Johannes Paul II.: Fatima, Jacinta und Francisco, die Botschaft ihres Lebens

Francisco und Jacinta

APOSTOLISCHE REISE NACH FATIMA
SELIGSPRECHUNG DER HIRTENKINDER JACINTA UND FRANCISCO

PREDIGT VON JOHANNES PAUL II.

Samstag, 13. Mai 2000

1. »Ich preise dich, Vater, […] weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast« (Mt 11,25).

Mit diesen Worten, liebe Brüder und Schwestern, lobt Jesus den Vater im Himmel für seine Pläne; er weiß, daß niemand zu ihm kommen kann, wenn ihn nicht der Vater zu ihm hinführt (vgl. Joh 6,44); und daher lobt er diesen Plan und stimmt ihm in Kindeshaltung zu: »Ja, Vater, so hat es dir gefallen« (Mt 11,26). Es hat dir gefallen, das Himmelreich den Unmündigen zu öffnen.

Nach dem göttlichen Plan ist »eine Frau, mit der Sonne bekleidet« (Offb 12,1), vom Himmel auf diese Erde herabgekommen, um die vom Vater bevorzugten Unmündigen aufzusuchen. Sie spricht mit der Stimme und dem Herzen einer Mutter zu ihnen: Sie lädt sie ein, sich als Sühneopfer darzubringen, und erklärt sich bereit, sie sicher vor Gott zu führen. Und siehe, sie sehen ein Licht von ihren Mutterhänden ausgehen, das sie bis ins Innerste durchdringt, so daß sie sich in Gott eingetaucht fühlen – wie wenn jemand sich im Spiegel betrachtet, so beschreiben sie es.

Später erklärte Francisco, einer der drei Bevorzugten: »Wir brannten in jenem Licht, das Gott ist, aber wir verbrannten nicht. Wie ist Gott? Das kann man nicht sagen. Ja, das ist etwas, das wir Menschen nicht sagen können.« Gott: ein Licht, das brennt, aber nicht verbrennt. Dieselbe Wahrnehmung hatte Mose, als er Gott im brennenden Dornbusch sah; dabei sprach Gott zu ihm, besorgt über die Knechtschaft seines Volkes und entschlossen, es durch seine Hand zu befreien: »Ich werde mit dir sein« (vgl. Ex 3,2–12). Alle, die diese göttliche Gegenwart in sich aufnehmen, werden zur Wohnstatt und folglich zum »brennenden Dornbusch« des Allerhöchsten.

2. Was den sel. Francisco am meisten wunderte und ganz in Ansprach nahm, war Gott in jenem immensen Licht, das sie alle drei bis in ihr Innerstes durchdrungen hatte. Nur ihm jedoch zeigte sich Gott »so traurig«, wie er es ausdrückte. Eines Nachts hörte sein Vater ihn schluchzen und fragte ihn, warum er weinte; der Sohn antwortete: »Ich dachte an Jesus, der so traurig ist wegen der Sünden, die gegen ihn begangen werden.« Ein einziger – für die Denkart der Kinder so bezeichnender – Wunsch bewegt von nun an Francisco, und es ist der, »Jesus zu trösten und froh zu machen«.

In seinem Leben bringt er eine Wandlung zuwege, die man als radikal bezeichnen könnte; eine Wandlung, wie sie für Kinder seines Alters sicher nicht alltäglich ist. Er gibt sich einem intensiven geistlichen Leben hin, das sich in eifrigem und inbrünstigem Gebet niederschlägt, so daß er zu einer wahren Form mystischer Vereinigung mit dem Herrn gelangt. Und gerade das bringt ihn zu einer fortschreitenden Läuterung des Geistes durch vielerlei Verzicht auf Angenehmes, selbst unschuldige Kinderspiele.

Francisco ertrug die großen Leiden, welche die Krankheit verursachte, die zu seinem Tod führte, ohne jede Klage. Alles schien ihm wenig, um Jesus zu trösten; er starb mit einem Lächeln auf seinen Lippen. Groß war in dem kleinen Jungen der Wunsch, Sühne zu leisten für die Beleidigungen der Sünder; und so strengte er sich an, gut zu sein, und opferte Verzicht und Gebete auf. Und Jacinta, seine fast zwei Jahre jüngere Schwester, lebte von denselben Gefühlen getragen.

3. »Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot« (Offb 12,3).

Diese Worte aus der ersten Lesung der Messe lassen uns an den großen Kampf denken, der zwischen Gut und Böse stattfindet, wobei wir feststellen können, daß der Mensch, wenn er Gott auf die Seite schiebt, nicht zum Glück gelangen kann, ja letzten Endes sich selbst zerstört.

Wie viele Opfer während des letzten Jahrhunderts des zweiten Jahrtausends! Es kommen einem die Schrecken des Ersten und Zweiten Weltkriegs und vieler anderer Kriege in so vielen Teilen der Welt in den Sinn, die Konzentrations- und Vernichtungslager, die Gulags, die ethnischen Säuberungen und die Verfolgungen, der Terrorismus, die Entführung von Menschen, die Drogen, die Angriffe gegen die Ungeborenen und die Familie.

Die Botschaft von Fatima ist ein Aufruf zur Umkehr, eine Warnung an die Menschheit, nicht das Spiel des »Drachens« mitzuspielen, der mit seinem Schwanz »ein Drittel der Sterne vom Himmel [fegte]« und »sie auf die Erde herab[warf]« (Offb 12,4). Das letzte Ziel des Menschen ist der Himmel, seine wahre Wohnung, wo der himmlische Vater in seiner barmherzigen Liebe auf alle wartet.

Gott will, das niemand verloren geht; deshalb hat er vor zweitausend Jahren seinen Sohn auf die Erde gesandt, »um zu suchen und zu retten, was verloren ist« (Lk 19,10). Und er hat uns gerettet durch seinen Tod am Kreuz; niemand bringe das Kreuz um seine Kraft! Jesus ist gestorben und auferstanden, um »der Erstgeborene von vielen Brüdern« (Röm 8,29) zu sein.

In ihrer mütterlichen Fürsorge ist die Heiligste Jungfrau hierher, nach Fatima, gekommen, um die Menschen aufzufordern, daß sie »Gott, unseren Herrn, nicht mehr beleidigen, der schon so viel beleidigt wird«. Der Schmerz der Mutter veranlaßt sie, zu sprechen; auf dem Spiel steht das Schicksal ihrer Kinder. Deshalb sagt sie zu den Hirtenkindern: »Betet, betet viel, und bringt Opfer für die Sünder; denn viele Seelen kommen in die Hölle, weil niemand da ist, der sich für sie opfert und für sie betet.«

4. Die kleine Jacinta fühlte und lebte diese Sorge der Muttergottes als ihre eigene, und sie brachte sich heldenmütig als Opfer für die Sünder dar. Eines Tages – sie und Francisco waren bereits erkrankt und gezwungen, im Bett zu liegen – kam die Jungfrau Maria, sie zu Hause zu besuchen, wie Jacinta berichtet: »Die Muttergottes kam uns besuchen und sagte, daß sie sehr bald Francisco mit sich in den Himmel nehmen werde. Und mich fragte sie, ob ich noch mehr Sünder bekehren wollte. Ich sagte ihr: Ja.« Und als für Francisco der Augenblick des Abschiednehmens gekommen ist, trägt Jacinta ihm auf: »Bringe unserem Herrn und unserer Herrin viele Grüße von mir, und sage ihnen, daß ich alles leide, was sie verlangen, um die Sünder zu bekehren.« Die Schau der Hölle bei der Erscheinung vom 13. Juli hatte in Jacinta einen solchen Eindruck hinterlassen, daß keine Abtötung und Buße zuviel war, um die Sünder zu retten.

Zu Recht könnte Jacinta mit Paulus ausrufen: »Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt« (Kol 1,24). Vergangenen Sonntag haben wir beim Kolosseum in Rom das Gedächtnis der vielen Glaubenszeugen des 20. Jahrhunderts begangen und anhand bedeutsamer Zeugnisse, die sie uns hinterlassen haben, der Peinigungen gedacht, die sie erlitten. Eine unzählbare Schar mutiger Glaubenszeugen hat uns ein kostbares Erbe vermacht, das im dritten Jahrtausend lebendig erhalten werden muß. Hier in Fatima, wo diese Zeiten der Drangsal angekündigt worden sind und die Muttergottes zu Gebet und Buße aufforderte, um sie abzukürzen, will ich heute dem Himmel Dank sagen für die Kraft des Zeugnisses, die sich in all diesen Lebensgeschichten erwiesen hat. Und noch einmal möchte ich die Güte des Herrn mir gegenüber erwähnen, als ich, hart getroffen, an jenem 13. Mai 1981 vom Tode errettet wurde. Meine Dankbarkeit gilt auch der sel. Jacinta für die Opfer und Gebete, die sie für den Heiligen Vater darbrachte, den sie so sehr hat leiden sehen.

5. »Ich preise dich, Vater, weil du all das den Unmündigen offenbart hast.« Der Lobpreis Jesu nimmt heute die feierliche Form der Seligsprechung der Hirtenkinder Francisco und Jacinta an. Die Kirche will mit diesem Ritus diese zwei Kerzen auf den Leuchter stellen, die Gott entzündet hat, um die Menschheit in ihren dunklen und sorgenvollen Stunden zu erleuchten. Sie mögen leuchten über dem Weg dieser riesigen Menge von Pilgern und all denen, die über Radio und Fernsehen mit uns verbunden sind. Sie mögen ein freundliches Licht sein, um ganz Portugal, und in besonderer Weise diese Diözese Leiria-Fatima, zu erleuchten.

Ich danke Bischof Serafim, Diözesanbischof dieser berühmten Teilkirche, für seine Willkommensworte, und mit großer Freude grüße ich den ganzen portugiesischen Episkopat und seine Diözesen, die ich sehr liebe und auffordere, ihre Heiligen nachzuahmen. Einen brüderlichen Gruß den anwesenden Kardinälen und Bischöfen mit besonderer Erwähnung der Hirten von Gemeinschaften portugiesischsprechender Länder: Die Jungfrau Maria möge die Aussöhnung des angolanischen Volkes erwirken; sie möge den Überschwemmungsopfern in Mosambik Trost bringen; sie möge wachen über dem Weg von Timor Lorosae [Ost-Timor], Guinea-Bissau, Kapverden, São Tomé und Príncipe; sie bewahre in der Einheit des Glaubens ihre Söhne und Töchter in Brasilien.

Mit ehrerbietiger Hochachtung grüße ich den Herrn Staatspräsidenten und die anderen Vertreter der Behörden, die an dieser Feier haben teilnehmen wollen, und möchte bei dieser Gelegenheit in der Person des Regierungschefs allen für ihre Mitarbeit am guten Gelingen meiner Pilgerreise danken. Ein herzlicher Gruß und besonderer Segen gehen an die Pfarre und Stadt Fatima, die sich heute über ihre zur Ehre der Altäre erhobenen Kinder freuen.

6. Mein letztes Wort gilt den Kindern: Liebe Jungen und Mädchen, ich sehe viele von euch wie Francisco und Jacinta gekleidet. Das steht euch sehr gut! Aber früher oder später werdet ihr diese Kleider ablegen und … dann verschwinden die Hirtenkinder. Meint ihr nicht, daß sie nicht verschwinden sollten?! In der Tat braucht die Muttergottes euch alle sehr, um Jesus zu trösten, der traurig ist über die Dummheiten, die begangen werden; sie braucht eure Gebete und Opfer für die Sünder.

Bittet eure Eltern und Erzieher, daß sie euch in die »Schule« der Muttergottes schicken, damit sie euch lehre, wie die Hirtenkinder zu sein, die alles zu tun bestrebt waren, was sie von ihnen verlangte. Ich sage euch: »In kurzer Zeit der Unterwürfigkeit unter Maria und der Abhängigkeit von ihr macht man größere Fortschritte als in langen Jahren des Eigenwillens und Selbstvertrauens « (Ludwig Maria Grignion de Montfort, Abhandlung über die vollkommene Andacht zu Maria, Freiburg/Schweiz 1925, Nr. 155). Auf diese Weise wurden die Hirtenkinder schnell heilig. Eine Frau, die Jacinta in Lissabon bei sich aufgenommen hatte und die guten und weisen Ratschläge hörte, die das Mädchen gab, fragte sie, wer sie das gelehrt hatte. »Das war die Muttergottes «, antwortete sie. Indem sie sich mit völliger Ergebenheit von einer so guten Lehrerin anleiten ließen, haben Jacinta und Francisco in kurzer Zeit die Gipfel der Vollkommenheit erreicht.

7. »Ich preise dich, Vater, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.«

Ich preise dich, Vater, für alle deine Unmündigen, angefangen bei der Jungfrau Maria, deiner demütigen Magd, bis hin zu den Hirtenkindern Francisco und Jacinta.

Möge die Botschaft ihres Lebens stets lebendig bleiben, um den Weg der Menschheit zu erleuchten!

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Quelle

 

Fatima und Russland: Eine geheimnisvolle und prophetische Beziehung von Bischof Athanasius Schneider aus Kasachstan

Schweizer Fatima-Bote Nr. 76 2/2018

In Nr. 74 haben wir auf den Seiten 4-7 unter dem Titel „Es ist etwas Wunderbares um unseren katholischen Glauben“ auf die Zusammenhänge mit der Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens vom 25. März 1984 berichtet. Bischof Athanasius Schneider hat den Lesern des Schweizer Fatima-Boten zur Situation im heutigen Russ­land Folgendes geschrieben:

„Die Sowjetunion war der atheistische Staat par excellence, aber auch der Staat, der alle Kirchen verfolgte und in der Öffentlichkeit keine christliche Zeichen duldete. Heute nehmen wir eine Lebendigkeit des göttlichen Glau­bens wahr. Es gibt viele Zeichen, die uns die geistige Wie­dergeburt des russischen Volkes und ihrer Institutionen aufzeigen. Die vorhandenen Daten sagen aus, dass in den 25 Jahren seit dem Zusammenbruch des Kommunismus in Russland 20’000 orthodoxe Kirchen von Grund auf neu gebaut oder restauriert wurden. Es ist in der Geschichte der Kirche noch nie vorgekommen, dass innert einem Vierteljahrhundert in einem einzigen Land so viele Kirche gebaut oder geöffnet worden sind. Die andere bedeutende Zahl betrifft das Wiederaufblühen der Männer— und Frau­enklöster: über 1000 sind entstanden. In den 20’000 Kir­chen ist das Heiligste Sakrament im Tabernakel gegenwär­tig; die Orthodoxen haben eine gültige Messe und sie ver­ehren Maria als die Muttergottes. All dies ist ein beredtes Zeugnis der Gegenwart Gottes, in einem Land, in dem Gott erst vor wenigen Jahren verbannt war.

Ich glaube, dass sich diese Wiedergeburt als eine Etappe des Prozesses der Bekehrung Russlands interpretiert wer­den kann, von der die Muttergottes in Fatima gesprochen hat. Es handelt sich um einen langen Prozess; Gott lässt die Dinge nicht von einem Tag auf den andern geschehen (…). Wir können die Hand Gottes erkennen, der die Kir­che zu einem Prozess der Bekehrung der Welt führt.

Als Papst Johannes Paul II. am 25. März 1984 Russland geweiht hatte, begann ein langer Prozess der Bekehrung des russischen Volkes. Es handelte sich aber um eine im­plizite Weihe, die nach den Angaben von Sr. Luica vom Himmel angenommen wurde. Um jedoch die vollkomme­ne Bekehrung Russlands zu erreichen, muss eine expli­zite Weihe vorgenommen werden – erst dann wird die or­thodoxe Kirche zur vollkommenen Gemeinschaft mit Rom zurückkehren. Das bedeutet dann die wahre Bekehrung Russlands.

Eine Tatsache ist gewiss: Die Muttergottes hat verlangt, dass der Papst die Weihe Russlands zusammen mit allen Bischöfen der Welt explizit vornimmt Kardinal Cordes hat daran erinnert, Papst Johannes Paul IL habe ihm anver­traut, dass es ihm nicht gelungen sei, eine öffentliche Wei­he (Russlands) vorzunehmen – dies wegen des Wider­stands der vatikanischen Diplomatie, die zu jener Zeit von einem solchen Akt abrieten. Heute liegen die Dinge aber ganz anders und dies ist der Grund, dass man nicht mehr länger zuwarten darf.

Vergessen wir nicht, dass der russische Präsident Vladi­mir Putin von seiner Mutter heimlich getauft worden ist, als Stalin noch am Leben war.

In der orthodoxen Kirche wird zusammen mit der Taufe auch die Firmung vollzogen. All das hat dazu beigetra­gen, das Licht des Glaubens, der erstickt war, lebendig zu halten, und jetzt darf er in Freiheit ausgedrückt wer­den. Es findet ein umgekehrter Prozess statt: Während des kalten Krieges waren in den von der Sowjetunion beherrschten Ländern Akte der Verehrung Gottes unter­drückt – heute scheint dies, d.h. die Unterdrückung der Gottesverehrung – von der Nomenklatura der Europäi­schen Union praktiziert zu werden. Sicherlich ist der Einfluss der Freimaurerei in diesen Regierungsapparaten gegenwärtiger denn je. Es gibt einige positive Zeichen seitens einiger Regierungen, wie z.B. in Ungarn und Po­len, die die inhumane und den Menschen degradierende Genderideologie nicht fördern, die sonst im übrigen Eu­ropa herrschend geworden ist. In Russland ist die homo­sexuelle Propaganda verboten; dafür werden Programme der natürlichen Familie in den Schulen und Universitäten propagiert. Ich denke, die Muttergottes hat das russische Volk als Instrument einer zukünftigen Erneuerung der christlichen Gesellschaft auserwählt. Dies ist der Grund, weshalb dieses Volk ausdrücklich dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht werden soll, in der Form, wie es die Muttergottes gewünscht hat. Davon hängt auch der Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens ab. Gott lenkt grossen Segen auf jene Länder, die sich dem Unbe­fleckten Herzen Mariens weihen. Es handelt sich darum, verdienstvolle Akte zu erwerben, die uns unzählige Gna­den bringen werden. Aber dies gilt auch für jeden einzel­nen Menschen: Man wird an einer geistigen Erneuerung teilnehmen; unzählige kleine Lichter werden im Dunkel dieser Epoche entzündet.“

„Fatima“ wird sich mit der Weihe Russlands
und seiner wahren Bekehrung zum echten
katholischen Glauben im entscheidenden
und endgültigen Übergang zum
TRIUMPH DES UNBEFLECKTEN
HERZENS MARIENS
vollenden.

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Quelle: Schweizer Fatima-Bote, Quartalsheft März-Mai 2018, 19. Jahrgang (Nr. 2/76)

Predigt zum 11. Februar, der 1. Erscheinung der Unbefleckten Empfängnis

Alfred Bischof, Priester

von Grub (SG), gew. Kaplan von Jonschwil (SG), Pfarrer von Henau (SG), Spiritual der Schwestern vom Kostbaren Blut im Kloster Leiden Christi, Jakobsbad (AI), der Bonitas-Dei Schwestern in Eppishausen/TG, Resignat in Weesen/Amden (SG), 1904-1992, Grabstätte bei der Katholischen Kirche in Grub (SG)

Der protestantische Arzt Dr. Siegfried Ernst aus Ulm, der als Vorkämpfer alle Gutgesinnten zum Gegenangriff gegen die babylonische Verwirrung in Sachen öffentlicher Sittlichkeit und Abtreibung aufruft, erzählt in einem Vortrag auf Schloß Arnstorf Folgendes: „Eines Tages kam ich an eine katholische Kirche. Sie war geöffnet, und ich trat ein. Da fand ich ein Bild Mariens mit dem göttlichen Kind. Ich kniete hin und betete: „Mutter Unseres Herrn, wenn Du wirklich diejenige bist, wie Dein Name sagt, dann hilf Du mir! Du bist die Einzige, die noch Rettung bringen kann! Du ganz Reine! Du gehörst in den Mittelpunkt der heutigen Geisterschlacht. Du bist allein das Idealbild, das unsere Jugend noch begeistern kann, das unser Volk noch herausziehen kann aus dem Wust und Greuel der Verführung.“ — So und ähnlich betete ich. — Ich stand auf mit dem beruhigenden Bewußtsein, daß ich nicht vergeblich gefleht habe… Und merkwürdig! Von jener Stunde an ging es Schritt für Schritt vorwärts. — Das ist das Gebet und Geständnis eines tiefgläubigen, protestantischen Arztes.

„Wenn du wirklich diejenige bist, was Dein Name sagt, dann hilf auch mir!“

Wir Kinder der Katholischen Kirche, wir Kinder Mariens, Sodalen und Sodalinnen, die wir uns Ihr schon in Jugendtagen geweiht haben, wir müssen nicht fragen: „… Wenn Du wirklich diejenige bist, was Dein Name sagt“. — Wir wissen es, wir sind überzeugt, wir haben es schon zu oft an uns selber erfahren dürfen. „Du bist die ganz Reine, Du bist die ganz Makellose, Du bist die ganz Unberührte von der Erbsünde, und jeder persönlichen Sünde!“

So lehrt es und die hl. Mutter Kirche durch ihr unfehlbares Oberhaupt, Papst Pius IX. am 8. Dezember 1854: „… Zu Ehren der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit, zum Ruhme und zur Zier der jungfräulichen Gottesmutter, zur Erhöhung des katholischen Glaubens und zur Förderung der christlichen Religion erklären, verkünden und entscheiden Wir kraft der von Unserm Herrn Jesus Christus und den heiligen Aposteln Petrus und Paulus erhaltenen und Unserer eigenen Vollmacht, daß die Lehre, die festhält, daß die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis, auf Grund einer einzigartigen, ihr von Gott dem Allmächtigen gewährten Huld und Auszeichnung im Hinblick auf die Verdienste des Erlösers des menschlichen Geschlechtes, Jesus Christus, von jeder Makel der Erbschuld bewahrt blieb, eine von Gott geoffenbarte Wahrheit und Lehre ist, und deshalb von allen Gläubigen fest und beständig zu glauben ist.“ Diese Tatsache steht fest, felsenfest, hart wie Granit vom Gotthard, und noch fester, und noch sicherer. An dieser klar geoffenbarten Wahrheit gibt es nichts umzudeuten, nichts dazu zu tun, auch nichts wegzunehmen, nichts zu deuteln, und nichts zu rütteln, nichts zu deuteln und zu bezweifeln, weder von Andersgläubigen, noch von modernen katholischen Exegeten, Theologen.

Denn: Wenn Gott schon einmal daran geht, ein Meisterwerk Seines Geistes zu schaffen, dann darf kein Gottgläubiger sich wundern, wenn dabei etwas übermenschlich Großes herauskommt. (Faulhaber)

Der begnadeten Maria Valtorta von Viareggio, 68jährig gestorben, nach 28jährigem Krankenlager, im Jahre 1961, hat Jesus selber sein Leben in 10 Bänden diktiert und er sagt zu ihr: „Gott hat, um sich den Menschen in neuer Form zu offenbaren als Eingang zur Erlösung, zu Seinem Thron nicht einen Stern des Himmels, nicht den Palast eines Herrschers auserwählt. Er wollte auch nicht die Flügel der Engel als Basis für Seine Füße. Er wollte einen mütterlichen Schoß ohne Makel.“

Jesus befiehlt ihr: „Nimm ein ganz neues Heft! Schreibe auf der ersten Seite das Diktat des 16. August: … Heute schreibe nur dies! Die Reinheit hat einen so großen Wert, daß ein Schoß einer Kreatur den Unfassbaren fassen konnte, weil Sie die größte Reinheit besaß, die eine Kreatur von Gott überhaupt erhalten konnte…“ … „Die heiligste Dreifaltigkeit stieg mit ihren Vollkommenheiten hernieder, wohnte mit ihren Drei Personen, verschloss den Unendlichen in diesem kleinen Raum, und wurde doch nicht kleiner dadurch, weil die Liebe der Jungfrau und das Wollen Gottes diesen kleinen Raum des Mutterschoßes erweiterten, daß er zu einem Himmel wurde…“ Soweit Maria Valtorta.

Doch, wir brauchen uns nicht einzig auf solche Offenbarungen zu stützen. Allererste Quelle ist die Hl. Schrift selber.

„Wie können Sie beweisen“, sagte ein Andersgläubiger, „wie können Sie beweisen, daß Maria keine Erbsünde hatte; überhaupt findet sich nichts in der Bibel, kein einziger Text, der für die Marienverehrung spricht.“ – So! So schlag die Bibel auf! Auf den ersten Seiten liesest du: „Feindschaft will ich setzen zwischen Dir und dem Weibe, zwischen Deiner Nachkommenschaft und ihrer Nachkommenschaft.“ Da ist das Geheimnis des heutigen Tages offen. Wer spricht denn da? Gott! Zu wem? Zu Satan, dem Verführer des ersten Menschenpaares. Absolute Feindschaft zwischen Satan und dem Weibe, d.h. der allerseligsten Jungfrau. Auch nicht einen Augenblick in der Gewalt Satans, durch die Sünde.

Maria, Mutter des Sohnes Gottes! Welche überragende Würde! Maria, damit Du dies auch sein kannst, mußt Du auch ganz rein, ganz heilig, ganz unbefleckt sein! Schon der bloße Gedanke an diese Deine Reinheit erweckt in uns ein Stück Heimweh nach dem verlorenen Paradies.

„Wenn ich glauben könnte“, so sprach ein Ungläubiger zu einem Priester, „wenn ich glauben könnte“, so würde ich katholisch werden.“ „Wissen Sie warum? Wegen der Immakulata! Wegen der Unbefleckt Empfangenen! Ich habe ein großes Stück Welt gesehen, Ich habe die Schmutzflut der Sünde kennen gelernt in den Menschen. Was wir brauchen, das ist gerade diese Seele, diese eine Seele wenigstens, die auch nicht vom leisesten Tropfen der Sünde bespritzt, die Seele der ganz Makellosen, der Unbefleckten, der himmlisch Reinen, dieser Jungfrau und Mutter!“

So muß es sein. Eine unbefleckte Mutter! Ganz rein muß Deine Seele sein, o Maria! Es beweist nur, was ungeheuer Schreckliches die Sünde im allheiligen Auge Gottes sein muß. – Denn der Herr wollte eine arme Mutter, wohl! — aber eine befleckte, beschmutzte, sündhafte Mutter, auch nur einen Augenblick in der Gewalt Satans? Nein! Nie und nimmer! Ihm, dem Allerheiligsten, dem wir singen: Du, Du allein bist der Heilige, Du allein der Herr, Du allein der Höchste… Ihm, der der Welt das Wort hinwerfen konnte: Wer von euch kann Mich einer Sünde zeihen? Ihm liegt alles daran, Ihm mußte alles daran liegen, von Seiner Mutter die Sünde fern zu halten, koste es, was es wolle, koste es auch ein Wunder der Gnade, ja ein unerhörtes Wunder der Gnade! Und Gott hat es gewirkt, dieses Wunder, so daß Er in göttlichem Entzücken sich vor Seine Mutter hinstellen und Ihr zujauchzen konnte: „Wie schön bist Du, meine Freundin, wie schön! Ganz schön bist Du, und keine Makel ist an Dir, Du lieblichste der Frauen!“ Hohelied.

So ist sie also die Eine und Einzige, die trockenen Fußes durch die Sündflut der Erde hindurchschreitet, durch die Schuld Adams. Die Wogen der Sünde türmen sich, stehen aufrecht wie Mauern, und wie die Fluten des Roten Meeres und staunen, wie dieses Mädglein ins Dasein tritt ohne jegliche Schuld.

Die Kirchenväter vergleichen darum Maria mit Eva, nur mit umgekehrten Vorzeichen: Maria, die zweite, bessere Eva. Sie brauchen Worte: Die seligste Jungfrau ist die Reinste, durch alles und von der Wurzel aus unbefleckt. Sie sei allzeit rein gewesen. Die Sünde habe sie nie gekannt, heiliger als alle Heiligen, reiner als die himmlischen Geister… die einzig Unschuldige, die einzig Unbefleckte. So reden die hl. Kirchenväter.

Es war an einem stürmischen Spätherbsttag 1849. Pius IX. vertrieben aus Rom, stand sinnend auf einer Felsenterrasse am Hafen von Gaeta und schaut auf die Meeresbrandung hinaus. In seinem Auge glänzen Tränen. Sein Herz sieht im Aufruhr der Elemente ein Abbild der Stürme, die das Schifflein Petri von allen Seiten umtosen. Da spricht der alte Kardinal Lambruschini zu ihm: „Heiliger Vater, Sie werden die Wunden der Zeit nur heilen können, wenn Sie die Unbefleckte Empfängnis verkünden. Diese Lehrentscheidung wird den Völkern die übernatürlichen Wahrheiten zum Bewußtsein bringen und die Geister von den Irrwegen auf den Weg Christi zurückführen.“ — Pius IX. hat diesen Rat befolgt, wie wir gehört haben.

Gleichsam als Beleg zu der feierlichen Glaubenserklärung kommt Maria selber, 4 Jahre später, in Lourdes am 25. März 1858. Bernadette kniet wieder zum 16. Mal an der Grotte. Die Menge steht da, fragend, zweifelnd, glaubend die einen, spöttelnd die andern. Die Seherin erhebt sich, Enttäuschung, Trauer im Antlitz. Einer fragt: „Hat die Dame den Namen genannt?“ „Ja, aber einen ganz sonderbaren, den ich noch nie gehört habe. Ich habe doch immer gehofft, es könnte die heiligste Jungfrau sein.“ — Was hat sie denn gesagt? — So etwa: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis!“ — Das Volk hört dies Wort, einer raunt’s dem andern zu, es geht von Mund zu Mund, und die jubelnde Menge ruft begeistert: „O Maria, ohne Sünde empfangen, bitt für uns, die wir zu Dir unsere Zuflucht nehmen.“ Kerzen flammen auf, Marienlieder erklingen. Bernadette geht ängstlich zum Pfarrer Peyramale: „Bitte, sagen Sie mir, was das ist eine Unbefleckte Empfängnis; denn so hat die Erscheinung an der Grotte heute zu mir gesprochen.“ Der Pfarrer erklärt es ihr, tief ergriffen: „Begnadetes Kind, dir hat sich die Hochgebenedeite gezeigt.“ Der Pfarrer, bisher so großer Zweifler, kniet nieder und betet das erste Ave Maria zur erschienenen Immaculata von Lourdes. Und seither beten es Tausende und Millionen und reihen sich ein in den Chor jener, die mithelfen, Mariens Prophezeiung zu erfüllen: „Siehe von nun an werden Mich selig preisen alle Geschlechter.“

Maria gehört mit Jesus in den Mittelpunkt der heutigen Geister-Schlacht. Sie ist und bleibt heute noch das Idealbild, das unsere Jugend anstelle der Sportkanonen und Skiasse begeistern und in die reinen Höhen Gottes ziehen könnte. Aber was erleben wir? Heute müssen wir in den Kampf ziehen, um die Ehre und diesen Gnadenvorzug Mariens ohnegleichen zu verteidigen, in Schutz zu nehmen gegen frivole Angriffe, heute mehr von den innern als den äußern Feinden der Kirche.

Wer heute nach Lourdes kommt, entdeckt an der Grotte von Massabielle sofort, daß etwas fehlt. Was denn? Man hat über dem Haupt der Mutter-Gottes-Statue, der Immaculata, die Inschrift entfernt: „JE SUIS L’IMMACULÉE CONCEPTION“. Ist es nicht geradezu symbolisch für unsere Zeit? Ist dies nicht die Situation von heute in Kirche und Welt? Von der Schlangenzertreterin, wie es im 1. Buch Moses heißt, weiß die Geheime Offenbarung des Johannes 12,13 zu berichten: „… da ward der Drache zornig über das Weib, und ging hin, Krieg zu führen mit den übrigen ihrer Kinder, die Gottes Gebote erfüllen und fest halten am Zeugnis Christi.“ Das gilt in erster Linie von der Kirche, dann aber von der Mutter der Kirche, das ist Maria, feierlich erklärt im letzten Konzil.

Gilt dies nicht von heute? Wo Papst Paul VI. am 29. Juni 1972 erklärte in einer improvisierten Ansprache: „Wir erwarteten nach dem Konzil einen Sonnentag. Statt dessen erleben wir neue Stürme — durch einen Spalt — sage man doch lieber durch die weit geöffneten Tore und Fenster — ist Satan in den Tempel Gottes eingedrungen…“ Das sind deutliche Worte des Obersten Hirten, und nichts zeigt die Blindheit der Menschen mehr als die Tatsache, daß man dem Teufel den Abschied gegeben und dies in unserer Zeit ausgerechnet, wo er mehr denn je wütet, wo man sein Wüten mit Händen greifen kann. Die ganze Situation wird auch beleuchtet durch die Tatsache, daß man an der Biennale in Venedig durch ein Dutzend moderner Künstler bei der Verleihung der Preise für die besten Filme, den Vorschlag gemacht hat, diesmal dem Zerstörer der Pietà von Michelangelo im Petersdom den Preis zu verleihen.

Franco, der Befreier Spaniens vom Kommunismus im Bürgerkieg, der Spanien Tausende von Märtyrern kostete, hat am 9. April 1937 für sämtliche Schulen des befreiten Spanien die Verordnung erlassen:

  1. In allen Schulen muß ein Marienbild vorhanden sein, mit Vorzug ein Bild der Unbefleckten Empfängnis. Die Lehrpersonen haben dafür besorgt zu sein. Das Bild muß an einem besondern Platz angebracht sein.

  2. Während des Maimonats hat die Lehrerschaft nach uralter spanischer Sitte mit ihren Schülern vor diesem Bild die Maiandacht zu halten.

  3. Alle Tage des Jahres sollen alle Kinder, wie unsere Vorfahren taten, beim Betreten und Verlassen des Schulzimmers mit den Worten grüßen: „Maria, die Allerreinste sei gegrüßt! worauf die Lehrperson die Antwort zu geben hat: „Sie ist ohne Sünde empfangen!“

So verordnet und verankert ein christlicher Staatsmann den Glauben und die Verehrung der Unbefleckt empfangenen Mutter Maria. — Die Parallele oder den Vergleich zu ziehen zu unserer heutigen Schule mit ihrem Sexunterricht und der förmlichen Verführung unserer zarten Jugend, das überlasse ich euch selbst.

In der Hochblüte der spanischen Poesie hat der große Dichter Spaniens, Calderon de la Barca, seine unsterblichen Dramen zu Verherrlichung der Jungfrau Maria geschrieben. Nicht das letzte darunter ist das Stück: A Maria el corazon! Das Herz gehört Maria! Das soll nun der freudige Appell an euch, liebe Sodalinnen, sein. Im Schwung der Begeisterung läßt Calderon den Pilger das Herz nach Loreto tragen und es Maria darbringen mit den Worten:

„Reinste Jungfrau, laß Dich grüßen!
Sieh Dein Kind zu Deinen Füßen!
Nimm mein Herz, es ist ja Dein;
Dein soll es auf ewig sein!
Ja, nimm mein Herz, es ist ja Dein
Dein soll es auf ewig sein!“ 
Amen.

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Quelle

Kongretation für die Glaubenslehre (2000): DIE BOTSCHAFT VON FATIMA

Vorbemerkungen von mir [POS] zu diesem Artikel:

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EINFÜHRUNG

Am Übergang vom zweiten zum dritten Jahrtausend hat Papst Johannes Paul II. entschieden, den Wortlaut des dritten Teils des „Geheimnisses von Fatima“ zu veröffentlichen.

Nach den aufregenden und grausamen Ereignissen des zwanzigsten Jahrhunderts, das zu den kritischsten der Menschheitsgeschichte zählt und im blutigen Attentat gegen den „milden Christus auf Erden“ gipfelte, wird nunmehr über einer Wirklichkeit ein Vorhang aufgetan, der Geschichte macht und diese Wirklichkeit auf tiefsinnige Weise in einem geistlichen Horizont deutet, für den die heutige Geisteshaltung, die oft das Wasserzeichen des Rationalismus trägt, keinen Sinn hat.

Erscheinungen und übernatürliche Zeichen unterbrechen die Geschichte. Sie treten auf lebendige Weise in die menschlichen Fährnisse ein und begleiten den Weg der Welt, wobei sie Gläubige und Ungläubige überraschen. Diese Kundgaben, die dem Inhalt des Glaubens nicht widersprechen können, müssen auf den zentralen Gegenstand der Verkündigung Christi zulaufen: die Liebe des Vaters, der die Menschen zur Umkehr bewegt und die Gnade schenkt, sich in kindlicher Ergebenheit ihm zu überlassen. Das ist auch die Botschaft von Fatima, die mit ihrem bekümmerten Ruf zu Umkehr und Buße tatsächlich zum Herzen des Menschen vordringt.

Fatima ist unter den modernen Erscheinungen zweifellos die prophetischste. Der erste und der zweite Teil des „Geheimnisses“, die der Reihe nach zur Vervollständigung der Dokumentation veröffentlicht werden, beziehen sich vor allem auf die schreckliche Vision von der Hölle, die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens, den Zweiten Weltkrieg und sodann auf die Vorhersage der ungeheuren Schäden, die das vom christlichen Glauben abgefallene und dafür dem kommunistischen Totalitarismus verfallene Rußland der Menschheit zufügen würde.

Keiner hätte sich das alles im Jahre 1917 vorstellen können: Die drei Hirtenkinder von Fatima schauen, hören und bewahren es im Gedächtnis auf, und Lucia, die Zeugin, die überlebt hat, schreibt es nieder in dem Augenblick, als sie vom Bischof von Leiria den Auftrag und von Unserer Lieben Frau die Erlaubnis erhält.

Im Hinblick auf die Beschreibung der beiden ersten Teile des „Geheimnisses“, das übrigens schon veröffentlicht und daher bekannt ist, wurde der Text gewählt, den Schwester Lucia in der dritten Erinnerung am 31. August 1941 niedergeschrieben hat; in der vierten Erinnerung vom 8. Dezember 1941 werden dann einige Bemerkungen angefügt.

Der dritte Teil des „Geheimnisses“ wurde „auf Anweisung Seiner Exzellenz, des Hochwürdigsten Herrn Bischofs von Leiria, und der Allerheiligsten Mutter …“ am 3. Januar 1944 niedergeschrieben.

Es gibt nur eine einzige Handschrift, die hier fotostatisch wiedergegeben wird. Der versiegelte Umschlag wurde zunächst vom Bischof von Leiria aufbewahrt. Um das „Geheimnis“ besser zu schützen, wurde der Umschlag am 4. April 1957 dem Geheimarchiv des Heiligen Offiziums übergeben. Schwester Lucia wurde davon vom Bischof von Leiria in Kenntnis gesetzt.

Archivnotizen zufolge hat am 17. August 1959, mit Einverständnis seiner Eminenz des Hochwürdigsten Herrn Kardinal Alfredo Ottaviani, der Kommissar des Heiligen Offiziums Pater Pierre Paul Philippe O.P. den Umschlag, der den dritten Teil des „Geheimnisses von Fatima“ enthält, Papst Johannes XXIII. überbracht. Seine Heiligkeit sagte „nach einigem Zögern“: „Laßt uns warten. Ich werde beten. Ich werde wissen lassen, was ich entschieden habe“.(1)

Tatsächlich hat Papst Johannes XXIII. entschieden, den versiegelten Umschlag an das Heilige Offizium zurückzuschicken und den dritten Teil des „Geheimnisses“ nicht zu offenbaren.

Paul VI. hat den Inhalt gemeinsam mit dem Substituten Seiner Exzellenz Msgr. Angelo Dell’Acqua am 27. März 1965 gelesen und den Umschlag an das Archiv des Heiligen Offiziums mit der Entscheidung zurückgesandt, den Text nicht zu veröffentlichen.

Johannes Paul II. hat seinerseits den Umschlag mit dem dritten Teil des „Geheimnisses“ nach dem Attentat vom 13. Mai 1981 erbeten. Seine Eminenz der Kardinalpräfekt der Kongregation Franjo Seper übergab am 18. Juli 1981 an Seine Exzellenz Msgr. Eduardo Martinez Somalo, den Substituten des Staatssekretariats, zwei Umschläge: – einen weißen mit dem Originaltext von Schwester Lucia auf portugiesisch; – einen weiteren orangefarbenen mit der Übersetzung des „Geheimnisses“ auf italienisch. Am darauffolgenden 11. August hat Msgr. Martinez die beiden Umschläge dem Archiv des Heiligen Offiziums zurückgegeben.(2)

Wie bekannt ist, hat Papst Johannes Paul II. sofort daran gedacht, die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen. Er selbst hat ein Gebet verfaßt für diesen von ihm so genannten „Vertrauensakt“, der in der Basilika Santa Maria Maggiore am 7. Juni, dem Hohen Pfingstfest 1981, gefeiert werden sollte. Diesen Tag hatte man gewählt, um 1600 Jahre nach dem ersten Konzil von Konstantinopel und 1550 Jahre nach dem Konzil von Ephesus zu gedenken. Da der Papst gezwungenermaßen abwesend war, wurde seine aufgezeichnete Ansprache übertragen. Wir geben den Text wieder, der sich genau auf den Vertrauensakt bezieht:

O Mutter der Menschen und der Völker, Du kennst all ihre Leiden und Hoffnungen, Du fühlst mit mütterlicher Anteilnahme alles Kämpfen zwischen Gut und Böse, zwischen dem Licht und der Dunkelheit, von der die Welt befallen ist – erhöre unseren Ruf, den wir im Heiligen Geist unmittelbar an Dein Herz richten. Umfange mit der Liebe der Mutter und der Magd des Herrn jene, die diese liebende Zuneigung am meisten ersehnen, und zugleich auch diejenigen, auf deren Vertrauen Du besonders wartest! Nimm die ganze Menschheitsfamilie, die wir mit liebender Hingabe Dir, o Mutter, anvertrauen, unter Deinen mütterlichen Schutz. Mögen allen Menschen Zeiten des Friedens und der Freiheit, Zeiten der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Hoffnung beschieden sein!“(3)

Doch der Heilige Vater wollte noch vollkommener auf die Bitten „Unserer Lieben Frau“ antworten. So hat er während des Heiligen Jahres der Erlösung den Vertrauensakt vom 7. Juni 1981 entfaltet und in Fatima am 13. Mai 1982 wiederholt. Eindenk des „Fiat“, das Maria im Augenblick der Verkündigung gesprochen hat, vertraut der Papst am 25. März 1984 auf dem Petersplatz in geistlicher Einheit mit den zuvor „zusammengerufenen“ Bischöfen der Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens die Menschen und Völker an. Er tut dies mit Anspielungen, die an die von Kummer gezeichneten und im Jahre 1981 gesprochenen Worte erinnern:

„Darum, o Mutter der Menschen und Völker, die du alle ihre Leiden und Hoffnungen kennst und mit mütterlichem Herzen an allen Kämpfen zwischen Gut und Böse, zwischen Licht und Finsternis Anteil nimmst, die unsere heutige Welt erschüttern, höre unser Rufen, das wir unter dem Antrieb des Heiligen Geistes direkt an dein Herz richten; umfange mit deiner Liebe als Mutter und Magd des Herrn diese unsere Welt, die wir dir anvertrauen und weihen, erfüllt von der Sorge um das irdische und ewige Heil der Menschen und Völker.

In besonderer Weise überantworten und weihen wir dir jene Menschen und Nationen, die dieser Überantwortung und Weihe besonders bedürfen.

„Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesmutter“! Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten!“

Dann fährt der Papst mit stärkerem Nachdruck fort und mit konkreten Anspielungen, als wolle er gleichsam kommentieren, in welch trauriger Weise sich die Botschaft von Fatima bewahrheitet hat:

„Vor dir, o Mutter Christi, vor deinem Unbefleckten Herzen, möchten wir uns heute zusammen mit der ganzen Kirche mit jener Weihe vereinen, durch die dein Sohn aus Liebe zu uns sich selber dem Vater geweiht hat, indem er sprach: „Ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind“ (Joh 17,19). Wir wollen uns in dieser Weihe für die Welt und für die Menschen mit unserem Erlöser verbinden; in seinem göttlichen Herzen findet eine solche Weihe die Kraft, Verzeihung zu erlangen und Sühne zu leisten.

Die Kraft dieser Weihe dauert durch alle Zeiten und umfängt alle Menschen, Völker, Nationen; sie überwindet alles Böse, welches der Fürst der Finsternis im Herzen des Menschen und in seiner Geschichte zu wecken vermag und in unseren Zeiten auch tatsächlich geweckt hat.

Wie tief empfinden wir das Bedürfnis nach dieser Weihe für die Menschheit und für die Welt, für unsere heutige Welt: der Weihe, die wir in Einheit mit Christus vollziehen. Das Erlösungswerk Christi muß ja durch die Kirche an die Welt vermittelt werden.

Das zeigt das gegenwärtige Jahr der Erlösung, das außerordentliche Jubiläum der ganzen Kirche.

Sei in diesem Heiligen Jahr gepriesen über alle Geschöpfe, du Magd des Herrn, die du dem göttlichen Ruf in vollkommenster Weise gefolgt bist.

Sei gegrüßt, die du mit der erlösenden Weihe deines Sohnes auf das engste verbunden bist!

Mutter der Kirche! Erleuchte das Volk Gottes auf den Wegen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe! Erleuchte besonders die Völker, deren Weihe und Überantwortung du von uns erwartest. Hilf uns, die Weihe Christi für die gesamte Menschheitsfamilie der heutigen Welt in ganzer Wahrheit zu leben!

Wenn wir dir, o Mutter, die Welt, alle Menschen und Völker anvertrauen, so vertrauen wir dir dabei auch diese Weihe der Welt an und legen sie in dein mütterliches Herz.

O Unbeflecktes Herz, hilf uns, die Gefahr des Bösen zu überwinden, das so leicht in den Herzen der heutigen Menschen Wurzel faßt und dessen unermeßliche Auswirkungen über dem heutigen Leben lasten und den Weg in die Zukunft zu versperren scheinen.

Von Hunger und Krieg: befreie uns!

Von Atomkrieg, unkontrollierter Selbstzerstörung und jeder Art des Krieges: befreie uns!

Von den Sünden gegen das Leben des Menschen von seinen Anfängen an: befreie uns!

Vom Haß und von der Mißachtung der Würde der Kinder Gottes: befreie uns!

Von jeder Ungerechtigkeit im sozialen, nationalen und internationalen Leben: befreie uns!

Von leichtfertiger Übertretung der Gebote Gottes: befreie uns!

Vom Versuch, in den Herzen der Menschen sogar die Wahrheit von Gott zu ersticken: befreie uns!

Vom Verlust des Bewußtseins von Gut und Böse: befreie uns!

Von den Sünden gegen den Heiligen Geist: befreie uns, befreie uns!

Höre, Mutter Christi, diesen Hilfeschrei, in welchem das Leid aller Menschen zu dir ruft, das Leid ganzer Völker!

Hilf uns mit der Kraft des Heiligen Geistes, alle Sünde zu besiegen: die Sünde des Menschen und die „Sünde der Welt“, die Sünde in jeglicher Form.

Noch einmal zeige sich in der Geschichte der Welt die unermeßliche Heilskraft der Erlösung: die Macht der erbarmenden Liebe! Möge sie dem Bösen Einhalt gebieten! Möge sie die Gewissen wandeln! In deinem Unbefleckten Herzen offenbare sich allen das Licht der Hoffnung!“.(4)

Schwester Lucia bestätigte persönlich, daß dieser feierliche und universale Weiheakt dem entsprach, was Unsere Liebe Frau wollte („Sim, està feita, tal como Nossa Senhora a pediu, desde o dia 25 de Março de 1984„: „Ja, es ist so geschehen, wie es Unsere Liebe Frau am 25. März 1984 erbeten hatte“: Brief vom 8. November 1989). Jede Diskussion und jegliches weiteres Bittgesuch haben daher kein Fundament.

In der dargebotenen Dokumentation werden den Handschriften von Schwester Lucia vier weitere Texte beigefügt: 1) der Brief des Heiligen Vaters an Schwester Lucia vom 19. April 2000; 2) eine Beschreibung des Gesprächs mit Schwester Lucia vom 27. April 2000; 3) die Mitteilung, die Seine Eminenz Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano im Auftrag des Heiligen Vaters am 13. Mai des Jahres in Fatima verlesen hat; 4) der theologische Kommentar Seiner Eminenz des Präfekten der Glaubenskongregation Joseph Kardinal Ratzinger.

Einen Hinweis für die Deutung des dritten Teils des „Geheimnisses“ hatte schon Schwester Lucia gegeben, als sie am 12. Mai 1982 in einem Brief an den Heiligen Vater schrieb:

„Der dritte Teil des Geheimnisses bezieht sich auf die Worte Unserer Lieben Frau: „Wenn nicht, dann wird es [Rußland] seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Verfolgungen der Kirche heraufbeschwören, die Guten werden gemartert werden und der Heilige Vater wird viel zu leiden haben. Verschiedene Nationen werden vernichtet werden“ (13-VII-1917).

Der dritte Teil des Geheimnisses ist eine symbolische Offenbarung, die sich auf diesen Teil der Botschaft bezieht und von der Tatsache abhängig ist, ob wir das annehmen oder nicht, was die Botschaft von uns verlangt: „Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Rußland sich bekehren, und es wird Friede sein; wenn nicht, dann wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, usw“.

Von dem Augenblick an, da wir dem Ruf der Botschaft nicht Rechnung trugen, stellen wir fest, daß die Botschaft sich bewahrheitet hat, daß Rußland die Welt mit seinen Irrlehren eingenommen hat. Und wenn wir die vollständige Erfüllung des Endes dieser Prophezeiung noch nicht feststellen, dann sehen wir, daß wir allmählich mit weiten Schritten darauf zusteuern. Wenn wir nicht den Weg der Sünde, des Hasses, der Rache, der Ungerechtigkeit, der Verletzung der menschlichen Person, des unmoralischen Verhaltens und der Gewalt usw. verlassen.

Und sagen wir nicht, daß Gott es ist, der uns so straft; im Gegenteil: Es sind die Menschen, die sich selbst die Strafe bereiten. Gott gibt uns das in seiner Fürsorge kund und ruft auf den guten Weg. Dabei achtet er die Freiheit, die er uns gegeben hat. Deshalb sind die Menschen verantwortlich“.(5)

Die Entscheidung des Heiligen Vaters Papst Johannes Paul II., den dritten Teil des „Geheimnisses“ von Fatima zu veröffentlichen, beschließt einen Zeitabschnitt, der davon gezeichnet ist, daß sich menschliches Wollen auf tragische Weise mit Gewalt und Bosheit verbinden kann. Gleichzeitig ist diese Zeit aber auch durchdrungen von der barmherzigen Liebe Gottes und von der Sorge, mit der die Mutter Jesu und die Mutter der Kirche wacht.

Das Wirken Gottes, des Herrn der Geschichte, und die Mitverantwortung des Menschen in seiner dramatischen und fruchtbaren Freiheit sind die beiden Stützen, auf denen die Geschichte der Menschheit gebaut ist.

Die Madonna, die in Fatima erschienen ist, ruft uns diese vergessenen Werte ins Gedächtnis. Sie erinnert uns, daß die Zukunft des Menschen in Gott liegt. Dabei kommt uns eine aktive und verantwortungsvolle Rolle zu.

TARCISIO BERTONE, SDB
Emeritierter Erzbischof von Vercelli
Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre

 

DAS „GEHEIMNIS“ VON FATIMA

ERSTER UND ZWEITER TEIL DES „GEHEIMNISSES“, 
WIE ES SCHWESTER LUCIA IN DER „DRITTEN ERINNERUNG“
AM 31. AUGUST 1941 AUFGEZEICHNET
UND FÜR DEN BISCHOF VON LEIRIA-FATIMA BESTIMMT HAT

(Originaltext)

(Übersetzung)(6)

Ich werde daher etwas über das Geheimnis sagen und die erste Frage beantworten müssen.

Welches ist das Geheimnis? Ich glaube, ich kann es sagen, da ich doch die Erlaubnis vom Himmel dazu habe. Die Vertreter Gottes auf Erden haben mich verschiedentlich und in mehreren Briefen dazu ermächtigt. Ich glaube, daß Eure Exzellenz einen davon aufbewahrt. Er stammt von P. Jose Bernardo Gonçalves, und er trug mir darin auf, an den Heiligen Vater zu schreiben. Ein Punkt in diesem Schreiben bezieht sich auf die Offenbarung des Geheimnisses. Etwas habe ich bereits gesagt. Aber um dieses Schreiben, das kurz sein sollte, nicht zu lang werden zu lassen, habe ich mich auf das Nötigste beschränkt und überließ es Gott, mir eine günstigere Gelegenheit dafür zu geben.

Im zweiten Schreiben habe ich bereits den Zweifel geschildert, der mich vom 13. Juni bis 13. Juli quälte und der bei dieser Erscheinung völlig verschwand.

Nun gut! Das Geheimnis besteht aus drei verschiedenen Teilen, von denen ich zwei jetzt offenbaren will. Der erste Teil war die Vision der Hölle.

Unsere Liebe Frau zeigte uns ein großes Feuermeer, das in der Tiefe der Erde zu sein schien. Eingetaucht in dieses Feuer sahen wir die Teufel und die Seelen, als seien es durchsichtige schwarze oder braune, glühende Kohlen in menschlicher Gestalt. Sie trieben im Feuer dahin, emporgeworfen von den Flammen, die aus ihnen selber zusammen mit Rauchwolken hervorbrachen. Sie fielen nach allen Richtungen, wie Funken bei gewaltigen Bränden, ohne Schwere und Gleichgewicht, unter Schmerzensgeheul und Verzweiflungsschreie, die einen vor Entsetzen erbeben und erstarren ließen. Die Teufel waren gezeichnet durch eine schreckliche und grauenvolle Gestalt von scheußlichen, unbekannten Tieren, aber auch sie waren durchsichtig und schwarz.

Diese Vision dauerte nur einen Augenblick. Dank sei unserer himmlische Mutter, die uns vorher versprochen hatte, uns in den Himmel zu führen (in der ersten Erscheinung). Wäre das nicht so gewesen, dann glaube ich, wären wir vor Schrecken und Entsetzen gestorben.

Wir erhoben den Blick zu Unserer Lieben Frau, die voll Güte und Traurigkeit sprach:

– Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder kommen. Um sie zu retten, will Gott in der Welt die Andacht zu meinem Unbefleckten Herzen begründen. Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet werden, und es wird Friede sein. Der Krieg wird ein Ende nehmen. Wenn man aber nicht aufhört, Gott zu beleidigen, wird unter dem Pontifikat von Papst Pius XII. ein anderer, schlimmerer beginnen. Wenn ihr eine Nacht von einem unbekannten Licht erhellt seht, dann wißt, daß dies das große Zeichen ist, daß Gott euch gibt, daß Er die Welt für ihre Missetaten durch Krieg, Hungersnot, Verfolgungen der Kirche und des Heiligen Vaters bestrafen wird. Um das zu verhüten, werde ich kommen, um die Weihe Rußlands an mein unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen des Monats zu verlangen. Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Rußland sich bekehren und es wird Friede sein. Wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören. Die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird viel zu leiden haben, verschiedene Nationen werden vernichtet werden, am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Heilige Vater wird mir Rußland weihen, das sich bekehren wird, und der Welt wird eine Zeit des Friedens geschenkt werden.(7)

DRITTER TEIL DES „GEHEIMNISSES“
(Originaltext)

(Übersetzung)(8)

„J.M.J.

Der dritte Teil des Geheimnisses, das am 13. Juli 1917 in der Cova da Iria, Fatima, offenbart wurde.

Ich schreibe aus Gehorsam gegenüber Euch, meinem Gott, der es mir aufträgt, durch seine Exzellenz, den Hochwürdigsten Herrn Bischof von Leiria, und durch Eure und meine allerheiligste Mutter.

Nach den zwei Teilen, die ich schon dargestellt habe, haben wir links von Unserer Lieben Frau etwas oberhalb einen Engel gesehen, der ein Feuerschwert in der linken Hand hielt; es sprühte Funken, und Flammen gingen von ihm aus, als sollten sie die Welt anzünden; doch die Flammen verlöschten, als sie mit dem Glanz in Berührung kamen, den Unsere Liebe Frau von ihrer rechten Hand auf ihn ausströmte: den Engel, der mit der rechten Hand auf die Erde zeigte und mit lauter Stimme rief: Buße, Buße, Buße! Und wir sahen in einem ungeheuren Licht, das Gott ist: „etwas, das aussieht wie Personen in einem Spiegel, wenn sie davor vorübergehen“ einen in Weiß gekleideten Bischof „wir hatten die Ahnung, daß es der Heilige Vater war“. Verschiedene andere Bischöfe, Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen einen steilen Berg hinaufsteigen, auf dessen Gipfel sich ein großes Kreuz befand aus rohen Stämmen wie aus Korkeiche mit Rinde. Bevor er dort ankam, ging der Heilige Vater durch eine große Stadt, die halb zerstört war und halb zitternd mit wankendem Schritt, von Schmerz und Sorge gedrückt, betete er für die Seelen der Leichen, denen er auf seinem Weg begegnete. Am Berg angekommen, kniete er zu Füßen des großen Kreuzes nieder. Da wurde er von einer Gruppe von Soldaten getötet, die mit Feuerwaffen und Pfeilen auf ihn schossen. Genauso starben nach und nach die Bischöfe, Priester, Ordensleute und verschiedene weltliche Personen, Männer und Frauen unterschiedlicher Klassen und Positionen. Unter den beiden Armen des Kreuzes waren zwei Engel, ein jeder hatte eine Gießkanne aus Kristall in der Hand. Darin sammelten sie das Blut der Märtyrer auf und tränkten damit die Seelen, die sich Gott näherten.

Tuy-3-1-1944″.

DEUTUNG DES „GEHEIMNISSES“

SCHREIBEN VON JOHANNES PAUL II.
AN SCHWESTER LUCIA
(Originaltext)

(Übersetzung)

Ehrwürdige Schwester
Maria Lucia
Konvent von Coimbra

Im Jubel der österlichen Festtage grüße ich Sie mit dem Wunsch, den der Auferstandene an seine Jünger gerichtet hat: „Der Friede sei mit dir!“

Ich freue mich, Sie am ersehnten Tag der Seligsprechung von Francisco und Jacinta treffen zu können, die – so Gott will – am kommenden 13. Mai stattfinden wird.

Da jedoch an diesem Tag keine Zeit sein wird zu einem Gespräch, sondern nur für einen kurzen Gruß, habe ich eigens Seine Exzellenz Msgr. Tarcisio Bertone, Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre, beauftragt, Sie aufzusuchen und mit Ihnen zu sprechen. Diese Kongregation arbeitet engstens mit dem Papst zusammen, um den wahren katholischen Glauben zu schützen, und hat, wie Sie wissen, seit 1957 Ihren handschriftlichen Brief aufbewahrt, der den dritten Teil des Geheimnisses enthält, das am 13. Juli 1917 in der Cova da Iria, Fatima, offenbart wurde. Msgr. Bertone, der von Seiner Exzellenz Msgr. Serafim de Sousa Ferreira e Silva, dem Bischof von Leiria, begleitet wird, kommt in meinem Namen, um einige Fragen zu stellen zur Deutung des „dritten Teils des Geheimnisses“.

Ehrwürdige Schwester Maria Lucia, sprechen Sie auch offen und ehrlich mit Msgr. Bertone, der mir Ihre Antworten persönlich berichten wird.

Ich bete innig zur Mutter des Auferstandenen für Sie, für die Gemeinschaft von Coimbra und für die ganze Kirche. Maria, die Mutter der Menschheit auf dem Pilgerweg, halte uns stets eng an Jesus, ihren geliebten Sohn und unseren Bruder, den Herrn des Lebens und der Herrlichkeit.

Mit einem besonderen Apostolischen Segen.

JOHANNES PAUL II.

Aus dem Vatikan, am 19. April 2000.

 

GESPRÄCH
MIT SCHWESTER MARIA LUCIA DE JESUS
VOM UNBEFLECKTEN HERZEN

Das Treffen von Schwester Lucia mit Seiner Exzellenz Msgr. Tarcisio Bertone, dem Sekretär der Kongregation für die Glaubenslehre und Beauftragten des Heiligen Vaters, und Seiner Exzellenz Msgr. Serafim de Sousa Ferreira e Silva, dem Bischof von Leiria-Fatima, fand am vergangenen 27. April im Karmel der heiligen Teresa von Coimbra statt.

Schwester Lucia war geistig wach und gelassen. Sie freute sich sehr, daß der Heilige Vater Fatima besuchen würde, um die von ihr lang ersehnte Seligsprechung von Francisco und Jacinta vorzunehmen.

Der Bischof von Leiria-Fatima las den vom Heiligen Vater unterschriebenen Brief vor, der die Gründe des Besuchs erläuterte. Schwester Lucia fühlte sich dadurch geehrt und las selbst den Brief noch einmal, indem sie ihn in ihren Händen betrachtete. Sie erklärte sich bereit, auf alle Fragen frei zu antworten.

An dieser Stelle legt ihr Seine Exzellenz Msgr. Tarcisio Bertone die beiden Umschläge vor: den äußeren und denjenigen, der den Brief enthält mit dem dritten Teil des „Geheimnisses“ von Fatima. Als sie ihn mit den Fingern berührt, sagt sie sofort: „Es ist mein Papier“. Und als sie ihn dann liest: „Es ist meine Schrift“.

Mit Hilfe des Bischofs von Leiria-Fatima wird der Originaltext, der auf portugiesisch abgefaßt ist, gelesen und gedeutet. Schwester Lucia teilt die Interpretation, nach der der dritte Teil des „Geheimnisses“ in einer prophetischen Schau besteht, die man mit jenen der heiligen Geschichte vergleichen kann. Sie betont ihre Überzeugung, daß sich die Vision von Fatima vor allem auf den Kampf des atheistischen Kommunismus gegen die Kirche und die Christen bezieht, und beschreibt das ungeheure Leid der Opfer des Glaubens im zwanzigsten Jahrhundert.

Auf die Frage: „Ist die Hauptperson der Vision der Papst?“, antwortet Schwester Lucia sofort mit Ja und erinnert daran, daß die drei Hirtenkinder sehr betrübt waren über das Leiden des Papstes und daß  Jacinta wiederholte: “ Coitadinho do Santo Padre, tenho muita pena dos pecadores! “ („Armer Heiliger Vater, ich muß viel leiden für die Sünder!“). Schwester Lucia fährt fort: „Wir wußten den Namen des Papstes nicht; die Dame hat uns den Namen des Papstes nicht gesagt; wir wußten nicht, ob es Benedikt XV. war oder Pius XII. oder Paul VI. oder Johannes Paul II., aber es war der Papst, der litt und auch uns leiden ließ“.

Was den Abschnitt anbelangt, der vom weißgekleideten Bischof handelt, d.h. vom Papst – wie die Hirtenkinder die „Vision“ sofort wahrnahmen -, der tödlich getroffen zu Boden fällt, so teilt Schwester Lucia voll die Feststellung des Papstes: „Es war eine mütterliche Hand, die die Flugbahn der Kugel leitete und der Papst, der mit dem Tode rang, blieb auf der Schwelle des Todes stehen“ (JOHANNES PAUL II., Meditation mit den italienischen Bischöfen aus dem Poliklinikum Gemelli, 13. Mai 1994).

Bevor Schwester Lucia den versiegelten Umschlag, der den dritten Teil des „Geheimnisses“ enthält, dem damaligen Bischof von Leiria-Fatima übergab, hatte sie auf den äußeren Umschlag geschrieben, daß dieser erst nach 1960 entweder vom Patriarchen von Lissabon oder vom Bischof von Leiria geöffnet werden dürfe. Daher stellt Seine Exzellenz Msgr. Bertone die Frage: „Warum gibt es den Termin 1960? Hat die Madonna dieses Datum angegeben?“ Schwester Lucia antwortet: „Es war nicht die Dame, sondern ich habe 1960 als Datum gesetzt, weil man es – wie ich spürte – vor 1960 nicht verstehen würde. Man würde es nur danach verstehen. Jetzt kann man es besser verstehen. Ich habe das geschrieben, was ich gesehen habe. Mir steht die Deutung nicht zu, sondern dem Papst“.

Schließlich kommt die Sprache auf die nicht veröffentliche Handschrift, die Schwester Lucia als Antwort auf viele Briefe von Marienverehrern und Pilgern vorbereitet hat. Das Werk trägt den Titel „Os apelos da Mensagen de Fatima„; es faßt Gedanken und Überlegungen zusammen, die in katechetischer und paränetischer Weise ihre Gefühle sowie ihre klare und einfache Spiritualität zum Ausdruck bringen. Auf die Frage, ob sie sich freue, wenn es veröffentlicht würde, gab sie die Antwort: „Wenn der Heilige Vater einverstanden ist, freue ich mich. Andernfalls gehorche ich dem, was der Heilige Vater entscheidet“. Schwester Lucia möchte den Text der kirchlichen Autorität zur Approbation vorlegen und hegt die Hoffnung, mit ihrer Schrift einen Beitrag dafür zu leisten, die Männer und Frauen guten Willens auf den Weg zu geleiten, der zu Gott hinführt, dem letzten Ziel aller menschlichen Erwartung.

Das Gespräch endet mit dem Austausch von Rosenkränzen: Schwester Lucia erhält einen Rosenkranz als Geschenk vom Heiligen Vater; sie übergibt ihrerseits einige Rosenkränze, die sie selbst angefertigt hat.

Der im Namen des Heiligen Vaters erteilte Segen beschließt die Begegnung.

MITTEILUNG SEINER EMINENZ ANGELO KARDINAL SODANO
STAATSSEKRETAR SEINER HEILIGKEIT

Am Ende der feierlichen Konzelebration der Eucharistie unter Vorsitz von Johannes Paul II. in Fatima hat Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano auf portugiesisch das Wort ergriffen. Wir geben seinen Beitrag an dieser Stelle in deutscher Übersetzung wieder:

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Am Ende dieser festlichen Feier erachte ich es als meine Pflicht, stellvertretend für alle hier Anwesenden unserem geliebten Heiligen Vater unsere herzlichsten Glückwünsche zu seinem bevorstehenden 80. Geburtstag auszusprechen und ihm für sein wertvolles Hirtenamt zum Wohl der ganzen heiligen Kirche Gottes zu danken. Wir sprechen ihm die herzlichsten Wünsche der ganzen Kirche aus.

Anläßlich der feierlichen Gelegenheit seines Kommens nach Fatima hat mich Seine Heiligkeit beauftragt, Ihnen etwas mitzuteilen. Ziel seines Besuches in Fatima war bekanntlich die Seligsprechung der zwei Hirtenkinder. Doch möchte er mit seiner Pilgerreise auch noch einmal der Muttergottes für den Schutz danken, den sie ihm während dieser Jahre des Pontifikats gewährt hat. Es ist ein Schutz, der auch den sogenannten dritten Teil des „Geheimnisses“ von Fatima zu berühren scheint.

Dieser Text stellt eine prophetische Schau dar, die man mit jenen der Heiligen Schrift vergleichen kann. Sie beschreiben nicht im fotografischen Sinn die Einzelheiten der zukünftigen Ereignisse, sondern fassen auf einem gemeinsamen Hintergrund Tatsachen verdichtend zusammen, die sich zeitlich in einer nicht präzisierten Abfolge und Dauer erstrecken. Daher kann der Schlüssel zum Verständnis des Textes nur symbolisch sein.

Die Vision von Fatima betrifft besonders den Kampf der atheistischen Systeme gegen die Kirche und die Christen und beschreibt das schreckliche Leiden der Glaubenszeugen des letzten Jahrhunderts des zweiten Jahrtausends. Es handelt sich um einen endlosen Kreuzweg,der von den Päpsten des zwanzigsten Jahrhunderts angeführt wird.

Nach der Interpretation der Hirtenkinder, die auch vor kurzem von Schwester Lucia bestätigt wurde, ist der „in Weiß gekleidete Bischof“, der für alle Gläubigen betet, der Papst. Auch er fällt, von Schüssen getroffen, wie tot zu Boden, während er alle Mühe aufwendet, um unter den Leichnamen der Gemarterten (Bischöfe, Priester, Ordensleute und zahlreicher Laien) auf das Kreuz zuzugehen.

Nach dem Attentat vom 13. Mai 1981 erschien es Seiner Heiligkeit klar, daß „eine mütterliche Hand die Flugbahn der Kugel leitete“ und es dem „Papst, der mit dem Tode rang“ erlaubte, „an der Schwelle des Todes“ stehenzubleiben (JOHANNES PAUL II., Meditation mit den italienischen Bischöfen aus dem Poliklinikum Gemelli, in: Insegnamenti, Bd. XVII1, 1994, S. 1061). Anläßlich eines Kurzbesuches des damaligen Bischofs von Leiria-Fatima in Rom traf der Papst die Entscheidung, ihm die Kugel zu überlassen, die nach dem Attentat im Jeep geblieben war, um sie im Heiligtum aufzubewahren. Auf Initiative des Bischofs hin wurde sie daraufhin in die Krone der Statue der Madonna von Fatima eingefaßt.

Die Ereignisse, die im Jahre 1989 folgten, führten sowohl in der Sowjetunion als auch in zahlreichen östlichen Ländern zum Fall des kommunistischen Regimes, das den Atheismus verfochten hatte. Auch dafür dankt der Heilige Vater der Jungfrau Maria aus ganzem Herzen. Dennoch haben in anderen Teilen der Welt die Angriffe gegen die Kirche und die Christen mit der Last des Leidens, die sie mit sich bringen, leider nicht aufgehört. Selbst wenn die Geschehnisse, auf die sich der dritte Teil des Geheimnisses von Fatima bezieht, nunmehr der Vergangenheit anzugehören scheinen, so bleibt der am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ergangene Ruf der Gottesmutter zu Umkehr und Buße auch heute aktuell und anregend. „Die Hohe Frau dieser Botschaft liest gleichsam „die Zeichen der Zeit“ mit besonderer Eindringlichkeit, die Zeichen unserer Zeit (…). Die eindringliche Aufforderung Marias zur Buße ist nichts anderes als der Ausdruck ihrer mütterlichen Sorge um das Los der Menschenfamilie, die der Umkehr und der Verzeihung bedarf“ (JOHANNES PAUL II.,Botschaft zum Welttag der Kranken 1997, n.1, in: Insegnamenti, Bd. XIX2, 1996, S. 561).

Um es den Gläubigen zu ermöglichen, die Botschaft der Jungfrau von Fatima besser zu erfassen, hat der Papst der Kongregation für die Glaubenslehre den Auftrag erteilt, den dritten Teil des Geheimnisses zu veröffentlichen und vorher einen entsprechenden Kommentar vorzubereiten.

Brüder und Schwestern, wir danken der Muttergottes von Fatima für ihren Schutz. Ihrer mütterlichen Fürsprache vertrauen wir die Kirche des dritten Jahrtausends an.

Sub tuum praesidium confugimus, Sancta Dei Genetrix! Intercede pro Ecclesia. Intercede pro Papa nostro Ioanne Paulo II. Amen.

Fatima, 13. Mai 2000.

 

KOMMENTAR ZUM GEHEIMNIS VON FATIMA

Wer den Text des sogenannten dritten „Geheimnisses“ von Fatima aufmerksam liest, der hier im Auftrag des Heiligen Vaters erstmals wörtlich veröffentlicht wird, wird nach allen vorangegangenen Spekulationen vermutlich enttäuscht oder verwundert sein. Keine großen Geheimnisse werden enthüllt; der Vorhang vor der Zukunft wird nicht aufgerissen. Wir sehen im Zeitraffer die Kirche der Martyrer des nun abgelaufenen Jahrhunderts in einer schwer deutbaren Symbolsprache zusammengefaßt. Ist es nun das, was die Mutter des Herrn der Christenheit, der Menschheit in einer Zeit großer Fragen und Bedrängnisse kundgeben wollte? Hilft es uns im Anbruch des neuen Jahrtausends? Oder sind es vielleicht gar nur Spiegelungen der Innenwelt von Kindern, die in einem Milieu tiefer Frömmigkeit aufgewachsen, zugleich aber auch von den drohenden Gewittern ihrer Zeit aufgewühlt waren? Wie sollen wir die Vision verstehen, was von ihr halten?

Öffentliche Offenbarung und Privatoffenbarungen – ihr theologischer Ort

Bevor wir den Versuch einer Interpretation unternehmen, deren wesentliche Linien in der Ansprache zu finden sind, die Kardinal Sodano am 13. Mai dieses Jahres am Ende der vom Heiligen Vater zelebrierten Eucharistiefeier in Fatima gehalten hat, sind einige grundsätzliche Klärungen darüber notwendig, wie nach der Lehre der Kirche Phänomene wie dasjenige von Fatima grundsätzlich ins Leben des Glaubens einzuordnen sind. Die Lehre der Kirche unterscheidet zwischen der „öffentlichen Offenbarung“ und den „Privatoffenbarungen“. Zwischen beiden besteht nicht nur ein gradueller, sondern ein wesentlicher Unterschied. Das Wort „öffentliche Offenbarung“ bezeichnet das der ganzen Menschheit zugedachte Offenbarungshandeln Gottes, das seinen Niederschlag in der zweiteiligen Bibel aus Altem und Neuem Testament gefunden hat. „Offenbarung“ heißt es, weil Gott darin sich selbst Schritt um Schritt den Menschen zu erkennen gegeben hat, bis zu dem Punkt hin, da er selbst Mensch wurde, um durch den menschgewordenen Sohn Jesus Christus die ganze Welt an sich zu ziehen und mit sich zu vereinigen. Es handelt sich also nicht um intellektuelle Mitteilungen, sondern um einen Prozeß des Lebens, in dem Gott auf die Menschen zugeht; in diesem Prozeß werden dann freilich auch Inhalte für den Intellekt und für das Verstehen von Gottes Geheimnis sichtbar. Der Prozeß richtet sich an den ganzen Menschen und so auch an den Verstand, aber nicht nur an ihn. Weil Gott nur einer ist, ist auch die Geschichte, die er mit der Menschheit eingeht, eine einzige, die für alle Zeiten gilt und mit Leben, Tod und Auferstehung Jesu Christi ihre Vollendung erreicht hat. In Christus hat Gott alles, nämlich sich selbst gesagt, und deswegen ist die Offenbarung mit der Gestaltwerdung des Christusgeheimnisses im Neuen Testament abgeschlossen. Der Katechismus der Katholischen Kirche zitiert, um diese Endgültigkeit und Vollständigkeit der Offenbarung zu verdeutlichen, einen Text des heiligen Johannes vom Kreuz: „Seit er uns seinen Sohn geschenkt hat, der sein Wort ist, hat Gott uns kein anderes Wort zu geben. Er hat alles zumal in diesem einen Worte gesprochen… Denn was er ehedem nur stückweise zu den Propheten geredet, das hat er nunmehr im ganzen gesprochen, indem er uns das Ganze gab, nämlich seinen Sohn. Wer demnach jetzt noch ihn befragen oder von ihm Visionen oder Offenbarungen haben wollte, der würde nicht bloß unvernünftig handeln, sondern Gott geradezu beleidigen, weil er seine Augen nicht einzig auf Christus richten würde, ohne jegliches Verlangen nach anderen oder neuen Dingen“ (KKK 65, Carm. 2,22).

Die Tatsache, daß mit Christus und mit seiner Bezeugung in den Büchern des Neuen Testaments die allen Völkern zugedachte eine Offenbarung Gottes abgeschlossen ist, bindet die Kirche an das einmalige Ereignis der heiligen Geschichte und an das biblische Wort, das dieses Ereignis verbürgt und auslegt, aber sie bedeutet nicht, daß die Kirche nun nur auf die Vergangenheit schauen könnte und so zu einer unfruchtbaren Wiederholung verurteilt wäre. Der KKK sagt dazu: „… Obwohl die Offenbarung abgeschlossen ist, ist ihr Inhalt nicht vollständig ausgeschöpft; es bleibt Sache des christlichen Glaubens, im Lauf der Jahrhunderte nach und nach ihre ganze Tragweite zu erfassen“ (Nr. 66). Sehr schön sind die beiden Aspekte von Bindung an das Einmalige und Fortschritt in dessen Verstehen in den Abschiedsreden des Herrn ausgelegt, wo der scheidende Christus den Jüngern sagt: „Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden… Er wird mich verherrlichen, denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es verkünden“ (Joh 16,12?14). Einerseits führt der Geist und eröffnet so Erkenntnis, für deren Tragen vorher die Voraussetzung fehlte – das ist die immer unabgeschlossene Weite und Tiefe des christlichen Glaubens. Andererseits ist dieses Führen ein „Nehmen“ aus dem Schatz Jesu Christi selbst, dessen unerschöpfliche Tiefe sich in diesem Führen offenbart. Der Katechismus zitiert dazu ein tiefes Wort von Papst Gregor dem Großen: „Die göttlichen Worte wachsen mit den Lesenden“ (KKK 94, Gregor, in Ez 1,7,8). Das II. Vatikanische Konzil kennt drei wesentliche Wege, wie sich die Führung des Heiligen Geistes in der Kirche und so das „Wachsen des Wortes“ vollzieht: Es vollzieht sich durch Betrachtung und Studium der Gläubigen, durch innere Einsicht, die aus geistlicher Erfahrung stammt und durch die Verkündigung derer, „die mit der Nachfolge im Bischofsamt das sichere Charisma der Wahrheit empfangen haben“ (Dei Verbum, 8).

An dieser Stelle wird es nun möglich, den Begriff der „Privatoffenbarung“ richtig einzuordnen, der sich auf alle nach dem Abschluß des Neuen Testaments auftauchenden Schauungen und Offenbarungen bezieht, also die Kategorie ist, unter die wir die Botschaft von Fatima einordnen müssen. Hören wir auch dazu zunächst den KKK: „Im Laufe der Jahrhunderte gab es sogenannte „Privatoffenbarungen“, von denen einige durch die kirchliche Autorität anerkannt wurden… Sie sind nicht dazu da, die endgültige Offenbarung Christi zu ‚vervollkommnen’…, sondern sollen helfen, in einem bestimmten Zeitalter tiefer aus ihr zu leben“ (Nr. 67). Zweierlei wird klar:

1. Die Autorität der Privatoffenbarungen ist wesentlich unterschieden von der einen, öffentlichen Offenbarung: Diese fordert unseren Glauben an, denn in ihr spricht durch Menschenworte und durch die Vermittlung der lebendigen Gemeinschaft der Kirche hindurch Gott selbst zu uns. Der Glaube an Gott und sein Wort unterscheidet sich von allem menschlichen Glauben, Vertrauen, Meinen. Die Gewißheit, daß Gott redet, gibt mir die Sicherheit, daß ich der Wahrheit selbst begegne, und damit eine Gewißheit, die in keiner menschlichen Form von Erkenntnis sonst vorkommen kann. Es ist die Gewißheit, auf die ich mein Leben baue und der ich im Sterben traue.

2. Die Privatoffenbarung ist eine Hilfe zu diesem Glauben, und sie erweist sich als glaubwürdig gerade dadurch, daß sie mich auf die eine, öffentliche Offenbarung verweist. Kardinal Prosper Lambertini, nachher Papst Benedikt XIV., sagt in seinem klassisch, ja normativ gewordenen Traktat über die Selig- und Heiligsprechungen dazu: „Eine Zustimmung des katholischen Glaubens wird anerkannten Privatoffenbarungen in diesem Sinne nicht geschuldet, und sie ist auch nicht möglich. Diese Offenbarungen fordern vielmehr eine Zustimmung des menschlichen Glaubens gemäß den Regeln der Klugheit, die sie uns als wahrscheinlich und glaubwürdig darstellen“. Der flämische Theologe E. Dhanis, herausragender Kenner dieser Materie, stellt zusammenfassend fest, daß die kirchliche Approbation einer Privatoffenbarung drei Elemente umfaßt: Die betreffende Botschaft enthält nichts, was dem Glauben und den guten Sitten entgegensteht; es ist erlaubt, sie zu veröffentlichen, und die Gläubigen sind autorisiert, ihr in kluger Weise ihre Zustimmung zu schenken (Sguardo su Fatima e bilancio di una discussione, in: La Civiltà cattolica 104, 1953 II. 392-406, hierzu 397). Eine solche Botschaft kann eine wertvolle Hilfe sein, das Evangelium in der jeweils gegenwärtigen Stunde besser zu verstehen und zu leben; deswegen soll man sie nicht achtlos beiseite schieben. Sie ist eine Hilfe, die angeboten wird, aber von der man nicht Gebrauch machen muß.

Der Maßstab für Wahrheit und Wert einer Privatoffenbarung ist demgemäß ihre Hinordnung auf Christus selbst. Wenn sie uns von ihm wegführt, wenn sie sich verselbständigt oder sich gar als eine andere und bessere Ordnung, als wichtiger denn das Evangelium ausgibt, dann kommt sie sicher nicht vom Heiligen Geist, der uns in das Evangelium hinein- und nicht aus ihm herausführt. Das schließt nicht aus, daß eine Privatoffenbarung neue Akzente setzt, daß sie neue Weisen der Frömmigkeit herausstellt oder alte vertieft und erweitert. Aber in alledem muß es doch darum gehen, daß sie Glaube, Hoffnung und Liebe nährt, die der bleibende Weg des Heils für alle sind. Wir können hinzufügen, daß Privatoffenbarungen häufig primär aus der Volksfrömmigkeit kommen und auf sie zurückwirken, ihr neue Impulse geben und neue Formen eröffnen. Dies schließt nicht aus, daß sie auch in die Liturgie selbst hineinwirken, wie etwa Fronleichnam und das Herz-Jesu-Fest zeigen. In gewisser Hinsicht bildet sich im Verhältnis von Liturgie und Volksfrömmigkeit das Verhältnis zwischen Offenbarung und Privatoffenbarungen ab: Die Liturgie ist das Maß, sie ist der direkt aus dem Evangelium genährte Lebensausdruck der Kirche im ganzen. Volksfrömmigkeit bedeutet, daß der Glaube im Herzen der einzelnen Völker Wurzel schlägt, so daß er in die Welt des Alltags hineingetragen wird. Die Volksfrömmigkeit ist die erste und grundlegende Weise von „Inkulturation“ des Glaubens, die sich immer wieder von der Weisung der Liturgie her ordnen und leiten lassen muß, aber umgekehrt sie vom Herzen her befruchtet.

Damit sind wir schon von den eher negativen Abgrenzungen, die zunächst notwendig waren, zur positiven Bestimmung der Privatoffenbarungen übergegangen: Wie kann man sie von der Schrift her richtig einordnen? Was ist ihre theologische Kategorie? Der älteste uns erhaltene Paulusbrief, wohl überhaupt das älteste Schriftstück des Neuen Testaments, der erste Brief an die Thessalonicher, scheint mir da eine Wegweisung zu geben. Der Apostel sagt da: „Löscht den Geist nicht aus! Verachtet prophetisches Reden nicht! Prüft alles und behaltet das Gute!“ (5,19-21) Zu allen Zeiten ist der Kirche das Charisma der Prophetie gegeben, die geprüft werden muß, aber auch nicht verachtet werden darf. Dabei müssen wir bedenken, daß Prophetie im Sinn der Bibel nicht Wahrsagerei bedeutet, sondern Deutung von Gottes Willen für die Gegenwart, die auch den rechten Weg in die Zukunft zeigt. Der Wahrsager antwortet auf die Neugier des Verstandes, die den Schleier der Zukunft wegreißen will; der Prophet begegnet der Blindheit des Willens und des Denkens und macht Gottes Willen als Anspruch und Wegweisung für die Gegenwart deutlich. Das Moment der Vorhersage von Zukünftigem ist dabei sekundär. Wesentlich ist die Vergegenwärtigung der einen Offenbarung, die mir so auf den Leib rückt: Das prophetische Wort ist Ermahnung oder auch Tröstung oder beides ineinander. Insofern kann man das Charisma der Prophetie mit der Kategorie der „Zeichen der Zeit“ in Verbindung bringen, die vom II. Vaticanum herausgestellt worden ist: „…Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr dann die Zeichen dieser Zeit nicht deuten?“ (Lk 12,56) Unter den „Zeichen der Zeit“ ist in diesem Wort Jesu sein eigener Weg, er selbst zu verstehen. Die Zeichen der Zeit im Licht des Glaubens deuten heißt, die Anwesenheit Christi in der jeweiligen Zeit erkennen. In den von der Kirche anerkannten Privatoffenbarungen – also auch in Fatima – geht es darum: uns die Zeichen der Zeit verstehen zu helfen und auf sie die richtige Antwort im Glauben zu finden.

Die anthropologische Struktur der Privatoffenbarungen

Nachdem wir mit diesen Überlegungen eine theologische Ortsbestimmung der Privatoffenbarungen versucht haben, müssen wir vor dem Mühen um eine Auslegung der Botschaft von Fatima auch noch kurz ihren anthropologischen (psychologischen) Charakter etwas aufzuhellen versuchen. Die theologische Anthropologie unterscheidet in diesem Zusammenhang drei Arten von Wahrnehmung oder „Schau“: das Schauen mit den Sinnen, also die äußere körperliche Wahrnehmung; das Wahrnehmen von innen her und die geistige Anschauung (visio sensibilis – imaginativa – intellectualis). Es ist klar, daß es sich bei den Visionen von Lourdes, Fatima usw. nicht um die gewöhnliche äußere Sinneswahrnehmung handelt: Die Bilder und Gestalten, die gesehen werden, stehen nicht äußerlich im Raum da, wie etwa ein Baum oder ein Haus da sind. Das ist zum Beispiel bei der Höllenvision oder auch bei der im dritten Geheimnis geschilderten Vision ganz offenkundig, läßt sich aber auch für die anderen Visionen leicht zeigen, zumal nicht alle Anwesenden die Gesichte sahen, sondern eben nur die „Seher“. Ebenso ist deutlich, daß es sich nicht um bildlose intellektuelle „Schau“ handelt, wie sie in den hohen Stufen der Mystik vorliegt. So geht es um die mittlere Kategorie, das innere Wahrnehmen, das freilich für den Seher eine Gegenwartskraft erhält, die für ihn der äuberen sinnlichen Erscheinung gleichkommt.

Schauen von innen bedeutet nicht, daß es sich um Fantasie handelt, die nur Ausdruck subjektiver Einbildung wäre. Vielmehr bedeutet es, daß die Seele vom Impuls realer, wenngleich übersinnlicher Wirklichkeit berührt und für das Sehen des Nichtsinnlichen, des nicht den Sinnen Sichtbaren geöffnet wird – ein Schauen mit den „inneren Sinnen“. Es handelt sich um echte „Gegenstände“, die die Seele berühren, obwohl sie nicht unserer gewohnten Sinnenwelt zugehören. Dazu ist eine innere Wachheit des Herzens erfordert, die unter dem Druck der gewaltigen äußeren Wirklichkeiten und der die Seele erfüllenden Bilder und Gedanken meistens nicht gegeben ist. Der Mensch wird aus dem bloß Äußeren herausgeführt, und tiefere Dimensionen der Wirklichkeit rühren ihn an, machen sich ihm sichtbar. Vielleicht wird von daher sogar verständlich, warum gerade Kinder bevorzugte Empfänger solcher Erscheinungen sind: Die Seele ist noch weniger verstellt, die innere Wahrnehmungsfähigkeit noch weniger versehrt. „Aus dem Mund von Kindern und Säuglingen schaffst du dir Lob“, antwortet Jesus mit einem Psalmwort (Ps 8,3) auf die Kritik der Hohenpriester und Ältesten, die den Hosanna-Ruf der Kinder als unangemessen empfanden (Mt 21,16).

Die „innere Schau“ ist nicht Fantasie, sondern eine wirkliche und eigentliche Weise der Wahrnehmung, sagten wir. Aber sie bringt auch Einschränkungen mit sich. Schon bei der äußeren Schau ist immer auch der subjektive Faktor beteiligt: Wir sehen nie das reine Objekt, sondern es kommt zu uns durch den Filter unserer Sinne, die einen Übersetzungsvorgang zu leisten haben. Das ist bei der Schau von innen noch deutlicher, vor allem dann, wenn es sich um Wirklichkeiten handelt, die an sich unseren Horizont überschreiten. Das Subjekt, der Schauende, wird noch stärker in Anspruch genommen. Er sieht mit seinen Möglichkeiten, mit den für ihn zugänglichen Weisen des Vorstellens und Erkennens. In der inneren Schau liegt noch weit mehr als in der äußeren ein Übersetzungsvorgang vor, so daß das Subjekt an der Bildwerdung dessen, was sich zeigt, wesentlich mitbeteiligt ist. Das Bild kann nur nach seinen Maßen und seinen Möglichkeiten ankommen. Deswegen sind solche Schauungen nie die reine „Fotografie“ des Jenseits, sondern sie tragen auch die Möglichkeiten und Grenzen des wahrnehmenden Subjekts an sich.

Das kann man an allen großen Visionen der Heiligen zeigen; es gilt natürlich auch für die Schauungen der Kinder von Fatima. Die von ihnen aufgezeichneten Bilder sind keineswegs bloß Ausdruck ihrer Fantasie, sondern Frucht einer wirklichen Wahrnehmung von oben und innen her, aber sie sind auch nicht so vorzustellen, daß ein Augenblick der Schleier vom Jenseits weggerückt würde und der Himmel in seinem reinen An-sich-sein erschiene, wie wir ihn einmal in der endgültigen Vereinigung mit Gott zu sehen hoffen. Die Bilder sind vielmehr sozusagen zusammengesetzt aus dem von oben kommenden Anstoß und aus den dafür vorliegenden Möglichkeiten des wahrnehmenden Subjekts, das heißt der Kinder. Deswegen ist die Bildsprache dieser Schauungen symbolische Sprache. Kardinal Sodano sagt dazu: „…Sie beschreiben nicht im fotografischen Sinn die Einzelheiten der zukünftigen Ereignisse, sondern fassen auf einem gemeinsamen Hintergrund Tatsachen verdichtend zusammen, die sich zeitlich in einer nicht präzisierten Abfolge und Dauer erstrecken.“ Dieses Zusammenfassen von Zeiten und Räumen in einem einzigen Bild ist typisch für solche Visionen, die meist erst im Rückblick angemessen entschlüsselt werden können. Nicht jedes Bildelement muß dabei einen konkreten historischen Sinn ergeben. Es zählt die Schauung als ganze und von der Ganzheit der Bilder her müssen die Details eingeordnet werden. Was die Mitte eines Bildes ist, enthüllt sich letztlich aus dem, was die Mitte christlicher „Prophetie“ überhaupt ist: Die Mitte ist da, wo Schauung zum Anruf wird und auf den Willen Gottes zuführt.

Versuch einer Auslegung des „Geheimnisses“ von Fatima

Der erste und der zweite Teil des Geheimnisses von Fatima sind von der Literatur schon so ausführlich diskutiert worden, daß sie hier nicht noch einmal ausgelegt werden müssen. Ich möchte nur in Kürze auf den springenden Punkt aufmerksam machen. Die Kinder haben einen schrecklichen Augenblick lang eine Vision der Hölle erlebt. Sie haben den Fall der „Seelen der armen Sünder“ gesehen. Und nun wird ihnen gesagt, warum sie diesem Augenblick ausgesetzt wurden: „per salvarle“ – um einen Weg der Rettung zu zeigen. Das Wort aus dem ersten Petrusbrief kommt einem in den Sinn: „Ziel eures Glaubens ist die Rettung der Seelen“ (1,9). Als Weg dafür wird – für Menschen aus dem angelsächsischen und deutschen Kulturraum überraschend – angegeben: die Verehrung für das unbefleckte Herz Mariens. Zum Verständnis muß hier ein kurzer Hinweis genügen. „Herz“ bedeutet in der Sprache der Bibel die Mitte der menschlichen Existenz, das Zusammenströmen von Verstand, Wille, Gemüt und Sinnen, in dem der Mensch seine Einheit und seine innere Richtung findet. Das „unbefleckte Herz“ ist gemäß Mt 5,8 ein Herz, das ganz zu einer inneren Einheit von Gott her gefunden hat und daher „Gott sieht“. „Devozione“ (Verehrung) zum Unbefleckten Herzen Mariens ist daher Zugehen auf diese Herzenshaltung, in der das „Fiat“ – dein Wille geschehe – zur formenden Mitte der ganzen Existenz wird. Wenn jemand einwenden möchte, wir sollten doch nicht einen Menschen zwischen uns und Christus stellen, so ist daran zu erinnern, daß Paulus sich nicht scheut, zu seinen Gemeinden zu sagen: Ahmt mich nach (1 Kor 4,16; Phil 3,17; 1 Thess 1,6; 2 Thess 3,7.9). Am Apostel können sie konkret ablesen, was Nachfolge Christi heißt. Von wem aber könnten wir es über alle Zeiten hin besser erlernen als von der Mutter des Herrn?

So kommen wir endlich zu dem hier erstmals ungekürzt veröffentlichten dritten Teil des Geheimnisses von Fatima. Wie aus der vorangehenden Dokumentation hervorgeht, ist die Auslegung, die Kardinal Sodano in seiner Rede vom 13. Mai geboten hat, zuerst Schwester Lucia persönlich vorgelegt worden. Schwester Lucia hat dazu zunächst bemerkt, daß ihr das Gesicht, aber nicht seine Auslegung geschenkt wurde. Die Auslegung komme nicht dem Seher, sondern der Kirche zu. Sie hat aber nach der Lektüre des Textes gesagt, daß diese Auslegung dem entspricht, was sie erfahren hatte und daß sie von ihrer Seite diese Interpretation als sachgerecht anerkennt. Im folgenden kann also nur noch versucht werden, diese Auslegung von den bisher entwickelten Maßstäben her zu begründen und zu vertiefen.

Wie wir als Schlüsselwort des ersten und zweiten Geheimnisses „salvare le anime“ (die Seelen retten) erkannten, so ist das Schlüsselwort dieses Geheimnisses der dreimalige Ruf: „Penitenza, Penitenza, Penitenza“ (Buße, Buße, Buße)! Wir werden an den Anfang des Evangeliums erinnert: „Tut Buße und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15). Die Zeichen der Zeit verstehen heißt: Die Dringlichkeit von Buße – Umkehr – Glaube begreifen. Das ist die richtige Antwort auf den historischen Augenblick, der von großen Gefahren umstellt ist, die in den folgenden Bildern gezeichnet werden. Ich darf hier eine persönliche Erinnerung einflechten: In einem Gespräch mit mir hat Schwester Lucia mir gesagt, ihr werde immer mehr deutlich, daß das Ziel der ganzen Erscheinungen gewesen sei, mehr in Glaube, Hoffnung und Liebe einzuüben – alles andere sei nur Hinführung dazu.

Gehen wir nun etwas näher auf die einzelnen Bilder ein. Der Engel mit dem Flammenschwert zur Linken der Muttergottes erinnert an ähnliche Bilder der Geheimen Offenbarung. Er stellt die Gerichtsdrohung dar, unter der die Welt steht. Daß sie in einem Flammenmeer verbrennen könnte, erscheint heute keineswegs mehr als bloße Fantasie: Der Mensch selbst hat das Flammenschwert mit seinen Erfindungen bereitgestellt. Die Vision zeigt dann die Gegenkraft zur Macht der Zerstörung – zum einen den Glanz der Muttergottes, zum anderen, gleichsam aus ihm hervorkommend, den Ruf zur Buße. Damit wird das Moment der Freiheit des Menschen ins Spiel gebracht: Die Zukunft ist keineswegs unabänderlich determiniert, und das Bild, das die Kinder sahen, ist kein im voraus aufgenommener Film des Künftigen, an dem nichts mehr geändert werden könnte. Die ganze Schauung ergeht überhaupt nur, um die Freiheit auf den Plan zu rufen und sie ins Positive zu wenden. Der Sinn der Schauung ist es eben nicht, einen Film über die unabänderlich fixierte Zukunft zu zeigen. Ihr Sinn ist genau umgekehrt, die Kräfte der Veränderung zum Guten hin zu mobilisieren. Deswegen gehen fatalistische Deutungen des Geheimnisses völlig an der Sache vorbei, die zum Beispiel sagen, der Attentäter vom 13. Mai 1981 sei nun einmal ein von der Vorsehung gelenktes Werkzeug göttlichen Planens gewesen und habe daher gar nicht frei handeln können, oder was sonst an ähnlichen Ideen umläuft. Die Vision spricht vielmehr von Gefährdungen und vom Weg der Heilung.

Die folgenden Sätze des Textes lassen den Bildcharakter der Schauung noch einmal sehr deutlich werden: Gott bleibt das unmeßbare und all unser Sehen überschreitende Licht. Die Menschen erscheinen wie in einem Spiegel. Diese innere Einschränkung der Vision, deren Grenzen hier anschaulich angegeben werden, müssen wir fortwährend gegenwärtig halten. Das Künftige zeigt sich nur „in Spiegel und Gleichnis“ (vgl. 1 Kor 13,12). Wenden wir uns nun den einzelnen Bildern zu, die in dem Text des Geheimnisses folgen. Der Ort des Geschehens wird mit drei Symbolen beschrieben: ein steiler Berg, eine halb in Trümmern liegende große Stadt und schließlich ein gewaltiges Kreuz aus unbehauenen Stücken. Berg und Stadt symbolisieren die Orte der menschlichen Geschichte: Geschichte als mühevollen Aufstieg zur Höhe, Geschichte als Ort menschlichen Bauens und Zusammenlebens, zugleich als Ort der Zerstörungen, in denen der Mensch sein eigenes Werk vernichtet. Die Stadt kann Ort der Gemeinsamkeit und des Fortschritts, aber auch Ort der Gefährdung und der äußersten Bedrohung sein. Auf dem Berg steht das Kreuz – Ziel und Orientierungspunkt der Geschichte. Im Kreuz ist die Zerstörung in Rettung umgewandelt; es steht als Zeichen der Not der Geschichte und als Verheißung über ihr.

Dann erscheinen da menschliche Personen: Der weißgekleidete Bischof („wir hatten die Ahnung, daß es der Papst war“), weitere Bischöfe, Priester, Ordensleute und schließlich Männer und Frauen aus allen Klassen und Ständen. Der Papst geht offenbar den anderen voraus, zitternd und leidend ob all der Schrecken, die ihn umgeben. Nicht nur die Häuser der Stadt liegen teils in Trümmern – sein Weg führt an den Leichen der Getöteten vorbei. Der Weg der Kirche wird so als ein Kreuzweg, als Weg in einer Zeit der Gewalt, der Zerstörungen und der Verfolgungen geschildert. Man darf in diesem Bild die Geschichte eines ganzen Jahrhunderts abgebildet finden. Wie die Orte der Erde in den beiden Bildern von Berg und Stadt zusammengeschaut und auf das Kreuz hingeordnet sind, so sind auch die Zeiten zusammengezogen: In der Schau können wir das abgelaufene Jahrhundert als Jahrhundert der Martyrer, als Jahrhundert der Leiden und der Verfolgungen der Kirche, als das Jahrhundert der Weltkriege und vieler lokaler Kriege erkennen, die die ganze zweite Hälfte des Jahrhunderts ausgefüllt und neue Formen der Grausamkeit hervorgebracht haben. Im „Spiegel“ dieser Vision sehen wir die Blutzeugen von Jahrzehnten vorüberziehen. Hier scheint es angebracht, einen Satz aus dem Brief anzuführen, den Schwester Lucia am 12. Mai 1982 an den Heiligen Vater gerichtet hat: „Der dritte Teil des Geheimnisses bezieht sich auf die Worte Unserer Lieben Frau: „Wenn nicht, wird es (Rußland) seine Irrtümer über die Welt ausbreiten und Kriege und Verfolgungen der Kirche anstiften. Die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird viel zu leiden haben, verschiedene Nationen werden vernichtet werden““.

Im Kreuzweg eines Jahrhunderts spielt die Figur des Papstes eine besondere Rolle. In seinem mühsamen Hinaufsteigen auf den Berg dürfen wir ruhig mehrere Päpste zusammengefaßt finden, die von Pius X. angefangen bis zum jetzigen Papst die Leiden des Jahrhunderts mittrugen und in ihnen auf dem Weg zum Kreuz voranzugehen sich mühten. Auf der Straße der Martyrer wird in der Vision auch der Papst ermordet. Mußte der Heilige Vater, als er sich nach dem Attentat vom 13. Mai 1981 den Text des dritten Geheimnisses vorlegen ließ, darin nicht sein eigenes Geschick erkennen? Er war sehr nahe an der Grenze des Todes gewesen und hat selber seine Rettung mit den folgenden Worten gedeutet: „…es war eine mütterliche Hand, die die Flugbahn der Kugel leitete und es dem Papst, der mit dem Tode rang, erlaubte, an der Schwelle des Todes stehenzubleiben“ (13. Mai 1994). Daß da eine „mano materna“ (mütterliche Hand) die tödliche Kugel doch noch anders geleitet hat, zeigt nur noch einmal, daß es kein unabänderliches Schicksal gibt, daß Glaube und Gebet Mächte sind, die in die Geschichte eingreifen können und daß am Ende das Gebet stärker ist als die Patronen, der Glaube mächtiger als Divisionen.

Der Schluß des Geheimnisses erinnert an Bilder, die Lucia in frommen Büchern gesehen haben mag und deren Inhalt aus frühen Einsichten des Glaubens geschöpft ist. Es ist ein tröstendes Bild, das eine Geschichte aus Blut und Tränen durchsichtig machen will auf Gottes heilende Macht. Engel fangen unter den Kreuzarmen das Martyrerblut auf und tränken damit die Seelen, die sich auf den Weg zu Gott machen. Das Blut Christi und das Blut der Martyrer werden hier zusammengeschaut: Das Blut der Martyrer fließt aus den Armen des Kreuzes. Ihr Martyrium gehört mit dem Leiden Christi zusammen, ist mit diesem eins geworden. Sie ergänzen für den Leib Christi, was an seinen Leiden noch fehlt (Kol 1,24). Ihr Leben ist selbst Eucharistie geworden, eingegangen in das Mysterium des gestorbenen Weizenkorns und nimmt an dessen Fruchtbarkeit teil. Das Blut der Martyrer ist Samen christlicher Existenz, hat Tertullian gesagt. Wie aus dem Tode Christi, aus seiner geöffneten Seite, die Kirche entsprungen ist, so ist das Sterben der Zeugen fruchtbar für das weitere Leben der Kirche. Die an ihrem Anfang so bedrückende Vision des dritten Geheimnisses schließt also mit einem Bild der Hoffnung: Kein Leiden ist umsonst, und gerade eine leidende Kirche, eine Kirche der Martyrer, wird zum Wegzeichen auf der Suche der Menschen nach Gott. In Gottes guten Händen sind nicht nur die Leidenden geborgen wie Lazarus, der den großen Trost fand und geheimnisvoll Christus darstellt, der zum armen Lazarus für uns werden wollte; mehr als das: Vom Leiden der Zeugen kommt eine Kraft der Reinigung und der Erneuerung, weil es Vergegenwärtigung von Christi eigenem Leiden ist und seine heilende Wirkung an die Gegenwart weiterreicht.

Damit sind wir bei einer letzten Frage angelangt: Was hat das Geheimnis von Fatima als ganzes (in seinen drei Teilen) zu bedeuten? Was sagt es uns? Zunächst müssen wir mit Kardinal Sodano festhalten, daß „…die Geschehnisse, auf die sich der dritte Teil des Geheimnisses von Fatima bezieht, nunmehr der Vergangenheit anzugehören scheinen…“. Soweit einzelne Ereignisse dargestellt werden, gehören sie nun der Vergangenheit an: Wer auf aufregende apokalyptische Enthüllungen über das Weltende oder den weiteren Verlauf der Geschichte gewartet hatte, muß enttäuscht sein. Solche Stillungen unserer Neugier bietet uns Fatima nicht, wie denn überhaupt der christliche Glaube nicht Futter für unsere Neugierde sein will und kann. Was bleibt, haben wir gleich zu Beginn unserer Überlegungen über den Text des Geheimnisses gesehen: die Führung zum Gebet als Weg zur „Rettung der Seelen“ und im gleichen Sinn der Hinweis auf Buße und Bekehrung.

Ich möchte am Ende noch ein weiteres mit Recht berühmt gewordenes Stichwort des Geheimnisses aufgreifen: „Mein Unbeflecktes Herz wird siegen“. Was heißt das? Das für Gott geöffnete, durch das Hinschauen auf Gott rein gewordene Herz ist stärker als Gewehre und Waffen aller Art. Das „Fiat“ Marias, das Wort ihres Herzens, hat die Weltgeschichte gewendet, weil es den Retter eingelassen hat in diese Welt – weil im Raum dieses Ja Gott Mensch werden konnte und es nun ewig bleibt. Das Böse hat Macht in der Welt, wir sehen es und erfahren es immer wieder; es hat Macht, weil unsere Freiheit sich immer wieder von Gott abdrängen läßt. Aber seit Gott selbst ein menschliches Herz hat und so die Freiheit des Menschen ins Gute hinein, auf Gott zu, gewendet hat, hat die Freiheit zum Bösen nicht mehr das letzte Wort. Seitdem gilt: „In der Welt werdet ihr Drangsal haben, aber seid nur getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Joh 16,33). Dieser Verheißung uns anzuvertrauen, lädt uns die Botschaft von Fatima ein.

JOSEPH Kard. RATZINGER
Präfekt
der Kongregation für die Glaubenslehre


(1) Aus dem Tagebuch von Johannes XXIII, 17. August 1959: „Audienzen: P. Philippe, Kommissar des Heiligen Offiziums, der mir den Brief überbringt, der den dritten Teil der Geheimnisse von Fatima enthält. Ich behalte mir vor, ihn mit meinem Beichtvater zu lesen“.

(2) Es ist auf den Kommentar zu verweisen, den der Heilige Vater bei der Generalaudienz am 14. Oktober 1981 über „Das Ereignis vom Mai: eine große göttliche Prüfung“ gegeben hat, in: Insegnamenti di Giovanni Paolo II, IV, 2, Città del Vaticano 1981, 409?412.

(3) Radiobotschaft während des Gottesdienstes in der Basilika Santa Maria Maggiore, Verehrung, Dank und Vertrauensakt an die Jungfrau und Gottesmutter Maria, in: Insegnamenti di Giovanni Paolo II, IV, 1, Città del Vatica no 1981, 1246.

(4) Am Tag der Familie im Rahmen des Jubeljahres vertraut der Papst die Menschen und die Nationen der Madonna an, in: Insegnamenti di Giovanni Paolo II, VII, 1, Città del Vaticano 1984, 775-777.

(5)

(6) In der vierten Erinnerung vom 8. Dezember 1941 schreibt Schwester Lucia: „Ich beginne also meine neue Aufgabe und ich erfülle den Befehl Eurer Exzellenz und die Wünsche von Dr. Galamba. Ich werde Ihnen alles sagen, ausgenommen einen Teil des Geheimnisses, den mir jetzt zu offenbaren nicht erlaubt ist. Bewußt werde ich nichts auslassen. Möglicherweise vergesse ich manche Einzelheiten, die aber nicht wichtig sind“.

(7) In der zitierten „vierten Erinnerung“ fügt Schwester Lucia an: „In Portugal wird man stets das Dogma des Glaubens bewahren, usw“.

(8) In der Übersetzung wurde der Originaltext auch in den Ungenauigkeiten der Interpunktion geachtet. Diese behindern übrigens das Verständnis dessen, was die Seherin sagen wollte, nicht.

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Quelle

DIE ERSCHEINUNGEN IN GARABANDAL – Die Schilderungen der Augenzeugen

 

– Pepe Diez (Bewohner von Garabandal)
– Mercedes Salisach (Schriftstellerin von Barcelona)
– Fr Jose de la River (Priester, Garabandal)
– Pater Ramón Andreu S.J. (Priester und Bruder von Pater Luis Maria Andreu*)
– Serafin Gonzales (ältere Bruder von Conchita)
– Maria Saraco (St. Michaels Garanbadal Centre, California)
– Jean-Baptiste Caux (Schönheitschirurg, Paris, dramatisches Umkehr-Zeugnis)
– Alejandro Damians (Barcelona)
– Julia Mazon (Mutter von Mari Loli)
– Dr. Louise Moralas (Psychiater, Führer der ersten negativen Untersuchung, Widerrufer)
– Dr. Ricardo Puncernau (Neuropsychiater, Barcelona)
– Dr. Garcia Ruiz
– Dr. Ortiz González
– Fr Valentin Marichalar (Pfarrer von 1945 – 1983 in Garabandal)
– Bischof Juan del Val Gallo (Santander, hat selber 3 Erscheinungen miterlebt)
*hat das bevorstehende Wunder kurz vor seinem Tod gesehen

(Wiedergabe hier als separater Artikel aufgrund dieses Kommentars von @Stefan1)