Die Papstpredigt am Aschermittwoch

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Stationengottesdienst zum Aschermittwoch: Hier in Santa Sabina – RV

Hier lesen Sie die Predigt des Papstes in der offiziellen Übersetzung

»Kehrt um zu mir von ganzem Herzen, […] kehrt um zum Herrn« (Joël 2,12.13): Das ist der Ruf, mit dem sich der Prophet Joël im Namen des Herrn an das Volk wendet. Keiner konnte sich ausgenommen fühlen: »Versammelt die Alten, holt die Kinder zusammen, auch die Säuglinge; […] Bräutigam […] und Braut« (V. 16). Das ganze gläubige Volk ist aufgerufen, sich auf den Weg zu machen und seinen Gott anzubeten, »denn er ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Huld« (V. 13).

Auch wir wollen diesem Aufruf Gehör verschaffen; wir wollen zurückkehren zum erbarmungsvollen Herzen des Vaters. In dieser Gnadenzeit, die wir heute beginnen, richten wir wieder unseren Blick auf seine Barmherzigkeit. Die Fastenzeit ist ein Weg: Sie führt uns zum Sieg der Barmherzigkeit über alles, was uns zu erdrücken sucht oder was uns zu irgend einer Sache machen will, die nicht unserer Würde als Kinder Gottes entspricht. Die Fastenzeit ist die Straße von der Knechtschaft in die Freiheit, vom Leiden zur Freude, vom Tod zum Leben. Das Zeichen der Asche, mit dem wir uns auf den Weg machen, erinnert uns an unsere ursprüngliche Situation: Wir sind von der Erde genommen, wir sind Staub. Ja, aber Staub in den liebenden Händen Gottes, der seinen Lebensgeist über jeden von uns blies und dies auch weiter tun will. Er will fortfahren, uns diesen Lebensatem zu geben, der uns vor anderen Weisen des Atemholens bewahrt: der Beklemmung, die durch unsere Egoismen hervorgerufen wird; dem Um-Luft-Ringen, das durch kläglichen Ehrgeiz und stumme Teilnahmslosigkeit hervorgerufen wird; der Atemnot, die den Geist erstickt, den Horizont verengt, den Herzschlag einschlafen lässt. Der Lebensatem Gottes rettet uns vor dieser Luftnot, die unseren Glauben auslöscht, unsere Nächstenliebe erkalten lässt und unsere Hoffnung vernichtet. Die Fastenzeit leben heißt nach diesem Lebensatem lechzen, den unser Vater uns unaufhörlich im Schmutz unserer Geschichte darbietet.

Der Lebensatem Gottes befreit uns von jener Luftnot, die uns so oft nicht bewusst ist und die wir in unserer Gewohnheit sogar als „normal“ ansehen, auch wenn ihre Wirkungen zu spüren sind. Sie scheint uns „normal“, weil wir uns daran gewöhnt haben, Luft zu atmen, wo die Hoffnung dünn geworden ist; Luft, die von Traurigkeit und Resignation belastet ist; Luft, die voll Angst und Feindseligkeit stickig ist.

Die Fastenzeit ist die Zeit, nein zu sagen. Nein zur Erstickung des Geistes wegen der Luftverschmutzung, die durch die Teilnahmslosigkeit verursacht wird oder durch die Nachlässigkeit, zu denken, dass das Leben des Anderen mich nichts angeht. Nein zur Erstickung des Geistes wegen jedes Versuchs, das Leben zu banalisieren, besonders bei denen, die am eigenen Fleisch die Last großer Oberflächlichkeit tragen. Die Fastenzeit will nein sagen zur giftigen Luftverschmutzung der leeren Worte und des sinnlosen Redens, der rüden und vorschnellen Kritik, der allzu simplen Rezepte, die die Vielschichtigkeit der Probleme der Menschen nicht zu erfassen vermögen, besonders derjenigen, die am meisten leiden. Die Fastenzeit ist die Zeit, nein zu sagen; nein zur Beklemmung durch ein Beten, das unser Gewissen ruhig stellt, und durch ein Almosengeben, das uns falsche Befriedigung schenkt; nein zur Atemnot durch ein Fasten, das uns das Gefühl gibt, dass alles in Ordnung ist. Die Fastenzeit ist die Zeit, nein zu sagen zur Erstickung, die von missverstandener Innerlichkeit herrührt, die ausschließt und zu Gott gelangen will, indem sie den Wunden Christi in den Wunden seiner Brüder und Schwestern ausweicht. Dies sind jene Formen von Spiritualität, die den Glauben zu einer Ghetto- und Ausschließungskultur machen.

Die Fastenzeit ist eine Zeit des Erinnerns. Sie ist die Zeit, nachzudenken und sich zu fragen: Was wäre mit uns, wenn Gott uns die Türen versperrt hätte? Was wäre mit uns ohne seine Barmherzigkeit, die nicht müde wird, uns zu verzeihen, und uns immer die Möglichkeit gibt, immer wieder neu anzufangen? Die Fastenzeit ist die Zeit, sich zu fragen: Wo wären wir ohne den Beistand so vieler stiller Gesichter, die uns auf tausendfache Weise die Hand hingestreckt und uns mit ganz konkreten Taten wieder Hoffnung geschenkt, uns geholfen haben, wieder neu anzufangen?

Die Fastenzeit ist die Zeit, um wieder durchzuatmen. Sie ist die Zeit, um das Herz dem Atem des Einzigen zu öffnen, der fähig ist, unseren Staub in Menschsein zu verwandeln. Es ist nicht die Zeit, um sich die Kleider zu zerreißen angesichts des Bösen, das uns umgibt; es geht vielmehr darum, in unserem Leben all dem Guten, das wir wirken können, Raum zu geben, indem wir uns dessen entledigen, was uns isoliert, uns verschließt und uns lähmt. Die Fastenzeit ist die Zeit des Mitfühlens, um mit dem Psalmisten zu sprechen: Herr, gib uns wieder die Freude deines Heils, rüste uns aus mit dem Geist der Großmut, damit wir mit unserem Leben dein Lob verkünden (vgl. Ps 51,14.17) und unser Staub – kraft deines Lebensatems – zu einem in dich „verliebten Staub“ wird.

(rv 01.03.2017 mg)

Papst Franziskus: «Die Frau ist die Harmonie der Welt»

Steel engraving of God creation of woman Adam and Eve Original edition from my own archives Source : Bilder-Bibel 1836 1. Buch Mose Gen. Chap.2

Steel engraving of God creation of woman Adam and Eve Source : Bilder-Bibel 1836 1. Buch Mose Gen. Chap.2

PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS „DOMUS SANCTAE MARTHAE“

Die Frau ist die Harmonie der Welt

Donnerstag, 9. Februar 2017

(aus: L’Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 7, 17. Februar 2017)

»Um eine Frau zu verstehen, muss man zuerst von ihr träumen.« Deshalb ist die Frau »das große Geschenk Gottes«, das fähig ist, »Harmonie in die Schöpfung zu bringen«. Und zwar in dem Maß, gestand Papst Franziskus mit einem Hauch poetischer Zärtlichkeit, dass »es mir gefällt zu denken, dass Gott die Frau geschaffen hat, damit wir eine Mutter haben«. Es war ein regelrechter Hymnus auf die Frauen, den der Papst in der Messe anstimmte, die er am Donnerstag, den 9. Februar, in der Kapelle der Casa Santa Marta anstimmte. Es ist die Frau, so Franziskus, »die uns lehrt zu liebkosen, mit Zärtlichkeit zu lieben und die aus der Welt etwas Schönes macht«. Und wenn »Menschen auszubeuten ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist, dann ist die Ausbeutung der Frau mehr als ein Vergehen und ein Verbrechen: es bedeutet, die Harmonie zu zerstören, die Gott der Welt geben wollte. Es bedeutet einen Rückschritt.«

Bei seinen Betrachtungen ging Franziskus von den Lesungen des Tages aus dem Buch Genesis (2,18-25) und dem Markusevangelium (7,24-30) aus. Die Liturgie »setzt den Bericht über die Schöpfung der Welt fort«, merkte der Papst sofort an und machte darauf aufmerksam, wie es den Anschein hat, »dass mit der Erschaffung des Mannes alles zu seinem Ende gekommen ist«, nämlich so weit, dass »Gott ruht«. Doch »etwas fehlt: der Mann war allein«, und »Gott selbst bemerkte diese Einsamkeit: ›Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht‹«, wie in der Genesis zu lesen ist.

So »formte der Herr handwerklich – aber dies ist eine literarische Ausdrucksweise – ›aus dem Ackerboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und führte sie dem Menschen zu, um zu sehen, wie er sie benennen würde‹, erklärte der Papst, indem er den Text aus der Bibel las. Und Gott sprach zum Mann: »Sie wird deine Gefährtin sein. Gib ihr einen Namen.« Von Gott her, fuhr Franziskus fort, »ist das ein Auftrag zur Herrschaft«. Er sagt zum Mann praktisch: »Du wirst der Herr von diesen sein, jener, der den Namen gibt, jener, der befiehlt«. Doch »für den Mann fand er keine Hilfe, die ihm entsprochen hätte, ist im Buch Genesis zu lesen. So »war der Mann allein, mit all diesen Tieren: ›Komm, hör zu, warum nimmst du dir nicht einen treuen Hund, der dich im Leben begleitet, dann zwei Katzen, um sie zu streicheln‹: der treue Hund ist gut, die Katzen sind nett, für einige, für andere nicht, für die Mäuse nicht!« Der Mann aber »fand in diesen Tieren keine Gesellschaft« und im Grunde »war er allein«.

Franziskus fuhr fort und ging Punkt für Punkt auf den Abschnitt aus dem Buch Genesis ein: »Da ließ der Herr«, so der Bericht weiter, ›einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, so dass er einschlief‹. Ein Mann allein, die Einsamkeit, jetzt wird der Mann zum Schlafen gebracht, der Traum des Mannes: er schlief ein«. Und »handwerklich – das steht so geschrieben – nahm er ihm eine seiner Rippen und ›schuf ein Frau‹ und ›führte sie dem Menschen zu‹. Als der Mann sie sah, sagte er: ›Ach, dieses Mal ja! Das ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch. Frau soll sie heißen – er gibt einen Namen –; denn vom Mann ist sie genommen‹«. Für den Mann, so Franziskus, »ist sie etwas anderes als all das, was er hatte, sie war das, was ihm fehlte, um nicht allein zu sein: die Frau, er entdeckte sie, er sah sie«. Doch »bevor er sie sah, hat er sie geträumt«. Denn »um eine Frau zu verstehen, ist es notwendig, sie zuerst zu träumen; man kann sie nicht so verstehen wie alle anderen Lebewesen: sie ist etwas Verschiedenes, sie ist etwas Anderes«. Gerade »so hat Gott sie geschaffen: dass sie zuerst geträumt wird«.

»Viele Male«, merkte der Papst an, »sprechen wir von der Frau auf funktionale Weise: die Frau ist dazu da, dieses und jenes zu tun, um etwas zu tun, nein! Zuerst ist sie für etwas anderes da: die Frau bringt etwas, so dass die Welt ohne sie nicht so wäre, wie sie ist«. Die Frau »ist verschieden, sie ist etwas, das einen Reichtum bringt, den der Mann und die ganze Schöpfung und die Tiere nicht haben«. Auch »Adam hat sie geträumt, bevor er sie sah: da ist eine gewisse Poesie in dieser Erzählung«. Und »dann der dritte Schritt, wenn Adam sagt: ›Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch‹: die Bestimmung der beiden«. Denn in der Genesis ist zu lesen: »Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch«. Ja, »ein Fleisch«.

»Adam«, so Franziskus weiter, »konnte nicht ein Fleisch sein mit den Vögeln, mit dem Hund, mit der Katze, mit allen Tieren, mit der ganzen Schöpfung: nein, nein! Nur mit der Frau, und das ist die Bestimmung, das ist die Zukunft, das ist es, was fehlte«. Und »so kommt die Frau, um die Schöpfung zu krönen, mehr noch: sie bringt der Schöpfung Harmonie«. Wenn deshalb »die Frau nicht da ist, fehlt die Harmonie«. Auch »wir sagen: aber das ist eine Gesellschaft mit einer starken männlichen Haltung. Es fehlt die Frau«. Und vielleicht wird auch gesagt: »Die Frau ist dazu da, das Geschirr zu spülen, um dieses und jenes zu tun«. Doch es ist ganz anders: »Die Frau ist dazu da, um Harmonie zu bringen; ohne die Frau gibt es keine Harmonie.« Mann und Frau »sind nicht gleich, keiner ist dem anderen übergeordnet: nein. Nur: der Mann bringt keine Harmonie: sie ist es, die jene Harmonie bringt, die uns lehrt zu liebkosen, mit Zärtlichkeit zu lieben und die aus der Welt etwas Schönes macht«. »Drei Schritte« also, betonte der Papst erneut. Vor allem »der einsame Mann, die Einsamkeit des Mannes ohne die Frau; zweitens der Traum: nie kann man eine Frau verstehen, ohne sie zuerst geträumt zu haben; drittens die Bestimmung: ein Fleisch zu sein«.

»Vor einigen Monaten«, vertraute der Papst an, »habe ich bei einer der Audienzen, als ich die Leute hinter den Absperrungen grüßen ging, zufällig ein Ehepaar getroffen, das seinen 60. Hochzeitstag feierte: Sie waren nicht sonderlich alt, denn sie hatten jung geheiratet, sie ging auf die Achtzig zu, doch es ging ihnen gut, sie hatten ein Lächeln auf dem Gesicht«. Als er sie sah, fragte sie der Papst – denn, er lachte, »die Leute, die Hochzeitstage feiern, frage ich immer etwas und scherze dabei«–, wer von den beiden in den sechzig Jahren Ehe »mehr Geduld« gehabt hätte. Und »sie, die auf mich schauten, haben sich in die Augen geblickt – ich werde diese Augen nie vergessen –, dann wandte sich ihr Blick wieder mir zu und sie haben mir gesagt, beide zusammen: ›Wir sind verliebt.‹ »Nach sechzig Jahren«, fügte Franziskus hinzu, »das heißt es, ein Fleisch zu sein, und das ist es, was die Frau bringt: die Fähigkeit, sich zu verlieben. Die Harmonie für die Welt«. »Viele Male«, merkte der Papst an, »hören wir, wie gesagt wird: ›Es ist notwendig, dass da in dieser Gesellschaft, in dieser Einrichtung, dass hier eine Frau ist, damit sie das tut, damit sie diese Dinge verrichtet‹«. Aber »die Funktionalität ist nicht das Ziel der Frau: es ist richtig, dass die Frau Dinge tun muss und – wie wir alle – Dinge tut«.

Doch »das Ziel der Frau ist es, Harmonie zu schaffen, und ohne die Frau gibt es keine Harmonie in der Welt«. Ja, so der Papst eindringlich, »Menschen auszubeuten ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das ist richtig, doch eine Frau auszubeuten ist mehr: es bedeutet, die Harmonie zu zerstören, die Gott der Welt geben wollte«. Es ist dies wirklich »ein Zerstören, es ist kein einfaches Vergehen, kein einfaches Verbrechen, es bedeutet, zurückzukehren, es ist dies ein Zerstören der Harmonie«. »Das ist das große Geschenk Gottes: er hat uns die Frau gegeben«, bekräftigte der Papst. Und im Abschnitt aus dem Markusevangelium der heutigen Liturgie »haben wir gehört, wozu eine Frau fähig ist«, merkte Franziskus an und bezog sich dabei auf die Frau, deren Tochter von einem unreinen Geist besessen war. Eine »mutige« Frau, die »mutig vorangegangen ist, doch sie ist mehr, sie ist mehr: die Frau ist die Harmonie, sie ist Poesie, sie ist Schönheit«. Was so weit geht, dass »ohne sie die Welt nicht so schön wäre, sie wäre nicht harmonisch«.

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Quelle

 

Der Skandal der Christen, die ein Doppelleben führen

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Kappelle Santa Marta

Frühmesse mit Papst Franziskus
in der Kapelle der Domus Sanctae Marthae
am 23. Februar 2017

Im Laufe der Frühmesse in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses ‪„Domus Sanctae Marthae“ hat Papst Franziskus am Donnerstag die Gläubigen dazu aufgerufen, das Gewissen zu prüfen und herauszufinden, ob sie ein ‪„Doppelleben“ führen. Den Eindruck zu vermitteln ‪„gute Katholiken‪‪“ zu sein, ab‪er anders zu handeln, sei ein Skandal, mahnte Franziskus.

Im Zentrum seiner kurzen Betrachtung stand, wie das italienische Programm von Radio Vatikan berichtet, das Tagesevangelium (Markus 9,41-50) und insbesondere folgende sehr klare Worte Jesu: ‪„‪‪‪Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde“.

‪„Der Skandal ist, das eine zu sagen und das andere zu tun‪‪‪“, das heißt ein ‪„Doppelleben“ zu führen, erläuterte Franziskus, der gleich ein Beispiel gab.‪ ‪„‪‪‪Ich bin sehr katholisch, ich gehe immer in die Messe, ich gehöre zu diesem Verein und zu einem anderen, aber mein Leben ist nicht christlich, ich entlohne meine Angestellten nicht gerecht, ich beute die Leute aus, in meinen Geschäften bin ich schmutzig, ich betreibe Geldwäsche“, erklärte er.

Ein konkretes Beispiel war dieses eines katholischen Geschäftsmannes, der obwohl er am Rande des Bankrotts stand und die Gehälter seiner Arbeiter nicht ausbezahlt hatte, zum Strandurlaub in den Nahen Osten reiste.

Deswegen forderte Franziskus die Gläubige dazu auf, ihr Gewissen zu Rate zu ziehen und herauszufinden, ob sie ein ‪„Doppelleben“ führen. Der Papst warnte ausdrücklich, Jesus sei sehr „hart‪‪‪“, was dies betreffe. Er erkenne uns dann nicht, wenn wir an  der Himmelspforte anklopfen. ‪„Ich kenne dich nicht‪‪‪“, werde er antworten.

Das doppelte Leben habe seine Wurzeln im Hochmut, in der Selbstüberschätzung desjenigen, der denke, der Herr werde schon alles vergeben, oder desjenigen, der seine Bekehrung bewußt auf eine weitere Zeit hinausschiebe.

Das Doppelleben ergebe sich, so warnte Papst Franziskus weiter, wenn man den Leidenschaften des Herzens folge, den Todsünden, ‪„die die Wunden der Erbsünde sind‪‪‪“.

[Übersetzt von Paul De Maeyer]

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„In der Versuchung führt man keinen Dialog, sondern betet“

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Santa Marta, 10. Februar 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Predigt bei der Frühmesse in der ‪„Domus Sanctae Marthae“

„In der Versuchung führt man keinen Dialog, sondern betet“. Dies erklärte Papst Franziskus am Freitag in seiner Betrachtung während der Frühmesse ‪in der „Domus Sanctae Marthae“. Wie Radio Vatikan berichtet, warnte Franziskus, nicht ‪„naiv“ zu sein, weil die Korruption klein anfange.

Während er über den Sündenfall von Adam und Eva in der ersten Lesung (Genesis, 3,1-8) meditierte, warnte er vor den Tricks des Teufels, der unter der Form einer verführerischen Schlange versuche zu betrügen. Dies sei seine Spezialität, weil er der ‪„Vater der Lüge“ sei, wie Jesus ihn nannte.

‪„Wenn der Teufel eine Person umgarnt, so tut er dies mit dem Dialog, versucht zu diskutieren“, erläuterte der Papst. Und so begann er einen Dialog mit Eva, und ‪„Schritt für Schritt“ brachte er sie dorthin, wo er sie haben wollte.

In der gleichen Weise versuchte er auch mit Jesus in der Wüste Dialog zu führen, aber Er antwortete mit dem Wort Gottes. Und tatsächlich: „Die drei Antworten Jesu auf dem Teufel kommen aus der Bibel, aus dem Alten Testament, ‪aus dem Wort Gottes, weil mit dem Teufel kann man nicht Dialog führen“, betonte der Papst.

„In der Versuchung führt man keinen Dialog, sondern betet“, unterstrich Franziskus: ‪„‚Hilfe, Herr, ich bin schwach. Ich will mich nicht vor Dir verbergen’.“ Dieser Mut führe zum Sieg über den Teufel, fuhr der Papst fort, aber wenn man einen Dialog beginne, ende man besiegt, geschlagen.

‪„Wir alle wissen, was die Versuchungen sind (…) weil wir haben sie alle. So viele Versuchungen der Eitelkeit, des Hochmuts, der Lust, des Geizes, soviele“, erklärte der Papst, der weiter warnte, der Teufel zahle schlecht. Er verspreche alles, aber lasse uns nackt zurück.

Franziskus sprach auch das Thema Korruption an, die ‪„mit wenig“ beginne. „Und nach und nach, fällt man in die Sünde, fällt man in die Korruption“, sagte der Papst, der ein Beispiel aus dem Alltagsleben schilderte.

Er rief seine Zuhörer dazu auf, nicht naiv zu sein, sondern die Augen offen zu halten, sich nicht zu verstecken, sondern den Mut zu haben, um zurückzukehren und um Vergebung zu bitten, wie der verlorene Sohn.

[Übersetzt von Paul De Maeyer]

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Der Ehebruch und die Vergebung: Der Sinn der Taufe Jesu

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Predigt von Bischof Stefan Oster SDB, 8. Januar 2017

Liebe Schwestern und Brüder,

der Johannes, der heute im Evangelium vorkommt, heißt mit Beinamen „der Täufer“. Was ist das für eine Taufe, zu der er auffordert? Und was hat diese Taufe mit unserer Taufe zu tun? Johannes erklärt es uns im Evangelium selbst: „Ich taufe euch nur mit Wasser, aber nach mir kommt einer, der wird euch mit Feuer und dem Hl. Geist taufen und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe zu lösen.“ Johannes tauft am Jordan. Er tauft damit an einem schicksalsträchtigen Ort: Den Jordan hatte das Volk Israel Jahrhunderte zuvor überquert, um nach der Flucht aus Ägypten und dem langen Weg durch die Wüste in sein gelobtes Land einzuziehen; in das Land, das Gott verheißen und ihnen geschenkt hatte. Israel soll das Land sein, das zu Gott gehört und das Volk ist das Volk, das Gott gehört. In der Mitte des Volkes Israel soll Gott selbst wohnen, vor allem auf dem Zion, in Jerusalem. Und die Sendung Israels ist es, allen anderen Völkern zu zeigen, wie ein Volk lebt, das mit Gott lebt. Dieses Verhältnis macht die tiefste Identität dieses Volkes Israel aus. Aber die Bibel erzählt auch, wie das Volk dieser Beziehung immer wieder untreu wird, wie es den Bund verlässt und bricht, wie es vor Gott davon läuft und sich anderen Mächten und Einflüssen an den Hals wirft. Israel ist die Braut Gottes, aber es wird immer wieder zur Hure, sagen die Propheten in der Schrift, die Braut wird untreu.

 DAS WARTEN ISRAELS AUF DEN MESSIAS

Und Israel wartet über Jahrhunderte auf den Messias, auf eine Gestalt, die den Bund wieder erneuern, die das Reich Davids wieder herstellen sollte; auf eine Gestalt, die darauf hinweisen sollte, was der Sinn von allem ist, was der Sinn Israels ist. Sie warten auf einen, der alles neu macht. Und Johannes der Täufer lebt nun in dem Bewusstsein: Dieser Messias kommt bald. Auch die religiöse Atmosphäre insgesamt ist erfüllt von dieser Erwartung: Der Messias kommt bald. Mancher denkt sogar, Johannes selbst könnte es sein. Aber er wehrt ab, er ist es nicht. Aber er ist der Vorbereiter: Er führt das Volk hinaus an den Jordan, an den Schicksalsfluss: Hier soll sich Israel erinnern, wer ihnen das Land geschenkt hat, hier soll sich Israel erinnern, wer es eigentlich ist, das Volk, das Gott gehört. Und hier soll sich Israel rein waschen lassen, um sich vorzubereiten. Hier tauft Johannes, um dem Herrn den Weg zu bereiten. Nicht einfach äußerlich, nicht nur durch Waschen, sondern durch Umkehr, durch Buße, der Messias soll im Herzen seines Eigentums ankommen. Nur so kann er der Messias sein, der der alles neu macht. Nur so kann er den Bund mit seinem Volk wiederherstellen.

 WAS IST SÜNDE? BRUCH DES BUNDES!

Das Buße-Tun, das Umkehren, das Johannes fordert, hat etwas mit Sünde zu tun. Und Sünde hat zwei Bedeutungen: Sünde ist erstens eine Haltung, eine Lebenshaltung, die entfernt von Gott lebt; die lebt, als ob es Gott nicht gäbe. Das Gegenteil von Sünde ist deshalb nicht Tugend und auch nicht die gute Tat, sondern das Gegenteil von Sünde in diesem Sinn ist der Glaube, das Vertrauen, dass Gott da ist, dass er mich meint, dass er mit mir geht, dass er mir nahe ist. Oder im Sinn von Israel: dass ich wirklich in der Verbindung, im Bund mit Gott lebe. Erst in einem zweiten Sinn ist Sünde dann die schlechte oder böse Tat, das Vergehen. Denn eine böse Tat kommt meistens aus der inneren Distanz zu Gott, aus der inneren Distanz zur Quelle des Guten. Sie kommt aus der Überzeugung und Haltung, dass am Ende nur ich und mein Vorteil zählt, und dass vor allem das gut ist, was zuerst mal mir nützt. Ein Lügner lügt, weil es ihm nützt. Ein Dieb stiehlt, weil es ihm nützt. Und sogar ein Mörder tötet, weil er glaubt, für sich einen Vorteil daraus zu haben – und niemandem Rechenschaft geben zu müssen.

 DIE EHE ALS BEISPIEL

Stellen Sie sich nun als vertiefendes Beispiel eine Ehe zwischen zwei Menschen vor: Und Sie selbst sind einer der Partner; zuerst entfernen Sie sich innerlich von ihrem Partner und denken vor allem nur noch an sich. Und dann folgt zweitens das Fremdgehen, weil sie gerade Spaß daran haben und nicht mehr an ihren Ehepartner denken. Der Bund ist zerbrochen. Der Bund zwischen Israel und seinem Gott war auch allzu oft zerbrochen, weil das Volk fremdgegangen ist.  Aber nehmen wir an, Sie bereuen als Ehepartner Ihre Entfernung und Ihre schlechte Tat. Und Sie wollen die Beziehung wieder erneuern. Genügt es da, wenn Sie den Wunsch äußern, Sie wollen zurück? Und genügt es, wenn Sie ein Zeichen setzen und wie Israel ins Wasser des Jordans steigen? Genügt es, wenn Sie beim Ehebruch das Zeichen Ihres Bundes, Ihren Ehering mal wieder anziehen oder polieren? Ist dann schon die Beziehung wieder her gestellt? Nein, ist sie natürlich nicht.

VERGEBUNG IST SCHWER

Es braucht auch die Vergebung des betrogenen Bundespartners, wie des betrogenen Ehepartners. Und wenn Sie nun meinen, Vergebung wäre doch für Gott eine einfache Sache, dann denken Sie einfach mal daran, wie das wäre für Sie selbst: Denken Sie, Sie wären der betrogene Teil in der Ehe, Sie wären der, von dem sich der Partner entfernt hätte und fremd gegangen wäre – obgleich Sie wirklich viel in die Beziehung investiert haben, obgleich Sie Ihren Partner wirklich lieben. Könnten Sie so einfach zur Tagesordnung übergehen und vergeben? Könnten Sie Ihren Partner einfach so umarmen und sagen: Schwamm drüber, ich lieb Dich trotzdem? Oder würde Sie so eine versöhnende Umarmung nicht vielmehr etwas kosten? Viel kosten. Gerade weil Sie Ihren Partner lieben? Vergebung, liebe Schwestern und Brüder, ist schwer, wenn wir lieben. Denn die Liebe sieht vor allem das Gute im Anderen und will es hervorlieben. Das liebende Herz, das so an den Anderen glaubt, wird selbst verletzt – und braucht Zeit und Kraft für die Versöhnung. Versöhnung kostet etwas. Uns blutet buchstäblich das Herz.

DAS GANZE JESU LEBEN IST VERGEBENDE LIEBE – IHM BLUTET DAS HERZ

Aber was hat das nun mit der Taufe Jesu zu tun? Nun, derjenige, der es nie wird nötig haben, um Vergebung zu bitten, derjenige, der das reinste Herz hat, das je über die Erde gelaufen ist, derjenige, der die Liebe und Wahrhaftigkeit in Person ist, er steigt mit dem Volk in das Wasser. Er steigt mit dem Volk in den Jordan, wo Israel zurückfinden will zu seinem Ursprung, in den Fluß, in dem Israel sich waschen will von seinen Vergehen und so zeigen will, zu wem es gehört. Er selbst, unser Herr, ist ja zugleich dieser Ursprung, zu dem das Volk gehören will. Er kommt also seinem Volk unfassbar weit entgegen, er steigt mit Israel in den Jordan, um schon anzufangen, sein Volk zu umarmen, um ihm entgegenzukommen. Um seine Sünden mit zu übernehmen. Er ist nicht nur der Gott, der Mensch wird. Er ist jetzt auch ganz der Mensch seines Volkes, der sein ganzes Volk zum Vater zurückführen wird. Er ist in Person die große Umarmung Gottes, die den sündigen Menschen, der umkehren möchte, wieder an sein Herz ziehen will. Aber, meine Lieben, das kostet ihn etwas. Die Geburt als Mensch ist schon ein Abstieg der Umarmung, ein uvorhersehbarer, unglaublicher Abstieg Gottes in die Niedrigkeit des Menschseins. Und es geht heute weiter mit dem Abstieg: Jetzt steigt er in das Wasser, in dem Israel seine Sünden wäscht. Und er wird anschließend umherziehen, das Reich Gottes predigen, vergeben, heilen, lieben, konfrontieren, erziehen, leiden, sterben. Und der allertiefste Abstieg schließlich und die schmerzhafteste Umarmung, die am meisten kostet, ist das Kreuz. Die ausgestreckten, angenagelten Arme sind die Umarmung der Welt aus Liebe, sind nichts als vergebende Liebe. Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen, sagt Jesus im Evangelium über seine Kreuzigung voraus. Und das Herz blutet ihm – so sehr, dass der Tote aus seinem von der Lanze durchstochenem Herzen einen Schwall von Blut und Wasser ausgießt.

 DAS GESCHENK DER VERGEBUNG

Liebe Schwestern und Brüder, immer, wenn wir Eucharistie feiern, heißt es den Wandlungsworten, dass Jesus sein Blut vergießt zur Vergebung der Sünden. Das Angebot seiner Vergebung reicht so tief, dass es ihn das Leben kostet. Seine Taufe im Jordan ist der Anfang davon, dieses Preises, dieser Kosten, die Jesus für uns übernimmt. Er zahlt den Preis. Seine Taufe ist der Beginn des Todesweges und unsere eigene Taufe wird so zum Geschenk des Lebens, zum Geschenk, dass wir zu ihm gehören dürfen. Immer mit dem Ziel, dass uns vergeben wird. Mehr noch: Jesus schenkt seiner Kirche immer neu die Möglichkeit, aus seiner Vergebung, aus seinem ein für alle Mal offenem Herzen, immer wieder neu vergeben zu dürfen in seinem Namen – ganz besonders in der Beichte. Welch ein Geschenk. Sind wir noch  bereit, es zu empfangen? Wissen wir noch, was das für ein Geschenk ist? Liebe Schwestern und Brüder, noch einmal: Jesus ist mit einer Taufe getauft worden, die in seinen Tod am Kreuz mündete, damit wir das Geschenk und die Sakramente des Lebens haben – und versöhnt mit Ihm und dem Vater leben können. Das feiern wir heute – und damit entlässt uns die Weihnachtszeit heute in das alltägliche Gehen mit dem Herrn. Gehen wir im Vertrauen, dass er wirklich bei uns ist und uns immer neu an sich ziehen will – und dafür alles gegeben hat. Amen.

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Papstmesse: Glaube ich, dass mein Leben ans Herz Jesu rührt?

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Papst Franziskus

Unser Leben ist ein täglicher Kampf: Nein, das ist kein neuer Tweet von Donald Trump, das ist der Leitgedanke aus der Predigt des Papstes von diesem Donnerstag. In der Kapelle der vatikanischen Casa Santa Marta predigte der Papst über das Tagesevangelium (Mk 3,7-12), in dem Jesus in Galiläa von einer Menschenmenge geradezu belagert wird. „Warum kamen so viele Menschen zu Jesus?“, fragte Franziskus. Klar, viele von ihnen seien Kranke gewesen, die auf Heilung hofften. Aber dann gab es doch auch viele, „die Jesus einfach gerne zuhörten, weil er nicht wie ihre Schriftgelehrten redete, sondern mit Vollmacht, und weil das an die Herzen rührte“.Diese Menschen „kamen spontan“, sinnierte der Papst mit einem Anflug von Ironie, die seien „nicht in Bussen herangekarrt worden, wie wir das oft gesehen haben, wenn Demonstrationen organisiert werden“.„Wollten all diese Menschen zu Jesus? Ja! Brauchten sie ihn? Ja! Einige waren neugierig, aber das war bestimmt eine Minderheit… Nein, so eine große Menge hatte der Vater angezogen: Es war der Vater, der die Menschen zu Jesus hinzog. Dem gegenüber konnte Jesus nicht gleichgültig bleiben wie ein unbeweglicher Meister, der seinen Spruch hersagt und sich dann die Hände wäscht. Nein! Diese Menge rührte Jesus ans Herz. Das Evangelium sagt uns: Jesus war bewegt, denn diese Leute schienen ihm wie Schafe, die keinen Hirten haben. Es ist der Vater, der im Heiligen Geist die Menschen zu Jesus zieht.“

Eines allerdings sei „merkwürdig“ an diesem Bibeltext, fuhr der Papst fort: Er beginne mit dem Enthusiasmus der Menschenmenge, aber ende dann mit den unreinen Geistern, mit Besessenen, die vor Jesus niederfallen und schreien: Du bist der Sohn Gottes.

„Das ist die Wahrheit. Das ist die Realität, die jeder von uns spürt, wenn er sich Jesus nähert. Die unreinen Geister sträuben sich dagegen… Aber Padre, ich bin sehr katholisch, ich gehe immer zur Messe, aber ich habe nie solche Versuchungen, Gott sei Dank, nie! – Bete, denn du bist auf einem falschen Weg! Ein christliches Leben ohne Versuchungen ist nicht christlich; es ist ideologisch, es ist gnostisch, aber nicht christlich. Wenn der Vater die Menschen zu Jesus zieht, gibt es da auch einen anderen, der in die andere Richtung zieht und der dir von innen den Krieg erklärt! Deshalb spricht Paulus vom christlichen Leben als einem Kampf – einem täglichen Kampf. Einem Kampf!“

Er meine den Kampf, „um zu siegen, um das Reich Satans zu zerschlagen, das Reich des Bösen“, so Papst Franziskus. Genau dazu sei Jesus gekommen: „um Satan zu zerstören. Um seinen Einfluss auf unsere Herzen zu zerstören.“ Christliches Leben sei ein ständiger Kampf auch in der Hinsicht, „dass du nicht vorwärts kommst, wenn du nicht kämpfst“.

„Überlegen wir mal, wie unser Herz ist: Fühle ich diesen Kampf in meinem Herzen? Zwischen all der Bequemlichkeit oder dem Dienst am anderen, zwischen den Vergnügungen oder dem Gebet und der Anbetung, zwischen diesem und jenem – fühle ich den Kampf? Ich will das Gute tun, und etwas bremst mich… Glaube ich, dass mein Leben ans Herz Jesu rührt? Wenn ich das nicht glaube, dann sollte ich inständig darum beten, das zu glauben und diese Gnade zu erhalten. Jeder von uns untersuche sein Herz, wie es darin aussieht. Und bitten wir den Herrn, Christen zu sein, die zu unterscheiden wissen, was im eigenen Herzen vorgeht, und gut den Weg zu wählen, auf dem uns der Vater hinzieht zu Jesus.“

(rv 19.01.2017 sk)

Papstmesse: Unser Leben ist ein Heute

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Hände von Papst Franziskus

Heute gilt’s, das Heute ist entscheidend: Um diesen Gedanken kreiste die Predigt des Papstes an diesem Donnerstag. In seiner Frühmesse in der Casa Santa Marta des Vatikans predigte Franziskus über einen Satz aus dem Hebräerbrief: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet euer Herz nicht.“ Dieses Heute, von dem da Rede sei, meine „unser Leben“, es sei ein Heute „voller Tage“, nach dem es aber „kein Replay, kein Morgen“ gebe.

Heute liebt uns Gott; heute hat uns Gott versprochen, sich finden zu lassen; heute können wir unseren Bund mit Gott erneuern: Heute, heute, heute. „Es gibt aber in unserem Leben nur ein einziges Heute“, sagte der Papst eindringlich. Darum solle man der Versuchung widerstehen, irgendetwas auf morgen zu verschieben. Morgen sei die Chance vorüber, da sei alles zu spät.

„Ich sage das nicht, um Ihnen einen Schrecken einzujagen. Ich will nur sagen: Unser Leben ist ein Heute. Heute oder nie! So sehe ich das. Das Morgen wird die Ewigkeit sein, ohne Dämmerung, für immer beim Herrn – wenn ich diesem Heute treu bin. Und die Frage, die ich Ihnen stelle, ist dieselbe, die der Heilige Geist stellt: Wie lebe ich dieses Heute?“

Das zweite, wichtige Wort im Zitat aus dem Hebräerbrief lautet für Franziskus: Herz. „In unserem Herzen spielt sich das Heute ab. Ist unser Herz offen für den Herrn? Mich beeindruckt es immer, wenn ein älterer Mensch – ein Priester zum Beispiel oder eine Ordensfrau – mir sagen: Padre, beten Sie dafür, dass ich bis zum Schluss durchhalte. (Dann sage ich:) Aber Sie haben doch Ihr Leben schon hinter sich, alle Tage im Dienst des Herrn, wovor haben Sie denn Angst? – Nein, nein, mein Leben ist noch nicht vorüber. Ich würde es gerne in Fülle leben. Darum beten, dass das Heute reichhaltig gefüllt sei, das Herz fest im Glauben und nicht ruiniert von der Sünde, von den Lastern, von der Korruption…“

Der Papst riet seinen Zuhörern zu einer Gewissens-, genauer: Herzenserforschung. Und zwar heute. „Das Heute wiederholt sich nicht – das Leben ist nur dieses eine. Und ein offenes Herz, offen für den Herrn! Nicht verhärtet, nicht verschlossen, nicht glaubenslos, nicht pervers, nicht verführt von den Sünden. Und der Herr hat so viele Menschen getroffen, die ein verschlossenes Herz hatten: die Schriftgelehrten, all diese Menschen, die ihm nachgestellt haben, die ihn in eine Falle locken wollten, um ihn zu verurteilen… und am Ende ist ihnen das ja auch gelungen. Gehen wir mit diesen beiden Worten nach Hause: Wie ist mein Heute? Kann die Dämmerung auch heute noch kommen? Wie sieht mein Heute aus im Angesicht des Herrn? Und mein Herz, wie steht’s darum? Ist es offen? Ist es fest im Glauben? Lässt es sich mitziehen von der Liebe des Herrn? Mit diesen Fragen bitten wir den Herrn um die Gnade, die jeder von uns nötig hat.“

(rv 12.01.2016 sk)