Weltweites Rosenkranzgebet mit Papst Franziskus am Samstag

Papst Franziskus an der Lourdes-Grotte in den vatikanischen Gärten (Archivbild)

Global im Gebet vereint um ein Ende der Pandemie: In diesem Anliegen findet am Vorabend des kommenden Pfingstsonntag in den Vatikanischen Gärten ein Rosenkranzgebet mit Papst Franziskus statt. Live – und auch auf Deutsch – übertragen wir die Marienandacht an der Lourdes-Grotte ab 17.30 Uhr in Wallfahrtsstätten der ganzen Welt, darunter Lourdes und Fatima.

Organisiert hat das Ereignis der Päpstliche Rat für Neuevangelisierung, es steht unter dem Titel „eifrig und einmütig im Gebet, zusammen mit Maria“ in Anlehnung an das Gebet der Urgemeinde, von dem die Apostelgeschichte erzählt (vgl. Apg 1,14).

Gebet für alle Leidenden an der Pandemie

Es handele sich um einen „Moment des weltweiten Gebets“ am Vorabend des Pfingstfestes mit dem Papst, an dem vor allem Familien beteiligt seien, heißt es in einer Erklärung des Päpstlichen Rates für Neuevangelisierung von diesem Dienstag. Franziskus wolle „die Schmerzen und Wehen der Menschheit, die durch die Ausbreitung des Covid-19-Virus weiter verschärft worden seien“, zur Gottesmutter tragen und diese um Fürsprache bitten.

Wallfahrtorte weltweit beten mit

Zugeschaltet seien „die größten Wallfahrtsorte auf allen fünf Kontinenten“, informiert die Note. In Europa sind dies zum Beispiel die Heiligtümer von Lourdes in Frankreich, Fátima in Portugal und Tschenstochau in Polen, in den USA Immaculate Conception in Washington, in Afrika der nigerianische Wallfahrtsort Elele und Notre-Dame de la Paix in Elfenbeinküste. In Lateinamerika sind unter anderem das Nationalheiligtum von Mexiko mit der Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau von Guadalupe und der Pilgerort von Luján in der Heimat des Papstes, Argentinien, mit dabei.

Betroffene der Corona-Krise und Helfer beten mit dem Papst

Einzelne Teile des Rosenkranzes am Samstag würden von Vertretern verschiedener Gruppen gebetet, die in besonderer Weise von der Coronavirus-Pandemie getroffen wurden oder einen besonderen Einsatz leisten, informiert der Päpstliche Rat weiter. Papst Franziskus hatte für diese Menschen bei seinen Frühmessen in den letzten Wochen jeweils zum Gebet aufgerufen und ihr Wirken gewürdigt. Beim Rosenkranz mit dem Papst dabei sind ein Arzt und eine Krankenschwester, eine vom Virus geheilte Person, eine Trauernde, die ein Corona-Opfer in der eigenen Familie zu beklagen hat, ein Priester und eine Ordensschwester, die beide im Krankenhaus wirken, eine Apothekerin, eine Journalistin, ein Freiwilliger des Zivilschutzes mit Familie und eine junge Familie, die inmitten der Corona-Krise Nachwuchs bekommen hat.

Zu Sicherheits- und Hygieneregeln im Rahmen der Veranstaltung oder dem detaillierten Ablauf machte der Vatikan in der Erklärung keine Angaben. Es ist die erste größere Zusammenkunft des Papstes mit Gläubigen seit Beginn des Lockdown im Vatikan.

Unsere Live-Übertragung

Radio Vatikan überträgt das Gebet ab 17.30 Uhr mit deutschem Kommentar auf der Webseite vaticannews.de.

(vatican news – pr)

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Lateinamerikas Bischöfe weihen Kontinent der Madonna von Guadalupe

1. April 2020, 15:08

Marienfeier anlässlich der Bedrohung durch die Coronavirus-Pandemie am Ostersonntag in der Guadalupe-Basilika von Mexiko-Stadt sowie in den Ortskirchen

Rom (kath.net/KAP) Einen außergewöhnlichen Schritt, um Fürsprache für ein „baldiges Ende der Pandemie“ zu erbitten, setzt der Rat der Lateinamerikanischen Bischofskonferenzen (CELAM) zusammen mit den Bischöfen von Mexiko: Am Ostersonntag um 12 Uhr mexikanischer Ortszeit (19 Uhr MESZ) werden Lateinamerika und die Karibik der Gottesmutter von Guadalupe, die auch Schutzpatronin des Kontinents ist, geweiht, berichtete der römische Nachrichtendienst „Fides“ am Mittwoch. Hauptort des Geschehens ist die Guadalupe-Basilika in Mexiko-Stadt.

Die gegenwärtige Situation mache es erforderlich, „dass wir als Hirten die Leiden unserer Völker sehen und hören, und die Hoffnung wecken, indem wir uns auf unsere Mutter im Himmels blicken“, so der CELAM-Vorsitzende Miguel Cabrejos Vidarte, Erzbischof von Trujillo. Alle Länder Lateinamerikas und der Karibik seien eingeladen, sich über die Medien der Feier anzuschließen. Zeitgleich sollen auch die Glocken aller Kirchen läuten.

Auf dem Programm der Feier steht zunächst das Gebet eines „Missionsrosenkranzes für die Gesundheit der Menschen auf den fünf Kontinenten“. Es folgt der Ostergottesdienst und an dessen Ende dann der Akt der Weihe des Kontinents an „Unsere Liebe Frau von Guadalupe“. Die Betrachtung der Mutter Jesu stärke Glaube und Hoffnung, zudem stärke es darin, „dass wir solidarische Liebe einsetzen besonders für jene, die heute Krankheit, Schmerz, Armut, Einsamkeit, Angst oder Unruhe empfinden“, heißt es in dem CELAM-Schreiben.

Der Entscheidung der Bischöfe vorausgegangen waren mehrere Anrufungen der Jungfrau Maria durch lateinamerikanische Präsidenten im Zuge der Corona-Krise, darunter durch Kolumbiens Staatschef Ivan Duque. In Paraguay hatte Präsident Mario Abdo Benitez, in El Salvador sein Amtskollege Nayib Bukele und in Mexiko Andres Manuel Lopez Obrador zu Gebeten aufgerufen. US-Präsident Donald Trump hatte zu Beginn der Coronavirus-Pandemie in seinem Land den 15. März zum „Nationalen Gebetstag“ erklärt.

Beschützerin in Bedrängnis

Die Weihe an die Gottesmutter Maria ist eine Frömmigkeitsform der katholischen Kirche. Dabei werden Einzelpersonen oder Gruppen, Kirchen, Klöster, Diözesen oder auch Nationen der Fürbitte Mariens und ihrem besonderen Schutz anvertraut. Die Marienweihe wird häufig, aber nicht nur in Ausnahmesituationen praktiziert.

Die traditionelle Marienfrömmigkeit sieht Maria als Beschützerin in Bedrängnis. Auf vielen Andachtsbildern und Werken der Kunstgeschichte wird sie mit einem Schutzmantel dargestellt, unter dem Notleidende Zuflucht finden. Mehrfach hat Papst Johannes Paul II. (1978-2005) die ganze Menschheit der Gottesmutter geweiht, was vor ihm zuvor bereits Papst Pius XII. im Jahr 1942 tat. Auch in Österreich gab es etliche Marienweihen, zuletzt am Donnerstag der Vorwoche – dem Fest Verkündigung des Herrn – die Weihe Tirols durch Bischof Hermann Glettler.

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Quelle

Die ‚evanglische Botschaft‘ von LOURDES – A. RAVIER, s.j. (3)

(Fortsetzung von Folge 2)

Freitag den 26. Februar, begibt sich Bernadette am frühen Morgen zur Grotte. Sie betet dort, sie wiederholt die Bußhandlungen. Aber die Dame erscheint nicht. Samstag, den 27. Februar und Sonntag, den 28. Februar hingegen spielt sich die Ekstase wieder nach gewohnter Weise ab. Am 28. Februar, nach dem Hochamt, befiehlt der Quellenwächter Latapie Bernadette, ihm zum Untersuchungsrichter Ribes zu folgen. Wieder ein Verhör … Bernadette antwortet mit Bestimmtheit und ohne Bedenken.

Die Verzückung vom Montag, den 1. März wickelt sich wie die anderen ab. Fast fünfzehnhundert Personen sind anwesend, unter ihnen auch ein Priester, der zufällig in der Gegend von Lourdes weilt. Es ist der einzige Priester, der einer Erscheinung in Lourdes beiwohnte. Dem Beispiel des Pfarrers Peyramale folgend, hält sich die Geistlichkeit von den Geschehnissen in Massabielle fern …

Aber plötzlich gehen eben diese Geschehnisse „die Priester“ von Lourdes höchst persönlich an.

Dienstag, den 2. März sind sechszehnhundert Personen vor der Grotte versammelt und umstehen Bernadette während ihrer Ekstase. Als diese zu Ende ist, sieht das Kind sehr besorgt aus. Es hat nämlich von der Dame eine Weisung erhalten, deren Ausführung ihm recht schwierig zu sein scheint. „Sagen Sie den Priestern, man solle in Prozessionen hierher kommen … und hier eine Kapelle bauen lassen.“ Von Tante Basilea und Tante Bernarda begleitet, tritt Bernadette dem Pfarrer gegenüber. Nach einer wenig versprechenden Fühlungsname wagt es Bernadette, ihm folgende Worte zu sagen: „Herr Pfarrer, Aqueró verlangt, dass man in Prozessionen zur Grotte kommt …“ Die Antwort ist ein Zornausbruch des Pfarrers, der „schreit, wie bei der Predigt“. Die Besucherinnen treten den Rückzug an. Draußen fällt Bernadette plötzlich ein, dass sie vergessen hat, über die zu bauend Kapelle zu sprechen. Sie muss wieder ins Pfarrhaus zurück. Die beiden Tanten jedoch verschwinden vorsichtshalber … Zum Glück ist Dominiquette Cazenave, die Schwester des Chefs von François Soubirous, bereit, Bernadette zum Pfarrer zu begleiten, und sie unternimmt sofort die einleitenden Schritte zu dieser Unterredung … Um sieben Uhr abends betritt Bernadette wieder das Pfarrhaus. Diesmal ist aber der Herr Pfarrer nicht allein; die beiden Kapläne Abbé Pène und Abbé Serres, sind anwesend, und auch Abbé Pomian hat sich angeschlossen. „Herr Pfarrer, Aqueró hat mir gesagt: Geh und sagt den Priestern, dass sie hier eine Kapelle erbauen sollen“. – Du weißt immer noch nicht, wie sie heißt? – „Nein, Herr Pfarrer.“ – „Dann musst Du sie eben um ihren Namen fragen!“

Mittwoch, den 3. März geht Bernadette morgens früh zur Grotte hinab. Die Dame erscheint nicht … Groß ist die Enttäuschung unter den über dreitausend Personen, die um sie versammelt sind. Doch kaum ist die Schule aus, fühlt sie wieder den ihr so wohlbekannten Ruf. Eine ihrer Tanten und ihr Vetter Sajous gehen mit ihr geradewegs zur Grotte. Welche Freude! Die Dame ist da, lächelnd und strahlend. Nachdem ich bei der Grotte angekommen war und meinen Rosenkranz gebetet hatte, fragte ich sie um ihren Namen, denn der Herr Pfarrer wolle ihn wissen. Aber sie lächelte nur. Auf dem Rückweg ging ich zum Herrn Pfarrer, um ihm zu sagen, ich hätte seinen Auftrag ausgerichtet, aber keine andere Antwort als ein Lächeln erhalten. Da sagte er mir, sie mache sich über mich lustig und ich täte gut, nicht mehr zur Grotte zu gehen. Aber nichts konnte mich daran hindern, dorthin zu gehen. In Wirklichkeit hat sich der Herr Pfarrer noch ironischer und anspruchsvoller gezeigt, als es Bernadette berichtet. „Wenn die Dame durchaus eine Kapelle haben will, so möge sie ihren Namen sagen und den Rosenstrauch der Grotte erblühen lassen.“ Rosen in Massabielle in diesen ersten Märztagen? Ja, der Herr Pfarrer von Lourdes will sich nichts weismachen lassen!

In der Nacht sind Präfekt, Staatsanwalt, Bürgermeister, Kommissar, Stadtpolizisten und Gendarmen eifrig tätig, außergewöhnliche Sicherheitsmaßnahmen zu treffen: Umsicht war vonnöten! Denn vor der Morgendämmerung des 4. März, des letzten der vierzehn versprochenen Tage, der obendrein noch Markttag war, strömten acht- bis zehntausend Personen von allen Seiten nach Massabielle.

Um sieben Uhr war Bernadette noch nicht da. Gegen halb sechs nämlich tauchten drei Ärzte aus Bordeaux im Cachot auf, um sie zu „untersuchen“. Man hat diese Herren lange darum bitten müssen, um sie zu bewegen, erst am Nachmittag um drei Uhr wiederzukommen. Um halb sieben Uhr hatte Bernadette einer Messe für eine am Vortag verstorbene alte Kusine Soubirous beigewohnt. Aber endlich ist sie da. Sie kniet sich hin, zündet die Kerze an und nimmt den Rosenkranz zur Hand. „Beim dritten Ave des zweiten Gesetzleins beginnt die Ekstase …“ Sie dauert eine Stunde. Kommissar Jacomet vermerkt in sein Notizbuch jedes Lächeln, jede Verneigung, die geringsten Bewegungen …   und dann pilgern unabsehbare Scharen zum Cachot, alle wollen Bernadette sehen, sie küssen, sie soll allerlei fromme Gegenstände berühren; man möchte sogar, sie solle sie segnen!

Als Bernadette am Nachmittag etwas aufatmen kann, geht sie zum Pfarrhaus, um dem Herrn Pfarrer Bericht zu erstatten. Sie hat wieder Aqueró um ihren Namen gebeten … Dann hat sie sie gebeten, den Rosenstrauch erblühen zu lassen … Aqueró hat gelächelt. Aber sie will immer noch ihre Kapelle. „Sag ihr, sie solle mir das Geld dazu schicken“, erwiderte der Pfarrer von Lourdes, der ebenso starrköpfig wie Bernadette ist.

Und im Cachot kein Nachlassen des ermüdenden Menschenstroms!

Vom 4. bis 25. März ist Bernadette wieder die arme Schülerin der „unentgeltlichen“ Klasse. Zur Grotte geht sie nicht mehr. Dennoch beten dort immer noch andächtige Menschen, stets brennen dort Kerzen, man schöpft das Wasser aus der Quelle, man wiederholt die Bußübungen …

Während der Nacht des 24. März hört Bernadette im Inneren ihres Herzens den Ruf von Aqueró. Die eröffnet dies ihren Eltern gleich am Morgen, und etwas vor fünf Uhr macht sie sich auf den Weg nach Massabielle. Die Dame ist wieder da und wartet auf Sie. Und sofort fällt Bernadette in Verzückung, im Rhythmus der Ave … Als sie mit dem Rosenkranz fertig ist, nähert sie sich der Nische in der Grotte. Aqueró ist dorthin herabgestiegen. Sie ist so nahe, dass sie ihre Vertraute fast berührt. Nach den vierzehn Tagen habe ich sie wieder gefragt (wer sie sei). Ich habe sie dreimal nacheinander gefragt. Sie lächelte immer. Endlich wagte ich es ein viertes Mal. Sie öffnete ihre gefalteten Hände und ließ beide Arme hängen, dann faltete sie wieder ihre Hände vor ihrer Brust, schaute zum Himmel empor, und dann sagte sie mir, sie sei die Unbefleckte Empfängnis. Aqueró … Die Unbefleckte Empfängnis? … Bernadette, die nichts von Theologie versteht, sind diese beiden Wörter gleicherweise fremd. Darauf ging ich wieder zum Herrn Pfarrer und berichtete ihm, sie habe mir gesagt, sie sei die Unbefleckte Empfängnis. Er fragte mich, ob ich dessen wohl sicher sei. Ich antwortete, dass es ganz sicher sei und dass ich mir dieses Wort, um es nicht zu vergessen, den ganzen Weg lang bis hierher vorgesprochen habe.“ Der gute Herr Pfarrer ist stärker erschüttert, als er es sich ansehen lässt. Für ihn ist diese Botschaft überzeugender als die schönsten Rosen, die sie in diesem Monat März auf dem Rosenstrauch von Massabielle hätte erblühen lassen können. „Sie will immer noch ihre Kapelle“, fügt vor dem Weggehen hinzu.

Erst am Nachmittag erklärt ihr ein Freund der Soubirous, M. Estrade, dass nur die Jungfrau Maria von sich selber sagen kann: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis.“

Bei späteren Schilderungen der Erscheinungen ist es oft vorgekommen, dass Bernadette Gebaren und Bewegungen der Heiligen Jungfrau bei dieser Erscheinung vom 25. März unwillkürlich nachahmte. Und immer strahlte ihre Person eine Einfachheit, eine Reinheit und Wahrhaftigkeit aus, die die Seele weit über alle menschlichen Beweise hinaus ergriff … Etwas wie ein Licht der Unbefleckten Empfängnis verklärte dann ihren armseligen Leib!

Bernadette kehrte erst am 7. April zur Grotte zurück, und da ereignete sich während der Ekstase etwas Sonderbares, das ein Arzt, Dr. Dozous, aus nächster Nähe beobachten und in allen Einzelheiten auch zeitlich messen konnte. Eine Viertelstunde lang blieb die Flamme der dicken Kerze, die Bernadette in der Hand hielt, in Berührung mit ihrer linken, ohne dass sich deren Haut dadurch im geringsten „verändert“ hatte … Und dann, Freitag, den 16. Juli, am Tage des Festes unserer Lieben Frau vom Karmel, hört Bernadette ein letztes Mal die geheimnisvolle innere Stimme. Seit dem 15. Juni verhindert ein Holzzaun den Zutritt zur Grotte und zur Quelle. Bernadette bleibt mit Tante Lucilia auf dem rechten Ufer des Gave. Doch was bedeutete ihr der Holzverschlag? „Es schien mir, dass ich bei der Grotte war“, sagte Bernadette nach der Verzückung.

Dies sind die Tatsachen von Massabielle. Sie sind, soweit wie möglich, ebenso knapp und nüchtern dargestellt, wie sie von Bernadette selbst geschildert wurden, fern jeder literarischen Ausschmückung.

Johannes der Täufer hatte im Gefängnis, so wird im Lukasevangelium berichtet, von den Werken Jesu von Nazareth erzählen hören. Er schickte zwei seiner Jünger zu ihm und ließ ihm sagen: „Bist Du der, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten?“ Jesus antwortete ihnen: „Gehet hin und verkündiget Johanni, was ihr gesehen und gehört hat: die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, die Tauben hören, die Toten stehen auf, den Armen wird das Evangelium gepredigt“.

Und immer noch richtet sich an alle, die nach Massabielle mit der Seele eines Armen, wie Bernadette, die arme, kommen, die Frohe Heilsbotschaft. Dies ist die „Gnade von Lourdes“. Und alle, die diese Gnade erlebt haben, können sie niemals wieder vergessen. Ihre Gedanken, ihr andächtigstes Gebet, so weit sie auch von Lourdes entfernt sind, tragen sie unwiderstehlich zur Grotte.

„Dort, so würden sie alle gern wie Bernadette (1) schreiben, werden Sie mich im Geiste antreffen, fest an den Fuß des Felsens gebunden, den ich so liebe!“ Auch für sie steht tief in der Grotte, unsichtbar den körperlichen Augen, aber klar vor ihrer Seele, die Heilige Jungfrau, von einem weißen Lichte umgeben, da (sie) nicht blendet, sondern sie im Glauben bestärkt, in der Hoffnung und in der Liebe.

Seit mehr als 100 Jahren ist der geheimnisvolle Ruf, der Bernadette nach Massabielle zog, immer noch im Herzen der Kirche hörbar … Und gehorsam folgt die Kirche diesem Appell der Unbefleckten Empfängnis, trotz aller Schwierigkeiten, trotz widriger Ereignisse, trotz ständigen Wechsels der Anschauungen und Ideen, die ganze Kirche, besonders aber die Kirche der Armen, die Kirche der Leidenden und Gefangenen, die Kirche der Kleinen und der Sünder. Sie eilt herbei, wie Bernadette aus ihrem „Cachot“, aus allen Kerkern dieser Welt. Sie kniet sich dorthin, wo einst Bernadette kniete und betete denselben Rosenkranz. Und ihr Gesicht hebt sich immer noch aufwärts, wie sich das verzückt der Antlitz von Bernadette zu jener dunklen Höhlung erhob, die tief im Felsen lag und aus der ihrer Seele so viel Gewissheit, so viel Glück strömte. Die Grotte, das war mein Himmel!

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Dank dieser Seiten haben Sie die evangelische Botschaft von Lourdes besser kennengelernt. Sie können diese Kenntnis noch vertiefen, indem Sie „LOURDES AUJOURD’HUI“ (LOURDES HEUTE), die Zeitung der Grotte, lesen.

 

(1) Brief an die Schwestern von Lourdes, vom 20. Juli 1866. Siehe: die Schriften der hl. Bernadette (Lethielleux, 1961), S. 242. in demselben Werk findet der Leser im Faksimile alle handschriftlichen Berichte über die Erscheinungen.

 

 

Die ‚evanglische Botschaft‘ von LOURDES – A. RAVIER, s.j. (2)

(FORTSETZUNG VON TEIL 1)

Am Montag, den 15. Februar ging sie ganz einfach wieder zur Schule. Nach dem Vormittagsunterricht, um 11:00 Uhr, verabreichte ihr eine Frau, Sophie Pailhasson, eine heftige Ohrfeige, und Schwester Anastasia, eine der Lehrerinnen, schalt sie erbarmungslos …

Die dritte Erscheinung findet am Donnerstag, den 18. Februar statt. Das zweite Mal erschien mir (die Dame), ohne etwas zu sagen; sie sprach erst das dritte Mal. Mme Milhet und Antoinette Peyret kamen schon am frühen Morgen ins Cachot, um Bernadette abzuholen … Die beiden Frauen hatten ihren Plan genauestens vorbereitet. Ich ging (zur Grotte) mit einigen Erwachsenen, die mir rieten, Papier und Tinte mitzunehmen und (die Dame) zu fragen, ob sie nicht die Güte habe, aufzuschreiben, was sie mir zu sagen habe. Und so tat es auch Bernadette, als nach einigen Ave des Rosenkranzes die Dame ihr erschien. Die Dame begann zu lächeln und meinte, was sie mir zu sagen habe, brauche nicht aufgeschrieben zu werden. (Sie bat mich), ob ich die Gnade haben wolle, 14 Tage nacheinander (zur Grotte) zu kommen. Ich sagte „Ja.“ Das Zwiegespräch zwischen der Dame und Bernadette dauerte etwas weniger als eine halbe Stunde. Dieser Tag ist es anscheinend auch gewesen, an dem die Dame zu Bernadette gesagt hat: „Ich verspreche Ihnen nicht, Sie auf dieser Welt glücklich zu machen, wohl aber in der anderen“.

Das Versprechen, vierzehn Tage hindurch nach Massabielle zu kommen, wird den Besuchern Bernadettes in der Grotte und den Erscheinungen von Aqueró („aqueró“, ein Dialektwort, das „dieses“ heißt und mit dem Bernadette die Erscheinung bis zum 25. März bezeichnet, an dem diese ihr den wahren Namen enthüllt) eine neue Wendung und einen neuen Sinn verleihen. Trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse kommt Bernadette getreu 14 Tage lang zur Grotte zurück. Die Erscheinung zeigte sich alle Tage, außer an einem Montag und an einem Freitag. Im Bernadettes Erinnerungen bilden die 14 Tage eine geschlossene Einheit. In mehreren Berichten schildert sie: „Sie wiederholte mir mehrmals, ich solle den Priestern sagen, hier eine Kapelle bauen zu lassen, und ich solle zur Quelle kommen, um zu trinken und mich dort zu waschen, und ich solle für die Bekehrung der Sünder beten. Wenn sie das sagte, wurde ihr Gesicht traurig. Sie wiederholte mir mehrere Male dasselbe … Im Laufe dieser vierzehn Tage eröffnete sie mir drei Geheimnisse, aber sie verbot mir, sie jemand anderen zu sagen. Ich habe sie auch öfter gefragt, wer sie sei; sie antwortete mir aber nur durch ein Lächeln.“

Die Zeugenberichte ermöglichen uns, die verschiedenen Erscheinungen in allen Einzelheiten zu verfolgen. Es geschah nämlich so:

Die Erscheinungen vom Freitag, den 19. und Samstag, den 20. Februar sind so schlicht und einfach wie die Ekstase selbst. Es beginnt immer mit dem Beten des Rosenkranzes. Freude und Traurigkeit wechseln auf Bernadettes Antlitz ab.

Alles wäre so rein, so fromm geblieben, wenn nicht am Sonntag, den 21. Februar der Polizeikommissar Jacomet beschlossen hätte, von Bernadette durch Einschüchterung das Versprechen zu erhalten, dass sie nicht mehr zur Grotte zurückkehre: „Als ich am ersten Sonntag dieser vierzehn Tage aus der Kirche trat, fasste mich ein Stadtpolizist am Kapuzenmantel und forderte mich auf, ihm zu folgen … Ich ging mit ihm, und unterwegs sagte er mir, dass man mich schon ins Gefängnis bringen werde. Ich hörte ihn an, ohne etwas zu sagen, und so kamen wir zum Polizeikommissar. Er führte mich in ein Zimmer, wo er allein war, gab mir einen Stuhl, und ich setzte mich. Dann nahm er ein Blatt Papier und sagte mir, ich solle ihm erzählen, was in der Grotte geschehen sei. Das tat ich. Nachdem er einiges von dem, was ich ihm diktiert hatte, aufgeschrieben hatte, setzte er noch anderes hinzu, was mir unbekannt war. Dann sagte er, dass er mir alles vorlesen werde, um zu sehen, ob er sich nicht getäuscht habe. Ich hörte aufmerksam zu. Aber schon bei den ersten Zeilen bemerkte ich allerlei Irrtümer. Da rief ich sogleich: „Herr Kommissar, das habe ich Ihnen nicht gesagt“. Da wurde er zornig und behauptete, es sei doch so. Ich aber sagte immer wieder nein. Dieses Hin und Her dauerte einige Minuten, und als er einsah, dass er sich geirrt hatte, und ich ständig wiederholte, dass ich das nicht gesagt habe, las er weiter und begann wieder Dinge zu lesen, von denen ich niemals gesprochen hatte; ich versicherte wieder, dass es nicht so gewesen sei. So ging das weiter, es war immer dasselbe. Ich musste eine ganze Stunde oder sogar anderthalb Stunden dort bleiben. Von Zeit zu Zeit hörte ich, wie man mit Füßen an die Tür trat, Schläge an die Fenster und Männerstimmen, die riefen: „Wenn Sie sie nicht herauslassen, schlagen wir die Tür ein!“ Als ich endlich gehen konnte, führte mich der Kommissar bis zur Tür, öffnete sie, und da sah ich meinen Vater, der mich mit Ungeduld erwartete, und auch eine Menge anderer Leute, die mir von der Kirche her gefolgt waren.“ Jacomet erlangt das Versprechen von François Soubirous, dass er seiner Tochter verbieten werde, zur Grotte zurückzukehren.

Am Morgen des 22. Februar, einem Montag, geht also Bernadette brav zur Schule und nicht nach Massabielle. Zu Mittag drängt sie wieder darauf, das Verbot aufzuheben. Weigerung der Eltern. Um ganz sicher zu sein, begleitet die Mutter ihre Tochter bis zum Schultor. Hier aber fühlt sich Bernadette von einer „unwiderstehlichen Gewalt“ nach Massabielle getrieben … Sie eilt zur Grotte hinab. Aber die Dame erscheint nicht. Am Abend nimmt Jacomet auf Anraten des Bürgermeisters Abadie-Lacadé sein Verbot zurück.

Und Dienstag, den 23. Februar ging Bernadette noch vor Sonnenuntergang wieder zur Grotte. Etwa hundert Personen umgeben sie, als sie sich, wie gewöhnlich, niedergekniet, ihre Kerze entzündet und ihren Rosenkranz aus der Tasche zieht. Kaum hat sie einige Ave hergesagt, als die Verzückung unter den bisher vertrauten Anzeichen beginnt: Lächeln und Verbeugungen, rührende Bekreuzigungen, ein Wechselspiel von Freude und Traurigkeit. Und dies eine Stunde lang. An diesem Tag dürfte sie die Dame „Wort für Wort“ jenes „kleine Gebet“ gelehrt haben, das „nur für (ihre) Nöte bestimmt war“, und das sie von nun an „bei allen Erscheinungen“ sprechen wird, und sogar jeden Tag ihres Lebens.

Während der Verzückung vom Mittwoch, den 24. Februar, die sich vor mehr als 200 Personen abspielt, ereignet sich etwas Neues. Nach einigen Minuten wird Bernadettes Gesicht traurig und ihre Augen füllen sich mit Tränen. Auf den Knien rutschend, nähert sie sich der Höhlung in der Grotte, die mit der Außennische in Verbindung steht. Das Kind spricht mit der Dame, die jetzt ganz nahe vor ihm steht. Es lächelt. Bernadette nähert sich so dem inneren Teil der Grotte, wendet sich und kehrt zurück. Dies dauert einige Minuten. Ihr Lächeln geht in Weinen über und das Weinen in Lächeln. Von Zeit zu Zeit küsst sie den Boden.

Als sie nach der Ekstase über ihr sonderbares Benehmen befragt wird, ist Bernadette ganz erstaunt, dass niemand der Umstehenden gehört habe, was ihr die Dame im Dialekt von Lourdes gesagt habe. Und ohne sich bitten zu lassen, verkündet sie die Botschaft, die ihr anvertraut wurde: „Buße … Beten sie zu Gott für die Bekehrung der Sünder …“ Und die Dame habe sie auch gebeten, „auf den Knien zu ihr hinzurutschen und zur Buße für die Sünder die Erde zu küssen“.

Die Verzückung vom Donnerstag, den 25. Februar, verstärkt noch die Bußehandlungen. Wie am Vortag rutscht Bernadette auf den Knien und küsst die Erde. Die am nächsten Stehenden hören sie sogar mit leiser, hauchfeiner Stimme: „Buße … Buße … Buße …“ flüstern. Aber was noch seltsamer ist: Sie sagte mir, zu der Quelle zu gehen, zu trinken und mich dort zu waschen. Da ich keine Quelle erblickte, ging ich zum Gave um dort zu trinken. Sie sagte mir aber, es sei nicht dort; sie zeigte mir mit dem Finger die Quelle unter den Felsen. Als ich dort war, sah ich nur ein bisschen schmutziges Wasser. Ich berührte es mit der Hand. Ich konnte es nicht trinken. Dreimal warf ich es fort. Erst das vierte Mal konnte ich es trinken … Sie sagte mir, ich solle Gras essen, das an derselben Stelle war, wo ich trank. Dieses ständige Hin und Her, dessen Beweggründe den Anwesenden entgeht, ruft bei diesen eine Enttäuschung hervor. „Sie ist verrückt“, wird gesagt … Einige Minuten später ist die Ekstase zu Ende und Bernadette geht still und ruhig nach Hause.

An diesem Tage hat sich Kommissar Jacomet nach Tarbes begeben, um den Präfekten Massy zum Eingreifen zu veranlassen. Umsonst. Nach Lourdes zurückgekehrt, hat er mehr Erfolg beim kaiserlichen Staatsanwalt Dutour, der die Tochter von François Soubirous noch am selben Abend, um sechs Uhr, zu sich ins Büro rufen lässt.

„Ich ging mit meiner Mutter zu ihm. Und da fragte man mich, wie das in der Grotte geschehen war. Ich erzählte alles und er schrieb es auf. Dann las er es mir vor, wie es der Polizeikommissar getan hatte, das heißt, auch er hatte einige Dinge aufgeschrieben, die ich nicht gesagt hatte. Da rief ich: „Mein Herr, das habe ich Ihnen nicht gesagt!“ Er behauptete, ich habe es doch so gesagt, ich antwortete Nein. Endlich, nachdem wir genug gestritten hatten, gab er zu, dass er sich geirrt hatte, und las weiter. Aber er irrte sich immer wieder, er sagte, dass er die Schriften des Kommissars habe, und dass es nicht das gleiche sei. Ich wiederholte immer wieder, dass ich ihm dasselbe gesagt habe und dass es die Schuld des Kommissars sei, wenn er sich geirrt habe. Da sagte er zu seiner Frau, den Kommissar holen zu lassen, und auch einen Polizisten, um mich noch diese Nacht ins Gefängnis zu bringen. Meine arme Mutter weinte schon seit einer Weile; sie sah mich von Zeit zu Zeit an, und als sie hörte, dass man uns ins Gefängnis werfen wolle, da fing sie noch stärker zu weinen an. Ich tröstete sie und sagte zu ihr: „Warum weinst Du denn, dass wir ins Gefängnis kommen sollen? Wir haben doch niemandem etwas Böses getan“. Da bot er uns Stühle an, indem er weg ging, damit wir auf die Antwort warten. Meine Mutter nahm einen, denn sie zitterte am ganzen Körper, weil wir schon seit zwei Stunden stehen mussten. Ich aber dankte dem Herrn Staatsanwalt und setzte mich auf den Boden, wie die Schneider. Draußen warteten einige Männer auf uns, und als sie sahen, dass niemand herauskam, schlugen sie mit ihren Fäusten an die Tür, obwohl der Polizist da war; er konnte sie aber nicht davon abhalten. Mehrere Male steckte der Staatsanwalt den Kopf zum Fenster hinaus und bat um Ruhe; sie aber riefen, man solle uns herauslassen, sonst würden sie nicht aufhören. Da war er endlich bereit, uns fortzuschicken; er sagte, dass der Kommissar keine Zeit habe und dass die Sache auf den nächsten Tag aufgeschoben sei.“

 

(Fortsetzung folgt!)

Quelle: „LOURDES“, A. Ravier, s.j.

Die ‚evanglische Botschaft‘ von LOURDES – A. RAVIER, s.j.

Das Cachot, rue des Petits Fossés …

… Hier, in diesem „Loch“ hat es begonnen. Es war ein Raum im Ausmaß von 4.40 m x 4 m, schmutzig, ungesund, düster, eine wahre „Höhle“, wie der kaiserliche Staatsanwalt Dutour es sagte.

Diesen Raum bezeichnete man mit dem gruseligen Namen „Cachot“ (Arrestlokal), denn das Haus von A. Sajous hatte einige Zeit lang als Gefängnis gedient. Die Behörden mochten aber dann wohl der Meinung gewesen sein, es sei zu grausam, Menschen in einem solchen Lokal einzusperren, besonders in diesem grässlichen Erdgeschoß; und die Häftlinge waren in weniger gesundheitsschädliche Räume überstellt worden.

 

Eine der ersten Aufnahmen von Bernadette,
und wohl die „echteste“.

Wenn man aber abgewirtschaftet hat, arbeitslos, krank ist, und eine Frau mit vier Kindern zu versorgen hat, begnügt man sich mit dem, was einem angeboten wird. Und da Vetter Sajous darin einwilligte (angeboten hätte er es nicht), die ganze Familie in diesem Elendsquartier unentgeltlich unterzubringen, war dieser Zufluchtsort ein unverhoffter Glücksfall. So zogen François Soubirous, der ehemalige Müller von Boly, seine Frau Louise Castérot, ihre beiden Töchter, Bernadette und Toinette, und die beiden Jungen, Jean-Marie und Justin, mit ihrer armseligen Habe ins „Cachot“ ein, an einem Maitag des Jahres 1856.

Schmal und kärglich ging es im Cachot her, aber man schlug sich durch; schlecht und recht, aber oft mehr schlecht als recht. Vater François fand Gelegenheitsverdienste, Mutter Louise ging in fremde Häuser arbeiten, man sammelte Reisig zum Heizen, alte Knochen, die für einige Sous verkauft wurden; man sparte an allen Ecken und Enden, und wenn nichts da war, aß man eben nichts … Zumal im Jahre 1856 in Lourdes und in der ganzen Umgebung Hungersnot herrschte.

Zwei schwache Flämmchen, ganz im Grunde des Herzens, verklärten jedoch diese ärmliche Behausung: es war das Licht der Liebe, der Liebe zueinander und zum lieben Gott. Im September 1857 schlug Marie Lagues, Bernadette´s Nährmutter, vor, die Kleine nach Bartres mitzunehmen; sie sollte dort die Schafe hüten und die Kinder beaufsichtigen. Hier verdiente sie einige Sous und konnte sich wenigstens satt essen … soweit ihr Magen die oft schwere Kost behalten mochte … Die ehemalige Pflegemutter war trotz ihres etwas barschen Wesens Bernadette sehr zugetan … Und manchmal kam François die drei Kilometer herauf, nach Bartres, um seine Tochter zu besuchen; es war ein kurzes Wiedersehen zwischen Vater und Tochter. Doch nichts kann das Heimweh von Bernadette stillen. Gegen Ende Januar kehrt sie ins Cachot zu den Ihrigen zurück … Schliesslich hat sie doch schon längst das Alter erreicht, sich ernstlich auf die hl. Kommunion vorzubereiten …

Relief von Lourdes im Jahre 1858 (Museum)

VOM „CACHOT“ ZUR GROTTE:
WEG, DEN BERNADETTE AM 11.2.1858 EINSCHLUSS.

1: Die Burg – 2. das Tor du Baous (später abgetragen) – 3. der Weg du Baous (heute Rue de la Grotte) – 4. die Alte Brücke. – 5. Der Waldweg (heute Rue Bernadette Soubirous) – 6. Die Savy-Mühle (später niedergerissen) – 7. Ehemaliger Pfad vom Waldweg zur Chalet-Insel – 8. Die Chalet-Insel (heute etwa Domaine de la Grotte) – 9. Mit Schotter bedeckte Landzunge, wo Bernadette Schuhe und Strümpfe auszog, als Aqueró ihr erschien – 10. Die Grotte der Erscheinungen – 11. Der Espélugues-Berg – 12. Der „Ferme des Espélugues“ genannte Hof – 13. Der Gave de Pau (heute etwas nach Norden abgedrängt) – 14. Der Mühlbach (um in die Grotte zu gelangen, musste Bernadette diesen barfuß überschreiten).

 

Einige Tage vergehen …

Donnerstag, den 11. Februar 1858 (1), gegen 11 Uhr vormittags, will Louise Soubirous das magere Mittagessen für die Familie kochen. Aber leider ist kein Holz mehr im Hause; man muss etwas Reisig holen. Ich ging, so erzählt Bernadette, zum Gave hinunter, um dort mit zwei anderen Mädchen dürre Äste zu sammeln. Die beiden anderen sind ihre Schwester Toinette und Jeanne Abadie, Baloume genannt. Sie nehmen einen alten Korb mit; man kann nicht wissen? Vielleicht finden sie zugleich mit dem Holz einige alte Knochen, die sie verkaufen könnten, um dafür Brot zu bekommen. Die drei Mädchen verlassen das Cachot, gehen zuerst nach links, wenden sich dann aber bald nach rechts, schlagen die Route du Baous ein, gehen durch das Tor du Baous (heute abgetragen) hindurch und weiter den Weg du Baous hinunter (heute Rue de la Grotte) bis zur Alten Brücke: dies ist eine gute Stelle, wo sie manche „Schätze“ für ihre Zwecke zu finden hoffen.

(1) bei der Schilderung der Erscheinungen folgen wir genau den acht handschriftlichen Berichten, die uns Bernadette hinterlassen hat. Die wörtlichen Zitate sind im Text kursiv gedruckt.

Da gibt ihnen die alte Pigou den Rat, über die Brücke hinaus bis auf die große Wiese des Herrn de La Fitte zu gehen, der dort Bäume gefällt habe, und noch weiter bis zum geheimnisvollen Massabielle (= der alte Felsen), vor dem der Mühlbach in den Gave fließt … Die drei Holzsammlerinnen halten dies für eine gute Idee. Sie nehmen zuerst den Waldweg (heute Rue Bernadette-Soubirous) und biegen dann auf einem schmalen Pfad zur Savy-Mühle ab. Als wir bei der Mühle waren, habe ich die beiden anderen gefragt, ob sie nicht weitergehen wollten, um zu sehen, wo der Bach in den Gave mündet. Sie waren einverstanden, und wir gingen den Mühlbach entlang. Von der Savy-Mühle bis zur schotterbedeckten Landzunge, der Chalet-Insel, die wie eine Lanzenspitze ins Wasser ragt, ist es nicht weit. Die drei Kinder sind bald beim Zusammenfluss angelangt. Aber weiter können Sie nicht gehen.

Da erblicken sie in einer Art Grotte, die vom Wasser des Gave in den Massabielle gegraben war, auf der anderen Seite des Mühlbaches, einen Haufen Holz und Knochen … Um dorthin zu gelangen, muss aber der eiskalte Bach durchquert werden. Bernadette, die an Atembeschwerden leidet, zögert; doch Toinette und Baloume sind rasch entschlossen. Meine beiden Gefährtinnen wateten durch den Mühlbach, der an der Grotte vorbeifloss. Sie fingen zu weinen an. Ich fragte sie, warum sie weinten, und sie antworteten mir, dass das Wasser sehr kalt sei. Ich blieb allein am anderen Ufer zurück. Ich rief ihnen zu, mir zu helfen, Steine ins Wasser zu werfen, damit ich nicht barfuß durch das Wasser zu gehen brauchte. Sie sagten mir aber, so zu tun wie sie. Da ging ich etwas flussabwärts, um eine Stelle zu suchen, wo ich, ohne die Schuhe auszuziehen, durchs Wasser kommen könnte. Aber vergeblich. Ich ging wieder in der Richtung der Grotte zurück und begann, meine Schuhe auszuziehen. Kaum hatte ich den ersten Strumpf ausgezogen, als ich ein starkes Brausen wie von einem Sturmwind hörte. Ich blickte in der Richtung der Wiese und sah, dass die Bäume dort ganz still waren. Ich fuhr also fort, meine Strümpfe auszuziehen. Da hörte ich wieder dasselbe Geräusch. Ich hob den Kopf und schaute nach der Grotte. Da erblickte ich eine weiß gekleidete Dame. Sie trug ein weißes Kleid, einen blauen Gürtel und auf jedem Fuß eine gelbe Rose von derselben Farbe wie die Kette ihres Rosenkranzes. Ich glaubte, mich zu täuschen, und rieb mir die Augen. Aber vergeblich, ich sah immer die gleiche Dame. Ich holte meinen Rosenkranz aus der Tasche hervor; dann versuchte ich, das Kreuzzeichen zu machen. Aber ich konnte meine Hand nicht bis zur Stirn führen; sie fiel herab. Eine immer stärkere Ergriffenheit bemächtigte sich meiner. Die Dame nahm den Rosenkranz, den sie in ihren Händen hielt und machte das Kreuzzeichen. Da versuchte ich, es ein zweites Mal zu machen, und es gelang mir. Sobald ich das Kreuzzeichen gemacht hatte, verschwand die große Ergriffenheit, die ich empfand. Ich kniete nieder und betete den Rosenkranz im Angesicht der Dame. Sie ließ die Perlen ihres Rosenkranzes durch die Finger gleiten, doch ihre Lippen bewegten sich nicht. Als sie mit dem Rosenkranz fertig war, winkte mich die Dame zu sich heran, aber ich wagte nicht, mich zu rühren, und bin immer an derselben Stelle geblieben. Da verschwand sie.

Ich begann, den anderen Strumpf auszuziehen, um das seichte Wasser zu durchqueren, das vor der Grotte war, und meine Gefährtinnen wieder zu erreichen. Aber Toinette und Baloume haben während dieser Viertelstunde ihre Zeit nicht vergeudet. Ein Reisigbündel liegt da, zusammengebunden, und der alte Korb ist voll mit Knochen. Sie wollen jetzt heimkehren, auf dem Pfad, der über den Espélugues-Berg führt. Der Weg ist hier steiler, doch wenn man 12 oder 14 Jahre alt ist … Bernadette ist übrigens mit einem Eifer bei der Sache, der ihre Kameradinnen in Erstaunen versetzt.

Auf dem Weg fragte ich meine Gefährtinnen, ob sie nichts gesehen hätten. „Nein“, antworteten sie. „Und du, hast du etwas gesehen? – O nein, wenn ihr nichts erblickt habt, so habe ich auch nichts gesehen“. Ich glaubte, mich getäuscht zu haben. Ich wollte Ihnen nichts sagen, aber sie haben mich so sehr gebeten, dass ich mich entschlossen habe, ihnen alles zu erzählen, unter der Bedingung aber dass sie mit niemandem darüber sprechen dürften. Sie versprachen mir, das Geheimnis zu bewahren. Da sagte ich ihnen, dass ich eine weiß gekleidete Dame gesehen habe, dass ich aber nicht wusste, was es sei. Dann sagten sie mir, ich sollte nicht mehr nach Massabielle zurückkehren, sie wollten es auch nicht mehr tun, denn sie meinten, es sei jemand, der uns etwas Böses antun könnte. Ich glaubte das nicht. Wir waren aber kaum zu Hause angekommen, als sie schon erzählten, dass ich eine weiß gekleidete Dame gesehen hätte.

Das Ende dieses Abenteuers war, dass, wenigstens was Bernadette und Toinette betraf, ihnen Louise mit dem Stock, der zum Deckenausklopfen diente, recht tüchtige Prügel versetzte … Baloume erhielt ihrerseits eine ordentliche Tracht … Doch wurden die alten Knochen für ein nettes Scherflein der Lumpenfrau verkauft, was alle wieder versöhnte … Und so endete die ganze Sache nicht allzu schlecht!

Beim Abendgebet, das François und Louise stets gemeinsam mit den Kindern sprechen, bricht Bernadette plötzlich in Schluchzen aus. Doch ihre Tränen sind Freudentränen! Vielleicht haben sie das Vaterunser und das Gegrüßet seist Du Maria – das ist ungefähr alles, was sie an Gebeten weiß – allzu deutlich an den wunderbaren Rosenkranz erinnert, den sie vor der Dame in der Grotte gebetet hatte?

Am Freitag ist Bernadette wieder in der Schule, bei den Schwestern, wo sie versucht, lesen und schreiben zu lernen. Samstag abends aber, nach der Schule, geht sie zu Abbé Pomian beichten und erzählt ihm im Vertrauen, was sich in Massabielle am Donnerstag zugetragen hat … Auf dessen Wunsch gestattet sie ihm auch, diesen Vorfall dem Herrn Pfarrer zu berichten, dem so schrecklichen und dabei so gutherzigen Abbé Peyramale.

Das zweite Mal geschah es am nächsten Sonntag, d. h. am 14. Februar. Eine innere Stimme drängte mich. (Ich wollte auch sehen), ob ich mich nicht getäuscht hatte. Meine Mutter hatte mir verboten, dorthin zu gehen. Nach dem Hochamt versuchten die beiden anderen Mädchen (Toinette und wahrscheinlich Baloume) und ich nochmals, sie um Erlaubnis zu bitten. Aber sie wollte nicht. Sie sagte mir, sie habe Angst, dass ich ins Wasser fallen könne und dass ich zur Vesper nicht zurück sein werde. Ich versprach ihr, rechtzeitig da zu sein. Da gab sie mir die Erlaubnis, mit mehreren Mädchen hinzugehen. Ich holte in einem Fläschchen Weihwasser aus der Kirche, um es auf die Erscheinung zu sprengen, wenn ich sie wieder in der Grotte sehen sollte … Wir liefen zur Grotte. Als wir dort ankamen, nahm jede ihren Rosenkranz; wir knieten nieder und begannen zu beten. Kaum hatte ich das erste Gesetzlein hergesagt, als ich dieselbe Dame erblickte. Sofort sprengte ich Weihwasser ihr entgegen und sagte ihr, wenn sie von Gott komme, zu bleiben, wenn nicht, so solle sie weggehen. Aber die Dame fing zu lächeln an und nickte nur. Da wurde ich von Angst erfasst und sprengte ihr noch mehr Weihwasser entgegen, bis ich schließlich den ganzen Inhalt meines Fläschchens vergossen hatte. Dann betete ich meinen Rosenkranz weiter. Als wir zu Ende waren, verschwand die Dame und wir kehrten zurück, um zur Vesper zu gehen … Doch scheint das Ende der Ekstase bewegter gewesen zu sein, als es aus diesem Bericht hervorgeht. Denn von der Blässe und Bewegungslosigkeit Bernadettes erschreckt, riefen ihre Begleiterinnen die Mutter des Müllers von Savy zur Hilfe; diese wieder holte ihren Sohn, Antoine Nicolau, der die immer noch in Ekstase befindliche Bernadette in die Mühle brachte. Erst als sie an der Schwelle des Gebäudes angelangt waren, kam Bernadette wieder zu sich.

(Fortsetzung folgt!)

Quelle: „LOURDES“, A. Ravier, s.j.

Russland: Gottesbezug in Verfassung einfügen

Präsident Putin und Patriarch Kyrill (ANSA)

Der Moskauer Patriarch Kyrill hat den Vorschlag gemacht, in der russischen Verfassung den Gottesbezug einfügen zu lassen. Auch Vertreter des russischen Islamrates haben sich positiv zu diesem Vorschlag geäußert. Entsprechende Parlamentskommissionen sind nun daran, eine entsprechende Verfassungsänderung in die Wege zu leiten.

Anlässlich des Jahrestages seiner Amtseinsetzung bekundete Patriarch Kyrill den Wunsch, den Gottesbezug in die Verfassung der russischen Föderation einfügen zu lassen. Am 1. Februar hat Kyrill sein 12. Amtsjahr begangen. Während der Feierlichkeiten sagte der Patriarch: „Wir beten und bemühen uns, dass Gott in unserem Grundgesetz vorkommen wird, weil die Mehrheit der russischen Bürger an Gott glaubt.“ Er erinnerte daran, dass bereits in der russischen Nationalhymne von Gott die Rede sei. „Warum kann das dann nicht auch in der Verfassung gesagt werden?“, fragt sich der Patriarch. Seiner Ansicht nach sei der Glaube an Gott ein „hohes Ideal, das fähig ist, persönliche, soziale und politische Moral zu formen“.

Nach der Zeremonie dankte der Patriarch den russischen Präsidenten Wladimir Putin persönlich für die guten Beziehungen zwischen Staat und Kirche in Russland. Es sei viel in den letzten zehn Jahren erreicht worden. Das Treffen fand im Kreml statt. „Wir gehen Hand in Hand mit den staatlichen Institutionen, wir führen einen offenen Dialog in viele Richtungen, und die Zusammenarbeit ermöglicht es uns, viele wichtige Ziele zu erreichen“, sagte Kirill, der die beiden Dimensionen der Beziehung betonte. „Die erste ist die vertikale Dimension, in der der Patriarch für sein Volk betet, aber es gibt auch die horizontale Dimension, in der der Patriarch sich um die geistige und materielle Verfassung des Volkes kümmert.“

Präsident Putin wiederum dankte dem Patriarchen: „Elf Jahre sind so schnell vergangen, dass Sie es nicht bemerkt haben, aber wir haben Ihre unermüdliche Arbeit bemerkt, die der gesamten russischen Gesellschaft zugutekommt.“ Der neue Premierminister Michail Mishustin hatte seinen Glückwunsch zuvor am Ende der feierlichen Zeremonie direkt in der Christ-Erlöser-Kathedrale gerichtet.

(asianews – mg)

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Quelle

Ein Zeitungsartikel vom Oktober 1917 mit Augenzeugenberichten über das Sonnen-Wunder in Fatima, das größte Wunder der modernen Zeit!

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