, dies bekennt die ganze Kirche, dies legt der fromme Glaube von selbst nahe.

4. Wenn einige Väter22 sich scheinbar abweisend oder zweifelhaft über die leibliche Aufnahme Mariä in den Himmel ausdrücken, so wollen sie eigentlich nur verschiedeneunechte Bücher zurückweisen, die damals über das Hinscheiden Mariä geschrieben wurden und die manche Ungereimtheiten enthielten, wogegen sich die Väter scharf aussprechen. Sie sagen aber auch ausdrücklich, daß auch zu ihrer Zeit viele an die leibliche Aufnahme Mariä in den Himmel glauben und daß die, welche daran glauben, sagen, man finde den Leib des Apostels Johannes und Mariä nirgends. Sie bemerken auch, daß ja auch viele andere bei der Auferstehung Christi auferstanden seien und Gott nichts unmöglich sei, sie auch nichts dagegen hätten. Nur wollten sie die leibliche Aufnahme nicht ausdrücklich behaupten, weil zu ihrer Zeit dies noch nicht so klar erkannt wurde. Diese Väter heißen deswegen dieses Fest nicht assumpio Mariae: Aufnahme Mariä, sondern dormitio: Entschlafung oder dormitatio, weil sie nicht sicher waren, ob ihr Leib im Grabe blieb oder in den Himmel aufgenommen wurde. Solche Zweifel bestanden zur Zeit des heiligen Sophronius und Hieronymus. Wir aber erkennen jetzt dies klar und deutlich, unsere Glaubensvorfahren haben uns dies teils schriftlich, teils mündlich überliefert. Zweifelhafte Worte von Vätern müssen immer anders taxiert werden als Behauptungen, die sie aufstellen. Augustin, einer der größten Kirchenlehrer, erklärt es für ganz sicher, daß Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde. Er sagt: „Gott machte Maria sich freuen an Leib und Seele, und zwar unaussprechlich sich freuen an ihrem eigenen Sohn, mit ihrem eigenen Sohn und durch ihren eigenen Sohn. Sie blieb immer ungeschwächt und unversehrt, weil er sie mit Gnade ganz erfüllte; sie war vollkommen lebendig, weil sie das vollständige und vollkommene Leben aller gebar.“23 Die Kirche hat in der Vergangenheit über die leibliche Aufnahme Mariä in den Himmel nichts Bestimmtes zu glauben vorgeschrieben, weil die Apostel und Väter der nachfolgenden Jahrhunderte damit beschäftigt waren, die Grundlagen des wahren Glaubens in der Welt zu legen und deshalb lehrten und schärften sie die Himmelfahrt Christi, nicht Mariä, allen Gläubigen ein. Auch vieles andere, was in späteren Jahrhunderten nützlicherweise geglaubt wurde und geglaubt wird, haben sie noch nicht ausdrücklich berührtoder wenigstens nicht zu glauben vorgeschrieben. Die Kirche ging wie die Morgenröte auf und benimmt sich verschieden je nach Personen und Zeiten, wobei aber das Glaubensgut, das Christus und die Apostel ihr übergaben, natürlich immer vollständig und unversehrt bewahrt bleibt und das Fundament von allem ist, was man in der Kirche glaubt. Es gibt nämlich drei Gattungen von Wahrheiten in der Kirche: Solche, die ausdrücklich als Glaubenswahrheiten erklärt sind, von denen niemand ohne Gottlosigkeit abweichen darf. Andere, die gewiß sind kraft langjjährigen Glaubens der Gläubigen und Gebrauches der Kirche; ihnen zu widersprechen, wären Vermessenheit. Endlich gibt es Wahrheiten, die ebenfalls im öffentlichen Kult der Kirche enthaltensind, aber so, daß sie nur als frommer und wahrscheinlicher Glaube gelten. Diese werden immer um so wahrscheinlicher, je mehr Theologen sie verteidigen und je größer die Zustimmung der Gläubigen wird. Zu dieser dritten Klasse gehört die Wahrheit von der leiblichen Aufnahme Mariä in den Himmel. Denn viele ausgezeichnete Lehrer in der Kirche halten daran fest, der ganze christliche Erdkreis glaubt dies und zwar mit wunderbarer Übereinstimmung, der öffentliche Gottesdienst lehrt dasselbe und alle Rechtgläuigen sind davon überzeugt.

b) Aber es steht nichts davon in der Heiligen Schrift, könnte jemand sagen. Ich antworte: Nicht alles, was wahr ist, steht in der Heiligen Schrift, nicht alle Glaubens- und Sittenwahrheiten. Auch Augustin sagt, wo er von der Himmelfahrt Mariä spricht: „Auch vieles andere ist nicht ausdrücklich in der Heiligen Schrift enthalten. Vieles haben die heiligen Schriften uns selbst überlassen, zu finden, es aus den Aussprüchen der Heiligen Schrift zu schließen und wenn man es gefunden hat, sind dies keine unnützen, überflüssigen Dinge. Vieles ist in der Heiligen Schrift übergangen, was aber zu glauben seine guten Gründe hat.“24 Solche Einwürfe machen nur die Ketzer.25 Wie die Arianer sich immer auf die Heilige Schrift beriefen, so auch die Lutheraner. Und wie schon gesagt, wenn auch einige heilige Väter in den ersten Jahrhunderten daran zweifelten, so steht die Sache doch heute so, daß wir schon viel gewisser darüber sind, kühner sie verteidigen und offen gegen jene protestieren können, die sie leugnen wollen, mehr als dies in den ersten Jahrhunderten des Christentums möglich war. Die Kirche wächst mit den Jahrhunderten an Weisheit unter dem Einfluß des Heiligen Geistes, der ihr heiliger Führer ist, der sie lenkt und erzieht, denn aus den späteren Konzilien und der größeren Übereinstimmung der Theologen empfängt sie auch größeres Licht über die Wahrheiten und zeigt sie dann auch auf. Von andern Heiligen feiert man in der Kirche keine assumpio (Aufnahme), sondern nur ihren Todestag als Namenstag; nur bei Christus und Maria sagt man, sie hätten das Privileg ihrer leiblichen Aufnahme in den Himmel; von Christus sagt es das Evangelium, von Maria die Kirche. Die von Maria dieses leugnen, verstoßen zwar nicht gegen die Worte der Heiligen Schift, aber non sapiunt ad sobrietatem, sie sind nicht weise, sie widersprechen den gefeiertsten und besten Kichenvätern, entfernen sich nicht ohne Gefahr vom allgemeinen Glauben und vom Bekenntnis der Guten, das bereits die Kraft eines Gesetzes erlangt hat und vermindern die Ehre der würdigsten Junfrau.

 

Anmerkung: Der hl. Petrus Kanius verfaßte diesen Text um 1560, also lange vor der Dogmatisierung der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. Seit dieser Dogmatisierung (1950) ist es keinem Glied der katholischen Kirche ohne schwere Verfehlung mehr erlaubt, an dieser Wahrheit zu zweifeln.

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Siehe auch:

Papst Franziskus: Frühmesse: „Die Kirche ist wie Maria: Frau und Mutter“

Frühmesse mit dem Papst am Pfingstmontag und ersten Tag des neuen liturgischen Festes „Maria, Mutter der Kirche“

Die Kirche ist „weiblich“, sie ist „Mutter und Braut“. Wo dieser Aspekt fehlt, verliert sie ihre Fähigkeit, „zu lieben und fruchtbar zu sein“, wird zu einer „Kirche alter Junggesellen.“ Dies stellte der Papst pünktlich zur Einführung des neuen Marienfestes „Maria, Mutter der Kirche“ in seiner Frühmesse heraus.

Silvia Kritzenberger und Barbara Castelli – Vatikanstadt

Papst Franziskus setzt sich für eine deutlichere weibliche Präsenz in der Kirche ein. Dazu passt, dass auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin künftig am Pfingstmontag immer das neue Marienfest weltweit gefeiert wird. Ein Fest, das – wie Franziskus hofft – „dem Verständnis der Mutterschaft der Kirche und der unverfälschten Marienfrömmigkeit zuträglich sein kann.“

Die Mutterschaft Mariens

Die „Mutterschaft“ Mariens komme in den Evangelien vor allem dadurch zum Ausdruck, dass sie als „Mutter Jesu“ bezeichnet werde, und nicht als „Gemahlin“ oder „Witwe des Josef“, so der Papst bei seiner Frühmesse: ihre Mutterschaft zieht sich wie ein roter Faden durch die Heilige Schrift, von der Verkündigung des Engels bis zum Ende. Dass diese Mutterschaft eine ganz besondere Gabe an die Kirche ist, hätten bereits die Kirchenväter erkannt.

„Die Kirche ist weiblich, weil die Kirche ‚Braut‘ ist: sie ist weiblich! Sie ist Mutter, schenkt Leben. Braut und Mutter!“ betonte der Papst. Und er erinnerte daran, dass die Kirchenväter sogar noch weiter gegangen seien: „‚Auch deine Seele ist Braut Christi und Mutter!‘ haben sie gesagt.“ In dieser Gesinnung, die von Maria kommt, die Mutter der Kirche ist, könnten wir – so Franziskus – diese weibliche Dimension der Kirche verstehen. Eine Dimension, die die Kirche dort, wo sie fehlt, „ihre wahre Identität verlieren lässt, sie auf einen Wohltätigkeitsverein reduziert; auf etwas, das wie ein Fußballverein, wie alles Mögliche ist, nur nicht Kirche!“

„Nein“ zu einer Kirche „alter Junggesellen“

Nur eine weibliche Kirche könne „fruchtbar“ sein nach dem Plan Gottes, dessen Wunsch es war, „von einer Frau geboren zu werden, um uns in den Wegen der Frau zu unterweisen,“ führte der Papst aus.

„Das Wichtige ist, dass die Kirche Frau ist, dass sie die Dimension der Braut und Mutter hat. Wenn wir das vergessen, ohne diese Dimension, ist sie eine männliche Kirche,“ warnte der Papst. Dann werde sie zu einer Kirche „alter Junggesellen: in sich selbst verschlossen; unfähig zu lieben; unfähig, fruchtbar zu sein.“ Weiter führte er aus: „Ohne die Frau kommt die Kirche nicht voran, gerade weil sie Frau ist. Und diese Dimension der Frau wurde ihr von Maria gegeben, weil es Jesus so gewollt hat.“

Die Zärtlichkeit einer Mutter

Wie Franziskus anmerkte, sei die wichtigste Tugend, die eine Frau auszeichnet, die Zärtlichkeit. In der Bibel heißt es von Maria: „Und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe.“ Fürsorglichkeit, in Sanftmut und Demut: das seien die schönsten Eigenschaften einer Mutter, brachte es der Papst auf den Punkt.

„Eine Kirche, die Mutter ist, schlägt den Weg der Zärtlichkeit ein. Sie kennt die Sprache der Weisheit, die in der Zärtlichkeit liegt, in der Stille; in einem Blick voller Barmherzigkeit,“ führte Papst Franziskus aus, und er merkte an: „Und der Mensch, der die Zugehörigkeit zur Kirche lebt und weiß, dass sie auch Mutter ist, muss genau diesen Weg gehen: den des Menschen, der demütig und zärtlich ist, immer ein Lächeln auf den Lippen und voller Liebe.“

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Neuer Marien-Gedenktag für die Weltkirche

Marianische Feier des Papstes in Trujillo, Peru (Vatican Media)

Der Pfingstmontag wird weltweit künftig als Gedenktag Marias, Mutter der Kirche, begangen. Das entsprechende Dekret wurde an diesem Samstag im Auftrag von Papst Franziskus von Kardinal Sarah unterzeichnet vorgestellt.

P. Bernd Hagenkord SJ – Vatikanstadt

Die Verehrung der Mutter Gottes in der Kirche könne „bei der Betrachtung des Geheimnisses Christi und des Wesens der Kirche die Frauengestalt nicht vergessen, die Jungfrau Maria, die zugleich Christi Mutter und Mutter der Kirche ist.“ So beginnt das Dekret zur Festlegung des neuen Gedenktages.

Es weist auf die Erklärung Papst Paul VI. hin, der zum Abschluss der dritten Session des Zweiten Vatikanischen Konzils Maria zur Mutter der Kirche erklärt hatte.

Alte christliche Traditionen

„Nachdem Papst Franziskus sorgfältig erwogen hatte, wie sehr die Förderung dieser Verehrung dem Verständnis für die der Mutterschaft der Kirche bei Hirten, Ordensleuten und Gläubigen und der unverfälschten Marienfrömmigkeit noch mehr nutzen kann, entschied er, dass der Gedenktag der seligen Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, in den Römischen Kalender am Montag nach Pfingsten einzutragen und jedes Jahr zu feiern ist,“ heißt es in dem Dekret.

Das Dekret geht aber noch weiter zurück und greift auf die frühkirchliche Verehrung und die Heiligen Augustinus und Leo zurück, die auf die Verbindung der Mutterschaft Mariens mit dem Wirken des Erlösers, das in der Stunde des Kreuzes gipfele, hinwiesen.

„In diesem Sinn ehrte die christliche Frömmigkeit im Lauf der Jahrhunderte Maria mit verschiedenen, gewissermaßen gleichbedeutenden Titeln als Mutter der Jünger, der Gläubigen, der Glaubenden, aller, die in Christus wiedergeboren werden, aber auch mit dem Titel „Mutter der Kirche“.“

In einigen liturgischen Kalendern gibt es diesen Gedenktag bereits, auch gibt es eine eigene Votivmesse zu Ehren der Seligen Maria, Mutter der Kirche, im römischen Messbuch. Mit dem Dekret ist der Gedenktag nun Teil der römischen Liturgie und damit der Weltkirche. „Dieser Gedenktag wird daher in allen Kalendern und liturgischen Büchern für die Feier der Messe und die Stundenliturgie einzufügen sein“, sagt das Dekret abschließend.

Erklärung von Kardinal Sarah

Die Entscheidung für den Pfingstmontag als Gedenktag unterstreiche die Bedeutung der geistlichen Mutterschaft Mariens, erläutert der zuständige Kardinal Robert Sarah in einer eigenen Erklärung das Dekret. Seit dem Pfingstereignis habe Maria nie aufgehört, „sich mütterlich der durch die Zeit pilgernden Kirche anzunehmen“, so Sarah. „Die Verbindung zwischen der Lebenskraft der Kirche zu Pfingsten und der mütterlichen Sorge Mariens für die Kirche tritt dadurch offen zutage.“

In den deutschsprachigen Ländern gibt es bislang im Laufe des Jahres zwölf Hochfeste, Feste oder Gedenktage zu Ehren der Gottesmutter, dieser Gedenktag ist der dreizehnte.

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Siehe auch:

Papstpredigt an Neujahr: „Wir alle brauchen ein Mutterherz“

Papst Franziskus im Petersdom (AFP or licensors)

Der Papst hat alle Christen zum Blick auf das Wesentliche und zu mehr „Mütterlichkeit“ aufgerufen. Am ersten Jahrestag und zum Hochfest der Gottesmutter Maria predigte Franziskus im Petersdom über die besondere Natur Mariens als Mutter Gottes und ihre Bedeutung für die heutige Kirche.

Anne Preckel – Vatikanstadt

Die Mutter Gottes sei die „persönliche Signatur Gottes auf der Menschheit“, formulierte der Papst in seiner Neujahrspredigt. Ihre Verehrung sei „keine spirituelle Anstandsregel“, sondern „Notwendigkeit des christlichen Lebens“.

„Der Blick auf die Mutter ermutigt uns, viel unnötigen Ballast abzuwerfen und das wieder zu entdecken, was zählt. Das Geschenk der Mutter, das Geschenk jeder Mutter und jeder Frau ist so wertvoll für die Kirche, die Mutter und Frau ist. Während der Mann oft abstrahiert, Behauptungen aufstellt und Ideen durchsetzt, ist die Frau und Mutter in der Lage zu bewahren, im Herzen zu verbinden und beleben. Damit der Glaube nicht zu einer reinen Idee oder Lehre verkommt, brauchen wir alle ein Mutterherz, das die Zärtlichkeit Gottes bewahrt und die Regungen des Menschen wahrnimmt.“

“ Daran erinnern wir uns, wenn wir Mutter Gottes sagen: Gott ist der Menschheit nahe wie ein Kind seiner Mutter, die es in ihrem Schoß trägt ”

In seiner Predigt entfaltete der Papst die Dimensionen einer solchermaßen barmherzigen und hörenden Kirche. Seit der Herr in Maria Mensch geworden sei, gebe es Gott nicht mehr ohne sein Menschsein, führte er mit Blick auf Jesu Menschwerdung aus: „Der menschliche Leib, den Jesus von seiner Mutter bekam, ist auch jetzt sein Leib und wird es immer bleiben. Daran erinnern wir uns, wenn wir Mutter Gottes sagen: Gott ist der Menschheit nahe wie ein Kind seiner Mutter, die es in ihrem Schoß trägt.“

In Maria, der Mutter Gottes, habe sich Gott klein gemacht, fuhr Franziskus fort, „zu Materie, um nicht nur mit uns, sondern auch wie wir zu sein. Dies ist das Wunder, die Neuheit: Der Mensch ist nicht mehr allein; er ist nie mehr Waise, er ist für immer Sohn und Tochter. Mit dieser Neuheit beginnt das neue Jahr.“

Aus diesem Trost, diesem Liebesbeweis, lasse sich für den Menschen eine Haltung ableiten, fuhr Franziskus fort – eine Haltung des Lebens-Schutzes, des Dienstes am Leben, der darin bestehe, „jedes Leben, vom Mutterleib an bis ins hohe Alter, auch das leidende und kranke Leben, wie unbequem oder gar widerwärtig es auch sein mag, … anzunehmen, zu lieben und zu unterstützen.“

Das Tagesevangelium aufgreifend kam der Papst dann auf zwei Tugenden Mariens zu sprechen: „Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen“ (Lk 2,19).

Schweigen mit Gott

Bewahren – In der Weihnachtsgeschichte sei nicht ein Wort von Maria überliefert, merkte der Papst an: Sie habe schweigend und „ganz schlicht“ Gottes Wort und Auftrag bewahrt. Daran sollten sie die Gläubigen heute ein Beispiel nehmen, appellierte Franziskus:

„Dieses Schweigen sagt uns, dass auch wir  die Stille brauchen, wenn wir etwas bewahren wollen. Es ist notwendig, schweigend die Krippe zu betrachten. (…) Wenn wir uns jeden Tag einen Moment Zeit nehmen, um mit Gott zu schweigen, bewahren wir unsere Seele, bewahren wir unsere Freiheit vor den zersetzenden Banalitäten des Konsums und vor der Betäubung durch die Werbung, vor der Verbreitung leerer Worte und den beunruhigenden Wogen des Klatsches und des Lärms.“

Zweite Tugend: Erwägen. Maria habe Freuden und Schmerzen, Hoffnungen und Ängste, Licht und Schatten erwogen, meditiert, „in ihrem Herzen Gott übergeben“, so Papst Franziskus – ohne Verbitterung, ohne Rückzug in sich selbst. Auch dies sei eine Geste des Bewahrens, führte er aus:

“ Um voranzukommen, so sagt uns das heutige Fest, muss man zurückgehen: neu beginnen bei der Krippe, bei der Mutter, die Gott in den Armen hält. ”

„Man bewahrt etwas, indem man es Gott anvertraut: indem man das Leben nicht der Angst und der Trübsal oder dem Aberglauben als Beute überlässt, indem man sich nicht in sich selbst verschließt oder zu vergessen sucht, sondern indem man alle in einen Dialog mit Gott münden lässt. Und dann kommt Gott, dem wir am Herzen liegen, um in unserem Leben Wohnung zu nehmen.“

Mariens Herz als Ort dieser Vorgänge sei zentral, brachte der Papst seine Gedanken zum Abschluss: Ihr Herz sei die Mitte, von der aus es neu aufzubrechen gelte: „In ihrem Herz schlägt das Herz der Kirche. Um voranzukommen, so sagt uns das heutige Fest, muss man zurückgehen: neu beginnen bei der Krippe, bei der Mutter, die Gott in den Armen hält.“

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Quelle

„Mein Leben war ein Abenteuer an der Hand der Mutter“ – Requiem für Pastor Heinz Künster“

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Begräbnis von Pastor Heinz Künster (Foto: Brehm)

CBre/Hbre. „Mein Leben war ein Abenteuer – an der Mutter Hand. Und während ich dies schreibe, liegt das größte Abenteuer vor mir, der Tod, an der Mutter, an Pater Kentenichs Hand. Und darauf bin ich gespannt.“ Dieser Satz aus seinem Testament sagt viel aus über Pastor Heinz Künster, der in der Nacht von Allerheiligen zu Allerseelen verstorbenen ist. Jetzt, nach 91 Lebensjahren, habe er sein größtes Abenteuer gelebt, „nachdem er am 18. Oktober 2014 zur internationalen Hundertjahrfeier Schönstatts noch erleben durfte, dass das Gott-Vater-Symbol seinen vorgesehenen Platz im Urheiligtum gefunden hat und sich seine Sendung als Hüter des Vater-Symbols für das Urheiligtum und für die Verbreitung der Botschaft von einem liebenden Vatergott“ erfüllt habe. Das betonte Rektor Egon M. Zillekens, Verantwortlicher in der internationalen Leitung des Schönstatt-Priesterbundes in seiner Predigt beim Requiem für den Verstorbenen in der Kapelle des Priesterhauses Marienau.

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Requiem für Pastor Heinz Künster in der Kapelle des Priesterhauses Marienau (Foto: Brehm)

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Weihbischof Jörg Michael Peters, Trier, stand der Feier vor (Foto: Brehm)

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Rektor Egon M. Zillekens (Foto: Brehm)

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Weihbischof Jörg Michael Peters, Trier, stand der Feier vor (Foto: Brehm)

Dank für die priesterliche Treue Heinz Künsters

Zillekens konnte eine große Trauergemeinde begrüßen. Neben Mitgliedern seiner Familie waren das Gemeindemitglieder aus den verschiedenen Pfarreien, in denen der Verstorbene gewirkt hatte, Mitglieder und Vertreter der verschiedenen religiösen Gemeinschaften vom Ort Schönstatt, aber auch Freunde und Bekannte aus der näheren und weiteren Umgebung. In die große Zahl der priesterlichen Mitbrüder des Verstorbenen aus seiner eigenen Gemeinschaft, den Schönstatt-Priestergemeinschaften und weiterer priesterlicher Weggefährten hatte sich auch Weihbischof Jörg Michael Peters, Trier, eingereiht. Er brachte Grüße von Bischof Dr. Stephan Ackermann und unterstrich, dass er mit seinem Kommen für die priesterliche Treue Heinz Künsters danken wolle. Im Blick auf den Verstorbenen betonte Weihbischof Peters, dass alle Mitfeiernden besonders dankbar sein könnten, „dass es eine Transparenz in seinem Leben und in seinem priesterlichen Dienst gegeben hat, hin auf dieses Licht, das Gott selber ist, der ihm nun im Tod begegnet als sein Erlöser.“

„Schönstatt ist ohne ihn nicht mehr dasselbe.“

Die vielen Echos auf den Tod von Pastor Künster, die in den vergangenen Tagen aus Schönstatt, aus dem Bistum Trier, aus seinen früheren Pfarreien und aus der weiten Welt eingetroffen seien, zeichneten ein vielfältiges Bild des Verstorbenen, so Rektor Zillekens in seiner Predigt. Neben dem Thema „Pastor Künster und die Botschaft vom barmherzigen Vater-Gott“ werde seine Bescheidenheit, sein Verständnis, sein stets offenes Ohr, sein Wohlwollen hervorgehoben. Genannt werde seine Verfügbarkeit für alle, die kamen, und seine Geduld, wenn sie – wie das nicht nur bei Lateinamerikanern schon mal vorkomme – später kamen. Oder auch sein lebendiges Erzählen vom Gründer Pater Kentenich, als dessen „treuer Sohn in den Spuren des Vaters“ er erlebt wurde. Auch seine väterliche Begleitung und seine priesterliche Väterlichkeit wird genannt: „Ein wahrer priesterlicher Freund“, schreibt jemand. Beeindruckend seien seine Treue und seine Hingabe, seine Hochherzigkeit, Feinsinnigkeit, Herzlichkeit, Schlichtheit und sein Humor gewesen. „Ich kann mir Schönstatt ohne ihn nicht vorstellen, Schönstatt ist ohne ihn nicht mehr dasselbe.“

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Statio vor dem Kanaan-Patris Heiligtum (Foto: Brehm)

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Mitbrüder tragen des Verstorbenen auf dem letzten Weg zu seiner Grabstelle auf dem Vallendarer Friedhof (Foto: Fellhofer)

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Ein Platz an der Mauer (Foto: Brehm)

Ein großer Beter und ein großer Beichtvater

Er wolle noch zwei Seiten Pastor Künsters besonders hervorheben, so Zillekens. Der Verstorbene sei ein großer Beter und ein großer Beichtvater gewesen. Viele hätten ihm ihre Sorgen anvertraut, sowohl mündlich, als auch telefonisch. Alle habe er mit in sein tägliches Gebet genommen. Er habe sich auch lange daran erinnert und bei Begegnungen manchmal gefragt, wie es denn nun ausgegangen wäre.

Im Nachhinein denke er, dass Heinz Künster einen direkten Draht zum Himmel gehabt habe, so Zillekens. Himmel und Erde seien für ihn wie eins gewesen. Mitten im Satz hätte er plötzlich umschalten und Maria, „die Mutter“ ansprechen können. Dieses „an der Mutter Hand“, wie es der Verstorbene in seinem Testament selbst schreibe, sei wohl so etwas wie „sein Geheimnis“ gewesen, ein Geheimnis, „das er selber, wie einige von uns wissen dürfen, in seinem Leben erst schrittweise entdeckt hat“.

Lege deine Hand in Gottes Hand

Wenn wir Pastor Künster jetzt fragen könnten, so Zillekens, was ist deine Erfahrung mit dem Abenteuer Tod, würde er vielleicht antworten: Lebe dieses Abenteuer mit einem hoffnungsvollen Ja und an der Mutter Hand – auch in einer Welt, die vom Tod gezeichnet ist. Berufe dich auf unseren Herrn Jesus Christus und vertraue ohne alle Spekulation und ohne alle Bescheidwisserei darauf, dass du in der Liebe und Zuwendung des barmherzigen Vaters nach deinem Tod einen Platz hast. Vertraue auf Gott, dessen Möglichkeiten viel weiter reichen als du denkst. Lege deine Hand in Gottes Hand, um frei zu sein von jeder Angst um dich selbst, frei zu sein für die anderen, frei für deine Aufgabe in dieser Welt. Mach dich täglich daran, angstlos Spuren der Liebe und Herzlichkeit zu hinterlassen …“

Uns steht dieses Abenteuer noch bevor

„Heinz“, so spricht der Prediger seinen toten Mitbruder, dessen Sarg – geschmückt mit den priesterlichen Zeichen von Kelch, Patene und Stola, sowie einem Gott-Vater-Symbol, Weintrauben und Ähren vor dem Altar und neben der brennenden Osterkerze in der Hauskapelle der Marienau steht, direkt an: „Du durftest Jesus schon folgen, uns steht dieses Abenteuer noch bevor!“

Nach dem Gottesdienst und einer kurzen Statio vor dem Kanaan-Patris Heiligtum geleitete die Trauergemeinde den Verstorbenen zu seiner letzten Ruhestätte auf den Friedhof der Stadt Vallendar. Zum Abschluss trafen sich viele Trauergäste noch im Priesterhaus Marienau bei einem Imbiss und nutzen die Gelegenheit Erinnerungen an den Verstorbenen auszutauschen und das Vermächtnis seines Lebens und Wirkens zu reflektieren.

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An einem sonnigen Herbstnachmittag findet Pastor Heinz Künster unter bunten Buchen seinen letzten Ruheplatz (Foto: Brehm)

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Quelle

ZUM 15. SEPTEMBER: FRANZISKUS: EINE ANSTECKENDE MÜTTERLICHKEIT

Pope Francis blesses a painting depicting the Virgin Mary with baby Jesus during the weekly audience in Saint Peter's square at the Vatican on March 25, 2015. Photo courtesy of REUTERS/Stefano Rellandini *Editors: This photo may only be republished with RNS-POPE-JESUS, originally transmitted on September 14, 2015.

PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS „DOMUS SANCTAE MARTHAE“

Eine ansteckende Mütterlichkeit

Dienstag, 15. September  2015

 

aus: L’Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 39, 25. September 2015

Inmitten einer »verwaist« wirkenden Welt gibt es die Hoffnung auf eine »ansteckende Mütterlichkeit«, die Aufnahmebereitschaft, Zärtlichkeit und Vergebung bringt. Am Fest Gedächtnis der Schmerzen Mariens widmete Papst Franziskus seine Reflexion der Mütterlichkeit Mariens und der Kirche, die sich in Ermangelung dieser Eigenschaft zu einer »erstarrten Vereinigung« reduzieren würde. Die Predigt, die der Papst im Laufe der Messe hielt, die er am Dienstag, 15. September, in Gegenwart des Kardinalsrats in Santa Marta feierte, ging vom Tagesevangelium (Joh 19,25-27) aus: »›Frau, siehe, dein Sohn!‹ Dann sagte er zu dem Jünger: ›Siehe, deine Mutter!‹« »Das ist das zweite Mal«, so betonte er, »dass Maria von ihrem Sohn mit ›Frau‹ angesprochen wird«. Das erste Mal sei das tatsächlich in Kana geschehen, wo Jesus zu seiner Mutter sage: »Meine Stunde ist noch nicht gekommen«; das zweite Mal geschehe es hier, unter dem Kreuz, als er ihr einen Sohn zuweise.

Zu beachten sei, dass »sie jenes erste Mal, als sie das Wort Jesu hörte«, anschließend selbst die Lage in die Hand nehme, indem sie zu den Dienern sage: »Was er euch sagt, das tut!« Dieses Mal aber sei es Jesus, der die Initiative ergreife: »Frau, siehe, dein Sohn!« Und in diesem Augenblick, so sagte Franziskus, werde »Maria ein zweites Mal Mutter«. Das heiße, dass sich ihre Mutterschaft »ausweitet auf die Gestalt dieses neuen Sohnes, sie weitet sich aus auf die gesamte Kirche und auf die gesamte Menschheit«. Und wir können uns heute »Maria nicht anders denn als Mutter vorstellen «. Und in dieser unserer Zeit, in der man, wie der Papst bekräftigte, ein Gefühl der »Verwaisung « spüre, habe dieses Wort »eine gewichtige Bedeutung«. In dem Verständnis, dass Jesus uns sage: »Ich lasse euch nicht als Waisen zurück, ich gebe euch eine Mutter«. Ein Vermächtnis, das zugleich auch »unser Stolz« sei: »Wir haben eine Mutter, die bei uns ist, die uns auch in schweren Zeiten, in schlimmen Augenblicken beschützt, begleitet und hilft«.

Um diese Überlegung besser belegen zu können, erinnerte der Papst an die Tradition der alten russischen Mönche, die »in den Augenblicken geistlicher Anfechtungen« zu sagen pflegen, dass wir »unter den Schutzmantel der heiligen Gottesmutter flüchten« sollen. Das sei ein Rat, der auch »im ersten lateinischen Marien-Antiphon: Sub tuum praesidium confugimus [Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir]« Bestätigung finde. In diesem ersten Gebet fänden wir die »Mutter, die uns aufnimmt, uns beschützt und sich unser annimmt«. Aber, so fügte der Papst hinzu, »wir können sagen, dass diese Mütterlichkeit Mariens darüber noch hinausgeht« und »ansteckend« sei. In der Tat könnten wir uns, wenn wir die Reflexionen des alten Abtes des Klosters von Stella, Isaak, heranzögen, darüber bewusst werden, dass es außer der »Mütterlichkeit Mariens« auch »eine zweite Mütterlichkeit« gebe, jene »der Kirche«, »unserer ›heiligen Mutter Kirche‹, die uns in der Taufe hervorbringt und uns in ihrer Gemeinschaft wachsen lässt« und die diese der Mütterlichkeit eigentümlichen Verhaltensweisen aufweise: »die Sanftmut, die Güte; die Mutter Maria und die Mutter Kirche wissen ihre Kinder zu liebkosen, sie schenken Zärtlichkeit«.

Das, so betonte Franziskus, sei eine grundlegende Eigenschaft: sich die Kirche ohne diese Mütterlichkeit vorzustellen sei tatsächlich so, als stelle man sich »eine erstarrte Vereinigung vor, eine Vereinigung, der es an menschlicher Wärme ermangelt, die verwaist ist«. Die Kirche hingegen »ist Mutter und empfängt uns wie eine Mutter:  die Mutter Maria, die Mutter Kirche«. Und das sei noch nicht alles. Es sei erneut Abt Isaak, der dem noch ein weiteres Detail hinzufüge, das uns, wie der Papst sagte, »schockieren« könne, und zwar, dass »auch unsere Seele Mutter ist«, dass auch in uns eine Mütterlichkeit präsent sei, »die in der Haltung der Demut, der Aufnahmebereitschaft, des Verständnisses, der Güte, der Vergebung und der Zärtlichkeit zum Ausdruck kommt«.

Jede einzelne dieser »Mutterschaften« leite sich gerade aus den »Worten Jesu an seine Mutter« ab, die unter dem Kreuz gestanden habe. Und wo es Mütterlichkeit gebe, so erläuterte der Papst, da »ist Leben, herrscht Freude, gibt es Frieden, wächst man in Frieden heran«, wogegen da, wo sie fehle, nichts weiter bleibe als »Strenge und Disziplin« und wo, so fügte er hinzu, »man nicht zu Lächeln versteht«. Daraus leitete er die Aufforderung ab, daran zu denken, dass »es eines der schönsten und menschlichsten Dinge ist, einem Kind zuzulächeln und es dazu zu bringen, zurückzulächeln«. Indem er schließlich diese Reflexion auf die eucharistische Feier anwandte, schloss der Papst: »Nun wollen wir an das Kreuzesopfer erinnern, Jesus kommt unter uns und wiederholt erneut sein Opfer für uns, und auch seine Mutter« sei im eucharistischen Opfer präsent, alle beide seien dies, »wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise: die Mutter im Geiste, er als Realpräsenz«.

Unser Gebet zum Herrn laute, dass er »uns auch heute« in jenem Augenblick, in dem »er sich erneut dem Vater für uns anbietet«, die Worte »vernehmen lässt: Mein Sohn, siehe deine Mutter!«

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