Die sel. Jungfrau Maria, die Rosenkranzkönigin in Pompeji, Italien

PASTORALBESUCH
VON JOHANNES PAUL II.
IM HEILIGTUM DER SEL. JUNGFRAU MARIA
VOM HL. ROSENKRANZ IN POMPEJI

GEBET DES HL. ROSENKRANZES VOR DEM HEILIGTUM VON POMPEJI

ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.

Dienstag, 7. Oktober 2003

  

Liebe Brüder und Schwestern!

1. Die selige Jungfrau hat es mir gewährt, hierhin zurückzukehren, um sie in diesem berühmten Heiligtum zu verehren. Die Vorsehung hatte dem sel. Bartolo Longo eingegeben, daß es zu einem Zentrum der Verbreitung des heiligen Rosenkranzes werden solle.

Der heutige Besuch stellt in gewisser Weise die Krönung des Jahres des Rosenkranzes dar. Ich danke dem Herrn für die Früchte dieses Jahres, das zu einer bemerkenswerten Wiederbelebung dieses zugleich einfachen und tiefen Gebets geführt hat. Es führt uns zur Herzensmitte des christlichen Glaubens und erscheint angesichts der Herausforderungen des dritten Jahrtausends und der dringenden Aufgabe der Neuevangelisierung von besonderer Aktualität.

2. In Pompeji ist diese Aktualität noch deutlicher erkennbar im Blick auf die antike römische Stadt, die im Jahr 79 n. Chr. von der Asche des Vesuvs verschüttet wurde. Diese Ruinen geben ein beredtes Zeugnis und werfen die entscheidende Frage nach der Bestimmung des Menschen auf. Als Zeugnis einer Hochkultur enthüllen sie aber neben großartigen Antworten auch beunruhigende Fragen. Die marianische Stadt entsteht inmitten dieser Fragen und stellt uns den auferstandenen Christus als Antwort, als rettendes »Evangelium« vor Augen.

Wie zur Zeit des antiken Pompeji ist es auch heute nötig, Christus einer Gesellschaft zu verkünden, die sich immer mehr von den christlichen Werten entfernt und die Erinnerung an sie verliert. Ich danke den italienischen Autoritäten für ihren Beitrag zur Organisation meiner Pilgerfahrt, die in der antiken Stadt begonnen hat. So konnte ich über die ideelle Brücke eines für das kulturelle und geistige Wachstum sicherlich fruchtbaren Dialogs gehen. Vor dem Hintergrund des antiken Pompeji gewinnt die Förderung des Rosenkranzgebets den symbolischen Wert eines erneuten Impulses für die christliche Verkündigung in unserer Epoche. Denn was ist eigentlich der Rosenkranz? Er ist ein Kompendium des Evangeliums, das uns ständig zu den wichtigsten Ereignissen im Leben Christi zurückführt, um uns sein Geheimnis gleichsam »einatmen« zu lassen. Der Rosenkranz ist ein bevorzugter Weg der Kontemplation. Er ist sozusagen der Weg Marias. Denn wer kennt und liebt Christus mehr als sie?

Der sel. Bartolo Longo, Apostel des Rosenkranzes, der gerade den kontemplativen und christologischen Merkmalen dieses Gebets besondere Aufmerksamkeit widmete, war hiervon überzeugt. Dank dieses Heiligen ist Pompeji zu einem internationalen Zentrum der Spiritualität des Rosenkranzes geworden.

3. Es war mein Wunsch, daß diese Pilgerfahrt den Charakter einer inständigen Bitte um Frieden haben soll. Wir haben die lichtreichen Geheimnisse betrachtet, um gleichsam das Licht Christi auf die Konflikte, Spannungen und Tragödien der fünf Erdteile zu werfen. Im Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariae habe ich erklärt, warum der Rosenkranz seiner Natur nach ein auf den Frieden ausgerichtetes Gebet ist – und zwar nicht nur weil wir, von der Fürsprache Marias unterstützt, inständig um ihn bitten, sondern auch weil wir durch ihn zusammen mit dem Geheimnis Jesu auch seinen Friedensplan in uns aufnehmen.

Durch den ruhigen Rhythmus bei der Wiederholung des »Ave Maria« schenkt der Rosenkranz unserer Seele Frieden und öffnet sie zugleich der heilbringenden Gnade. Der sel. Bartolo Longo hatte eine prophetische Eingebung, als er beschloß, dem Gotteshaus, das der Muttergottes vom Rosenkranz geweiht ist, diese Fassade als Friedensmahnmal zu geben. So wurde die Sache des Friedens zum wesentlichen Bestandteil dieses Gebets. Es ist eine Eingebung, deren Aktualität wir zu Beginn dieses Jahrtausends, das bereits jetzt von Kriegsstimmung geprägt und in vielen Teilen der Welt von Blut befleckt ist, gut erkennen können. Zusammenarbeit mit allen

4. Pompeji ist ein Treffpunkt für Menschen aller Kulturen, die sich sowohl vom Heiligtum als auch von der Ausgrabungsstätte angezogen fühlen. Die Einladung zum Rosenkranz, die von hier ausgeht, erinnert auch an die Verpflichtung der Christen, in Zusammenarbeit mit allen Menschen guten Willens zu Erbauern und Zeugen des Friedens zu werden. Die bürgerliche Gesellschaft, hier vertreten durch Autoritäten und Persönlichkeiten, die ich alle herzlich begrüße, möge diese Botschaft immer besser annehmen.

Möge die Kirchengemeinde von Pompeji dieser Herausforderung immer besser entsprechen. Ich möchte an dieser Stelle ihre verschiedenen Mitglieder begrüßen: die Priester und Diakone, die Ordensleute, insbesondere die Dominikanerschwestern vom heiligen Rosenkranz, deren Gemeinschaft eigens gegründet wurde, um sich der Pflege dieses Heiligtums anzunehmen, sowie die Laien. Mein aufrichtiger Dank gilt Msgr. Domenico Sorrentino für die freundlichen Worte, die er zu Beginn dieser Begegnung an mich gerichtet hat. Ein herzliches Dankeschön geht an euch alle, die ihr die Königin des Rosenkranzes von Pompeji so tief verehrt. Seid »Bauleute des Friedens« nach dem Vorbild des sel. Bartolo Longo, der Gebet mit Aktion zu verbinden verstand und diese marianische Stadt zu einer »Hochburg der Nächstenliebe« machte. Das im Bau befindliche »Centro per il bambino e la famiglia« [Zentrum für Kind und Familie], das freundlicherweise nach mir benannt wurde, übernimmt das Erbe dieses bedeutenden Werkes.

Liebe Brüder und Schwestern! Die Muttergottes vom heiligen Rosenkranz segne uns, die wir uns nun darauf vorbereiten, sie im Gebet anzurufen. Ihrem Mutterherz vertrauen wir unsere Sorgen und unsere guten Absichten an.

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Quelle

Siehe auch:

 

DIE HL. THERESIA VOM KINDE JESU IST KIRCHENLEHRERIN

Apostolisches Schreiben
von Johannes Paul II.

DIVINI AMORIS SCIENTIA 

zur Proklamation der
hl. Theresia vom Kinde Jesus
und vom Heiligen Antlitz
zur Kirchenlehrerin

 

1. Die Wissenschaft der göttlichen Liebe, die der Vater des Erbarmens durch Jesus Christus im Heiligen Geist ausgießt, ist ein Geschenk, das den Kleinen und Demütigen gewährt wird, damit sie die Geheimnisse des Gottesreiches, die den Gelehrten und Weisen verborgen sind, erkennen und verkünden. Darum frohlockte Jesus im Heiligen Geist und pries den Vater, der es so verfügt hat (vgl. Lk 10,21–22; Mt 11,25–26).

Auch die Mutter Kirche freut sich, da sie feststellt, wie der Herr sich im Lauf der Geschichte auch weiterhin den Kleinen und Demütigen offenbart und seine Auserwählten durch den Heiligen Geist, der »alles ergründet, auch die Tiefen Gottes« (1 Kor 2,10), fähig macht, von dem zu sprechen, »was uns von Gott geschenkt worden ist, . . . nicht mit Worten, wie menschliche Weisheit sie lehrt, sondern wie der Geist sie lehrt, indem wir den Geisterfüllten das Wirken des Geistes deuten« (1 Kor 2,12.13). Auf diese Weise führt der Heilige Geist die Kirche hin zur ganzen Wahrheit; er unterweist sie mit mannigfaltigen Gaben, zeichnet sie mit seinen Früchten aus, macht sie jugendlich mit der Kraft des Evangeliums und setzt sie instand, die Zeichen der Zeit zu erforschen, um immer besser dem Willen Gottes zu entsprechen (vgl. Lumen Gentium, 4.12; Gaudium et spes, 4).

Unter den Kleinen, denen in bevorzugter Weise die Geheimnisse des Gottesreiches erschlossen wurden, leuchtet Theresia vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz hervor, Nonne vom Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen, deren Eintritt in die himmlische Heimat sich in diesem Jahr zum hundertsten Mal jährt.

Während ihres Lebens gingen Theresia »neue Lichter« auf, »verborgene und geheimnisvolle Bedeutungen« (Ms A 83 v), und sie empfing vom göttlichen Meister jene »Wissenschaft der Liebe«, die sie dann in einer sie kennzeichnenden Weise in ihren Schriften klar darlegte (vgl. Ms B 1r). Diese Wissenschaft bringt lichtvoll ihre Kenntnis vom Geheimnis des Gottesreiches und ihre persönliche Erfahrung der Gnade zum Ausdruck. Sie kann als ein besonderes Charisma der Weisheit des Evangeliums betrachtet werden, das Theresia, wie andere Heilige und Lehrer des Glaubens, im Gebet in sich aufnahm (vgl. Ms C 36 r).

2. Das Beispiel ihres Lebens und ihrer dem Evangelium entstammenden Lehre wurde in unserer Zeit schnell, überall und stetig aufgenommen. Ihre Heiligkeit wurde, gewissermaßen in Nachahmung ihrer frühzeitigen geistlichen Reife, von der Kirche im Zeitraum von wenigen Jahren anerkannt. In der Tat unterzeichnete Pius X. am 10. Juni 1914 das Dekret zur Einleitung des Seligsprechungsprozesses, am 14. August 1921 erklärte Benedikt XV. den heroischen Tugendgrad der Dienerin Gottes und hielt bei diesem Anlaß eine Ansprache über den Weg der geistlichen Kindschaft.

Pius XI. sprach sie am 29. April 1923 selig. Wenig später, am 17. Mai 1925, nahm der gleiche Papst vor einer ungeheuren Menschenmenge in der Petersbasilika die Heiligsprechung vor. Dabei betonte er vor allem den Glanz ihrer Tugenden und die besonderen ihr eigenen Wesenszüge ihrer Lehre. Zwei Jahre darauf, am 14. Dezember 1927, folgte er den Bitten vieler Missionsbischöfe und erklärte sie, zusammen mit dem hl. Franziskus Xaverius, zur Patronin der Missionen.

Nach diesen Anerkennungen durch die Kirche nahm die geistliche Ausstrahlung Theresias vom Kinde Jesus zu und breitete sich bis in die heutige Zeit über die ganze Erde aus. Viele Institute geweihten Lebens und kirchliche Bewegungen, vor allem in den jungen Kirchen, haben sie als Patronin und Lehrmeisterin erwählt und sich von ihrer geistlichen Lehre anregen lassen. Ihre Botschaft, oft als der sogenannte »kleine Weg« zusammengefaßt, der nichts anderes ist als der dem Evangelium gemäße Weg der Heiligkeit für alle, wurde von Theologen und Kundigen der Spiritualität erforscht. Kathedralen, Basiliken, Gotteshäuser und Heiligtümer in der ganzen Welt wurden unter dem Patrozinium der Heiligen von Lisieux errichtet und dem Herrn geweiht. Sie wird in der katholischen Kirche in den verschiedenen Riten des Ostens und des Westens verehrt. Viele Gläubige haben die Macht ihrer Fürsprache erfahren können. Viele, die zum priesterlichen Dienst oder zum geweihten Leben berufen wurden, besonders in den Missionen und in Klausurklöstern, schreiben die göttliche Gnade ihrer Berufung ihrer Fürbitte und ihrem Beispiel zu.

3. Die Hirten der Kirche, angefangen bei meinen Vorgängern, den Päpsten dieses Jahrhunderts, die Theresias Heiligkeit als Beispiel für alle vorgestellt haben, betonten auch, daß sie Lehrmeisterin im geistlichen Leben ist aufgrund einer Lehre, die einfach und zugleich tief ist: Unter Führung des göttlichen Meisters hat sie aus den Quellen des Evangeliums geschöpft und dann den Brüdern und Schwestern in der Kirche auf höchst wirksame Weise davon mitgeteilt (vgl. Ms B 2v–3r).

Diese geistliche Lehre wurde uns vor allem durch ihre Selbstbiographie übermittelt. Aus drei von ihr in den letzten Lebensjahren verfaßten Manuskripten entnommen und ein Jahr nach ihrem Tod unter dem Titel Histoire d’une Âme (Geschichte einer Seele), Lisieux 1898, veröffentlicht, hat sie bis in unsere Tage ein außerordentliches Interesse geweckt. Diese Autobiographie, zusammen mit ihren anderen Schriften in etwa fünfzig Sprachen übersetzt, hat Theresia in allen Gegenden der Welt bekannt gemacht, auch außerhalb der katholischen Kirche. Ein Jahrhundert nach ihrem Tod wird Theresia vom Kinde Jesus weiterhin als eine der großen Lehrmeisterinnen geistlichen Lebens unserer Zeit anerkannt.

4. Es ist daher nicht zu verwundern, daß dem Apostolischen Stuhl viele Bitten vorgelegt wurden, sie möge mit dem Titel einer Kirchenlehrerin ausgezeichnet werden.

Seit einigen Jahren, und besonders seitdem das hundertste Gedenkjahr ihres Todes näherrückte, trafen solche Bitten immer zahlreicher, auch von Bischofskonferenzen, ein. Ferner fanden Studienkongresse statt, und es wurden immer mehr Schriften veröffentlicht, die hervorheben, daß Theresia vom Kinde Jesus eine außergewöhnliche Weisheit besaß und daß sie mit ihrer Lehre vielen Männern und Frauen in allen Lebensverhältnissen Jesus Christus und sein Evangelium kennen und lieben hilft.

Durch solche Äußerungen angeregt, veranlaßte ich eine eingehende Untersuchung darüber, ob die Heilige von Lisieux die notwendigen Voraussetzungen habe, um mit dem Titel Kirchenlehrerin ausgezeichnet zu werden.

5. Es ist mir ein Anliegen, in diesem Zusammenhang kurz einiges aus dem Leben Theresias vom Kinde Jesus in Erinnerung zu rufen. Sie ist am 2. Januar 1873 in Alençon, Frankreich, geboren. Zwei Tage später wird sie in der Notre-Dame- Kirche getauft und erhält die Namen Maria Franziska Theresia. Ihre Eltern sind Louis Martin und Zélie Guérin, deren beider heroischen Tugendgrad ich vor kurzem anerkannt habe. Nach dem Tod der Mutter, die am 28. August 1877 starb, siedelt Theresia mit der ganzen Familie in die Stadt Lisieux über, wo sie, umgeben von der Liebe ihres Vaters und ihrer Schwestern, streng, zugleich aber auch voll Zärtlichkeit erzogen wird.

Gegen Ende 1879 empfängt sie zum ersten Mal das Bußsakrament. Am Pfingsttag 1883 wird ihr durch die Fürsprache »Unserer Lieben Frau von den Siegen« die einzigartige Gnade der Heilung von einer schweren Krankheit zuteil. Sie geht bei den Benediktinerinnen von Lisieux in die Schule. Am 8. Mai 1884 empfängt sie nach einer eifrigen Vorbereitung die erste hl. Kommunion. Einen einzigartigen Höhepunkt bildet die Gnade, daß sie die tiefinnere Verbundenheit mit Christus empfindet. Wenige Wochen später, am 14. Juni des gleichen Jahres, empfängt sie das Sakrament der Firmung und ist sich dabei total bewußt, daß ihr damit die persönliche Anteilnahme an der Gnade des Pfingstfestes zuteil wird. Weihnachten 1886 macht sie eine sehr tiefe geistliche Erfahrung, die sie als »vollständige Bekehrung« bezeichnet. Dadurch überwindet sie die emotionelle Schwäche, die auf den Tod der Mutter gefolgt war, und beginnt »den Lauf eines Riesen« auf dem Weg ?zur Vollkommenheit (vgl. Ms A 44v –45v).

Theresia hatte Verlangen nach dem kontemplativen Leben, wie ihre Schwestern Pauline und Maria es im Karmel von Lisieux führten, aber ihr jugendliches Alter hinderte sie noch daran. Anläßlich einer Pilgerfahrt nach Italien, wobei sie auch das Heilige Haus in Loreto und die heiligen Stätten der Ewigen Stadt besucht, wird den Gläubigen der Diözese Lisieux von Papst Leo XIII. am 20. November 1887 eine Audienz gewährt. Dabei erbittet und erhält Theresia von Leo XIII. die Erlaubnis, schon mit 15 Jahren in den Karmel einzutreten.

Am 9. April 1888 tritt sie in den Karmel von Lisieux ein, wo sie am 10. Januar des folgenden Jahres das Gewand des Ordens der heiligsten Jungfrau empfängt und am 8. September 1890, dem Fest Mariä Geburt, ihre Ordensprofeß ablegt. Im Karmel geht sie voll Eifer und Treue den von der Mutter Gründerin, Theresia von Jesus, vorgezeichneten Weg der Vollkommenheit in der Erfüllung der verschiedenen ihr in der Gemeinschaft übertragenen Aufgaben. Vom Wort Gottes erleuchtet, geprüft durch den Schmerz, den die Krankheit ihres so sehr geliebten Vaters ihr bereitet, der am 29. Juli 1894 stirbt, geht Theresia voran auf dem Weg zur Heiligkeit. Dabei gibt sie stets der Liebe den Vorzug. Sie entdeckt den kleinen Weg der geistlichen Kindschaft und unterweist die ihrer Sorge anvertrauten Novizinnen darin. Auf diesem Weg fortschreitend, dringt sie immer tiefer in das Geheimnis der Kirche ein, und von der Liebe Christi angezogen, fühlt sie, wie die apostolische und missionarische Berufung in ihr stärker wird und sie dazu drängt, alle mit sich zu ziehen, hin zum göttlichen Bräutigam.

Am 9. Juni 1895, dem Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit, weiht sie sich als Ganzopfer der barmherzigen Liebe Gottes. Am 3. April des folgenden Jahres werden in der Nacht vom Gründonnerstag zum Karfreitag zum ersten Mal die Anzeichen der Krankheit erkennbar, die sie zum Tod führen wird. Theresia nimmt sie an als geheimnisvollen Besuch des göttlichen Bräutigams. Gleichzeitig beginnt für sie eine innere Anfechtung des Glaubens, eine Prüfung, die bis zu ihrem Tod andauern wird. Da ihre Krankheit sich verschlimmert, wird sie am 8. Juli 1897 ins Krankenzimmer verlegt. Ihre Mitschwestern und andere Ordensfrauen zeichnen ihre Äußerungen auf. Ihre Schmerzen und Prüfungen, die sie geduldig erträgt, nehmen zu, bis sie am Nachmittag des 30. September stirbt. »Ich sterbe nicht, ich gehe ins Leben ein«, hatte sie an einen ihrer geistlichen Brüder, Don Bellière, geschrieben (LT 244). Ihre letzten Worte »Mein Gott, ich liebe dich« sind das Siegel ihres Lebens.

6. Theresia vom Kinde Jesus hat uns Schriften hinterlassen, durch die sie mit Recht den Titel einer Lehrerin des geistlichen Lebens verdient. Ihr Hauptwerk bleibt der Bericht über ihr Leben in den drei autobiographischen Manuskripten (Manuscrits autobiographiques A, B, C,), erstmals veröffentlicht unter dem bald berühmt gewordenen Titel Histoire d’une Âme (Geschichte einer Seele).

Im Manuskript A – auf die Bitte der Schwester Agnes von Jesus, damals Priorin des Klosters, geschrieben und ihr am 21. Januar 1896 übergeben – beschreibt Theresia die Wegstrecken ihrer religiösen Erfahrung: die ersten Jahre der Kindheit, vor allem das Ereignis ihrer ersten Kommunion und das der Firmung und die Jugendzeit bis zum Eintritt in den Karmel und zu ihrer ersten Profeß.

Das Manuskript B, auf die Bitte ihrer Schwester Maria vom göttlichen Herzen verfaßt während der geistlichen Einkehrtage des gleichen Jahres, enthält einige der schönsten, der bekanntesten und der am meist zitierten Seiten der Heiligen von Lisieux. In ihnen offenbart sich die volle Reife der Heiligen, die von ihrer Berufung in der Kirche als Braut Christi und Mutter der Seelen spricht.

Das Manuskript C – wenige Monate vor ihrem Tod im Monat Juni und in den ersten Julitagen 1897 niedergeschrieben, und der Priorin Maria de Gonzaga gewidmet, die sie darum gebeten hatte – vervollständigt die im Manuskript A wiedergegebenen Erinnerungen über das Leben im Karmel. Diese Seiten offenbaren die übernatürliche Weisheit der Verfasserin. Aus diesem letzten Abschnitt ihres Lebens berichtet Theresia einige sehr tiefe Erfahrungen. Bewegende Seiten widmet sie der Prüfung des Glaubens: Es ist die Rede von der Gnade der Läuterung, die sie in eine lange und schmerzvolle dunkle Nacht taucht, die aber erhellt ist durch ihr Vertrauen in die erbarmungsvolle und väterliche Liebe Gottes. Von neuem und ohne sich zu wiederholen läßt Theresia das strahlende Licht des Evangeliums aufleuchten. Wir finden hier die schönsten Seiten, die sie dem vertrauensvollen Sich-den-Händen- Gottes-Überlassen, dem Verbundensein von Gottes- und-Nächstenliebe und ihrer missionarischen Berufung in der Kirche gewidmet hat.

In diesen drei verschiedenen Manuskripten, die in der Thematik und in einer fortschreitenden Beschreibung ihres Lebens und ihres geistlichen Weges übereinstimmen, hat Theresia uns eine echte Autobiographie dargeboten, die die Geschichte ihrer Seele darstellt. Aus ihr geht deutlich hervor, daß Gott durch ihr Leben der Welt eine bestimmte Botschaft gegeben hat. Er hat einen Weg nach dem Evangelium gewiesen, nämlich den »kleinen Weg«, den alle gehen können, da ja alle zur Heiligkeit berufen sind.

In den uns erhaltenen 266 Briefen, die an ihre Angehörigen, an Ordensfrauen und an ihre »Brüder«, die Missionare, gerichtet sind, offenbart Theresia ihre Weisheit und entfaltet eine Unterweisung, die in der Tat eine tiefschürfende Praxis geistlicher Seelenführung darstellt.

Zu ihren Schriften gehören auch 54 Gedichte, darunter einige von großer theologischer und geistlicher Dichte, von der Heiligen Schrift inspiriert. Besonders verdienen erwähnt zu werden: Vivre d’Amour (P 17) und Pourquoi je t’aime, o Marie! (P 54), eine schöne Zusammenfassung des Weges der Jungfrau Maria nach dem Evangelium. Zu diesen Schriften kommen noch 8 »Récréations pieuses«: poetische Texte und Bühnenstücke, von der Heiligen für ihre Klostergemeinschaft erdacht und vorgeführt zu gewissen, in der Tradition des Karmels gebräuchlichen Festen. Unter anderen Schriften ist noch an eine Reihe von 21 Gebeten zu erinnern. Und es darf die Sammlung ihrer Worte, die sie in den letzten Monaten ihres Lebens gesprochen hat, nicht vergessen werden. Sie sind in verschiedenen Versionen erhalten, bekannt als Novissima verba (Letzte Worte) und unter dem Titel Derniers Entretiens (Letzte Gespräche).

7. Aus der genauen Untersuchung der Schriften der hl. Theresia vom Kinde Jesus und aus dem Echo, das sie in der Kirche fanden, lassen sich die besonders herausragenden Aspekte der »hervorragenden Lehre« entnehmen, d.h. des grundlegenden Elementes, auf das sich die Verleihung des Titels »Kirchenlehrerin« stützt.

Es ist vor allem ein besonderes Charisma der Weisheit festzustellen. Diese junge Karmelitin ohne besondere theologische Vorbildung, aber vom Licht des Evangeliums erleuchtet, sieht sich vom göttlichen Meister belehrt, der, wie sie sagt, »der Lehrmeister der Lehrmeister« (Doctor doctorum) ist (vgl. Ms A 83 v), von dem sie die »göttlichen Unterweisungen« (Ms B 1r) empfängt. Sie erkennt, daß sich in ihr die Worte der Schrift verwirklicht haben: »Wenn jemand klein ist, so komme er zu mir…; den Geringen wird Barmherzigkeit erwiesen« (Ms B 1v; vgl. Spr 9,4; Weish 6, 6), und sie weiß, daß sie zur Weisheit der Liebe angeleitet wurde, die den Weisen und Klugen verborgen ist, die aber der göttliche Meister geruhte, ihr, wie allen Kleinen, zu erschließen (Ms A49r; vgl. Lk 10,21–22).

Papst Pius XI., der Theresia von Lisieux als »Stern seines Pontifikats« betrachtete, zögerte nicht, in der Predigt am Tag ihrer Heiligsprechung, dem 17. Mai 1925, zu behaupten: »…der Geist der Wahrheit enthüllte ihr und lehrte sie, was er gewöhnlich den Weisen und Klugen verbirgt und den Unmündigen offenbart (Mt 11,25). Tatsächlich erwarb sie – nach dem Zeugnis Unseres unmittelbaren Vorgängers – eine solche Einsicht in die übernatürlichen Dinge, daß sie den andern einen sicheren Weg des Heiles vorzeichnen konnte» (AAS 17 [1925] S. 213; zitiert in O.R. dt. 43, 24.10.97, S. 12).

Ihre Lehre stimmt nicht nur mit der Heiligen Schrift und mit dem katholischen Glauben überein, sondern sie ragt hervor (eminet) durch ihre Tiefe und die in ihr zustande gekommene Synthese der Weisheit. Ihre Lehre ist zur gleichen Zeit ein Bekenntnis des Glaubens der Kirche, ein Erleben des christlichen Mysteriums und ein Weg zur Heiligkeit. Theresia bietet eine reife Synthese der christlichen Spiritualität; sie verbindet die Theologie und das geistliche Leben, ihr Ausdruck ist kraftvoll und sicher, voll großer Überzeugungs- und Kommunikationsfähigkeit, wie die Aufnahme und Verbreitung ihrer Botschaft im Gottesvolk zeigt.

Die Lehre Theresias drückt die Dogmen des christlichen Glaubens konsequent aus und vereint sie harmonisch als Lehre der Wahrheit und Lebenserfahrung. Diesbezüglich darf nicht vergessen werden, daß, wie das II. Vatikanische Konzil lehrt, das Verständnis für den von den Aposteln überkommenen Glaubensschatz in der Kirche unter dem Beistand des Heiligen Geistes voranschreitet: »…es wächst das Verständnis der überlieferten Dinge und Worte durch das Nachsinnen und Studium der Gläubigen, die sie in ihrem Herzen erwägen (vgl. Lk 2,19 u. 51), durch innere Einsicht, die aus geistlicher Erfahrung stammt, durch die Verkündigung derer, die mit der Nachfolge im Bischofsamt das sichere Charisma der Wahrheit empfangen haben« (Dei Verbum, 8).

In den Schriften Theresias von Lisieux finden wir vielleicht nicht, wie bei anderen Kirchenlehrern, eine wissenschaftlich ausgearbeitete Darstellung der göttlichen Dinge, aber wir können ihnen ein erleuchtetes Zeugnis des Glaubens entnehmen, das, während es mit vertrauender Liebe die achtungsvolle Barmherzigkeit Gottes und das Heil in Christus aufnimmt, das Geheimnis und die Heiligkeit der Kirche offenbart.

Mit Recht also kann man in der Heiligen von Lisieux das Charisma des Kirchenlehrers erkennen, sowohl wegen der Gabe des Heiligen Geistes, die sie empfangen hat, um ihre Glaubenserfahrung zu leben und zum Ausdruck zu bringen, als auch wegen des besonderen Verstehens des Geheimnisses Christi. In ihr konzentrieren sich die Gaben des neuen Gesetzes, das heißt die Gnade des Heiligen Geistes, der sich offenbart im lebendigen Glauben, der durch die Liebe wirksam ist (vgl. hl. Thomas v. Aquin, Summa Theol. I–II, q. 106, art. 1; q. 108, art. 1).

Wir können auf Theresia von Lisieux anwenden, was mein Vorgänger Paul VI. von einer anderen jungen Heiligen, der Kirchenlehrerin Katharina von Siena, sagte: »Was uns bei dieser Heiligen am meisten erschüttert, ist die eingegossene Weisheit, d.h. die klare, tiefe und begeisterte Aufnahme der göttlichen Wahrheiten und der Geheimnisse des Glaubens […]: ein Aufnehmen, das sicherlich von einzigartigen natürlichen Gaben begünstigt, aber offensichtlich wunderbar einem Charisma der Weisheit des Heiligen Geistes zu verdanken war« (AAS 62 [1970] S. 675).

8. Mit ihrer einzigartigen Lehre und ihrem unverkennbaren Stil erscheint Theresia als echte Lehrmeisterin des Glaubens und des christlichen Lebens. Durch ihre Schriften strömt belebend, wie durch die Aussagen der Heiligen Väter, die katholische Tradition, deren Reichtümer sich, wie wiederum das II. Vatikanische Konzil bestätigt, »in Tun und Leben der glaubenden und betenden Kirche ergießen« (Dei Verbum, 8).

Wenn die Lehre Theresias von Lisieux in ihrer literarischen Gattung und ihrer Erziehung und Kultur sowie den besonderen Verhältnissen ihrer Zeit entsprechend aufgenommen wird, erscheint sie in einer providentiellen Einheit mit der ureigensten Tradition der Kirche, sowohl hinsichtlich des Bekenntnisses des katholischen Glaubens als auch der Förderung des durchaus echten geistlichen Lebens, das allen Gläubigen in einer lebendigen und zugänglichen Sprache vorgelegt wird.

Sie hat in unserer Zeit die Schönheit des Evangeliums aufleuchten lassen; sie hatte die Sendung, die Kirche, den mystischen Leib Christi, kennen und lieben zu lehren, und hat dazu beigetragen, die Seelen von den Härten und Ängsten der jansenistischen Lehre zu heilen, die mehr dazu neigte, die Gerechtigkeit Gottes als sein göttliches Erbarmen zu betonen. In der Barmherzigkeit Gottes hat Theresia alle göttlichen Vollkommenheiten betrachtet und angebetet, denn »selbst die Gerechtigkeit Gottes scheint mir (mehr vielleicht als jede andere Vollkommenheit) in Liebe gekleidet zu sein« (Ms A 83 v). So ist sie zu einem lebendigen Abbild jenes Gottes geworden, der, wie die Kirche es im Tagesgebet am 26. Sonntag im Jahreskreis formuliert, »omnipotentiam suam parcendo maxime et miserendo manifestat« (seine Macht vor allem im Erbarmen und im Verschonen offenbart) (vgl. Missale Romanum).

Wenn Theresia auch keine ganze und eigentliche Sammlung von Lehren vorzulegen hat, so leuchten doch aus ihren Schriften außergewöhnliche Lichtblitze der Lehre auf, die, gleichsam durch die Gnade des Heiligen Geistes, die Offenbarung in ihrem innersten Mark in einzigartiger und neuer Sicht erfassen und die Unterweisung auf hervorragende Art darbieten.

Der Kern ihrer Botschaft ist das Geheimnis Gottes selbst, der die Liebe ist, des dreieinigen, in sich unendlich vollkommenen Gottes. Wenn die echte, christliche, geistliche Erfahrung im Einklang sein muß mit den offenbarten Wahrheiten, in denen Gott sich selbst und das Geheimnis seines Willens mitteilt (vgl. Dei Verbum, 2), dann muß man bestätigen, daß Theresia die göttliche Offenbarung fortschreitend erfahren hat bis hin zur Kontemplation der erhabensten Wahrheiten unseres Glaubens und deren Fülle im Geheimnis des dreifaltigen Lebens. Den Gipfelpunkt bildet als Quelle und Ziel die erbarmende Liebe der drei göttlichen Personen, wie die Heilige es hauptsächlich in ihrem »Akt der Weihe an die barmherzige Liebe« zum Ausdruck bringt. An der Basis steht, auf seiten des Menschen, die Erfahrung, in Jesus Adoptivkind des Vaters zu sein. Darin liegt die eigentliche Bedeutung der geistlichen Kindschaft: in der vom Heiligen Geist bewirkten Erfahrung, Kind Gottes zu sein. Ferner befindet sich an der Basis, uns gegenüber, der Nächste, alle anderen, an deren Heil wir mitarbeiten müssen mit und in Jesus, mit dieser seiner barmherzigen Liebe.

Durch diese geistliche Kindschaft macht man die Erfahrung, daß alles von Gott kommt, zu Ihm zurückkehrt und in Ihm bleibt, zum Heil aller Menschen, im Geheimnis der barmherzigen Liebe. Das ist die Botschaft der Lehre, die die Heilige hinterließ und die sie selbst gelebt hat.

Wie zu allen Zeiten bei den Heiligen der Kirche, so war auch in Theresias geistlicher Erfahrung Christus die Mitte und die Fülle der Offenbarung. Theresia hat Jesus gekannt, sie hat ihn mit der Leidenschaft einer Braut geliebt und sich dafür eingesetzt, daß auch andere ihn liebten. Sie ist in die Geheimnisse seiner Kindheit eingedrungen und in die Worte seines Evangeliums, in die Passion des leidenden Gottesknechtes, die sie in die Züge seines heiligen Antlitzes eingeprägt fand, in den Glanz seines Lebens in der Herrlichkeit und in seine eucharistische Gegenwart. Sie hat die Liebe Christi besungen, wie sie das Evangelium in vielfacher Weise darstellt (vgl. Gedichte, 24, »Jésus, mon Bien-Âimé, rappelle-toi!«).

Theresia hat in besonderer Weise Licht empfangen über die Wirklichkeit des mystischen Leibes Christi, über die Vielfalt seiner Charismen, über die Gaben des Heiligen Geistes und die überragende Kraft der Liebe, die gleichsam das Herz der Kirche ist, wo sie ihre Berufung als Kontemplative und Missionarin entdeckte (vgl. Ms B 2r–3v).

Schließlich muß unter den besonders ihr ureigenen Kapiteln ihrer geistlichen Wissenschaft noch die weise Untersuchung erwähnt werden, die Theresia über das Geheimnis und den Weg der Jungfrau Maria unternahm, wobei sie zu Ergebnissen kam, die der Lehre des II. Vatikanischen Konzils im 8. Kapitel der Konstitution Lumen Gentium und dem, was ich selbst in meiner Enzyklika Redemptoris Mater vom 25. März 1987 schrieb, sehr nahe stehen.

9. Die Hauptquelle ihrer geistlichen Erfahrung und ihrer Lehre ist das Wort Gottes im Alten und Neuen Testament. Das bekennt sie selbst und hebt dabei besonders ihre leidenschaftliche Liebe zum Evangelium hervor (vgl. Ms A 83v). In ihren Schriften zählt man mehr als tausend Bibelzitate, über vierhundert aus dem Alten und über sechshundert aus dem Neuen Testament.

Obgleich sie nur unzulänglich vorbereitet war und keine geeigneten Hilfsmittel für das Studium und die Auslegung der heiligen Bücher zur Hand hatte, widmete Theresia sich voll Glauben und einzigartigem Eifer der Betrachtung des Wortes Gottes. Unter dem Einfluß des Heiligen Geistes gewann sie zu ihrem eigenen und anderer Nutzen eine tiefschürfende Kenntnis der Offenbarung. Durch die Liebe, mit der sie sich in die Heilige Schrift versenkte – gern hätte sie sich Kenntnisse in Hebräisch und Griechisch angeeignet, um Geist und Buchstaben der heiligen Bücher besser zu erfassen –, hat sie erkennen lassen, wie wichtig die biblischen Quellen für das geistliche Leben sind. Sie hat die Ursprünglichkeit und Frische des Evangeliums bekanntgemacht und eine kluge geistliche Auslegung des Gotteswortes im Alten und Neuen Testament gepflegt. So entdeckte sie verborgene Schätze und machte sich Worte und Episoden zu eigen, manchmal nicht ohne übernatürliche Kühnheit, so, wenn sie z.B. beim Lesen der Schriften des hl. Paulus (vgl. 1 Kor 12–13) ihre Berufung zur Liebe daraus entnahm (vgl. Ms B 3r–3v). Erleuchtet durch das Wort der Offenbarung hat Theresia geniale Seiten über die Einheit von Gottes- und Nächstenliebe geschrieben (vgl. Ms C 11v–19r) und sich hineinversetzt in das Gebet Jesu beim Letzten Abendmahl als Ausdruck seiner Bitte um das Heil aller (vgl. Ms C 34r–35r).

Ihre Lehre stimmt, wie ich bereits sagte, mit der Lehre der Kirche überein. Von Kindheit an wurde sie von ihrer Familie zum Gebet und zur Teilnahme an der kirchlichen Liturgie erzogen. Bei der Vorbereitung auf ihre erste Beichte, auf die Erstkommunion und auf das Sakrament der Firmung zeigte sie eine außerordentliche Liebe zu den Glaubenswahrheiten und lernte den Katechismus fast Wort für Wort auswendig (vgl. Ms A 37r–37v). Am Ende ihres Lebens schrieb sie mit ihrem eigenen Blut das Apostolische Glaubensbekenntnis als Ausdruck ihrer vorbehaltlosen Treue zum Glauben nieder.

Außer den Worten der Schrift und der Lehre der Kirche waren Theresias geistliche Nahrung von Jugend an auch die Unterweisungen der Nachfolge Christi, die sie, wie sie selbst sagt, fast auswendig kannte (vgl. Ms A 47r). Entscheidend für die Verwirklichung ihrer Berufung als Karmelitin waren die geistlichen Schriften der Gründerin, Mutter Theresia von Jesus, besonders jene, die die kontemplative und kirchliche Bedeutung des Charismas des theresianischen Karmels darlegten (vgl. Ms C 33v). Doch in ganz besonderer Weise zog Theresia ihre geistliche Nahrung aus der mystischen Lehre des hl. Johannes vom Kreuz, der ihr wahrer geistlicher Lehrer war (vgl. Ms A 83r). Es ist also nicht zu verwundern, daß auch sie, eine ausgezeichnete Schülerin in der Schule dieser beiden Heiligen, die später zu Kirchenlehrern erklärt wurden, schließlich eine Lehrerin des geistlichen Lebens wurde.

10. Die geistliche Lehre Theresias von Lisieux hat zur Ausbreitung des Reiches Gottes beigetragen. Mit ihrem Beispiel der Heiligkeit, der vollkommenen Treue zur Mutter Kirche, der vollen Gemeinschaft mit dem Stuhl Petri wie auch mit den besonderen Gnaden, die sie für viele Missionare und Missionarinnen erlangte, hat sie einen außerordentlichen Dienst für die erneuerte Verkündigung und Praxis des Evangeliums Christi und für die Ausbreitung des katholischen Glaubens unter allen Völkern der Erde geleistet.

Es ist nicht notwendig, daß wir uns weiter verbreiten über die Universalität der theresianischen Lehre und über die umfassende Aufnahme ihrer Botschaft während des Jahrhunderts, das seit ihrem Tod vergangen ist: Diese Dinge wurden gut dokumentiert in den Studien, die der Verleihung des Titels »Kirchenlehrerin« an die Heilige vorausgingen.

In dieser Hinsicht ist die Tatsache von besonderer Bedeutung, daß das Lehramt der Kirche nicht nur die Heiligkeit Theresias anerkannt, sondern auch ihre Weisheit und ihre Lehre klar herausgehoben hat. Schon Pius X. sagte von ihr, daß sie »die größte Heilige der modernen Zeit« war. Als er mit Freude die erste italienische Ausgabe der »Geschichte einer Seele« in Empfang nahm, lobte er die Früchte, die sich aus der theresianischen Spiritualität entnehmen ließen. Benedikt XV. erläuterte bei der Verkündigung des heroischen Tugendgrades der Dienerin Gottes den Weg der geistlichen Kindschaft und pries die Wissenschaft von den göttlichen Wahrheiten, die Gott Theresia verliehen hatte, um andere die Wege des Heils zu lehren (vgl. AAS 13 [1921] 449–452). Pius XI. legte sowohl bei der Selig- wie bei der Heiligsprechung die Lehre der Heiligen dar und empfahl sie, wobei er die besondere göttliche Erleuchtung unterstrich (Discorsi di Pio XI, Bd.I, Turin 1959, S. 91). Er nannte Theresia Lehrmeisterin des Lebens (vgl. AAS 17 [1925] SS. 211–214). Pius XII. sagte bei der Weihe der Basilika von Lisieux 1954 unter anderem, Theresia sei mit ihrer Lehre bis in das Herz des Evangeliums eingedrungen (vgl. AAS 46 [1954] SS. 404–408). Kardinal Angelo Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII., besuchte einige Male Lisieux, vor allem als er Nuntius in Paris war. Während seines Pontifikats ließ er bei verschiedenen Gelegenheiten seine Verehrung für die Heilige erkennen und erläuterte die Beziehungen zwischen der Lehre der Heiligen von Avila und derjenigen ihrer Tochter, Theresia von Lisieux (Discorsi, Messaggi, Colloqui, Bd. 2 [1959–1960] SS. 771–772). Während des II. Vatikanischen Konzils kamen die Väter mehrmals auf ihr Beispiel und ihre Lehre zu sprechen. Bei der Jahrhundertfeier ihrer Geburt richtete Paul VI. am 2. Januar 1973 einen Brief an den Bischof von Bayeux und Lisieux, worin er das Beispiel Theresias in ihrer Gottsuche pries und sie als Meisterin des Gebetes und der theologischen Tugend der Hoffnung und als Vorbild der Verbundenheit mit der Kirche vorstellte; den Lehrern, Erziehern, Priestern und auch den Theologen empfahl er das Studium ihrer Lehre (vgl. AAS 65 [1973] SS. 12–15). Ich selbst hatte bei verschiedenen Gelegenheiten die Freude, Bezug zu nehmen auf die Gestalt und die Lehre der Heiligen anläßlich meines unvergeßlichen Besuchs in Lisieux am 2. Juni 1980, als ich allen in Erinnerung rief: »Von Theresia von Lisieux kann man mit Überzeugung sagen, daß der Geist Gottes ihrem Herzen möglich gemacht hat, den Menschen unserer Zeit das grundlegende Geheimnis, die Wirklichkeit des Evangeliums direkt zu offenbaren: … Der kleine Weg ist der Weg der heiligen Kindheit. Auf diesem Weg gibt es etwas Einzigartiges, den Genius der hl. Theresia von Lisieux. Gleichzeitig sehen wir eine sehr grundlegende und allgemein gültige Wahrheit bekräftigt und neu herausgestellt. Welche Wahrheit aus der Botschaft des Evangeliums ist denn wohl grundlegender und allgemeiner gültig als jene: Gott ist unser Vater, und wir sind seine Kinder?« (Insegnamenti di Giovanni Paolo II, Bd. III/1 [1980] S. 1659; s. O.R.dt., 25, 20.6.1980, S. 12).

Diese einfachen Hinweise auf eine ununterbrochene Reihe von Zeugnissen der Päpste dieses Jahrhunderts über die Heiligkeit und die Lehre der hl. Theresia vom Kinde Jesus und auf die universale Ausbreitung ihrer Botschaft bringen klar zum Ausdruck, wie sehr die Kirche in ihren Hirten und ihren Gläubigen die geistliche Lehre dieser jungen Heiligen aufgenommen hat.

Zeichen für die Aufnahme der Unterweisung der Heiligen seitens der Kirche ist auch der Rückgriff auf ihre Lehre in vielen Dokumenten des ordentlichen Lehramts der Kirche, vor allem wenn von der kontemplativen und missionarischen Berufung, von Vertrauen auf den gerechten und barmherzigen Gott, von der christlichen Freude und von der Berufung zur Heiligkeit die Rede ist. Auch im Katechismus der Katholischen Kirche ist ihre Lehre zu finden (Nrn. 127, 826, 956, 1011, 2011, 2558). Sie, die aus dem Katechismus so gern die Wahrheiten des Glaubens lernte, hat es verdient, unter die maßgeblichen Zeugen der katholischen Lehre gezählt zu werden.

Theresia besitzt eine einzigartige Universalität. Ihre Person, ihre evangelische Botschaft vom »kleinen Weg« des Vertrauens und der geistlichen Kindschaft haben eine überraschende, alle Grenzen überschreitende Aufnahme gefunden und finden sie auch weiterhin.

Der Einfluß ihrer Botschaft umfaßt vor allem Männer und Frauen, deren Heiligkeit oder heroischen Tugendgrad die Kirche selbst anerkannt hat, Hirten der Kirche, solche, die sich der Theologie widmen und die Spiritualität pflegen, Priester und Seminaristen, Ordensmänner und Ordensfrauen, kirchliche Bewegungen und neue Gemeinschaften, Männer und Frauen jeder Herkunft und von allen Kontinenten. Allen gibt Theresia ihre persönliche Bestätigung, daß das christliche Mysterium, für das sie Zeugin und Apostolin geworden ist – da sie sich, wie sie kühn sagt, im Gebet zur »Apostolin der Apostel« (Ms A 56r) gemacht hat –, wörtlich genommen werden muß mit möglich großem Realismus, da es zeitlich wie räumlich von universaler Bedeutung ist. Die Kraft ihrer Botschaft liegt darin, daß sie konkret zeigt, wie alle Verheißungen Jesu sich erfüllen in dem Gläubigen, der die rettende Gegenwart des Erlösers mit Vertrauen in sein Leben aufzunehmen weiß.

11. Alle diese Erwägungen bezeugen sehr klar die Aktualität der Lehre der Heiligen von Lisieux und die starke Auswirkung ihrer Lehre auf die Männer und Frauen unseres Jahrhunderts. Dazu kommen verschiedene Umstände, aus denen ihre Bestimmung zur Lehrerin der Kirche unserer Zeit noch deutlicher hervorgeht.

Vor allem ist Theresia eine Frau, die, wenn sie sich mit dem Evangelium befaßte, ihm seine verborgenen Reichtümer zu entnehmen verstand, so konkret und mit so tiefer Resonanz im Leben und Denken, wie es dem weiblichen Genius im allgemeinen eigen ist. Aus der Schar der heiligen Frauen, in denen die Weisheit des Evangeliums hell aufleuchtet, ragt Theresia wegen ihrer Universalität hervor.

Ferner ist sie eine kontemplative Frau. In der Verborgenheit ihres Karmels lebte sie so das große Abenteuer christlicher Erfahrung, daß sie die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe der Liebe Christi kennenlernte (vgl. Eph 3,18–19). Gott hat nicht gewollt, daß ihre Geheimnisse verborgen blieben, darum würdigte er Theresia, das Geheimnis des Königs zu offenbaren (vgl. Ms C 2v). Durch ihr Leben bietet Theresia ein Zeugnis und eine theologische Erläuterung der Schönheit des kontemplativen Lebens als Ganzhingabe an Christus, den Bräutigam der Kirche, und als lebendige Bestätigung des Primates Gottes in allem. Ihr verborgenes Leben hat eine geheimnisvolle Fruchtbarkeit für die Ausbreitung des Glaubens und erfüllt die Kirche und die Welt mit dem Wohlgeruch Christi (vgl. Briefe 169, 2v).

Theresia von Lisieux ist eine Jugendliche. Sie ist in ihrer blühenden Jugend zur Reife der Heiligkeit gelangt (vgl. Ms C 4r). Sie stellt sich daher als eine Lehrerin des Lebens nach dem Evangelium dar, die überaus geeignet ist, die Wege der Jugendlichen zu erleuchten, deren Aufgabe es sein wird, unter den kommenden Generationen das Evangelium zu leben und zu bezeugen.

Theresia vom Kinde Jesus ist nicht nur ihrem Alter nach die jüngste Kirchenlehrerin, sondern sie steht uns auch zeitlich am nächsten und unterstreicht damit sozusagen die Kontinuität, mit der der Geist des Herrn der Kirche seine Boten, Männer und Frauen, als Lehrer und Zeugen des Glaubens sendet. Denn bei all ihrer Verschiedenartigkeit, die sich im Lauf der Geschichte feststellen läßt, und bei deren mannigfaltigen Auswirkungen im Leben und Denken der Menschen in den einzelnen Epochen dürfen wir nicht das fortlaufende Band unbeachtet lassen, das die Kirchenlehrer miteinander verbindet: In jedem geschichtlichen Kontext bleiben sie Zeugen jenes Evangeliums, das niemals verändert wird, und mit dem Licht und der Kraft, die ihnen der Heilige Geist gewährt, werden sie seine Boten und verkünden den Menschen ihrer Zeit dieses Evangelium in seiner ganzen Reinheit. Theresia ist Lehrmeisterin für unsere Zeit, die nach lebendigen und wesentlichen Worten, nach heroischen und glaubhaften Zeugnissen dürstet. Darum ist sie auch von Brüdern und Schwestern anderer christlicher Gemeinschaften geliebt und angenommen.

12. In diesem Jahr, in dem die Hundertjahrfeier des glorreichen Todes Theresias vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz begangen wird, während wir uns weiter auf das Große Jubiläum des Jahres 2000 vorbereiten und nachdem ich zahlreiche und maßgebliche Bitten, vor allem von vielen Bischofskonferenzen der ganzen Welt, erhalten hatte sowie das offizielle Gesuch, den Supplex Libellus, datiert vom 8. März 1997, vom Bischof von Bayeux und Lisieux, dann auch die Gesuche des Generalobern des Ordens der Unbeschuhten Karmeliten der Heiligen Jungfrau Maria vom Berge Karmel und des Generalpostulators dieses Ordens, beschloß ich, der für diesen Bereich zuständigen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse »praehabito voto Congregationis pro Doctrina Fidei ad eminentem doctrinam quod attinet« (Pastor bonus, 73) die gebührende Untersuchung zu übergeben für den Prozeß zur Verleihung des Titels einer Kirchenlehrerin an diese Heilige.

Nachdem die notwendige Dokumentation erbracht war, haben die oben erwähnten beiden Kongregationen die Frage in ihren jeweiligen Beratungen behandelt: in der »Consulta« der Kongregation für die Glaubenslehre am 5. Mai 1997 das, was die »hervorragende Lehre« (eminens doctrina) betrifft, und in der »Consulta« der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse am 29. Mai des gleichen Jahres zur Prüfung der entsprechenden »Positio«. Am darauffolgenden 17. Juni kamen die diesen Kongregationen als Mitglieder angehörenden Kardinäle und Bischöfe, einem von mir für diese Gelegenheit approbierten Verfahren entsprechend, zu einer interdikasterialen Vollversammlung zusammen und diskutierten die Angelegenheit. Einmütig brachten sie ihre Zustimmung zur Verleihung des Titels »Ecclesiae universalis doctor« an die hl. Theresia vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz zum Ausdruck. Dieses Gutachten wurde mir von Kardinal Joseph Ratzinger, Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, und vom Pro-Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Msgr. Alberto Bovone, Titular-Erzbischof von Cäsarea in Numidien, persönlich mitgeteilt.

In Anbetracht dessen habe ich am vergangenen 24. August beim Angelusgebet in Gegenwart Hunderter von Bischöfen und vor einer endlosen Menge von Jugendlichen aus aller Welt, die zum 12. Weltjugendtag in Paris versammelt waren, persönlich die Absicht kundtun wollen, Theresia vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz in Rom anläßlich des Weltmissionstages zur Kirchenlehrerin zu proklamieren.

Heute, am 19. Oktober 1997, habe ich vor einer den Petersplatz dicht füllenden Menge von Gläubigen aus aller Welt in Gegenwart zahlreicher Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe in der festlichen Eucharistiefeier Theresia vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz mit folgenden Worten zur Kirchenlehrerin proklamiert:

»Den Wünschen einer großen Zahl meiner Brüder im Bischofsamt und zahlreicher Gläubigen aus aller Welt entgegenkommend, nach Anhören des Gutachtens der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse und nach Erhalt des Votums der Kongregation für die Glaubenslehre hinsichtlich der »hervorragenden Lehre« erklären wir aus sicherer Kenntnis und nach reiflicher Überlegung kraft der vollen apostolischen Autorität die hl. Jungfrau Theresia vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz zur Kirchenlehrerin. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.«

Nachdem dies in gebührender Weise vollzogen ist, bestimmen wir, daß dieses Apostolische Schreiben ehrfürchtig aufbewahrt werde und jetzt und in Zukunft voll wirksam sei. Außerdem wird entschieden und festgelegt, daß es vergeblich und zwecklos ist, hieran bewußt oder unbewußt etwas zu ändern, gleich von welcher Seite es ausgehen mag und mit welcher Autorität auch immer.

Gegeben in Rom bei Sankt Peter unter dem Fischerring am 19. Tag des Monats Oktober im Jahre 1997, dem zwanzigsten des Pontifikats.

IOANNES PAULUS PP. II

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Quelle

Nochmals: die Predigt von Johannes Paul II. auf dem Siegesplatz in Warschau, 2. Juni 1979 

Liebe Landsleute,
Brüder und Schwestern,
Teilnehmer am eucharistischen Opfer,
das wir heute hier in Warschau auf dem Siegesplatz feiern!

1. Zusammen mit euch möchte ich ein Lied zum Dank an die göttliche Vorsehung anstimmen, die es mir erlaubt, als Pilger heute an dieser Stätte zu stehen.

Der verstorbene Papst Paul VI., der erste Pilger-Papst nach vielen Jahrhunderten, hatte gewünscht — wir wissen, wie groß sein Wunsch war —, seinen Fuß auf polnischen Boden zu setzen, vor allem auf die Jasna Góra. Bis zum Ende seines Lebens hat er diesen Wunsch im Herzen getragen und ihn mit ins Grab genommen. Doch dieser Wunsch war so mächtig, war so tief begründet, daß er die Spanne eines Pontifikates überstieg und — auf eine menschlich schwer vorhersehbare Weise — heute Wirklichkeit wird. Wir danken daher der göttlichen Vorsehung, daß sie Papst Paul VI. ein so starkes Verlangen gab. Wir danken für den neuen Stil eines Pilger-Papstes, wozu er im Zusammenhang mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil den Anstoß gab. Wenn nämlich die ganze Kirche sich erneut bewußt geworden ist, Volk Gottes zu sein, ein Volk, das an der Sendung Christi teilhat, ein Volk, das mit dieser Sendung durch die Geschichte zieht, das pilgert, dann kann der Papst nicht länger »Gefangener des Vatikans« bleiben. Er mußte erneut zum pilgernden Petrus werden, wie jener erste Petrus, der von Jerusalem über Antiochia nach Rom gelangte, um dort für Christus Zeugnis zu geben und dieses mit seinem Blut zu besiegeln.

Mir ist es heute, geliebte Söhne und Töchter meines Vaterlandes, vergönnt, diesen Wunsch des verstorbenen Papstes Paul VI. in eurer Mitte zu erfüllen. Als ich nämlich — durch den unerforschlichen Ratschluß göttlicher Vorsehung — nach dem Tode  Pauls VI.  und nach dem kurzen, nur einige Wochen währenden Pontifikat meines direkten Vorgängers Johannes Paul I. mit den Stimmen der Kardinäle von der Kathedra des hl. Stanislaus in Krakau auf die des hl. Petrus in Rom berufen wurde, habe ich sogleich verstanden, daß es meine besondere Aufgabe ist, jenen Wunsch zu erfüllen, dem Paul VI. zur Tausendjahrfeier der Taufe Polens nicht nachkommen konnte.

Ist meine Pilgerfahrt ins Vaterland in dem Jahr, da die Kirche in Polen den 900. Jahrestag des Todes des hl. Stanislaus feiert, nicht zugleich ein besonderes Zeichen für unser polnisches Pilgern durch die Geschichte der Kirche — nicht nur auf den Pfaden unseres Vaterlandes, sondern auch auf denen Europas und der Welt? Ich lasse hier meine Person beiseite, muß mir aber dennoch zusammen mit euch allen die Frage nach den Gründen stellen, warum gerade im Jahr 1978 (nach so vielen Jahrhunderten einer in diesem Bereich festgefügten Tradition) auf den Bischofssitz des hl. Petrus ein Sohn polnischer Nation, polnischer Erde, berufen wurde. Von Petrus und den übrigen Aposteln forderte Christus, sie müßten seine »Zeugen sein in Jerusalem, in ganz Judäa und Samaria und bis an die Grenzen der Erde« (Apg 1,8). Haben wir mit Bezug auf diese Worte Christi nicht das Recht, zu folgern, daß Polen in unserer Zeit das Land eines besonders verantwortungsvollen Zeugnisses wurde?

Daß gerade von hier — von Warschau, aber auch von Gnesen, von der Jasna Góra, von Krakau, von diesem ganzen geschichtlichen Pfad aus, den ich schon so oft in meinem Leben gegangen bin und in diesen Tagen erneut gehen darf — mit besonderer Demut, doch auch mit Überzeugung Christus verkündet werden muß? Daß man gerade hier, in diesem Land, auf diesem Pfad stehen muß, um das Zeugnis seines Kreuzes und seiner Auferstehung neu zu entziffern? Wenn wir nun all das, was ich in diesem Augenblick zu sagen wage, annehmen — welch große Aufgaben und Verpflichtungen ergeben sich daraus! Sind wir ihnen wirklich gewachsen?

2. Es ist mir heute, auf der ersten Etappe meiner päpstlichen Pilgerfahrt nach Polen, vergönnt, das eucharistische Opfer hier in Warschau, hier auf dem Siegesplatz, zu feiern. Die Liturgie des Samstagabends, der Vigil vor Pfingsten, versetzt uns in den Abendmahlssaal von Jerusalem, in dem die Apostel — um Maria, die Mutter Christi, versammelt — tags darauf den Heiligen Geist empfangen werden. Sie empfangen den Geist, den ihnen Christus durch das Kreuz erworben hat, damit sie in der Kraft dieses Geistes seinen Auftrag erfüllen können. »Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe« (Mt 28,19–20). Mit diesen Worten hat Christus, der Herr, ehe er die Welt verließ, den Aposteln seinen letzten Auftrag, seinen »Missionsbefehl«, hinterlassen. Und er fügte hinzu: Und ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung der Welt« (Mt 28,20).

Es trifft sich gut, daß meine Pilgerfahrt nach Polen zur 900-Jahrfeier des Martyriums des hl. Stanislaus in die Pfingstwoche fällt und das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit umfaßt. So kann ich posthum den Wunsch Pauls VI. erfüllen und noch einmal das erste Jahrtausend der Taufe Polens auf polnischem Boden erleben, kann das diesjährige Jubiläum des hl. Stanislaus in das Jahrtausend einschreiben, mit dem die Geschichte der Nation und der Kirche ihren Anfang nahm. Gerade die Feier des Pfingstfestes und der Heiligsten Dreifaltigkeit bringt uns an diesen Anfang heran. In den Aposteln, die am Pfingsttag den Heiligen Geist empfangen, sind gleichsam bereits alle ihre Nachfolger, alle Bischöfe, geistig gegenwärtig, auch jene, denen es seit 1000 Jahren zukam, das Evangelium auf polnischem Boden zu verkünden. Auch Stanislaus von Szczepanów, der vor 900 Jahren auf dem Krakauer Bischofsstuhl seine Sendung mit Blut bezahlt hat.

In diesen Aposteln und um sie sind am Pfingsttag nicht nur die Vertreter jener Völker und Sprachen versammelt, welche die Apostelgeschichte erwähnt. Schon damals waren sie von all den verschiedenen Völkern und Nationen umgeben, die durch das Licht des Evangeliums und durch die Kraft des Heiligen Geistes in den verschiedenen Epochen und Jahrhunderten zur Kirche gelangen sollten. Pfingsten ist der Geburtstag des Glaubens und der Kirche auch für unser polnisches Land. Er ist der Beginn der Verkündigung der Großtaten Gottes auch in unserer polnischen Sprache. Er ist der Beginn des Christentums auch im Leben unserer Nation: in ihrer Geschichte, ihrer Kultur, in ihren Prüfungen.

3. Die Kirche hat Polen Christus gebracht, das heißt den Schlüssel zum Verständnis jener großen und grundlegenden Wirklichkeit, die der Mensch ist. Man kann nämlich den Menschen letztlich nicht ohne Christus begreifen. Oder besser: der Mensch kann sich selbst nicht im letzten ohne Christus verstehen. Er kann weder begreifen, wer er ist, noch worin seine wahre Würde besteht, noch welches seine Berufung und was seine endgültige Bestimmung ist. Ohne Christus bleibt ihm das alles unverständlich.

Daher kann man Christus nirgendwo auf Erden aus der Geschichte des Menschen ausschließen, gleich, um welchen Längen- oder Breitengrad es sich handelt. Der Ausschluß Christi aus der Geschichte des Menschen ist ein gegen den Menschen selbst gerichteter Akt. Ohne Christus kann man auch nicht die Geschichte Polens begreifen, zumal nicht als die Geschichte der Menschen, die über dieses Land gingen und gehen. Eine Geschichte von Menschen!

Die Geschichte einer Nation ist vor allem die Geschichte ihrer Menschen. Und die Geschichte eines jeden Menschen vollzieht sich in Christus. In ihm wird sie zur Heilsgeschichte. Die Geschichte eines Volkes verdient eine entsprechende Würdigung nach dem Beitrag, den es für die Entwicklung des Menschen und der Menschlichkeit, für sein Bewußtsein sein Herz und sein Gewissen einbrachte. Das ist die tiefste Quelle der Kultur. Das ist ihr stärkster Halt, ihr Mark und ihre Kraft. Und wiederum kann man ohne Christus den Beitrag der polnischen Nation zur Entwicklung des Menschen und der Menschlichkeit nicht verstehen und werten — nicht für die Vergangenheit und nicht für die Gegenwart. »Diese alte Eiche ist so gewachsen, und kein Sturm hat sie entwurzeln können, denn ihre Wurzel ist Christus« (Piotr Skarga, Kazania Sejmowe IV, Biblioteka Narodowa I, 70, S. 92 — Sejm-Predigten IV, Nationalbibliothek, I, 70, S. 92). Man muß hier auf den Spuren dessen wandeln, was (oder besser wer) Christus über Generationen für die Söhne und Töchter dieses Landes war. Und das nicht nur für jene, die offen an ihn glaubten, die ihn mit dem Glauben der Kirche bekannten. Auch für jene, die dem Anschein nach fern, außerhalb der Kirche stehen. Für jene, die zweifeln oder ihm widersprechen.

Wenn es richtig ist, die Geschichte einer Nation auf Grund der Menschen in ihr zu begreifen, dann kann man den Menschen nur in der Gemeinschaft, die seine Nation bildet, verstehen. Bekanntlich ist sie nicht die einzige Gemeinschaft. Sie ist allerdings eine besondere Gemeinschaft, wohl die am engsten mit der Familie verbundene, die wichtigste für die geistige Geschichte des Menschen. Ohne Christus also kann man die Geschichte der polnischen Nation nicht verstehen. — Die Geschichte dieser großen, 100jährigen Gemeinschaft, die so tiefreichend über mich, über einen jeden von uns entscheidet. Wenn wir diesen Schlüssel zum Verständnis unserer Nation zurückweisen, begehen wir einen grundlegenden Fehler. Wir verstehen dann uns selber nicht mehr. Man kann diese Nation, die eine so glänzende, zugleich aber auch so schrecklich schwere Vergangenheit hatte, unmöglich verstehen ohne Christus. Es ist unmöglich, diese Stadt, Warschau, die Hauptstadt Polens, die sich im Jahre 1944 auf einen ungleichen Kampf gegen den Aggressor einließ — einen Kampf, bei dem die verbündeten Mächte sie im Stich ließen; einen Kampf, in dem sie unter ihren eigenen Trümmern begraben wurde —, zu verstehen, wenn man sich nicht daran erinnert, daß unter diesen gleichen Trümmern auch Christus, der Erlöser, mit seinem Kreuz lag, das sich heute vor der Kirche in Krakau-Vorstadt befindet. Man kann unmöglich die Geschichte Polens begreifen, von Stanislaus in Salka bis zu Maximilian Kolbe in Auschwitz, wenn man nicht auch auf sie dieses eine fundamentale Kriterium anwendet, das Jesus Christus heißt.

Das Jahrtausend der Taufe Polens, dessen erste reife Frucht der hl. Stanislaus ist — das Jahrtausend Christi in unserem Gestern und Heute ist das Hauptmotiv meiner Pilgerfahrt und meines Dankgebets, das ich zusammen mit euch, liebe Landsleute, verrichte, denen Jesus Christus unablässig die große Botschaft vom Menschen verkündet. Gemeinsam mit euch, denen Jesus Christus immer ein offenes Buch der Lehre vom Menschen ist, seiner Würde und seiner Rechte. Zugleich ein offenes Buch der Lehre von der Würde und den Rechten der Nation.

Heute bete ich auf diesem Siegesplatz in der Hauptstadt Polens mit euch allen im eucharistischen Hochgebet, daß Christus unaufhörlich für uns ein geöffnetes Buch bleibe, das Leben für die Zukunft verheißt. Für unser polnisches Morgen.

4. Wir befinden uns hier am Grab des Unbekannten Soldaten. In der Geschichte Polens — der alten wie der neueren — hat dieses Grab eine besondere Bestätigung gefunden. An wie vielen Orten der Heimat ist dieser Soldat gefallen! An wie vielen Orten Europas und der Welt hat er durch seinen Tod bezeugt, daß es ohne ein unabhängiges Polen auf der Karte Europas kein gerechtes Europa geben kann! Auf wie vielen Schlachtfeldern hat dieser Soldat für die Rechte des Menschen Zeugnis gegeben, die so tief eingeschrieben sind in die unveräußerlichen Rechte der Nation, als er fiel für »unsere und eure Freiheit «! »Wo sind ihre Gräber, Land der Polen? Wo sind sie nicht! Du weißt es besser als alle — und Gott weiß es im Himmel« (A. Oppman, Gebet für die Toten).

Die Geschichte des Vaterlandes wurde aufgezeichnet durch das Grab des Unbekannten Soldaten.

Ich möchte an diesem Grab niederknien, um jedes Samenkorn zu ehren, das, indem es in die Erde fällt und in ihr stirbt, Frucht bringt. Sei es der Same des Blutes eines Soldaten, das auf dem Schlachtfeld vergossen wurde, sei es das Opfer des Martyriums in Konzentrationslagern und Gefängnissen. Oder der Same harter täglicher Arbeit mit schweißtriefender Stirn: auf dem Feld, in der Werkstatt, im Bergwerk, in den Gießereien und Fabriken. Oder der Same der Elternliebe, die sich nicht weigert, einem neuen Menschen das Leben zu schenken und die gesamte Last der Erziehung zu tragen. Oder der Same schöpferischer Arbeit an den Universitäten, in den Bibliotheken und an den Stätten nationaler Kultur. Oder endlich der Same des Gebetes und des Dienstes an den Kranken, den Leidenden, den Verlassenen: »all das, was Polen bildet.« So wie das vom Primas und vom polnischen Episkopat auf der Jasna Góra zum Millennium abgelegte Gelöbnis lautet: »Alles, was Polen bildet.«

All das legen wir in die Hände der Gottesmutter — unter dem Kreuz auf Kalvaria und im Abendmahlssaal des Pfingstfestes.

All das: die Geschichte des Vaterlandes, wie sie seit 1000 Jahren von jedem seiner Söhne und Töchter geschaffen wurde — in dieser Generation und in den zukünftigen Generationen, und sei es nur ein namenloser, unbekannter Mensch wie dieser Soldat, vor dessen Grab wir stehen…

Alles das: auch die Geschichte der Völker, die mit uns und unter uns gelebt haben, wie jene, die zu Hunderttausenden in den Mauern des Warschauer Ghettos umkamen.

Das alles umfange ich in dieser Eucharistie mit Herz und Sinn und beziehe es ein in dieses eine heiligste Opfer Christi hier auf dem Siegesplatz.

Und ich rufe, ich, ein Sohn polnischer Erde und zugleich Papst Johannes Paul II., ich rufe aus der ganzen Tiefe dieses Jahrhunderts, rufe am Vorabend des Pfingstfestes: Sende aus deinen Geist!

Sende aus deinen Geist!

Und erneuere das Angesicht der Erde!

Dieser Erde!

Amen.

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Quelle


 

Johannes Paul II.: Zur Kirche in Europa: Die „Trübung der Hoffnung“

Pope John Paul II delivers his speech in Vatican city on Monday, 13. January 2003, during a meeting with the diplomatic corps. Amid the prospect of a US-led war against Iraq, the 82-year-old pope told: ''War is never inevitable. It is always a defeat for mankind'. On the Middle East, the Pontiff said, Israelis and Palestinians should live 'side by side, equally free and sovereign, respecting each other'. Fotograf: MAURIZIO BRAMBATTI dpa

Aus dem Nachsynodalen Schreiben „Ecclesia in Europa“:

Die Trübung der Hoffnung

7. Dieses Wort richtet sich heute auch an die Kirchen in Europa, die oft durch eine Trübung der Hoffnung auf die Probe gestellt sind. Die Zeit, in der wir leben, vermittelt mit den ihr eigenen Herausforderungen in der Tat den Anschein des Verlorenseins. Viele Männer und Frauen scheinen desorientiert, unsicher und ohne Hoffnung zu sein, und nicht wenige Christen teilen diesen Gemütszustand. Zahlreiche besorgniserregende Zeichen zeigen sich zu Beginn des dritten Jahrtausends bedrohlich am Horizont des europäischen Kontinents, der »zwar sehr reich ist an außerordentlichen Glaubenszeugnissen und sich im Rahmen eines zweifellos freieren und einmütigeren Zusammenlebens befindet, trotzdem aber die ganze Zerrüttung spürt, die die ältere und jüngere Geschichte im tiefsten Inneren seiner Völker verursacht hat, was oft zu Enttäuschungen führt« .14

Unter den vielen, auch anläßlich der Synode ausführlich erwähnten Aspekten 15 möchte ich den Verlust des christlichen Gedächtnisses und Erbes anführen, der begleitet ist von einer Art praktischem Agnostizismus und religiöser Gleichgültigkeit, weshalb viele Europäer den Eindruck erwecken, als lebten sie ohne geistigen Hintergrund und wie Erben, welche die ihnen von der Geschichte übergebene Erbschaft verschleudert haben. Daher ist es nicht allzu verwunderlich, wenn versucht wird, Europa ein Gesicht zu geben, indem man unter Ausschluß seines religiösen Erbes und besonders seiner tief christlichen Seele das Fundament legt für die Rechte der Völker, die Europa bilden, ohne sie auf den Stamm aufzupfropfen, der vom Lebenssaft des Christentums durchströmt wird.

Auf dem europäischen Kontinent fehlt es gewiß nicht an namhaften Symbolen für die Präsenz des Christentums, doch mit der langsam voranschreitenden Überhandnahme des Säkularismus laufen sie Gefahr, zu einem bloßen Relikt der Vergangenheit zu werden. Vielen gelingt es nicht mehr, die Botschaft des Evangeliums in die Alltagserfahrung einzubeziehen. In einem gesellschaftlichen und kulturellen Umfeld, wo dem christlichen Lebensentwurf ständig Trotz und Bedrohung begegnen, wird es immer schwieriger, seinen Glauben an Jesus zu leben. In vielen öffentlichen Bereichen ist es einfacher, sich als Agnostiker denn als Gläubigen zu bezeichnen; man hat den Eindruck, daß sich Nichtglauben von selbst versteht, während Glauben einer gesellschaftlichen Legitimation bedarf, die weder selbstverständlich ist, noch vorausgesetzt wird.

8. Mit diesem Verlust des christlichen Gedächtnisses geht eine Art Zukunftsangst einher. Das gemeinhin verbreitete Bild von der Zukunft stellt sich oft als blaß und ungewiß heraus. Man hat eher Angst vor der Zukunft, als daß man sie herbeiwünschte. Besorgniserregende Anzeichen dafür sind unter anderem die innere Leere, die viele Menschen peinigt, und der Verlust des Lebenssinnes. Zu den Zeichen und Auswirkungen dieser Existenzangst sind insbesondere der dramatische Geburtenrückgang und die Abnahme der Priester- und Ordensberufe zu zählen sowie die Schwierigkeit, wenn nicht sogar die Weigerung, endgültige Lebensentscheidungen auch bezüglich der Ehe zu treffen.

Wir erleben eine verbreitete Zersplitterung des Daseins; es überwiegt ein Gefühl der Vereinsamung; Spaltungen und Gegensätze nehmen zu. Unter anderen Symptomen dieses Zustandes erfährt das heutige Europa das ernste Phänomen einer Krise der Familie und des Schwindens einer Konzeption von Familie überhaupt, die Fortdauer oder das Wiederaufflammen ethnischer Konflikte, das Wiederaufleben gewisser rassistischer Verhaltensweisen, die interreligiösen Spannungen, die Egozentrik, die Einzelne und Gruppen in sich verschließt, die Zunahme einer allgemeinen sittlichen Gleichgültigkeit und einer krampfhaften Sorge um die eigenen Interessen und Privilegien. In den Augen vieler läuft die zunehmende Globalisierung Gefahr, statt zu einer größeren Einheit der Menschheit zu führen, einer Logik zu folgen, die die Schwächsten ausgrenzt und die Zahl der Armen auf der Erde vermehrt.

Im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Individualismus ist eine zunehmende Schwächung der Solidarität zwischen den Menschen festzustellen: Während die Hilfseinrichtungen lobenswerte Arbeit leisten, beobachtet man ein Abnehmen des Solidaritätsgefühls, so daß sich viele Menschen, auch wenn es ihnen nicht am materiell Notwendigen fehlt, immer einsamer und sich selbst überlassen fühlen, ohne das Netz einer gefühlsmäßigen Unterstützung.

9. Der Verlust der Hoffnung hat seinen Grund in dem Versuch, eine Anthropologie ohne Gott und ohne Christus durchzusetzen. Diese Denkart hat dazu geführt, den Menschen »als absoluten Mittelpunkt allen Seins zu betrachten, indem man ihn fälschlicherweise den Platz Gottes einnehmen ließ und dabei vergaß, daß nicht der Mensch Gott erschafft, sondern Gott den Menschen erschafft.

Das Vergessen Gottes hat zum Niedergang des Menschen geführt. […] Es wundert daher nicht, daß in diesem Kontext ein großer Freiraum für die Entwicklung des Nihilismus im philosophischen Bereich, des Relativismus im erkenntnistheoretischen und moralischen Bereich, des Pragmatismus und sogar des zynischen Hedonismus in der Gestaltung des Alltagslebens entstanden ist« .16 Die europäische Kultur erweckt den Eindruck einer »schweigenden Apostasie » seitens des satten Menschen, der lebt, als ob es Gott nicht gäbe.

Vor diesem Horizont nehmen die auch in letzter Zeit wieder auftauchenden Versuche Gestalt an, die europäische Kultur losgekoppelt vom Beitrag des Christentums zu präsentieren, das ihre historische Entwicklung und ihre universale Verbreitung geprägt hat. Wir sehen uns dem Erscheinen einer neuen, großenteils von den Massenmedien beeinflußten Kultur gegenüber, deren Merkmale und Inhalte oft im Gegensatz zum Evangelium und zur Würde der menschlichen Person stehen. Zu dieser Kultur gehört auch ein immer weiter verbreiteter religiöser Agnostizismus, verbunden mit einem tieferen moralischen und rechtlichen Relativismus, der seine Wurzeln im Verlust der Wahrheit vom Menschen als Fundament der unveräußerlichen Rechte eines jeden hat. Die Zeichen eines Schwindens der Hoffnung äußern sich mitunter durch erschreckende Formen dessen, was man als eine »Kultur des Todes« bezeichnen kann.17

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Quelle  (Hervorhebungen von mir)

Johannes Paul II. über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe

APOSTOLISCHES SCHREIBEN
ORDINATIO SACERDOTALIS
VON PAPST JOHANNES PAUL II.

AN DIE BISCHÖFE
DER KATHOLISCHEN KIRCHE
ÜBER DIE NUR MÄNNERN
VORBEHALTENE PRIESTERWEIHE

 

Verehrte Brüder im Bischofsamt!

1. Die Priesterweihe, durch welche das von Christus seinen Aposteln anvertraute Amt übertragen wird, die Gläubigen zu lehren, zu heiligen und zu leiten, war in der katholischen Kirche von Anfang an ausschließlich Männern vorbehalten. An dieser Tradition haben auch die Ostkirchen getreu festgehalten.

Als die Frage der Ordination von Frauen in der anglikanischen Gemeinschaft aufkam, war Papst Paul VI. darauf bedacht, in Treue zu seinem Amt, die apostolische Überlieferung zu schützen und ebenso in der Absicht, ein neues Hindernis auf dem Weg zur Einheit der Christen zu vermeiden, den anglikanischen Brüdern in Erinnerung zu rufen, worin der Standpunkt der katholischen Kirche besteht: „Sie hält daran fest, daß es aus prinzipiellen Gründen nicht zulässig ist, Frauen zur Priesterweihe zuzulassen. Zu diesen Gründen gehören: das in der Heiligen Schrift bezeugte Vorbild Christi, der nur Männer zu Aposteln wählte, die konstante Praxis der Kirche, die in der ausschließlichen Wahl von Männern Christus nachahmte, und ihr lebendiges Lehramt, das beharrlich daran festhält, daß der Ausschluß von Frauen vom Priesteramt in Übereinstimmung steht mit Gottes Plan für seine Kirche“.[1] Da die Frage jedoch auch unter Theologen und in manchen katholischen Kreisen umstritten war, beauftragte Paul VI. die Kongregation für die Glaubenslehre, die diesbezügliche Lehre der Kirche darzulegen und zu erläutern. Das geschah durch die Erklärung Inter Insigniores, deren Veröffentlichung der Papst nach Bestätigung des Textes anordnete.[2]

2. Die Erklärung wiederholt und erläutert die von Paul VI. dargelegten Gründe dieser Lehre, wobei sie schlußfolgert, daß die Kirche für sich nicht die Vollmacht in Anspruch nimmt, „Frauen zur Priesterweihe zuzulassen“.[3] Zu solchen fundamentalen Gründen fügt jenes Dokument noch theologische Gründe hinzu, die die Angemessenheit jener göttlichen Verfügung für die Kirche erläutern, und es zeigt deutlich, daß die Handlungsweise Christi nicht auf soziologischen oder kulturellen Motiven der damaligen Zeit beruhten. So führte Papst Paul VI. dann erläuternd aus, „der wahre Grund liegt darin, daß Christus es so festgelegt hat, als er die Kirche mit ihrer grundlegenden Verfassung und ihrer theologischen Anthropologie ausstattete, der dann in der Folge die Tradition der Kirche stets gefolgt ist“.[4] In dem Apostolischen Schreiben Mulieris Dignitatem habe ich selbst diesbezüglich geschrieben: „Wenn Christus nur Männer zu seinen Aposteln berief, tat er das völlig frei und unabhängig. Er tat es mit derselben Freiheit, mit der er in seinem Gesamtverhalten die Würde und Berufung der Frau betonte, ohne sich nach den herrschenden Sitten und nach der auch von der Gesetzgebung der Zeit gebilligten Tradition zu richten“.[5]

In der Tat bekunden die Evangelien und die Apostelgeschichte, daß diese Berufung gemäß dem ewigen Plan Gottes erfolgte: Christus erwählte die, die er wollte (vgl. Mk 3,13-14; Joh 6,70), und er tat das zusammen mit dem Vater „durch den Heiligen Geist“ (Apg 1,2), nachdem er die Nacht im Gebet verbracht hatte (vgl. Lk 6,12). Darum hat die Kirche bei der Zulassung zum Amtspriestertum[6] stets als feststehende Norm die Vorgehensweise ihres Herrn bei der Erwählung der zwölf Männer anerkannt, die er als Grundsteine seiner Kirche gelegt hatte (vgl. Offb 21,14). Sie übernahmen in der Tat nicht nur eine Funktion, die dann von jedem beliebigen Mitglied der Kirche hätte ausgeübt werden können, sondern sie wurden in besonderer Weise und zutiefst mit der Sendung des fleischgewordenen Wortes selbst verbunden (vgl. Mt 10,1.7-8; 28,16-20; Mk 3,13-15; 16,14-15). Die Apostel taten das gleiche, als sie Mitarbeiter wählten,[7] die ihnen in ihrem Amt nachfolgen sollten.[8] In diese Wahl waren auch jene eingeschlossen, die durch die Zeiten der Geschichte der Kirche hindurch die Sendung der Apostel fortführen sollten, Christus, den Herrn und Erlöser, zu vergegenwärtigen.[9]

3. Im übrigen zeigt die Tatsache, daß Maria, die Mutter Gottes und Mutter der Kirche, nicht den eigentlichen Sendungsauftrag der Apostel und auch nicht das Amtspriestertum erhalten hat, mit aller Klarheit, daß die Nichtzulassung der Frau zur Priesterweihe keine Minderung ihrer Würde und keine Diskriminierung ihr gegenüber bedeuten kann, sondern die treue Beachtung eines Ratschlusses, der der Weisheit des Herrn des Universums zuzuschreiben ist.

Auch wenn die Gegenwart und die Rolle der Frau im Leben und in der Sendung der Kirche nicht an das Amtspriestertum gebunden ist, so bleiben sie doch absolut notwendig und unersetzbar. Wie von der Erklärung Inter Insigniores herausgestellt wurde, wünscht die Heilige Mutter Kirche, „daß die christlichen Frauen sich der Größe ihrer Sendung voll bewußt werden: ihre Aufgabe ist heutzutage von höchster Bedeutung sowohl für die Erneuerung und Vermenschlichung der Gesellschaft als auch dafür, daß die Gläubigen das wahre Antlitz der Kirche wieder neu entdecken“.[10] Das Neue Testament und die ganze Kirchengeschichte erweisen umfassend die Präsenz von Frauen in der Kirche, als wahre Jüngerinnen und Zeugen Christi in der Familie und im bürgerlichen Beruf oder in der vollkommenen Weihe an den Dienst für Gott und das Evangelium. „In der Tat hat die Kirche, indem sie für die Würde der Frau und ihre Berufung eintrat, Verehrung und Dankbarkeit für jene zum Ausdruck gebracht, die – in Treue zum Evangelium – zu allen Zeiten an der apostolischen Sendung des ganzen Gottesvolkes teilgenommen haben. Es handelt sich um heilige Märtyrerinnen, Jungfrauen, Mütter, die mutig ihren Glauben bezeugt und dadurch, daß sie ihre Kinder im Geiste des Evangeliums erzogen, den Glauben und die Überlieferung der Kirche weitergegeben haben“.[11]

Auf der anderen Seite ist die hierarchische Struktur der Kirche vollkommen auf die Heiligkeit der Gläubigen ausgerichtet. Daher ruft die Erklärung Inter Insigniores in Erinnerung, „das einzige höhere Charisma, das sehnlichst erstrebt werden darf und soll, ist die Liebe (vgl. 1 Kor 12-13). Die Größten im Himmelreich sind nicht die Amtsträger, sondern die Heiligen“.[12]

4. Obwohl die Lehre über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe sowohl von der beständigen und umfassenden Überlieferung der Kirche bewahrt als auch vom Lehramt in den Dokumenten der jüngeren Vergangenheit mit Beständigkeit gelehrt worden ist, hält man sie in unserer Zeit dennoch verschiedenenorts für diskutierbar, oder man schreibt der Entscheidung der Kirche, Frauen nicht zu dieser Weihe zuzulassen, lediglich eine disziplinäre Bedeutung zu.

Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.

Während sich auf euch, verehrte Brüder, und auf das ganze christliche Volk den beständigen göttlichen Beistand herabrufe, erteile ich allen den Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 22. Mai, dem Pfingstfest des Jahres 1994, dem 16. meines Pontifikates.

JOANNES PAULUS PP II

 

ANMERKUNGEN

[1] Vgl. PAUL VI., Antwortschreiben an Seine Gnaden den Hochwürdigsten Herrn Dr. F. D. Coggan, Erzbischof von Canterbury, über das Priestertum der Frau, 30. November 1975: AAS 68 (1976), 599-600: „Your Grace is of course well aware of the Catholic Church’s position on this question. She holds that it is not admissible to ordain women to the priesthood, for very fundamental reasons. These reasons include: the example recorded in the Sacred Scriptures of Christ choosing the Apostles only among men; the constant practice of the Church, which has imitated Christ in choosing only men; and her living teaching authority which has consistently held that the exclusion of women from the priesthood is in accordance with God’s plan for his Church“ (S. 599).

[2] Vgl. KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE, Erklärung Inter Insigniores über die Frage der Zulassung von Frauen zum Amtspriestertum, 15. Oktober 1976: AAS 69 (1977), 98-116.

[3] Ebd., 100.

[4] PAUL VI., Ansprache über die Rolle der Frau im Heilsplan, 30. Januar 1977: Insegnamenti, Bd. XV, 1977, 111. Vgl. auch JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben Christifideles laici, 30. Dezember 1988, Nr. 51: AAS 81 (1989), 393-521; Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 1577.

[5] Apostolisches Schreiben Mulieris dignitatem, 15. August 1988, Nr. 26: AAS 80 (1988), 1715.

[6] Vgl. Dogmatische Konstitution Lumen Gentium, Nr. 28; Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 2.

[7] Vgl. 1 Tim 3,1-13; 2 Tim 1,6; Tit 1,5-9.

[8] Vgl. Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 1577.

[9] Vgl. Dogmatische Konstitution Lumen Gentium, Nr. 20 und Nr. 21.

[10] KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE, Erklärung Inter Insigniores, VI: AAS 69 (1977), 115-116.

[11] JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben Mulieris dignitatem, Nr. 27: AAS 80 (1988), 1719.

[12] KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE, Erklärung Inter Insigniores, VI: AAS 69 (1977), 115. aus: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 117: Apostolisches Schreiben von Papst Johannes Paul II. über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe (1994); Erklärung der Kongregation für die Glaubenslehre zur Frage der Zulassung der Frauen zum Priesteramt (1976), hg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, S. 4-7.

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Quelle

 

JOHANNES PAUL II. ZUM AXIOM: EXTRA ECCLESIAM NULLA SALUS

GIOVANNI PAOLO II

UDIENZA GENERALE

Mercoledì, 31 maggio 1995

1. Le difficoltà che talora accompagnano lo sviluppo dell’evangelizzazione pongono in luce un problema delicato la cui soluzione non va cercata in termini puramente storici o sociologici: il problema della salvezza di coloro che non appartengono visibilmente alla Chiesa. Non ci è data la possibilità di scrutare il mistero dell’azione divina nelle menti e nei cuori, per valutare la potenza della grazia di Cristo nel prendere possesso, in vita e in morte, di quanti “il Padre gli ha dato”, e che Egli stesso ha proclamato di non voler “perdere”. Lo sentiamo ripetere in una delle letture evangeliche proposte per la Messa dei defunti (cf. Gv 6, 39-40).

Ma, come ho scritto nell’Enciclica Redemptoris Missio, non si può limitare il dono della salvezza “a coloro che, in modo esplicito, credono in Dio e sono entrati nella Chiesa. Se è destinata a tutti la salvezza deve essere messa in concreto a disposizione di tutti”. E, ammettendo che è concretamente impossibile per tanta gente accedere al messaggio cristiano, ho aggiunto: “Molti uomini non hanno la possibilità di conoscere o di accettare la rivelazione del Vangelo di entrare nella Chiesa. Essi vivono in condizioni socio-culturali che non lo permettono, e spesso sono stati educati in altre tradizioni religiose” (Redemptoris Missio, 10).

Dobbiamo riconoscere che per quanto rientra nelle umane capacità di previsione e di conoscenza questa impossibilità pratica sembrerebbe destinata a durare ancora a lungo forse anche fino al compimento finale dell’opera di evangelizzazione. Gesù stesso ha ammonito che solo il Padre conosce “i tempi e i momenti” da lui fissati per l’instaurazione del suo Regno nel mondo (cf. At 1, 7).

2. Quanto sopra ho detto non giustifica però la posizione relativistica di chi ritiene che in qualsiasi religione si possa trovare una via di salvezza, anche indipendentemente dalla fede in Cristo Redentore, e che su questa ambigua concezione debba basarsi il dialogo interreligioso. Non è qui la soluzione conforme al Vangelo del problema della salvezza di chi non professa il Credo cristiano. Dobbiamo invece sostenere che la strada della salvezza passa sempre per Cristo, e che quindi spetta alla Chiesa e ai suoi missionari il compito di farlo conoscere ed amare in ogni tempo, in ogni luogo e in ogni cultura. Al di fuori di Cristo non “vi è salvezza”. Come proclamava Pietro davanti al Sinedrio, fin dall’inizio della predicazione apostolica: “Non vi è altro nome dato agli uomini sotto il cielo nel quale sia stabilito che possiamo essere salvati” (At 4, 12).

Anche per coloro che senza loro colpa non conoscono Cristo e non si riconoscono cristiani, il piano divino ha predisposto una via di salvezza. Come leggiamo nel Decreto conciliare sull’attività missionaria Ad Gentes, noi crediamo che “Dio, attraverso le vie che lui solo conosce può portare gli uomini che senza loro colpa ignorano il Vangelo” alla fede necessaria alla salvezza (Ad Gentes, 7). Certo, la condizione “senza loro colpa” non può essere verificata né apprezzata da una valutazione umana, ma deve essere lasciata unicamente al giudizio divino. Per questo nella Costituzione Gaudium et Spes il Concilio dichiara che nel cuore di ogni uomo di buona volontà “opera invisibilmente la grazia”, e che “lo Spirito Santo dà a tutti la possibilità di venire in contatto, nel modo che Dio conosce, col Mistero pasquale” (Gaudium et Spes, 22).

3. E importante sottolineare che la via della salvezza percorsa da quanti ignorano il Vangelo non è una via fuori di Cristo e della Chiesa. La volontà salvifica universale è legata all’unica mediazione di Cristo. Lo afferma la Prima Lettera a Timoteo: “Dio nostro Salvatore, il quale vuole che tutti gli uomini siano salvati e arrivino alla conoscenza della verità. Uno solo, infatti, è Dio, e uno solo il mediatore fra Dio e gli uomini, l’uomo Cristo Gesù, che ha dato se stesso in riscatto per tutti” (1 Tm 2, 3-6). Lo proclama Pietro quando dice che “in nessun altro c’è salvezza”, e chiama Gesù “testata d’angolo” (At 4,11-12), ponendo in evidenza il ruolo necessario di Cristo a fondamento della Chiesa.

Questa affermazione della “unicità” del Salvatore trae la sua origine dalle stesse parole del Signore, il quale afferma di essere venuto “per dare la propria vita in riscatto per molti” (Mc 10, 45), cioè per l’umanità, come spiega San Paolo quando scrive: “Uno è morto per tutti” (2 Cor 5, 14 cf. Rm 5, 18). Cristo ha ottenuto la salvezza universale con il dono della propria vita: nessun altro mediatore è stato stabilito da Dio come Salvatore. Il valore unico del sacrificio della Croce deve essere sempre riconosciuto nel destino di ogni uomo.

4. E siccome Cristo opera la salvezza mediante il suo mistico Corpo, che è la Chiesa, la via di salvezza è essenzialmente legata alla Chiesa. L’assioma extra Ecclesiam nulla salus – “fuori della Chiesa non c’è salvezza” –, enunciato da San Cipriano (Epist 73,21: PL1123 AB), appartiene alla tradizione cristiana ed è stato inserito nel Concilio Lateranense IV (Denz.-S. 802), nella bolla Unam Sanctam di Bonifacio VIII (Denz.-S. 870) e nel Concilio di Firenze (Decretum pro Jacobitis, Denz.-S. 1351).

L’assioma significa che per quanti non ignorano che la Chiesa è stata fondata da Dio per mezzo di Gesù Cristo come necessaria c’è l’obbligo di entrare e di perseverare in essa al fine di ottenere la salvezza (cf. Lumen Gentium, 14). Per coloro che invece non hanno ricevuto l’annunzio del Vangelo, come ho scritto nell’Enciclica Redemptoris Missio, la salvezza è accessibile attraverso vie misteriose in quanto la grazia divina viene loro conferita in virtù del sacrificio redentore di Cristo, senza adesione esterna alla Chiesa ma sempre, tuttavia, in relazione con essa (cf. Redemptoris Missio, 10). Si tratta di una “misteriosa relazione”: misteriosa per coloro che la ricevono, perché essi non conoscono la Chiesa e anzi, talvolta, esternamente la respingono; misteriosa anche in se stessa perché legata al mistero salvifico della grazia, che comporta un riferimento essenziale alla Chiesa fondata dal Salvatore.

La grazia salvifica, per operare, richiede un’adesione, una cooperazione, un sì alla divina donazione: e tale adesione è, almeno implicitamente, orientata verso Cristo e la Chiesa. Perciò si può dire anche sine Ecclesia nulla salus – “senza la Chiesa non c’è salvezza” –: l’adesione alla Chiesa-Corpo mistico di Cristo, per quanto implicita è appunto misteriosa, costituisce una condizione essenziale per la salvezza.

5. Le religioni possono esercitare un influsso positivo sul destino di chi ne fa parte e ne segue le indicazioni con sincerità di spirito. Ma se l’azione decisiva per la salvezza è opera dello Spirito Santo dobbiamo tener presente che l’uomo riceve soltanto da Cristo, mediante lo Spirito Santo, la sua salvezza. Essa ha inizio già nella vita terrena, che la grazia, accettata e corrisposta, rende fruttuosa, in senso evangelico, per la terra e per il cielo.

Di qui l’importanza del ruolo indispensabile della Chiesa, la quale “non è fine a se stessa ma fervidamente sollecita di essere tutta di Cristo, in Cristo e per Cristo, e tutta degli uomini, fra gli uomini e per gli uomini”. Un ruolo che non è dunque “ecclesiocentrico” come a volte si è detto: la Chiesa non esiste infatti né lavora per se stessa, ma è al servizio di una umanità chiamata alla filiazione divina in Cristo (cf. Redemptoris Missio, 19). Essa esercita perciò una mediazione implicita anche nei confronti di quanti ignorano il Vangelo.

Ciò non deve però portare alla conclusione che la sua attività missionaria sia in tali circostanze meno necessaria. Tutt’altro. In effetti chi ignora Cristo, pur senza sua colpa, viene a trovarsi in una condizione di oscurità e di carestia spirituale con riflessi negativi spesso anche sul piano culturale e morale. L’azione missionaria della Chiesa può procurargli le condizioni di pieno sviluppo della grazia salvatrice di Cristo, proponendo l’adesione piena e consapevole al messaggio della fede e la partecipazione attiva alla vita ecclesiale nei sacramenti.

Questa è la linea teologica tratta dalla tradizione cristiana. Il magistero della Chiesa l’ha seguita nella dottrina e nella prassi come via segnata da Cristo stesso per gli Apostoli e per i missionari di tutti i tempi.

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Quelle

ZU IMMERWÄHRENDEM GEDENKEN AN DIE REGIERENDEN UND DIE POLITIKER

APOSTOLISCHES SCHREIBEN
ALS „MOTU PROPRIO“ ERLASSEN

ZUR AUSRUFUNG DES HEILIGEN THOMAS MORUS
ZUM PATRON DER REGIERENDEN UND DER POLITIKER

JOHANNES PAUL II.
ZU IMMERWÄHRENDEM GEDENKEN

1. Vom Leben und Martyrium des heiligen Thomas Morus geht eine Botschaft aus, welche die Jahrhunderte durchzieht und zu den Menschen aller Zeiten von der unveräußerlichen Würde des Gewissens spricht. Wie das Zweite Vatikanische Konzil in Erinnerung bringt, liegt im Gewissen »die verborgenste Mitte und das Heiligtum im Menschen, wo er allein ist mit Gott, dessen Stimme in diesem seinem Innersten zu hören ist« (Gaudium et spes, 16). Wenn die Menschen, Männer und Frauen, auf den Ruf der Wahrheit hören, dann richtet das Gewissen ihr Handeln mit Sicherheit auf das Gute aus. Gerade wegen seines bis zum blutigen Martyrium erbrachten Zeugnisses für den Primat der Wahrheit vor der Macht wird der heilige Thomas Morus als unvergängliches Beispiel für konsequentes sittliches Verhalten geehrt. Seine Gestalt wird auch außerhalb der Kirche, besonders bei denen, die die Geschicke der Völker zu lenken berufen sind, als Quelle für eine Politik anerkannt, die sich den Dienst am Menschen zum obersten Ziel setzt.

Kürzlich haben mich einige Staatsoberhäupter und Regierungschefs, zahlreiche hochrangige Politiker, manche Bischofskonferenzen und einzelne Bischöfe in Petitionen um die Ausrufung des heiligen Thomas Morus zum Patron der Regierenden und der Politiker ersucht. Unter den Unterzeichnern des Ansuchens befinden sich Persönlichkeiten verschiedener politischer, kultureller und religiöser Herkunft, was von dem lebhaften und weitverbreiteten Interesse für das Denken und Verhalten dieser herausragenden Gestalt in Regierungsverantwortung zeugt.

2. Thomas Morus erlebte in seinem Land eine außergewöhnliche politische Karriere. Der aus ehrenwerter Familie stammende Thomas wurde 1478 in London geboren und kam schon als Jugendlicher in das Haus des Erzbischofs von Canterbury und Lordkanzlers John Morton. Danach setzte er das Rechtsstudium in Oxford und London fort, wobei sein weitreichendes Interesse auch umfassenden Gebieten der Kultur, Theologie und klassischen Literatur galt. Er lernte gründlich Griechisch, pflegte geistigen Austausch und knüpfte freundschaftliche Beziehungen zu bedeutenden Gelehrten der Kultur der Renaissance, darunter Erasmus Desiderius von Rotterdam.

Seine religiöse Sensibilität führte ihn durch eine ausdauernde asketische Praxis zur Suche nach der Tugend: Er pflegte freundschaftliche Beziehungen zu den Observanten des Konvents von Greenwich und lebte längere Zeit bei den Londoner Kartäusern. Beide gehörten in die Reihe der Hauptzentren des religiösen Lebens im Königreich. Da er sich zur Ehe, zum Familienleben und zum Engagement als Laie berufen fühlte, heiratete er im Jahr 1505 Johanna Colt, die ihm vier Kinder gebar. Johanna starb 1511, und Thomas vermählte sich in zweiter Ehe mit Alicia Middleton, einer Witwe mit Tochter. Er war sein ganzes Leben lang ein liebevoller und treuer Ehemann und Vater, der sich aus tiefer innerer Überzeugung der religiösen, sittlichen und intellektuellen Erziehung seiner Kinder annahm. Sein Haus nahm Schwiegersöhne, Schwiegertöchter und Enkel auf und stand vielen jungen Freunden offen, die auf der Suche waren nach der Wahrheit oder nach ihrer eigenen Berufung. Das Familienleben ließ im übrigen breiten Raum für das gemeinsame Gebet und die lectio divina wie auch für gesunde Formen einer häuslichen Rekreation. Thomas nahm täglich an der Messe in der Pfarrkirche teil; von den strengen Bußübungen, die er auf sich nahm, wußten jedoch nur seine engsten Familienmitglieder.

3. Unter König Heinrich VII. wurde Thomas Morus im Jahr 1504 zum ersten Mal ins Parlament gewählt. Heinrich VIII. erneuerte 1510 sein Abgeordnetenmandat und ernannte ihn auch zum königlichen Vertreter in der Hauptstadt, womit er ihm eine herausragende Karriere in der staatlichen Verwaltung eröffnete. Im darauffolgenden Jahrzehnt übertrug ihm der König mehrmals Missionen in Angelegenheiten der Diplomatie und des Handels und sandte ihn nach Flandern und in das Gebiet des heutigen Frankreich. Nachdem er Mitglied des Königlichen Rates, Vorsitzender eines großen Gerichtes, Unterschatzmeister und in den Adelsstand erhoben worden war, wurde er 1523 Sprecher des Unterhauses und damit dessen Präsident.

Als sich das Land 1529 in einer politischen und wirtschaftlichen Krise befand, wurde Thomas Morus, der wegen seiner moralischen Zuverlässigkeit und Verstandesschärfe, seiner Offenheit und seines Witzes sowie seiner außerordentlichen Gelehrsamkeit hochgeachtet war, vom König zum Lordkanzler ernannt. Thomas, der als erster Laie dieses Amt bekleidete, sah sich in eine äußerst schwierige Periode gestellt, wobei er sich bemühte, dem König und dem Land zu dienen. Seinen Prinzipien treu verpflichtete er sich, die Gerechtigkeit zu fördern und den schädlichen Einfluß von Leuten einzudämmen, die auf Kosten der Schwachen eigene Interessen verfolgten. 1532 legte er sein Amt nieder, da er nicht bereit war, das Vorhaben Heinrichs VIII. zu unterstützen, der die Kontrolle über die Kirche in England übernehmen wollte. Er zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück, und nahm damit in Kauf, mit seiner Familie Armut zu leiden und sich von vielen verlassen zu sehen, die sich in der Bewährungsprobe als falsche Freunde erwiesen.

Nachdem seine unerschütterliche Entschlossenheit, jeden Kompromiß aufgrund seines Gewissens abzulehnen, feststand, ließ ihn der König 1534 im Londoner Tower einkerkern, wo er verschiedenen Formen psychologischer Nötigung ausgesetzt war. Thomas Morus ließ sich nicht beugen und verweigerte die von ihm verlangte Eidesleistung, weil sie mit der Annahme einer politischen und kirchlichen Ordnung verbunden gewesen wäre, die einer unkontrollierter Herrschaft den Boden bereitete. Im Verlauf des gegen ihn angestrengten Prozesses verteidigte er in einer leidenschaftlichen Rede seine Überzeugungen von der Unauflösbarkeit der Ehe, der Achtung vor dem Erbe des Rechts, das an christlichen Werten ausgerichtet ist, und von der Freiheit der Kirche gegenüber dem Staat. Nach seiner Verurteilung durch das Gericht wurde er enthauptet.

Im Laufe der Jahrhunderte milderte sich die Diskriminierung was das Verhältnis zur Kirche anbelangt. 1850 wurde die katholische Hierarchie in England wieder errichtet. Dadurch war es möglich, die Seligsprechungsprozesse zahlreicher Märtyrer einzuleiten. Gemeinsam mit 53 anderen Märtyrern, darunter Bischof John Fisher, wurde Thomas Morus 1886 von Papst Leo XIII. seliggesprochen. Mit demselben Bischof zusammen wurde er dann im Jahr 1935 anläßlich des vierhundertsten Jahrestages seines Märtyrertodes von Papst Pius XI. in die Schar der Heiligen aufgenommen.

4. Viele Gründe sprechen für die Ausrufung des heiligen Thomas Morus zum Patron der Regierenden und der Politiker. Einer dieser Gründe ist, daß die Welt der Politik und Verwaltung den Bedarf an glaubwürdigen Vorbildern spürt. Sie sollen ihr den Weg der Wahrheit weisen in einem historischen Augenblick, da schwierige Herausforderungen und ernste Verantwortung zunehmen. Denn ganz neue Erscheinungen in der Wirtschaft verändern heute das Sozialgefüge. Gleichzeitig verschärfen die wissenschaftlichen Errungenschaften auf dem Gebiet der Biotechnologien den Anspruch, das menschliche Leben in allen seinen Formen zu verteidigen, während die Versprechungen einer neuen Gesellschaft, die einer verwirrten öffentlichen Meinung mit Erfolg angeboten werden, dringend klare politische Entscheidungen fordern zugunsten der Familie, der Jugend, der Alten und der Ausgegrenzten.

In diesem Zusammenhang empfiehlt es sich, auf das Beispiel des heiligen Thomas Morus zurückzuschauen, der sich gerade deshalb durch beständige Treue zur Autorität und zu den rechtmäßigen Einrichtungen auszeichnete, weil er in ihnen nicht der Macht, sondern dem höchsten Ideal der Gerechtigkeit dienen wollte. Sein Leben lehrt uns, daß das Regieren vor allem Übung der Tugend ist. Durch diesen strengen moralischen Ansatz gestärkt, stellte der englische Staatsmann sein öffentliches Wirken in den Dienst der Person, besonders wenn es sich um schwache oder arme Menschen handelte; er führte die sozialen Auseinandersetzungen mit einem besonderen Sinn für Gerechtigkeit; er schützte die Familie und verteidigte sie mit unermüdlichem Einsatz; er förderte die umfassende Erziehung der Jugend. Die tiefe Abneigung gegen Ehrentitel und Reichtum, die heiter-liebenswürdige Demut, die ausgewogene Kenntnis der menschlichen Natur und der Vergänglichkeit des Erfolges, die im Glauben verwurzelte Sicherheit im Urteil gaben ihm jene Zuversicht und innere Stärke, die ihn in den Widrigkeiten und angesichts des Todes aufrecht hielt. Seine Heiligkeit erstrahlte im Martyrium, doch sie wurde vorbereitet von einem ganzen Arbeitsleben, das der Hingabe an Gott und an den Nächsten galt.

Unter Hinweis auf ähnliche Beispiele einer vollkommenen Harmonie zwischen Glauben und Werken habe ich in dem nachsynodalen Apostolischen Schreiben Christifideles laici geschrieben: »Die Einheit des Lebens der Laien ist von entscheidender Bedeutung: Sie müssen sich in ihrem alltäglichen beruflichen und gesellschaftlichen Leben heiligen. Um ihre Berufung erfüllen zu können, müssen die Laien ihr Tun im Alltag als Möglichkeit der Vereinigung mit Gott und der Erfüllung seines Willens sowie als Dienst an den anderen Menschen betrachten« (Nr. 17).

Diese Harmonie zwischen dem Natürlichen und dem Übernatürlichen stellt wohl das Element dar, das mehr als jedes andere die Persönlichkeit des großen englischen Staatsmannes bestimmt: Er führte sein intensives öffentliches Leben mit schlichter Demut, die selbst im Angesicht des Todes von seinem berühmten »Sinn für Humor« gekennzeichnet war.

Das war das Ziel, zu dem ihn seine Leidenschaft für die Wahrheit führte. Der Mensch darf sich nicht von Gott und die Politik nicht von der Moral trennen: Das war das Licht, das sein Gewissen erleuchtete. Schon bei anderer Gelegenheit sagte ich: »Der Mensch ist Geschöpf Gottes, und deshalb haben die Menschenrechte ihren Ursprung in Gott, beruhen auf dem Schöpfungsplan und gehören in den Plan der Erlösung. Man könnte vielleicht, mit einer etwas gewagten Formulierung, sagen: Die Rechte des Menschen sind auch die Rechte Gottes« (Ansprache, 7.4.1998).

Gerade wenn es um die Verteidigung der Rechte des Gewissens ging, leuchtete das Beispiel des Thomas Morus in hellem Licht. Man kann davon sprechen, daß er auf einzigartige Weise den Wert eines sittlichen Gewissens lebte, das »Zeugnis von Gott selbst [ist], dessen Stimme und dessen Urteil das Innerste des Menschen bis an die Wurzeln seiner Seele durchdringen« (Apostolisches Schreiben Veritatis splendor, Nr. 58), auch wenn er im Hinblick auf das Vorgehen gegen die Häretiker, die Grenzen der Kultur seiner Zeit erfahren mußte.

Das Zweite Vatikanische Konzil bemerkt in der Konstitution Gaudium et spes, daß in der heutigen Welt »das Bewußtsein der erhabenen Würde« wächst, »die der menschlichen Person zukommt, da sie die ganze Dingwelt überragt und Träger allgemeingültiger sowie unverletzlicher Rechte und Pflichten ist« (Nr. 26). Der Fall des heiligen Thomas Morus macht eine Grundwahrheit der politischen Ethik deutlich. Die Verteidigung der Freiheit der Kirche gegen unrechtmäßige Einmischungen seitens des Staates ist nämlich gleichzeitig Verteidigung – im Namen des Primats des Gewissens – der Freiheit der Person gegenüber der politischen Macht. Darauf beruht das Grundprinzip jeder zivilen Ordnung, die der Natur des Menschen entspricht.

5. Ich vertraue deshalb darauf, daß die Erhebung der herausragenden Gestalt des heiligen Thomas Morus zum Patron der Regierenden und der Politiker der Gesellschaft zum Wohl gereicht. Im übrigen steht diese Initiative in vollem Einklang mit dem Geist des Großen Jubiläums, das uns in das dritte christliche Jahrtausend führt.

Nach reiflicher Überlegung gebe ich daher gern dem an mich gerichteten Ersuchen statt und ernenne und erkläre den heiligen Thomas Morus zum himmlischen Patron der Regierenden und der Politiker. Gleichzeitig gewähre ich, ihm alle Ehren und liturgischen Privilegien zu erweisen, die den Patronen von Berufsständen zustehen.

Gelobt und gepriesen sei Jesus Christus, der Erlöser des Menschen gestern, heute und in Ewigkeit.

Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am 31. Oktober 2000, dem dreiundzwanzigsten Jahr meines Pontifikates.

IOANNES PAULUS PP. II

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Quelle