„In der Versuchung führt man keinen Dialog, sondern betet“

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Santa Marta, 10. Februar 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Predigt bei der Frühmesse in der ‪„Domus Sanctae Marthae“

„In der Versuchung führt man keinen Dialog, sondern betet“. Dies erklärte Papst Franziskus am Freitag in seiner Betrachtung während der Frühmesse ‪in der „Domus Sanctae Marthae“. Wie Radio Vatikan berichtet, warnte Franziskus, nicht ‪„naiv“ zu sein, weil die Korruption klein anfange.

Während er über den Sündenfall von Adam und Eva in der ersten Lesung (Genesis, 3,1-8) meditierte, warnte er vor den Tricks des Teufels, der unter der Form einer verführerischen Schlange versuche zu betrügen. Dies sei seine Spezialität, weil er der ‪„Vater der Lüge“ sei, wie Jesus ihn nannte.

‪„Wenn der Teufel eine Person umgarnt, so tut er dies mit dem Dialog, versucht zu diskutieren“, erläuterte der Papst. Und so begann er einen Dialog mit Eva, und ‪„Schritt für Schritt“ brachte er sie dorthin, wo er sie haben wollte.

In der gleichen Weise versuchte er auch mit Jesus in der Wüste Dialog zu führen, aber Er antwortete mit dem Wort Gottes. Und tatsächlich: „Die drei Antworten Jesu auf dem Teufel kommen aus der Bibel, aus dem Alten Testament, ‪aus dem Wort Gottes, weil mit dem Teufel kann man nicht Dialog führen“, betonte der Papst.

„In der Versuchung führt man keinen Dialog, sondern betet“, unterstrich Franziskus: ‪„‚Hilfe, Herr, ich bin schwach. Ich will mich nicht vor Dir verbergen’.“ Dieser Mut führe zum Sieg über den Teufel, fuhr der Papst fort, aber wenn man einen Dialog beginne, ende man besiegt, geschlagen.

‪„Wir alle wissen, was die Versuchungen sind (…) weil wir haben sie alle. So viele Versuchungen der Eitelkeit, des Hochmuts, der Lust, des Geizes, soviele“, erklärte der Papst, der weiter warnte, der Teufel zahle schlecht. Er verspreche alles, aber lasse uns nackt zurück.

Franziskus sprach auch das Thema Korruption an, die ‪„mit wenig“ beginne. „Und nach und nach, fällt man in die Sünde, fällt man in die Korruption“, sagte der Papst, der ein Beispiel aus dem Alltagsleben schilderte.

Er rief seine Zuhörer dazu auf, nicht naiv zu sein, sondern die Augen offen zu halten, sich nicht zu verstecken, sondern den Mut zu haben, um zurückzukehren und um Vergebung zu bitten, wie der verlorene Sohn.

[Übersetzt von Paul De Maeyer]

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Quelle

Der Ehebruch und die Vergebung: Der Sinn der Taufe Jesu

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Predigt von Bischof Stefan Oster SDB, 8. Januar 2017

Liebe Schwestern und Brüder,

der Johannes, der heute im Evangelium vorkommt, heißt mit Beinamen „der Täufer“. Was ist das für eine Taufe, zu der er auffordert? Und was hat diese Taufe mit unserer Taufe zu tun? Johannes erklärt es uns im Evangelium selbst: „Ich taufe euch nur mit Wasser, aber nach mir kommt einer, der wird euch mit Feuer und dem Hl. Geist taufen und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe zu lösen.“ Johannes tauft am Jordan. Er tauft damit an einem schicksalsträchtigen Ort: Den Jordan hatte das Volk Israel Jahrhunderte zuvor überquert, um nach der Flucht aus Ägypten und dem langen Weg durch die Wüste in sein gelobtes Land einzuziehen; in das Land, das Gott verheißen und ihnen geschenkt hatte. Israel soll das Land sein, das zu Gott gehört und das Volk ist das Volk, das Gott gehört. In der Mitte des Volkes Israel soll Gott selbst wohnen, vor allem auf dem Zion, in Jerusalem. Und die Sendung Israels ist es, allen anderen Völkern zu zeigen, wie ein Volk lebt, das mit Gott lebt. Dieses Verhältnis macht die tiefste Identität dieses Volkes Israel aus. Aber die Bibel erzählt auch, wie das Volk dieser Beziehung immer wieder untreu wird, wie es den Bund verlässt und bricht, wie es vor Gott davon läuft und sich anderen Mächten und Einflüssen an den Hals wirft. Israel ist die Braut Gottes, aber es wird immer wieder zur Hure, sagen die Propheten in der Schrift, die Braut wird untreu.

 DAS WARTEN ISRAELS AUF DEN MESSIAS

Und Israel wartet über Jahrhunderte auf den Messias, auf eine Gestalt, die den Bund wieder erneuern, die das Reich Davids wieder herstellen sollte; auf eine Gestalt, die darauf hinweisen sollte, was der Sinn von allem ist, was der Sinn Israels ist. Sie warten auf einen, der alles neu macht. Und Johannes der Täufer lebt nun in dem Bewusstsein: Dieser Messias kommt bald. Auch die religiöse Atmosphäre insgesamt ist erfüllt von dieser Erwartung: Der Messias kommt bald. Mancher denkt sogar, Johannes selbst könnte es sein. Aber er wehrt ab, er ist es nicht. Aber er ist der Vorbereiter: Er führt das Volk hinaus an den Jordan, an den Schicksalsfluss: Hier soll sich Israel erinnern, wer ihnen das Land geschenkt hat, hier soll sich Israel erinnern, wer es eigentlich ist, das Volk, das Gott gehört. Und hier soll sich Israel rein waschen lassen, um sich vorzubereiten. Hier tauft Johannes, um dem Herrn den Weg zu bereiten. Nicht einfach äußerlich, nicht nur durch Waschen, sondern durch Umkehr, durch Buße, der Messias soll im Herzen seines Eigentums ankommen. Nur so kann er der Messias sein, der der alles neu macht. Nur so kann er den Bund mit seinem Volk wiederherstellen.

 WAS IST SÜNDE? BRUCH DES BUNDES!

Das Buße-Tun, das Umkehren, das Johannes fordert, hat etwas mit Sünde zu tun. Und Sünde hat zwei Bedeutungen: Sünde ist erstens eine Haltung, eine Lebenshaltung, die entfernt von Gott lebt; die lebt, als ob es Gott nicht gäbe. Das Gegenteil von Sünde ist deshalb nicht Tugend und auch nicht die gute Tat, sondern das Gegenteil von Sünde in diesem Sinn ist der Glaube, das Vertrauen, dass Gott da ist, dass er mich meint, dass er mit mir geht, dass er mir nahe ist. Oder im Sinn von Israel: dass ich wirklich in der Verbindung, im Bund mit Gott lebe. Erst in einem zweiten Sinn ist Sünde dann die schlechte oder böse Tat, das Vergehen. Denn eine böse Tat kommt meistens aus der inneren Distanz zu Gott, aus der inneren Distanz zur Quelle des Guten. Sie kommt aus der Überzeugung und Haltung, dass am Ende nur ich und mein Vorteil zählt, und dass vor allem das gut ist, was zuerst mal mir nützt. Ein Lügner lügt, weil es ihm nützt. Ein Dieb stiehlt, weil es ihm nützt. Und sogar ein Mörder tötet, weil er glaubt, für sich einen Vorteil daraus zu haben – und niemandem Rechenschaft geben zu müssen.

 DIE EHE ALS BEISPIEL

Stellen Sie sich nun als vertiefendes Beispiel eine Ehe zwischen zwei Menschen vor: Und Sie selbst sind einer der Partner; zuerst entfernen Sie sich innerlich von ihrem Partner und denken vor allem nur noch an sich. Und dann folgt zweitens das Fremdgehen, weil sie gerade Spaß daran haben und nicht mehr an ihren Ehepartner denken. Der Bund ist zerbrochen. Der Bund zwischen Israel und seinem Gott war auch allzu oft zerbrochen, weil das Volk fremdgegangen ist.  Aber nehmen wir an, Sie bereuen als Ehepartner Ihre Entfernung und Ihre schlechte Tat. Und Sie wollen die Beziehung wieder erneuern. Genügt es da, wenn Sie den Wunsch äußern, Sie wollen zurück? Und genügt es, wenn Sie ein Zeichen setzen und wie Israel ins Wasser des Jordans steigen? Genügt es, wenn Sie beim Ehebruch das Zeichen Ihres Bundes, Ihren Ehering mal wieder anziehen oder polieren? Ist dann schon die Beziehung wieder her gestellt? Nein, ist sie natürlich nicht.

VERGEBUNG IST SCHWER

Es braucht auch die Vergebung des betrogenen Bundespartners, wie des betrogenen Ehepartners. Und wenn Sie nun meinen, Vergebung wäre doch für Gott eine einfache Sache, dann denken Sie einfach mal daran, wie das wäre für Sie selbst: Denken Sie, Sie wären der betrogene Teil in der Ehe, Sie wären der, von dem sich der Partner entfernt hätte und fremd gegangen wäre – obgleich Sie wirklich viel in die Beziehung investiert haben, obgleich Sie Ihren Partner wirklich lieben. Könnten Sie so einfach zur Tagesordnung übergehen und vergeben? Könnten Sie Ihren Partner einfach so umarmen und sagen: Schwamm drüber, ich lieb Dich trotzdem? Oder würde Sie so eine versöhnende Umarmung nicht vielmehr etwas kosten? Viel kosten. Gerade weil Sie Ihren Partner lieben? Vergebung, liebe Schwestern und Brüder, ist schwer, wenn wir lieben. Denn die Liebe sieht vor allem das Gute im Anderen und will es hervorlieben. Das liebende Herz, das so an den Anderen glaubt, wird selbst verletzt – und braucht Zeit und Kraft für die Versöhnung. Versöhnung kostet etwas. Uns blutet buchstäblich das Herz.

DAS GANZE JESU LEBEN IST VERGEBENDE LIEBE – IHM BLUTET DAS HERZ

Aber was hat das nun mit der Taufe Jesu zu tun? Nun, derjenige, der es nie wird nötig haben, um Vergebung zu bitten, derjenige, der das reinste Herz hat, das je über die Erde gelaufen ist, derjenige, der die Liebe und Wahrhaftigkeit in Person ist, er steigt mit dem Volk in das Wasser. Er steigt mit dem Volk in den Jordan, wo Israel zurückfinden will zu seinem Ursprung, in den Fluß, in dem Israel sich waschen will von seinen Vergehen und so zeigen will, zu wem es gehört. Er selbst, unser Herr, ist ja zugleich dieser Ursprung, zu dem das Volk gehören will. Er kommt also seinem Volk unfassbar weit entgegen, er steigt mit Israel in den Jordan, um schon anzufangen, sein Volk zu umarmen, um ihm entgegenzukommen. Um seine Sünden mit zu übernehmen. Er ist nicht nur der Gott, der Mensch wird. Er ist jetzt auch ganz der Mensch seines Volkes, der sein ganzes Volk zum Vater zurückführen wird. Er ist in Person die große Umarmung Gottes, die den sündigen Menschen, der umkehren möchte, wieder an sein Herz ziehen will. Aber, meine Lieben, das kostet ihn etwas. Die Geburt als Mensch ist schon ein Abstieg der Umarmung, ein uvorhersehbarer, unglaublicher Abstieg Gottes in die Niedrigkeit des Menschseins. Und es geht heute weiter mit dem Abstieg: Jetzt steigt er in das Wasser, in dem Israel seine Sünden wäscht. Und er wird anschließend umherziehen, das Reich Gottes predigen, vergeben, heilen, lieben, konfrontieren, erziehen, leiden, sterben. Und der allertiefste Abstieg schließlich und die schmerzhafteste Umarmung, die am meisten kostet, ist das Kreuz. Die ausgestreckten, angenagelten Arme sind die Umarmung der Welt aus Liebe, sind nichts als vergebende Liebe. Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen, sagt Jesus im Evangelium über seine Kreuzigung voraus. Und das Herz blutet ihm – so sehr, dass der Tote aus seinem von der Lanze durchstochenem Herzen einen Schwall von Blut und Wasser ausgießt.

 DAS GESCHENK DER VERGEBUNG

Liebe Schwestern und Brüder, immer, wenn wir Eucharistie feiern, heißt es den Wandlungsworten, dass Jesus sein Blut vergießt zur Vergebung der Sünden. Das Angebot seiner Vergebung reicht so tief, dass es ihn das Leben kostet. Seine Taufe im Jordan ist der Anfang davon, dieses Preises, dieser Kosten, die Jesus für uns übernimmt. Er zahlt den Preis. Seine Taufe ist der Beginn des Todesweges und unsere eigene Taufe wird so zum Geschenk des Lebens, zum Geschenk, dass wir zu ihm gehören dürfen. Immer mit dem Ziel, dass uns vergeben wird. Mehr noch: Jesus schenkt seiner Kirche immer neu die Möglichkeit, aus seiner Vergebung, aus seinem ein für alle Mal offenem Herzen, immer wieder neu vergeben zu dürfen in seinem Namen – ganz besonders in der Beichte. Welch ein Geschenk. Sind wir noch  bereit, es zu empfangen? Wissen wir noch, was das für ein Geschenk ist? Liebe Schwestern und Brüder, noch einmal: Jesus ist mit einer Taufe getauft worden, die in seinen Tod am Kreuz mündete, damit wir das Geschenk und die Sakramente des Lebens haben – und versöhnt mit Ihm und dem Vater leben können. Das feiern wir heute – und damit entlässt uns die Weihnachtszeit heute in das alltägliche Gehen mit dem Herrn. Gehen wir im Vertrauen, dass er wirklich bei uns ist und uns immer neu an sich ziehen will – und dafür alles gegeben hat. Amen.

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Papstmesse: Glaube ich, dass mein Leben ans Herz Jesu rührt?

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Papst Franziskus

Unser Leben ist ein täglicher Kampf: Nein, das ist kein neuer Tweet von Donald Trump, das ist der Leitgedanke aus der Predigt des Papstes von diesem Donnerstag. In der Kapelle der vatikanischen Casa Santa Marta predigte der Papst über das Tagesevangelium (Mk 3,7-12), in dem Jesus in Galiläa von einer Menschenmenge geradezu belagert wird. „Warum kamen so viele Menschen zu Jesus?“, fragte Franziskus. Klar, viele von ihnen seien Kranke gewesen, die auf Heilung hofften. Aber dann gab es doch auch viele, „die Jesus einfach gerne zuhörten, weil er nicht wie ihre Schriftgelehrten redete, sondern mit Vollmacht, und weil das an die Herzen rührte“.Diese Menschen „kamen spontan“, sinnierte der Papst mit einem Anflug von Ironie, die seien „nicht in Bussen herangekarrt worden, wie wir das oft gesehen haben, wenn Demonstrationen organisiert werden“.„Wollten all diese Menschen zu Jesus? Ja! Brauchten sie ihn? Ja! Einige waren neugierig, aber das war bestimmt eine Minderheit… Nein, so eine große Menge hatte der Vater angezogen: Es war der Vater, der die Menschen zu Jesus hinzog. Dem gegenüber konnte Jesus nicht gleichgültig bleiben wie ein unbeweglicher Meister, der seinen Spruch hersagt und sich dann die Hände wäscht. Nein! Diese Menge rührte Jesus ans Herz. Das Evangelium sagt uns: Jesus war bewegt, denn diese Leute schienen ihm wie Schafe, die keinen Hirten haben. Es ist der Vater, der im Heiligen Geist die Menschen zu Jesus zieht.“

Eines allerdings sei „merkwürdig“ an diesem Bibeltext, fuhr der Papst fort: Er beginne mit dem Enthusiasmus der Menschenmenge, aber ende dann mit den unreinen Geistern, mit Besessenen, die vor Jesus niederfallen und schreien: Du bist der Sohn Gottes.

„Das ist die Wahrheit. Das ist die Realität, die jeder von uns spürt, wenn er sich Jesus nähert. Die unreinen Geister sträuben sich dagegen… Aber Padre, ich bin sehr katholisch, ich gehe immer zur Messe, aber ich habe nie solche Versuchungen, Gott sei Dank, nie! – Bete, denn du bist auf einem falschen Weg! Ein christliches Leben ohne Versuchungen ist nicht christlich; es ist ideologisch, es ist gnostisch, aber nicht christlich. Wenn der Vater die Menschen zu Jesus zieht, gibt es da auch einen anderen, der in die andere Richtung zieht und der dir von innen den Krieg erklärt! Deshalb spricht Paulus vom christlichen Leben als einem Kampf – einem täglichen Kampf. Einem Kampf!“

Er meine den Kampf, „um zu siegen, um das Reich Satans zu zerschlagen, das Reich des Bösen“, so Papst Franziskus. Genau dazu sei Jesus gekommen: „um Satan zu zerstören. Um seinen Einfluss auf unsere Herzen zu zerstören.“ Christliches Leben sei ein ständiger Kampf auch in der Hinsicht, „dass du nicht vorwärts kommst, wenn du nicht kämpfst“.

„Überlegen wir mal, wie unser Herz ist: Fühle ich diesen Kampf in meinem Herzen? Zwischen all der Bequemlichkeit oder dem Dienst am anderen, zwischen den Vergnügungen oder dem Gebet und der Anbetung, zwischen diesem und jenem – fühle ich den Kampf? Ich will das Gute tun, und etwas bremst mich… Glaube ich, dass mein Leben ans Herz Jesu rührt? Wenn ich das nicht glaube, dann sollte ich inständig darum beten, das zu glauben und diese Gnade zu erhalten. Jeder von uns untersuche sein Herz, wie es darin aussieht. Und bitten wir den Herrn, Christen zu sein, die zu unterscheiden wissen, was im eigenen Herzen vorgeht, und gut den Weg zu wählen, auf dem uns der Vater hinzieht zu Jesus.“

(rv 19.01.2017 sk)

Papstmesse: Unser Leben ist ein Heute

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Hände von Papst Franziskus

Heute gilt’s, das Heute ist entscheidend: Um diesen Gedanken kreiste die Predigt des Papstes an diesem Donnerstag. In seiner Frühmesse in der Casa Santa Marta des Vatikans predigte Franziskus über einen Satz aus dem Hebräerbrief: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet euer Herz nicht.“ Dieses Heute, von dem da Rede sei, meine „unser Leben“, es sei ein Heute „voller Tage“, nach dem es aber „kein Replay, kein Morgen“ gebe.

Heute liebt uns Gott; heute hat uns Gott versprochen, sich finden zu lassen; heute können wir unseren Bund mit Gott erneuern: Heute, heute, heute. „Es gibt aber in unserem Leben nur ein einziges Heute“, sagte der Papst eindringlich. Darum solle man der Versuchung widerstehen, irgendetwas auf morgen zu verschieben. Morgen sei die Chance vorüber, da sei alles zu spät.

„Ich sage das nicht, um Ihnen einen Schrecken einzujagen. Ich will nur sagen: Unser Leben ist ein Heute. Heute oder nie! So sehe ich das. Das Morgen wird die Ewigkeit sein, ohne Dämmerung, für immer beim Herrn – wenn ich diesem Heute treu bin. Und die Frage, die ich Ihnen stelle, ist dieselbe, die der Heilige Geist stellt: Wie lebe ich dieses Heute?“

Das zweite, wichtige Wort im Zitat aus dem Hebräerbrief lautet für Franziskus: Herz. „In unserem Herzen spielt sich das Heute ab. Ist unser Herz offen für den Herrn? Mich beeindruckt es immer, wenn ein älterer Mensch – ein Priester zum Beispiel oder eine Ordensfrau – mir sagen: Padre, beten Sie dafür, dass ich bis zum Schluss durchhalte. (Dann sage ich:) Aber Sie haben doch Ihr Leben schon hinter sich, alle Tage im Dienst des Herrn, wovor haben Sie denn Angst? – Nein, nein, mein Leben ist noch nicht vorüber. Ich würde es gerne in Fülle leben. Darum beten, dass das Heute reichhaltig gefüllt sei, das Herz fest im Glauben und nicht ruiniert von der Sünde, von den Lastern, von der Korruption…“

Der Papst riet seinen Zuhörern zu einer Gewissens-, genauer: Herzenserforschung. Und zwar heute. „Das Heute wiederholt sich nicht – das Leben ist nur dieses eine. Und ein offenes Herz, offen für den Herrn! Nicht verhärtet, nicht verschlossen, nicht glaubenslos, nicht pervers, nicht verführt von den Sünden. Und der Herr hat so viele Menschen getroffen, die ein verschlossenes Herz hatten: die Schriftgelehrten, all diese Menschen, die ihm nachgestellt haben, die ihn in eine Falle locken wollten, um ihn zu verurteilen… und am Ende ist ihnen das ja auch gelungen. Gehen wir mit diesen beiden Worten nach Hause: Wie ist mein Heute? Kann die Dämmerung auch heute noch kommen? Wie sieht mein Heute aus im Angesicht des Herrn? Und mein Herz, wie steht’s darum? Ist es offen? Ist es fest im Glauben? Lässt es sich mitziehen von der Liebe des Herrn? Mit diesen Fragen bitten wir den Herrn um die Gnade, die jeder von uns nötig hat.“

(rv 12.01.2016 sk)

Franziskus: Demut ist die Tugend der Starken

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Papst Franziskus beim Hochfest der Gottesmutter Maria, 1. Januar

Demut und Zärtlichkeit sind nicht Tugenden der Schwachen, sondern der Starken. Darüber hat Papst Franziskus am ersten Tag des Neuen Jahres gesprochen. Bei der Predigt zum Hochfest der Gottesmutter Maria, zugleich Weltfriedenstag, legte der Papst eine große marianische Predigt vor. Maria bewahre  die Welt vor dem „Krebsgeschwür“ der „spirituellen Verwaisung“, sagte Franziskus. Er erinnerte an das Wirken der Mütter in der Welt als das „stärkste Gegenmittel gegen unsere egoistischen Neigungen“ und bekannte, wie viel er selbst in seinem Leben als Priester von Müttern gelernt habe. Die Gabenprozession zum Hochfest der Gottesmutter gestalteten auch in diesem Jahr Sternsingerkinder aus dem deutschen Sprachraum.

In der Heiligen Schrift tritt uns Maria als „eine eher wortkarge Frau“ entgegen, „ohne Geltungssucht, aber mit einem aufmerksamen Blick“, sagte Franziskus. Die wichtigste ihrer Eigenschaften: Wärme. „Maria zeigt uns mit ihrer Mütterlichkeit, dass die Demut und die Zärtlichkeit nicht Tugenden der Schwachen, sondern der Starken sind; sie lehrt uns, dass es nicht nötig ist, andere schlecht zu behandeln, um sich wichtig zu fühlen“, so der Papst.

Franziskus stellte die Mutter in seiner Predigt als geradezu heilsbringende Gestalt der Gesellschaft heute vor. „Die Mütter sind das stärkste Gegenmittel gegen unsere individualistischen und egoistischen Neigungen, gegen unsere Formen des Sich-Verschließens und der Gleichgültigkeit. Eine Gesellschaft ohne Mütter wäre eine erbarmungslose Gesellschaft, die nur noch dem Kalkül und der Spekulation Raum gelassen hat.“

Mütter verstünden es, selbst in den schlimmsten Momenten Präsenz zu zeigen und in dieser Anwesenheit Liebe und Hoffnung zu spenden. „Ich habe viel gelernt von jenen Müttern, deren Söhne im Gefängnis sind oder entkräftet im Bett eines Krankenhauses liegen oder der Sklaverei der Droge verfallen sind, und die bei Kälte oder Hitze, bei Regen oder Dürre nicht aufgeben und weiter kämpfen, um ihnen das Beste zukommen zu lassen. Oder jene Mütter, denen es in den Flüchtlingslagern oder sogar inmitten des Krieges gelingt, ohne zu wanken das Leiden ihrer Kinder auf sich zu nehmen und ihnen Stütze zu sein. Mütter, die buchstäblich ihr Leben hingeben, damit keines ihrer Kinder verloren geht. Wo die Mutter ist, da gibt es Einheit, gibt es Zugehörigkeit, das Zusammengehören der Kinder.“

Mütter: Das Mittel schlechthin gegen „spirituelle Verwaisung“

Deshalb ist es aus Sicht von Franziskus heilsam und recht, das Neue Jahr mit Blick auf Maria zu beginnen. Der Gedanke an die Gottesmutter bewahre uns vor der zersetzenden Krankheit der „spirituellen Verwaisung“. Mit diesem Begriff umreißt Franziskus eine profunde Heimatlosigkeit, die in seiner Darstellung dazu führt, nur noch auf sich selbst blicken zu können und sich im Egoismus zu verschließen; eine Verwaisung, sagte der Papst, „die wir erleben, wenn in uns das Empfinden der Zugehörigkeit zu einer Familie, zu einem Volk, zu einem Land, zu unserem Gott erlischt.“

Wer eine solche Verwaisung erlebe, vergesse, „dass das Leben ein Geschenk gewesen ist – dass wir es anderen verdanken – und dass wir aufgefordert sind, es in diesem gemeinsamen Haus miteinander zu teilen“. Heimtückisch ist diese Verwaisung nach Darstellung von Franziskus, weil sie auf leisen Sohlen kommt und „die Seele zerfrisst. Und so verkommen wir allmählich, da ja niemand zu uns gehört und wir zu niemandem gehören: Ich verderbe die Erde, weil sie mir nicht gehört, ich entwürdige die anderen, weil sie mich nichts angehen, ich „entwürdige“ Gott, weil ich ihm nicht gehöre, und am Ende verderben und entwürdigen wir uns selbst, weil wir vergessen, wer wir sind und welch göttlichen „Familiennamen“ wir haben“.

Dagegen erinnere uns das Fest der heiligen Gottesmutter daran, „dass wir keine austauschbare Ware oder Empfangsstationen für Informationen sind. Wir sind Söhne und Töchter, wir sind Familie, wir sind Volk Gottes.“ Marias mütterlicher Blick befreie uns von der Verwaisung und lehre, „dass wir lernen müssen, das Leben auf die gleiche Weise und mit derselben Zärtlichkeit zu umsorgen, mit der sie es umsorgt hat: indem wir Hoffnung säen, Zugehörigkeit säen, und Brüderlichkeit säen.“ Zum Ende der Predigt lud der Papst die Gläubigen im Petersdom dazu ein, sich zu erheben und dreimal mit dem Ruf der Christen in Ephesus Maria anzurufen: Heilige Mutter Gottes!

(rv 01.01.2017 gs)

Homilie von Bischof Vitus Huonder am Hochfest von Weihnachten

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Brüder und Schwestern im Herrn,

es ist tatsächlich so: Märchen können erbauen und ergötzen. Als Kind hörte ich fürs Leben gerne Märchen. Es ist auch so: Märchen vermitteln Lehren und enthalten viele Wahrheiten. Aber – und dies ist letztendlich entscheidend – nicht jede Wahrheit ist ein Märchen.

Auch die Wahrheit der geistgewirkten Empfängnis und Menschwerdung unseres Herrn Jesus Christus ist kein Märchen. Die Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria ist kein Märchen. Die Kirche unterstreicht diese Wahrheit, indem sie in ihrer Lehre festhält: Maria war Jungfrau vor, in und nach der Geburt. Die Kirche spricht daher von der immerwährenden Jungfräulichkeit Marias. Das ist fester, verbindlicher Inhalt des katholischen Glaubens.
Im Mittelpunkt der heutigen Feier steht der dritte Artikel des Glaubensbekenntnisses. Er lautet, wie wir dies anschließend im Credo zum Ausdruck bringen: „Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel (herab)gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden“ (Qui propter nos homines et propter nostram salutem, descendit de caelis, et incarnatus est de Spiritu Sancto ex Maria Virgine et homo factus est). Auf diese Weise bekennen wir, dass die Menschwerdung des Sohnes Gottes aus der Jungfrau Maria – die Empfängnis ohne Zutun eines Mannes – Wirklichkeit ist; dass dies geschehen ist. Es ist nicht die Wahrheit eines Märchens. Es ist die Wahrheit der Geschichte. Es ist die Wahrheit eines Ereignisses. Es ist die Wahrheit des göttlichen Wirkens, der göttlichen Allmacht. „Denn für Gott ist nichts unmöglich“ (Lk 1,37), hält Lukas bei der Schilderung der Empfängnis des Sohnes Gottes fest. Damit aber sagt uns der Evangelist, dass er uns kein Märchen erzählen will. Nichts Erfundenes! Nichts Erdichtetes! Vielmehr will er das wunderbare Walten Gottes vor Augen führen. Er will uns das erschließen, was für uns Menschen nicht ohne weiteres einsichtig und nachvollziehbar ist, und uns im Glauben stärken.

Der Evangelist will uns auch darlegen, wie dieses wunderbare Walten Gottes zu erklären ist: Durch das Wirken des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist – die dritte göttliche Person – wirkt so in die Schöpfung, in die Natur hinein, dass die Menschwerdung des Sohnes Gottes aus der Jungfrau Maria – die Empfängnis ohne Zutun eines Mannes – eine geschichtliche Wirklichkeit wird. Das ist der Inhalt des heutigen Festgeheimnisses. Das ist der Inhalt von Weihnachten. Nicht der Weihnachtsmann, nicht die Lichterdekoration, nicht der Weihnachtsmarkt, nicht die vielen Weihnachtsessen! Ja, ohne das heutige Festgeheimnis gäbe es dies alles gar nicht.

Der Evangelist Johannes – wir haben ihn eben gehört – fasst dieses Geheimnis in die gedrängten Worte: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1,14). So ist die Menschwerdung des Sohnes Gottes die Wahrheit eines Geschehens. Das Märchen hingegen ist die Erfindung einer Geschichte. Erfindung und Geschehen sind darin verschieden, dass das eine die Vorstellung des menschlichen Geistes ist – Phantasie; das andere der Gegenstand eines Ereignisses – Wirklichkeit. Deshalb bekennt die Kirche als Wirklichkeit und nicht als Ausdruck eines Märchens im Credo: Er „hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden“ (Et incarnatus est de Spiritu Sancto ex Maria Virgine et homo factus est).

Wir haben in der Heiligen Nacht den ersten Teil des Bekenntnisses der Menschwerdung unseres Herrn betrachtet: „Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel (herab) gekommen“ (qui propter nos homines et propter nostram salutem, descendit de caelis). Wir haben dabei festgehalten: Was in dieser „Nacht geschehen ist – die Geburt Jesu – ist zu unserem Heil geschehen. Es ist geschehen, damit wir aus unserer menschlichen Not befreit werden. Es ist geschehen, damit das Böse, damit Verletzungen, Hass, Unfriede, Unglück, Elend, ja der Tod ein Ende nehmen. Es ist geschehen, damit wir erlöst werden und uns die Tür zum Himmel offen stehe“. Meine Lieben, wäre das alles nur ein Märchen, würden wir heute nicht die Geburt des Sohnes Gottes feiern und – was ganz schlimm wäre – wir wären gar nicht erlöst. Dank sei Gott, dass er uns seinen einzigen Sohn, das Wort vom Wort, das von Ewigkeit her ist, durch das Ja der Jungfrau geschenkt hat, so dass Erlösung Wirklichkeit ist – und kein Märchen. Amen.

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Homilie von Bischof Vitus Huonder in der Heiligen Nacht von Weihnachten

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Brüder und Schwestern im Herrn,
„In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde“, berichtet der Evangelist Lukas (Lk 2,8). Dieser Hinweis ist der Grund, weshalb auch wir Nachtwache halten. Die Nachtwache der Hirten ist der Grund, weshalb wir in dieser Nacht zum Gottesdienst aufgebrochen sind. Wir in Erinnerung, sie, die Hirten, in Erwartung. Gleich den Hirten vernehmen auch wir die frohe Kunde: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist Christus, der Herr“ (Lk 2,11). Wir vernehmen die Kunde im Bewusstsein, dass wir gerettet, erlöst sind; sie vernahmen die Kunde in der Hoffnung, gerettet, erlöst zu werden. Sie schauen nach vorn, wir schauen zurück.
Im Mittelpunkt unserer Feier steht die Botschaft der Erlösung. Wäre irgend ein Kind geboren worden, hätten wir uns nicht versammelt, obwohl die Geburt eines jeden Kindes für die Welt eine Freude sein muss. Weil aber dieses Kind der Retter ist, unser Retter, unser Heiland, unserer Erlöser, deshalb sind wir hier. Von ihm nämlich hängt unser Leben ab, dieses Leben und das künftige Leben.

Daher hat auch das Glaubensbekenntnis, die Sammlung der Grundwahrheiten unseres Glaubens, dieses Ereignis aufgenommen, und wir werden anschließend bekennen: „Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel (herab) gekommen“ (qui propter nos homines et propter nostram salutem, descendit de caelis). Was in der Heiligen Nacht geschehen ist – die Geburt Jesu – ist zu unserem Heil geschehen. Es ist geschehen, damit wir aus unserer menschlichen Not befreit werden. Es ist geschehen, damit das Böse, damit Verletzungen, Hass, Unfriede, Unglück, Elend, ja der Tod ein Ende nehmen. Es ist geschehen, damit wir erlöst werden und uns die Tür zum Himmel offen stehe.

„Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel (herab) gekommen“. Wir haben eben den Akzent auf den Ausdruck Heil gelegt. Nun gibt es kein Heil ohne Gott. Wir Menschen müssen uns dessen von neuem bewusst werden, wir, die wir ja an den Menschen glauben. Wir müssen uns bewusst werden: Es gibt kein Heil ohne Gott. Ohne Gottesglauben gibt es kein Heil. Ohne Gottesglauben führt der Glaube an den Menschen zum Unheil, zur Katastrophe. Deshalb hält das Glaubensbekenntnis fest: „Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel (herab) gekommen“. Der Retter, von welchem der Engel spricht, ist nicht nur ein Mensch. Er ist vom Himmel gekommen. Der Retter ist Gott selber. Da Gott selber der dreifaltige Gott ist, Vater, Sohn und Heiliger Geist, verdeutlicht unser Bekenntnis: Der Retter ist Gottes Sohn. Der Sohn, der in ewiger Einheit mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebt, ist zu uns gekommen. Er ist aus der Lebensgemeinschaft Gottes in die Lebensgemeinschaft der Menschheit eingetreten. So konnte und wollte er unser Retter sein, wie es uns der Apostel Paulus im Brief an Titus sagt: „Er hat sich für uns hingegeben, damit er uns von aller Ungerechtigkeit erlöse und für sich ein auserlesenes Volk schaffe („… uns für sich als … Volk reinige“, sagt der Text wörtlich), das voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun“ (Tit 2,14).

„Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt“ (Lk 2,12). Das Kind in der Krippe ist das Zeichen dafür, dass der Retter geboren ist. Es ist das Zeichen unseres Heils. So gibt es für uns zwei Zeichen der Erlösung: das Kreuz und die Krippe. Die Erlösung geht vom Kind in der Krippe aus. Deshalb fallen wir vor der Krippe nieder und beten an. Amen.

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