Erzbischof Joachim Kardinal Meisner Predigt zum Hohen Pfingstfest 2013 im Hohen Dom zu Köln am 19. Mai 2013

 

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Der Heilige Geist ist der Lebensatem Gottes, der den Sohn Gottes mit seinem
himmlischen Vater verbindet. Man empfängt ihn als Christ, indem man in die
Atemnähe des Sohnes herantritt, wenn man sich gleichsam von Jesus Christus
beatmen lässt. Je näher am Herrn, desto näher an der Quelle des Heiligen Geistes.
Der Heilige Geist wohnt im Worte Christi. Nicht im Weggehen vom Wort begegne
ich dem Geist, sondern im Zugehen auf sein Wort. Das Wort Christi ist die Stätte
des Heiligen Geistes. Jesus ist die Gegenwart des Geistes Gottes. Je näher wir an
ihn herantreten, desto realer treten wir in den Geist, und je realer tritt der Geist in
uns ein. Der Geist Gottes wird nicht ansichtig im Weggehen vom Sohne Gottes, von
Christus, sondern im Herantreten an den Sohn. In der Atemnähe Jesu empfange
ich den Heiligen Geist. Die Kirche Christi ist gleichsam die Atemnähe des Herrn in
unserer Welt. Heute ist das besonders spürbar in der Feier des Pfingstfestes, das
auch Fest des Heiligen Geistes genannt wird.

1. Der Heilige Geist offenbart sich am Pfingsttag im Sturm, der über den
Aposteln spürbar wird. Das ganze Haus in Jerusalem wurde vom Sturm des Heiligen
Geistes am Pfingsttag erfüllt. Sturm ist intensiver Atem. Sturm ist vor allen
Dingen ein Ausdruck für Macht, in der alten Welt immer für die Macht Gottes, der
die Welt herumwirbelt und die Sterne bewegt, als ob sie Sandkörner wären. Der
Sturm ist aber auch Ausdruck für das Element Luft, das diese Erde von allen anderen
Gestirnen unterscheidet und sie damit ausdrücklich zum Stern des Lebens
werden lässt. Nur wo Luft ist, haben Lungen einen Sinn. Und wo Luft ist, kann geatmet
werden. Und nur dort, wo geatmet werden kann, ist Leben möglich. Was
dieses geheimnisvolle Element der Luft für das biologische Leben bedeutet, das ist
der Heilige Geist für jedweden Geist. Nur wo er geatmet wird, kann das Menschsein
in seiner Würde bestehen, kann Humanität gedeihen, kann menschlicher Geist
sich wirklich entfalten und selbst kreativ werden.
Heute muss leider viel von Umweltverschmutzung und Umweltvergiftung
gesprochen werden. Es gibt aber auch eine geistige Umweltvergiftung, in der die
Herzen der Menschen nicht mehr atmen können. Kinder, Jugendliche und Erwachsene
leben heute auch unter den Einflusssphären des unheiligen Geistes, etwa was
alles in Internet, in Funk und Fernsehen, in Film und Theater, in Schule und Freizeit
auf Menschen heute einwirken kann. Das ist ja nicht immer alles gut und hilfreich.
Wenn der gesellschaftliche Konsens heute in Westeuropa davon ausgeht,
dass die Naturwissenschaft Gott im Labor nicht nachgewiesen hat und es ihn darum
nicht gibt, dann werden Räume für die Götter und Götzen frei, die mit ihrem
unseligen Geist die Herzen der Menschen umnebeln. Unsere Berufung als Jünger
Jesu besteht darin, uns um die reine Luft des Heiligen Geistes zu mühen und in der
Gemeinschaft der Glaubenden, in Familie, Gemeinde und wo auch immer, heilige
Oasen des Atmens und des Aufatmens für Herz und Seele zu schaffen.

2. Der Heilige Geist ist der Geist der Furchtlosigkeit. Der Heilige Geist überwindet
immer die Furcht der Menschen. Die Jünger hatten sich in Jerusalem hinter
verschlossenen Türen vor den Juden versteckt, weil sie ihren Herrn gekreuzigt
hatten und sie selbst verhaftet und hingerichtet werden konnten. Jetzt aber verkünden
sie furchtlos die Frohe Botschaft vom Gekreuzigten und von seiner Auferstehung,
weil sie sich nun in den Händen des Stärkeren wissen. Der Heilige Geist
überwindet die Furcht. Eine Welt des Heiligen Geistes ist nicht geprägt durch unbekannte
Geister und Mächte, sondern durch den Geist, der die Liebe ist und als
die Liebe Gottes Ausdruck seiner göttlichen Allmacht darstellt. Deswegen ist
Furchtlosigkeit immer das Zeichen für den Heiligen Geist, der uns in die Hände der
allmächtigen Liebe Gottes stellt. Darum kann auch der Glaube, wo er gesund ist,
sich furchtlos und tapfer den Mächten und Gewalten dieser Welt entgegenstellen,
weil er sich von dem geführt und gehütet weiß, der als der Stärkere den Starken
überwunden hat. Es ist nicht so, als ob in einer Welt, die den Glauben endgültig
beiseite gewischt hat, dann endlich die reine Vernunft und die reine Furchtlosigkeit
aufstünde. Ganz im Gegenteil! Wo das geschieht, da muss der Mensch wieder
das Fürchten und Gruseln lernen. In einer solchen Umwelt lernt man das Heulen
und Zähneknirschen, wie die Heilige Schrift die Gottferne umschreibt. Wo der
Geist Gottes aber weht, dort ist die Liebe Gottes. Und „Furcht gibt es in der Liebe
nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht“ (1 Joh 4,18), schreibt
Johannes in seinem ersten Brief. Die Geschichte der Heiligen ist eine Geschichte
des Heiligen Geistes und damit auch eine Darstellung christlicher Furchtlosigkeit
in allen Jahrhunderten, unter allen möglichen und unmöglichen Situation. Das ist
der Sieg, der die Welt überwindet: unser Osterglaube. Er verleiht uns Mut und
Furchtlosigkeit. Gott lebt, Christus ist auferstanden! Vor wem sollten wir uns dann
noch fürchten? Das ist die Botschaft des Heiligen Geistes am Pfingstfest.

3. Der Heilige Geist stellt sich uns in brennenden Feuerzungen über den
Aposteln in Jerusalem dar. Christus ist eigentlich der wahre Prometheus, der das
Feuer vom Himmel geholt hat. Dieses Feuer als Kraft des Heiles bringt nicht der
Titan, der Gott beiseiteschiebt, sondern der Sohn des lebendigen Gottes selbst
hervor, der sich dem Feuer der Liebe aussetzt und damit die Mauern der Feindschaft
verbrennt. So wird das Feuer zur Kraft der Verwandlung, der Liebe und einer
neuen Welt. Christentum ist wie Feuer. Es gibt ein außerbiblisches Herrenwort,
das heißt: „Wer mir nahe ist, ist nahe dem Feuer“. Das Christentum ist keine langweilige,
farblose oder laue Angelegenheit. Das Evangelium ist kein frommer Wortschwall,
mit dem wir uns an jeden Wagen anhängen könnten, um immer noch dabei
zu sein. Christentum verlangt von uns die Leidenschaft des Glaubens, die sich
zur Leidenschaft Jesu Christi stellt und von ihr her die Welt erneuert. Darum sagt
der Apostel Paulus ausdrücklich: „Lasst euch vom Geist entflammen!“ (Röm
12,11), oder „Löscht den Geist nicht aus!“ (1 Thess 5,19). Die großen Feuerpropheten
des Alten Bundes sind schon pfingstliche Gestalten vor dem eigentlichen
Pfingsten. Ein geistlicher Mensch ist immer ein feuriger Mensch. In seiner Umgebung
können die Funken sprühen, und die Funken können überspringen. Feuer
steckt an.

Am Pfingstfest hat keiner das Recht, kein Optimist zu sein. Heute hat niemand
das Recht, mit seiner Freude zurückzuhalten. Wem könnten wir denn glauben
machen, dass Gott sich uns geschenkt hat, dass wir Gott in unseren Herzen, in
unseren Händen und auf unseren Lippen tragen, wenn wir darüber nicht begeistert
wären? Gott ist so nahe zu uns gekommen, wie sollte er da nicht unsere leidenschaftliche
Liebe erweckt haben? Dieser Gott wird schlecht verkündet, wenn er
von uns nicht leidenschaftlich verkündet wird. Uns alle beauftragt Gott heute, ihn
zu verkünden. Uns alle schickt er heute hinaus, wie einst die Apostel aus dem
Abendmahlsaal, wo sie sich eingeschlossen hielten. Und er jagt uns gleichsam vor
die Tür auf die Straße, damit wir unsere Welt erschüttern durch unsere große und
unglaubliche Neuigkeit: Wir sind keine Waisen mehr! Gott ist wirklich zu uns wiedergekommen!
Auch wir werden nun bewohnt, bevölkert und durchdrungen von
seinem Geist der Stärke und der Weisheit, von seinem Geist der Freude und des
Glaubens. Der Glaube sagt uns ausdrücklich: Der Geist Gottes ist die einzige Wirklichkeit,
die zählt. Alles Übrige ist Schatten. Öffnen wir unser Leben dem Schöpfergeist
Gottes, und er wird durch uns das Angesicht der Erde erneuern. Amen.

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln

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Weiße Blumen um das Herz des Herrn

Montmartre, Tympanon / Pixabay CC0 – DEZALB, Public Domain

Impuls zum Herz-Jesu-Fest im Lesejahr A — 23. Juni 2017

PETER VON STEINITZKOMMENTAR ZU SONNTAGSLESUNGEN IM JAHRESKREIS

Es ist sicher nicht übertrieben, wenn man sagt, dass die Herz-Jesu-Verehrung in der Kirche schon bessere Zeiten gekannt hat. Die Älteren erinnern sich noch an die aus dem 19. Jahrhundert stammenden Herz-Jesu-Messen und –Andachten, die mit großer Anteilnahme des Volkes gefeiert wurden. Leider ging mit der echten Verehrung manchmal auch manch unechtes Bildwerk Hand in Hand, das man ruhig Kitsch nennen kann, und das vielen die Herz-Jesu-Verehrung verleidete.

Eigentlich aber sollte die Verehrung des Herzens Jesu, also das Aufmerken auf die barmherzige Liebe eines Gottes, der ein menschliches Herz hat, gerade den Menschen unserer ziemlich herzlosen Zeit entgegen kommen. Man muss ja nur manche Kinder oder älteren Leute beobachten, um zu sehen, wie vielen Menschen das fehlt, was wir heute Zuwendung nennen, und was nichts anderes ist als Liebe.

Die Offenbarung der barmherzigen Liebe Gottes geht klar aus dem Evangelium hervor, dennoch war es wohl wegen unserer Hartherzigkeit nötig, dass Gott außerdem sein Herz mehrfach einigen Personen besonders offenbarte, von denen er wusste, dass sie diese Erkenntnis unter die Leute bringen würden. Das sind im Mittelalter die großen Mystiker Albert der Große und die Frauen Mechthild von Hackeborn, Gertrud von Helfta und Mechthild von Magdeburg – wirklich ein Ruhmesblatt der deutschen Geschichte. All die Zartheit dieser Liebesbeziehung zwischen Christus und der Seele ging in den Stürmen der Reformation, wie so manches andere, zu Bruch.

Im 16. und 17. Jahrhundert hatte die katholische Kirche alle Hände voll zu tun, den in seinen Grundlagen erschütterten Glauben neu zu formulieren. Die Offenbarungen des Heiligsten Herzens verließen das Land der Reformation: Jesus erschien der Ordensschwester Margarethe Maria Alacoque (+ 1690) in Frankreich und sagte ihr, der König solle für den Bau einer Kirche in Paris zu Ehren des Heiligsten Herzens Jesu Sorge tragen. Sie fand einen Weg, diesen Wunsch dem König zu übermitteln.

Ludwig XIV., der einen ausgeprägten Sinn für die eigene Ehre hatte, aber sehr viel weniger interessiert war an der Ehre Gottes, ging nicht darauf ein. Zwei Generationen später war das glanzvolle französische Königtum am Ende. Es sollte noch einmal zwei Generationen dauern, bis die Franzosen den Gedanken wieder aufgriffen und es nun als nationales Anliegen ansahen, diese Kirche zu errichten. So kam es zum Bau der berühmten Kirche Sacré Coeur auf dem Montmartre in Paris.

Demjenigen, der die Geschichte der Herz-Jesu-Verehrung kennt, bedeutet diese Kirche, die bewusst als Sühnetempel konzipiert ist, viel. Das Allerheiligste ist dort ständig ausgesetzt. Die meisten Menschen aber, vor allem die Maler und die Touristen, sehen in dem neo-byzantinischen Kuppelbau lediglich ein malerisches Paris-Motiv und gehen damit auch wieder am Wesentlichen vorbei.

Immer wieder muss Gott mit uns Menschen diese Erfahrung machen: Er beschenkt uns mit zahllosen Wohltaten, aber es gelingt uns doch immer wieder, zu all dem nein zu sagen oder wenigstens wegzugucken.

So ist es wohl auch zu verstehen, dass die anfangs so innige und unbeschwerte mittelalterliche Herz-Jesu-Verehrung sich in der Neuzeit immer mehr mit dem Sühnegedanken verbunden hat. Sühne dafür, dass wir immer dann, wenn wir gegen die Liebe verstoßen, Gott selbst mitten ins Herz treffen.

Im Jubiläumsjahr der Erscheinungen von Fatima liegt es nahe, das, was dort gesprochen worden ist, mit den Fragen unserer Zeit zu konfrontieren. Maria hat zu den unschuldigen Kindern, durch sie aber auch zu uns gesagt: „Die Menschen sollen Gott nicht mehr beleidigen, der schon zu sehr beleidigt worden ist!“ Und sie fordert besonders zur Sühne auf.

Im heutigen Leben der Kirche sind viele Anregungen aus Fatima in Vergessenheit geraten. Maria sagte dort, dass der Himmlische Vater die besondere Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens wünsche, als Sühne für die Sünden der Menschen. Unser Unglück ist, dass man von Sünde überhaupt nicht mehr reden mag. Man muss sie natürlich nicht hochstilisieren, aber es ist doch auch unrealistisch so zutun, als gäbe es sie nicht mehr (was sich praktisch im Verschwinden des Beichtsakraments niederschlägt).

Der hl. Josefmaria betete:

„Cor Mariae Dulcissimum, iter para tutum!“ und

„Cor Iesu Sacratissimum dona nobis pacem!“

Die Kuppel der Kirche Sacré Coeur in Paris trägt die lateinische Inschrift: „Cordi Jesu Sacratissimo Gallia poenitens et devota” – Dem Heiligsten Herzen Jesu das fromme, büßende Frankreich.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.  Der Fe-Medienverlag hat einige ZENIT-Beiträge vom Autor als Buch mit dem Titel „Der Stein, den die Bauleute verwarfen“ herausgebracht.

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Papstmesse: „Gott hat sich in unsere Kleinheit verliebt“

Um die Stimme Gottes hören zu können, muss man sich klein machen: Papst Franziskus feierte an diesem Freitag das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu in der Casa Santa Marta. In der Predigt bei der Messe erinnerte er daran, dass Jesus die Menschen erwählt hätte, nicht umgekehrt. „Er hat sich mit unserem Leben verbunden und kann sich davon nicht trennen“, so der Papst. „Er bleibt treu in dieser Haltung. Wir wurden aus Liebe erwählt und das ist unsere Identität, das ist unser Glaube. Wenn wir das nicht glauben, dann verstehen wir die Botschaft Christi nicht, dann verstehen wir die Frohe Botschaft nicht.“

In der ersten Lesung des Tages erinnert Mose daran, dass Gott das „Geringste unter den Völkern“ für sich erwählt habe. „Er hat sich in unsere Kleinheit verliebt“, führte der Papst den Gedanken aus. „Er erwählt die Kleinen: nicht die Großen, die Kleinen. Und er offenbart sich den Kleinen. Wenn du etwas vom Geheimnis Jesu verstehen willst, dann mache dich klein.“ Die Großen seien genauso gerufen wie die Kleinen, aber deren Herz sei von sich selbst so voll, dass sie die Stimme Gottes nicht hören könnten. „Um die Stimme Gottes hören zu können, muss man sich klein machen.“

Nur so könne man sich dem Geheimnis des Herzens Christi nähern, zog der Papst die Verbindung zum Tagesfest. Das Herz Jesu sei nicht einfach ein „Bildchen für die Frommen“, am Herz Jesu könne man sehen, wie er selber sich klein gemacht habe, „bis zum Tod am Kreuz“. Das sei eine bewusste Entscheidung für das Kleinmachen gewesen. „Das ist die Offenbarung, das ist die Herrlichkeit Gottes“, so Papst Franziskus.

 

(rv 23.06.2917 ord)

Der Ausverkauf von Pfingsten an den Islam

BREDA, NETHERLANDS – MARCH 08: PVV Candidate, Geert Wilders is guarded by police as he speaks to the crowd, hands out pamphlets or flyers and poses for selfies on his election campaign near Van Coothplein on March 8, 2017 in Breda, Netherlands. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Am nächsten Sonntag feiern die Christen das Pfingstfest. Eine evangelische Kirche in den Niederlanden nutzt die Gelegenheit, die Abschaffung des öffentlichen Feiertags für den zweiten Pfingsttag vorzuschlagen. Die Niederländer haben diesen Feiertag seit 1815 offiziell genossen, doch die Kirche will ihn durch einen offiziellen Feiertag an Eid-al-Fitr ersetzen, der Tag, der das Ende des islamischen heiligen Monats Ramadan markiert.

Mit ihrem Vorschlag, sagt die christliche Gruppe, will sie „der Vielfalt der Religionen gerecht werden“. Das ist politisch korrektes Gewäsch. Beim Durchblättern der heutigen Zeitungen kann ich aber verstehen, warum viele Niederländer in festlicher Stimmung sind, sobald der Ramadan vorbei ist! In diesen Tagen sind die Schlagzeilen voller Vorfälle, die De Telegraaf, die führende Zeitung in den Niederlanden, als Ramadan rellen (Ramadan Ausschreitungen) beschreibt.

Angenommen, die Christen würden auf jährlicher Basis nach dem Verlassen der Kirche an Pfingsten zu randalieren beginnen, Eigentum zerstören, Brandstiftungen begehen, die Polizei angreifen und die Fenster der Nachbarn mit Steinen einschmeissen. Angenommen, die Polizei würde sich verpflichtet fühlen, die christliche Fastenzeit im Kalender als Tage erhöhter Spannungen zu markieren. Würden wir uns nicht zu fragen beginnen, was da am Christentum falsch ist?

Oder angenommen, jüdische Banden würden an Yom-Kippur ganze Stadtteile terrorisieren. Würden wir uns nicht fragen, was ihnen wohl in ihren Synagogen gelehrt wird? Oder würden wir es einfach akzeptieren, es sogar feiern als Indikatoren der kulturellen „Vielfalt“ unserer Gesellschaft?

Ich schreibe diese Zeilen in meinem Büro im niederländischen Parlament in Den Haag, kaum ein paar Minuten von dem Haus entfernt, wo der große holländische und jüdische Philosoph Baruch Spinoza aus dem 17. Jahrhundert lebte und starb. Spinoza gab der Welt eine Philosophie der Toleranz und Freiheit.

Was wir jedoch niemals tun sollten, ist, tolerant zu sein gegenüber Intoleranz. Denn wenn Toleranz zur Schlange wird, die ihren eigenen Schwanz verschlingt, wird es bald keine Freiheit mehr geben und die Intoleranz wird die Welt regieren. In der Tat sind wir fast da. Dreieinhalb Jahrhunderte nach Spinoza, in der Stadt, wo er lebte, schreibe ich diese Zeilen in einem schwer geschützten Bereich des Parlamentsgebäudes. Die Fenster sind milchig, die Türen sind gepanzert, und draußen stehen Polizisten. Sie sind da, um mich gegen die Intoleranz zu schützen, die in den letzten Jahrzehnten in unser Land eingetreten ist – eine Intoleranz, die weder christlich noch jüdisch oder weltlich ist, sondern islamisch. Ich bin kein Extremist, wenn ich das sage. Ich sage die Wahrheit. Und das ist meine Pflicht.

Denn hier ist die Krux der Sache: Wenn wir die freie und tolerante Gesellschaft bleiben wollen, die wir früher waren, müssen wir erkennen, dass der Westen eine konkrete Identität hat. Unsere Identität ist nicht islamisch, sondern basiert auf Judentum, Christentum und Humanismus. Unsere Freiheiten ergeben sich aus dieser Identität. Indem wir den Islam der Mittel berauben, unsere Identität zu zerstören, verletzen wir nicht die Freiheit; Wir bewahren unsere Identität und garantieren Freiheit.

Die schreckliche Situation, in der wir uns heute befinden, wird durch unsere Toleranz des Bösen verursacht. Wir sind zu tolerant gegenüber Intoleranz, wir sind zu tolerant gegenüber dem Islam. Wir denken, indem wir den Feinden der Feiheit Freiheit gewähren, dass wir der Welt beweisen, dass wir für die Freiheit einstehen. Aber in Wirklichkeit, indem wir uns weigern, unserer Toleranz Grenzen zu setzen, geben wir unsere Freiheit aus den Händen.

Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen die Idee von Rechten mögen, solange sie keinen Preis dafür zahlen müssen. Die politischen und medialen Eliten sind alle für das Aussprechen der Wahrheit, solange die „Wahrheit“ ein Klischee ist. Doch wenn Pflicht und Ehre ihnen gebieten, sich vor die Geschichte zu stellen und „Stop“ zu schreien, dann fliehen sie. Und jene, die ihre Pflicht tun, werden als Extremisten beschimpft, vor Gericht gezerrt, zum Schweigen gebracht.

Etwas früher heute habe ich gelernt, dass der niederländische Staatsanwalt in Den Haag eine Rede untersucht, die ich vor zwei Jahren in Wien gehalten habe. Er tut dies auf Antrag seines Kollegen, des Staatsanwaltes in Wien, der mich der Verhetzung beschuldigt. Letzteres ist in Österreich eine Straftat und ist vergleichbar mit Aufwiegelung.

Ich finde das wirklich unfassbar. Lassen Sie sie Banditen und Terroristen jagen, statt einen Politiker zu verfolgen, der über den Islam spricht. Es ist eine Schande, dass dies in der Stadt Spinozas geschieht, der nicht nur ein großer Verteidiger der Toleranz, sondern auch der Freiheit des Denkens und der Rede war. Spinozas Gesicht pflegte eine unserer Banknoten zu schmücken, als wir noch unsere eigene Währung hatten. Schade, dass dies heute nicht mehr der Fall ist.

Unglaublich auch, weil es das dritte Mal innerhalb weniger Jahre wäre, dass ich vor Gericht gebracht werden würde, weil ich Dinge gesagt habe, die die Eliten nicht hören wollen. Es ist ein juristischer Dschihad. Während die Eliten für die existenzielle Krise verantwortlich sind, in der wir uns derzeit befinden. Mit ihrer Politik der offenen Grenzen und einer beispiellosen Liebe zum Islam und ihrem kulturellen Relativismus sorgen sie für unseren völligen Ausverkauf und setzen unsere Freiheit und Sicherheit aufs Spiel. Sie haben das Erbe von Spinoza aufgegeben und den Totalitarismus des Mohammedanismus in unsere Nationen eingeführt. Ich sage: nicht länger. Es ist Zeit, unsere Pflicht zu tun und unsere Freiheit und die Freiheit unserer Kinder zu verteidigen.

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Das Herz Jesu – Vorbild und Zuflucht

Hl. Herz / Wikimedia Commons – Wolfgang Sauber CC BY-SA 3.0.Jpg

Impuls zum 11. Sonntag im Jahreskreis A — 18. Juni 2017

Im Monat Juni weist uns die Kirche neben den vielen herrlichen Hochfesten auf die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu hin: “Lernt von mir, denn ich bin gütig und selbstlos von Herzen” (Mt. 11,29).

Die Gleichnisse des Herrn wollen die Menschen zunächst einmal auf den Geschmack bringen und sie erkennen lassen, dass das Himmelreich wirklich etwas Erstrebenswertes ist. Wie eine kostbare Perle, wie ein Schatz im Acker usw.

Wer aber das schon begriffen hat, der soll nun in die Schule des Heiligsten Herzens Jesu gehen. Daher regt die Liturgie der Kirche, ausgehend vom Evangelium, zu dem einfachen Gebet an: “O Jesus, gütig und selbstlos von Herzen, bilde mein Herz nach deinem Herzen!”

Die Herz-Jesu-Verehrung hat also einen doppelten Aspekt: zunächst die Anbetung der unendlichen Liebe Gottes im Herzen des Gottmenschen, dann aber auch die Einladung an jeden Menschen, sein Leben und sein Handeln am Herzen des Herrn zu orientieren, sein Herz dem Herzen Jesu ähnlich, ja sogar gleichförmig zu machen. Was wiederum ohne die Gnade nicht geht, aber unbedingt auch unsere Anstrengung erfordert.

Jesus ist der vollkommen gute Mensch, wir sind es nicht. Aber wir sollen sagen: noch nicht. Was an uns unvollkommen ist , muss es ja nicht bleiben. Manche sagen mit Blick auf ihre Fehler: das ist nun mal mein Charakter. Aber darauf kann man fast immer erwidern: das ist dein Mangel an Charakter.

Das Herz Jesu nachahmen ist eigentlich das gleiche wie sich um die Tugenden bemühen. Wenn wir das Wort Jesu ernst nehmen, dass wir heilig werden sollen, so ist das der Weg. Durch die Folgen der Erbsünde haben wir  verschiedene Neigungen zum Bösen. Zur Habgier, zur Eitelkeit, zur ungeordneten Sinnlichkeit, zum Egoismus und vor allem zum Stolz. Das so zu sehen, ist ja nichts anderes als realistisch. Zu denken, das Fehlverhalten der Menschen entstünde nur aus den widrigen Umständen oder aus falscher Erziehung, geht an der Wirklichkeit vorbei.

Und dennoch ist gerade die Erziehung unerlässlich. Sowohl für den religiös orientierten Menschen, der darin ein Hilfsmittel sieht, um in den Tugenden zu wachsen, als auch im rein weltlichen Bereich, wo der Staat – in gewissen Grenzen allerdings – sich um das rechte Verhalten der Menschen kümmern soll. Natürlich wird der Staat, oder sagen wir die Gesellschaft, nicht Bereiche ansprechen, die der individuellen Intimsphäre oder dem persönlichen Gewissensbereich  angehören. Er kann uns wohl auffordern, gewisse elementare Bosheiten zu unterlassen. Aber er kann die Bürger nicht auf die Tugenden verpflichten.

Die Amerikaner kritisieren gern an uns Europäern, dass sich hier der Staat in zu viele Dinge einmischt. Eine Tendenz, die manchmal auch aus Anordnungen der EU anklingt. Nach dem Motto: was für euch gut ist, bestimmen wir.

Hierzulande ist es häufig das Verhalten staatlicher Stellen zu Fragen der Volksgesundheit, das grenzwertig sein kann. Sicherlich liegt es im Interesse der Gesellschaft, dass eine Volksseuche wie Aids bekämpft wird. Aber wenn bei den Kampagnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) gegen HIV mit Slogans geworben wird, die ausgesprochen unsauber sind, dann geht die staatliche Werbung in unzulässiger Weise in den Bereich der Moral, in diesem Fall der Unmoral. Die Leute werden zu einem unmoralischen Verhalten animiert (“Mach´s, aber mach´s mit!”), Hauptsache man schützt sich vor den Folgen.

Viele Menschen machen von einer anderen Möglichkeit, sich vor Aids zu schützen, Gebrauch: von der Enthaltsamkeit. Da diese “Methode” bei vielen nur ungläubiges Erstaunen und ein ironisches Lächeln hervorruft, reden diese Menschen nicht darüber, aber denken sich ihr Teil. Und es sind nicht nur die “fundamentalistischen Christen”, die solche “überholten”Ansichten pflegen.

Unser alter Schullehrer sagte einmal: Man muss in vielen Bereichen der Gesellschaft mit allen Menschen guten Willens zusammenarbeiten, denn es gibt nicht nur im engeren Sinne die “Gemeinschaft der Heiligen”, sondern, wie in einem konzentrischen Kreis da herum, die “Gemeinschaft der Anständigen”. Darunter sind viele Nichtchristen und vor allem viele Muslime, die oft fassungslos betrachten, wie Deutschland sich moralisch abschafft.

Die Tugenden sind anspruchsvoll und manchmal schwer zu realisieren. Man kann den jungen Studenten bis zu einem gewissen Grade verstehen, der beim Weltjugendtag in Rom 2000 in einem Fernseh-Interview gefragt wurde: “Der Papst hält ja sehr an den traditionellen Moralvorstellungen fest, zum Beispiel, was Frauenpriestertum und Sex vor der Ehe betrifft. Was halten Sie davon?” Der Junge antwortete etwas schnoddrig: “Vom Frauenpriestertum verstehe ich nichts. Na ja, und das andere. Ich würde sagen, da ist er so wie meine Oma. Ich tue nicht, was sie sagt, aber sie hat recht” (Leo – Allah mahabba, S. 274).

Freilich, noch besser ist es, wenn man doch tut, was er sagt, bzw. was unser Herr Jesus Christus sagt: “Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen” (Mt. 5,8).

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.  Der Fe-Medienverlag hat einige ZENIT-Beiträge vom Autor als Buch mit dem Titel „Der Stein, den die Bauleute verwarfen“ herausgebracht.

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„Lebendiges Gedächtnis seiner Liebe“

Fest Fronleichnam, 18. Juni 2017

Predigt von Papst Franziskus
zum Fest Fronleichnam, 18. Juni 2017 — Volltext

Wir dokumentieren im Folgenden in der offiziellen Übersetzung die Predigt von Papst Franziskus zum Fest Fronleichnam. Die Messe wurde am heutigen Sonntag, dem 18. Juni 2017, um 19 Uhr auf dem Vorplatz der Lateranbasilika gefeiert. Anschliessend zog eine Prozession mit dem ausgestellten Allerheiligsten über die Via Merulana zur Basilika Santa Maria Maggiore.

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Am Hochfest Fronleichnam kommt mehrfach das Thema des Gedächtnisses zur Sprache: »Du sollst an den ganzen Weg denken, den der Herr, dein Gott, dich […] geführt hat […]. Dann nimm dich in Acht, dass […] du den Herrn, deinen Gott nicht vergisst, […] der dich in der Wüste mit dem Manna speiste« (vgl. Dtn 8,2.14.16), sagte Moses zum Volk. »Tut dies zu meinem Gedächtnis« (1 Kor 11,24) – wird Jesus zu uns sagen. »Das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist« (Joh 6,51), ist das Sakrament des Gedächtnisses, das uns auf reale und greifbare Weise an die Liebesgeschichte Gottes mit uns erinnert.

Denk daran, sagt heute das Wort Gottes zu jedem von uns. Aus dem Gedächtnis an die Großtaten des Herrn, hat das Volk auf seinem Weg in der Wüste Kraft geschöpft; in der Erinnerung an das, was der Herr für uns getan hat, gründet sich unsere persönliche Heilsgeschichte. Erinnern ist für den Glauben wesentlich, genauso wie das Wasser für eine Pflanze: Wie eine Pflanze ohne Wasser nicht am Leben bleiben kann und keine Frucht bringen kann, so geschieht es mit dem Glauben, wenn er seinen Durst nicht durch das Gedächtnis dessen, was der Herr für uns getan hat, stillt.

Denk daran. Das Gedächtnis ist wichtig, weil es uns erlaubt, in der Liebe zu bleiben, zu er-innern, also ins Herz zu rufen, nicht zu vergessen, wer uns liebt und dass wir gerufen sind zu lieben. Und doch ist diese einzigartige Fähigkeit, die der Herr uns gegeben hat, heute eher geschwächt. In der Hektik, der wir ausgeliefert sind, scheinen viele Personen und Tatsachen an uns vorbeizugleiten. Man blättert hastig um, unersättlich in der Suche nach Neuheit, aber arm an Erinnerungen. Indem man so die Erinnerungen verbrennt und nur im Augenblick lebt, läuft man Gefahr, an der Oberfläche zu bleiben, im Fluss der Dinge, die geschehen, ohne in die Tiefe zu gehen, ohne jenen Weitblick, der uns an das erinnert, was wir sind und wohin wir gehen. Dann zersplittert sich das äußere Leben und das innere Leben erstarrt.

Aber das heutige Hochfest erinnert uns daran, dass in der Zersplitterung des Lebens der Herr uns mit einer liebevollen Zerbrechlichkeit entgegenkommt, die die Eucharistie ist. Im Brot des Lebens kommt der Herr, um uns aufzusuchen. Er macht sich zu einer bescheidenen Speise, die in Liebe unsere an Ruhelosigkeit erkrankte Erinnerung heilt. Denn die Eucharistie ist die Gedächtnisfeier der Liebe Gottes. Da wird das »Gedächtnis seines Leidens« (Hochfest des Leibes und Blutes Christi, Magnificat-Antiphon zur II. Vesper), der Liebe Gottes zu uns begangen, die unsere Stärke, die Stütze auf unserem Weg ist. Deshalb tut uns das eucharistische Gedächtnis so gut: Es ist kein abstraktes Gedächtnis, kalt und begrifflich, sondern das lebendige und tröstliche Gedächtnis der Liebe Gottes. In der Eucharistie ist der ganze Genuss der Worte und der Handlungen Jesu, der Geschmack seines Paschamysteriums, der Duft seines Geistes. Wenn wir sie empfangen, prägt sich unserem Herzen die Gewissheit ein, von ihm geliebt zu sein. Und während ich dies sage, denke ich auf besondere Weise an euch, Jungen und Mädchen, die ihr vor kurzem die Erstkommunion empfangen habt und hier in großer Zahl zugegen seid.

So bildet die Eucharistie in uns ein dankbares Gedächtnis heran, weil wir uns als vom Vater geliebte Kinder erkennen, deren Hunger er stillt; ein freies Gedächtnis, weil die Liebe Jesu, seine Vergebung, die Wunden der Vergangenheit heilt und die Erinnerung an erlittenes und auferlegtes Unrecht heilt; ein geduldiges Gedächtnis, weil wir in den Widrigkeiten wissen, dass der Geist Jesu in uns bleibt. Die Eucharistie ermutigt uns: Auch auf dem holprigsten Weg sind wir nicht alleine, der Herr vergisst uns nicht, und jedes Mal, wenn wir zu ihm gehen, erquickt er uns mit Liebe.

Die Eucharistie erinnert uns auch daran, dass wir keine Individuen sind, sondern ein Leib. Wie das Volk in der Wüste das vom Himmel gefallene Manna aufsammelte und es in der Familie teilte (vgl. Ex 16), so ruft uns Jesus, das Brot vom Himmel, zusammen, um ihn gemeinsam zu empfangen und unter uns zu teilen. Die Eucharistie ist nicht ein Sakrament „für mich“, sie ist das Sakrament vieler, die einen einzigen Leib bilden. Der heilige Paulus hat es uns in Erinnerung gerufen: »Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot« (1 Kor 10,17). Die Eucharistie ist das Sakrament der Einheit. Wer sie empfängt, kann nicht anders als ein Erbauer der Einheit sein, da in ihm, in seiner „geistlichen DNA“ der Aufbau der Einheit entsteht. Dieses Brot der Einheit heile uns von dem Drang, die anderen zu beherrschen, von der Gier, alles für sich zu sichern, vom Schüren von Uneinigkeit und von der Verbreitung von Kritik; es möge in uns die Freude erwecken, uns ohne Rivalität, Neid und gehässiges Gerede zu lieben.

Indem wir nun die Eucharistie leben, beten wir den Herrn an und danken wir ihm für diese höchste Gabe: lebendiges Gedächtnis seiner Liebe, das einen einzigen Leib aus uns macht und uns zur Einheit führt.

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Das polnische Dorf Spycimierz gibt an Fronleichnam alles — Blütenteppich der Superlative

Fronleichnam wird seit dem Mittelalter auch in Polen mit einer feierlichen Prozession gefeiert. Im Dorf Spycimierz legen die Bewohner dafür den längsten zusammenhängenden Blütenteppich im ganzen Land.

Mohnblumen, Händelwurz-Blüten, gelbe Kamille, Heide-Ehrenpreis oder die dunkelblaue Kornblume – wenn Jozefa Michalak wenige Tage vor Fronleichnam auf die Wiese hinter ihr altes Bauernhaus geht, erntet sie alles, was blüht und farbenfroh ist. „Alle aus unserer Familie helfen mit, und das ganze Dorf ist auf den Beinen“, sagt die 55-Jährige und pflückt weitere Blüten.

Tatsächlich: Nur vereinzelnde Blumen und Blüten sind noch auf den Wiesen um das 600-Einwohner Dorf Spycimierz bei Lodz vor Fronleichnam zu finden, und auch die Gärten der Einwohner wirken merkwürdig farblos. Denn jährlich am 60. Tag nach dem Ostersonntag verwandeln die Bewohner die kleine Straße vor ihren Häusern mit Blumen zu Polens längstem Fronleichnam-Blumenteppich.

„Ungeschriebene Pflicht“

Eine Friedenstaube, ein Kirchengebäude, Kreuze oder das Konterfei des „polnischen Papstes“ Johannes Paul II. sind entlang des fast zwei Kilometer langen Blumenteppichs aus Naturmaterialien geformt. Seit dem Morgen ist Michalak auf den Beinen, um die Motive vor ihrem Gartenzaun auszulegen. „Wenn man hier wohnt, dann ist es eine ungeschriebene Pflicht“, sagt die 55-Jährige, die längst in der nächsten Kleinstadt wohnt und jährlich zu ihrer Familie aufs Dorf zurückkehrt.

Gutes Timing ist wichtig, denn zu früh dürfen die Blüten nicht auf den Teppich gelegt werden, ergänzt Pan Marek, ein Nachbar. „Die Blumen gehen kaputt, wenn sie zu lange in der Sonne liegen.“ Der 60-Jährige hat gleich den Gartenschlauch zur Hand und wässert den Teppich vor seinem fast hundert Meter langen Grundstück. Er selbst, wie auch manch andere Nachbarn verwenden Sand als Unterlage für die Blüten. Dieser dient als Wasserspeicher und – in verschiedenen Farbtönen – als Dekoration.

Mehr als bunte Blumen

Sand ist mittlerweile nicht der einzige „Zusatzstoff“. Längst gestalten die Dorfbewohner ihren Zwei-Kilometer-Blumenteppich flexibel und arbeiten auch Getreide- und Maiskörner, Tannenzapfen und bunte Steinchen in die Motive ein. Es gebe keinen Wettbewerb um die schönsten Arrangements, versichert Pan Marek. „Aber wir schauen schon, was die Nachbarn haben“, schmunzelt der 60-Jährige.

Nicht nur die Dorfbewohner schauen sich an, welche Motive aus welchen Blüten die Nachbarn vor ihren Häusern gelegt haben. Spycimierz hat für seinen langen Blumenteppich längst polenweit Berühmtheit erlangt. Kilometerlange Autoschlangen stehen Fronleichnam vor der Dorfeinfahrt, denn jährlich zieht der Blumenteppich der Superlative 70.000 Touristen an. In Spycimierz ist der Feiertag durch Imbiss- und Verkaufsstände zum „Volksfest“ gewachsen.

Eine kurze Geschichte

Boze Cialo, wie Fronleichnam auf Polnisch genannt wird, ist im katholischen Polen ein gesetzlicher Feiertag. Das Fest des heiligsten Leibes und Blutes Christi, wie der liturgische Kalender es bezeichnet, wurde durch eine päpstliche Bulle von 1264 zum Fest der Gesamtkirche erhoben. In Polen fand es Mitte des 15. Jahrhunderts Einzug in den Glaubensalltag und wird seitdem in den Pfarreien traditionell mit einer Prozession begangen.

Die Fronleichnamsprozession in Spycimierz selbst blickt auf eine „nur“ rund 200-jährige Geschichte. Napoleons Truppen sollen den Brauch nach Spycimierz gebracht haben, sagt Wojciech Kazmierczak, Pfarrer der örtlichen Gemeinde. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zieht sich der Blumenteppich durch den gesamten Ort, und fast alle Anwohner entlang des Prozessionszugs machen mit.

Nicht allein

„Zum Glück muss ich nicht alleine vor meinem ‚Anwesen‘ den Teppich legen“, sagt der Geistliche und deutet auf den mehreren Hundert Meter langen Streifen vor dem Pfarrhaus und der Kirche. Als Pfarrer ist er für den Ablauf der Feier zuständig, ebenso für die Absprachen mit Feuerwehr und Polizei.

Er selbst ist noch nie über den grünen Teppich geschritten. Denn ein ranghöherer Zelebrant – häufig der Bischof oder Weihbischof der Erzdiözese Lodz – leitet das Hochfest in dem sonst beschaulichen Dorf. Bei der Prozession nach dem Nachmittagsgottesdienst trägt dieser dann die Monstranz unter dem Baldachin zu den vier Altären.

Dutzende Ministranten, Blaskapelle, zahlreiche Fahnen- und Figurenträger und Kommunionkinder gehen der Monstranz voran. Dass dabei die liebevoll gestaltenden Blüten-Arrangement zertrampelt werden, nimmt Jozefa Michalak mit Gelassenheit. „Das wird weggefegt, und die Blumen wachsen ja wieder“, sagt sie. Ihr Nachbar Pan Marek pflichtet bei und vergleicht Fronleichnam mit einer Hochzeit. „Da werden Torten und die Deko aufwendig vorbereitet, und am Ende gehen alle satt nach Hause.“

Markus Nowak

(KNA)

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