WICHTIGES ZUR KATHOLISCHEN RECHTFERTIGUNGSLEHRE

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Theodor Dieter (rechts), überreicht Papst Benedikt XVI eine Ausgabe von „Biblische Grundlagen der Rechtfertigungslehre“. © Osservatore Romano

BENEDIKT XVI. – GENERALAUDIENZ – Mittwoch, 26. November 2008

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Der Hl. Paulus (14):

Die Rechtfertigungslehre: vom Glauben zu Werken.

Liebe Brüder und Schwestern!

In der Katechese vom vergangenen Mittwoch habe ich über die Frage gesprochen, wie der Mensch vor Gott gerecht wird. Dem hl. Paulus folgend haben wir gesehen, daß der Mensch nicht imstande ist, durch seine eigenen Taten »gerecht« zu werden, sondern nur deshalb vor Gott wirklich »gerecht« werden kann, weil Gott ihm seine »Gerechtigkeit« verleiht, indem er ihn mit Christus, seinem Sohn, vereint. Und diese Vereinigung mit Christus erreicht der Mensch durch den Glauben. In diesem Sinne sagt uns der hl. Paulus: Nicht unsere Werke, sondern der Glaube macht uns »gerecht«. Dieser Glaube ist jedoch nicht ein Gedanke, eine Meinung, eine Idee. Dieser Glaube ist Gemeinschaft mit Christus, die uns der Herr schenkt und die deshalb Leben, Gleichförmigkeit mit ihm wird. Oder, mit anderen Worten gesagt: Der Glaube wird, wenn er wahrhaftig und wirklich ist, zur Liebe, er wird zur Nächstenliebe, er findet in der Nächstenliebe seinen Ausdruck. Ein Glaube ohne Liebe, ohne diese Frucht, wäre kein wahrer Glaube. Es wäre ein toter Glaube.

Wir haben also in der letzten Katechese zwei Ebenen vorgefunden: die Ebene, der zufolge unsere Taten, unsere Werke nicht relevant sind, um das Heil zu erreichen, und die Ebene der »Rechtfertigung« durch den Glauben, der die Frucht des Geistes hervorbringt. Die Vermengung zwischen diesen beiden Ebenen hat im Laufe der Jahrhunderte nicht wenige Mißverständnisse in der Christenheit hervorgerufen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, daß der hl. Paulus im Brief an die Galater einerseits den Akzent in radikaler Weise auf die Unentgeltlichkeit der Rechtfertigung nicht durch unsere Werke legt, aber gleichzeitig auch die Beziehung zwischen Glaube und Liebe, zwischen Glaube und Werken hervorhebt: »Denn in Christus Jesus kommt es nicht darauf an, beschnitten oder unbeschnitten zu sein, sondern darauf, den Glauben zu haben, der in der Liebe wirksam ist« (Gal 5,6). Folglich gibt es einerseits die »Werke des Fleisches«, nämlich »Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben, Götzendienst…« (Gal 5,19–21): alles Werke, die im Gegensatz zum Glauben stehen; andererseits gibt es das Wirken des Heiligen Geistes, der das christliche Leben dadurch nährt, daß er »Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung« weckt (Gal 5,22): Das sind die Früchte des Geistes, die aus dem Glauben hervorgehen.

Am Anfang dieser Aufzählung von Tugenden wird die Agape, die Liebe, genannt und am Schluß die Selbstbeherrschung. Tatsächlich gießt der Heilige Geist, der die Liebe des Vaters und des Sohnes ist, seine erste Gabe, die Agape, in unsere Herzen aus (vgl. Röm5,5); und um sich in ihrer Fülle zum Ausdruck zu bringen, erfordert die Agape, die Liebe, die Selbstbeherrschung. Von der Liebe des Vaters und des Sohnes, die uns erreicht und unser Dasein zutiefst verwandelt, habe ich auch in meiner ersten Enzyklika Deus caritas est gesprochen. Die Gläubigen wissen, daß in der gegenseitigen Liebe die Liebe Gottes und Christi durch den Heiligen Geist Fleisch annimmt. Kehren wir zum Brief an die Galater zurück. Hier sagt der hl. Paulus, daß die Gläubigen, wenn einer des anderen Last trägt, das Gebot der Liebe erfüllen (vgl. Gal 6,2). Nachdem wir durch das Geschenk des Glaubens an Christus gerechtfertigt sind, sind wir dazu berufen, in der Liebe Christi zum Nächsten zu leben, denn nach diesem Maßstab werden wir am Ende unseres Daseins gerichtet werden. In Wirklichkeit wiederholt Paulus nur das, was Jesus selbst gesagt hatte und was uns im Evangelium vom vergangenen Sonntag, nämlich im Gleichnis vom Letzten Gericht wieder vor Augen geführt wurde. Im Ersten Brief an die Korinther stimmt der hl. Paulus ein berühmtes Loblied auf die Liebe an. Es ist das sogenannte Hohelied der Liebe: »Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke … Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil…« (1 Kor 13,1.4–5). Die christliche Liebe ist äußerst anspruchsvoll, da sie aus der vollkommenen Liebe Christi zu uns hervorströmt: jener Liebe, die uns beansprucht, uns aufnimmt, umarmt und stützt, bis es uns gleichsam Schmerz bereitet, denn sie drängt jeden, nicht mehr für sich selber, verschlossen im eigenen Egoismus zu leben, sondern für den, »der für uns gestorben ist und auferweckt wurde« (vgl. 2 Kor 5,15). Die Liebe Christi läßt uns in ihm zu jener neuen Schöpfung werden (vgl. 2 Kor 5,17), die zu seinem mystischen Leib gehört, der die Kirche ist.

Aus dieser Sicht steht die zentrale Stellung der Rechtfertigung ohne die Werke – dem Hauptthema der Verkündigung des Paulus – nicht im Widerspruch zum Glauben, der in der Liebe tätig ist; ja, sie verlangt, daß dieser unser Glaube in einem Leben gemäß dem Geist seinen Ausdruck findet. Oft hat man eine unbegründete Gegenüberstellung der Theologie des hl. Paulus und jener des hl. Jakobus gesehen, der in seinem Brief schreibt: »Denn wie der Körper ohne den Geist tot ist, so ist auch der Glaube tot ohne Werke« (Jak 2,26). In Wirklichkeit verhält sich die Sache so: Während Paulus sich vor allem zu zeigen bemüht, daß der Glaube an Christus notwendig und ausreichend ist, legt Jakobus den Akzent auf die daraus folgenden Beziehungen zwischen dem Glauben und den Werken (vgl. Jak 2,2–4). Somit bezeugt der Glaube, der in der Liebe tätig ist, sowohl für den hl. Paulus wie für Jakobus das unentgeltliche Geschenk der Rechtfertigung in Christus. Das in Christus empfangene Heil muß »mit Furcht und Zittern« bewahrt und bezeugt werden. »Denn Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen nach seinem Plan der Liebe bewirkt, noch über euren guten Willen hinaus… Tut alles ohne Murren und Bedenken… Haltet fest am Wort des Lebens«, wird der hl. Paulus auch den Christen von Philippi sagen (vgl. Phil 2,12–14.16).

Oft sind wir versucht, in dieselben Mißverständnisse zu verfallen, wie sie für die Gemeinde von Korinth charakteristisch waren: Jene Christen dachten, daß ihnen, da sie unentgeltlich in Christus durch den Glauben gerechtfertigt waren, »alles erlaubt sei«. Und sie dachten – und oft scheint es, als würden auch Christen von heute so denken –, daß es erlaubt sei, Spaltungen in der Kirche, im Leib Christi, hervorzurufen, die Eucharistie zu feiern, ohne sich um die bedürftigsten Brüder und Schwestern zu kümmern und nach den erhabensten Charismen zu streben, ohne sich im klaren zu sein, daß die einen Glieder der anderen sind und so weiter. Verheerend sind die Folgen eines Glaubens, der nicht in der Liebe Fleisch annimmt, denn er wird zur Willkür und zum Subjektivismus, der für uns und die Brüder am schädlichsten ist. Im Gegensatz dazu müssen wir uns in der Nachfolge des hl. Paulus aufs neue der Tatsache bewußt werden, daß wir, gerade weil wir in Christus gerechtfertigt sind, nicht mehr uns selbst gehören, sondern Tempel des Geistes geworden und daher berufen sind, Gott in unserem Leib mit unserer ganzen Existenz zu verherrlichen (vgl. 1 Kor 6,19). Es wäre ein Verschleudern des unschätzbaren Wertes der Rechtfertigung, würden wir nicht Christus, durch dessen Blut wir um einen hohen Preis losgekauft worden sind, mit unserem Leib verherrlichen. In Wirklichkeit ist gerade dies unser »vernünftiger« und zugleich »geistlicher« Gottesdienst, weshalb wir von Paulus ermahnt werden, »uns selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt« (Röm 12,1). Wozu würde eine Liturgie verkürzt werden, die nur auf den Herrn ausgerichtet ist, ohne gleichzeitig Dienst an den Brüdern und Schwestern zu sein? Was wäre ein Glaube, der nicht in der Liebe zum Ausdruck kommt? Der Apostel konfrontiert seine Gemeinden oft mit dem Weltgericht, bei dem »wir alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden [müssen], damit jeder seinen Lohn empfängt für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat« (2 Kor 5,10; vgl. auch Röm 2,16). Und dieser Gedanke an das Gericht muß uns in unserem Alltagsleben erleuchten.

Wenn die Ethik, die Paulus den Gläubigen vorschlägt, nicht auf eine Art Moralismus reduziert wird und sich für uns als aktuell erweist, dann deshalb, weil sie immer von der persönlichen und gemeinschaftlichen Beziehung zu Christus ausgeht, um sich im Leben nach dem Heiligen Geist zu bewahrheiten. Das ist wesentlich: Die christliche Ethik entsteht nicht aus einem System von Geboten, sondern sie ist die Folge unserer Freundschaft mit Christus. Diese Freundschaft beeinflußt das Leben: Wenn sie wahr ist, nimmt sie in der Liebe zum Nächsten Fleisch an und verwirklicht sich in ihr. Deshalb beschränkt sich jeder ethische Verfall nicht auf die individuelle Sphäre, sondern ist gleichzeitig Abwertung des persönlichen und gemeinschaftlichen Glaubens: Der Verfall geht aus dieser Abwertung hervor und beeinflußt sie entscheidend. Lassen wir uns also von der Versöhnung erreichen, die Gott uns in Christus geschenkt hat, von der »verrückten« Liebe Gottes zu uns: Nichts und niemand wird uns je von seiner Liebe scheiden können (vgl. Röm 8,39). In dieser Gewißheit leben wir. Diese Gewißheit schenkt uns die Kraft, den Glauben, der in der Liebe wirkt, konkret zu leben.

In der letzten Mittwochskatechese habe ich begonnen, die Lehre des heiligen Paulus über die Rechtfertigung vorzustellen. Heute wollen wir darüber nachdenken, was das Gerechtsein durch den Glauben und das Wirken des Heiligen Geistes in unserem Leben konkret bedeuten und welche Folgen daraus erwachsen. Die theologische Diskussion hat dabei mitunter zwei Ebenen miteinander vermengt: einerseits sind die eigenen Werke nicht relevant, um das Heil zu erlangen, andererseits bringt die Rechtfertigung in uns aber Haltungen als Früchte des Heiligen Geistes hervor. Zu diesen Früchten zählen Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung (vgl. Gal 5, 22f). Den ersten Platz nimmt hier die Liebe ein, die durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen ist (vgl. Röm 5, 5). Mit dem Geschenk des Glaubens an Christus sind wir auch berufen, in der Liebe Christi für den Nächsten zu leben und danach zu handeln. An diesem Maßstab wird unser Leben am Ende beurteilt werden. Es kann keinen Widerspruch zwischen Glauben und Werken geben: Der Glaube ist in der Liebe wirksam. Er bewährt sich in den Werken und bezeugt so das freie Geschenk der Rechtfertigung in Christus. Zudem gehören wir durch die Rechtfertigung in Christus nicht mehr uns selbst, sondern wir sind zum Tempel des Heiligen Geistes geworden und sollen Gott mit unserem ganzen Dasein die Ehre geben (vgl. 1 Kor 6, 19) in einem Leben, das dem Geist entspricht. Nichts und niemand kann uns von der Liebe Christi scheiden (vgl. Röm 8, 39), die uns in die Lage versetzt, wahre Früchte des Geistes hervorzubringen.

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Siehe dazu auch:

Näheres zum Programm der Schwedenreise

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Dom zu Lund, Schweden / Wikimedia Commons – Väsk, CC BY-SA 3.0

Papst Franziskus bleibt nun zwei Tage

Der bevorstehende Papstbesuch in Schweden wird nun voraussichtlich zwei Tage dauern. Am 31. Oktober ist in Lund, wie bereits bekannt wurde, eine gemeinsame lutherisch-katholische  Gedenkfeier aus Anlass des 500. Jahrestags der Reformation geplant. Nach der Liturgie in der Kathedrale wird eine öffentliche Veranstaltung im Stadion von Malmö stattfinden, das derzeit restauriert wird. Am Allerheiligenfest wird Franziskus die katholische Gemeinschaft treffen und mit ihr die Eucharistie feiern. Dies kündigte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi an. Das ausführliche Programm werde noch vorbereitet. Eine gemeinsame Erklärung des Lutherischen Weltbundes (LWB) und des Vatikans liste einige Details der Ereignisse auf.

In der Kathedrale von Lund wird ein gemeinsames Gebet stattfinden, das wiederum auf dem Dokument mit dem Titel „Vom Konflikt zu Gemeinschaft“ basiert. Im Malmö-Stadion wird es um das gemeinsame Zeugnis und den gemeinsamen Dienst von Katholiken und Lutheranern in der Welt gehen. Bei dieser Gelegenheit werden sie die wichtigsten Aspekte der gemeinsamen Arbeit von LWB (Lutherischen Weltbund) und Caritas Internationalis betrachten, wie die Betreuung der Flüchtlinge, den Friedensdienst und die Verteidigung der Klimagerechtigkeit. Franziskus wird mit dem Präsidenten des Weltbundes, Bischof Munib A. Younan, sowie Pfarrer Martin Junge, dem Generalsekretär, die Zeremonie des gemeinsamen Gebetes begehen. Mit dabei sind auch die Leiter der Kirche von Schweden und der katholischen Diözese von Stockholm.

Die beiden Veranstaltungen sollen den seit 50 Jahren laufenden ökumenischen Dialog zwischen Katholiken und Lutheranern aufzeigen sowie die Gaben, die aus dieser Zusammenarbeit erwachsen sind, betonen. Es soll dabei auch wegen der Trennung der Christen um Vergebung gebeten werden. Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, unterstrich, dass sich beide Seiten im Christus-zentrierten Ansatz treffen. Die Begegnung finde nicht aus rein pragmatischen Gründen statt, jedoch im tiefen Sinn des Glaubens an den gekreuzigten und auferstandenen Christus.

„Wir freuen uns auf diese Veranstaltung, an der 10.000 Menschen teilnehmen werden“, antwortete die Erzbischöfin der Schwedischen Kirche Antje Jackelen. „Die Idee hinter der Veranstaltung Malmö Arena ist, die Entwicklung vom Konflikt zur Gemeinschaft in der Hoffnung auf die Zukunft und konzentriert auf den gemeinsamen Dienst in der Welt zu beschreiben.“ Und Bischof Anders Arborelius der katholischen Diözese von Stockholm fügte hinzu: „Es wird wirklich eine neue  in der Geschichte geschrieben, wenn Papst Franziskus und die Führer des Lutherischen Weltbundes  Lund und Malmö besuchen und uns alle dazu ermutigen, den Weg zur Einheit der Christen fortzusetzen.“ (mk)

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Der fundamentalistische Umgang mit der Heiligen Schrift

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Die fundamentalistische Verwendung der Bibel geht davon aus, daß die Heilige Schrift – das inspirierte Wort Gottes und frei von jeglichem Irrtum – wortwörtlich gilt und bis in alle Einzelheiten wortwörtlich interpretiert werden muß. Mit solcher „wortwörtlicher Interpretation“ meint sie eine unmittelbare buchstäbliche Auslegung, d.h. eine Interpretation, die jede Bemühung, die Bibel in ihrem geschichtlichen Wachstum und in ihrer Entwicklung zu verstehen, von vorneherein ausschließt. Eine solche Art, die Bibel zu lesen, steht im Gegensatz zur historisch-kritischen Methode, aber auch zu jeder anderen wissenschaftlichen Interpretationsmethode der Heiligen Schrift.

Der fundamentalistische Umgang mit der Heiligen Schrift hat seine Wurzeln in der Zeit der Reformation, wo man dafür kämpfte, dem Literalsinn der Heiligen Schrift treu zu bleiben. Nach der Aufklärung erschien diese Art, die Bibel zu lesen, im Protestantismus als Reaktion auf die liberale Exegese. Der Begriff „fundamentalistisch“ wurde auf dem Amerikanischen Bibelkongreß geprägt, der 1895 in Niagara im Staate New York stattfand. Die konservativen protestantischen Exegeten legten damals „fünf Punkte des Fundamentalismus“ fest: die Lehre von der wörtlichen Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift, der Gottheit Christi, der jungfräulichen Geburt Jesu, der stellvertretenden Sühne Jesu und der körperlichen Auferstehung bei der Wiederkunft Christi. Als der fundamentalistische Umgang mit der Bibel sich in anderen Weltteilen ausbreitete, führte er in Europa, Asien, Afrika und Südamerika zu weiteren Spielarten, die alle auch die Bibel „buchstäblich“ lesen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fand der fundamentalistische Gebrauch der Bibel in religiösen Gruppen und Sekten wie auch unter den Katholiken immer mehr Anhänger.

Obschon der Fundamentalismus mit Recht auf der göttlichen Inspiration der Bibel, der Irrtumslosigkeit des Wortes Gottes und den anderen biblischen Wahrheiten insistiert, die in den fünf genannten Grundsätzen enthalten sind, so wurzelt seine Art, diese Wahrheiten darzulegen, doch in einer Ideologie, die nicht biblisch ist, mögen ihre Vertreter auch noch so sehr das Gegenteil behaupten. Denn diese verlangt ein totales Einverständnis mit starren doktrinären Haltungen und fordert als einzige Quelle der Lehre im Hinblick auf das christliche Leben und Heil eine Lektüre der Bibel, die jegliches kritisches Fragen und Forschen ablehnt.

Das Grundproblem dieses fundamentalistischen Umgangs mit der Heiligen Sch rift besteht darin, daß er den geschichtlichen Charakter der biblischen Offenbarung ablehnt und daher unfähig wird, die Wahrheit der Menschwerdung selbst voll anzunehmen. Für den Fundamentalismus ist die enge Verbindung zwischen Göttlichem und Menschlichem in der Beziehung zu Gott ein Ärgernis. Er weigert sich zuzugeben, daß das inspirierte Wort Gottes in menschlicher Sprache ausgedrückt und unter göttlicher Inspiration von menschlichen Autoren niedergeschrieben wurde, deren Fähigkeiten und Mittel beschränkt waren. Er hat deshalb die Tendenz, den biblischen Text so zu behandeln, als ob er vom Heiligen Geist wortwörtlich diktiert worden wäre. Er sieht nicht, daß das Wort Gottes in einer Sprache und in einem Stil formuliert worden ist, die durch die jeweilige Epoche der Texte bedingt sind. Er schenkt den literarischen Gattungen und der menschlichen Denkart, wie sie in den biblischen Texten vorliegen, keinerlei Beachtung, obschon sie Frucht einer sich über mehrere Zeitepochen erstreckenden Erarbeitung sind und Spuren ganz verschiedener historischer Situationen tragen.

Der Fundamentalismus betont über Gebühr die Irrtumslosigkeit in Einzelheiten der biblischen Texte, besonders was historische Fakten oder sogenannte wissenschaftliche Wahrheiten betrifft. Oft faßt er als geschichtlich auf, was gar nicht den Anspruch auf Historizität erhebt; denn für den Fundamentalismus ist alles geschichtlich, was in der Vergangenheitsform berichtet oder erzählt wird, ohne daß er auch nur der Möglichkeit eines symbolischen oder figurativen Sinnes die notwendige Beachtung schenkt.

Der Fundamentalismus hat oftmals die Tendenz, die Probleme des biblischen Textes in seiner hebräischen, aramäischen oder griechischen Sprachgestalt zu ignorieren. Nicht selten ist er eng an eine bestimmte, alte oder neue Übersetzung gebunden. Auch geht er nicht auf die Tatsache von „relectures“ in gewissen Abschnitten innerhalb der Bibel selbst ein.

Was die Evangelien anlangt, so trägt der Fundamentalismus dem Wachsen der Tradition der Evangelien keine Rechnung, sondern verwechselt naiv den Endtext dieser Tradition (das, was von den Evangelisten geschrieben wurde) mit ihrer Erstform (die Taten und Worte des geschichtlichen Jesus). Zugleich vernachlässigt er eine wichtige Dimension: die Art und Weise, wie die ersten christlichen Gemeinden selbst die Wirkung von Jesus und seiner Botschaft verstanden haben. Dabei bezeugt gerade dieses urchristliche Verständnis die apostolische Herkunft des christlichen Glaubens und ist ihr direkter Ausdruck. Der Fundamentalismus macht so den vom Evangelium selbst intendierten Anspruch unkenntlich.

Dem Fundamentalismus kann man auch eine Tendenz zu geistiger Enge nicht absprechen. Er erachtet z.B. eine alte vergangene Kosmologie, weil man sie in der Bibel findet, als übereinstimmend mit der Realität. Dies verhindert jeglichen Dialog mit einer offenen Auffassung der Beziehungen zwischen Kultur und Glauben. Er stützt sich auf eine unkritische Interpretation gewisser Bibeltexte, um politische Ideen und soziales Verhalten zu rechtfertigen, das von Vorurteilen gekennzeichnet ist, die ganz einfach im klaren Gegensatz zum Evangelium stehen, wie z.B. Rassendiskrimination und dgl. mehr.

Und schließlich trennt der Fundamentalismus die Interpretation der Bibel von der Tradition, weil er auf dem Prinzip der „sola Scriptura“ beruht. Die Tradition, die vom Geist Gottes geführt wird, entwickelt sich jedoch innerhalb der Glaubensgemeinschaft organisch aus der Heiligen Schrift heraus. Es fehlt dem Fundamentalismus die Erkenntnis, daß das Neue Testament in der christlichen Kirche entstanden ist und daß es Heilige Schrift dieser Kirche ist, deren Existenz der Abfassung ihrer Schriften schon vorausging. Aus diesem Grund ist der Fundamentalismus oft „antikirchlich“. Er erachtet die Glaubensbekenntnisse, die Dogmen und das liturgische Leben, die Teil der kirchlichen Tradition geworden sind, als nebensächlich. Das Gleiche gilt für die Lehrfunktion der Kirche selbst. Er stellt sich als eine Form privater Interpretation dar, die nicht erkennt, daß die Kirche auf der Bibel gründet und ihr Leben und ihre Inspiration aus den heiligen Schriften bezieht.

Der fundamentalistische Zugang ist gefährlich, denn er zieht Personen an, die auf ihre Lebensprobleme biblische Antworten suchen. Er kann sie täuschen, indem er ihnen fromme, aber illusorische Interpretationen anbietet, statt ihnen zu sagen, daß die Bibel nicht unbedingt sofortige, direkte Antworten auf jedes dieser Probleme bereithält. Ohne es zu sagen, lädt der Fundamentalismus doch zu einer Form der Selbstaufgabe des Denkens ein. Er gibt eine trügerische Sicherheit, indem er unbewußt die menschlichen Grenzen der biblischen Botschaft mit dem göttlichen Inhalt dieser Botschaft verwechselt.

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Papst emeritus Benedikt XVI.: „Die Trennung macht uns traurig“

 

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Papst Benedikt XVI. ruft eindringlich zu neuen Anstrengungen in der Ökumene auf. Bei seinem Besuch in der deutschen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Rom am Sonntagabend sagte er, dass die konfessionelle Trennung den Christen „innerlich unruhig“ mache, so der Papst.

„Dass wir Christen durch den geteilten Weg das Zeugnis für Christus verdunkeln, dass wir nicht den gleichen Kelch trinken können, nicht am gleichen Altar stehen, muss uns mit Trauer erfüllen.“

Papst Benedikt XVI. sprach mit erkältungsrauer, doch fester Stimme von der lutherischen Kanzel herab. Deutlich wies das katholische Kirchenoberhaupt darauf hin, dass christliche Wiedervereinigung nicht von oben herab beschlossen werden kann.

„Eine Einheit, die wir selbst aushandeln würden, wäre menschengemacht, und so brüchig wie alles, was Menschen machen. Das Ende der Trennung kann nur von Gott kommen, und statt über einen Stillstand der Ökumene zu klagen, sollen wir dankbar sein, dass es so viel Einheit gibt.“

Letztlich könne nur Gott selbst die Einheit schenken, betonte der Papst.

„Wir überlassen Ihm, dass er uns wirklich ganz zur Einheit führt, die wir in dieser Stunde mit aller Dringlichkeit zu Ihm beten.“

Es handelte sich um den ersten Besuch Benedikts in einem lutherischen Gotteshaus. Die spätwilhelminische Christuskirche nahe Villa Borghese ist geistliches Zentrum für rund 350 deutschsprachige Lutheraner in Rom.

(rv 15.03.2010 mg)

Predigt des Erzbischofs Lefebvre zur Primizmesse eines Konvertiten

Einer der dreizehn [am 29. Juni 1976] Neugeweihten, der Abbé Denis Roch, feierte eine Woche später [5. Juli 1976] seine Primiz in Genf in einem gemieteten Saal. Die Predigt des Erzbischofs ist deshalb so wichtig, weil Roch ein Konvertit ist und Lefebvre vor protestantischen Zuhörern den heute üblichen kriminellen Unfug des »Ökumenismus« mit Charme und Würde ad absurdum führte.

Erzbischof Marcel Lefebvre

Erzbischof Marcel Lefebvre

Mein lieber Herr Abbé, meine lieben Freunde, meine lieben Brüder!
Ihre erste heilige Messe hätte wirklich nicht in dieser Ausstellungshalle stattfinden sollen. Für Sie, ein Kind dieser schönen Stadt Genf, gibt es eine schöne und große Kirche, in der Sie diese den Herzen aller Katholiken von Genf so teure heilige Messe hätten feiern sollen. Aber, nachdem die Vorsehung es anders bestimmt hat, stehen Sie heute hier vor Ihren vielen Freunden, Ihren Verwandten, vor denen, die an Ihrer Freude teilnehmen wollen, an der Ehre, die Ihnen der liebe Gott erwiesen hat, Sein Priester zu sein, Sein Priester in Ewigkeit. Die Geschichte Ihrer Berufung ist ein ganzes Programm, und ich möchte sagen, daß sie unser Programm ist.
Sie sind in dieser Stadt Genf als Kind protestantischer Eltern geboren und wurden in Ihrer Kindheit und in ihrer Jugend in der protestantischen Religion unterwiesen. Sie haben mit ausgezeichnetem Erfolg studiert. Sie hatten einen Beruf, der es Ihnen ermöglicht hätte, alles zu erreichen, was man auf dieser Welt nur wünschen kann. Und siehe da, auf einmal haben Sie sich, berührt von der Gnade Gottes, durch die Hilfe der Allerseligsten Jungfrau Maria und durch das Wirken eben dieser Gnade plötzlich entschlossen, sich der wahren Kirche, der katholischen Kirche, zuzuwenden. Und sie wollten nicht nur katholisch werden, Sie wollten Priester Werden. Ich sehe Sie noch, wie Sie das erste Mal nach Ecône kamen. Und ich gestehe, daß ich Sie nicht ohne eine gewisse Besorgnis aufnahm. Ich fragte mich, ob dieser rasche Übergang von der protestantischen Religion zum Wunsch, katholischer Priester zu werden, nicht nur eine Begeisterung ohne Zukunft sei. Und darum verbrachten Sie auch einige Zeit in Ecône, um über Ihren Wunsch und die Begeisterung für das Priestertum noch tiefer nachzudenken. Wir alle haben die Ausdauer bewundert, Ihren Willen, das Ziel zu erreichen, trotz Ihres Alters, trotz eines gewissen Mangels an besonderer Eignung für die kirchlichen Studien, für das Studium der Philosophie, der Theologie, der Heiligen Schrift und des kanonischen Rechts. Sie waren eher ein Naturwissenschaftler. Und nun haben Sie mit der Hilfe Gottes, nach all diesen Jahren des Studiums in Ecône die Gnade der Priesterweihe empfangen.
Ich glaube, daß es für jemanden, dem diese Gnade nicht verliehen wurde, sehr schwer ist, sich vorzustellen, was diese Gnade des Priestertums überhaupt ist. Wie ich es Ihnen schon vor einigen Tagen bei der Priesterweihe gesagt habe, können Sie jetzt nicht mehr sagen, daß Sie ein Mensch wie alle anderen sind. Das wäre nicht wahr. Sie sind nicht mehr ein Mensch wie alle anderen. Sie sind von nun an von Ihrem neuen Charakter gezeichnet, von Ihrem priesterlichen Charakter, der etwas Ontologisches ist, etwas, das Ihre Seele kennzeichnet und Sie über die Gläubigen erhebt. Und ob Sie nun ein Heiliger sein werden oder, was Gott nicht zulassen möge, einer von jenen Priestern, die in der Hölle sind, Sie werden diesen priesterlichen Charakter immer behalten. Dieser Charakter vereint Sie mit Unserem Herrn Jesus Christus, mit Seinem Priestertum auf eine ganz besondere Weise, läßt Sie einen Anteil an der Einheit haben, den die Gläubigen nie haben können. Und das erlaubt es Ihnen und wird es Ihnen in wenigen Augenblicken erlauben, die Wandlungsworte der heiligen Messe zu sprechen und Gott in gewisser Weise Ihrem Befehl, ihren Worten gehorchen zu lassen. Auf Ihre Worte wird Jesus Christus selbst, leiblich und wesentlich unter den Gestalten von Brot und Wein herabkommen. Er wird auf dem Altar gegenwärtig sein und Sie werden Ihn anbeten. Sie werden niederknien, um Ihn anzubeten, die Gegenwart Unseres Herrn Jesus Christus anzubeten. Das ist es, was den Priester ausmacht. Welche außerordentliche Wirklichkeit! Wir müßten im Himmel sein. Und werden wir selbst im Himmel verstehen, was ein Priester ist? Sagte nicht der heilige Augustinus: >Wenn ich vor einem Priester und vor einem Engel stünde, ich würde zuerst den Priester und dann den Engel grüßen.< Und so sind Sie jetzt, so ein Priester geworden. Wenn ich sage, daß die Geschichte Ihrer Berufung ein ganzes Programm ist, unser Programm, so ist das zutiefst wahr. Deshalb, weil wir den katholischen Glauben haben. Wir haben keine Angst, unseren Glauben zu bekennen. Und ich denke, daß unsere protestantischen Freunde, die vielleicht hier in dieser Versammlung sind, uns zustimmen. Uns zustimmen: sie haben das Bedürfnis, Katholiken neben sich zu wissen, die katholisch sind, und nicht Katholiken, die vorgeben, mit ihnen in allen Punkten ihres Glaubens völlig einer Meinung zu sein. Man täuscht seine Feunde nicht. Wir können unsere protestantischen Freunde nicht täuschen. Wir sind katholisch. Wir bekennen unseren Glauben an die Gottheit Unseres Herrn Jesus Christus. Wir bekennen unseren Glauben an die Göttlichkeit der heiligen katholischen Kirche. Wir glauben, daß Jesus Christus der einzige Weg, die einzige Wahrheit und das einzige Leben ist und daß man sich ohne Unseren Herrn Jesus Christus nicht retten kann und daher auch nicht außerhalb Seiner mystischen Braut, der heiligen katholischen Kirche. Ohne Zweifel gewährt Gott auch außerhalb der katholischen Kirche Gnaden. Aber auch diejenigen, die sich außerhalb der katholischen Kirche retten, retten sich durch die katholische Kirche, durch Unseren Herrn Jesus Christus, selbst wenn sie es nicht wissen, selbst wenn es ihnen nicht zu Bewußtsein kommt. Denn Unser Herr Jesus Christus hat gesagt: » Ohne Mich könnt ihr nichts machen. Nihil potestis facere sine me. Ihr könnt nicht zum Vater kommen, außer durch Mich. Ihr könnt also nicht zu Gott kommen, außer durch Mich. Wenn Ich auf der Erde erhöht sein werde«, sagt Unser Herr Jesus Christus, das heißt, wenn Er am Kreuz sein wird, »werde Ich alle Seelen an Mich ziehen. « Nur Unser Herr Jesus Christus konnte solches sagen, weil er Gott ist. Kein Mensch auf dieser Erde kann sprechen, wie Unser Herr Jesus Christus gesprochen hat, weil nur Er allein der Sohn Gottes ist. Er ist Unser Gott. Tu solus sanctissimus. Tu solus Dominus. Er ist Unser Herr. Er ist der Höchste, Unser Herr Jesus Christus. Und darum besteht Ecône weiter. Darum existiert Ecône. Weil wir glauben, was die Katholiken gelehrt haben, was die Päpste gelehrt haben, was die Konzile während zwanzig Jahrhunderten gelehrt haben. Es ist uns nicht möglich, das alles fallen zu lassen. Es ist uns nicht möglich, den Glauben zu wechseln. Wir haben unser Credo und wir werden es bis zu unserem Tod behalten. Es ist nicht möglich, daß wir das Credo ändern. Es ist nicht möglich, daß wir das heilige Me ßopfer ändern. Es ist nicht möglich, daß wir unsere Sakramente ändern und uns daraus rein menschliche Werke machen, rein menschliche Werke, die nicht mehr die Gnade Unseres Herrn Jesus Christus vermitteln. Es ist nicht möglich, weil wir mit Recht fühlen und überzeugt sind, daß in der Kirche seit fünfzehn Jahren etwas verdorben ist. In der Kirche ist etwas geschehen: Bis in die höchste Spitze der Kirche und unter jene, die unseren Glauben verteidigen sollten, ist ein Virus eingedrungen, ein Gift, das bewirkte, daß sie das goldene Kalb des Jahrhunderts anbeten, daß sie gewissermaßen Irrtümer dieses Jahrhunderts anbeten. Um der Welt beizupflichten, wollte man auch ihren Irrtümern beipflichten. Durch die Öffnung zur Welt wollte man sich auch den Irrtümern der Welt öffnen. Diese Irrtümer, die zum Beispiel besagen, daß alle Religionen einander gleichwertig sind, die können wir nicht akzeptieren. Diese Irrtümer, die besagen, daß das Königtum Unseres Herrn Jesus Christus auf Erden heute eine unmögliche Forderung ist und man nicht mehr trachten soll, sie zu verwirklichen, die nehmen wir nicht hin. Selbst wenn das Königtum Jesu Christi mühsam zu erreichen ist, wir wollen es, wir suchen es. Wir sagen es jeden Tag im Vater Unser: Zu uns komme Dein Reich, Dein Wille geschehe, auf der Erde wie im Himmel — wie im Himmel. Sein Wille geschehe hier auf Erden, wie er im Himmel geschieht. Stellen Sie sich vor, was es bedeuten würde, wenn wirklich der Wille Gottes hier auf Erden geschähe, wie er im Himmel geschieht. Die Erde wäre ein Paradies. Das wäre das Königtum Unseres Herrn, das wir suchen, das wir aus allen Kräften wollen, selbst wenn wir es nie erreichen können. Und weil Gott es von uns verlangt, auch wenn wir für dieses Königtum unser Blut vergießen müßten: wir sind bereit! Und so sind diese Priester, die wir in Ecône heranbilden, Priester, die den katholischen Glauben haben, Priester, wie man sie immer gebildet hat.
Finden Sie es nicht unfaßbar, unglaublich, was sich, zum Beispiel in meinem Fall oder auch in Ihrem, ereignet hat? Ich bin seit bald fünfzig Jahren Priester und seit dreißig Jahren Bischof, also war ich schon lange vor dem Konzil Bischof, schon lange vor dem Konzil Priester. In meiner priesterlichen und bischöflichen Laufbahn hat man es mir zu Aufgabe gemacht, Priester heranzubilden. Zu Beginn, als ich als Missionar nach Gabun kam, war ich dem Seminar von Gabun in Äquatorialafrika zugeteilt und bildete Priester aus. Aus diesen Priestern ging sogar ein Bischof hervor. Dann ließ man mich nach Frankreich zurückkommen und beauftragte mich, im Seminar von Mortin bei den Vätern vom Heiligen Geist wieder damit, Seminaristen auszubilden. Dann kam ich als Bischof nach Dakar im Senegal. Auch dort bemühte ich mich, gute Priester heranzubilden, von denen zwei Bischöfe sind und einer vor kurzem zum Kardinal ernannt wurde. Unter den Seminaristen, die ich in Martin in Frankreich ausbildete, ist einer jetzt Bischof von Cayenne. Ich habe also unter meinen Schülern vier Bischöfe, von denen einer Kardinal ist. Ich bilde meine Seminaristen von Ecône genauso aus, wie ich meine Seminaristen immer, durch dreißig Jahre, ausgebildet habe. Und plötzlich sind wir verdammt, fast exkommuniziert, von der katholischen Kirche als der katholischen Kirche ungehorsam verworfen weil ich dasselbe mache, was ich seit dreißig Jahren getan habe.
In der heiligen Kirche ist irgend etwas geschehen. Sonst ist das nicht möglich. Ich habe die Ausbildung meiner Seminaristen um kein Jota geändert. Im Gegenteil, ich habe sie eher durch eine tiefere, stärkere Spiritualität ergänzt, weil mir schien, daß es den jungen Priestern an einer gewissen spirituellen Ausbildung mangelte. Eben weil viele ihr Priestertum preisgegeben haben. Leider haben sogar viele mit der Preisgabe ihres Priestertums der Welt ein unwahrscheinliches Ärgernis gegeben. So schien mir, daß man den Priestern eine tiefere, stärkere, ihren Mut festigende spirituelle Ausbildung geben müsse, damit sie den Schwierigkeiten dieses Jahrhunderts besser gewachsen seien. Und da werden wir nun verurteilt, sozusagen als Ungehorsame aus der Kirche ausgeschlossen. Ich muß sagen, daß ist absolut unbegreiflich. Daher muß etwas in der Kirche geschehen sein.
Seit dem Konzil und schon etwas vor dem Konzil, während des Konzils und während der Reformen wollte die Kirche eine neue Richtung einschlagen. Sie wollte neue Priester. Sie wollte ein neues Priestertum, einen neuen Priestertyp, wie man das genannt hat. Sie wollte ein neues Meßopfer haben oder sagen wir vielmehr eine neue Eucharistie. Sie wollte einen neuen Katechismus haben. Sie wollte neue Seminare haben. Sie wollte ihre Ordensgemeinschaften reformieren. Und wohin sind wir heute damit gekommen? Vor einigen Tagen habe ich in einer deutschen Zeitung gelesen, daß es in Deutschland seit einigen Jahren drei Millionen praktizierender Katholiken weniger gäbe. Der Kardinal Marty selbst, er, der uns auch verdammt, der Kardinal Marty, Erzbischof von Paris, hat gesagt, daß es in seiner Diözese seit dem Konzil 50% praktizierende Katholiken weniger gäbe. Wer wird da sagen, daß die Früchte des Konzils, wunderbare Früchte der Heiligkeit, des Eifers, der Ausbreitung der katholischen Kirche sind?! Man wollte die Irrtümer der Welt annehmen. Man wollte die Irrtümer annehmen, die durch den Liberalismus über uns kommen und die über uns kommen, man muß es leider sagen, von denen, die hier vor vierhundert Jahren gelebt haben, von diesen Reformatoren, die die liberalen Ideen über die ganze Welt verbreitet haben. Und diese Ideen sind nun in das Innere der Kirche eingedrungen. Dieses Ungeheuer, das jetzt im Inneren der Kirche sitzt, muß unbedingt eines Tages verschwinden, damit die Kirche ihr eigenes Wesen, ihre eigene Authentizität, ihre eigene Identität wiederfindet. Und das versuchen wir zu erreichen. Darum setzen wir unser Werk fort. Wir wollen keine Zerstörer der Kirche sein. Wenn wir aufhören, hätten wir die Sicherheit, die Überzeugung, daß wir die Kirche zerstören, wie jene, die von diesen falschen Ideen geprägt sind, im Begriff sind, sie zu zerstören. Wir wollen also am Aufbau der Kirche weiterarbeiten und wir können das nicht besser tun, als daß wir diese Priester, diese jungen Priester ausbilden. Möge die Gnade Gottes bewirken, daß sie heilige Priester sind, daß sie immer das Beispiel eines tiefen katholischen Glaubens geben, einer unerschöpflichen Nächstenliebe.
Ich glaube sagen zu können, daß wir es sind, die die wahre Nächstenliebe gegen die Protestanten haben, gegen alle, die nicht unseren Glauben haben. Wenn wir an unseren katholischen Glauben glauben, wenn wir überzeugt sind, daß der liebe Gott wirklich Seine Gnade der katholischen Kirche gegeben hat, dann haben wir auch das Verlangen, unsere Reichtümer mit unseren Freunden zu teilen, sie ihnen zu geben. Wenn wir davon überzeugt sind, daß wir die Wahrheit besitzen, dann müssen wir uns die größte Mühe geben, verständlich zu machen, daß diese Wahrheit auch unseren Freunden Segen bringt. Es ist ein Mangel an Nächstenliebe, seine Wahrheit zu verschleiern, die Reichtümer zu verschleiern, die man nicht aus sich hat, und sie nicht mit jenen, die sie nicht haben, zu teilen. Wozu sind die Missionen? Warum soll man in diese weit entfernten Länder ausziehen, um die Seelen zu bekehren, wenn nicht, weil man die Überzeugung hat, daß man die Wahrheit besitzt, weil man die Überzeugung hat, daß man die Gnaden, die man erhalten hat, mit jenen teilen kann, die sie noch nicht erhalten haben. Unser Herr hat doch gesagt: »Gehet hin und lehret alle Völker. Taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wer glaubt, der wird gerettet werden. Wer nicht glaubt, der wird verdammt werden. « So hat es Unser Herr gesagt. Auf diese Worte bauend setzen wir unser Apostolat fort. Und wir wollen mit unserem Apostolat nicht aufhören. Wir vertrauen auf die Vorsehung. Es ist nicht möglich, daß diese Situation der Kirche unbegrenzt fortdauert.
Heute Morgen lesen wir in der Epistel, die uns die heilige Kirche lesen läßt, die Geschichte von David und Goliath. Und ich dachte bei mir, sind wir nicht der kleine David mit seiner Schleuder und seinen paar Steinen, die er aus dem Bach holen ging, um diesen Goliath zu Fall zu bringen, der mit einer außerordentlichen Rüstung ausgestattet war und mit einem Schwert, geeignet, seinen Feind in zwei Stücke zu hauen. Wer weiß also, ob Ecône nicht jener kleine Stein ist, der da zuletzt doch Goliath vernichtete. Während dieser von sich selbst so eingenommen war, glaubte David an Gott. Er hat seinen Gott angerufen, bevor er Goliath angriff. Und das machen auch wir. Wir sind voller Vertrauen zum lieben Gott. Wir bitten Gott, uns zu helfen, diesen Riesen zu Fall zu bringen, der von sich selbst so eingenommen ist, der an seine Rüstung glaubt, der an seine Muskulatur glaubt, der an seine Waffen glaubt, das heißt, daß wir jene Menschen zu Fall bringen, die von sich selbst so eingenommen sind, die an ihre Wissenschaft glauben, die glauben, daß sie es erreichen werden, die Welt durch menschliche Mittel zu bekehren. Wir aber setzen unser Vertrauen auf Gott und hoffen, daß dieser Goliath, der in das Innere der Kirche eingedrungen ist, eines Tages zu Fall gebracht sein wird und daß die Kirche wirklich ihre Authentizität wiederfinden wird, ihre Wahrheit, so wie sie sie immer hatte. Oh, sie hat sie immer, die Kirche, sie kann nicht zu Grunde gehen. Und wir hoffen mit Recht, zu dieser Lebenskraft der Kirche, zu dieser Kontinuität der Kirche etwas beizutragen. Ich bin vollkommen überzeugt, daß diese jungen Priester die Kirche fortsetzen werden. Das verlangen wir von ihnen. Und wir sind überzeugt, daß es ihnen mit der Gnade Gottes und mit der Hilfe der Allerseligsten Jungfrau Maria, der Mutter des Priestertums, gelingen wird.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.

Entnommen dem Buch „Revolution in der Kirche – Lefebvre und Rom“ von Rudolf Krämer-Badoni (1980 Verlagsbuchhandlung Herbig)

Lutherische Theologen über die katholische Marienverehrung

„In Lourdes, Fatima und anderen Marienheiligtümern stehen unparteiische Überprüfer übernatürlichen Tatsachen gegenüber, die eine innige Beziehung zur hl. Jungfrau Maria besitzen, sei es auf Grund von Erscheinungen oder auf Grund wunderbarer Gnaden, die von ihr erbeten und durch ihre Fürsprache erhalten wurden. Es sind dies Tatsachen, die jeder natürlichen Erklärung Trotz bieten. Bis heute wurden 1200 in Lourdes stattgefundene Heilungen, von Ärzten als wissenschaftlich unerklärbar, anerkannt. Die Katholische Kirche hat davon aber nur 44 als Wunder erklärt.“ – „Welchen tiefen Sinn im Plan Gottes haben diese Wundertaten? Es scheint, als wolle Gott dadurch auf radikale Weise auf die moderne Ungläubigkeit antworten. Wie kann ein Ungläubiger angesichts dieser Tatsachen im guten Glauben auf seiner Ungläubigkeit beharren? … Müssten diese Tatsachen uns nicht dazu führen, die Mutter Gottes in die Evangelische Kirche zurückzubringen? Sind sie nicht ein unwiderlegbarer Beweis für die Rolle, die Maria heute zu unserem Heil zugeteilt ist?
Heute steht die Existenz des christlichen Glaubens in diesem oder jenem Land auf dem Spiel. Es wäre ein Übermaß an Leichtsinnigkeit, die Stimme Gottes, die mit Hilfe von Maria zur Welt spricht, zu ignorieren und Ihm nur deshalb den Rücken zuzukehren, weil Er seine Stimme in der Katholischen Kirche erhebt … Indem man in den evangelischen Herzen die Verehrung der Madonna erstickt hat, hat man die zärtlichsten Gefühle der christlichen Frömmigkeit zerstört.“

Manifest einer Gruppe ostdeutscher, lutherischer Theologen aus dem Jahr 1971

Quelle: Gottesdienstordnung der Wallfahrtskirche Mariä Geburt St. Pelagiberg, Marienmonat Mai 2013, redigiert von P. Stefan Dreher, FSSP

Das Ave Maria eines Protestanten – (Eine wahre Geschichte)

Our Lady of Lourdes

ICH BIN DIE UNBEFLECKTE EMPFÄNGNIS

Ein kleiner sechsjähriger protestantischer Knabe hatte oft seine katholischen Kameraden das „Ave Maria“ beten gehört. Er liebte es so sehr, dass er es abschrieb, auswendig lernte und jeden Tag zu beten begann. „Schau, Mamma, was für ein wunderschönes Gebet“, sagte er zu seiner Mutter eines Tages.

„Sprich es nie mehr“, antwortete seine Mutter. „Es ist ein abergläubiges Gebet der Katholiken, die Idole anbeten und denken, Maria sei eine Göttin. Dabei ist sie doch eine Frau wie alle andern. Komm schon, nimm diese Bibel und lies darin. Sie enthält alles, was wir tun sollen und tun müssen.“ Von diesem Tage an hörte der kleine Knabe auf, sein tägliches „Ave Maria“ zu sagen und er nahm sich mehr Zeit, statt dessen die Bibel zu lesen.
Eines Tages, während er das Evangelium las, kam er auf den Abschnitt betreffend die Verkündigung des Engels an Unsere Liebe Frau. Voll Freude sprang der kleine Bub zu seiner Mutter und sagte: „Mamma, ich habe das „Ave Maria“ in der Bibel gefunden. Da heisst es: „Gegrüsst, Du Gnadenvolle, der Herr ist mit dir, gesegnet bist du unter allen Frauen.“ Warum nennst du es ein abergläubiges Gebet?“
Bei einer anderen Gelegenheit fand er jenen wunderschönen Gruss der heiligen Elisabeth an die Jungfrau Maria und das herrliche Lied MAGNIFICAT, in dem Maria vorhersagte, dass „alle Geschlechter sie Gesegnete heißen werden.“
Er sagte nichts mehr darüber zu seiner Mutter, aber begann, das „Ave Maria“ jeden Tag zu beten, wie vorher. Er fand Gefallen daran, diese bezaubernden Worte an die Mutter Jesu, unseres Erlösers, zu richten.
Als er vierzehn Jahre alt geworden war, hörte er eines Tages eine Diskussion über Unsere Liebe Frau unter den Mitgliedern seiner Familie. Ein jeder sagte, dass Maria eine ganz gewöhnliche Frau sei wie jede andere. Nachdem er sich ihre irrigen Vernünfteleien angehört hatte, konnte der Knabe es nicht mehr länger aushalten, und voll Missmut unterbrach er sie, indem er sprach:
„Maria ist nicht wie alle andern Kinder Adams, befleckt mit Sünde. Nein! Der Engel nannte sie VOLL DER GNADEN UND GESEGNET UNTER DEN FRAUEN. Maria ist die Mutter Jesu Christi und folglich Mutter Gottes. Es gibt keine höhere Würde, zu der ein Geschöpf erhoben werden kann. Das Evangelium sagt, dass alle Generationen sie als die Gesegnete verkünden würden und ihr versucht, sie zu verachten und auf sie herabzuschauen. Euer Geist ist nicht der Geist des Evangleiums oder der Bibel, von der ihr feierlich verkündet, dass sie das Fundament der christlichen Religon sei.“
So tief war der Eindruck, den die Rede des Knaben hinterliess, dass seine Mutter oftmals laut und traurig ausrief: „Oh mein Gott! Ich fürchte, dass dieser mein Sohn eines Tages zur katholischen Religion übertreten wird, der Relgion der Päpste!“ Und in der Tat, nicht sehr lange nachher, nachdem er ernsthafte Sutdien sowohl des Protestanismus als auch des Katholizismus gemacht hatte, fand der Knabe den letzteren als die einzig wahre Religion und umfing sie und wurde einer ihrer eifrigsten Apostel.
Eine Zeit nach seiner Bekehrung traf er seine verheiratete Schwester, die ihn schalt und entsetzt sagte: „Du hast keine Ahnung, wie sehr ich meine Kinder liebe. Aber sollte eines von ihnen das Verlangen habe, katholisch zu werden, würde ich eher sein Herz mit einem Messer durchbohren als ihm gestatten, die Religion der Päpste anzunehmen!“
Ihr Ärger und Wut waren so rasend wie jene des heiligen Paulus vor seiner Konversion. Jedoch, sie sollte ihr Gehabe ändern, wie es dem hl. Paulus auf seinem Weg nach Damsaskus ergangen ist. So geschah es, dass einer ihrer Söhne so gefährlich krank wurde, und dass die Ärzte die Hoffnung auf Genesung aufgaben. Ihr Bruder ging daraufhin auf sie zu und redete mit ihr liebevoll, indem er sagte: „Meine liebe Schwester, du wünschest sicherlich, dass Dein Kind geheilt werde. Nun denn, tue, was ich von dir verlange. Folge mir, lass uns ein „Ave Maria“ beten und Gott versprechen, dass du, wenn Dein Sohn gesund wird, ernsthaft die katholische Lehre studieren wirst, und solltest du zum Schlusse kommen, dass der Katholizismus die einzige wahre Religion ist, dass du sie annehmen wirst, was auch immer dies an Opfern kosten wird.“
Seine Schwester war anfänglich widerwillig, aber da sie so sehr die Genesung ihres Sohnes wünschte, nahm sie den Vorschlag ihres Bruders an und betete das „Ave Maria“ mit ihm zusammen. Am folgenden Tag war ihr Sohn vollstädig geheilt. Die Mutter erfüllte ihr Versprechen und sie studierte die katholische Lehre. Nach langer Vorbereitung empfing sie die Taufe zusammen mit ihrer ganzen Familie, und sie dankte ihrem Bruder, das er für sie ein Apostel war.
Die Geschichte wurde erzählt während einer Predigt gehalten von hochwürden Pater Tuckwell. „Bürder“, fuhr er fort, „der Knabe, der ein Katholik wurde und seine Schwester zum katholischen Glauben bekehrte, weihte sein ganzes Leben dem Dienste Gottes. Es ist der Priester, der zu Ihnen jetzt spricht! Was ich bin, verdanke ich Unserer Lieben Frau. Auch ihr, meine geliebten Brüder, seid auch ihr ganz hingegeben Unserer Lieben Frau und lasst nie einen Tag vergehen, ohne das schöne Gebet „Ave Maria“ und den Rosenkranz zu beten. Bittet sie, die Herzen der Potestanten zu erleuchten, die sich von der wahren Kirche Christi getrennt haben, die auf dem Felsen (Petrus) gebaut ist und ‚welche die Pforten der Hölle niemals überwältigen werden.‘