Jesus war kein Flüchtlingskind

Politisch linksorientierte Menschen haben es üblicherweise nicht so mit der Kirche und dem Christentum. Wenn aber Kirchenfeste wie Weihnachten Anlass und Möglichkeiten bieten, sie für die eigenen, oft sinistren Zwecke zu instrumentalisieren oder gar den Christen aus demselben Grund die Evangelien erklären zu wollen, dann werden die üblichen Kirchenkritiker, die das restliche Jahr meist Häme gegenüber dem Christentum verbreiten, plötzlich zu Bibelspezialisten und beherrschen scheinbar die Exegese der Heiligen Schrift besser als die Theologen und Priester.

Die Familie war nicht auf der Flucht

Alle Jahre wieder wird in diversen Artikeln und Kommentaren der Mythos verbreitet, Jesus wäre ein Flüchtlingskind und seine Geburt in Bethlehem deswegen eine dramatische und gefährliche Angelegenheit gewesen. Das ist aber nach dem offiziellen und in jeder Weihnachtsmesse verlesenen Weihnachtsevangelium von Lukas  definitiv nicht wahr. Maria und Josef waren gemäß dem Evangelisten Lukas auf dem Weg zu einer von Kaiser Augustus angeordneten Volkszählung, die zur Erstellung der Steuerlisten angeordnet worden war. Die Einwohner Judäas mussten deswegen in ihre Geburtsstadt reisen, um sich dort zu melden. Maria und Josef brachen deswegen auf, fanden aber zur Zeit der Niederkunft kein freies Zimmer in den Herbergen und mussten sich mit einem Stall begnügen (was damals kein ungewöhnlicher Platz für Reisende war). Die Geburtsgeschichte aus dem Stall in Bethlehem wird trotzdem fälschlicherweise immer wieder als Flüchtlingsgeschichte dargestellt.

Eine andere Version

Freilich, der Evangelist Matthäus erzählt eine andere Version von Weihnachten bzw. der Zeit danach. Sie gilt allerdings nicht als das klassische Weihnachtsevangelium. Nach den Beschreibungen des Matthäus war der als brutale Schlächter verrufene und in ständiger Angst vor Attentaten lebende König Herodes höchst besorgt, dass laut den kursierenden Informationen ein neuer König der Juden (eben der Messias) geboren werden würde. Als er von Jesu Geburt hörte, schickte er Kundschafter aus, die bei Matthäus als „die Weisen“ bezeichnet werden. Nach der Verifizierung der Geburt ordnete Herodes die Tötung aller männlichen Kinder unter zwei Jahren an. Er wollte sichergehen, dass nirgendwo ein Erstgeborener als Messias gefeiert werden könne.

Laut Matthäus wurde Josef rechtzeitig von einem Engel gewarnt und er floh danach mit seiner Familie nach Ägypten, um sich dort vor den Häschern des Königs zu verstecken und das Leben des Kindes zu retten. Nach dem Tod des Herodes kehrten Maria und Josef wieder nach Judäa zurück. Das war also keine Flucht, die der heutigen Massenmigration in irgendeiner Weise gleichzustellen ist. Es ging damals um eine ganz konkrete persönliche Bedrohung und nicht um wirtschaftliche, kulturelle oder religiöse Motive. Die Reise von Jesus, Maria und Josef erfolgte auch bloß über die nächste Grenze. Die heutige Massenmigration erstreckt sich hingegen über Kontinente und es migrieren kaum Familien, sondern vor allem junge Männer – aus wie gesagt gänzlich anderen Motiven.

Ein Missbrauch des Evangelisten

Die Matthäus-Geschichte wird trotzdem gern von linken Zynikern als „Beweis“ dafür missbraucht, dass die Heilige Familie ein typisches Migrantenschicksal durchgemacht hätte und dass daher gerade die Christen das größte Verständnis für Flüchtlinge aller Art haben müssten. Das ist natürlich eine unlautere und anmaßende Argumentationstechnik. Christen sollten auf diese meist als Provokation gemeinten Anwürfe und Falschmeldungen nicht hereinfallen und sie gar nicht ernst nehmen. Apropos: Jeder ernstzunehmende Mensch wird anderen Menschen in echter Not und körperlicher Bedrängnis Hilfe vergönnen und selber etwas dazu beitragen, Notsituationen zu beheben oder zumindest zu lindern. Dazu braucht man keine linken Bibel-Exegeten, die das Evangelium offensichtlich noch weniger verstanden haben oder verstehen wollen als ihren Marx und ihren Engels.

Klare Worte sind notwendig

Christen müssen aber stets auch klarstellen: Die Bereitschaft zur Hilfe bedeutet nicht, dass man Migranten aller Art über tausende Kilometer nach Europa kommen lassen oder diese sogar per Jet einfliegen muss, wie dies kürzlich in Italien geschehen ist. Und Nächstenliebe heisst definitiv nicht, dass man kritiklos der Massenmigration das Wort reden und alle aufnehmen muss. Das Gegenteil ist wahr: Verantwortungsvolle Hilfe und ein vernünftiges Bewältigen der Migrationskrise kann nur in den Herkunftsregionen stattfinden. Und am allerwenigsten wird die Lösung der Krise in den von sauertöpfisch-atheistischen Besserwissern und linken Provokateuren besetzen Redaktionsstuben gelingen, aus denen zu Weihnachten regelmäßig süffisante Kommentare an die Öffentlichkeit dringen.

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MERRY CHRISTMAS! President Trump Praises: „Our Lord and Savior Jesus Christ“

 

Full text: President Trump’s extraordinary Christmas speech

Today’s the day that I’ve been looking very much forward to all year long. It’s one that we have heard and we speak about and we dream about and now as the President of the United States, it’s my tremendous honor to finally wish America and the world a very Merry Christmas.

I want to thank everyone who has come together here right in front of the White House, that beautiful, beautiful White House, and everyone watching from home to see the lighting of this incredible national Christmas tree.

For nearly a century, through good times and bad, every president has taken part in this wonderful tradition, first started by President Coolidge. But I was informed tonight that the weather we have is the best it’s been in 25 years. In fact, I said, ‘Is it always like this?’ And the secretary said, ‘Hasn’t been like this for a long time.’ So, we are very lucky.

Finally, in 1870, President Ulysses S. Grant signed legislation making Christmas a Federal holiday. And I sort of feel we are doing that again. That’s what’s happening.

From the earliest days of our nations, Americans have known Christmas as a time for prayer and worship, for gratitude and good will, for peace and renewal.

Melania and I are full of joy at the start of this very blessed season. We’re thrilled to think of the people across the nation and all across the continent whose spirits are lifted by the miracle of Christmas.

For Christians, this is a Holy season – the celebration of the birth of our Lord and Savior Jesus Christ. The Christmas story begins 2000 years ago with a mother, a father, their baby son, and the most extraordinary gift of all, the gift of God’s love for all of humanity.

Whatever our beliefs, we know that the birth of Jesus Christ and the story of this incredible life forever changed the course of human history. There’s hardly an aspect of our lives today that his life has not touched: art, music, culture, law, and our respect for the sacred dignity of every person everywhere in the world.

Each and every year at Christmas time we recognize that the real spirit of Christmas is not what we have, it’s about who we are – each one of us is a child of God.

That is the true source of joy this time of the year.

That is what makes every Christmas ‘merry.’

And that is what we remember at today’s beautiful ceremony, that we are called to serve one another, to love one another, and to pursue peace in our hearts and all throughout the world.

And so tonight, I thank the millions of Americans who light our lives and brighten our wonderful communities. I thank those who are serving the needy during the season and throughout the year. I thank our military men and women who are stationed around the world keeping us safe.

I thank our law enforcement officers who protect our streets and secure our homeland. I thank America’s teachers, pastors, and all those religious, and those people that have taught us so much, for their leadership in our communities and our society.

And, especially tonight, I thank America’s families. At Christmas, we are reminded more than ever that the family is the bedrock of American life.

And so, this Christmas we ask for God’s blessings for our family, for our nation. And we pray that our country will be a place where every child knows a home filled with love, a community rich with hope, and a nation blest with faith.

On behalf of Melania, myself, Barron, all of my children, all of my grandchildren — they’re here with us tonight — I want to thank you.

God bless you and God bless the United States of America. Thank you very much.

Merry Christmas everybody. Merry Christmas. Happy new year. Thank you.

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Papstpredigt an Neujahr: „Wir alle brauchen ein Mutterherz“

Papst Franziskus im Petersdom (AFP or licensors)

Der Papst hat alle Christen zum Blick auf das Wesentliche und zu mehr „Mütterlichkeit“ aufgerufen. Am ersten Jahrestag und zum Hochfest der Gottesmutter Maria predigte Franziskus im Petersdom über die besondere Natur Mariens als Mutter Gottes und ihre Bedeutung für die heutige Kirche.

Anne Preckel – Vatikanstadt

Die Mutter Gottes sei die „persönliche Signatur Gottes auf der Menschheit“, formulierte der Papst in seiner Neujahrspredigt. Ihre Verehrung sei „keine spirituelle Anstandsregel“, sondern „Notwendigkeit des christlichen Lebens“.

„Der Blick auf die Mutter ermutigt uns, viel unnötigen Ballast abzuwerfen und das wieder zu entdecken, was zählt. Das Geschenk der Mutter, das Geschenk jeder Mutter und jeder Frau ist so wertvoll für die Kirche, die Mutter und Frau ist. Während der Mann oft abstrahiert, Behauptungen aufstellt und Ideen durchsetzt, ist die Frau und Mutter in der Lage zu bewahren, im Herzen zu verbinden und beleben. Damit der Glaube nicht zu einer reinen Idee oder Lehre verkommt, brauchen wir alle ein Mutterherz, das die Zärtlichkeit Gottes bewahrt und die Regungen des Menschen wahrnimmt.“

“ Daran erinnern wir uns, wenn wir Mutter Gottes sagen: Gott ist der Menschheit nahe wie ein Kind seiner Mutter, die es in ihrem Schoß trägt ”

In seiner Predigt entfaltete der Papst die Dimensionen einer solchermaßen barmherzigen und hörenden Kirche. Seit der Herr in Maria Mensch geworden sei, gebe es Gott nicht mehr ohne sein Menschsein, führte er mit Blick auf Jesu Menschwerdung aus: „Der menschliche Leib, den Jesus von seiner Mutter bekam, ist auch jetzt sein Leib und wird es immer bleiben. Daran erinnern wir uns, wenn wir Mutter Gottes sagen: Gott ist der Menschheit nahe wie ein Kind seiner Mutter, die es in ihrem Schoß trägt.“

In Maria, der Mutter Gottes, habe sich Gott klein gemacht, fuhr Franziskus fort, „zu Materie, um nicht nur mit uns, sondern auch wie wir zu sein. Dies ist das Wunder, die Neuheit: Der Mensch ist nicht mehr allein; er ist nie mehr Waise, er ist für immer Sohn und Tochter. Mit dieser Neuheit beginnt das neue Jahr.“

Aus diesem Trost, diesem Liebesbeweis, lasse sich für den Menschen eine Haltung ableiten, fuhr Franziskus fort – eine Haltung des Lebens-Schutzes, des Dienstes am Leben, der darin bestehe, „jedes Leben, vom Mutterleib an bis ins hohe Alter, auch das leidende und kranke Leben, wie unbequem oder gar widerwärtig es auch sein mag, … anzunehmen, zu lieben und zu unterstützen.“

Das Tagesevangelium aufgreifend kam der Papst dann auf zwei Tugenden Mariens zu sprechen: „Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen“ (Lk 2,19).

Schweigen mit Gott

Bewahren – In der Weihnachtsgeschichte sei nicht ein Wort von Maria überliefert, merkte der Papst an: Sie habe schweigend und „ganz schlicht“ Gottes Wort und Auftrag bewahrt. Daran sollten sie die Gläubigen heute ein Beispiel nehmen, appellierte Franziskus:

„Dieses Schweigen sagt uns, dass auch wir  die Stille brauchen, wenn wir etwas bewahren wollen. Es ist notwendig, schweigend die Krippe zu betrachten. (…) Wenn wir uns jeden Tag einen Moment Zeit nehmen, um mit Gott zu schweigen, bewahren wir unsere Seele, bewahren wir unsere Freiheit vor den zersetzenden Banalitäten des Konsums und vor der Betäubung durch die Werbung, vor der Verbreitung leerer Worte und den beunruhigenden Wogen des Klatsches und des Lärms.“

Zweite Tugend: Erwägen. Maria habe Freuden und Schmerzen, Hoffnungen und Ängste, Licht und Schatten erwogen, meditiert, „in ihrem Herzen Gott übergeben“, so Papst Franziskus – ohne Verbitterung, ohne Rückzug in sich selbst. Auch dies sei eine Geste des Bewahrens, führte er aus:

“ Um voranzukommen, so sagt uns das heutige Fest, muss man zurückgehen: neu beginnen bei der Krippe, bei der Mutter, die Gott in den Armen hält. ”

„Man bewahrt etwas, indem man es Gott anvertraut: indem man das Leben nicht der Angst und der Trübsal oder dem Aberglauben als Beute überlässt, indem man sich nicht in sich selbst verschließt oder zu vergessen sucht, sondern indem man alle in einen Dialog mit Gott münden lässt. Und dann kommt Gott, dem wir am Herzen liegen, um in unserem Leben Wohnung zu nehmen.“

Mariens Herz als Ort dieser Vorgänge sei zentral, brachte der Papst seine Gedanken zum Abschluss: Ihr Herz sei die Mitte, von der aus es neu aufzubrechen gelte: „In ihrem Herz schlägt das Herz der Kirche. Um voranzukommen, so sagt uns das heutige Fest, muss man zurückgehen: neu beginnen bei der Krippe, bei der Mutter, die Gott in den Armen hält.“

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Mein Tagesposting: Weihnachtsleiche am „Tussibaum“?

Prälat Wilhelm Imkamp

Sicherlich halten es viele für makaber oder geschmacklos, eine Leiche ausgerechnet an der Weihnachtskrippe abzulegen. Aber – wir können und wollen es nicht leugnen: da gehört eine Leiche ja auch eigentlich hin. Haben wir doch am zweiten Weihnachtstag den Festtag des ersten Märtyrers der Kirche, den des hl. Stephanus gefeiert. Sein Fest ist sogar älter als das Weihnachtsfest! Seine Leiche verdirbt uns das Fest also nicht, sondern – im Gegenteil – erklärt es uns in seiner ganzen Bedeutungsschwere.

Der hl. Stephanus ist ja nicht umgebracht worden, weil er als erster Caritasdirektor milde Gaben verteilt hätte, er ist umgebracht worden, weil er an die Menschwerdung Gottes geglaubt hat und diesen Glauben nicht versteckte, sondern offen bekannte. Sein gewaltsamer Tod ist tatsächlich ein Kollateralschaden des frühen interreligiösen Dialogs, der damals noch als Mission verstanden wurde. „Missionarisch Kirche sein“ ist zwar „in“, erschöpft sich heute aber zumeist in interreligiösen Dialogforen und binnenkirchlicher Hektik. Die Inkarnation, die Fleischwerdung Gottes, wird dabei häufig sorgfältig beschwiegen; ist sie doch für viele Dialogpartner schlechthin Gotteslästerung.

Aber Weihnachten ist eben nicht das Gründungsfest einer Sozialstation oder einer nachhaltigen, nikotinfreien, birkenstocksandalierten Multi-Kulti-Fete. Wir feiern ja gerade nicht den Geburtstag von Buddhas Sohn im Stall von Mekka. Manche empörte Kritik am Konsumverhalten ist genauso spießig wie das kritisierte Konsumverhalten. Sozialromantik und Klimahysterie, die so gerne im Mittelpunkt gepflegter Dialogprozesse stehen, können sich wie ein Plumeau auf die Krippe legen und die größte Botschaft der Welt, ja der Geschichte des Universums ersticken – und zwar nachhaltig.

In der Krippe geht es schließlich umweltfreundlich zu, Heizenergie wird nicht gebraucht und auf der Flucht ist die hl. Familie ebenfalls. In diesem Sinn ist der aufgeklärte und mündige Christ sozusagen „weihnachtsmäßig voll drauf“ (Bildzeitung). Der Weihnachtsbaum ist keine Jahresendzeitdekoration, kein „Tussibaum“, er soll wirklich ein Christbaum sein und als „Paradiesbaum“ an das Urversagen der Menschheit erinnern und auf die Erlösung am Holz des Kreuzes hinweisen. Die Botschaft von Weihnachten ist eine Botschaft der Erlösung. Und zwar der Erlösung von der Erbsünde und der daraus sich ergebenden Öffnung des himmlischen Reiches.

Die Erlösung, die mit dem „Ja“ Mariens beginnt, tritt Weihnachten in die sichtbare Realität der Weltgeschichte ein. Schöpfung und Menschwerdung sind die Grundpfeiler jeglicher Menschenrechte. Wo dieser Glaube fehlt, triumphieren Abtreibung, Euthanasie und Genderwahnsinn. Die Leiche des hl. Stephanus an der Krippe mahnt uns zum Bekenntnis. Wir wollen, sollen und können nicht „weihnachtsmäßig voll drauf sein“. Die von Herodes getöteten Kinder, der hl. Stephanus, der Hl. Thomas Becket – an dessen Martyrium die Kirche in dieser Woche auch erinnert – waren es jedenfalls nicht.

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Kardinal Müller: Gedanken zum Weihnachtsfest

Kardinal Gerhard Ludwig Müller war von 2012 bis 2017 Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre. Zuvor war er Bischof von Regensburg (2002-2012) und Professor für Dogmatik.  dpa/Lena Klimkeit

Gott wird Mensch: Es ist nur schwer zu begreifen, was das bedeutet, schreibt Kardinal Gerhard Ludwig Müller in seinem Gastbeitrag. Auf katholisch.de erklärt er das Weihnachtsfest.

Weihnachten | Vatikanstadt – 25.12.2017
Als der junge Rhetorik-Professor Augustinus aus Nordafrika in einem Zustand der Desorientierung nach Mailand kam, hörte er die Predigten des katholischen Bischofs Ambrosius. Damals war der spätere Kirchenvater noch ganz in den Banden des Manichäismus gefangen. Zu seiner großen Überraschung stellte er fest, dass die Polemik der Manichäer gegen die angeblich zu fundamentalistische Auffassung der Katholiken vom Christentum nicht zutraf. Die Manichäer bildeten sich viel ein auf ihre höhere, vergeistigte Interpretation der Bibel, so wie auch Augustinus den Glauben Monikas, seiner katholischen Mutter, verachtete und in ihm doch nur einen „Platonismus für das Volk“ erkannte – wie Jahrhunderte später einmal Friedrich Nietzsche das Christentum charakterisieren sollte.

Als Augustinus bei einer Predigt seines geistigen Mentors merkte, dass die Mysterien des christlichen Glaubens weder vergeistigt-idealistisch noch verdinglicht-materialistisch aufzufassen sind, so formuliert er in seinen Bekenntnissen „errötete ich vor Freude, dass ich so lange Jahre nicht gegen den katholischen Kirchenglauben, sondern gegen die Gebilde meines fleischlichen Denkens gebellt hatte.“ (Conf. VI, 3). Für ihn war Jesus abseits von all den gnostischen Spekulationen über einen Christus-Mythos und seine modernen Ableger in den rationalistischen Konstruktionen eines Jesus hinter den Evangelien „nur ein Mann von hervorragender Weisheit“ (Conf. VII, 19).

Das große Geheimnis der Menschwerdung

Und der größte Kirchenvater des lateinischen Kirche fügt in der Rückschau auf die Zeit seines Suchens und Irrens und schließlich seines Findens der Wahrheit hinzu: „Welches Geheimnis aber in dem Satz ‚Das Wort ist Fleisch geworden‘, ( Joh 1,14) lag, konnte ich damals nicht einmal ahnen.“

Wie die Kirche in einem langen Ringen zur endgültigen gedanklichen Klärung und sprachlichen Formulierung des Geheimnisses der Menschwerdung des Sohnes Gottesgelangt war, und was es bedeutet, dass Gott in seinem ewigen Wort unser Fleisch und unsere menschliche Natur angenommen und in Jesus Christus eine echte menschliche Lebensgeschichte gehabt hatte, war Augustinus als einem der größten Theologen durchaus in allen Einzelheiten bekannt. Aber man muss nicht die ganze Bibelexegese, die christologische Dogmengeschichte, die systematische Christologie und Trinitätslehre und die Widersprüche dazu, angefangen vom antiken Philosophen Kelsos bis zum Evolutionstheoretiker Richard Dawkins, durchlaufen haben, um zum Glauben an die Wahrheit und Wirklichkeit der Menschwerdung Gottes zu kommen. Was Augustinus, der von seiner schlichten Mutter in der Welt des gelehrten Wissens und im philosophisch-theologischen Reflexionsniveau um Lichtjahre entfernt war, mit ihr verband, war nicht nur die natürliche Liebe zwischen Sohn und Mutter, sondern der übernatürliche Glaube.

Der Glaube ist übernatürlich, weil er uns – vermittelt durch die kirchliche Verkündigung – eingegossen wird vom Heiligen Geist, indem wir ihm frei mit der Vernunft zustimmen. Denn der Glaube an Jesus den Herrn, sein Kreuz und seine Auferstehung gründet in der Botschaft (Röm 10,9). Und wenn wir sie hören, steht der Glaube auf dem Fundament des Wortes Christi, der uns das Geheimnis seiner Person und Sendung erschließt (Röm 10,17).

Christus macht alle Menschen zu Brüder und Schwestern

Der Glaube verbindet einfache und hochgebildete Menschen in der Erkenntnis Jesu und in der Liebe Gottes. Weil Gott wirklich Mensch geworden ist, sind wir in Christus wirklich Brüder und Schwestern. Unsere unterschiedlichen Gaben und Fähigkeiten dienen dem Wohl der Menschen und dem geistlichen Aufbau des Leibes Christi, der Kirche.

Das neue Leben und das ganz andere Verhalten der Christen resultiert nicht aus dem Entschluss, aus eigenen Kräften die Welt der Sünde, des Egoismus, des Bösen, des Leidens und des Todes zu überwinden. Wir waren und sind nicht in der Lage, das Paradies auf Erden zu errichten, ein Schlaraffenland der Arbeit ohne Mühe und der selbst nachwachsenden Güter zu schaffen. Auch können wir keinen Kulturbetrieb organisieren, der höchste geistige Ansprüche erfüllt, indem wir die transzendentale Verwiesenheit des Menschen auf Gott als Ursprung und Ziel allen Seins außer Acht lassen. Weder sozialistische noch kapitalistische Programme der Weltverbesserung werden den neuen Menschen erschaffen.

Dossier Weihnachten: Gott wird Mensch

Alljährlich feiern die Christen am 25. Dezember die Geburt Jesu. Unser Dossier informiert über die Bedeutung von Weihnachten, bekannte Bräuche sowie spannende Hintergründe rund um das Fest.

 Zum Dossier

Weihnachten ist ein Fest der Gnade und des Friedens, wenn wir der Aufforderung folgen: „Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit“ (Eph 4,24). Der Mensch und die ganze Schöpfung werden wegen der Menschwerdung Gottes erlöst aus aller Verlorenheit und einem Leben ohne Hoffnung. Zugleich werden wir berufen „zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.“ (Röm 8,21). Weil Gottes ewiger Sohn unser Menschsein sich zu eigen genommen hat, sind wir in ihm zu Söhnen und Töchtern Gottes geworden. Wir dürfen zu Gott durch seinen Sohn – seiner göttlichen Natur nach – und durch unseren Bruder – seiner menschlichen Natur nach – voll Vertrauen sagen: „Abba, Vater!“ (Röm 8,15, Gal 4,6).

Weihnachten bietet eine tröstliche Gewissheit

Wer mit dem Wahrheitssucher Augustinus und vielen Millionen von Mitmenschen bis zum heutigen Tag sich nicht mit Mythen, Ideologien oder von irgendwem ausgeklügelten Erlösungslehren und Wellnessangeboten abspeisen lässt, sondern sich dem Evangelium Christi öffnet, der erfährt an Weihnachten eine tröstliche Gewissheit. Wir werden getragen von einer begründeten Hoffnung. Und wir dürfen die Sendung der Kirche Christi zu allen Menschen mittragen, der seinen Jüngern verheißen hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20).

Unglaublich, aber wahr! Das Kind, das ein paar einfache Hirten in der Krippe fanden, ist der Grund großer Freude für das ganze (!) Volk: „Denn heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren, Christus, der Herr.“ ( Luk 2,11).

Von Kardinal Gerhard Ludwig Müller

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Segen Urbi et Orbi: Wir sehen Jesus in den Kindern der Welt

Papst Franziskus auf der Loggia des Petersdoms

Lesen Sie hier den vollständigen Text der Weihnachtsansprache von Papst Franziskus vor dem Segen Urbi et Orbi.

Liebe Brüder und Schwestern, frohe Weihnachten!

In Betlehem hat die Jungfrau Maria Jesus geboren. Nicht durch menschlichen Willen kommt er zur Welt, er ist vielmehr Geschenk der Liebe Gottes des Vaters, der »die Welt so sehr geliebt [hat], dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat“ (Joh 3,16).

Dieses Ereignis erneuert sich heute in der Kirche, die Pilgerin in der Zeit ist: Wieder erlebt der Glaube des christlichen Volkes in der Weihnachtsliturgie das Geheimnis des sich nahenden Gottes, der unser sterbliches Fleisch annimmt und klein und arm wird, um uns zu retten. Und dies erfüllt uns mit Ergriffenheit, weil die Zärtlichkeit unseres Vaters so groß ist.

Die ersten waren die Hirten

Die Ersten, die den Glanz der Demut des Retters sahen, waren nach Maria und Joseph die Hirten von Betlehem. Sie erkannten das ihnen von den Engeln angekündigte Zeichen und beteten das Kind an. Diese schlichten, aber wachsamen Männer sind Vorbild für die Glaubenden zu allen Zeiten. Sie nehmen angesichts des Geheimnisses Jesu an seiner Armut nicht Anstoß, sondern vertrauen wie Maria auf das Wort Gottes und betrachten mit einfachen Augen seine Herrlichkeit. Vor dem Geheimnis des fleischgewordenen Wortes bekennen die Christen von überallher mit den Worten des Evangelisten Johannes: »Wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit« (1,14).

Während heute Kriegsstürme über die Welt hinwegfegen und ein inzwischen überholtes Entwicklungskonzept weiterhin zum Niedergang des Menschen, des Sozialgefüges und der Umwelt führt, ruft uns Weihnachten zum Zeichen des Kindes zurück. Wir sollen es in den Gesichtern der Kinder wiedererkennen, besonders jener, für die wie für Jesus kein Platz in der Herberge ist (Lk 2,7).

“ Wir erblicken Jesus … ”

Wir erblicken Jesus in den Kindern des Nahen Ostens, die aufgrund der Zuspitzung der Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern weiter leiden. An diesem Festtag flehen wir zum Herrn um Frieden für Jerusalem und für das ganze Heilige Land; wir beten, dass sich bei den Kontrahenten der Wille durchsetze, den Dialog wiederaufzunehmen, und dass man endlich zu einer Verhandlungslösung gelange, die innerhalb von miteinander vereinbarten und international anerkannten Grenzen eine friedliche Koexistenz zweier Staaten ermöglicht. Der Herr möge auch die Bemühungen derer unterstützen, die in der internationalen Gemeinschaft den guten Willen haben, jenem geplagten Land beizustehen, dass es trotz der schwerwiegenden Hindernisse zur langersehnten Eintracht, Gerechtigkeit und Sicherheit finde.

Syrien und das Heilige Land

Wir erblicken Jesus in den Gesichtern der syrischen Kinder, die immer noch vom Krieg gezeichnet sind, der das Land in diesen Jahren mit Blut getränkt hat. Möge das geliebte Syrien endlich zur Achtung der Würde eines jeden Menschen zurückfinden, indem es in gemeinsamer Anstrengung das soziale Gefüge unabhängig von ethnischen oder religiösen Zugehörigkeiten wiederherstellt. Wir erblicken Jesus in den Kindern des Irak, der immer noch von den Feindseligkeiten der vergangenen fünfzehn Jahre verwundet und geteilt ist, und in den Kindern des Jemen, wo ein großenteils vergessener Konflikt mit tiefgreifenden humanitären Folgen für die Bevölkerung im Gange ist, die an Hunger leidet und mit der Ausbreitung von Krankheiten konfrontiert wird.

Wir erblicken Jesus in den Kindern Afrikas, vor allem in jenen, die im Südsudan leiden, in Somalia, in Burundi, in der Demokratischen Republik Kongo, in der Zentralafrikanischen Republik und in Nigeria.

Wir erblicken Jesus in den Kindern der ganzen Welt, wo der Frieden und die Sicherheit von der Gefahr durch Spannungen und neue Konflikte bedroht werden. Wir beten, dass die Gegensätze auf der koreanischen Halbinsel überwunden werden können und das gegenseitige Vertrauen im Interesse der ganzen Welt wachse. Dem Jesuskind vertrauen wir Venezuela an, damit ein sachlicher Meinungsaustausch unter den verschiedenen sozialen Gruppen zugunsten des ganzen geliebten venezolanischen Volkes wiederaufgenommen werden kann. Wir erblicken Jesus in den Kindern, die zusammen mit ihren Familien unter den Gewaltakten des Konflikts in der Ukraine und seinen schwerwiegenden Auswirkungen leiden, und wir beten, dass der Herr diesem geschätzten Land baldmöglichst den Frieden gewähre.

Arbeitslosigkeit, Kindersoldaten, Flüchtlinge

Wir erblicken Jesus in den Kindern, deren Eltern arbeitslos sind und Mühe haben, ihren Kindern eine sichere und unbeschwerte Zukunft zu bieten. Und in denjenigen, denen die Kindheit geraubt wurde, weil sie von klein auf zur Arbeit verpflichtet oder von skrupellosen Milizionären als Soldaten gedungen wurden.

Wir erblicken Jesus in den vielen Kindern, die gezwungen sind, ihre Länder zu verlassen, alleine unter unmenschlichen Bedingungen zu reisen und so zur einfachen Beute der Menschenhändler werden. In Ihren Augen sehen wir das Drama vieler Zwangsmigranten, die sogar ihr Leben riskieren, um kräftezehrende Reisen auf sich zu nehmen, die zuweilen in Tragödien enden. Wieder erblicke ich Jesus in den Kindern, denen ich während meiner letzten Reise nach Myanmar und Bangladesch begegnet bin, und erhoffe mir, dass die internationale Gemeinschaft nicht aufhöre, sich dafür einzusetzen, dass die Würde der in der Region anwesenden Minderheiten angemessen geschützt werde. Den Schmerz, nicht aufgenommen zu werden, und die Mühsal, keinen Ort zu haben, an dem man sein Haupt hinlegen kann, kennt Jesus gut. Unser Herz möge nicht verschlossen sein, wie es die Häuser von Betlehem waren.

Die Zeichen der Weihnacht

Liebe Brüder und Schwestern,

auch wir werden auf das Zeichen von Weihnachten hingewiesen: »ein Kind, das in Windeln gewickelt [ist]…« (Lk 2,12). Nehmen wir wie die Jungfrau Maria und der heilige Josef, wie die Hirten von Betlehem im Jesuskind die für uns menschgewordene Liebe Gottes auf und setzen wir uns mit seiner Gnade dafür ein, unsere Welt menschlicher und würdiger für die Kinder von heute und morgen zu gestalten.

Die Geburt Christi, des Retters, erneuere die Herzen, erwecke die Sehnsucht nach einer geschwisterlicheren und solidarischeren Zukunft und bringe allen Freude und Hoffnung. Frohe Weihnachten!

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Papstpredigt zur Christmette: Ein Ereignis, das alles verändert

Christmette im Petersdom (@Vatican Media)

Lesen Sie hier die ganze Predigt des Papstes bei der Christmette im Petersdom.

Maria „gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war“ (Lk 2,7). Mit diesem einfachen, aber klaren Satz führt uns Lukas ins Zentrum der Heiligen Nacht: Sie gebar ihren Sohn. Durch Maria erblickte Jesus das Licht der Welt, ja, Maria schenkt uns das Licht der Welt. Eine schlichte Erzählung, die uns eintauchen lässt in jenes Ereignis, das für immer unsere Geschichte verändert. Alles in dieser Nacht wurde zum lichten Hoffnungsquell.

Der lichte Hoffnungsquell

Gehen wir einige Verse zurück. Auf das kaiserliche Dekret hin sahen Maria und Josef sich genötigt aufzubrechen. Sie mussten ihr Volk, ihr Haus und ihre Heimat verlassen und sich auf den Weg machen zur Volkszählung. Weder ein bequemes noch ein leichtes Unterfangen für ein junges Paar, so kurz vor der Geburt eines Kindes: Sie waren gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Im Herzen waren sie wegen des Kindes, das bald zur Welt kommen sollte, voller Hoffnung auf die Zukunft. Ihre Schritte jedoch waren voller Unsicherheiten und Gefahren, die dem begegnen, der sein Zuhause verlassen muss.

“ Und gerade dort, inmitten dieser Herausforderung, hat Maria uns den Immanuel geschenkt ”

Und dann mussten sie die wohl größte Schwierigkeit bewältigen: bei der Ankunft in Betlehem die Erfahrung machen, dass sie dort niemand erwartete, dass dort kein Platz für sie war.

Und gerade dort, inmitten dieser Herausforderung, hat Maria uns den Immanuel geschenkt. Der Sohn Gottes musste in einem Stall zur Welt kommen, weil die Seinen keinen Platz für ihn hatten. „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh 1,11). Und dort … inmitten der Dunkelheit einer Stadt, die für den weit gereisten Fremden weder Raum noch Platz hat, inmitten der Dunkelheit einer sehr bewegten Stadt, die, wie es in diesem Fall scheint, dadurch aufgebaut wird, dass jeder nur auf sich bedacht ist, gerade dort entzündet sich der revolutionäre Funke der Zärtlichkeit Gottes. In Betlehem tat sich da ein kleiner Lichtblick auf für jene, die ihr Land, ihre Heimat und ihre Träume verloren haben; sogar für jene, die der Erstickung eines in sich verschlossenen Lebens verfallen waren.

Die Spuren der vielen, die einfach nur überleben wollen

Hinter den Schritten von Maria und Josef verbergen sich viele Schritte. Wir sehen die Spuren ganzer Familien, die auch heute gezwungen sind, von zu Hause wegzugehen. Wir sehen die Spuren von Millionen Menschen, die nicht freiwillig gehen, sondern gezwungen sind, sich von ihren Lieben zu trennen, weil sie aus ihrem Land vertrieben werden. In vielen Fällen ist es ein Aufbruch voller Hoffnung auf eine bessere Zukunft; in vielen anderen Fällen hat dieser Aufbruch nur einen Namen: Überleben. Die aktuellen Nachfolger des Herodes zu überleben, die zur Durchsetzung ihrer Macht und zur Mehrung ihrer Reichtümer nicht davor zurückschrecken, unschuldiges Blut zu vergießen.

Maria und Josef, für die kein Platz war, sind die Ersten, die den umarmen durften, der kommt, um uns allen ein Bürgerrecht zu verleihen. Ihn, der in seiner Armut und Kleinheit aufzeigt und deutlich macht, dass die wahre Macht und wirkliche Freiheit darin bestehen, der Zerbrechlichkeit der Schwächsten respektvoll und hilfsbereit zu begegnen.

“ Ihn, der in seiner Armut und Kleinheit aufzeigt und deutlich macht, dass die wahre Macht und wirkliche Freiheit darin bestehen, der Zerbrechlichkeit der Schwächsten respektvoll und hilfsbereit zu begegnen ”

In jener Nacht wird er, dem man für seine Geburt keinen Platz zugestanden hatte, denen verkündet, die keinen Platz an den Tischen und in den Straßen der Stadt hatten. Die Hirten sind die ersten Adressaten dieser guten Nachricht. Aufgrund ihrer Arbeit waren dies Männer und Frauen, die am Rande der Gesellschaft leben mussten. Ihre Lebensumstände, die Orte, wo sie sein mussten, machten es ihnen unmöglich, alle vorgeschriebenen religiösen Reinigungsriten einzuhalten, und so galten sie als unrein. Ihre Haut, ihre Kleidung, der Geruch, ihre Sprechweise, ihre Herkunft verriet sie. Alles an ihnen erweckte Misstrauen. Sie waren Männer und Frauen, von denen man sich fernhalten und die man fürchten musste; sie galten als Heiden unter den Gläubigen, als Sünder unter den Gerechten, als Fremde unter den Bürgern. Und ihnen – den Heiden, Sündern und Fremden – sagt der Engel: „Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr“ (Lk 2,10-11).

Teilen, feiern, verkünden

Dies also ist die Freude, die wir in dieser Nacht eingeladen sind zu teilen, zu feiern und zu verkünden. Die Freude, mit der Gott uns Heiden, Sünder und Fremde in seiner unendlichen Barmherzigkeit umarmt hat und uns dazu treibt, es ihm gleich zu tun.

Der Glaube dieser Nacht lässt uns Gott als den erkennen, der überall dort anwesend ist, wo wir glauben, er sei abwesend. Er ist ein unerkannter, nicht erkennbarer Gast, der in unseren Städten, in unseren Vierteln, in unseren Bussen unterwegs ist und an unsere Türen klopft.

“ Weihnachten ist die Zeit, die Kraft der Angst in eine Kraft der Liebe zu verwandeln, in eine Kraft für eine neue Auffassung von Nächstenliebe ”

Und eben dieser Glaube drängt uns, einer neuen Auffassung des Sozialen Raum zu geben und keine Angst zu haben, neue Formen der Beziehung auszuprobieren, in denen niemand das Gefühl haben muss, in dieser Welt keinen Platz zu haben. Weihnachten ist die Zeit, die Kraft der Angst in eine Kraft der Liebe zu verwandeln, in eine Kraft für eine neue Auffassung von Nächstenliebe. Nämlich die Nächstenliebe, sich nicht mit der Ungerechtigkeit zufriedengibt, als wäre sie etwas Normales, sondern den Mut hat, inmitten von Spannungen und Konflikten zu einem „Haus des Brotes“, zu einem Raum der Gastfreundschaft zu werden. Daran erinnerte uns Johannes Paul II. „Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus“ (Homilie in der Messe am Beginn des Pontifikats, 22. Oktober 1978).

Gott kommt im Kind entgegen

Im Kind von Betlehem kommt Gott uns entgegen, um uns zu Protagonisten des uns umgebenden Lebens zu machen. Er schenkt sich uns, damit wir ihn in die Arme nehmen, damit wir ihn hochheben und umarmen – damit wir in ihm uns nicht scheuen, den Dürstenden, den Fremden, den Nackten, den Kranken und den Gefangenen in die Arme zu nehmen, sie aufzurichten und zu umarmen (vgl. Mt 25,35-36). „Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus“. In diesem Kind lädt Gott uns ein, der Hoffnung zu dienen. Er lädt uns dazu ein, auf die vielen Menschen achtzugeben, die unter der Last der Trostlosigkeit so vieler verschlossener Türen aufgegeben haben. In diesem Kind macht Gott uns zu Protagonisten seiner Gastfreundschaft.

Ergriffen von Freude über dein Geschenk, bitten wir dich, kleines Kind von Betlehem, dass dein Weinen uns aufwecke aus unserer Gleichgültigkeit und unsere Augen öffne für den, der leidet. Deine Zärtlichkeit wecke unsere Sensibilität und schenke uns, dass wir uns angesprochen fühlen, dich in all jenen zu erkennen, die in unseren Städten, in unserem Alltag, in unseren Leben ankommen. Deine revolutionäre Zärtlichkeit überzeuge uns, dem Ruf zu folgen und uns für die Hoffnung und Zärtlichkeit unserer Leute einzusetzen.

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