Franziskus kondoliert zum Tod Fidel Castros

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Franziskus mit Fidel Castro, September 2015

Papst Franziskus betet für den verstorbenen früheren Staatschef Kubas, Fidel Castro. In einem Telegramm an Raul Castro, Fidels Bruder und Nachfolger, brachte der Papst sein Mitgefühl zum Ausdruck und kondolierte „der Familie, der Regierung und dem Volk dieser geliebten Nation“. Er bete für die ewige Ruhe des Verstorbenen. Franziskus war Fidel Castro noch im September letzten Jahres in Havanna begegnet. Der 90-jährige Revolutionsführer, der drei Päpste getroffen hatte, verschied Freitagabend in der kubanischen Hauptstadt. Fidel Castro hatte als Schüler ein Jesuitenkolleg absolviert und später, obgleich Atheist und Sozialist, im Gegensatz zu den sozialistischen Führern des Ostblocks nie vollständig mit der katholischen Kirche gebrochen.

Der „Maximo Lider“, der fast 50 Jahre lang Kuba mit harter Hand geführt hatte, hatte als Schüler ein Jesuitenkolleg in Havanna besucht. Die Karierrehoffnungen des Jus-Studenten und später im Kampf gegen die korrupte Regierung engagierten Anwalts wurden durch den Batista-Putsch 1952 jäh zerstört, woraufhin Castro Revolutionär wurde. Ein Umsturzversuch 1953 scheiterte, nach einem Exil in Mexiko versuchte er es jedoch erneut und zog dank großen Zulaufs 1959 siegreich und unter allgemeinem Jubel in Havanna ein.

Der damalige Erzbischof von Santiago reagierte skeptisch auf die Machtübernahme und mahnte Castro per Hirtenbrief, sich an den „bewährten sozialethischen Prinzipien“ zu orientieren. Trotz massiver Auseinandersetzungen mit der Kirche riss der Gesprächsfaden nie ganz ab. Nach dem Untergang seines Hauptgeldgebers Sowjetunion unternahm Castro vorsichtige Annäherungsversuche. 1996 traf er in Rom Johannes Paul II., der zwei Jahre später Havanna besuchte. Die Annäherung zeigte Wirkung: Ein Weihnachtsfeiertag wurde bald darauf wieder eingeführt, und politische Gefangene gelangten in Freiheit.

Fidels jüngerer Bruder Raul Castro (85), der 2006 die Regierung übernahm, setzte diesen Kurs fort. Papst Benedikt XVI. (2012) und Franziskus (2015) reisten nach Kuba. Der erste Papst aus Lateinamerika begegnete am 25. September 2015 in Havanna dem gesundheitlich angeschlagenen Fidel, der sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte und nur noch geringen politischen Einfluss hatte. Zuletzt sorgte er beim Kongress der Kommunistischen Partei für Aufsehen, als er sitzend im Trainingsanzug über seinen nahenden Tod sinnierte. Vor einem zu Tränen gerührten Publikum bemerkte er treffend: „Wir alle kommen an die Reihe.“

Posthum gab es durchaus Würdigungen für Castro von Kirchenseite. Der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff (77) bezeichnete Castro als „einen der größten Führer der Welt“. Er habe der langjährigen kubanischen Staatschef „als charismatische Persönlichkeit sehr geschätzt“, sagte Boff am Samstag in Berlin. Castro sei „seinen Ideen des Sozialismus immer treu geblieben“. Seine Erziehung durch Jesuiten sei immer spürbar geblieben. „Er hat die christlichen Traditionen gekannt“, sagte Boff. In den vergangenen Jahren habe der frühere Revolutionsführer sich „auch sehr für ökologische Fragen interessiert“.

(rv 26.11.2016 gs)