„Alles, was Katholiken heilig ist, wird in den Dreck gezogen“

25. Februar 2020, 06:00

„Eine sogenannte ‚Stunksitzung‘ bietet im Kölner Karneval, WDR-öffentlich-rechtlich transportiert, eine minutenlange ‚lustige‘ Verächtlichmachung der Gottesmutter als sich selbst die Dummheit erklärende Jungfrau.“

Gastkommentar von Martin Lohmann
Köln (kath.net) Wenn etwas besonders schräg und ärgerlich ist, sagt der Volksmund gerne: Das ist aber ein dicker Hund. Wir leben heute in einer Zeit der massenhaften „Dicken Hunde“. Aber: Diese Bezeichnung ist längst eine Beleidigung für jeden Hund. Denn diese sind in der Regel treu und fernab von giftiger Pseudologik. Ein Hund ist kein Experte für Falschheit und Selbstbetrug. Viele Menschen in Deutschland offenbar schon. Andererseits: Die vielen „Dicken Hunde“ katapultieren in Studienzeiten, in denen man beobachten kann, wie Hetze, Propaganda und Agitation wirken. Drei Beispiele:

Eine sogenannte „Stunksitzung“ bietet im Kölner Karneval WDR-öffentlich-rechtlich transportiert eine minutenlange „lustige“ Verächtlichmachung der Gottesmutter als sich selbst die Dummheit erklärende Jungfrau. Alles, was Katholiken heilig ist, wird in den Dreck gezogen – und auch von Katholiken im Publikum „begeistert“ assistierend applaudiert. Alles wird herabgewürdigt. Alles mit Dreck beworfen. Alles wird missbraucht. Die Jungfräulichkeit, die Gottesmutterschaft, die Kirche, das Kreuz des Erlösers, die Sexualmoral, die Verehrung. Anstand? Fehlanzeige. Respekt? Fehlanzeige. Mit Christen kann man es ja machen. Die haben ja, anders als andere, den Auftrag zur Liebe – bis hin zu den Feinden. Dass dies kein Freibrief für die Christenverfolger ist – wen interessiert das schon! Ein dicker Hund? Eher eine Schande.

Von Köln nach Königswinter: Dort forderte – so berichtet die Kölnische Rundschau – die Linke, also die Erben der SED-Mauerbauer und Mauerschießer am Fuße des Drachenfelses am Rhein gegenüber von Bonn, jede kommunale Zusammenarbeit mit einer missliebigen Partei kategorisch zu unterlassen, bedingungslos auszuschließen. Sonst werde „Königswinter brennen“! Der „Demokrat“, der sich da so radikalisiert äußert, ist Bürgermeisterkandidat. Ein Demokrat bedient sich faschistoider Sprache? Ein Demokrat outet sich als linksextremer Gewaltradikaler? Aber Moment mal: Gibt es so etwas denn eigentlich nur rechts? Oder gilt hier der Spruch: L’extremes se touchent – die Extreme berühren sich? Kann es sein, dass nur der farbliche Anstrich unterschiedlich leuchtet? Und: Aus welchen Farben setzt sich eigentlich braun zusammen? Unweigerlich lässt der Unvereinbarkeitsbeschluss einer CDU grüßen. In Königwinter wird er begründet. Mehr als ein dicker Hund.

Und dann Rainald Becker vom SWR in den Tagesthemen. Er „kommentiert“. Gegen die Rechtsradikalen und Faschisten. Und er rührt gleich alles in seine „braune Suppe“, was ihm und seinen linken Überzeugungen im Wege steht. Der FDP-Mann in Erfurt, der sich von den Falschen hat mitwählen lassen. Auch der ehemalige Verfassungsschutzpräsident, der wegen erwiesener Nicht-Lüge gemobbt wurde von denen, die gelogen hatten, wird ebenfalls in die Giftbrühe gerührt und als jemand bezeichnet, der „die Grenzen zum Rechtsextremismus immer häufiger überschreitet“ und eine „WerteUnion, die die Nähe zur AfD nicht mehr leugnen kann“. Lügen statt Fakten. Hauptsache, das eigene Hassbild wird bedient. Und die Hatz ist längst eröffnet.

Wo bleiben beim öffentlich-rechtlichen „Qualitäts“-Journalisten Recherche, Fairness, Bildung und Anstand? „Wer das alles sieht und nichts tut, macht sich mitschuldig“, sagt der Selbstgerechte. Stimmt. Man kann diesen Satz ungebraucht an ihn zurückgeben. Und wo er recht hat, hat er recht: „Es wird Zeit aufzustehen, Gesicht zu zeigen – alle gemeinsam gegen die Spalter, Hetzer und Feinde der Demokratie.“ Und die sitzen wohl, wie man hören und sehen kann, nicht nur in Parlamenten und Parteien! Wer das nicht sehen will, macht sich mitschuldig. Mehr als nur „ein“ dicker Hund!

Martin Lohmann ist katholischer Theologe, Historiker und Publizist. Der Journalist ist unter anderem Buchautor und Fernseh-Moderator. Er ist Geschäftsführer der Akademie für das Leben in Bonn http://www.akademiefuerdasleben.de

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Synodaler Weg – Ecclesia semper deformanda?

5. Februar 2020, 07:30

Die Gefahren des Synodalen Irrwegs für die Kirche in Deutschland. Gastkommentar von Martin Lohmann

Frankfurt a.M. (kath.net) Der 30. Januar war kein guter Tag. Da begann die erste Versammlung des sogenannten Synodalen Weges. Man behauptet, es gehe um eine Erneuerung der Kirche. Doch es wurde sehr bald offenbar: Es ging und geht nicht um Reform. Denn diese müsste sich an der göttlichen Ur-Form der Kirche, an Jesus Christus, orientieren. Re-Formatio hieße, das zu respektieren und zu wollen, was der menschgewordene Gott sollte und will. Es hieße, sich an Seiner Wahrheit zu orientieren. Es hieße, sich eben nicht an der Welt zur orientieren, für die, aber nicht von der die Kirche Jesu Christi ist.

Doch: Es geht um Transformation. Und es geht um eine andere Einrichtung als um die Kirche Jesu Christi. Ja, sprechen wir es ruhig aus: Es geht um Macht. Die will man kreieren und ergreifen – mit allen Tricks. Auch mit der Vortäuschung von Toleranz und Vielfalt, die aber in Wahrheit nicht gewollt und zugelassen ist. Und bei allem, das ist für jeden erkennbar, lugt die Fratze der reaktionärsten Ideologieverführung hervor, die es seit langem gibt und von deren Machtergreifung die katholische Kirche bisher weitgehend verschont wurde: die 68er Zerstörung, die sich als „Revolution“ tarnt und längst den Marsch durch die Institutionen erfolgreich absolviert hat – bis eben auf die katholische Kirche.

Diese Erfolglosigkeit soll nun beseitigt werden. Mit der Klaviatur des „Katholischen“. Und dabei schreckt man sogar nicht vor eigenen Verbotsmantras zurück. Während man – etwa als Präsident eines Zentralkomitees, das nach wie vor in altbackenen und unreformierten Strukturen verharrt und faktenwidrig meint, die (!) Katholiken in Deutschland zu vertreten – mit entliehener und aufblasbarer Cathedra unfehlbar zu verkünden können glaubt, Nationalismus, worunter man stillschweigend und fakenews-kompatibel auch jeden gesunden Patriotismus subsummiert, und Christentum könnten nicht zusammengehen, stellt man alle Weichen für eine nationale deutsche Kirche. Die freilich kann es nicht geben, jedenfalls theologisch nicht, weil jede wirklich katholische Teilkirche ein Teil der weltweiten katholischen Kirche ist, somit es eigentlich nur die katholische Kirche in Deutschland geben kann.

Doch faktisch gibt es sie längst: die deutsche (!) Kirche. Das macht nun auch der Synodale Weg, von dem manche in Unkenntnis gar als „gemeinsamem synodalen Weg“ reden, was übersetzt dann soviel heißt wie „gemeinsamer gemeinsamer Weg Weg“, deutlich. Neu ist, dass man sich gar nicht mehr richtig tarnt, vielmehr siegessichertrunken alle Masken fallen lässt. Beispiele:

Wer noch glaubte, dass es bei diesem sogenannten SynWeg um echtes Zuhören, Toleranz oder gar Vielfalt und sachgerechte Diskussionen gehen könnte, der musste schon am ersten Tag in Frankfurt seinen diesbezüglichen Glauben erschüttert sehen! Da trat eine sich selbst immer wieder definierende „Systematikerin“ auf, die kursorisch aus den Fragebögen zum SynWeg „berichtete“, diese angeblich auswertete – vor allem aber dann nur wertete. Vornehmlich aber abwertete. Alles, was nicht in das Meinungsbild der Dame zu passen schien, kanzelte sie ab – in ruhigem Ton.

Bei den Antworten, die ihr nicht gefielen, sprach sie mehrfach von „Polemik“ (die Botschaft lautete: Achtung, nicht ernstnehmen!), von „auf der Haltungsebene angesiedelt“ oder von „Stereotypen“. Das alles gibt es wohl nach Ansicht dieser „Systematikerin“ nur auf der einen Seite, also bei den Kritikern des SynWegs.

Kein Wunder also, dass die Dame an solchen Stellen immer wieder sagen musste, dass „die Systematikerin in mir“ spreche – was man schon mit wenig Psychologiekenntnissen als täuschende Legimitation zur Vertuschung der Instrumentalisierung Andersdenkender erkennen konnte. Wenn das (!) der „demokratische“ Stil bei SynWeg sein soll, dann tarnen sich hier vielleicht doch üble Fakenews als Reform der Kirche und verraten Absichten, eine deutsche Nationalkirche zu kreieren. Die mehrfache Betonung der „Systematikerin in mir“ – oder wollte sie sagen: Die Gesinnung in mir? – sollte wohl signalisieren, dass es hier um Neutralität und Objektivität gehe. Das Gegenteil aber war wahr! Ein grandioses Ablenkungsmanöver und eine mentale Blendgranate, um von Diskreditierung und Dialogverweigerung abzulenken! Das ist mieser Missbrauch von Toleranz!

Noch deutlicher, oder sagen wir korrekterweise offenbarer, wurde es, als fünf Bischöfe auf die Lehre der Kirche – also der Universalkirche, deren Teil man doch ist oder war (?) – hinwiesen und beantragten, dass Vorlagen, die der Lehre der Kirche widersprächen, nicht zugelassen werden sollten. Diese Hirten der Kirche wurden krachend abgestraft. Ihr Antrag fiel durch. Die Botschaft: Was Kirche ist, interessiert uns – im Unterschied zu den wenigen mutigen Bischöfen – nicht wirklich; uns geht es um Macht und Machtergreifung und Basisdemokratie; wir wollen etwas anderes als die Kirche Jesu Christi.

Und wenn dann ein Diözesanratsvorsitzender seinem Kardinal „bescheinigt“, auch er habe ja nur eine einzige Stimme, dann wird augenscheinlich, dass es nun wirklich nicht mehr um die wirklich katholische Kirche geht, sondern um ein pseudodemokratisches Parlament. Also um eine Art Selbstermächtigung. Denn selbstverständlich hat ein Kölner Kardinal viel mehr als nur eine Stimme. Er ist – auch wenn das der auf Zeit gewählte und ohne jedes Lehr- und Hirtenamt ausgestattete Vorsitzende des Diözesanrates nicht begreifen will oder kann – in der hierarchisch verfassten Kirche Gottes voll verantwortlicher Hirte und Lehrer, nicht aber Mitglied einer vom Souverän gewählten Volkskammer.

Der Souverän der Kirche ist eben kein Geringerer als Gott selbst. Ihm und allem, was Sein menschgewordener Sohn als der (!) Weg, die (!) Wahrheit und das (!) Leben geoffenbart hat, sind die Amtsträger in unverbrüchlicher Treue besonders verpflichtet. Wer das nicht (mehr) sehen und wahrhaben will, hat den katholischen Identitätsgrund der Kirche letztlich schon verlassen. Zur DNA der Kirche, um das Wort eines anderen Bischofs zu entlehnen, gehört nun einmal die Stiftung von oben her.

Die Wahrheit ist das Fundament, auch wenn sie in manchen Mainstream nicht passt und dort regelrecht stört. Die Wahrheit ist kein Ergebnis demokratischer oder pseudodemokratischer SynWege, wo ja schon allein das Ausgrenzen andersdenkender Katholiken viel über Falschheit und Toleranz verrät. Die Wahrheit, auf der die Kirche Jesu Christi gebaut ist und der sie sich gestern, heute und morgen verpflichtet wusste und wissen muss, die Wahrheit allein macht frei. Veritas liberabit vos (Joh 8,32). Daran wird auch eine erfolglose Parteivorsitzende nichts ändern können, die sich – welch ein Zufall – in innerkirchliche und offensichtlich von ihr nicht verstandenen Fragen genau in diesen Tagen einmischte, nur weil sie möglicherweise dem Irrtum unterliegt, das längst entkernte und hohle „C“ im Parteinamen legitimiere zu dumpfen und vermeintlich passgenauen Zwischenrufen aus dem volksfernen Kabinett.

Kurzum: Der 30. Januar war kein guter Tag für die Kirche in Deutschland. Oder vielleicht doch? Immerhin hat er den Blick frei gemacht auf antikirchliche Bestrebungen, bei denen es ausschließlich um Macht und Zerstörung geht, aber keineswegs um Erneuerung oder Mission oder gar missionarischen Eifer in einer gottlos und menschenfeindlich gewordenen Welt, die den Gnadenstrahl der Hoffnung, des Respekts, der Würde, der Achtsamkeit, des Miteinanders, der Toleranz und der Wahrheit in Liebe dringend bräuchte. Sich ihr hingegen anpassen zu wollen, wäre nichts als ein billiger und fahrlässiger Offenbarungseid der Mehrheit einer Gruppierung, die sich im sogenannten Synodalen Weg wichtig nimmt und selbst zelebriert und wo viele – offenbar auch Bischöfe – nicht mehr wissen, was die katholische Kirche im Kern und im Wesen und damit auch in ihrem Auftrag für die Welt ausmacht.

Wer reformieren will, darf sich nicht blenden lassen. Wer reformieren will, darf Missbrauchsfälle nicht zur eigenen Ideologiebemächtigung missbrauchen. Wer reformieren will, muss sich an der Form Jesu Christi orientieren. In diesem Sinne ist die Kirche immer wieder reformbedürftig und reformfähig. Sie ist und bleibt eine ecclesia semper reformanda. Das aber haben manche – bewusst oder fahrlässig – missverstanden. Auch wenn sie von einer eccelesia reformanda sprechen, wollen sie letztlich offenbar nichts anderes als eine ecclesia semper deformanda. Jedenfalls für Deutschland. Von deutschen Katholiken betrieben.

Die göttliche Zusage, dass die Kirche nicht untergehen werde und die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen könnten, ist gültig. Aber sie ist keine Territorialgarantie. Allein ein Blick in den Norden Afrikas, wo es einmal rund 300 blühende Bistümer gab, von denen nur noch Sand übrigblieb, macht das deutlich. Der sogenannte Synodale Weg hat die gefährliche Sprengkraft der Totaldeformation. Segen von oben ist jedenfalls kaum erkennbar. Wer die Kirche nur unter dem Rubrum „Macht“ sehen kann, wer etwa seinem Kardinal die Entzauberung der scheinbaren Macht vorwirft, der weiß nicht, was Kirche Jesu Christi ist. Aber alle, die so reden und nur alles ihrem Schmalspurdenken innerweltlicher Machtstrukturen unterordnen und in diese Schubladen pressen wollen, verraten nichts weiter als perfide Machtträume. So gesehen ist das Fazit der ersten Versammlung verheerend. Die Gefahr einer deutsch-nationalen Totaldeformation ist real.

Martin Lohmann ist katholischer Theologe, Historiker und Publizist. Der Journalist ist unter anderem Buchautor und Fernseh-Moderator. Er ist Geschäftsführer der Akademie für das Leben in Bonn http://www.akademiefuerdasleben.de

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Katholischer Historiker: In der katholischen Kirche gibt es jetzt zwei Religionen. Eine hat ein „amazonisches Gesicht“

Prof. Roberto de Mattei Jim Hale / LifeSiteNews

Anmerkung: Am 4. Oktober 2019 veranstaltete Voice of the Family, eine Koalition von Pro-Life- und Pro-Family-Organisationen, eine Diskussionsrunde in Rom, um am Vorabend der Bischofs-Synode für das gesamte Amazonasgebiet wichtige Fragen für die Kirche und die Familie zu erörtern. Lesen Sie hier den Bericht von LifeSiteNews zu dieser Veranstaltung.

Nachfolgend finden Sie die vollständige Ansprache von Prof. Roberto de Mattei .

4. Oktober 2019 (LifeSiteNews) – Derzeit gibt es innerhalb der katholischen Kirche zwei Religionen. Die erste ist der traditionelle Katholizismus, die Religion derer, die in der gegenwärtigen Verwirrung dem unveränderlichen Lehramt der Kirche treu bleiben.

Die zweite, bis vor einigen Monaten ohne Namen, hat jetzt einen Namen: Es ist die amazonische Religion, weil es, wie von der derzeit regierenden Person der Kirche erklärt, einen Plan gibt, der Kirche ein „amazonisches Gesicht“ zu geben.

Was unter einem amazonischen Gesicht zu verstehen ist, wird im Instrumentum laboris für die Oktober-Synode und in den zahlreichen Erklärungen der Theologen, Bischöfe und Kardinäle, die dieses Dokument erstellt haben, erläutert. Es geht darum, die Kirche nach Leonardo Boffs Worten „neu zu erfinden“ ( Ecclesiogenesis. Die Basisgemeinden erfinden die Kirche neu, Borla, Rom 1978). Die Boff-Ekklesiogenese ist zu einer Kosmogenese im Sinne des postmodernen Umweltschutzes geworden. Ihr Ziel ist jetzt umfassender: die Neuerfindung nicht nur der Kirche, sondern der gesamten Schöpfung auf der Grundlage eines neuen „kosmischen Paktes“ (Schrei der Erde, Schrei der Armen – Für eine kosmische Ökologie, italienische Übersetzung Assisi, Cittadella) 1996).

Dieses Ziel wird durch die Methode der Neuinterpretation der Wahrheit des katholischen Glaubens erreicht. Der Modernismus hatte zuvor gelehrt, dass das effektivste Mittel, um die Wahrheit zu leugnen, Verzerrung und nicht völliger Angriff ist. Die Neuinterpretation ist eine indirekte Negation der Glaubenslehre, die tiefer geht als die völlige Verleugnung, und bedeutet, dass denselben Worten eine neue Bedeutung zugeschrieben wird.

Zum Beispiel lehrt der erste Artikel unseres Glaubensbekenntnisses: „Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde“.

Das Instrumentum laboris schlägt eine „Weltanschauung vor, die im Mantra von Franziskus festgehalten ist: Alles hängt zusammen “ (Abschnitt 25). In keinem Teil des Dokuments wird jedoch bestätigt, dass alle Dinge hierarchisch nach Gott, ihrem Schöpfer, angeordnet und von diesem verschieden sind. Die Erde wird als Biosphäre dargestellt, als Ökosystem, das Gott in sich trägt und in dem das oberste Gesetz die Gleichheit aller Dinge ist. In Wirklichkeit ist die Hauptregel der Schöpfung nicht die egalitäre Verbindung aller Dinge, sondern ihre Ordinatio ad unum. Die Irrtümer des antiken und modernen Pantheismus, die Gott in der Welt oder die Welt in Gott aufsaugen, wurden von der Kirche wiederholt verurteilt. Nach dem katholischen Glauben ist „Gott von der Welt verschieden“ (Vatikanisches Konzil I, Dogmatic Constitution Dei Filius in Denz., Abschnitt 3001) und, wie im Vatikanischen Konzil I wiederholt, „wenn jemand sagt, dass die Substanz und das Wesen Gottes und alles eins und identisch ist, der sei anathema.“(Abschnitt 3923 darin).

Die neue amazonische Religion interpretiert den ersten Artikel des Glaubensbekenntnisses neu und verzerrt ihn, indem sie die „Weisheit der Vorfahren“ der indigenen Völker zitiert, die Gott in den physischen Elementen der Natur sehen, ohne zu begreifen, dass Gott diese Elemente überschreitet. Sie haben keine Vorstellung von Transzendenz, weil sie keine Vorstellung von Schöpfung haben, und sie verwechseln Gott mit der Natur, die für sie ein Ganzes ist, das Gott enthält. Das Christentum hat stattdessen erklärt, dass Gott alles geschaffen hat und in allem ist, aber kein Ort kann Ihn enthalten, weil Gott immens ist, nicht in einem materiellen Sinn, sondern in einem metaphysischen und transzendenten Sinn. Gott füllt die Himmel und die Erde, aber die Himmel und die Erde enthalten Ihn nicht.

Die amazonische Religion negiert nicht nur die Transzendenz Gottes, indem sie Ihn in die Natur einbezieht, sondern auch Pantheismus, Panentheismus und Monismus, sondern auch Seine Einheit leugnet, ebenso wie der heidnische Polytheismus.

Mit Polytheismus meinen wir den Glauben an eine Vielzahl von Göttern im Gegensatz zum Monotheismus, der der Glaube an einen Gott ist. Die amazonische Religion ist eine polytheistische Religion, weil sie die Vorstellung von Gott auf einzelne Elemente in der Natur anwendet und das Absolute auf die Ebene des Endlichen, das Spirituelle auf die Ebene des Materials reduziert.

Leonardo Boff, der Befreiungsökotheologe, der an Laudato sì mitgearbeitet hat, bestätigt: „Wie auch immer wir es interpretieren wollen, wir müssen erkennen, dass die Heiden diese außergewöhnliche Fähigkeit besaßen: Sie konnten die Gegenwart von Göttern und Göttinnen in allen Dingen erahnen. In Wäldern, Pan und Silvanus, auf der Erde, Gaia Demeter (= Mutter Erde) oder Ceres, in der Sonne, Apollo und Phoebus und so weiter“( Schrei der Erde und Schrei der Armen, S. 355).

Das Instrumentum laboris fasst den gleichen Pantheismus und Polytheismus in diesen Zeilen zusammen, die sich auf Laudato sì beziehen: «Das Leben der amazonischen Gemeinschaften, das immer noch frei vom Einfluss der westlichen Zivilisation ist, spiegelt sich in ihren Überzeugungen und Ritualen in Bezug auf die Handlungen der Geister wider, der Göttlichkeit – auf viele Arten angerufen – mit und auf dem Territorium, mit und in Beziehung zur Natur. Diese Weltanschauung ist im Mantra des Franziskus festgehalten: Alles ist miteinander verbunden“(LS 16, 91, 117, 138, 240) . Dieselbe Weltanschauung kommt in vielen anderen Abschnitten des Dokuments zum Ausdruck.

Bei allem Respekt vor den kirchlichen Autoritäten beschuldige ich alle, die das Instrumentum laboris zum Amazonas genehmigt haben oder genehmigen werden, des Polytheismus und insbesondere des Polydämonismus, weil „alle Gottheiten der Heiden Dämonen sind; Unser Herr hat stattdessen die Himmel erschaffen“ (Psalmen , 95, 5).

Zwei Religionen können nicht in derselben Kirche koexistieren.

Ich fordere die noch katholischen Kardinäle und Bischöfe auf, ihre Stimme gegen diesen Skandal zu erheben. Wenn ihre Stille andauert, werden wir uns weiterhin um das Eingreifen der Engel und der Königin der Engel bemühen, um die Heilige Kirche vor jeder Form von Neuerfindung, Verzerrung und Neuinterpretation zu bewahren.

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Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]

„Feigheit ist keine Tugend“

13 September 2019, 10:02

„Mit zahlreichen Ausreden haben manche, die als Bischöfe das Violett oder gar Rot des Bekenners tragen, immer wieder versucht, sich selbst vom Bekenntnis zum Leben beim Marsch für das Leben zu exkulpieren.“ Gastkommentar von Martin Lohmann

Bonn (kath.net) Man reibt sich die Augen, hofft inständig, dass es eine Fake-News ist. Doch dann muss man erkennen: Es stimmt tatsächlich. Zumindest in einem deutschen Bistum wird „offiziell“ dazu aufgerufen, an der Demonstration Fridays for Future teilzunehmen. Es geht um ein Bekenntnis zum Klimaschutz. Gleichzeitig vermisst man seit Jahren, dass ebenso „bekenntnisreich“ von deutschen Bistümern dazu aufgerufen wird, am Berliner „Marsch für das Leben“ teilzunehmen. Das (!) scheint nicht opportun zu sein. Schließlich geht es hier um ein Bekenntnis nicht nur zum Klima, sondern zum Leben und seinem garantierten Recht. Und im Unterschied zum Klimahype gibt es hier sogar belastbare Fakten, die einen Christen – und nicht nur den – geradezu zwingen, Stimme und Gesicht zu zeigen FÜR das Leben. Doch hunderttausende von jährlich brutal getöteten, zerschnibbelten und verätzten ungeborenen Menschen scheinen denen, die jetzt einer ferngesteuerten Galionsfigur hinterherlaufen wollen, offenbar keine Einladung wert zu sein, sich für das Grundlegendste des menschlichen Lebens und seiner Kultur öffentlich und vernehmbar einzusetzen. Das ist mehr als schade. Es ist, angesichts jetzt bekannt gewordener Bereitschaft, einer ökoreligiösen Diktatur huldigen zu wollen, auch eine Schande.

Es gibt charakterstarke Bischöfe, die seit Jahren in Berlin dabei sind. Ihnen gebührt Dank für ein starkes Zeugnis, das sie zusammen mit anderen gegen alle Widerstände immer wieder geben. Auch gegen lautes Geschrei derer, die ansonsten gerne für Toleranz und Vielfalt plädieren, dann aber das Ja zum Leben schlichtweg nicht ertragen können oder wollen. Es ist gut, dass es auch dieses bischöfliche Bekenntnis zum Lebensrecht beim Marsch für das Leben gibt.

Doch es ist leider auch wahr: Mit zahlreichen Ausreden haben manche, die als Bischöfe das Violett oder gar Rot des Bekenners tragen, immer wieder versucht, sich selbst vom Bekenntnis zum Leben bei Marsch für das Leben zu exkulpieren. Verleumdungen, die man ihnen gereicht hatte, wurden zur „Begründung“. Aber ganz nüchtern wurde auch bekundet, dass man sich als Geistlicher nicht in eine politische Frage wie der der Abtreibung einklinken solle. Als ginge es hier nur um eine politische Frage! Da geht es um Grundsätzliches, um Wesentliches, um den Kern dessen, was man human nennt. Greta aber und die Grünen sind wohl glaubwürdiger und wichtiger als Lebensrechtler, die gar bereit sind, vielfach Ungemach in Kauf zu nehmen für das, wozu (nicht nur) Christen verpflichtet sind: zum Kampf für das Leben, zum Bekenntnis der Unantastbarkeit des Lebensrechtes und zur Würde jedes Menschen von Anfang bis zum natürlichen Ende.

Noch hätten die Verantwortlichen die Chance, ihrer Einladung zum Marsch für das Klima für den Tag danach eine Einladung für das Leben auszusprechen. Ja, sie könnten darauf hinweisen, dass jeder, der Zukunft und Leben will, sich logischer- und konsequenterweise erst recht für den unbedingten Schutz jedes Menschen einsetzen müsste und sollte. Alles andere ist unglaubwürdig. Das Auseinanderreißen dieser Wirklichkeit(en) wird zur Absurdität.

Mag sein, dass es bei bestimmten politischen und medialen Gurus besser ankommt, zur Klimademo einzuladen als zum Marsch für das Leben. Das können sich nur diejenigen leisten, die weder abhängig von der Politik sind noch mental gefangen in den Gattern des Opportunismus. Nur die Wahrheit macht frei. Und nur freie Menschen haben keine Angst vor der Wahrheit. Feigheit, die sich heute noch so geschickt zu tarnen versteht als Besorgnis und wohlfeiles Engagement, ist übrigens keine Tugend. Schon gar keine christliche. Sie ist das Gegenteil dessen, wozu Christen von Gott selbst aufgerufen, befähigt und verpflichtet sind: Zeugnis zu geben vom und für das Leben. Generalvikare und Bischöfe sind dazu besonders verpflichtet. Alles andere wäre Verrat und zumindest grobe Pflichtverletzung.

Nicht irgendeine Greta – und das sie steuernde Geschäftsmodell dahinter – ist der Maßstab, sondern Jesus Christus. Und der steht nicht für Unterdrückung, Manipulation und Angst, sondern für Freiheit. Die mit der Verantwortung verbundene Freiheit hat einen Namen: Jesus Christus. Zu dieser Freiheit gehört natürlich auch die Pflicht, die Umwelt zu schützen. Aber noch mehr der mutige Einsatz für die Ökologie des Menschen. Klimaschutz ohne Lebensschutz ist nicht nur ein Torso des Seins, sondern auch ein Fake. Gerade diejenigen, denen die Erlösungsbotschaft der Wahrheit anvertraut ist, sollten das noch wissen – und zum Schutz der eigenen Glaubwürdigkeit jetzt rasch eine Einladung zum Marsch für das Leben in Berlin medienwirksam und öffentlich wahrnehmbar nachreichen.

Martin Lohmann, Publizist und Geschäftsführer der von ihm gegründeten Akademie für das Leben, Bonn (www.akademiefuerdasleben.de) war acht Jahre lang ehrenamtlicher Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht (BVL) und führte den Marsch für das Leben in Berlin an. Aus dem Trauermarsch wurde in dieser Zeit eine farbenfrohe und einladende Demonstration für das Leben. Die Teilnehmerzahl wuchs von knapp 1000 auf mehr als 7500, darunter etliche Bischöfe.

Dieser Kommentar von Martin Lohmann ist auch erschienen im Online-Debattenmagazin TheEuropean.

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PREDIGT ZUM SCHUTZENGELFEST von Kaplan A. Betschart

Der Heilige Erzengel Gabriel, Byzantinisch

Die Schutzengel beschirmen den einzelnen Menschen, die Schutzengel der Völker, die es nach der Meinung großer Gottesgelehrter gibt, ganze Völker. Zum heutigen Schutzengelsonntag möchte ich Ihnen einen der größten und bedeutendsten Engel der himmlischen Hierarchie vorstellen. Es ist der Erzengel Gabriel, der von Gott einen alles überragenden Auftrag an die ganze Menschheit erhalten hatte.

Nach den Berichten des Alten und Neuen Testaments hat Gabriel dreimal den Menschen den großen Ratschluss des Herrn zu verkünden gehabt: die Heilsbotschaft vom gottmenschlichen Erlöser. In der Genauigkeit der Vorhersage ist eine dreimalige Steigerung zu erkennen: das erste Mal wird der Zeitpunkt im allgemeinen vorhergesagt: Zum Propheten Daniel spricht Gabriel, dass von der Wiederaufrichtung Jerusalems nach der Babylonischen Gefangenschaft bis zum Tod des Erlösers 490 Jahre vergehen werden. Beim zweiten Mal wird der unmittelbare Vorgänger des Messias vorhergesagt: Gabriel verheißt Zacharias, dem Vater Johannes des Täufers, die Geburt eines Sohnes, der vor dem Messias hergehen und ihm ein heiliges Volk bereiten soll.

Danach sang Gabriel wieder sechs Monate lang im Chore der Cherubim, die von den Geheimnissen Gottes das tiefste Wissen haben, das Dreimal-Heilig, bis er sich – göttlichem Geheiße gehorchend –, abermals auf den Weg machte und über Milchstraßen und Lilienfelder zu einer Jungfrau eilte, die leuchtender war als die Strassen des Lichtes am Himmel und reiner als alle blühenden Felder der Erde.

Gabriel hatte bereits mit dem Propheten und mit dem Priester gesprochen. Jetzt sollte er das Geheimnis auch dieser schlichten Jungfrau verkünden. Gott hält auch Maria gegenüber den erhabenen Instanzenweg durch die Engel ein, die uns die göttlichen Aufträge vermitteln. Und für die Engel selber war die Stunde der Verkündigung wie eine Wiedergutmachung am Geschlecht der Frau. Hatte doch einmal ein Engel, ein gefallener zwar, eine Frau ins Verderben geführt. Nun sollte auch die Rettung der Menschheit mit einer Unterredung zwischen einem Engel und einer Frau anfangen. Der Name dieser Jungfrau ist Maria.

Gabriel stand im Himmel auf goldenem Parkett. Vor sechs Monaten hatte er den geheiligten Boden des Tempels betreten. Mit gleicher Ehrfurcht setzte er den Fuß in das ärmliche Gemach dieser unbekannten Jungfrau in Nazareth, die bald das Heiligste, ja den Himmel selber in sich tragen wird.

Die Sprache, die der große Engel mit Maria führt, hat nicht jene freundschaftliche Vertrautheit, womit er zum jungen Daniel geredet hatte: “O Daniel, geliebter Mann”, noch die wuchtige Majestät, womit er sich Zacharias vorgestellt hatte: “Ich bin Gabriel, der vor Gott steht und gesandt bin, zu dir zu reden.” Vor dieser bescheidenen Jungfrau verschweigt der Engel seine Würde und redet mit ihr scheu, wie mit einer Königin, ja seiner Königin:

“Sei gegrüsst, Du Gnadenvolle! Der Herr ist mit dir!”

Dieser gewaltige Erzengel Gabriel ist diesem Mädchen aus dem unbedeutenden Nazareth an strahlenden Gaben der Natur unermesslich überlegen. An Gnade aber überragt sie ihn, den hohen Engel, himmelweit. Sie ist einfach jene, die voll der Gnade ist.

Ihr bringt er die unfassbar hehre und zugleich schwere Botschaft, dass sie einen Sohn vom Heiligen Geist empfangen werde, welcher der Sohn des Allerhöchsten genannt und dessen Reich ohne Ende sein werde. In der gläubigen Unterwerfung Marias macht die Menschheit die ungläubige Auflehnung Evas wieder gut.
Ruhig hörte die Jungfrau der Rede des Engels zu. Dann lösten sich von ihren Lippen die folgenschweren Worte:

“Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Wort!”

Gabriel hob diese wenigen Worte auf wie unendlich kostbare Diamanten. Er hatte die Botschaft des Himmels auf die Erde gebracht. Nun bringt er die Botschaft der Erde heim zum Himmel. Auch für den Himmel wird Gabriel zum Engel der Verkündigung. Es wurde eine große Stille im Himmel, als er zurückkehrte. Gabriel rief den harrenden Heeren der himmlischen Geister zu, was Maria ihm gesagt hatte: “Es geschehe.”

Es ist dies wahrhaft die bedeutendste Stunde der Weltgeschichte, als sich einer der höchsten aller Geister des Himmels und die Edelste aller Menschen gegenüberstanden, es ist die Stunde, da Gott Mensch wurde im Schosse der allerseligsten Jungfrau Maria.

Es ist derjenige der Erzengel, der sich als Gabriel, der vor Gott steht, bei Zacharias einführt und dessen Name “Vertrauter Gottes” bedeutet – und Maria, deren Lob schon bei den Propheten und auch sonst mehrfach im Alten Testament voraus klingt. Wie unendlich erhaben ist doch diese Heilsbotschaft über alle jene sich so wichtig gebenden Heilsbotschaften der Menschen, die ein Unmaß von Heil und Fortschritt versprachen und statt dessen nur allzu oft ein Unmaß von Unheil und Niedergang einleiteten!

Die Szene der Verkündigung in Nazareth ist so rein und so erhaben und so schön, dass die grössten Künstler aller Zeiten sich an ihr zu den erlesensten Schöpfungen begeistern ließen. Ebenso hoch aber wie diese Heilsbotschaft über alle weltlichen Heilsbotschaften steht, so ragt ihr Verkünder – Gabriel – über das verweltlichte und verniedlichte Bild vom Engel hinaus, dem man leider auch bei Gläubigen viel zu häufig begegnet: das süßliche Bild von den Engeln, das ihre gewaltige Geistesmacht vergisst, und ebenso das Bild von den kleinen putzigen Englein, das dem ungeheuren Ernst des Seins und Wirkens eines Engels nicht gerecht wird. Das eine so wenig wie das andere kann uns in den Abgründen des Lebens, die sich heute vor uns aufgetan haben, eine Hilfe sein.

Die Botschaft des “Vertrauten Gottes”, des Erzengels Gabriel, von der Erlösung durch den Gottmenschen hat nichts von ihrer Würde und Wichtigkeit eingebüßt, ja sie wird nur umso aktueller, je unerlöster die Menschheit unter dem Joch ihrer Schuld schmachtet. Und so ist es nur angemessen, wenn die Christenheit des ganzen Erdenrunds dreimal Tag für Tag sich im Gebet den “Engel des Herrn” vergegenwärtigt, der Maria die Botschaft brachte, durch dieses wunderschöne Gebet, durch das wir der Muttergottes eine große Freude bereiten können, wie der Heiland selbst in einer Vision der hl. Gertrud der Großen anvertraut hat, und sicher auch ihrem Boten, dem heiligen Erzengel Gabriel.

Steht er doch freundlich und gütig neben dem zürnenden und kämpfenden Erzengel Michael, der so recht dem Kampf gegen Luzifer und der Urschuld des Alten Testaments zugeordnet scheint. Gabriel steht da mit seinen Verheißungen des Erbarmens wie ein Vertreter des Neuen Bundes, er, der hehre Gottgesandte, der dreimal in unsere Zeitlichkeit eintrat, um die schwachen Menschen in ihrer selbstverschuldeten Not zu trösten.

Quellenhinweis:

▸ Schaezler K., Engel Gabriel, Neulandverlag München o. J.

▸ Hophan O., Die Engel, Luzern 1956.

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Ökumenische Eucharistiefeier – ein Gedanke von epochaler Dummheit

15 Juli 2019, 12:00
Eine „Ökumenische Eucharistiefeier“ fantasierte die deutsche Obernonne herbei, so könnte eine polemische Schlagzeile lauten. Doch was nützt die Polemik? Eine nüchterne Untersuchung einer blöden Idee. Ein Montagskick von Peter Winnemöller

Linz (kath.net)
Die Vorsitzende der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK), Sr. Katharina Kluitmann OSF, forderte bei der internationalen Tagung „Ottmaringer Tage“ eine ökumenische Eucharistiefeier. Unterstützt wurde sie von Pater Alois Schlachter (55), von Orden der Missionare vom Kostbaren Blut. Dieser unterstellte Papst Franziskus die Aufforderung, das Thema ökumenische Eucharistie als eigene Gewissensentscheidung anzugehen. Dies werde, so der Pater, zunehmend gelebt. Viel dreister kann man sich kaum verbal an der Allerheiligsten Sakrament des Altares verbal vergehen. Den Papst hierin zu, Zeugen anzurufen, macht es noch mal einen Zacken schärfer.

Bevor nun unmittelbar Schnappatmung einsetzt, bitte zurücklehnen und entspannt der Vernunft die Bahn ebnen. Man sollte sich unbedingt klar machen, dass die Einheit der Kirche ein so enorm hohes Gut ist, dass man gar nicht genug dafür tun kann. Jeder Einsatz dafür ist gerade gut genug. In der römischen Kurie gibt es einen Rat, der angesichts der zerspaltenen Christenheit für nichts anderes als für die Arbeit an der Einheit der Christen tätig ist. Diese Aufgabe ist kleinteilig, sie erfordert unsäglich viel Geduld und Einfühlungsvermögen.

Der Präsident dieses Rates, Kurt Kardinal Koch, gehört zu den klügsten, fleißigsten und geduldigsten Menschen, die zur Zeit auf unserer Erde leben. Der Kardinal versteht kenntnisreich über die verschiedenen christlichen Denominationen zu berichten. Man arbeitet sich verständnisvoll in Lehren, Traditionen und Vorstellungen anderer Christen ein. Es ist eine unglaubliche Kärrnerarbeit, mit jeder einzelnen dieser Gruppierungen so im Gespräch zu bleiben, dass der Faden nie abreißt, der Gesprächspartner nie überfordert wird, aber die Kirche ihre Gesprächspartner in anderen Kirchen und christlichen Gemeinschaften trotzdem niemals über die Wahrheit im unklaren lässt.

Hinsichtlich der Eucharistie glaubt die Kirche an die Realpräsenz Christi in den gewandelten Gaben von Brot und Wein, deren Substanz sich unter den Wandlungsworten des geweihten Priesters in Leib und Blut Christi wandelt. Dabei ist auch Amt in der Kirche ein Sakrament und es verlangt die volle Einheit. Diese ist die Einheit mit dem eigenen Bischof, der gemeinsam mit seinen bischöflichen Mitbrüdern in Einheit mit dem Bischof von Rom, dem Papst steht. Es ist kompliziert. Und es ist im Grunde so einfach.

Die Spaltungen unter den Christen haben vielfältige Formen und Geschichten. Immer ist es ein Abweichen von der Wahrheit in ihrer ganzen Fülle. Und diese Abweichungen verhindern, gemeinsam miteinander Eucharistie feiern zu können. Die allermeisten Ostkirchen sind uns theologisch so nahe, dass es kaum einen Grund gäbe, nicht miteinander die Eucharistie zu feiern. Der Ritus der Liturgie, im Osten die Hl. Basilius im Westen die des Hl. Gregorius, stellt kein Hindernis dar. Das wissen wir aus den unierten Ostkirchen, die in voller Einheit mit uns stehen und dennoch den ostkirchlichen Ritus feiern.

Es sind oft nur winzige Detailfragen, in denen man sich mikrometerweise annähert. Es sind kleine Gesten, die das Gespräch am Laufen halten. Und es sind kleine Einigungen, die die Gläubigen näher zueinander bringen. Und es gehört viel Gebet dazu. Für diesen Einsatz gehört sowohl Kardinal Koch als auch seinen oft genug nicht minder geduldigen Gesprächspartnern in den christlichen Kirchen und Gemeinschaften jedes Lob ausgesprochen und jedes nur eben mögliche Gebet zugesagt. Wie demütig und hoffnungsfroh ist dieses geduldige Wirken für die Einheit.

Wie dumm und dreist ist im Gegensatz dazu jene plumpe und übergriffige Forderung nach einer „ökumenischen Eucharistiefeier“, die eine deutsche Nonne in die Welt setzt? Was soll das sein? Werden die Gaben so halbgewandelt. Brot ja, Wein nein? Reicht ein ordinierter evangelischer Geistlicher oder muss es doch ein sakramental geweihter sein? Mit ihrer denkbar dummen Aussage stellte sich die Ordensfrau ein sehr schlechtes Zeugnis aus. Ökumenische Eucharistie, das bedeute, ergänzt die Schwester, dass wir in Sachen Eucharistie nicht darauf warten könnten, bis diese Zeichen einer vollkommenen Einheit sei, von der sie in der Tat behauptete, dass es diese auch innerkatholisch nicht gebe. Richtig sind in diesem Satz gerade mal die Satzzeichen. Denn in der Kirche ist die Eucharistie das stärkste und wichtigste Zeichen der vollen Einheit. Einer Einheit, aus der heraus sich Sr. Katharina gerade in bester deutscher Manier in den Orbit des Protestantismus geschossen hat. Sie ist dort nicht allein.

Ganz sicher wird die Ordensfunktionärin mit dieser Haltung auch nicht allein in den deutschen Orden stehen. Man mache sich da keine Illusionen. Doch kann man auch hoffen, dass es noch genügend Ordensleute gibt, die einen solchen Populismus der Dekonstruktion der Eucharistie nicht mitmachen und vernehmbar protestieren. Es wäre zudem noch Sache der Ordens- und der Glaubenskongregation, diese von Sr. Katharina öffentlich geäußerten Thesen zu untersuchen und sie ggf. zum Widerruf aufzufordern, denn immerhin ist so ein Satz einer in Deutschland führenden Ordensfunktionärin durchaus geeignet, eine Menge Verwirrung hervorzurufen. Wie sagte kürzlich ein Kardinal der römischen Kirche, der zugleich auch ein deutscher Bischof ist? Wir erleben in der Kirche einen epochalen Wandel. Wenn Ordensfrauen über die Eucharistie einen solchen Unsinn verbreiten, das ist in der Tat ein Wandel von epochaler Bedeutung. Es beschleicht einen die üble Vermutung, dass das Ende der Fahnenstange epochalen Wandels noch lange nicht erreicht ist.

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Kardinal Gerhard Müller: „Wahre Reform der Kirche geht über ihre Erneuerung in Christus“

Kard. Gerhard Müller, 2015 (Bohumil Petrik/CNA photo)

In einem umfassenden Interview, in dem die Pan-Amazonas-Synode und die Kirche in seinem Heimatland Deutschland erörtert werden, erklärt der Kardinal, das westliche Christentum befinde sich in einer Krise des Glaubens und der geistlichen Führung.

Edward Pentin

Der Gedanke hinter dem viel diskutierten Arbeitsdokument für die Bischofssynode für das gesamte Amazonasgebiet ist eine „Projektion“ des europäischen theologischen Denkens, die nicht mit der katholischen Theologie übereinstimmt und „katholischer“ korrigiert werden muss, hat Kardinal Gerhard Müller gesagt.

In den Kommentaren zum National Catholic Register, die auf EWTN Polen ausgestrahlt werden sollen, sagte der emeritierte Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre auch, dass der Zölibat der Priester nicht geändert werden kann (einige, die an der Organisation der Synode beteiligt sind, möchten verheiratete Männer im Amazonasgebiet ordinieren) „als ob es nur eine externe Disziplin wäre, da sie tief mit der Spiritualität des Priestertums verbunden ist.“

Darüber hinaus sieht der deutsche Kardinal einen offensichtlichen „Zusammenhang“ zwischen der Agenda für die Synode vom 6. bis 27. Oktober und dem von einigen deutschen Bischöfen vorgeschlagenen „Synodenweg“, um die Lehre der Kirche zur Sexualmoral zu ändern. Er geht auch auf den jüngsten Brief von Papst Franziskus an die deutschen Bischöfe ein, warum er im Februar sein „Manifest des Glaubens“ schrieb und warum die Lehren von Papst Johannes Paul II. während dieses Pontifikats anscheinend weniger Beachtung finden.

Eminenz, welches sind Ihre Ansichten zum instrumentum laboris für die Pan-Amazonas-Synode?

Es ist nur ein Arbeitsdokument, es ist kein Dokument des Lehramtes der Kirche, und es steht jedem frei, seine Meinung über die Qualität der Vorbereitung dieses Dokuments zu äußern. Ich denke, dahinter steckt kein großer theologischer Horizont. Es wurde größtenteils von einer Gruppe deutscher Nachkommen geschrieben und nicht von Menschen, die dort leben. Es hat eine sehr europäische Perspektive, und ich denke, es ist eher eine Projektion des europäischen theologischen Denkens auf die Menschen im Amazonasgebiet, weil wir all diese Ideen vor 30 Jahren gehört haben.

Nicht alle Ideen stimmen mit den Grundelementen der katholischen Theologie überein, insbesondere mit dem Religionsbegriff. Wir haben die Vorstellung von einem offenbarten Glauben, der historisch in der Inkarnation des Wortes des Vaters in Jesus Christus verwirklicht ist und vom Heiligen Geist durchdrungen ist. Aber die katholische Kirche ist keine Religion als natürliches Verhältnis zur Transzendenz. Wir können die katholische Kirche nicht nur im Rahmen eines Religionsbegriffs verstehen. Religionen werden vom Menschen gemacht, sie sind Eindrücke, Mittel, Riten anthropologischer Wünsche und des Denkens über die Welt, aber unser Glaube basiert auf der Offenbarung Gottes im Alten und Neuen Testament, in Jesus Christus. Wir müssen dieses Denken in diesem Dokument daher katholischer korrigieren.

Es kann mit dem Leiden des Volkes beginnen, aber dies ist nicht der Ausgangspunkt des katholischen Glaubens. Wir beginnen mit der Taufe und bekennen uns zu Gott, Vater, Sohn und Heiligem Geist. Christus selbst ist in die Welt gekommen, und sein Kreuz nimmt alles Leiden der Welt auf. Aber es ist eine andere Sache, mit den Menschen zu beginnen und dann die Offenbarung nur als Ausdruck der europäischen Kultur zu relativieren. Das ist absolut falsch.

Es gibt auch einen Fokus auf Theologie, der nach Ansicht einiger Kritiker im Grunde genommen ein „kulturelles Recycling der Befreiungstheologie“ ist. Stimmen Sie zu, dass dieses Dokument möglicherweise einen Anstoß darstellt, die Befreiungstheologie durch die Hintertür zu führen?

Die Befreiungstheologie ist ein weit gefasster Begriff, aber die Freiheit ist das Grundelement unseres Glaubens, weil wir gerettet sind, von Jesus Christus von der Sünde befreit und von der Distanz zu Gott befreit worden sind. Diese [Freiheit] beinhaltet auch die Heilung weltlicher Elemente und Dimensionen, aber wir können die Annäherung Christi und seines Kreuzes und die Übernahme aller Leiden und Sünden der Welt auf sich selbst nicht in eine immanente Annäherung umwandeln, wie damals am Ende. Wir relativieren die Offenbarung als nur einen Ausdruck der griechisch-römischen Kultur. Es ist der falsche Ansatz.

Die Befreiungstheologie ist eine katholische Theologie, die mit der Offenbarung beginnt, die in der Heiligen Schrift, in der Überlieferung, im Lehramt der Kirche beginnt, und wir können keine neue Hermeneutik betonen, die dem katholischen Glauben fremd ist.

Sie würden also argumentieren, dass Befreiungstheologie an sich in Ordnung ist, aber auf verschiedene, unorthodoxe Arten verwendet werden kann?

Es kann verstanden werden, dass Christen die Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen für eine integrale Entwicklung. Wir interessieren uns aber nicht nur für die Welt, sondern auch für das Zentrum der Offenbarung, die die Gemeinschaft mit Gott ist, die in diesem Leben beginnt, und auch für das Strahlen der guten Werke, die Gott für uns gemacht hat.

Aber wir können das Christentum, die Kirche, nicht nur für eine weltliche Entwicklung in eine Nichtregierungsorganisation umwandeln, so dass die immanente Entwicklung das Zentrum unseres Glaubens ist. Unser Glaube bezieht sich auf den dreieinigen und persönlichen Gott.

Denken Sie, dass dieses Dokument zu einer immanenteren Perspektive führt (dass sich das Göttliche in der materiellen Welt manifestiert), anstatt zu einer katholischeren?

Ja, das ist die Gefahr, denn hinter diesem Dokument stehen keine großen Theologen, und es gibt diesen eher praktischen, eher ideologischen Ansatz für die Fragen.

Der andere Aspekt, um den sich einige Sorgen machen, ist das Zölibat der Priester, und dass das Dokument die Möglichkeit aufzeigt, verheiratete Männer oder reife Männer mit Familien zum katholischen Priestertum im Amazonasgebiet zu ordinieren. Befürchten Sie, dass dies, wie einige Kritiker sagten, zu einer allgemeinen Untergrabung des kirchlichen Zölibats führen könnte?

Auf der einen Seite drängen sie darauf und sagen es offen und auf der anderen Seite, wenn sie gefragt werden, dass sie den priesterlichen Zölibat nicht untergraben. Die Disziplin wurzelt in der Spiritualität des Priestertums in der westlichen und lateinischen Kirche. Wir können es nicht ändern, als wäre es nur eine externe Disziplin, da es tief mit der Spiritualität des Priestertums verbunden ist, wie das Zweite Vatikanische Konzil sagte ( Presbyterorum Ordinis, 16).

Wir akzeptieren verheiratete Priester in den Ostkirchen, in denen es diese Tradition gibt, aber die lateinische Kirche wird auf diese Weise mit dem Zölibat im Priestertum fortfahren. Ich denke, dies ist nicht die großartige Lösung, die sie erwarten, um alle Probleme zu lösen, da die Krise des Christentums in der westlichen Welt nichts mit dem Zölibat des Priestertums und den religiösen Gelübden zu tun hat. Es ist eine Krise des Glaubens und auch der geistigen Führung.

Viele der an dieser Synode beteiligten Personen haben einen deutschen Hintergrund. Im Zweiten Vatikanischen Konzil wurde gesagt, dass der Rhein in den Tiber mündet. Würden Sie sagen, dass dies ähnlich ist, ein Fall, in dem der Rhein in den Amazonas fließt?

Wir sehen, es ist kein guter Einfluss, weil die katholische Kirche in Deutschland abwärts geht. Schauen Sie sich die Ergebnisse an. Sie [deutsche Kirchenführer] kennen die wirklichen Probleme [in der heutigen Kirche] nicht und sprechen von Sexualmoral, Zölibat und Priesterinnen. Aber sie sprechen nicht über Gott, Jesus Christus, Gnade, Sakramente und Glauben, Hoffnung und Liebe, die theologischen Tugenden und die Verantwortung, die Christen und die Kirche für die Entwicklung der Gesellschaft haben, in der es einen tiefen Legalismus und Verzweiflung gibt – Wie der Papst sagte, von einem neuen Gnostizismus und einem neuen Pelagianismus.

Wir sind nicht in der Lage, das Evangelium für die Menschen in Deutschland und anderen Teilen Europas wie Belgien und den Niederlanden zu verbreiten. Und Sie sehen die Folgen dieser fortschreitenden Welle.

Warum gibt es diesen deutschen Einfluss auf diese Synode – liegt es daran, dass sie das Treffen nutzen wollen, um vielleicht mit diesem von Kardinal Reinhard Marx vorgeschlagenen „Synodenweg“ übereinzustimmen? Gibt es einen Zusammenhang damit?

Es besteht offensichtlich ein Zusammenhang. Sie gingen absolut falsch mit sexuellem Missbrauch um. Sie waren nicht in der Lage und konnten die wahren Ursachen und Gründe dieser Krise nicht erkennen und sie sprechen die ganze Zeit über andere Dinge, die nichts damit zu tun haben.

Wir lernen auch nicht aus dem Niedergang des Protestantismus in Europa. Sie haben all diese verheirateten Pastoren, die eine gleichgeschlechtliche „Ehe“ akzeptieren, und sie haben kein Zölibat. Trotzdem ist die Situation der protestantischen Kirche in Europa schlimmer als in der katholischen Kirche. Das kann also nicht die Medizin sein, um die tiefe Krise, die Krise des Glaubens, zu überwinden. Es ist ein Missverständnis der apostolischen Mission von Bischöfen, die keine politischen Führer sind. Am Ende wird es nutzlos sein.

Was halten Sie von Synodalität und diesem „Synodenweg“ als Mittel zur Kirchenregierung? Glauben Sie, dass die Gefahr besteht, dass fremde Ideen in die Kirche gelangen?

Ich finde es sehr idealistisch. Es gibt keine biblische Grundlage dafür. Wir sprechen von Kollegialität der Bischöfe, aber wir sehen jetzt in der sogenannten Reform der Kurie, dass die Kurie in Gefahr ist, sich in eine andere weltliche Institution zu verwandeln. Alle Befugnisse sind im Staatssekretariat konzentriert. Sie sprechen nicht über die Beteiligung der römischen Kirche oder die petrinische Autorität des Papstes. Sie unterdrücken das Wort „Kongregation“, was eine Übersetzung des Synodus auf Griechisch ist.

Einerseits unterdrücken sie die Synodalität der Heiligen Römischen Kirche, des Kardinalskollegiums, und andererseits verwandeln sie die Einrichtung der Kurie in eine bloße Bürokratie, in nur Funktionalismus und nicht ein kirchliches Institut. Wir haben eine gemeinsame Verantwortung, am Leben der Kirche teilzunehmen, aber wir haben diese universelle Teilhabe seit Beginn der Kirche, seit 2000 Jahren.

Wir können die Kirche nicht mehr so ​​erfinden, als wäre sie altmodisch und neu gestaltet werden müsste, so wie sie sich fortschrittlich nennt und die Kirche nach ihren Vorstellungen bauen will.

Im Februar haben Sie ein „Manifest des Glaubens“ geschrieben. Warum haben Sie es geschrieben?

Viele Leute haben mich gebeten, wegen eines gewissen Chaos in der Kirche und wegen vieler Missverständnisse über das Wesentliche des Christentums etwas zu sagen: Was ist Ehe, was ist zum Beispiel das Priestertum? Wir können nicht alles leugnen, was im Alten und Neuen Testament und in der Tradition der Kirche gesagt wird.

Wir haben eine tiefe Theologie über die sieben Sakramente, und diese kann nicht von Zweifeln an diesen wesentlichen Elementen beherrscht werden, die uns zum ewigen Leben führen. Deshalb habe ich nur die wesentlichen Punkte unseres christlichen Glaubens hervorgehoben, die Trinität, die Inkarnation, die Sakramentalität der Kirche, die Identität unseres Glaubens und unseres Lebens und unsere Hoffnung auf ewiges Leben.

Die Reaktion war nicht immer sehr intelligent, und ich konnte es nicht verstehen; In der Tat konnte niemand verstehen, warum das Hervorheben dieser Grundelemente des Glaubens als Kritik am Papst, dem Nachfolger des heiligen Petrus, interpretiert werden könnte, da er die höchste Verantwortung für den Ausdruck unseres Glaubens trägt. Dies ist in unserem Glaubensbekenntnis verankert – es beginnt mit: „Ich glaube an“ Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, der Schöpfung, der Erlösung und der endgültigen Vollkommenheit der Sakramente und der Hoffnung auf ewiges Leben. Wir werden im Namen des dreieinigen Gottes getauft und drücken unseren Glauben an die Werke der Schöpfung, der Erlösung und die Gabe des ewigen Lebens aus.

Haben Sie die jüngste „Erklärung der Wahrheiten des Glaubens von Kardinal Raymond Burke und vier Bischöfen unterstützt?

Es ist alles wahr, was sie sagten, nein?

Kardinal Rainer Maria Woelki aus Köln dankte Papst Franziskus für seinen Brief an die deutsche Kirche, in dem er die Katholiken in Deutschland „furchtlos“ aufforderte, angesichts des Niedergangs der Kirche eine Missionskirche zu sein. Andere haben jedoch gewarnt, dass es auf unterschiedliche Art und Weise gelesen werden kann und dass die Kirche in Deutschland „vor einem grundlegenden Transformationsprozess“ steht. Wie beurteilen Sie den Brief selbst und wie wichtig ist er für die deutsche Kirche?

In seinem Brief an die deutschen Katholiken hat der Papst den Maßstab für die Einheit der Kirche in der Wahrheit der Offenbarung gesetzt. Wir glauben an den dreieinigen Gott und seine Kirche als Sakrament der Errettung der Welt. Daher ist der Prozess der Umwandlung der Kirche in eine weltliche Organisation mit geistlichen und sozialen Diensten nichts weiter als ein Widerspruch zu ihrer göttlichen Grundlage und Sendung.

Die mentale Aufgabe des gesamten Unternehmens spiegelt sich in einem Realitätsverlust bei der Analyse der Ursachen des sexuellen Missbrauchs junger Menschen wider. Ihre Ursachen liegen in der individuellen Verletzung der Gebote des Herrn und in der hedonistischen Atmosphäre in der westlichen Welt.

Die Weiterleitung sexueller Impulse an Erwachsene beiderlei Geschlechts, die als Neubewertung der Sexualmoral getarnt ist, beseitigt keinen Widerspruch zu Gottes Geboten. Die Verführung von Männern und Frauen über 18 Jahren ist auch eine Todsünde, „die aus dem Reich Gottes ausschließt“ (1. Korinther 6: 9) und eine „Entehrung des eigenen Körpers“ durch Verhalten gegen die von Gott gegebene Natur , männlich und weiblich (Römer 1: 24-27). Sexuelle Beziehungen haben einen legitimen, moralisch einwandfreien und anmutigen Platz nur in der Ehe eines Mannes und einer Frau. Ich hoffe auch, dass man in der Frage der Verbindung des Priestertums mit dem Zölibat nicht hinter der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils ( Presbyterorum Ordinis, 16) und der Enzyklika Sacerdotalis Caelibatus zurückbleibt .

Bei der wahren Reform der Kirche geht es um ihre Erneuerung in Christus und die Wiederbelebung des apostolischen Eifers für das ewige Heil des Menschen. Unter den lauten und boshaften Protagonisten, die sich arrogant als Reformer bezeichnen, sind einige, die durch die Heiligkeit des Lebens, die Bereitschaft zum Opfer und zur Entsagung und die völlige Hingabe an Christus und die Kirche, seine geliebte Braut und unsere Mutter im Glauben glänzen. Die eben erwähnten Begriffe strahlen nur ein ironisches Lächeln aus, weil sie so wenig Aufklärung und Nähe zur modernen Realität des Lebens bieten.

Die großen Reformbewegungen in der Geschichte der Kirche haben Heilige hervorgebracht und wurden von Gelehrten der Heiligen Wissenschaften sowie von Geistlichen und Ordensleuten gefördert, die sich auf das Wort des Herrn bezogen: „Der Eifer für Ihr Haus verzehrt mich“ (Johannes 4:17). .

Wir haben vor kurzem den 40. Jahrestag der Wahl von Papst Johannes Paul II. Gefeiert, aber warum wird seine Lehre während dieses Pontifikats Ihrer Meinung nach an den Rand gedrängt und nicht mehr wie früher aufrechterhalten?

Weil es im Hintergrund die seltsame Vorstellung gibt, dass das Zweite Vatikanum und seine Reformen von Johannes Paul II. und Benedikt gestoppt worden seien, und jetzt müssten wir diese „Blockierung“ überwinden und neu beginnen, wo das Zweite Vatikanum zu Ende ging. Dies ist jedoch keine gültige katholische Idee.

Wir glauben an die Kontinuität der Kirche und jedes Papstes, Konzils und Bischofs. Jede Periode hat eine besondere Bedeutung, ebenso wie jeder Papst und Bischof in dem Kontext, in dem sie leben – aber immer in Kontinuität mit allen Konzilen und allen Päpsten der Vergangenheit.

Wir können den Konzilen nicht widersprechen, indem wir sagen: „Ich bin für das Konzil von Trient“, oder: „Ich bin für das Erste Vatikanische Konzil“, oder: „Ich bin für das Zweite Vatikanische Konzil“, oder gar ich bin für ein drittes Vatikanisches Konzil. Die Konzile sind keine Neugründung der Kirche; sie haben nur die Autorität, den katholischen Glauben zu einer bestimmten Zeit auszudrücken und zu bekennen. Niemals werden wir eine neue Offenbarung erhalten (II. V., Dei Verbum , 10), weil „Gnade und Wahrheit durch Jesus Christus gekommen sind“ (Johannes 1,17).

Edward Pentin ist der Korrespondent des National Catholic Registers in Rom.

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Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]