Dein Wille geschehe – wollen wir das wirklich?

advent-1883840_1280-740x493

4. Advent / Pixabay CC0 – Myriams-Fotos, Public Domain

Impuls zum 4. Adventssonntag im Jahreskreis A — 18. Dezember 2016

Im Evangelium des 4. Adventssonntags wird von den wenigen Perikopen, die von Maria handeln, die vornehmste und für unser Heil so wichtige vorgelegt: „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft“ (Lk  1,26-38).

Bei allen vorbereitenden Impulsen, die die Liturgie der Kirche im Advent präsentiert, ist dieser die entscheidende Voraussetzung für das Weihnachtsfest. Hätte Maria, die genauso frei war wie alle Menschen, zu der Botschaft nein gesagt, wäre der Gottessohn nicht in unsere Welt gekommen, wir wären nicht erlöst.

Die Worte des Erzengels Gabriel gaben der Kirche sehr bald Anlass, ihr Gebet – nächst dem trinitarischen Gott – auch an Maria zu richten, um ihre Fürsprache anzurufen, zu der uns der Herr selbst auffordert, wenn er am Kreuz sagt: „Siehe da deine Mutter!“

Nach dem Vaterunser ist das Gegrüßet seist du, Maria das beliebteste Gebet, das Christen sprechen.

Zu allen Zeiten, in allen Religionen, haben Menschen den Zugang zu Gott im Gebet gesucht, und es gibt wunderbare Gebete aus allen Sprachen und Religionen.

Um uns nun aber die Sicherheit zu geben, dass unser Gebet überhaupt bei Gott ankommt, wollte Jesus selbst uns ein Gebet schenken, von dem wir mit Sicherheit sagen können: das hört Gott gern. Das gleiche lässt sich vom Avemaria sagen, enthält es doch im ersten Teil Worte vom Himmel und im zweiten Teil Worte der Demut und des Vertrauens vonseiten des Beters.

Dieser Umstand, wie auch die Art und Weise, wie Jesus uns zu beten empfiehlt, nämlich mit Beharrlichkeit, ist für unsere Zeit besonders wichtig, denn viele Christen sind in ihrem Denken und Handeln dem Irrtum des sog. Modernismus aufgesessen, jener schon von Pius X. abgelehnten Lehre, die in der Praxis dazu führt, dass man nicht Gott sucht, wie er unabhängig von mir selber wirklich ist, sondern dass ich mir letztlich ‚meinen Herrgott selber mache’. In dieser Haltung baut man dann die Kirchen nicht mehr zur Ehre Gottes, sondern für die „religiösen Bedürfnisse“ der Menschen, wobei es dann auch nicht so wichtig ist, ob man Kirchen, Moscheen oder Tempel baut.

Aufgrund der von Christus angezeigten Vorgaben versucht die Kirche seit nunmehr zweitausend Jahren den Menschen zu vermitteln, worauf es ankommt, damit der einzelne Mensch zum ewigen Leben findet. Dass er sich außerdem hier auf Erden wohlfühlt, kann nur begrüßt werden, aber es wäre nicht im Sinne Christi, wenn das die Hauptsache wäre. „Suchet zuerst das Reich Gottes, und alles andere wird euch dazu gegeben werden!“

Oft genug ist es dem Herrn selbst passiert, dass die Leute etwas anderes wollten als er, aber er konnte ihnen nicht immer zu willen sein, denn wir Menschen sind da manchmal wie kleine Kinder, die auch oft Wünsche haben nach etwas, das ihnen gar nicht gut tut. Gott ist der „je ganz andere“, er ist nicht der gute Onkel, der immer tun muss, was wir gerade wünschen. Wenn wir so beten, werden wir häufig enttäuscht, denn wir sind seine Geschöpfe, während wir oft – unbewusst – so tun, als wäre er unser Geschöpf. Das heißt Gotteskindschaft nicht, dass wir über Gott verfügen können.

Immer wieder wird, auch in der Kirche, versucht, größere Probleme einer Volksabstimmung vorzulegen. Das mag im politischen Bereich sinnvoll sein – wenngleich es auch einige Beispiele in letzter Zeit gibt, wo das gründlich daneben gegangen ist – im kirchlichen Milieu ist das aber meistens nicht der richtige Weg, vor allem, wenn es sich um von Gott geoffenbarte Dinge handelt.

Anhänger dieser Richtung meinen, dass das Volk darüber abstimmen sollte, wie bestimmte Probleme zu lösen sind, einschließlich all der Fragen, die schon gelöst sind, die nur nicht immer leicht zu leben sind.

Der Zölibat kommt manchen, vor allem denen, die nichts damit zu tun haben, als schwer erträglich vor. Also soll man diskutieren und beschließen, dass er abgeschafft wird. Gerade in dieser Frage hat Jesus selbst gesagt „Wer es fassen kann, der fasse es“: im Klartext: nicht jeder kann es verstehen, vor allem nicht derjenige, der keine Berufung zur Ehelosigkeit „um des Himmelreiches willen“ hat. Da das die Mehrheit ist, wäre eine solche Frage, wenn sie mehrheitlich entschieden würde, bereits anders beantwortet, als Christus selbst sie gesehen hat. Wenn der Herr nicht so feinfühlig wäre, hätte er vielleicht hinzugefügt: „Und wer es nicht fassen kann, der halte sich da heraus“.

Im Augenblick befinden sich die meisten angesprochenen Probleme noch auf der Ebene des menschlichen Rechtes, d.h. in Zusammenhängen, zu denen Christus nicht direkt Verbindliches gesagt hat. Aber mit Sicherheit würden die Promotoren dieser Bewegung nicht bei Fragen des Zölibats und des Frauendiakonats stehen bleiben. Bei dem heutigen Stil der öffentlich gelenkten Diskussion ist damit zu rechnen, dass im Rahmen eines kirchlichen Volksbegehrens dann auch Probleme der chemischen und mechanischen Geburtenbeschränkung und dann der Abtreibung ‚positiv’ entschieden werden.

Später würde man in einer demokratischen Diskussion auch einzelne Glaubenssätze in Frage stellen können, die Dogmen. Es dürfte nicht schwer sein, einer Mehrheit plausibel zu machen, dass man die Theologie von mythischen und legendären Elementen freimachen müsse, dass Wunder dem modernen (‚gesunden’?) Volksempfinden nicht mehr entsprechen, und man viele Dinge neu interpretieren muss.

Aber verlieren wir uns nicht in Einzelheiten! Es genügt sich grundsätzlich zu fragen: hat Christus die Kirche so gewollt?

Auch im Altertum gab es Demokratie, er hätte die Kirche demokratisch einrichten können. Er hat es aber nicht getan. Er hat das Lehramt, die Aufgabe, das Reich Gottes in seinem Auftrag richtig zu deuten, nicht den Schriftgelehrten, sprich Theologen, Spezialisten, Ausschussvorsitzenden etc. anvertraut, sondern nur den Aposteln. Nur zu ihnen und ihren Nachfolgern, den Bischöfen hat er gesagt: „Wer euch hört, der hört mich, wer euch verwirft, der verwirft mich“ (Lk 10,16). An der Spitze der Apostel Petrus, an der Spitze des Bischofskollegiums der Nachfolger Petri, der Bischof von Rom.

Im Vaterunser beten wir nicht nur: gib uns täglich das Brot, das wir brauchen – gegen diese Bitte hat ganz gewiss niemand etwas einzuwenden. Aber wir beten auch: dein Name werde geheiligt, dein Wille geschehe! Wenn Gott wirklich der Herr ist und nicht wir selber, dann müssen wir auch dahinterstehen: Herr, es kann sein, dass du etwas anderes willst als wir – dann müssen wir uns fügen nicht umgekehrt.

Wir müssen uns auch dieser Frage stellen: will ich überhaupt, dass der Name Gottes geheiligt werde, dass sein Reich komme? Wir leben in einer Welt, die sich fast perfekt ohne Gott eingerichtet hat. Man hat ihn aus allem herauskomplimentiert, oft sogar aus der Kirche. Das ist wahrscheinlich die größte Sünde unserer Zeit: eine Gesellschaft ohne Gott, eine Umwelt ohne Schöpfer, eine Kirche des sozial-karitativen Engagements. Wo wird der Name Gottes denn geheiligt?

Das bevorstehende Weihnachtsfest gibt uns einen guten Anlass, dafür dankbar zu sein, dass Gott die Menschwerdung seines Sohnes in Demut und Armut keinem demokratisch gewählten Gremium vorgelegt hat. Demokratie ist im Prinzip gut, aber das Beispiel zeigt, dass auch gut meinende Parlamentarier diesem Plan Gottes wohl nicht zugestimmt hätten. Denn so hätte sich kaum einer den Erlöser der Welt vorgestellt: in einem Stall geboren, in einer Futterkrippe liegend. Oder gar wie ein Verbrecher hingerichtet.

Nehmen wir das Weihnachtsgeschehen in jenem einfachen Kinderglauben, wie es die Heiligen getan haben!

Der jüngst verstorbene Prälat des Opus Dei, Bischof Echeverría, schrieb in seinem letzten Brief, den er im Monat Dezember veröffentlichte:

„Vom 17. Dezember an erfüllt eine heiligmäßige Ungeduld unser Warten auf Jesus: Der Herr wird kommen, er lässt nicht auf sich warten. Es wird keine Angst mehr sein in der Welt, denn er ist unser Heiland.[9] ‚Wenn wir also von der Geburt Christi reden hören, wollen wir im Schweigen verharren und jenes Kind sprechen lassen; prägen wir seine Worte in unser Herz ein, ohne den Blick von seinem Antlitz abzuwenden. Wenn wir es in die Arme nehmen und uns von ihm umarmen lassen, wird es uns den Herzensfrieden geben, der niemals endet. Dieses Kind lehrt uns, was wirklich wesentlich ist in unserem Leben. Jesus wird in der Armut der Welt geboren, weil für ihn und seine Familie kein Platz in der Herberge ist. In einem Stall findet er Unterschlupf und Rückhalt und wird in eine Futterkrippe für Tiere gelegt. Und doch leuchtet aus diesem Nichts das Licht der Herrlichkeit Gottes auf.‘ (Papst Franziskus, Homilie, 24.12.2015)“

Fest davon überzeugt, dass es uns am besten geht, wenn der Wille Gottes geschieht, fährt der Prälat fort:

„Wenn der Umgang mit Gott so gelassen und froh wird, wie er im Stall zu Bethlehem war, strahlt er – gleichsam als eine reife Frucht – in unsere Familie aus und steckt sie mit der starken mitreißenden Freude an, die so typisch für diese Tage ist. Darum auch drängt uns die Kirche, unser Herz während des Advents gut zu bereiten, und sie ermahnt uns, über jedes wertlose Angebot, jeden ablenkenden Lärm und die Oberflächlichkeit des Soforthinweg zu gehen. Vielleicht treiben uns viele Angelegenheiten um, jedoch fehlt es uns an Gelassenheit im Umgang mit Gott. Wenn wir es schaffen, mit frohem Gleichmut unsere Beziehung zu Gott zu pflegen, dann werden wir diesen auch den anderen vermitteln können; das enge Zusammenleben an den Weihnachtstagen wird uns nicht zu Streitereien, Ärger, Ungeduld oder Hetze verleiten, und wir werden voll Freude zusammen beten und uns erholen, schöne Augenblicke im Kreis der Familie verbringen und alle Vorurteile oder geheimen Groll, die wir noch im Herzen tragen, entschärfen.“

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.

_______

Quelle

Papst Franziskus: Angelus: Niemand ist ausgeschlossen vom Heil

RV11765_Articolo

Angelusgebet mit Papst Franziskus

Niemand ist ausgeschlossen von der Möglichkeit des Heils. Das hat Papst Franziskus beim Angelusgebet an diesem dritten Adventsonntag betont. Am Vormittag hatte er die Heilige Pforte in seiner Bischofskirche, dem Lateran, eröffnet; ein Thema aus seiner Predigt vertiefte er beim Angelus. „Keine Kategorie von Menschen ist davon ausgeschlossen, den Weg der Umkehr zu gehen und das Heil zu erlangen, nicht einmal die Zöllner, die als Sünder schlechthin angesehen wurden“, erklärte Franziskus. Gott schließe niemanden aus, er sei im Gegenteil begierig danach, seine Barmherzigkeit zu geben und „jeden in die zärtliche Umarmung der Versöhnung und der Vergebung aufzunehmen“, so der Papst.

Mit den Worten von Johannes dem Täufer hob Franziskus hervor, es brauche Umkehr. „Wir müssen die Marschrichtung ändern und den Weg der Gerechtigkeit, der Solidarität, der Schlichtheit einschlagen: das sind die unabdingbaren Werte einer ganz menschlichen und authentisch christlichen Existenz.“ Der dritte Adventsonntag, auch Gaudete genannt, helfe auch eine besondere Dimension der Umkehr zu entdecken, nämlich die Freude. „Der Christ ist ein freudiger Menschen, und seine Freude ist nicht oberflächlich und vergänglich, sondern tief und stabil, weil sie eine Gabe des Herrn ist.“

(rv 13.12.2015 gs)

BENEDIKT XVI.: PREDIGT ZUM ERSTEN ADVENTSSONNTAG

FEIER DER ERSTEN VESPER ZUM ERSTEN ADVENTSSONNTAG

PREDIGT VON BENEDIKT XVI.

Petersdom
Samstag, 28. November 2009

Bilder von der Feier

  

Liebe Brüder und Schwestern!

Mit diesem Vespergottesdienst treten wir in die liturgische Zeit des Advents ein. In der Bibellesung, die wir soeben gehört haben und die dem Ersten Brief an die Thessalonicher entnommen ist, fordert uns der Apostel Paulus auf, das »Kommen unseres Herrn Jesus Christus« (vgl. 5,23) vorzubereiten, indem wir uns mit Gottes Gnade unversehrt und tadellos bewahren. Paulus gebraucht dabei das Wort »Kommen«, auf lateinisch »adventus«, aus dem sich das Wort »Advent« ableitet.

Denken wir kurz über die Bedeutung dieses Wortes nach, das mit »Anwesenheit«, »Ankunft«, »Kommen« übersetzt werden kann. In der Sprache der alten Welt war es ein Fachausdruck, der die Ankunft eines Amtsträgers, besonders die Ankunft des Königs oder des Kaisers in der Provinz bezeichnete. Er konnte aber auch die Ankunft der Gottheit ausdrücken, die aus ihrer Verborgenheit hervortritt und machtvoll ihre Gegenwart erweist oder deren Anwesenheit im Kult feierlich begangen wurde. Die Christen übernahmen den Begriff »Advent«, um ihre besondere Beziehung zu Jesus Christus zum Ausdruck zu bringen: Jesus ist der König, der in diese armselige Provinz Erde gekommen ist und ihr seinen Besuch schenkt; er läßt alle, die an ihn glauben, die an seine Gegenwart in der liturgischen Versammlung glauben, an der Feier seines Advents teilhaben. Mit dem Wort »adventus« wollte man im wesentlichen sagen: Gott ist da, er hat sich nicht von der Welt zurückgezogen, er hat uns nicht alleingelassen. Auch wenn wir ihn nicht sehen und berühren können wie die sinnlich wahrnehmbaren Wirklichkeiten, ist er doch da und kommt auf vielerlei Weise zu uns.

Die Bedeutung des Ausdrucks »Advent« schließt also auch die »visitatio« ein, was eigentlich einfach »Besuch« bedeutet; in diesem Falle handelt es sich um einen Besuch Gottes: Er tritt in mein Leben ein und will sich an mich wenden. Im täglichen Leben machen wir alle die Erfahrung, wenig Zeit für den Herrn und wenig Zeit auch für uns zu haben. Am Ende ist man vom »Machen« völlig in Anspruch genommen. Ist es etwa nicht wahr, daß die Aktivität oft von uns Besitz ergreift, daß uns die Gesellschaft mit ihren vielfältigen Interessen oft völlig vereinnahmt? Widmet man Vergnügen und vielerlei Zerstreuungen etwa nicht viel Zeit? Manchmal »überwältigen « uns die Dinge. Der Advent, der liturgische Festkreis, in den wir jetzt eintreten, lädt uns ein, still zu verweilen, um eine Gegenwart zu erfassen. Er ist als eine Einladung zu verstehen, daß die einzelnen Ereignisse des Tages Hinweise sind, die Gott an uns richtet, Zeichen der Aufmerksamkeit, die er einem jeden von uns entgegenbringt. Wie oft läßt Gott uns etwas von seiner Liebe spüren! Sozusagen ein »inneres Tagebuch« über diese Liebe zu führen, wäre eine schöne und heilende Aufgabe für unser Leben! Der Advent lädt uns ein und spornt uns an, über die Gegenwart des Herrn nachzudenken. Sollte die Gewißheit seiner Gegenwart uns nicht helfen, die Welt mit anderen Augen zu sehen? Sollte sie uns nicht helfen, unser ganzes Leben als »Besuch« zu betrachten, als eine Weise, wie er in jeder Situation zu uns kommen und uns nahe sein kann?

Ein weiteres Grundelement des Advents ist das Warten, das zugleich ein Hoffen ist. Der Advent spornt uns an, den Sinn der Zeit und der Geschichte als »kairós« zu verstehen, als günstige Gelegenheit für unser Heil. Jesus hat diese geheimnisvolle Wirklichkeit in vielen Gleichnissen erläutert: in der Geschichte von den Dienern, die aufgefordert werden, die Rückkehr des Hausherrn zu erwarten, im Gleichnis von den Jungfrauen, die auf den Bräutigam warten, oder in den Gleichnissen von Saat und Ernte. Der Mensch lebt in ständiger Erwartung: Als Kind will er erwachsen werden, als Erwachsener strebt er nach Verwirklichung und Erfolg. Wenn er älter wird, sehnt er sich nach der verdienten Ruhe. Aber es kommt die Zeit, wo er entdeckt, daß er zu wenig gehofft hat, wenn ihm über Beruf oder gesellschaftliche Position hinaus nichts zu hoffen bleibt. Die Hoffnung prägt den Weg der Menschheit, aber für die Christen ist sie von einer Gewißheit beseelt: Der Herr ist auf unserem Lebensweg gegenwärtig, er begleitet uns, und eines Tages wird er auch unsere Tränen trocknen. Eines nicht fernen Tages wird alles seine Erfüllung finden im Reich Gottes, dem Reich der Gerechtigkeit und des Friedens.

Aber es gibt sehr verschiedene Weisen des Wartens. Wenn die Zeit nicht von einer sinnvollen Gegenwart erfüllt ist, dann droht das Warten unerträglich zu werden. Wenn man etwas erwartet, aber in diesem Augenblick gar nichts da ist, wenn also die Gegenwart leer bleibt, dann erscheint jeder Augenblick, der vergeht, viel zu lang, und das Warten verwandelt sich in eine allzu schwere Last, weil die Zukunft vollkommen ungewiß ist. Wenn dagegen die Zeit sinnvoll ist und wir in jedem Augenblick etwas Besonderes und Wertvolles wahrnehmen, dann macht die Freude der Erwartung die Gegenwart kostbarer. Liebe Brüder und Schwestern, laßt uns die Gegenwart, in der uns die Gaben des Herrn bereits erreichen, intensiv leben, laßt sie uns auf die Zukunft ausgerichtet leben, eine Zukunft voller Hoffnung. Auf diese Weise wird der christliche Advent zu einer Gelegenheit, den wahren Sinn der Erwartung in uns wiederzuerwecken, indem wir zum Herzstück unseres Glaubens zurückkehren, dem Geheimnis Christi, des Messias, der viele Jahrhunderte lang erwartet und in der Armut von Betlehem geboren wurde. Er ist zu uns gekommen und hat uns so das Geschenk seiner Liebe und seines Heils gebracht, das er uns auch weiterhin anbietet. Er ist unter uns gegenwärtig und spricht auf vielerlei Weise zu uns: durch die Heilige Schrift, durch das Kirchenjahr, durch die Heiligen, durch die Ereignisse des täglichen Lebens, durch die ganze Schöpfung, die anders aussieht, wenn Christus dahinter steht, als wenn sie vom Nebel einer ungewissen Herkunft und einer ungewissen Zukunft verhangen ist. Wir können unsererseits das Wort an ihn richten, ihm das Leid darlegen, das uns quält, die Ungeduld, die Fragen, die aus unserem Herzen hervorkommen. Wir sind gewiß, daß er uns immer hört! Und wenn Jesus gegenwärtig ist, dann gibt es keine sinnlose und sinnleere Zeit mehr. Wenn er gegenwärtig ist, können wir auch dann weiter hoffen, wenn andere uns keine Unterstützung mehr gewähren können, wenn die Gegenwart mühsam wird.

Liebe Freunde, der Advent ist die Zeit der Gegenwart und der Erwartung des Ewigen. Gerade aus diesem Grund ist er ganz besonders die Zeit der Freude, einer verinnerlichten Freude, die durch kein Leid weggenommen werden kann: der Freude, daß Gott ein Kind geworden ist. Diese Freude, die unsichtbar in uns gegenwärtig ist, ermutigt uns, vertrauensvoll unseren Weg zu gehen. Vorbild und Stütze dieser innigen Freude ist die Jungfrau Maria, durch die uns das Jesuskind geschenkt wurde. Sie, die treue Jüngerin ihres Sohnes, erlange uns die Gnade, diese liturgische Zeit in wachsamer und tätiger Erwartung zu leben. Amen!