JOHANNES PAUL II. UND DER ISLAM

(Aus meiner Zeitschrift „WAHRHEIT + KLARHEIT“, 1. Jahrgang, Nr. 3, März 1991)

 

Seit der unseligen „Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen“ (Nostra aetate) des II. Vatikanischen Konzils fühlen sich auch die Päpste, allen voran Johannes Paul II., wie absolut gebunden, dem Buchstaben und Geist dieser Deklaration (und der übrigen Dokumente) vollumfänglich nachzuleben. Sie kümmern sich dabei offenbar überhaupt nicht um das von ihren Vorgängern und früheren Konzilien, von den Kirchenvätern und Kirchenlehrern, ja nicht einmal um das von der Heiligen Schrift Gelehrte. Für Johannes Paul II. ist das letzte Konzil in all seinen Erklärungen, Dekreten und Konstitutionen eine „Ausgießung des Heiligen Geistes“ und damit der „letztgültige Wille Gottes“. Es käme ihm nicht in den Sinn, diese Neuinterpretationen des Konzils einmal regelrecht zu „hinterfragen“, sie am Früheren, Vorherigen, Bestandenen, ernsthaft und umfassend zu prüfen (oder prüfen zu lassen). Ich weiß, man rechtfertigt sich im allgemeinen damit, dass man sagt, der Heilige Geist habe jetzt – für unsere Zeit – eben eine neue Gangart, neue Verhaltensweisen bestimmt. „Alles zu seiner Zeit“, lautet etwa einer dieser Sprüche. Selbstverständlich gibt es berechtigte, ja geforderte (äußerliche) Anpassungen an die Orts- und Zeitumstände. Aber darum geht es hier ja gar nicht. Es handelt sich vielmehr um eine ganz klare Abkehr von der bisherigen beständigen Lehre und Praxis. Wenn es in dieser Erklärung etwa heißt: „Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie (die Kirche) jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet.“ oder „Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim…“, dann ist das erstens eine dreiste Behauptung über die Köpfe (Seelen) derer hinweg, die die Kirche ausmachen, und die man gar nicht befragt hat, und zweitens ein Affront gegen unzählige (kanonisierte) Heilige (Kirchenväter, Kirchenlehrer), die etwa im Sinne und Geiste des Lieblingsjüngers des Heilandes, Johannes, „einen jeden, der nicht diese Lehre, das unverfälschte, unverkürzte Evangelium bringt (d.h. bekennt, vertritt, praktiziert), nicht in ihr Haus aufnahmen, d.h. eben nicht „mit Hochachtung“ betrachteten, sondern sie als das behandelten, was sie sind und auch sein wollen: als Antichristen, als Feinde Christi und damit Gottes, als deswegen tunlichst Zu-Meidende. Ich zähle mich doch sicher mit Recht zur Kirche, mit meiner ganzen Familie und mit all meinen Glaubensfreunden. Nicht einen aber kenne ich, von dem ich überzeugt bin, daß er ein wirklich guter katholischer Christ ist, der sich einverstanden erklären würde mit dieser synodalen „Vereinnahmung“ und „Bevormundung“. Ich jedenfalls betrachte die Anhänger nichtchristlicher Religionen, die Hindus und die Buddhisten und die Muslime und die Juden keineswegs „mit aufrichtigem Ernst“ und „mit Hochachtung“. Sondern, wenn schon „mit Ernst“, dann „mit traurigem, wehmütigem Ernst“ und „mit Geringschätzung, Verachtung ihres falschen Glaubens“, „mit Furcht um ihr ewiges Verlorengehen“. Ich achte sie nicht als Andersgläubige, sondern als Menschen, als Geschöpfe Gottes. Ich wertschätze sie als wie ich Zum-Himmelreich-Berufene. Ich bete und hoffe für sie als Zu-Missionierende und Zu-Bekehrende und Zu-Rettende, als von ihrem Irrglaubens- und Wahnsystem Zu-Befreiende. Niemals aber als Überzeugte einer falschen, einer antichristlichen, einer antigöttlichen Religion, niemals als Praktizierende von Handlungs- und Lebensweisen, von Vorschriften und Lehren, die … in manchem (in zu vielem, in fast allem) von dem abweichen, was ein Christ selber für wahr hält und bekennt, und nur äußerst selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die Christus und seine Kirche ist. Und so ist es eine entsetzliche Schande für die ganze Konzilsversammlung von so „durchstudierten“ und „hochgebildeten“ und „kompetent-sein-wollenden“ „Prälaten“, dass sie nicht einmal fähig waren, diese horrenden Formulierungen als das zu erkennen, was sie im Lichte der ganzen christlichen Vergangenheit sind: ein miserables Fanal des Zusammenbruchs der katholischen, der christlichen Theologie der kirchlichen Hierarchie, der „Säulen der Streitenden Kirche“.

„Mit Hochachtung betrachtet die Kirche die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten. Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.“

Nein! Tausendmal NEIN! Ein wahrer Christ kann sich mit einem solch ungeheuren Elaborat und Diktat nicht identifizieren.

„Wie Moses in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an Ihn glaubt, das Ewige Leben habe. Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen eingeborenen Sohn dahingab, damit jeder, der an Ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern das Ewige Leben habe … Wer an Ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.“ (Jo 3,14f.)

Wer also nicht an Christus, an den Christus, den Gott-Vater dahingab, den Christus, der der eingeborene Sohn Gottes ist, wer also an diesen Christus nicht glaubt, wie ein Muslim, der hat das Ewige Leben nicht, der wird gerichtet, ist schon gerichtet, und kann deshalb in seinem Unglauben vom Glaubenden nicht „mit Hochachtung“ betrachtet werden.

„Wer an Mich glaubt, glaubt nicht an Mich, sondern an den, der Mich gesandt hat. Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit niemand, der an Mich glaubt, in der Finsternis bleibe.“ (Jo 12,44f.)

Wer also, wie ein Muslim, nicht an Christus als den eingeborenen Sohn Gottes, als GOTT in Leibhaftigkeit, glaubt, der glaubt an Den nicht, der Ihn gesandt hat, an GOTT, den Vater. Der betet also nicht „den alleinigen Gott an, den lebendigen und in sich seienden“. Der betet vielmehr einen Gott an, der ein IHN furchtbar herabwürdigendes Phantasiegebilde eines Geisteskranken ist! Und darum kann ein gläubiger Christ einen Muslim als Muslim als Anhänger einer Religion, die Christus als gewöhnlichen Menschen betrachtet und Gott als einen Gott „verehrt“, der Muhammad über Jesus stellt, nicht mit wirklicher Wertschätzung betrachten, weil er sonst, wenn er ihn als Muslim achtete, seinen christlichen, einzig wahren Glauben nicht hochachten, sondern gottsträflich geringschätzen würde.

„Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch, wenn einer Mein Wort hört, wird er in Ewigkeit den Tod nicht schauen“. (Jo 8,51) „Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch, wer Mein Wort hört und dem glaubt, der Mich gesandt hat, der hat das Ewige Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern geht vom Tode zum Leben über.“ (Jo 5,24).

Wer also Sein Wort, wie ein Muslim, nicht hört, der schaut in Ewigkeit den Tod, hat das Ewige Leben nicht und kommt ins Gericht und geht nicht vom Tode zum Leben über, bleibt also im Tode. Seine Religion ist also eine Religion der Finsternis, des Todes. Und darum kann ein wahrer Christ den Anhänger einer Religion des Todes, als Bekenner dieser Religion des Todes, nicht achten, geschweige denn hochachten.

So könnte man noch lange fortfahren. Und immer würde für Einsichtige ersichtlich, daß diese Sätze der besagten Konzils-Erklärung gegen die klarsten Aussagen des Evangeliums sind. Und ihren Widerspruch zu den ausdrücklichen Lehren und zu den Weisungen der Kirche durch alle Zeiten wollen wir jetzt einmal noch beiseite lassen. Uns geht es nun um das Aufzeigen, wie Johannes Paul II. diese Erklärung als ein Orakel des Heiligen Geistes nimmt und sie deshalb überall und jederzeit geradezu rücksichtslos (hinsichtlich der Vergangenheit) voll in die Praxis umsetzt!

„Ich denke an den Tag und sehne ihn herbei, an dem wir alle wirklich in der Weise „Schüler Gottes sein werden“ (Joh 6,45), dass wir seine Botschaft der Versöhnung und des Friedens hören. Ich denke an den Tag, an dem Juden, Christen und Muslime in Jerusalem miteinander den Friedensgruß austauschen können, den Jesus nach seiner Auferstehung von den Toten an die Jünger gerichtet hat: „Friede sei mit euch!“ (Joh. 20,19). “ … Ich bin überzeugt, dass die religiöse Identität der Stadt (Jerusalem) und insbesondere die gemeinsame monotheistische Glaubensüberlieferung den Weg ebnen können, um die Eintracht zwischen allen jenen zu fördern, die in verschiedener Weise die Heilige Stadt als ihre Stadt ansehen.“ „Ja, denn in seiner Eigenschaft als Heimat des Herzens aller geistlichen Nachkommen Abrahams, die es als unermesslich teuer empfinden, und – in den Augen des Glaubens – als Begegnungspunkt zwischen der unendlichen Transzendenz Gottes und der Wirklichkeit des geschaffenen Seins erhebt sich Jerusalem zum Symbol der Begegnung, der Einheit und des Friedens für die ganze Menschheitsfamilie.“ (Apostolisches Schreiben 20.4.1984)

„An alle Muslime zum Abschluss des Fastenmonats Ramadan, Ende Juni 1984 /Ramadan 1404, Ramadan Karim! Wa Kull ‚Am wa Antom Bikhair!
Zu Beginn dieses neuerlichen Festes, zum Abschluss des Fastenmonats ist es uns eine Freude, der ganzen muslimischen Gemeinschaft überall in der Welt Glück, Wohlergehen und Frieden zu wünschen…. Wir sind daher bereit, liebe Freunde, wenn ihr es für angebracht haltet, unsere Bemühungen mit den eurigen zu verbinden, in der Achtung unserer jeweiligen Identität und unserer Entscheidungen, um uns in den Dienst des ruhelosen, leidenden oder bedrängten Menschen zu stellen und zur Erhaltung religiöser Werte in unserer modernen, vor allem auf Humanismus und Wohlstand bedachten Gesellschaft beizutragen. Wir alle vertrauen auf den einen Gott, der uns in seiner Verehrung versammelt und uns durch sein Wort leitet… „
(Erzbischof Francis A. Arinze, Pro-Präsident des Sekretariats für die Nichtchristen, 29. Juni 1984)

„Wir alle, Christen und Moslems, leben unter der Sonne des einen barmherzigen Gottes. … Wir beten Gott an und bekennen uns zur vollkommenen Unterwerfung unter ihn. So können wir uns gegenseitig im wahrsten Sinne des Wortes Brüder und Schwestern im Glauben an den einen Gott nennen. .. Ich weiß, dass dieses Gebot der Liebe (das Grundgesetz der Gottes- und Nächstenliebe) auch in Ihren Herzen tiefen Widerhall findet, denn in Ihrem heiligen Buch werden Sie zusammen mit der Aufforderung zum Glauben gemahnt, sich durch gute Werke auszuzeichnen (vgl. Sure 5,51). … „Zudem bin ich überzeugt, dass wir viel Gutes vollbringen könnten, wenn wir uns im Namen Gottes die Hand reichen…“ (Ansprache J.P. II. an die Bevölkerung und im besonderen an die Moslems in Kaduna (Afrika), 14.2.1982)

„Liebe Brüder! Es ist immer eine Freude für mich, mit den Mitgliedern der islamischen Gemeinden auf meinen Reisen zusammenzutreffen…“ „Ich spreche Euch absichtlich als „Brüder“ an: Denn das sind wir zweifellos, weil wir zu derselben Menschheitsfamilie gehören, die nun einmal – ob es die Menschen wahrnehmen oder nicht – Gott und seiner Wahrheit zustrebt. Aber wir sind besonders Brüder in Gott, der uns geschaffen hat und den wir, jeder auf seine Weise, durch Glaube, Gebet und Kult, durch die Einhaltung seines Gesetzes und durch Gehorsam gegenüber seinen Plänen zu erreichen versuchen.“

„Doch liebe Freunde, wir wissen nur zu gut, dass kein positiver Grund besteht, diese Vergangenheit (des schlechten Klimas, der Feindschaft zwischen Christen und Muslimen) heute weiterzuschreiben. Wenn überhaupt, dann sollten wir voll Schmerz auf die Vergangenheit zurückblicken, um eine bessere Zukunft sicherzustellen. Und Ihr habt die ebenso beneidenswerte wie entscheidende Aufgabe, mitzuhelfen, diese Zukunft zu bauen die Zukunft Eurer islamischen Kinder, ebenso wie die harmonische Zukunft der ganzen philippinischen Nation.“… „Meine lieben Freunde! Ich hoffe, Ihr seid davon überzeugt, dass Eure christlichen Brüder und Schwestern Euch brauchen und dass sie Eure Liebe brauchen.“ (J.P. II. am 20.2.1981 in Davao City)

„Brüder und Schwestern der islamischen Religion!
Ich nenne euch Brüder, weil Gott, unser Schöpfer, uns als Glieder der gleichen Menschheitsfamilie erschaffen hat, Gott, der uns aufruft, ihn anzubeten und ihm zu gehorchen. Gott hat uns auf diese Erde gestellt als seine Repräsentanten, um für die Welt der Natur getreu Sorge zu tragen und um unsere menschlichen Gemeinschaften seinem Willen gemäß aufzubauen…. Gewisse rassische oder ethnische Gruppen, gewisse religiöse Gemeinschaften sowie gewisse wirtschaftliche und politische Ideologien auf der Welt tendieren dahin, ihren Standpunkt soweit in den Vordergrund zu stellen, dass sie den der anderen, die ihn nicht teilen, missachten und Vorschläge zur Zusammenarbeit und menschlichen Brüderlichkeit zurückweisen. Muslime und Christen müssen diesen Versuchungen widerstehen. … und gemeinsam daran arbeiten, eine Gesellschaft aufzubauen, in der die Würde jeder einzelnen Person anerkannt und respektiert wird. … Heute möchte ich euch auffordern, euren christlichen Brüdern und Schwestern die Hand zu reichen und den Wegen Gottes im Dienst der Menschheit zu folgen. Der Segen Gottes sei mit euch allen!“ (Ansprache J.P. II. am 12.8.1985 in Yaoundé, Afrika)

Die engen Bande, die unsere Religionen verbinden – unsere Gottesverehrung und die geistigen Werte, die wir hochschätzen -, sind für uns ein Grund, brüderliche Verbündete zu werden im Dienst für die Menschheitsfamilie. … es ist niemals Gottes Wille, dass wir in Misstrauen und Feindschaft leben. Wir sind alle Kinder desselben Gottes, Mitglieder der großen Familie der Menschheit. Unsere Religionen haben eine besondere Rolle zu erfüllen, wenn es gilt, diesen Übeln Einhalt zu gebieten und Vertrauens- und Freundschaftsbande zu schmieden. Es ist Gottes Wille, dass all diejenigen, die ihn verehren, auch wenn sie nicht die gleiche Verehrungsform haben, dennoch vereint seien in Brüderlichkeit und im gemeinsamen Dienst zum Wohl aller. … Unser heutiges Zusammensein — Hindus, Muslime und Christen in Freundschaft versammelt — ist ein hoffnungsvolles Zeichen in einer pluralistischen Welt voller Spannungen. Keine religiöse Gruppe kann es sich leisten, isoliert zu handeln und zu leben. … In der Heiligen Schrift ermutigt uns der hl. Paulus, Wege der Brüderlichkeit und Einigkeit zusuchen: «… Seid eines Sinnes und lebt in Frieden», sagt er, «dann wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein»… (2 Kor 13, 11). … Möge Gottes Segen Sie alle begleiten!“ (J.P . II. am 18.8.1985 beim Treffen mit Hindus und Muslimen in Nairobi, Kenia.)

Diese Auswahl mag vorerst genügen. Sie ist so schon fast zu reichhaltig. Aber sie zeigt, wie haarscharf der Papst sich an das Konzils-Dokument hält, bzw. wie alles, was er sagt und tut ein ganz natürlicher Ausfluss aus dieser durch das II. Vaticanum erschlossenen (trüben, giftigen) Quelle ist. Dem denkenden, überlegenden Christen fällt aber auch sofort auf, ja es sticht ihm förmlich ins Herz, wie hier ein absolut neuer Geist weht. Ein Geist, der sich überhaupt nicht vereinbaren läßt mit dem katholischen Geist von vor dem Konzil! Hunderte von Glaubensirrtümern sind in diesen wenigen Abschnitten enthalten. Es würde sich lohnen, ein Buch darüber zu schreiben. (Wir werden wohl darauf zurückkommen!) Die Philosophie und die Theologie des Papstes kämen dabei so schlecht weg, dass man ihn zu anderen, besseren Zeiten in unserer Kirche zu diesem höchsten und ALLES beeinflussenden Amt, aber auch zu dem nur schon eines Bischofs oder Pfarrers nicht berufen hätte!

 

Doch sehen wir nun anhand des KORANS (des „heiligen Buches“ des Islams), wie völlig antichristlich (und absolut unversöhnlich mit dem Christentum) diese mohammedanische Religion ist. Ich zitiere aus einer der jüngsten Koranausgaben in deutsch, aus der Taschenbuchausgabe des Gütersloher Verlagshauses Gerd Mohn, 1987, übersetzt und erläutert von Adel Theodor Khoury unter Mitwirkung und mit einer Einleitung von Muhammad Salim Abdullah, mit einem Geleitwort von Inamullah Khan, Generalsekretär des Islamischen Weltkongresses, mit einem Begriffsregister, einem Verzeichnis der Bibelstellen aus dem Alten und Neuen Testament sowie einer Textauswahl aus dem Hadith.
(„Diese neue Koran- Übersetzung ist das Ergebnis intensiver Beschäftigung mit dem Islam und seiner heiligen Schrift und einer jahrelangen Zusammenarbeit zwischen dem Christlich-Islamischen Institut in Münster und dem Zentralinstitut Islam-Archiv- Deutschland in Soest. Sie hält sich so eng wie möglich an das arabische Original und räumt dort, wo mehrere Deutungen möglich sind, der islamischen Tradition den Vorzug ein. Damit gibt sie Muslimen wie Christen ein höchstmögliches Maß an Textsicherheit. Die Einführung gibt Auskunft über die Entstehung des Korans und seine Bedeutung im Leben der islamischen Gemeinde.“)
„Der Koran enthält die Gesamtheit der Botschaften, die der Prophet (Muhammad) im Laufe von zwei Jahrzehnten empfing“. „Zu den Lehren des Islams bekennen sich heute nahezu 1,2 Milliarden Menschen und kein anderes Buch wird bis in unsere Tage gleich viel gelesen, zitiert und memoriert oder hat in gleichem Maße das Leben des einzelnen, der Familie und der Gesellschaft so sehr geprägt wie der Koran.
„Das Buch wird „von den echten Verehrern für unerschaffen und ‚mit Gott gleich ewig‘ erklärt“.
Der Koran ist für die Muslime die Urnorm des Gesetzes, die primäre Wirklichkeit des Islams. Er ist nicht nur die Verdichtung aller Lehren des Propheten, … sondern vor allem die letztgültige Autorität, das Wort Gottes durch den Mund des Propheten, das den Islam begründet.“ „Im Christentum wurde das Wort Fleisch, im Islam zum Buchstaben, zu einem Buch, dem Koran.“ (Aus der Einleitung)

Anhand der folgenden Suren-Zitate wird schlagartig ersichtlich, wie sehr „eine brüderliche und freundschaftliche Einheit im Glauben an den einen Gott“ zwischen dem Islam und dem Christentum „zum Dienste aller“ durch den abgrundtiefen Glaubenswiderspruch absolut unmöglich ist. Da gibt es weit und breit keine „engen Bande“. Da ist „Misstrauen“ und „Feindschaft“ für alle Zeiten festgeschrieben und „göttlich geboten„!

Sure 2,39: „Diejenigen aber, die nicht glauben und unsere Zeichen ( – die Suren des Korans) für Lüge erklären, das sind die Gefährten des Feuers; sie werden darin ewig weilen.“
Sure 2,159: „Diejenigen, die verschweigen, was Wir an deutlichen Zeichen und Rechtleitung hinabgesandt haben, nachdem Wir es den Menschen im Buch deutlich gemacht haben, diese wird Gott verfluchen, und verfluchen werden sie auch die Fluchenden.“
Sure 2,191: „Und tötet sie, wo immer ihr sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben. … So ist die Vergeltung für die Ungläubigen.“
Sure 2,193: „Kämpft gegen sie, bis es keine Verführung mehr gibt und bis die Religion nur noch Gott gehört.“
Sure 2,194: „Wer sich gegen euch vergeht, gegen den dürft ihr euch ähnlich vergehen, wie er sich gegen euch vergeht.“
Sure 2,216: „Vorgeschrieben ist euch der Kampf, obwohl er euch zuwider ist.“
Sure 2,217: „Sie hören nicht auf, gegen euch zu kämpfen, bis sie euch von eurer Religion abbringen, wenn sie es können. Diejenigen von euch, die sich nun von ihrer Religion abwenden und als Ungläubige sterben, deren Werke sind im Diesseits und im Jenseits wertlos. Das sind die Gefährten des Feuers…“
Sure 3,12: „Sprich zu denen, die ungläubig sind: Ihr werdet besiegt und zur Hölle versammelt werden…“ Sure 3,19: „Die Religion bei Gott ist der Islam.“
Sure 3,28: „Die Gläubigen sollen sich nicht die Ungläubigen anstelle der Gläubigen zu Freunden nehmen. Wer das tut, hat keine Gemeinschaft mit Gott…“
Sure 3,67: „Abraham war weder Jude noch Christ, sondern er war Anhänger des reinen Glaubens…“
Sure 3,85: „Wer eine andere Religion als den Islam sucht, von dem wird es nicht angenommen werden. Und im Jenseits gehört er zu den Verlierern.“
Sure 3,118. „O, ihr die ihr glaubt, nehmt euch keine Vertrauten unter denen, die nicht zu euch gehören. Sie werden euch kein Unheil ersparen.“
Sure 3,152: „Und Gott hat euch sein Versprechen wahr gemacht, als ihr sie mit seiner Erlaubnis vernichtend schluget…“
Sure 4,56: „Diejenigen, die unsere Zeichen verleugnen, werden Wir in einem Feuer brennen lassen.“
Sure 4,89: „Wenn sie sich abkehren, dann greift sie und tötet sie, wo immer ihr sie findet, und nehmt euch niemanden von ihnen zum Freund oder Helfer.“
Sure 5,33: „Die Vergeltung für die, die gegen Gott und seinen Gesandten Krieg führen und auf der Erde umherreisen, um Unheil zu stiften, soll dies sein, daß sie getötet oder gekreuzigt werden, oder daß ihnen Hände und Füße wechselseitig abgehackt werden, oder daß sie aus dem Land verbannt werden.“
Sure 4,14: „Und wer gegen Gott und seinen Gesandten ungehorsam ist und seine Rechtsbestimmungen übertritt, den läßt Er in ein Feuer eingehen, darin wird er ewig weilen.“
Sure 4,144: „O ihr, die ihr glaubt, nehmt euch nicht die Ungläubigen anstelle der Gläubigen zu Freunden.“
Sure 5,51: „O ihr, die ihr glaubt, nehmt euch nicht die Juden und die Christen zu Freunden.“
Sure 5,56: „Wer sich Gott und seinen Gesandten und diejenigen, die glauben, zu Freunden nimmt (gehört zu ihnen): Die Partei Gottes sind die Obsiegenden.“
Sure 5,14: „Und von denen, die sagen: „Wir sind Christen“, nahmen Wir ihre Verpflichtung entgegen. Sie vergaßen einen Teil von dem, womit sie ermahnt worden waren. So erregten Wir unter ihnen Feindschaft und Haß bis zum Tag der Auferstehung.“
Sure 3,84: „Sprich: Wir glauben an Gott und an das, was auf uns herabgesandt wurde, und an das, was herabgesandt wurde auf Abraham, Ismael, Isaak, Jakob und die Stämme, und an das, was Mose und Jesus und den Propheten von ihrem Herrn zugekommen ist. Wir machen bei keinem von ihnen einen Unterschied. Und wir sind Ihm ergeben.
Sure 6,125: „Wen Gott rechtleiten will, dem weitet Er die Brust für den Islam. Und wen Er irreführen will, dem macht Er die Brust beklommen und bedrückt, so als ob er in den Himmel hochsteigen würde. Auf diese Weise legt Gott das Greuel auf diejenigen, die nicht glauben.“
Sure 8,12: „Ich werde den Herzen derer, die ungläubig sind, Schrecken einjagen. So schlagt auf die Nacken und schlagt auf jeden Finger von ihnen.“
Sure 8,13: „Dies dafür, daß sie sich Gott und seinem Gesandten widersetzen.“
Sure 8,15: „O ihr, die ihr glaubt, wenn ihr auf die, die ungläubig sind, trefft, während sie zur Schlacht anrücken, dann kehret ihnen nicht den Rücken.“
Sure 8,16: „Wer ihnen an jenem Tag den Rücken kehrt – es sei denn, er setzt sich ab zum Kampf, oder er stößt zu einer anderen Schar –, zieht sich den Zorn Gottes zu. Seine Heimstätte ist die Hölle.“
Sure 8,39: „Und kämpft gegen sie, bis es keine Verführung mehr gibt und bis die Religion
gänzlich nur noch Gott gehört.“ (= bis es nur noch den Islam gibt)
Sure 8,55: „Die schlimmsten Tiere bei Gott sind die, die ungläubig sind…“
Sure 8,60: „Und rüstet gegen sie, was ihr an Kraft und an einsatzbereiten Pferden (= heute modernste Waffen, z.B. Raketen und Panzer) haben könnt, um damit den Feinden Gottes und euren Feinden Angst zu machen…“
Sure 8,65: „O Prophet, sporne die Gläubigen zum Kampf an.“
Sure 8,67: „Es steht einem Propheten nicht zu, Gefangene zu haben, bis er auf der Erde stark gewütet hat.“
Sure 9,5: „Wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Polytheisten (= auch und vornehmlich diejenigen, die Gott als dreipersönlich, als Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist bekennen, werden als Polytheisten gesehen), wo immer ihr sie findet, greift sie, belagert sie und lauert ihnen auf jedem Weg auf.“
Sure 9,29: „Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Gott und nicht an den Jüngsten Tag glauben und nicht verbieten, was Gott und sein Gesandter verboten haben, und nicht der Religion der Wahrheit angehören.“
Sure 9,73: „O Prophet, setz dich gegen die Ungläubigen und die Heuchler ein und faß sie hart an. Ihre Heimstätte ist die Hölle.“
Sure 9,80: „Wenn du auch siebzigmal um Vergebung für sie bittest, Gott wird ihnen niemals vergeben. Dies, weil sie Gott und seinen Gesandten verleugnen.“
Sure 4,156: „… und weil sie ungläubig waren und gegen Maria eine gewaltige Verleumdung aussprachen;
Sure 4,157: und weil sie sagten: „Wir haben Christus Jesus, den Sohn Marias, den Gesandten Gottes, getötet.“ – Sie haben ihn aber nicht getötet, und sie haben ihn nicht gekreuzigt, sondern es erschien ihnen eine ihm ähnliche Gestalt.“ (Der Islam leugnet den Kreuzigungstod wie überhaupt den Tod Christi und seine Auferstehung „von den Toten“!)
Sure 4,158: „sondern Gott hat ihn zu sich erhoben.“ (ohne Tod)
Sure 4,159: „Und es gibt keinen unter den Leuten des Buches, der nicht noch vor seinem Tod an ihn (im Sinne des Islam) glauben würde.“
Sure 4,171: „O ihr Leute des Buches, übertreibt nicht in eurer Religion und sagt über Gott nur die Wahrheit. Christus Jesus, der Sohn Marias, ist doch nur der Gesandte Gottes und sein Wort, das er zu Maria hinüberbrachte, und ein Geist von Ihm. So glaubt an Gott und seine Gesandten. Und sagt nicht: Drei (d.h. drei Götter = Dreifaltigkeit). Hört auf, das ist besser für euch. Gott ist doch ein einziger Gott. Gepriesen sei Er und erhaben darüber, daß Er ein Kind (= einen Sohn) habe. Er hat, was in den Himmeln und was auf der Erde ist. Und Gott genügt als Sachwalter.
Sure 4,172: „Christus wird es sicher nicht aus Widerwillen ablehnen, Diener Gottes (= bloßer Mensch) zu sein, und auch nicht die in die Nähe (Gottes) zugelassenen Engel.“
Sure 5,17: „Ungläubig sind gewiß diejenigen, die sagen: «Gott ist Christus, der Sohn Marias.» Sprich: Wer vermag denn gegen Gott überhaupt etwas auszurichten, wenn Er Christus, den Sohn Marias, und seine Mutter und diejenigen, die auf der Erde sind, allesamt verderben lassen will?“
Sure 2,87: „Und Wir ließen Jesus, dem Sohn Marias, die deutlichen Zeichen (= Offenbarungen und Wundergaben) zukommen und stärkten ihn mit dem Geist der Heiligkeit.“
Sure 2,253: „Und Wir haben Jesus, dem Sohn Marias, die deutlichen Zeichen zukommen lassen und ihn mit dem Geist der Heiligkeit gestärkt.“
Sure 3,45: „Als die Engel sagten: «O Maria, Gott verkündet dir ein Wort von Ihm, dessen Name Christus Jesus, der Sohn Marias, ist; er wird angesehen sein im Diesseits und Jenseits, und einer von denen, die in die Nähe (Gottes) zugelassen werden.
Sure 3,46: „Er wird zu den Menschen sprechen in der Wiege und als Erwachsener und einer der Rechtschaffenen sein.“
Sure 3,48: Und Er wird ihn lehren das Buch, die Weisheit, die Tora und das Evangelium.
Sure 3,49: „Und Er wird ihn zu einem Gesandten an die Kinder Israels machen: «Ich komme zu euch mit einem Zeichen von eurem Herrn: Ich schaffe euch aus Ton etwas wie eine Vogelgestalt, dann blase ich hinein, und es wird zu einem Vogel mit Gottes Erlaubnis…“
Sure 3,55: Als Gott sprach: «O Jesus, Ich werde dich abberufen und zu Mir erheben und dich von denen, die ungläubig sind, rein machen…“
Sure 3,59: „Mit Jesus ist es vor Gott wie mit Adam. Er erschuf ihn aus Erde, dann sagte Er zu ihm: Sei!, und er war.“
Sure 5,72: „Ungläubig sind diejenigen, die sagen: „Gott ist Christus, der Sohn Marias“, wo
doch Christus gesagt hat: „O ihr Kinder Israels, dienet Gott, meinem Herrn und eurem Herrn.“
Wer Gott (andere) beigesellt, dem verwehrt Gott das Paradies. Seine Heimstätte ist das Feuer.“
Sure 5,73: „Ungläubig sind diejenigen, die sagen: „Gott ist der Dritte von dreien“ (= dreifaltig), wo es doch keinen Gott gibt außer einem einzigen Gott.“
Sure 5,75: „Christus, der Sohn Marias, ist nichts anderes als ein Gesandter; vor ihm sind etliche Gesandte dahingegangen. Seine Mutter ist eine Wahrhaftige (= eine wirkliche, ganz menschliche Mutter, die ganz normal, und nicht vom Heiligen Geist, ohne menschliches Dazutun, empfangen hat). Beide pflegten Speise zu essen.“
Sure 5,86: „Diejenigen, die ungläubig sind und unsere Zeichen für Lüge erklären, das sind die Gefährten der Hölle.“
Sure 5,110: „Und als Gott sprach: „O Jesus, Sohn Marias, gedenke meiner Gnade zu dir und zu deiner Mutter, als Ich dich mit dem Geist der Heiligkeit stärkte , so daß du zu den Menschen in der Wiege und als Erwachsener sprachst; und als Ich dich das Buch, die Weisheit, die Tora und das Evangelium lehrte; und als du aus Ton etwas wie eine Vogelgestalt mit meiner Erlaubnis schufest und dann hineinbliesest und es mit meiner Erlaubnis zu einem Vogel wurde; und als du Blinde und Aussätzige mit meiner Erlaubnis heiltest und Tote mit meiner Erlaubnis herauskommen ließest…“
Sure 5,1 14: „Jesus, der Sohn Marias, sagte: „O Gott, unser Herr, sende auf uns einen Tisch vom Himmel herab, daß er für uns, für den ersten von uns und den letzten von uns, ein Fest sei, und ein Zeichen von Dir.“ (Andeutung auf das Abendmahl)
Sure 5,116: „Und als Gott sprach: „O Jesus, Sohn Marias, warst du es, der zu den Menschen sagte: ‚Nehmt euch neben Gott mich und meine Mutter zu Göttern?“‚ Er sagte: „Preis sei Dir! Es steht mir nicht zu, etwas zu sagen, wozu ich kein Recht habe. Hätte ich es gesagt, dann wüßtest Du es. Du weißt, was in meinem Inneren ist, ich aber weiß nicht, was in deinem Inneren ist.“
Sure 6,1: „Dennoch setzen diejenigen, die ungläubig sind, ihrem Herrn (andere) gleich.“ (= Dreifaltigkeitslehre)
Sure 6,101: „Der Schöpfer der Himmel und der Erde, woher soll Er ein Kind haben, wo Er doch keine Gefährtin hat und Er (sonst) alles erschaffen hat?“
Sure 9,30: „Die Juden sagen: „‚Uzayr ist Gottes Sohn.“ Und die Christen sagen: „Christus ist Gottes Sohn.“ Das ist ihre Rede aus ihrem eigenen Munde. Damit reden sie wie die, die vorher ungläubig waren. Gott bekämpft sie!“
Sure 9,3 1: „Dabei wurde ihnen doch nur befohlen, einem einzigen Gott zu dienen. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Preis sei Ihm! Erhaben ist Er über das, was sie (Ihm) beigesellen.“
Sure 2,62: „Diejenigen, die glauben, und diejenigen, die Juden sind, und die Christen und die Sabier, all die, die an Gott und den Jüngsten Tag glauben und Gutes tun, erhalten ihren Lohn bei ihrem Herrn, sie haben nichts zu befürchten, und sie werden nicht traurig sein.“ (Vgl. Sure 2,137: „Wenn sie (die Christen und Juden) an das gleiche glauben, woran ihr glaubt, so folgen sie der Rechtleitung. Wenn sie sich abkehren, so befinden sie sich in Widerstreit. Gott wird euch vor ihnen schützen.“)
Sure 5,38: „Und hackt dem Dieb und der Diebin die Hände ab zur Vergeltung für das, was sie erworben haben, dies als abschreckende Strafe von seiten Gottes.“
Sure 4,3: „… dann heiratet, was euch an Frauen beliebt, zwei, drei oder vier.“
Sure 4,11: „Einem männlichen Kind steht soviel wie der Anteil von zwei weiblichen zu…“
Sure 4,34: „Ermahnt diejenigen (Frauen) von denen ihr Widerspenstigkeit befürchtet, und entfernt euch von ihnen in den Schlafgemächern und schlagt sie.“

Das soll vorerst genügen. Natürlich erfordert es einige Anstrengung, auch aus den für die Christen eher positiv scheinenden Suren immer den Geist herauszuspüren, der ihnen innewohnt.
Ganz entscheidend ist, daß man sieht, daß der Prophet (Muhammad) Jesus Christus auf die Stufe eines ganz simplen Menschen herabwürdigt, der von Gott auch eine Prophetenrolle in der langen Reihe aller Propheten zugemessen erhielt, und daß er dann diesen seinen (Muhammads) Vorläufer auch ganz in seine Dienste nimmt („Nichts anderes ist er als ein Gesandter“ – wie Moses oder Noah oder Mohammed). In diesem Sinne ist Sure 2,62 und andere ähnliche Stellen zu verstehen, wenn dort von den Christen gesagt wird, „sie haben nichts zu befürchten, wenn sie an Gott (eben an den „alleinigen“ = „einpersönlichen“, nicht dreifaltigen, dreipersönlichen Gott) und den Jüngsten Tag glauben und Gutes tun“. In anderen Suren wird ja dann ausdrücklich erklärt, (Sure 5,17 und Sure 5,72) daß diejenigen ungläubig sind, die sagen, Jesus sei Gottes Sohn. Und wenn man das also einmal kapiert hat, daß der Koran die echten, wahren Christen als Ungläubige und übrigens eben als „Polytheisten“ (Anbeter mehrer Götter = weil die Christen glauben und lehren, daß in Gott drei Personen sind!) behandelt, der kann dann daraus sofort die Konsequenzen ersehen. Die Moslems können Christen unmöglich zu Freunden, zu Brüdern haben. Sie dürfen es nach ihrer „Gottesoffenbarung“ gar nicht. Je treuer also ein Moslem ist in seinem Glauben, desto weniger ist er bereit und willens und fähig, Christen und überhaupt alle Andersgläubigen zu Freunden zu nehmen und mit ihnen wirklich in dem Sinne zusammenzuwirken, wie dies der verblendete Papst gerne haben möchte.

Nun wollen wir aber wenigstens noch ein paar Informationen aus der Aktualität anfügen, zur Illustration dessen, was wir mit der „Unversöhnlichkeit des Islams mit dem Christentum“ meinen:
Der Generalsekretär der Islamischen Welt-Liga, Dr. AI-Naseef, hat das Christentum als eine „tödliche Gefahr für den Islam“ in Asien, Afrika und in der Golfregion bezeichnet. Die von den Missionsgesellschaften erbauten Schulen, Sozialeinrichtungen und Spitäler seien nicht aus Menschenliebe gegründet worden. Sie dienten ausschließlich dem Zweck, die Ausbreitung des Islams zu verhindern und die Muslime von ihrem Glauben wegzulocken. Al-Naseef warnte vor einem Dialog mit dem Christentum. Er forderte die islamischen Staaten auf, den „Komplott der Kirchen gegen den Islam“ zu verhindern. Radikale pro-irakische Muslime haben in Bangladesch wiederholt gegen die Anwesenheit der alliierten Truppen am Golf protestiert und „das Blut von Christen“ gefordert. Wie kirchliche Kreise in der Hauptstadt Dakka berichteten, tragen die Demonstranten bei ihren Umzügen Fahnen und Poster mit der Aufschrift „Hindus und Muslime sind Brüder, wir wollen das Blut der Christen“. Es seien auch bereits Übergriffe auf katholische und protestantische Kirchen erfolgt. Zahlreiche Gotteshäuser seien mit Steinen beworfen, eine Kirche in Brand gesteckt worden. Nach den Berichten aus Dakka hat Erzbischof Michael Rozario bereits an die Regierung appelliert, Maßnahmen zum Schutz der Christen zu treffen.
Mit einer Massenkundgebung in Teheran haben die Feiern zum zwölften Jahrestag der islamischen Revolution in Iran ihren Höhepunkt erreicht. Im Rundfunk hieß es, Millionen Menschen seien durch die Straßen gelaufen und hätten antiamerikanische und antiisraelische Parolen gerufen. Präsident Haschemi Rafsandschani rief dazu auf, Entschlossenheit „auf dem Weg zu einer unabhängigen und rein islamischen Gesellschaft“ zu zeigen. Der irakische Präsident Saddam Hussein hat eine Botschaft geschickt und zum „iranischen Nationalfeiertag“ gratuliert.
Seit dem 1. Januar 1991 gilt im gesamten Nordsudan ohne Ausnahme die Scharia, das islamische Rechtssystem. De facto bedeutet das, daß Christen keine öffentlichen Stellen bekleiden dürfen, keine Möglichkeit der Zeugenschaft vor Gericht haben und wie alle anderen Staatsbürger auch den brutalsten Körperstrafen ausgesetzt sind. Anders sieht es derzeit noch im Südsudan aus, wo Christen und Animisten gegenüber den Muslimen die Mehrheit bilden. In den von der „Sudanischen Befreiungsfront“ SPLA beherrschten Territorien gibt es ebenso wie in den von derRegierung gehaltenen Garnisonstädten nach wie vor ein kirchliches Leben unter einer durch Hunger, Seuchen und Flucht stark dezimierten nichtarabischen Bevölkerung. Wann hier die Scharia eingeführt werden soll, steht noch nicht fest. Für Ausländer ist der gesamte Südsudan nicht mehr zugänglich.
Die Behauptung des Patriarchen der chaldäischen Kirche, Raphael I. Bidavid, wonach Iraks Christen „in einem Paradies auf Erden“ leben, hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) zurückgewiesen. Wie die Kurden seien auch die assyrischen Christen nestorianischer und chaldäischer Konfession Opfer eines Völkermordverbrechens geworden, bei dem bisher mindestens 20’000 Angehörige vernichtet worden seien, betonte die GfbV in Göttingen. Der größte Teil der noch in den sechziger Jahren überwiegend im Nordirak ansäßigen assyrischen Christen habe die Heimat nach Massendeportationen, Massakern oder Inhaftierungen verlassen müssen. Mehr als 60 Dörfer mit überwiegend assyrischer Bevölkerung seien seit 1979 dem Erdboden gleichgemacht worden.
Nach Angaben der GfbV gab es auch auf assyrische Christen irakische Luftangriffe mit chemischen Waffen. Dabei seien schätzungsweise 2000 Assyrer ums Leben gekommen, mehr als doppelt so viele hätten in die Türkei oder den Iran fliehen müssen und warteten heute auf die Aufnahme als Flüchtlinge in Westeuropa oder Nordamerika. Mindestens 85 chaldäische oder nestorianische Klöster oder Kirchen im Nordirak seien zerstört worden, darunter das 1300 Jahre alte Kloster „Mar Hanana“ und das 1400 Jahre alte „Mar Guyomar“. Selbst im Exil verüben nach Erkenntnissen der Menschenrechtsorganisation irakische Agenten Attentate auf Assyrer. Die mit Rom verbundene chaldäische Kirche bezeichnete die GfbV als „gleichgeschaltet“. Gemeinsam mit dem Weltkrichenrat habe sie zwei Jahrzehnte lang die Verfolgungen tabuisiert und dementiert.
Dem allem gegenüber verhält sich der Papst wie blind. Statt die Christen überall und jederzeit wie ein guter Hirte zu schützen und ihre Feinde in die Schranken zu verweisen, übt er entsetzlichen Verrat an ihnen durch seine völlig verfehlten, ohnehin nicht wirklich honorierbaren Anbiederungen an den Islam (und an andere Weltreligionen). Am Freitag, 25. Januar, während des traditionellen Gottesdienstes zum Abschluss der Gebetswoche für die Einheit der Christen in der römischen Basilika St. Paul vor den Mauern forderte der Papst alle Christen auf, sich vor der Versuchung von Rivalitäten und Misstrauen zu schützen und „loyal und aufrichtig“ für den Triumph von Frieden und Gerechtigkeit in der Welt zusammenzuarbeiten. Johannes Paul II. gedachte in besonderer Weise „der Millionen von Gläubigen an einen einzigen Gott“ – Christen, Juden, Muslime – die „dramatischen Stunden des Leidens und der Angst unter der zerstörerischen Aktion mörderischer Kriegsinstrumente“ erlebten. In „diesem schwierigen Augenblick für den Frieden in der Welt“ vereine der Glaube an einen Gott alle Gläubigen und mache sie zu Brüdern, so der Papst.

Paul Otto Schenker

Sorge um Institut Johannes Paul II: Akademiker schreiben Offenen Brief

Die Päpstliche Lateranuniversität, an der sich das Institut Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie befindet. Foto: calu777/flickr. CC BY 2.0

Von CNA Deutsch/EWTN News

VATIKANSTADT, 16 August, 2019 / 10:29 AM (CNA Deutsch).

Eine Gruppe von 49 Akademikern – darunter mehrere deutschsprachige Gelehrte – fordern die Wiedereinstellung der entlassenen Professoren am Päpstlichen Institut Johannes Paul II. in Rom.

In einem Brief an die Hochschulleitung würdigen die Unterzeichner die bisherige „professionelle wissenschaftliche Zusammenarbeit“ und das „hervorragende akademische Profil“ der Hochschule sowie insbesondere die Leistungen von Professor José Noriega, mit dem die Unterzeichner an einer wissenschaftlichen Reihe über Sexualität, Liebe und Fruchtbarkeit zusammengearbeitet haben.

Pater Noriega ist einer der Professoren des Instituts, deren Entlassung den Eklat ausgelöst hat.

„Mit großer Sorge“, schreiben die 49 Akademiker, hätten sie „die Nachricht von der plötzlichen Entlassung“ der Professoren José Noriega und Livio Melina erfahren, sowie von „Maria Luisa Di Pietro, Stanisław Grygiel, Monika Grygiel, Przemysław Kwiatkowski und Vittorina Marini. Alle von ihnen sind Wissenschaftler von herausragendem internationalem Ruf“.

Daher fordern die Unterzeichner die Wiedereinstellung des Lehrpersonals.

„Wir sehen keinen überzeugenden Grund – akademisch, lehrmäßig oder disziplinarisch –, der ihre Entlassung rechtfertigt.“

Gleichzeitig warnen die Gelehrten in ihrem Brief vor den Konsequenzen der Personalpolitik der Hochschulleitung:

„Wenn Ihr Institut sein hohes akademisches Profil und seinen internationalen Ruf bewahren will, bitten wir Sie, diese Entlassungen aufzuheben und die oben genannten Wissenschaftler wieder in die Fakultät Ihres Instituts aufzunehmen“.

Zu den 49 Unterzeichnern des Briefs gehören Wissenschaftler anderer Päpstlicher Hochschulen sowie Akademiker aus Italien, den USA, Deutschland, Großbritannien und Australien, aus Spanien, Frankreich, Irland, Belgien, Tschechien und weiteren Ländern, darunter:

  • Berthold Wald, Professor für Systematische Philosophie (Paderborn);
  • Pavel Blažek, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Philosophie der Tschechischen Akademie der Wissenschaften sowie des Thomas-Instituts der Universität zu Köln;
  • Gabriele Kuby, Autorin u.a. zum Thema Gender;
  • Harvey C. Mansfield Professor für Government an der Harvard University und Fellow der Hoover Institution der Stanford University;
  • John Crosby, Professor für Philosophie der Franciscan University of Steubenville (USA);
  • Tracey Rowland, Inhaberin des Lehrstuhls Johannes Paul II. für Theologie der Universität von Notre Dame (Australien);
  • Luis Sánchez, Professor für Studien des Neuen Testaments der Universidad Eclesiástica San Dámaso, Madrid (Spanien);
  • Renzo Puccetti, Dozent für Bioethik an der Università Cattolica di Romasowie der Päpstlichen Hochschule Regina Apostolorum;
  • Kevin Flannery, Professor für Philosophie-Geschichte an der Päpstlichen Hochschule Gregoriana in Rom.

Wie CNA Deutsch berichtete, haben bereits über 250 Studenten und Alumni schwerste Bedenken angemeldet, was die Änderungen und Personalentscheidungen der Hochschulverwaltung betrifft: Diese würden weder dem wissenschaftlichen Anspruch der Hochschule gerecht, noch deren Identität.

Das auf den 24. Juli datierte Schreiben ist an Erzbischof Vincenzo Paglia adressiert, den Papst Franziskus zum Großkanzler des Institutes ernannt hat, sowie den Hochschulpräsidenten, Monsignore Pierangelo Sequeri.

(Der volle Wortlaut des Briefs in deutscher Übersetzung wurde auf der Website der Studenten zu ihrem Appell veröffentlicht.)

Nicht nur Studenten sind in Sorge: Mehrere Professoren des Instituts befürchten einen Schaden des wissenschaftlichen Ansehens der Hochschule. Dazu gehört auch deren Vizepräsident, der gegenüber CNA scharfe Kritik an den Änderungen übte und warnte: Diese brächten „die Identität des Instituts für Ehe und Familie ernsthaft in Gefahr“.

Kern der Kontroverse ist der Inhalt neuer Statuten der Hochschule, die deren Neuausrichtung leisten sollten. Papst Franziskus hatte das 1981 gegründete Institut im Jahr 2017 durch das Motu Proprio Summa Familiae Curia aufgelöst und durch ein fast gleichnamiges Institut ersetzen lassen.

Als „Magna Charta“ des neuen Instituts bezeichnete Erzbischof Vincenzo Paglia – der neue Großkanzler der Hochschule – damals das Nachsynodale Schreiben Amoris Laetita.

Eine dem Institut nahestehende Person betonte gegenüber CNA, dass die neuen Statuten auch Bedenken hinsichtlich der akademischen Integrität und des Rufs des Instituts aufwerfen.

„Jeder seriöse Akademiker würde sich Sorgen machen, wie mit der Forschung und Wissenschaftlichkeit des Instituts umgesprungen wird. Papst Franziskus verdient es, dass Amoris Laetitia fair diskutiert wird, anstatt es durch theologische Parteinahme durchzusetzen. Dieser Umgang mit Lehrkörper wie Lehrplänen setzt die Glaubwürdigkeit des Instituts komplett aufs Spiel“.

Gegenüber CNA, der englischsprachigen Schwesteragentur von CNA Deutsch, haben die Wissenschaftler betont, dass sie nichts gegen den Wunsch des Papstes einzuwenden haben, die Mission oder den Ansatz der Schule zu erweitern. Vielmehr gehe es darum, dass die für die Umsetzung dieser Mission verantwortliche Hochschulleitung ungerecht gehandelt habe.

Bereits im Juli sagte der Präsident der Hochschule, Monsignore Sequeri, in Antwort auf die Kritik gegenüber „Vatican News„, diese sei polemisch und habe andere Interessen als eine „wahrlich ‚katholische‘ Bildung“, sei zudem „nicht im Interesse von Johannes Paul II., Papst Franziskus oder dem Institut“.

Übersetzt, redigiert und überarbeitet aus dem englischen Original.

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Quelle

PAPST JOHANNES PAUL II. (1920-2005)

Gebet zum 35. Weltgebetstag um geistliche Berufungen, 3. Mai 1998

Geist der ewigen Liebe,
der Du vom Vater und vom Sohne ausgehst,
wir danken Dir für alle Berufungen an Aposteln und Heiligen,
die die Kirche fruchtbar machten.
Wir bitten Dich, führe auch heute Dein Werk fort.
Gedenke, wie Du einst am Pfingstfest
auf die Apostel herabkamst, die zum Gebet versammelt waren
mit Maria, der Mutter Jesu,
und schau auf Deine Kirche, die heute ganz besonders
heiligmäßige Priester braucht,
treue und vollmächtige Zeugen Deiner Gnade,
die Ordensmänner und Ordensfrauen braucht,
welche die Freude derer sichtbar machen, die nur für den Vater leben,
derer, die sich die Sendung und Hingabe Christi zu eigen machen,
und derer, die in Liebe an der neuen Welt bauen.
Heiliger Geist, immerwährender Quell der Freude und des Friedens,
Du bist es, der Herz und Sinn für den göttlichen Anruf öffnet;
Du bist es, der jeden Antrieb zum Guten, zur Wahrheit
und zur Liebe wirksam werden lässt.
Dein „unausprechliches Seufzen“ steigt
aus dem Herzen der Kirche zum Vater empor,
der Kirche, die für das Evangelium leidet und kämpft.
Öffne die Herzen und Sinne der jungen Männer und Mädchen,
damit ein neues Aufblühen heiligmäßiger Berufungen
die Treue Deiner Liebe zeige
und alle Christus erkennen können,
das wahre Licht, das in die Welt gekommen ist,
um jedem Menschen die sichere Hoffnung
auf ewiges Leben zu schenken. Amen!

Quelle

Siehe dazu auch:

Es war einmal, in Marokko…

Wenn Papst Franziskus an diesem Wochenende nach Marokko reist, werden sich viele an den letzten Papstbesuch dort erinnern: Der hl. Johannes Paul II. war 1985 dort. In Casablanca hielt er eine bahnbrechende Rede an muslimische Jugendliche – einer der unvergesslichen Momente des polnischen Pontifikats.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Beifall brandet auf, als der polyglotte Papst einen Satz auf Arabisch radebrecht. Es ist der 19. August 1985 – lange vor dem Terror des 11. September, lange bevor der christlich-islamische Dialog zu einem heißen Thema wird.

König Hassan II. bietet dem Gast aus Rom eine noch nie dagewesene Bühne: ein ganzes Stadion voller muslimischer Jugendlicher. 80.000 junge Leute sind es nach offiziellen Zahlen, die Fernsehbilder zeigen allerdings auch viele ältere Leute. Und es gibt pflichtschuldigen Applaus, als Johannes Paul sich in einem der ersten Sätze seiner Rede beim König bedankt.

„Ich treffe häufig Jugendliche, im allgemeinen Katholiken. Es ist das erste Mal, dass ich mit jungen Muslimen zusammentreffe.“ Rund um das Mohammed-V.-Stadion wehen große marokkanische Flaggen. Neben dem Papst: Blumen in Vatikanfarben. Sein Gesicht erscheint überlebensgroß auf der Stadionleinwand.

„Wir haben als Christen und Muslime viele Dinge gemeinsam“

„Wir haben als Christen und Muslime viele Dinge gemeinsam, als Gläubige und als Menschen. Wir leben in derselben Welt, die durch viele Zeichen der Hoffnung, aber auch der Angst gekennzeichnet ist. Abraham ist für uns gleichermaßen ein Vorbild des Glaubens an Gott, der Ergebenheit gegenüber Seinem Willen und des Vertrauens auf Seine Güte. Wir glauben an denselben Gott, an den einzigen Gott, an den lebendigen Gott, an den Gott, der die Welten schafft und Seine Geschöpfe zu ihrer Vollendung führt.“

Über Gott wolle er mit ihnen sprechen, sagt der Papst den Menschen im Stadion, und über „menschliche Werte, die ihr Fundament in Gott haben“.

“ Ist das Gottesgeheimnis nicht die höchste Wirklichkeit? ”

„Ist das Gottesgeheimnis nicht die höchste Wirklichkeit, von welcher der Sinn selbst abhängt, den der Mensch seinem Leben gibt? Ist es nicht das erste Problem, das sich einem Jugendlichen stellt, wenn er über das Mysterium seiner eigenen Existenz und über die Werte nachdenkt, die er auszuwählen beabsichtigt, um seine heranreifende Persönlichkeit zu formen?“

Johannes Paul stellt sich vor: Er sei „Bischof von Rom“ und habe den Auftrag, „Zeuge des Glaubens“ zu sein. „So komme ich zu euch heute auch als Glaubender. Ich möchte hier ganz einfach ein Zeugnis davon geben von dem, was ich glaube…“

Papst nimmt koranische Terminologie auf

Nicht ungeschickt, dieser Einstieg. Der Papst nimmt hier koranische Terminologie auf: Er vertritt nicht etwa „die Ungläubigen“, sondern ist ein „Glaubender“. Vom Schöpfergott spricht er, vom Gehorsam, den wir Gott schulden, von Gottes Barmherzigkeit – ein weiteres Schlüsselwort, denn in der ersten Sure, der „Fatiha“, hat sich Gott im Koran als „der Barmherzige, der Allerbarmer“ vorgestellt.

„Müssten nicht die Gläubigen in einer Welt, die sich nach der Einheit und nach dem Frieden sehnt und die trotzdem tausend Spannungen und Konflikte erfährt, die Freundschaft und die Zusammenführung der Menschen und der Völker, die auf Erden eine einzige Gemeinschaft bilden, fördern? Wir wissen, dass sie denselben Ursprung und dasselbe Endziel haben: den Gott, der sie geschaffen hat und der sie erwartet, weil Er sie zusammenführen wird.“

Dialog „heute notwendiger denn je“

Der Papst aus Polen nennt den Dialog zwischen Christen und Muslimen „heute notwendiger denn je“. Es gehe darum, Gott „in einer immer säkularisierteren und manchmal sogar atheistischen Welt zu bezeugen“. „Gott kann nie zu unseren Zwecken benutzt werden, weil Er über allem ist“, mahnt Johannes Paul – Jahre vor dem Erstarken von Islamisten. Und er fordert, mit abwägenden Worten, den „Respekt vor anderen religiösen Traditionen“ ein: „denn jeder Mensch erwartet, dass er als der geachtet werde, welcher er tatsächlich ist“.

“ Religionsfreiheit: Gott und den Menschen gleichzeitig respektieren ”

„Wir ersehnen, dass alle zur Fülle der göttlichen Wahrheit gelangen, aber alle können dies nur durch die freie Zustimmung ihres Gewissens erreichen, in der Sicherheit gegenüber äußeren Zwängen, welche die freie Würdigung von Seiten des Verstandes und des Herzens nicht ernstnehmen, was jedoch die Würde des Menschen charakterisiert. Darin liegt der authentische Sinn der Religionsfreiheit, die Gott und den Menschen gleichzeitig respektiert. Von solchen Anbetern erwartet Gott den aufrichtigen Kult, von Anbetern im Geist und in der Wahrheit.“

„Gehorsam gegenüber Gott, Liebe für den Menschen“

„Gehorsam gegenüber Gott, Liebe für den Menschen“ – das könnte als Motto über dieser historischen Rede des Papstes stehen. „Ihr seid verantwortlich für die Welt von morgen“, sagt Johannes Paul den marokkanischen Jugendlichen. Gott habe „alle Menschen betreffend ihre Würde ebenbürtig erschaffen“. Dann kommt er zurück auf die interreligiöse Gemengelage.

„Ich glaube, dass wir, Christen und Muslime, die religiösen Werte, die wir gemeinsam haben, mit Freude anerkennen und Gott dafür danken sollen. Wir glauben beide an einen Gott, an den einzigen Gott, der ganz Gerechtigkeit und ganz Barmherzigkeit ist; wir glauben an die Bedeutung des Gebets, des Fastens und des Almosens, der Buße und der Vergebung; wir glauben, dass uns Gott am Ende der Zeiten ein gnädiger Richter sein werde, wir hoffen darauf, dass Er mit uns zufrieden sein werde, und wir wissen, dass wir mit Ihm die Erfüllung haben werden.“

Differenzen nicht verschweigen

Die „Redlichkeit“ gebiete es allerdings, dass man auch die „Differenzen“ zwischen Christen und Muslimen nicht verschweige. „Die grundlegendste ist klarerweise die Sichtweise, die wir der Person und dem Werk des Jesus von Nazareth entgegenbringen. Ihr wisst, dass für die Christen dieser Jesus dieselben in eine innerste Kenntnis des Geheimnisses Gottes und in eine kindliche Gemeinschaft mit Seinen Gaben eintreten lässt, so dass sie Ihn als göttlichen Herrn und Erlöser anerkennen und verkünden. Darin liegen wichtige Unterschiede, die wir in der gegenseitigen Toleranz mit Demut und Respekt akzeptieren dürfen; darin liegt ein Mysterium, worüber uns Gott eines Tages Erleuchtung geben wird, wovon ich überzeugt bin.“

“ Ich meine, dass uns Gott heute einlädt, unsere alten Gewohnheiten zu ändern ”

Christen und Muslime hätten sich in der Vergangenheit in der Regel „schlecht verstanden“ und sich „sogar in Auseinandersetzungen und Kriegen verausgabt“. Das müsse heute anders sein. „Ich meine, dass uns Gott heute einlädt, unsere alten Gewohnheiten zu ändern! Wir sollten uns respektieren und uns auch gegenseitig auf dem Weg Gottes in den guten Werken anspornen.“

44 Minuten Ansprache – ein historisches Tondokument aus der Zeit vor al-Quaida, Isis, Arabischem Frühling oder „Krieg gegen Terror“. Nie wieder hat seitdem ein Papst zu einem ganzen Fußballstadion voller Muslime gesprochen. Doch seit Johannes Paul II. im Mai 2001 bei einem Besuch in Syrien eine Moschee betreten hat, wurden solche Moscheebesuche zu üblichen Stationen im Reiseprogramm der Päpste.

Zum Abschluss ein Gebet

Zurück in die Sommerhitze von Casablanca 1985. Seine Ansprache beendete Johannes Paul II. damals mit einem Gebet:

„O Gott, Du bist unser Schöpfer.
Du bist gut, und Dein Erbarmen ist grenzenlos.
Dir kommt der Lobpreis aller Geschöpfe zu…
Lasse nicht zu, dass wir uns von Dir entfernen.
O Gott, Richter aller Menschen, hilf uns, am letzten Tage zu Deinen Erwählten zu gehören.
O Gott, Urheber der Gerechtigkeit und des Friedens, gewähre uns die wahre Freude und die authentische Liebe und auch eine dauerhafte Brüderlichkeit unter den Völkern.
Erfülle uns auf immer und ewig mit Deinen Gaben.“

(vatican news)

LESEN SIE AUCH:

Geschichtliche Einführung: Die Normen des Motu Proprio „Sacramentorum Sanctitatis Tutela“ (2001)

Sacramentorum sanctitatis tutela, 30 aprile 2001: Diritto Sostanziale. Delitti contro l’Eucaristia e la Penitenza. Abuso sessuale di minori.

Die Normen des Motu Proprio
SACRAMENTORUM SANCTITATIS TUTELA“ (2001)

GESCHICHTLICHE EINFÜHRUNG
(zusammengestellt von der Kongregation für die Glaubenslehre)

  

Der Codex des kanonischen Rechts, der von Papst Benedikt XV. im Jahr 1917 promulgiert wurde, kannte eine bestimmte Anzahl von kanonischen Straftaten oder „Delikten“, die der ausschließlichen Kompetenz der Hl. Kongregation des Heiligen Offiziums vorbehalten waren, welches als Gericht über ein Eigenrecht verfügte (vgl. can. 1555 CIC 1917).

Wenige Jahre nach Promulgation des Codex von 1917 erließ das Hl. Offizium eine Instruktion, „Crimen sollicitationis“ (1922), die den einzelnen Diözesen und Gerichten detaillierte Anweisungen bezüglich der Verfahrensschritte gab, die bei der Behandlung des kanonischen Delikts der Sollicitatio anzuwenden waren. Diese äußerst schwerwiegende Straftat besteht im Missbrauch der Heiligkeit und Würde des Bußsakramentes durch einen katholischen Priester, der einen Pönitenten zu einer Sünde gegen das sechste Gebot, mit dem Beichtvater oder mit einer dritten Person, anstiftet. Die Bestimmungen von 1922 hatten eine Anpassung der Weisungen der Apostolischen Konstitution „Sacramentorum Poenitentiae“, die 1741 von Papst Benedikt XIV. promulgiert worden war, im Lichte des neuen Codex des kanonischen Rechts zum Ziel. Dabei waren verschieden Aspekte zu thematisieren, insbesondere musste die Besonderheit des Straftatbestandes (mit seinen aus Sicht des staatlichen Strafrechts weniger bedeutsamen Konnotationen) aufgezeigt werden. Der Respekt vor der Würde des Sakramentes, die Unverletzlichkeit des Beichtgeheimnisses, die Würde des Pönitenten und die Tatsache, dass in vielen Fällen der beschuldigte Priester zu all dem, was mutmaßlich geschehen war, nicht befragt werden konnte, ohne das Beichtgeheimnis zu gefährden, waren zu behandeln. Dieses besondere Verfahren gründete in einer indirekten Methode, um zu jener moralischen Gewissheit zu gelangen, die für eine endgültige Entscheidung des Falles notwendig ist. Diese indirekte Methode schloss Erkundigungen über die Glaubwürdigkeit der Person, die den Priester beschuldigt hatte, sowie zu Leben und Verhalten des beschuldigten Priesters ein. Die Beschuldigung selbst wurde als eine der schwersten Anschuldigungen gewertet, die man gegen einen katholischen Priester erheben konnte. Daher sorgte die Verfahrensordnung dafür, dass ein Priester, der möglicherweise Opfer einer falschen oder verleumderischen Anzeige geworden sein konnte, vor einer Rufschädigung geschützt wurde, solange seine Schuld nicht eindeutig bewiesen worden war. Das wurde durch eine strikte Geheimhaltung des Verfahrens gewährleistet, die alle beteiligten Personen bis zum Endurteil des kirchlichen Gerichtes vor ungebührender öffentlicher Aufmerksamkeit schützte.

Die Instruktion von 1922 enthielt einen kurzen Abschnitt, der einer anderen kanonischen Straftat gewidmet war: dem „crimen pessimum“, worunter man homosexuelle Handlungen eines Klerikers verstand. Dieser letzte Abschnitt legte fest, dass die besondere Verfahrensordnung für Fälle von sollicitatio auch bei diesem Straftatbestand angewandt werden sollte, freilich mit den notwendigen Anpassungen aufgrund der Natur des Falles. Die Normen bezüglich des „crimen pessimum“ wurden auch auf das widerliche Verbrechen des sexuellen Missbrauchs an vorpubertärern Kindern sowie auf sexuelle Handlungen mit Tieren (Sodomie) ausgedehnt.

Durch die Instruktion „Crimen sollicitationis“ war folglich niemals beabsichtigt, die gesamte Strategie der Katholischen Kirche im Bezug auf sexuelles Fehlverhalten des Klerus darzulegen, vielmehr sollte dadurch lediglich ein Verfahren festgelegt werden, das es ermöglichte, die gänzlich singuläre und besonders heikle Beichtsituation zu berücksichtigen, bei der gemäß göttlichen Rechts der vollständigen Öffnung der Seele auf Seiten des Pönitenten die Pflicht des Beichtvaters zur absoluten Verschwiegenheit entspricht. Erst nach und nach wurde dieses Verfahren durch analoge Anwendung auch auf bestimmte Fälle unmoralischen Verhaltens von Klerikern ausgedehnt. Die Überzeugung, dass eine umfassende gesetzliche Regelung bezüglich des sexuellen Verhaltens von Personen mit Erziehungsverantwortung notwendig ist, ist sehr jung. Es stellt daher einen schweren Fall von Anachronismus dar, kanonische Normen vom Anfang des vergangenen Jahrhunderts unter dieser Perspektive bewerten zu wollen.

Die Instruktion von 1922 wurde jeweils an jene Bischöfe gesandt, die konkrete Fälle von sollicitatio, von homosexuellen Handlungen eines Klerikers, von sexuellem Kindesmissbrauch oder von Sodomie zu behandeln hatten. 1962 ordnete der selige Papst Johannes XXIII. einen Nachdruck der Instruktion von 1922 an und ergänzte sie hinsichtlich der Verwaltungsstrafverfahren in Fällen von Ordensklerikern. Ursprünglich war beabsichtigt, Exemplare dieser Neuauflage von 1962 an die Bischöfe, die zum II. Vatikanischen Konzil(1962-1965) versammelt waren, zu verteilen. Einige Exemplare des Nachdrucks wurden an Bischöfe ausgehändigt, die sich zwischenzeitlich mit Fällen, die dem Hl. Offizium vorbehalten waren, beschäftigen mussten. Der Großteil der Exemplare wurde jedoch niemals verteilt. Die vom II. Vatikanischen Konzil angestoßenen Erneuerungen erforderten auch eine Reform des Codex des kanonischen Rechts von 1917 sowie der Römischen Kurie. Der Zeitraum von 1965 bis 1983 (dem Jahr, in dem der neue Codex des kanonischen Rechts für die Lateinische Kirche veröffentlicht wurde) war gekennzeichnet durch verschiedenste Strömungen innerhalb der Kanonistik bezüglich den Zielsetzungen des kirchlichen Strafrechts und der Notwendigkeit einer dezentralen Behandlung der Fälle, mit Betonung der Autorität und des Urteilvermögens der Bischöfe vor Ort. Gegenüber unangebrachten Verhaltensweisen wurde eine „pastorale Herangehensweise“ bevorzugt; von manchen wurden kanonische Prozesse als anachronistisch angesehen. Häufig herrschte beim Umgang mit unangebrachten Verhaltensweisen von Klerikern ein „therapeutisches Modell“ vor. Man erwartete, dass der Bischof eher „heilen“ als „bestrafen“ sollte. Eine allzu optimistische Vorstellung in Bezug auf Erfolge psychologischer Therapien bestimmte viele Personalentscheidungen in den Diözesen und Ordensgemeinschaften, bisweilen wurde dabei die Möglichkeit eines Rückfalls nicht in entsprechender Weise bedacht.

In diesem Zeitraum wurde die Verantwortlichkeit für Fälle homosexuellen Fehlverhaltens von Klerikern von der Kongregation für die Glaubenslehre (dem ehemaligen Heiligen Offizium; der Namenswechsel erfolgte 1965) zur Kleruskongregation verlagert. Nach dem Codex des kanonischen Rechts von 1983 wird ein solches Fehlverhalten nicht mehr als kanonische Straftat bewertet, sofern es einvernehmlich zwischen Erwachsenen geschah und dadurch kein öffentlicher Skandal hervorgerufen wurde. An der Bewertung solcher Handlungen als unmoralisch hat sich hingegen nichts geändert. Fälle, die die Würde des Bußsakramentes betrafen, verblieben auch nach dem Konzil im Verantwortungsbereich der Glaubenskongregation. Für solche Fälle wurde auch weiterhin die Instruktion „Crimen sollicitationis“ angewandt, bis 2001 durch das Motuproprio „Sacramentorum sanctitatis tutela“ neue Normen in Kraft gesetzt wurden.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurden der Kongregation für die Glaubenslehre zunächst nur wenige Fälle sexuellen Fehlverhaltens von Klerikern mit Minderjährigen angezeigt: Einige dieser Fälle waren verknüpft mit einem Missbrauch des Bußsakramentes; andere wurden im Rahmen eines Antrags für die Dispens von den Verpflichtungen der Priesterweihe einschließlich des Zölibates (im allgemeinen Sprachgebrauch wird diese Dispens zuweilen als „Laisierung“ bezeichnet) gemeldet. Diese Anträge wurden bis 1989 von der Glaubenskongregation bearbeitet (von 1989 bis 2005 lag die Kompetenz für diese Dispensen bei der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, seit 2005 ist nunmehr die Kleruskongregation für die Bearbeitung dieser Fälle zuständig.)

Der Codex des kanonischen Rechts, der 1983 von Papst Johannes Paul II. promulgiert wurde, erneuerte durch can. 1395 § 2 die gesetzliche Regelung dieser Materie: „Ein Kleriker, der sich auf andere Weise gegen das sechste Gebot des Dekalogs verfehlt hat, soll, wenn nämlich er die Straftat mit Gewalt, durch Drohungen, öffentlich oder an einem Minderjährigen unter sechzehn Jahren begangen hat, mit gerechten Strafen belegt werden, gegebenenfalls die Entlassung aus dem Klerikerstand nicht ausgenommen.“ Gemäß dem CIC von 1983 werden die Prozesse in den Diözesen durchgeführt. Berufungen gegen Gerichtsurteile konnten bei der Rota Romana eingelegt werden, Verwaltungsbeschwerden gegen Strafdekrete waren hingegen an die Kleruskongregation zu richten.

1994 gewährte der Heilige Stuhl den US-amerikanischen Bischöfen ein Indult, mit dem das Alter für die kirchenrechtliche Straftat des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger auf 18 Jahre angehoben wurde. Des Weiteren wurde die Verjährungsfrist auf 10 Jahre, gerechnet ab dem 18. Geburtstag des Opfers, ausgedehnt. Die Bischöfe wurden ausdrücklich angewiesen, kirchliche Strafprozesse in den Diözesen durchzuführen. Über Berufungen zu entscheiden, blieb der Rota Romana vorbehalten. Verwaltungsbeschwerden waren an die Kleruskongregation zu richten. Auf die traditionelle Zuständigkeit des Heiligen Offiziums für diese Fälle wurde in diesen Jahren (1994-2001) in keiner Weise Bezug genommen.

Das Indult von 1994 für die USA wurde 1996 auf Irland ausgeweitet. Inzwischen wurde in der Römischen Kurie über die Frage eines speziellen Verfahrens für die Missbrauchsfälle beraten. Papst Johannes Paul II. entschied schließlich, dass der von einem Kleriker begangene sexuelle Missbrauch eines Minderjährigen unter 18 Jahren in die neue Liste der der Glaubenskongregation zur Behandlung vorbehaltenen Straftaten aufgenommen werden sollte. Die Verjährungsfrist für diese Fälle wurde auf 10 Jahre, beginnend mit dem 18. Geburtstag des Opfers, festgesetzt. Das neue Gesetz, ein Motuproprio mit dem Titel „Sacramentorum sanctitatis tutela“, wurde am 30. April 2001 promulgiert. Ein Brief, der von Kardinal Joseph Ratzinger und Erzbischof Tarcisio Bertone, dem Präfekten bzw. dem Sekretär der Glaubenskongregation, unterzeichnet war, wurde am 18. Mai 2001 an alle Bischöfe der Katholischen Kirche gesandt. Durch diesen Brief wurden die Bischöfe über das neue Gesetz und die neue Verfahrensordnung informiert, die an die Stelle der Instruktion „Crimen sollicitationis“ traten.

In diesem Schreiben wurde zuerst aufgezeigt, welche die schwerwiegenderen Straftaten sowohl gegen die Sitten als auch bei der Feier der Sakramente sind, die der Kongregation zur Behandlung vorbehalten sind; des Weiteren wurde auf die besonderen Verfahrensnormen hingewiesen, die bei Fällen, die diese schweren Straftaten betreffen, zu beachten sind, einschließlich der diesbezüglichen Normen zur Festsetzung und Verhängung der kanonischen Strafmaßnahmen.

Die der Glaubenskongregation reservierten delicta graviora wurden folgendermaßen aufgelistet:

1.      Straftaten gegen die Heiligkeit des erhabensten Eucharistischen Opfers und Sakramentes:

a.       Das Entwenden oder Zurückbehalten der konsekrierten Gestalten in sakrilegischer Absicht oder deren Wegwerfen (can. 1367 CIC; can. 1442 CCEO).

b.      Der Versuch, das eucharistische Opfer zu feiern, oder die Vortäuschung dieser Feier (can. 1378 § 2,1° und can. 1379 CIC; can. 1443 CCEO).

c.       Die verbotene Konzelebration mit Amtsträgern von kirchlichen Gemeinschaften, welche die apostolische Sukzession nicht besitzen und die sakramentale Würde der Priesterweihe nicht kennen (cann. 908 u. 1365 CIC; cann. 702 u. 1440 CCEO).

d.      Die in sakrilegischer Absicht erfolgte Konsekration einer oder beider eucharistischer Gestalten innerhalb oder außerhalb der Eucharistiefeier (vgl. can. 927 CIC)

2.      Straftaten gegen die Heiligkeit des Bußsakramentes:

a.       Die Lossprechung des Mitschuldigen an einer Sünde gegen das sechste Gebot des Dekalogs (can. 1378 § 1 CIC; can. 1457 CCEO).

b.      Die Verführung zu einer Sünde gegen das sechste Gebot des Dekalogs bei der Spendung oder bei Gelegenheit oder unter dem Vorwand der Beichte, sofern sie auf das Begehen der Sünde mit dem Beichtvater selbst abzielt (can. 1387 CIC1458 CCEO).

c.       Die direkte Verletzung des Beichtgeheimnisses (can. 1388 § 1 CIC; can. 1456 CCEO).

3.      Schließlich im Bereich der Straftaten gegen die Sitten:

Die von einem Kleriker begangene Straftat gegen das sechste Gebot des Dekalogs mit einem minderjährigen unter 18 Jahren (vgl. can. 1395 § 2 CIC).

Auf die verfahrensrechtlichen Normen, die bei diesen Fällen zu befolgen sind, wurde in folgender Weise aufmerksam gemacht:

–        Wann immer der Ordinarius oder Hierarch eine mindestens wahrscheinliche Nachricht über eine schwerwiegendere Straftat erhält, muss er nach Durchführung einer Voruntersuchung die Kongregation für die Glaubenslehre darüber informieren. Wenn die Kongregation den Fall nicht aufgrund besonderer Umstände an sich zieht, teilt sie dem Ordinarius oder dem Hierarchen mit, wie weiter vorzugehen ist, unbeschadet des Rechts, gegebenenfalls gegen ein Urteil erster Instanz an das Oberste Gericht der Kongregation zu appellieren.

–        Für die strafrechtliche Verfolgung der Straftaten, die der Glaubenskongregation vorbehalten sind, wurde eine Verjährungsfrist von 10 Jahren festgesetzt. Zugleich wurde festgelegt, dass die Verjährung gemäß den Bestimmungen von can. 1362 § 2 CIC bzw. von can. 1152 § 3 CCEO läuft, mit der einzigen Ausnahme, dass bei der Straftat gegen das sechste Gebot mit Minderjährigen die Verjährung erst mit dem Tag zu laufen beginnt, an dem der Minderjährige das 18. Lebensjahr vollendet hat.

–        Bei den Gerichten der Ordinarien bzw. Hierarchen können in diesen Fällen nur Priester die Ämter des Richters, des Kirchenanwalts, des Notars und des Parteibeistandes (Anwalts) gültig ausüben. Sobald die Sache bei einem Gericht wie auch immer entschieden worden ist, müssen von Amts wegen die gesamten Akten des Verfahrens umgehend an die Kongregation für die Glaubenslehre übersandt werden.

Außerdem wurde festgelegt, dass alle Gerichte sowohl der Lateinischen Kirche als auch der Katholischen Ostkirchen die strafrechtlichen und strafprozessrechtlichen Bestimmungen des für sie jeweils maßgeblichen Codex sowie die ihnen von der Glaubenskongregation übermittelten Sondernormen zu beachten haben.

Neun Jahre nach Promulgation des Motuproprio „Sacramentorum sanctitatis tutela“ hielt die Kongregation für die Glaubenslehre, um die Anwendung des Gesetzes zu verbessern, die Einführung einiger Änderungen an diesen Normen für notwendig, ohne dass freilich der Text in seiner Gesamtheit, sondern lediglich in einigen Teilen abgeändert werden sollte.

Nach eingehender Prüfung und intensiver Beratung der vorgeschlagenen Änderungen haben die Mitglieder der Kongregation für die Glaubenslehre das Ergebnis ihrer Beratungen dem Papst unterbreitet, der es guthieß und mit Entscheidung vom 21. Mai 2010 die Promulgation anordnete.

Die derzeit geltende Fassung der Normen bezüglich der der Glaubenskongregation zur Beurteilung vorbehaltenen Straftaten ist also jene, die von Papst Benedikt XVI. am 21. Mai 2010 approbiert wurde.

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Quelle

Johannes Paul II.: Predigt zur Seligsprechung des Jesuitenpaters Rupert Mayer, 1987

St. Martin Leutkirch – Bild Rupert Mayer

APOSTOLISCHE REISE IN DIE BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

SELIGSPRECHUNG DES JESUITENPATERS RUPERT MAYER

PREDIGT VON JOHANNES PAUL II.

Münchener Olympiastadion – Sonntag, 3. Mai 1987

”Seht, ich sende euch . . .“  (Mt. 10, 16). ”Werdet stark durch die Kraft und Macht des Herrn!“ (Eph. 6, 10)

Verehrte Mitbrüder, liebe Brüder und Schwestern!

1Der Aufruf des Apostels Paulus zur Stärke im Herrn ist gleichsam die angemessene Ergänzung jener Worte, die Jesus bei der ersten Aussendung der Apostel spricht. Die Kirche nimmt beide Texte heute als Lesungen für die Liturgiefeier, in der ich euren Landsmann, den Jesuitenpater Rupert Mayer, seligsprechen darf; hier in der Stadt München, mit der sein Leben und priesterlicher Dienst auf das engste verbunden sind.

Erst vor einem halb Jahren konnte ich in Rom die bayerische Ordensfrau Schwester Maria Theresia von Jesu Gerhardinger zur Ehre der Altäre erheben, die ebenfalls in dieser Stadt gelebt und weltweit gewirkt hat. Es ist mir deshalb eine besondere Freude, heute wiederum einen aus eurer Mitte im Namen der Kirche den Gläubigen zur Verehrung und Nachahmung vor Augen zu stellen. Pater Rupert Mayer wird zu Recht ”Apostel Münchens“ genannt. Aber das Licht seines Lebens und Wirkens leuchtet weit über diese Stadt hinaus in die weite Welt.

Von Herzen grüße ich alle, die sich hier eingefunden haben, um im festlichen Gottesdienst gemeinsam mit uns diesen Gnadentag zu begehen. Nicht wenige davon haben unseren neuen Seligen gewiß noch persönlich gekannt. Mein brüderlicher Gruß gilt vor allem dem verehrten Herrn Erzbischof in München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, sowie allen anwesenden Bischöfen, den Priestern und Ordensleuten; darunter besonders den Patres und Brüdern der Gesellschaft Jesu, der unser Seliger angehört hat, und den Schwestern der Heiligen Familie, deren Mitbegründer und langjähriger Spiritual er gewesen ist. Ich grüße ferner seine Landsleute aus der Heimatdiözese Rottenburg und die Mitglieder der Marianischen Männerkongregation, die in ihrem früheren Präses nun einen mächtigen himmlischen Fürsprecher erhalten; ebenso die Vertreter aus Staat und Gesellschaft sowie alle Gäste von nah und fern, die durch ihre Anwesenheit das Andenken dieses mutigen Glaubenszeugen ehren.

2. Die Worte des heutigen Evangeliums, die Christus bei der ersten Aussendung an die Apostel gerichtet hat, scheinen im Leben und Wirken des Dieners Gottes Rupert Mayer eine neue Aktualität zu gewinnen. Christus sagt: ”Ich sende euch die Schafe mitten unter die Wölfe; seid daher klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben!“ Und darauf; ”Nehmt euch aber vor den Menschen in acht“ (Mt. 10, 16-17). Wie vielsagend sind doch diese Worte:Ich sende euch zu den Menschen– und zugleich: Ich warne euch vor den Menschen. Und warum warnt Christus seine Jünger vor ihnen? ”Sie werden euch vor die Gerichte bringen . . . Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt . . .“.

Als Rupert Mayer sich im Jahre 1900 als junger Priester zum Eintritt in die Gesellschaft Jesu entschloß, galten die Jesuiten noch offiziell als ”Reichsfeinde“, die durch Gesetz des Landes verwiesen und verboten waren. Er selbst bezeichnet sie als ”Geächtete, Verbannte und Heimatlose“, da ihnen nicht gestattet war, im damaligen Reichsgebiet eigene Niederlassungen zu gründen und zu unterhalten. Die mächtig geschürte antikatholische Hetze und Aktivität gegen den Orden – statt ihn abzuschrecken – bestärkte ihn vielmehr noch in seinem Willen, sich dieser so geschmähten Gesellschaft Jesu anzuschließen. Durch seinen baldigen Ruf nach München wurde Pater Mayer in zunehmendem Maße mit antireligiösen und antikirchlichen Strömungen, mit einer Atmosphäre von Hohn und Haß gegen Christus und die Kirche konfrontiert, in der es immer mehr Mut und Tapferkeit erforderte, den katholischen Glauben frei zu bekennen. Je offenkundiger und brutaler in jenen Jahren der Kampf gegen Religion und Kirche wurde, ein um so entschiedener und unerschrockener Kämpfer für die Wahrheit des Glaubens und für die Rechte der Kirche wurde unser neuer Seliger.

Wir hörten in der Lesung aus dem Epheserbrief die Worte des Apostels: ”Legt die Rüstung Gottes an, damit ihr am Tag des Unheils standhalten, alles vollbringen und den Kampf bestehen könnt . . . Gürtet euch mit Wahrheit . . . Vor allem greift zum Schild des Glaubens . . . Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes!“. Was der Apostel hier empfiehlt, hat Rupert Mayer in hervorragender Weise getan. Er hat Gottes Rüstung angezogen und sie bis zu seinem Tod nie mehr abgelegt. Unerschrocken und unbeugsam kämpfte er für die Sache Gottes. Als unbestechlicher Zeuge der Wahrheit widerstand er den Lügenpropheten jener Jahre ins Angesicht, immer bereit, für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen, ausgerüstet mit dem Schild eines tiefen, unbeirrbaren Glaubens führte er in seinen berühmten Predigten das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes. Es gab Monate, in denen er bis zu siebzigmal predigte.

3. ”Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen . . .“, sagt Jesus weiter zu den Aposteln. Rupert Mayer wußte, daß nach 1933 seine Predigten von der Polizei überwacht wurden. Trotzdem verkündete er die Wahrheit ungeschminkt und unverkürzt. Als er gefangengenommen wurde, gab er vor der Geheimen Staatspolizei zu Protokoll: ”Ich erkläre, daß ich im Falle meiner Freilassung trotz des gegen mich verhängten Redeverbotes nach wie vor sowohl in den Kirchen Münchens als auch im übrigen Bayern, aus grundsätzlichen Erwägungen heraus, predigen werde“. Er konnte nicht schweigen, ebensowenig wie der Apostel Paulus, der sagte: ”Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!“.

Bereitwillig nahm unser Seliger dafür Gefängnis und Konzentrationslager auf sich. Er schrieb auf den Fragebogen, den er im Gefängnis auszufüllen hatte: ”Ich bin mit diesem Los keineswegs unzufrieden: ich empfinde es nicht als Schande, sondern als Krönung meines Lebens.“ Und aus der Gestapo-Haft vor der Einlieferung in das Konzentrationslager Sachsenhausen berichtet er: ”Als die Gefängnistür eingeschnappt war und ich allein in dem Raum war, in dem ich schon so viele Stunden zugebracht hatte, kamen mir die Tränen in die Augen, und zwar waren es Tränen der Freude, daß ich gewürdigt wurde, um meines Berufes willen eingesperrt zu werden und einer ganz ungewissen Zukunft entgegenzusehen.“ Das ist nicht die Stimme eines lediglich tapferen Menschen, sondern eines Christen, der stolz darauf ist, am Kreuz Christi teilzuhaben. Vorgestern habe ich in Köln die Karmelitin Schwester Teresia Benedicta a Cruce, die vom Kreuz Gesegnete, seliggesprochen. Beide Selige gehören zueinander. Denn auch eurer Münchener Seliger, Pater Rupert Mayer, war vom Kreuz gesegnet.

In einem Brief aus dem Gefängnis an seine betagte Mutter lesen wir: ”Jetzt habe ich wirklich nichts und niemanden mehr als den lieben Gott. Und das ist genug, ja übergenug. Wenn die Menschen doch einsehen wollten, es gäbe viel mehr Glückliche auf Erden“. In der Einsamkeit seiner Haft galt das ganze Mühen von Pater Rupert Mayer der Vertiefung seiner inneren Bindung an Gott. In völliger Hingabe an ihn suchte er alle Bedrängnisse und Nöte für seine innere Erneuerung und Heiligung fruchtbar zu machen. Als Angeklagter vor seinen Richtern erfuhr er die tröstende und stärkende Nähe Gottes, die Christus seinen Zeugen verheißen hat: ”. . .  macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt. Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden“.

4. Diese Worte Jesu sind eine Vorankündigung der Lebensgeschichte der Apostel, der besonderen Gegenwart Gottes in Ihrem Wirken, vor allem in ihrem Glaubenszeugnis. Sie bewahrheiten sich schon in jener Begebenheit, von der die heutige erste Lesung spricht. Am Pfingstfest ”trat Petrus auf, zusammen mit den Elf“ und sprach zum ersten Mal zu den versammelten Bewohnern von Jerusalem und den Besuchern, die zum Fest gekommen waren. Er legte Zeugnis ab für Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen. Ist es aber wirklich nur Petrus, der an diesem bedeutungsvollen Tag spricht? Oder ist es vielleicht ”nicht nur Petrus“? In der Tat! Durch Petrus spricht zugleich der Geist des Vaters und des Sohnes.

Ebenso scheinen die Worte des Psalmisten und Königs David, die Petrus anführt, nicht nur von diesem, sondern auch von unserem neuen Seligen gesprochen zu werden: ”Du zeigst mir die Wege zum Leben, du erfüllst mich mit Freude vor deinem Angesicht“. Selbst inmitten großer Bedrängnis erfährt Pater Rupert Mayer Gott als die innere Kraft und beglückende Erfüllung seines Lebens, Zugleich wird er aus dieser tiefen Verbundenheit mit Gott in den Zeiten großer Not selbst für viele Menschen zum Quell des Trostes, zum Vermittler neuer Hoffnung und Zuversicht, zum Vater der Armen, die ihn ihren 15. Nothelfer nannten. Wie sich die Menschen einst um Jesus scharten und bei ihm Hilfe fanden, strömten sie mit allen ihren Nöten auch zu ihm. Sechzig, siebzig Hilfesuchende klopften täglich an seine Tür. Mit offenem Herzen nahm er sie alle auf. Viele Stunden verbrachte er auch im Beichtstuhl, zu dem sich die Menschen drängten, um Hilfe in ihrem geistlichen Nöten zu suchen.

”Es muß Wärme von uns ausgehen, den Menschen muß es in unserer Nähe wohl sein, und sie müssen fühlen, daß der Grund dazu in unserer Verbindung mit Gott liegt“. Mit diesem Wort sagt uns der neue Selige, worum es ihm im Dienst an den Armen ging: er wollte Gottes Liebe sichtbar und erfahrbar machen und die Menschen spüren lassen, daß sie von Gott geliebt sind. Seine Güte und Hilfsbereitschaft war von solcher Kraft, daß er es auch ertrug, wenn sie einmal mißbraucht wurden. Als man ihn darauf aufmerksam machte, gab er nur zur Antwort: ”Wer noch nicht angeschmiert wurde, hat nie etwas Gutes getan“. Die Torheit seiner Liebe ist Teilhabe an der Torheit des Kreuzes, in der sich der liebende Gott uns zugewandt hat, um uns alle an sich zu ziehen.

5. Der Grundsatz, dem Pater Rupert Mayer zeitlebens treu geblieben ist, lautet: ”Christus, der Mittelpunkt unseres Lebens. Zwischenlösungen gibt es nicht“. Was er war, das wollte er ganz sein. Diese seine Entschiedenheit in der Nachfolge Christi hat ihn auf den Weg der Heiligkeit geführt. Gemäß dem Wahlspruch seines Ordens: ”Alles zur größeren Ehre Gottes“ ging es ihm vor allem um Gottes Ehre und damit um die Rechte Gottes. ”Der Herrgott hat das erste Anrecht auf uns“, sagte er. Und er wußte, daß er damit auch für die Rechte und Würde des Menschen kämpfte.

Wir hören heute viel von Menschenrechten. In sehr vielen Ländern werden sie verletzt. Von Gottesrechten aber spricht man nicht. Und doch gehören Menschenrechte und Gottesrechte zusammen. Wo Gott und sein Gesetz nicht geehrt werden, erhält auch der Mensch nicht sein Recht. Wir sehen das deutlich am Verhalten der nationalsozialistischen Machthaber. Sie kümmerten sich nicht um Gott und verfolgten seine Diener: und so gingen sie auch unmenschlich mit den Menschen um, in Dachau vor; den Toren Münchens wie in Auschwitz vor den Toren meiner früheren Bischofsstadt Krakau. Auch heute gilt: Gottesrechte und Menschenrechte stehen und fallen miteinander. Unser Leben ist nur dann in Ordnung, wenn unser Verhältnis zu Gott in Ordnung ist. Deshalb sagte Pater Rupert Mayer in den weltweiten Bedrängnissen des letzten Krieges: ”Die heutige Zeit ist eine furchtbar ernste Mahnung für die Völker der Erde, zurückzukehren zu Gott. Es geht nicht ohne Gott!“. Dieses Wort unseres Seligen hat auch heute nichts an Gewicht verloren. Auch heute; gilt es, Gott zu geben, was Gottes ist. Dann wird auch dem Menschen gegeben werden, was des Menschen ist.

6. Liebe Brüder und Schwestern! Die Seligen und Heiligen der Kirche sind Gottes lebendige und gelebte Botschaft an uns. Deshalb stellt sie uns diese Zur Verehrung und Nachahmung vor Augen. Öffnen wir uns also heute jener Botschaft, die uns der neue Selige Rupert Mayer durch sein Wort und Wirken so anschaulich verkündet. Suchen wir wie er in Gott die Mitte und Quelle unseres Lebens. Auf Gott baute er in unerschütterlichem, kindlichem Vertrauen. ”Herr, wie du willst, soll mir geschehn, und wie du willst, so will ich gehn,, hilf deinen Willen nur verstehn“, so lautet der erste Vers seines Lieblingsgebetes. Gott, der Herr, war die Quelle, aus der er in langen Stunden des Gebetes, in der heiligen Messe und in der täglichen treuen Pflichterfüllung die Kraft schöpfte für sein erstaunliches Lebenswerk.

Suchen auch wir aus derselben Kraftquelle unser Leben und unsere Umwelt zu gestalten. Der selige Rupert Mayer ist für uns alle ein Vorbild und Anruf, ein heiliges Leben zu führen. Heiligkeit ist nicht eine Sache für einige auserwählte Seelen: zur Heiligkeit sind wir alle berufen, alle ohne Ausnahme. Und er selber sagt uns auch, was zu einem heiligen Leben gehört: ”Keine außergewöhnliche Arbeit, keine außergewöhnlichen religiösen Erlebnisse, keine Erscheinungen. Nur: Heroische Tugend“. Das heißt: Tag für Tag treu und unbeirrt Gottes Willen tun und aus seiner Gegenwart leben; jeder ganz persönlich und auch in der Familie. Wir wissen, wie unserem Seligen besonders die christliche Familie am Herzen lag und er zu ihrer Förderung mit zwei anderen Priestern sogar eine eigene Schwesterngemeinschaft gegründet hat. Die hohe Zahl der Ehescheidungen und die geringe Kinderzahl zeigen, welch großen Belastungen und Bedrohungen die Familie in der heutigen Gesellschaft ausgesetzt ist. In euren Familien aber entscheidet sich die Zukunft eures Volkes, auch die Zukunft der Kirche in eurem Volk. Haltet zusammen, daß die Familien gestärkt werden. Haltet die Ehe heilig und laßt die eheliche Liebe fruchtbar werden in den Kindern, die Gott euch schenken will.

7. Sein Leben heiligen heißt aber auch, sich für das öffentliche Leben mitverantwortlich zu fühlen und es aus dem Geiste Christi mitzugestalten. Keinem Christen darf es gleichgültig sein, wie es in der Welt zugeht. Männer, Frauen und meine jungen Freunde, euch alle rufe ich auf: Setzt euch wie Rupert Mayer für Gottes Rechte und Gottes Ehre auch in der Öffentlichkeit ein. Laßt nicht zu, daß die Entchristlichung weiter um sich greift. Seid Salz der Erde und tragt das Licht der Wahrheit Gottes in alle Bereiche des Lebens hinein. Das ist der Dienst, den wir der Welt schulden. Es geht nicht ohne Gott! Habt nach dem Vorbild unseres Seligen vor allem auch ein Herz für die Armen. Ihr lebt in einem Land, das zu den wohlhabendsten Ländern der Erde gehört. Laßt euer Herz durch euren Besitz nicht stumpf werden für die Not der Hilfsbedürftigen und Vergessenen am Rande eurer Gesellschaft und in aller Welt. Macht auch ihr durch eure Güte Gottes Liebe sichtbar und erfahrbar unter euren Mitmenschen.

Liebe Schwestern von der Heiligen Familie, eure Gemeinschaft wurde durch Pater Rupert Mayer nicht nur mitgegründet, sondern vor allem auch geistig geformt. Haltet seinen Geist lebendig. Euer Ideal veraltet nicht. Die Aufgabe, für die eure Gemeinschaft gegründet wurde, ist noch immer zeitgemäß.

Liebe Sodalen der Marianischen Männerkongregation, ihr hütet in eurer Kongregationskirche als kostbaren Schatz das Grab des neuen Seligen, an dem ich nach diesem Gottesdienst beten werde. Hütet auch das geistige Erbe, das er euch hinterlassen hat: die Liebe zu Maria und die Bereitschaft zum Dienst an der Welt.

Liebe Patres und Brüder des Gesellschaft Jesu, euch beglückwünsche ich zu eurem Mitbruder, den wir von heute an als Seligen verehren. Er ist eine Zierde eures Ordens. Möge er euch auch Vorbild und Ansporn sein, treu dem hohen Ideal des heiligen Ignatius von Loyola euren Dienst in Kirche und Welt zu erfüllen. Euer seliger Mitbruder hat nach diesem hohen Ideal gelebt. Er stehe euch bei, seinem Beispiel zu folgen.

8. ”Seht, ich sende euch . . .werdet stark durch den Herrn!“.

Liebe Brüder und Schwestern! Sagt nicht auch der selige Rupert Mayer diese Worte am heutigen Tag seiner Seligsprechung zu uns, die wir hier versammelt sind? Zu euch, seinen Landsleuten, hier in dieser Stadt und im ganzen Land? Zur Kirche von München? Zur ganzen Gesellschaft?

”Werdet stark durch die Kraft und Macht des Herrn!

Zieht die Rüstung Gottes an . . . Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern . . . gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister . . .“ (Eph. 6, 10-12).

Es gibt Zeiten, in denen die Existenz des Bösen unter den Menschen in der Welt in einer besonderen Weise in Erscheinung tritt. Dann wird noch offenkundiger, daß die Mächte der Finsternis, die in den Menschen und durch die Menschen wirken, größer sind als der Mensch. Sie übersteigen ihn, sie kommen von außen über ihn.

Der heutige Mensch scheint dieses Problem fast nicht sehen zu wollen. Er tut alles, um die Existenz jener ”Beherrscher dieser finsteren Welt“, jene ”listigen Anschläge des Teufels“, von denen der Epheserbrief spricht, aus dem allgemeinen Bewußtsein zu verbannen. Dennoch gibt es solche Zeiten in der Geschichte, in denen diese – nur widerwillig angenommene – Wahrheit der Offenbarung und des christlichen Glaubens ihre volle Ausdruckskraft und fast handgreifliche Bestätigung findet.

9. Der geistige Sieg von Pater Rupert Mayer erklärt sich vollkommen vor dem Hintergrund einer` solchen Epoche, einer solchen geschichtlichen Erfahrung. Die Worte: des Apostels beziehen sich in einem gewissen Sinn auf den konkreten Lebensverlauf dieses Dieners Gottes. Es war einer von jenen, die in diesem geistigen Kampf, in diesem Ringen mit den Mächten der Finsternis ”die Rüstung Gottes angelegt, sich mit der Wahrheit gegürtet, den Panzer der Gerechtigkeit und als Schuhe die Bereitschaft, für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen, angezogen haben“ (Eph. 6, 12-15). Der Glaube war für ihn wirklich der Helm, und das Wort Gottes war das Schwert des Geistes. Er kämpfte fortwährend mit diesem ”Schwert“ und ”hörte nicht auf zu beten und zu flehen“. Nein, er vertraute nicht auf seine eigenen Kräfte. Er erinnerte sich an die Worte des Meisters an die Apostel im Abendmahlssaal: ”Der Geist eures Vaters wird durch euch reden“ (Mt. 10, 20). Und deshalb hörte er auch nicht auf zu bitten, daß Gott ihm ”das rechte Worte schenke . . ., um das Geheimnis des Evangeliums zu verkünden“ (Eph. 6, 19).

Die Worte des Epheserbriefes hat der Apostel Paulus geschrieben, als er nur noch als ”Gefangener“ seiner Sendung nachkommen konnte (ebd. 3, 1;4, 1). So hat auch Pater Rupert Mayer gesprochen und bezeugt, so hat auch er sich verhalten und für Christus Verfolgung erduldet –  als ”Gefangener“ in Landsberg und im Konzentrationslager Sachsenhausen, und so ist er uns in Erinnerung geblieben, im Gedächtnis der Kirche: als mutiger Zeuge der Wahrheit und Apostel der Gottes- und Nächstenliebe. Diesem seinen Andenken erweist die Kirche nun ihre besondere Verehrung, damit es von Generation zu Generation fortdauert.

Heute spricht dieser ”Gefangene Christi“ im Lager Sachsenhausen noch einmal zu uns – und die Kirche nimmt seine Worte auf in ihr geistiges Erbe:

”Bete jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus . . .

Legt die Rüstung Gottes an“ (Eph. 6, 18.13).

Nehmt, liebe Brüder und Schwestern, an diesem Festtag das Zeugnis des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe eures großen Landsmannes an! Möge das geistige Erbe seines Lebens und seines apostolischen Dienstes immer, besonders in Zeiten der Prüfung, mit euch sein und euch stets neue Kraft und Zuversicht schenken in Christus, unserem Herrn. Amen.

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Quelle

JOHANNES PAUL II. BEI DER MUTTER LATEINAMERIKAS

Sei gegrüßt, Mutter Lateinamerikas

Homilie beim Gottesdienst in der Wallfahrtskirche von Guadalupe am 27.1. 1979

1. Gruß dir, Maria!
Meine Freude ist groß, verehrte Brüder im Bischofsamt und geliebte Söhne und Töchter, daß die ersten Schritte meiner Wallfahrt als Nachfolger Pauls VI. und Johannes Pauls I. mich gerade hierher führen. Sie führen mich zu dir, Maria, in dieses Heiligtum des Volkes von Mexiko und von ganz La­teinamerika, in dem du dich seit so vielen Jahrhunderten als Mutter kund­getan hast.
Gruß dir, Maria!
Mit großer Liebe und Ehrfurcht spreche ich diese so schlichten und gleich­zeitig so wundervollen Worte aus. Niemand wird dich je in einer wunderba­reren Weise grüßen können, als es damals der Engel bei der Verkündigung getan hat! Gegrüßest seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Diese Worte wiederhole ich, die so viele Herzen in aller Welt in sich tragen und so viele Lippen bekennen. Wir alle, die wir hier anwesend sind, wieder­holen sie zusammen im Bewußtsein, daß dies die Worte sind, mit denen Gott selbst durch seinen Boten dich begrüßt hat, dich, die Frau, im Garten Eden uns versprochen und von Ewigkeit her erwählt als Mutter des Wortes, Mutter der göttlichen Weisheit, Mutter des Gottessohnes.

2. Dein Sohn Jesus Christus ist unser Erlöser und Herr. Er ist unser Meister. Wir alle, die wir hier vereint sind, sind seine Jünger. Wir sind die Nachfolger der Apostel, denen der Herr gesagt hat: „Geht also zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen ‚Jüngern‘ und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles befolgen, was ich euch geboten habe. Und seht, ich bin bei euch alle Tage bis zur Voll­endung der Welt“ (Mt 28, 19-20).

Wir, der Nachfolger Petri und die Nachfolger der Apostel, die wir hier ver­sammelt sind, legen Zeugnis davon ab, daß sich diese Worte hier in diesem Land auf wunderbare Weise erfüllt haben.

Seitdem im Jahre 1492 die Verkündigung der Frohen Botschaft in der Neuen Welt begonnen hat, gelangt der Glaube schon gut 20 Jahre später nach Mexiko. Nur wenig später entsteht das erst Erzbistum unter der Lei­tung von Juan de Zumárraga, auf den andere große Gestalten von Verkün­dern der Frohen Botschaft folgen, die das Christentum bis in weit entfernte Gegenden verbreiten.

Andere nicht weniger glorreiche Lobgesänge werden in diesem Erdteil auf Männer angestimmt, wie auf den hl. Toribio von Mogroviejo und noch viele andere, die es verdienten, hier genannt zu werden. Die Verbreitung des Glaubens schreitet dann ohne Unterbrechung voran, und nach einem Jahr­hundert der Verkündigung der Frohbotschaft gibt es auf dem neuen Konti­nent mehr als 70 Bischofssitze mit 4 Millionen Christen. Ein einmaliger Vorgang, der sich über lange Zeit fortsetzt und bis zum heutigen Tag, nach fünf Jahrhunderten der Evangelisation, fast die Hälfte der ganzen katholi­schen Kirche umfaßt, die in der Kultur des lateinamerikanischen Volkes verwurzelt und Bestandteil seiner eigenen Identität ist.

Und in dem Maß, in dem sich in diesen Ländern der Auftrag Christi erfüllte, in dem Maß, in dem durch die Taufgnade überall die Zahl der Gotteskinder zunahm, erscheint auch die Mutter. In der Tat, dir, Maria, zeigte der Sohn Gottes und gleichzeitig dein Sohn von der Höhe des Kreuzes herab einen Mann und sagte: „Frau, da ist dein Sohn“ (Joh 19, 26). In diesem Mann hat er dir jeden Menschen anvertraut, hat er dir uns alle anvertraut. Und du, die du im Augenblick der Verkündigung mit diesen einfachen Worten: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mit mir geschehe, was du gesagt hast“ (Lk 1, 38), das ganze Programm ihres Lebens zusammengefaßt hast, umarmst alle, näherst dich allen und suchst alle wie eine Mutter. Auf diese Weise er­füllt sich, was das letzte Konzil über deine Gegenwart im Geheimnis Christi und der Kirche erklärt hat. Auf immer gehörst du in wunderbarer Weise zum Geheimnis Christi, deines eingeborenen Sohnes, weil du immer dort stehst, wo die Menschen, seine Brüder, stehen, wo die Kirche steht.

Tatsächlich lehrten die ersten Missionare, die in Amerika ankamen und aus Ländern mit einer hervorragenden marianischen Tradition stammten, mit den Grundlagen des christlichen Glaubens auch die Liebe zu dir, der Mutter Jesu und aller Menschen. Seitdem der Indio Juan Diego von der Lieben Frau von Tepeyac kündete, trittst du, Mutter von Guadalupe, in entschei­dender Weise in das christliche Leben des Volkes von Mexiko ein. Ebenso bedeutend ist deine Gegenwart an anderen Orten geworden, wo die Gläu­bigen dich unter verschiedenen Namen liebevoll verehren, wie Unsere Liebe Frau von der Hohen Gnade, von der Erscheinung, von Luján und an­deren ebenso innigen Namen, um nicht eine endlose Reihe nennen zu müs­sen, mit denen in jeder Nation und sogar in jeder Gegend die Völker Latein­amerikas dir ihre tiefste Verehrung bekunden und wo du sie beschützt auf ihrer gläubigen Pilgerschaft.

Der Papst — der aus einem Land kommt, in dem deine Bilder, besonders je­nes von Jasna Góra, auch ein Zeichen deiner Gegenwart im Leben der Na­tion mit ihrer gefahrvollen Geschichte sind — hat ein besonderes Empfinden für dieses Zeichen deiner Gegenwart hier im Leben des Gottesvolkes von Mexiko, in seiner Geschichte, die auch nicht leicht und manchmal sogar dramatisch war. Aber du bist in gleicher Weise gegenwärtig im Leben so vieler anderer Völker und Nationen Lateinamerikas dadurch, daß du nicht nur seine fernere oder nähere Vergangenheit prägst und bestimmst, son­dern auch die Gegenwart mit ihren Unsicherheiten und Schatten. Dieser Papst nimmt im Innersten seines Herzens die besonderen Bindungen wahr, die dich mit diesem Volk einen und dieses Volk mit dir. Dieses Volk, das dich begeistert „La Morenita“ nennt. Dieses Volk — und mit ihm dieser ganze riesige Kontinent — lebt in einer geistlichen Einheit dank der Tatsa­che, daß du die Mutter bist. Eine Mutter, die mit ihrer Liebe wirkt, bewahrt und ihren Söhnen und Töchtern immer wieder Gelegenheit gibt, sich nä­hern zu können.

3. Wir treffen uns in einer außergewöhnlichen und eindrucksvollen Stunde der Weltgeschichte. Wir kommen zu diesem Ort im Bewußtsein, daß wir uns an einem entscheidenden Punkt der Entwicklung befinden. Mit dieser Bischofsversammlung wollen wir an die vorhergegangene Vollversamm­lung der lateinamerikanischen Bischöfe anknüpfen, die vor zehn Jahren in Medellin stattgefunden hat, in zeitlichem Zusammenhang mit dem Eucha­ristischen Weltkongreß von Bogotá, und an der der unvergessene Papst Paul VI. teilgenommen hat. Wir sind nicht so sehr deswegen hierherge­kommen, um nach Ablauf von zehn Jahren das gleiche Problem noch ein­mal zu behandeln, sondern eher, um es auf eine neue Weise, an einem neuen Ort und in einem neuen historischen Augenblick zu überprüfen. Wir wollen dabei das als Ausgangspunkt nehmen, was in den Dokumenten und Beschlüssen jener Konferenz enthalten ist. Gleichzeitig versuchen wir, auf der Basis der Erfahrung dieser zehn Jahre und der Entwicklung des Denkens sowie im Licht der Erfahrungen der ganzen Kirche einen richtigen und notwendigen Schritt nach vorne zu tun.

Die Konferenz von Medellin fand kurze Zeit nach Beendigung des Zweiten Vatikanischen Konzils statt, des Konzils unseres Jahrhunderts, und hatte zum Gegenstand, die dadurch entstandenen neuen Fragestellungen und wesentlichen Inhalte des Konzils aufzugreifen, um sie auf die konkrete Si­tuation der lateinamerikanischen Kirche anzuwenden oder sie zur Orientie­rung zu nehmen.

Ohne das Konzil wäre die Versammlung von Medellin nicht möglich gewe­sen; diese wollte ein Impuls sein für die pastorale Erneuerung, ein neuer „Geist“, um der Zukunft ein neues Antlitz zu geben, und dies in voller kirchlicher Treue und in Auslegung der Zeichen der Zeit in Lateinamerika. Die Absicht der Evangelisation war sehr klar und trat in den behandelten 16 Themen offen zu Tage, die sich auf drei große, sich gegenseitig ergän­zende Themenkreise verteilten: menschlicher Fortschritt, Evangelisation und Wachstum im Glauben, die konkrete Kirche und ihre Strukturen. Mit einer Option für den Menschen Lateinamerikas, betrachtet in all seinen Lebensbereichen, mit seiner vorzugsweisen, aber nicht ausschließlichen Liebe für die Armen, mit seinem mutigen Einsatz für die vollständige Be­freiung der Menschen und Völker war Medellin — und die dort gegenwär­tige Kirche — ein Ruf der Hoffnung auf christlichere und menschlichere Ziele hin.

Aber es sind seitdem mehr als zehn Jahre vergangen. Und es entstanden In­terpretationen von zuweilen gegensätzlicher, nicht immer richtiger und für die Kirche brauchbarer Art. Deswegen sucht die Kirche nach Wegen, die es ihr ermöglichen, die von Jesus Christus erhaltene Sendung tiefer zu verste­hen und mit größerem Einsatz durchzuführen.

Eine große Bedeutung hatten in diesem Zusammenhang die Versammlun­gen der Bischofssynode, die in diesen Jahren stattfanden, vor allem die von 1974 über die Evangelisation, deren Ergebnisse dann in lebendiger und ermutigender Weise im Apostolischen Schreiben Evangelii nuntiandi Pauls VI. zusammengefaßt wurden.

Das ist das Thema, das wir heute über unserem Arbeitstisch anbringen, das wir uns zum Studium vornehmen: „Die Evangelisation in der Gegenwart und für die Zukunft Lateinamerikas.“

Wenn wir uns an diesem heiligen Ort versammeln, um unsere Arbeit zu be­ginnen, tritt uns der Abendmahlssaal in Jerusalem vor Augen, der Ort der Einsetzung der hl. Eucharistie. Im gleichen Abendmahlssaal versammelten sich die Apostel nach der Himmelfahrt des Herrn, damit sie, mit Maria, der Mutter des Herrn, im Gebet vereint, ihr Herz bereiten konnten, um den Heiligen Geist zu empfangen im Augenblick der Geburtsstunde der Kirche. Wir kommen auch deshalb hierher; auch wir hoffen auf die Herabkunft des Heiligen Geistes, der uns die Wege der Evangelisierung erkennen läßt, auf denen die Kirche in unserem Kontinent wirken und sich erneuern muß. Auch wir wollen heute und in den nächsten Tagen im Gebet mit Maria, der Mutter unseres Herrn und Meisters, verweilen: mit dir, Mutter der Hoff­nung, Mutter von Guadalupe.

4. Gestatte also, daß wir, ich, Johannes Paul II., Bischof von Rom und Papst, zusammen mit meinen Brüdern im Bischofsamt, die die Kirche von Mexiko und von ganz Lateinamerika vertreten, in diesem feierlichen Au­genblick dir, der Magd des Herrn, das kostbare Erbe des Evangeliums, des Kreuzes, der Auferstehung, wofür wir alle Zeugen, Apostel, Lehrer und Bi­schöfe sind, anvertrauen und darbringen.

Du, unsere Mutter! Hilf uns, treue Ausspender der großen Geheimnisse Gottes zu sein. Hilf uns, die Wahrheit zu lehren, die dein Sohn verkündet hat, und die Liebe zu verbreiten, die das wichtigste Gebot und die erste Frucht des Heiligen Geistes ist. Hilf uns, unsere Brüder im Glauben zu be­stärken. Hilf uns, die Hoffnung auf das ewige Leben zu wecken. Hilf uns, die großen Schätze zu behüten, die in den Seelen des uns anvertrauten Vol­kes Gottes enthalten sind.

Dir bringen wir das ganze Gottesvolk hier dar. Dir weihen wir die Kirche von Mexiko und des ganzen Kontinents. Wir bieten sie dir an als dein Eigentum. Du, die du in den Herzen der Menschen Eingang gefunden hast durch das Zeichen deiner Gegenwart, dein Gnadenbild im Heiligtum von Guadalupe, mache diese Herzen zu deiner bleibenden Wohnstätte, jetzt und auch in Zukunft. Sei stets gegenwärtig in unseren Familien, in unseren Pfarreien, in unseren Missionen und Diözesen und in allen Völkern.

Dies geschehe durch die heilige Kirche, die, indem sie dich, die Mutter, nachahmt, selbst eine gute Mutter zu sein wünscht. Sie möchte den Gläubi­gen in allen ihren Nöten beistehen, dadurch, daß sie das Evangelium ver­kündet, die Sakramente spendet, das Leben der Familien durch das Sakra­ment der Ehe schützt, alle durch das Sakrament des Altares in der euchari­stischen Gemeinschaft vereint und sie von der Wiege bis zum Eintritt in die Ewigkeit in Liebe begleitet.

Du, unsere Mutter! Wecke in den jungen Generationen die Bereitschaft zum vorbehaltlosen Dienst für Gott. Erflehe uns auch in diesem Land ge­nügend Berufungen zum Priestertum und Ordensleben.

Unsere Mutter! Stärke den Glauben aller unserer Brüder und Schwestern im Laienstand, auf daß sie in allen Bereichen des sozialen, beruflichen, kul­turellen und politischen Lebens nach der Wahrheit und dem Gesetz han­deln, das dein Sohn der Menschheit verkündet hat, um alle zum ewigen Heil zu führen und gleichzeitig auch das Leben auf der Erde menschlicher und menschenwürdiger zu machen.

Die Kirche, die in den amerikanischen Nationen wirkt, die Kirche in Me­xiko will mit all ihren Kräften dieser erhabenen Sendung dienen mit einem erneuerten missionarischen Geist. Du, unsere Mutter! Mach, daß wir dir in Wahrheit und Gerechtigkeit zu dienen vermögen. Mach, daß wir selbst die­sem Weg folgen und andere darauf führen, ohne uns jemals auf Abwege zu verirren und die anderen mitzureißen.

Wir bringen sie dir dar und empfehlen dir alle und alles, was immer Gegen­stand unserer pastoralen Verantwortung ist, indem wir darauf vertrauen, daß du immer bei uns bist und uns verwirklichen hilfst, was dein Sohn uns aufgetragen hat (vgl. Joh 2, 5). Mit diesem grenzenlosen Vertrauen, das wir zu dir haben, wollen wir, ich, Johannes Paul II., zusammen mit allen meinen Brüdern im Bischofsamt von Mexiko und Lateinamerika, dich noch enger mit unserem Amt, mit der Kirche und dem Leben dieser unserer Nationen verbinden. Wir möchten unsere ganze Zukunft, die Zukunft der Evangeli­sierung in Lateinamerika in deine Hände legen.

Königin der Apostel! Nimm an unsere Bereitschaft, der Sache deines Soh­nes, der Sache des Evangeliums und des Friedens, die auf der Gerechtigkeit und der Liebe zwischen den Menschen und den Völkern gegründet ist, vor­behaltlos zu dienen.

Königin des Friedens! Bewahre die Nationen und Völker des ganzen Kon­tinents, die so sehr auf dich vertrauen, vor Kriegen, Haß und Gewalt. Mach, daß alle, Regierende und Staatsbürger, lernen, in Frieden zu leben, sich zum Frieden zu erziehen und zu tun, was die Gerechtigkeit und die Achtung der Rechte eines jeden Menschen fordern, damit sich der Friede festigt.

Nimm an diese unsere vertrauensvolle Hingabe, du Magd des Herrn. Möge deine mütterliche Gegenwart im Geheimnis Christi und der Kirche sich in eine Quelle der Freude und der Freiheit für jeden einzelnen und für alle verwandeln; Quelle jener Freiheit, zu der „Christus uns geführt hat“ (Gal 5, 1), und jenes Friedens, den die Welt nicht geben kann, den nur einer gibt, Christus (vgl. Joh 14, 27).

Schließlich erwähnen und bestätigen wir, o Mutter, den Akt meiner Vor­gänger, Benedikts XIV. und Pius‘ X., die dich zur Patronin Mexikos und ganz Lateinamerikas ausgerufen haben. Ich biete dir im Namen aller deiner mexikanischen und lateinamerikanischen Kinder ein Diadem an, damit du sie unter deinem Schutz bewahrst und ihre Eintracht im Glauben und ihre Treue zu Christus, deinem Sohn, behütest. Amen.

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Quelle: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, 5 – Predigten und Ansprachen von Papst Johannes Paul II. bei seiner Reise in die Dominikanische Republik und nach Mexiko. 26. Jan. bis 4. Febr. 1979