Papst Franziskus: „Der verlorene Sohn musste nicht erst durch den Zoll“

Audienz Missionare der Barmherzigkeit

Dass der Papst dermaßen auf dem Begriff und der Praxis der Barmherzigkeit insistiert, ist kein Hobby von ihm, sondern führt ins Herz des Evangeliums. Das hat Franziskus an diesem Dienstag bei einer Audienz für mehrere hundert „Missionare der Barmherzigkeit“ aus aller Welt betont.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

„Ich möchte die Lehre unterstreichen, die hinter eurem Dienst steht! Das ist nicht nur so eine Idee: Jetzt machen wir mal diese pastorale Erfahrung, und dann gucken wir mal, wie das läuft – nein. Es ist eine pastorale Erfahrung, die eine wirkliche, eigene Lehre hinter sich hat!“, so der Papst bei dem Treffen am Dienstagvormittag im Vatikan. Gleich nach dem Treffen feierte Franziskus mit den Missionaren der Barmherzigkeit, die sich seit Sonntag im Vatikan aufhalten, einen Gottesdienst, doch zuvor sagte er ihnen bei dem Treffen, dass „Missionare der Barmherzigkeit“ „Mitarbeiter Gottes“ seien. „Die Botschaft, die wir im Namen Christi weitertragen, besteht darin, Frieden mit Gott zu machen. Unser Apostolat ist ein Appell, die Vergebung des Vaters zu suchen und zu empfangen. Gott braucht Menschen, die seine Vergebung und seine Barmherzigkeit in die Welt tragen.“

„Missionare der Barmherzigkeit“ sind Beichtväter mit besonderen Vollmachten. Sie dürfen in der Beichte von Sünden lossprechen, von denen laut Kirchenrecht eigentlich nur der Papst lossprechen darf. Ursprünglich wurde diese Vollmacht nur für die Dauer des „Heiligen Jahres der Barmherzigkeit“ 2015-16 erteilt. Doch Franziskus hat sie über das Ende des Heiligen Jahres hinaus verlängert – bis auf weiteres unbefristet.

Auch an diesem Dienstag machte er keine Anstalten, das Mandat auslaufen zu lassen. Stattdessen schrieb er den „Missionaren der Barmherzigkeit“, die in diesen Tagen an einem Kongress im Vatikan teilgenommen haben, ins Stammbuch, „dass die Barmherzigkeit Gottes keine Grenzen kennt“ und dass ihr Dienst „keine Barriere aufstellen darf, die den Zugang zur Vergebung durch den Vater behindern könnte“. „Der verlorene Sohn musste nicht erst den Zoll passieren – er wurde gleich vom Vater aufgenommen, ohne Hindernisse.“

Diese Mission verlange von allen „einen kohärenten Lebensstil“, mahnte Franziskus. „Missionare der Barmherzigkeit“ seien „keine Richter“, sondern selbst Sünder. Wie jeder Christ machten auch sie die Erfahrung, dass Gott sie „mit Barmherzigkeit“ behandle: „Das ist der Schlüssel, um Mitarbeiter Gottes zu werden. Man erfährt Barmherzigkeit und wird in einen Diener der Barmherzigkeit verwandelt.“

Primat der Gnade

Eindringlich wies Papst Franziskus auf den „Primat der Gnade in unserem und im Leben aller Menschen“ hin. Gott warte mit seiner Gnade immer schon auf uns, noch bevor wir auf ihn zugingen – „nicht in universeller Art, sondern in jedem Einzelfall, er geht jedem Einzelnen voraus“. „Wenn sich uns ein Beichtender nähert, dann ist es wichtig und tröstlich zu denken, dass wir da schon die erste Frucht einer Begegnung mit der Liebe Gottes vor uns haben, zu der es schon gekommen ist. Gott hat dem Beichtenden mit seiner Gnade das Herz geöffnet und ihn offen zur Bekehrung gemacht.“ Der Beichtvater müsse nun dafür sorgen, „dass dieses Handeln der Gnade Gottes nicht umsonst war“.

„Leider kann es manchmal passieren, dass ein Priester mit seinem Benehmen den Beichtenden abschreckt, statt ihn näher zu holen. Etwa, indem er die Schritte übersieht, die ein Mensch Tag für Tag macht, und stattdessen nur daran denkt, die Integrität des evangelischen Ideals zu verteidigen. Auf so eine Weise kann man die Gnade Gottes nicht unterstützen! Die Reue des Sünders zu erkennen ist gleichbedeutend damit, ihn mit offenen Armen zu empfangen… Mich hat das immer beeindruckt: Der Vater lässt den verlorenen Sohn noch nicht einmal ausreden – er hat ihn einfach umarmt. Der Sohn hatte sich schon eine Rede zurechtgelegt, aber der Vater hat ihn einfach umarmt!“

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Papst Franziskus: Demut und Gehorsam der Bischöfe

Audienz Neue Bischöfe, 14. September 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Ansprache vor Bischöfen am 14. September 2017

Papst Franziskus richtete sich am gestrigen Donnerstag, dem 14. September 2017, mit einer Ansprache an die im Laufe des letzten Jahres ernannten Bischöfe und rief ihnen ihre Aufgaben und Verantwortung in Erinnerung.

Die Menschen bedürften einer väterlichen Begleitung, stellte der Papst fest. Nur wer von Gott geleitet sei, habe den Titel und die Autorität, um die Nächsten zu leiten. Diese Gnade dürfe ein Bischof nicht als selbstverständlich betrachten, sondern sie müsse beständig neu erbeten werden, um den Nächsten auf ihrem Weg zur Seite stehen zu können.

Das Gebet bezeichnete Papst Franziskus als Imperativ. Im Gebet erinnere man sich, vor Gott ein ewiger Junge zu sein und keine Gaben wie ein langes Leben, Reichtümer oder dergleichen zu wünschen. Ohne diese Gnade sei es den Bischöfen unmöglich, „gute Meteologen“ zu werden und das „Wetter Gottes zu bewerten“.

Die Unterscheidung sei eine Gabe des Heiligen Geistes an die Kirche, legte der Papst dar. Ihr antworte man mit Zuhören. Der Bischof sei kein „Padrone“ und auch kein „einzelgängerischer Hirte“. Im entspannten Dialog, teilend, zuhörend lebe er mit den Mitbrüdern, ohne eigene Ideen und Projekte in den Vordergrund zu stellen, sondern in Demut im Dienst am Herrn und der Gemeinschaft. Unterscheidung bedeute Demut und Gehorsam dem Evangelium, legte Papst Franziskus dar; sie sei ein Heilmittel gegenüber Unbeweglichkeit und Starrheit.

Besondere Aufmerksamkeit forderte Papst Franziskus im Bereich Kultur und Religiösität des Volkes. Am Ende zähle nicht die Bilanz, sondern das Wachstum des Gotteswerkes im Herzen der Herde. Aufgabe des Bischofs sei es, der Herde die Gnade des Heiligen Geistes nahe zu brinden, vor allem den jungen Menschen und Familien und allen anderen, die für die Leitung der Gesellschaft verantwortlich seien.

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Papst Franziskus: Wir sind auf dem richtigen Weg

68. Liturgische Woche, Audienz, 24. August 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Audienz der Stiftung „Centro di Azione Liturgica“
am 24. August 2017

„Die liturgische Reform ist irreversibel“, stellte Papst Franziskus in seiner Audienzansprache vor den Teilnehmern der 68. Nationalen Liturgischen Woche der Stiftung „Centro di Azione Liturgica“ fest. Die Stiftung tagt zum Thema „Eine lebendige Liturgie für eine lebendige Kirche“ anlässlich ihres 70. Gründungsjubiläums.

In seiner Ansprache legte der Papst die enge Verknüpfung des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Reform dar. Ziel der Reformen sei eine lebendige Liturgie gewesen, mit der man die Lebendigkeit der Kirche zum Ausdruck bringe. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil habe ein Reformprozess begonnen, der Zeit benötigt habe und bis heute eine permanente Herausforderung darstelle. Die Konstitution über die Heilige Liturgie „Sacrosanctum Concilium“ der Tradition treu und gleichzeitig dem Fortschritt offen.

Papst Franziskus legte die Reformergebnisse dar, wie die größere Anteilnahme an der Liturgie oder ein umfassenderes Wissen über die Heilige Schrift: „Der Weg dieser Jahre zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ An die Audienzteilnehmer gewandt, verwies der Papst auf die bedeutende Rolle des „Centro di Azione Liturgica“ im Bereich der Ausbildung.

Papst Franziskus legte dar, dass die Liturgie durch ihre Ausführung definiert werde und gab einige Beispiele dafür wie z.B. die im Gebet versammelte Gemeinde. „Die Liturgie ist Leben für das gesamte Volk der Kirche.“ Daher sei die Liturgie auch dem Gläubigen nah und nicht klerikal. Im Gebet vereine die Kirche nämlich alle Menschen, die dem Evangelium Gehör schenkten. Niemand werde ausgeschlossen.

Papst Franziskus stellte fest, dass die Liturgie der Frömmigkeit des ganzen Volkes Ausdruck verleihe. „Die Liturgie ist Leben und nicht eine zu verstehende Idee.“ Sie sei nicht bloß Doktrin oder Ritus, sondern Lebensquell und Licht für den Weg der Gläubigen. Die Kirche sei dann wahrhaft lebendig, wenn sie Trägerin des Lebens sei, mütterlich, missionarisch, die Begegnung mit dem Nächsten suche und diene. Papst Franziskus schloss seine Ansprache mit der Bitte, für ihn zu beten und mit der Erteilung des Apostolischen Segens

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