„Maria hilf!“ – das ist der Notschrei der gesamten, großen Welt

Maria Auxilium Christianorum

Maria hilf! – Das ist zum End‘ der Zeiten
der Notschrei der gesamten, großen Welt,
der Ruf, mit dem sich Aller Hände breiten
in heißem Fleh’n zum hohen Himmelszelt!
„Maria hilf!“ – so klingt des Kindes Lallen,
des Jünglings Gruß, des Mannes fromm‘ Gebet,
des Greises letzter Hauch, – uns Christen allen
kein ander‘ Wort wohl so von Herzen geht! 

„Maria hilf!“ – Was kann uns Die versagen,
die Gottes Rat zur Mittlerin bestellt,
die einst den Herrn im reinsten Schoß getragen,
und so gebracht das Heil der ganzen Welt!
Er, der gewiß ihr jeden Wunsch gewähret,
der gern uns gibt, was sie für uns erfleht,
ist Bürge uns, daß sie, die Ihn genähret,
als Mutter mild auch uns zur Seite steht! 

„Maria hilf!“ – Klingt Seinem Gottesherzen
doch dieser Ruf so traut, so wohlbekannt,
hat ja Er selbst – in Seiner Kindheit Schmerzen –
um Hilfe sich zur Mutter stets gewandt.
Was Er bedurft für dieses Leibes Leben,
ward ihm durch sie, – Trost, Pflege, Brot und Kleid, –
drum will durch sie auch Seiner Welt Er geben
des Segens Füll‘ für Zeit und Ewigkeit! 

„Maria hilf!“ – Ja, Keiner geht verloren,
der diesen Ruf zu ihrem Throne schickt,
der dies Gebet als liebstes sich erkoren,
der kindlich fromm zu ihr um Hilfe blickt!
Und fiele auch die ganze Welt in Trümmer,
und brächen selbst des Himmels Festen ein, –
„Maria hilf!“ – wir rufen’s heut‘ und immer,
und immer wird sie uns’re Hilfe sein!

Cordula Peregrina (C. Wöhler, Schwarz, Tirol, 1897)

Zum heutigen Festtag der Heiligen Unschuldigen Kinder

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Glückselig dabei, wer auch noch Spanisch versteht!

Weltende und Weltgericht – Gedicht von Anna Krankenedl, Graz

Ein Weltgericht wird es einst geben,
so wahr wie wir auf Erden leben,
so wahr Gott Sohn, Herr Jesu Christ,
für uns am Kreuz verblutet ist;
so wahr wird Er einst wiederkommen
mit großer Kraft und Herrlichkeit,
zu scheiden Böse von den Frommen
für eine ganze Ewigkeit.

Dass dieser Morgen einstens tagt,
hat Christus selbst vorhergesagt.
Propheten, falsche, sich erheben,
um sich für Christus auszugeben.
Es werden kommen Himmelszeichen;
Gestirne treten aus den Bahnen,
dass alle Völker jäh erbleichen,
die schreckerfüllt das Ende ahnen.

Vom Himmel werden Sterne fallen,
Blitze zucken, Donner hallen;
der Mond wird seinen Schein nicht geben,
die ganze Erde rings erbeben.
Winde werden heulend sausen,
Weltenmeere zischend sieden,
sturmgepeitschte Wogen brausen,
dergleichen nie geschah hienieden.

Berge werden stürzend krachen;
stolze Häuser werden fallen,
aufgezehrt vom Feuerrachen,
Hilferufe laut erschallen.
Feuer fällt vom Firmamente;
toben werden Elemente.
Ja, alle Kräfte der Natur
verlassen die gewohnte Spur.

Verwirrung, Schrecken, ringsumher,
dass alles fliehet kreuz und quer.
Ach, Trübsal herrscht an jenen Tagen,
dass selbst Gerechte fast verzagen.
Da bei dem Jammer hier auf Erden
auch der Gerechten große Zahl
nimmer könnte selig werden,
wird abgekürzt die Zeit der Qual.

Und Jesus Christus wird erscheinen
als Richter auf dem Wolkenthron,
zum Schreck der Bösen, Trost der Reinen;
Maria weilt bei ihrem Sohn.
Die Mutter Christi, unsres Herrn,
als hohe Himmeskönigin
wird wie ein wunderbarer Stern
nach allen Seiten strahlen hin.

Das heilge Kreuz als Siegeszeichen
wird funkeln, leuchten, ohnegleichen,
dass alle die es glänzen sehn,
vor Furcht verschmachten, fast vergehn.
Und schuldbewußt, mit fahlen Wangen
blickt auf das Kreuz die böse Schar,
woran der Herr im Tod gehangen,
zu retten, was verloren war.

Als Weckruf wird Posaunenschall
durch alle Gräber furchtbar dringen,
erschreckend laut ihr Widerhall
am ganzen Erdenrund erklingen.
Aus allen Gräbern werden kommen
hervor die Bösen und die Frommen.
Die winzigsten Stäubchen als Menschen erstehen,
um hin vor den Richter der Welten zu gehn.

„Sei mir gegrüßt“, die Guten sagen,
die ihren Leib voll Schönheit schaun;
die Bösen aber, die nicht wagen,
ihn anzusehn, erfaßt ein Graun;
denn jeder ihrer Leiber trägt
des Lasters Schandmal eingeprägt.
O, das Gewissen wird zur Pein
so manchem argen Bösewicht,
dass er zermalmet möchte sein,
als hin vors strenge Weltgericht.

Und Christus wird den Engeln winken,
zu Seiner Rechten und zur Linken
aufzustelln die Menschemassen,
zum Lieben, — und zum ew’gen Hassen.
O, welcher Jubel zwischen Jenen
in dieser großen ernsten Stunde,
die sich nun sehn mit Freudentränen;
geheilt ist jede Trennungswunde.

O, welch ein Bild; zur linken Seite
steht händeringend Satans Beute.
Wie furchtbar ist das Wiedersehn
bei denen, die verloren gehn!
Die sich geliebt, gehaßt hienieden,
von Engelshänden nun geschieden.

Wer andre unterdrückt, geknechtet,
verleumdet schwer und auch entrechtet
und er’s gebüßt auf Erden nicht,
mit dem geht Gott streng ins Gericht.
Wo selbst die Guten kaum bestehn,
wie wird’s den Übeltätern gehn?

Jetzt wird der Vorhang weggezogen
von langverhüllter, böser Tat;
wer seinen Nächsten hat betrogen,
hier weiß er sich mehr keinen Rat.
Gehimstes wird jetzt abgelesen,
sei’s auch verborgen lang gewesen.
Hier gibt es mehr kein Irreführen;
hier herrschet nur Gerechtigkeit,
des Richtes Aug‘ durchforscht die Nieren,
und Zeugen stehen rings bereit.

Sie stehn vor Dem, — der sie erschaffen,
Der alles sah, was sie verschuldet,
entblößt von ihrer Lügen Waffen,
Der nicht den Hauch des Unrechts duldet.
Zu denen links, die nie im Leben
um ihrer Seele Sorg‘ getragen
und auf Vergeltung nichts gegeben,
wird Jesus Christus strenge sagen:

„Was habt ihr nun von Mord und Streit,
von Haß und Unversöhnlichkeit,
von Unzucht, Bosheit, Neid und Gier;
nun steht ihr als Verworfne hier.
Ihr habt gedient nur eurem Leib,
nach eitler Weltlust nur getrachtet;
ihr liebtet flotten Zeitvertreib,
habt mein Gesetz verlacht, verachtet.“

„Was hab‘ ich nicht für euch getan,
dass ihr erwacht aus eurem Wahn!
Ich löste eure Sündenketten
und stieg ans Kreuz, um euch zu retten.
Ich ließ euch warnen oft im Leben,
dass ihr nicht ewig geht verloren,
den schlechten Wandel aufzugeben;
man predigte nur tauben Ohren.“

„Als Guter Hirt ging Ich euch nach
gar oft, um liebend euch zu suchen.
Ich erntete nur Hohn und Schmach; —
es war umsonst; jetzt mögt ihr fluchen.
Ihr ließet euch den heilgen Glauben
durch schlechte Freunde gerne rauben,
habt meine Diener abgewiesen,
die Ich gesandt; nun müßt ihr’s büßen.“

„Ihr habt gelebt in Lug und Trug;
ihr bliebt verstockt und bliebt verdorben;
ja, kein Gewinn war euch genug
und seid in schwerer Sünd‘ gestorben.
Und dennoch hab Ich euch geliebt,
obwohl ihr Mich nur stets betrübt!
Ich trug euch an all‘ Meine Gnaden;
ihr nahmt sie nicht, zu eurem Schaden.
Verriegelt ist das Tor der Zeit;
ihr wolltet ja verloren sein;
geht ein zur Qual der Ewigkeit;
nehmt hin den Lohn, — die Feuerspein!“

Und schüchtern stammeln nun die Knecht:
„Ja, Herr, dein Urteil ist gerecht.“
„Hinweg von Mir, ihr Bösen, Schlechten“,
und wendet sich zu den Gerechten.
Erfreut an diesem schönen Bilde
neigt Er sein Antlitz ihnen zu;
mit einem Blick so wundermilde
spricht Er voll himmlisch-heil’ger Ruh:
„War hungrig; ihr habt Mich gespeiset,
war durstig; ihr habt Mich getränkt,
beherbergt, wenn Ich gereiset,
Mich Nackten mit Kleidern beschenkt.“
„Wann hätten, o Herr, wir gesehen
Dich hungrig, als Gast Dich erkannt,
Dich jemals mit Speisen versehen
und Dir geschenkt ein Gewand?“

„Was ihr in euerem Leben
habt Meinen Brüdern gegeben,
das habet ihr Mir getan,
von einem Trunk Wasser an.
Seid Mir gesegnet, ihr Getreuen
und nehmet in Besitz das Reich;
ihr sollt für ewig euch erfreuen“,
spricht Jesus Christus sanft und weich.

„Ihr habt das Kreuz mir nachgetragen
nach steilen Höhn auf Golgotha,
und habt gelitten ohn‘ Verzagen;
nun ist der Ostermorgen da!“
Ein unbeschreiblicher Jubelchor
dringt brausend nun zum Herrn empor
samt allen heil’gen Engelschören,
wie nie auf Erden war zu hören.

In Seiner Gottheit Strahlenkleide
blickt auf die auserwählten Scharen
der Herr dann lächelnd, voll der Freude,
die Seine treuen Diener waren.
Ein Einzug wird gehalten werden
der sel’gen Reihen hold und traut,
zum Himmelstor, wie nie auf Erden
so Herrliches ein Aug‘ geschaut.

Den ungezählten Legionen
der Engel schließen sich dann an,
die Heil’gen all‘ in Prozessionen,
mit Jesus Christus dort voran.
Der Gottesmutter Lichtgestalt,
von ihres Sohnes Glanz umflossen,
schwebt hin, vom Glorienschein umstrahlt,
wer hätt‘ solch Anblick je genossen?

In duftender Klarheit, wie Blumen so schön,
der Seligen Leiber sind anzusehn.
So schweben im verklärten Schimmer
die Guten ins verheißne Land,
zur ew’gen Freude nun für immer,
die Siegespalme in der Hand.
Sie folgen all‘ dem Gotteslamme,
das sie erlöst am Kreuzesstamme
in den geschmückten Himmelssaal,
zu halten ew’ges Hochzeitsmahl.

All die Verdammten müssen sehen,
die fluchend blieben dort zurück,
wie Jene, ach, zur Freude gehen,
mit ganz verstörtem, wilden Blick.
Der große Spender alles Lebens
verschwand; — Er litt für sie vergebens!

„Weil wir gegeizt, nach Geld gestrebt,
stets glaubenslos und flott gelebt;
weil wir geübt nie ein Erbarmen,
kein Mitleid hatten mit den Armen;
weil wir dem Nächsten nicht vergaben,
den Haß vermehrten und die Wut;
weil Feindschaft wir gestiftet haben,
soll’n brennen wir in ew’ger Glut.

O, hätten wir die Schuld bereut“,
so rufet der verworfne Haufen,
„als wir noch lebten in der Zeit“
und jammernd sich die Haare raufen.

Der Boden jäh beginnt zu schwinden;
auf tut sich da ein Feuerschlund,
der sie verschlingt — und sie sich finden
in bodenlosem Höllengrund,
den böse Geister ganz erfüllen
und laut vor Schmerz wie Tiere brüllen.

Geschlossen ist das Himmelstor,
an das sie schauten noch empor.
„Was haben, Toren, wir getan;
für uns ist alles jetzt vorbei“;
sie stieren sich verzweifelt an
und brechen aus in Raserei.

Hier sind sie nun, die sie belogen
und um ihr ew’ges Glück betrogen!
„Für ein paar Jahre Lustbarkeit,
für eine Handvoll Sündengeld,
was wir auf Erden nie bereut,
ein solches Los uns zu jetzt fällt.
Weil wir der Kirche nicht geglaubt;
weil manche Unschuld wir geraubt;
weil wir gemordet zornentbrannt,
sind wir für ewig jetzt verdammt.“

„O, diese Qualen, diese Flammen;
an uns verloren Gottes Huld;
mit allen Teufeln nun zusammen,
aus eigner Schuld, aus eigner Schuld!“
Kein Gottesherz zu dem man fleht;
sie haben es erkannt zu spät.
Zu heulen nun in höchster Pein,
jetzt ewiglich verurteilt sein!
O Schmerzen, die kein Mund nicht nennt,
und nie mehr möglich, zu entweichen;
wie das Gewissen folternd brennt;
o Marterqualen ohnegleichen!

Sie hatten einst verlacht, verhöhnt,
die Christus glorreich hat gekrönt.
Auch sie hat einst der Herr berufen,
an Seines Gottesthrones Stufen.
Sie, –die beharrlich einst verschmäht
die Gnade der Barmherzigkeit,
an ihnen in Erfüllung geht
das Urteil der Gerechtigkeit.

Willst stehen du zur rechten Seite,
rüst‘ dich zur Umkehr, Freund, schon heute
Sag nicht, zum Beichten sei’s noch Zeit,
dass dich’s nicht ewig bitter reut;
kennst du den Tag, wo du mußt sterben?
Stürz dich nicht selber ins Verderben.

So Mancher, der noch heut gelacht,
ist morgens nimmermehr erwacht.
Verzeih dem Nächsten, zürn ihm nicht;
denk an das Letzte Weltgericht.
Mach frei dich von der Sünde Bande,
dass nicht an deinem Grabesrande,
wo keine Gnadensonn‘ mehr scheint,
man als „verloren“ dich beweint.

Nur Christi Kreuz führt hin zum Licht;
ein andrer Weg bestehet nicht.
Wer büßend seine Schuld bereut,
an dem übt Gott Barmherzigkeit.

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Aus „DAS ZEICHEN MARIENS“ Nr. 1, 2. Jahrgang, 23. Mai 1968
(Auch als Separatdruck Nr. 3 erschienen)


Lesen Sie hiezu vor allem das Kapitel der „12. Schau: Der Tag der großen Offenbarung“ aus dem Buch „Wisse die Wege – Scivias“ von der hl. Hildegard von Bingen. 

 

Die Ewigkeit

Es ist ein Artikel des Glaubens, dass alle mit Vernunft begabten Seelen, die seit 5000 bis 6000 Jahren erschaffen worden, noch immer leben und unsterblich sind; es ist ein Artikel des Glaubens, dass ich und ihr nach 10000, 20000, 100000 Jahren noch existieren werden. Aber wo werden wir sein? Im Hause unserer Ewigkeit! Der Mensch wird in das Haus seiner Ewigkeit gehen. (Eccl. 12.) Die Ewigkeit, sie ist jenes unermeßliche Land, in das der Mensch eingeht, sobald er von dieser Welt scheidet; das große Land der Ewigkeit, und zwar der Ewigkeit der Glorie, wenn er ein frommes Leben geführt, der Ewigkeit der Stafen, wenn er unglücklicherweise in der Sünde gestorben ist! Dies alles ist Glaubensartikel; und wer im Glauben an eine so hochwichtige Wahrheit wankte, wäre ärger als ein Jude, als ein Häretiker, ja als ein Heide, da die meisten Heiden die Unsterblichkeit der Seele annehmen und glauben, nach diesem Leben gebe es eine Ewigkeit. Mit welch größerer Festigkeit sollen wir es glauben, die wir als unfehlbar jenen Ausspruch unseres Gottes und Herrn anbeten. „Diese werden eingehen in die ewige Qual, die Gerechten aber in das ewige Leben.“ (Matth. 25.)

Fasset nun die Ewigkeit ins Auge, wenn ihr den Mut dazu habt. Sie ist ein Niemals, das immer anfängt, und ein Immer, das niemals ein Ende nimmt. Ach, hiefür haben wir kein Maß! Ziehet von irgendeiner geschaffenen Quantität einen Teil ab, so wird sie kleiner, fügt etwas hinzu, so wird sie größer: ziehet ihr aber von der Ewigkeit 100000 Jahre ab, so wird sie deshalb nicht um einen Punkt kleiner, füget ihr eine Million Jahrtausende hinzu, so wird sie um keinen Augenblick länger; die Ewigkeit ist unbeweglich, unermeßlich, keiner Vergrößerung oder Verkleinerung fähig… Kommet mit mir in die Wüsten Aegyptens, der Thebais und Plästinas; dringet in die schauerlichen Orte dieser Einöden und sehet dort eingeschlossen in jener Höhle einen Hilarion, in der andern einen Makarius, daneben einen Pachomius, hier einen Paulus, dort einen Hieronymus; übersteiget die Berge und sehet in jener Schlucht eine Maria von Aegypten, in der andern eine Thais, hier eine Pelagia, dort eine Theodora. Fraget diese strengen Büßerinnen, fraget jene heiligen Einsiedler, wer sie in diese Wüsten geführt, wer sie mit diesem harten Bußgewande bekleidet, wer sie in diese Höhlen begraben, wer sie gezwungen, ein so englisches Leben zu führen, ihre Zeit so gut zu benützen? Alle werden antworten mit David: „Ich gedachte der alten Tage und hatte die ewigen Jahre im Sinne.“ (Ps. 76.) O Ewigkeit, Ewigkeit, die du so mächtig bist, die Lebenden zu begraben, bist du weniger mächtig, die Toten zu erwecken, jene Toten, die der Gnade durch die fluchwürdige Sünde erstorben sind?

Es gibt eine Ewigkeit, geliebte Sünder, ja es gibt eine Ewigkeit! Und im Angesichte dieser Ewigkeit lachet und scherzet und lebet ihr leichtsinnig in den Tag hinein? Es gibt eine Ewigkeit! Und im Angesichte dieser Ewigkeit buhlet und prasset und spielet ihr und treibet Kurzweil? Es gibt eine Ewigkeit! Und im Angesichte dieser Ewigkeit speiet ihr Flüche und Lästerungen aus, nähret ihr Haß und Feindschaft, verunreinigt ihr euch mit schlechten Gedanken, schändlichen Begierden, bösen Taten und lebet als Feinde Gottes?

Der hl. Leonard von Porto Mauritio

ALLGEMEINES GEBET – IN 102 STROPHEN

ALLGEMEINES GEBET

  1. Mein Schöpfer und mein Gott, Du Herr der ganzen Welt,
    der alles, was Er schuf, durch seinen Wink erhält;
    o liebenswürdigstes, o ewig gutes Wesen,
    das mich aus Liebe nur zum Dasein auserlesen!
    Ich Gnadendürftiger, ich trete vor Dich hin,
    ich, der ich Staub und Leim und voll von Fehlern bin.
  2. Zwar tiefer Ehrfurcht voll empfind ich Deine Größe
    und bebe beim Gefühl von meiner eignen Blöße;
    doch stärkt mich Deine Huld, die mir Dein Wort verheißt,
    wenn seine Reu mein Herz durch Besserung beweist.
  3. Das Opfer Deines Sohns ist für die, die sich bestreben,
    wie Er gesinnt zu sein, wie Er gelebt zu leben;
    dies, dies ermuntert mich, zu Dir, mein Gott, zu geh’n,
    bei Dir, Allgütiger, Vergebung zu erfleh’n.
  4. So laß mich, Vater, dann Vergebung meiner Sünden
    im Namen Deines Sohns und als sein Jünger finden!
    Vergiß, vergib, was ich von meiner Jugend an
    zuwider Deinem Wort und meiner Pflicht getan!
  5. Der Sünden zahllos Heer, wie kann ich sie ermessen?
    Sie alle wollest Du, Erbarmender, vergessen!
    Vergib, o Vater mir, um Jesus Christus willen!
    Wie will ich dann Sein Wort mit neuer Lust erfüllen,
    wie gerne tun, was Er lehrt‘ und was Er selber tat;
    wie will ich dem verzeih’n, der mich beleidigt hat,
    und hätt‘ er noch so sehr sich wider mich vergangen,
    wie könnt ich sonst von Dir Barmherzigkeit erlangen!
  6. Und hab ich Unrecht selbst dem Nächsten angetan,
    mit Schmerzen und mit Reu denk ich, mein Gott, daran.
    Wie gern, wie bald will ich den Schaden ihm vergüten!
    Wie redlich will ich mich vor neuem Unrecht hüten!
  7. Vergeben kannst Du nicht, (das lehrt mich Jesus Christ,
    das lehrt die Wahrheit selbst), wo keine Bess’rung ist.
    So will ich redlich dann, was mein Gott hasset, hassen,
    der liebsten Sünde-Reiz mich nicht bezaubern lassen.
    Hier bring‘ ich Dir mein Herz, mich ganz zum Opfer dar!
    Nein! Nicht mehr will ich sein der Sünder, der ich war.
  8. Das sei nun meine Lust, das mein Geschäft auf Erden:
    gerechter jeden Tag und seliger zu werden.
    Gönn alle Gnaden mir, wie mir Dein Sohn verheißt;
    nimm meinen Leichtsinn mir, und gib mir Deinen Geist,
    der mich vor Sünden warn und mich zur Tugend treibe,
    dass heilig mein Gelübd‘, mein Herz mir redlich bleibe!
  9. O laß Dir mein Gebet, Du Vater von uns allen,
    Mein Fleh’n um deine Huld, mein ernstlich Fleh’n gefallen!
    Du unsers Wesens Quell! Quell aller Seligkeit!
    Der alles, was da lebt, belebet und erfreut!
    Ich bin, ich leb in Dir! Gott, was ich bin und habe,
    ist alles nur durch Dich! Ist alles Deine Gabe!
  10. Stets neiget sich Dein Ohr zu Deiner Kinder Fleh’n!
    Du führst zum Glücke gern und freust Dich beizusteh’n.
    Mir ist Dein Vaterherz, mir ist der Himmel offen;
    ich darf ein ewig Heil, darf alles von Dir hoffen.
    Mein Auge schaut auf Dich, Dich meine Zuversicht!
    Du hörst des Herzens Fleh’n, eh noch die Zunge spricht.
  11. Wie freudig kann ich dann des Herzens fromme Bitten,
    auch die geheimsten Wünsch‘ in Deinen Schoß ausschütten.
    O welch ein würdig Glück, Dich, Schöpfer, zu erkennen
    und Deiner Heiligkeit teilhaftig werden können!
  12. Das ist der Seele Ziel, des Menschen höchster Ruhm;
    dahin führt die Vernunft, dahin das Christentum,
    das aus dem Himmel stammt. Gib, dass nach diesem Lichte
    ich meinen Wandel stets auf dieses Glück nur richte!
    Laß Dein Wort mein Gesetz, mein Vorbild Jesus sein,
    o hohe Seligkeit – sein treuer Jünger sein!
  13. Was Jesu Freude war, das sei auch meine Freude!
    Gib, dass ich, was Er mied, von ganzem Herzen meide!
    Auch das sei meine Lust, im Guten nie zu ruh’n,
    im Herzen gut zu sein und Gutes nur zu tun.
  14. Das menschliche Geschlecht will ich mit Lieb umfassen,
    will wohltun mein Geschäft, Treu meine Lust sein lassen;
    mich drücke andrer Not! Mich schmerze fremde Pein!
    Laß mich mit Fröhlichen von Herzen fröhlich sein!
  15. Kein Dienst sei mir zu schwer! Ich will mich gern erniedern.
    Wenn ich nur helfen kann; ich helfe ja nur Brüdern.
    Vergeben will ich gern, will segnen jeden Feind,
    will mehr ihm Gutes tun, je mehr er’s böse meint.
  16. Nachlassen, wo ich kann, Beleidigung vergessen,
    wie ich mich selber mess‘, auch andre Menschen messen.
    Rein sei mein ganz Gemüt von Rachsucht, Zorn und Neid,
    empfind‘ und schmecke ganz der Liebe Lieblichkeit!
  17. Die reinste Güte sei und Demut meiner Zier!
    Was rein und gut sein kann, sei rein und gut in mir!
    Sollt‘ ich, selbst fehlervoll, dem andern strenge sein?
    Vergeben täglich mir? Und Brüdern nicht verzeih’n?
  18. Laß meine Schwachheit mich mit Redlichkeit bedenken!
    So wird kein lieblos Wort des Bruders Seele kränken.
    Langmütig bist Du, Gott, und reich an Gnad und Huld!
    Dies Vorbild reize mich zur Langmut und Geduld!
  19. Mein Heil und meine Pflicht heißt mich, o Gott, mein Leben,
    mein ganzes Schicksal Dir mit Freuden übergeben.
    Zwar darf ich mich des Glücks, das Du mir gönnest, freu’n;
    darf, wenn mich Unglück trifft, in Demut traurig sein.
  20. Du bildest unser Herz, und konntest ja nicht wollen,
    dass Freuden widrig uns und Schmerzen lieb sein sollen.
    Drum, findest Du es gut, so segne, was ich hab‘,
    und mehre, wenn Du willst, was Deine Huld mir gab.
  21. Und will Dein Ernst an mir, mein Gott, sich offenbaren,
    umgibt mich Angst und Not, umringen mich Gefahren,
    so eile Deinem Kind, o Vater, beizusteh’n!
    Wend alles ab, was mich und meine Freunde kränket!
    Du bist’s, der Ruh für Angst und Tod für’s Leben schenket!
  22. Doch nicht, was ich will, nur, was Du willst, soll gescheh’n;
    wo Du das Steuer hältst, da muß es sicher geh’n!
    Das Beispiel Deines Sohns, der Mut von tausend Frommen
    weck zur Geduld mich auf, wenn Leiden auf mich kommen!
  23. Präg mir nur das Gefühl von Deiner Vatertreu,
    von deiner Weisheit ein, dass ich gelassen sei!
    Du weißt, was gut mir ist. An Dir halt ich mich feste;
    denn, was Du willst und tust, ist gut, ist stets das Beste.
  24. Nie, nie vergess‘, mein Herz, dass Du uns zärtlich liebst,
    nicht mehr, wenn Du erfreust, als wenn Du uns betrübst.
    Das sei mein bester Trost in trüben Augenblicken:
    Du kannst auch, wenn Du strafst, nichts anders als beglücken!
  25. Du willst durch Elend nur mich näher zu Dir zieh’n,
    Du führst zum großen Ziel der Ewigkeit mich hin!
    Nur wenig Tage, Herr, verweil‘ ich hier auf Erden!
    Ich Staub soll wieder Staub, wie meine Väter werden.
  26. Kein Mensch kann seinem Grab, nicht einer ihm entgeh’n;
    o möcht‘ ich stets mit Lust dem Tod entgegenseh’n!
    O lebt‘ ich täglich nur das Leben wahrer Frommen,
    so wär‘ er heute schon, wie morgen, mir willkommen.
  27. Kurz ist die beste Lust! Rauch ist das schönste Glück!
    Des Lebens Herrlichkeit währt einen Augenblick!
    Gern will ich jede Lust und gern die Welt verlassen
    und nur die Ewigkeit, den Himmel nur umfassen.
  28. Ich weiß, an wen ich glaub‘; ich weiß, Herr, ich bin Dein!
    Mein ist die Ewigkeit, des Himmels Schätze mein!
    Der Anblick jenes Orts, die Hoffnung jener Freuden,
    soll jedes Laster mir und jeden Tand verleiden!
  29. Richt, o mein Vater, stets mein Herz zu Deinem Reich!
    Und mache meine Kraft der schwersten Prüfung gleich.
    Rein, wie im Himmel, sei mein Wandel auf der Erde,
    dass ich zum Himmel reif, des Himmels sicher werde.
  30. Versage, Vater, mir, was je mir schaden kann,
    und fleht‘ ich Dich dafür mit heißen Tränen an!
    Verleih‘ mir alles das, was mir mein Herze bessert;
    der Seele wahres Glück und andrer Glück vergrößert,
    und bät‘ ich nicht dafür. Du willst das Gute stets;
    o schenke mir den Geist des Glaubens und Gebets!
  31. Herr! Deine Huld ist groß und leuchtet täglich allen;
    laß meine Redlichkeit, mein Flehen Dir gefallen!
    Ich unterwerfe mich in tiefer Demut Dir!
    Ersetze, was mir fehlt, durch Deine Gnade mir!
  32. Wie soll ich Dir, mein Gott, für Deine Güte danken?
    Kein Ziel hat Deine Gnad‘ und Deine Huld nicht Schranken.
    Kein Dank ist groß genug, und würdig Dir kein Lied,
    so sehr das ganze Herz von Freud‘ und Liebe glüht.
  33. Zwar über jedes Lob unendlich hoch erhaben;
    Dank bleibt doch meine Pflicht, Du Urquell aller Gaben!
    Bedarfst Du, Höchster, gleich, in Deines Himmels Licht
    der Erdenwürmer Lob, des Engels Preises nicht.
  34. Was nur vollkommen heißt, gehört zu Deinem Wesen!
    Schnell stellt die Allmacht dar, was Weisheit auserlesen.
    Du bist der Liebe Quelle, und Liebe ist Dein Wesen.
    Der Seraphinen Schar singt „Heilig! Heilig“ Dir!
  35. Der Himmel ist Dein Thron, und Licht des Thrones Zier.
    Aus Deinem Herzen fließt das Glück von tausend Welten.
    Wer will Dir Deine Huld, wer Deine Treu vergelten?
    Ich leb‘, ich bin ein Mensch. Dank dir! Du schufest mich
    viel edler als das Tier; denn ich empfinde Dich.
    Du schenktest mir Verstand! Du gabst mir Fähigkeiten,
    die mich zum höchsten Glück, zur höchsten Ehre leiten.
  36. Dir folg‘ ich willig nach, Gott der Vollkommenheit;
    das ist mein schönster Ruhm und meine Seligkeit.
    Am tiefsten dank ich Dir für Deinen Eingebornen;
    Er brachte Wahrheit mir und Leben mir Verlornen.
  37. Der ganzen Seele Dank sei Dir, mein Gott, geweiht;
    Er hat, Du wolltest es, vom Tode mich befreit.
    Er lockt, Er führt mich fort zur höchsten Seligkeit.
    Dank, Christus Jesus, Dir! dass Du mich liebreich lehrtest,
    was Du bei Deinem Gott zum Heil der Menschen hörtest.
  38. Dank für Dein Beispiel Dir, Dein Beispiel ohne Flecken!
    Es müsse täglich mich zur Tugend mächtig wecken!
    Sei ewiglich gelobt, dass Du, o Jesus Christ,
    zum Tod, zum Tod am Kreuz gehorsam worden bist,
    und dass Dein teures Blut für uns geflossen ist!
  39. Mein Mund allein soll nicht „mein Herr, mein Gott“ Dich nennen!
    Mein Herz, mein Leben soll als den Dich laut bekennen.
    Erst dann wird Dein Verdienst mir nicht vergeblich sein;
    erst dann darf ich des Heils, das Du erwarbst, mich freu’n;
  40. Dank, Christi Vater, Dir, dass Du für Tod Ihm Leben
    und hohe Lust für Schmerz, für Schande Ruhm gegeben,
    dass Du den Sohn, der Dich uns, Vater, kennen lehrt,
    so sehr beglaubigt hast und vor der Welt verklärt,
    dass Tugend zu erhöh’n und Laster umzustoßen,
    Du reichlich Deinen Geist vom Himmel ausgegossen!
  41. Dank, dank für alles Dir, was Du, mein Gott, getan,
    dass das Gewissen froh, der Glaube fest sein kann.
    Ich danke Dir, mein Gott, dass wir des Lebens Lehren
    in unserm Vaterland so rein, so ruhig hören,
    dass ohne Sklaverei auch der gemeinste Mann
    aus Deinem Worte schöpft und untersuchen kann.
  42. Auch mir hast Du zum Heil den nächsten Weg gewiesen!
    Wann hab‘ ich Dich, mein Gott, genug dafür gepriesen?
    Nun kann ich selig sein; nun fehlt es nicht an Dir;
    nun liegt die ganze Schuld, wenn ich’s nicht bin, an mir.
  43. Ich danke kindlich Dir: Du sorgtest für mein Wohl!
    Ich weiß, mein Vater, nicht, wie ich Dir danken soll.
    Wer setzte mich, als Du, an diesen Ort auf Erden?
    Wer ließ von Christen mich, als Du, geboren werden?
    Wer wandte Unglück ab? Gab in Gefahr mir Mut?
    Wer machte mich gesund? Und wer geschickt und gut?
  44. Von Dir kommt alles her, der Wille wie die Tat.
    Uns widerfährt kein Glück, als nur nach Deinem Rat.
    Du bist’s, der mich bis jetzt so treu geleitet hat!
    Du eiltest, Vater, oft, vor drohenden Gefahren
    mit unsichtbarer Hand, mich liebreich zu bewahren.
  45. Oft fristetest Du mir das schon verschätzte Leben
    zu meiner Bess’rung mir der Tage mehr zu geben.
    Du bautest die Vernunft! Du übtest den Verstand,
    gabst meinem Körper Kraft und Segen meiner Hand!
  46. Dank, dank für alles Dir! Du wandtest weg die Schmerzen
    und gabest Heiterkeit und Freude meinem Herzen.
    Du schenktest Freunde mir, die mich viel Gutes lehren,
    mein Trost im Leiden sind und Dich durch Tugend ehren.
  47. Du nährtest täglich mich, gabst Wohnung mir und Kleid
    und Arbeit, Ruh und Glück gab Deine Gütigkeit.
    Das alles und noch mehr, gabst Du, mein Vater, mir.
    Für alles, was Du gabst, und nicht gabst, dank ich Dir.
  48. Wie viel unglücklicher sind tausend meiner Brüder?
    Mit Tränen dank ich Dir, und falle vor Dir nieder.
    O wie vergelt‘ ich Dir, Gott, Deine Gnade wieder!
    Erbarmer ist Dein Name, Erbarmen all Dein Tun!
    Ich darf mit Zuversicht in Deinem Schoße ruh’n.
  49. Ich preis‘, o pries‘ ich Dich, mein Gott! – von Herzensgrund!
    Sei immer voll mein Herz, und schweige nie mein Mund!
    Und Gottes Güte mach‘ mein ganzes Leben kund!
    O würden andre nur durch mich zum Dank erwecket,
    und schmeckten Deine Huld, wie sie mein Herze schmecket!
  50. Mein ernster Vorsatz sei (o laß ihn niemals wanken!),
    durch reine Tugend Dir, für Deine Huld zu danken.
    Laß deine Lieb‘, o Gott, zur Liebe mich entzünden!
    Laß jeden Armen mich, wie Dich, barmherzig finden!
  51. Es diene Leib und Geist, es diene mein Vermögen
    zum Nutzen meines Lands, der ganzen Welt zum Segen!
    Für meiner Brüder Heil gabst Du mir jede Kraft.
    Nie ist dem Herzen wohl, als wenn es Gutes schafft.
  52. Du gabst den Sohn dahin! – Wer faßt die hohe Liebe?
    O weh mir, wenn ich jetzt, auch jetzt noch lieblos bliebe!
    Ich sollte kalt und träg in alten Sünden ruh’n?
    Nein! Nein! So danke du, mein Herz, nicht deinem Gott!
  53. Glaub, was Er dich gelehrt! Tu, was Er dir gebot!
    Laß Jesu Beispiel stets in Einfalt vor dir schweben!
    Ja, lehre mich, mein Gott, stets, als sein Jünger leben!
    Laß Deine Vaterhuld mich dankbar stets empfinden!
    Die lehre, gut mich sein, die schütze mich vor Sünden.
  54. Dir sei mein Leib und Gut und nicht der Üppigkeit,
    Dir und den Armen nur mein Überfluß geweiht!
    Auf ungewisses Gut laß mich mein Glück nicht bauen!
    Auf Deine Güte nur, auf die nur will ich trauen!
  55. Nie müsse tränenlos mein Aug ein Elend seh’n!
    Nie höre ungerührt mein Ohr des Waisleins Fleh’n!
    Laß allen Menschen gern wohltätig mich beweisen!
    So, willst Du, soll ich Dich für Deine Güte preisen.
  56. Wer Deiner Gnade sich, sich will des Himmels freu’n,
    muß liebreich, Gott, wie Du, wie Du guttätig sein.
    Der Andern Torheit soll und Laster mich betrüben.
    Wer Dich recht lieben will, muß Dich in Menschen lieben.
  57. Du bist die Lieb‘! Ich weiß, dass Dir in aller Welt
    so sehr als wie ein Herz voll Liebe nichts gefällt.
    Mit Freuden fleh‘ ich drum, mein Gott, für meine Brüder.
    Sie sind Dir lieb, wie ich, sind Deines Sohnes Glieder.
  58. Mich freu‘ ihr aller Glück, o dankt‘ ich Dir dafür,
    was Du dem Nächsten tust, als tätest Du es mir!
    Ein liebreich Herz genießt, was andre froh genießen.
    Wie könnt‘ ich ohne Schmerz den Bruder elend wissen?
  59. Das Gute, das ich hab‘, o laß das keinen missen!
    Vermehre aller Glück! Vermindre aller Not!
    Laß jeden Menschen seh’n: Du sei’st der Menschen Gott!
    Erbarme derer Dich, die Dich, mein Gott, nicht kennen,
    die ein geschnitztes Bild den Herrn des Himmels nennen.
  60. Zerstör‘ den Aberglaub‘ und die Abgötterei,
    dass Deine Macht und Huld allein verehrest sei!
    Mach alle Geister hell mit Deines Wortes Lichte!
    Mach Deine Lehre wert und allen Wahn zunichte,
    dass jeder Mensch ein Christ, schon jeder auf der Erde,
    in jeder Tugend groß, des Himmels fähig werde!
  61. Erbarm, erbarme Dich, der Kinder Israels!
    Sei Du ihr Vater noch! Messias! Du ihr Fels!
    Gedenk an Abraham, an Jakob den Geliebten!
    Du liebst doch Tausende, die Dich, wie sie betrübten!
  62. Ach nimm die Decke bald von ihrem Angesicht!
    Du zürnest ewig doch mit Staub und Asche nicht!
    Ach dass sie Dich, als Sohn, mit Freudentränen küßten!
    Ach, locke mächtig sie zur Seligkeit der Christen!
  63. Begnadige, mein Gott, die ganze Christenheit!
    Die Deines Sohnes sich und Seiner Lehre freut!
    Dein Segen kröne die, die sich nach Christus nennen,
    und seine Lehre frei mit Wort und Tat bekennen.
  64. Ja schau die Christenheit, Gott, mit Erbarmen an!
    Du siehst, wie viel ihr fehlt, Du bist’s, der helfen kann!
    Hier fälscht Unwissenheit des Himmels reine Lehren,
    dort will man Menschen mehr, als Jesus Christus hören.
  65. In Wahrheit und im Geist willst Du verehret sein;
    doch, ach, wie mancher hat, statt Fromm’keit nur den Schein!
    Es herrschet Heuchelei, die Pestilenz der Seelen,
    die Seufzen Fromm’keit heißt, wenn gute Werke fehlen!
  66. Für Meinungen wird oft, für Tugend nie gestritten,
    das Schwatzen geht für’s Tun, und Miene für die Sitten.
    Bald muß der Tugend Stell‘ ein unverständlich Beten,
    und bald Gelehrsamkeit Religion vertreten.
  67. Wie oft wird Wahrheit falsch, und Tugend halb gelehrt,
    und was die Predigt baut, durch Taten umgekehrt!
    Die Diener Deines Worts, die strengsten Sittenlehrer,
    sind oft der Wahrheit Feind‘ und Deines Reichs Zerstörer.
  68. Das Laster hebt das Haupt mit Frechheit hoch empor.
    Bedrängte Tugend schreit aus tiefer Nacht hervor.
    O mach Dich, Höchster, auf, das Laster zu vermindern,
    der Tugend stille Qual und frommen Schmerz zu lindern.
    Vernichte dessen Rat, den Ehr und Gold verführt,
    dass er mit seiner Herd‘ im Aberglauben irrt.
  69. Mach die Gewissen frei von drückenden Tyrannen,
    die mit gestohlner Macht Unschuld und Recht verbannen.
    Ach! die Religion, sie lehrt uns ja nur lieben,
    nicht Grausamkeit, nicht Mord an schwachen Brüdern üben.
  70. Verbreite bald den Tag! Vertilge bald und ganz
    des Irrtums tiefe Nacht mit Deiner Lehre Glanz!
    Laß, Gott, Dein Anseh’n mehr, als Menschen Anseh’n gelten,
    und säume länger nicht, die Falschheit zu beschelten!
  71. Verteidige Dein Wort! Beschütze Deine Sache,
    dass länger nicht der Staub – im Staub der Gottheit lache!
    Laß wahre Weisheit blüh’n! Vertilg Unwissenheit!
    Und zeige täglich mehr der Tugend Wichtigkeit!
  72. Laß doch die Tugend selbst Dein göttlich Wort beweisen!
    Laß die Religion durch Heiligkeit uns preisen!
    Die rein’re Glaubenslehr‘, o lasse uns recht schätzen,
    und sie durch Menschentand, durch Laster nie verletzen!
  73. Laß keine Herrschsucht uns die schönste Freiheit rauben,
    den Menschen nicht zu trau’n, und Dir allein zu glauben.
    O großer Herr der Welt, der Fürsten zähmen kann,
    schau jedes Reich und Land mit Vateraugen an!
  74. Mach aller Tyrannei der Fürsten bald ein Ende!
    Du weißt’s: es fleh’n dafür zu Dir viel tausend Hände!
    Lehr jeden, dass Du weißt, was jeder unrecht tut!
    Und richt auf Tugend nur der Fürsten Heldenmut!
    Auf Wahrheit nur und Recht und nicht auf Menschenblut!
  75. Es fühl‘ es jeder Fürst: dass Fürsten Du nicht schonest,
    dass Du das Laster strafst und Tugend nur belohnest.
    Laß jeden argen Rat und schlimmen Anschlag fehlen,
    und Menschen Menschen nicht, wie Tiger Tiger quälen!
  76. Mach Deine Gnade groß an Fürsten, die Dich ehren,
    und ganzer Völker Glück, durch Huld und Weisheit mehren!
    Laß Deinen Segen stets auf ihrer Krone ruh’n!
    Erhalte sie gesund, und segne, was sie tun!
  77. Laß ihres Beispiels Macht auch andre Fürsten rühren,
    dass sie zum Segen nur und nicht zum Fluch regieren.
    Vor allem segne, Gott, mein liebes Vaterland,
    wo ich nach Deinem Rat, das Licht des Lebens fand!
  78. Vergib die Sünden uns, die laut gen Himmel schreien!
    Und laß uns redlich sie verabscheu’n und bereuen!
    Heiß uns vorübergeh’n Dein ernstes Strafgericht!
    Um Deiner frommen Schar vertilg uns, Vater, nicht,
    weil noch so manches Herz Dir Besserung verspricht.
  79. Laß unter frommem Schutz uns still und ehrbar wandeln,
    im Herzen heilig sein und heilig immer handeln!
    Und, wo Du Elend siehst, da eile beizustehen!
    Du alles Trostes Gott! Reich an Barmherzigkeit,
    der nie von Herzen straft, und lieber stets erfreut!
  80. Viel Elend muß ich seh’n, und wenig kann ich retten!
    Wo ich nicht helfen kann, da kann und will ich beten.
    Du hörst mein Beten gern, und willst es bald erhören!
    Du liebest, wer Dich liebt, und ehrest, die Dich ehren!
  81. Schau‘ aller Menschen Not, sie dringe mir zum Herzen!
    Wir Menschen sind von Staub, zu schwach für große Schmerzen.
    Ich flehe kindlich Dich für die Betrübten an,
    die ich gern trösten möcht‘, und doch nicht trösten kann!
  82. Mehr kann ich nicht für mich, als für die Brüder bitten,
    die lange schon geseufzt, und ungetröstet bitten!
    Steh ihnen mächtig bei und laß sie nicht erliegen!
    Erhöre die Geduld! Laß ihren Glauben siegen!
  83. Laß ihnen reichlich dort die Qual vergolten werden,
    schenk ihnen Ruhe noch und Rettung hier auf Erden!
    Erleuchte den Verstand verwirrter Menschenseelen!
    Laß keinem Armen je des Lebens Notdurft fehlen!
  84. Erwecke manches Ohr, zu horchen auf sein Fleh’n!
    Du kannst erniedrigen und wiederum erhöh’n!
    Laß jeden andrer Not zu reiner Lieb‘ enzünden!
    Wer einen Helfer sucht, laß einen Helfer finden!
  85. Laß alles, was da lebt, Gott, Deine Güte preisen!
    Sei aller Witwen Rat, der Vater aller Waisen!
    Wer einen Freund beweint, den Du ihm weggenommen,
    laß Trost in dessen Herz und Lust zum Himmel kommen!
  86. Ach! Unterstütze die mit Deines Geistes Freuden,
    die für die Frömmigkeit, für Recht und Wahrheit leiden!
    Schenk ihnen festen Mut und jene Heldenkraft,
    die stets, an Deiner Hand, Auswege sich verschafft;
    mit Dir allmächtig ist, mit Dir unüberwindlich,
    im Leiden voller Freud‘, im Flammen unempfindlich.
  87. Die Unschuld weint zu Dir mit tränenvollen Blicken;
    o eile schnell herbei, sie mächtig zu erquicken!
    Laß länger, länger nicht die Wut sie unterdrücken.
    Schenk Deinen süßen Trost, Herr, allen müden Herzen!
  88. Erleichtre Du die Last zu schwerer Leibesschmerzen!
    Erweck‘ in aller Geist den Wunsch der Ewigkeit!
    Der macht die Schmerzen klein und leicht das schwerste Leid.
    Hilfe‘ unbekannter Not! Zerstör verborgne Qualen,
    laß Deines Trostes Licht in dunkle Herzen strahlen!
  89. Und ströme mildiglich der Christen süße Ruh‘
    aus Deinem heitern Wort den bangen Seelen zu!
    Laß sie untätig nicht die göttlich schönen Lehren,
    durch Schwermut, Angst und Gram in Finsternis verkehren.
  90. Du kennest jede Not, siehst aller Menschen Pein;
    Du wollest aller Trost und aller Helfer sein!
    Befördre frommen Fleiß und friedliches Bemühen!
    Laß aller Orten Treu und rechtes Wesen blühen!
  91. Laß keine Räuberhand das Gut des Bruders nehmen!
    Laß der Unmenschlichkeit sich alle Menschen schämen!
    Wer Gutes mir getan, vor Schaden mich behütet,
    dem wird‘ es tausendfach, von Dir, Mein Gott, vergütet!
  92. Belohnet sei von Dir, gesegnet immerdar,
    Wer wirklich mich gekränkt, und mich hat wollen kränken,
    dem wollest Du, mein Gott, für Böses Gutes schenken!
    Nie anders als ein Freunds will ich an ihn gedenken.
  93. Bekehre jedes Herz, das Böses tut und liebt,
    nur eignen Nutzen sucht und andre gern betrübt.
    Es sei mein ernst Gebet, mein wärmster Wunsch auf Erden,
    dass meine Feinde gut – und dass sie selig werden.
  94. O segne, Vater, auch mit Deinem besten Segen
    die Freunde meines Bluts! Sei Du, mein Gott, ihr Gott!
    Beglücke reichlich sie, auf allen ihren Wegen!
    Sei ihre Freude Du im Glück und in der Not!
  95. O leite väterlich sie stets zu Deinem Reich,
    und mache sie mit mir einst Deinem Sohne gleich!
    Zuletzt erfleh‘ ich noch, Herr, Deine Huld und Macht
    für alle Menschen an, aus einem Blut gemacht!
  96. Laß, was auf Erden lebt, fromm und glücklich leben!
    Laß jegliches Geschöpf sich Schöpfer Dir ergeben!
    Vermindere die Zahl der unbekehrten Sünder!
    Und sammle täglich Dir aus allen Völkern Kinder!
  97. Wo Dunkelheit noch herrscht, da mach Du selber heiter!
    Dein Reich verbreite sich mit jedem Tage weiter!
    Ach eile, bester Gott, bald, bald von allem Bösen,
    durch Deine Macht und Huld, all‘, alle, zu erlösen!
  98. So hab‘ ich stille Dir, mein Herz nun ausgegossen!
    Wer, Vater, zu Dir kommt, den willst Du nicht verstoßen.
    Wer mit dem Herzen wünscht, was seine Lippen fleh’n,
    den hörst Du gnädig an! Den kannst Du nicht verschmäh’n.
  99. Laß denn Vergebung mir und Gnade angedeihen,
    weil meine Sünden mich, mein Gott, von Herzen reuen.
    O Du, der allezeit, was Kinder flehten, tat,
    tu, Vater, alles das, wofür mein Herz Dich bat.
  100. Verschmäh des Herzens Lob, den Dank, so schwach er ist,
    den Dank der Seele nicht, der Du die Liebe bist!
    Der Du die Liebe bist, horch auf mein Flehen nieder,
    das ich Dir dargebracht aus Liebe meiner Brüder!
    Die Brüder Deines Sohn’s und Deiner Kinder sind.
    Und sage, Vater, mir: Ich liebe Dich, mein Kind.
    Und nimm mich als Dein Kind, Dich fleh‘ ich nochmals an,
    in Deinen treuen Schutz, dass mir nichts schaden kann!
  101. Mich weck‘ und treibe stets Dein Geist zu allen Pflichten,
    in jeder Wahrheit müss‘ Er still mich unterrichten!
    Er bringe meinem Heil, mein Gott, mich täglich näher!
    Mein Herz erhebe sich mit jedem Tage höher
    zu jener Seligkeit, die Du verheißen hast,
    und die mein froher Geist im Glauben schon umfaßt.
  102. Als Christi Jünger, schließ ich, Vater, mein Gebet!
    Ich glaub‘, ich weiß, Du tust’s, wofür ich Dich gefleht,
    wenn immerdar mein Herz im Guten feste steht.
    Mit voller Zuversicht, in Jesu Christi Namen,
    im Glauben an Dein Wort, sag‘ ich mit Freuden: Amen!

Aus: „Das Zeichen Mariens“, 18. Jahrgang, Nr. 2, Juni 1984, Seiten 5852-5855 ,
© by Immaculata-Verlag

Barbara Mitteis: Das heilige Meßopfer

Die heil’ge Messe bleibt fürwahr
das Höchste an dem Kreuzaltar!
Und eine Predigt kann allein
vor GOTT Erlösungswerk nicht sein.
Ein Stundenbuch in Wort und Schrift
die Messe niemals übertrifft.
Drum eilet zu dem Höchsten Gut,
was  W a n d l u n g  heißt mit Christi Blut.
Denn alle Worte irgendwie
dagegen sind nur Theorie! …

Barbara Mitteis

GANZ ODER HALB – Gedicht von Franz Eichert

Wir wollen keine halben Taten,
Wir wollen keinen halben Mut;
Soll unsre Sache je geraten,
Hinein denn in des Kampfes Glut!
Kein fauler Friede kann uns retten;
Wir dürfen feige nicht entfliehn
Und unsern Leib auf Rosen betten,
Wenn sie den Herrn zum Kreuze ziehn!

Wie Licht und Dunkel, Glut und Wasser
Sich hassen hier in Raum und Zeit,
So muß die Schar der Kreuzeshasser
Dem Kreuze künden Haß und Streit.
Nein — keine Wahl ist uns geblieben ­
Der Krieg ist da und heischt sein Recht:
Entflieht der Meister nicht den Hieben
Der Feinde — darfs der treue Knecht?

Wir müssen, müssen uns der Wahrheit,
Wenn nicht, uns ganz der Lüge weihn,
Es kann nicht Dunkelheit und Klarheit
Zugleich an einem Himmel sein!
Wir müssen endlich uns entscheiden,
Sonst tötet uns des Zweifels Qual;
Wir müssen wählen zwischen beiden:
Wenn Christus nicht, dann Belial!

Die Gott und auch dem Mammon dienen,
Die sind die wahre Natternbrut,
Weil der Verräterfluch auf ihnen,
Der einst dem Judas lohnte, ruht.
Bewahr uns, Gott, vor diesen Halben,
Die jeder Mannestat entfliehn,
Die, wie dem Sommer nach die Schwalben,
Nach Gold und Menschengnade ziehn.

Sie sinds, um die wir Schande tragen,
Die uns gebeugt ins schwere Joch;
Wir hätten längst den Feind geschlagen,
Der stets vor Taten sich verkroch.
Sie haben uns mit Schlummertränken
Den frohen Kampfesmut gelähmt,
Den heilgen Streit mit schlauen Ränken
Uns stets verleidet und verfehmt.

Nun aber soll der Feigheit Grollen
Nicht länger uns den Mut entziehn,
Wie Gottes Donner soll es rollen
Hoch über alle Zaudrer hin:
„Auf, Gott mit uns in heilger Fehde —
„ja, Fehde dir, Tyrann der Zeit,
„Du Heuchler voll versüßter Rede
„und feiger Ungerechtigkeit!“

Ja, Zeit ists, Fehde anzusagen
Der Gier, die höllisch sengt und brennt,
Und hoch das Kreuz voranzutragen
Der Welt, die keinen Gott mehr kennt.
Doch jene, die entwöhnt der Taten
Auf weichgepfühltem Lottersitz
Stets nur das eigne Wohl beraten ­
Die Feigen treffe Gottes Blitz!