Südtirol: Neuer Seliger steht für politisches Christentum ein

Josef Mayr-Nusser – RV

Sie nannten ihn Pepi: Josef Mayr-Nusser wurde am 27. Dezember 1910 bei Bozen geboren. Er war in der schwierigen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ehrenamtlich sehr aktiv und wurde Präsident der Katholischen Jungmänner und der Bozner Vinzenzkonferenz. 1939 waren die Südtiroler vor die Wahl gestellt, nach Deutschland überzusiedeln und die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten, oder in Italien zu verbleiben und Kultur und Staat Italiens anzuerkennen. Pepi entschloss sich im Zug dieser so genannten Option dazu, anders als die Mehrheit der Südtiroler, in der Heimat zu bleiben und wurde damit zum „Dableiber”. Als 1943 Südtirol von den deutschen Truppen besetzt wurde, wurde Pepi zur deutschen Wehrmacht einberufen. Mit 80 anderen Südtirolern kam er nach Konitz in Ostpreußen, wo man alle der Waffen-SS zuteilte. Pepi machte die Ausbildung mit. Doch einen Tag vor der Eidesleistung erklärte er, dass er den Eid aus Gewissensgründen nicht leisten könne. Entgegen aller Hoffnungen wurde er in Danzig wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt und sollte in Dachau erschossen werden. Doch Pepi erlag noch während des Transports am 24. Februar 1945 im Viehwaggon seinen Strapazen. Sein Leichnam wurde 1958 nach Südtirol überführt. Seine letzte Ruhestätte findet er nun im Bozner Dom, wo an diesem Samstag er seliggesprochen wird.

Um 10 Uhr wird Kardinal Angelo Amato, der Präfekt der Kongregation für Selig- und Heiligsprechungsprozesse, mit zur Zeit zwölf angesagten Bischöfen zur Seligsprechungsfeier in den Dom einziehen. Der Südtiroler Bischof Ivo Muser bezeichnet diesen Tag als „Tag der Freude und des Glücks“, wie er nur wenigen anderen Ortskirchen zuteilwird. Er verbinde mit diesem Tag auch die große Hoffnung, dass diese Freude weit über den Samstag hinaus reichen werde.„Das ist meine ganz große Hoffnung, dass die Auseinandersetzung mit Joseph Mayr-Nusser nicht auf zwei Tage beschränkt bleibt, so wichtig und so erfreulich diese beiden Tage für uns alle sind. Entscheidend wäre es – und das ist für mich auch eine pastorale Priorität – dass wir uns mit dieser Gestalt auseinandersetzen. Ich sag es auch bewusst so, dass wir uns von dieser Gestalt herausfordern und provozieren lassen, weil diese Gestalt hat uns Entscheidendes zu sagen über unsere Einstellung zum Leben und wie sehr der eigene Glaube sich hineinsagen muss in unsere Beziehungen, in unsere Arbeit, auch in unsere politischen Entscheidungen.“Was dieser Selige gerade auch unserer Zeit zu sagen hat, ist für den Bischof weiter:„Joseph May-Nusser wäre nicht einverstanden mit einem Credo, das heute von vielen vertreten wird: Glaube ist Privatangelegenheit. Joseph Mayr-Nusser war nicht der Überzeugung, der Glaube gehört nur in die eigenen vier Wände hinein oder in die Sakristei: „Der Glaube muss sich zeigen, der Glaube muss sich auswirken“. Deswegen redet er so oft in seinen Briefen oder auch in seinen Vorträgen an die Jugendlichen, es geht um das Zeugnis geben, es geht dafür, dass der Christ einsteht für das, was er vom Evangelium erkannt hat und genau darin liegt seine Aktualität – Glaube ist nicht etwas Privates, Glaube ist in diesem Sinne tatsächlich immer auch politisch.“ Dies sei natürlich nicht parteipolitisch oder tagespolitisch zu verstehen, so Bischof Muser. Denn „die Verquickung zwischen Thron und Altar“ wie in alten Zeiten wolle keiner wieder erleben.„Aber der Glaube,“ so der Bischof weiter, „ist zutiefst politisch. Es geht darum, dass gläubige Menschen versuchen von ihrer Haltung, von ihrer Einstellung her die Gesellschaft mitzugestalten. Hoffentlich so mitzugestalten, dass ein doppeltes Ja, das für Joseph Mayr-Nusser fundamental war, dass ein doppeltes Ja deutlich wird, ein entschiedenes Ja zu Gott und aus diesem entschiedenen Ja zu Gott heraus ein entschiedenes Ja für den Menschen, vor Allem auch für jene Menschen, die nicht an der Sonnenseite des Lebens stehen und die oft keine Stimme in unserer Gesellschaft und auch in unserer Politik haben.“

(radio grünewelle/rv 17.03.2017 mg)

Was will Donald Trump?

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Die Empörung über den neuen US-Präsidenten ist groß. Auch in der Bundesrepublik. Doch im Zeitalter der Globalisierung ist unbedingt ein kühler Blick auf sein Programm und mögliche Potenziale nötig. Ein Versuch, Donald Trump zu verstehen.

Von Felix Dirsch

Die Tagespost – 2. Februar 2017

 

Das Weiße Haus hat einen neuen Bewohner. Seine Antrittsrede am 20. Januar rief sogleich Empörung hervor. Versöhnungsgesten fehlten. Medial aufgepeitschte Protestgruppen und ihre journalistischen Helfershelfer hyperventilierten wie nie. Analysiert man die Ansprache Trumps freilich genauer, fällt zwar ein kämpferischer Unterton auf. Dennoch sind die positiven Seiten nicht zu verkennen. Trump möchte die Macht dem Volk zurückgeben und verteilt an das verhasste Establishment Seitenhiebe. Die Zustandsbeschreibung des Landes entspricht der Realität. Jeder kann die ökonomisch verödeten Landstriche der Vereinigten Staaten in Augenschein nehmen. Trump sagt allen Staaten freundschaftliches Entgegenkommen zu. Hervorzuheben ist sein Versprechen, keinem Volk die eigene Lebensweise aufzuzwingen. Identität, Nation und Souveränität fungieren als Leitbegriffe, daher der Widerstand gegen das die Nationalstaaten schwächende und Arbeitnehmerrechte tangierende Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP. Trump hat das verinnerlicht, was der Politologe Samuel P. Huntington 2004 in seinem Bestseller „Who are we?“ ausdrückt: „Die überwältigende Mehrheit des amerikanischen Volkes hält an der nationalen Alternative fest und möchte die amerikanische Identität, wie sie seit Jahrhunderten besteht, bewahren und stärken.“ Weiter soll der radikal-islamische Terrorismus entschlossen bekämpft werden.

Er stellt heraus, dass die USA Jobs gerade für die Mittelschicht dringend benötigen. Das alte Gleichheitsversprechen wird auf beeindruckende Weise erneuert. Das Motto „America first“ des überzeugten Patrioten ist keinesfalls negativ zu werten, zumal er andere Nationen ermuntert, ebenfalls ihre Interessen wahrzunehmen. Der Aufschrei besonders in Deutschland ließ nicht lange auf sich warten. Nun kann man mit Recht einiges gegen Auftreten und Rhetorik des neuen starken Mannes einwenden. Das ändert nichts daran, dass die Polemik gegen ihn oft jedes erträgliche Maß überschreitet. Sogar die Faschismus-Keule wird mitunter herangezogen. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel war so gnädig, den neuen starken Mann „nur“ mit dem reaktionären Denken der 1920er Jahre in Verbindung zu bringen. Ohne dass es ihm bewusst sein dürfte, liegt in diesen überzogenen Assoziationen ein Körnchen Wahrheit.

Was ist damit gemeint? Bereits in den Vorwahlen polarisierten Persönlichkeiten wie der Republikaner Trump auf der einen Seite und der sozialistische Demokrat Bernie Sanders auf der anderen. Solche verschärften Auseinandersetzungen rufen Chantal Mouffes agonistischen Theorieansatz in Erinnerung. Die belgische Politologin will die Freund-Feind-Distinktion Carl Schmitts, die in der Zwischenkriegszeit das Wesen des Politischen benennt, umformulieren und eine stärkere Positionierung der Parteien als Gegner erreichen. Auf diese Weise sollen klare politische Identitäten geschaffen werden. Lange gab es in den westlichen Ländern nur Konsensgesellschaften, in denen Parteien praktisch austauschbar geworden sind. Das hat ein Vakuum verursacht, das heute meist von sogenannten populistischen Kräften gefüllt wird. In den letzten Jahren kann man in den meisten westlichen Staaten eine zunehmende Heftigkeit politischer Kontroversen verfolgen. Die über einen längeren Zeitraum festzustellende Alternativlosigkeit weicht immerhin eindeutigeren Optionen. Gabriels unsachlicher Hinweis auf die Konservative Revolution macht implizit auf den Gegensatz von Eliten und Volk aufmerksam, der nicht nur in gegenwärtigen US-Diskussionen eine Rolle spielt, sondern auch in Schmitts Parlamentarismus-Kritik der 1920er Jahre. Der Staatsrechtslehrer sieht Liberalismus und Parlamentarismus als Projekt von elitären Minderheiten, Demokratie hingegen als Angelegenheit eines (wenigstens relativ homogenen) Volkes.

Der parlamentarische Diskurs besitze in Zeiten von Massendemokratie und Lobbyismus nur noch Fassadenfunktion. Trump knüpft mit seiner Kritik am US-Kongress, der nach außen angeblich nur heiße Luft produziere, an solche Vorbehalte an, die unter Umständen durchaus plausibel sein können. Weit verbreitete Aversionen gegen den mitunter sprunghaften Politiker haben wohl viele Journalisten abgeschreckt, sich mit dem Programm des Nachfolgers von Barack H. Obama, der kein leichtes Erbe hinterlässt, auseinanderzusetzen. Wer den Zustand der USA wahrnimmt, merkt schnell, dass die Parole „Great again“ Verpflichtung für alle Amerikaner sein sollte. Der Titel des gleichnamigen Trump-Buches ist gut gewählt. Dessen Inhalt ist es wert, geprüft und zur Kenntnis genommen zu werden. Auch die mitunter ostentativ-egomanische Attitüde des Verfassers ändert daran nichts.

Wer die Masseneinwanderung verharmlost, die Trump eindämmen will, übersieht deren eminente soziale Folgen. Offenkundig ist der Verdrängungswettbewerb zwischen Illegalen, die nicht selten zu geringen Löhnen arbeiten, und Einheimischen. Die Eliten, öfters Profiteure der Immigration, nehmen am Schicksal der Abgehängten, meist aus der Mittelschicht stammend, selten oder gar keinen Anteil. Über die Erfolgsaussichten eines Mauerbaues an der Grenze zu Mexiko lässt sich streiten. Allerdings zeigt ein solcher Grenzwall Entschlossenheit. Jenseits tagesaktueller Debatten hat sich Trump – wahrscheinlich aus zweiter Hand – das Wissen des Ökonomen Ronald Coase zu Eigen gemacht. Dieser bekam vor einigen Jahren für die Erkenntnis den Nobelpreis, dass eine liberale Gesellschaft nicht nur freies Eigentum, sondern auch Zäune benötigt; denn Klubgüter, auf die jeder Bewohner zurückgreifen kann, von der Krankenversicherung bis zum Schienennetz, verlieren mit steigender Benutzerzahl an Wert.

Besonders aufmerksam sind die Passagen zu den jüngsten Kriegsabenteuern des mächtigsten Landes der Welt zu studieren. Billionen Dollar wurden im Nahen Osten von einer überdimensionalen Kriegsmaschinerie versenkt. Das Resultat? Unzählige Tote und die Entstehung des sogenannten Islamischen Staates, zudem der wertlose Atomsperrvertrag mit dem Iran. In der vorerst letzten Phase des Syrienkrieges, so der Immobilienmilliardär mit nachvollziehbaren Argumenten, war vornehmlich Russland am Drücker. Die vom russischen Präsidenten gebildete Koalition errang Sieg um Sieg. Allerdings ist Trump hier nicht kritisch genug, Anteile der US-Regierung an den Feindseligkeiten zuzugeben. Spannend wird sein, wie sich die Aussöhnung mit dem Erzfeind des Westens, Wladimir Putin, gestalten wird, nachdem der Kongress eine Aufhebung der Sanktionen wohl verhindern wird. Äußerungen des künftigen Außenministers zeigten jüngst etwas andere Akzente als die seines Chefs.

Undifferenziert wirkt der Vorwurf, Trumps Ansichten verletzten die westliche Wertegemeinschaft. Die Bundeskanzlerin konnte es sich nicht verkneifen, dem neuen Kollegen die Zusammenarbeit auf der Basis der westlichen Werte anzubieten. Bei aller Zustimmung für solche Präferenzen in der eigenen Hemisphäre ist doch der gelegentlich gepflegte pseudoreligiöse Unterton infrage zu stellen. Schon oft dienten sie als Vorwand für aggressiven Kulturimperialismus. Die Absichten der (über den Trump-Sieg frustrierten) Neocons, Spin Doctors der Ära George W. Bushs, Demokratie gewaltsam zu exportieren, sind keineswegs vergessen. Die multipolare Welt des frühen 21. Jahrhunderts bedarf keines „wohlwollenden Hegemons“ (Joseph S. Nye Jr.), der in Form „humanitärer Kriege“ (Carl Schmitt) das Selbstbestimmungsrecht der Völker untergräbt. Vor diesem Hintergrund ist auch der Auftrag der Nato neu zu definieren. Zudem springt die Aktualität einer Großraumtheorie, wie sie einst Schmitt formulierte, ins Auge, die natürlich zu modernisieren ist. Eine von den USA unabhängigere „Europäische Union als Großraum“ (Andreas Anter) wäre folgerichtig herauszustellen.

Besonders heftig sind die Widerstände im In- und Ausland gegen die temporäre Weigerung, Muslimen aus den Ländern Irak, Iran, Libyen, Somalia, Syrien, Sudan und Jemen Visa auszustellen. Trump begründet diesen Erlass, der Ausnahmen kennt, damit, dass die Erarbeitung eines Konzepts gegen etwaige terroristische Gewalttaten Zeit benötigt. Wieder einmal droht die westliche Werteordnung einzustürzen. Freilich kollidiert der Wunsch nach offenen Grenzen, den ein Teil der Bevölkerung in der westlichen Welt hegt, insbesondere viele Meinungsmacher, mit dem verbreiteten Bedürfnis nach Sicherheit. Ganz ohne Generalverdacht scheint dieser Wert jedoch nicht zu haben sein. Eines sollte aber nicht übersehen werden: In 16 mehrheitlich muslimischen Staaten sind israelische Staatsbürger unerwünscht. Auch in den USA existieren seit längerer Zeit Beschränkungen des Grenzübertritts. Es liegt in der Souveränität der Staaten, ihnen nicht genehmen Personen die Einreise zu verbieten. Trump als den neuen „Gottseibeiuns“ hinzustellen, mutet deshalb schon unsinnig an, weil einige Kontinuitätslinien zur Vorgängerregierung kaum zu übersehen sind. Mit dem Freihandel nahm auch sie es nicht immer ernst. Gegen die Bank BNP Paribas wurde eine Neun-Milliarden-Dollar-Strafe verhängt, gegen die Deutsche Bank waren es immerhin sieben Milliarden. Die Waffe des Dollars hängt schon seit einiger Zeit speziell über Europa.

Die epochale Zäsur der Wahl Trumps liegt freilich in seiner Einstellung zur Globalisierung. Deren dunkle Seiten aufzudecken, hat bisher immer als Herzenssache eher linker Gruppen wie Attac gegolten. Trump hebt die Nachteile des realen Freihandels für sein Land hervor. Das Lohndumping, etwa in Mexiko, berücksichtigt er ebenso wie Währungsmanipulationen, wie sie in China üblich sind. Der reiche Geschäftsmann legt die Finger auch in andere Wunden. So wird der Zustand der Infrastruktur angeprangert. Darüber setzen spätestens dann Debatten ein, wenn wieder einmal ein flächendeckender Stromausfall zu beklagen ist. Ansonsten ist die Verrottung des Straßen- und Brückennetzes evident, ganz zu schweigen von der mangelhaften Internetversorgung vor allem in ländlichen Teilen. Ein umfassendes Infrastrukturprogramm, in der Grand Old Party indessen umstritten, ist geplant.

Der einseitigen Bevorzugung erneuerbarer Energien wird in „Great again“ eine Absage erteilt. Eine Energiewende wie in Deutschland bedeutet demnach eine weitere soziale Belastung, von beträchtlichen Schäden an der Natur nicht zu reden. Trump hinterfragt die These vom primär menschengemachten Klimawandel und beruft sich auf einsichtige Argumente. Ebenso werden die Schattenseite von „Obamacare“ erwähnt, insbesondere die Beitragsexplosion bei Versicherungen und die Zunahme der Bürokratie.

Setzt man sich mit dem bisher umrisshaft bekannt gewordenen Programm Trumps auseinander und ignoriert unsachliche Polemik, so kann man durchaus Potenzial erkennen. Werden die Kernpunkte umgesetzt, kann dies zu positiven Konsequenzen für die Völkergemeinschaft führen. Niemand sollte diese Aussichten gering schätzen.

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Papst Franziskus betet für Trump bei Amtseinführung als US-Präsident

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Von Anian Christoph Wimmer

Papst Franziskus hat Donald Trump zur Einführung als 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gratuliert und dafür gebetet, dass Gott ihm Weisheit und Kraft gebe.

In seiner Botschaft an den neuen US-Präsidenten teilte der Pontifex mit:

„In dieser Zeit, in der unsere Menschheitsfamilie bedrängt ist von schweren humanitären Krisen, die Weitsicht und vereinte politische Antworten erfordern, bete ich, dass Ihre Entscheidungen geführt sein mögen von den reichen spirituellen und ethischen Werten, welche die Geschichte de amerikanischen Volkes geprägt haben und das Engagement Ihrer Nation für den Fortschritt menschlicher Würde und weltweiter Freiheit“.

Diesen Worten fügte Franziskus den Wunsch zu, dass die USA „weiterhin daran bemessen werde, wie das Land sich um die Armen, die Verstossenen und die Bedürftigen kümmert, die, wie Lazarus, vor unserer Tür stehen. Mit diesen Empfindungen bitte ich den Herrn, dass er Ihnen und Ihrer Familie, und dem ganzen geliebten amerikanischen Volk, seinen Segen des Friedens, der Eintracht und jedweden materiellen und spirituellen Wohlstands gewähre.“

Während der Rede zu seiner Amtseinführung schwor Trump, eine Stimme für „die vergessenen“ Menschen der USA zu sein, und „das Land seinem Volk zurückzugeben“.

„Wir, die wir heute hier versammelt sind, erlassen einen neuen Beschluss“, so Trump. Das neue Motto sei: „America first, America first.“

Mit den Nationen der Welt werde er sich um Freundschaft und guten Willen bemühen. Es gehe ihm nicht darum, anderen den amerikanischen „Way of Life“ aufzuzwingen, sondern als Beispiel und Vorbild voranzugehen.

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Papstinterview: Radikaler Laizismus tut nicht gut

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Papst Franziskus im Vatikan

„Ein weltlicher Staat ist eine gute Sache – besser als ein konfessioneller Staat, denn mit denen nimmt es meist ein übles Ende.“ Das sagte Papst Franziskus in einem Interview mit der belgischen katholischen Wochenzeitschrift „Tertio“; es wurde an diesem Mittwochmorgen veröffentlicht. Die Trennung von Staat und Kirche in einem Gemeinwesen sei „gesund“; anders verhalte es sich allerdings, wenn sich in einem Staat „Laizismus“ breitmache.

„Laizismus verschließt die Tür vor der Transzendenz, der doppelten Transzendenz: nämlich der gegenüber den anderen und der gegenüber Gott – oder dem, was uns übersteigt. Die Öffnung zur Transzendenz gehört zum Wesen des Menschen.“

Er rede da „nicht von Religion“, sondern von Anthropologie, so Papst Franziskus. Eine Kultur oder ein politisches System, das nicht „diese Öffnung des Menschen zur Transzendenz“ respektiere, respektiere letzlich den Menschen selbst nicht.

„Kein Krieg im Namen Gottes“

Der Papst ging in dem Gespräch auch auf religiös motivierten Terrorismus ein. Das gebe es durchaus, räumte er ein: „Aber keine Religion als solche kann Krieg hervorbringen, weil sie in diesem Fall einen Gott der Zerstörung, des Hasses proklamieren würde. Man kann keinen Krieg im Namen Gottes oder im Namen einer religiösen Position führen.“ Das sei „in keiner Religion“ vorstellbar. „Und darum stehen der Terrorismus, der Krieg nicht in Beziehung zur Religion.“

Stattdessen würden „religiöse Deformationen“ als Vorwand für Terror und Gewalt genutzt, „das schon“. „Sie sind Zeugen davon, Sie haben das in Ihrem Land erlebt“, sagte er unter Verweis auf die Terroranschläge von Brüssel vom März 2016.

„Religiöse Deformationen“ rühren nach Ansicht von Franziskus „nicht an die Essenz des Religiösen“; allerdings gebe es „in allen Religionen, auch bei uns, fundamentalistische Gruppen“. „Es sind diese kleinen religiösen Gruppen, die ihre eigene Religion entstellt, krank gemacht haben.“

„Europa bräuchte Führungspersönlichkeiten“

Der Papst bekräftigte seine schon häufiger geäußerte Ansicht, dass die Welt derzeit „einen Dritten Weltkrieg in Stücken“ erlebe. „Wir sind im Krieg! Die Welt erlebt den Dritten Weltkrieg: Ukraine, Naher Osten, Afrika, Jemen… Es ist sehr schwerwiegend.“ Die Menschen sagten „mit dem Mund“, dass sie gegen Krieg seien, stellten aber gleichzeitig Waffen her und lieferten sie in Kriegsgebiete. Vielleicht stecke hinter der Waffenproduktion auch der Wunsch einiger Staaten, ihren Haushalt aufzubessern. „Allerdings ist der Preis sehr hoch: Blut.“

Politiker wie Schuman, De Gasperi oder Adenauer hätten nach dem Zweiten Weltkrieg „ehrlich“ für den Frieden gearbeitet. „Aber heute fehlen Führungspersönlichkeiten. Europa braucht Führungspersönlichkeiten, die den Weg nach vorne zeigen.“

Auch auf das vor kurzem zu Ende gegangene Heilige Jahr der Barmherzigkeit ging Papst Franziskus in dem schon vor einiger Zeit aufgezeichneten Gespräch ein. Das Heilige Jahr sei „keine plötzliche Idee“ gewesen; vielmehr habe er im Lauf der Zeit „gespürt, dass der Herr das wollte“. „Und offensichtlich ist es sehr gut gelaufen. Die Tatsache, dass es nicht auf Rom beschränkt war, … hat viel Bewegung ausgelöst, die Leute haben sich in Bewegung gesetzt.“

Für eine „synodale Kirche“

Als Antwort auf eine entsprechende Frage legte Franziskus sein Kirchenbild dar. Die Kirche entstehe „von den Gemeinden her, von der Basis, aus der Taufe“, und organisiere sich um einen Bischof herum, der Nachfolger der Apostel sei. „Aber in der ganzen Welt gibt es viele Bischöfe, viele organisierte Kirchen, und es gibt Petrus. Also: Entweder gibt es eine pyramidale Kirche, wo das gemacht wird, was Petrus sagt; oder es gibt eine synodale Kirche, in der Petrus Petrus ist, aber die Kirche begleitet, sie wachsen lässt, sie anhört, von dieser Realität lernt und sozusagen harmonisiert.“ Eine solche „synodale Kirche“ sei die, die ihm vorschwebe.

Franziskus sprach von der „reichen Erfahrung der letzten zwei Synoden“ mit ihren „vielen unterschiedlichen Schattierungen“: „Das ist Einheit in der Vielfalt. Das ist Synodalität. Nicht von oben nach unten herunterregieren, sondern die Kirchen anhören, sie untereinander harmonisieren, unterscheiden.“

Sein postsynodales Schreiben „Amoris laetitia“ sei ein Ergebnis des gesamten synodalen Prozesses, „interessanterweise“ hätten dem, was da drinstehe, mehr als zwei Drittel der Väter zugestimmt. „Und das ist eine Garantie!“ Auf den Brief von vier Kardinälen, die ihm Zweifel an einigen Punkten aus „Amoris laetitia“ vorlegen, ging Franziskus nicht ein. Doch betonte er, dass auf der Synode „frei gesprochen“ worden sei, „ohne Angst, beurteilt zu werden“ und „ohne zu verurteilen“. „Aber es ist das eine, wie Brüder miteinander zu reden, und etwas anderes, von vornherein schon zu verurteilen.“

Auch auf das Thema Kommunikation ging Franziskus in dem Zeitschriftengespräch ein. Die Medien hätten „eine große Verantwortung“, weil sie „Aufbauer einer Gesellschaft“ seien. „Sie können dazu eingesetzt werden, um Menschen zu diffamieren und mit Schmutz zu bewerfen, vor allem in der Politik“, beklagte der Papst. Genauso übel sei es, wenn Medien „nicht die ganze Information“ böten, sondern einen Teil der Wahrheit unterschlügen. Auf der anderen Seite richteten Medien allerdings auch viel Schaden an, wenn sie „ständig Skandale aufdecken, ständig von den häßlichen Dingen reden, selbst wenn sie wahr sind.“ Richtig genutzt hingegen könnten Medien „sehr, sehr viel Gutes tun“.

(rv 07.12.2016 sk)

Kongo: Kardinal appelliert an Kabila

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Kardinal Laurent Monsengwo, Erzbischof von Kinshasa – RV

Rebellen im Osten des Kongo haben am Wochenende bei Überfällen mindestens 34 Menschen getötet. In verschiedenen Teilen des Kongo ist es in den letzten acht Tagen zu Ausbrüchen von Gewalt gekommen. Das verstärkt die Sorge, dass Kongos anhaltende politische Krise blutig eskalieren könnte.

Präsident Joseph Kabila ist seit genau einer Woche nicht mehr im Amt – nach der Verfassung jedenfalls. In Wirklichkeit aber ist er einfach in seinem Palast in Kinshasa geblieben und weigert sich, das höchste Amt im Staat für einen Nachfolger zu räumen, Wahlen haben nicht stattgefunden. Kongos Bischofskonferenz versucht einen Kompromiss durchzusetzen, der Wahlen für einen neuen Präsidenten binnen eines Jahres mit sich bringen würde. Doch ob sie sich damit durchsetzen, ist ungewiss. Die Regierung will sich nach jetzigem Stand erst 2018 auf Wahlen einlassen, bis dahin bliebe Kabila Präsident.

Bei Straßenprotesten gegen Kabila sind letzte Woche mindestens vierzig Menschen ums Leben gekommen. Priester im ganzen Land haben am Sonntag eine Botschaft von Kardinal Laurent Monsengwo von den Kanzeln verlesen. Darin schreibt der Erzbischof von Kinshasa: „Die Zeit ist vorbei, als sich jemand einfach an die Macht klammern und die Waffen auf sein eigenes Volk richten konnte! Den jungen Leuten geht es doch nur um ihr Recht, ein Leben in etwas größerer Würde zu leben.“

Bis Freitag wollen die Bischöfe versuchen, Kongos politische Kräfte auf ihren Kompromiss zu verpflichten. Das Spiel ist riskant. Nicht nur für die Bischöfe, deren Reputation bei einem Scheitern der Verhandlungen leiden könnte. Sondern vor allem für den Kongo. Millionen von Kongolesen starben zwischen 1996 und 2003 in einer Reihe von Kriegen und Konflikten. Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1960 hat das riesige Land im Herzen Afrikas keinen friedlichen Machtwechsel hinbekommen.

(reuter/rv 26.12.2016 sk)

Papstbotschaft: Gewaltfreiheit als Lebensstil

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Papst Franziskus unterschreibt in seinem Arbeitszimmer ein Dokument

Der Vatikan hat an diesem Montag die Papstbotschaft zum nächsten Weltfriedenstag vorgestellt. Kardinal Peter Turkson vom Päpstlichen Friedensrat und Erzbischof Silvano Tomasi, bis Februar 2016 Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf, präsentierten das Schreiben mit dem Titel „Gewaltfreiheit – Stil einer Politik für den Frieden“ der Presse. Unterzeichnet hatte der Papst die Botschaft wie üblich schon am 8. Dezember, dem Hochfest der Unbefleckten Empfängnis der „Friedenskönigin“ Maria. Radio Vatikan fasst die Papstbotschaft zusammen.

Was meint Gewaltfreiheit als „Lebensstil“, in „Entscheidungen, Beziehungen und Handlungen“, und als Grundprinzip der „Politik in all ihren Formen“? Um diese Frage kreist die Papstbotschaft zur 50. Ausgabe des Weltfriedenstages am 1. Januar 2017. Der Papst spricht darin Erscheinungsformen von Gewalt in der Welt an, den „schrecklichen stückweisen Weltkrieg“, wie er sagt: Kriege und Kriminalität, bewaffnete Übergriffe und Terrorismus, Menschenhandel und Vertreibungen sowie die Zerstörung der Umwelt. Zu den Missständen, die mit dem Phänomen verknüpft sind, zählt Franziskus auch die weltweite Zweckentfremdung von Ressourcen für „militärische Zwecke“ statt sie für das Gemeinwohl einzusetzen.

Gewalt mündet in Unterdrückung und neue Gewaltspiralen, hält Franziskus fest, sie taugt nicht für die Zukunft des Planeten: „Die Gewalt ist nicht die heilende Behandlung für unsere zerbröckelte Welt“, schreibt der Papst: „Schlimmstenfalls kann sie zum physischen und psychischen Tod vieler, wenn nicht sogar aller führen.“

Gewalt sei auch zu Jesu Lebzeiten allgegenwärtig gewesen, erinnert Franziskus. Doch der Gottessohn, der aufgezeigt habe, dass das erste Schlachtfeld das menschliche Herz ist, predigte Vergebung und Feindesliebe. Die „christliche Revolution“ bestehe gerade darin, der Gewalt und Ungerechtigkeit eine „radikal positive Antwort“ entgegenzusetzen, dem Überfluss des Übels ein „Mehr an Liebe und Güte“. In dieser Linie verortet Franziskus das Wirken der Päpste, explizit nennt er seine Vorgänger seit dem Konzil, und der katholischen Kirche sowie – weiter gefasst – „vieler religiöser Traditionen, für die Mitleid und Gewaltlosigkeit wesentlich sind und den Weg des Lebens weisen“. Mit Nachdruck betont der Papst: „Keine Religion ist terroristisch. Die Gewalt ist eine Schändung des Namens Gottes.“

Bei diesem Friedenseinsatz gehe es um „aktive Gewaltfreiheit“, nicht um Kapitulation, Disengagement oder Passivität, präzisiert Franziskus. Als leuchtende Vorbilder nennt er etwa die Heilige Teresa von Kalkutta, Mahatma Gandhi oder die liberische Friedensnobelpreisträgerin Leymah Roberta Gbowee, die mit ihrem gewaltfreien Einsatz entscheidend zum Ende des Bürgerkrieges in dem afrikanischen Land beitrug. „Besonders die Frauen sind oft Vorreiterinnen von Gewaltfreiheit“, hält der Papst fest. Gewaltfreiheit als Haltung bedeute auch eine Absage an die Logik der Rache und Vergeltung: „Wenn die Opfer von Gewalt der Versuchung der Rache zu widerstehen wissen, können sie die glaubhaftesten Leitfiguren in gewaltfreien Aufbauprozessen des Frieden sein.“

Erste Schule der Gewaltfreiheit soll laut Papst die Familie sein. Franziskus verweist hier auf sein nachsynodales Schreiben „Amoris laetitia“. „Die Familie ist der unerlässliche Schmelztiegel, durch den Eheleute, Eltern und Kinder, Brüder und Schwestern lernen, sich zu verständigen und uneigennützig füreinander zu sorgen; hier müssen Spannungen oder sogar Konflikte kraftvoll, aber durch Dialog, Achtung, Suche nach dem Wohl des anderen, Barmherzigkeit und Vergebung überwunden werden. Aus dem Inneren der Familie springt die Freude der Liebe auf die Welt über und strahlt in die ganze Gesellschaft aus.“ Und er ruft dazu auf, häuslicher Gewalt und der Gewalt an Frauen und Kindern ein Ende zu setzen.

Der „Logik der Angst, der Gewalt und der Verschlossenheit“ erteilt der Papst mit Blick auf menschliche wie politische Verhältnisse eine Absage. Um den Frieden der Völker zu sichern, brauche es atomare Abrüstung, ja ein vollständiges Verbot und die Abschaffung dieser Massenvernichtungswaffen.

Christen und kirchliche Institutionen bauten heute in vielfacher Weise am Weltfrieden mit, erinnert der Papst weiter: in Erziehung und Bildung, Politik und Gesetzgebung. Auch das neue Vatikan-Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen“ stehe in dieser Optik. Für den Aufbau des Friedens habe das Christentum ein „Handbuch“ anzubieten, erinnert er mit Verweis auf die Bergpredigt Jesu. Die Entscheider in Politik und Wirtschaft, Religion und Gesellschaft ruft Franziskus dazu auf, in ihren jeweiligen Bereichen als „Handwerker des Friedens“ zu wirken und sich an Prinzipien der Solidarität und Barmherzigkeit zu orientieren. Hierbei gelte es etwa, sich für soziale Kohäsion einzusetzen, den Respekt vor jedem Menschen aufrechtzuerhalten und sich von der Logik des reinen Gewinnstrebens zu verabschieden. Die Seligpreisungen Jesu könnten hier ein Leitfaden sein, zeigt sich der Papst überzeugt.

(rv 12.12.2016 pr)