Die Konzilserklärung über die Religionsfreiheit – „Dignitatis Humanae“

Dignitatis Humanae“ will eine „Grundlegung der Religionsfreiheit, des Rechtes der Person und der Gemeinschaft auf gesellschaftliche und bürgerliche Freiheit in religiösen Belangen“ sein und es will diese Begründung auch „im Lichte der Offenbarung“ festigen.

Grundsätzlich falsch ist meines Erachtens aber schon einmal, dass die „Erklärung über die Religionsfreiheit“ voraussetzt, dass es nur noch den „laizistischen, säkularen Staat“ gibt, also den Staat, der getrennt ist von der Religion; denn nach Gottes Willen sollte Kirche und Staat idealerweise und immer (noch) möglichst weitgehend eine Einheit (einen Verbund) bilden (vgl. der vorchristliche Bund Gottes mit seinem auserwählten Volk und das Königtum Christi auf Erden).

„Dignitatis Humanae“ fußt auf falschen Prämissen und  ist  vom (neo-)modernistischen Geist durchseucht. Teile dieses Konzilsdokumentes sind zwar einigermaßen korrekt. Zum Beispiel Abschnitt 1 (Vorwort); treffend formuliert ist da der Passus: „Gott selbst hat dem Menschengeschlecht Kenntnis gegeben von dem Weg, auf dem die Menschen, ihm dienend, in Christus erlöst und selig werden können. Diese einzige wahre Religion, so glauben wir, ist verwirklicht in der katholischen, apostolischen Kirche, die von Jesus dem Herrn den Auftrag erhalten hat, sie unter allen Menschen zu verbreiten. Er sprach ja zu den Aposteln: ‚Gehet hin, und lehret alle Völker, taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe‘ (Mt 28,19-20). Alle Menschen sind ihrerseits verpflichtet, die Wahrheit, besonders in dem, was Gott und seine Kirche angeht, zu suchen und die erkannte Wahrheit aufzunehmen und zu bewahren.“ Gewiss, die „moralische Pflicht der Menschen und der Gesellschaften gegenüber der wahren Religion und der einzigen Kirche Christi“ berührt und bindet die Menschen in ihrem Gewissen, aber stimmt es, dass die Wahrheit anders nicht Anspruch erhebt als kraft der Wahrheit selbst, die sanft und zugleich stark den Geist durchdringt? Damit die Wahrheit die Menschen überhaupt in ihrem Gewissen berühren und binden kann, muss sie ihnen doch verkündet und gelehrt werden, muss sie also ihren Geist durchdringen. Und sie kann ihnen nur „beigebracht“ werden, wenn die Wahrheit frei, ohne Behinderung, verkündet und gelehrt werden kann. Die Unwahrheit und die Irrlehre aber behindern oder verunmöglichen sogar die Verkündigung und Lehre der Wahrheit. Die (meisten) Menschen, die in einer unwahren Religion aufwachsen und leben, suchen „die Wahrheit, besonders in dem, was Gott und seine Kirche angeht“ auch nicht. Sie halten ja ihre unwahre Religion für die wahre und die einzig wahre für die (eine) falsche. Religiöse Wahrheit und Unwahrheit dürfen also nicht auf die gleiche Stufe gestellt werden, dürfen somit (vom Anspruch der Wahrheit her) im öffentlichen Raum nicht die gleiche Freiheit genießen.

Im Abschnitt 4 finden wir die Passage: „Die Sozialnatur des Menschen erfordert aber, dass der Mensch innere Akte der Religion nach außen zum Ausdruck bringt, mit anderen in religiösen Dingen in Gemeinschaft steht und seine Religion gemeinschaftlich bekennt. Es geschieht also ein Unrecht gegen die menschliche Person und gegen die Ordnung selbst, in die die Menschen von Gott hineingestellt sind, wenn jemandem die freie Verwirklichung der Religion in der Gesellschaft verweigert wird, vorausgesetzt, dass die gerechte öffentliche Ordnung gewahrt bleibt“.

Erstens ist es falsch zu sagen, die Menschen seien von Gott „in die/eine Ordnung hineingestellt“. Es ist doch absurd zu behaupten, Gott habe uns in die herrschende Ordnung hineingestellt. Wir sind es, nicht Er, die es soweit gebracht haben, dass die meisten Menschen statt in eine gottgewollte Ordnung in eine gottfeindliche Unordnung hineingestellt werden. Zweitens ist auch hier „die gerechte öffentliche Ordnung“ nicht definiert. Gerecht ist eine öffentliche Ordnung nur dann, wenn sie den Gesetzen Gottes entspricht. Und drittens gibt es für (katholische) Christen nur eine (einzige) wahre Religion, nur eine Religion, die den Gesetzen Gottes entspricht [vgl. Abschnitt 1 DH: „Diese einzige wahre Religion, so glauben wir, ist verwirklicht in der katholischen, apostolischen Kirche, die von Jesus dem Herrn den Auftrag erhalten hat, sie unter allen Menschen zu verbreiten.“]. Mithin sind alle anderen sogenannten „Religionen“ unwahr; sie sind Bekenntnisse und gesellschaftliche Zusammenschlüsse, die dem Sein und Wollen und Wirken Gottes nicht entsprechen, sondern widersprechen; sie sind also ungerecht; sie können nicht dazu beitragen, „dass die gerechte öffentliche Ordnung gewahrt bleibt„.

Wenn also das Konzilsdokument die „freie Verwirklichung der Religion in der Gesellschaft“ schon allein davon abhängig macht, „dass die gerechte öffentliche Ordnung gewahrt bleibt“, um wieviel mehr gilt dann das bisher und von allem Anfang an von der katholischen Kirche immer bekannte und angewandte Prinzip: nur die Wahrheit hat ein Anrecht auf Freiheit; nur die wahre Religion mit dem wahren Sittengesetz kann zurecht den Anspruch auf freie Ausübung in der Gesellschaft erheben. Religiöse und moralische Irrlehre haben kein Anrecht, keinen Anspruch auf freie öffentliche Ausübung und Verbreitung. Es geschieht (also) kein Unrecht gegen die menschliche Person, wenn ihr die Verwirklichung von Widergöttlichem, von Gottsträflichem  in der Gesellschaft verweigert wird. Ihr wird ja überdies auch alles staatlich (gesellschaftlich), rein weltlich Gesetzeswidrige verweigert.

In Abschnitt 3 heißt es doch treffend: „Die höchste Norm des menschlichen Lebens ist das göttliche Gesetz selber, das ewige, objektive und universale, durch das Gott nach dem Ratschluss seiner Weisheit und Liebe die ganze Welt und die Wege der Menschengemeinschaft ordnet, leitet und regiert.“ Gott kann aber die Wege der Menschengemeinschaften nur ordnen, leiten und regieren, wenn oder insofern sie Seinem Widersacher nicht die Freiheit gewähren, Sein Ordnen, Leiten und Regieren zu stören und oder gar zu zerstören. Genau das aber tun die „Religionen“, die nicht von Gott sind, sondern (letztlich) von seinem Widerpart.

Gewiss „werden die (Grund-)Gebote des göttlichen Gesetzes vom Menschen (auch) durch die Vermittlung seines Gewissens erkannt und anerkannt“. Aber doch nur durch das von GOTT erleuchtete Gewissen und nicht durch das durch den Diabolos verfälschte, vergiftete, verfinsterte, abgestumpfte, verschüttete Gewissen. Der Mensch kann also – mindestens im öffentlichen Bereich – gezwungen werden, gegen sein irrendes Gewissen zu handeln und darf auch daran gehindert werden, gemäß seinem irregeführten Gewissen zu handeln. Und wer entscheidet, ob und inwieweit ein Gewissen gesund oder krank, gottesgesetz-konform oder gottesgesetz-widersprechend ist? Das Lehr- und Hirtenamt der Kirche Christi, der römisch-katholischen apostolischen Kirche, die autoritativ ihren Einfluss ausüben muss auf jede öffentliche Gesetzgebung.

Wie in unserem schon einleitend gesagt, ist es für Christen und namentlich für die Führerschaft der Christenheit völlig verfehlt, davon auszugehen, dass der „Staat“ weltanschauungsneutral zu sein hat. Der „Staat“ (der Staatsapparat) wird gebildet, verwaltet und geführt von Menschen. Und da GOTT der Schöpfer, Eigentümer, Erzieher, Lehrer und Richter aller Menschen ist, gibt es keine Menschen, die außerhalb Seiner Oberhoheit und Seines Einflusses stehen, die Ihm gegenüber „neutral“ sein können/dürfen, auch wenn sie im Dienste des Staates, also ihrer Mit-Menschen, ihre Funktion(en) ausüben. Der Wesenszweck der staatlichen Gewalt besteht nicht in der Sorge nur für das zeitliche Gemeinwohl, sondern in der Sorge für das umfassende Gemeinwohl mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, wobei das Gemeinwohl eben nicht auf ein zeitliches beschränkt werden kann. Das Wohl des Einzelnen wie das Gemein-Wohl umfasst immer das Gesamt-Wohl des Menschen: Leib und Seele, Zeit und Ewigkeit, Diesseits und Jenseits, Erde und Himmel. Jeder Staat, jede Gesellschaft besteht (ausschließlich) aus Menschen, die zum ewigen glückseligen Leben mit Gott berufen sind, und die – wenn sie dieses Ziel nicht anstreben und nicht erreichen – ein ewiges unseliges („un-wohles“, unheiles, unheiliges) Leben in Gottferne erleiden müssen. Der „Staat“ hat also die Aufgabe, mit seinen zeitlichen und irdischen Mitteln nebst der Ermöglichung eines geordneten, friedlichen, ersprießlichen Zusammenlebens das rechte, richtige, wahre religiöse (und sittliche) Leben der Bürger anzuerkennen, zu schützen, zu fördern, zu begünstigen und dementsprechend das falsche, irrige, schein- und anti-religiöse, gemein-schädliche Leben in der Öffentlichkeit möglichst zu verhindern und wenn nicht verhinderbar, höchstens (in Grenzen) zu tolerieren.

Die Sozialnatur des Menschen wie auch der Religion verlangt gewiss (religiöse) Gemeinschaft(en). Und den einzelnen Menschen kommt zwar die Freiheit als Freisein vom Zwang, „in religiösen Dingen“ (auch) nach ihrem irrigen Gewissen zu handeln, zu, aber nur persönlich und privat, nicht öffentlich. In Gemeinschaft und öffentlich zu agieren, darf ein nach Gottes Gesetzen konstituierter und geführter Staat jenen nicht gestatten, die Seine (Gottes) Gesetze und Gebote missachten und verachten. Das heißt: Gemeinschaften, die das ewige Heil behindern oder verhindern, steht nicht rechtens die Freiheit zu (wie es in DH Abschnitt 4 heißt), „sich gemäß ihren eigenen Normen zu leiten, der Gottheit in öffentlichem Kult Ehre zu erweisen, ihre Glieder durch Unterricht zu unterstützen und jene Einrichtungen zu fördern, in denen die Glieder zusammenarbeiten, um das eigene Leben nach ihren religösen Grundsätzen zu ordnen“; denn die „Gottheit“ falscher Religionen ist eben nicht die wirkliche, wahre Gottheit; sie ist immer eine (bloße) menschliche Einbildung, ein Phantasieprodukt, ein Zerrbild, ein Idol, ein Abgott, ein Götzenbild, und damit ist ein ihr geltender Kult nicht Verehrung „der Gottheit“, sondern Verunehrung des einzig wahren Gottes, ja letztlich (sträfliche) Gotteslästerung. In gleicher Weise steht solchen pseudoreligiösen Gemeinschaften auch nicht das Recht zu, „ihre eigenen Amtsträger auszuwählen, zu erziehen, zu ernennen und zu versetzen, mit religiösen Autoritäten und Gemeinschaften in anderen Teilen der Erde in Verbindung zu treten, religiöse Gebäude zu errichten und zweckentsprechende Güter zu erwerben und zu gebrauchen“. Und sie haben auch nicht das Recht, „keine Behinderung bei der öffentlichen Lehre und Bezeugung ihres Glaubens in Wort und Schrift zu erfahren“. Sie müssen nach Gottes Gesetz vielmehr mittels staaticher Vorschriften und Gesetze („durch Mittel der Gesetzgebung und durch verwaltungsrechtliche Maßnahmen“) daran gehindert werden.

Die Familie ist „eine Gesellschaft eigenen und ursprünglichen Rechtes“. Ihr steht tatsächlich das Recht zu, ihr häusliches religiöses Leben unter der Leitung der Eltern in Freiheit zu ordnen. Das gilt jedoch nur für die Familie, die diesen Namen verdient, die wirklich eine solche ist, nämlich eine Familie nach dem Willen und den Gesetzen Gottes, ihres Ursprungs. Eine Schein-Familie, eine Familie, die die göttlichen Kriterien nicht erfüllt, die den Anordnungen Gottes widerspricht, hat in einer gottgewollten und gottwohlgefälligen zivilen Ordnung kein eigenes und ursprüngliches Recht. Deren Eltern haben kein Recht, „die Art der religiösen Erziehung ihrer Kinder gemäß ihrer eigenen (irrigen) religiösen Überzeugung zu bestimmen, in Freiheit Schulen und andere Erziehungseinrichtungen zu wählen“. Und die Rechte solcher Eltern werden nicht verletzt, wenn deren Kinder „gezwungen werden, einen Schulunterricht zu besuchen, der der (irrigen) religiösen Überzeugung der Eltern nicht entspricht“; denn kein Mensch hat vor Gott das Recht, andere Menschen, auch die eigenen Kinder, zu verführen, vom Unterricht über die wahre Religion abzuhalten und auszuschließen.

Wie gesagt, es ist ein kapitaler Fehler, in einem christlichen, katholischen, vatikanischen, päpstlichen Dokument von „den Religionen“ zu sprechen, die im Kollektiv „der Religion“ zusammen gesehen und -beurteilt werden als ein Wert, ja Wertvolles, als ein Gut und Positivum, wie im Abschnitt 3: „Es geschieht also ein Unrecht gegen die menschliche Person und gegen die Ordnung selbst, in die die Menschen von Gott hineingestellt sind, wenn jemand(em) die freie Verwirklichung der Religion in der Gesellschaft verweigert wird…“ oder in Abschnitt 4: „Die Sozialnatur des Menschen wie auch der Religion selbst verlangt religiöse Gemeinschaften“ und: „Schließlich ist in der gesellschaftlichen Natur des Menschen und im Wesen der Religion selbst das Recht begründet, wonach Menschen aus ihrem eigenen religiösen Sinn sich frei versammeln oder Vereinigungen für Erziehung, Kultur, Caritas und soziales Leben schaffen können“.

Denn „im Wesen der Religion selbst“ ist ihre Einzigkeit begründet wie auch im Wesen Gottes Seine Einzigkeit begründet ist. Es gibt folglich nur eine einzige Religion, die wesentlich Religion ist, das heißt: übernatürlicher Lebensstrom von Gott zum Menschen und vom Menschen zu Gott. Und diese eine und einzige wahre Religion darf nicht auf ihre unwesentlichen, nurmenschlichen, bloßnatürlichen, irdischen Konstrukte und Pseudo- und Nachahmerprodukte herabgestuft und ihnen gleichgestellt werden. Die Menschen können „aus ihrem eigenen religiösen Sinn“ die Religion nicht schaffen; sie können sich ihr nur öffnen und sie annehmen und erfassen; denn sie ist eine Gnadengabe Gottes. Die einzig mögliche Religion setzt den einzig möglichen Gott voraus. Alle Bürger aller Staaten, und damit auch alle Regierenden und Verwaltenden, haben (also) die selben religiösen Pflichten und Rechte, „die aus der Treue der Menschen gegenüber Gott und seinem heiligen Willen hervorgehen“. Ihre „Menschenrechte“ sind nur dann „unverletzlich“, wenn sie den Gesetzen, dem Willen des einen, einzigen, wahren Gottes und Seiner Religion entsprechen. In einer richtigen, gerechten, gottkonformen Rechtsordnung des Staates kann deshalb zurecht immer nur der einen einzigen Religion und religiösen Gemeinschaft „spezielle bürgerliche Anerkennung gezollt werden“. „Gegen den Willen Gottes und gegen die geheiligten Rechte der Person und der Völkerfamilie gehandelt“ wird somit immer (vor allem) dann, „wenn auf irgendeine Weise Gewalt angewendet wird zur Zerstörung oder Behinderung der (einen und einzigen wahren, der christlichen) Religion, sei es im ganzen Menschengeschlecht oder in irgendeinem Lande oder in einer bestimmten Gemeinschaft“.

So wie es nur eine einzige wahre Religion gibt, die christliche, so gibt es auch nur ein einziges objektives gottgemäßes „Sittengesetz“, das christliche. Die „personale und soziale Verantwortung“, „Gerechtigkeit und Menschlichkeit“ definieren sich anhand dieses allgemeingültigen, universalen, göttlichen Sittengesetzes, das eingebettet ist in die eine und einzige wahre Religion. Der Gebrauch der personalen und sozialen Freiheit(en) innerhalb der menschlichen Gesellschaft ist deshalb den „umgrenzenden Normen“ dieses einen wahren Sittengesetzes unterworfen. Es steht also der christlichen Staatsgewalt, und nur ihr, zu, der bürgerlichen Gesellschaft (für die pflichtgemäße Wahrung der öffentlichen Sittlichkeit) den Schutz zu gewähren gegen Missbräuche, „die unter dem Vorwand der Religionsfreiheit vorkommen können“. Denn „Menschen, die die Dinge (nach eigener Entscheidung) im Licht der Wahrheit beurteilen, ihr Handeln verantwortungsbewusst ausrichten und bemüht sind, was immer wahr und gerecht ist, zu erstreben, ordnen sich gerne gemäß der wahren sittlichen Ordnung der (gerechten) gesetzlichen Autorität unter und leisten ihr bereitwillig den schuldigen Gehorsam.

Im Teil II des Konzilsdokuments über die Religionsfreiheit (Abschnitt 9) wird behauptet, dass „besonders die religiöse Freiheit in der Gesellschaft völlig im Einklang mit der Freiheit des christlichen Glaubensaktes“ sei, dass also die vom 2. Vaticanum definierte Religionsfreiheit „im Lichte der Offenbarung“ gesehen werden könne/müsse. Es wird zwar eingestanden, dass „die Offenbarung das Recht auf Freiheit von äußerem Zwang in religiösen Dingen nicht ausdrücklich lehrt“, aber dann doch versucht, diese neue „Lehre über die Religionsfreiheit“ auf „die allgemeinen Prinzipien“ „der Würde der menschlichen Person“ zu gründen. Die Lehre der katholischen Kirche war jedoch bis zum 2. vatikanischen Konzil immer die, dass nur die eine wahre göttliche Religion in der Öffentlichkeit (in der Gesellschaft, im Staate) ein Recht, einen Anspruch auf Freiheit, auf ungehinderte Entfaltung, Betätigung, auf uneingeschränkten Vollzug hat. Siehe päpstliche Dokumente, z.B. zum „Syllabus„, oder z.B.:

Über die Trennung von Kirche und Staat (Hl. Papst Pius X. „Vehementer Nos“):

„Der Grundsatz, dass Staat und Kirche getrennt werden müssten, ist fürwahr ein ganz falscher und im höchsten Grade verderblicher Grundsatz. – Denn wer sich auf den Boden der Annahme stellt, dass der Staat sich in keiner Weise um die Religion bekümmern dürfe, fügt zuvörderst Gott ein großes Unrecht zu, der ebenso Begründer und Erhalter der menschlichen Gesellschaft als des Lebens der einzelnen Menschen ist. Deshalb kann sich der Kult nicht auf das Gebiet des Privatlebens zurückziehen, sondern er muss ein öffentlicher sein. – Ferner liegt diesem Grundsatz deutlich genug die Leugnung des Übernatürlichen zu Grunde. Denn es werden hierbei die staatlichen Unternehmungen ganz allein nach den Aussichten für die Wohlfahrt dieses sterblichen Lebens bemessen, welche ja wohl die nächste Angelegenheit der bürgerlichen Gesellschaft ist; die höchste Angelegenheit der Bürger aber, die ewige Seligkeit, welche jenseits des kurzen Erdenlebens uns sich darbietet, vernachlässigt er vollständig als eine dem Staate fremde Sache. Und doch sollte das Staatswesen gemäß der ganzen Ordnung der wandelbaren irdischen Dinge für die Erreichung des absoluten, höchsten Gutes nicht hinderlich, sondern förderlich sein. – Sodann durchbricht er die von Gott mit höchster Weisheit getroffene Ordnung der menschlichen Dinge, welche ohne Zweifel die Eintracht zwischen der religiösen und der bürgerlichen Gesellschaft erheischt. Denn da beide, wiewohl auf getrenntem Gebiete für sich, doch eine Herrschaft über dieselben Menschen ausüben, so müssen sich oft die Verhältnisse so gestalten, dass Kenntnisnahme davon und Beurteilung auf beiden Seiten erforderlich wird. Wo nun der Staat mit der Kirche keine Beziehungen unterhält, da werden solche Verhältnisse leicht zum Anlass von für beide Seiten recht bittern Streitigkeiten, welche den Sinn für die Wahrheit zu großer Verwirrung der Gemüter trüben. – Das hat schließlich auch für den Staat sehr große Nachteile im Gefolge. Bei Zurücksetzung der Religion kann die bürgerliche Gesellschaft nicht blühen und fest bestehen bleiben. Jene ist der oberste Führerin und Lehrerin für den Menschen in Sachen der gewissenhaften Beobachtung von Recht und Pflicht.“

Christus hat selbstverständlich die Freiheit des Menschen in Erfüllung der Pflicht, dem Wort Gottes zu glauben, beachtet; aber eben: „dem Wort Gottes zu glauben“ und nicht: jedem beliebigen Wort zu glauben, das sich als „Wort Gottes“ ausgibt, es aber nicht ist, nicht sein kann, da es dem wahren Wort Gottes offensichtlich und nachweisbar widerspricht. Selbstverständlich soll der Mensch freiwillig durch seinen Glauben Gott anworten, soll also niemand gegen seinen Willen zur Annahme des Glaubens gezwungen werden dürfen. Doch es entspricht absolut nicht völlig der Wesensart des Glaubens, dass in religiösen Dingen jede Art von Zwang von seiten der Menschen ausgeschlossen ist. Denn als „religiöse Dinge“ gelten heute in der säkularen, laizistischen Gesellschaft durchaus auch Dinge, die religions(be)hindernd und -zerstörend sind. Alle Menschen sind von ihrem Erlöser Christus losgekauft und zur Annahme an Sohnes Statt berufen, mit vernunftgemäßen und freiem Glaubensgehorsam dem sich offenbarenden Gott anzuhangen und den christlichen Glauben in ihrer ganzen Lebensführung tatkräftig zu bekennen. Gott ruft alle Menschen zu Seinem Dienst im Geiste und in der Wahrheit; denn Er „will, dass alle Menschen selig werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4) und sie werden deshalb durch diesen Ruf im Gewissen verpflichtet, aber nicht gezwungen. Denn Er nimmt Rücksicht auf die Würde der von ihm geschaffenen menschlichen Person, die nach eigener Entscheidung in Freiheit leben soll. Aber diese Freiheit berechtigt weder die einzelne Person noch Interessensgemeinschaften (sogenannte Religionsgemeinschaften), die göttliche Religion und die göttlichen Sitten mittels ihrer Gegen-„Religion“, die Sitten mittels ihrer Un-Sitten in der Öffentlichkeit zu konkurrenzieren und zu verdrängen, d.h. „Unkraut zu säen“ und damit den „Weizen“ zu ersticken. Gewiss lehnte es Christus ab, ein politischer Messias zu sein, der äußere Machtmittel anwendet. Damit hat Er aber nicht gelehrt und nicht angeordnet, dass Seine Kirche keine Politik machen und keine äußeren Machtmittel haben und einsetzen dürfe. Die Kirche hatte in ihren Blütezeiten als „äußere Machtmittel“ die Machtmittel des mit ihr verbundenen christlichen Staates. Denn Christi Reich wird auch (wenn notwendig) mit dem „Schwert“ beschützt und kann (bleibend) nur gefestigt werden im Bezeugen und Hören der Wahrheit und in der Kraft der Liebe, in der Christus, am Kreuz erhöht, die Menschen an sich zieht, wenn Sein Reich von den Seinen wachsam, tatkräftig „befestigt“ wird und von Seinen Feinden nicht „erstickt“, verwüstet und zerstört wird (werden kann). Denn die göttliche Kraft des Wortes Gottes ist nur dann imstande, die gottwidrigen Mächte zu zerstören und die Menschen dahin zu führen, an Christus zu glauben und ihm zu gehorchen, wenn die staatliche Autorität eine von Gott legitimierte ist und somit die Menschen nicht dahin (ver-)führt, nicht an Christus zu glauben und ihm nicht zu gehorchen. Obwohl es bei Römer 13,1 ff heißt: „Jedermann unterwerfe sich der obrigkeitlichen Gewalt; denn es gibt keine Gewalt außer von Gott [es gibt keine Gewalt, die nicht von Gott stammt]; die bestehenden Gewalten aber sind von Gott angeordnet. Wer also sich der Gewalt widersetzt, der widersetzt sich der Anordnung Gottes; die sich aber dieser widersetzen, ziehen sich selbst ihr Strafgericht zu“, so gilt es zu bedenken, dass hier nur die rechtmäßige, von Gott (implizit) bevollmächtigte Gewalt gemeint sein kann, niemals aber die Gewalt im Dienste letztlich Seines Widersachers, des Satans. Ja, die Lehre der Kirche, dass niemand zum Glauben gezwungen werden darf, hat die Zeiten überdauert. Aber dass „in der bürgerlichen Gesellschaft in religiösen Dingen die Würde der Person des Menschen vor jedem menschlichen (also auch rechtsstaatlichen) Zwang geschützt werden müsse“, gehörte nie zur Lehre, die sie (die Kirche) von ihrem Meister und von den Aposteln empfangen hatte. Dem Geist des Evangeliums ist sie tatsächlich „wenig entsprechend“, ja ihr sogar entgegengesetzt.

Treffend sagt das Dokument indessen im Paragraph 13: „Im Rahmen alles dessen, was zum Wohl der Kirche, ja auch zum Wohl der irdischen Gesellschaft selbst gehört und was immer und überall gewahrt und gegen alles Unrecht zu verteidigen ist, steht sicherlich mit an erster Stelle, dass die Kirche eine so große Handlungsfreiheit genießt, wie sie die Sorge für das Heil der Menschen erfordert. In der Tat ist sie etwas Heiliges, diese Freiheit, mit der der eingeborene Sohn Gottes die Kirche beschenkt hat, die er sich in seinem Blute erwarb. Sie gehört in Wahrheit der Kirche so sehr zu eigen, dass, wer immer gegen sie streitet, gegen den Willen Gottes handelt. Die Freiheit der Kirche ist das grundlegende Prinzip in den Beziehungen zwischen der Kirche und den öffentlichen Gewalten sowie der gesamten bürgerlichen Ordnung.“ Und weiter: „In der menschlichen Gesellschaft und angesichts einer jeden öffentlichen Gewalt erhebt die Kirche Anspruch auf Freiheit als geistliche, von Christus dem Herrn gestiftete Autorität, die kraft göttlichen Auftrags die Pflicht hat, in die ganze Welt zu gehen, um das Evangelium allen Geschöpfen zu verkündigen.“ „Denn nach dem Willen Christi ist die katholische Kirche die Lehrerin der Wahrheit; ihre Aufgabe ist es, die Wahrheit, die Christus ist, zu verkündigen und authentisch zu lehren, zugleich auch die Prinzipien der sittlichen Ordnung, die aus dem Wesen des Menschen selbst hervorgehen, autoritativ zu erklären und zu bestätigen.“ „Denn der Jünger hat gegenüber Christus, dem Meister, die ernste Pflicht, die von ihm empfangene Wahrheit immer vollkommener kennenzulernen, in Treue zu verkünden und kraftvoll zu verteidigen (unter Ausschluss aller Mittel, die dem Geist des Evangeliums entgegengesetzt sind).“

Die Kirche kann aber nur in dem Maße das Evangelium allen Geschöpfen verkündigen und zum Wohl der irdischen Gesellschaft für alle die Lehrerin der Wahrheit sein und die Prinzipien der sittlichen Ordnung autoritativ erklären und zu deren Beobachtung und Einhaltung führen, als die öffentlichen Gewalten sowie die gesamte bürgerliche Ordnung sie durch ein Gewährenlassen derjenigen, die im Namen ihrer „Religion“ das Evangelium verleugnen und bekämpfen und die sittliche Ordnung untergraben, an ihrem heilsschädlichen Tun wirksam hindern.

Die „Religionsfreiheit“ im Sinne des Konzilsdokuments „Dignitatis Humanae“ ist also dem Geist des Evangeliums und der jahrtausendealten Lehre und Tradition der Kirche entgegengesetzt. Und die Früchte, die dieses Dokument seit dem 7. Dezember 1965 hervorgebracht hat, lassen dessen falschen Geist erkennen. Der Sauerteig des Evangeliums ist so im Geist der Menschen geschwunden und hat viel dazu beigetragen, dass die Menschen im Laufe der Zeit die Würde ihrer Person immer weniger erkannten. Und darum muss (spätestens) jetzt (wieder) die Überzeugung heranreifen, in religiösen Dingen müsse sie [die menschliche Person] in der bürgerlichen Gesellschaft vor jedem antichristlichen Einfluss geschützt werden. Also: keine Freiheit für „die Religionen„, sondern Freiheit nur für die Religion. Nur die Wahrheit macht frei. Jede Unwahrheit macht unfrei, setzt in Gefangenschaft, versklavt. Die Würde der menschlichen Person wird besonders durch „religiöse“ Unwahrheit verletzt, die verhindert, dass sie zur eigentlichen, ewigen, übernatürlichen, vollendeten Würde gelangen kann.

Paul Otto Schenker

Papst Benedikt XVI. [2009]: Das Miteinander der Religionen

Gemäß Papst Benedikt XVI. [ZG09051213 – 12.05.2009] „hören die Gläubigen der großen monotheistischen Traditionen (also die Juden und die Christen und die Muslime) – wie Abraham – auf Gottes Stimme, sie antworten auf seinen Ruf und ziehen aus; sie suchen nach der Erfüllung seiner Verheißungen, streben danach, seinem Willen zu gehorchen…“

Er, der Papst, will nicht zu jenen gehören, die „schnell damit zur Hand sind, auf die offensichtlichen Unterschiede zwischen den Religionen hinzuweisen“, „die uns glauben machen, dass unsere Unterschiede zwangsläufig Anlass zur Uneinigkeit geben und sie daher höchstens toleriert werden können“, sondern er will vielmehr „deutlich deren Gemeinsamkeiten verkünden“.

Er glaubt, „dass eine Einheit möglich ist, die nicht von der Gleichförmigkeit abhängt“, dass „unsere Verschiedenheiten niemals fälschlich als unvermeidlicher Grund für Reibereien oder Spannungen hingestellt werden dürfen, weder unter uns selbst noch in der Gesellschaft im ganzen“, dass „ein Leben in Treue zur Religion (gleich welcher) ein Widerhall von Gottes Gegenwart ist, die in unsere Welt hineinbricht“, dass (alle) „gemeinsam verkünden können, dass Gott existiert, dass man ihn erkennen kann, dass die Erde seine Schöpfung ist und dass wir seine Geschöpfe sind und dass er jeden Menschen aufruft, so zu leben, dass er seinen Plan für die Welt achtet“, dass „die Verschiedenheiten den Menschen unterschiedlicher Religion eine wunderbare Gelegenheit geben, in tiefer gegenseitiger Achtung, Wertschätzung und Anerkennung zusammenzuleben und einander auf Gottes Wegen zu ermutigen“.

Für Benedikt XVI. „ist die Wahrheit weit davon entfernt, die Toleranz gegenüber Unterschieden [der Religion] zu gefährden“; „vielmehr ermögliche sie einen Konsens“.

Nun müssen wir uns folgende Fragen stellen: Hören die Muslime, die Juden auf Gottes Stimme? Antworten sie auf Seinen Ruf? Suchen sie nach der Erfüllung Seiner Verheißungen, streben sie danach, Seinem Willen zu gehorchen? Auf alle diese Fragen muss ein gläubiger Christ doch in aller Deutlichkeit mit einem dreifachen NEIN! antworten. Gottes Stimme ist doch das WORT GOTTES, der LOGOS, JESUS CHRISTUS, der MENSCH gewordene GOTTES-SOHN, der GOTT-MENSCH. Gottes Ruf ist doch DAS EVANGELIUM CHRISTI; die Erfüllung Seiner Verheißungen ist doch Seine MENSCH-WERDUNG, Sein Leben und Wirken und Lehren unter uns Menschen, Sein uns erlösender Opfertod am Kreuz, Seine Auferstehung, Seine Sendung des Heiligen Geistes, die Gründung Seines Reiches, der KIRCHE! Das ALLES bestreiten, leugnen und verurteilen doch sowohl die Muslime wie die Juden. Und das gibt zwangsläufig Anlass zur Uneinigkeit, und von uns Christen kann diese Widersetzlichkeit gegen Gott niemals gutgeheißen, auch nicht verharmlost und entschuldigt, sondern höchstens toleriert werden.

Es gibt für uns Christen keine Gemeinsamkeiten zu verkünden zwischen uns und den Anti-Christen. Auch das scheinbar Gemeinsame ist nicht das Gleiche, bedeutet nicht Dasselbe, dient nicht Demselben. Unsere Verschiedenheiten sind in der Tat „unvermeidlicher Grund für Reibereien und Spannungen“, Dissens, Ablehnungen und Verurteilungen; denn ein Leben in Treue zu einer falschen Religion ist niemals ein Widerhall von Gottes Gegenwart, die in unsere Welt hineinbricht, sondern ein Widerhall Seines Widersachers, der die Gegenreligion(en) inspiriert und konstruiert.

Wir Christen können mit unseren erklärten Gegnern nicht „gemeinsam verkünden, dass Gott existiert, dass man Ihn erkennen kann…, dass Er jeden Menschen aufruft, so zu leben, dass er Seinen Plan für die Welt achtet“; denn der Gott der Muslime und der Juden ist nicht der Gott der Christen; unser Gott ist drei-persönlich: Vater, Sohn und Heiliger Geist, und unser Gott ist in JESUS CHRISTUS MENSCH GEWORDEN und hat unter uns gewohnt, gewirkt, gelehrt, gelitten, gestorben, ist glorreich auferstanden, in den Himmel aufgefahren, wo Er zur Rechten des ewigen Vaters thront und von wo Er kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten.

Denn die Muslime und die Juden leben nicht so, dass sie Gottes Plan für die Welt achten. Sie bestreiten ihn ja, diesen ausgeführten Plan, und verachten ihn und werden – jetzt sogar mit dem Segen Benedikt XVI. auf ihren Irrwegen voranschreiten, indem sie all das achten, was sie von uns unterscheidet.

Paul Otto Schenker

KANN ES ECHTEN „FRIEDEN UNTER DEN RELIGIONEN“ GEBEN?

Auf Erden kann immer wieder über kürzere oder längere Zeit „Friede“ herrschen, sicher aber kein paradiesischer Friede. Mit der Ausweisung des Stammelternpaares Adam und Eva haben die Menschen, haben wir ALLE seit damals vor vielen Tausend Jahren das Paradies verloren. Und wir werden es (hier auf Erden) nicht zurückerobern können. Und wir werden auch keinen Ersatz dafür herstellen können. Schon gar nicht durch einen „Frieden unter den Religionen“. Wenn auch (namhafte) Repräsentanten der Religionen noch so oft zusammenkommen und „Frieden“ beschließen und „Frieden“ zelebrieren, es wird (auch – und besonders) unter ihnen kein Friede möglich sein. Denn es gibt nur EINE Religion, die die WAHRE, GÖTTLICHE ist. So wie es nur EINEN wahren GOTT gibt. Diese eine Religion muss sich auf Geheiß dieses einen Gottes per Predigt und Mission auf alle Menschen, alle Völker, alle Nationen ausbreiten, und sie muss die anderen „Religionen“, die sämtliche GEGEN diese eine, wahre, sind und sich (mehr oder weniger exklusiv) GEGEN sie behaupten, sie verdrängen und eliminieren wollen, geistig bekämpfen.

Solange es nicht EINIGKEIT in der Religion gibt, herrscht UN-EINIGKEIT, AUSEINANDER-SETZUNG, ZWIE-TRACHT, FEINDSCHAFT, KRIEG. Es kann keine „Freundschaft und Brüderlichkeit“ geben unter sich widerstreitenden Religionen, vor allem nicht unter denjenigen Religionen, die je für sich den Absolutheitsanspruch stellen: Christentum, Judentum, Islam. Denn Freundschaft und Brüderlichkeit fördern und pflegen unter sich (im Wesentlichen) gegenseitig Ausschließenden, heißt, den eigenen Absolutheitsanspruch aufgeben, die GEGNER und ihre GEGNERSCHAFT nicht mehr als solche betrachten und nicht mehr als solche behandeln und die eigene Position, das eigene Bekenntnis, den eigenen Glauben nicht mehr ohne Schwächung, ohne Relativierung, ohne Verfälschung und Verrat vertreten und leben (wollen). „Religionen“, die CHRISTUS und Sein Zeugnis und Seine Lehre und Sein Wirken und Sein Werk ausdrücklich bekämpfen, die Seinen GOTTHEITS-ANSPRUCH und damit das Wesentliche, das Entscheidende an Ihm verurteilen, sind FEINDE, ja ERZFEINDE GOTTES. Und mit solchen kann ein GOTTGLÄUBIGER nicht „Freundschaft und Brüderlichkeit“ unterhalten. Die gott-feindlichen Religionen führen KRIEG gegen GOTT. Und Gott kann deshalb auch „die große Gabe des Friedens“ der Welt nicht „durch das Gebet ALLER ‚Gläubigen‘ schenken“, sind doch die „Gläubigen“ der gottfeindlichen Religionen in Wirklichkeit und Wahrheit UN-Gläubige. Es ist deshalb eine Utopie zu meinen, die Menschen „der Religionen“ könnten zusammen/miteinander „eine menschlichere Welt aufbauen“. Denn „eine Welt ohne (HEILIGEN) Geist ist niemals menschlich“ und kann niemals menschlich werden. So ist es denn absolut nicht „absurd und eine Gotteslästerung“, „wenn man im Namen Gottes vom Krieg spricht“. Seit dem Engelssturz herrscht Krieg auf dieser Erde. Zwischen den guten und den bösen Geistern, den unsichtbaren und den sichtbaren. Der Krieg der guten Geister ist immer heilig. Der Krieg der bösen Geister ist immer unheilig. Und gar unheilig wäre der Friede zwischen den guten und den bösen Geistern.

Immer wieder sind es notorischerweise ausgerechnet „christliche“ Politiker und „christliche“ Kirchenmänner, die den Islam fördern statt, wie es ihre heiligste Pflicht vor Gott wäre, ihn mit allen legitimen Mitteln zu bekämpfen. Der „christlich-islamische Dialog“, so wie er seit rund 50 Jahren namentlich von der katholischen Kirche (und deswegen auch von den christlichen Politikern) betrieben wird, ist, allem oberflächlichen Anschein zum Trotz, für das Christentum nicht nur unfruchtbar, sondern geradezu kontraproduktiv, also schädlich. Es ist völlig, ja unfassbar naiv zu glauben, man könne den Islam nach säkularen Maßstäben (durch Dialog) reformieren. Sogenannt „gemäßigte“, „anpassungswillige“, „friedfertige“, „grundgesetz“- und „verfassungs“-kompatible Muslime wird man immer finden, vor allem in den Reihen der Imame. Solange der Islam in unseren (vormals christlichen) Staaten in der Minderheit (oder einfach noch zu wenig einflussreich) ist, verhält er sich in aller Regel wie ein Chamäleon. Er passt sich weitestgehend der Umgebung an. Aber aufmerksame Beobachter und Kenner der „Szene“, erkennen und wissen, was da gespielt, vorgetäuscht wird. Gerade auf höchster (Vatikan) und hoher Ebene (z. B. Universitäten) werden diese wie Pilze aus dem Boden sprießenden „Zentren“ des dialogischen Austausches von islamischer Seite missbraucht, um die christlichen Dialogpartner letztlich von der Ungefährlichkeit, Toleranz, ja gar Vorzüglichkeit des Islams gegenüber dem Christentum zu überzeugen. Jedenfalls wird in solchen Gremien und Foren und Organisationen von seiten der Muslime nie das wahre Bild des Islams vermittelt, sondern ein taktisch heuchlerisch geschöntes! Diejenigen, die dann bei solchen Veranstaltungen, Vorträgen und Tagungen das Christentum vertreten, sind zumeist auch nicht die Geeigneten, um den ganzen, ungeschmälerten christlichen Glauben gegen die Irrlehre(n) des Islams effektiv zu verteidigen und die Muslime von ihrem Unheilsweg abzubringen. Dazu fehlt ihnen schon die Grund-Intention. Sie wollen die Muslime ja nicht missionieren, nicht zu Christus bekehren!

Nicht Un-Glaube und nicht Gleichgültigkeit dem Glauben gegenüber und nicht Säkularismus (also Trennung von Religion und Staat) bilden die größte Gefahr für das Christentum, sondern der Islam als Welt-Religion, der sich an die Stelle der einzig wahren Religion, das Christentum, setzen will und weitgehend schon setzt. Der Islam versteht sich (angemaßterweise) als die allein wahre Gottes-Religion. Das Christentum ist für ihn, den Islam, eine von Menschen total gefälschte, korrumpierte, nicht von Gott „herabgesandte“ Religion, die es mit allen Mitteln zu bekämpfen und auszurotten gilt. Menschen, die nicht glauben und nicht beten, beeinflussen die Christen zwar immer auch negativ, zugegeben, aber eine wirkliche, echte, große Gefahr für sie sind sie nicht. Irrgläubige aber wie die Muslime haben Kohärenz, bilden eine weltumspannende Gemeinschaft, und zwar eine militante, jederzeit fanatisierbare. Eine ähnlich große Gefahr für das Christentum ging immer auch schon vom nachchristlichen Judentum aus, aber auf andere Weise. Sowohl der Islam wie auch das Judentum sind äußerst gefährliche Gegen-„Religionen“ zum Christentum. Islam und Judentum schließen sich ebenfalls gegenseitig aus. Aber sie können sich durchaus vereinigen, bzw. zusammenwirken, mit dem Ziel der Zerstörung des Christentums. Muslime und Juden wollen selbstverständlich auch „Glaubende an Gott“ und „betende Menschen“ sein. Das haben sie mit den Christen gemein. Die Herausforderung an alle ist also nicht, dass man an Gott glaubt und betet, sondern dass man an den einzig wahren Gott glaubt und zum einzig wahren Gott betet! Und dieser ist der christliche, der DREIFALIGE, der DREIPERSÖNLICHE, VATER – SOHN – HEILIGER GEIST, und ER ALLEIN!

Wer WAS glaubt, ist wichtig. Des einen Glaube ist des andern Unglaube. Des Christen Glaube ist des Muslims verdammenswürdiger Irrglaube – und umgekehrt! Echter, tiefer, treuer Glaube kann nicht einhergehen mit „Respekt“, mit „Hochachtung“ für den Gegen-Glauben oder Un-Glauben. (Wenn schon, dann nur mit Respekt und Hochachtung für die Würde des irrenden Menschen.) Ist aber auch nicht vereinbar mit dem Begriff „Religionsfreiheit“, wie er seit dem 2. Vatikanum verstanden wird. Wahrer, gelebter christlicher Glaube erfordert Predigt, Mission und nicht Dialog. Der interreligiöse Dialog, wie er heute weltweit praktiziert wird, führt zu nichts anderem als zur Nivellierung der Wahrheit mit der Unwahrheit, zum Relativismus, Irenismus, Synkretismus, zur „Schmelztiegel-Religion“! Auch unter den „Christen“ gibt es gravierende Glaubensunterschiede, die es verunmöglichen, „gemeinsam ihren Glauben zu verkünden“! Und wenn man es dann eben trotzdem tut, dann nur unter Verschweigung, Abschwächung, Ausblendung und damit Leugnung und Verleugnung des wesentlich Katholischen. Was wäre wohl aus der katholischen Kirche geworden, wenn unsere heiligen Glaubensverkünder wie die Apostel und ihre Jünger, wie Franz Xaver, Antonius von Padua, Petrus Kanisius, Ludwig Maria Grignion von Montfort und Tausende mehr, auf Dialog-Weise missioniert hätten?!

Paul Otto Schenker

Der Buddhismus

Ich befasse mich hier nicht eigens mit dem Buddhismus, ebensowenig wie mit dem Hinduismus und anderen nicht-christlichen „Religionen“. Dennoch möchten ich an dieser Stelle einen Text festhalten von Gilbert Keith Chesterton aus „Der Stumme Ochse – Thomas von Aquin“, weil auch der Buddhismus im Dekret Nostra Aetate des II. Vatikanischen Konzils wie folgt positiv erwähnt wurde:

In den verschiedenen Formen des Buddhismus wird das radikale Ungenügen der veränderlichen Welt anerkannt und ein Weg gelehrt, auf dem die Menschen mit frommem und vertrauendem Sinn entweder den Zustand vollkommener Befreiung zu erreichen oder – sei es durch eigene Bemühung, sei es vermittels höherer Hilfe – zur höchsten Erleuchtung zu gelangen vermögen.

Dazu hatte ich vermerkt:

Der Buddhismus kennt weder einen allmächtigen Gott noch eine unsterbliche Seele. Zu einer tatsächlichen, wahren “Erleuchtung” und gar “höchsten Erleuchtung” und damit zum “Zustand vollkommener Befreiung vom radikalen Ungenügen der veränderlichen Welt” kann es im Buddhismus auch “mit frommem und vertrauendem Sinn” durch eigene Bemühungen und schon gar “vermittels höherer Hilfe” nicht kommen, da alles nach einem Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt, im gottlosen Nirvana und letztlich im Parinirvana endet. Das Anerkennen des “radikalen Ungenügens der veränderlichen Welt” ist zudem nichts Positives und nichts Ehrenwertes. Unsere veränderliche Welt ist für uns Menschen nur dann “ungenügend”, wenn wir bei ihr stehen bleiben, wenn wir uns nicht über sie zum wahren Gott erheben. Alles, was Gott gemacht hat, ist nicht nur “genügend”, sondern vollkommen, vollkommen angemessen. Unvollkommen und ungenügend wird alles immer erst durch des Menschen Abkehr von Gott und Auflehnung gegen Ihn und Seine Gesetze und Gebote. Licht und damit Erleuchtung und damit das Erreichen eines “Zustandes vollkommener Befreiung” (von Sünde und Tod) gibt es nur vom christlichen Gott. (”Und das Licht leuchtete in die Finsternis; aber die Finsternis hat es nicht begriffen… Er [Jesus, das Wort Gottes] war in der Welt, und die Welt ist durch Ihn geworden. Allein die Welt hat Ihn nicht erkannt. Er kam in Sein Eigentum, doch die Seinigen nahmen Ihn nicht auf. Allen aber, die Ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, all denen, die an seinen Namen glauben…”)

„Die vergleichende Religionswissenschaft hat uns instand gesetzt, Religionen einander gegenüberzustellen. Vor fünfzig Jahren begann man den Beweis zu führen, dass alle Religionen ungefähr gleich seien, man suchte allgemein zu beweisen, dass ihrer aller Wert oder Unwert derselbe sei. Seitdem ist nun dieses wissenschaftliche Unternehmen auf einmal wirklich wissenschaftlich geworden, und man entdeckt die Tiefen der Abgründe ebenso wie die Höhe der Berge. Die Einsicht, dass wahrhaft religiöse Menschen lernen sollen, einander zu achten, ist wirklich ein sehr großer Fortschritt. Die Achtung aber hat dort Ungleichheit entdeckt, wo die Verachtung nur Gleichmacherei kannte. Je mehr wir den edlen Verzicht und die Entsagung Buddhas würdigen lernen, um so mehr erkennen wir, dass sie in Wirklichkeit die Umkehrung und das Gegenteil der Erlösung der Welt durch Christus sind. Der Christ will der Welt entfliehen in die Ewigkeit hinein; der Buddhist will noch weit mehr der Ewigkeit entfliehen als der Welt. Der eine möchte ungeschaffen sein, der andere will zurückkehren zur Schöpfung und zum Schöpfer. Der Buddhismus ist tatsächlich in solchem Maße die Antithese zur Lehre vom Kreuze, als dem Baum des Lebens, dass man dadurch bis zu gewissem Grad entschuldigt ist, wenn man die beiden Dinge überhaupt nebeneinander stellt, als seien sie von gleicher Bedeutung. Sie sind in gewissem Sinn parallel und entsprechen einander gleichsam wie ein Wall und eine Grube, ein Hügel und ein Tal. Es gibt einen Gesichtspunkt, von dem aus diese erhabene Verzweiflung die einzig mögliche Alternative zu jener himmelstürmenden Kühnheit ist. Es ist sogar richtig, dass der wirklich geistige und religiöse Mensch die beiden Möglichkeiten als eine Art Dilemma erleben kann, als eine äußerst harte, ja eine schreckliche Wahl. Es gibt sonst wenig auf der Welt, dem diese absolute Forderung vergleichbar wäre. Wer nicht den Fels, der Christus ist, ersteigen will, der muss in der Tat in den Abgrund Buddhas hinabstürzen.

Das prägt sich denn auch bei den meisten anderen Weltbildern der heidnischen Menschheit aus, wenn auch in weniger deutlichen und adeligen Formen, sie sind fast alle in jenen Strudel der Wiederkehr geraten, welchen die Alten ausnahmslos kannten. Sie kehren fast alle zurück zu jenem einen Gedanken der Wiedergeburt, die Buddha als das unselige Rad in so dunklen Farben ausmalte. Es ist wahr, der arme Nietzsche hat es fertiggebracht, eben jene Wiedergeburt, welche Buddha das unselige Rad nannte, als fröhliche Wissenschaft zu bezeichnen. Ich kann da nur sagen, dass ich gern wüsste, was er wohl unter trauriger Wissenschaft verstand, wenn ihm die ewige Wiederholung so fröhlich erschien. Doch fällt diese Lehre bei Nietzsche nicht in die Zeit seines Aufbruchs, sondern seines Niedergangs. Sie kam am Ende seines Lebens, als er dem geistigen Zusammenbruch nahe war, und unterscheidet sich tatsächlich sehr stark von seinen früheren und schöneren Inspirationen über kühne Freiheit und junge, schöpferische Erneuerung. Einstmals hatte er freilich versucht aufzubrechen. Aber er wurde nur zerbrochen – auf dem Rad.

Einzigartig auf der Welt, erhaben und befreit von allen Rädern und Strudeln diese Erde, erhebt sich der Glaube des hl. Thomas von Aquin. Er ist viel weiser als alle orientalische Metaphysik, viel gefüllter und reicher als jene Lehren bei all ihrem heidnischen Pomp und Glanz, kraftvoll und lebendig schon allein durch die Erklärung, dass das Leben eine lebendige Geschichte mit einem großen Anfang und einem großen Ende ist, deren Wurzeln in der uranfänglichen Schöpferfreude Gottes und deren Früchte in der ewigen Seligkeit der Menschheit liegt. Ihr Anfang ist der gewaltige Chor, in welchem die Söhne Gottes vor Freude jauchzten, und ihr Ende liegt in der mystischen Gemeinschaft, die schattenhaft wie in einem uralten archaischen Tanz aufsteht in den geheimnisvollen Worten: „Denn Seine Freude ist es, bei den Menschenkindern zu sein.„

Gilbert Keith Chesterton in „Der stumme Ochse – Thomas von Aquin“

Paul Otto Schenker

Konzilserklärung „Nostra Aetate“ über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen

Ich veröffentliche hier als Erstes den vollständigen Text aus dem Vatikanischen Archiv; anschließend werde ich Passagen daraus, besonders im Hinblick auf die muslimische „Religion“, kritisch kommentieren:

Einführung

1. In unserer Zeit, da sich das Menschengeschlecht von Tag zu Tag enger zusammenschließt und die Beziehungen unter den verschiedenen Völkern sich mehren, erwägt die Kirche mit um so größerer Aufmerksamkeit, in welchem Verhältnis sie zu den nichtchristlichen Religionen steht. Gemäß ihrer Aufgabe, Einheit und Liebe unter den Menschen und damit auch unter den Völkern zu fördern, fasst sie vor allem das ins Auge, was den Menschen gemeinsam ist und sie zur Gemeinschaft untereinander führt.

Alle Völker sind ja eine einzige Gemeinschaft, sie haben denselben Ursprung, da Gott das ganze Menschengeschlecht auf dem gesamten Erdkreis wohnen ließ (1); auch haben sie Gott als ein und dasselbe letzte Ziel. Seine Vorsehung, die Bezeugung seiner Güte und seine Heilsratschlüsse erstrecken sich auf alle Menschen (2), bis die Erwählten vereint sein werden in der Heiligen Stadt, deren Licht die Herrlichkeit Gottes sein wird; werden doch alle Völker in seinem Lichte wandeln (3).

Die Menschen erwarten von den verschiedenen Religionen Antwort auf die ungelösten Rätsel des menschlichen Daseins, die heute wie von je die Herzen der Menschen im tiefsten bewegen: Was ist der Mensch? Was ist Sinn und Ziel unseres Lebens? Was ist das Gute, was die Sünde? Woher kommt das Leid, und welchen Sinn hat es? Was ist der Weg zum wahren Glück? Was ist der Tod, das Gericht und die Vergeltung nach dem Tode? Und schließlich: Was ist jenes letzte und unsagbare Geheimnis unserer Existenz, aus dem wir kommen und wohin wir gehen?

Die verschiedenen Religionen

2. Von den ältesten Zeiten bis zu unseren Tagen findet sich bei den verschiedenen Völkern eine gewisse Wahrnehmung jener verborgenen Macht, die dem Lauf der Welt und den Ereignissen des menschlichen Lebens gegenwärtig ist, und nicht selten findet sich auch die Anerkenntnis einer höchsten Gottheit oder sogar eines Vaters. Diese Wahrnehmung und Anerkenntnis durchtränkt ihr Leben mit einem tiefen religiösen Sinn.

Im Zusammenhang mit dem Fortschreiten der Kultur suchen die Religionen mit genaueren Begriffen und in einer mehr durchgebildeten Sprache Antwort auf die gleichen Fragen. So erforschen im Hinduismus die Menschen das göttliche Geheimnis und bringen es in einem unerschöpflichen Reichtum von Mythen und in tiefdringenden philosophischen Versuchen zum Ausdruck und suchen durch aszetische Lebensformen oder tiefe Meditation oder liebend-vertrauende Zuflucht zu Gott Befreiung von der Enge und Beschränktheit unserer Lage. In den verschiedenen Formen des Buddhismus wird das radikale Ungenügen der veränderlichen Welt anerkannt und ein Weg gelehrt, auf dem die Menschen mit frommem und vertrauendem Sinn entweder den Zustand vollkommener Befreiung zu erreichen oder – sei es durch eigene Bemühung, sei es vermittels höherer Hilfe – zur höchsten Erleuchtung zu gelangen vermögen. So sind auch die übrigen in der ganzen Welt verbreiteten Religionen bemüht, der Unruhe des menschlichen Herzens auf verschiedene Weise zu begegnen, indem sie Wege weisen: Lehren und Lebensregeln sowie auch heilige Riten.

Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet.

Unablässig aber verkündet sie und muss sie verkündigen Christus, der ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6), in dem die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden, in dem Gott alles mit sich versöhnt hat (4).

Deshalb mahnt sie ihre Söhne, dass sie mit KIugheit und Liebe, durch Gespräch und Zusammenarbeit mit den Bekennern anderer Religionen sowie durch ihr Zeugnis des christlichen Glaubens und Lebens jene geistlichen und sittlichen Güter und auch die sozial-kulturellen Werte, die sich bei ihnen finden, anerkennen, wahren und fördern.

Die muslimische Religion

3. Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde (5), der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.

Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.

Die jüdische Religion

4. Bei ihrer Besinnung auf das Geheimnis der Kirche gedenkt die Heilige Synode des Bandes, wodurch das Volk des Neuen Bundes mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden ist.

So anerkennt die Kirche Christi, dass nach dem Heilsgeheimnis Gottes die Anfänge ihres Glaubens und ihrer Erwählung sich schon bei den Patriarchen, bei Moses und den Propheten finden.

Sie bekennt, dass alle Christgläubigen als Söhne Abrahams dem Glauben nach (6) in der Berufung dieses Patriarchen eingeschlossen sind und dass in dem Auszug des erwählten Volkes aus dem Lande der Knechtschaft das Heil der Kirche geheimnisvoll vorgebildet ist. Deshalb kann die Kirche auch nicht vergessen, dass sie durch jenes Volk, mit dem Gott aus unsagbarem Erbarmen den Alten Bund geschlossen hat, die Offenbarung des Alten Testamentes empfing und genährt wird von der Wurzel des guten Ölbaums, in den die Heiden als wilde Schößlinge eingepfropft sind (7). Denn die Kirche glaubt, daß Christus, unser Friede, Juden und Heiden durch das Kreuz versöhnt und beide in sich vereinigt hat (8). Die Kirche hat auch stets die Worte des Apostels Paulus vor Augen, der von seinen Stammverwandten sagt, dass „ihnen die Annahme an Sohnes Statt und die Herrlichkeit, der Bund und das Gesetz, der Gottesdienst und die Verheißungen gehören wie auch die Väter und daß aus ihnen Christus dem Fleische nach stammt“ (Röm 9,4-5), der Sohn der Jungfrau Maria.

Auch hält sie sich gegenwärtig, dass aus dem jüdischen Volk die Apostel stammen, die Grundfesten und Säulen der Kirche, sowie die meisten jener ersten Jünger, die das Evangelium Christi der Welt verkündet haben.

Wie die Schrift bezeugt, hat Jerusalem die Zeit seiner Heimsuchung nicht erkannt (9), und ein großer Teil der Juden hat das Evangelium nicht angenommen, ja nicht wenige haben sich seiner Ausbreitung widersetzt (10). Nichtsdestoweniger sind die Juden nach dem Zeugnis der Apostel immer noch von Gott geliebt um der Väter willen; sind doch seine Gnadengaben und seine Berufung unwiderruflich (11). Mit den Propheten und mit demselben Apostel erwartet die Kirche den Tag, der nur Gott bekannt ist, an dem alle Völker mit einer Stimme den Herrn anrufen und ihm „Schulter an Schulter dienen“ (Soph 3,9) (12).

Da also das Christen und Juden gemeinsame geistliche Erbe so reich ist, will die Heilige Synode die gegenseitige Kenntnis und Achtung fördern, die vor allem die Frucht biblischer und theologischer Studien sowie des brüderlichen Gespräches ist.

Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben (13), kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen.

Gewiss ist die Kirche das neue Volk Gottes, trotzdem darf man die Juden nicht als von Gott verworfen oder verflucht darstellen, als wäre dies aus der Heiligen Schrift zu folgern. Darum sollen alle dafür Sorge tragen, dass niemand in der Katechese oder bei der Predigt des Gotteswortes etwas lehre, das mit der evangelischen Wahrheit und dem Geiste Christi nicht im Einklang steht.

Im Bewusstsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche, die alle VerfoIgungen gegen irgendwelche Menschen verwirft, nicht aus politischen Gründen, sondern auf Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums alle Hassausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet haben. Auch hat ja Christus, wie die Kirche immer gelehrt hat und lehrt, in Freiheit, um der Sünden aller Menschen willen, sein Leiden und seinen Tod aus unendlicher Liebe auf sich genommen, damit alle das Heil erlangen. So ist es die Aufgabe der Predigt der Kirche, das Kreuz Christi als Zeichen der universalen Liebe Gottes und als Quelle aller Gnaden zu verkünden.

Universale Brüderlichkeit

5. Wir können aber Gott, den Vater aller, nicht anrufen, wenn wir irgendwelchen Menschen, die ja nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind, die brüderliche Haltung verweigern. Das Verhalten des Menschen zu Gott dem Vater und sein Verhalten zu den Menschenbrüdern stehen in so engem Zusammenhang, dass die Schrift sagt: „Wer nicht liebt, kennt Gott nicht“ (1 Joh 4,8).

So wird also jeder Theorie oder Praxis das Fundament entzogen, die zwischen Mensch und Mensch, zwischen Volk und Volk bezüglich der Menschenwürde und der daraus fließenden Rechte einen Unterschied macht.

Deshalb verwirft die Kirche jede Diskriminierung eines Menschen oder jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen, weil dies dem Geist Christi widerspricht. Und dementsprechend ruft die Heilige Synode, den Spuren der heiligen Apostel Petrus und Paulus folgend, die Gläubigen mit leidenschaftlichem Ernst dazu auf, dass sie „einen guten Wandel unter den Völkern führen“ (1 Petr 2,12) und womöglich, soviel an ihnen liegt, mit allen Menschen Frieden halten (14), so dass sie in Wahrheit Söhne des Vaters sind, der im Himmel ist (15).

28. Oktober 1965
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Anmerkungen:

1) Vgl. Apg 17,26.

2) Vgl. Weish 8,1; Apg 14,17; Röm 2,6-7; 1 Tim 2,4.

3) Vgl. Apg 21,23f.

4) Vgl. 2 Kor 5,18-19.

5) Vgl. Gregor VII., Ep. III.,21 ad Anazir (Al-Nasir), regem Mauritaniæ, ed. E. Caspar in MGH, Ep. sel. II, 1920, I, 288, 11-15; PL 148, 451 A.

6) Vgl. Gal 3,7.

7) Vgl. Röm 11,17-24.

8.) Vgl. Eph 2,14-16.

9) Vgl. Lk 19,44.

10) Vgl. Röm 11,28

11) Vgl. Röm 11,28-29; vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium: AAS 57 (1965) 20.

12) Vgl. Jes 66,23; Ps 65,4; Röm 11,11-32.

13) Vgl. Joh 19,6.

14) Vgl. Röm 12,18.

15) Vgl. Mt 5,45.

 

Mein Kommentar:

Vorspann: Diese „Erklärung“ vom 28. Oktober 1965 des II. Vatikanischen Konzils ist ein Haupt-Auslöser der enormen Fehl-Entwicklung seither im Verständnis der und im Verhältnis zu den nicht-christlichen „Religionen“ wie auch, als Folge davon, in der Einordnung der christlichen Religion. Auf dieses Konzilsdokument stützen sich die Päpste zur Rechtfertigung ihrer tabu-brechenden „Aktionen“ und theologischen Neu-Interpretationen. Insbesondere Johannes Paul II hat, als geistliche Autorität der ganzen Welt, durch Wort und Tat, praktisch alle bisherigen Grenzen aufgebrochen, sich über fast alle vormaligen Einschränkungen hinweggesetzt unter geringschätziger Missachtung der von Christus persönlich und Seinen Aposteln und Apostelnachfolgern aufgestellten Warnschilder und Verbotssignale.

Gemäß ihrer Aufgabe, Einheit und Liebe unter den Menschen und damit auch unter den Völkern zu fördern, fasst sie vor allem das ins Auge, was den Menschen gemeinsam ist und sie zur Gemeinschaft untereinander führt.

Ist es die Aufgabe der Kirche Christi, Einheit und Liebe unter den Menschen zu fördern? Nein, jedenfalls nicht in der hier formulierten Weise. Primäre Aufgabe der Kirche ist es, Jesus Christus zu verkündigen und dabei in Kauf zu nehmen, dass damit nicht „Einheit und Liebe“ unter den Menschen gefördert wird, sondern das Gegenteil bewirkt wird: Zwietracht, Feindschaft und Hass. „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert (der Geisterscheidung).“ Da die Kirche die mystische Braut Christi ist, muss auch sie mit ihrem Bräutigam sagen: „Ich bin nicht gekommen, ich bin nicht dazu da, um Einheit und Liebe unter den Menschen zu fördern, sondern um alle Menschen alles halten zu lehren, was mein Bräutigam, Christus, uns zu halten geboten hat.“ Wenn die Kirche „vor allem“ das ins Auge fasst, was den Menschen gemeinsam ist“, dann fasst sie eben gezwungenermaßen nicht den HERRN und Seinen Willen, Seinen Auftrag und Sein Gesetz ins Auge, sondern das „Neutrale“ an den und im Menschen, das Nicht-Gott-Bezogene, das Natürliche, das Zeitliche, das Vergängliche. „Einheit und Liebe unter den Menschen und damit auch unter den Völkern“, d.h. ein Leben in Frieden, „Befreiung von der Enge und Beschränktheit seiner Lage“, von „der Unruhe des menschlichen Herzens“, „höchste Erleuchtung“, bei Anerkenntnis des „radikalen Ungenügens der veränderlichen Welt“, strebt der Mensch auch natürlicherweise an, auch ohne Christentum, auch gegen Gott und gegen Christus.

Alle Völker sind ja eine einzige Gemeinschaft, sie haben denselben Ursprung, da Gott das ganze Menschengeschlecht auf dem gesamten Erdkreis wohnen ließ (1); auch haben sie Gott als ein und dasselbe letzte Ziel.

Alle Menschen und alle Völker wären eine einzige Gemeinschaft und hätten Gott als ein und dasselbe letzte Ziel, wenn alle ihren Schöpfer und Erlöser, ihren wahren Gott, anerkennen und nach Seinen Geboten wandeln würden. Da sie nun aber einmal weit davon entfernt sind, diese Prämisse zu erfüllen, sind sie, trotz des gemeinsamen Ursprungs, keine Gemeinschaft, haben sie das Wesentliche nicht gemein, unterscheiden sie sich im Wichtigsten und geraten sie darob in Auseinandersetzungen, in Unfrieden, in Streit, in Entzweiung, in Krieg.

Seine [Gottes] Vorsehung, die Bezeugung seiner Güte und seine Heilsratschlüsse erstrecken sich auf alle Menschen (2), bis die Erwählten vereint sein werden in der Heiligen Stadt, deren Licht die Herrlichkeit Gottes sein wird; werden doch alle Völker in seinem Lichte wandeln (3).

Mit diesen Sätzen wird suggeriert, dass alle Menschen und alle Völker in der (ewigen) „Heiligen Stadt“, (dereinst im Himmel,) in Gottes Lichte wandeln werden, unabhängig davon, ob sie sich zu Jesus Christus und Seinem Evangelium bekannt haben oder nicht. Richtig ist, dass sich Gottes Güte und Heilsratschlüsse auf alle Menschen erstrecken. Aber „erwählt“ werden nur jene sein, die Seine Güte dankbar anerkennen und Seine Heilsratschlüsse ausführen und erfüllen, die „in Seinem Lichte wandeln“. Und das sind nicht „alle Menschen“ und „alle Völker“. („Viele sind berufen, aber nur wenige auserwählt.“)

Die Menschen erwarten von den verschiedenen Religionen Antwort auf die ungelösten Rätsel des menschlichen Daseins, die heute wie von je die Herzen der Menschen im tiefsten bewegen: Was ist der Mensch? Was ist Sinn und Ziel unseres Lebens? Was ist das Gute, was die Sünde? Woher kommt das Leid, und welchen Sinn hat es? Was ist der Weg zum wahren Glück? Was ist der Tod, das Gericht und die Vergeltung nach dem Tode? Und schließlich: Was ist jenes letzte und unsagbare Geheimnis unserer Existenz, aus dem wir kommen und wohin wir gehen?

„Antwort auf die ungelösten Rätsel des menschlichen Daseins“ haben diejenigen Menschen in ausreichendem Maße, ja in Fülle erhalten, die an Jesus Christus glauben, Sein Wort, Seine Verkündigung, Seine Lehre zur Gänze annehmen und in Seiner heiligmachenden Gnade leben. Ungelöste Rätsel wie die aufgeführten, gibt es demnach nur für diejenigen, die nicht an den Mensch gewordenen Gott glauben.

So erforschen im Hinduismus die Menschen das göttliche Geheimnis und bringen es in einem unerschöpflichen Reichtum von Mythen und in tiefdringenden philosophischen Versuchen zum Ausdruck und suchen durch aszetische Lebensformen oder tiefe Meditation oder liebend-vertrauende Zuflucht zu Gott Befreiung von der Enge und Beschränktheit unserer Lage.

Die Menschen, die sich zum „Hinduismus“ bekennen, erforschen nicht „das göttliche Geheimnis“; denn wenn sie es wirklich täten, wären sie schon längst darauf gestoßen: nämlich auf die Offenbarung Gottes („des göttlichen Geheimnisses“) in und durch Jesus Christus. Ihr „Erforschen“ schließt zum vornherein das Licht aus, das sie erleuchten und auf den Weg, zur Lösung des Geheimnisses, bringen könnte. Seit 2000 Jahren und mehr ziehen sie es vor, statt ans Licht zu kommen, in ihrer Finsternis von Mythen und damit in der Enge und Beschränktheit ihrer Lage, im Kreislauf ihrer „Wiedergeburt“ zu verharren. Die Sendboten des Retters und Erlösers weisen sie ab und nehmen damit nicht „liebend-vertrauende Zuflucht zu Gott“, sondern zu ihren Göttern, respektive Götzen, die letztlich nichts anderes als „gefallene Geister“, Daemonen, sind.

In den verschiedenen Formen des Buddhismus wird das radikale Ungenügen der veränderlichen Welt anerkannt und ein Weg gelehrt, auf dem die Menschen mit frommem und vertrauendem Sinn entweder den Zustand vollkommener Befreiung zu erreichen oder – sei es durch eigene Bemühung, sei es vermittels höherer Hilfe – zur höchsten Erleuchtung zu gelangen vermögen.

Der Buddhismus kennt weder einen allmächtigen Gott noch eine unsterbliche Seele. Zu einer tatsächlichen, wahren „Erleuchtung“ und gar „höchsten Erleuchtung“ und damit zum „Zustand vollkommener Befreiung vom radikalen Ungenügen der veränderlichen Welt“ kann es im Buddhismus auch „mit frommem und vertrauendem Sinn“ durch eigene Bemühungen und schon gar „vermittels höherer Hilfe“ nicht kommen, da alles nach einem Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt, im gottlosen Nirvana und letztlich im Parinirvana endet. Das Anerkennen des „radikalen Ungenügens der veränderlichen Welt“ ist zudem nichts Positives und nichts Ehrenwertes. Unsere veränderliche Welt ist für uns Menschen nur dann „ungenügend“, wenn wir bei ihr stehen bleiben, wenn wir uns nicht über sie zum wahren Gott erheben. Alles, was Gott gemacht hat, ist nicht nur „genügend“, sondern vollkommen, vollkommen angemessen. Unvollkommen und ungenügend wird alles immer erst durch des Menschen Abkehr von Gott und Auflehnung gegen Ihn und Seine Gesetze und Gebote. Licht und damit Erleuchtung und damit das Erreichen eines „Zustandes vollkommener Befreiung“ (von Sünde und Tod) gibt es nur vom christlichen Gott. („Und das Licht leuchtete in die Finsternis; aber die Finsternis hat es nicht begriffen… Er [Jesus, das Wort Gottes] war in der Welt, und die Welt ist durch Ihn geworden. Allein die Welt hat Ihn nicht erkannt. Er kam in Sein Eigentum, doch die Seinigen nahmen Ihn nicht auf. Allen aber, die Ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, all denen, die an seinen Namen glauben…“)

So sind auch die übrigen in der ganzen Welt verbreiteten Religionen bemüht, der Unruhe des menschlichen Herzens auf verschiedene Weise zu begegnen, indem sie Wege weisen: Lehren und Lebensregeln sowie auch heilige Riten.

All die Wege, die die übrigen in der ganzen Welt verbreiteten nichtchristlichen „Religionen“ weisen, ihre Lehren und Lebensregeln, um „der Unruhe des menschlichen Herzens zu begegnen“, sind völlig untaugliche Mittel, ja sie verhindern durch ihre Wirkung das Suchen und Verlangen nach der gesunden, heilsamen Nahrung, die Gott auch für sie bereithält. Sie sind also Hindernisse, ja Gefängnisse für die solcherweise Betörten, Betrogenen, „hinter’s Licht“ Geführten und dort Gehaltenen.

Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet.

Natürlich ist in jeder Weltanschauung manches, für sich, isoliert, betrachtet, „richtig“ und „(relativ) wahr“. So wie in einer vergifteten Speise auch noch „Speise“ ist und nicht nur „Gift“, so wie ein Abweg auch noch ein Weg ist, so ist jede nichtchristliche Religion gerade durch ihre (scheinbar) positiven Aspekte und Elemente verführerisch. Es ist immer das „Gute“ am Schlechten, das das Schlechte für den Menschen „attraktiv“, „genießbar“ macht. Die katholische Kirche muss, müsste deshalb alles ablehnen, was in diesen falschen Religionen für „wahr und heilig“ gilt, weil dieses „Wahre“ und „Heilige“ dem absolut Unwahren und Unheiligen dient! So nützt Gebet und Fasten und Opfern gegenüber einem Götzen nichts, vielmehr hält solche Handlungs- und Lebensweise, das Befolgen solcher Vorschriften und Lehren den Betreffenden nur gefangen in einer rein eingebildeten, bzw. ihm aufgezwungenen, Para-Religiosität.

Unablässig aber verkündet sie und muss sie verkündigen Christus, der ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6), in dem die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden, in dem Gott alles mit sich versöhnt hat (4).

Deshalb mahnt sie ihre Söhne, dass sie mit Klugheit und Liebe, durch Gespräch und Zusammenarbeit mit den Bekennern anderer Religionen sowie durch ihr Zeugnis des christlichen Glaubens und Lebens jene geistlichen und sittlichen Güter und auch die sozial-kulturellen Werte, die sich bei ihnen finden, anerkennen, wahren und fördern.

Nun kommt Christus also doch noch „zum Zug“. „Unablässig aber verkündet sie und muss sie verkünden Christus, der ist „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6) Bis hierher stimmt die Aussage. Aber was geschieht seit 1965 diesbezüglich durch die Kirchenführung (Papst und Bischöfe)? Wird Christus gegenüber allen Nicht-Christen wirklich nach wie vor verkündet? So wie man es vor dem II. Vatikanum immer getan hat? Auch in den Missionen? Wie wird Christus seit diesem Dekret gegenüber den Muslimen, den Juden, den Hindus, den Buddhisten, etc. verkündet? Unablässig und als der (einzige) Weg, die(alleinige) Wahrheit und das (exklusive) Leben? In Christus finden die Menschen nicht „die Fülle des religiösen Lebens“, das sie ohne Ihn auch schon, aber noch nicht in Vollendung, gefunden hätten, sondern überhaupt erst das eigentliche religiöse Leben. Außerhalb Christi gibt es kein wahres, wirkliches religiöses Leben; denn Christus ist GOTT, der ALLEINIGE GOTT, und alle Religion ohne Ihn und gar gegen Ihn ist keine Religion. In Ihm und durch Ihn und mit Ihm hat Gott „alles“ mit Sich versöhnt; aber wer nicht in Ihm und durch Ihn und mit Ihm glaubt und lebt, ist mit Gott nicht versöhnt. So ist ein Muslim, solange er Muslim bleibt und sich nicht zu Jesus Christus bekehrt, unversöhnt mit Gott. Er kann zwar gerettet werden, aber nur wenn er in unüberwindlicher Unwissenheit zum Erlöser nach bestem Wissen und Gewissen „natürlich fromm“ lebt. Das gilt gleicherweise für die Juden, Hindus, Buddhisten, etc.

Deshalb mahnt sie (die Kirche) ihre Söhne, dass sie… jene geistlichen und sittlichen Güter… anerkennen, wahren und fördern. – [Statt „Söhne“ müsste es hier korrekt „Kinder“ heißen (figli heißt eben nicht nur „Söhne“, sondern auch „Kinder“!) Die Kirche hat ja nebst „Söhnen“ auch noch „Töchter“.] Wie sollen wir katholischen Christen die geistlichen = religiösen Güter z.B. der Muslime anerkennen, wahren und fördern? Das ist ja geradezu eine „Ermahnung“ oder „Aufforderung“ zur Apostasie! Es gibt doch in den nicht-christlichen „Religionen“ keine geistlichen und sittlichen Güter, die es in der christlichen nicht gäbe, die als spezifisch nicht-christliche anerkennens-, bewahrens-, ja fördernswert wären!

Die muslimische Religion

3. Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde (5), der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.

Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.

„Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat.“ Es ist einfach grotesk. Da treten 33 Jahre vor dem Jahr 2000 rund 2000 Bischöfe in Rom zusammen, um über ein solches Dekret zu beraten und ihm in dieser End-Fassung mit ihrer Unterschrift zuzustimmen und es damit der ganzen Kirche Christi als ihre (neue) Erkenntnis und verbindliche Lehre vorzulegen! Entweder hatten diese Oberhirten keine blasse Ahnung, was der Islam wirklich ist, weil sie je weder den Koran richtig gelesen, geschweige studiert haben, noch die Geschichte dieser durch und durch gewalttätigen Irr-Religion zur Kenntnis genommen haben, und wenn das der Fall gewesen wäre, hätten sie allein schon deshalb keine Aussage über den Islam abgeben dürfen. Oder sie waren schon derart degeneriert in ihrem Christsein, dass sie unfähig waren, die absolute Erhabenheit und Einzig(artig)keit des christlichen Glaubens zu erkennen. Richtig müsste dieser Satz etwa so lauten: „Mit höchstem Bedauern und mit tiefster Wehmut betrachtet die Kirche auch die Muslim, die statt den alleinigen Gott Jesu Christi den durch Mohammed als einer der schlimmsten Irrlehrer total entstellten Gott als „Allah“ anbeten, den toten und nicht seienden, entsetzlich unbarmherzigen und nur mit Waffengewalt mächtigen, den Widersacher des Schöpfers Himmels und der Erde, der seit seinem Sturz zu den Menschen gesprochen hat: ihr sollt Gott nicht dienen, sondern mir, ‚Allah‘.“ Wie konnte es nur zu einer solchen Verfinsterung der Geister kommen? Das Salz ist schal geworden. Das Licht ist nur noch mottende Glut. Jahrzehnte falscher, (neo-)modernistischer Theologie (und Pastoral) gehen solcher Entgleisung voraus.

„Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten“ – „und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen“. Das – nämlich „sie anerkennen Jesus nicht als Gott“ – ist hier so beiläufig gesagt, wie wenn es gar nicht ins Gewicht fiele, Hauptsache, sie verehren ihn doch als Propheten. Dabei ist genau dies das Zentralste ihrer Häresie. Wer (bewusst) nicht an die Gottheit Christi glaubt, findet kein Wohlgefallen bei Gott. Da nützt auch eine „Verehrung Jesu als Propheten“ nichts. Da hatten die Arianer und haben die Neu-Arianer und z.B. die Zeugen Jehovas, noch eine viel höhere Meinung über Jesus. Und auch das nützt ihnen nichts, dass sie „seine jungfräuliche Mutter ehren und bisweilen in Frömmigkeit anrufen“, denn die Mutter Jesu ist etwas ganz Anderes und viel Erhabeneres als das wofür die Muslime sie halten. Sie ist – eben weil Christus GOTT ist – die Mutter Gottes oder Gottes-Mutter und die Gottes-Gebärerin, weil Sie den GOTT-Menschen empfangen, im Schoße getragen, geboren hat! Und Sie ist die Königin Himmels und der Erde, und Sie ist mit Ihrem göttlichen Sohne, dem All-Herrscher, dem Pantokrator, in alle Ewigkeit die All-Herrscherin.

Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.

Ja, klar, (auch) die Anhänger Mohammeds erwarten (wie die Christen), dass Gott ihr Glauben, Beten und Fasten und ihre Almosen mit ewiger Glückseligkeit vergilt. Wer möchte schon ausgeschlossen sein von solchem Glück? Aber Christus hat gesagt: „Niemand kommt zum Vater, außer durch Mich.“ (Jo 14,6) Und: „Es ist in keinem anderen Heil; denn kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, durch den wir selig werden sollen.“ (Apg 4,12) Und: „Wer nicht aus dem Wasser und dem Heiligen Geiste wiedergeboren wird, der kann in das Reich Gottes nicht eingehen.“ (Jo 3,5) Und der große Kirchenlehrer Augustinus hält fest: „Alles kann einer außerhalb der Kirche finden, nur nicht das Heil.“ (Aug. s. ad Caes. eccl pl. 7 (43:695) Und „Alles außerhalb der Kirche ist verworfene Welt, die Kirche ist versöhnte Welt.“ (Aug. s. 96,7,8 (38:599) Und schließlich Laktanz (inst. div. 4,30,IIf.): „Nur… die katholische Kirche hat die wahre Gottesverehrung bewahrt. Sie ist der Quell der Wahrheit, die Wohnung des Glaubens, der Tempel Gottes. Wer nicht in sie eintritt oder aus ihr austritt, der begibt sich der Hoffnung des Lebens und des Heils. Schmeichle sich niemand mit hartnäckigem Festhalten an Streitpunkten. Denn es geht um sein Leben und sein Heil; und wer nicht mit Vorbedacht und Sorgfalt für sein Heil sorgt, der hat es verwirkt und verloren.“

Nur jene, die an Unkenntnis der wahren Religion leiden, wenn diese Unkenntnis unüberwindlich ist, werden deswegen, wenn sie anderseits das Naturgesetz und dessen von Gott in aller Herzen geschriebene Gebote sorgfältig beobachten sowie mit Gehorsamsbereitschaft für Gott ein anständiges und ordentliches Leben führen, in keine Schuld vor Gottes Augen verstrickt und mit Hilfe der göttlichen Erleuchtung und Gnade das ewige Leben erlangen können, denn Gott, der den Geist, die Gesinnung, die Gedanken und die ganze Einstellung jedes Menschen vollkommen klar vor Augen hat, durchschaut und kennt, kann bei Seiner höchsten Güte und Milde keineswegs zulassen, dass jemand mit ewigen Peinen bestraft wird, der sich keine freiwillige Schuld zugezogen hat. (Pius IX.)

Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.

„Die Heilige Synode ermahnt alle, das Vergangene beiseite zu lassen“! Also, die Geschichte sozusagen auszublenden, das Geschehene zu ignorieren! So zu tun, als habe es diesbezüglich nichts Erinnerungswürdiges gegeben. Welch eine Zumutung! Die Feindschaft(en) zwischen Christen und Muslimen einfach „unter den Tisch wischen“, um sich (endlich) gegenseitig verstehen zu können! Diese „Logik“ könnte man doch auf alles Gott-Feindliche anwenden! Auch auf den Ur- und Erzfeind Gottes, Satan! Es ist doch „im Lauf der Jahrhunderte“ „zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Gott und ihm gekommen! Der hat auch (entsetzlich) gelitten unter dem Unverstandensein von seiten Gottes und Seiner Getreuen! Der wäre auch heilfroh, man hätte mehr Verständnis für ihn. Was hat er schon für „soziale Gerechtigkeit“ gekämpft, z.B. im (gottlosen) Kommunismus, was hat er für seine „sittlichen Güter“ gestritten mit seinem Befreiungskampf von der „Bevormundung durch die Kirche“ und „für die Freiheit aller Menschen“ (von Gottes tyrannischen Gesetzen)! Man greift sich an den Kopf. Wie ist es nur möglich, dass eine „Heilige Synode“ von mehr als 2000 Bischöfen so etwas Unheiliges produzieren und der Welt vorsetzen kann als „Ermahnung an alle“! Wir (fried- und freiheit-liebenden) Christen sollen also (lernen) Verständnis (zu) haben für diejenigen, die uns mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln bekämpfen und unseren Frieden und unsere Freiheit rauben und uns am liebsten ausrotten wollen?! Wäre die „Heilige Synode“ tatsächlich eine vom Heiligen Geist geführte und inspirierte Versammlung gewesen, hätte sie das Wort Gottes nach Antwort auf die erkannten Probleme erforscht. Und dann hätte sie z.B. diese Anweisung des göttlichen Geistes gefunden: „Hütet euch vor den falschen Propheten! Sie kommen in Schafskleidern zu euch, innen aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten könnt ihr sie erkennen.“ (Mt 7,15) Die klägliche Synode aber gibt uns die Anweisung: Hütet euch keineswegs vor dem falschen Propheten Mohammed; denn er ist das Gegenteil von einem reißenden Wolf: er ist ein echtes Schaf, sozusagen „das Lamm Allah’s“; ihr müsst euch nur bemühen, ihn und seine Sendung zu verstehen, dann werdet ihr seine guten Früchte erkennen!

(Den Abschnitt über die jüdische Religion behandle ich hier bewusst nicht! Ich werde aber auch dazu meine ausführliche Stellungnahme abgeben!)

Universale Brüderlichkeit

5. Wir können aber Gott, den Vater aller, nicht anrufen, wenn wir irgendwelchen Menschen, die ja nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind, die brüderliche Haltung verweigern. Das Verhalten des Menschen zu Gott dem Vater und sein Verhalten zu den Menschenbrüdern stehen in so engem Zusammenhang, daß die Schrift sagt: „Wer nicht liebt, kennt Gott nicht“ (1 Joh 4,8).

So wird also jeder Theorie oder Praxis das Fundament entzogen, die zwischen Mensch und Mensch, zwischen Volk und Volk bezüglich der Menschenwürde und der daraus fließenden Rechte einen Unterschied macht.

Deshalb verwirft die Kirche jede Diskriminierung eines Menschen oder jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen, weil dies dem Geist Christi widerspricht. Und dementsprechend ruft die Heilige Synode, den Spuren der heiligen Apostel Petrus und Paulus folgend, die Gläubigen mit leidenschaftlichem Ernst dazu auf, daß sie „einen guten Wandel unter den Völkern führen“ (1 Petr 2,12) und womöglich, soviel an ihnen liegt, mit allen Menschen Frieden halten (14), so daß sie in Wahrheit Söhne des Vaters sind, der im Himmel ist (15).

Nun hat die Kirche Christi während rund 2000 Jahren „die brüderliche Haltung“ all jenen gegenüber immer „verweigert“, die ihrer Führung im Auftrage Christi nicht gefolgt sind, angefangen von den Irrlehrern und Schismatikern schon zu Zeiten der Apostel, über alle (ernsthaften) Oppositionellen im Laufe der Jahrhunderte. Sie hat es nicht geduldet und konnte es nicht dulden, dass Unkraut in ihren heiligen Garten gesät und gepflanzt wurde. Die ganze Kirchengeschichte kann man auch als ein Sich-Reinhalten von aller Ansteckung von geistiger Krankheit, von Unwahrheit und Falschheit sehen durch das entschlossene Ausmerzen mit dem Verdikt: „Anathema sit!“ Sie müßte sich also gegenüber allen Abweichlern und Besserwissern, gegenüber allen Verurteilten und Ausgeschlossenen, nachträglich entschuldigen; denn sie hätte somit jedesmal, wenn sie einen Kirchenbann aussprach, „nicht geliebt“ und „Gott nicht gekannt“!

So wird also jeder Theorie oder Praxis das Fundament entzogen, die zwischen Mensch und Mensch, zwischen Volk und Volk bezüglich der Menschenwürde und der daraus fließenden Rechte einen Unterschied macht. Wenn die Kirche Christi jenen gegenüber, die sie in irgendeiner Weise bekämpften, „die brüderliche Haltung verweigert“ hat, dann hätte sie nach dieser Auffassung „zwischen Mensch und Mensch bezüglich der Menschenwürde und der aus ihr fließenden Rechte einen (unzulässigen, verwerflichen) Unterschied gemacht“; sie hätte also die Menschenwürde der Verurteilten und Ausgeschlossenen verletzt!

„Deshalb verwirft die Kirche jede Diskriminierung eines Menschen oder jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen, weil dies dem Geist Christi widerspricht.“ Zurecht verwirft sie jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes willen“! Aber verwirft sie zurecht jede Diskriminierung um seiner Religion willen? Völlig zu unrecht! Es ist sogar Pflicht eines jeden Christgläubigen, die Geister zu unterscheiden (engl. discriminate). „Glaubt nicht jedem Geiste, sondern prüft (diskriminiert) die Geister, ob sie aus Gott sind; denn es sind schon viele falsche Propheten in die Welt ausgegangen.“ (I Jo 4,1.) Die Kirche Christi muß ihre Feinde erkennen und von ihren Gliedern unterscheiden, und wenn sie feststellt, dass sie bösartig sind, muss sie sie auch diskriminieren im Sinne von „herabsetzen“ und „herabwürdigen“. Auch der Gottessohn Selber hat dies getan: „Ihr Otterngezücht, ihr Natternbrut!“

Und dementsprechend ruft die Heilige Synode, den Spuren der heiligen Apostel Petrus und Paulus folgend, die Gläubigen mit leidenschaftlichem Ernst dazu auf, daß sie „einen guten Wandel unter den Völkern führen“ (1 Petr 2,12) und womöglich, soviel an ihnen liegt, mit allen Menschen Frieden halten (14), so daß sie in Wahrheit Söhne des Vaters sind, der im Himmel ist (15).

Nun, „die Heilige Synode“ hat mit diesem ganzen Dokument bewiesen, dass sie „den Spuren der heiligen Apostel Petrus und Paulus“ nicht folgte, ja sie gar nicht als Richtschnur und Anleitung benutzte. Aber dieser „leidenschaftliche Aufruf“ ginge, für sich allein stehend, gewiss in Ordnung; denn ein guter Christ soll immer, soviel an ihm liegt, mit allen Menschen Frieden halten; aber keineswegs darf er dies tun auf Kosten seines Glaubens und Zeugnisses. Die „universale Brüderlichkeit“ bleibt eine Schimäre, solange Satan der Fürst dieser Welt ist. Nur im „Reich Gottes“ herrscht „universale Brüderlichkeit“. Papst Leo XIII. schrieb in seiner Enzyklika „Humanum genus“: „Nachdem das Menschengeschlecht durch den Neid des Teufels von Gott, dem Schöpfer und Spender der himmlischen Güter, so kläglich abgefallen ist, hat es sich in zwei verschiedene und einander entgegengesetzte Lager geteilt; das eine kämpft unausgesetzt für Wahrheit und Tugend, das andere für alles, was der Wahrheit und Tugend widerstreitet. Das eine ist das Reich Gottes auf Erden, nämlich die wahre Kirche Christi, wer ihm wahrhaft und zu seinem Heile angehören will, der muss Gott und seinem Eingeborenen Sohne mit ganzer Seele und mit voller Hingebung seines Willens dienen. Das andere ist das Reich des Satans, dem alle jene botmäßig und zu eigen sind, die dem verhängnisvollen Beispiel ihres Führers und unserer Stammeltern gefolgt sind, dem ewigen göttlichen Gesetz den Gehorsam veweigern und vieles mit Verachtung Gottes, ja gegen Gott Selbst zu unternehmen suchen.“

Paul Otto Schenker

ES GIBT NUR E-I-N-E ÜBERNATÜRLICHE RELIGION

Das Wort „Religion“ kommt von re-ligare, wobei „ligare“ anbindenverbinden heißt (vgl. ligation), und die Vorsilbe „re“ wieder und zurück bedeutet. Zusammen also: (Wieder-)Anbindung, Zurückbindung an Gott. Das ist auch die etymologische Interpretation des Kirchenvaters Lactantius (250-317) und des Kirchenlehrers Augustinus (354-430), der auch noch den Ehrentitel „Kirchenvater“ trägt! Auch der hl. Isidor von Sevilla (560-636) als „letzter Kirchenvater des Westens“ deutet das Wort „Religion“ so: «Llamada religión porque por ella religamos nuestras almas a Dios».

Religion ist demnach das Gesamt des Spezifischen dessen, was uns Menschen mit Gott verbindet. (Ist das Band des Geschöpfes zum Schöpfer.) Da es nur einen wahren Gott gibt, gibt es auch nur eine wahre Religion. Danebst gibt es viele Pseudo-Religionen: Glaubenssysteme, die sich „Religion“ nennen und „Religion“ genannt werden, es aber in Wirklichkeit, vor dem einen GOTT, nicht sind, weil sie der einen, von GOTT Selbst offenbarten Religion widersprechen. Religion hat und religiös ist also nur derjenige, der verbunden ist mit dem einen wahren Gott durch den einen wahren Glauben, und dieser ist der CHRISTLICHE und kein anderer.

Und echt und wahr und vollkommen christlich ist nur der Glaube, der ALLES umfasst, was CHRISTUS und der von IHM bis zum Ende der Zeiten gesandte HEILIGE GEIST offenbart und lehrt und gebietet, und ALLES ausschließt, was ER, was der HEILIGE GEIST als Unwahrheit, als Verführung, als Täuschung, als Lüge, als Irrlehre verurteilt.

Die römisch-katholische, apostolische Kirche, das Reich Christi auf Erden, ist dieTrägerin, die Hüterin und Schatzmeisterin und Ausspenderin (der „Kanal“) dieser einen Religion. „ICH BIN der WEG, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch MICH.“ (Johannes 14,6)

 

Zitat aus „Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon oder Encyklopädie der katholischen Theologie und ihrer Hülfswissenschaften.“ Zweite Auflage. Freiburg im Breisgau. Herder’sche Verlagshandlung, 1897 (Hervorhebungen durch uns):

Der Anfang der übernatürlichen Religion ging aber wie die ganze Schöpfung von Gott aus; denn nach der Lehre der heiligen Schrift hat Gott nicht nur den Menschen nach Leib und Seele erschaffen, sondern ihn auch übernatürlich ausgestattet und persönlich mit ihm verkehrt. Da nach allgemeiner Annahme die übernatürliche Ausstattung im ersten Augenblick der Erschaffung des Menschen erfolgte, so hatte der erste Mensch von Anfang an eine übernatürliche Religion. Zwar ging die ursprüngliche Gerechtigkeit durch die Sünde verloren, aber damit konnte doch nicht alle Erinnerung und alle Übung der Religion verschwunden sein. Tatsächlich hat also ihrem Ursprunge nach nie eine natürliche Religion bestandenDie heidnischen Religionen sind nur Verunstaltungen der Uroffenbarung, Verirrungen des Verstandes und der Leidenschaften. Auch haben fast alle Völker die Erinnerung an ein verschwundenes glückliches Zeitalter bewahrt und des Glaubens gelebt, daß Gott sich in der Urzeit den Vorfahren geoffenbart habe. Daß die Cultusvölker ihre heiligen Schriften auf Offenbarung zurückführen, ist bei jeder Deutung dieser Thatsache ein Beweis für das Verlangen, der Religion einen übernatürlichen Ursprung zu wahren. Wenn nichtsdestoweniger von einer „natürlichen Religion“ gesprochen wird, so wird sie katholischerseits mit der natürlichen Gotteserkenntniß identificiert (vgl. Theologische Quartalschrift 1889, 202 ff.), dagegen von rationalistischer und evolutionistischer Seite absichtlich der Offenbarung entgegengestellt. Gläubigerseits hat man früher die schon bei Scävola und Varro erwähnte religio naturalis = Philosophie als theologia naturalis gefaßt. Raimund von Sabunde (s. d. Art.) schrieb unter diesem Namen die erste Religionsphilosophie, und M. Canus unterschied zwischen theologia naturalis und supernaturalis. Erst bei den Deisten und Rationalisten trat das auf, was man natürliche Religion im modernen Sinne zu nennen pflegt. Von da an wurden auch nach den Vorgängen der alten Philosophen verschiedene Versuche zur Erklärung des Ursprungs der Religion, die man nur als ein Product des natürlichen Geistes gelten lassen wollte, angestellt. Man suchte diesen Ursprung in äußeren und inneren Gründen. Von jenen soll die Zurückführung auf den Betrug der Staatsmänner oder Priester oder auf einen Vertrag zwischen Herrschern und Völkern nur erwähnt sein, weil sie zu augenscheinlich durch die Geschichte der Religionen widerlegt wird. Mehr Berechtigung scheint die Ableitung aus dem Verhältnisse des Menschen zu der Natur zu haben. Seit Epicur, Lucretius und Petronis bis zu Hume und Strauß mußte die Furcht der Religion oft den Grund leihen; primus in orbe deos ficit timor (Statius, Thebais 3, 661), lautet seit Statius der Wahlspruch der Naturalisten. Diese Hypothese zählt unter den Linguisten, Culturhistorikern und Naturforschern zahlreiche Vertheidiger. Allein so gewiß auch die gewaltigen Naturereignisse und die zahllosen Gefahren, denen der Naturmensch ausgesetzt ist, auf die religiösen Anschauungen einwirken, so wenig wahrscheinlich ist es, daß letztere aus ersteren abgeleitet worden sind. Denn die Furcht vor den Göttern oder übersinnlichen Wesen, welche schädlich oder nützlich in der Natur wirken, setzt den Glauben an ihre Existenz voraus. Der Begriff des Übersinnlichen, einer höheren Macht muß bereits gegeben sein. Ohne das Gefühl der Abhängigkeit nicht nur von der Natur, sondern auch von einer höheren in derselben wirksamen Macht könnte die Religion gar nicht entstehen. Jenes Gefühl ist aber überall bereits vorhanden, und es kann nicht bloß auf einer vorübergehenden Einbildung beruhen, sonst ginge es schnell vorüber und würde mit der bessern Einsicht in die Natur verschwinden. Ohne eine ursprüngliche Verbindung und Berührung mit Gott fehlt dem Übergange vom Naturereigniß zum Gottesbegriff der zureichende Grund. Auch wenn man die Furcht vor dem Tode mit der Furcht vor den schädlichen Einflüssen der Natur verbindet, kommt man nicht auf den Ursprung der Religion, denn die Wilden glauben nicht an eine natürliche Ursache des Todes, sondern suchen diese in einem bösen Einflusse der Geister. Der Fetisch soll gerade gegen diesen Einfluß schützen, setzt also den Glauben oder Aberglauben schon voraus. Deßhalb ist es auch unrichtig, den Fetischismus (s. d. Art.) als das Anfangsstadium der Religion zu betrachten. Auch die Furcht vor den Geistern der Verstorbenen und der Ahnencult können die Entstehung der Religion nicht erklären. Aus den Ahnen können nur göttliche Wesen gemacht werden, wenn man die Idee von solchen schon besitzt. Das Erscheinen derselben im Traume wäre weder für den Glauben an höhere Wesen noch für den Glauben an die Unsterblichkeit ausreichend. Nie ist ein Ahnengeist zu einem Volksgott geworden. Selbst der bei den Wilden weit verbreitete Ahnencult enthält noch andere Elemente. – Als innere Ursachen für den Ursprung der Religion werden die verschiedenen Seelenkräfte bezeichnet, die Phantasie, der Verstand, das Gefühl mit dem Willen. Daß die letzteren bei der Religion thätig sind, wurde schon bemerkt, hervorbringen können sie dieselbe aber nicht. Alle diese Erklärungsversuche scheitern schon an dem gemeinsamen Fehler, daß sie die mit der Religion unzertrennlich verbundenen Verpflichtungen und das Vorhandensein der Religion bei hochcivilisirten Völkern nicht erklären können. Die Phantasie ist am wenigsten für den Ernst der Religion geeignet. Ihr Spiel kann bei der Ausschmückung und in der Mythologie thätig sein, wird aber als solches erkannt, ohne daß deßhalb die Religion allgemein aufgegeben würde. Der Verstand hat das Bedürfniß nach der Erforschung der Ursachen, ohne bis zur Lösung aller Räthsel vorzudringen. Wenn er aber daraus auf eine erste Ursach schließt, so hat er Gott nicht geschaffen, ja nicht einmal erkannt. Der Glaube an Gott ist überall bereits vorhanden. Die größten Geister, wie Plato und Aristoteles, haben mit ihren Forschungen den Volksglauben nicht beseitigen können. Die niederen Völker konnten also noch weniger dadurch zur Religion gelangt sein. Wollte man aber die allmälige Entwicklung aus dem Thierreiche zu Hilfe nehmen, so wäre vor Allem zu bemerken, daß beim Thier weder von Religion noch von Sittlichkeit die Rede sein kann. Die so gedeuteten Instincte reichen nicht aus, auch nur die Anfänge religiösen Lebens wie Opfer, Gebet, Begräbniß zu veranlassen. Die Geschichte beweist aber, daß alle Völker, auch die Wilden, bereits derartige Gebräuche haben. Die Religion setzt also eine specifische Anlage des vernünftigen Menschen voraus und zieht alle Kräfte desselben in den Kreis ihrer Wirksamkeit. Wie diese Anlage zur Entwicklug kommt, läßt sich aus der Entwicklung des Menschen zur Sprach- und Vernunftthätigkeit bloß vermuthen. Thatsächlich ist der Mensch auf die Einwirkung seiner Mitmenschen angewiesen, und der erste Mensch ist in vollem Gebrauch seiner körperlichen und geistigen Kräfte erschaffen worden.

Nach der Darstellung der heiligen Schrift hat sich die wahre Gotteserkenntniß und Gottesverehrung, welche aus der Uroffenbarung geflossen war, nur bei der sethitischen Linie erhalten. Noe rettete dieselbe über die Sintflut und wurde in ihr durch den Bund mit Jehova gestärkt. Er vererbte sie auf seine Söhne, aber sie wurde nur bei den Semiten bewahrt. Auch aus diesen mußte Abraham ausgesondert werden, um Träger der Verheißungen und Stammvater des auserwählten Volkes zu werden. Dieses wurde unter Moses durch die Gesetzgebung am Sinai constituirt und hielt, von Propheten gemahnt und belehrt, die Verehrung des wahren Gottes bis zur Zeit der Erfüllung im Messias aufrecht, verlor aber das Verständniß für die messianische Vollendung. Deßhalb wurde die alte Synagoge verworfen und ein neues Israel, die christliche Kirche, gegründet. In dieser ist die wahre Religion mit der Gnade und Wahrheit und die wahre Verehrung Gottes im Geiste und in der Wahrheit vorhanden. Die Völker aber, welche Gott ihre Wege gehen ließ, verloren den Schatz der Uroffenbarung immer mehr. Nur wenige Strahlen haben die Finsterniß des Heidenthums erhellt. Vom ursprünglichen Monotheismus verfielen sie in den Polytheismus, Pantheismus, Naturalismus; vom unschuldigen Paradieseszustand führen zahlreiche Abwege zu den häßlichsten sittlichen Verirrungen der Unzucht, der Menschenopfer und des Kannibalismus. Von den verschiedenen Eintheilungen der heidnischen Religionen sei nur die in Cultur- und Naturreligionen genannt, weil sie den absteigenden Gang der Entwicklung bezw. die Depravation zeigt. Will man bei den ersten die allerdings nicht mit den Rassenunterschieden zu identificirenden Gruppen, welche die vergleichende Sprachforschung ergeben hat, beiziehen, so erhält man die Religionen der Indogermanen, Semiten und Turanier. Die Indogermanen (Inder, Iranier, Griechen, Römer, Kelten, Germanen, Sklaven) bildeten ursprünglich das arische Urvolk und zeigen in Dyaus noch den gemeinsamen Himmelsvater. Die Semiten (Assyrier, Chaldäer, Aramäer, Araber, Canaaniter) haben in dem gemeinsamen El den Einen Gott an der Spitze, haben sich aber auch im Cult durch Grausamkeit und Wollust ausgezeichnet. Die Aegypter bilden eine chamitische Vorstufe nach Sprache und Religion, hatten aber schon sehr früh eine hohe Culturstufe erreicht. Die turanischen Chinesen sind in ihrer Schrift stationär geblieben, haben aber in ihrer Religion gewechselt. Ihr „Himmelsherr“ erinnert noch an den Monotheismus. Die übrigen Turanier haben es zu keiner ausgebildeten Schrift und Religion gebracht oder sind wieder herabgesunken. Dasselbe ist der Fall bei den Völkern der Südsee, Australiens und Amerika’s wie bei der vielleIcht den Semiten näher stehenden schwarzen Rasse. (Vgl. außer den Lehrbüchern der Apologetik von Gutherlet, Schill, Stöckl und Anderen Schanz, Apologie des Christenthums I, 2. Aufl. , Freiburg 1895, 73 ff.; II. 1888, 1 ff. und die zahlreiche daselbst verzeichnete Literatur, sowie Chantepie de la Saussaye, Lehrbuch der Religionsgeschichte, Freiburg 1887 bis 1889). (Schanz.)

Athanasius Schneider: „Die Vielfalt der Religionen ist nicht gottgewollt“

Weihbischof Athanasius Schneider über den Glanz der Gotteskindschaft

DER CHRISTLICHE GLAUBE IST DIE EINZIG GÜLTIGE RELIGION UND DER EINZIGE VON GOTT GEWOLLTE GLAUBE

Der christliche Glaube ist die einzig gültige Religion und der einzige von Gott gewollte Glaube. Msgr. Athanasius Schneider, Weihbischof des Erzbistums Astana in Kasachstan, veröffentlichte nach der jüngsten Reise von Papst Franziskus in die Vereinigten Arabischen Emirate eine Stellungnahme. Darin korrigiert er die Aussagen von Franziskus, daß der religiöse Pluralismus dem „weisen, göttlichen Willen“ entspreche, also gottgewollt sei. So hatte es Franziskus in Abu Dhabi erklärt, und so steht es in einem „Dokument für die universale Brüderlichkeit“, das er zusammen mit dem Großimam von Al-Azhar unterzeichnete.

 

Das Geschenk der Gotteskindschaft

Die Wahrheit der Gotteskindschaft in Christus, die an sich übernatürlich ist, bildet die Synthese aller göttlichen Offenbarungen. Die Gotteskindschaft ist immer ein Geschenk der Gnade, das erhabenste Geschenk Gottes an die Menschheit. Dieses Geschenk wird jedoch nur durch den persönlichen Glauben an Christus und durch den Empfang der Taufe erlangt, wie der Herr selbst gesagt hat:

„Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, daß ich dir sagte: Ihr müßt von neuem geboren werden“ (Joh 3,5-7).

In den vergangenen Jahrzehnten gab es oft – sogar aus dem Mund einiger Vertreter der kirchlichen Hierarchie – Aussagen zur Theorie der „anonymen Christen“. Diese Theorie besagt folgendes: Die Mission der Kirche in der Welt würde letztendlich darin bestehen, das Bewußtsein zu wecken, das alle Menschen von ihrer Errettung in Christus und folglich ihrer Gotteskindschaft hätten. Denn nach dieser Theorie würde jeder Mensch bereits in der Tiefe seiner Person die Gotteskindschaft besitzen. Eine solche Theorie widerspricht jedoch direkt der göttlichen Offenbarung, wie Christus sie gelehrt hat, und wie seine Apostel und die Kirche seit zweitausend Jahren unveränderlich und ohne jeden Zweifel überliefert haben.

In seinem Essay „Die Kirche aus Juden und Heiden“ (1933) hatte der bekannte Konvertit und Exeget, Erik Peterson, schon lange zuvor vor der Gefahr einer solchen Theorie gewarnt , als er erklärte, daß wir das Christsein nicht auf die natürliche Ordnung reduzieren können, in der die Früchte der Erlösung, die von Jesus Christus gewirkt wurde, generell jedem Menschen als eine Art Erbschaft zugeschrieben werden, nur weil er die Menschennatur mit dem menschgewordenen Wort teile. Die Gotteskindschaft ist jedoch kein automatisches Ergebnis, das durch die bloße Zugehörigkeit zur Menschheit garantiert wird.

Der heilige Athanasius (vgl. Oratio contra Arianos II, 59) hinterließ uns eine einfache und zugleich genaue Erklärung des Unterschieds zwischen dem natürlichen Zustand der Menschen als Geschöpfe Gottes und der Herrlichkeit, Kinder Gottes in Christus zu sein. Der heilige Athanasius entfaltet sein Denken, indem er von den Worten des heiligen Evangeliums nach Johannes ausgeht, das sagt:

„Allen aber, die ihn aufnahmen, / gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, / allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, / nicht aus dem Willen des Fleisches, / nicht aus dem Willen des Mannes, / sondern aus Gott geboren sind“ (Joh 1,12-13).

Johannes verwendet den Ausdruck „aus Gott geboren“, um zu sagen, daß der Mensch nicht von Natur aus ein Kind Gottes ist, sondern durch Adoption wird. Diese Tatsache zeigt die Liebe Gottes, da derjenige, der ihr Schöpfer ist, dann durch die Gnade auch zu ihrem Vater wird. Dies geschieht, wie der Apostel sagt, wenn Menschen in ihrem Herzen den Geist des menschgewordenen Sohnes empfangen, der in ihnen ruft: „Abba, Vater!“ Der heilige Athanasius fährt fort, indem er sagt: Als erschaffene Wesen können die Menschen Kinder Gottes ausschließlich durch den Glauben und die Taufe werden, indem sie den Geist des wahren und natürlichen Sohnes Gottes empfangen. Genau aus diesem Grund ist das Wort fleischgeworden, um die Menschen fähig zu machen, als Kinder adoptiert zu werden und an der göttlichen Natur teilzuhaben. Folglich ist Gott von Natur aus im strengen Sinne nicht der Vater der Menschen. Nur wer bewußt Christus annimmt und getauft wird, wird in der Wahrheit rufen können: „Abba, Vater“ (Röm 8,15, Gal 4,6).

Von Anfang an gab es in der Kirche die Feststellung, wie Tertullian bezeugt:

„Man wird nicht als Christ geboren, ein Christ wird man“ (Apg. 18, 5).

Und der hl. Cyprian von Karthago hat diese Wahrheit gesichert formuliert:

„Gott kann nicht zum Vater haben, wer nicht die Kirche zur Mutter hat“ (De unit. 6).

Die dringlichste Aufgabe der Kirche in unserer heutigen Zeit ist es, sich um den geistigen Klimawandel und das Klima der geistigen Migration zu kümmern, damit das Klima des Nicht-Glaubens an Jesus Christus und das Klima der Ablehnung des Königtums Christi in ein Klima umgewandelt werden des ausdrücklichen Glaubens an Jesus Christus und der Annahme seines Königtums, und daß die Menschen aus dem Elend der geistigen Sklaverei des Nicht-Glaubens emigrieren können zum Glück, Kinder Gottes zu sein, und aus einem Leben in der Sünde in den Stand der heiligmachenden Gnade. Das sind die Migranten, derer wir uns dringend annehmen müssen.

Das Christentum ist die einzige von Gott gewollte Religion, daher kann das Christentum niemals komplementär neben andere Religionen gestellt werden. Wer die These vertritt, daß Gott die Vielfalt der Religionen wolle, verletzt die Wahrheit der göttlichen Offenbarung, wie sie im Ersten Gebot des Dekalogs unmißverständlich bekräftigt wir. Nach dem Willen Christi muß der Glaube an Ihn und Seine göttliche Lehre die anderen Religionen ersetzen , jedoch nicht mit Gewalt, sondern mit einer liebevollen Überzeugung, wie es der Lobgesang des Christkönigsfestes ausdrückt:

„Non Ille regna cladibus, non vi metuque subdidit: alto levatus stipite, amore traxit omnia“(„Nicht mit dem Schwert, der Kraft und der Angst unterwirft Er die Völker, sondern erhöht am Kreuz zieht Er alles liebend an sich“).

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Joh 14,6).

Der menschgewordene Sohn Gottes hat gelehrt, daß es außerhalb des Glaubens an Ihn keine wahre Religion geben kann, die Gott gefällt:

„Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden“ (Joh 10, 9).

Gott hat allen Menschen ausnahmslos geboten, auf seinen Sohn zu hören:

„Dies ist mein geliebter Sohn; auf Ihn sollt ihr hören“ (Mk 9,7).

Gott hat nicht gesagt: „Sie können Meinem Sohn oder anderen Religionsstiftern zuhören, da es Mein Wille ist, daß es verschiedene Religionen gibt.“

Gott hat die Anerkennung der Religion anderer Götter verboten:

„Du sollst neben mir keine anderen Götter haben“ (Ex 20,3) und „Was haben denn Gerechtigkeit und Gesetzwidrigkeit miteinander zu tun? Was haben Licht und Finsternis gemeinsam? Was für ein Einklang herrscht zwischen Christus und Beliar? Was hat ein Gläubiger mit einem Ungläubigen gemeinsam? Wie verträgt sich der Tempel Gottes mit Götzenbildern?“ (2 Kor 6,14-16).

Wenn die anderen Religionen gleichermaßen dem Willen Gottes entsprechen würden, hätte es zur Zeit von Moses keine göttliche Verurteilung der Religion des goldenen Kalbes gegeben (siehe Ex 32, 4-20). Dann könnten die heutigen Christen die Religion eines neuen goldenen Kalbes ungestraft kultivieren, da nach dieser Theorie alle Religionen ebenso gottgefällig wären.

Gott gab den Aposteln und durch sie der Kirche für alle Zeiten den feierlichen Befehl, alle Völker und die Anhänger aller Religionen in dem einen wahren Glauben zu unterweisen, sie zu lehren, alle seine göttlichen Gebote zu beachten und sie zu taufen (siehe Mt 28,19-20). Seit die Apostel und der erste Papst zu predigen begonnen haben, hat die Kirche immer verkündet, daß es in keinem anderen Namen eine Erlösung gibt, das heißt, es gibt keinen anderen Glauben unter dem Himmel durch den Menschen gerettet werden können, außer im Namen und Glauben an Jesus Christus (siehe Apostelgeschichte 4, 12).

Mit den Worten des heiligen Augustinus lehrte die Kirche zu allen Zeiten:

„Nur die christliche Religion weist den für alle offenen Weg für das Heil der Seele. Ohne sie wird niemand gerettet. Dies ist der Königsweg, denn er allein führt nicht zu einem Reich das durch irdische Höhe schwankt, sondern zu einem dauerhaften Reich in der stabilen Ewigkeit“ (De civitate Dei, 10, 32,1).

Die folgenden Worte des großen Papstes Leo XIII. bezeugen dieselbe, zu allen Zeiten unveränderliche Lehre des Lehramts, indem er versicherte:

„Der große moderne Irrtum des religiösen Indifferentismus und der Gleichheit aller Kulte ist der geeignetste Weg, alle Religionen zu vernichten und vor allem die katholische, die als einzig wahre nicht ohne enorme Ungerechtigkeit in ein Bündel mit den anderen zusammengenommen werden kann“ (Enzyklika Humanum genus , Nr. 16).

In jüngster Zeit hat das Lehramt im Dokument „Dominus Iesus“ (6. August 2000) im Wesentlichen dieselbe unveränderliche Lehre vorgelegt, aus der wir relevante Aussagen zitieren:

„Der theologale Glaube, die Annahme der durch den einen und dreifaltigen Gott geoffenbarten Wahrheit, wird deswegen oft gleichgesetzt mit der inneren Überzeugung in den anderen Religionen, mit religiöser Erfahrung also, die noch auf der Suche nach der absoluten Wahrheit ist und der die Zustimmung zum sich offenbarenden Gott fehlt. Darin liegt einer der Gründe für die Tendenz, die Unterschiede zwischen dem Christentum und den anderen Religionen einzuebnen, ja manchmal aufzuheben“(Nr. 7). „Im Gegensatz zum christlichen und katholischen Glauben stehen jedoch Lösungsvorschläge, die ein Heilswirken Gottes außerhalb der einzigen Mittlerschaft Christi annehmen“ (Nr. 14). „Nicht selten wird der Vorschlag gemacht, in der Theologie Ausdrücke wie »Einzigkeit«, »Universalität« oder »Absolutheit« zu vermeiden, weil dadurch der Eindruck entstünde, die Bedeutung und der Wert des Heilsereignisses Jesu Christi würde gegenüber den anderen Religionen in übertriebener Weise betont. In Wirklichkeit bringen diese Worte nur die Treue zum Offenbarungsgut zum Ausdruck, weil sie sich aus den Glaubensquellen selbst ergeben“ Nr. 15). „Aus dem Gesagten geht klar hervor, daß es dem katholischen Glauben widerspräche, die Kirche als einen Heilsweg neben jenen in den anderen Religionen zu betrachten, die komplementär zur Kirche, ja im Grunde ihr gleichwertig wären, insofern sie mit dieser zum eschatologischen Reich Gottes konvergierten“ (Nr. 21). Die Glaubenswahrheit schließt zugleich radikal jene Mentalität des Indifferentismus aus, die „durchdrungen ist von einem religiösen Relativismus, der zur Annahme führt, daß ‚eine Religion gleich viel gilt wie die andere’“ (Nr. 22).

Die Apostel und unzählige christliche Märtyrer aller Zeiten, besonders die der ersten drei Jahrhunderte, hätten sich das Martyrium erspart, wenn sie gesagt hätten: „Die heidnische Religion und ihr Kult ist ein Weg, der auch dem Willen Gottes entspricht“. Es hätte beispielsweise kein christliches Frankreich gegeben, „die älteste Tochter der Kirche“, wenn der heilige Remigius dem König der Franken, Chlodwig, gesagt hätte: „Du darfst deine heidnische Religion nicht aufgeben; du kannst die Religion Christi zusammen mit deiner heidnischen Religion praktizieren“. In Wirklichkeit sagte der heilige Bischof anderes, und das sogar auf sehr strenge Weise: „Liebe, was du verbrannt hast, und verbrenne, was du geliebt hast!“

Eine wahre universale Brüderlichkeit kann nur in Christus existieren, das heißt zwischen getauften Personen. Die volle Ehre der Gotteskindschaft wird nur in der seligen Schauung Gottes im Himmel erreicht, wie es die Heilige Schrift lehrt:

„Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, daß wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist“ (1 Joh 3, 1-2).

Keine Autorität auf Erden – nicht einmal die höchste Autorität der Kirche – hat das Recht, jeden Anhänger einer anderen Religion vom expliziten Glauben an Jesus Christus zu dispensieren, das heißt vom Glauben an den menschgewordenen Sohn Gottes und einzigen Erlöser der Menschen, mit der Versicherung, daß die verschiedene Religionen als solche von Gott selbst gewollt seien. Denn unauslöschlich – weil mit dem Finger Gottes geschrieben und kristallklar in seiner Bedeutung – bleiben jedoch die Worte des Sohnes Gottes:

„Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat“ (Joh 3, 18).

Diese Wahrheit war bis jetzt in allen christlichen Generationen gültig und wird bis zum Ende der Zeiten gültig bleiben, ungeachtet der Tatsache, daß einige Personen in der Kirche unserer Zeit so instabil, feige, sensationsgierig und konformistisch sind, diese Wahrheit in einem entgegengesetzten Wortsinn umzuinterpretieren, aber diese Neuinterpretation als Kontinuität in der Entwicklung der Lehre ausgeben.

Außerhalb des christlichen Glaubens kann keine andere Religion ein wahrer und von Gott gewollter Weg sein, weil es der ausdrückliche Wille Gottes ist, daß alle Menschen an Seinen Sohn glauben:

„Denn es ist der Wille meines Vaters, daß alle, die den Sohn sehen und an ihn glauben, das ewige Leben haben und daß ich sie auferwecke am Letzten Tag“ (Joh 6,40).

Außerhalb des christlichen Glaubens ist keine andere Religion imstande, das wahre übernatürliche Leben zu vermitteln:

„Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast“ (Joh 17, 3).

8. Februar 2019

+ Athanasius Schneider
Weihbischof der Erzdiözese der Allerheiligsten Jungfrau Maria in Astana

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Quelle