Generalaudienz: „Der Widersacher wollte das Volk spalten“

Generalaudienz, 13. September 2017

Mittwochskatechese von Papst Franziskus — Volltext

Wir dokumentieren in einer eigenen Übersetzung die Ansprache von Papst Franziskus bei der Generalaudienz von Mittwoch, dem 13. September 2017.

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Apostolische Reise nach Kolumbien

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Wir ihr wisst, habe ich in den vergangenen Tagen eine apostolische Reise nach Kolumbien unternommen. Aus ganzem Herzen danke ich dem Herrn für dieses große Geschenk und möchte dem Präsidenten der Republik für den äußerst freundlichen Empfang, den kolumbianischen Bischöfen für ihre intensive Vorbereitungsarbeit für diesen Besuch sowie den weiteren Obrigkeiten des Landes und allen, die an der Verwirklichung dieser Visite mitgearbeitet haben, erneut meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Ein besonderer Dank geht an das kolumbianische Volk, das mich mit großer Zärtlichkeit und viel Freude aufgenommen hat! Dieses Volk ist freudig inmitten großen Leids, es ist jedoch freudig; ein Volk mit Hoffnung. Zu jenen Dingen, die mich in allen Städten am meisten berührt haben, waren die Väter und Mütter mit den Kindern in der Menschenmenge. Sie haben die Kinder hochgehoben, um sie vom Papst segnen zu lassen; sie haben ihre Kinder jedoch auch mit Stolz gezeigt, um zu sagen: „Das ist unser Stolz! Das ist unsere Hoffnung“. Ich habe gedacht: ein Volk, das Kinder zu zeugen fähig ist und sie mit Stolz zeigen kann, als Hoffnung: Dieses Volk hat Zukunft. Und es hat mir sehr gut gefallen.

In besonderer Weise habe ich während dieser Reise die Kontinuität mit den beiden Päpsten gespürt, die Kolumbien vor mir besucht haben: der Selige Paul VI. im Jahre 1968 und der hl. Johannes Paul II. im Jahre 1986. Diese Kontinuität wird stark vom Geist belebt, der die Schritte des Volkes Gottes auf den Wegen der Geschichte führt.

Das Thema der Reise lautete: „Demos el primer paso“, d.h. „Machen wir den ersten Schritt“ bezogen auf den von Kolumbien erlebten Versöhnungsprozess, um den seit einem halben Jahrhundert währenden internen Konflikt zu überwinden, der Leid und Feindschaft gesägt und viele schwer zu heilende Verletzungen verursacht hat. Mit der Hilfe Gottes ist der Weg jedoch geebnet. Mit meinem Besuch wollte ich die Anstrengungen dieses Volkes segnen, es im Glauben und in der Hoffnung bestätigen und sein Zeugnis erhalten, das einen Reichtum für mein Amt und die gesamte Kirche darstellt. Das Zeugnis dieses Volkes ist ein Reichtum für die gesamte Kirche.

Wie der Großteil der lateinamerikanischen Länder verfügt Kolumbien über starke christliche Wurzeln. Und wenn diese Tatsache den Schmerz aufgrund des tragischen Krieges, der das Land zerrissen hat, noch stärker macht, stellt sie auch eine Zusicherung des Friedens dar, das feste Fundament seines Wiederaufbaus, den Lebenssaft seiner unbesiegbaren Hoffnung. Offensichtlich wollte der Widersacher das Volk spalten, um das Werk Gottes zu zerstören, doch es ist ebenso offensichtlich, dass die Liebe Christi, dessen unendliche Barmherzigkeit, stärker als die Sünde und der Tod ist.

Diese Reise bestand darin, den Segen Christi zu bringen, den kirchlichen Segen des Wunsches des Lebens und des Friedens, der aus dem Herzen dieser Nation überströmt: Ich konnte dies in den Augen der Tausenden von Kindern, Jugendlichen und jungen Menschen sehen, die die Piazza von Bogotá füllten und denen ich überall begegnet bin; jene Lebenskraft, die die Natur selbst mit ihren Überfluss und ihrer Biodiversität proklamiert. Kolumbien belegt in Bezug auf Biodiversität weltweit den zweiten Platz. In Bogotá konnte ich alle Bischöfe des Landes treffen und auch den Lenkungsausschuss der lateinamerikanischen Bischofskonferenz. Ich danke Gott für die Möglichkeit, sie zu umarmen und meine pastorale Ermutigung zu erteilen, für ihre Sendung im Dienst der Kirche als Sakrament Christi unseres Friedens und unserer Hoffnung.

Der in besonderer Weise dem Thema der Versöhnung gewidmete Tag – Höhepunkt der gesamten Reise – wurde in Villavicencio begangen. Am Morgen fand eine große eucharistische Feier statt mit der Seligsprechung der Märtyrer Jesús Emilio Jaramillo Monsalve, Bischof, und Pedro María Ramírez Ramos, Priester; der Nachmittag stand im Zeichen der Versöhnungsliturgie, die symbolisch auf den wie sein Volk verstümmelten Christus von Bocayá ohne Arme und Beine hinorientiert ist.

Die Seligsprechung der beiden Märtyrer erinnerte plastisch daran, dass der Friede auch und vor allem auf dem Blut der vielen Zeugen der Liebe, der Wahrheit, der Gerechtigkeit und auch wahrer Märtyrer beruht, die wie in den beiden oben genannten Fällen aufgrund ihrer Glaubens ermordet wurden.  Ihre Biographien zu hören hat mit zu Tränen gerührt: Tränen des Schmerzes und zugleich der Freude. Vor ihren Reliquien und Antlitzen hat das heilige Gott treue Volk die eigene Identität stark gespürt und dabei beim Gedanken an die vielen, zu vielen Opfer Schmerz empfunden und aufgrund der Barmherzigkeit Gottes, die sich über die ausbreitet, die ihn fürchten, Freude verspürt (vgl. Lk 1,50).

Zu Beginn haben wir den folgenden Satz vernommen: „Es begegnen einander Huld und Treue; Gerechtigkeit und Friede küssen sich.“ (Ps 85,11). Dieser Vers des Psalms beinhaltet die Prophezeiung dessen, das sich am vergangenen Freitag in Kolumbien zugetragen hat; die Prophezeiung und die Gnade Gottes gegenüber diesem verletzten Volk, auf dass es sich wieder erhebe und in einem neuen Leben gehe. Diese prophetischen Worte voller Gnade haben wir in den Geschichten der Zeugnisse verlebendigt gesehen. Diese sprachen im Namen der vielen, die ausgehend von ihren Verletzungen mit der Gnade Christi aus sich selbst herausgegangen sind und sich für die Begegnung, die Vergebung und die Versöhnung geöffnet haben.

In Medellín war die Perspektive jene des christlichen Lebens als Jüngerschaft: die Berufung und die Sendung. Wenn Christen sich bis zum Äußersten für den Weg der Nachfolge Jesu Christi einsetzen, werden sie wahrhaft zu Salz, Licht und Sauerteig der Welt, und die Früchte sind in Fülle zu erkennen. Eine dieser Früchte sind die Hogares, d.h. die Häuser, in denen vom Leben verletzte Kinder und Jugendliche eine neue Familie finden können, in der sie geliebt, aufgenommen, beschützt und begleitet werden. Weitere Früchte, die wie Weitrauben in Fülle vorhanden sind, sind die Berufungen zum priesterlichen und geweihten Leben, die ich in einer unvergesslichen Begegnung mit den Geweihten und deren Familienangehörigen mit Freude segnen und ermutigen konnte.

Zum Schluss richtete sich der Schwerpunkt in Cartagena, der Stadt des hl. Petrus Claver, Apostel der Sklaven, auf die Förderung des Menschen und dessen grundlegende Rechte. Der hl. Petrus Claver und in der jüngeren Vergangenheit Maria Bernarda Bütler gaben ihr Leben für die Ärmsten und am meisten Ausgegrenzten hin, und so wiesen sie den Weg der wahren Revolution, der evangelischen und nicht ideologischen, die die Menschen und die Gesellschaften wahrhaft aus der Versklavung von gestern und leider auch von heute befreit. In diesem Sinne bedeutet das Motto der Reise „den ersten Schritt zu machen“ sich anzunähern, sich zu verbeugen, das Fleisch des verletzten und verlassenen Bruders zu berühren, und zwar mit Christus, dem für uns zum Sklaven gewordenen Herrn. Dank ihm gibt es Hoffnung, denn er ist die Barmherzigkeit und der Friede.

Erneut vertraue ich Kolumbien und dessen geliebtes Volk der Mutter, Unserer Lieben Frau von Chiquinquirá an, die ich in der Kathedrale von Bogotá vehren konnte. Möge jedreer Kolumbianer mit der Hilfe Mariens jeden Tag den ersten Schritt auf den Bruder und die Schwester hinzu machen und so gemeinsam, Tag für Tag, in Liebe, Gerechtigkeit und Wahrheit Frieden stiften.

[Übersetzt aus dem Italienischen von Sarah Fleissner]

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Quelle

Polens Bischöfe verlangen Verbot der Sonntagsöffnung — Ruhe am Tag des Herrn

Stanislaw Gadecki, Erzbischof von Posen und Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenz.

Polens katholische Bischöfe fordern ein Verbot der bislang üblichen Öffnung von Geschäften an Sonntagen. „Der freie Sonntag ist ein Grundrecht, auf das alle Menschen und jeder Mitarbeiter Anspruch haben“, so die Bischofskonferenz.

Der polnische Bischofskonferenz-Vorsitzende, Erzbischof Stanislaw Gadecki, rief nach einer Versammlung der Diözesanbischöfe in Tschenstochau (Czestochowa) die Gewerkschaft Solidarnosc (Solidarität) und katholische Organisationen auf, sich für die „Sonntagsruhe“ stark zu machen.

Regierung berät über Einschränkung des verkaufsoffenen Sonntags

Die nationalkonservative Regierung berät bereits über eine Einschränkung des verkaufsoffenen Sonntags. Familien- und Arbeitsministerin Elzbieta Rafalska schlug vor einigen Tagen als Kompromiss vor, die Öffnung von Läden am ersten und vierten Sonntag jedes Monats zu untersagen und nur am zweiten und dritten Sonntag zu erlauben.

Gadecki kritisierte, es fehle bislang am „politischen Willen zur Lösung des Problems“. Es sei notwendig, dass die Politiker die Stimme der Gesellschaft für den freien Sonntag hörten. Als „heiliger Tag“ solle der Sonntag arbeitsfrei sein. Die endgültige Gestaltung des Gesetzes sei jedoch nicht Sache der Kirche, sondern vielmehr des Parlaments.

Freie Wahl der Öffnungszeiten

Bislang gibt es in Polen mit Ausnahme der gesetzlichen Feiertage keine Einschränkung der Ladenöffnungszeiten. Die Gewerkschaft Solidarnosc hatte voriges Jahr mit Unterstützung der katholischen Kirche rund 500.000 Unterschriften für eine Volksinitiative für ein Gesetz gesammelt, das dem Sonntagseinkauf enge Grenzen setzt. In diesem Herbst wird ein Votum des Parlaments darüber erwartet.

Der Entwurf der Gewerkschaft lässt die Öffnung von Supermärkten und Einkaufszentren nur an sieben Sonntagen im Jahr – darunter zwei Adventssonntagen – zu. Das Einkaufen an Heiligabend und Karsamstag soll ab nachmittags ausgeschlossen werden. Die Regierung erklärte bereits, sie lehne Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren bei Verstößen gegen das Ladenschlussgesetz ab, wie sie der Entwurf der Volksinitiative vorsieht.

Der Verband der Einkaufszentren lehnt die Volksinitiative ab. Ein Verbot der Ladenöffnung an Sonntagen würde zu einem Umsatzrückgang von fast vier Prozent oder mehr als einer Milliarde Euro führen, argumentiert er. Dadurch würden allein in Handelszentren rund 20.000 Arbeitsplätze wegfallen.

(KNA) – Quelle

In Maria das Geheimnis der Hoffnung entdecken

Botschaft von Papst Franziskus an die Teilnehmer des
Jugendtreffens im Nationalheiligtum von Aparecida

Liebe Jugendliche!

Sehr herzlich grüße ich euch, die Jugendlichen aus Brasilien, die ihr in Aparecida versammelt seid, um das Projekt »Rota 300« abzuschließen, in diesem Marianischen Jahr zum Gedenken an den 300. Jahrestag der Auffindung des Bildes Unserer Lieben Frau im Wasser des Rio Paraíba do Sul.

Aus diesem Anlass möchte ich einen Aspekt der Botschaft herausheben, die ich euch in diesem Jahr zum 32. Weltjugendtag geschrieben habe: Die Jungfrau Maria ist ein kostbares Vorbild für die Jugend und eine Hilfe auf dem Weg des Lebens. Damit ihr diese Wahrheit begreifen könnt, sind keine großen Reflexionen notwendig. Es reicht, auf der Pilgerfahrt zu ihrem Nationalheiligtum, die ihr unternehmen werdet, das Bild der Mutter von Aparecida zu betrachten. Ich selbst habe diese Erfahrung gemacht, als ich 2007 aus Anlass der Konferenz der Bischöfe Lateinamerikas und dann 2013 im Rahmen des Weltjugendtages von Rio de Janeiro dort war. Ich konnte dort im zärtlichen, mütterlichen Blick der »Virgen Morena« und in den Augen der einfachen Menschen, die sie betrachteten, das Geheimnis der Hoffnung entdecken, die das brasilianische Volk veranlasst, die Herausforderungen eines jeden Tages mit Glauben und Mut anzunehmen. Ich konnte auch die revolutionäre Kraft einer liebevollen Mutter sehen, die das Herz ihrer Kinder dazu bewegt, mit großem missionarischem Elan aus sich selbst herauszugehen, wie auch ihr es in dieser missionarischen Woche getan habt, die soeben in der Valle di Paraíba zu Ende gegangen ist. Ich beglückwünsche euch zu diesem Zeugnis!

Liebe Freunde, in der Ungewiss­heit und Unsicherheit des Alltags, in der von ungerechten Situationen in eurem Umfeld verursachten Prekarität, sollt ihr eine Gewissheit haben: Maria ist ein Zeichen der Hoffnung. Sie wird euch Mut schenken, verbunden mit einem großen missionarischen Impuls. Sie kennt die Herausforderungen, in denen ihr lebt. Mit ihrer Aufmerksamkeit und ihrem mütterlichen Geleit wird sie euch spüren lassen, dass ihr nicht allein seid. In dieser Hinsicht ist es lohnend, sich an die Geschichte jener armen Fischer zu erinnern, die nach einem ergebnislosen Fischfang im Fluss Paraíba do Sul nochmals ihre Netze ausgeworfen haben und überrascht wurden von der zerbrochenen, schlammbedeckten Statue Unserer Lieben Frau. Zuerst fanden sie den Körper, dann den Kopf. Wie ich dazu den brasilianischen Bischöfen 2013 gesagt habe, enthält diese Tatsache ein bedeutungsvolles Symbol: was geteilt war, wird wieder eine Einheit, wie das Herz jener Fischer, wie das von der Sklaverei geteilte Brasilien der Kolonialzeit, das seine Einheit im Glauben findet, der von jenem schwarzen Bild Unserer Lieben Frau angeregt wurde (vgl. Ansprache an die Bischöfe von Brasilien, 27. Juli 2013). Daher möchte ich auch euch einladen, eure Herzen von der Begegnung mit Unserer Mutter von Aparecida verwandeln zu lassen. Möge sie eure »Netze« des Lebens – Netze der Freundschaft, soziale Netze, materielle und virtuelle Netze, Wirklichkeiten, die so oft geteilt sind – verwandeln in etwas Bedeutsameres: Mögen sie sich in eine Gemeinschaft verwandeln können! In missionarische Gemeinschaften, »die hinausgehen«! Gemeinschaften, die Licht und Sauerteig einer gerechteren und brüderlicheren Gesellschaft sind.

So in eure Gemeinschaften eingefügt, sollt ihr keine Angst haben, etwas zu riskieren und euch für den Aufbau einer neuen Gesellschaft zu engagieren, indem ihr das soziale, politische, ökonomische und universitäre Umfeld mit der Kraft des Evangeliums durchdringt! Habt keine Angst, gegen Korruption zu kämpfen und lasst euch von ihr nicht verführen! Im Vertrauen auf den Herrn, dessen Gegenwart Quelle des Lebens in Fülle ist, und unter dem Schutzmantel Mariens könnt ihr die Kreativität und Kraft finden, um Protagonisten einer Kultur der Bündnisse zu sein, und so neue Paradigmata schaffen, die dem Leben Brasiliens Orientierung geben können (vgl. Botschaft an die Versammlung des CELAM, 8. Mai 2017).

Pope Francis kisses the statue of the Virgin of Aparecida, Brazil’s patron saint, during Mass in Aparecida Basilica, in Aparecida, Brazil, Wednesday, July 24, 2013. Reverence for the figure of the Virgin Mary runs particularly deep in Latin America. The Vatican says that Pope Francis personally insisted that a trip to the Aparecida Basilica be added to his Brazilian visit agenda. (AP Photo/Felipe Dana)

Möge der Herr auf die Fürsprache der Jungfrau von Aparecida in einem jeden von euch die Hoffnung und den missionarischen Geist erneuern. Ihr seid die Hoffnung Brasiliens und der Welt. Und das Neue, deren Träger ihr seid, beginnt sich bereits heute aufzubauen. Möge Unsere Liebe Frau, die in ihrer Jugend den Ruf Gottes mutig anzunehmen und auf die Bedürftigen zuzugehen wusste, vor euch sein und euch auf allen euren Wegen leiten! Und dafür sende ich einem jeden von euch einen Apostolischen Segen, in den ich auch eure Familienangehörigen und Freunde einschließe. Und ich bitte euch, auch für mich zu beten.

Aus dem Vatikan, 3. Juli 2017 (Orig. portugies.; ital. in O.R. 2.8.2017)

Dokument von Aparecida: Die „Dynamik des Samariters“

Kardinal Bergoglio bei der Versammlung 2007

Unter allen Grundlagentexten der Kirche auf allen Kontinenten haben die Texte der Generalversammlungen der lateinamerikanischen Bischöfe immer herausgeragt, Puebla und Medellin waren zwei der auch die übrige Kirche prägenden Versammlungen, die unter anderem die Option für die Armen formuliert haben.

Im Mai 2007 hatten sich die Bischöfe und Berater versammelt, dieses Mal im brasilianischen Aparecida. Benedikt XVI. hatte die Versammlung eröffnet, danach wurde zwei Wochen getagt. Herausgekommen ist ein Dokument von knapp 300 Seiten, das bis heute die Pastoral in Lateinamerika prägt. Vor genau zehn Jahren wurde der Text vom Vatikan approbiert.

Aparecida ist aber viel mehr als nur ein Text, der eine Debatte zusammen fasst. Es ist ein Dokument der Reflexion und der Grundlagen. Ohne das Rad neu erfinden zu wollen sollte ein Weg für die Kirche für alle verstehbar und nachvollziebar formuliert werden. Und das ist geglückt. Man wollte „den Weg fortsetzen, den die katholische Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (..) zurückgelegt hat“, wie es im Dokument heißt.

Was beim Lesen vor allem auffällt ist die Dynamik, die sich durch den Text zieht. Es ist keine bloße Rhetorik, die Kirche versteht sich als gegründet und gesandt, man fordert die „Dynamik des Samariters“ für das eigene Tun. Jüngerschaft und Mission seien zwei Seiten derselben Medaille, so das Dokument. Man sieht die Kirche in dieser Dynamik des Rufes Jesu, der Folgen haben muss für das eigene Leben.

Wider die Vereinfachung

Sehr deutlich fällt immer wieder die Ablehnung aller Formen der Vereinfachung der Realität aus, man wehrt sich gegen zu schnelle Lösungen und zu einfache Analysen. Ebenso wehrt man sich deutlich gegen die Fluchtbewegungen in „tröstliche Vorstellungen, in Echtzeit, live“; tröstende Phantasien könnten die Realität nicht ersetzen. Hier käme eine internationale und standardisierte Kultur zum Tragen, die lokale Traditionen missachte und indifferent gegenüber Unterschieden sei. Es sei eine „kulturelle Kolonisierung“, die von statten gehe. Deutlicher kann man in Lateinamerika nicht werden: Konsumkultur ist Kolonisierung.

Auffällig ist weiterhin, dass einige Passagen in Gebetssprache verfasst sind. Es bleibt nicht bei der abstrakten Analyse. Der Dank spielt eine wichtige Rolle, aber ebenso die Klage über fehlenden Enthusiasmus, über die eigenen Mängel und Schattenseiten.

Herausgekommen ist etwas, womit Christen nicht nur in Lateinamerika etwas anfangen können. Sehr klarsichtige Analysen über die Zersetzungskräfte der Gesellschaft, aber auch Hoffnung für das eigene Beten und Tun. Perspektiven nicht nur für die Kirche als Ganzes, sondern ganz konkret für die einzelnen Gemeinschaften und Pfarreien, in denen Kirche lebt.

Für den ganzen Kontinent

Die entscheidende Formulierung steht in Nr. 263. „Wir verpflichten uns, eine große Mission im ganzen Kontinent durchzuführen. Sie wird uns abverlangen, alles, was wir denken und was uns bewegt, tiefer zu erfassen und einfallsreicher darzulegen, damit jeder Gläubige ein missionarischer Jünger werden kann“. Aus dem Papier wird so ein Prozess, der bis heute durch die Bistümer und Pfarreien geht, immer unterschiedlich, je nach Bedürfnissen oder Fragestellungen.

In Lateinamerika gibt es die lebendige Umsetzung eines Papiers zum Anfassen. Es soll die Kirche im Sinn des Konzils umformen, man setzt auf nichts weniger als „ein neues Pfingsten“.

Kultur des Lebens

In seiner Eröffnungsansprache hatte Benedikt XVI. von der „Kultur des Lebens“ gesprochen, die auf der Förderung des ganzen Menschen beruhen müsse, was die Priorität des Glaubens genauso umfasst wie das Beseitigen sozialer Ungerechtigkeiten. Das Dokument aus Aparecida will genau das umsetzen. Bei Papst Franziskus, in seinem Schreiben Evangelii Gaudium aber nicht nur da, kann man das ausbuchstabiert lesen.

Aparecida 2007. Schlussdokument der 5. Generalversammlung des Episkopats von Lateinamerika und der Karibik. Übersetzt und herausgegeben von der Deutschen Bischofskonferenz, Stimmen der Weltkirche Nr. 41.

(rv 17.08.2017 ord)

Aparecida: Was Kardinal Bergoglio mit nach Rom brachte

Kardinal Bergoglio 2007 in Aparecida – RV

Es war keine einfache Geburt: Das genau heute vor zehn Jahren vom Vatikan approbierte Schlussdokument der Bischofsversammlung Lateinamerikas war in langen und nicht einfachen Debatten und Auseinandersetzungen entstanden. Nicht zuletzt waren die Beziehungen zwischen der Leitung der Konferenz und dem Vatikan nicht immer einfach.

Verantwortlich für die Schulussredaktion auf Seiten der Bischöfe war 2007 der Erzbischof von Buenos Aires, Kardinal Jorge Mario Bergoglio, heute Papst Franziskus. Sein Assistent von damals, Guzman Carriquiry, ist heute Vize-Präsident der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika und erinnert sich: „Am Anfang waren die Gespräche sehr chaotisch. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich selber deshalb sehr aufgeregt war. Kardinal Bergoglio sagte uns aber immer: wir müssen alles sammeln, was die Bischöfe sagen und immer vor Augen halten, wie uns der Heilige Geist führen will. Und am Schluss haben ja die Bischöfe in dem Dokument festgehalten: Der Heilige Geist hat uns langsam aber mit Bestimmtheit zum Ziel geführt.“

Das Dokument – das nach dem Tagungsort in Marienheiligtum Aparecida einfach nur ‚Aparecida’ genannt wird – prägt das kirchliche Leben vor Ort bis heute. Und nicht nur in Lateinamerika, findet Carriquiry: „Aparecida war jene Zeit der Güte, die uns dann der Heilige Geist Kardinal Bergoglio auf den Stuhl Petri führte“. Und mit ihm die Gedanken von Aparecida, zum Papst gewählt ließ er viele Gedanken des Dokumentes in seine Programm-Schrift Evangelii Gaudium zu Beginn seines Pontifikates 2013 einfließen.

Dass Papst Franziskus sich dem Ort immer noch sehr verbunden fühlt, zeigte auch seine erste Auslandsreise. Auf dem Weg zum Weltjugendtag in Rio de Janeiro machte er in Aparecida halt. Damals kündigte er an, zur 300-Jahr-Feier des Marienwallfahrtsortes zurück kommen zu wollen, das wäre im Oktober diesen Jahres. Dazu wird es aber nicht kommen, wie der Papst bei einer seiner fliegenden Pressekonferenzen bekannt gab, stattdessen ernannte er den italienischen emeritierten Kurienkardinal Giovanni Battista Re zu seinem Gesandten für die Feierlichkeiten vom 10.-12. Oktober. Als Präfekt der Bischofskongregation war Re gleichzeitig auch Präsident der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika, als die Versammlung 2007 tagte.

(rv 17.08.2017 mg)

Kardinal Koch: Maria führt in gemeinsame Mitte des Glaubens

Kardinal Kurt Koch

Die Gottesmutter Maria steht nach den Worten des Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, in keiner Weise zwischen den Konfessionen. Vielmehr führe sie gerade im Jahr des Reformationsgedenkens in die gemeinsame Mitte „unseres Glaubens“ hinein, sagte Koch bei einem Festgottesdienst zu Mariä Himmelfahrt im deutschen Wallfahrtsort Maria Vesperbild.

Vor mehreren Tausend Gläubigen erinnerte Koch an das Loblied des Magnificats, mit dem Maria ihr Herzensanliegen besinge, dass Gott groß gemacht werde. Der Mensch werde dadurch nicht kleiner, sondern bekomme an der Größe Gottes Anteil, der ewiges Leben schenke. Dieses Angebot gelte allen Menschen. Mit der Aufnahme Mariens in den Himmel erhalte Maria als erste Anteil an der Auferstehung ihres Sohnes, so der Kardinal. Das Fest bedeute damit „Ostern für Maria“.

Neueren Untersuchungen zufolge dominierten in der europäischen Bevölkerung hinsichtlich des Glaubens an ein ewiges Leben heute eher ratlose Ungewissheit, stellte der Schweizer Kurienkardinal fest. So sei für die einen mit dem Tod alles aus, andere hofften auf Wiedergeburt oder Reinkarnation. Viele könnten sich unter einem Leben nach dem Tod nur wenig vorstellen. Koch bedauerte in diesem Zusammenhang, dass es der christlichen Verkündigung nur noch schwer gelinge, ihre Deutung vom Tod und vor allem von einem Leben danach zu vermitteln. Dabei stehe und falle der christliche Glaube mit dem Glauben an die Auferstehung Jesu Christi.

(kna 16.08.2017 mg)

Kolumbien: „Nuestra Señora de Chiquinquirá“ für Papstbesuch in Bogotà

Chiquinquirá, Basilika / Wikimedia Commons – Docfon, CC BY-SA 3.0

Reise von Papst Franziskus vom 6. bis 11. September 2017

Papst Franziskus wird vom 6. bis 11. September 2017 Kolumbien bereisen und die Städte Bogotá, Villavicencio, Medellín und Cartagena besuchen.

Boyacá wird der Papst nicht aufsuchen. Dort befindet sich aber das Heiligtum mit dem Bild „Nuestra Señora de Chiquinquirá“. Die 1,25 Meter auf 1,39 Meter große und eine Tonne schwere Ikone wird daher nach Bogotá gebracht.

Der Dominikanerorden, der die 430 Jahre alte Ikone betreut, wird sie am 1. September mit einer Prozession zum Helikopter begleiten, der sie mit einem 40-minütigen Flug zum Flughafen „El Dorado“ bringen wird. Von dort wird die Ikone zur Gemeinde „Santa Viviana“ transportiert. Mit einer Prozession gelangt sie am folgenden Tag zur Kathedrale der Hauptstadt. Papst Franziskus wird Bogotà am 7. September besuchen.

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REISEPROGRAMM

Mittwoch, 6. September

– 11.00 Uhr: Abreise vom Flughafen Rom/Fiumicino

– 16.30 Uhr (Ortszeit): Ankunft in Bogotá; Begrüßungszeremonie.

Donnerstag, 7. September

– 09.00 Uhr: Begegnung mit den Behörden auf dem „Plaza de Armas“ vom „Casa de Nariño“ in Bogotá | Erste Ansprache

– 09.30 Uhr: Höflichkeitsbesuch beim Staatspräsidenten im „Casa de Nariño“

– 10.20 Uhr: Besuch der Kathedrale

– 10.50 Uhr: Segnung der Gläubigen vom Balkon des Kardinalspalastes

– 11.00 Uhr: Treffen mit den Bischöfen im Kardinalspalast | Zweite Sprache

– 15:00 Uhr: Begegnung mit dem Vorstand des Lateinamerikanischen Bischofsrates (CELAM) in der Apostolischen Nuntiatur | Dritte Ansprache

– 16.30 Uhr: Messe im „Parque Simon Bolivar“ | Erste Predigt

Freitag 8. September

– 07.50 Uhr: Abflug nach Villavicencio

– 08.30 Uhr: Landung in Villavicencio

– 09.30 Uhr: Messe in Villavicencio | Zweite Predigt

– 15.40 Uhr: Gebetstreffen für die nationale Aussöhnung im „Parque Las Malocas“ | Vierte Ansprache

– 17.20 Uhr: Besuch am Kreuz der Versöhnung im „Parque de los Fundadores“

– 18:00 Uhr: Rückflug nach Bogotá

– 18.45 Uhr: Ankunft in Bogotá

Samstag, 9. September

– 08.20 Uhr: Abflug nach Rionegro; Helikoptertransfer nach Medellín

– 10.15 Uhr: Messe auf dem Flughafengelände von Medellín | Dritte Predigt

– 15:00 Uhr: Treffen im „Hogar San José“

– 16:00 Uhr: Treffen mit Priestern, Ordensleuten, Gottgeweihten und Seminaristen in der Sportarena „La Macarena“ | Fünfte und letzte Ansprache

Helikoptertransfer nach Rionegro

– 17.30 Uhr: Rückflug nach Bogotá

– 18.25 Uhr: Ankunft in Bogotá

Sonntag 10. September

– 08.30 Uhr: Abflug nach Cartagena de Indias

– 10.00 Uhr: Ankunft in Cartagena

– 10.30 Uhr: Segnung der Grundsteine von Häusern für die Obdachlose

– 12.00 Uhr: Angelus vor der Kirche des heiligen Pedro Claver, mit Besuch des Heiligtums

– 15.45 Uhr: Helikoptertransfer zum Hafengelände von Contecar

– 16.30 Uhr: Messe auf dem Hafengelände von Contecar | Vierte Predigt

– 18:30 Uhr: Helikoptertransfer zum Flughafen von Cartagena

– 18.45 Uhr: Abschiedszeremonie

– 19:00 Uhr: Rückflug nach Rom-Ciampino

Montag, 11. September

– 12.40 Uhr: Ankunft in Rom-Ciampino.

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Quelle