DER HEILIGE FRANCISCO UND „DER VERBORGENE JESUS“

Schweizer Fatima-Bote Nr. 77 3/2018

Nachstehend bringen wir aus dem Buch „Jacinta und Francisco – selige Kinder von Fatima“ ei­nen Auszug über die spezielle Beziehung vom inzwischen heilig gesprochenen Francisco zum sogenannten „verborgenen Jesus“, den er bei jeder sich bietenden Gelegenheit im Tabernakel der Kirche aufsuchte. Das Buch ist von Jean­Francois Louvencourt, Trappist der Abtei Notre-Dame de St. Rémy in Rochefort, Belgien. Es um­fasst fast 600 Seiten und ist noch vor der Heilig­sprechung der Kinder erschienen. Wir bringen hier die Seiten 384 bis 389.

Francisco liebt es, sich in die Natur zurück­zuziehen, denn sie ist ihm Freundin, weil sie ihn vor eventuellen Indiskretionen schützt und für die Intimität seines Gebetes förder­lich ist. Genauso gerne aber mag er die Ein­samkeit seines Zimmers, dessen Tür er ab­schliesst, wie es das Evangelium empfiehlt (vgl. Mt 6,6), und Gott im Geheimen anbe­tet; das war seine Gewohnheit während der langen Monate seiner Krankheit. Am liebsten aber geht er zum verborgenen Jesus. Bei ihm merkt er nicht, wie die Zeit vergeht. Stunde um Stunde bleibt er bei ihm, allein mit ihm, in der Stille. Ja, ganze Stunden, zum Beispiel ebenso lange, wie die Schule dauert: Früh am Morgen verlässt ihn Lucia auf der Schwelle der Kirche und nach dem Unterricht, am späten Vormittag, holt sie ihn dort ab, wo sie weiss, dass sie ihn wiederfin­den wird, das heisst tief im Gebet vor dem Allerheiligsten versunken.

Francisco und der verborgene Jesus: Nie­mand wird jemals den Inhalt ihrer Unterhal­tungen erfahren, nichts von den liebevollen Blicken, die sie austauschen oder von dem gegenseitigen Vertrauen, das sie sich entge­genbringen. Und doch besitzen wir gewisse Indizien, wie jenen Tag, an dem eine Dame Theresia, eine der Schwestern Lucias bittet, diese solle für sie bei der Jungfrau Maria Fürbitte einlegen zugunsten ihres Sohnes, der fälschlicherweise eines Verbrechens an­geklagt worden war, das er nicht begangen hatte. Da Lucia diese Bitte erhalten hatte, als sie gerade zur Schule aufbrach, erzählt sie Francisco auf dem Schulweg davon, und er antwortet ihr:

„Hör mal! Während du zur Schule gehst, bleibe ich beim verborgenen Jesus und bete darum.“ Als ich aus der Schule kam, ging ich ihn rufen und fragte ihn: „Hast du Unseren Herrn um jene Gnade gebeten?“ — „Ja! Sage Theresia durch deine Schwester, dass er in wenigen Ta­gen nach Hause kommt.“

In der Tat, einige Tage darauf war der arme Junge schon zu Hause und am Dreizehnten kam er mit der ganzen Familie, um Unserer Lieben Frau für die erlangte Gnade zu danken (Schwester Lucia spricht über Fatima, S. 172).

Der verborgene JesusBigschofancisco: Wattie einander an jenem Tag gesagt haben? Sicher ist: Zwischen beiden hat sich mit der Zeit eine so enge und ver­traute Verbindung entwickelt, dass Fran­cisco seine Bitte mit einer Überzeugung vorbringen kann, die Jesus anrührt. Bes­ser noch: Francisco gelangt zu der ruhigen und absoluten Sicherheit, dass sein Gebet schon erhört ist. Und noch besser: Er scheint so sehr an diese enge Bezie­hung zu Gott gewöhnt zu sein, dass er von einer erlangten Gnade wie von der natürlichsten Sache der Welt spricht.

Francisco, das Kind, das von Gott faszi­niert ist. Nicht von einem pantheisti­schen Gott, zurückgezogen oder anonym, sondern von einem persönlichen Gott. Und weil die Person Beziehung ist, bis hin zur Vereinigung, zur Kommunion, ist Gott in sich selbst drei-persönlich. Des­halb lehrt der Engel die drei Hirtenkinder dieses Gebet, das hier nun unbedingt vollständig wiedergegeben werden soll:

„Heiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, in tiefster Ehrfurcht bete ich Dich an und opfere Dir auf den kostbaren Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit Jesu Christi, gegenwär­tig in allen Tabernakeln der Erde, zur Wiedergutmachung für alle Schmähun­gen, Sakrilegien und Gleichgültigkeiten, durch die Er selbst beleidigt wird. Durch die unendlichen Verdienste seines Hei­ligsten Herzens und des Unbefleckten Herzens Mariens bitte ich Dich um die Bekehrung der armen Sünder.“

(Schwester Lucia spricht über Fatima, Seite 183).

Mit der kontemplativen Sichtweise, die ihm eigen ist, ist Francisco derjenige von den Dreien, der sich am stärksten von diesem Gebet angezogen fühlt. Ein kom­plexeres Gebet als die anderen, dessen Tragweite ihm anfangs nicht klar ist, die sich aber immer mehr erhellt, als er die drei Teile entdeckt, die es gliedern, ge­kennzeichnet durch drei Verben, die den Betenden mit der Heiligen Dreifaltigkeit verbinden: „Ich bete Dich an – ich opfe­re Dir auf – ich bitte Dich.“ Die Anbe­tung ist jene Haltung des Leibes und der Seele, die so gut seiner Demut entspricht und der er sich so gerne hingibt. Das Op­fer, das auf jenes Opfer des verborge­nen Jesus hinweist, zu dem dieser sich selbst in der Eucharistie macht, ist das Opfer, das auch Francisco aus sich selbst macht, um die gegen seinen Herrn begange­nen Sünden zu sühnen, den er um jeden Preis trösten will. Was die Bitte anbetrifft, so zielt sie auf die Bekehrung der Sünder, für die er unablässig betet. So dringt Fran­cisco immer mehr in dieses Gebet ein, das er gerne vertieft und meditiert. Er bemerkt, dass es sogar die Besonderheit hat, alle grossen Aspekte des Geheimnisses von Fati­ma zu umfassen, allerdings indem es sie in das Licht des Geheimnisses der Heiligen Dreifaltigkeit stellt und in diesem Licht ver­eint. Dieses Geheimnis, das er mit der Kir­che für das grundlegendste und höchste al­ler Geheimnisse ansieht, macht er zur Mitte seines Lebens.

Wenn die Erscheinungen des Engels mit ei­nem wesentlich trinitarischen Gebet enden, so schliessen die Erscheinungen Unserer Lie­ben Frau von Anfang an eine Vision ein, de­ren Gehalt ebenfalls trinitarisch ist.

Als Unsere Liebe Frau am 13. Mai 1917 zum ersten Mal die Hände öffnet, wirft sie den Glanz eines übernatürlichen Lichtes auf die Kinder. Das wichtigste Ziel dieses Lichtes ist, wie Lucia schreibt, sie „zu Gott und den Geheimnissen der Allerheiligsten Dreifaltig­keit“ zu führen (Schwester Lucia spricht über Fatima, S. 136).

So wie Jacinta für immer von der Vision vom 13. Juni 1917 gefangen ist, die ihr „die Er­kenntnis und die besondere Liebe zum Un­befleckten Herzen Mariens“ eingegossen hat, (Schwester Lucia spricht über Fatima, S. 136), so ist Francisco für sein Leben von dem ersten Schein des Lichtes geprägt, das von den Händen Unserer Lieben Frau aus­geht:

„Was ihn am meisten beeindruckte und fes­selte war Gott, die Heiligste Dreifaltigkeit in jenem unermesslichen Licht, das uns bis in die Tiefe der Seele durchdrang“ (Schwester Lucia spricht über Fatima, S. 157).

Übrigens fällt er bald nach der unvergessli­chen Vision vom 13. Mai auf die Knie, eben­so wie Jacinta und Lucia. Und unter dem Eindruck einer und derselben Eingebung spüren alle drei in ihrem Inneren eine Anru­fung aufsteigen, die sie so gerne und oft wiederholt haben:

„O Heiligste Dreifaltigkeit, ich bete Dich an!“

Wie könnten wir, von Francisco geführt, ei­nen anderen Schluss daraus ziehen als die erneute Betonung der trinitarischen Dimen­sion der Botschaft von Fatima? Die Heilige Dreifaltigkeit ist nicht nur von der ersten Erscheinung des Engels und der ersten Er­scheinung Unserer Lieben Frau all gegenwär­tig – so wird wunderbarerweise ein Band zwischen den beiden Erscheinungszyklen ge­knüpft – sondern sie taucht auch im dritten Erscheinungszyklus wieder auf, den Lucia nach ihrer Abreise aus Aljustrel erfuhr, mit der grandiosen Theophanie vom 13. Juni 1929, also zehn Jahre nach dem Tod Franciscos. Jeder dieser drei Erschei­nungszyklen beinhaltet also eine trinitari­sche Phase von ganz besonderer Intensität, und das ergibt aussergewöhnliche trinitari­sche Manifestationen: ein Gebet von engli­scher Herkunft (des Engels von Portugal), eine ebenso sublime wie unauslöschliche Vi­sion und eine weitere Vision, die ebenso sublim, obwohl „beschreibender“ ist. Es handelt sich also um ein absolut einzigarti­ges Triptychon in der Geschichte der Er­scheinungen.

Die besondere Stellung, welche die Dreifal­tigkeit in der Botschaft von Fatima ein­nimmt, wird durch ein Zeichen bestätigt, das nicht täuschen kann: durch die Häufig­keit der Zahl „drei“. Diese Zahl taucht in der Tat zu oft auf, als dass es sich um einen einfachen Zufall handeln könnte und nicht eine offenbare Erinnerung an die Allgegen­wart des allmächtigen Gottes wäre. Um die Häufigkeit dieser Zahl aufzuzeigen, wollen wir die unterschiedlichen, in Fatima han­delnden Personen betrachten, welche übri­gens auch drei sind.

Die Kinder

Es sind drei Kinder, und alle drei sind bei jeder der Erscheinungen immer zusammen. Insgesamt werden ihnen neun Erscheinungen gewährt, das heisst also drei mal drei Er­scheinungen. Als sie vom göttlichen Licht umflossen werden, sind sie, wie wir gesehen haben, zehn, neun und sieben Jahre alt, ins‑

gesamt also sechsundzwanzig. Wie wir ge­sehen haben (weiter vorne in diesem Buch, die Red.), ist sechsundzwanzig die Zahl Got­tes, diese Zahl ist das Doppelte von drei­zehn, und dreizehn ist, wie der hl. Isidor von Sevilla uns sagte, die Summe aus zehn, der Zahl der Gebote, und drei, welches den Autor der Gebote bezeichnet, also die Heilige Dreifaltigkeit.

Der Engel

Dreimal erscheint er den Kindern, zu drei verschiedenen Jahreszeiten. Jedes der Ge­bete, die er sie lehrt, wiederholt er drei Mal. Und das Gebet, das er ihnen beim drit­ten Mal beibringt, enthält drei Teile. Drei­mal auch spricht er zu ihnen über die Her­zen Jesu und Mariä.

Unsere Liebe Frau

Sie besteht selbst auf dieser Zahl. Dreimal zeigt sie ihr Herz: ein einziges Mal im Jahr 1917, zwei weitere Male jedoch im folgen­den Jahrzehnt, am 10. Dezember 1925 und am 13. Juni 1929. Jedes der beiden Gebe­te, welche sie die Kinder am 13. Juli 1917 lehrt, enthält drei Teile. Das Geheimnis, das sie ihnen am selben Tag anvertraut, hat ebenfalls drei Teile, und der Mittelteil spricht drei Mal von ihrem unbefleckten Herzen. In genau diesem Jahr 1917 spricht sie drei Mal von „Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz“. Nun beinhaltet der Rosen­kranz insbesondere das Ave Maria, dessen Beginn auf jede der drei göttlichen Perso­nen hinweist und aus dem »Ehre sei dem Vater..«, dessen „trinitarische Doxologie“, die der „Gipfel der Betrachtung“ ist, der „Zielpunkt der christlichen Kontemplati­on“, woran Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben zum Rosenkranz passend erinnert hat.

Wir wollen noch erwähnen, dass am 13. September und auch im folgenden Mo­nat drei Mal Rauchwolken vor Unserer Lie­ben Frau aufstiegen, als die Engel sie mit ihren goldenen Weihrauchfässern verehr­ten. Die Erscheinung vom 13. Oktober, die den Zyklus in der Cova da Iria abschloss, verläuft ebenfalls in drei Abschnitten: der Besuch Unserer Lieben Frau, die vielfältige Vision und das Sonnenwunder. Dieses Wun­der wurde drei Monate früher angekündigt und enthält drei Momente, denn die Sonne „tanzt“ drei Mal hintereinander.

Es spricht also alles von der Dreifaltigkeit: nicht nur die Natur, wie uns Lucia weiter oben sagte, sondern auch der Engel, so­dann Unsere Liebe Frau, und selbst die Zahlen. Ohne unseren Leib und unser Herz auszulassen, denn Papst Benedikt versi­chert, dass „das Sein des Menschen in sei­nem <Erbgut> die tiefe Spur der Dreifaltig­keit trägt, des Gottes, der die Liebe ist“ (Angelus vom 7. Juni 2009), und auch Schwester Lucia schreibt übrigens: „Wir sind lebendige Tabernakel, in denen die Heiligste Dreifaltigkeit wohnt“ (Aufrufe, S. 135).

Trotz der Vielfalt und des Reichtums dieser Zeichen und der Manifestationen bleibt im­mer ein Abgrund zwischen der immanenten Trinität und alledem, was wir jemals über sie wissen können. Dieser Apophatismus, (siehe Erklärung am Schluss) der in jedem Versuch inhärent vorhanden ist, dieses Geheim­nis zu erfassen, ist ein integraler Bestandteil des Annäherns an das Wesen der Dreifaltig­keit durch Francisco. Natürlich hat er nie ei­ne theologische Ausbildung genossen, noch hat er je über die Unmöglichkeit jeglichen Vorhabens gehört, Gott zu beschreiben oder für das menschliche Verständnis erfassbar zu machen, wenn nicht eben als unerfasslich. Aber er betet, er betet viel, und im Gebet bekommt er jene Eingebung, welche die be­kanntesten kontemplativen Menschen weit entwickelt haben, ohne sie jemals übertref­fen zu können: „Wie Gott doch ist! Das kann man nicht aussprechen! Ja, das kann keiner jemals sagen!“

So viele Negationen in so wenigen Worten! die gesamte „negative“ Theologie der gröss­ten Mystiker seit Dionysos Areopagita ist da­rin enthalten, ist bei Francisco virtuell prä­sent.

So also ist Francisco, das kontemplative Kind, das Kind der apophatischen Stille, das Kind, das von der Heiligsten Dreifaltigkeit faszi­niert ist sowohl in ihrer absoluten Transzen­denz als auch von ihrem Einwohnen im In­nersten eines jeden von uns. So ist Francisco das Kind, dessen Kontemplation seinem Sinn für das praktische Leben und für die Hingabe keineswegs schadet, sondern beides sogar, ganz im Gegenteil, noch anregt und verfei­nert. (…)

Bezüglich dem Wort „Apophatismus“ hat Pfr. Gerald Hauser wie folgt geantwortet:

Im Zusammenhang mit den Kindern von Fati­ma kann „apophatische Stille“ einfach nur heissen, dass Francisco die Unsagbarkeit, Un­nennbarkeit, Unerkennbarkeit Gottes erfah­ren hat. Wie der hl. Thomas von Aquin, im­merhin der grösste Theologe unserer Kirche, der, nachdem er eine Vision Gottes gehabt hatte, nichts mehr geschrieben hat, weil ihm alles, was er je über Gott gesagt und ge­schrieben hatte, wie Stroh vorkam gegenüber der Herrlichkeit Gottes, die er schauen durf­te.

Und damit wurde aus diesem Mann, der so viel und so viel Gutes geschrieben hatte, ein Heiliger der „apophatischen Stille“.

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Quelle: Schweizer Fatima-Bote Nr. 77 3/2018

Siehe dazu auch:

Johannes Paul II.: Fatima, Jacinta und Francisco, die Botschaft ihres Lebens

Francisco und Jacinta

APOSTOLISCHE REISE NACH FATIMA
SELIGSPRECHUNG DER HIRTENKINDER JACINTA UND FRANCISCO

PREDIGT VON JOHANNES PAUL II.

Samstag, 13. Mai 2000

1. »Ich preise dich, Vater, […] weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast« (Mt 11,25).

Mit diesen Worten, liebe Brüder und Schwestern, lobt Jesus den Vater im Himmel für seine Pläne; er weiß, daß niemand zu ihm kommen kann, wenn ihn nicht der Vater zu ihm hinführt (vgl. Joh 6,44); und daher lobt er diesen Plan und stimmt ihm in Kindeshaltung zu: »Ja, Vater, so hat es dir gefallen« (Mt 11,26). Es hat dir gefallen, das Himmelreich den Unmündigen zu öffnen.

Nach dem göttlichen Plan ist »eine Frau, mit der Sonne bekleidet« (Offb 12,1), vom Himmel auf diese Erde herabgekommen, um die vom Vater bevorzugten Unmündigen aufzusuchen. Sie spricht mit der Stimme und dem Herzen einer Mutter zu ihnen: Sie lädt sie ein, sich als Sühneopfer darzubringen, und erklärt sich bereit, sie sicher vor Gott zu führen. Und siehe, sie sehen ein Licht von ihren Mutterhänden ausgehen, das sie bis ins Innerste durchdringt, so daß sie sich in Gott eingetaucht fühlen – wie wenn jemand sich im Spiegel betrachtet, so beschreiben sie es.

Später erklärte Francisco, einer der drei Bevorzugten: »Wir brannten in jenem Licht, das Gott ist, aber wir verbrannten nicht. Wie ist Gott? Das kann man nicht sagen. Ja, das ist etwas, das wir Menschen nicht sagen können.« Gott: ein Licht, das brennt, aber nicht verbrennt. Dieselbe Wahrnehmung hatte Mose, als er Gott im brennenden Dornbusch sah; dabei sprach Gott zu ihm, besorgt über die Knechtschaft seines Volkes und entschlossen, es durch seine Hand zu befreien: »Ich werde mit dir sein« (vgl. Ex 3,2–12). Alle, die diese göttliche Gegenwart in sich aufnehmen, werden zur Wohnstatt und folglich zum »brennenden Dornbusch« des Allerhöchsten.

2. Was den sel. Francisco am meisten wunderte und ganz in Ansprach nahm, war Gott in jenem immensen Licht, das sie alle drei bis in ihr Innerstes durchdrungen hatte. Nur ihm jedoch zeigte sich Gott »so traurig«, wie er es ausdrückte. Eines Nachts hörte sein Vater ihn schluchzen und fragte ihn, warum er weinte; der Sohn antwortete: »Ich dachte an Jesus, der so traurig ist wegen der Sünden, die gegen ihn begangen werden.« Ein einziger – für die Denkart der Kinder so bezeichnender – Wunsch bewegt von nun an Francisco, und es ist der, »Jesus zu trösten und froh zu machen«.

In seinem Leben bringt er eine Wandlung zuwege, die man als radikal bezeichnen könnte; eine Wandlung, wie sie für Kinder seines Alters sicher nicht alltäglich ist. Er gibt sich einem intensiven geistlichen Leben hin, das sich in eifrigem und inbrünstigem Gebet niederschlägt, so daß er zu einer wahren Form mystischer Vereinigung mit dem Herrn gelangt. Und gerade das bringt ihn zu einer fortschreitenden Läuterung des Geistes durch vielerlei Verzicht auf Angenehmes, selbst unschuldige Kinderspiele.

Francisco ertrug die großen Leiden, welche die Krankheit verursachte, die zu seinem Tod führte, ohne jede Klage. Alles schien ihm wenig, um Jesus zu trösten; er starb mit einem Lächeln auf seinen Lippen. Groß war in dem kleinen Jungen der Wunsch, Sühne zu leisten für die Beleidigungen der Sünder; und so strengte er sich an, gut zu sein, und opferte Verzicht und Gebete auf. Und Jacinta, seine fast zwei Jahre jüngere Schwester, lebte von denselben Gefühlen getragen.

3. »Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot« (Offb 12,3).

Diese Worte aus der ersten Lesung der Messe lassen uns an den großen Kampf denken, der zwischen Gut und Böse stattfindet, wobei wir feststellen können, daß der Mensch, wenn er Gott auf die Seite schiebt, nicht zum Glück gelangen kann, ja letzten Endes sich selbst zerstört.

Wie viele Opfer während des letzten Jahrhunderts des zweiten Jahrtausends! Es kommen einem die Schrecken des Ersten und Zweiten Weltkriegs und vieler anderer Kriege in so vielen Teilen der Welt in den Sinn, die Konzentrations- und Vernichtungslager, die Gulags, die ethnischen Säuberungen und die Verfolgungen, der Terrorismus, die Entführung von Menschen, die Drogen, die Angriffe gegen die Ungeborenen und die Familie.

Die Botschaft von Fatima ist ein Aufruf zur Umkehr, eine Warnung an die Menschheit, nicht das Spiel des »Drachens« mitzuspielen, der mit seinem Schwanz »ein Drittel der Sterne vom Himmel [fegte]« und »sie auf die Erde herab[warf]« (Offb 12,4). Das letzte Ziel des Menschen ist der Himmel, seine wahre Wohnung, wo der himmlische Vater in seiner barmherzigen Liebe auf alle wartet.

Gott will, das niemand verloren geht; deshalb hat er vor zweitausend Jahren seinen Sohn auf die Erde gesandt, »um zu suchen und zu retten, was verloren ist« (Lk 19,10). Und er hat uns gerettet durch seinen Tod am Kreuz; niemand bringe das Kreuz um seine Kraft! Jesus ist gestorben und auferstanden, um »der Erstgeborene von vielen Brüdern« (Röm 8,29) zu sein.

In ihrer mütterlichen Fürsorge ist die Heiligste Jungfrau hierher, nach Fatima, gekommen, um die Menschen aufzufordern, daß sie »Gott, unseren Herrn, nicht mehr beleidigen, der schon so viel beleidigt wird«. Der Schmerz der Mutter veranlaßt sie, zu sprechen; auf dem Spiel steht das Schicksal ihrer Kinder. Deshalb sagt sie zu den Hirtenkindern: »Betet, betet viel, und bringt Opfer für die Sünder; denn viele Seelen kommen in die Hölle, weil niemand da ist, der sich für sie opfert und für sie betet.«

4. Die kleine Jacinta fühlte und lebte diese Sorge der Muttergottes als ihre eigene, und sie brachte sich heldenmütig als Opfer für die Sünder dar. Eines Tages – sie und Francisco waren bereits erkrankt und gezwungen, im Bett zu liegen – kam die Jungfrau Maria, sie zu Hause zu besuchen, wie Jacinta berichtet: »Die Muttergottes kam uns besuchen und sagte, daß sie sehr bald Francisco mit sich in den Himmel nehmen werde. Und mich fragte sie, ob ich noch mehr Sünder bekehren wollte. Ich sagte ihr: Ja.« Und als für Francisco der Augenblick des Abschiednehmens gekommen ist, trägt Jacinta ihm auf: »Bringe unserem Herrn und unserer Herrin viele Grüße von mir, und sage ihnen, daß ich alles leide, was sie verlangen, um die Sünder zu bekehren.« Die Schau der Hölle bei der Erscheinung vom 13. Juli hatte in Jacinta einen solchen Eindruck hinterlassen, daß keine Abtötung und Buße zuviel war, um die Sünder zu retten.

Zu Recht könnte Jacinta mit Paulus ausrufen: »Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt« (Kol 1,24). Vergangenen Sonntag haben wir beim Kolosseum in Rom das Gedächtnis der vielen Glaubenszeugen des 20. Jahrhunderts begangen und anhand bedeutsamer Zeugnisse, die sie uns hinterlassen haben, der Peinigungen gedacht, die sie erlitten. Eine unzählbare Schar mutiger Glaubenszeugen hat uns ein kostbares Erbe vermacht, das im dritten Jahrtausend lebendig erhalten werden muß. Hier in Fatima, wo diese Zeiten der Drangsal angekündigt worden sind und die Muttergottes zu Gebet und Buße aufforderte, um sie abzukürzen, will ich heute dem Himmel Dank sagen für die Kraft des Zeugnisses, die sich in all diesen Lebensgeschichten erwiesen hat. Und noch einmal möchte ich die Güte des Herrn mir gegenüber erwähnen, als ich, hart getroffen, an jenem 13. Mai 1981 vom Tode errettet wurde. Meine Dankbarkeit gilt auch der sel. Jacinta für die Opfer und Gebete, die sie für den Heiligen Vater darbrachte, den sie so sehr hat leiden sehen.

5. »Ich preise dich, Vater, weil du all das den Unmündigen offenbart hast.« Der Lobpreis Jesu nimmt heute die feierliche Form der Seligsprechung der Hirtenkinder Francisco und Jacinta an. Die Kirche will mit diesem Ritus diese zwei Kerzen auf den Leuchter stellen, die Gott entzündet hat, um die Menschheit in ihren dunklen und sorgenvollen Stunden zu erleuchten. Sie mögen leuchten über dem Weg dieser riesigen Menge von Pilgern und all denen, die über Radio und Fernsehen mit uns verbunden sind. Sie mögen ein freundliches Licht sein, um ganz Portugal, und in besonderer Weise diese Diözese Leiria-Fatima, zu erleuchten.

Ich danke Bischof Serafim, Diözesanbischof dieser berühmten Teilkirche, für seine Willkommensworte, und mit großer Freude grüße ich den ganzen portugiesischen Episkopat und seine Diözesen, die ich sehr liebe und auffordere, ihre Heiligen nachzuahmen. Einen brüderlichen Gruß den anwesenden Kardinälen und Bischöfen mit besonderer Erwähnung der Hirten von Gemeinschaften portugiesischsprechender Länder: Die Jungfrau Maria möge die Aussöhnung des angolanischen Volkes erwirken; sie möge den Überschwemmungsopfern in Mosambik Trost bringen; sie möge wachen über dem Weg von Timor Lorosae [Ost-Timor], Guinea-Bissau, Kapverden, São Tomé und Príncipe; sie bewahre in der Einheit des Glaubens ihre Söhne und Töchter in Brasilien.

Mit ehrerbietiger Hochachtung grüße ich den Herrn Staatspräsidenten und die anderen Vertreter der Behörden, die an dieser Feier haben teilnehmen wollen, und möchte bei dieser Gelegenheit in der Person des Regierungschefs allen für ihre Mitarbeit am guten Gelingen meiner Pilgerreise danken. Ein herzlicher Gruß und besonderer Segen gehen an die Pfarre und Stadt Fatima, die sich heute über ihre zur Ehre der Altäre erhobenen Kinder freuen.

6. Mein letztes Wort gilt den Kindern: Liebe Jungen und Mädchen, ich sehe viele von euch wie Francisco und Jacinta gekleidet. Das steht euch sehr gut! Aber früher oder später werdet ihr diese Kleider ablegen und … dann verschwinden die Hirtenkinder. Meint ihr nicht, daß sie nicht verschwinden sollten?! In der Tat braucht die Muttergottes euch alle sehr, um Jesus zu trösten, der traurig ist über die Dummheiten, die begangen werden; sie braucht eure Gebete und Opfer für die Sünder.

Bittet eure Eltern und Erzieher, daß sie euch in die »Schule« der Muttergottes schicken, damit sie euch lehre, wie die Hirtenkinder zu sein, die alles zu tun bestrebt waren, was sie von ihnen verlangte. Ich sage euch: »In kurzer Zeit der Unterwürfigkeit unter Maria und der Abhängigkeit von ihr macht man größere Fortschritte als in langen Jahren des Eigenwillens und Selbstvertrauens « (Ludwig Maria Grignion de Montfort, Abhandlung über die vollkommene Andacht zu Maria, Freiburg/Schweiz 1925, Nr. 155). Auf diese Weise wurden die Hirtenkinder schnell heilig. Eine Frau, die Jacinta in Lissabon bei sich aufgenommen hatte und die guten und weisen Ratschläge hörte, die das Mädchen gab, fragte sie, wer sie das gelehrt hatte. »Das war die Muttergottes «, antwortete sie. Indem sie sich mit völliger Ergebenheit von einer so guten Lehrerin anleiten ließen, haben Jacinta und Francisco in kurzer Zeit die Gipfel der Vollkommenheit erreicht.

7. »Ich preise dich, Vater, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.«

Ich preise dich, Vater, für alle deine Unmündigen, angefangen bei der Jungfrau Maria, deiner demütigen Magd, bis hin zu den Hirtenkindern Francisco und Jacinta.

Möge die Botschaft ihres Lebens stets lebendig bleiben, um den Weg der Menschheit zu erleuchten!

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Quelle

 

Regina Coeli im Zeichen von Fatima

Papst beim Regina Coeli

Auch einen Tag nach der Rückkehr aus Fatima ging es im Vatikan an diesem Sonntag um den portugiesischen Marienwallfahrtsort: Am Vormittag besuchte der Papst die römische Marienbasilika Santa Maria Maggiore, um bei der Muttergottes für die zweitägige Reise nach Portugal zu danken. Vor dem Marienbild „Salus populi romani“ verweilte er rund 20 Minuten still und legte weiße Rosen vor der Ikone nieder. Beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz sagte der Papst, dass er mit seinem Besuch in Fatima, um den mütterlichen Schutz Marias für die ganze Welt erbeten habe. Auch erinnerte er an die beiden neuen Heiligen Francisco und Jacinta Marto, die Beispiele der Treue zu Christus und des Zeugnisses für das Evangelium seien. Sie riefen die Gläubigen zur Umkehr auf.

Das „Regina Coeli“ habe als Mariengebet eine besondere Bedeutung, so der Papst. Auch in Fatima habe das Gebet eine große Rolle gespielt, er sei dort mit den Gläubigen „ins Gebet eingetaucht“. Es sei ihm darum gegangen, den mütterlichen Schutz zu erbitten und erinnerte hierbei auch an den Muttertag, der weltweit an diesem Sonntag gefeiert wird. Nach dem Mittagsgebet ging der Papst auch auf die Bedeutung des Lebensschutzes ein, der besonders gut zum Muttertag passe, da die Frauen das Geschenk des Lebens weiter geben dürfen.

Ein weiteres Stichwort beim „Regina Coeli“ lautete „Frieden“: Er sei nach Fatima gereist, um für den Frieden zu beten. Er sei nach Portugal als Pilger der Hoffnung und des Friedens gereist, so Franziskus in seiner Ansprache.

Während seines zweitägigen Aufenthalts in Fatima am Freitag und Samstag habe es mehrere Momente des Gebets gegeben. Da habe sich eine „besondere Atmosphäre“ gebildet. Doch immer sei es um die Botschaft der Liebe Gottes gegangen. Der auferstandene Herr sei immer präsent gewesen, gerade in der Eucharistie sei er immer gegenwärtig, aber auch unter den Kranken, die in Fatima „die eigentlichen Protagonisten“ waren und sind.

Über die beiden neuen Heiligen – die zwei Seher-Kinder Francisco und Jacinta Marto – die mit Lucia, vor genau 100 Jahren die ersten Marienerscheinungen erlebt hätten, sagte der Papst, dass sie insofern für die heutigen Gläubigen Vorbilder seien, da sie nicht nur die Botschaft der Muttergottes wahrgenommen hätten sondern auch danach lebten. Deshalb sei die Heiligsprechung von Francisco und Jacinta als „Beispiel für die Treue zu Christus“ zu verstehen. Auch seien sie „wahre Zeugen für das Evangelium“. Es handelte sich um die ersten Kinder, die nicht wegen eines Martyriums heiliggesprochen wurden. Deshalb wolle er der Kirche die Leiden und Sorgen aller Kinder ans Herz legen. Die Seher-Kinder hätten die Menschen zur Umkehr und Buße aufgerufen und diesen Aufruf gelte heute noch: Auch die heutigen Gläubigen sollen weiterhin „um die Gnade der Umkehr flehen, wie auch um das Ende der vielen Kriege sowie der absurden kleinen und großen Konflikte, die das Antlitz der Menschheit entstellen“.

Nach dem Mittagsgebet bat der Papst der Gottesmutter als „Königin des Friedens“, um das Ende von den Kriegen, die besonders im Nahen Osten wüteten. Dort seien etliche Menschen hart geprüft und zwar nicht nur Christen und Moslems. Namentlich nannte Franziskus die Jesiden, eine von Islamisten im Irak verfolgte Religionsgemeinschaft als verfolgte Minderheit. Nur der Weg des Dialogs und der Geschwisterlichkeit könne eine Zukunft der Sicherheit und des Friedens ermöglichen.

(rv 14.05.2017 mg)

Fatima: Die drei Hirtenkinder und die Wunderheilung des kleinen Lucas

João Batista & Lucila Yurie, Eltern Des Kleinen Lucas, Fatima / © ZENIT – AB

Pilgerreise am 12. und 13. Mai 2017

Den drei Hirtenkindern, Lucia, Jacinta und Francisco, erschien die Jungfrau Maria im Jahr 1917 sechs Mal, das erste Mal am 13. Mai. Lucia war damals zehn Jahre alt, ihre beiden Cousins, Francisco und Jacinta, jeweils neun und sieben Jahre alt. Während der Erscheinungen konnte nur Lucia sehen, hören und sprechen, Jacinta sehen und hören, Francisco nur sehen. Daher berichteten nur die beiden Mädchen über das Geschehene.

Durch die Erscheinungen änderte sich das Leben der drei Hirtenkinder, die ein einfaches und gläubiges Elternhaus hatten, grundlegend. Täglich beteten sie den Rosenkranz und mussten Anfeindungen und Anschuldigungen ertragen. Jacinta und Francisco starben nur wenige Jahre nach den Marienerscheinungen an der Spanischen Grippe, Francisco am 4. April 1919 und Jacinta am 20. Februar 1920.

Lucia, die wie ihre beiden Cousins in Aljustrel geboren war, hatte bereits 1915 eine Vision, wie sie später in ihren Erinnerungen berichtete. Nach der letzten Marienerscheinung 1917 lebte sie im Kolleg von Villar in Porto, danach, vom 17. Mai 1946 bis zu ihrem Tod am 13. Februar 2005, in Klausur im Karmel von Santa Teresa.

1922 verfasste Sr. Lucia die erste Niederschrift der Marienerscheinungen, 1924 wurde sie von einer offiziellen Kommission zu den Ereignissen in Fatima befragt. Sechs Jahre später, am 13. Oktober 1930, veröffentlichte der Bischof von Leiria einen Pastoralbrief zum Kult Unserer Lieben Frau von Fatima. Sr. Lucia verfasste von 1935 bis 1992 ihre Erinnerungen in sechs Teilen.

Am 3. Februar 2008 wurde der Seligsprechungsprozess für Sr. Lucia dos Santos eingeleitet und damit die übliche Fünfjahresfrist in ihrem Fall aufgehoben. Ihre Seligsprechung erfolgte am 13. Februar 2017.

Jacinta und Francisco wurden am 13. Mai 2000 seliggesprochen. Ihre Heiligsprechung am 13. Mai 2017 erfolgte aufgrund der Anerkennung eines Wunders, der Heilung eines kleinen Jungen aus Brasilien, der am 3. März 2013 im Alter von fünf Jahren einen schweren Unfall erlitten hatte.

Der kleine Lucas war beim Spielen aus dem Fenster in 6,50 Meter Tiefe gestürzt. Das Kind fiel ins Koma; die behandelnden Ärzte schätzten die Überlebenschancen des kleinen Jungen sehr gering ein. Die Eltern beteten in ihrer Verzweiflung zu Unserer Lieben Frau von Fatima und baten auch eine Schwesterngemeinschaft um Gebete.

Der Zustand ihres Sohnes verschlechterte sich besorgniserregend, doch am 9. März erwachte der kleine Lucas aus dem Koma, begann zu sprechen und nach seiner Schwester zu fragen. Am 15. März konnte er aus dem Krankenhaus entlassen werden. Von dem schweren Unfall sind Lucas keinerlei Folgeschäden geblieben. Wissenschaftlich ist seine Heilung nicht erklärbar.

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Quelle

Heiligsprechung in Fatima: Klammern wir uns Maria an

Papst in Fatima

Mit einem langen Applaus haben die Pilger und Gläubige im portugiesischen Marienwallfahrtsort Fatima den Papst am Samstagvormittag willkommen geheißen. Bei dem Gottesdienst unter strahlendem Sonnenschein nahmen tausende Menschen teil. Zuvor hatte Franziskus die alte Rosenkranzbasilika von Fatima besucht und betete vor den Gräbern der drei Seherkinder Francisco Marto, Jacinta Marto und Lucia dos Santos, die sich dort befinden. Der Platz zwischen den beiden Basiliken von Fatima war bereits zwei Stunden vor dem Gottesdienst weithin gefüllt. Viele Pilger hatten mit Schlafsäcken oder einfachen Rettungsdecken auf dem Areal übernachtet, berichtet die Katholische Nachrichten-Agentur. Franziskus war im Exerzitienhaus „Nossa Senhora do Carmo“ unmittelbar neben dem Wallfahrtsgelände untergebracht.

Bis zum letzten Atemzug

Zu Beginn der Feier an diesem Samstag stellte der Bischof von Fatima, António Augusto dos Santos Marto, das Leben der beiden neuen Heiligen vor: Francisco und Jacinta Marto. Die Lesungen und das Tagesevangelium drehten sich allesamt um der Muttergottes. Der Papst rief die Gläubigen auf, „uns wie Kinder“ an sie zu klammern. Denn auf diese Weise könnten die Gläubigen in der Hoffnung leben, die sich auf Jesus stützt und die Menschen immer trägt – „bis zum letzten Atemzug“. Zu Beginn seiner Predigt ging er auf das Erlebnis der Seherkinder von Fatima ein. Unzählige Gnaden seien der Muttergottes von Fatima zu verdanken, so Franziskus. Hundert Jahre seien seit ihrer Erscheinung am Himmel vergangenen und „vom hoffnungsvollen Portugal aus“ haben ihr Lichtmantel „über die vier Himmelsrichtungen der Erde“ sich ausgebreitet. Die beiden neuen Heiligen seien für alle ein Vorbild, da sie die göttliche Gegenwart zu einem festen Bestandteil ihres Lebens machten.

Einhüllendes Licht

Maria ist erschienen, um an das „Licht Gottes zu erinnern, das in uns wohnt und uns umhüllt“: In seiner Predigt bei der Messe in Fatima betonte Papst Franziskus die Metapher des einhüllenden Lichts, die besonders wichtig ist für den Marienwallfahrtsort. „Gemäß dem gläubigen Empfinden vieler, wenn nicht sogar aller Pilger ist Fatima vor allem dieser Lichtmantel. Er bedeckt uns hier wie an jedem anderen Ort der Erde, wenn wir unter dem Schutz der Jungfrau Maria Zuflucht nehmen, um sie zu bitten, wie es das Salve Regina lehrt: ‚Zeige uns Jesus’.“ Die drei Hirtenkinder, denen die Muttergottes vor genau 100 Jahren begegnet war, hatte Ähnlichkeit wie die Maria aus der Offenbarung des Johannes, von der in der Lesung die Rede war, „eine Frau, mit der Sonne bekleidet.“ „Liebe Pilger, wir haben eine Mutter“, so Papst Franziskus.

Die drei Kinder hatten sich ihrem eigenen Zeugnis nach im Licht Gottes befunden, das von der Gottesmutter ausstrahlte. „Sie hüllt sie in den Mantel des Lichtes, das Gott ihr gegeben hatte.“ Zu Beginn der Messfeier hatte Papst Franziskus zwei der Seherkinder, Jacinta und Francisco Marto, heilig gesprochen. Das dritte Kind, Lucia dos Santos, war 2005 gestorben, für sie läuft das Seligsprechungsverfahren.

„Ich konnte nicht umhin, hierher zu kommen“

Der Papst bedankte sich bei allen Anwesenden, weil sie ihn auf dieser für ihn wichtigen Pilgerfahrt begleitet haben. „Ich konnte nicht umhin, hierher zu kommen, um die Jungfrau und Mutter Maria zu verehren und ihr ihre Söhne und Töchter anzuvertrauen. Unter ihrem Schutzmantel gehen sie nicht verloren“, so der Papst wörtlich. Der Fürsprache der Gottesmutter bedarf die ganze Menschheit, insbesondere die Kranken und Behinderten, die Gefangenen und Arbeitslosen, die Armen und Verlassenen, fügte Franziskus an; ihr beständiges Gebet und ihre Verehrung für die Gottesmutter sei Beispiel für viele geworden, und das nicht nur in Portugal sondern auf der ganzen Welt.

Hoffnung für andere sein

Jeder sei selber eine Hoffnung für die anderen. Das fordere von jedem Gläubigen eine „regelrechte Mobilisierung gegen die Gleichgültigkeit“. Diese Gleichgültigkeit lasse das Herz erstarren und verschlimmere die Kurzsichtigkeit gegenüber den Mitmenschen. Doch das Leben könne nur durch ein anderes Leben überleben, aber dazu bedarf es der Großzügigkeit der Menschen. Jesus sei im Schoß der Jungfrau Mensch geworden, diese Menschheit werde nie wieder aufgeben. „Wie einen Anker machen wir unsere Hoffnung in jener Menschheit fest, die im Himmel zur Rechten des Vaters ihren Platz genommen hat“, so der Papst weiter. „Diese Hoffnung möge der Antrieb für unser aller Leben sein!“

Mobilisierung gegen die Gleichgültigkeit

„Darum bitte ich für alle meine Brüder und Schwestern, für die Getauften und die ganze Menschheit, insbesondere für die Kranken und Behinderten, die Gefangenen und Arbeitslosen, die Armen und Verlassenen“, so der Papst, um dann mit einem paradoxen Gebet fortzufahren. „Liebe Brüder und Schwestern, beten wir zu Gott in der Hoffnung, dass uns die Menschen anhören werden; und wenden wir uns an die Menschen in der Gewissheit, dass uns Gott zu Hilfe kommt.“ Wenn Gott wie die Seher-Kinder schrieben die Einsatz und so Erfüllung der je eigenen Pflichten verlange, „so setzt er damit eine regelrechte allgemeine Mobilisierung gegen diese Gleichgültigkeit in Gang, die unser Herz erstarren lässt und unsere Kurzsichtigkeit verschlimmert. Wir wollen keine gescheiterte Hoffnung sein!“ Es gelte, das Antlitz Jesu zu suchen, der in die Welt gekommen sei und sich erniedrigt habe, bis zum Kreuz. So könne man „das junge und schöne Gesicht der Kirche wiederentdecken (…), das strahlt, wenn sie missionarisch, einladend, frei, treu, arm an Mitteln und reich an Liebe ist.“

Jeder sei ein Wächter der Welt unter dem Schutz Mariens, sagte der Papst abschließend. Zur Gabenbereitung brachte die Familie, deren Kind auf die Fürsprache der beiden Seherkinder geheilt wurde, die Gaben zum Altar. Zum Schluss der Feier gab es noch einen Segen für die Kranken.

(rv 13.05.2017 mg/ord)

Papst fährt Ende der Woche nach Fatima: Kirche ist Mutter

Fatima, Portugal: Die Statue der Muttergottes

Die Kirche ist Mutter – daran hat Papst Franziskus an diesem Montag vor Mitgliedern des portugiesischen Priesterkollegs von Rom erinnert, die er im Vatikan in Audienz empfing. Dabei kam er auch auf seine apostolische Pilgerreise nach Fatima am kommenden Freitag und Samstag zu sprechen: Sein Besuch in dem portugiesischen Wallfahrtsort stehe im Zeichen des Friedens und der Hoffnung, so Franziskus vor seinen portugiesischen Zuhörern. „Die Beziehung zur Muttergottes hilft uns, ein gutes Verhältnis zur Kirche zu haben: beide sind Mütter. […] Einem Priester, der die Mutter vergisst, vor allem in schweren Momenten, fehlt etwas. Es ist wie als wäre er Waise. […] Das Wort Gottes lehrt uns, wie Kinder im Arm der Mutter genährt zu werden“, sagte der Papst.

Eineinhalb Tage wird sich Papst Franziskus in dieser Woche in dem portugiesischen Marienwallfahrtsort aufhalten. Grund ist der 100. Jahrestag der Marienerscheinungen dort und die Heiligsprechung von zwei der drei Hirtenkinder, denen die Muttergottes erschienen war. Es wird der sechste Besuch eines Papstes in Fatima sein, vor 50. Jahren genau war Paul VI. das erste Mal dort. Seine apostolische Pilgerreise – so der offizielle Titel – führt ihn ausschließlich in den Wallfahrtsort, er wird keine weiteren Stationen in Portugal besuchen.

Heiligsprechung der Hirtenkinder

Am 13. Mai 1917 war auf einem Feld in Zentralportugal drei Kindern die Muttergottes erschienen, zwei von Ihnen, Jacinta und Francisco Marto, werden während der Papstreise heiliggesprochen werden. Das dritte Kind, Lucia dos Santos, ist 2005 verstorben, für sie läuft das Seligsprechungsverfahren.

Die Heiligsprechung wird bei einer feierlichen Messe vor dem Heiligtum am Samstagmorgen stattfinden. Anschließend wird sich der Papst ausdrücklich an die angereisten Kranken wenden, 350 Kranke werden erwartet, der Wallfahrtsort zieht immer eine große Zahl von auf Heilung und Fürsprache hoffende Kranke an. Für die Messfeier und die Feier des Jubiläums werden in Fatima 600.000 Menschen erwartet; zur Heiligsprechung kommen rund 80 Kardinäle und Bischöfe. Mehr als 40.000 Personen wollen sich als Fußpilger zu dem Ereignis aufmachen, wie die Sprecherin des portugiesischen Wallfahrtsheiligtumss, Carmo Rodeia, ankündigte.

Andacht und Gebet

Der Tag vor der Heiligsprechung wird Gebetscharakter haben. Nach seiner Ankunft am frühen Nachmittag wird Papst Franziskus vom Staatspräsidenten Portugals begrüßt, bevor er sich nach Fatima begibt. Er wird auf dem Papamobil die Menschen begrüßen und sich dann in die Kapelle der Erscheinung begeben und dort beten.

Nach dem Abendessen kehrt er noch einmal in die Kapelle zurück, wo er die Kerzen für die Feier am Samstag segnen wird, anschließend betet der Papst mit den Versammelten einen Rosenkranz.

Wie bereits beim Papstbesuch von Benedikt XVI. in Fatima 2010 wird der Kardinalstaatssekretär – in diesem Fall Pietro Parolin – anschließend einer Vigilfeier vorstehen.

Papst Franziskus wird insgesamt vier Mal das Wort ergreifen, neben der Predigt am Samstag und dem Gruß an die Kranken sind dies ein Gebet in der Kapelle am Freitag und anschließend die Segnung der Kerzen. Der Papst wird voraussichtlich Portugiesisch sprechen.

Nach der Messe und dem Mittagessen mit den Bischöfen Portugals wird Papst Franziskus nach Rom zurück kehren.

(rv 08.05.2017 ord/pr)

Fátima: Papst kann Francisco und Jacinta Marto heiligsprechen

Fatima / Wikimedia Commons – Andreas Trepte, CC BY-SA 2.5 (Cropped)

Die dazu erforderlichen Wunder wurden am Donnerstag genehmigt

Jetzt ist es soweit: Papst Franziskus kann im Laufe seiner Pilgerreise am 12. und 13. Mai nach Fátima zum Anlaß des 100-jährigen Jubiläums der Marienerscheinungen in der Cova da Iria zwei der drei Seherkinder, die Geschwister Jacinta und Francisco Marto, heiligsprechen.

Franziskus empfing am Donnerstag den Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Kardinal Angelo Amato, in Privataudienz und genehmigte die für die Heiligsprechung erforderlichen Wunder, wie der vatikanische Pressesaal mitteilte.

Die beiden Hirtenkinder wurden während des Heiligen Jahres 2000 vom heiligen Johannes Paul II. seliggesprochen. Es wird das erste Mal sein, dass Kinder, die keine Märtyrer sind, kanonisiert werden. Schon ihre Seligsprechung stellte aus diesem Grund eine Besonderheit dar.

Was jetzt noch fehlt, ist die notwendige Zustimmung durch ein Kardinalskonsistorium, aber dies soll italienischen Medien zufolge am Donnerstag nach Ostern, am 20. April, einberufen werden.

Francisco Marto (1908-1919) starb am 4. April 1919 mit nicht einmal elf Jahren an der spanischen Grippe. Auch Jacinta (1910-1920) erlag am 20. Februar 1920 mit nur neun Jahren der Grippe. Im Jahr 1917 war die Jungfrau Maria beiden Kindern und ihrer Cousine Lucia dos Santos (1907-2005) erschienen.

Der Seligsprechungsprozess der Cousine wird bearbeitet. Die diözesane Phase des Verfahrens wurde am 13. Februar im Karmel von Coimbra (Portugal) feierlich abgeschlossen.

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