Der Trick mit dem ‚eucharistischen Hunger’

Archivfoto Walter Kardinal Brandmüller

Der geradezu gewaltsam konstruierte Fall eines ‚eucharistischen Hunger’ leidenden nichtkatholischen Mischehenpartners ist eine peinliche, melodramatische Inszenierung. Ein Gespräch mit Walter Kardinal Brandmüller. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Die deutsche Bischofskonferenz kündigte an: „Die Orientierungshilfe geht davon aus, dass in konfessionsverschiedenen Ehen im Einzelfall der geistliche Hunger nach dem gemeinsamen Empfang der Kommunion so drängend sein kann, dass es eine Gefährdung der Ehe und des Glaubens der Ehepartner nach sich ziehen könnte, ihn nicht stillen zu dürfen. Das gilt insbesondere für die Ehepaare, die ihre Ehe sehr bewusst aus dem gemeinsamen christlichen Glauben leben möchten und deren Ehe schon jetzt die Konfessionen verbindet. Hier kann ein ‚schwerwiegendes geistliches Bedürfnis’ entstehen, das es nach dem Kirchenrecht (auf der Grundlage von c. 844 § 4 CIC) möglich macht, dass der evangelische Ehepartner zum Tisch des Herrn hinzutritt, wenn er den katholischen Eucharistieglauben bejaht.

Deshalb ist die zentrale Aussage des Dokumentes, dass alle, die in einer konfessionsverbindenden Ehe nach einer reiflichen Prüfung in einem geistlichen Gespräch mit dem Pfarrer oder einer mit der Seelsorge beauftragten Person zu dem Gewissensurteil gelangt sind, den Glauben der katholischen Kirche zu bejahen sowie eine ‚schwere geistliche Notlage’ beenden und die Sehnsucht nach der Eucharistie stillen zu wollen, zum Tisch des Herrn hinzutreten dürfen, um die Kommunion zu empfangen. Wichtig ist: Wir sprechen über Einzelfallentscheidungen, die eine sorgfältige geistliche Unterscheidung implizieren.“

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In einem Vortrag an der University of Notre Dame in Sydney (Australien) vom 24. Februar beschreibt und verurteilt der frühere Mitarbeiter der Kongregation für die Glaubenslehre P. Thomas Weinandy OFM den Angriff von präzedenzloser Schwere, den einige der von Papst Franziskus ermutigten „pastoralen“ Theorien und Praktiken gegen die „eine, heilige und apostolische“ Kirche und besonders gegen die Eucharistie, „fons et culmen“ des Lebens der Kirche selbst, hervorbrächten. Dabei bezog er sich vor allem auf umstrittene „liberale“ Interpretationen des Apostolischen Schreibens „Amoris laetitia“, dessen Betonung des „Gewissens des Einzelnen“, der besonderen Situation von „Einzelfällen“ und der „Unterscheidung und Begleitung“, die zu einer Gewissensbildung führen sollen.

Nun spricht auch die deutsche Bischofskonferenz in ihrer pastoralen Orientierungshilfe für die Begleitung von konfessionsverschiedenen Ehepaaren von „Einzelfallentscheidungen, die eine sorgfältige geistliche Unterscheidung implizieren“, „wenn es um einen gemeinsamen Kommunionempfang geht“. Dies führt zu verschiedenen Fragen. Ein grundlegendes Problem bildet der Begriff der „Unterscheidung“: wie soll dieser verstanden werden? Wie die Betonung des „Einzelfalls“?

Die deutschen Bischöfe erklären: „Die Orientierungshilfe geht davon aus, dass in konfessionsverschiedenen Ehen im Einzelfall der geistliche Hunger nach dem gemeinsamen Empfang der Kommunion so drängend sein kann, dass es eine Gefährdung der Ehe und des Glaubens der Ehepartner nach sich ziehen könnte, ihn nicht stillen zu dürfen“.

Nun: was soll man sich unter einem „eucharistischen Hunger“ vorstellen? Hat ein derartiger Begriff einen theologischen Hintergrund? Wie kann es da sogar zu einer „Gefährdung der Ehe und des Glaubens der Ehepartner“ kommen, wenn konfessionsverschiedene Paare nicht gemeinsam die Eucharistie empfangen können? Dann: schließt ein derartiger angenommener „Hunger“ nicht ein, dass sich in der Eucharistie der Gläubige mit der Kirche als „corpus mysticum Christi“ vereint? Sollte man demnach nicht besser mit dem nichtkatholischen Ehepartner „unterscheidend“ darauf hinarbeiten, dass er seinen Glauben an die eine Kirche bekennt, die in der katholischen Kirche „subsistiert“, wie das II. Vatikanische Konzil dies nennt?

Zudem stellt sich die Frage nach der Richtigkeit und Berechtigung des Hinweises auf Can. 844 CIC, besonders §4 und §5. Handelt der Kanon nicht eher von (orthodoxen) Kirchen, die zwar von Rom getrennt sind, aber dasselbe Eucharistieverständnis haben? Und deren Sakramente allesamt „gültig“ sind, da sie das Weihepriestertum kennen? Kann der im Kanon zitierte „Notfall“ einfach „zeitlos“ ausgeweitet werden, ohne damit dem Kanon zu widersprechen oder ihn einfach instrumentalisierend zu verfälschen und zu entleeren?

Es entsteht der Eindruck, dass nun unter der vordergründigen Behauptung des „Einzelfalls“ und des „Notfalls“ schleichend die Tür für eine allgemeine Interkommunion geöffnet werden soll. Dies aber widerspricht in dieser Form der Lehre der Kirche, dabei insbesondere den klaren Aussagen des heiligen Johannes Pauls II. in seine Enzyklika „Ecclesia de Eucaristia“ über die Eucharistie in ihrer Beziehung zur Kirche (17. April 2003) und der Lehre Papst Benedikts XVI, wie sie in seinem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben „Sacramentum caritatis“ (22. Februar 2007) formuliert ist.

Und es stellt sich die weiterreichende Frage: wie kann/soll man sich diesen Drang zur Interkommunion vorstehen? Ist auch dies vielleicht Zeichen des von Weinandy festgestellten Angriffs auf die Eucharistie, das heißt auf das Wesen und den Mittelpunkt der Kirche? Macht die emotional aufladende Rede vom „eucharistischen Hunger“ und der Gefahr, die sich aus einem Nichtstillen dieses Hungers ergeben soll, nicht ein defizitäres oder wenigstens reduktives Eucharistieverständnis sichtbar, wo es weniger um das „corpus Christi“ geht als vielmehr um einen gemeinschaftlichen Akt des (symbolisch überladenen und ontologisch unterbelichteten) „Mahles“ geht?

Fragen über Fragen, verbunden mit Eindrücken und im Bewusstsein einer sich ausbreitenden relativistischen Mentalität, die die wichtigste Frage nach Wahrheit und Gerechtigkeit zugunsten von anderem Vordergründigen abdrängt und die Substanz als solche schädigen will.

Ein klärendes Wort scheint dringend notwendig zu sein. Der Theologe und Kirchenhistoriker Walter Kardinal Brandmüller ist hierzu wohl der beste Referenzpunkt. Und die Eminenz war bereit, sich in einem ausführlichen „Kamingespräch“ Gedanken zu machen.

Walter Kardinal Brandmüller 

„Es geht also wieder einmal um die Spendung der heiligen Kommunion an nichtkatholische Christen-Ehepartner“, meinte der Kardinal mit seinem milden Lächeln, mit dem der fast 90jährige seinen Blick auf die Wirklichkeit in ihrer Geschichte und Aktualität zu richten gewohnt ist: „Da sollte man vorab einige Fragen stellen: Welche Rolle spielt dabei die Nicht-Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche? Was ist eigentlich ‚Kirche’? Ein Unternehmen zwecks Weltverbesserung? Eine NGO für Lebenshilfe? In diesen oder ähnlichen Fällen wäre unsere Themafrage nach Kriterien wie Nützlichkeit, Machbarkeit, Erfolgschancen zu beantworten“.

„Nun aber ist ‚Kirche’ eine Wirklichkeit“, so Brandmüller weiter, „der diese Begriffe eher fremd sind. Die Kirche ist Werk Gottes, sie ist die sichtbare, erfahrene Gestalt, in welcher der Auferstandene Christus in der Welt sein Erlösungswerk fortsetzt. Das ist festzuhalten, wenn es um Kirche und allem mit ihr Zusammenhängendem geht. Und nun zur Themafrage zurück. Auch hier besteht akuter Klärungsbedarf. Viele sprechen da von ‚Abendmahl’. Da kommen dann Begriffe wie Mahlgemeinschaft, Einladung, Gastfreundschaft etc. ins Spiel. Das alles ist – in gewissem Sinn – wohl wahr. Aber: Eucharistie, Kommunion im katholischen und orthodoxen Verständnis ist etwas wesentlich anderes.

Nach katholisch-orthodoxer Überzeugung werden in der Feier der Eucharistie – der heiligen Messe – Brot und Wein wahrhaft, wirklich und ihrem Wesen nach in Leib und Blut Jesu Christi verwandelt. Am Abend vor seinem Leiden hat Christus Brot und Wein genommen und es den Jüngern gereicht: Nehmt und esst – trinkt: das ist mein Leib, das ist mein Blut, und: Tut dies zu meinem Gedächtnis. Gerade aber darum geht es, wenn von Kommunion die Rede ist. Es geht um den wahrhaft, wirklich und dem Wesen nach (also sinnlich nicht wahrnehmbar) gegenwärtigen Christus in der sinnlich wahrnehmbaren Form von Brot und Wein“.

„Kommunion ist also“, unterstrich Brandmüller, „die Vereinigung des erlösten Menschen mit dem im Mysterium gegenwärtigen Christus. Ein Geschehen, das sich in den existentiellen Tiefen des Gläubigen ereignet. Eben darum sagt der Apostel Paulus: ‚Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn’. Wer dies tut, – so der Apostel – ‚der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt’. Das also gilt es zu bedenken, wenn von fallweiser Zulassung zur Kommunion die Rede ist.

Wenn nun das Papier der Bischofskonferenz von Einzelfällen spricht, in denen ebendies möglich sein soll, so ist das an und für sich nur ein taktischer Schritt in Richtung Interkommunion mit Nichtkatholiken überhaupt. Ein Ziel, das vor allem Protestanten, aber auch einige katholische Bischöfe anstreben“. Der Kardinal blickte auf, das Lächlen war einem ernsten Blick gewichen: „Man nennt ein solches Vorgehen auch ‚Salami-Taktik’. Und: steter Tropfen höhlt den Stein. Eine ganz und gar unehrliche ‚Masche’, um zum eigentlichen Ziel zu kommen.

Der geradezu gewaltsam konstruierte Fall eines ‚eucharistischen Hunger’ leidenden nichtkatholischen Mischehenpartners ist eine peinliche, melodramatische Inszenierung, um nicht zu sagen ‚Kitsch’: ‚Man merkt die Absicht und man ist verstimmt’. Ein Christ, der wahrhaft nach der heiligen Kommunion verlangt, und der weiß, dass es keine Eucharistie ohne Kirche und keine Kirche ohne Eucharistie gibt, bittet um Aufnahme in die Kirche. Alles andere wäre fragwürdig und unehrlich. Die Kirche ist kein Selbstbedienungsladen, in dem man auswählt, was gefällt, und das andere im Regal stehen lässt. Hier gilt: ‚Alles, oder nichts’!“

„Alles oder nichts“… nun, genau diesem Anspruch sollte entgangen werden. Brandmüller weiter: „Und nun zieht man – auf einmal spielt sogar das sonst so verachtete Kirchenrecht eine Rolle – den Codex Iuris Canonici heran. In der Tat bestimmt dieser im Can. 844 §3, dass es einem katholischen Priester erlaubt ist, Lossprechung, Krankensalbung und Eucharistie orthodoxen Gläubigen, die in rechter Weise disponiert sind und darum bitten, zu spenden.

Und dann folgt in §4: ‚Wenn Todesgefahr besteht, oder nach dem Urteil des Bischofs oder der Bischofskonferenz eine andere schwere Notlage (!) dazu drängt, können diese Sakramente auch den übrigen, nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehenden Christen, die einen Spender der eigenen Gemeinschaft nicht ansprechen können (!!), und von sich aus darum bitten – sofern sie bezüglich dieser Sakramente den katholischen Glauben bekennen und in rechter Weise disponiert sind (!!) –, gespendet werden’“.

Für den Kardinal „ist offenkundig, dass hier an Situationen wie Todesgefahr, Gefangenschaft usw. gedacht ist. Man denke nur an die Situation in den Gestapogefängnissen nach dem 20. Juli 1944, aber, bitte, nicht an einen undefinierbaren ‚eucharistischen Hunger’. Und: was heißt ‚in rechter Weise disponiert’? Damit ist Freiheit von schwerer Sünde und ehrliche Absicht, das Sakrament zu empfangen, gemeint“. Zu fragen wäre dann für Brandmüller auch, „warum ein Nichtkatholik, der die oben genannten Bedingungen erfüllt, und sich nicht in einer Notlage befindet, nicht einfach um Aufnahme in die Kirche bitten soll.

Und der Kardinal sieht die eigentliche Gefahr: „Der üble Trick bei der genannten Argumentation besteht darin, Regelungen für existentielle Extremsituationen auf den normalen Alltag auszuweiten. Ehrliches ökumenisches Bemühen verschmäht derartige Winkelzüge“. Denn:

„Es ist die Wahrheit, die frei macht. Und ganz zum Schluss: Die Kirche kann mit den Sakramenten nicht einfach tun, was sie will: Der Apostel Paulus sagt: ‚So soll man uns betrachten: als Diener Christi und als Verwalter von Geheimnissen Gottes’. Verwalter. ‚Von Verwaltern aber verlangt man, dass sie sich als treu erweisen…’, sagt der Apostel Paulus“.

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Kardinal Kasper: Freundlicher Dialog mit den Kritikern von „Amoris Laetitia“

Kardinal Kasper mit Papst Franziskus

Gerade 85 Jahre alt geworden, legt der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper ein Buch über kirchliche Seelsorge an Familien vor. Genauer gesagt: Er verteidigt das Lehrschreiben „Amoris Laetitia“ von Papst Franziskus, das dieser nach zwei Familien-Bischofssynoden im Vatikan erarbeitet hatte. Gudrun Sailer sprach mit Kardinal Kasper.

VATICAN NEWS: Herr Kardinal, Ihr Buch trägt den Titel „Die Botschaft von Amoris laetitia, ein freundlicher Disput“. Nun heißt es ja mancherorts, das Papstschreiben von Franziskus über Ehe und Familie sei sogar das umstrittenste Papstdokument der letzten 50 Jahre, seit Humanae Vita. Wie ordnen Sie diese Debatten, diesen Disput um Amoris laetitia seit seinem Erscheinen ein, was überrascht Sie daran?

KARDINAL KASPER: „Überrascht hat es mich nicht sonderlich, weil der Widerstand schon vorher da und sichtbar war. Es handelt sich um zwei unterschiedliche Verständnisse von dem, was katholische Tradition ist, und das ist ja nicht einfach ein stehendes Gewässer, das dann fad und faul wird, das ist wie eine Quelle, wie ein Fluss, etwas Lebendiges. Die Kirche ist ein lebendiger Organismus, und klarerweise will der Papst die ursprüngliche apostolische Botschaft bewahren. Was kann er anderes, was will er anderes tun, aber er will sie übersetzen, auch in die Sprache, den Kontext der heutigen Zeit. Ich persönlich bin der Überzeugung, er steht in der großen katholischen Tradition, vor allem der von Thomas von Aquin, während der Blick auf einer neuscholastischen, etwas sehr vereinfachten Form des Thomismus steht und nicht der ganzen Größe des Thomas von Aquin gerecht wird.“

VATICAN NEWS: Sie schreiben auf den ersten Seiten, Amoris Laetitia sei keine neue Doktrin, sondern eine kreative Erneuerung der Tradition, es gebe keinen Platz für den Vorwurf der Häresie. Das waren ja teils sehr harsche Urteile, die über dieses Papstschreiben getroffen wurden. Wo ist aus Ihrer Sicht genau das Problem? Wie kann es sein, dass ausgerechnet ein Papstschreiben zu Ehe und Familie einen solch rauen Disput auslöst? Geht es überhaupt um Familie, um gescheiterte Familien zumal, oder geht es im Grund um etwas Anderes?

KARDINAL KASPER: „Eine Häresie ist ein hartnäckiges Festhalten an einer Position, die direkt einem formulierten Dogma entgegensteht. Ich kenne kein solches Dogma, das besteht in Bezug auf die Kommunion der wiederverheirateten Geschiedenen; das ist eine kirchliche Disziplin, zweifellos, aber kein Dogma. Also von Häresie zu reden, ist völlig abwegig. Der Papst hat hier eine praktische Doktrin sozusagen etwas erneuert, und das hat er durchaus auf der Spur des Papstes Johannes Paul II. getan. Er hatte bereits gesagt, dass man die Situationen genau unterscheiden müsse – und die sind mitunter auch sehr verschieden bei den wiederverheirateten Geschiedenen; nur hatte Papst Johannes Paul II. noch nicht die Konsequenzen daraus gezogen. Auf dieser Spur ist nun Franziskus weiter vorangeschritten. Er hat das Selbstverständnis einer lebendigen Tradition, so wie sie auch das Zweite Vatikanische Konzil gesehen hat. Ich denke, von daher ist der Vorwurf der Häresie völlig unangebracht. Man kann höchstens noch sagen, dass es sich um unterschiedliche Schulmeinungen handelt, und die hat es schon immer in der katholischen Kirche gegeben. Das muss es in der katholischen Kirche geben, wir sind ja kein totalitäres System.“

VATICAN NEWS: Das heißt in anderen Worten: Der Vorwurf der Häresie entzündet sich nicht daran, dass das Thema Ehe und Familie so unter den Nägeln brennt, sondern weil es letzten Endes eine Frage der Reinhaltung der katholischen Lehre ist?

KARDINAL KASPER: „Das ist eine Verhärtung der katholischen Position, so würde ich sagen, die nicht wahrnimmt, dass natürlich auch Ehe und Familie eine geschichtliche Wirklichkeit ist, die sich heute anders darstellt als vor 100 oder 200 Jahren oder gar im Mittelalter. Das muss man alles mit berücksichtigen, wenn man sagen will, was das eheliche Leben, das familiäre Leben heute bedeutet – und das ist ja auch der Grund, weshalb das Volk Gottes in seiner ganz großen Mehrheit dieses Schreiben sehr freudig begrüßt hat und aufgeatmet hat und gar nicht die Probleme hat, die manche hier – meiner Meinung nach – etwas überspitzt vorbringen. Mein Versuch war es, in freundschaftliche Diskussion mit ihnen einzutreten. Mit Polemik ist da gar nichts zu machen, sondern darauf ist freundschaftlich einzugehen und zu erklären: Was meint der Papst, aber was meint er auch nicht.“

VATICAN NEWS: In der berühmten Fußnote 351 schreibt Franziskus, wiederverheiratete Geschiedene könnten unter Umständen auch die „Hilfe der Sakramente“ erhalten. Sie erklären nun in Ihrem neuen Buch, dass diese Fußnote im Licht des Dekrets zur Eucharistie des Konzils von Trient zu lesen ist. Was kommt dann dabei heraus?

KARDINAL KASPER: „Das Konzil von Trient sagt, dass die Eucharistie lässliche Sünden vergibt, und wir sagen das ja, „zur Vergebung der Sünden“, jedes Mal in der Eucharistie. Wenn nun also im Gespräch mit einzelnen Personen herauskommt, das ist ja keine schwere Sünde, sondern das ist eine lässliche Sünde, Unvollkommenheiten wie wir sie alle haben, sonst könnte niemand von uns zur Kommunion gehen, dann kann man natürlich erstens lossprechen im Beichtsakrament und zweitens zur Eucharistie zulassen. Man muss sehen, dass die schwere Sünde ein komplexer Begriff ist, nicht nur ein Gebot, das unbedingt in jeder Situation gilt. Natürlich ist Ehebruch immer objektiv ein schweres Versagen, aber die schwere Sünde setzt die Intention voraus, das schlechte Gewissen. So haben die Opponenten sozusagen ein einseitig objektivistisches Verständnis der Moral, aber zur Moral gehört immer auch das Gewissen und die Intention eines Menschen – und das wird bei ihnen doch sehr übersehen. Der Papst dagegen hält das persönliche Gewissen des Menschen sehr hoch, und das ist auch eine wichtige Position, die ihn dem heutigen Verständnis nahe bringt.“

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Kardinal Müller: „Suizidale Modernisierung“ der Kirche

Früherer Präfekt der Glaubenskongregation äußert sich zu Amoris laetitia, Reformation und dem Vorschlag zur Segnung von Homopaaren.

Bratislava (kath.net) Kardinal Gerhard Müller bedauerte bei einem Vortrag die Trennung von Dogmatik und Morallehre. Er sprach von einer unterwürfigen „Umwandlung der Kirche in eine NGO“ mit dem Ziel der Verbesserung innerweltlicher Lebensbedingungen. Dabei handle es sich allerdings um eine „suizidale Modernisierung“. Dies betrüge die Menschen um die Wahrheit Gottes. Müller präsentierte demgegenüber das Christentum als einen theozentrischen Humanismus. Das berichtete die Würzburger „Tagespost“. Müller äußerte sich anlässlich der Würdigung der Enzyklika Veritatis splendor (VS) von Johannes Paul II. zu ihrem 25. Jahrestag durch die Slowakische Bischofskonferenz und die Comenius-Universität in Bratislava.

Auf Fragen der Hörer zu Amoris laetitia antwortete der frühere Präfekt der Glaubenskongregation, dass er über die unterschiedlichen Interpretationen durch einige Bischofskonferenzen keineswegs glücklich sei. In dogmatischen Fragen könne es keine Pluralität geben, auch gebe es nur ein Lehramt, Bischofskonferenzen könnten nur pastorale Fragen beantworten, so berichtete die „Tagespost“ weiter. Das achte Kapitel von „Amoris laetitia“ müsse man „orthodox“ verstehen, denn wer in Todsünde lebe, könne die Kommunion nicht empfangen. Der Papst sei dazu da, die Kirche zusammenzuführen. Er selbst habe dem Papst gesagt, wenn Bischofskonferenzen unterschiedliche Interpretationen gäben, käme die Kirche in eine Situation wie vor der Reformation. Übrigens könne man die Spaltung der Kirche in der Reformation nicht feiern.

Außerdem lehnte Kardinal Müller die kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare scharf ab, eine solche Segnung durch einen Priester wäre, so Müller nach Angabe der „Tagespost“ wörtlich, „ein Gräuel an heiliger Stätte“.

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Kardinal verlangt Klarheit vom Papst

Der Papst und einige Kardinäle (Vatican Media)

Der niederländische Kardinal Willem Jacobus Eijk verlangt Klarheit von Papst Franziskus in der Frage des Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen.

Eijk sagte in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der niederländischen Zeitung „Trouw“: „Die Menschen sind verwirrt und das ist nicht gut.“

Wiederverheiratete Geschiedene waren nach kirchlicher Lehre bisher vom Empfang der Kommunion ausgeschlossen. Mit der Veröffentlichung des päpstlichen Schreibens Amoris laetitia zu Ehe und Familie im Frühjahr 2016 nahm die Debatte aber Fahrt auf. Franziskus plädiert dafür, in Einzelfällen zivilrechtlich Wiederverheirateten nach eingehender seelsorglicher Prüfung den Empfang der Sakramente zu ermöglichen, auch wenn ihre frühere Ehe kirchenrechtlich weiter Bestand hat. Einige Bischöfe kritisieren diese Änderung.

Eijk forderte nun vom Papst, dass Zweifel durch ein weiteres Dokument beseitigt werden müssten. Eijk selbst befürwortet eine strikte Auslegung des Kirchenrechts bei diesem Thema. Seiner Meinung nach sollen Katholiken nicht wieder heiraten können, wenn die Scheidung nicht dem Kirchenrichter vorgelegt wurde. In diesem Fall sei die Teilnahme an der Kommunion nicht möglich.

Eijk sieht die öffentliche Debatte über das Thema innerhalb der Kirche kritisch. Die eine Bischofskonferenz regele es so, die andere anders, so Eijk. „Aber was an einem Ort wahr ist, kann nicht an einem anderen Ort auf einmal falsch sein“, sagt er.

(kna – sk)

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Full text of Kazakhstan Catholic Bishops statement on Amoris Laetitia

Abp Tomash Peta, Abp Jan Pawel Lenga, and Bishop Athanasius Schneider

Profession of the immutable truths
about sacramental marriage

After the publication of the Apostolic Exhortation “Amoris laetitia” (2016) various bishops issued at local, regional, and national levels applicable norms regarding the sacramental discipline of those faithful, called “divorced and remarried,” who having still a living spouse to whom they are united with a valid sacramental matrimonial bond, have nevertheless begun a stable cohabitation more uxorio with a person who is not their legitimate spouse.

The aforementioned rules provide inter alia that in individual cases the persons, called “divorced and remarried,” may receive the sacrament of Penance and Holy Communion, while continuing to live habitually and intentionally more uxorio with a person who is not their legitimate spouse. These pastoral norms have received approval from various hierarchical authorities. Some of these norms have received approval even from the supreme authority of the Church.

The spread of these ecclesiastically approved pastoral norms has caused a considerable and ever increasing confusion among the faithful and the clergy, a confusion that touches the central manifestations of the life of the Church, such as sacramental marriage with the family, the domestic church, and the sacrament of the Most Holy Eucharist.

According to the doctrine of the Church, only the sacramental matrimonial bond constitutes a domestic church (see Second Vatican Council, Lumen Gentium, 11). The admission of so-called “divorced and remarried” faithful to Holy Communion, which is the highest expression of the unity of Christ the Spouse with His Church, means in practice a way of approving or legitimizing divorce, and in this meaning a kind of introduction of divorce in the life of the Church.

The mentioned pastoral norms are revealed in practice and in time as a means of spreading the “plague of divorce” (an expression used by the Second Vatican Council, see Gaudium et spes, 47). It is a matter of spreading the “plague of divorce” even in the life of the Church, when the Church, instead, because of her unconditional fidelity to the doctrine of Christ, should be a bulwark and an unmistakable sign of contradiction against the plague of divorce which is every day more rampant in civil society.

Unequivocally and without admitting any exception Our Lord and Redeemer Jesus Christ solemnly reaffirmed God’s will regarding the absolute prohibition of divorce. An approval or legitimation of the violation of the sacredness of the marriage bond, even indirectly through the mentioned new sacramental discipline, seriously contradicts God’s express will and His commandment. This practice therefore represents a substantial alteration of the two thousand-year-old sacramental discipline of the Church. Furthermore, a substantially altered discipline will eventually lead to an alteration in the corresponding doctrine.

The constant Magisterium of the Church, beginning with the teachings of the Apostles and of all the Supreme Pontiffs, has preserved and faithfully transmitted both in the doctrine (in theory) and in the sacramental discipline (in practice) in an unequivocal way, without any shadow of doubt and always in the same sense and in the same meaning (eodem sensu eademque sententia), the crystalline teaching of Christ concerning the indissolubility of marriage.

Because of its Divinely established nature, the discipline of the sacraments must never contradict the revealed word of God and the faith of the Church in the absolute indissolubility of a ratified and consummated marriage. “The sacraments not only presuppose faith, but by words and objects they also nourish, strengthen, and express it; that is why they are called “sacraments of faith.” (Second Vatican Council, Sacrosanctum Concilium, 59). “Even the supreme authority in the Church may not change the liturgy arbitrarily, but only in the obedience of faith and with religious respect for the mystery of the liturgy” (Catechism of the Catholic Church, 1125).

The Catholic faith by its nature excludes a formal contradiction between the faith professed on the one hand and the life and practice of the sacraments on the other. In this sense we can also understand the following affirmation of the Magisterium: “This split between the faith which many profess and their daily lives deserves to be counted among the more serious errors of our age.” (Second Vatican Council, Gaudium et Spes, 43) and “Accordingly, the concrete pedagogy of the Church must always remain linked with her doctrine and never be separated from it” (John Paul II, Apostolic Exhortation Familiaris Consortio, 33).

In view of the vital importance that the doctrine and discipline of marriage and the Eucharist constitute, the Church is obliged to speak with the same voice. The pastoral norms regarding the indissolubility of marriage must not, therefore, be contradicted between one diocese and another, between one country and another. Since the time of the Apostles, the Church has observed this principle as St. Irenaeus of Lyons testifies: “The Church, though spread throughout the world to the ends of the earth, having received the faith from the Apostles and their disciples, preserves this preaching and this faith with care and, as if she inhabits a single house, believes in the same identical way, as if she had only one soul and only one heart, and preaches the truth of the faith, teaches it and transmits it in a unanimous voice, as if she had only one mouth” (Adversus haereses, I, 10, 2). Saint Thomas Aquinas transmits to us the same perennial principle of the life of the Church: “There is one and the same faith of the ancients and the moderns, otherwise there would not be one and the same Church” (Questiones Disputatae de Veritate, q. 14, a. 12c).

The following warning from Pope John Paul II remains current and valid: “The confusion, created in the conscience of many faithful by the differences of opinions and teachings in theology, in preaching, in catechesis, in spiritual direction, about serious and delicate questions of Christian morals, ends up by diminishing the true sense of sin almost to the point of eliminating it” (Apostolic Exhortation Reconciliatio et Paenitenia, 18).

The meaning of the following statements of the Magisterium of the Church is fully applicable to the doctrine and sacramental discipline concerning the indissolubility of a ratified and consummated marriage:

• “For the Church of Christ, watchful guardian that she is, and defender of the dogmas deposited with her, never changes anything, never diminishes anything, never adds anything to them; but with all diligence she treats the ancient doctrines faithfully and wisely, which the faith of the Fathers has transmitted. She strives to investigate and explain them in such a way that the ancient dogmas of heavenly doctrine will be made evident and clear, but will retain their full, integral, and proper nature, and will grow only within their own genus — that is, within the same dogma, in the same sense and the same meaning” (Pius IX, Dogmatic Bull Ineffabilis Deus)

• “With regard to the very substance of truth, the Church has before God and men the sacred duty to announce it, to teach it without any attenuation, as Christ revealed it, and there is no condition of time that can reduce the rigor of this obligation. It binds in conscience every priest who is entrusted with the care of teaching, admonishing, and guiding the faithful” (Pius XII, Discourse to parish priests and Lenten preachers, March 23, 1949).

• “The Church does not historicize, does not relativize to the metamorphoses of profane culture the nature of the Church that is always equal and faithful to itself, as Christ wanted it and authentic tradition perfected it” (Paul VI, Homily from October 28, 1965).

• “Now it is an outstanding manifestation of charity toward souls to omit nothing from the saving doctrine of Christ” (Paul VI, Encyclical Humanae Vitae, 29).

• “Any conjugal difficulties are resolved without ever falsifying and compromising the truth” (John Paul II, Apostolic Exhortation Familiaris Consortio, 33).

• “The Church is in no way the author or the arbiter of this norm [of the Divine moral law]. In obedience to the truth which is Christ, whose image is reflected in the nature and dignity of the human person, the Church interprets the moral norm and proposes it to all people of good will, without concealing its demands of radicalness and perfection” (John Paul II, Apostolic Exhortation Familiaris Consortio, 33).

• “The other principle is that of truth and consistency, whereby the church does not agree to call good evil and evil good. Basing herself on these two complementary principles, the church can only invite her children who find themselves in these painful situations to approach the divine mercy by other ways, not however through the sacraments of penance and the eucharist until such time as they have attained the required dispositions” (John Paul II, Apostolic Exhortation Reconciliatio etPaenitentia, 34).

• “The Church’s firmness in defending the universal and unchanging moral norms is not demeaning at all. Its only purpose is to serve man’s true freedom. Because there can be no freedom apart from or in opposition to the truth” (John Paul II, Encyclical Veritatis Splendor, 96).

• “When it is a matter of the moral norms prohibiting intrinsic evil, there are no privileges or exceptions for anyone. It makes no difference whether one is the master of the world or the ‘poorest of the poor’ on the face of the earth. Before the demands of morality, we are all absolutely equal” (emphasis in original) (John Paul II, Encyclical Veritatis Splendor, 96).

• “The obligation of reiterating this impossibility of admission to the Eucharist is required for genuine pastoral care and for an authentic concern for the well-being of these faithful and of the whole Church, as it indicates the conditions necessary for the fullness of that conversion to which all are always invited by the Lord” (Pontifical Council for Legislative Texts, Declaration on the admissibility to the Holy Communion of the divorced and remarried, 24 June 2000, n. 5).

As Catholic bishops, who — according to the teaching of the Second Vatican Council — must defend the unity of faith and the common discipline of the Church, and take care that the light of the full truth should arise for all men (see Lumen Gentium, 23 ) we are forced in conscience to profess in the face of the current rampant confusion the unchanging truth and the equally immutable sacramental discipline regarding the indissolubility of marriage according to the bi-millennial and unaltered teaching of the Magisterium of the Church. In this spirit we reiterate:

• Sexual relationships between people who are not in the bond to one another of a valid marriage — which occurs in the case of the so-called “divorced and remarried” — are always contrary to God’s will and constitute a grave offense against God.

• No circumstance or finality, not even a possible imputability or diminished guilt, can make such sexual relations a positive moral reality and pleasing to God. The same applies to the other negative precepts of the Ten Commandments of God. Since “there exist acts which, per se and in themselves, independently of circumstances, are always seriously wrong by reason of their object” (John Paul II, Apostolic Exhortation Reconciliatio et Paenitentia, 17).

• The Church does not possess the infallible charism of judging the internal state of grace of a member of the faithful (see Council of Trent, session 24, chapter 1). The non-admission to Holy Communion of the so-called “divorced and remarried” does not therefore mean a judgment on their state of grace before God, but a judgment on the visible, public, and objective character of their situation. Because of the visible nature of the sacraments and of the Church herself, the reception of the sacraments necessarily depends on the corresponding visible and objective situation of the faithful.

• It is not morally licit to engage in sexual relations with a person who is not one’s legitimate spouse supposedly to avoid another sin. Since the Word of God teaches us, it is not lawful “to do evil so that good may come” (Romans 3, 8).

• The admission of such persons to Holy Communion may be permitted only when they with the help of God’s grace and a patient and individual pastoral accompaniment make a sincere intention to cease from now on the habit of such sexual relations and to avoid scandal. It is in this way that true discernment and authentic pastoral accompaniment were always expressed in the Church.

• People who have habitual non-marital sexual relations violate their indissoluble sacramental nuptial bond with their life style in relation to their legitimate spouse. For this reason they are not able to participate “in Spirit and in Truth” (see John 4, 23) at the Eucharistic wedding supper of Christ, also taking into account the words of the rite of Holy Communion: “Blessed are the guests at the wedding supper of the Lamb!” (Revelation 19, 9).

• The fulfillment of God’s will, revealed in His Ten Commandments and in His explicit and absolute prohibition of divorce, constitutes the true spiritual good of the people here on earth and will lead them to the true joy of love in the salvation of eternal life.

Being bishops in the pastoral office, who promote the Catholic and Apostolic faith (“cultores catholicae et apostolicae fidei,” see Missale Romanum, Canon Romanus), we are aware of this grave responsibility and our duty before the faithful who await from us a public and unequivocal profession of the truth and the immutable discipline of the Church regarding the indissolubility of marriage. For this reason we are not allowed to be silent.

We affirm therefore in the spirit of St. John the Baptist, of St. John Fisher, of St. Thomas More, of Blessed Laura Vicuña and of numerous known and unknown confessors and martyrs of the indissolubility of marriage:

It is not licit (non licet) to justify, approve, or legitimize either directly or indirectly divorce and a non-conjugal stable sexual relationship through the sacramental discipline of the admission of so-called “divorced and remarried” to Holy Communion, in this case a discipline alien to the entire Tradition of the Catholic and Apostolic faith.

By making this public profession before our conscience and before God who will judge us, we are sincerely convinced that we have provided a service of charity in truth to the Church of our day and to the Supreme Pontiff, Successor of Saint Peter and Vicar of Christ on earth.

31 December 2017, the Feast of the Holy Family, in the year of the centenary of the apparitions of Our Lady at Fatima.

 

+ Tomash Peta, Archbishop Metropolitan of the Archdiocese of Saint Mary in Astana

+ Jan Pawel Lenga, Archbishop-Bishop of Karaganda

+ Athanasius Schneider, Auxiliary Bishop of the Archdiocese of Saint Mary in Astana

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Amoris laetitia: Kasachische Bischofsgruppe widerspricht Papst

Papst Franziskus und eine Familie

Drei Bischöfe in Kasachstan haben der von Papst Franziskus gewünschten Einzelfall-Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion offen widersprochen.

Die Regelung verursache eine „erhebliche und ständig wachsende Verwirrung unter den Gläubigen und dem Klerus“ und verbreite die „’Geißel des Ehebruchs‘ sogar im Leben der Kirche“, heißt es in der Erklärung des russlanddeutschen Weihbischofs Athanasius Schneider in Astana und zweier Erzbischöfe.

Das fünfseitige Schreiben, das als Datum das katholische „Fest der Heiligen Familie“ am 31. Dezember trägt, wendet sich gegen die vom Papst bestätigten Normen der Argentinischen Bischofskonferenz, nach denen zivilrechtlich Wiederverheiratete nach eingehender seelsorglicher Prüfung die Sakramente empfangen dürfen, auch wenn ihre frühere Ehe kirchenrechtlich Bestand hat und sie daher aus katholischer Sicht in schwerer Sünde leben. Franziskus hatte die Orientierungshilfe der argentinischen Bischöfe zu seinem Schreiben „Amoris laetitia“ in das vatikanische Amtsblatt aufgenommen und damit zum Teil der päpstlichen Lehre erklärt.

Weihbischof Schneider begründete seine Initiative mit der von Franziskus geforderten Debattenkultur. „Es kann nicht sein, dass kein Priester und Bischof es wagt, eine vernünftige und begründete Meinung zu äußern“, sagte Schneider auf telefonische Anfrage am Dienstag in Astana. Der Papst müsse „froh sein“ über ein gemeinsames Ringen. In der Kirche sollte eine „Kultur der Freiheit“ herrschen. Schneider, der in offener Nähe zu traditionalistischen Kreisen steht, verwies dafür auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965).

Das Papier mit dem Titel „Bekenntnis zu den unveränderlichen Wahrheiten über die sakramentale Ehe“ wurde außer von Schneider auch von Astanas Erzbischof Tomash Peta und vom ehemaligen Oberhirten der Erzdiözese Karaganda, Jan Pawel Lenga, unterzeichnet. Laut Scheider wurde es über die Nuntiatur auch dem Vatikan zugeleitet.

In Kasachstan bestehen vier katholische Kirchenbezirke mit insgesamt sieben aktiven oder emeritierten Bischöfen. Die drei Diözesen und eine Apostolische Administration zählen nach Vatikanangaben 106.100 Katholiken unter knapp 17,1 Millionen Einwohnern.

(kap – cs)

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Der Herr ist auch heute im Boot – auch wenn er zu schlafen scheint

Kardinal Walter Brandmüller zelebriert in Rom eine Messe nach dem alten Ritus am 15. Mai 2011.

Kardinal Brandmüller: Luther, Dubia, Wirrnisse und Verwirrungen. Der Mensch auf dem Thron Gottes? Eine groteske, absurde, apokalyptische Vorstellung. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Zum Ende eines „beschleunigten“ Jahres ein „entschleunigendes“ Gespräch mit dem Kirchenhistoriker und Theologen Walter Kardinal Brandmüller. Ich danke Seiner Eminenz für die Zeit, die er uns geschenkt hat, verbunden mit den besten Wünschen für ein sich aufregend ankündigendes Jahr 2018.

Das Jahr 2017 stand auch unter dem Zeichen des 500. Jahrestags der protestantischen Reformation. Luther und Aspekte des Protestantismus beherrschten eine Vielzahl von systematischen und historischen Auseinandersetzungen. Besonders mit Blick auf die katholische Kirche meinte man feststellen zu können/müssen, vor einer radikalen „Neubewertung“ Luthers zu stehen. Papst Franziskus erklärte noch am 7. Dezember 2017, dass der vom Heiligen Geist erweckte ökumenische Weg dazu geführt habe, „die alten Vorurteile wie jene zu Martin Luther und zur Lage der Katholischen Kirche in jener Zeit aufzugeben“.

In der Oktoberausgabe der Jesuiten-Zeitschrift „La Civiltà Cattolica“ (Faszikel 4016, S. 119-130, 2017, Band IV ) war zu lesen, dass die Wittenbergschen Thesen weder eine Herausforderung noch eine Rebellion gegen die Autorität gewesen seien, sondern „der Vorschlag zur Erneuerung der Verkündigung des Evangeliums, im aufrechten Verlangen nach einer ‚Reform’ in der Kirche“. Für die Jesuiten (und die vom Papst persönlich kontrollierte Zeitschrift) besteht das Problem im Anspruch sowohl der Kirche als auch Luthers, die ganze Wahrheit zu inkarnieren. Es dürfe dennoch die Rolle Luthers als „Glaubenszeuge“ nicht geleugnet werden.

Um welche „Vorurteile“ könnte es sich handeln? Ist somit de facto die Exkommunikation Luthers „post mortem“ aufgehoben? Soll Luther nun zum „Kirchenlehrer authentischer Reform“ erhoben werden? War die Reformation ein Augenblick des „Wirkens des Heiligen Geistes“, wie ein Vertreter der italienischen Bischofskonferenz meinte? Haben die Päpste und die Kirche zusammen mit dem Konzil von Trient gefehlt, indem sie das Luthertum zu einer die Wahrheit des Glaubens gefährdenden Häresie, das heißt Irrlehre erklärt haben?

Kardinal Brandmüller: Es hat keineswegs erst des “Lutherjahres 2017” bedurft, um jene auf beiden Seiten übliche konfessionalistisch-polemische Geschichtsschreibung zu überwinden, die etwa bis zum 1. Weltkrieg üblich war. Spätestens seit dem Ende der Nazi-Diktatur, unter welcher Katholiken und Protestanten der „Bekennenden Kirche“ gleichermaßen gelitten hatten, hat man auf beiden Seiten zu einer Luther- bzw. Reformationsgeschichtsschreibung gefunden, die sich zu einer sachlich-nüchternen, auf den historischen Quellen und ihrer kritischen Interpretation beruhenden Darstellung verpflichtet wusste. Von der Notwendigkeit einer Neubewertung Luthers katholischerseits zu reden, zeugt also von schlichter Unkenntnis des tatsächlichen Standes der Wissenschaft bzw. der einschlägigen Literatur.

Was nun die berühmten 95 Thesen anlangt, ist zu sagen, dass sie in der Tat im Großen und Ganzen gut katholisch verstanden werden konnten. Sie waren Ausdruck des Protestes eines engagierten Priesters gegen Missverständnisse und Missbrauch des Ablasses.

Es dauerte indes keine drei Jahre, bis Luther in den bekannten drei sogenannten „Kampfschriften“ des Jahres 1520 seinen radikalen Bruch mit elementaren Inhalten des katholischen Glaubens offenbarte – und dies mit bis dahin ungewohnter Heftigkeit und Schärfe. Wie es in ihm zu diesem Bruch kommen konnte, ist eine Frage, die die Forschung bis heute nicht zufriedenstellend klären konnte. Luther indes als Glaubenszeugen – oder wie auch schon geschehen – als „Vater im Glauben“ zu sehen, ist aus den genannten Gründen schlechthin abwegig.

Von „Vorurteilen“ gegenüber Luther ist die Rede? Sie sprechen auch von der Exkommunikation Luthers? Vorurteile? Nun, über einen Mann, der seit 500 Jahren tot ist, kann es wohl nur „Nachurteile“ geben. Da ist zunächst zu sagen, dass Luthers Exkommunikation ein historisches Faktum ist. Wie wollen Sie ein solches aus der Welt schaffen? Und was den Exkommunizierten selbst betrifft – da gilt der Grundsatz aus dem römischen Recht: mors solvit omnia – der Tod löst alles. Darum ist es geradezu naiv, eine Aufhebung der Exkommunikation Luthers zu fordern. Dass eine solche Forderung des Öfteren weithin medialen Applaus findet, zeugt nur von einem eher naiven, gestörten Verhältnis zu Vergangenheit und Geschichte.

Sie fragen, ob Luther zum „Kirchenlehrer authentischer Reform“ erhoben werden sollte? Nun, da wäre zunächst zu klären, was man denn unter „Reform“ versteht. Eines ist dabei klar: der, die oder das Reformierte muss mit dem zu Reformierenden identisch sein. Wenn nicht, dann war da nicht Reform, sondern Veränderung. Die Kirche Jesu Christi kann und soll zwar immer „anders“, nämlich immer vollkommener werden. Luther aber wollte – so der protestantische Kirchenhistoriker Franz Lau – „radikalen Umsturz“. Er hat – so in seiner Schrift „An den Adel deutscher Nation“ – verkündet, drei Mauern niederzureißen.

Die erste Mauer erblickt er in dem auf heiliger Weihe gründendem Priestertum, die zweite im auf Sendung durch Jesus Christus beruhenden Lehramt der Kirche, die dritte in der Existenz des Papsttums. Dass diese „Mauern“ auf festem biblischen Fundament ruhten, interessiert den zornigen Augustiner nicht. Nun, da er diese drei Mauern niedergerissen hat, sieht Luther den ganzen Bau der Papstkirche zusammengestürzt.

Zu behaupten, dass dieser Totalabbruch ein „Werk des Heiligen Geistes“ gewesen sei, ist eine geradezu abenteuerliche Behauptung, die die nur durch schlichte, für einen Bischof mehr als erstaunlicher Ignoranz von Texten und Tatsachen der Geschichte erklärbar ist. Und dann das Konzil von Trient: Es war und bleibt ein Ökumenisches Konzil, und dieses ist mit und unter dem Papst höchstes Organ des kirchlichen Lehramtes, dessen definitiv verkündeter Lehre Unfehlbarkeit eignet… Seine Lehrdekrete gelten für immer.

Das vergangene Jahr stand im Zeichen der Diskussion um das Apostolische Schreiben „Amoris laetitia“, dies nicht zuletzt wegen der fünf von Ihnen zusammen mit den Eminenzen Carlo Caffarra, Raymond Leo Burke und Joachim Meisner vorgebrachten „Dubia“, das heißt Fragen zu klärungsbedürftigen Punkten, bei denen es um das Fundament der universalen und nicht abänderbaren Lehre der Kirche geht. Könnten Sie erklären, worin die Substanz dieser „Dubia“ besteht? 

Kardinal Brandmüller: Die gemäß üblichem Verfahren dem Heiligen Vater und der Glaubenskongregation vorgelegten Fragen (Dubia – Zweifel) haben folgenden Inhalt:
1. Kann eine durch bestehendes Eheband gebundene Person, die mit einem neuen Partner ehelich zusammenlebt (AL Nr. 305, Anm. 351) in gewissen Fällen „Absolution und Kommunion“ empfangen?
2. Gibt es absolute sittliche Gebote bzw. Verbote, die ohne Ausnahme und unter allen Umständen verpflichten? (z. B. Tötung eines Unschuldigen)?
3. Gilt nach wie vor, dass jemand, der dauernd im Ehebruch lebt, sich objektiv im Zustand schwerer Sünde befindet?
4. Gibt es Lebenssituationen, die die moralische Verantwortlichkeit derart vermindern, dass dadurch unsittliches Handeln (hier: Ehebruch) sittlich entschuldigt, gar gerechtfertigt werden kann?
5. Kann eine persönliche Gewissensentscheidung Ausnahmen vom absoluten Verbot in sich unsittlicher Handlungen erlauben?

Wie Sie sehen, betreffen diese Fragen die Grundlagen des Glaubens und der Sittenlehre.
Folgen wir dieser, müssten die Fragen 1, 4, und 5 eindeutig mit Nein, die Fragen 2 und drei mit Ja beantwortet werden.

Die Auseinandersetzung um „Amoris laetitia“ sowie auch die Diskussion um Projekte wie „Ehe für alle“ haben oft deutlich gemacht, dass eine „anthropologische Wende“ eingefordert wird. Kurz: es geht um eine radikale Neuinterpretation dessen, was der Mensch ist und wie er sein kann und soll.

Können Sie mit der Frage etwas anfangen, ob dies nicht vielleicht etwas mit einem defizitären Verständnis von Naturrecht zu tun hat, das sowohl im Bereich der Theologie als auch in den Sphären der Hierarchie festzustellen ist?

Kardinal Brandmüller: Wenn man meint, dass auch gleichgeschlechtliche Personen eine „Ehe“ schließen, dass man mit Hilfe der Chirurgie Geschlechtsumwandlungen und andere Eingriffe in die Natur des Menschen vornehmen dürfe, dann bedeutet dies einen geradezu perversen Aufstand gegen die Schöpfungsordnung, zu der von Gott gewollten und geschaffenen Natur des Menschen. Im Widerspruch zu dieser zu handeln bedeutet Selbstzerstörung des Menschen. Von „Neuinterpretation“ zu reden, wäre verlogene Verharmlosung.

Es ist in der Tat höchst besorgniserregend, dass die ideologische Verwirrung so weit geht, dass man meint, den Subjektivismus auf die Spitze treiben zu können. Das wäre dann das „Nein“ zum eigenen Geschöpf-sein und zum Schöpfer. Der Mensch auf dem Thron Gottes! Eine groteske, absurde, apokalyptische Vorstellung.

Von vielen Seiten wird die in der Kirche herrschende Verwirrung festgestellt oder beklagt. Viele Gläubige, die sich „bisher“ mit geschlossenen Augen „auf Rom verlassen“ konnten, fühlen sich nun in eine Heimatlosigkeit gestoßen und allein gelassen in einer kulturell aufgewühlten Zeit. Dabei geht es nicht so sehr um den Verlust von Sicherheiten als vielmehr um das wahrgenommene Fehlen einer „Stärkung“ auf einem steinigen Weg.

Oft hat man den Eindruck, dass es darum geht, die Fernstehenden darin zu bestärken, dass es gut ist, wo sie stehen, während den Nahestehenden Tadel vorbehalten wird. Was meinen Sie zu dieser historisch doch einzigartigen Lage?

Kardinal Brandmüller: Sie sprechen mit Recht von um sich greifender Verwirrung. In dieser vom heiligen Paulus vorhergesehenen Situation – siehe die Briefe an Titus und Timotheus – gilt es, sich an der vom Heiligen Geist geleiteten Überlieferung der Kirche zu orientieren, die ihren aktuellen Niederschlag im Katechismus der Katholischen Kirche gefunden hat. Was immer diesem widerspricht – gleich, von wem der Widerspruch kommt –, ist nicht katholische Wahrheit.

Wer mit dem Katechismus glaubt und danach lebt, ist auf dem rechten Weg. Der, freilich, führt derzeit durch Dunkel, Nebel und unwegsames Gelände.

Nun also Ihre Frage nach den „Fernstehenden“, Menschen also, die den Glauben der Kirche, den Gottes-Glauben nicht kennen oder überhaupt ablehnen: Natürlich kann ein Katholik, ein Priester oder Bischof zumal, sich mit dem Anwachsen der Zahl dieser Menschen nicht zufriedengeben. Ihm muss daran gelegen sein, auch solchen Zeitgenossen – und die sind längst in der Überzahl – den Weg zum Glauben zu zeigen, ohne den es kein ewiges Heil gibt. Jesus selbst predigte nicht „bleibt stehen, wo ihr seid“, sondern: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“. Dass man sich in innerkatholischen Querelen aufreibt anstatt sich um das ewige Heil der vielen zu sorgen, zeugt von einem erschreckenden Mangel der geistlichen Vitalität der Katholiken unserer Tage.

Sie sprechen alsdann von einer „historisch doch einzigartigen Lage“? Darin möchte ich Ihnen nicht ohne Weiteres zustimmen. Zur Zeit der arianischen Krise – die Arianer glaubten nicht, dass Jesus gleichen Wesens mit Gott Vater sei – war der überwiegende Teil der Bischöfe in der östlichen Hälfte des Römischen Reiches dem Irrtum verfallen. Erst durch die Konzilien von Nicaea und Chalkedon konnte diese tödliche Bedrohung des Glaubens überwunden werden: Der Herr war und ist auch heute im Boot – auch wenn er zu schlafen scheint.

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