Vatikan würdigt Marienwallfahrtsort Loreto mit neuem Gedenktag

Wallfahrtsbasilika in Loreto an der Adria (ANSA)

Der bisher nur an einigen Orten begangene Gedenktag der „Maria von Loreto“ soll künftig von der katholischen Kirche weltweit gefeiert werden. Hintergrund ist die Bedeutung des italienischen Wallfahrtsorts Loreto, wie aus einem nun veröffentlichten Dekret der Römischen Gottesdienstkongregation hervorgeht.

Der Gedenktag soll demnach für den 10. Dezember in den Römischen Kalender eingetragen und jedes Jahr zu diesem Datum begangen werden. Die entsprechenden Texte für das Messbuch und das Stundengebet veröffentlichte die Kongregation mit dem von Kardinal Robert Sarah unterzeichneten Dekret.

Papst Franziskus hatte Loreto dieses Jahr im März besucht. In der Basilika vom Heiligen Haus in Loreto wird der Tradition nach Marias Geburtshaus aus Nazareth verwahrt, wo ihr der Erzengel Gabriel die Nachricht der Geburt Jesu verkündete. Im Inneren der Wallfahrtskirche befinden sich die drei Wände des Hauses aus Nazareth, die Kreuzritter 1294 nach Loreto brachten.

Papst Julius II. (1503-1513) beauftragte eine Marmorverkleidung des Hauses nach einem Entwurf von Donato Bramante (1444-1514), die 1513 bis 1527 ausgeführt wurde. Sie gilt als Meisterwerk der italienischen Renaissance-Bildhauerei.

Dem Wallfahrtsort sei es gelungen, „im Lauf der Zeit nicht weniger als Nazareth im Heiligen Land die evangelischen Tugenden der Heiligen Familie zu veranschaulichen“, heißt es in dem Dekret, das auf den 7. Oktober datiert. Maria von Loreto habe zudem vielen Kranken geholfen und auch vielen Flugreisenden, deren Patronin sie ist. Einer Legende nach haben Engel das Haus von Nazareth durch die Luft nach Loreto gebracht.

(kap – gs)

LESEN SIE AUCH:

Wir können nicht länger schweigen!

Beeindruckende Predigt von Robert Kardinal Sarah in der Kathedrale in Chartres. Das Pontifikalamt mit Kardinal Sarah bildete den Abschluss der großen Pfingstwallfahrt von Paris nach Chartres, an der in diesem Jahr 2018 rund 13000 Pilger teilnahmen. An der Schlussmesse in Chartres waren rund 15000 Menschen anwesend. Die Übersetzung der französischen Predigt wurde von der FSSP angefertigt.

Zu Beginn sei es mir gestattet, mich ganz herzlich bei Seiner Exzellenz Msgr. Philippe Christory, dem Bischof von Chartres, zu bedanken für seine brüderliche Gastfreundschaft hier in seiner herrlichen Kathedrale.

Liebe Chartres-Pilger,
„Das Licht ist in die Welt gekommen“, sagt uns Jesus im heutigen Evangelium, „doch die Menschen hatten die Finsternis lieber als das Licht“.
Und Ihr, liebe Pilger, habt Ihr das einzig wahre Licht angenommen, das nicht täuschen kann, das Licht Gottes? Ihr seid drei Tage lang marschiert, Ihr habt gebetet, gesungen, gelitten unter der Sonne und dem Regen. Habt Ihr das Licht in Eure Herzen aufgenommen? Habt Ihr wirklich der Finsternis abgeschworen? Habt Ihr Euch entschieden, auf dem Weg zu bleiben, indem Ihr Jesus folgt, der das Licht der Welt ist?

Liebe Freunde, bitte erlaubt mir, Euch diese radikalen Fragen zu stellen, denn wenn Gott nicht Euer Licht ist, ist alles andere nutzlos. Ohne Gott ist alles Finsternis!
Gott ist zu uns gekommen, Er ist Mensch geworden. Er hat uns die einzige Wahrheit offenbart, die uns rettet, Er ist gestorben, um uns von der Sünde zu befreien und an Pfingsten hat Er uns den Heiligen Geist gesandt und uns beschenkt mit dem Licht des Glaubens … aber wir hatten die Finsternis lieber als das Licht!
Schauen wir uns doch um! Die westliche Gesellschaft zieht es vor, sich ohne Gott zu organisieren. Da sehen wir jetzt, wie sie ausgeliefert ist an die blendenden und trügerischen Lichter einer Gesellschaft des Konsums, des unbedingten Profits, des brutalen Individualismus.
Eine Welt ohne Gott ist eine Welt der Finsternis, der Lüge und des Egoismus!
Ohne das Licht Gottes ist die westliche Gesellschaft wie ein schwankendes Boot in der Nacht geworden! Sie hat nicht mehr genug Liebe, um ihre Kinder anzunehmen, sie schon im Mutterleib zu schützen, sie vor der Bedrohung der Pornographie zu bewahren.
Getrennt von Gottes Licht, weiß die westliche Gesellschaft nicht mehr, was es heißt, die betagten Menschen zu respektieren, ihre Kranken zu begleiten auf dem Weg des Sterbens, einen Platz zu bereiten für die Ärmsten und Schwächsten.
Sie ist der Dunkelheit der Angst, der Traurigkeit, der Isolation ausgeliefert. Sie hat nichts mehr zu bieten als die Leere und das Nichts. Sie lässt die verrücktesten Ideologien wuchern.
Eine westliche Gesellschaft ohne Gott kann zur Wiege eines ethischen und moralischen Terrorismus werden, der brutaler und zerstörerischer ist als der Terrorismus der Islamisten. Erinnert Euch an das, was Jesus uns gesagt hat: „Fürchtet euch nicht vor denen, die zwar den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet vielmehr den, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle zu stürzen vermag.“ (Mt 10,28)

Liebe Freunde, bitte verzeiht mir diese Schilderung, aber man muss klar und realistisch sein.
Wenn ich in dieser Weise zu Euch spreche, dann deshalb, weil ich in meinem Priester- und Hirtenherzen ein tiefes Mitleid fühle mit all den verirrten, verlorenen, traurigen, verängstigten und einsamen Seelen! Wer wird sie wieder zum Licht führen? Wer wird ihnen den Weg der Wahrheit zeigen, den einzig wahren Weg der Freiheit, den Weg des Kreuzes?
Werden sie dem Irrtum, dem hoffnungslosen Nihilismus oder dem aggressiven Islamismus ausgeliefert, ohne dass man etwas dagegen unternimmt?
Wir müssen in die Welt hinein rufen, dass unsere Hoffnung einen Namen hat: Jesus Christus, er ist der einzige Retter der Welt und der Menschheit! Wir können nicht länger schweigen!

Liebe Pilger aus Frankreich, betrachtet diese Kathedrale! Eure Vorfahren haben sie gebaut, um ihren Glauben zu verkünden! Alles hier, die Architektur, die Skulpturen, die Fenster, verkündet die Freude, von Gott gerettet und geliebt zu sein. Auch Eure Vorfahren waren nicht vollkommen, sie waren auch nicht ohne Sünden. Aber sie wollten, dass das Licht des Glaubens ihre Finsternis erleuchtet!
Heute wach auch Du auf, Volk von Frankreich! Wähle das Licht! Schwöre ab der Finsternis! Aber wie?
Das Evangelium gibt uns die Antwort: „Wer die Wahrheit tut, kommt zum Lichte“. Lassen wir unser Leben vom Licht des Heiligen Geistes erleuchten, konkret, einfach und bis hinein in die tiefsten Tiefen unseres Seins. Die Wahrheit tun, das bedeutet, Gott in die Mitte unseres Lebens zu stellen, so wie das Kreuz die Mitte dieser Kathedrale ist.
Meine Brüder und Schwestern, entscheiden wir uns, uns IHM zuzuwenden, jeden Tag!
Jetzt, in diesem Moment, wollen wir uns entschließen, uns jeden Tag einige Minuten der Stille zu nehmen, um uns auf Gott auszurichten, um Ihm zu sagen: „Herr, herrsche Du in mir! Dir gebe ich mein ganzes Leben!“
Liebe Pilger, ohne Stille gibt es kein Licht. Die Finsternis nährt sich von dem unablässigen Lärm dieser Welt, die uns daran hindern will, uns auf Gott auszurichten.
Nehmen wir die heutige Messliturgie zum Vorbild; sie führt uns zur Anbetung, zu einer kindlichen und liebevollen Ehrfurcht vor der Größe Gottes. Sie gipfelt in der Wandlung, wo wir alle gemeinsam auf den Altar ausgerichtet sind, unsere Blicke zur Heiligen Hostie erhoben, zum Kreuz, hier sind wir alle in Stille vereint in Kontemplation und Anbetung.
Liebe Brüder und Schwestern, wir wollen gerade diese Liturgie lieben, die uns die stille Gegenwart und Transzendenz Gottes verkosten lässt und uns auf den Herrn ausrichtet.

Meine lieben Mitbrüder im Priesteramt, ich möchte mich nun besonders an Euch wenden. Das Heilige Opfer der Messe ist der Ort, wo Ihr das Licht für Euren Dienst findet. Die Welt, in der wir leben, fordert uns ständig. Wir sind dauernd in Bewegung und wenn wir nicht gelegentlich anhalten und uns die Zeit nehmen, um uns in die Wüste zurückzuziehen und ein wenig in der Einsamkeit und Stille auszuruhen, zusammen mit dem Herrn, dann besteht die große Gefahr, dass wir zu Sozialarbeitern degenerieren. Dann werden wir nicht mehr das Licht Gottes in die Welt tragen, sondern nur noch unser eigenes Licht, das aber erwarten die Menschen nicht von uns. Was die Welt vom Priester erwartet, ist, dass er Gott und das Licht seines Wortes verkündet, eindeutig und ohne Verfälschungen.
Wir wollen uns Gott bei der Feier der Liturgie gesammelt zuwenden, voll Ehrfurcht, in Stille, die Heiligkeit zum Ausdruck bringen. Erfinden wir nichts Neues in der Liturgie, wir empfangen alles von Gott und seiner Kirche. Wir wollen keine Show abziehen oder unseren Erfolg suchen. Die Liturgie lehrt uns: Priester zu sein bedeutet nicht, viel zu machen, es heißt vielmehr mit dem Herrn am Kreuz zu sein!
Die Liturgie ist der Ort, wo der Mensch Gott von Angesicht zu Angesicht begegnet. Die Liturgie ist der erhabenste Moment, in dem Gott uns lehrt „teilzuhaben an der Bildgestalt seines Sohnes Jesus Christus, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.“ (Röm 8, 29) Die Liturgie ist keine Gelegenheit und darf auch nie dazu werden, um zu zerreißen, zu kämpfen oder zu streiten.
In der ordentlichen wie in der außerordentlichen Form des römischen Ritus ist das Wesentliche die Hinwendung zum Kreuz, zu Christus, unserem Orient, unserem Alles, unserem einzigen Horizont. Ob nun in der ordentlichen oder in der außerordentlichen Form, lasst uns immer so zelebrieren, wie wir es auch heute tun, wie es das zweite Vatikanische Konzil lehrt: mit edler Schlichtheit, ohne unnötige Überladungen, falschen Ästhetizismus oder Theatralik, aber mit jenem Sinn für das Heilige, der Gott zuerst die Ehre gibt und mit der wahren Gesinnung eines Sohnes der Kirche, heute und für immer!
Liebe Mitbrüder im Priesteramt, bewahrt Euch immer diese Gewissheit: mit Christus am Kreuz zu sein, das ist es, was der priesterliche Zölibat der Welt verkündet! Der Plan , den gewisse Leute aufs Neue gefasst haben, den priesterlichen Zölibat abzuschaffen, indem sie die Heiligen Weihen verheirateten Männern erteilen wollen (den „viri probati“) aus so genannten „pastoralen Gründen“, würde gravierende Konsequenzen nach sich ziehen, es wäre wirklich ein definitiver Bruch mit der apostolischen Überlieferung. Wir sind dabei, ein Priestertum zu erschaffen nach menschlichem Maß, aber so verwirklichen und repräsentieren wir nicht mehr das Priestertum Christi, das gehorsam, arm und keusch ist. Schließlich ist der Priester nicht nur ein „alter Christus“ (ein anderer Christus), er ist wirklich „ipse Christus“ (Christus selbst). Das ist der Grund, warum in der Nachfolge Christi und der Kirche, der Priester immer ein Zeichen des Widerspruchs sein wird!

An Euch, liebe Christen und in der Welt engagierte Laien, möchte ich mit Nachdruck sagen: „Fürchtet Euch nicht! Habt keine Angst, das Licht Christi in diese Welt zu tragen!“
Euer erstes Zeugnis muss Euer persönliches Beispiel sein: handelt nach der Wahrheit! In Euren Familien, am Arbeitsplatz, in Euren gesellschaftlichen Beziehungen, der Wirtschaft, der Politik möge Christus Euer Licht sein! Habt keine Angst, zu bezeugen, dass all Eure Freude von Christus kommt! Ich bitte Euch, versteckt nicht die Quelle Eurer Hoffnung! Im Gegenteil, verkündet! Bezeugt! Evangelisiert! Die Kirche braucht Euch! Erinnert alle daran, dass nur „der gekreuzigte Christus den Sinn der authentischen Freiheit offenbart!“ (Hl. Johannes Paul II., Veritatis Splendor, 85.) Mit Christus befreiet die Freiheit, die heute gefesselt ist durch falsche Menschenrechte, welche ganz auf die Selbstzerstörung des Menschen ausgerichtet sind.
An Euch, liebe Eltern, möchte ich eine ganz besondere Botschaft richten. Familienvater und -mutter zu sein in der heutigen Welt, ist oftmals ein leid- und sorgenvolles Abenteuer. Die Kirche sagt Euch: „Danke!“ Ja, Danke, dass Ihr Euch selbst so großzügig verschenkt!
Habt den Mut, Eure Kinder im Licht Christi zu erziehen. Manchmal muss man gegen starken Gegenwind kämpfen und Spott und Verachtung der Welt ertragen. Doch wir sind nicht hier, um der Welt zu gefallen! „Wir verkünden Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis, den Heiden eine Torheit“ (1Kor 1,23f)
Habt keine Angst! Gebt nicht auf! Die Kirche hat Euch durch die Stimme der Päpste- besonders seit der Enzyklika Humanae Vitae- eine prophetische Mission anvertraut: Vor allen das Zeugnis unseres frohen Vertrauens auf Gott abzulegen, der uns zu verständigen Wächtern der Naturordnung bestellt hat. Ihr verkündet das, was Jesus uns durch sein Leben selbst geoffenbart hat: „dass sich die Freiheit in der Liebe, d.h. in der Selbsthingabe, verwirklicht.“ (Veritatis Splendor, 87.)

Liebe Familienväter und -mütter, die Kirche liebt Euch! Liebet die Kirche! Sie ist Eure Mutter. Schließt Euch nicht denen an, die sie verspotten, denn sie sehen nur die Falten ihres gealterten Gesichtes, das gezeichnet ist durch die Jahrhunderte des Leidens und der Prüfungen. Dennoch ist sie auch heute noch schön und strahlt Heiligkeit aus.

Endlich will ich mich auch an Euch wenden, Ihr Jugendlichen, die Ihr hier so zahlreich hier anwesend seid!
Zunächst möchte ich Euch bitten, auf einen „Alten“ zu hören, der eine viel größere Autorität hat als ich. Es handelt sich um den heiligen Evangelisten Johannes. Über das Beispiel seines Lebens hinaus hat er auch eine Botschaft für die Jugend hinterlassen. In seinem ersten Brief lesen wir die bewegenden Worte eines „Alten“ an die Jungen der Kirchen, die er gegründet hat. Höret seine Stimme voll Kraft, Weisheit und Wärme: „Ich schreibe euch, ihr jungen Männer, denn ihr seid stark, und das Wort Gottes bleibt in euch, und ihr habt den Bösen besiegt. Liebet nicht die Welt und das, was in der Welt ist.“ (1Joh 2,14f)
Die Welt, die wir nicht lieben sollen, so kommentiert P. Raniero Cantalamessa in seiner diesjährigen Karfreitagspredigt in Rom, und die Welt, der wir uns nicht angleichen sollen, ist nicht die Welt, die Gott geschaffen hat und die er liebt, das wissen wir wohl, es sind nicht die Menschen in der Welt gemeint, die Armen und die Ärmsten, im Gegenteil, zu ihnen sollen wir immer gehen, um sie zu lieben und ihnen in Demut zu dienen … Nein! Die Welt, die wir nicht lieben sollen, ist eine andere Welt; es ist die Welt, die gekommen ist durch die Herrschaft Satans und der Sünde. Die Welt der Ideologien, die die Natur des Menschen verneint und die Familien zerstört … Die UN-Strukturen, die der Welt eine neue Ethik auferlegen, spielen eine entscheidende Rolle und sind heute zu einer überwältigenden Macht geworden, die sich wie Wellen ausbreitet durch die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten der Technologie. In vielen westlichen Ländern ist es schon fast ein Verbrechen, sich diesen schrecklichen Ideologien zu entziehen. Das ist es, was man Adaption des Zeitgeistes nennt, der Konformismus. Ein großer gläubiger britischer Poet des vergangenen Jahrhunderts, Thomas Stearns Eliot, schrieb drei Verse, die mehr sagen als ganze Bücher: „In einer Welt der Flüchtlinge wird derjenige, der die entgegengesetzte Richtung einschlägt, als Deserteur angesehen.“ Liebe junge Christen, wenn es einem „Alten“, wie es der hl. Johannes war, erlaubt war, sich direkt an Euch zu wenden, so rufe auch ich Euch zu und sage Euch: Ihr habt das Böse besiegt! Bekämpfet jedes widernatürliche Gesetz, das man Euch auferlegen will, stellt Euch gegen jedes lebens- und familienfeindliche Gesetz. Seid diejenigen, die die entgegengesetzte Richtung einschlagen! Wagt es, gegen den Strom zu schwimmen! Für uns Christen ist dieser entgegengesetzte Weg nicht örtlich zu verstehen, er ist eine Person, Jesus Christus, unser Freund und Retter. Euch ist eine ganz besondere Aufgabe anvertraut, nämlich die Liebe zu retten vor dem tragischen Absturz, in den sie geraten ist, … eine Liebe, die nicht mehr sich selbst als Geschenk an den anderen sieht, sondern nur mehr den anderen als Besitz – was oftmals eine gewaltsame, tyrannische Inbesitznahme bedeutet –. Am Kreuz hat Gott sich offenbart als „Agape“, das bedeutet als Liebe, die sich hingibt bis zum Tod. (Predigt von P. R. Cantalamessa, Karfreitag 2018 im Petersdom, Rom) Wahrhaft lieben heißt sterben für den anderen, so wie der junge Polizist Colonel Arnaud Beltrame!
Liebe Jugendliche, sicher erlebt Ihr oft in Eurer Seele den Kampf zwischen Licht und Dunkel. So manches Mal werdet Ihr einfach in Versuchung geführt durch die Vergnügungen der Welt.
Aus der Tiefe meines Priesterherzens sage ich Euch: Zögert nicht! Jesus gibt Euch alles! Ihr werdet nichts verlieren, wenn Ihr IHM nachfolgt, um Heilige zu werden! Ihr werdet vielmehr die einzige Freude gewinnen, die niemals vergeht! Liebe Jugendliche, wenn Christus Euch heute ruft, IHM zu folgen als Priester, als Ordensfrau oder Ordensmann, dann zögert nicht! Sagt IHM „Fiat“, ein begeistertes und bedingungsloses JA!
Es ist der Wille Gottes, dass Er Euch braucht, welche Gnade! Welche Freude!
Der Westen wurde missioniert durch Heilige und Märtyrer. Ihr Jugendlichen von heute, Ihr müsst Heilige und Märtyrer sein, damit die Völker aufmerksam werden für eine neue Evangelisation. Eure Heimat dürstet nach Christus. Enttäuscht sie nicht! Die Kirche vertraut auf Euch!
Ich bete darum, dass viele von Euch heute, während dieser Messe, auf den Ruf Gottes in seine Nachfolge antworten und alles verlassen für sein Licht.
Liebe Jugendliche, fürchtet Euch nicht, Gott ist der einzige Freund, der Euch niemals enttäuschen wird!
Wenn Gott ruft, dann ist Er radikal. Das zeigt, dass Er bis auf den Grund, bis an die Wurzel geht. Liebe Freunde, wir sind nicht berufen, mittelmäßige Christen zu sein! Nein, Gott ruft uns zur Ganzhingabe, bis zum Martyrium des Leibes oder des Herzens!
Liebes Volk von Frankreich, es sind die Klöster, die Deinem Land die Zivilisation gebracht haben! Es sind die Männer und Frauen, die Jesus radikal, bis zum Ende nachgefolgt sind, die das christliche Europa aufgebaut haben. Weil sie Gott allein gesucht haben, konnten sie eine schöne und wohltuende Gesellschaft aufbauen, so wie diese Kathedrale.
Volk von Frankreich, Völker des Westens, Ihr findet Frieden und Freude nur, wenn Ihr Gott allein sucht! Kehrt zurück zu den Quellen, kehrt zurück zu den Klöstern! Ja, Ihr alle, wagt es, einige Tage in einem Kloster zu verbringen! In dieser lauten, hässlichen und traurigen Welt sind die Klöster Oasen der Schönheit und der Freude. Hier könnt Ihr die Erfahrung machen, dass es möglich ist, Gott ins Zentrum seines ganzen Lebens zu stellen. Hier könnt Ihr die Erfahrung der einzigen Freude machen, die nicht vergeht!

Liebe Pilger, widersagen wir der Finsternis. Wählen wir das Licht! Lasst uns die Heilige Jungfrau Maria bitten, dass wir, wie sie, ein vollkommenes „Fiat“, das heißt JA, sagen können und wie sie das Licht des Heiligen Geistes in uns aufnehmen können. An diesem Tag dürfen wir, dank der Fürsorge des Heiligen Vaters Papst Franziskus, Maria als Mutter der Kirche feiern, lasst uns diese allerseligste Mutter bitten um ein Herz wie das ihre, ein Herz, das Gott nichts verweigert, ein Herz, das in Liebe brennt für die Ehre Gottes, ein Herz, das glüht in der Verkündigung der Frohen Botschaft, ein großzügiges Herz, ein großes Herz wie das Herz Mariens, nach dem Maß der Kirche, nach dem Maß des Herzens Jesu!
Amen!

_______

Quelle

Papst pilgert in größten Marienwallfahrtsort Rumäniens

Sumuleu Ciuc

Am 1. Juni feiert Papst Franziskus im rumänischen Marienwallfahrtsort Sumuleu Ciuc eine große Messe unter freiem Himmel. Sumuleu Ciuc (ung. Csiksomlyo, dt. Schomlenberg) ist einer der größten Pilgerorte des Balkanlandes, das Johannes Paul II. bei seinem Rumänienbesuch 1999 der vielen Marienkirchen wegen einen „Garten der Muttergottes“ nannte.

Auf Papst Franziskus werden in dem Heiligtum laut Kirchenverantwortlichen mindestens 100.000 Menschen warten – und wohl auch viele ungarischen Flaggen. Der Wallfahrtsort liegt in einer mehrheitlich ungarischsprachigen Gegend Siebenbürgens, wird wegen seiner Geschichte aber auch von vielen Gläubigen ungarischer Muttersprache aus dem Ausland besucht. Für die Papstmesse hat sich Ungarns Staatspräsident Janos Ader angekündigt.

Pilgerziel in Sumuleu Ciuc ist eine mehr als zwei Meter große gotische Holzstatue, Maria mit dem Jesuskind und Zepter. Sie wurde um 1515 für die Kirche der seit 1400 in Csiksomlyo ansässigen Franziskaner geschaffen und ist angeblich die größte bekannte Gnadenstatue der Welt. Seit dem 16. Jahrhundert pilgern alljährlich zu Pfingsten die katholischen Magyaren des Szeklerlandes und die römisch-katholischen Tschangos (auch Tschangonen genannt) aus der Moldau zu dem Franziskanerkloster mit seiner Marienkirche.

Die Geschichte der Pfingstwallfahrt geht dabei auf das Jahr 1567 zurück, als der ungarische König und Fürst von Siebenbürgen, Johann Sigismund Zapolya (1540-1571), die katholischen Szekler mit einem kalvinistischen Heer angriff. Zur entscheidenden Schlacht kam es am Pfingstsamstag. Die Szekler siegten, schrieben ihren Erfolg der Hilfe der Muttergottes zu und entschlossen sich, jedes Jahr zu Pfingsten zum Schauplatz zu pilgern. Ein Jahrhundert später verwüsteten türkische Soldaten die Pilgerstätte; die Statue blieb jedoch unversehrt. Die heutige Kirche wurde zwischen 1802 und 1824 im klassizistischen Barockstil erbaut.

In kommunistischer Zeit waren Pilgerfahrten in Rumänien zwar nicht verboten, doch versuchten die Behörden, die Teilnahme durch Schikanen zu behindern. 1990 fand erstmals seit 1949 wieder eine vollständige Wallfahrt nach Csiksomlyo statt. In den vergangenen Jahren nahmen daran jeweils rund 300.000 Menschen an den Wallfahrtstagen teil; 2017 gab es die 450-Jahr-Feiern.

Über den sogenannten „Mitteleuropäischen Marienweg“ ist Sumuleu Ciuc auch mit einigen der bekanntesten europäischen Pilgerzentren verbunden. Neben der Nord-Süd-Route von Tschenstochau nach Medjugorje gibt es für den Marienweg auch eine Ost-West-Route, die von Csiksomlyo ins steirische Mariazell führt.

(kap/vatican news – mg)

LESEN SIE AUCH:

EUROPA STEHT AM SCHEIDEWEG

Europa steht am Scheideweg: Wird es sich unter Politikern wie Merkel und Macron weiterhin in rasantem Tempo in Eurabia verwandeln? Oder wird es sich auf die Grundlagen des jüdisch-christlichen Abendlandes zurückbesinnen und diese wehrhaft verteidigen?

Tertium non datur! Einen dritten Weg kann es nicht geben – weshalb überzeugte Christen in Deutschland am kommenden Sonntag reinen Gewissens eigentlich nur die AfD wählen können.

Ein Videokommentar von Dr. David Berger aus dem niederrheinischen Marienpilgerort Kevelaer

UNSERE LIEBE FRAU VOM GUTEN RAT

Auch bekannt als:
Mutter vom Guten Rat – Unsere Liebe Frau von Shkodra – Unsere Liebe Frau der Guten Dienste und Hl. Maria des Paradieses
Englischer Originaltext von M. Jean Frisk

Ikone

Das Bild, so wie es im Westen bekannt ist, kann bis ins Jahr 1467 nach Genazzano (Italien) zurückverfolgt werden, einer kleinen Stadt, die ungefähr 47 km südöstlich von Rom liegt. Es befindet sich gegenwärtig in einer Seitenkapelle der Kirche Unserer Lieben Frau vom Guten Rat, die zwischen 1621 und 1629 erbaut wurde. Von dieser Kirche leitet das Bild seinen Namen her. Ungefähr 39½ weit und 44½ cm hoch ist das Gemälde ein Fresko, das auf einer dünnen Schicht, die nicht viel dicker als Papier war, aus Gips oder Porzellan gemalt wurde. Ein Schriftsteller beschreibt es als ein Fresko auf einem Material, das Eierschalen ähnelt. … Das Werk selbst stammt wahrscheinlich von einer umbrischen Arbeit aus dem 14. Jahrhunderts.

 

 

Am 22.4.1993 besuchte Papst Johannes Paul II., wie so viele Päpste vor ihm, im Rahmen der
Vorbereitung auf seine Reise nach Albanien, das Heiligtum in Genazzano und betete vor dem Gnadenbild der Mutter vom Guten Rat.

 

Ursprung

Wir kennen zwei Handlungsstränge zur Geschichte Unserer Lieben Frau vom Guten Rat. Die meisten Quellen verweisen auf die mit der Antike verflochtenen heiligen Legenden eines albanischen Bildes, Unserer Lieben Frau von Shkodra (guter Rat) und dem italienischen Bild in Genazzano. Das albanische, katholische Bulletin gibt einen schönen, kurzen Bericht der Legende:

Die Geschichte Unserer Lieben Frau von Shkodra (guter Rat) ist teilweise die Geschichte des albanischen Katholizismus… O Nane, Zoje e Shkodres Lutu per Shiqipni (O Mutter, Unsere Liebe Frau von Shkodra – bete für Albanien) dies wurde in den dunkelsten Zeiten der Fremdherrschaft Albaniens und seiner religiösen Verfolgung gebetet. Die heilige Legende der antiken Ikone… wurde von Generation zu Generation weitererzählt und selbst von kirchlichen Kommissionen aufgeschrieben.

Die Albaner hegten eine besondere Verehrung und Liebe für die Jungfrau Maria, die Zoja e Bekueme (Unsere selige Liebe Frau). Zahlreiche Kirchen und Kapellen wurden ihr zu Ehren überall im Land errichtet. Marienheiligtümer wurden auf Berghängen und an Straßenkreuzungen in den Niederungen erstellt, die als Zeichen der Huldigung und Verehrung mit Blumen und Baumgrün geschmückt werden.

Eine dieser Kirchen, die der Zoja e Bekueme geweiht ist, liegt unterhalb der alten illyrischen Festung von Shkodra. Diese Kirche war wegen eines besonderen Gemäldes Unserer Lieben Frau ein Zentrum der besonderen Verehrung. Die Ikone hing an der Wand über dem Hauptaltar. Wegen des „mütterlichen Ausdrucks und der erhebenden Freundlichkeit in Ihrem Blick,“ wurde die Zoja e Bekueme von den Albanern als „ein lebendig gewordener Engel“ verehrt. Die Berühmtheit dieses Gemäldes und Geschichten über den Schutz, den zahlreiche Bittsteller empfangen haben, zog große Mengen in die Kirche.

Als im fünfzehnten Jahrhundert die ottomanischen Türken eindrangen, wurde die Kirche der Zoja e Bekueme zu einer Quelle des Trostes und der Ermutigung. Ihr Schutz wurde vor allem nach dem Tode des albanischen Kriegers Gjergi Kastrioti (Skanderbeg) im Jahre 1405 gesucht. Skanderbeg hatte oft vor dem Gemälde gebetet und um Rat und Stärke für sein Heer ersucht. Dennoch eroberten die Türken rasch Albanien. Die letzte Festung des albanischen Widerstandes war Shkodra.

Die Geschichte fährt fort: „Während der Belagerung von Shkodra hielten eines Tages zwei entkommene Albaner bei der Kirche an, um zur Zoja e Bekueme für Schutz auf der Flucht zu beten. Während sie leidenschaftlich beteten, bemerkten sie plötzlich, dass sich das Gemälde von der Wand wegbewegte… Die beiden Albaner Gjorgij und De Sclavis folgten dem Gemälde die ganze Strecke bis nach Rom als ob es ein leuchtender Stern wäre. In Rom verschwand das Bild. Sie hörten Gerüchte, dass ein wunderbares Bild in Genazzano erschienen sei. Sie eilten zu der nahegelegenen Stadt und entdeckten dort das Gemälde ihrer geliebten Zoja e Bekueme.“ Die beiden „ließen sich daraufhin dort nieder und machten Genazzano zu ihrer Heimat.“

An dieser Stelle beginnt der zweite Strang der Geschichte:

Als Papst Sixtus III (432-440) um Hilfe bei der Renovierung von Maria Maggiore aufrief, leisteten die Leute von Genazzano einen großzügigen Beitrag. Dem Stadtbezirk, der am meisten beigetragen hatte, wurde ein bestimmter Grundbesitz gegeben. Schließlich wurde eine Kirche mit dem Namen Unsere Liebe Frau vom Guten Rat auf diesem Land erbaut.

1356 wurde den Augustinern die Kirche anvertraut. Joan Carroll Cruz schreibt:

Im Lauf der Zeit wurde die Kirche renovierungsbedürftig. Im Jahre des Wunders von 1467 fühlte sich die einheimische Witwe Petruccia de Geneo dazu berufen, ihre dürftigen Geldmittel für die erforderlichen Reparaturen zu opfern. Ihre Freunde und Nachbarn hielten ihren Plan für anmaßend und lehnten es ab, ihr lobenswertes Unterfangen zu unterstützen. Nachdem die Witwe ihr ganzes Geld für Reparaturen ausgegeben hatte, musste die Arbeit wegen der gestiegenen Kosten vom Material als auch der Arbeiten eingestellt werden. Als die Leute dies sahen, verspotteten sie sie und machten sie lächerlich. Lachend nannten sie das unvollendete Werk „Petruccias Torheit.“ Trotzdem wurde ihre Anstrengungen auf eine wundervolle Weise belohnt.

Am St. Markustag, dem 25. April 1467 nahm die ganze Bevölkerung der Stadt am jährlichen Fest zu Ehren des Tagesheiligen teil. Ungefähr um 4 Uhr nachmittags hörten die Feiernden auserlesene Musik. Dann, als sie stumm zum Himmel nach dem Ursprung des Gesanges starrten, sahen sie an einem sonst klaren Himmel eine geheimnisvolle Wolke, die herunterstieg, bis sie eine unfertige Wand der Kirche verdeckte. Vor den Tausenden von Ehrfurcht Ergriffenen teilte sich die Wolke und löste sich auf, indem sie ein Portrait Unserer Lieben Frau und dem Christuskind offenbarte, Das Bild blieb zuoberst auf der unfertigen Mauer liegen. die nur ein paar Fuß hoch war. Man sagt, dass die Kirchenglocken der Stadt von selbst läuteten und Leute aus außerhalb liegenden Gegenden anzogen. Petruccia, die in einem anderen Bezirk gebetet hatte, eilte zum Ort der Handlung herbei, als sie die Glocken hörte. Sie fiel in Tränen vor dem wunderbaren Bild nieder.

Wundertätige Eigenschaft

Der Provinzial des Augustinerordens Ambrogio da Cori berichtete, dass aus ganz Italien die Leute kamen, um das gesegnete Bild zu besuchen; Großstädte und Städte kamen auf Pilgerfahrt. Viele Wunder ereigneten sich, und viele Gefallen wurden gewährt… Das äußerst schöne Bild Marias erschien auf der Wand ohne menschliches Zutun.

Die Anzahl der Heilungen war so groß, dass ein Notar bestimmt wurde, um ein Register von den wichtigsten Ereignissen zu erstellen. Diese Aufzeichnung, die noch aufbewahrt wird, bestätigen, dass sich vom 27. April bis 14. August 1467 171 Wunder ereigneten.

In einer gründlichen, ausführlichen Studie schreibt Joao S. Cla Dias: „… das Fresko ist auf unerklärliche Weise in der Nähe der Wand der Kapelle in der Kirche von Unserer Lieben Frau vom Guten Rat über 500 Jahre in der Luft hängengeblieben.“ Die Arbeit von Cla Dias enthält mehrere Dokumente über den wundertätigen Charakter des Bildes und schließt auch die erstaunliche Tatsache mit ein, dass das Gemälde nicht auf der Rückseite montiert oder befestigt ist. Es gibt auch Anzeichen, dass das Bild verschiedene Gesichtsausdrücke annimmt.

Ein riesiges Register der übernatürlichen Ereignisse, die mit dem Bild Unserer Lieben Frau vom Guten Rat oder seinen Kopien in Verbindung stehen bestätigt Bekehrungen, Heilungen und besonders erbetene Gnaden, die in Verbindung mit dem Bild stehen.

Verehrung

Die christliche Bevölkerung Albaniens hat das Gedächtnis an Unsere Liebe Frau des Guten Rates über Jahrhunderte hinweg lebendig erhalten. Die katholische Bevölkerung des Landes feiert nicht nur einen, sondern zwei Feiertage zu Ehren Unserer Lieben Frau vom Guten Rat: am 26. April für ganz Albanien und am dritten Sonntag des Oktobers für das Gebiet um Scutari. Die Leute kommen von überall her, um sich zu Tausenden vor der Kathedrale zu versammeln, wo einst Unsere Liebe Frau vom Guten Rat erschienen ist. Sie singen eine sehr alte Hymne mit dem Refrain:

Mutter des Guten Rates, kehre zu uns zurück. Führe uns auf den Weg des Friedens.

Kopien des Bildes werden überall in den Häusern in Albanien gefunden selbst während der Zeit der kommunistischen Herrschaft im 20. Jahrhundert. Es ist der Augustinerorden, der zur weltweiten Ausbreitung der Verehrung Unserer Lieben Frau vom Guten Rates beigetragen hat. Karl Kolb schreibt:

Während der Zeit der Gegenreformation beschlossen die Augustiner, den gesamten Orden unter den Schutz dieser Madonna zu stellen und sie zu ehren, wo auch immer sie sich niederlassen würden. Zum Beispiel wurden in Deutschland binnen kurzem siebzigtausend Bilder verbreitet. Heute werden Kopien des Bildes in Augustinerkirchen und -klöstern vorgefunden. Viele Bruderschaften entwickelten sich unter ihrer Schutzherrschaft. Papst Leo XIII fügte die Anrufung Mutter des Guten Rates, bitte für uns der Lauretanischen Litanei hinzu.

 

Auch die Jesuiten haben die Verehrung zu Unserer Lieben Frau vom Guten Rat verbreitet. Zwei Bilder zeigen, wie das Bild und die Verehrung anderswo angepasst wurden. Das Bild auf der Linken mit dem gemalten Rahmen zeigt Missionare und ein kleines Segelboot. Das Gemälde wurde 1785 durch Pater Jose de Campos Lara nach Brasilien gebracht. Es erhielt einen Ehrenplatz in der Saint Louis Schule in Itu und später in Sao Paulo.

 

 

Das Standbild auf dem Photo auf der rechten Seite wurde ebenfalls unter dem Titel Mutter Gottes vom Guten Rat verehrt und befindet sich in der Imperial Schule der Jesuiten in Madrid, in Spanien. Das Bild ist von einer alten Photographie der Original Holzschnitzarbeit aufgenommen, die während den Bombenangriffen und der Plünderung der 1930er Jahre verloren ging.

 

 

Das Bild (links) empfing seine päpstliche Krönung am 17. November 1682. Ein Domherr aus dem Domkapitel von St. Peter vertrat dabei Papst Innozenz XI. Fünf Tage später wurde ein Bericht geschrieben, der beschrieb, dass das Bild nur die Wand am oberen Rand berührt und nicht durch andere Hilfsmittel unterstützt wird. Ab diesem Datum wurde die Existenz des Gemäldes im eigentlichen Sinn als übernatürlich angesehen, nicht nur wegen seiner Ankunft in Genazzano, sondern auch weil es zum größten Teil in der Luft schwebt. Augenzeugen bezeugen auch außergewöhnliche Phänomene hinsichtlich der sich verändernden Gesichtszüge des Bildes. Seit dieser Zeit wurden dem Heiligtum viele Privilegien gewährt: z.B. päpstliche Besuche.

Auf der Rückseite einer Gebetskarte ohne Datum in der Marian Library, Dayton OH, USA lesen wir folgendes: „Wie aus dem Register des Heiligtums (in Genazzano in Italien) ersehen werden kann, sind die Päpste Benedikt XIV, Pius VIII und Leo XIII als Mitglieder der Organisation eingetragen worden, die damals als die Fromme Vereinigung Unserer Lieben Frau vom Guten Rat bekannt war.“ Leo XIII bestimmte das Motto für die Mitglieder der Vereinigung: Kinder, folgt ihrem Rat. Papst Pius XII stellte sein Pontifikat unter die mütterliche Obhut Unserer Lieben Frau vom Guten Rat.“

1777 bewilligte die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung ein eigenes Sekretariat, das an die Geschichte des Heiligtums erinnert. Den Augustinern wurde das Vorrecht für dieses Sekretariat bewilligt. In der vor kurzem überarbeiteten Sammlung der Messen der Heiligen Jungfrau Maria (1988) gibt es auch eine besondere Votivmesse zu Ehren der Heiligen Jungfrau Maria, der Mutter vom Guten Rat. eine Kapelle, die Unserer Lieben Frau vom Guten Rat geweiht ist. Unsere Liebe Frau vom Guten Rat wurde bald ein Symbol für die Mitwirkung und -verantwortung der Laien in der Zeit der Gegenreformation.

Betrachtung

Durch die Jahrhunderte hindurch haben sich viele Gebete, die im Geist des jeweiligen Zeitalters geschrieben und Mariens Rat suchten, wie man ein christuszentriertes Leben führen kann. Für unsere Meditation haben wir eines dieser Gebete herausgesucht und auch die Gebete der Kirche für die Votivmesse der Heiligen Jungfrau Maria, der Mutter des Guten Rates diesem Text angeschlossen. Wir ermutigen Sie, diese Gebete auszukosten, wenn wir mit der Weltkirche um den guten Rat Mariens beten.
Oh Maria vom Guten Rat, entflamme die Herzen aller, die dir geweiht sind, so dass alle von ihnen bei dir Schutz finden. Oh große Mutter Gottes, oh würdigste Liebe Frau, lass jeden dich als Lehrerin und weise Ratgeberin seiner Seele erwählen, denn du bist, wie der heilige Augustinus sagt, der Rat der Apostel und der Rat aller Menschen. Amen (1796)

Aus der Liturgie :

Oh Herr, du weißt, dass unsere Gedanken auf Erden voller Furcht und Ungewissheit sind; durch die Fürsprache der Seligen Jungfrau Maria, durch die dein Sohn Fleisch und Blut angenommen hat, sende uns den Geist des Rates, um uns zu lehren, deinen Willen zu erkennen, und uns in allem, was wir tun, zu leiten.

Gewähre uns dies durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist als ein Gott lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Oh Herr, wir haben an diesem Gedächtnis Unserer Lieben Frau vom Guten Rate an deinen Geheimnissen teilgenommen. Gib, dass wir erlernen mögen, was dich erfreut, und das Heil von deinem Sohn empfangen, den du uns als unseren wunderbaren Ratgeber durch die Mitarbeit seiner Seligen Mutter gegeben hast. Wir bitten dies durch Christus, unseren Herrn.


Englischer Originaltext von Matthew R. Mauriello

Die Kirche, die das Originalgemälde Unserer Lieben Frau vom Guten Rat bewahrt, befindet sich in der kleinen Stadt Genazzano, die ungefähr 30 Meilen südöstlich von Rom liegt. Schon im 5. Jahrhundert verehrten die Leute von Genazzano die Heilige Jungfrau Maria sehr. Als Papst Sixtus III (432-440) um Spenden für die Renovierung von Maria Maggiore in Rom bat, waren die Gläubigen von Genazzano in ihrer Unterstützung sehr großzügig. Kurz danach bauten sie eine Kirche, die Unserer Lieben Frau vom Guten Rat in Genazzano geweiht war. Die Kirche wurde 1356 der Obhut der Augustiner Patres anvertraut. Im Laufe der Zeit wurde es notwendig, die Kirche zu reparieren und es schien, dass nur eine einheimische Witwe Petruccia Geneo bei der Finanzierung der Wiederherstellung helfen wollte. Sie wurde von einigen ihrer Nachbarn kritisiert, aber ihre Anstrengungen wurden durch das wunderbare Ereignis vom 25. April 1467 belohnt.

Der Legende nach nahm die ganze Stadt an den jährlichen Festlichkeiten zu Ehren des Hl. Evangelisten Markus teil. Die Kirche war noch unvollendet und ohne Dach, als das Bild der Madonna mit dem Kind von ihrem ehemaligen Standort in Skutari in Albanien dorthin befördert wurde. An jenem Nachmittag sah eine große Anzahl von Menschen ungefähr um 16 Uhr eine geheimnisvolle Wolke, die sich auf der Kirche niederlieβ. Die Kirchenglocken läuteten von alleine, und die Wolke teilte sich und gab den Blick auf das Bildnis frei. Das Bild, das 15 Inches breit und 17 Inches hoch war, kam auf einem schmalen Sims in der Kirche zur Ruhe und ist in dieser Stellung bis zum heutigen Tag verblieben. Das Gemälde ist ein Fresko, das auf einer dünnen Schicht Stuck, die so dünn und zerbrechlich wie eine Eierschale ist, gemalt wurde.

Innerhalb einiger Wochen trafen zwei Flüchtlinge aus Albanien in Genazzano ein. Sie bezeugten vor der päpstlichen Delegation, dass das gleiche Bild nur einige Wochen früher in einer Kirche in der albanischen Stadt Skutari gewesen war. Als die Stadt nahe daran war, erobert zu werden, wurde das Bild zu seinem eigenen Schutz wie durch ein Wunder umgesiedelt. Die Kommission wies nach, dass es tatsächlich eine leere Stelle in der Stuckwand der Kirche in Skutari gab, die die genaue Größe des Bildes hatte. Die unvollendete Kirche wurde bald nach dem übernatürlichen Ereignis des Aprils 1467 fertiggestellt, und sie wurde ein Wallfahrtsort.

Allein innerhalb der ersten sechs Monate wurde von über 170 Heilungen und Wundern berichtet. Das wundertätige Bild, das zuerst die Madonna des Paradieses genannt wurde, ist schon immer mit besonderem Wohlwollen vom Apostolischen Stuhl betrachtet worden. Papst Paul II (1464-1471) ließ eine Untersuchung durchführen und gab die erste Bewilligung der Verehrung Unserer Lieben Frau vom Guten Rat. Der heilige Papst Pius V (1565-1572) schrieb den Sieg in der Schlacht von Lepanto der Hilfe Unserer Lieben Frau vom Guten Rat zu. 1753 genehmigte Papst Benedikt XIV das Anbringen einer goldenen Krone über dem Bild und 1779 gewährte Papst Pius VI dem Augustinerorden das besondere Privileg, den Feiertag jedes Jahr am 26. April zu feiern. Papst Pius IX (1846–1878) pflegte eine besondere Verehrung Unserer Lieben Frau unter diesem Namen und machte 1864 eine Wallfahrt nach Genazzano.

Mehr als irgendein anderer Papst empfand Papst Leo XIII (1878–1903) eine tiefe Zuneigung für die Verehrung ULF vom Guten Rat. Er wurde in der Stadt Carpineto geboren, nicht weit weg von der Kirche Unsere Liebe Frau vom Guten Rat. Er erhob das Heiligtum in den Status einer Basilica Minor. 1903 fügte er den Titel Mater Boni Consilii in die Lauretanische Litanei ein und ließ auch eine Kopie des Bildes anfertigen, die er in der Paulus Kapelle der Basilika des Vatikans anbringen ließ.
Papst XII (1939-1958) weihte sein gesamtes Pontifikat der Madonna des Guten Rates, und Papst Johannes XIII (1958-1963) besuchte 1959 das Heiligtum. Die gegenwärtige Kirche wurde 1628 erbaut. Im 2. Weltkrieg krachte eine Bombe durch das Dach und zerstörte den Altarraum und den Hochaltar. Das zerbrechliche Bild Unserer Lieben Frau vom Guten Rat war nur ein paar Meter entfernt, aber wie durch ein Wunder blieb es unversehrt.

_______

Quelle

Siehe auch:

Die Franzosen wollen, dass wir NOTRE-DAME auf dieselbe Weise wieder aufbauen!

NOTRE-DAME in Flammen zu sehen, hat die Franzosen in ihrem Fleisch verletzt. Die Kathedrale ist nicht nur das Herz des französischen Christentums, sondern auch das ewige Herz unseres Frankreichs, das brannte. Sie ist die Kathedrale der Nation, das prächtige Erbe unserer Vorfahren, ein Meisterwerk der Architektur, das die Franzosen im Namen ihres Glaubens Stein für Stein aufgebaut haben; sie ist eines der Symbole für die Größe Frankreichs und die Identität unseres Volkes. Dieses Feuer hätte niemals passieren dürfen. Historiker und Liebhaber des historischen Erbes warnen seit Jahren vor dem Mangel an Ressourcen, die von aufeinanderfolgenden Regierungen zum Schutz unserer nationalen Schätze bereitgestellt werden. Im ganzen Land sind die Kirchen wegen mangelnder Instandhaltung in einem traurigen Zustand. Von den 10 Milliarden Euro, die der Staat im Jahr 2019 für Kultur bereitgestellt hat, sind nur 326 Millionen (oder 3% davon) für das Erbe bestimmt! Unser Erbe verdient mehr.

Eine großartige heilige Vereinigung hat sich ganz natürlich gebildet, um Notre-Dame wieder aufzubauen.

Leider beginnen einige Stimmen klar zu machen, dass Notre-Dame wieder aufgebaut werden sollte ohne den Holzrahmen, der durch die Flammen zerstört wurde.

Ja, wir müssen NOTRE DAME so schnell wie möglich wieder aufbauen, aber nicht irgendwie! Wir sind sehr beunruhigt, weil die Regierung gerade angekündigt hat, einen „internationalen Architekturwettbewerb für den Wiederaufbau der Turmspitze der Kathedrale“ zu veranstalten.

Wir wollen dies nicht! Wir wollen eine einfache Rekonstruktion, die von allen Franzosen gebilligt wird: eine identische Wiederherstellung, nicht mehr und nicht weniger. Verändert Notre-Dame nicht!

Der Kreuzturm (la flèche) muss das ästhetische Erscheinungsbild des Architekten Viollet-le-Duc unbedingt beibehalten. Es ist absolut nicht nötig, Hunderttausende von Dollars in einem nutzlosen Architekturwettbewerb zu verschwenden.

=> Dies ist der Zweck dieser Petition: Notre-Dame in Hochachtung gegenüber einer Erbschaft zu reparieren, die das Feuer niemals hätte zerstören dürfen, und der Pracht, der Majestät unseres Nationalschatzes, durch die Wiederherstellung des Kreuzturms von Viollet-le-Duc.

Unterzeichnen Sie die Petition für die tausendjährige Schönheit von Notre-Dame, auf dass sie für immer erhalten wird.

Unterschreiben Sie die Petition, damit dieser nationale Schatz nicht durch die Launen eines „Starchitekten“ entstellt wird!

Unterschreiben Sie die Petition, damit Ihre Kinder die Notre-Dame-Kathedrale sehen können, wie Sie sie immer geliebt haben.

Unterschreiben Sie die Petition, damit Notre-Dame nicht zu unserem Drama [Notre-Dame — notre drame] wird.

Diese Petition wird an den Präsidenten der Republik, den Premierminister und den Kulturminister geschickt.

(Aus dem Französischen übersetzt von mir [POS]

_______

PAPST BENEDIKT XVI. IN DER KATHEDRALE NOTRE-DAME, PARIS, 2008

APOSTOLISCHE REISE
NACH FRANKREICH ANLÄSSLICH DES 150. JAHRESTAGES
DER ERSCHEINUNGEN VON LOURDES
(12. – 15. SEPTEMBER 2008)

VESPER

PREDIGT VON BENEDIKT XVI.

Paris, Notre-Dame

Freitag, 12. September 2008

 

Meine lieben Brüder Kardinäle und Bischöfe,
verehrte Kanoniker des Kathedralkapitels,
verehrte Vikare von Notre-Dame
liebe Priester und Diakone,
liebe Freunde aus den nicht-katholischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften,
liebe Brüder und Schwestern!

Gepriesen sei Gott, der uns diese Begegnung an einem Ort erlaubt, der dem Herzen der Pariser, aber auch aller Franzosen so teuer ist! Gepriesen sei Gott, der uns die Gnade schenkt, daß wir Ihm unser abendliches Gebet widmen dürfen, um Ihm den gebührenden Lobpreis darzubringen mit den Worten, welche die Liturgie der Kirche vom Synagogengottesdienst geerbt hat, an der Christus und seine ersten Jünger teilgenommen haben! Ja, gepriesen sei Gott, daß er uns so zu Hilfe kommt – in adiutorium nostrum –, um uns zu helfen, das Opfer unserer Lippen zu Ihm aufsteigen zu lassen!

Wir sind hier versammelt in der Mutterkirche der Diözese Paris, in der Kathedrale Notre-Dame, die sich im Herzen der Stadt erhebt als ein lebendiges Zeichen der Gegenwart Gottes mitten unter den Menschen. Mein Vorgänger Papst Alexander III. hat ihren Grundstein gelegt, die Päpste Pius VII. und Johannes Paul II. haben sie mit ihrem Besuch beehrt, und ich freue mich, ihren Spuren zu folgen, nachdem ich vor einem Vierteljahrhundert hierhergekommen war, um einen Vortrag über die Katechese zu halten. Wie sollte man nicht Ihm, der die Materie wie den Geist erschaffen hat, danken für die Schönheit des Gebäudes, das uns umgibt? Die Christen von Lutetia hatten bereits eine dem heiligen Stephanus, dem ersten Märtyrer, geweihte Kathedrale errichtet, die zu klein geworden war und im Laufe des 12. bis 14. Jahrhunderts durch die Kathedrale ersetzt worden ist, die wir heute bewundern können. Der Glaube des Mittelalters hat die Kathedralen erbaut, und eure Vorfahren sind hierhergekommen, um Gott zu loben, ihm ihre Hoffnungen anzuvertrauen und ihre Liebe zum Ausdruck zu bringen. Große kirchliche und weltliche Ereignisse haben in diesem Heiligtum stattgefunden, wo Architekten, Maler, Bildhauer und Musiker das Beste ihrer selbst gegeben haben. Es möge genügen unter vielen anderen an den Namen des Architekten Jean de Chelles, des Malers Charles Le Brun, des Bildhauers Nicolas Coustou und der Organisten Louis Vierne und Pierre Cochereau zu erinnern. Die Kunst als Weg zu Gott und das gemeinschaftliche Gebet als Lob der Kirche an den Schöpfer haben Paul Claudel geholfen, den Weg zu einer persönlichen Erfahrung mit Gott zu finden, als er 1886 hier am Weihnachtstag an der Vesper teilnahm. Es ist bezeichnend, daß Gott seine Seele gerade während des Gesangs des Magnifikat erleuchtet hat, in dem die Kirche den Gesang der Jungfrau Maria, der heiligen Patronin dieses Ortes, hört, der die Welt daran erinnert, daß der Allmächtige die Niedrigen erhöht hat (vgl. Lk 1,52). Als Schauplatz von Bekehrungen, die weniger bekannt, aber nicht weniger wirklich sind, und als Kanzel, von der aus Verkünder des Evangeliums wie Lacordaire, Monsabré und Samson die Flamme ihrer Leidenschaft einer sehr unterschiedlichen Zuhörerschaft zu übermitteln wußten, bleibt die Kathedrale Notre-Dame weiterhin zu Recht eines der berühmtesten Denkmäler des Kulturerbes eures Landes. Die Reliquien des heiligen Kreuzes und der Dornenkrone, die ich vorhin verehrt habe, wie es seit dem heiligen Ludwig Brauch ist, haben hier heute einen ihnen würdigen Schrein gefunden, der die Gabe des menschlichen Geistes an die schöpferische Liebe Gottes darstellt.

Unter den Gewölben dieser geschichtsträchtigen Kathedrale ist soeben als Zeuge des unablässigen Austauschs, den Gott zwischen den Menschen und Ihm selbst herstellen wollte, das Wort Gottes erklungen. Das Wort Gottes soll unser Abendopfer sein, wie es die Darbringung des Weihrauchs, der unser Lob an Gott sichtbar werden läßt, deutlich macht. Es fügt sich, daß die Worte des Psalmisten die Stimmung unserer Seele auf eine so treffliche Weise beschreiben, wie wir es uns nicht vorzustellen gewagt hätten: „Ich freute mich, als man mir sagte: »Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern«“ (Ps 122,1). Laetatus sum in his quae dicta sunt mihi: Die Freude des Psalmisten, die in den Worten des Psalms enthalten ist, erfüllt unsere Herzen und findet dort tiefen Widerhall. Unsere Freude ist es, zum Haus des Herrn zu pilgern, denn – die Väter haben es uns gelehrt – dieses Haus ist nichts anderes als das konkrete Symbol für das himmlische Jerusalem, das zu uns herabkommt (vgl. Offb 21,2), um uns die schönste Wohnstatt anzubieten. „Wenn wir dort wohnen“, schreibt Hilarius von Poitiers, „sind wir Mitbürger der Heiligen und Mitglieder der Familie Gottes, denn es ist das Haus Gottes“ (Tractatus in Psalmos 121,2). Und der heilige Augustinus fügt hinzu: „Dieser Psalm ist ausgerichtet auf das himmlische Jerusalem. Es ist ein Stufenpsalm, Stufen, die nicht gemacht sind, um hinabzusteigen, sondern um hinaufzusteigen. … In unserer Verbannung seufzen wir, aber manchmal begegnen wir Weggenossen, die die heilige Stadt gesehen haben und uns einladen, dorthin zu eilen“ (Enarratio in Psalmos 121,2). Liebe Freunde, in dieser Vesper schließen wir uns mit unseren Gedanken und unserem Gebet den unzähligen Stimmen derer an, die diesen Psalm vor uns, auch an diesem Ort, seit Jahrhunderten gesungen haben. Wir schließen uns den Pilgern an, die nach Jerusalem und die Stufen des Tempels hinaufgestiegen sind, wir schließen uns den Tausenden Männern und Frauen an, die erkannt haben, daß ihre irdische Pilgerreise ihr Ziel im Himmel finden wird, im ewigen Jerusalem, und die auf Christus vertraut haben, daß er sie dorthin führe. In der Tat, welche Freude zu wissen, daß wir unsichtbar von einer solchen Fülle von Zeugen umgeben sind!

Unser Weg zur heiligen Stadt wäre nicht möglich, wenn wir ihn nicht in der Kirche gingen, die Keim und Vorausbild des himmlischen Jerusalem ist. „Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut“ (Ps 127,1). Wer ist dieser Herr, wenn nicht unser Herr Jesus Christus? Er ist es, der seine Kirche gegründet hat, der sie auf den Felsen gebaut hat, auf den Glauben des Apostels Petrus. Wie es der bereits zitierte heilige Augustinus ausdrückt: „Es ist Jesus Christus, unser Herr, der selbst seinen Tempel errichtet. Viele mühen sich ab bei dem Bau, aber wenn es nicht der Herr ist, der den Tempel errichtet, mühen sich die Bauleute vergebens“ (Enarratio in Psalmos 126,2). Nun, liebe Freunde, stellt sich Augustinus die Frage, wer diese Bauleute sind. Und er selbst antwortet darauf: „Diejenigen, die in der Kirche das Wort Gottes verkünden, die die Sakramente spenden. Wir laufen jetzt alle, wir arbeiten alle, wir bauen alle“, aber Gott allein ist es, der in uns „baut, der ermahnt, der den Verstand weitet, der unseren Geist den Glaubenswahrheiten zuwendet“ (ebd.). Wie wunderbar ist unser Wirken im Dienst am Wort Gottes! Wir sind die Werkzeuge des Heiligen Geistes; Gott ist so demütig, daß er uns gebraucht, um sein Wort zu verbreiten. Wir werden seine Stimme, nachdem wir unser Ohr seinem Mund zugewandt haben. Wir legen sein Wort auf unsere Lippen, um es der Welt zu geben. Das Opfer unseres Gebetes ist ihm wohlgefällig und dient ihm dazu, sich all denen mitzuteilen, denen wir begegnen. Er hat uns wirklich, wie Paulus im Epheserbrief sagt, „mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel“ (1,3), denn er hat uns erwählt, seine Zeugen zu sein bis an die Grenzen der Erde, und er hat uns schon vor unserer Empfängnis durch ein geheimnisvolles Geschenk seiner Gnade berufen.

Sein Wort, der Logos, der von Anfang an bei Ihm war (vgl. Joh 1,1), wurde von einer Frau geboren, wurde geboren, dem Gesetz unterstellt, „damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen“ (Gal 4,5). Gott hat Fleisch angenommen im Schoß einer Frau, einer Jungfrau. Eure Kathedrale ist ein lebendiger Gesang aus Steinen und Licht zum Lob dieses in der Menschheitsgeschichte einmaligen Ereignisses: Das ewige Wort Gottes tritt in der Fülle der Zeiten in die Geschichte der Menschen ein, um sie durch seine Selbsthingabe im Kreuzesopfer freizukaufen. Unsere irdische Liturgie, die ganz auf die Feier dieses in der Geschichte einmaligen Ereignisses ausgerichtet ist, wird niemals vollständig dessen unendliche Fülle zum Ausdruck bringen können. Die Schönheit der Riten wird sicherlich niemals erlesen, gepflegt und durchdacht genug sein können, weil nichts zu schön sein kann für Gott, der die unendliche Schönheit ist. Unsere irdischen Liturgiefeiern können immer nur ein blasser Abglanz jener Liturgie sein, die im himmlischen Jerusalem, dem Ziel unserer irdischen Pilgerreise, gefeiert wird. Mögen unsere Gottesdienste ihr dennoch möglichst nahe kommen und Vorgeschmack auf sie sein!

Schon jetzt ist uns das Wort Gottes gegeben, um die Seele unseres Apostolats zu sein, die Seele unsers priesterlichen Lebens. Jeden Morgen weckt uns das Wort. Jeden Morgen „öffnet“ der Herr selbst uns „das Ohr“ (Jes 50,5) durch die Psalmen der Lesehore und der Laudes. Den ganzen Tag lang ist das Wort Gottes der Gegenstand des Gebetes der gesamten Kirche, die so ihre Treue zu Christus bezeugen will. Nach dem berühmten Wort des heiligen Hieronymus, das im Lauf der XII. Bischofssynode im nächsten Oktober aufgegriffen werden wird, heißt nämlich „die Schrift nicht kennen Christus nicht kennen“ (Prolog zum Jesajakommentar). Liebe Brüder im priesterlichen Dienst, habt keine Angst, viel Zeit der Lesung, der Meditation der Heiligen Schrift und dem Stundengebet zu widmen! Das mit der Kirche gelesene und meditierte Wort wirkt, fast ohne daß ihr es merkt, auf euch ein und verwandelt euch. Wenn es als Offenbarung der Weisheit Gottes die „Gefährtin“ eures Lebens wird, „gibt“ sie euch „guten Rat“ und ist euer „Trost in Sorge und Leid“ (Weish 8,9).

„Denn lebendig ist das Wort Gottes, kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert“, schreibt der Autor des Hebräerbriefes (4,12). Euch, liebe Seminaristen, die ihr euch auf den Empfang des Weihesakraments vorbereitet, um an der dreifachen Aufgabe des Lehrens, des Leitens und der Heiligung teilzuhaben, ist dieses Wort als ein kostbares Gut übergeben. Durch dieses Wort, das ihr täglich meditiert, tretet ihr ein in das Leben Christi, das ihr eurer Berufung entsprechend in eurer Umgebung verbreiten sollt. Durch sein Wort hat Jesus, der Herr, das allerheiligste Sakrament seines Leibes und Blutes eingesetzt; durch sein Wort hat er die Kranken geheilt, die Dämonen ausgetrieben und Sünden vergeben; durch sein Wort hat er den Menschen die verborgenen Geheimnisse des Reiches Gottes offenbart. Ihr seid dazu berufen, Bewahrer dieses wirksamen Wortes zu werden, welches das bewirkt, was es sagt. Erhaltet in euch immer den Geschmack am Wort Gottes lebendig! Lernt durch dieses Wort, alle Menschen zu lieben, die auf euren Weg gestellt werden. Niemand ist in der Kirche überflüssig, niemand! Jeder kann und muß dort seinen Platz finden.

Und ihr, liebe Diakone, die ihr wirksame Mitarbeiter der Bischöfe und der Priester seid, liebt auch weiterhin das Wort Gottes: Ihr verkündet das Evangelium im Herzen der Eucharistiefeier. Ihr legt es in der Katechese für eure Brüder und Schwestern aus: Stellt es in den Mittelpunkt eures Lebens, eures Dienstes am Nächsten, eures gesamten Diakonats. Seid lebendige Zeugen der unendlich großen Macht des Wortes Gottes, ohne die Priester ersetzen zu wollen, sondern um ihnen freundschaftlich und wirksam zu helfen!

Die Ordensmänner und -frauen und alle Gottgeweihten leben in besonderer Weise aus der Weisheit Gottes, die in seinem Wort ausgedrückt ist. Das Gelübde der evangelischen Räte hat euch, liebe Gottgeweihte, Ihm ähnlich gemacht, der für uns arm, gehorsam und keusch geworden ist. Euer einziger Reichtum – der einzige, der in Wahrheit die Jahrhunderte und die Schwelle des Todes überdauern wird – ist das Wort Gottes. Er ist es, der gesagt hat: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Mt 24,35). Euer Gehorsam ist von der etymologischen Herkunft des Wortes her gesehen ein Hören, denn das Wort „obéir“ (französisch für „gehorchen“) kommt vom lateinischen obaudire, das bedeutet: jemandem oder etwas sein Ohr zuneigen. Indem ihr gehorcht, wendet ihr eure Seele dem zu, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist (vgl. Joh 14,6) und der zu euch spricht, wie der heilige Benedikt seine Mönche lehrte: „Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens“ (Prolog der Benediktusregel). Laßt euch schließlich täglich durch den läutern, der uns gesagt hat: „Jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt mein Vater, damit sie mehr Frucht bringt“ (Joh 15,2). Die Reinheit des göttlichen Wortes ist das Vorbild eurer eigenen Keuschheit; sie bürgt für deren geistliche Fruchtbarkeit.

Mit einem unverbrüchlichen Vertrauen in die Macht Gottes, der uns „auf Hoffnung hin“ (vgl. Röm 8,24) gerettet hat und der uns zu einer einzigen Herde unter dem Stab des einen Hirten – Jesus Christus – machen will, bete ich für die Einheit der Kirche. Ich grüße erneut voll Hochachtung und Zuneigung die Vertreter der christlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die gekommen sind, um als Brüder die Vesper mit uns in dieser Kathedrale zu beten. Die Macht des Wortes Gottes ist so groß, daß wir ihm alle anvertraut werden können, wie es ehemals der heilige Paulus getan hat, unser besonderer Fürsprecher in diesem Jahr. Als er sich in Milet von den Ältesten der Stadt Ephesus verabschiedete, zögerte er nicht, sie „Gott und dem Wort seiner Gnade“ (Apg 20,32) anzuvertrauen, indem er sie auch vor jeder Form der Spaltung warnte. Das ist die Bedeutung dieser Einheit des Wortes Gottes, Zeichen, Unterpfand und Garant der Einheit der Kirche, um deren Wachstum in uns ich den Herrn inständig bitte: Es gibt keine Liebe in der Kirche ohne Liebe zum Wort Gottes; es gibt keine Kirche ohne die Einheit um Christus, den Erlöser; es gibt keine Früchte der Erlösung ohne Liebe zu Gott und zum Nächsten, gemäß den beiden Geboten, die die ganze Heilige Schrift zusammenfassen!

Liebe Brüder und Schwestern, in Unserer Lieben Frau haben wir das schönste Beispiel der Treue zum göttlichen Wort vor Augen. Diese Treue war so groß, daß sie sich in der Menschwerdung erfüllte: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38), sagt Maria mit einem absoluten Vertrauen. Unser Abendgebet wird das Magnifikat derjenigen aufnehmen, die alle Geschlechter selig preisen werden, weil sie geglaubt hat, daß sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ (vgl. Lk 1,45); sie hat gegen alle Hoffnung die Auferstehung ihres Sohnes erhofft; sie hat die Menschheit so sehr geliebt, daß sie ihr zur Mutter gegeben wurde (vgl. Joh 19,27). „So wird sichtbar, daß sie im Wort Gottes wirklich zu Hause ist, darin aus- und eingeht. Sie redet und denkt mit dem Wort Gottes, das Wort Gottes wird zu ihrem Wort, und ihr Wort kommt vom Wort Gottes her“ (Enzyklika Deus caritas est, 41). Wir können voll Zuversicht zu ihr sagen: „Heilige Maria, Mutter Gottes, unsere Mutter, lehre uns mit dir glauben und hoffen und lieben. Zeige uns den Weg zu seinem Reich!“ (Enzyklika Spe salvi, 50). Amen.

_______

Quelle