Kardinäle plädieren für Dialog zur Klärung offener Fragen um Amoris Laetitia

Kardinal Gerhard Ludwig Müller, ehemaliger Präfekt der Glaubenskongregation, und Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin (rechts).  Foto: CNA / Paul Badde // Wikimedia / TharonXX (CC BY-SA 2.0)

Kardinal Parolin: „Wege finden, einander zu verstehen“ – Kardinal Gerhard Ludwig Müller: Theologisch profunde Disputation statt Polemik und Einschüchterungsversuche

Einer der ranghöchsten Vertreter der Kurie, Kardinal Pietro Parolin, hat diese Woche einen Dialog zur Klärung offener Fragen um Amoris Laetitia gefordert.

Vor dem Hintergrund des Erscheinens einer „Correctio Filialis„, die Papst Franziskus vorwirft, Irrlehren zu verbreiten, sagte Kardinal Parolin am Donnerstag, wer nicht die Meinung des Papstes teile, dem stehe frei, dies zu äußern, „doch über diese Dinge muss man nachdenken und Wege finden, einander zu verstehen„, zitierte der britische „Catholic Herald“ den Kardinalstaatssekretär.

Einen Dialog forderte auch Kardinal Gerhard Ludwig Müller in einem neuen Interview mit dem „National Catholic Register“ (NCR). In der aktuellen Situation könne nicht Polemik und Rhetorik helfen, sondern „nur eine profunde theologische Diskussion„, so der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation gegenüber dem Vatikanisten Edward Pentin.

Kardinal Müller warnte vor einem Klima der Angst, vor Polemik und Einschüchterungen und plädierte für eine klärende Debatte:

„Eine mögliche Lösung könnte eine Gruppe von Kardinälen sein, die der Heilige Vater bestellt um eine theologische Disputation zu führen mit einigen prominenten Vertretern der Dubia und der ‚Zurechtweisungen‘ über die verschiedenen und manchmal umstrittenen Interpretationen mancher Aussagen im achten Kapitel von Amoris Laetitia.“

Die als Dubia im September 2016 mit der Bitte um Klärung von vier Kardinälen formulierten Fragen wurden im November – zwei Monate später – veröffentlicht, nachdem der Papst den Brief nicht beantwortet hatte. Auch eine spätere Bitte um eine Audienz der Kardinäle blieb ohne Antwort. Im neuen Interview mit dem NCR sagt Kardinal Müller:

„Am besten wäre es gewesen, wenn der Heilige Vater vor einer Veröffentlichung eine Audienz abgehalten hätte“.

Die von den Dubia völlig unabhängige Correctio Filialis wurde mit damals 40 Unterschriften am 11. August 2017 zugestellt, und dann im September im Internet in mehreren Sprachen veröffentlicht, darunter auch auf Deutsch.

Zu den Unterzeichnern gehören der Schriftsteller Martin Mosebach, der ehemalige Präsident der Vatikanbank, Ettore Gotti Tedeschi, der Generalobere der Piusbruderschaft, Bischof Bernard Fellay, sowie laut Herald mittlerweile auch der emeritierte Bischof René Henry Gracida und der Forschungsdirektor des Ian Ramsey Zentrums für Wissenschaft und Religion der Oxford University, der Priester Andrew Pinsent.

Hintergrund: Was bisher geschah

  • Am 8. Oktober 2013, ein gutes halbes Jahr nach seiner Wahl, kündigte Papst Franziskus an, er werde im Oktober 2014 eine Außergewöhnliche Synode über Familie und Evangelisierung abhalten, gefolgt von einer Bischofssynode zum gleichen Thema im Oktober 2015.
  • Im September 2015, kurz vor der zweiten Synode, drückten 800.000 Individuen und Verbände aus 178 Nationen in einer Petition an den Papst ihre Sorge aus, dass nach der ersten Synode –  deren Handhabung ins Kreuzfeuer scharfer Kritik gekommen war – „weitverbreitete Verwirrung“ herrsche.
  • Am 8. April 2016 veröffentlichte Franziskus als Abschlussdokument das fast 300 Seiten umfassende Lehrschreiben Amoris Laetitia.
  • Am 28. April 2016 warnte der renommierte Philosoph Robert Spaemann gegenüber CNA Deutsch, das Schreiben stelle möglicherweise einen Bruch mit der kirchlichen Lehrtradition dar. In einem zweiten Kommentar für CNA Deutsch präzisierte er seine Äußerungen dazu weiter.
  • Im Juli 2016 schrieben 45 katholische Gelehrte, Würdenträger und Geistliche einen Bittbrief an alle Kardinäle und Patriarchen der Kirche. Darin ersuchten sie die Kardinäle, Papst Franziskus aufzufordern, einige Passagen in Amoris Laetitia richtig zu stellen.
  • Am 19. September 2016 übermittelten vier Kardinäle – Joachim Meisner, Walter Brandmüller, Carlo Caffara und Raymond Burke – dem Papst einen Bittbrief, in dem sie um die Klärung von fünf „Dubia – also Zweifel – in der Form von Fragen baten.
  • Am 18. November warf Papst Franziskus in einem Interview mit „Avvenire“ (der Zeitung der italienischen Bischofskonferenz) Kritikern vor, Amoris Laetitia „nicht verstanden zu haben„. Das liege daran, dass diese Personen nach dem Schema „schwarz oder weiß“ dächten, „selbst wenn wir im Fluss des Lebens unterscheiden müssen“, so Franziskus.
  • Am 4. Dezember sagte der enge Papst-Vertraute und Jesuitenpater Antonio Spadaro in einem Interview mit „Crux„, dass die Fragen der Dubia eigentlich schon bei der Synode beantwortet worden seien. Absolution in der Beichte und Kommunion für geschiedene Wiederverheiratete sei nun, dank Amoris Laetitia, möglich.
  • Am 7. Dezember 2016 warnte der Freiburger Theologieprofessor Helmut Hoping in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass eine „Revision der katholischen Sexualmoral insgesamt“ auf dem Spiel stehe, nicht nur die Frage des Kommunionempfangs.
  • Am 14. Januar 2017 veröffentlichten die Bischöfe Maltas Leitlinien, die geschiedenen Wiederverheirateten ermöglichten, nach „ehrlicher Prüfung“ ihres Gewissens selber zu entscheiden, ob sie zur Kommunion gehen – auch wenn sie weiterhin nicht enthaltsam lebten. Die Änderung begründeten die Bischöfe mit Amoris Laetitia.
  • Am 1. Februar 2017 veröffentlichte die Deutsche Bischofskonferenz Leitlinien zu Amoris Laetitia, die eine Kommunion für geschiedene Wiederverheiratete unter bestimmten Umständen einführten. Auch wenn es Einzelfälle seien, gebe es grundsätzlich die „Möglichkeit des Sakramentenempfangs in diesen Situationen“.
  • Dagegen erklärte am gleichen Tag der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerald Ludwig Müller, dass aus seiner Sicht Amoris Laetitia im Licht der gesamten Lehre der Kirche interpretiert werden müsse und diese nicht ändere, ja nicht ändern könne. Ihm „gefalle nicht“, wenn Bischöfe dies anders interpretierten, so der ehemalige Bischof von Regensburg.
  • Am 3. Februar 2017 veröffentlichte Bischof Vitus Huonder von Chur Leitlinien, in denen die Heiligkeit des Ehebandes betont und eine geduldige Begleitung und Eingliederung von Gläubigen unterstrichen wurde. Eine Kommunion oder Absolution für geschiedene Wiederverheiratete machten die Leitlinien jedoch abhängig von der Frage der Enthaltsamkeit der Betroffenen, so der schweizer Oberhirte.
  • Ebenfalls im Februar 2017 veröffentlichten die International Confraternities of Catholic Clergyein Zusammenschluss von über 1.000 Priestern aus den USA, Irland, Australien und anderen Ländern, ein Statement zu Amoris Laetitia. Darin plädierten sie für eine Klärung der offenen Fragen angesichts unterschiedlicher Auslegungen und „wachsender Unterschiede in der Praxis“.
  • Am 14. März 2017 wandte sich Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer mit einer „Handreichung für die Seelsorge mit wiederverheirateten Geschiedenen“ an Betroffene und Seelsorger seiner Diözese. Darin betont er, dass niemand ausgeschlossen werde und jeder Katholik die Messe besuchen solle. Wer jedoch als geschiedener Wiederverheirateter zur Kommunion zugelassen werden wolle, der müsse in seinem Bistum zumindest weiterhin enthaltsam „wie Bruder und Schwester“ leben.

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Pontifikatsjubiläum: Kardinal Parolin würdigt „Reform der Herzen”

Kennen sich schon lange und verstehen sich gut: Papst Franziskus und Pietro Parolin

„Habemus Papam… Franciscum.” Es sind vier Jahre vergangen, seit der damalige Kardinalsprotodiakon Jean Louis Tauran diese Worte auf dem Balkon der Petersbasilika ausgesprochen hat. Und es war bisher eine „sehr intensive Zeit“ mit dem Papst „vom anderen Ende der Welt“. Das sagt einer, der sehr eng mit dem Papst zusammenarbeitet und ihn schon vorher kannte: Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin geht in einem langen Interview mit Radio Vatikan auf die Meilensteine in diesem Pontifikat ein.

Im vierten Pontifikatsjahr habe es auch historische Momente gegeben, so Kardinal Parolin. So erlebte man beispielsweise das erste Treffen eines Papstes mit dem Moskauer Patriarchen, die Heiligsprechung von Mutter Teresa von Kalkutta und die ökumenische Reise nach Lund, um des 500jährigen Jubiläums der Reformation zu gedenken.

„An jenem Tag, dem 13. März 2013, war ich gar nicht in Rom. Ich war damals noch in Caracas (als Nuntius in Venezuela, Anm. d. Red.) und erhielt die Meldung am Mittag, als in Rom bereits Abend war. Das erste, was ich damals fühlte, war Erstaunen. Ich war nämlich einerseits erstaunt über den neuen Papstnamen aber auch über die Wahl von Kardinal Jorge Mario Bergoglio. Man hatte von ihm gehört, aber niemand dachte daran, dass er Papst werden würde, zumindest wenn man die Zeitungen damals las.“

Mit besonderer Aufmerksamkeit wird seit dem Amtsantritt Franziskus´ die Reform der Kurie beobachtet, um die das Kardinalskollegium den neu gewählten Papst gebeten hatte. Semper reformanda, also sich selbst stets hinterfragen und erneuern müsse sich die Kirche, erinnerte Kardinalstaatssekretär Parolin an einen Satz, der im katholischen Umfeld mit dem II. Vatikanum in Verbindung gebracht wird. Doch es liege dem Papst besonders am Herzen, die Reform der Kurie nicht auf strukturelle Kriterien zu beschränken. Vielmehr müsse man mit einem biblischen Ausdruck von einer „Konversion“ sprechen, erklärt Parolin: „Der Papst erinnert uns immer wieder daran, damit die Kirche immer mehr sie selbst werde, authentischer werde, die Verkrustungen loswerde, die sich auf dem durch die Geschichte ansammeln und wirklich leuchte, wie eine Wahrheit des Evangeliums. Ich würde sagen, dass das maßgeblich der Sinn der Reform ist, und es ist deshalb, dass der Papst immer wieder über die Reform der Herzen spricht.“ Franziskus selbst hatte erst bei seiner jüngsten Weihnachtsansprache an die Kurie erklärt, Erneuerung müsse von innen – gleichsam vom Herzen – ausgehen.

Dieser Papst betone eine „Kirche, die hinausgehen will“, so Kardinal Parolin. „Es ist offensichtlich ein langer Weg, ein Fortschreiten, das seinen Anfang im Zweiten Vatikanischen Konzil findet. Papst Franziskus will derjenige sein, der es weiterführt mit seiner Anwendung im Leben der Kirche. Mit erscheint diese Kirche auf dem Weg sehr bedeutsam, diese Kirche die sich öffnet: Und gerade deswegen, weil die Kirche herausgeht, auf Jesus Christus zu, gelingt es ihr, auch die Menschen in ihrem täglichen Leben zu begleiten.“

„Ich würde vor allen Dingen sagen, dass Amoris Laetitia ein großes Geschenk ist. Der Papst sagte am Anfang der ersten Familiensynode, dass diese Synode die Frohe Botschaft der Familie zum Leuchten bringen soll. … Mit Amoris Laetitia hat er einen großen Impuls gegeben. Was die Kritik betrifft, muss ich sagen, dass es schon immer Kritik in der Kirche gab. Gutgemeinte konstruktive Kritik ist immer willkommen, wenn sie dazu beiträgt, den Willen Gottes besser einzubringen.“

 

(rv 13.03.2017 mg)

Kardinal Parolin weihte in Rom 36 Legionäre Christi zu Priestern

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Priesterweihe Legionäre Christi, 10. Dezember 2016 / ©LCPhotoservice

Zwei Neupriester stammen aus Deutschland: Nikolaus Klemeyer und Leonhard Maier

Am Samstag, 10. Dezember, wurden 36 Legionäre Christi vom Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin zum Priester geweiht. Der feierliche Gottesdienst begann 10 Uhr und fand in der Lateranbasilika in Rom statt. Etwa 3.000 Gläubige, Familienangehörige, Bekannte und Freunde der Weihekandidaten, davon ca. 500 aus Österreich und Deutschland, sowie Legionäre Christi und Mitglieder des Regnum Christi nahmen daran teil. Zwei Neupriester, P. Nikolaus Klemeyer LC und P. Leonhard Maier LC, stammen aus Deutschland, weitere haben einen Teil ihrer Priesterausbildung in Deutschland absolviert.

„Zieht nichts der Liebe Christi vor!“

An die 36 Neupriester gewandt, sagte Kardinal Parolin in seiner Predigt, dass ihre Berufung nur einen einzigen Ursprung hätte, sie seien Sucher Gottes und hätten sich „von Gottverführen lassen, wie der Prophet Jeremias.“ Er erinnerte sie auch daran, dass sie durch dieWeihe nun ganz dem Herrn gehören, „um Missionare des Evangeliums unter den Menschenzu sein.“ An alle Legionäre Christi gewandt sagte: „Die ganze Kongregation möge weiterhin mit Großzügigkeit und Mut den Weg der Erneuerung und der Authentizität gemäß dem Evangelium beschreiten, indem sie dem – dank der Begleitung durch den Heiligen Stuhl – vorgegebenen Weg folge, zur größeren Ehre Gottes, zum Dienst an der Kirche und zur Erlösung der Welt.“ Den 36 neuen Priestern gab er schließlich mit auf den Weg: „Zieht nichts der Liebe Christi vor!“

Während der heiligen Messe konzelebrierten 150 weitere Priester, darunter Weihbischof Matthias König (Erzbistum Paderporn) und Mons. François Bacqué, Apostolischer Nuntius emeritus in Holland.

Verschiedene Berufungswege

Die 36 Neupriester kommen aus elf verschiedenen Ländern: zwei aus Italien, zwei aus Deutschland, drei aus Brasilien, einer aus Frankreich, einer aus Großbritannien, einer aus Venezuela, zwei aus Argentinien, zwei aus Chile, 13 aus Mexiko, einer aus Polen, acht aus den USA.

Die Lebens- und Berufungswege der 36 Neupriester sind so individuell wie jeder einzelne von ihnen. Viele der Neupriester haben ihre Berufung durch ihre Teilnahme an Jugendgruppen oder Evangelisierungsmissionen des Regnum Christi, der kirchlichen Laienbewegung, die die Spiritualität der Legionäre Christi teilt, und anderen kirchlichen Einrichtungen entdeckt. Einige kamen ihrer Berufung in Kleinen Seminaren (Apostolischen Schulen) der Kongregation auf die Spur. Andere hatten schon ihr Universitätsstudium abgeschlossen oder waren bereits in weltlichen Berufen tätig, als sie den Ruf Gottes vernahmen.

„Gott ist die Liebe. Ich bin von ihm geliebt.“

Nikolaus Klemeyer LC wuchs zusammen mit seinen fünf Geschwistern in Pöcking am Starnberger See auf. Er ist 31 Jahre alt. Seiner im Internet veröffentlichten Berufungsgeschichte hat er den Titel gegeben: „Gott ist die Liebe. Ich bin von ihm geliebt.“In der Einleitung sagt er: „Es geht nicht um meine Lebensgeschichte, sondern um GottesHandeln im Leben meiner ganzen Familie.“ Nach einer Romreise im Jahre 1997 – begleitetvon den Legionären Christi – reifte in ihm der Wunsch, katholischer Priester werden zu wollen. 2001 konvertierte Nikolaus zum katholischen Glauben, in dem auch seine Familie, die wie er bis dahin evangelisch war, ihren endgültigen Glaubensweg finden sollte. Ein Jahr später entschied er sich, seine schulische Ausbildung in einer Apostolischen Schule der Legionäre Christi in den USA, in New Hamsphire, zu beenden. 2003 trat er in das Noviziat der Legionäre Christi in Bad Münstereifel ein. Nach Humanistischen Studien in Spanien und dem Philosophiestudium in Rom, absolvierte Pater Nikolaus sein pastorales Praktikum als Assistent des Novizenmeisters in Bad Münstereifel. Danach beendete er sein Philosophiestudium in Rom, um dort ab 2013 Theologie zu studieren. Der junge Ordensmann unterhält auch einen Blog mit dem Titel „Herzen, die sprechen“. Diesen versteht er als ein Fenster, zur Erfahrung des Reichtums, welchen Gott uns in Christus anbieten möchte. P. Nikolaus Klemeyer LC ist seit Mitte September als Assistent des Novizenmeisters im Noviziat in Neuötting-Alzgern tätig.

Leonhard Maier LC stammt aus Moosach bei Grafing im Landkreis Ebersberg. Er ist 34 Jahre alt. Als Jugendlicher kam er in Kontakt mit P. Eamon Kelly LC und lernte so die Legionäre Christi und die Apostolatsbewegung Regnum Christi kennen, in die er im Heiligen Jahr 2000 eintrat. Anschließend arbeitete der künftige Priester neun Monate als „Coworker“ in Puebla, Mexiko. Nach seiner Kandidatur trat er im Sommer 2003 ins Noviziat der Legionäre Christi in Bad Münstereifel ein. Nach dem Ablegen seiner ersten Gelübde absolvierte er im spanischen Salamanca ein einjähriges Humanistisches Studium. Danach wechselte P. Leonhard Maier nach Rom, um das Philosophiestudium zu beginnen. Sein pastorales Praktikum begann er 2008 in der Jugendarbeit des Regnum Christi in Österreich, vor allem in Wien. Dann wechselte er in ähnlicher Tätigkeit für zwei Jahre nach Bayern und kehrte schließlich für ein viertes Jahr wieder nach Österreich zurück. Seit 2012 bereitet er sich im Theologiestudium auf die Priesterweihe vor. Pater Leonhard befindet sich im dritten Semester seines Lizentiats in Dogmatik mit Schwerpunkt theologischer Anthropologie. – Lesen Sie auch seine Berufungsgeschichte im Internet.

Marion Gavlik LC, aus Brasilien, hatte sein pastorales Praktikum in Deutschland absolviert.

Aller Dank für diese neuen Priester im Dienst an der Kirche gebührt Gott. Die Legionäre Christi bitten um Gebet für sie und ihre Angehörigen, für ihre Treue und Beharrlichkeit in der Nachfolge Christi.

Primizfeiern in Deutschland

Am Neujahrstag, den 1. Januar 2017, feiert P. Nikolaus Klemeyer LC in der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt, in Alzgern (Neuötting), seine Heimatprimiz. Um 10 Uhr beginnt die feierliche hl. Messe, zu der wir Sie herzlich einladen. P. Nikolaus wird auch den Einzelsegen spenden. Im Anschluss daran findet ein Stehempfang im Noviziat statt.

Am 8. Januar 2017, 10 Uhr, wird P. Leonhard Maier LC in der Kapelle der Apostolischen Schule in Bad Münstereifel eine Dankmesse mit Primizsegen feiern. Anschließend Sie sie alle herzlich willkommen zum Tag der offenen Tür in der Apostolischen Schule.

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Priesterweihe und Berufungsimpulse im Internet

Die Priesterweihe wurde auch diesem Jahr live im Internet übertragen. Kurzbiographien, ausführliche Berufungsgeschichten der Neupriester sowie einige Fotografien und Kurzvideos finden Sie auf folgenden Internetseiten:

Unsere deutschsprachige Webseite: www.regnumchristi.eu
Webseite zur Priesterweihe: http://www.regnumchristi.org/sites/ordenaciones2016/de/
Wir auf Facebook: www.facebook.com/RegnumChristiundLegionaereChristi
Wir auf Instagram: www.instagram.com/regnumchristide/
Folgen Sie uns auf Twitter: www.twitter.com/RegnumChristiDe
Unser YouTube-Channel: www.youtube.com/user/legionariesofchrist?feature=g-all
Fotos zur Priesterweihe: www.flickr.com/photos/legionariosdecristo

(Quelle: Pressemitteilung Legionäre Christi)

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Pfeifen im Walde: Vatikan hofft auf Frieden in Syrien

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Kardinal Pietro Parolin

Der Vatikan drängt auf einen neuen Anlauf zu einem Waffenstillstand für Syrien. Gleichzeitig soll der sogenannte „Islamische Staat“ bekämpft und beseitigt werden, damit die geflohenen Christen in ihre Heimat zurückkehren können. Das sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin auf einer Syrien-Konferenz in Rom an diesem Wochenende.

„Hoffen wir, dass sich die Lage in die richtige Richtung bewegt, so dass vor allem ein Waffenstillstand erreicht wird, dann ein Ende des Kriegs und schließlich eine Lösung auf dem Verhandlungstisch! Das ist das Hauptanliegen des Heiligen Stuhls: dass sich die streitenden Parteien wirklich zusammensetzen und gemeinsam um einen Ausweg bemühen. Darauf hoffen wir. Und wir hoffen auch, dass die neue Weltlage, die sich durch die Wahl des neuen Präsidenten in den USA ergeben hat, das begünstigen wird.“

Parolin führt das nicht weiter aus. Ein militärisches Eingreifen der USA in den Syrienkrieg wünscht sich der Vatikan nicht. Als US-Präsident Barack Obama vor drei Jahren einmal laut über diese Option nachdachte, organisierte Papst Franziskus prompt einen Tag des Fastens und Betens für den Frieden in Syrien und auch im Irak. Dabei wurde ziemlich deutlich, dass er gegen ein US-Eingreifen auf dem syrischen Kriegsschauplatz war. Kirchenleute in Syrien betonen immer wieder, die Syrer müssten ohne die Beteiligung ausländischer Mächte – etwa Russlands, Saudi-Arabiens oder des Iran – selbst einen Frieden für ihr Land finden.

„Natürlich hoffen wir, dass eine umfassende Lösung auch für die Christen eine Lösung mit sich bringt“, so Parolin weiter: Sie sollen auf vollgültige Weise Bürger ihrer Heimat und ihres Staates sein dürfen und mitmachen dürfen beim Wiederaufbau ihrer Gesellschaft, zusammen mit den anderen Bürgern. Sie sollen sich als Teil ihrer Gesellschaft fühlen dürfen.“

Der Regierungschef des Vatikans und engste Mitarbeiter des Papstes äußerte sich auf einer dreitägigen Konferenz mit dem Titel „Damaskus, Prisma der Hoffnung“. Mit dieser Konferenz feierte das Päpstliche Ostkircheninstitut „Orientale“ sein hundertjähriges Bestehen. Das mit der „Hoffnung“ im Titel der Konferenz hat etwas vom Pfeifen im Walde, das wurde in den Vorträgen und Gesprächen immer deutlicher. Kardinal Leonardo Sandri, Präfekt der Kongregation für die Ostkirchen, dachte vor allem an die verzweifelte Lage der in Ost-Aleppo eingeschlossenen 250.000 Menschen.

„Leider erfüllen uns alle Nachrichten, die von dort kommen, mit Schaudern und Angst. Wir teilen den furchtbaren Schmerz unserer Geschwister in Aleppo und im ganzen Nahen Osten. Das Panorama ist negativ und düster; trotzdem setzen wir auf Frieden, auf Verständigung, Dialog, auf ein Auskommen aller Menschen und Religionen. Mögen vor allem die Christen immer für eine Art Gleichgewicht in dieser Region sorgen.“

Auch die Christen im Heiligen Land sind solidarisch mit ihren Glaubensgeschwistern in Syrien und dem Irak. Das betonte der neue Apostolische Administrator des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, der Franziskaner Pierbattista Pizzaballa. „Es gibt bei uns nicht einen Christen, der nicht von seinen Geschwistern in Syrien und im Irak spricht. Diese Solidarität zu sehen, ist etwas sehr Schönes. Sie ist auch konkret, mit Kollekten und Gebetswachen. Unsere Christen bewundern das Zeugnis, das die Christen in Syrien und im Irak geben; das ermutigt sie dazu, trotz ihrer eigenen vielen Probleme im Heiligen Land nach vorn zu blicken.“

Schon klar: Das Desaster in Syrien und dem Irak hat den ewigen Palästina-Konflikt in der öffentlichen Aufmerksamkeit nach hinten rutschen lassen. Pizzaballa sagt: „Wie im ganzen Nahen Osten gibt es auch im Heiligen Land – in Israel und Palästina – im Moment mehr Extremismus. Und das ist beunruhigend, weil das nicht mehr nur Episoden sind wie früher, sondern weil dahinter immer mehr eine Ideologie zum Vorschein kommt, die uns allmählich beunruhigt. Ich glaube allerdings, dass man diese Lage noch in den Griff bekommen kann. Anders als im Rest des Nahen Ostens – da ist sie längst außer Kontrolle…“

(rv 14.11.2016 sk)

Parolin über Trump: „Warten wir ab, welche Entscheidungen er treffen wird“

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Donald J. Trump (Photo: 2016) / Wikimedia Commons – Michael Vadon, CC BY-SA 4.0

Kardinalstaatssekretär über mögliche Gesprächspunkte mit dem 45. Präsident der USA: Frieden, Religionsfreiheit, Engagement der Katholiken, Schutz der sozial Schwächsten

„Warten wir ab, um zu sehen, welche Entscheidungen Donald Trump während seiner Amtszeit treffen wird. Geben wir ihm die Zeit, um zu beginnen.“ Dies erklärte der Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin am Donnerstag gegenüber den Medien mit Blick auf das Projekt des neugewählten US-Präsidenten Donald Trump, eine Trennmauer entlang der Grenze zu Mexiko zu bauen um die illegale Einwanderung zu stoppen. Laut Trump sei sie eine ‪„Plage“ der amerikanischen Gesellschaft.

Der italienische Purpurträger sprach am Rande der Pressekonferenz in der Generalkurie des Jesuitenordens in Rom zur Vorstellung des Buches von Pater Antonio Spadaro ‪„Nei tuoi occhi è la mia parola“ (‪„In deinen Augen ist mein Wort“).

Kardinal Parolin wurde von den Journalisten an die Worte des Papstes erinnert, die er während der sogenannten ‪„fliegenden Pressekonferenz“ am Ende seiner Mexiko-Reise gesagt hatte, dass‪ ein Mensch, der nur daran denke, Mauern zu bauen und nicht Brücken, nicht christlich sei. ‪„Dieser Mensch ist kein Christ, wenn er das so sagt. Man muss aber sehen, ob er das wirklich so gesagt hat, nicht wahr?“, hatte Papst Franziskus noch hinzugefügt.

‪„Vom Prinzip (des Papstes) her sind wir alle einig“, sagte Parolin, ‪„aber warten wir ab. Es geht jetzt darum zu sehen, welche Entscheidungen er während seiner Amtszeit treffen wird. Geben wir ihm mindestens einige Tage… geben wir ihm die Zeit, um zu beginnen.“

Der Kardinalstaatssekretär bekräftigte weiter seine Bemerkungen vom Mittwoch über den Sieg Donald Trumps. ‪„Wir hoffen, dass diese Wahl, über die sowohl positive Erwägungen als Befürchtungen ausgedrückt wurden, zum Frieden verhelfen möge“, erklärte Parolin. ‪„Heute brauchen wird dies. Es ist notwendig, dass sich die amerikanische Führung immer mehr dafür einsetze, um Wege des Dialogs und der Verhandlung zu suchen und die vielen Konflikte zu lösen, die die Welt zerreißen.“

Laut Parolin, gebe es schon Gesprächspunkte mit dem Vatikan, insbesondere der Friede, der eine der Grundthemen sein solle. Weiter gebe es auch interne Themen, wie die Religionsfreiheit, den Einsatz der Katholiken, sowie die Aufmerksamkeit für die sozial Schwächsten.

Was dagegen die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und China betrifft, war der Kardinalstaatssekretär sehr zurückhaltend. ‪„Wir arbeiten daran. Wir hoffen, dass dieser Tag kommen wird, aber die Zeiten kann ich nicht vorhersehen“, sagte er den Journalisten.

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Auch der Vatikan gratuliert Trump – und mahnt zur Einheit

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Der Vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin

Auch der Heilige Stuhl hat Donald Trump zu seiner Wahl zum US-Präsidenten gratuliert. „Wir nehmen die Wahl des amerikanischen Volkes mit Respekt zur Kenntnis“, erklärte der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin an diesem Mittwoch in einer ersten Reaktion. Er lobte die hohe Wahlbeteiligung. „Und dann gratulieren wir dem neuen Präsidenten in der Hoffnung, dass sein Dienst Früchte tragen wird.“ Parolin versprach Trump Gebet „für seinen Dienst an seinem Land, aber auch am Wohlergehen und Frieden in der Welt“ und rief zur Einheit auf. Es sei wichtig, „dass alle zusammenarbeiten, um die von großen Schwierigkeiten und Konflikten geprägte Weltlage zu ändern“.

(rv 09.11.2016 sk)

„Heilige Teresa von Kalkutta, bete für uns!“

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Heiligsprechung Mutter Teresa, 4. September 2016 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Zusammenfassung der Dankeshomilie von
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin

Als einen Stift in den Händen Gottes habe sich Mutter Teresa von Kalkutta selbst gern bezeichnet, erklärte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin während der heutigen Dankesmesse auf dem Petersplatz anlässlich der gestrigen Kanonisation Mutter Teresas.

Die Gläubigen sollten für das heldenhafte Zeugnis der Heiligen, für Mutter Teresa von Kalkutta, Spiegel und Beipiel der Liebe Gottes, danken. Kardinal Parolin hob die Liebe, Barmherzigkeit, Freude und Unterstützung hervor, die Mutter Teresa den Ärmsten und Ausgestoßenen geschenkt habe, seitdem sie 1946 ihre Berufung vernommen hatte. Sie habe ihre Augen für das Elend geöffnet und sich in den Dienst der Ärmsten gestellt. Die Gläubigen seien aufgerufen ihrem Beispiel zu folgen und ihre Augen nicht vor der Not des Nächsten zu verschließen.

Mutter Teresa habe im Antlitz der Armen das Antlitz Christi erblickt und mit grenzenloser Liebe geantwortet. Sie habe erkannt, dass die härteste Form der Armut sei, sich nicht geliebt, nicht erwünscht und verachtet zu fühlen. Einsamkeit ziehe sich durch alle sozialen Schichten, erklärte der Kardinalstaatssekretär.

Kardinalstaatssekretär Parlolin legte dar, wie sehr sich Mutter Teresa für den Schutz des ungeborenen Lebens eingesetzt habe. Demütig und unermüdlich habe die Heilige gewirkt, so dass es schmerze. In ihrer Ansprache zur Verleihung des Friedensnobelpreises am 11. Dezember 1979 erklärte sie, wahre Liebe schmerze; auch Jesus habe gelitten. In ihren Häusern habe sie in englischer Sprache den Satz „I thirst“ (Ich dürste) anbringen lassen.

Kardinalstaatssekretär Parolin erinnerte zum Abschluss seiner Homilie daran, dass am Todestag der Heiligen, dem 5. September 1997, in Kalkutta für einige Minuten alle Lichter gelöscht worden seien. „Mutter Teresa war auf dieser Erde ein transparentes Zeichen, das den Himmel anzeigte. … Heilige Teresa von Kalkutta, bete für uns!“

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Solidaritätsbesuch in der Ukraine: Parolin traf Poroschenko

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Solidaritätsbesuch in der Ukraine: Parolin traf Poroschenko

Im Rahmen seines fünftägigen Besuchs in der Ukraine hat der vatikanische Kardinalstaatsekretär Pietro Parolin den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko in Kiew getroffen. Kardinal Parolin habe dem ukrainischen Präsidenten den Reisezweck erläutert: es gehe ihm darum, die Solidarität des Heiligen Stuhls zu bekunden, hieß es im Redemanuskript Parolins. Dies sei auch der Grund, weshalb Papst Franziskus ihn extra in die Ukraine geschickt habe, um bei dem mehrtätigen Besuch mit den politischen und religiösen Verantwortlichen zusammenzutreffen. Es gehe auch um konkrete Umsetzung der Hilfe, die durch die von Franziskus angeregte europaweite Spende vom 24. April zustande gekommen ist.

Mit dieser habe der Papst den Ukrainern seine Nähe bekundet und mit Parolins Besuch auch „in besonderer Weise unterstrichen“, sagt im Gespräch mit Radio Vatikan das Oberhaupt der mit Rom unierten griechisch-katholischen Kirche der Ukraine, Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk.

„Es war für uns sehr wichtig, dass Kardinal Parolin hier bei uns von einem ,vergessenen Krieg´ gesprochen hat. Ich selber bezeichne diese Situation seit einem Jahr so. Als der Papst die Sonderkollekte ankündigte, waren ja viele in Westeuropa überrascht, weil sie dachten, dass der Krieg vorbei sei. Dem ist leider nicht so.“

Es herrschten im Übrigen sehr viele Konflikte auf der Welt, die in Europa in Vergessenheit geraten und die weiterhin im Gange seien, fügt Großerzbischof Schewtschuk an. Seine Heimat erlebe derzeit eine schwierige Wiederaufbauphase, die auch von der katholischen Kirche mitgetragen werde, fügt er an. Dennoch dürfe man die Zahlen nicht übersehen: Millionen Binnenflüchtlinge und über 9.000 Kriegstote in zwei Jahren Krieg im Donbas.

„Ich hoffe, dass der Besuch von Kardinal Parolin auch die diplomatischen Beziehungen fördern kann, um den Konflikt in unserem Land ein Ende zu bereiten. … Diese persönliche Geste des Papstes – also die Sendung des Kardinalstaatssekretärs – ist nicht eine abstrakte Hilfe, sondern es zeigt, wie ein Vater seine Kinder liebt und diese Kinder sind die Menschen in der Ukraine. Dieses Gefühl der Nähe ist mehr wert als jegliche materielle oder finanzielle Hilfe und andererseits zeigt der Papst, dass er für ein schnelles Ende des Krieges eintritt.“

Dies seien auch die Worte von Kardinalstaatssekretär Parolin vor dem Rat der ukrainischen Kirchen in der südöstlichen Stadt Saporischja vor wenigen Tagen gewesen. Die fünftägige Reise Parolins endet am Montag. Neben Saporischja und Kiew steht auch die westukrainische Metropole Lemberg auf dem Reiseprogramm.

(rv 18.06.2016 mg)

Kurienreform: Parolin möchte „Beispiel ständiger Umkehr sein“

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Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der „Zweite Mann“ im Vatikan, hat zum ersten Mal ein längeres persönliches Interview gegeben. Gegenüber Radio Vatikan spricht der 61 Jahre alte aus Norditalien stammende Kardinal unter anderem über seine Berufung, seine Sicht auf Priesteramt und Zölibat, über die Kurienreform und über den Auftrag an die Gläubigen aller Religionen, Gewalt im Namen Gottes abzulehnen. Das Gespräch führte der italienische Rogationsistenpater und Journalist Vito Magno. Erste Frage: Kann man gleichzeitig Diplomat und Priester sein?

„Ich denke schon, sonst wäre ich nicht hier und hätte auch nicht hinnehmen können, in einem so besonderen Ambiente des Lebens der Kirche zu wirken. In den Jahren der Priesterausbildung hatte ich ganz andere Vorstellungen über mein zukünftiges Amt. Ich dachte, als Priester würde ich in der Pfarrei oder im Seminar arbeiten. Tatsächlich war ich einige Jahre Kaplan, bis eines Tages zu meiner Überraschung die Dinge einen anderen Verlauf nahmen. Mein Bischof wurde darum gebeten, mich für den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhles freizustellen. Ich habe das nie als unvereinbar mit dem priesterlichen Dienst empfunden. Vor allem habe ich mich immer bemüht, auch in besonders dichten Arbeitszeiten Priester zu sein. Und ich habe mir immer vorgenommen, die Diplomatie als Priester zu leben. So habe ich bei mehreren Gelegenheiten bemerkt, dass ich in dieser Rolle auch einmal ein Wort sagen konnte, wo andere keine Stimme hatten, das zu tun; ein Wort, das die Dinge vielleicht nicht verändert hat, aber das in dem Moment wichtig war zu sagen. Natürlich sind die Wege, anderen zu helfen, vielfältig, aber auch im diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhles kann man das Evangelium verkünden und mit seinen Werten die Gesellschaft tränken.“

Vor seiner (Rück-)Berufung in den Vatikan war der damalige Erzbischof Parolin als Nuntius in Venezuela tätig. „Den christlichen Gemeinschaften zu begegnen, für sie die Eucharistie zu feiern, Sakramente zu spenden, undsoweiter, das waren die schönsten Momente“, erinnert sich Kardinalstaatssekretär. „Ich denke mit innerer Bewegung daran zurück und trauere diesen Momenten ein wenig nach.“ Sein heutiges Amt an der Spitze des vatikanischen Staatsekretariats empfinde er zugleich als Geschenk und Verantwortung, fuhr Parolin fort.

Kurienreform: Der Staatssekretär muss Vorbild sein und Umkehr leben

„Es ist wirklich eine große Gabe des Herrn, dem Nachfolger Petri nahe zu sein in der Aufgabe, die Geschwister im Glauben zu stärken und sie in der Einheit der Kirche vereint zu halten, aber ich erlebe das auch als große Verantwortung, damit ich dazu in der Lage sein kann, einen möglichst kompetenten und wirksamen Beitrag zu leisten, in diesem so schwierigen und komplexen Augenblick, den die ganze Menschheit erlebt. Außerdem besteht Papst Franziskus sehr auf der missionarischen Dimension der Kirche und auf der Notwendigkeit, ihre Strukturen zu reformieren, beginnend bei der römischen Kurie, damit sie die Transparenz Jesu wird, und so begreife ich die Aufgabe als Staatssekretär als einen besonderen und dringenden Aufruf, ein glaubwürdiger Zeuge zu sein und eine beständige und aufrichtige Haltung der Umkehr einzunehmen. Überdies möchte ich gerne dazu fähig sein, nach dem Vorbild des Papstes, immer, auch in ganz bürokratischen Fragen, das annehmende und barmherzige Antlitz der hierarchischen Kirche zu zeigen.“

Viele Menschen auf seinem Weg seien ihm Vorbild gewesen, sagte Parolin. „Wie sehr wir das gute Beispiel brauchen! Weniger Worte und mehr gutes Beispiel!“ Er nannte seine Herkunftsfamilie, Vater, Mutter und Geschwister, bei denen er einen tiefen Glauben und ein wahrhaft christliches Leben, „einen Alltag, durchtränkt mit biblischen Werten“ erlebt habe. Trotz aller Grenzen, die es in jeder menschlichen Erfahrung gebe: „Der Herr hat mir wirklich eine schöne Familie gegeben. Zum Zweiten danke ich meinem Pfarrer, einem Priester, der in mir den Wunsch entstehen ließ, so zu sein wie er.“ Irgendwelche „besonderen Zeichen“ seiner Berufung wollte Parolin nicht vermelden: „Ich fühle mich da ganz normal. Meine Geschichte ist die eines Jungen, den der Herr in ganz normalen und geläufigen Lebensumständen gerufen hat, und der die Gnade hatte, in seinem Umfeld auf Menschen zu treffen, die es verstanden, ihm zu helfen und den Samen der Berufung wachsen und reifen zu lassen.“

„Berufung und Sendung des Priesters ändern sich nie“

Die Priesterweihe empfing Pietro Parolin in der Kathedrale von Vicenza im April 1980. In den 36 Jahren seither hätten sich „soziologisch viele Dinge verändert“, so der Kardinal, und sei es „logisch“, dass auch von Seite der Priester „eine Anstrengung zur Anpassung an die neuen Lebensbedingungen nicht fehlen darf“. Schon Papst Johannes XXIII. habe seinerzeit von „Verheutigung“ gesprochen.

„Ich glaube aber, dass die Berufung und die Sendung eines Priesters immer dieselben bleiben: den Menschen Gott bringen und die Menschen zu Gott bringen. Und nicht zu irgendeinem Gott, sondern zum Gott Jesu Christi, zum Gott der Frohen Botschaft. Das ist ein Auftrag, der sich nicht ändert in den Situationen und historischen Umständen. Ein Auftrag, der heute noch dringender wird, wo sich der Horizont des Glaubens zu verdunkeln scheint und unsere Welt sich immer mehr zu säkularisieren droht. Der Priester muss ein Mann Gottes sein, ein glaubwürdiges und möglichst leuchtendes Zeichen Seiner Gegenwart der Liebe und des Heils in der Welt, eine Brücke, die die Begegnung mit dem erlaubt, der allein dem Leben Sinn und volle Bedeutung geben kann, dem, der die tiefsten Fragen beantworten kann und der lehrt, sich für alle einzusetzen, besonders für die Armen und die Verlassenen.“

Ein solches Priesterbild müsste auch in den heutigen Seminarien vermittelt werden, fuhr Parolin fort. Die Ausbildung dort hätte die zukünftigen Priester darauf vorzubereiten, „die Armen zu evangelisieren und sich von den Armen evangelisieren zu lassen. Und das kann man nicht tun, wenn man nicht die Augen offen hält für ihre Lebensbedingungen, und wenn nicht diese Lebensbedingungen, die oft folge der Ungerechtigkeit sind, uns nicht beständig das Herz verletzen. Die größte Gefahr scheint mir da die Gleichgültigkeit zu sein, Frucht der Gewöhnung. Als Priester müssen wir uns von jedem Leiden ansprechen lassen, von jedem Schmerz, jeder Armut, materiell oder geistlich.“

Grund für Missbrauch: „Nicht Zölibat, sondern affektive Unreife“

Angesprochen auf den Skandal des sexuellen Missbrauchs durch Priester und den Zölibat, der in diesem Zusammenhang oft kritisch hinterfragt wird, räumte Parolin ein, die priesterliche Ehelosigkeit sei heutzutage schwieriger als in früheren Zeiten. „Dennoch ist und bleibt der Zölibat ein großes Geschenk, das der Herr der Kirche gemacht hat, für das wir tief dankbar sein müssen, und sicherlich ist nicht der Zölibat als solcher Ursache des Missbrauchs durch Priester. Ursachen sind die Unreife und Schwäche der Menschen, ihre Arglist, ihre mangelnde Ausbildung. Eine der ersten Anstrengungen ist eine ernste und wirksame Erziehung der Affekte, von der Familie über die Schule bis zum Seminar; es geht um die Ausreifung der Liebe, die ein Geschenk ist und ganz gelebt werden kann sowohl in Form der Ehe als auch in Form des Zölibats.“

Auf die Frage nach Barmherzigkeit und Religion sagte Kardinal Parolin, Barmherzigkeit als Haltung könnte und müsste auch in anderen Religionen ein Echo finden. „Die Gedanken gehen zum schrecklichen Phänomen der Rechtfertigung von Hass und Gewalt im Namen Gottes. Es gibt Spielraum, mehr noch, es gibt eine Pflicht der Gläubigen aller Religionen, , diese Entartung der Religion zu bekämpfen und konkret, allein und vor allem gemeinsam zu beugen, dass Gott Barmherzigkeit und Liebe ist.“

Zum Schluss des Gesprächs stellt der Journalist dem Kardinalstaatssekretär eine sehr persönliche Frage nach dem Grund seines beständigen Lächelns; in der Tat sieht man Pietro Parolin auf nahezu jedem Foto freundlich. „Abgesehen von meinem Charakter, der die Dinge vereinfacht“, sagt der Kardinal, „fühle ich, dass mein Leben in den Händen des Herrn ist, dass er meine Geschichte und die der Welt lenkt, hin zu Frieden und Heil, dass er mich mag und, um es mit Manzoni zu sagen, niemals eine Freude nimmt, außer um eine größere vorzubereiten. Und dann spüre ich die Unterstützung so viele Menschen im Gebet. Und so würde ich gerne voranschreiten in den Jahren, die mir bleiben, bis zur Begegnung von Angesicht zu Angesicht.“

(rv 09.01.2015 gs)

Kardinal Parolin: „Man bekämpft die Drogen durch ein ‚Nein’“

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Kardinal Parolin, hier bei einem Besuch in einem Krankenhaus in Rom

Die Kirche kann angesichts des Drogenproblems auf der Welt nicht ruhig bleiben. Das betonte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin am Dienstagabend gegenüber Radio Vatikan. Parolin hatte in einem römischen Drogenzentrum eine Messe zur Vorweihnachtszeit gefeiert und betont, Drogen seien böse und mit dem Bösen gehe man keine Kompromisse ein. „Man bekämpft die Drogen, indem man ‚Nein’ zu ihnen sagt“, so der Kardinal, Worte von Papst Franziskus aufgreifend. „Und man bekämpft sie, indem man ‚ja’ sagt zu den Werten, die uns zu leben erlauben und die dem Leben einen Sinn geben und die dabei helfen, dass man nicht in dieses Loch fällt.“

Papst Franziskus selber hatte immer wieder das kompromisslose ‚Nein’ zu Drogen betont, es ist ein fester Bestandteil seiner Ansprachen und Begegnungen mit Jugendlichen weltweit. Der Besuch von Drogen-Zentren und die Begegnung mit Abhängigen gehört zu seinem ständigen Besuchsprogramm. Auch Politiker fordert er immer wieder auf, hart gegen Drogenhandel vorzugehen und keineswegs zu legalisieren.

Das Statement Parolins erfolgt, während europaweit über die Zulassung von so genannten ‚leichten Drogen’ debattiert wird. „Drogen bekämpft man nicht mit Drogen“, zitierte der Kardinal den Papst in seiner Predigt im Drogenzentrum. Drogen bekämpfe man mit Bildung, mit Arbeitsplätze und mit Perspektive, also durch Prävention. Die Kirche sei auf der Seite all derer, die aus dieser Sklaverei entkommen wollten, so Kardinal Parolin.

Zwei Abteilungen unterhält das nicht kirchlich getragene Zentrum CEIS, das von Kardinal Parolin besucht wurde. Eine davon befindet sich in Castelgandolfo, das andere am Stadtrand Roms. Damit wolle man den Drogenabhängigen eine Anlaufstelle und eine Perspektive auf die Zukunft bieten, so die Verantwortlichen des Zentrums gegenüber Radio Vatikan. Dass mit Kardinal Parolin ein hochrangiger Vertreter des Vatikan zur Weihnachtsfeier ins Zentrum gekommen sei, nehme man als deutliche Unterstützung wahr.

(rv 23.12.2015 ord)

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Siehe ferner: