Warnung, Demonstrationen für Ehe und Familie in Mexiko zu ignorieren

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Die Demonstration auf dem Paseo de la Reforma, der Hauptverkehrsader von Mexiko-Stadt. Foto: Frente Nacional por la Familia

Nach den zahlreichen Märschen für die Familie, die am 24. September mit rund einer halben Million Teilnehmern in Mexiko-Stadt ihren Höhepunkt erreichten, haben die Organisatoren davor gewarnt, diese zu ignorieren oder falsch darzustellen.

Insbesondere Politiker, die „Initiativen gegen Familie und Kindererziehung“ unterstützten, müssten damit rechnen, dass „der politische Preis für ihre Parteien und sie selber sehr hoch sein wird“, sagte ein Sprecher der „Frente Nacional por la Familia„, die den Protest veranstalteten.

Auch Papst Franziskus hatte – am vergangenen Sonntag – seine Unterstützung für die Demonstrationen für Ehe und Familie betont. Vor dem Angelus auf dem Petersplatz stellte er sich hinter die Initiative und betonte, die Herausforderung bedürfe „heutzutage besonderer pastoraler und kultureller Aufmerksamkeit, auf der ganzen Welt“.

In einer Erklärung gegenüber CNA betonte Carlos Alberto Ramírez Ambriz, Präsident der mexikanischen Vereinigung „Dilo Bien“ (Sag es deutlich) und Sprecher des Frente Nacional, dass „Mexiko-Stadt am 24. September gebebt habe“ aufgrund der großen Zahl von Bürgern, „die für die Familie und für das Recht der Eltern, ihre Kinder zu erziehen, demonstriert haben“. Über 450.000 Menschen nahmen den Veranstaltern zufolge teil.

„Von jetzt an müssen die Politiker, die Familie und Kindheit angreifen und die vollständige Entwicklung unseres Landes behindern, damit rechnen, dass der politische Preis, den ihre Parteien und sie selber zahlen werden müssen, sehr hoch sein wird, falls sie mit ihren Angriffen weitermachen“, sagte Ramírez Ambriz.

Vom Mittag des 24. Septembers an gingen etwa eine halbe Million Mexikaner nach dem Aufruf des Frente Nacional por la Familia buchstäblich für ihre Anliegen auf die Straße; knapp zwei Wochen zuvor demonstrierten mehr als eine Million Mexikaner in 120 Städten zugunsten der Familie.

Der Präsident von „Dilo Bien“ betonte, dass die Demonstrationen in einem „familiären Klima, voll Freude und Hoffnung“ verlaufen seien.

Ramírez Ambriz kritisierte, dass „die bedeutendsten Medien die Teilnehmerzahlen gefälscht oder gänzlich über die Märsche geschwiegen“ hätten – dennoch dringe „in den sozialen Netzwerken die Wahrheit durch“ sagte er. 

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Quelle

Mexiko: Entführter Priester tot aufgefunden

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Mexiko gedenkt der ermordeten und entführten Priester

Der entführte katholische Priester José Alfredo López Guillén ist tot. Seine Leiche wurde am Sonntag in der Stadt Junamuato im Bundesstaat Michoacan gefunden. Das teilte die Staatsanwaltschaft mit. López Guillén war am Montag letzter Woche aus seinem Pfarrhaus entführt worden.

Ungefähr gleichzeitig hatte die Polizei außerdem im Bundesstaat Veracruz die Leichen von zwei weiteren Priestern entdeckt. Sie waren ebenfalls aus einem Pfarrhaus verschleppt worden. Laut Medienberichten wiesen die Leichen Folterspuren und Schussverletzungen auf. Veracruz und Michoacan gelten als besonders gefährliche Bundesstaaten, in denen rivalisierende Drogenkartelle um die Macht kämpfen.

Die Leiche von Pfarrer López Guillén wurde nicht weit von seiner Pfarrkirche gefunden, wie die mexikanischen Medien berichten. Dem Augenschein nach sei der Priester erschossen worden. Der Fall des entführten Priesters hatte in den letzten Tagen große Medienaufmerksamkeit erfahren; Gerüchte gingen um, López Guillén sei noch am letzten Donnerstag lebend gesehen worden, in einem 5-Sterne-Hotel, in Begleitung eines Minderjährigen.

Der Erzbischof von Morelia, Kardinal Alberto Suárez Inda, hatte letzte Woche in einer Youtube-Botschaft zunächst über die Entführung des engagierten Geistlichen informiert; jetzt bestätigte er den Mord an López Guillén und fügte hinzu: „Ich muss darauf hinweisen, dass in dieser Hinsicht Nachrichten ohne jede Substanz, in einigen Fällen absolut falsche Nachrichten verbreitet worden sind. Ich danke den Medien für ihr Interesse, aber bitte sie doch darum, dass sie sich an die Wahrheit halten.“

Die Ermittler konzentrieren sich nach Medienangaben auf die Drogenbanden. Alle drei getöteten Priester hatten das Treiben der Kartelle offenbar mit deutlichen Worten verurteilt. Am Sonntag hatte sich auch Papst Franziskus von Rom aus besorgt über die Gewalt in Mexiko geäußert.

Allein während der Präsidentschaft von Enrique Peña Nieto, also seit Dezember 2012, sind in Mexiko insgesamt fünfzehn Priester sowie zwei Katecheten umgebracht worden. Das Katholische Multimedia-Zentrum, abgekürzt CCM, spricht außerdem von zwei weiteren katholischen Priestern, die schon seit geraumer Zeit in der Hand von Entführern seien und über deren Schicksal man weiter nichts wisse.

Pfarrer José Alfredo López Guillén war 53 Jahre alt und Leiter der Dreifaltigkeitspfarrei von Junamuato. 2001 war er in Morelia zum Priester geweiht worden.

(rv 26.09.2016 sk)

Papst unterstützt Protest gegen gleichgeschlechtliche Ehe

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Die Demo in Mexiko-Stadt an diesem Samstag

Papst Franziskus hat am Sonntag Unterstützung für Mexikos Kirche im Einsatz gegen die sogenannte gleichgeschlechtliche Ehe geäußert. Vor dem Angelus auf dem Petersplatz stellte er sich hinter die Initiativen der Kirche und weiterer Gruppen „für die Familie und das Leben“; das erfordere „heutzutage besondere pastorale und kulturelle Aufmerksamkeit überall in der Welt“, so der Papst, ohne ins Detail zu gehen.

Zehntausende von Menschen hatten am Samstag in Mexiko-Stadt gegen einen Plan von Präsident Enrique Pena Nieto protestiert, die Ehe zwischen zwei Menschen desselben Geschlechts zu legalisieren. Auf Transparenten forderten die weißgekleideten Demonstranten auch ein Elternrecht auf Kontrolle der Inhalte ein, die bei der sexuellen Erziehung in Schulen an ihre Kinder weitervermittelt werden.

(rv 25.09.2016 sk)

Mexiko: Kirche an der Grenze

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Februar 2016: Franziskus an der Grenze Mexikos zu den USA

Sieben Monate, nachdem der Papst in Ciudad Juarez eine Messe gefeiert hat, wollen Mexikaner und US-Bürger in El Punto direkt an der Grenze zwischen beiden Ländern eine Kirche bauen. Das entsprechende Projekt sei dem schweizerischen Architektenbüro Herzog und Meuron anvertraut worden, berichtet die Nachrichtenagentur kath.ch. Franziskus hatte in unmittelbarer Nähe der Grenzbefestigungen, über die jedes Jahr Tausende von Mittelamerikanern die USA zu erreichen versuchen, am 17. Februar eine Messe zelebriert. Dabei hatte er vor 250.000 Menschen für alle Migranten gebetet.

„Hier in Ciudad Juaréz wie in anderen Grenzgebieten kommen Tausende von Migranten aus Mittelamerika und anderen Ländern zusammen – nicht zu vergessen die vielen Mexikaner, die ebenfalls versuchen, „auf die andere Seite“ zu kommen“, so der Papst in seiner Predigt in Ciudad Juarez. „Ein Durchgang, ein Weg, der überhäuft ist mit schrecklichen Ungerechtigkeiten: Versklavt, verschleppt, erpresst, sind viele unserer Brüder und Schwestern die Ausbeute des Geschäftes des Menschentransports, des Menschenhandels.“

Man könne „die humanitäre Krise nicht leugnen, die in den letzten Jahren die Migration von Tausenden von Menschen bedeutet hat“. „Diese menschliche Tragödie, die die Zwangsmigration darstellt, ist heutzutage ein globales Phänomen. Diese Krise, die man in Zahlen messen kann, wollen wir anhand von Namen, Geschichten und Familien ermessen. Es sind Brüder und Schwestern, die aufbrechen, vertrieben durch Armut und Gewalt, durch Drogenhandel und organisierte Kriminalität. Vor den vielen Gesetzeslücken streckt sich ein Netz aus, das immer die Ärmsten einfängt und zugrunde richtet.“

Papst Franziskus hatte bei seinem Aufenthalt in der Grenzstadt auch direkt am Zaun zu den USA gebetet. Seine Messe war auch in ein Stadion auf der US-Seite des Grenzflusses übertragen worden. Jetzt also sollen nach dem Willen der Initiatoren aus beiden Staaten am Ort der Papstmesse eine Kirche und ein grenzüberschreitendes Begegnungszentrum direkt am Grenzfluss Rio Grande entstehen. Die Kirche soll Kreuzesform haben und etwa 2.500 Menschen fassen können. Die Arbeiten beginnen voraussichtlich nächstes Jahr und sollen nach drei Jahren abgeschlossen sein.

(rv/cath.ch 25.09.2016 sk)

JOHANNES PAUL II. IN DER WALLFAHRTSKIRCHE VON GUADALUPE

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Sei gegrüßt, Mutter Lateinamerikas!

Homilie beim Gottesdienst in der Wallfahrtskirche von
Guadalupe am 27.1. 1979

1. Gruß dir, Maria!
Meine Freude ist groß, verehrte Brüder im Bischofsamt und geliebte Söhne und Töchter, daß die ersten Schritte meiner Wallfahrt als Nachfolger Pauls VI. und Johannes Pauls I. mich gerade hierher führen. Sie führen mich zu dir, Maria, in dieses Heiligtum des Volkes von Mexiko und von ganz La­teinamerika, in dem du dich seit so vielen Jahrhunderten als Mutter kund­getan hast.

Gruß dir, Maria!
Mit großer Liebe und Ehrfurcht spreche ich diese so schlichten und gleich­zeitig so wundervollen Worte aus. Niemand wird dich je in einer wunderba­ren Weise grüßen können, als es damals der Engel bei der Verkündigung getan hat! Gegrüßest seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Diese Worte wiederhole ich, die so viele Herzen in aller Welt in sich tragen und so viele Lippen bekennen. Wir alle, die wir hier anwesend sind, wieder­holen sie zusammen im Bewußtsein, daß dies die Worte sind, mit denen Gott selbst durch seinen Boten dich begrüßt hat, dich, die Frau, im Garten Eden uns versprochen und von Ewigkeit her erwählt als Mutter des Wortes, Mutter der göttlichen Weisheit, Mutter des Gottessohnes.

2. Dein Sohn Jesus Christus ist unser Erlöser und Herr. Er ist unser Meister. Wir alle, die wir hier vereint sind, sind seine Jünger. Wir sind die Nachfolger der Apostel, denen der Herr gesagt hat: „Geht also zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen ‚Jüngern‘ und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles befolgen, was ich euch geboten habe. Und seht, ich bin bei euch alle Tage bis zur Voll­endung der Welt“ (Mt 28, 19-20).

Wir, der Nachfolger Petri und die Nachfolger der Apostel, die wir hier ver­sammelt sind, legen Zeugnis davon ab, daß sich diese Worte hier in diesem Land auf wunderbare Weise erfüllt haben.

Seitdem im Jahre 1492 die Verkündigung der Frohen Botschaft in der Neuen Welt begonnen hat, gelangt der Glaube schon gut 20 Jahre später nach Mexiko. Nur wenig später entsteht das erst Erzbistum unter der Lei­tung von Juan de Zumärraga, auf den andere große Gestalten von Verkün­dern der Frohen Botschaft folgen, die das Christentum bis in weit entfernte Gegenden verbreiten.

Andere nicht weniger glorreiche Lobgesänge werden in diesem Erdteil auf Männer angestimmt, wie auf den hl. Toribio von Mogroviejo und noch viele andere, die es verdienten, hier genannt zu werden. Die Verbreitung des Glaubens schreitet dann ohne Unterbrechung voran, und nach einem Jahr­hundert der Verkündigung der Frohbotschaft gibt es auf dem neuen Konti­nent mehr als 70 Bischofssitze mit 4 Millionen Christen. Ein einmaliger Vorgang, der sich über lange Zeit fortsetzt und bis zum heutigen Tag, nach fünf Jahrhunderten der Evangelisation, fast die Hälfte der ganzen katholi­schen Kirche umfaßt, die in der Kultur des lateinamerikanischen Volkes verwurzelt und Bestandteil seiner eigenen Identität ist.

Und in dem Maß, in dem sich in diesen Ländern der Auftrag Christi erfüllte, in dem Maß, in dem durch die Taufgnade überall die Zahl der Gotteskinder zunahm, erscheint auch die Mutter. In der Tat, dir, Maria, zeigte der Sohn Gottes und gleichzeitig dein Sohn von der Höhe des Kreuzes herab einen Mann und sagte: „Frau, da ist dein Sohn“ (Joh 19, 26). In diesem Mann hat er dir jeden Menschen anvertraut, hat er dir uns alle anvertraut. Und du, die du im Augenblick der Verkündigung mit diesen einfachen Worten: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mit mir geschehe, was du gesagt hast“ (Lk 1, 38), das ganze Programm ihres Lebens zusammengefaßt hast, umarmst alle, näherst dich allen und suchst alle wie eine Mutter. Auf diese Weise er­füllt sich, was das letzte Konzil über deine Gegenwart im Geheimnis Christi und der Kirche erklärt hat. Auf immer gehörst du in wunderbarer Weise zum Geheimnis Christi, deines eingeborenen Sohnes, weil du immer dort stehst, wo die Menschen, seine Brüder, stehen, wo die Kirche steht.

Tatsächlich lehrten die ersten Missionare, die in Amerika ankamen und aus Ländern mit einer hervorragenden marianischen Tradition stammten, mit den Grundlagen des christlichen Glaubens auch die Liebe zu dir, der Mutter Jesu und aller Menschen. Seitdem der Indio Juan Diego von der Lieben Frau von Tepeyac kündete, trittst du, Mutter von Guadalupe, in entschei­dender Weise in das christliche Leben des Volkes von Mexiko ein. Ebenso bedeutend ist deine Gegenwart an anderen Orten geworden, wo die Gläu­bigen dich unter verschiedenen Namen liebevoll verehren, wie Unsere Liebe Frau von der Hohen Gnade, von der Erscheinung, von Lujän und an­deren ebenso innigen Namen, um nicht eine endlose Reihe nennen zu müs­sen, mit denen in jeder Nation und sogar in jeder Gegend die Völker Latein­amerikas dir ihre tiefste Verehrung bekunden und wo du sie beschützt auf ihrer gläubigen Pilgerschaft.

Der Papst — der aus einem Land kommt, in dem deine Bilder, besonders je­nes von Jasna Góra, auch ein Zeichen deiner Gegenwart im Leben der Na­tion mit ihrer gefahrvollen Geschichte sind — hat ein besonderes Empfinden für dieses Zeichen deiner Gegenwart hier im Leben des Gottesvolkes von Mexiko, in seiner Geschichte, die auch nicht leicht und manchmal sogar dramatisch war. Aber du bist in gleicher Weise gegenwärtig im Leben so vieler anderer Völker und Nationen Lateinamerikas dadurch, daß du nicht nur seine fernere oder nähere Vergangenheit prägst und bestimmst, son­dern auch die Gegenwart mit ihren Unsicherheiten und Schatten. Dieser Papst nimmt im Innersten seines Herzens die besonderen Bindungen wahr, die dich mit diesem Volk einen und dieses Volk mit dir. Dieses Volk, das dich begeistert „La Morenita“ nennt. Dieses Volk — und mit ihm dieser ganze riesige Kontinent — lebt in einer geistlichen Einheit dank der Tatsa­che, daß du die Mutter bist. Eine Mutter, die mit ihrer Liebe wirkt, bewahrt und ihren Söhnen und Töchtern immer wieder Gelegenheit gibt, sich nä­hern zu können.

3. Wir treffen uns in einer außergewöhnlichen und eindrucksvollen Stunde der Weltgeschichte. Wir kommen zu diesem Ort im Bewußtsein, daß wir uns an einem entscheidenden Punkt der Entwicklung befinden. Mit dieser Bischofsversammlung wollen wir an die vorhergegangene Vollversamm­lung der lateinamerikanischen Bischöfe anknüpfen, die vor zehn Jahren in Medellin stattgefunden hat, in zeitlichem Zusammenhang mit dem Eucha­ristischen Weltkongreß von Bogotá, und an der der unvergessene Papst Paul VI. teilgenommen hat. Wir sind nicht so sehr deswegen hierherge­kommen, um nach Ablauf von zehn Jahren das gleiche Problem noch ein­mal zu behandeln, sondern eher, um es auf eine neue Weise, an einem neuen Ort und in einem neuen historischen Augenblick zu überprüfen. Wir wollen dabei das als Ausgangspunkt nehmen, was in den Dokumenten und Beschlüssen jener Konferenz enthalten ist. Gleichzeitig versuchen wir, auf der Basis der Erfahrung dieser zehn Jahre und der Entwicklung des Denkens sowie im Licht der Erfahrungen der ganzen Kirche einen richtigen und notwendigen Schritt nach vorne zu tun.

Die Konferenz von Medellin fand kurze Zeit nach Beendigung des Zweiten Vatikanischen Konzils statt, des Konzils unseres Jahrhunderts, und hatte zum Gegenstand, die dadurch entstandenen neuen Fragestellungen und wesentlichen Inhalte des Konzils aufzugreifen, um sie auf die konkrete Si­tuation der lateinamerikanischen Kirche anzuwenden oder sie zur Orientie­rung zu nehmen.

Ohne das Konzil wäre die Versammlung von Medellin nicht möglich gewe­sen; diese wollte ein Impuls sein für die pastorale Erneuerung, ein neuer „Geist“, um der Zukunft ein neues Antlitz zu geben, und dies in voller kirchlicher Treue und in Auslegung der Zeichen der Zeit in Lateinamerika. Die Absicht der Evangelisation war sehr klar und trat in den behandelten 16 Themen offen zu Tage, die sich auf drei große, sich gegenseitig ergän­zende Themenkreise verteilten: menschlicher Fortschritt, Evangelisation und Wachstum im Glauben, die konkrete Kirche und ihre Strukturen. Mit einer Option für den Menschen Lateinamerikas, betrachtet in all seinen Lebensbereichen, mit seiner vorzugsweisen, aber nicht ausschließlichen Liebe für die Armen, mit seinem mutigen Einsatz für die vollständige Be­freiung der Menschen und Völker war Medellin — und die dort gegenwär­tige Kirche — ein Ruf der Hoffnung auf christlichere und menschlichere Ziele hin.

Aber es sind seitdem mehr als zehn Jahre vergangen. Und es entstanden In­terpretationen von zuweilen gegensätzlicher, nicht immer richtiger und für die Kirche brauchbarer Art. Deswegen sucht die Kirche nach Wegen, die es ihr ermöglichen, die von Jesus Christus erhaltene Sendung tiefer zu verste­hen und mit größerem Einsatz durchzuführen.

Eine große Bedeutung hatten in diesem Zusammenhang die Versammlun­gen der Bischofssynode, die in diesen Jahren stattfanden, vor allem die von 1974 über die Evangelisation, deren Ergebnisse dann in lebendiger und ermutigender Weise im Apostolischen Schreiben Evangelii nuntiandi Pauls VI. zusammengefaßt wurden.

Das ist das Thema, das wir heute über unserem Arbeitstisch anbringen, das wir uns zum Studium vornehmen: „Die Evangelisation in der Gegenwart und für die Zukunft Lateinamerikas.“

Wenn wir uns an diesem heiligen Ort versammeln, um unsere Arbeit zu be­ginnen, tritt uns der Abendmahlssaal in Jerusalem vor Augen, der Ort der Einsetzung der hl. Eucharistie. Im gleichen Abendmahlssaal versammelten sich die Apostel nach der Himmelfahrt des Herrn, damit sie, mit Maria, der Mutter des Herrn, im Gebet vereint, ihr Herz bereiten konnten, um den Heiligen Geist zu empfangen im Augenblick der Geburtsstunde der Kirche. Wir kommen auch deshalb hierher; auch wir hoffen auf die Herabkunft des Heiligen Geistes, der uns die Wege der Evangelisierung erkennen läßt, auf denen die Kirche in unserem Kontinent wirken und sich erneuern muß. Auch wir wollen heute und in den nächsten Tagen im Gebet mit Maria, der Mutter unseres Herrn und Meisters, verweilen: mit dir, Mutter der Hoff­nung, Mutter von Guadalupe.

4. Gestatte also, daß wir, ich, Johannes Paul II., Bischof von Rom und Papst, zusammen mit meinen Brüdern im Bischofsamt, die die Kirche von Mexiko und von ganz Lateinamerika vertreten, in diesem feierlichen Au­genblick dir, der Magd des Herrn, das kostbare Erbe des Evangeliums, des Kreuzes, der Auferstehung, wofür wir alle Zeugen, Apostel, Lehrer und Bi­schöfe sind, anvertrauen und darbringen.

Du, unsere Mutter! Hilf uns, treue Ausspender der großen Geheimnisse Gottes zu sein. Hilf uns, die Wahrheit zu lehren, die dein Sohn verkündet hat, und die Liebe zu verbreiten, die das wichtigste Gebot und die erste Frucht des Heiligen Geistes ist. Hilf uns, unsere Brüder im Glauben zu be­stärken. Hilf uns, die Hoffnung auf das ewige Leben zu wecken. Hilf uns, die großen Schätze zu behüten, die in den Seelen des uns anvertrauten Vol­kes Gottes enthalten sind.

Dir bringen wir das ganze Gottesvolk hier dar. Dir weihen wir die Kirche von Mexiko und des ganzen Kontinents. Wir bieten sie dir an als dein Eigentum. Du, die du in den Herzen der Menschen Eingang gefunden hast durch das Zeichen deiner Gegenwart, dein Gnadenbild im Heiligtum von Guadalupe, mache diese Herzen zu deiner bleibenden Wohnstätte, jetzt und auch in Zukunft. Sei stets gegenwärtig in unseren Familien, in unseren Pfarreien, in unseren Missionen und Diözesen und in allen Völkern.

Dies geschehe durch die heilige Kirche, die, indem sie dich, die Mutter, nachahmt, selbst eine gute Mutter zu sein wünscht. Sie möchte den Gläubi­gen in allen ihren Nöten beistehen, dadurch, daß sie das Evangelium ver­kündet, die Sakramente spendet, das Leben der Familien durch das Sakra­ment der Ehe schützt, alle durch das Sakrament des Altares in der euchari­stischen Gemeinschaft vereint und sie von der Wiege bis zum Eintritt in die Ewigkeit in Liebe begleitet.

Du, unsere Mutter! Wecke in den jungen Generationen die Bereitschaft zum vorbehaltlosen Dienst für Gott. Erflehe uns auch in diesem Land ge­nügend Berufungen zum Priestertum und Ordensleben.

Unsere Mutter! Stärke den Glauben aller unserer Brüder und Schwestern im Laienstand, auf daß sie in allen Bereichen des sozialen, beruflichen, kul­turellen und politischen Lebens nach der Wahrheit und dem Gesetz han­deln, das dein Sohn der Menschheit verkündet hat, um alle zum ewigen Heil zu führen und gleichzeitig auch das Leben auf der Erde menschlicher und menschenwürdiger zu machen.

Die Kirche, die in den amerikanischen Nationen wirkt, die Kirche in Me­xiko will mit all ihren Kräften dieser erhabenen Sendung dienen mit einem erneuerten missionarischen Geist. Du, unsere Mutter! Mach, daß wir dir in Wahrheit und Gerechtigkeit zu dienen vermögen. Mach, daß wir selbst die­sem Weg folgen und andere darauf führen, ohne uns jemals auf Abwege zu verirren und die anderen mitzureißen.

Wir bringen sie dir dar und empfehlen dir alle und alles, was immer Gegen­stand unserer pastoralen Verantwortung ist, indem wir darauf vertrauen, daß du immer bei uns bist und uns verwirklichen hilfst, was dein Sohn uns aufgetragen hat (vgl. Joh 2, 5). Mit diesem grenzenlosen Vertrauen, das wir zu dir haben, wollen wir, ich, Johannes Paul II., zusammen mit allen meinen Brüdern im Bischofsamt von Mexiko und Lateinamerika, dich noch enger mit unserem Amt, mit der Kirche und dem Leben dieser unserer Nationen verbinden. Wir möchten unsere ganze Zukunft, die Zukunft der Evangeli­sierung in Lateinamerika in deine Hände legen.

Königin der Apostel! Nimm an unsere Bereitschaft, der Sache deines Soh­nes, der Sache des Evangeliums und des Friedens, die auf der Gerechtigkeit und der Liebe zwischen den Menschen und den Völkern gegründet ist, vor­behaltlos zu dienen.

Königin des Friedens! Bewahre die Nationen und Völker des ganzen Kon­tinents, die so sehr auf dich vertrauen, vor Kriegen, Haß und Gewalt. Mach, daß alle, Regierende und Staatsbürger, lernen, in Frieden zu leben, sich zum Frieden zu erziehen und zu tun, was die Gerechtigkeit und die Achtung der Rechte eines jeden Menschen fordern, damit sich der Friede festigt.

Nimm an diese unsere vertrauensvolle Hingabe, du Magd des Herrn. Möge deine mütterliche Gegenwart im Geheimnis Christi und der Kirche sich in eine Quelle der Freude und der Freiheit für jeden einzelnen und für alle verwandeln; Quelle jener Freiheit, zu der „Christus uns geführt hat“ (Gal 5, 1), und jenes Friedens, den die Welt nicht geben kann, den nur einer gibt, Christus (vgl. Joh 14, 27).

Schließlich erwähnen und bestätigen wir, o Mutter, den Akt meiner Vor­gänger, Benedikts XIV. und Pius‘ X., die dich zur Patronin Mexikos und ganz Lateinamerikas ausgerufen haben. Ich biete dir im Namen aller deiner mexikanischen und lateinamerikanischen Kinder ein Diadem an, damit du sie unter deinem Schutz bewahrst und ihre Eintracht im Glauben und ihre Treue zu Christus, deinem Sohn, behütest. Amen.

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Quelle: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls – 5 – Predigten und Ansprachen von Papst Johannes Paul II. bei seiner Reise in die Dominikanische Republik und nach Mexiko – 26. Jan. bis 4. Febr. 1979

(Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz)

Siehe ferner:

Die Harmonie des gemeinsamen Glaubens offenbaren

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Ansprache von Papst Franziskus beim Angelusgebet am 21. Februar

Vatikanstadt. Papst Franziskus gab am Sonntag, 21. Februar, seinen Zuhörern beim Angelusgebet auf dem Petersplatz ein Geschenk mit. Freiwillige, darunter auch Flüchtlinge, Arme und Obdachlose, verteilten als Arznei gestaltete Schachteln mit Rosenkranz, Jesusbild und einer Art Packungsbeilage für die Seele an die Besucher. Die Schachteln trugen die Abbildung eines menschlichen Herzens und die Aufschrift »Misericordina«. »Nehmt dieses Geschenk als geistliche Hilfe, um besonders in diesem Heiligen Jahr der Barmherzigkeit Liebe, Vergebung und Brüderlichkeit zu verbreiten«, sagte Franziskus.

Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag!

Der zweite Sonntag der Fastenzeit unterbreitet uns das Evangelium von der Verklärung Jesu.

Die Apostolische Reise, die ich in den vergangenen Tagen nach Mexiko unternommen habe, ist eine Erfahrung der Verklärung gewesen. Warum? Weil der Herr uns das Licht seiner Herrlichkeit durch den Leib seiner Kirche, seines heiligen Volkes, das in jenem Land lebt, gezeigt hat. Ein oftmals verletzter Leib, ein oftmals unterdrücktes, verachtetes, in seiner Würde verletztes Volk. Und doch waren die verschiedenen Begegnungen in Mexiko voller Licht: das Licht des Glaubens, das die Gesichter verklärt und den Weg erhellt.

Der geistliche Schwerpunkt der Pilgerreise war das Heiligtum der Gottesmutter von Guadalupe. Vor dem Bild der Mutter in Stille zu verweilen war, was ich mir vor allem anderen vorgenommen hatte. Und ich danke Gott, dass er es mir gewährt hat. Ich habe Betrachtung gehalten, und ich habe mich von der Frau anschauen lassen, die in ihren Augen die Blicke all ihrer Kinder eingeprägt trägt und die Schmerzen aufnimmt, die durch Gewalttaten, Entführungen, Ermordungen, Übergriffe zum Schaden vieler armer Menschen, vieler Frauen verursacht worden sind. Guadalupe ist das meistbesuchte Marienheiligtum der Welt. Aus ganz Amerika kommen die Menschen, um dort zu beten, wo sich die Virgen Morenita einem Indio, dem heiligen Juan Diego, gezeigt hat und so den Beginn der Evangelisierung des Kontinents und seiner neuen Zivilisation, Frucht der Begegnung verschiedener Kulturen, setzte.

Und das ist das eigentliche Erbe, das der Herr Mexiko übergeben hat: den Reichtum der Verschiedenheit zu bewahren und gleichzeitig die Harmonie des gemeinsamen Glaubens zu offenbaren, eines aufrechten und festen Glaubens, der von einer großen Fülle an Vitalität und Menschlichkeit begleitet wird. Wie meine Vorgänger bin auch ich gekommen, um den Glauben des mexikanischen Volkes zu stärken, aber auch um gleichzeitig meinerseits von ihm gestärkt zu werden; ich habe dieses Geschenk mit dankbaren Händen angenommen, damit es zum Wohl der universalen Kirche gereiche.

Ein leuchtendes Beispiel für das, was ich sage, geben die Familien: die mexikanischen Familien haben mich voll Freude als Botschafter Christi, als Hirten der Kirche aufgenommen; doch ihrerseits haben sie mir klare und starke Zeugnisse geschenkt, Zeugnisse des gelebten Glaubens, des Glaubens, der das Leben verklärt zur Erbauung aller christlichen Familien der Welt. Dasselbe kann man von den Jugendlichen, den Personen geweihten Lebens, den Priestern, den Arbeitern, den Häftlingen sagen.

Deshalb danke ich dem Herrn und der Jungfrau von Guadalupe für das Geschenk dieser Pilgerreise. Darüber hinaus danke ich dem Präsidenten von Mexiko und den anderen zivilen Obrigkeiten für den herzlichen Empfang; ich danke von ganzem Herzen meinen Brüdern im Bischofsamt und allen Menschen, die auf vielerlei Weise mitgewirkt haben.

Einen besonderen Lobpreis erheben wir zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit, weil sie es gewollt hat, dass es bei dieser Gelegenheit in Kuba zur Begegnung zwischen dem Papst und dem Patriarchen von Moskau und ganz Russland, dem lieben Bruder Kyrill, gekommen ist; eine auch von meinen Vorgängern so sehr ersehnte Begegnung. Auch dieses Ereignis ist ein prophetisches Licht der Auferstehung, dessen die Welt heute mehr denn je bedarf. Die allerseligste Mutter Gottes möge uns weiter auf dem Weg der Einheit führen. Wir wollen zur Gottesmutter von Kasan beten, von der mir der Patriarch eine Ikone geschenkt hat.

Nach dem Angelusgebet sagte der Papst:

Liebe Brüder und Schwestern, morgen wird in Rom eine internationale Tagung zum Thema »Für eine Welt ohne Todesstrafe« stattfinden, die von der Gemeinschaft »Sant’Egidio« veranstaltet wird. Ich spreche die Hoffnung aus, dass das Symposium dem Einsatz für die Abschaffung der Todesstrafe neue Impulse geben kann. Ein Zeichen der Hoffnung bildet die in der öffentlichen Meinung feststellbare Entwicklung einer immer mehr verbreiteten Abneigung gegen die Todesstrafe, sei es auch nur als Werkzeug der sozialen Notwehr. Tatsächlich haben die modernen Gesellschaften die Möglichkeit, das Verbrechen wirksam zu bekämpfen, ohne dabei endgültig dem, der es begangen hat, die Möglichkeit zu nehmen, sich zu bewähren. Das Problem muss in die Perspektive einer Strafjustiz eingeordnet werden, die immer mehr der Menschenwürde und dem Plan Gottes für den Menschen und die Gesellschaft und auch einer Strafjustiz entspricht, das für die Hoffnung auf die Wiedereingliederung in die Gesellschaft offen ist. Das Gebot »Du sollst nicht töten!« ist von absolutem Wert und betrifft sowohl den Unschuldigen als auch den Schuldigen.

Das außerordentliche Jubiläum der Barmherzigkeit ist eine günstige Gelegenheit, um in der Welt immer reifere Formen der Achtung für das Leben und die Würde eines jeden Menschen zu fördern. Auch der Kriminelle behält das unveräußerliche Recht auf das Leben, Geschenk Gottes. Ich appelliere an das Gewissen der Regierenden, damit ein internationaler Konsens zur Abschaffung der Todesstrafe erreicht werde. Und all jenen unter ihnen, die katholisch sind, schlag ich vor, ein mutiges und beispielhaftes Zeichen zu setzen: dass in diesem Heiligen Jahr der Barmherzigkeit kein Todesurteil vollstreckt werde.

Alle Christen und alle Menschen guten Willens sind heute dazu aufgerufen, nicht nur für die Abschaffung der Todesstrafe zu wirken, sondern auch dafür, die Haftbedingungen in Achtung der Menschenwürde der ihrer Freiheit beraubten Personen zu verbessern.

Herzlich grüße ich die Familien, die Pfarrgruppen, die Vereinigungen und alle Pilger aus Rom, Italien und verschiedenen Ländern.

Ich grüße die Gläubigen aus Sevilla, Cádiz, Ceuta (Spanien) sowie jene aus Triest, Corato, Turin. Einen besonderen Gedanken richte ich an die vom Diener Gottes Don Oreste Benzi gegründete Gemeinschaft »Papa Giovanni XXIII«, die am kommenden Freitag durch die Straßen des Zentrums von Rom einen Kreuzweg der Solidarität und des Gebets für die Frauen organisieren wird, die Opfer des Frauenhandels sind.

Die Fastenzeit ist eine geeignete Zeit, um einen Weg der Umkehr einzuschlagen, dessen Mittelpunkt die Barmherzigkeit ist. Deshalb habe ich heute gedacht, euch, die ihr hier auf dem Platz seid, eine »geistliche Medizin« zu schenken, die Misericordina heißt. Schon einmal haben wir das gemacht, doch diese ist von besserer Qualität: das ist das Misericordina plus. Eine kleine Schachtel, die einen Rosenkranz und ein Bild des barmherzigen Jesus enthält. Jetzt werden sie die Ehrenamtlichen verteilen, unter denen Arme, Obdachlose, Flüchtlinge und auch Ordensleute sind. Nehmt dieses Geschenk als eine geistliche Hilfe an, um besonders in diesem Jahr der Barmherzigkeit die Liebe, die Vergebung und die Brüderlichkeit zu verbreiten.

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag. Bitte vergesst nicht, für mich zu beten. Gesegnete Mahlzeit und auf Wiedersehen!

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Quelle: Osservatore Romano 8/2016

PAPST FRANZISKUS: ANTWORTEN AUF DIE FRAGEN DER JOURNALISTEN

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APOSTOLISCHE REISE VON PAPST FRANZISKUS NACH MEXIKO
(12.-18. FEBRUAR 2016)

PRESSEKONFERENZ MIT DEM HEILIGEN VATER
AUF DEM RÜCKFLUG VON CIUDAD JUÁREZ NACH ROM

Mittwoch, 17. Februar 2016

[Multimedia]

 

(Pater Lombardi)

Heiliger Vater, danke, dass Sie wie am Ende jeder Reise hier sind für ein zusammenfassendes Gespräch, für einen großen Überblick über die Reise; danke für Ihre Bereitschaft, auf viele Fragen unserer internationalen Gemeinschaft zu antworten. Wie gewöhnlich, haben wir die verschiedenen Sprachgruppen gebeten, sich untereinander zu verständigen und einige Fragen vorzulegen, aber natürlich beginnen wir mit den Kollegen aus Mexiko. So bitten wir Sie, den ersten beiden auf Spanisch zu antworten und danach auf Italienisch, weil mehrere Kollegen das besser verstehen.

Die erste Frage stellt Maria Eugenia Jimenez Calíz von „Milenio“ einer bedeutenden mexikanischen Tageszeitung.

(Maria Eugenia Jimenez Calíz)

Heiliger Vater, in Mexiko gibt es Tausende von Verschwundenen (desaparecidos), doch der Fall der 43 aus Ayotzinapa ist ein emblematischer Fall. Ich möchte Sie fragen, warum Sie sich nicht mit ihren Angehörigen getroffen haben, und auch eine Botschaft für die Angehörigen der Tausenden von Verschwundenen…

(Papst Franziskus)

Also, wenn Sie die Botschaften lesen – da gab es immer wieder Hinweise auf die Ermordeten, auf die Toten, auf die von all diesen Banden des Drogen- und des Menschenhandels geforderten Leben. Das heißt, ich habe von diesem Problem als einer der Plagen gesprochen, unter denen Mexiko leidet. Es gab einige Versuche, Personen zu empfangen, und es waren viele Gruppen, die sogar untereinander zerstritten sind, mit internen Kämpfen. Da habe ich es vorgezogen zu sagen, dass ich sie in der Messe alle sehen würde, in der Messe in Juárez, wenn sie wollten, oder auch in einer anderen, aber ich war dafür offen und bereit. Es war praktisch unmöglich, alle Gruppen zu empfangen, die andererseits auch untereinander aufgesplittert waren. Es ist eine Situation, die  für mich, der ich Ausländer bin, natürlich schwer verständlich ist, nicht wahr? Doch ich glaube, dass auch die mexikanische Gesellschaft Opfer all dessen ist: der Kriminalität, dass man Menschen verschwinden lässt, dass Menschen „weggeworfen“ werden. Ich habe in den Ansprachen, wo ich nur konnte, darüber gesprochen, und Sie können das dort feststellen. Es ist ein tiefer Schmerz, den ich mitnehme, denn dieses Volk verdient eine solche Tragödie nicht.

(Pater Lombardi)

Danke. Und jetzt geben wir das Wort an Javier Solorzano Zinser von „Canal Once“.

(Javier Solorzano Zinser)

Vielen Dank. Papst Franziskus, vielen Dank. Das Problem der Pädophilie hat in Mexiko, wie Sie wissen, sehr gefährliche, sehr schmerzliche Wurzeln. Der Fall von Pater Maciel hat tiefe Spuren hinterlassen, vor allem bei den Opfern. Die Opfer fühlen sich weiterhin nicht geschützt von der Kirche, viele von ihnen stehen weiter fest im Glauben, einige von ihnen haben sogar den Weg des Priestertums verfolgt. Ich frage Sie: Wie denken Sie über dieses Thema? Haben Sie irgendwann daran gedacht, sich mit den Opfern zu treffen? Und was meinen Sie allgemein zu der Idee, dass man die Priester, wenn sie schließlich für Fälle dieser Art entdeckt werden, nur in eine andere Pfarrei versetzt und weiter nichts… Wie sehen Sie diese Angelegenheit? – Und vielen Dank.

(Papst Franziskus)

Gut. Ich beginne mit dem zweiten Punkt. Ein Bischof, der einen Priester in eine andere Pfarrei versetzt, wenn ein Fall von Pädophilie entdeckt wird, ist verantwortungslos, und das Beste, was er tun kann, ist, seinen Rücktritt einzureichen. Ist das klar? – Zweitens: zurück zum Fall Maciel. Hier erlaube ich mir, den Mann zu ehren, der zu einer Zeit kämpfte, in dem er nicht die Kraft hatte, sich durchzusetzen, bis er sich schließlich durchsetzen konnte: Ratzinger. Kardinal Ratzinger – ein Applaus für ihn! – ist ein Mann, der die gesamte Dokumentation hatte. Als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre hatte er alles in der Hand, führte die Untersuchungen durch und kam näher, näher, näher, näher, und konnte in der Ausführung nicht darüber hinausgehen. Doch wenn Sie sich erinnern: Zehn Tage bevor der heilige Johannes Paul II. starb, sagte jener Kreuzweg der ganzen Kirche, dass die Schweinereien, der „Schmutz“ in der Kirche gesäubert werden musste. Und in der Messe Pro Eligendo Pontifice – er ist nicht dumm, er wusste, dass er ein Kandidat war – ging es ihm nicht darum, seine Position zu verschleiern, und er sagte genau dasselbe. Das heißt, er war der Mutige, der vielen geholfen hat, diese Tür zu öffnen. So möchte ich das in Erinnerung rufen, denn manchmal vergessen wir diese verborgenen Arbeiten, die das sind, was die Grundlagen dafür bereitet, den Topf aufzudecken. – Drittens: Wir arbeiten reichlich. Ich habe mit dem Kardinal Staatssekretär gesprochen und auch mit dem Team des Neunerrats der Kardinäle, und nachdem ich sie angehört habe, habe ich entschieden, einen dritten zusätzlichen Sekretär in der Kongregation für die Glaubenslehre zu ernennen, der sich nur mit diesen Fällen beschäftigen soll – denn die Kongregation schafft es nicht neben allem, was sie zu tun hat – also einen, der diese Dinge zu handhaben weiß. Außerdem wurde ein Appellationsgericht eingesetzt unter dem Vorsitz von Monsignore Scicluna, der die Fälle der zweiten Instanz behandelt, das heißt, wenn jemand Berufung einlegt. Die erste Instanz wird nämlich von der sogenannten „feria quarta“, der Mittwochs-Versammlung der Kongregation für die Glaubenslehre geprüft. Es ist nicht gerecht, dass ein Berufungsfall an die erste Instanz zurückverwiesen wird. Daher die zweite Instanz, die bereits ein auch legales Profil hat mit einem Verteidiger. Doch wir müssen zur Eile drängen, denn wir sind mit den Fällen ziemlich im Rückstand, denn es tauchen [weitere] Fälle auf. – Viertens: Eine weitere Einrichtung, die sehr gut arbeitet, ist die Kommission für den Schutz der Minderjährigen. Sie ist nicht strikt auf die Pädophilie-Fälle beschränkt, sondern allgemein auf den Schutz der Minderjährigen. Dort habe ich mich einen ganzen Vormittag lang selbst mit sechs Missbrauchsopfern getroffen – zwei Deutsche, zwei Irländer und zwei Engländer, Männer und Frauen –, und auch in Philadelphia habe ich mich mit Opfern getroffen. Auch dort hatte ich an einem Vormittag eine Versammlung mit ihnen. Das heißt, es wird gearbeitet. Doch ich danke Gott, dass der Topf aufgedeckt wurde, und man muss ihn weiterhin aufdecken und sich der Sache bewusst werden. Ich möchte abschließend sagen, dass es eine Scheußlichkeit ist, denn ein Priester ist geweiht, um ein Kind zu Gott zu führen, und dort wird es in einem teuflischen Opfer „verzehrt“ und zerstört. Und nun, was den Fall Maciel betrifft, kommen wir auf die Kongregation zurück: Es ist sind umfangreiche Maßnahmen ergriffen worden; die Kongregationsleitung steht teileweise unter Aufsicht, das heißt, der Generalobere wird vom Rat, vom Generalkapitel gewählt, aber den Vikar wählt der Papst. Zwei Generalräte werden vom Generalkapitel gewählt, und weitere zwei wählt der Papst. Auf diese Weise helfen wir, Altlasten zu überprüfen.

(Pater Lombardi)

Danke.

(Papst Franziskus)

Wer das nicht verstanden hat, möge einen Spanier bitten, ihm zu erklären, was ich gesagt habe…

(Pater Lombardi)

Jetzt erteilen wir Phil Pullella von Reuters das Wort, den alle Unsrigen sehr gut kennen.

(Phil Pullella)

Guten Abend, Heiligkeit. Sie haben heute sehr vielsagend von den Problemen der Migranten gesprochen. Auf der anderen Seite der Grenze läuft allerdings eine recht harte Wahlkampagne. Einer der Kandidaten für das Weiße Haus, der Republikaner Donald Trump, hat kürzlich in einem Interview gesagt, Sie seien ein Mann der Politik, und er hat sogar gesagt, dass Sie vielleicht auch eine Marionette, ein Werkzeug der mexikanischen Regierung sind für die Einwanderungspolitik. Er hat erklärt, dass er im Fall seiner Wahl eine 2.500 km lange Mauer entlang der Grenze bauen will; dass er elf Millionen illegale Einwanderer deportieren will, womit er Familien auseinanderreißt usw. Nun möchte ich vor allem fragen, was Sie zu diesen Anschuldigungen gegen Sie meinen und ob ein amerikanischer Katholik einen solchen Menschen wählen kann.

(Papst Franziskus)

Aber Gott sei Dank, dass er gesagt hat, ich sei ein Mann der Politik, denn Aristoteles definiert den Menschen als „animal político“ [spanische Übersetzung von zoon politikon, hier scherzhaft wörtlich interpretiert als „politisches Tier“ [Anm. d. Übers.)]: So bin ich wenigstens eine menschliche Person! Und dass ich eine Marionette bin…nun, vielleicht, ich weiß nicht… das überlasse ich Ihrem Urteil, dem Urteil der Menschen… Und dann: Ein Mensch, der nur daran denkt, Mauern zu errichten, wo auch immer, und nicht Brücken zu bauen, ist nicht christlich. Das steht nicht im Evangelium…Und die andere Frage, was ich raten würde, d.h. ihn zu wählen oder nicht zu wählen: Da mische ich mich nicht ein. Ich sage nur: Dieser Mensch ist nicht christlich, wenn er das so sagt. Man muss prüfen, ob er die Dinge so gesagt hat. Und darum halte ich ihm diesen Zweifel zugute.

(Pater Lombardi)

Vielen Dank. Und jetzt geben wir das Wort an Jean-Louis de la Vaissière von France Presse.

(Jean-Louis de la Vaissière)

Die Begegnung mit dem russischen Patriarchen Kyrill und die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung ist in aller Welt als ein historischer Schritt gewürdigt worden. Aber jetzt, schon heute, fühlen sich in der Ukraine die griechisch-katholischen Christen verraten und sprechen von einem „politischen Dokument“ zur Unterstützung der russischen Politik. So ist in dem Gebiet der Krieg der Worte erneut aufgeflammt. Denken Sie, dass Sie nach Moskau gehen können; sind Sie vom Patriarchen eingeladen worden? Oder vielleicht nach Kreta, um das panorthodoxe Konzil im Frühling zu begrüßen?

(Papst Franziskus)

Ich beginne beim Letzten. Ich werde zugegen sein, im Geiste und mit einer Botschaft. Es würde mir gefallen, dorthin zu gehen und sie auf dem panorthodoxen Konzil zu begrüßen – sie sind Brüder. Doch ich muss respektvoll sein. Ich weiß jedoch, dass sie katholische Beobachter einladen wollen, und das ist eine schöne Brücke. Aber hinter den katholischen Beobachtern werde ich stehen, indem ich mit den besten Wünschen bete, dass die Orthodoxen vorangehen, vorangehen, denn sie sind Brüder, und ihre Bischöfe sind Bischöfe wie wir. Und dann: Kyrill. Mein Bruder. Wir haben uns geküsst, umarmt, und außerdem ein Gespräch von einer Stunde…

(Pater Lombardi)

…zwei Stunden!

(Papst Franziskus)

…zwei Stunden! Zwei Stunden, in denen wir als Brüder miteinander gesprochen haben, ehrlich und offen, und niemand weiß, worüber gesprochen wurde, nur das, was wir am Ende öffentlich gesagt haben und was sich auf das bezog, was wir bei dem Gespräch empfunden haben. – Drittens: dieser Artikel, diese Erklärungen in der Ukraine. Als ich das gelesen habe, war ich ein wenig besorgt, denn es war vielmehr Sviatoslav Shevchuk, der gesagt haben soll, das ukrainische Volk oder einige Ukrainer oder viele Ukrainer seien zutiefst enttäuscht und fühlten sich verraten. Zunächst einmal: Ich kenne Sviatoslav gut. In Buenos Aires haben wir vier Jahre lang zusammengearbeitet. Als er gewählt wurde – mit 42 Jahren, ein guter Mann! –, als er zum Großerzbischof gewählt wurde, ist er nach Buenos Aires zurückgekommen, um seine Sachen zu holen. Und da ist er zu mir gekommen und hat mir eine kleine Ikone der Muttergottes der Zärtlichkeit geschenkt und mir gesagt: „Sie hat mich mein Leben lang begleitet; ich möchte sie dir überlassen, der du mich in diesen vier Jahren begleitet hast.“ Es ist eines der wenigen Dinge,  die ich mir aus Buenos Aires habe bringen lassen, und ich habe sie auf meinem Schreibtisch. Er ist also ein Mann, dem gegenüber ich große Achtung habe und auch Vertrautheit, wir duzen uns. Und darum schien mir das ein bisschen merkwürdig. Und ich habe mich an etwas erinnert, das ich Ihnen hier einmal gesagt habe: Um eine Nachricht, eine Erklärung zu verstehen, muss man die Hermeneutik des Ganzen suchen: Wann hat er das gesagt? Es wurde in einer Erklärung vom 14. Februar gesagt, am vergangenen Sonntag. Ein Interview mit Pater… – ich erinnere mich nicht an den Namen, ein ukrainischer Priester – in der Ukraine gegeben und veröffentlicht. Das Interview ist gut zwei Seiten lang, und diese Nachricht befindet sich im drittletzten, so kleinen Absatz. Ich habe das Interview gelesen und möchte folgendes sagen: Shevchuk erklärt sich – im dogmatischen Teil [des Interviews] – als Sohn der Kirche, in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom, mit der Kirche. Er spricht vom Papst, von der Nähe des Papstes und von sich selbst, von seinem Glauben und auch von dem Glauben des orthodoxen Volkes dort. Im dogmatischen Teil gibt es keinerlei Schwierigkeit, der ist orthodox im guten Sinne des Wortes, das heißt katholische Lehre. Dann – wie in jedem Interview, so auch z. B. in diesem – hat jeder das Recht, seine persönliche Meinung zu sagen. Und das hat er nicht in Bezug auf die Begegnung getan, denn über sie sagte er: „Es ist eine gute Sache, und wir müssen vorangehen.“ In diesem zweiten Teil geht es um die persönlichen Gedanken, die jemand hat. Wenn ich zum Beispiel über die Bischöfe, die pädophile Priester einfach versetzen, gesagt habe, dass das Beste, was sie tun können, ist, zurückzutreten, dann ist das nichts Dogmatisches, sondern das, was ich denke. Und so hat er seine persönlichen Vorstellungen, über die man sprechen muss, und er hat ein Recht, sie zu haben. Alles, was er sagt, bezieht sich auf das Dokument: Da liegt das Problem. Über die Tatsache der Begegnung selbst sagt er: „Das ist der Herr, der Geist, der vorangeht, die Umarmung…“ Alles in Ordnung. Das Dokument? Es ist ein Dokument, über das man diskutieren kann. Und noch etwas anderes ist dazu zu sagen: Die Ukraine befindet sich in einem Moment des Krieges, des Leidens, mit vielen Interpretationen. Ich habe das ukrainische Volk viele Male sowohl beim Angelus als auch in den Mittwochs-Audienzen erwähnt und die Menschen um ihr Gebet und ihre Nähe gebeten. Doch die historische Tatsache eines Krieges… jeder hat seine eigene Vorstellung: Wie ist dieser Krieg? Wer hat ihn angefangen? Was ist zu tun? Was ist nicht zu tun?… Es ist klar, dass dies ein historisches Problem ist, aber auch ein existenzielles Problem des Landes, und es spricht vom Leiden. Und dort, in diesen Kontext stelle ich diesen Abschnitt, und von daher versteht man, was die Gläubigen sagen… Denn Sviatoslav sagt: „Viele Gläubige haben mich angerufen oder mir geschrieben und gesagt, dass sie zutiefst enttäuscht sind und sich von Rom verraten fühlen.“ Es versteht sich, dass ein Volk in jener Situation das so empfindet. Das Dokument ist in diesem Punkt der ukrainischen Frage diskutierbar, aber dort wird gesagt, dass der Krieg enden möge und man zu Übereinkünften kommen solle. Auch ich persönlich habe gesagt, dass die Vereinbarungen von Minsk vorangehen sollen und man nicht mit dem Ellenbogen auslöschen soll, was mit den Händen geschrieben wurde. Die Kirche von Rom, der Papst, hat immer gesagt: „Sucht den Frieden!“ Ich habe beide Präsidenten empfangen. Und darum, wenn er sagt, dass er das von seinem Volk gehört hat, verstehe ich das; ich verstehe das. Aber das ist nicht „die“ Nachricht. Die Nachricht ist das Ganze. Wenn Sie das ganze Interview lesen, werden Sie sehen, dass es da ernsthafte dogmatische Aussagen gibt, die bleiben, es gibt einen Wunsch nach Einheit, nach ökumenischem Fortschritt – er ist ein Mensch der Ökumene… Und es gibt einige Meinungen… Er hat mir geschrieben, als man von der Reise, von der Begegnung erfuhr, aber als ein Bruder, indem er seine Meinungen als Bruder kundtat… Mir missfällt das Dokument nicht, so wie es ist; es missfällt mir nicht, und zwar in dem Sinn, dass wir die Dinge respektieren müssen; jeder hat seine Freiheit, zu denken, und in dieser Situation ist es sehr schwierig. Und von Rom aus… Jetzt ist der Nuntius an der Grenze, wo gekämpft wird, und hilft den Soldaten, den Verletzten. Die Kirche von Rom hat viel Hilfe dorthin geschickt, sehr viel Hilfe. Und immer den Frieden suchen, die Vereinbarungen; man respektiere das Abkommen von Minsk… Das ist der Gesamtzusammenhang. Aber man muss nicht erschrecken wegen dieses Satzes: Das ist eine Lehre, dass eine Nachricht mit der Hermeneutik des Ganzen und nicht nur eines Teiles interpretiert werden muss.

(Jean-Louis de la Vaissière)

Hat Patriarch Kyrill Sie eingeladen, einmal nach Moskau zu kommen?

(Papst Franziskus)

Patriarch Kyrill … Ich möchte lieber – denn wenn ich eines sage, muss ich auch anderes und wieder anderes sagen – so möchte ich also lieber, dass das, worüber wir allein gesprochen haben, nur eben das ist, was wir öffentlich gesagt haben. Das ist eine Tatsache. Und wenn ich dieses sage, müsste ich auch jenes sagen … nein! Das, was ich öffentlich gesagt habe, das, was er öffentlich gesagt hat, das ist es, was man über die private Unterredung sagen kann. Andernfalls wäre sie ja nicht privat. Ich kann Ihnen aber das sagen: Ich bin glücklich hinausgegangen; und auch er.

(Pater Lombardi)

Vielen Dank für diese ausführliche Antwort zu einem grundlegenden Thema. Jetzt geben wir das Wort an Carlo Marroni, der die italienische Gruppe vertritt und von „Il Sore 24 Ore“ entsandt ist.

 

(Carlo Marroni)

Heiliger Vater, meine Frage betrifft die Familie, ein Thema, das Sie auf dieser Reise angesprochen haben. Im italienischen Parlament wird ein Gesetz über die zivilrechtlichen Lebenspartnerschaften diskutiert. Dieses Thema führt zu heftigen Auseinandersetzungen in der Politik, aber auch zu einer heftigen Debatte in der Gesellschaft und unter den Katholiken. Insbesondere wollte ich wissen, was Sie über das Thema der Adoptionen seitens zivilrechtlicher Lebenspartnerschaften denken und dann über die Rechte der Kinder im Allgemeinen. Danke.

 

(Papst Franziskus)

Zunächst: Ich weiß nicht, wie die Dinge im italienischen Parlament liegen. Der Papst mischt sich nicht in die italienische Politik ein. Bei der ersten Versammlung mit den [italienischen] Bischöfen im Mai 2013 war eines der drei Dinge, die ich gesagt habe: „Mit der italienischen Regierung, da habt ihr euch zu arrangieren“. Denn der Papst ist für alle da, und er kann sich nicht in die konkrete Innenpolitik eines Landes begeben. Das ist nicht die Rolle des Papstes. Und das, was ich denke, ist das, was die Kirche denkt und was sie bei vielen Gelegenheiten gesagt hat. Denn Italien ist nicht das erste Land, das diese Erfahrung macht; es sind viele Länder. Ich denke das, was die Kirche immer gesagt hat.

(Pater Lombardi)

Danke. Und jetzt geben wir das Wort an Paloma Garcia Ovejero von „Cope“, Spanierin, wie Sie wissen.

(Paloma Garcia Ovejero)

Heiliger Vater, seit einigen Wochen herrscht in vielen lateinamerikanischen Ländern, aber auch in Europa, große Sorge wegen des „Zika-Virus“. Das größte Risiko soll für schwangere Frauen bestehen, da gibt es Angst. Einige offizielle Stellen haben vorgeschlagen, Abtreibungen durchzuführen oder Schwangerschaften zu vermeiden. Kann die Kirche in diesem Fall die Auffassung des „geringeren Übels“ in Betracht ziehen?

(Papst Franziskus)

Abtreibung ist nicht ein „geringeres Übel“, es ist ein Verbrechen. Es heißt, einen aus dem Weg zu räumen, um einen anderen zu retten. Das ist das, was die Mafia tut. Abtreibung ist ein Verbrechen, ein absolutes Übel. Hinsichtlich des „geringeren Übels“: eine Schwangerschaft zu vermeiden ist ein Fall – wir sprechen von einem Konflikt zwischen dem fünften und dem sechsten Gebot. Paul VI. – ein großer! – hat in einer schwierigen Situation in Afrika den Ordensschwestern erlaubt, im Fall von Vergewaltigung Verhütungsmittel zu verwenden. Man darf nicht das Übel, eine Schwangerschaft allein zu vermeiden, mit der Abtreibung verwechseln. Die Abtreibung ist nicht ein theologisches Problem, es ist ein menschliches Problem, ein medizinisches Problem. Man tötet eine Person, um eine andere – im günstigsten Fall – zu retten oder gut durchkommen zu lassen. Abtreibung ist gegen den hippokratischen Eid, den die Ärzte ablegen müssen. Es ist ein Übel in sich, aber es ist am Anfang nicht ein religiöses Übel, nein, es ist ein menschliches Übel. Und es ist klar, da es ein menschliches Übel ist, wird es – wie jede Tötung – verurteilt. Eine Schwangerschaft zu vermeiden ist hingegen nicht ein absolutes Übel, und in gewissen Fällen, wie in dem Fall, den ich über den seligen Paul VI. erwähnt habe, war es klar. Außerdem möchte ich die Ärzte auffordern, alles zu tun, um Impfungen gegen die beiden Mücken, die dieses Übel bringen, zu finden – daran muss man arbeiten. … Danke.

(Pater Lombardi)

Danke. Jetzt bitten wir Ludwig Ring-Eifel von der deutschen katholischen Nachrichtenagentur „KNA“ um seinen Beitrag.

(Ludwig Ring-Eifel)

Eure Heiligkeit, in wenigen Wochen werden Sie den Karlspreis erhalten, einen der namhaftesten Preise der Europäischen Gemeinschaft. Auch einer Ihrer Vorgänger, der heilige Johannes Paul II., erhielt diesen Preis, er hat ihn sehr wertgeschätzt. Und es lag ihm auch viel an der europäischen Einheit, die jetzt ein wenig in Stücke zu gehen scheint – zuerst mit der Eurokrise und nun mit der Flüchtlingskrise. Haben Sie vielleicht ein Wort für uns in dieser Situation der Krise Europas? Danke.

(Papst Franziskus)

Erstens zum Karlspreis. Ich hatte die Angewohnheit, keine Auszeichnungen oder Doktorate anzunehmen; immer schon, nicht aus Bescheidenheit, sondern weil mir diese Sachen nicht gefallen. Eine Marotte zu haben ist gut, und es gefällt mir eben nicht. Aber in diesem Fall wurde ich – ich sage nicht „gezwungen, sondern – „überzeugt“ von der heiligen und theologischen Dickköpfigkeit eines Kardinal Kaspers, der von Aachen dazu ausgewählt wurde, mich zu überzeugen! Und ich sagte dann: „Ja, aber im Vatikan.“ Ich habe das gesagt, und ich biete den Preis für Europa dar: dass er eine Mit-Auszeichnung sei, ein Preis, damit Europa das machen kann, was ich in Straßburg als Wunsch ausgedrückt habe: dass Europa nicht die „Großmutter Europa“, sondern die „Mutter Europa“ sein kann. Zweitens. Neulich, als ich die Nachrichten über diese Krisen las – ich lese wenig, blättere nur eine Zeitung durch (ich sage den Namen nicht, um nicht Eifersucht zu erregen, aber es ist bekannt), ich schaue eine Viertelstunde und dann lasse ich mich vom Staatssekretariat informieren – , da gefiel mir ein Wort; es gefiel mir – ich weiß nicht, wer dem Wort zustimmt und wer nicht – die „Wiederbegründung der Europäischen Union“. Und ich habe an die großen Väter gedacht … Aber heute, wo gibt es einen Schuman, einen Adenauer? Diese großen Gestalten, die nach dem Krieg die Europäische Union begründet haben. Und mir gefällt diese Idee der Wieder­begründung: Wenn man sie nur machen könnte! Denn Europa – ich möchte nicht sagen, dass es einzigartig ist – hat eine Kraft, eine Kultur, eine Geschichte, die man nicht verschwenden darf, und wir müssen alles tun, damit die Europäische Union die Kraft und auch die Inspiration hat, um uns vorwärts gehen zu lassen. Ich weiß nicht; das ist es, was ich denke.

(Pater Lombardi)

Danke. Und jetzt geben wir das Wort an Anne Thompson von „NBC News“ weiter – wir sind in Amerika, wir sind gerade über Amerika –, wir geben an sie das Wort.

(Anne Thompson)

Danke, Pater Lombardi. Matteo wird mir helfen … Heiliger Vater, Sie haben auf dieser Reise viel über die Familien und über das Jahr der Barmherzigkeit gesprochen. Einige fragen sich, wie eine Kirche, die behauptet, „barmherzig“ zu sein, leichter einem Mörder vergeben kann als vielmehr dem, der sich scheiden lässt und wieder heiratet …

(Papst Franziskus)

Die Frage gefällt mir! Über die Familie haben zwei Synoden gesprochen, und der Papst hat das ganze Jahr in den Mittwochskatechesen darüber gesprochen. Und die Frage ist wahr, sie gefällt mir, denn Sie haben sie plastisch gut formuliert. Im nachsynodalen Dokument, das erscheinen wird – vielleicht vor Ostern –, wird in einem der Kapitel – es hat nämlich viele – all das aufgegriffen, was die Synode über die Konflikte, nämlich über die verwundeten Familien und die Seelsorge für die verwundeten Familien gesagt hat. Das ist eine der Sorgen; wie eine andere Sorge die Vorbereitung auf die Ehe ist. Stellen Sie sich vor: Um Priester zu werden, gibt es acht Jahre Studium, Vorbereitung, und dann, nach einer gewissen Zeit, wenn du es nicht schaffst, bittest du um Dispens und gehst, und alles ist in Ordnung. Um ein Sakrament zu schließen, das für das ganze Leben dauert, gibt es hingegen drei bis vier Treffen. Die Vorbereitung auf die Ehe ist sehr, sehr wichtig, denn ich glaube, dass es eine Sache ist, der die Kirche in der gewöhnlichen Pastoral – zumindest in meinem Land, in Südamerika – nicht viel Wert beigemessen hat. In meiner Heimat zum Beispiel – heute nicht so sehr, aber vor einigen Jahren – gab es die Gewohnheit – es hieß „casamiento de apuro“ –, schnell zu heiraten, weil ein Kind unterwegs war und um gesellschaftlich die Ehre der Familie zu decken. Da waren sie nicht frei, und oft sind diese Ehe ungültig. Und ich habe als Bischof meinen Priestern verboten, dies zu tun, wenn es das gab … Dass das Kind kommt, dass sie weiter verlobt sind, und wenn sie sich in der Lage fühlen, es für das ganze Leben zu machen, dass sie dann weiter gehen. Die Vorbereitung auf die Ehe aber ist mangelhaft. Ein weiteres sehr interessantes Kapitel ist dann die Erziehung der Kinder. Die Opfer der Probleme in der Familie sind die Kinder. Aber sie sind auch Opfer der Probleme in der Familie, welche weder der Mann noch die Frau wollen: zum Beispiel die Notwendigkeit der Arbeit. Wenn der Vater keine freie Zeit hat, um mit den Kindern zu sprechen, wenn die Mutter keine freie Zeit hat, um mit den Kindern zu sprechen … Wenn ich die Beichte eines Ehepaares, das Kinder hat, von Eheleuten höre, sage ich: „Wie viele Kinder haben Sie?“ Und einige erschrecken, denn sie sagen: „Der Priester wird mich fragen, warum ich nicht mehr habe …“ Und ich sage: „Ich werde Ihnen eine zweite Frage stellen: Spielen Sie mit Ihren Kindern?“ Und die Mehrheit – fast alle! – sagen: „Aber, Pater, ich habe keine Zeit; ich arbeite den ganzen Tag.“ Und die Kinder sind Opfer eines sozialen Problems, das die Familie verwundet. Es ist ein Problem … Mir gefällt Ihre Frage. Noch eine dritte interessante Sache. Beim Treffen mit den Familien in Tuxtla war ein Ehepaar, das in zweiter Ehe wiederverheiratet war, das in die Pastoral der Kirche integriert war. Und das Schlüsselwort, das die Synode verwendet hat – und ich werde es wiederaufgreifen – ist: die verwundeten Familien, die Familien der wiederverheirateten Geschiedenen und das alles in das Leben der Kirche „integrieren“. Aber vergessen wir nicht die Kinder im Mittelpunkt! Sie sind die ersten Opfer, sowohl der Verwundungen als auch der Situationen der Armut, der Arbeit, von all dem.

(Anne Thompson)

Heißt das, dass sie zur Kommunion gehen könnten?

(Papst Franziskus)

Das ist eine Sache … es ist der Zielpunkt. In die Kirche integrieren heißt nicht „zur Kommunion gehen“. Denn ich kenne wiederverheiratete Katholiken, die einmal, zweimal im Jahr in die Kirche kommen: „Aber ich möchte zur Kommunion gehen!“, als ob die Kommunion eine Auszeichnung wäre. Es ist eine Arbeit der Integration … alle Türen sind offen. Aber man kann nicht sagen: von jetzt an „können sie zur Kommunion gehen“. Das wäre eine Wunde auch an den Eheleuten, am Ehepaar, denn es ließe sie nicht diesen Weg der Integration gehen. Und diese beiden [in Tuxtla] waren glücklich! Und sie haben ein sehr schönes Wort gebraucht: „Wir gehen nicht zur eucharistischen Kommunion, aber wir gehen zur Kommunion, indem wir das Krankenhaus besuchen, diesen Dienst tun, jenes …“ Ihre Integration ist da geblieben. Wenn es mehr gibt, wird es der Herr ihnen sagen, aber … es ist ein Weg, eine Straße …

(Anna Thompson)

Danke.

(Pater Lombardi)

Lassen wir jetzt Antoine-Marie Izoard seine Frage stellen; damit kehren wir zur französischen Gruppe zurück. Er ist der Verantwortliche von „Imedia“, einer katholischen Nachrichtenagentur aus Frankreich.

(Antoine-Marie Izoard)

Guten Abend, Heiligkeit. Erlauben Sie mir, zunächst etwas scherzhaft zu sagen, dass wir Vatikankorrespondenten uns ein wenig wie Geiseln des päpstlichen Terminkalenders fühlen. Wir können nicht mit unseren Kindern spielen. Am Samstag findet die Jubiläumsaudienz statt; am Sonntag gibt’s den Angelus und von Montag bis Freitag schwimmt man in der Arbeit. Dann wünsche ich Alberto [Gasbarri] alles Gute [wenn er jetzt in Pension geht]. Er hat mich vor 20 Jahren, zusammen mit Pater Lombardi, bei Radio Vatikan eingeführt – man gehört zur Familie …

Eine etwas saloppe Frage hätte ich an Sie, Heiligkeit. Zahlreiche Medien haben es hervorgeholt und einen Wirbel um den „intensiven Briefwechsel“ zwischen Johannes Paul II. und der amerikanischen Philosophin Anna Tymieniecka gemacht, die, wie man sagt, eine große Zuneigung für den polnischen Papst hegte. Darf ein Papst, Ihrer Meinung nach, eine solch intime Beziehung zu einer Frau haben? Und dann – wenn Sie mir erlauben: Auch Sie haben eine bedeutende Korrespondenz; kennen Sie – oder kannten Sie – diese Art von Erfahrung …

(Papst Franziskus)

Ich wusste davon, von dieser freundschaftlichen Beziehung zwischen dem heiligen Johannes Paul II. und dieser Philosophin, als ich noch in Buenos Aires war. Man wusste davon; auch ihre Bücher sind bekannt. Und Johannes Paul II. war ein unruhiger Mensch … Im Übrigen würde ich sagen, dass ein Mann, der keine freundschaftliche Beziehung zu einer Frau zu unterhalten vermag – ich spreche hier nicht von den Misogynen: die sind krank – ein Mensch ist, dem etwas fehlt. Wenn ich einen Rat suche, wende ich mich an einen Mitarbeiter oder an einen Freund, einen Mann, aber schon aus persönlicher Erfahrung höre ich auch gerne die Meinung einer Frau. Sie geben dir einen so großen Reichtum! Sie sehen die Dinge auf eine andere Weise. Ich sage gerne, dass die Frau diejenige ist, die das Leben in ihrem Schoß aufbaut; sie hat – das ist ein Vergleich, den ich mache – sie hat dieses Charisma, dir Dinge zum Aufbauen zu geben. Die Freundschaft mit einer Frau ist keine Sünde; sie ist eben eine Freundschaft. Eine Liebesbeziehung mit einer Frau, die nicht deine Ehefrau ist, ist Sünde. Der Papst ist ein Mann; der Papst braucht auch die Gedanken der Frauen. Auch der Papst hat ein Herz, das eine gesunde, heilige Freundschaft mit einer Frau unterhalten kann. Es gibt heilige Freunde: Franziskus und Klara, Teresa von Ávila und Johannes vom Kreuz. Kein Grund, sich zu erschrecken. Aber die Frauen sind immer noch ein wenig … nicht gut angesehen, nicht völlig … Wir haben noch nicht das Gute erkannt, das eine Frau dem Leben des Priesters und dem Leben der Kirche zu geben vermag, im Sinne eines Ratschlags, im Sinne einer Hilfe oder einer gesunden Freundschaft. Danke.

(Pater Lombardi)

Vielen Dank. Jetzt haben wir hier Franca Giansoldati von „Il Messaggero“ für die italienische Gruppe.

(Franca Giansoldati)

Guten Abend, Heiligkeit. Ich komme zurück auf das Thema des Gesetzes, das vor der Verabschiedung durch das italienische Parlament steht: Es ist ein Gesetz, das in gewisser Weise auch andere Staaten betrifft. Denn auch andere Staaten prüfen Gesetze, welche die Verbindungen zwischen Personen gleichen Geschlechts betreffen. Es gibt ein Dokument der Glaubenskongregation von 2003, das ausführlich auf dieses Thema eingeht. Es widmet sogar ein Kapitel dem Verhalten, das die katholischen Abgeordneten im Parlament gegenüber solchen Gesetzesvorlagen einnehmen sollen. Und es wird ausdrücklich gesagt, dass die katholischen Parlamentarier nicht für diese Gesetze stimmen dürfen. Angesichts der großen Konfusion auf diesem Gebiet wollte ich Sie zunächst fragen, ob dieses Dokument von 2003 noch etwas wert ist und wie sich ein katholischer Abgeordneter wirklich verhalten soll.

Und dann eine andere Sache: Nach Moskau, nun Kairo: Gibt es ein weiteres Tauwetter am Horizont? Also ich beziehe mich auf die Audienz, die Sie mit dem – nennen wir ihn – „Papst der Sunniten“, mit dem Imam von Al-Azhar wünschen.

(Papst Franziskus)

Aus diesem Grunde ist Pater Ayuso in der vergangenen Woche nach Kairo gereist, um den Vertreter des Groß-Imam zu treffen und auch den Imam zu begrüßen. Pater Ayuso ist der Sekretär des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, dem Kardinal Tauran vorsteht. Ich möchte den Imam treffen. Ich weiß, dass es bei ihm Anklang finden würde, und wir sind dabei, einen Modus zu finden, natürlich über Kardinal Tauran; denn das ist der Weg. Auf diesem Weg werden wir es schaffen.

Nun zum ersten Punkt: Ich erinnere mich nicht genau an dieses Dokument der Glaubenskongregation von 2003. Ein katholischer Abgeordneter muss aber nach seinem gut gebildeten Gewissen abstimmen. Das, nur das will ich sagen. Ich glaube, das ist ausreichend. Und ich sage „gut gebildet“, weil es nicht das Gewissen „dessen, was mir scheint“ ist. Ich erinnere mich, als in Buenos Aires über die „Ehe“ der Personen gleichen Geschlechts abgestimmt wurde. Es gab ein Patt der Stimmen, und am Ende hat einer zum anderen gesagt: „Siehst du das klar?“ – „Nein“ – „Ich auch nicht“ – „Machen wir weiter“ – „Wenn wir weiter machen, erreichen wir nicht die Beschlussfähigkeit“. Und der eine hat gesagt: „Aber wenn wir die Beschlussfähigkeit erreichen, geben wir unsere Stimme an Kirchner!“; daraufhin der andere: „Ich gebe sie lieber an Kirchner als an Bergoglio!“ … und los. Das ist kein gut gebildetes Gewissen! Und bezüglich der Personen gleichen Geschlechts verweise ich auf das, was ich auf dem Rückflug von Rio de Janeiro gesagt habe und was im Katechismus der katholischen Kirche steht.

(Pater Lombardi)

Danke. Jetzt haben wir die letzte der vorgesehenen Fragen seitens Javier Martínez Brocal von „Rome Reports“

(Javier Martínez Brocal)

Heiliger Vater, vielen Dank für diese Reise nach Mexiko. Es ist uns eine Ehre gewesen, Sie zu begleiten und zu sehen, was wir gesehen haben. Wir sind noch nicht nach Rom zurückgekehrt und denken schon an künftige Reisen, um die Koffer wieder zu packen. Heiliger Vater, wann gehen Sie nach Argentinien, wo man Sie schon seit langem erwartet? Und wann kehren Sie nach Lateinamerika zurück oder reisen nach China? … Dann noch eine scherzhafte Frage: Sie haben auf dieser Reise oft vom „Träumen“ gesprochen: Was träumen Sie? Und vor allem, was ist Ihr Alptraum?

(Papst Franziskus)

China! Dort hinfahren, das würde mir gefallen!

Ich will etwas sagen – etwas, um dem mexikanischen Volk gerecht zu werden. Es ist ein Volk mit einem Reichtum, mit einem so großen Reichtum; es ist ein Volk, das einen überrascht. … Es hat eine Kultur, eine tausendjährige Kultur. … Wisst ihr, dass man heute in Mexiko fünfundsechzig Sprachen spricht, wenn man die indigenen Idiome alle zählt. Fünfundsechzig! Es ist ein Volk mit einem starken Glauben. Es hat Verfolgungen der Religion erlebt. Es gibt Märtyrer – ich werde jetzt zwei oder drei heilig sprechen. Und ein Volk kann man nicht einfach erklären, weil das Wort „Volk“ nicht eine logische Kategorie, sondern eine mystische ist. Und das mexikanische Volk kann man nicht einfach erklären, dieser Reichtum, diese Geschichte, diese Freude, diese Fähigkeit zu feiern, genauso wie die Tragödien, zu denen ihr gefragt habt. Ich kann nichts anderes sagen, als dass es dieser Einheit und dass auch diesem Volk gelungen ist, nicht zu scheitern. Nicht zu scheitern bei so vielen Kriegen und Sachen, die heute passieren … Dort in Ciudad Juárez gab es eine Abmachung über zwölf Stunden Frieden aus Anlass meines Besuchs. Danach werden sie den Kampf unter sich wieder aufnehmen, die Rauschgifthändler. … Ein Volk, das  noch immer diese Vitalität hat, lässt sich nur von Guadalupe her erklären. Und ich lade euch ein, ernsthaft das Faktum Guadalupe zu studieren. Die Muttergottes ist dort. Ich weiß keine andere Erklärung. Und es wäre schön, wenn ihr als Journalisten … Es gibt einige gute Bücher, die erklären, die auch das Bild erklären, wie es ist und was es bedeutet. … Und auf diese Weise wird man dieses so große, so liebenswürdige Volk ein wenig verstehen können.

(Pater Lombardi)

Danke, Heiligkeit. Also, wir haben die Reihe der vorgesehenen Fragen abgeschlossen. Da war noch Frau Pigozzi, die uns etwas sagen wollte; ich weiß nicht genau, was. Wir reichen ihr gerade das Mikrofon.

(Caroline Pigozzi von „Paris Match“)

Ja, Heiliger Vater, guten Abend. Zwei Punkte. Ich möchte wissen, was Sie dann die Jungfrau von Guadalupe gefragt haben, weil sie so lange in der Kirche gewesen sind, um zur Jungfrau von Guadalupe zu beten. Und dann als zweites, ob Sie auf Italienisch oder auf Spanisch träumen.

(Papst Franziskus)

Ja, ich würde sagen, ich träume auf Esperanto … Ich weiß nicht, wie ich darauf antworten soll, im Ernst. Einige Male, erinnere ich mich, gab es einen Traum in einer anderen Sprache, aber träumen in Sprachen nein, mit Gestalten ja. Meine Psychologie ist so. Mit Worten träume ich wenig. Und wie war die erste Frage?

(Caroline Pigozzi)

Die erste Frage, Heiligkeit, war die: Sie haben lange Zeit verbracht, um zur Muttergottes zu beten …

(Papst Franziskus)

Ich habe eine Bitte für die Welt und für den Frieden ausgesprochen … Viele Sachen … Die Arme hat schließlich mit dem Kopf so gemacht. … Ich habe um Verzeihung gebeten; ich habe gebetet, dass die Kirche gesund weiterwächst; ich habe für das mexikanische Volk gebetet. … Und auch eine Sache, für die ich sehr gebetet habe, war die, dass die Priester wahre Priester, die Ordensschwestern wahre Ordensschwestern, die Bischöfe wahre Bischöfe seien, wie der Herr uns will. Dafür habe ich sehr gebetet. Aber dann sind die Dinge, die ein Sohn seiner Mamma sagt, ein wenig geheim … Danke, Caroline.

[…]

(Papst Franziskus)

Gute Reise! Vielen Dank für eure Arbeit und betet für mich. Und wisst, dass ich euch zur Verfügung stehe. Und spielt mit euren Kindern!

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Quelle