Papstpredigt zu Peter und Paul: Bekennen, Verfolgung, Gebet

Der Papst bei der Messe am Donnerstag, 29. Juni 2017

Hier lesen Sie die Predigt des Papstes in einer offiziellen deutschen Übersetzung:

Die heutige Liturgie legt uns drei Worte vor, die wesentlich für das Leben des Apostels sind: Bekenntnis, Verfolgung, Gebet.

Das Bekenntnis ist das des Petrus im Evangelium, als die Frage des Herrn vom Allgemeinen ins Besondere geht. In der Tat fragt Jesus zunächst: »Für wen halten die Menschen den Menschensohn?« (Mt 16,13). Bei dieser „Umfrage“ ergibt sich von vielen Seiten, dass das Volk Jesus als Prophet ansieht. Und so stellt der Meister an die Jünger die wirklich entscheidende Frage: »Ihr aber, für wen haltet ihr mich?« (V. 15). Da antwortet nur Petrus: »Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!« (V. 16). Das ist das Bekenntnis: in Jesus den erwarteten Messias sehen, den lebendigen Gott und den Herrn des eigenen Lebens.

Diese grundlegende Frage richtet Jesus heute an uns, an uns alle, aber besonders an uns Hirten. Es ist die entscheidende Frage, vor der keine Höflichkeitsantworten bestehen können, weil das Leben auf dem Spiel steht: Eine lebenswichtige Frage erfordert eine Antwort fürs Leben. Denn es nützt wenig, die Glaubensartikel zu kennen, wenn man nicht Jesus, den Herrn, im eigenen Leben bekennt. Er schaut uns heute in die Augen und fragt: „Wer bin ich für dich?“ Als würde er sagen: “Bin ich noch der Herr deines Lebens, die Ausrichtung deines Herzens, der Grund deiner Hoffnung, dein unerschütterliches Vertrauen?“ Mit dem heiligen Petrus erneuern auch wir heute unsere Lebensentscheidung als Jünger und Apostel. Gehen wir erneut von der ersten zur zweiten Frage über, um „die Seinen“ nicht nur mit Worten zu sein, sondern mit Taten und im Leben.

Fragen wir uns, ob wir Wohnzimmerchristen sind, die darüber schwatzen, wie die Dinge in der Kirche und in der Welt laufen, oder Apostel auf dem Weg, die Jesus mit dem Leben bekennen, weil sie ihn im Herzen haben. Wer Jesus bekennt, weiß, dass er nicht bloß gehalten ist, Meinungen abzugeben, sondern das Leben hinzugeben. Er weiß, dass er nicht auf laue Weise glauben kann, sondern gerufen ist, aus Liebe zu „brennen“. Er weiß, dass er im Leben nicht auf dem Wohlbefinden „dahintreiben“ und es sich gut gehen lassen kann. Er muss vielmehr das Risiko eingehen, auf die hohe See hinauszufahren, indem er sich jeden Tag neu selbst hingibt. Wer Jesus bekennt, macht es wie Petrus und Paulus: Er folgt ihm bis zum Ende; nicht nur bis zu einem bestimmten Punkt, sondern bis zum Äußersten; er folgt ihm auf der Straße des Herrn, nicht auf unseren Straßen. Seine Straße ist der Weg des neuen Lebens, der Freude und der Auferstehung, der aber auch über das Kreuz und die Verfolgungen geht.

Damit sind wir beim zweiten Wort: den Verfolgungen. Nicht nur Petrus und Paulus haben ihr Blut für Christus vergossen, sondern die gesamte Urgemeinde wurde verfolgt, wie uns die Apostelgeschichte (vgl. 12,1) berichtet hat. Auch heute werden in verschiedenen Teilen der Welt, zuweilen in einem Klima des Schweigens – nicht selten eines mitschuldigen Schweigens –, viele Christen ausgegrenzt, verleumdet, diskriminiert, zum Ziel von mitunter tödlichen Gewaltakten. Nicht selten fehlen die nötigen Bemühungen derer, die dafür sorgen könnten, dass ihre legitimen Rechte geachtet werden.

Ich möchte jedoch vor allem hervorheben, was der Apostel Paulus zum Ausdruck gebracht hat, bevor er, wie er schreibt, »geopfert« wurde (2 Tim 4,6). Für ihn war Christus das Leben (vgl. Phil 1,21), und zwar als der Gekreuzigte (vgl. 1 Kor 2,2), der sich für ihn hingegeben hat (vgl. Gal 2,20). So ist Paulus als treuer Schüler dem Meister gefolgt, indem auch er sein Leben hingegeben hat. Christus gibt es nicht ohne das Kreuz, und ohne das Kreuz gibt es auch keinen Christen. Denn es ist der christlichen Tugend eigen, »nicht nur Gutes zu tun, sondern auch Böses zu ertragen« (Augustinus, Sermo 46,13), wie bei Jesus. Das Böse ertragen heißt nicht nur, Geduld zu haben und mit Ergebung weiterzumachen; ertragen bedeutet Jesus nachzuahmen, bedeutet die Last zu tragen, sie für ihn und für die anderen auf den Schultern zu tragen. Es heißt das Kreuz anzunehmen und vertrauensvoll weiterzugehen, weil wir nicht allein sind, der gekreuzigte und auferstandene Herr ist mit uns. So können wir mit Paulus sagen: »Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen« (2 Kor 4,8-9).

Ertragen heißt mit Jesus siegen zu können, nämlich in der Weise Jesu, nicht in der Weise der Welt. Deshalb sieht sich Paulus als Sieger – wir haben es gehört –, der einen Kranz erhält (vgl. 2 Tim 4,8). Er schreibt: »Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue bewahrt« (V. 7). Sein guter Kampf war allein auf ein Leben für ausgerichtet – nicht für sich selbst, sondern für Jesus und für die anderen leben. Er hat „im Lauf“ gelebt: er schonte sich nicht, ja vielmehr verzehrte er sich. Eines habe er bewahrt, so sagt er, nicht die Gesundheit, sondern den Glauben, also das Bekenntnis zu Christus. Aus Liebe zu ihm hat die Prüfungen durchlebt, die Demütigungen und die Leiden, die nie zu suchen, sondern anzunehmen sind. Und so, im Geheimnis der aus Liebe dargebrachten Schmerzen, in diesem Geheimnis, das so viele verfolgte, arme und kranke Brüder und Schwestern auch heute verkörpern, erstrahlt die heilbringende Kraft des Kreuzes Jesu.

Das dritte Wort ist das Gebet. Das Leben des Apostels, das aus dem Bekenntnis entspringt und in die Hingabe mündet, strömt jeden Tag weiter im Gebet. Das Gebet ist das unerlässliche Wasser, welches die Hoffnung nährt und das Vertrauen wachsen lässt. Das Gebet schenkt uns die Erfahrung, dass wir geliebt sind, und erlaubt uns zu lieben. Es lässt uns in den dunklen Augenblicken weitergehen, weil es ein Licht Gottes anzündet. In der Kirche ist es das Gebet, das uns alle trägt und die Prüfungen meistern lässt. Das sehen wir schon in der ersten Lesung: »Petrus wurde also im Gefängnis bewacht. Die Gemeinde aber betete inständig für ihn zu Gott« (Apg 12,5). Eine Kirche, die betet, wird vom Herrn behütet und schreitet in seiner Begleitung voran. Beten bedeutet ihm den Weg anzuvertrauen, auf dass er sich um ihn kümmert. Das Gebet ist die Kraft, die uns vereint und aufrichtet; das Heilmittel gegen die Isolierung und die Selbstgenügsamkeit, die zum geistlichen Tod führen. Denn wenn man nicht betet, weht der Geist des Lebens nicht, und ohne das Gebet öffnen sich nicht die inneren Verließe, in denen wir gefangen sind.

Die heiligen Apostel mögen uns helfen, ein Herz wie das ihre zu erhalten, das von der Mühe und dem Frieden des Gebets geprägt ist: von seiner Mühe, weil es bittet, anklopft, sich fürbittend einsetzt und die Last der Anliegen vieler Menschen und Situationen trägt; aber zugleich von seinem Frieden, weil der Heilige Geist Trost und Kraft gibt, wenn man betet. Wie braucht die Kirche so dringend Meister des Gebets, aber zuallererst betende Männer und Frauen, die wirklich im Gebet leben!

Der Herr greift ein, wenn wir beten; er erweist sich treu gegenüber der Liebe, die wir ihm bekannt haben, und er ist uns nahe in den Prüfungen. Er hat den Weg der Apostel begleitet und er wird auch euch, liebe Kardinäle, begleiten, die ihr hier in der Liebe der Apostel versammelt seid, die ihren Glauben mit dem Blut bekannt haben. Er wird auch euch nahe sein, liebe Erzbischöfe, die ihr durch die Auflegung des Palliums bestärkt werdet, für die Herde zu leben und dabei den Guten Hirten nachzuahmen, der euch erhält, da er euch auf den Schultern trägt. Dieser Herr, der sehnlich danach verlangt, seine Herde ganz vereint zu sehen, segne und beschütze auch die Delegation des Ökumenischen Patriarchats und den geliebten Bruder Bartholomaios, der sie hierher geschickt hat zum Zeichen der apostolischen Gemeinschaft.

(rv 29.06.2017 mg)

„Lebendiges Gedächtnis seiner Liebe“

Fest Fronleichnam, 18. Juni 2017

Predigt von Papst Franziskus
zum Fest Fronleichnam, 18. Juni 2017 — Volltext

Wir dokumentieren im Folgenden in der offiziellen Übersetzung die Predigt von Papst Franziskus zum Fest Fronleichnam. Die Messe wurde am heutigen Sonntag, dem 18. Juni 2017, um 19 Uhr auf dem Vorplatz der Lateranbasilika gefeiert. Anschliessend zog eine Prozession mit dem ausgestellten Allerheiligsten über die Via Merulana zur Basilika Santa Maria Maggiore.

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Am Hochfest Fronleichnam kommt mehrfach das Thema des Gedächtnisses zur Sprache: »Du sollst an den ganzen Weg denken, den der Herr, dein Gott, dich […] geführt hat […]. Dann nimm dich in Acht, dass […] du den Herrn, deinen Gott nicht vergisst, […] der dich in der Wüste mit dem Manna speiste« (vgl. Dtn 8,2.14.16), sagte Moses zum Volk. »Tut dies zu meinem Gedächtnis« (1 Kor 11,24) – wird Jesus zu uns sagen. »Das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist« (Joh 6,51), ist das Sakrament des Gedächtnisses, das uns auf reale und greifbare Weise an die Liebesgeschichte Gottes mit uns erinnert.

Denk daran, sagt heute das Wort Gottes zu jedem von uns. Aus dem Gedächtnis an die Großtaten des Herrn, hat das Volk auf seinem Weg in der Wüste Kraft geschöpft; in der Erinnerung an das, was der Herr für uns getan hat, gründet sich unsere persönliche Heilsgeschichte. Erinnern ist für den Glauben wesentlich, genauso wie das Wasser für eine Pflanze: Wie eine Pflanze ohne Wasser nicht am Leben bleiben kann und keine Frucht bringen kann, so geschieht es mit dem Glauben, wenn er seinen Durst nicht durch das Gedächtnis dessen, was der Herr für uns getan hat, stillt.

Denk daran. Das Gedächtnis ist wichtig, weil es uns erlaubt, in der Liebe zu bleiben, zu er-innern, also ins Herz zu rufen, nicht zu vergessen, wer uns liebt und dass wir gerufen sind zu lieben. Und doch ist diese einzigartige Fähigkeit, die der Herr uns gegeben hat, heute eher geschwächt. In der Hektik, der wir ausgeliefert sind, scheinen viele Personen und Tatsachen an uns vorbeizugleiten. Man blättert hastig um, unersättlich in der Suche nach Neuheit, aber arm an Erinnerungen. Indem man so die Erinnerungen verbrennt und nur im Augenblick lebt, läuft man Gefahr, an der Oberfläche zu bleiben, im Fluss der Dinge, die geschehen, ohne in die Tiefe zu gehen, ohne jenen Weitblick, der uns an das erinnert, was wir sind und wohin wir gehen. Dann zersplittert sich das äußere Leben und das innere Leben erstarrt.

Aber das heutige Hochfest erinnert uns daran, dass in der Zersplitterung des Lebens der Herr uns mit einer liebevollen Zerbrechlichkeit entgegenkommt, die die Eucharistie ist. Im Brot des Lebens kommt der Herr, um uns aufzusuchen. Er macht sich zu einer bescheidenen Speise, die in Liebe unsere an Ruhelosigkeit erkrankte Erinnerung heilt. Denn die Eucharistie ist die Gedächtnisfeier der Liebe Gottes. Da wird das »Gedächtnis seines Leidens« (Hochfest des Leibes und Blutes Christi, Magnificat-Antiphon zur II. Vesper), der Liebe Gottes zu uns begangen, die unsere Stärke, die Stütze auf unserem Weg ist. Deshalb tut uns das eucharistische Gedächtnis so gut: Es ist kein abstraktes Gedächtnis, kalt und begrifflich, sondern das lebendige und tröstliche Gedächtnis der Liebe Gottes. In der Eucharistie ist der ganze Genuss der Worte und der Handlungen Jesu, der Geschmack seines Paschamysteriums, der Duft seines Geistes. Wenn wir sie empfangen, prägt sich unserem Herzen die Gewissheit ein, von ihm geliebt zu sein. Und während ich dies sage, denke ich auf besondere Weise an euch, Jungen und Mädchen, die ihr vor kurzem die Erstkommunion empfangen habt und hier in großer Zahl zugegen seid.

So bildet die Eucharistie in uns ein dankbares Gedächtnis heran, weil wir uns als vom Vater geliebte Kinder erkennen, deren Hunger er stillt; ein freies Gedächtnis, weil die Liebe Jesu, seine Vergebung, die Wunden der Vergangenheit heilt und die Erinnerung an erlittenes und auferlegtes Unrecht heilt; ein geduldiges Gedächtnis, weil wir in den Widrigkeiten wissen, dass der Geist Jesu in uns bleibt. Die Eucharistie ermutigt uns: Auch auf dem holprigsten Weg sind wir nicht alleine, der Herr vergisst uns nicht, und jedes Mal, wenn wir zu ihm gehen, erquickt er uns mit Liebe.

Die Eucharistie erinnert uns auch daran, dass wir keine Individuen sind, sondern ein Leib. Wie das Volk in der Wüste das vom Himmel gefallene Manna aufsammelte und es in der Familie teilte (vgl. Ex 16), so ruft uns Jesus, das Brot vom Himmel, zusammen, um ihn gemeinsam zu empfangen und unter uns zu teilen. Die Eucharistie ist nicht ein Sakrament „für mich“, sie ist das Sakrament vieler, die einen einzigen Leib bilden. Der heilige Paulus hat es uns in Erinnerung gerufen: »Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot« (1 Kor 10,17). Die Eucharistie ist das Sakrament der Einheit. Wer sie empfängt, kann nicht anders als ein Erbauer der Einheit sein, da in ihm, in seiner „geistlichen DNA“ der Aufbau der Einheit entsteht. Dieses Brot der Einheit heile uns von dem Drang, die anderen zu beherrschen, von der Gier, alles für sich zu sichern, vom Schüren von Uneinigkeit und von der Verbreitung von Kritik; es möge in uns die Freude erwecken, uns ohne Rivalität, Neid und gehässiges Gerede zu lieben.

Indem wir nun die Eucharistie leben, beten wir den Herrn an und danken wir ihm für diese höchste Gabe: lebendiges Gedächtnis seiner Liebe, das einen einzigen Leib aus uns macht und uns zur Einheit führt.

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Raus aus dem lauwarmen Lebensstil!

Santa Marta, 23. Mai 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Frühmesse am 23. Mai 2017 in der Domus Sanctae Marthae

Papst Franziskus forderte in der Frühmesse am 23. Mai 2017 in der Domus Sanctae Marthae die freudige Verkündung Jesu. Ausgehend von Apostelgeschichte16,22-34 erzählte der Papst die Geschichte von Paulus und Silas.

Papst Franziskus legte dar, dass die Kirche Christi nicht ruhig sei, sondern riskiere und diene. „In der Kirche wird derjenige, der die vielen weltlichen Lebensweisen anklagt, schief angesehen; das geht nicht, besser, man entfernt sich.“

Viele in der Geschichte der Kirche seien verfolgt worden, wie z.B. der selige Romero. Auch in seiner Heimat sei man Menschen mit Reformurteilen abweisend begegnet, erinnerte der Papst. Der böse Geist bevorzuge nämlich eine ruhige Kirche, eine Kirche der Geschäfte, eine bequeme Kirche. Über die Taschen, also das Geld, verschaffe sich der böse Geist immer Zugang.

Papst Franziskus kehrte zur Geschichte von Paulus und Silas zurück und berichtete von ihrer Gefangenschaft. Als der Wärter entdeckt habe, dass sich die Fesseln der Gefangenen gelöst hätten, habe er sich das Leben nehmen wollen. Er fürchtete nämlich, dass sie alle geflohen seien. Doch Paulus habe ihn beruhigt. Schließlich habe sich der Wärter bekehrt.

„Und das ist der Weg unserer täglichen Bekehrung: von einem weltlichen Lebensstil, ruhig ohne Risiken, katholisch, ja, ja, aber so, lauwarm, zu einem Lebensstil der wahren Verkündung Jesu Christi, zur Freude der Verkündung Jesu.“ Statt Geld müsse dem wahren Gläubigen der wahre Glaube und die Verkündung am Herzen liegen.

Eine Kirche ohne Märtyrere erwecke Mißtrauen, eine Kirche, die nicht riskiere, wecke Mißtrauen. Gleiches gelte für eine Kirche, die Angst habe, Dämone und Götzen, wie Geld, zu verjagen. Mögen wir alle das erlangen: „eine erneuerte Jugend, eine Bekehrung vom lauwarmen Lebensstil zur freudenreichen Verkündung, dass Jesus der Herr ist.“

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Morgenmesse: Zeugen des Gehorsams werden

Der Papst bei seiner Frühmesse

Christ sein ist kein sozialer Status, sondern es bedeutet vielmehr, Gehorsam gegenüber Gott zu üben, so wie es Jesus vorgelebt hat. Und eine Konsequenz dieses Gehorsams sind Verfolgungen. Das sagte Papst Franziskus an diesem Donnerstag bei der Frühmesse in seiner Vatikanresidenz Casa Santa Marta. Es sei der Heilige Geist, der uns zu Zeugen Christi im Gehorsam berufe, doch gleichzeitig sollten wir Gott um diese Gnade bitten, betonte der Papst.

„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“: Das ist die Antwort, die der Apostel Petrus in der ersten Tageslesung dem Hohen Rat gibt, der ihn und die Mitjünger verhört. Erst kurz zuvor waren zwei Apostel durch einen Engel aus dem Kerker befreit worden, doch anstatt das Verbot zu beherzigen, öffentlich im Namen Jesu zu predigen, begaben sie sich sofort wieder in den Tempel und „erfüllten Jerusalem mit ihrer Lehre“. Der Hohepriester zeigte sich empört angesichts dieser Handlungsweise, doch noch mehr über die mutige Antwort des Petrus, der zuvor Jesus aus Angst gleich dreimal verleugnet hatte. Das Verhalten des Petrus, so entwickelte Papst Franziskus seine Gedanken bei der Predigt, zeige, dass der Christ ein „Zeuge des Gehorsams“ sei, so wie Jesus, der zum Vater gesagt hatte: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“

„Der Christ ist ein Zeuge des Gehorsams, und wenn wir nicht auf diesem Weg sind, im Zeugnis des Gehorsams zu wachsen, dann sind wir keine Christen. Zumindest auf diesem Weg unterwegs sein: Zeuge des Gehorsams.“ Der Christ sei kein „Zeuge einer Idee, einer Philosophie“ oder sogar „einer Firma, einer Bank oder einer Macht. Er ist Zeuge des Gehorsams. Wie Jesus.“

Doch, so erinnerte Papst Franziskus, Zeuge des Gehorsams zu werden, sei „eine Gnade des Heiligen Geistes.“ Es sei nicht damit getan, „zu diesem spirituellen Leiter zu gehen“, oder „jenes Buch zu lesen“: „Das ist alles schön und gut, aber nur der Heilige Geist kann uns das Herz verändern und uns zu Zeugen des Gehorsams machen. Das ist ein Werk des Geistes, eine Gnade, und wir müssen darum bitten.“

Nur so könne man zu einem Zeugen des Gehorsams, also zu einem wirklichen Christen werden, betonte der Papst. Doch in der Lesung werde bereits darauf hingewiesen, dass dies Konsequenzen habe: Die Hohepriester „gerieten in Zorn“ angesichts der Antwort des Petrus und „wollten sie töten.“

„Die Konsequenzen des Zeugen des Gehorsams sind Verfolgungen. Als Jesus die Seligpreisungen aufzählt, endet er mit ,Selig ihr, die ihr geschmäht und verfolgt werdet‘. Das Kreuz gehört zum Leben eines Christen. Das Leben eines Christen ist kein sozialer Status, eine Spiritualität, die mich „gut“ oder ein bisschen besser macht. Das langt nicht. Das Leben eines Christen ist das Zeugnis des Gehorsams, und das Leben eines Christen ist voll von Verleumdungen, Gerüchten und Verfolgungen.“

Man solle um die Gnade bitten, ein Zeuge des Gehorsams zu werden und sich selbst als Sünder zu erkennen, so die abschließenden Überlegungen des Papstes. Und dann bestehe kein Grund, Sorge zu haben, wenn die Verfolgungen einsetzten: Gott selbst habe darauf hingewiesen, dass der Heilige Geist uns die Antworten eingebe, wenn wir vor den Richter geführt würden.

(27.04.2017 cs)

D: Ratzinger-Predigten enorm nachgefragt

Benedikt XVI. bei einer Messfeier. Archivbild von 2013

Es gibt eine enorme Nachfrage nach Predigten von Benedikt XVI. Das sagt der Regensburger Bischof und Direktor des Papst-Benedikt-Instituts, Rudolf Voderholzer der Zeitung Die Tagespost. Die Texte seien überreich an Anregungen und von beispielhafter spiritueller Tiefe, so Voderholzer. Am Regensburger Papst-Benedikt-Institut wird die Werkausgabe Joseph Ratzingers erarbeitet. Am Ostersonntag wurde der frühere Papst 90 Jahre alt.

Auch junge Theologen spürten, dass in Ratzingers Werk „die Bedeutung des Glaubens“ aufleuchte, betonte der Bischof. In den Schriften Ratzingers gingen Wahrheitssuche und Schönheit des Glaubens einher mit existenziellem Tiefgang. Er sei überzeugt, so Voderholzer, dass Benedikt „zu den ganz großen Predigern auf dem Stuhl Petri gezählt werden wird“.

(kna 16.04.2017 ord)

Papstpredigt: „Lassen wir uns von der Neuheit überraschen“

Osternacht in Sankt Peter

Predigt von Papst Franziskus
in der Osternacht im Petersdom

»Nach dem Sabbat, beim Anbruch des ersten Tages der Woche, kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen« (Mt 28,1). Wir können uns jene Schritte vorstellen … der Schritt, der typisch ist für den, der zum Friedhof geht: ein vor Verwirrung müder Schritt, der schwache Schritt dessen, der nicht davon überzeugt ist, dass auf diese Weise alles zu Ende sein soll … Wir können uns ihre bleichen, tränenfeuchten Gesichter vorstellen … Und die Frage: Wie kann es sein, dass die Liebe tot ist?

Im Gegensatz zu den Jüngern sind sie da – so wie sie schon den letzten Atemzug des Meisters am Kreuz und dann sein Begräbnis durch Josef aus Arimathäa begleitet haben: zwei Frauen, die fähig waren, nicht davon zu laufen, sondern auszuhalten, die fähig waren, sich dem Leben zu stellen, so wie es ist, und den Bittergeschmack des Unrechts zu ertragen. Und nun sind sie dort vor dem Grab, unter Schmerzen, unfähig, sich damit abzufinden und zu akzeptieren, dass alles immer so enden muss.

Die Gesichter der Frauen

Und wenn wir uns in unserer Vorstellung ein wenig anstrengen, dann können wir im Gesicht dieser Frauen das Gesicht vieler Mütter und Großmütter, das Gesicht von Kindern und Jugendlichen finden, welche die Last und den Schmerz so unmenschlicher Ungerechtigkeit ertragen. Wir sehen, wie sich in ihnen die Gesichter all jener widerspiegeln, die in der Gesellschaft den Schmerz des Elends, der Ausbeutung und des Menschenhandels spüren. In ihnen sehen wir auch die Gesichter derer, die Verachtung erfahren, weil sie immigriert sind, heimatlos, ohne Heim und Familie; die Gesichter derer, aus denen Einsamkeit und Verwahrlosung sprechen, weil sie auch sehr runzelige Hände haben. Sie spiegeln das Gesicht von Frauen und Müttern wider, die weinen, weil sie sehen, wie das Leben ihrer Kinder unter der Last der Korruption begraben wird. Diese nimmt ihnen ihre Rechte und lässt vielerlei Bestrebungen zerbrechen unter der täglichen Ichsucht, welche die Hoffnung vieler kreuzigt und begräbt, und unter einer lähmenden und unnützen Bürokratie, die eine Änderung der Dinge nicht zulässt. In ihrem Schmerz haben sie das Gesicht all jener, die in der Gesellschaft die menschliche Würde gekreuzigt sehen.

In den Gesichtern dieser Frauen sind viele Gesichter, vielleicht finden wir auch das deine und das meine. Wie sie mögen wir uns veranlasst fühlen, uns auf den Weg zu machen, uns nicht mit der Tatsache abzufinden, dass alles so enden muss. Es stimmt, wir tragen im Innern eine Verheißung und eine Gewissheit der Treue Gottes. Aber auch unsere Gesichter sprechen von Wunden, sie sprechen von vielfacher Untreue – unsere und die der anderen –, sie sprechen von Versuchen und verlorenen Schlachten. Unser Herz weiß, dass die Dinge anders sein können, doch gleichsam ohne es zu merken gewöhnen wir uns daran, mit dem Grab zu leben und mit der Enttäuschung. Mehr noch, wir gehen sogar so weit, uns einzureden, dass dies das Gesetz des Lebens ist, während wir uns mit Ausflüchten betäuben, die nichts anderes bewirken, als die Hoffnung, die Gott in unsere Hände gelegt hat, auszulöschen. So sind oft unsere Schritte, so ist unser Gehen wie das dieser Frauen – ein Gehen zwischen der Sehnsucht nach Gott und einer freudlosen Resignation. Nicht nur der Meister stirbt – mit ihm stirbt unsere Hoffnung.

Ein starker Stoß

»Und siehe, es geschah ein gewaltiges Erdbeben« (Mt 28,2). Plötzlich erhielten die Frauen einen starken Stoß, etwas oder jemand ließ den Boden unter ihren Füßen erbeben. Weiter kommt ihnen jemand entgegen und sagt: Fürchtet euch nicht!, doch diesmal mit dem Zusatz: Er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Und das ist die Botschaft, die uns diese heilige Nacht von Generation zu Generation schenkt: Fürchten wir uns nicht, Brüder und Schwestern, er ist auferstanden, wie er gesagt hat! Das am Kreuz entrissene, zerstörte, vernichtete Leben ist wieder erwacht und schlägt wieder (vgl. R. Guardini, Der Herr, Würzburg 1951, S. 479). Der Herzschlag des Auferstandenen bietet sich uns als Gabe, als Geschenk, als Horizont dar. Der Herzschlag des Auferstandenen wurde uns geschenkt, damit wir ihn, wie von uns verlangt wird, unsererseits als verwandelnde Kraft und Ferment einer neuen Menschheit weiterschenken. Durch seine Auferstehung hat Christus nicht nur den Stein des Grabes umgekippt, sondern er will auch alle Schranken sprengen, die uns in unseren unnützen pessimistischen Haltungen und unseren berechnenden Denkwelten, die uns vom Leben wegführen, einschließen wie auch in unserer besessenen Suche nach Sicherheit und in den maßlosen Ambitionen, die imstande sind, mit der Würde der anderen zu spielen.

Als der Hohepriester und die geistlichen Würdenträger in Komplizenschaft mit den Römern glaubten, alles kalkulieren zu können, als sie meinten, dass das letzte Wort gesprochen wäre und es ihnen zustünde, es festzulegen, da bricht Gott herein, um alle Kriterien umzustoßen und so eine neue Chance zu ermöglichen. Einmal mehr kommt uns Gott entgegen, um eine neue Zeit, die Zeit der Barmherzigkeit festzulegen und zu festigen. Dies ist die seit jeher bestimmte Verheißung, dies ist die Überraschung Gottes für sein treues Volk: Freue dich, denn dein Leben birgt einen Keim der Auferstehung, ein Angebot des Lebens, das auf das Wiedererwachen wartet.

Der Herzschlag des Auferstandenen

Und das ist es, was zu verkünden uns diese Nacht ruft: den Herzschlag des Auferstanden – Christus lebt! Das ist es, was den Schritt der Maria aus Magdala und der anderen Maria veränderte: Das lässt sie hastig wieder aufbrechen und zu den Jüngern eilen, um die Botschaft zu verkünden (vgl. Mt 28,8); das bringt sie dazu, auf dem Absatz kehrtzumachen und einen Blickwechsel zu vollziehen; sie kehren in die Stadt zurück, um die anderen zu treffen.

Wie die Frauen haben auch wir das Grab besucht; so lade ich euch ein, mit ihnen zu gehen, in die Stadt zurückzukehren, eure Schritte und Blicke neu auszurichten. Gehen wir mit ihnen, um die Nachricht zu verkünden, gehen wir … zu all den Orten, wo der Tod die einzige Lösung und das Grab das letzte Wort zu haben schien. Gehen wir, um zu verkünden, um mitzuteilen und zu offenbaren, dass es wahr ist: Der Herr lebt. Er lebt und will in vielen Gesichtern auferstehen, welche die Hoffnung begraben haben, die Träume, die Würde. Und wenn wir nicht fähig sind zuzulassen, dass der Heilige Geist uns auf diese Straße führt, dann sind wir keine Christen.

Gehen wir und lassen wir uns von diesem Morgengrauen, das anders ist, überraschen, lassen wir uns von der Neuheit überraschen, die allein Christus geben kann. Lassen wir zu, dass seine Zärtlichkeit und seine Liebe unsere Schritte in Bewegung versetzen, dass sein Herzschlag unseren schwachen Herzschlag verwandle.

 

(rv 15.04.2017 ord)

Die Papstpredigt bei der Chrisammesse an Gründonnerstag

Hier lesen Sie die Papstpredigt bei der Chrisammesse in St. Peter von diesem Gründonnerstag in der offiziellen Übersetzung. (rv)

»Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze« (Lk 4,18). Der Herr, der vom Geist Gesalbte, bringt den Armen die „frohe Botschaft“ – die frohe Kunde. Alles, was Jesus und auch wir Priester verkünden, ist frohe Kunde. Sie ist freudig erfüllt von der Freude des Evangeliums: sie offenbart die Freude dessen, der in seinen Sünden mit dem Öl der Vergebung gesalbt wurde und in seinem Charisma mit dem Öl der Sendung, um die anderen zu salben. Und so wie Jesus verleiht der Priester der Verkündigung mit seiner ganzen Person freudige Gestalt. Wenn er die Homilie – wenn möglich kurz – hält, tut er dies mit der Freude, die das Herz der ihm anvertrauten Menschen mit dem Wort anrührt, durch das der Herr ihn selbst während seines Gebets angerührt hat. Wie jeder missionarische Jünger verleiht der Priester mit seinem ganzen Wesen der Verkündigung freudigen Ausdruck. Und andererseits sind es gerade die kleinsten Einzelheiten – wir alle haben die Erfahrung gemacht –, welche die Freude besser fassen und mitteilen: wenn jemand einen kleinen Schritt mehr macht und so bewirkt, dass die Barmherzigkeit ins Niemandsland überläuft; wenn jemand sich entscheidet, konkret Tag und Zeit des Treffens festzulegen; wenn jemand ruhig und bereitwillig zulässt, dass man seine Zeit in Anspruch nimmt …

Die frohe Kunde kann einfach als eine andere Weise erscheinen, um „Evangelium“ zu sagen, wie etwa „Frohbotschaft“ oder „Gute Nachricht“. Dennoch enthält sie etwas, was alles Übrige in sich schließt: die Freude des Evangeliums. Sie fasst alles zusammen, weil sie in sich selbst freudig ist.

Die frohe Kunde ist die kostbare Perle aus dem Evangelium. Sie ist kein Gegenstand, sie ist eine Sendung. Dies weiß derjenige, der »die innige und tröstliche Freude der Verkündigung des Evangeliums« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 10) erfährt.

Die frohe Kunde geht aus der Salbung hervor. Die erste „große priesterliche Salbung“ Jesu ist diejenige, die vom Heiligen Geist im Schoß Mariens gewirkt wurde.

In jenen Tagen ließ die frohe Kunde die jungfräuliche Mutter das Magnificat singen; sie erfüllte das Herz Josefs, ihres Bräutigams, mit heiligem Schweigen und ließ Johannes im Schoß seiner Mutter Elisabet vor Freude hüpfen.

Heute kehrt Jesus nach Nazaret zurück und die Freude des Geistes erneuert die Salbung in der kleinen Synagoge des Dorfes: Der Geist senkt sich auf ihn herab, er wird über ihn ausgegossen und salbt ihn mit dem Öl der Freude (vgl. Ps 45,8).

Die frohe Kunde. Ein einziges Wort – Evangelium –, das bei der Verkündigung selbst zu froher und barmherziger Wahrheit wird.

Niemand möge versuchen, diese drei Gnaden des Evangeliums voneinander zu trennen: seine Wahrheit – nicht verhandelbar –, seine Barmherzigkeit – vorbehaltlos für alle Sünder – und seine Freude – tief und einschließend.

Nie wird die Wahrheit der frohen Kunde nur eine jener abstrakten Wahrheiten sein, die im Leben der Personen nicht voll Gestalt annehmen, weil sie sich als gedruckter Buchstabe in Büchern angenehmer fühlen.

Nie wird die Barmherzigkeit der frohen Kunde eine falsche Bemitleidung sein, die den Sünder in seinem Elend zurücklässt, da es ihm nicht die Hand reicht, um aufzustehen, und ihn nicht in seinem Bemühen, einen Schritt vorwärts zu machen, begleitet.

Nie wird die Kunde traurig oder neutral sein, weil sie Ausdruck einer ganz persönlichen Freude ist, nämlich der »Freude eines Vaters, der nicht will, dass auch nur einer seiner Kleinen verloren geht« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 237): Es ist die Freude Jesu, wenn er sieht, dass den Armen das Evangelium verkündet wird und die Kleinen sich aufmachen, das Evangelium zu verkünden (vgl. ebd., 5).

 

Die Freuden des Evangeliums – ich verwende nun den Plural, weil es viele und verschiedene sind, je nachdem wie der Geist sie zu allen Zeiten jedem Menschen jeglicher einzelnen Kultur mitteilen will – sind besondere Freuden. Sie müssen in neue Schläuche gefüllt werden, in jene Schläuche, von denen der Herr spricht, um die Neuheit seiner Kunde zum Ausdruck zu bringen.

Ich möchte gemeinsam mit euch, liebe Priester und Brüder, drei „Ikonen“ von neuen Schläuchen betrachten, in denen sich die frohe Kunde gut hält und nicht zu Essig wird, sondern in Fülle ausgegossen werden kann.

Eine Ikone der frohe Kunde sind die Wasserkrüge bei der Hochzeit zu Kana (vgl. Joh 2,6). In einem Detail spiegeln sie gut jenen vollkommenen Schlauch wider, der die Muttergottes, die Jungfrau Maria, sie selbst ganz und gar ist. Im Evangelium heißt es: »Sie füllten sie bis zum Rand« (Joh 2,7). Ich stelle mir vor, dass manch einer der Diener Maria angeschaut haben wird, um zu sehen, ob es so ausreichend war, und es von ihr ein Zeichen gab, um zu sagen, dass ein weiterer Kübel hinzugefügt werden soll. Maria ist der neue Schlauch der ansteckenden Fülle. Sie ist »die Magd des Vaters, die in Lobpreis ausbricht« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 286), die Mutter Gottes der schnellen Hilfe. Nachdem sie eben erst in ihrem unbefleckten Schoß das Wort des Lebens empfangen hat, geht sie ihre Cousine Elisabet besuchen und dient ihr. Ihre ansteckende Fülle macht es uns möglich, die Versuchung der Angst zu überwinden: jenen Mangel an Mut, sich bis zum Rand füllen zu lassen; jenen Kleinmut, nicht hinzugehen und die anderen mit Freude anzustecken. Nichts von alledem, denn »die Freude des Evangeliums erfüllt das Herz und das gesamte Leben derer, die Jesus begegnen« (ebd., 1).

Die zweite Ikone der frohen Kunde ist der Krug, den die Samariterin mit ihrem hölzernen Schöpfgefäß in der prallen Mittagssonne auf dem Kopf trug (vgl. Joh 4,5-30). Hier kommt eine wesentliche Sache gut zum Ausdruck: die Konkretheit. Der Herr, der Quell des lebendigen Wasser, hatte kein Schöpfgefäß, um Wasser zu schöpfen und einen Schluck zu trinken. Und die Samariterin nahm mit dem Schöpfgefäß Wasser aus ihrem Krug und stillte den Durst des Herrn. Und sie stillte ihn noch mehr mit dem Bekenntnis ihrer konkreten Sünden. Da der Heilige Geist den Schlauch dieser samaritanischen Seele, vor Barmherzigkeit überfließend, schüttelte, ergoss er sich über alle Bewohner jenes kleinen Dorfs, die den Herrn einluden, bei ihnen zu verweilen.

Einen neuen Schlauch mit dieser einbeziehenden Konkretheit hat uns der Herr in der „samaritanischen“ Seele einer Mutter Teresa von Kalkutta geschenkt. Er rief sie und sagte ihr: »Mich dürstet«. „Meine Kleine, komm, trage mich in die Höhlen der Armen. Komm, sei mein Licht. Ich kann nicht allein gehen. Sie kennen mich nicht, deshalb wollen sie mich auch nicht. Trage mich zu ihnen.“ Und bei einer konkreten Tat beginnend hat sie mit ihrem Lächeln und ihrer Art, mit den Händen die Wunden zu berühren, allen die frohe Kunde gebracht.

Die dritte Ikone der frohen Kunde ist der unermessliche Schlauch des durchbohrten Herzens des Herrn: sanfte, demütige und arme Unversehrtheit, die alle zu sich zieht. Von ihm müssen wir lernen, dass man eine große Freude denen, die sehr arm sind, nur verkünden kann, wenn es auf respektvolle und demütige Weise bis hin zur Erniedrigung geschieht. Die Evangelisierung darf nicht überheblich sein. Die Unversehrtheit der Wahrheit darf nicht starr sein. Der Heilige Geist verkündet und lehrt »die ganze Wahrheit« (Joh 16,13) und fürchtet sich nicht, sie schluckweise trinken zu lassen. Der Geist sagt uns in jedem Augenblick, was wir unseren Gegnern sagen müssen (vgl. Mt 10,19) und erleuchtet den kleinen Schritt nach vorne, den wir in jenem Augenblick machen können. Diese sanfte Unversehrtheit gibt den Armen Freude, richtet die Sünder wieder auf und lässt die vom Teufel Unterdrückten Atem schöpfen.

Liebe Priester, wenn wir diese drei neuen Schläuche betrachten und aus ihnen trinken, so möge die frohe Kunde in uns die ansteckende Erfülltheit // Fülle, haben, welche die Muttergottes mit ihrem ganzen Wesen überträgt, sowie die einschließende Konkretheit der Verkündigung der Samariterin und die sanfte Unversehrtheit, mit der der Geist unablässig aus dem durchbohrten Herzen Jesu unseres Herrn hervorströmt und sich ergießt.

(rv 13.04.2017 mg)