TOD, EINBETTUNG UND BEISETZUNG VON JOHANNES PAUL II. SELIGEN ANGEDENKENS

A banner depicting Blessed John Paul II hangs from the facade of St. Peter's Basilica at the Vatican April 25. The banner was hung the morning of April 25 in advance of the April 27 canonization of Blesseds John XXIII and John Paul. At left is a statue of St. Peter. (CNS photo/Paul Haring) (April 25, 2014)

A banner depicting Blessed John Paul II hangs from the facade of St. Peter’s Basilica at the Vatican April 25. The banner was hung the morning of April 25 in advance of the April 27 canonization of Blesseds John XXIII and John Paul. At left is a statue of St. Peter. (CNS photo/Paul Haring) (April 25, 2014)

Im Licht des von den Toten auferstandenen Christus ist am 2. April im Jahr des Herrn 2005 abends um 21.37 Uhr, als sich der Samstag schon dem Ende zuneigte und wir in den Tag des Herrn, den zweiten Sonntag der Osterzeit oder Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit, eingetreten sind, der geliebte Hirte der Kirche, Johannes Paul II., von dieser Welt zum Vater heimgegangen. Die ganze Kirche hat sein Hinscheiden betend begleitet, besonders die jungen Menschen.

Johannes Paul II. war der 264. Papst. Die Erinnerung an ihn bleibt im Herzen der ganzen Kirche und aller Menschen lebendig.

Karol Wojtyla, der am 16. Oktober 1978 zum Papst gewählt wurde, ist am 18. Mai 1920 in Wadowice, einer Stadt fünfzig Kilometer von Krakau entfernt, geboren und zwei Tage später in der Pfarrkirche von dem Priester Franciszek Zak getauft worden.

Mit neun Jahren empfing er die Erstkommunion, und mit achtzehn Jahren wurde er gefirmt. Auf diese Sakramente stützte er sich, als er nach Aussetzung des Studiums, weil die nationalsozialistische Besatzungsmacht die Universität geschlossen hatte, von 1940 bis 1944 zuerst in einem Steinbruch und dann in der Chemiefabrik Solvay arbeitete.

Da er sich zum Priestertum berufen fühlte, besuchte er ab 1942 das geheime Priesterseminar von Krakau. Am 1. November 1946 erhielt er in Krakau durch Handauflegung von Kardinal Adam Sapieha die Priesterweihe. Danach wurde er nach Rom geschickt, wo er zuerst die Lizenz, dann das Doktorat in Theologie erwarb; seine Dissertation hatte die Glaubenslehre beim heiligen Johannes vom Kreuz zum Thema: Doctrina de fide apud Sanctum Ioannem a Cruce.

Danach kehrte er nach Polen zurück, wo er verschiedene pastorale Aufgaben wahrnahm und einige theologische Disziplinen lehrte. Am 4. Juli 1958 wurde er von Pius XII. zum Weihbischof von Krakau ernannt und im Jahr 1964 von Paul VI. zum Erzbischof für eben diesen Sitz bestimmt. Als Erzbischof von Krakau nahm er am Zweiten Vatikanischen Konzil teil. Am 26. Juni 1967 hat ihn Paul VI. in das Kardinalskollegium aufgenommen.

Im Konklave wurde er am 16. Oktober 1978 von den Kardinälen zum Papst gewählt und nahm den Namen Johannes Paul II. an. Am 22. Oktober, Tag des Herrn, trat er feierlich sein Petrusamt an.

Das Pontifikat Johannes Pauls II. war eines der längsten in der Geschichte der Kirche. In diesem Zeitraum hat es in verschiedenen Gegenden der Welt große Veränderungen gegeben. Dazu zählt der Fall der kommunistischen Regime einiger Nationen, wozu der Papst selbst viel beigetragen hat. Um das Evangelium zu verkündigen, unternahm er viele Reisen in verschiedene Nationen.

Das Petrusamt hat er mit seinem entschlossenen missionarischen Geist ausgeübt, indem er alle seine Kräfte einsetzte, wenn ihn die sollicitudo omnium Ecclesiarum – die Sorge um alle Kirchen – und ebenso die Liebe zu allen Menschen dazu anhielten. Mehr als jeder seiner Vorgänger ist er mit dem Volk Gottes und mit den Amtsträgern der Nationen bei Gottesdiensten, bei den General- und Sonderaudienzen und bei den Pastoralbesuchen persönlich zusammengetroffen.

Seine Liebe zu den jungen Menschen bewog ihn, die Weltjugendtage einzuführen, zu denen sich Millionen von Jugendlichen aus allen Teilen der Welt einfanden.

Er hat den Dialog mit den Juden und mit vielen Repräsentanten anderer Religionen gefördert und ihre Anhänger bisweilen, vornehmlich in Assisi, zu Gebetstreffen für den Frieden zusammengerufen.

Das Kardinalskollegium hat er durch die Ernennung von 231 Kardinälen (und einen »in pectore«) beträchtlich erweitert. Er hat fünfzehn Versammlungen der Bischofssynode einberufen, nämlich sieben ordentliche Vollversammlungen und acht Sondersynoden. Er hat zahlreiche Diözesen und Kirchenbezirke vor allem in Osteuropa errichtet.

Er hat die Reform des Codex des kanonischen Rechtes und des Gesetzbuches der katholischen Ostkirchen abgeschlossen und die Römische Kurie neu geordnet.

Als »sacerdos magnus« hat er in der Diözese Rom und auf dem ganzen Erdkreis den Dienst der heiligen Liturgie in voller Treue gegenüber dem Zweiten Vatikanischen Konzil ausgeübt. Auf beeindruckende Weise hat er liturgisches Leben und Spiritualität sowie das kontemplative Gebet, besonders die eucharistische Anbetung und das Gebet des heiligen Rosenkranzes, gefördert (vgl. Apostolisches Schreiben Rosarium Virginis Mariae).

Unter der Führung des Papstes hat sich die Kirche gemäß den von ihm selbst mit dem Apostolischen Schreiben Tertio millennio adveniente vorgegebenen Richtlinien dem dritten Jahrtausend genähert und das Große Jubiläum des Jahres 2000 gefeiert. Hierauf ist sie in das neue Zeitalter eingetreten, wofür sie Ratschläge und Anleitungen in dem Apostolischen Schreiben Novo millennio ineunte erhielt, mit dem der Papst den Gläubigen den Weg in die Zukunft zeigte.

Durch das Jahr der Erlösung, das Marianische Jahr und das Jahr der Eucharistie hat er die spirituelle Erneuerung der Kirche gefördert. In hohem Maße galten seine Bemühungen den Selig- und Heiligsprechungen, um auf unzählige Beispiele von Heiligkeit in der heutigen Zeit hinzuweisen, die ein Ansporn für die Menschen unserer Zeit sein sollen. Die heilige Theresia vom Kinde Jesu hat er zur Kirchenlehrerin erklärt.

Das Lehramt hat Johannes Paul II. in reichhaltiger Weise ausgeübt. Als Bewahrer des Glaubensgutes hat er sich klug und mutig um die Förderung der katholischen theologischen, moralischen und geistlichen Lehre bemüht und sich während seines gesamten Pontifikats gegen Tendenzen gewandt, die im Gegensatz zur wahren Tradition der Kirche stehen.

Zu den wichtigsten Dokumenten zählen vierzehn Enzykliken, fünfzehn Nachsynodale Apostolische Schreiben, elf Apostolische Konstitutionen, fünfundvierzig Apostolische Schreiben, außerdem die Katechesen bei den Generalaudienzen und die in allen Teilen der Welt gehaltenen Ansprachen. Durch sein Lehramt hat Johannes Paul II. das Gottesvolk gestärkt und ihm die theologische Lehre (vor allem in den drei wichtigen Enzykliken Redemptor hominis, Dives in misericordia, Dominum et vivificantem), die Lehre über den Menschen und die Soziallehre (in den Enzykliken Laborem exercens, Sollicitudo rei socialis, Centesimus annus), die Morallehre (in den Enzykliken Veritatis splendor, Evangelium vitae), die Lehre über den Ökumenismus (in der Enzyklika Ut unum sint), die Lehre über die Mission (in der Enzyklika Redemptoris missio), die Mariologie (in der Enzyklika Redemptoris Mater) vermittelt.

Er veranlaßte die Herausgabe des Katechismus der Katholischen Kirche im Licht der Offenbarung, wie das Zweite Vatikanische Konzil sie maßgebend erhellt hat. Er hat auch einige Bücher als Privatgelehrter veröffentlicht.

Den Höhepunkt hat sein Lehramt in der Enzyklika Ecclesia de Eucharistia und in dem Apostolischen Schreiben Mane nobiscum Domine im Jahr der Eucharistie erreicht.

Johannes Paul II. hat allen Menschen ein bewundernswertes Zeugnis an Frömmigkeit, heiligmäßigem Leben und universaler Väterlichkeit hinterlassen.

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(Die Zeugen der Exequien und der Beisetzung…)

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CORPUS IOANNIS PAULI II P.M.
VIXIT ANNOS LXXXIV, MENSES X DIES XV
ECCLESIAE UNIVERSAE PRAEFUIT
ANNOS XXVI MENSES V DIES XVII

Semper in Christo vivas, Pater Sancte!

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Quelle

Joachim Kardinal Meisner – Predigt zur Dankfeier der Heiligsprechung der Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. am 10. Mai 2014 im Kölner Dom

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Liebe Schwestern, liebe Brüder!

1. „Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, stärke deine Brüder“ (Lk 22,32), sind die nüchternen Worte des Herrn vor der Berufung des Petrus als Leiter der Universalkirche. Eine solche Berufung muss den Menschen, und wenn es der genialste wäre, immer überfordern. Wenn man die Paulusbriefe liest, wird man der Schwierigkeiten schon in den einzelnen wenigen Gemeinden des Anfangs ansichtig. Wie sollte das dann erst werden, wenn das Evangelium auf dem ganzen Erdkreis Fuß gefasst hat! Wenn in allen Ländern der Erde Jünger Jesu leben und in Gemeinden, kleinen und großen, das Evangelium sichtbar machen, dann werden die Probleme des Anfangs gewiss nicht kleiner geworden sein. Der Herr wusste, was er mit dem Petrusamt einem Menschen zumutet. Und er kann das nur, indem er ihm seinen absoluten Beistand verspricht, nämlich sein Gebet. Hier schon zeigt sich die Mächtigkeit des Gebetes.

2. Dass uns in der Wende vom zweiten ins dritte Jahrtausend zwei Petrusnachfolger geschenkt worden sind, die von der Kirche am 27. April heiliggesprochen wurden, ist eine Garantie dafür, dass der Herr wirklich bei uns bleibt, bis zur Vollendung der Welt. Das 20. Jahrhundert, dessen Geschichte wohl nur mit Blut und Tränen zu schreiben ist, ließ diese beiden Päpste über sich selbst hinauswachsen. Papst Johannes Paul II. hat mit größter Intensität die Jahrhundert- bzw. Jahrtausendwende vorbereitet und war überzeugt, dass mit dem 21. Jahrhundert ein neuer, friedlicherer Abschnitt der Weltgeschichte beginnen würde. Als dann das furchtbare Ereignis in New York am 11. September 2001 passierte, war Papst Johannes Paul II. zutiefst erschüttert. Ich konnte ihn am Tag danach in Castel Gandolfo besuchen, und erlebte ihn, wie er fassungslos vor dem Fernsehapparat saß und dieses grausame 2/5 Ereignis zur Kenntnis nehmen musste. Die Welt wird kein Land des Lächelns werden! Sie bleibt Herausforderung und Auftrag für das Evangelium und damit für die Kirche, sei es gelegen oder ungelegen! Johannes Paul II. wollte seine ganze, ihm noch verbliebene Kraft einsetzen, um diese Herausforderung anzunehmen.

3. Papst Johannes XXIII. folgte dem großen Papst Pius XII., der ebenfalls in schwieriger Zeit während des Nationalsozialismus die Kirche zu leiten hatte. Ihn löste – zunächst zur Enttäuschung vieler Gläubigen – der unbekannte Patriarch von Venedig, Giovanni Roncalli, ab, der mit seiner gar nicht fortteilhaften Figur zunächst viele in Erstaunen versetzte. Johannes XXIII. lernt man erst dann richtig kennen, wenn man sein geistliches Tagebuch aufschlägt, um auch für seine eigene Christusnachfolge Hilfe, Ideen und Ermutigung zu erlangen. Die tägliche Treue in der Nachfolge Christi ließ in der Verborgenheit seines Dienstes in der Türkei einen Mann heranwachsen, den Gott für den Petrusdienst bestimmt hatte. Hier legte der Herr selbst Hand an, um ihm das notwendige Format für seinen kommenden Petrusdienst zu geben. Die tägliche gewissenhafte Verrichtung des Breviergebetes, die tägliche Zelebration der hl. Messe, die wöchentliche Beichte, die jährlichen Exerzitien, die geistliche Lektüre, die Anbetung des Allerheiligsten Tag für Tag, die Nachbarschaftshilfe an Arme waren die Bauelemente, mit denen der Geist Gottes den künftigen Papst erstehen ließ. Papst Johannes XXIII. verstand sich gleichsam als „Pfarrer der ganzen Welt“. Und wie in den Pfarreien noch vor Jahrzehnten öfter Volksmissionen fällig waren. So wollte er als Papst eine weltweite Volksmission durchführen, indem er das II. Vatikanische Konzil einberufen hatte, das nach seinem Willen ein Pastoralkonzil werden sollte, in dem es also darum ging, auf die Nöte der Zeit in der Kirche und außerhalb der Kirche eine vom Evangelium gültige und hilfreiche Antwort zu geben.

Ich selbst bin davon ein Mitbetroffener, indem ich, bzw. unser Priester-Weihekurs 1962 auf unseren Spiritual im Priesterseminar Neuzelle als unmittelbaren Inspirator für die Priesterweihe verzichten mussten. Unser Spiritual wurde als theologischer Begleiter für Kardinal Bengsch aus Berlin mit nach Rom berufen. Unsere Priesterweihe war dann am 22. Dezember 1962, sodass wir die letzte Etappe der Vorbereitung mit einem Ersatzmann auskommen musste, der es übrigens auch gut gemacht hat. So hat mich und uns damals das II. Vatikanische Konzil schon sehr deutlich tangiert.

Papst Johannes XXIII. hat das Konzil eröffnet und konnte nur die erste Sitzungsperiode leiten, nachdem ihm Gott durch sein vorbildliches Sterben abberufen hat. Vielleicht war sein gläubiges Sterben gleichsam vor aller Welt eines seiner wesentlichsten Beiträge zum Konzil. Denn alles wahrhaftige Leben als Menschen und Christen muss sich im Tod vollenden können. Johannes XXIII. hat das Konzil eröffnet, beschlossen hat es dann drei Jahre später Papst Paul VI.. Und man sagt mit Recht, Papst Paul VI. hätte in seiner intel- 3/5 lektuellen Art und reichen diplomatischen Erfahrung das Konzil nicht beginnen können, und Papst Johannes XXIII. hätte es in seiner Einfachheit nicht beenden können. So hat also die göttliche Vorsehung – wie immer in der Kirche – deutlich Regie geführt.

Das Konzil sollte nach Papst Johannes XXIII. eine Erneuerung an Haupt und Gliedern bringen. Er war überzeugt, dass alle Schwierigkeiten, Gegenargumente, Zeitströmungen und weltlichen Verhältnisse durch das Evangelium eine Verwandlung zum Guten erfahren könnten, nicht aus der Kraft menschlicher Vernunft, sondern aus der Kraft des Heiligen Geistes. „Sende aus deinen Geist, und alles wird neu geschaffen, und du wirst das Angesicht der Erde erneuern“, war ein Lieblingsgebet von Papst Johannes XXIII.. Darauf wollte er die Probe aufs Exempel machen. Und er war überzeugt von dem Schriftwort, dass es die Freude Gottes ist, bei den Menschen zu sein. Darum sollte das Konzil auch eine große Freude für den lebendigen Gott in seiner Kirche sein.

Nun hat die Kirche diesen Pfarrer im Weltmaßstab zur Ehre der Altäre erhoben. Wir wissen ihn nun als eine normative Gestalt des Evangeliums in unserer Zeit neben uns und als unseren Anwalt im himmlischen Jerusalem bei uns. Er kennt die Nöte der modernen Welt aus eigener Erfahrung und weiß als heiliger Papst Johannes XXIII. ein helfendes Wort bei Gott, dem Geber aller guten Gaben, für uns einzulegen.

4. Papst Johannes Paul II. ist der Nach-Nachfolger vom heiligen Papst Johannes XXIII.. Auf Letzteren folgte Papst Paul VI., und nach ihm begann dann das 30-tägige Pontifikat von Johannes Paul I. Am 16. Oktober 1978 darauf trat der Erzbischof von Krakau, Karel Woityła, den Petrusdienst als Papst Johannes Paul II. an. Schon wie der Name zeigt, wollte er – wie Johannes Paul I. – die beiden großartigen Pontifikate von Johannes XXIII. und Papst Paul VI. weiterführen.

Der heilige Papst Johannes Paul II. war beschenkt mit einer Genialität des Herzens, aber auch mit einer Genialität des Kopfes. Er war ein typisch Intellektueller, und er war dabei – was selten vorkommt – ein großartiger Mystiker. Die göttliche Vorsehung hat ihn uns gerade für diese Zeit des Jahrtausendwechsels mit allen Schwierigkeiten und Chancen geschenkt. Der heilige Johannes Paul II. kommt aus der Bewährung der großen Christenverfolgungen der Nazis und der Kommunisten. Diese Ideologien haben ihn zutiefst davon überzeugt, dass nur das Evangelium imstande ist, intellektuell und vital die narzistische und die marxistische Ideologien zu überwinden und dass weiter nur das Evangelium, das Christus selbst in der Welt gegenwärtig setzt, die Kraft hat, die Menschheit von diesen dunklen Mächten zu befreien.

Mir persönlich bleiben zwei Ereignisse mit dem heiligen Papst Johannes Paul II. unvergesslich, die ganz unterschiedlich sind. Die erste Erfahrung 4/5 war im Jahre 1975. Erzbischof, Kardinal Woityła, hatte uns in Erfurt besucht, um die große Herbstwallfahrt im September mit dem Volke Gottes in Thüringen zu feiern. Er war schon am Samstag angereist. Um 8.00 Uhr war das Frühstück angesetzt, aber seit 5.00 Uhr war Karol Woityła in der Bischofshauskapelle tief im Gebet versunken. Nach Erfurt besuchte er dann noch die Bischofsstädte Berlin, Dresden und Görlitz. Von dort wurde das Gleiche berichtet, dass der Krakauer Erzbischof, auch wenn es am Abend vorher sehr spät geworden ist, früh um 5.00 Uhr auf den Knien vor dem Tabernakel lag, tief versunken in die Gegenwart des lebendigen Gottes. Der heilige Papst Johannes Paul II. war wirklich ein großer Beter. Auf manchen Bildern wird er gezeigt, wie er mit seinem päpstlichen Kreuzstab gleichsam zu einer Gestalt verschmolzen war. Das aber ist der hl. Johannes Paul II., wie er war und jetzt als Heiliger ist. Und darum konnte er die Menschen mit dem Evangelium berühren, konnte er sie in Kontakt bringen mit Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes.

Und das zweite Ereignis, das mir unvergesslich blieb, war der erste Besuch nach seiner Papstwahl 1979 in Warschau, wo er zum ersten Mal als Papst aus Polen seine polnische Heimat besuchte. Er predigte über das Gebet der Kirche zum Heiligen Geist: „Sende aus deinen Geist, und alles wird neu geschaffen. Und du wirst das Angesicht der Erde erneuern!“. Und dann sagte er darauf: „Du wirst das Angesicht der Erde erneuern, und zwar dieser Erde! Hier, wo wir stehen, im Zentrum von Warschau, auf dem Heldenplatz. Du wirst das Angesicht dieser Erde hier erneuern! Dazu ist er willens, und dazu ist er vor allen Dingen in der Lage“. Und das hat er mit einer solchen Selbstverständlichkeit und Eindringlichkeit den Menschen ans Herz legen können, dass die Hörer der Überzeugung waren: „Ja, die Erneuerung ist ja schon jetzt ein großes Stück passiert“. Und dann entwickelte sich ja daraus die Bewegung, die den Kommunismus überwunden hat. Der Papst hat es nicht mit politischen Aktionen oder mit politischen Mitteln bewirkt, sondern rein durch die Verkündigung des Evangeliums, die den Menschen als Kind Gottes seine Freiheit und seine Rechte garantiert, die kein menschliches System verletzen darf.

Johannes Paul II. war ein Gigant des Glaubens und der Liebe. Und weil er die Versklavung des Menschen in der Nazi-Ideologie und bei den Kommunisten erlebt hat, hat er sich so leidenschaftlich und so kompetent für den Menschen eingesetzt, den Gott als sein Abbild, als Mann und Frau geschaffen und in der Ehe berufen hat, aus dieser Zweiheit eine Trinität zu schaffen, nämlich die Familie. Darum war die Sorge um die Heiligkeit von Ehe und Familie das Herzstück seines theologischen Denkens und Tuns. – Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. Dafür ist Papst Johannes Paul II. gegen alle Relativierungen in- und außerhalb der Kirche eingetreten, um der Würde der Menschen willen. Papst Benedikt XVI. bezeugt, dass der hl. Johannes Paul II. bei seiner Audienz am 13. März 1981 auf dem Petersplatz in 5/5 Rom die Gründung eines Päpstlichen Institutes für Ehe und Familie verkünden wollte. Dabei trafen ihn die Kugeln des Attentates, sodass die Gründung erst später erfolgen konnte. Wie überaus wichtig Ehe und Familie für das Heil des Menschen in der Welt ist, zeigt dieses Attentat. Die Hölle wollte den Herold der Heiligkeit von Ehe und Familie töten. Sie ist auf diesem Gebiet bis heute wirksam geblieben.

Nicht nur wir als katholische Kirche, sondern die gesamte Christenheit, ja die Menschheit, hat diesen beiden neuen Heiligen sehr viel zu verdanken. Sie haben zwar keine Nobelpreise empfangen, aber die Heiligsprechung ist ein Nobelpreis, den Gott selbst verleiht. Und sie ist ein Geschenk an uns, denn wir haben die beiden neuen Heiligen nicht nur als Giganten vor uns, sondern als freundliche und zuverlässige Wegbegleiter neben uns, als Fürsprecher über uns und als lockendes Ziel vor uns. Heiliger Papst Johannes XXIII., heiliger Papst Johannes Paul II., ihr seid für viele von uns noch Zeitgenossen. Bittet für uns, jetzt und in der Stunde unseres Todes! Amen.

+ Joachim Kardinal Meisner Erzbischof em. von Köln

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Quelle

DER HEILIGE JOHANNES PAUL II. IM STUNDENBUCH (BREVIER)

Newly elected Pope John Paul II -- Polish Cardinal Karol Wojtyla -- is pictured as he greets the world from the central balcony of St. Peter's Basilica Oct. 16, 1978. Blessed John Paul II and Blessed John XXIII will become saints April 27, the feast of the Divine Mercy, in a ceremony led by Pope Francis at the Vatican. (CNS photo/Catholic Press Photo) (Sept. 30, 2013) See JPII-JXXIII (UPDATED) Sept. 30, 2013.

Papst Johannes Paul II. am 22. Oktober 1978

Proprium der Heiligen – 22. Oktober – Hl. Johannes Paul II.

22. Oktober

HEILIGER JOHANNES PAUL II.
PAPST

LESEHORE

ZWEITE LESUNG

Johannes Paul II. (+2005)

Aus der Ansprache des Heiligen Johannes Paul II., Papst, am Beginn des Pontifikats (22. Oktober 1978)

Habt keine Angst! Öffnet die Tore für Christus!

Petrus ist nach Rom gekommen! Nur der Gehorsam gegenüber dem Auftrag des Herrn hat seine Schritte geführt und ihn bis zu dieser Stadt gelangen lassen, dem Herzen des Römischen Reiches. Vielleicht wäre er lieber dort geblieben, an den Ufern des Sees von Gennesaret, bei seinem Boot mit den Fischernetzen. Aber unter der Führung des Herrn und seinem Auftrag getreu ist er hierhergekommen!

Nach einer alten Überlieferung wollte Petrus während der Verfolgung des Nero die Stadt Rom verlassen. Da aber griff der Herr ein: er ging ihm entgegen. Petrus sprach ihn an und fragte: „Quo vadis, Domine?“ „Wohin gehst du, Herr?“ und der Herr antwortete sofort: „Ich gehe nach Rom, um dort ein zweites Mal gekreuzigt zu werden.“ Da kehrte Petrus nach Rom zurück und ist dort bis zu seiner Kreuzigung geblieben.

Unsere Zeit lädt uns dazu ein, drängt und verpflichtet uns, auf den Herrn zu schauen und uns in eine demütige und ehrfürchtige Betrachtung des Geheimnisses der höchsten Gewalt Jesu Christi selbst zu vertiefen. Er, der aus der Jungfrau Maria geboren wurde, der Sohn des Zimmermanns — wie man glaubte —, der Sohn des lebendigen Gottes — wie Petrus bekannte —, ist gekommen, um uns alle zu einem „königlichen Priestertum“ zu machen.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat uns das Geheimnis dieser Herrschergewalt wiederum in Erinnerung gebracht und auch die Tatsache, dass die Sendung Christi als Priester, prophetischer Lehrer und König in der Kirche fortdauert. Alle, das ganze Volk Gottes, haben Anteil an dieser dreifachen Sendung. In der Vergangenheit hat man vielleicht dem Papst die Tiara, die dreifache Krone, aufs Haupt gesetzt, um durch diese symbolische Geste den Heilsplan Gottes für seine Kirche zum Ausdruck zu bringen, dass nämlich die ganze hierarchische Ordnung der Kirche Christi, die ganze in ihr ausgeübte „heilige Gewalt“ nichts anderes ist als Dienst, ein Dienst, der nur das eine Ziel hat: dass das ganze Volk Gottes an dieser dreifachen Sendung Christi Anteil habe und immer unter der Herrschaft des Herrn bleibe, die ihre Ursprünge nicht in den Mächten dieser Welt, sondern im Geheimnis des Todes und der Auferstehung hat.

Die uneingeschränkte und doch milde und sanfte Herrschaft des Herrn ist die Antwort auf das Tiefste im Menschen, auf die höchsten Erwartungen seines Verstandes, seines Willens und Herzens. Sie spricht nicht die Sprache der Gewalt, sondern äußert sich in Liebe und Wahrheit. Der neue Nachfolger Petri auf dem Bischofsstuhl in Rom betet heute innig, demütig und vertrauensvoll: „Christus! lass mich ganz Diener deiner alleinigen Herrschaft werden und sein! Diener deiner sanften Herrschaft! Diener deiner Herrschaft, die keinen Untergang kennt! Lass mich Diener sein! Mehr noch ein Diener deiner Diener!“

Brüder und Schwestern! Habt keine Angst, Christus aufzunehmen und seine Herrschergewalt anzuerkennen!

Helft dem Papst und allen, die Christus und mit der Herrschaft Christi dem Menschen und der ganzen Menschheit dienen wollen!

Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus! Öffnet die Grenzen der Staaten, die wirtschaftlichen und politischen Systeme, die weiten Bereiche der Kultur, der Zivilisation und des Fortschritts seiner rettenden Macht! Habt keine Angst! Christus weiß, „was im Innern des Menschen ist“. Er allein weiß es!

Heute weiß der Mensch oft nicht, was er in seinem Innern, in der Tiefe seiner Seele, seines Herzens trägt. Er ist deshalb oft im Ungewissen über den Sinn seines Lebens auf dieser Erde. Er ist vom Zweifel befallen, der dann in Verzweiflung umschlägt. Erlaubt also — ich bitte euch und flehe euch in Demut und Vertrauen an —, erlaubt Christus, zum Menschen zu sprechen! Nur er hat Worte des Lebens, ja, des ewigen Lebens!

RESPONSORIUM

R Habt keine Angst: Der Erlöser der Menschheit hat die Macht des Kreuzes offenbart und für uns das Leben gegeben! * Öffnet, reißt die Tore weit auf für Christus!

V In der Kirche sind wir dazu berufen, an seiner Macht Anteil zu haben. * Öffnet, reißt die Tore weit auf für Christus!

Oration Gott, du bist reich an Erbarmen und hast den heiligen Papst Johannes Paul II. zur Leitung deiner ganzen Kirche bestellt; gib, dass wir, durch seine Lehre geführt, unsere Herzen vertrauensvoll öffnen für die heilbringende Gnade Christi, des einzigen Erlösers der Menschheit. Der mit dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

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Quelle

Papst Johannes Paul II.: Ein starker Heiliger

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Johannes Paulus II. / Wikimedia Commons – Jean-Pierre Dalbéra, CC BY 2.0

Interview mit Josef Irl, Vorsitzender Jugend 2000 Regensburg

Er ist ein Papst, den gerade junge Katholiken tief in ihr Herz geschlossen haben: Die Rede ist vom hl. Papst Johannes Paul II. (1920-2005), dessen Gedenktag die Kirche am 22. Oktober begangen wurde.

Auch in Regensburg hat der Vor-Vorgänger (1978-2005) von Papst Franziskus so manche Spuren hinterlassen: Zum einen gibt es seit vergangenem Jahr in der Kirche St. Johann eine Blutreliquie des Papstes aus Polen (siehe weiter unten), zum anderen wird er von jungen Katholiken bis heute sehr verehrt.

Einer von diesen jungen Katholiken ist Josef Irl. Der 27-jährige Mindelstettener leitet seit 2010 die Jugend 2000 im Bistum Regensburg und erzählt, welche Bedeutung der hl. Papst Johannes Paul II. sowohl für sein eigenes Leben als auch für die Jugend 2000 hat.

„Seine Christuszentriertheit und seine klaren Worte haben mich immer beeindruckt.“: Interview mit Josef Irl (Vorsitzender Jugend 2000 Regensburg) über den hl. Papst Johannes Paul II.

Herr Irl, was verbinden Sie persönlich mit dem hl. Papst Johannes Paul II.?

Zunächst einmal ist Johannes Paul II. natürlich der erste Papst, den ich persönlich erlebt habe. Er ist der Papst  meiner Kindheit und Jugend.

Zu meiner großen Freude durfte ich Johannes Paul II. bei einer Wallfahrt nach Rom 2004 auch einmal persönlich begegnen! Obwohl er da schon schwer gezeichnet war von seiner Krankheit war diese Begegnung sehr bewegend und anrührend. Er war für mich immer ein Mensch, der  klare Worte gefunden hat. Egal ob es um Glaubensfragen, politische Missstände oder Fragen des Lebensrechts ging: Sein Wort hatte für mich persönlich immer großes Gewicht und war orientierungsfördernd.

Und natürlich werde ich auch nie diesen furchtbaren 2. April 2005 – seinen Todestag – vergessen: Wir saßen in der Familie gemeinsam abends vorm Fernseher, plötzlich wurde das laufende Programm unterbrochen und mittgeteilt, dass der Heilige Vater gestorben sei. Obwohl er ja zu diesem Zeitpunkt schon so lange krank gewesen war, hatte mich sein Tod unglaublich betroffen gemacht.

Welche Bedeutung hatte Papst Johannes Paul II. für die Begründung der Jugend 2000?

Eine ungeheuer große! Eigentlich muss man den hl. Papst Johannes Paul II. schon fast als den eigentlichen Gründer der Jugend 2000 bezeichnen – intern nennen wir ihn durchaus manchmal so.

Auf dem Weltjugendtag 1989 in Santiago di Compostela hielt er nämlich eine äußerst beeindruckende Predigt, in der er mit Aussagen wie „„Die Jugendlichen werden die Apostel des neuen Jahrtausends sein“ sowie „Die Jugendlichen spielen die Hauptrolle bei dem, was sich in Zukunft in der Kirche abspielen wird“ unzählige Jugendliche direkt ins Herz getroffen und inspiriert hat. Im Grunde genommen wurde während dieser Predigt die „Jugend 2000“ gegründet.

Den Geist aus dieser Predigt versuchen wir lebendig zu halten. Wir lassen uns vor allem von der Christuszentriertheit von Johannes Paul II. inspirieren ebenso wie von seiner „Weltzugewandtheit“,mit der er nicht wenig dazu beigetragen hat zum Beispiel den Kalten Krieg zu beenden. Wir lesen seine Schriften und Texte intensiv und sind außerdem anlässlich seiner Selig- und Heiligsprechung nach Rom gefahren.

Ist der 22. Oktober, an dem die Kirche dem hl. Papst Johannes Paul II. gedenkt, also auch für Sie ein wichtiger Tag?

Mit Sicherheit! Gedenktage von Heiligen sind meiner Ansicht nach eh immer wieder eine gute Gelegenheit, das eigene Gebet zu intensivieren – vor allem das an den jeweiligen Tagesheiligen gerichtete Fürbittgebet.

Ich richte eh schon seit langem Fürbitten an den hl. Papst Johannes Paul II. und  habe außerdem ein Foto von ihm auf meinem Schreibtisch stehen. Da ist er schon von Krankheit gezeichnet, aber schafft es trotzdem auf unnachahmliche Weise zu lächeln. Eben trotz der schweren Last des Amtes und der immer offensichtlicher werdenden körperlichen Leiden gelingt es ihm auf diesem Bild eine unglaubliche Heiterkeit zu bewahren – einfach beeindruckend!

(Quelle: Webseite des Bistums Regensburg, 21.10.2016)

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Quelle

DIE HEILIGSPRECHUNG JOHANNES XXIII. UND JOHANNES PAUL II.

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Siehe dazu auch folgende Dokumente:

Johannes XXIII. und Johannes Paul II: zwei heilige Päpste, zwei marianische Heilige

(Nachträglich – zur Dokumentation:)

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Johannes Paul II. und Johannes XXIII.

Worte des Prälaten des Opus Dei, Mons. Javier Echevarría,
vor der Heiligsprechung von Johannes XXIII. und Johannes Paul II.

Die Heiligsprechung von Johannes XXIII. und Johannes Paul II. ist ein großes kirchliches Ereignis und ein Zeichen der Hoffnung für die Welt, denn wo Heiligkeit blüht, haben Krisen nicht das letzte Wort.

Wenn es Heiligkeit gibt, existiert ein festes Fundament, auf dem sich Zukunft aufbauen lässt. Im Christentum, und ganz besonders in den Heiligen, finden wir Antworten auf die tiefsten Probleme des Menschen und der Gesellschaft, die ihren Ursprung häufig darin haben, dass sie sich von Gott entfernt haben.

Ein starkes Motiv für unsere Dankbarkeit gegenüber Gott liegt darin, dass wir sehen konnten, wie während der letzten Jahrzehnte (in denen so viel von wirtschaftlichen, kulturellen, politischen, sozialen, religiösen “Krisen” gesprochen wurde) die Kirche von der Heiligkeit geführt wurde, das heißt, durch heilige Menschen: zwei der drei schon verstorbenen Päpste (Johannes XXIII. und Johannes Paul II.) werden diesen Sonntag [27.4.2014] heilig gesprochen werden, und der Seligsprechungsprozess für den dritten (Paul VI.) ist bereits sehr weit fortgeschritten.

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Johannes XXIII. bei seinem Besuch in Loreto

Johannes XXIII. ist vor allem jener Papst, der das Zweite Vatikanische Konzil einberufen hat. Als Nachfolger Petri hat er die Kirche mit fester und väterlicher Hand zu dieser außerordentlichen Glaubenserfahrung und zur persönlichen sowie gemeinschaftlichen Erneuerung geführt, die dieses kirchliche Ereignis war und ist: es ging darum, zum Herzen des Menschen unserer Zeit zu sprechen, wie es die Konstitution Gaudium et Spes unterstrich. Papst Roncalli trug dazu bei, die Berufung zur Heiligkeit direkt in den Ursprung des Christseins zu legen. Wir können ihn heute als Fürsprecher anrufen, um den Herrn zu bitten, dass Er diese durch das 2. Vatikanum verkündete Wahrheit tief in das Gewissen jeder Christin und jedes Christen einsenkt: dass die Heiligkeit von jedem Christen erreicht werden kann und nicht ein Lebensziel für einige wenige Privilegierte darstellt.

Für die Menschheit ist Johannes XXIII. auch der Papst des Friedens, denn in einem sehr heiklen historischen Augenblick zweifelte er – nach dem Beispiel seiner Vorgänger – nicht daran, welche die geeigneten Mittel sind, um den Krieg zu verhindern, indem er seine moralische und religiöse Autorität in die Ausarbeitung einer universellen Lehre über die Voraussetzungen des Friedens und über die Würde des Menschen einbrachte.

Johannes Paul II. liebte als Priester Gott und die nach dem Bild Gottes in Christus geschaffenen Menschen. Angetrieben von der Nächstenliebe rief er die ganze Kirche zu einer “Neuevangelisierung” auf und hob dabei die Rolle hervor, die den Laien bei dieser Aufgabe zukommt, Gott im Leben der Menschen und der Völker zu vergegenwärtigen. Während der Jahre seines Pontifikates sind wir tiefer und mit neuem Licht in die Güte und Barmherzigkeit Gottes eingedrungen. Seine Worte, seine Gesten, seine Schriften, seine persönliche Hingabe – ob als Gesunder oder Kranker – waren die Wege, deren sich der Heilige Geist bediente, um sehr viele Menschen an die Quelle der Gnade heranzuführen und auch dafür, dass Tausende Jugendliche auf den Ruf Christi zum Priestertum, zum Ordensleben, zur Ehe und zum apostolischen Zölibat im Laienstand mit Zustimmung antworteten.

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Johannes Paul II. in Fatima

Der polnische Papst führte uns vom zweiten ins dritte Jahrtausend, er hinterließ uns ein eindrucksvolles Erbe über die Würde der menschlichen Person, über den Wert des Lebens und der Familie, über den Dienst an den Armen und Notleidenden, über die Förderung der Rechte der Arbeiter, über die menschliche Liebe und die Würde der Frau, und über so viele andere für die Entwicklung einer Existenz in Würde entscheidende Aspekte. Seine Schriften und seine Ansprachen bilden insgesamt ein Lehrgebäude von großer Bedeutung für die Zukunft. Ich bin überzeugt, dass seine gesellschaftliche und menschliche Botschaft – die aus einer tiefen Gott gegebenen geistlichen Antwort hervorgeht – im Laufe der Zeit noch eine riesige Bedeutung erlangen wird.

Die Heiligsprechung dieser zwei großen Hirten erfolgt an den Pforten des Monats Mai, dem Monat Mariens. Die zärtliche und tiefe Liebe zur Jungfrau Maria ist diesen zwei neuen Heiligen gemeinsam. Johannes XXIII. suchte häufig Zuflucht bei der “universellen Mutterschaft” der Jungfrau, “der gemeinsamen Mutter, Haupt aller Menschen, der Geschwister Christi, des Erstgeborenen selbst” (12. Oktober 1961). In Johannes Paul II. stellte das Bewusstsein der Nähe und der Fürsprache unserer Mutter einen beständigen Anziehungspol auf seinem eigenen spirituellen und menschlichen Weg dar, und er lud die anderen dazu ein, die “marianische Dimension” der Jünger Christi zu entdecken. Die Kindschaft der Heiligsten Jungfrau gegenüber, – sagte er – ist “ein Geschenk, das Christus selbst jedem Menschen persönlich macht” (vgl. Redemptoris Mater, Nr. 45).

Die Heiligste Jungfrau nimmt einen hervorragenden Platz im geistlichen Leben eines jeden Gläubigen ein, aber auch bei der Errichtung der Kirche selbst. Daher erinnere ich im Zusammenhang mit den Heiligsprechungen am Sonntag gerne an die Worte des hl. Josefmaria Escrivá de Balaguer: “Es ist kaum möglich, die Gottesmutter wirklich zu verehren, ohne sich den übrigen Gliedern des mystischen Leibes enger verbunden zu fühlen, enger verbunden auch mit dem sichtbaren Haupt dieses Leibes, dem Papst. Deshalb wiederhole ich gern: omnes cum Petro ad Iesum per Mariam, alle mit Petrus zu Jesus durch Maria!” (Christus begegnen, Nr. 139). Es macht mir Freude, dass es Papst Franziskus, gleichfalls ein marianischer Papst, ist, der den Entschluss zu diesen zwei Heiligsprechungen gefasst hat. Alle drei haben bewiesen, dass der Inhalt der Liebe nicht nur menschlich ist, sondern dass es darum geht, den anderen Christus zu geben, was die heilige Maria zum Dienst an der ganzen Menschheit vollführte.

In Kürze werden wir uns daran gewöhnen, uns an diese zwei Hirten als dem heiligen Johannes XXIII. und dem hl. Johannes Paul II. zu wenden. Indem Papst Franziskus, der Stellvertreter Christi, sie heiligspricht, hilft er uns zu sehen, dass für Gott Angelo Roncalli und Karol Wojtyla vor allem zwei heilige Menschen sind: Heiligkeit als fundamentaler Faktor im Leben eines jeden Mannes, einer jeden Frau. Der heilige Johannes XXIII. und der heilige Johannes Paul II. waren zwei Priester von großer Herzlichkeit, von brennender Liebe zu Gott und zu allen menschlichen Geschöpfen. Heilige aus einem Guss, geeint durch eine zärtliche Liebe zu Maria, der Mutter Gottes und unserer Mutter.

+Javier Echevarría

Prälat des Opus Dei

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Quelle

Siehe dazu auch:

DER HEILIGE JOHANNES PAUL II.

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Die Kirche feiert zum ersten Mal das Fest des hl. Johannes Paul II. Aus diesem Anlass geben wir die Predigten seiner Nachfolger noch einmal wieder, die sie bei der Begräbnismesse und bei den Messen zur Selig- und Heiligsprechung gehalten haben.

Exequien und Begräbnismesse am 8. April 2005

Predigt von Joseph Kardinal Ratzinger

»Folge mir nach!«, sagt der auferstandene Herr als letztes Wort zu Petrus, zu dem Jünger, der erwählt war, seine Schafe zu weiden. »Folge mir nach!« – Dieses lapidare Wort Christi kann als Schlüssel gelten zum Verständnis der Botschaft, die vom Leben unseres geliebten verstorbenen Papstes Johannes Paul II. ausgeht, dessen sterbliche Hülle wir heute als Samen der Unsterblichkeit in die Erde senken, während unser Herz voll Trauer ist, aber auch voll froher Hoffnung und tiefer Dankbarkeit.

Das sind die Gefühle in unserem Innern, Brüder und Schwestern in Christus hier auf dem Petersplatz, in den angrenzenden Straßen und auf verschiedenen Plätzen der Stadt Rom, die in diesen Tagen von einer überaus großen Menge schweigender und betender Menschen bevölkert ist. Ich grüße alle von Herzen. Auch im Namen des Kardinalskollegiums möchte ich einen ehrerbietigen Gruß an die Staatsoberhäupter, die Regierungschefs und an die Delegationen der verschiedenen Länder richten. Ich grüße die Obrigkeiten und die Repräsentanten der christlichen Kirchen und Gemeinschaften sowie der anderen Religionen. Ich grüße die Erzbischöfe, die Bischöfe, die Priester, die Ordensleute und die Gläubigen, die aus allen Erdteilen gekommen sind; insbesondere die Jugendlichen, die Johannes Paul II. als die Zukunft und Hoffnung der Kirche bezeichnet hat. Mein Gruß gilt darüber hinaus all denen in der ganzen Welt, die über Rundfunk und Fernsehen in dieser gemeinsamen Teilnahme am feierlichen Ritus des Abschieds von diesem geliebten Papst mit uns verbunden sind.

»Folge mir nach!« Als junger Student begeisterte sich Karol Wojtyla für die Literatur, das Theater und die Dichtung. Als er in einer Chemiefabrik arbeitete, umgeben und bedroht vom nationalsozialistischen Terror, hörte er die Stimme des Herrn: »Folge mir nach!« In dieser ganz besonderen Situation begann er, philosophische und theologische Bücher zu lesen, trat dann in das von Kardinal Sapieha im Untergrund geschaffene Priesterseminar ein und konnte nach dem Krieg seine Studien an der theologischen Fakultät der Jagellonen-Universität in Krakau vervollständigen. Oft hat er in seinen Schreiben an die Priester und in seinen autobiographischen Büchern von seinem priesterlichen Dienst gesprochen, zu dem er am 1. November 1946 geweiht worden war. In diesen Texten deutet er sein Priesteramt insbesondere im Licht von drei Worten des Herrn. Vor allem von diesem: »Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, daß ihr euch aufmacht und Frucht bringt und daß eure Frucht bleibt« (Joh 15,16). Das zweite Wort lautet: »Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe« (Joh 10,11). Und schließlich: »Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!« (Joh 15,9). In diesen drei Worten erkennen wir die ganze Seele unseres Heiligen Vaters. Er ist wirklich unermüdlich überall hingegangen, um Frucht zu bringen, eine Frucht, die bleibt. »Auf, laßt uns gehen!« lautet der Titel seines vorletzten Buches. »Auf, laßt uns gehen!« Mit diesen Worten hat er uns aus einem müden Glauben, aus dem Schlaf der Jünger von gestern und heute aufgerüttelt. »Auf, laßt uns gehen!« sagt er auch heute zu uns. Der Heilige Vater ist dann Priester bis zum Äußersten gewesen, denn er hat sein Leben Gott dargebracht für seine Schafe und für die ganze Menschenfamilie durch seine tägliche Hingabe im Dienst an der Kirche und vor allem in den schweren Prüfungen der letzten Monate. So ist er eins geworden mit Christus, dem Guten Hirten, der seine Schafe liebt. Und schließlich: »Bleibt in meiner Liebe.« Der Papst, der die Begegnung mit allen gesucht hat, der die Fähigkeit zur Vergebung und zur Offenheit des Herzens gegenüber allen hatte, spricht auch heute zu uns mit diesen Worten des Herrn: Wenn wir in der Liebe Christi bleiben, lernen wir in der Schule Christi die Kunst der wahren Liebe.

»Folge mir nach!« Im Juli 1958 beginnt für den jungen Priester Karol Wojtyla ein neuer Abschnitt auf dem Weg mit dem Herrn und in der Nachfolge des Herrn. Karol war, wie gewohnt, mit einer Gruppe Jugendlicher, die begeisterte Kanufahrer waren, zu den Masurischen Seen in Urlaub gefahren. Aber er hatte einen Brief bei sich, in dem er aufgefordert wurde, sich beim Primas von Polen, Kardinal Wyszyński, vorzustellen, und er konnte den Zweck der Begegnung erraten: seine Ernennung zum Weihbischof von Krakau. Den Unterricht an der Hochschule aufgeben, diese anregende Gemeinschaft mit den Jugendlichen aufgeben, diesen intellektuellen Wettstreit aufgeben, um das Geheimnis des Menschen zu erkennen und auszulegen, um in der Welt von heute die christliche Verwirklichung unseres Daseins gegenwärtig zu machen – das alles mußte ihm wie eine Selbstaufgabe vorkommen, wie ein Verlust all dessen, was zur menschlichen Identität dieses jungen Priesters gehörte. »Folge mir nach!« – Karol Wojtyla nahm den Ruf an, weil er im Ruf der Kirche die Stimme Christi hörte. Und er lernte dann, wie wahr das Wort des Herrn ist: »Wer sein Leben zu bewahren sucht, wird es verlieren; wer es dagegen verliert, wird es gewinnen« (Lk 17,33). Unser Papst – das wissen wir alle – wollte nie das eigene Leben bewahren, es für sich behalten; er wollte sich ohne Vorbehalt, bis zum letzten Augenblick für Christus und auch für uns hingeben. Gerade so konnte er erfahren, daß alles, was er in die Hände des Herrn gelegt hatte, in neuer Weise zurückgegeben wurde: Die Liebe zum Wort, zur Dichtung, zur Literatur war ein wesentlicher Teil seiner Hirtensendung und hat der Verkündigung des Evangeliums neue Frische, neue Aktualität, neue Anziehungskraft verliehen, auch wenn es ein Zeichen ist, dem widersprochen wird.

»Folge mir nach!« Im Oktober 1978 hört Kardinal Wojtyla wiederum die Stimme des Herrn. Es wiederholt sich der Dialog mit Petrus, von dem heute im Evangelium dieses Gottesdienstes die Rede ist: »Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Weide meine Schafe!« Auf die Frage des Herrn: Karol, liebst du mich?, antwortete der Erzbischof von Krakau aus tiefstem Herzen: »Herr, du weißt alles; du weißt, daß ich dich liebhabe.« Die Liebe Christi war die bestimmende Kraft in unserem geliebten Heiligen Vater; wer ihn hat beten sehen, wer ihn hat predigen sehen, weiß das. Und so konnte er dank dieser tiefen Verwurzelung in Christus eine Last tragen, die rein menschliche Kräfte übersteigt: Hirt der Herde Christi, seiner universalen Kirche zu sein. Hier ist nicht der Augenblick, von den einzelnen Inhalten dieses so reichen Pontifikats zu sprechen. Ich möchte nur zwei Abschnitte aus der Liturgie von heute vorlesen, in denen die zentralen Elemente seiner Botschaft aufscheinen. In der Ersten Lesung sagt uns der hl. Petrus – und der Papst spricht mit dem hl. Petrus: »Wahrhaftig, jetzt begreife ich, daß Gott nicht auf die Person sieht, sondern daß ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist. Er hat das Wort den Israeliten gesandt, indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus; dieser ist der Herr aller« (Apg 10,34–36). Und in der Zweiten Lesung mahnt uns der hl. Paulus und mit dem hl. Paulus unser verstorbener Papst mit lauter Stimme: »Darum, meine geliebten Brüder, nach denen ich mich sehne, meine Freude und mein Ehrenkranz, steht fest in der Gemeinschaft mit dem Herrn« (Phil 4,1).

»Folge mir nach!« Mit dem Auftrag, seine Herde zu weiden, kündete Christus dem Petrus sein Martyrium an. Mit diesem abschließenden und zusammenfassenden Wort des Dialogs über die Liebe und über den Sendungsauftrag des universalen Hirten verweist der Herr auf einen anderen Dialog, der im Zusammenhang mit dem Letzten Abendmahl stattgefunden hat. Bei diesem Anlaß hatte Jesus gesagt: »Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen.« Petrus sagte zu ihm: »Herr, wohin willst du gehen?« Jesus antwortete ihm: »Wohin ich gehe, dorthin kannst du mir jetzt nicht folgen. Du wirst mir aber später folgen« (Joh 13,33.36). Vom Abendmahl geht Jesus zum Kreuz, zur Auferstehung – er tritt in das österliche Geheimnis ein; Petrus kann ihm noch nicht folgen. Jetzt – nach der Auferstehung – ist dieser Augenblick, dieses »später« gekommen. Während er die Herde Christi weidet, tritt Petrus in das österliche Geheimnis ein, geht dem Kreuz und der Auferstehung entgegen. Der Herr sagt es mit diesen Worten: »Als du noch jung warst, … konntest [du] gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst« (Joh 21,18). In den ersten Jahren seines Pontifikats ging der Heilige Vater, noch jung und stark, unter der Führung Christi in alle Länder der Welt. Später aber vereinte er sich immer tiefer mit dem Leiden Christi, verstand er immer mehr die Wahrheit der Worte: »Ein anderer wird dich gürten…« Und gerade in dieser Vereinigung mit dem leidenden Herrn verkündete er unermüdlich mit neuer Eindringlichkeit das Evangelium, das Geheimnis der Liebe, die bis zum Äußersten geht (vgl. Joh 13,1).

Er hat uns das österliche Geheimnis als Geheimnis der göttlichen Barmherzigkeit aufgezeigt. In seinem letzten Buch schreibt er: Die dem Bösen gesetzte Grenze »ist letztendlich die göttliche Barmherzigkeit« (»Erinnerung und Identität«, S. 75). Und im Hinblick auf das Attentat schreibt er: »Christus hat, indem er für uns alle litt, dem Leiden einen neuen Sinn verliehen, er hat es in eine neue Dimension erhoben, in eine neue Ordnung der Liebe … Es ist das Leiden, welches das Böse mit der Flamme der Liebe verbrennt und aufzehrt und sogar aus der Sünde einen mannigfaltigen Reichtum an Gutem hervorbringt« (S. 208f.). Von dieser Vision beseelt, hat der Papst vereint mit Christus gelitten und geliebt, und deshalb ist die Botschaft seines Leidens und seines Schweigens so beredt und fruchtbar gewesen.

Göttliche Barmherzigkeit: Der Heilige Vater hat den reinsten Widerschein der Barmherzigkeit Gottes in der Mutter Gottes gefunden. Er, der im Kindesalter die Mutter verloren hatte, hat um so mehr die göttliche Mutter geliebt. Er hat die Worte des gekreuzigten Herrn gehört und auf sich persönlich bezogen: »Siehe deine Mutter!« Und er hat wie der Lieblingsjünger gehandelt: Er hat sie in seinem tiefsten Innern aufgenommen (eis ta idia: Joh 19,27) – »Totus tuus«. Und von der Mutter hat er gelernt, Christus ähnlich zu werden.

Für uns alle bleibt es unvergeßlich, wie der Heilige Vater, vom Leiden gezeichnet, am letzten Ostersonntag seines Lebens noch einmal am Fenster des Apostolischen Palastes erschienen ist und zum letzten Mal den Segen »Urbi et orbi« erteilt hat. Wir können sicher sein, daß unser geliebter Papst jetzt am Fenster des Hauses des Vaters steht, uns sieht und uns segnet. Ja, segne uns, Heiliger Vater. Wir vertrauen deine liebe Seele der Mutter Gottes, deiner Mutter, an, die dich jeden Tag geführt hat und dich jetzt in die ewige Herrlichkeit ihres Sohnes, Jesus Christus unseres Herrn, führen wird. Amen.

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Messe zur Seligsprechung am 1. Mai 2011

Predigt des emeritierten Papstes Benedikt XVI.

Liebe Brüder und Schwestern!

Vor nunmehr sechs Jahren befanden wir uns auf diesem Platz zur Begräbnisfeier von Papst Johannes Paul II. Groß war der Schmerz über den Verlust, aber noch größer war die Erfahrung einer unendlichen Gnade, die Rom und die ganze Welt umfing: die Gnade, die wie die Frucht des ganzen Lebens meines geliebten Vorgängers und besonders seines Zeugnisses im Leiden war. Schon an jenem Tag spürten wir den Duft seiner Heiligkeit ausströmen, und das Volk Gottes hat auf viele Weisen seine Verehrung für ihn zum Ausdruck gebracht. Daher wollte ich, daß sein Seligsprechungsprozeß unter entsprechender Beachtung der Vorschriften der Kirche ziemlich rasch vorangehen konnte. Und heute ist der erwartete Tag gekommen; er ist schnell gekommen, weil es dem Herrn so gefallen hat: Johannes Paul II ist selig!

Herzlich möchte ich euch alle grüßen, die ihr zu diesem freudigen Anlaß so zahlreich aus allen Teilen der Welt nach Rom gekommen seid: Kardinäle, Patriarchen der katholischen Ostkirchen, Mitbrüder im Bischofs- und Priesteramt, die offiziellen Delegationen, Botschafter und Vertreter des öffentlichen Lebens, Gottgeweihte und gläubige Laien. Mein Gruß gilt ebenso allen, die über Radio und Fernsehen mit uns verbunden sind.

Dieser Sonntag ist der Zweite Sonntag der Osterzeit, den der selige Johannes Paul II. nach der Göttlichen Barmherzigkeit benannt hat. Daher wurde dieses Datum für die heutige Feier gewählt, weil nach dem Plan der Vorsehung mein Vorgänger genau am Vorabend dieses Festtages Gott seinen Geist befohlen hat. Heute ist außerdem der erste Tag des Marienmonats Mai; und es ist auch der Gedenktag des heiligen Josef des Arbeiters. Diese Elemente treffen zusammen und bereichern so unser Gebet; sie helfen uns, die wir noch Pilger in Raum und Zeit sind. Im Himmel hingegen ist die Feier unter den Engeln und Heiligen ganz anders! Und doch ist Gott einer, und einer ist Christus, der Herr, der wie eine Brücke Erde und Himmel verbindet. Und in diesem Augenblick fühlen wir uns mehr denn je nahe, als nähmen wir gleichsam teil an der himmlischen Liturgie.

„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (Joh 20,29). Im heutigen Evangelium spricht Jesus diese Seligpreisung aus, die Seligpreisung des Glaubens. Sie berührt uns auf besondere Weise, da wir versammelt sind, um eben eine Seligsprechung zu feiern, und noch mehr, da heute ein Papst seliggesprochen wird, ein Nachfolger Petri, der dazu berufen war, die Brüder im Glauben zu stärken. Johannes Paul II. ist selig durch seinen starken und großherzigen, seinen apostolischen Glauben. Und sogleich denken wir an jene andere Seligpreisung: „Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel“ (Mt 16,17). Was hat der himmlische Vater dem Simon offenbart? Daß Jesus der Christus ist, der Sohn des lebendigen Gottes. Durch diesen Glauben wird Simon zu „Petrus“, zum Fels, auf den Jesus seine Kirche bauen kann. Die ewige Seligkeit Johannes Pauls II., die die Kirche heute freudig verkündet, besteht ganz in diesen Worten Christi: „Selig bist du, Simon“, und „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ Es ist die Seligpreisung des Glaubens, den auch Johannes Paul II. als Gabe von Gott Vater für den Aufbau der Kirche Christi erhalten hat.

Aber unsere Gedanken gehen zu einer anderen Seligpreisung, die im Evangelium allen anderen vorausgeht. Es ist jene der Jungfrau Maria, der Mutter des Erlösers. Ihr, die soeben Jesus in ihrem Schoß empfangen hat, sagt die heilige Elisabeth: „Selig ist die, die geglaubt hat, daß sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ“ (Lk 1,45). Die Seligpreisung des Glaubens hat ihr Vorbild in Maria. Wir alle freuen uns, daß die Seligsprechung von Johannes Paul II. am ersten Tag des Marienmonats stattfindet, unter dem mütterlichen Blick Marias, die durch ihren Glauben den Glauben der Apostel gestützt hat und fortwährend den Glauben ihrer Nachfolger stützt, besonders jener, die auf den Stuhl Petri berufen sind. Maria kommt in den Erzählungen der Auferstehung Christi nicht vor, aber ihre Anwesenheit ist gleichsam überall verborgen: Sie ist die Mutter, der Jesus jeden einzelnen der Jünger und die ganze Gemeinschaft anvertraut hat. Im besonderen stellen wir fest, daß der heilige Johannes und der heilige Lukas Marias wirkliche und mütterliche Gegenwart an jenen Stellen anführen, die dem heutigen Evangelium und der ersten Lesung vorausgehen: im Bericht über den Tod Jesu, wo Maria zu Füßen des Kreuzes erwähnt wird (Joh 19,25); und am Beginn der Apostelgeschichte, die sie in der Mitte der zum Gebet im Abendmahlssaal versammelten Jünger zeigt (Apg 1,14).

Auch die heutige zweite Lesung spricht uns vom Glauben, und es ist genau Petrus, der voller geistlichem Enthusiasmus schreibt und den Neugetauften den Grund ihrer Hoffnung und ihrer Freude angibt. Gerne möchte ich anmerken, daß Petrus in diesem Abschnitt zu Beginn seines ersten Briefesnicht in der Aufforderung, sondern im Indikativ spricht. Er schreibt nämlich: „Ihr seid voll Freude“ – und er fügt hinzu: „Ihn habt ihr nicht gesehen, und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber ihr glaubt an ihn undjubelt in unsagbarer, von himmlischer Herrlichkeit verklärter Freude, da ihr das Ziel des Glaubens erreichen werdet: euer Heil“ (1 Petr 1,6.8-9). Alles steht im Indikativ, weil es eine neue Wirklichkeit gibt, die durch die Auferstehung Christi bewirkt ist, eine Wirklichkeit, die dem Glauben zugänglich ist. „Das hat der Herr vollbracht“ – wie es im Psalm heißt –, „vor unseren Augen geschah dieses Wunder“ (Ps 118,23), vor den Augen des Glaubens.

Liebe Brüder und Schwestern, heute erstrahlt vor unseren Augen im vollen geistlichen Licht des auferstandenen Christus die Gestalt des geliebten und verehrten Johannes Paul II. Heute wird sein Name der Schar der Heiligen und Seligen hinzugefügt, die er während der fast 27 Jahre seines Pontifikates heilig- und seliggesprochen hatte. Dabei hatte er nachdrücklich an die allgemeine Berufung zum hohen Maß des christlichen Lebens – zur Heiligkeit – erinnert, wie sie die Konzilskonstitution Lumen gentium über die Kirche bekräftigt hatte. Alle Glieder des Volkes Gottes – Bischöfe, Priester, Diakone, Laien, gottgeweihte Männer und Frauen – wir alle sind auf dem Weg zur himmlischen Heimat, in welche uns die Jungfrau Maria vorausgegangen ist, die mit dem Geheimnis Christi und der Kirche auf einzigartige und vollkommene Weise verbunden ist. Karol Wojtyła hat zuerst als Weihbischof und dann als Erzbischof von Krakau am Zweiten Vatikanischen Konzil teilgenommen; er wußte ja, daß das letzte Kapitel des Dokumentes über die Kirche Maria zu widmen bedeutete, die Mutter des Erlösers zum Bild und Vorbild der Heiligkeit für jeden Christen und für die ganze Kirche zu machen. Diese theologische Sicht hat der selige Johannes Paul II. als Jugendlicher entdeckt und dann während seines ganzen Lebens bewahrt und vertieft – eine Sicht, die im biblischen Bild von Christus am Kreuz und seiner Mutter Maria unter dem Kreuz zusammengefaßt ist. Es ist ein Bild, das sich im Johannes-Evangelium findet (Joh 19,25-27) und das in das Bischofs- und dann in das Papstwappen von Karol Wojtyła aufgenommen wurde: ein goldenes Kreuz, ein „M“ rechts unten und das Motto „Totus tuus“, das vom bekannten Wort des heiligen Ludwig Maria Grignion von Montfort stammt, in dem Karol Wojtyła ein Grundprinzip für sein Leben gefunden hat: „Totus tuus ego sum et omnia mea tua sunt. Accipio te in mea omnia; præbe mihi cor tuum, Maria.“ –„Ich bin ganz dein, und alles, was ich habe, ist dein. Dich nehme ich zu mir als mein alles; schenke mir dein Herz, o Maria“ (Abhandlung über die wahre Andacht zu Maria, Nr. 266).

In seinem Testament schrieb der neue Selige: „Als das Konklave der Kardinäle am 16. Oktober 1978 Johannes Paul II. wählte, sagte der polnische Primas Kardinal Stefan Wyszyński zu mir: »Die Aufgabe des neuen Papstes wird es sein, die Kirche ins Dritte Jahrtausend zu führen«.“ Und weiter führte er aus: „[Ich möchte] noch einmal Dankbarkeit gegenüber dem Heiligen Geist für das große Geschenk des Zweiten Vatikanischen Konzils zum Ausdruck bringen, als dessen Schuldner ich mich gemeinsam mit der ganzen Kirche – und vor allem mit dem gesamten Episkopat – fühle. Ich bin überzeugt, daß es den neuen Generationen noch lange aufgegeben sein wird, die Reichtümer auszuschöpfen, die dieses Konzil des 20. Jahrhunderts uns geschenkt hat. Als Bischof, der an dem Konzilsgeschehen vom ersten bis zum letzten Tag teilgenommen hat, möchte ich dieses große Erbe all jenen anvertrauen, die in Zukunft gerufen sein werden, es zu verwirklichen. Ich selbst aber danke dem Ewigen Hirten dafür, daß er mir erlaubt hat, dieser großartigen Sache während all der Jahre meines Pontifikats zu dienen.“ Und was ist diese „Sache“? Es ist dieselbe, die Johannes Paul II. in seiner ersten feierlichen Messe auf dem Petersplatz mit den denkwürdigen Worten angesprochen hat: „Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!“. Was der neugewählte Papst von allen erbat, das hat er selbst als erster vorgemacht: Er hat die Gesellschaft, die Kultur, die Bereiche der Politik und der Wirtschaft für Christus geöffnet. Mit der Kraft eines Riesen – die er von Gott erhalten hat – hat er eine Tendenz umgedreht, die unumkehrbar erscheinen mochte. Mit seinem Zeugnis des Glaubens, der Liebe und des apostolischen Mutes, das von einer großen Menschlichkeit begleitet wurde, hat dieser beispielhafte Sohn der polnischen Nation den Christen auf der ganzen Welt geholfen, keine Angst zu haben, sich Christen zu nennen, zur Kirche zu gehören und vom Evangelium zu sprechen. Mit einem Wort, er hat uns geholfen, keine Angst vor der Wahrheit zu haben, denn die Wahrheit ist die Garantie der Freiheit. Noch einmal ganz kurz, er hat uns die Kraft wiedergegeben, an Christus zu glauben, weil Christus Redemptor hominis, der Erlöser des Menschen ist – das Thema seiner ersten Enzyklika und der Leitgedanke aller anderen.

Als Karol Wojtyła den Stuhl Petri bestieg, brachte er sein tiefgehendes Nachdenken über die Auseinandersetzung zwischen Marxismus und Christentum mit, in deren Mitte der Menschen steht. Seine Botschaft war diese: Der Mensch ist der Weg der Kirche, und Christus ist der Weg des Menschen. Mit dieser Botschaft, die die große Hinterlassenschaft des Zweiten Vatikanischen Konzils und seines „Steuermanns“, des Dieners Gottes Papst Paul VI. ist, hat Johannes Paul II. das Volk Gottes geleitet. So hat es die Schwelle des Dritten Jahrtausends überschritten, die er gerade mit Blick auf Christus die „Schwelle der Hoffnung“ genannt hat. Ja, mittels des langen Wegs der Vorbereitung auf das Große Jubiläum hat er den Christen eine neue Orientierung auf die Zukunft hin gegeben, auf eine Zukunft mit Gott, welcher die Geschichte übersteigt, doch ebenso auf die Geschichte einwirkt. Diesen Dienst der Hoffnung, der in gewisser Weise dem Marxismus und der Fortschrittsideologie überlassen worden war, hat er zu Recht wieder für das Christentum beansprucht, indem er ihm das authentische Aussehen der Hoffnung wieder gab, in der Geschichte in einem Geist der „Erwartung“ zu leben, in einer persönlichen wie gemeinschaftlichen Existenz zu leben, die sich an Christus orientiert, der die Fülle des Menschen und die Vollendung seiner Suche nach Gerechtigkeit und Frieden ist.

Schließlich möchte ich auch Gott Dank sagen für die persönliche Erfahrung, die er mir gewährt hat, über eine lange Zeit Mitarbeiter des seligen Papstes Johannes Paul II. gewesen zu sein. Schon früher hatte ich Gelegenheit, ihn kennen und schätzen zu lernen. Doch ab 1982, als er mich als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre nach Rom berief, konnte ich ihn 23 Jahre lang aus der Nähe erleben und habe seine Person immer mehr geschätzt. Mein Dienst wurde durch seine spirituelle Tiefe und den Reichtum seiner Intuition getragen. Sein beispielhaftes Beten hat mich immer berührt und erbaut: Er tauchte ein in die Begegnung mit Gott, auch inmitten der vielfältigen Obliegenheiten seines Dienstes. Und dann sein Zeugnis im Leiden: Der Herr hat ihm allmählich alles genommen, aber er ist stets der „Fels“ geblieben, wie Christus es gewollt hat. Seine tiefe Demut, die in der inneren Einheit mit Christus wurzelte, hat es ihm erlaubt, die Kirche weiter zu leiten und der Welt eine noch beredtere Botschaft zu geben – gerade in der Zeit, als seine physischen Kräfte abnahmen. So hat er in einzigartiger Weise die Berufung eines jeden Priesters und Bischofs verwirklicht: ganz eins zu werden mit jenem Jesus, den er täglich in der Kirche empfängt und darbringt.

Selig bist du, geliebter Papst Johannes Paul II., weil du geglaubt hast! Wir bitten dich, stärke vom Himmel her weiter den Glauben des Volkes Gottes. So oft hast du uns auf diesem Platz vom Palast aus gesegnet. Heute bitten wir dich: Heiliger Vater, segne uns! Amen.

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Pope Francis passes by a tapestry depicting late Pope John Paul II as he leaves at the end of his weekly general audience, at the Vatican, Wednesday, April 30, 2014. Francis elevated John Paul II to sainthood during a ceremony in St. Peter's Square last Sunday. (AP Photo/Andrew Medichini)

Messe zur Heiligsprechung am 27. April 2014

Predigt von Papst Franziskus

Im Mittelpunkt dieses Sonntags, der die Osteroktav beschließt und den der heilige Johannes Paul II. der Göttlichen Barmherzigkeit geweiht hat, stehendie glorreichen Wunden des auferstandenen Jesus.

Schon beim ersten Mal, als Jesus am Abend des Tages nach dem Sabbat, am Tag der Auferstehung, den Aposteln erschien, zeigte er ihnen seine Wunden. An jenem Abend war aber Thomas, wie wir gehört haben, nicht dabei. Und als die anderen ihm sagten, dass sie den Herrn gesehen hatten, antwortete er, er werde nicht glauben, bevor er jene Wunden nicht gesehen und berührt habe. Acht Tage darauf erschien Jesus erneut im Abendmahlssaal inmitten der Jünger, und auch Thomas war da. Jesus wandte sich an ihn und forderte ihn auf, seine Wunden zu berühren. Und da kniete dieser ehrliche Mann, der daran gewöhnt war, alles selbst zu überprüfen, vor Jesus nieder und sagte: »Mein Herr und mein Gott!« (Joh 20,28).

Die Wunden Jesu sind ein Ärgernis für den Glauben, aber sie sind auch einNachweis für den Glauben. Darum verschwinden die Wunden am Leib des auferstandenen Christus nicht; sie bleiben, denn diese Wunden sind das ständige Zeichen der Liebe Gottes zu uns, und sie sind unerlässlich für den Glauben an Gott. Nicht um zu glauben, dass Gott existiert, sondern um zu glauben, dass Gott Liebe, Barmherzigkeit und Treue ist. Der heilige Petrus nimmt die Worte des Propheten Jesaja auf und schreibt an die Christen: »Durch seine Wunden seid ihr geheilt« (1 Petr 2,24; vgl. Jes 53,5).

Der heilige Johannes XXIII. und der heilige Johannes Paul II. hatten den Mut, die Wundmale Jesu anzuschauen, seine verwundeten Hände und seine durchbohrte Seite zu berühren. Sie haben sich der Leiblichkeit Christi nicht geschämt, haben an ihm, an seinem Kreuz keinen Anstoß genommen; sie haben die Leiblichkeit des Mitmenschen nicht gescheut (vgl. Jes 58,7), denn in jedem leidenden Menschen sahen sie Jesus. Sie waren zwei mutige Männer, erfüllt vom Freimut des Heiligen Geistes, und haben der Kirche und der Welt Zeugnis gegeben von der Güte Gottes und von seiner Barmherzigkeit.

Sie waren Priester und Bischöfe und Päpste des 20. Jahrhunderts. Dessen Tragödien haben sie erfahren, sind davon aber nicht überwältigt worden. Stärker war in ihnen Gott; stärker war der Glaube an Jesus Christus, den Erlöser des Menschen und Herrn der Geschichte; stärker war in ihnen die Barmherzigkeit Gottes, die sich in diesen fünf Wunden offenbart; stärker war die mütterliche Liebe Marias.

In diesen beiden Männern, die in der Betrachtung der Wunden Christi lebten und Zeugen seiner Barmherzigkeit waren, wohnte »eine lebendige Hoffnung« vereint mit »unsagbarer, von himmlischer Herrlichkeit verklärter Freude« (1 Petr 1,3.8) – die Hoffnung und die Freude, die der auferstandene Christus seinen Jüngern schenkt und die nichts und niemand ihnen nehmen kann. Dieösterliche Hoffnung und die österliche Freude, die den Schmelztiegel der Entäußerung und der inneren Leere, der Nähe zu den Sündern bis zum Letzten, bis zum Überdruss angesichts der Bitterkeit dieses Kelches durchschritten haben: Das sind die Hoffnung und die Freude, mit denen die beiden heiligen Päpste vom auferstandenen Herrn beschenkt wurden und die sie ihrerseits in Fülle an das Volk Gottes verschenkt haben, wofür sie ewigen Dank empfangen.

Diese Hoffnung und diese Freude bildeten das Klima, in dem die Urgemeinde der Gläubigen in Jerusalem lebte, von der uns die Apostelgeschichte berichtet, die wir in der zweiten Lesung gehört haben (vgl. 2,42-47). Es ist eine Gemeinde, in der das Wesentliche des Evangeliums gelebt wird, nämlich die Liebe und die Barmherzigkeit in Einfachheit und Brüderlichkeit.

Und das ist das Bild der Kirche, das dem Zweiten Vatikanischen Konzil vorschwebte. Johannes XXIII. und Johannes Paul II. haben mit dem Heiligen Geist zusammengearbeitet, um die Kirche entsprechend ihrer ursprünglichen Gestalt wiederherzustellen und zu aktualisieren, entsprechend der Gestalt, die ihr im Laufe der Jahrhunderte die Heiligen verliehen haben. Vergessen wir nicht, dass es gerade die Heiligen sind, die die Kirche voranbringen und wachsen lassen. In der Einberufung des Konzils hat der heilige Johannes XXIII. eine feinfühlige Folgsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist bewiesen, hat sich führen lassen und war für die Kirche ein Hirte, ein geführter Führer, geführt vom Heiligen Geist. Das war sein großer Dienst an der Kirche; darum denke ich gerne an ihn als den Papst der Folgsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist.

In diesem Dienst am Volk Gottes ist der heilige Johannes Paul II. der Papst der Familie gewesen. So wollte er, wie er einmal sagte, in die Erinnerung eingehen: als Papst der Familie. Ich hebe das gerne hervor, da wir gerade einen Weg zur Synode über die Familie und mit den Familien beschreiten, den er vom Himmel her sicher begleitet und unterstützt.

Mögen diese beiden neuen heiligen Hirten des Gottesvolkes mit ihrer Fürsprache für die Kirche eintreten, damit sie in diesen zwei Jahren des Synodenweges fügsam sei gegenüber dem Heiligen Geist in ihrem pastoralen Dienst an der Familie. Mögen beide uns lehren, keinen Anstoß zu nehmen an den Wunden Christi und in das Geheimnis der göttlichen Barmherzigkeit einzudringen, die immer hofft und immer verzeiht, weil sie immer liebt.

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