DIE ERSTERSCHAFFENEN GOTTES (Kapitel 4 – 6)

4. DAS SATANISCHE REICH.

Die S.H., die „Satanische Hierarchie“ ist nachgeäfftes Gegenspiel der höllischen Geister zur Himmlischen Hierarchie der seligen Geister. Was im Himmel selige Bejahung ist, das ist dort haßerfüllte Verneinung, was hier Harmonie ist, das ist dort Disharmonie, was hier Klarheit ist, das ist dort Chaos, was hier Licht ist, das ist dort gebrochenes Irr-Licht, Nacht. Der Fürst dieser Welt, wie ihn unser Herr nennt, weiß genau, daß GOTT un­faßbar und unerforschlich ist, – so sucht er diese Unfaßbarkeit und Unerforschlichkeit nachzuäffen durch einen Schleier voller Geheimnistuerei, womit er sich selbst umgibt. Er ist nicht nur das despotische Haupt seines dämonischen Reiches, förmlich auf diesen bösen Mächten hockend, er sucht auch über die Erde seine Despotie zu breiten,( Weltseele, Erdgeist, Urprinzip ) indem er die Menschen durch die Materie zu knebeln sucht (Materialismus), ja, er lagert förmlich wie eine ungute Atmosphäre über dem Erd­ball mit seinen Geistern; wie oft sagen die Menschen: dort ist eine giftige, schwer zu meisternde Atmosphäre, das Böse legt sich einem förmlich auf die Brust. Da ihn GOTT, unser Herr JE­SUS CHRISTUS, selbst „Fürst der Welt“ nennt und der Begriff „Welt“ sich räumlich und artgegeben nicht genau umreißen läßt, so ist es auch nicht möglich, eine scharfe Grenze seines Wir­kens vom Menschen her zu ziehen, – nur GOTT allein kann dies .

So ist die S.H. förmlich der Boden der Verneinung alles GOTTgegebenen und GOTTgewollten, wenn sie auch nach außen Hu­manität erscheint, Wohlwollen dem Menschen gegenüber, Aufklä­rung, Freiheit. Die raffinierte Geschicklichkeit läßt sie ihre noch als Himmelsbürger erhaltenen Kenntnisse über den inneren Aufbau und die innere Gesetzmäßigkeit der Natur in einer ver­blüffenden Weise auswerten. Mit dem, scheinbar als Frucht menschlicher Mühen, Freigeben physikalischer (und uns bisher unbekannter) Geheimnisse, Verbindungen, Gesetze, neuer Rich­tungen u.s.w. fängt sie nicht nur den Menschen (z.B. in Kriegs­erfindungen zum Zweck der Vernichtung) sondern knechtet auch alle, deren sie habhaft werden kann. (Verhörmethoden moderner Art, Suggestion, Kalter Krieg, Schockmethoden )

Der Einfluß des Widersachers GOTTES auf Welt und Mensch­heit ist groß, er ist die mittelbare oder unmittelbare Prüfung für den ringenden Menschen auf seinem Weg zu GOTT. Denn nur deshalb hat der Allmächtige die Tür hinter den höllischen Geistern noch nicht geschlossen, weil sie IHM zur Prüfung und Läuterung des Menschen dienen müssen bis zum Jüngsten Tag. Erst dann wird der Böse und alles Böse endgültig im Abgrund ver­schwinden. Jetzt aber „wächst das Unkraut mit dem Weizen“ bis zur Zeit der Ernte, das heißt, Luzifer, der große Satan, der Inbegriff aller Satanie, hat nicht nur alle bösen Geister unter sich, er hat ebenso Macht über alle verdammten Menschen in der Hölle, über alle lebenden Menschen, die sich bewußt und frei­willig von GOTT losgesagt und sich ihm verschrieben haben, und mittelbar einen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf die übri­ge Menschheit auf Erden, durch Versuchungen, Bedrängungen, Schädigungen aller Art, auf Heidenreligionen, Irrlehren u.s.w. Auch die Seelen Ungetaufter, sofern sie nach dem auch für sie bestehendem Gericht nach dem Tod noch einer Art Läuterung unterworfen werden, können einer Art irdisch denkbarer Bedrängung oder Peinigung durch die dunklen Mächte überliefert werden, da für sie ja auch die Seligkeit keine solche wie unsere, sondern eine mehr irdisch faßbare, paradiesähnliche, ist. Es ist uns Ähn­liches aus der Art der Vorhölle, wie sie für die Gerechten, die dann mit unserm Herrn als Erstlinge der Menschheit in den Himmel einzogen, bestand, auch überliefert, daß dort die Seelen noch be­stimmten Bedrängnissen ausgesetzt waren zu ihrer Läuterung, je nach ihrer menschlichen, aber dann durch CHRISTI Blut getilgten Schuld. Die Vorhölle wurde als solche (sie trug ja deshalb den Namen Vor-Hölle durch die Anwesenheit von Dämonen) durch unsern Herrn JESUS CHRISTUS aufgehoben und das Fegefeuer, der Läuterungs­ort der Liebe im Hinblick auf den HEILIGEN GEIST, gegründet, durch das als Erster der rechte Schächer ging. Neben Vorhölle und Fege­feuer aber ging und geht das Leben nach dem Tod von Millionen Un­getauften weiter. Diese sind in ihrer Seligkeit frei von allen dä­monischen Zudringlichkeiten, denn auch sie sind vom Gütigen GOTT erschaffen worden und kehren zu IHM zurück nach ihrer Erkenntnis­möglichkeit. Aber jene noch in einem Läuterungszustand befindli­chen Seelen solcher nie vom Taufwasser der hl. Kirche berührten Menschen sind es, an welche sich noch Dämonen klammern, mit denen Spiritismus und Telepathie und Irrlehren ihren Unfug treiben. Keine Seele aus dem Läuterungsort der hl. Kirche wird je vom Teufel mehr bedrängt, sie gehört ausschließlich GOTT und sie tilgt ihre Schuld selber durch die Flammen ihrer Liebesreue, sie braucht dazu keinen Teufel. Sie erscheint auch niemals auf Grund irgendwelcher spiritistischer Zitierungen, denn sie gehorcht nur mehr GOTT allein. Seelen Ungetaufter, die sich irgendwann oder ir­gendwie dem Menschen zeigen dürfen, werden immer von der hl.Kirche in ihre Schranken verwiesen. Denn selbst wenn sie scheinbar gute Ratschläge geben, so wirken sie doch auf die Dauer gegen die Lehre der hl.Kirche – durch Wahrsagereien, Anpreisung von schwarzma­gischen Mitteln, verbotenen Weisungen, Zauberei, Abhalten von einem lebendigen Leben in der Kirche.

Der Begriff der satanischen Geister ist weitmaschig. Es sind darunter die gefallenen Engel zu verstehen, die mit Luzifer in den Abgrund geworfen wurden, diese Geister schweifen noch zur Ver­suchung und Bedrängung der Menschheit umher. Dann gehören dazu die Seelen der Verdammten, die als von ihrem Leib getrennt als Geist zu rechnen sind, diese erleben passiv ihre Strafe in den Qualen der Hölle. Endlich gehört hiezu noch die lebendige geistige Kraft der satanischen Macht auf Erden, nämlich der Menschengeist, der Geist und Verstand jener Menschen, welche ihr ganzes Wissen und Können ausschließlich in den Dienst Satans gestellt haben, wie jüngst ein Offizier in Berlin zu einem Katholiken sagte „wir sind die Eli­te Satans, was seid ihr (Schwächlinge)?“

Es gibt auch unter den Heerscharen Luzifers, nachgeäfft den neun Chören der Himmlischen Geister, neun Rangordnungen, auch sie sind zu drei gebündelt. Während aber die drei obersten Chöre der seligen Engel (die Seraphim, Cherubim und Throne) sich nur der Anbetung des DREI-EINIGEN GOTTES in jubelnder Seligkeit wid­men, hat der Herrscher aller Höllenmächte seine liebe Not mit den drei obersten Rangordnungen (der gestürzten Seraphim, Cherubim und Throne, die alle ebenso GOTT wie er, Herrscher wie er sein wollen und uns vielfach als Götter und Götzen von Heidenreligio­nen und aus der hl. Schrift bekannt sind: Z.B. Asmodai (Asmodeus, der Verderber, Tob. 3/8) oder Belial (2.Kor.6/15), oder Azael (Azazel, Lev. 16/10) oder Baal und viele andere.

Die zweiten drei Ordnungen, welche aus den gestürzten Herrschaften, Gewalten und Fürsten bestehen und sich Böse Geister, Böse Gewalten, Böse Mächte nennen, schweifen unheilstiftend in der Schöpfung umher. Auch aus diesen Ordnungen sind Namen in Verschiedene Irrlehren eingedrungen und werden dort als wichtige daimones, Dämonen oder Herrscher oder Gestirnfürsten verehrt, z.B. Phul, Bethor, Hagith, phaleg u.s.w.

Die dritten drei Ordnungen endlich gehen schon förmlich in ein Chaos über, das sind die Magier, die gestürzten Erzengel und die gestürzten Engel. Sie drangen sich in die oberen Rangordnun­gen ein und überlassen diese letzten Rangordnungen den Hexen, Furien, Teufeln, Besessenen, den Satanshörigen, den noch zur Strafe an Orte ihrer Schuld gebundenen Verdammten, Versuchern niedersten Grades, welche manche Heilige wie wimmelndes Ungezie­fer oder mißgestaltete Tiere sehen konnten. Eine Klarsicht über diese untersten Rangordnungen wird man kaum oder nie erlangen, denn hier schiebt sich der ganze Abschaum des satanischen Rei­ches so dicht über die Menschheit hin, daß es besser ist zu be­ten, als dort hinein schauen zu wollen oder darüber zu grübeln.

Unser Zeitalter hat an den Teufel zu glauben aufgehört. Es wird alles auf psychologischem Weg zu erklären versucht, Teufel, Hexen, Versucher, alles ist Aberglaube. Aber nicht umsonst lesen wir in der hl. Schrift, wie uns der Herr warnt vor dem Teufel, wie ER selber versucht wurde, damit wir daran denken, wenn wir in der Nachfolge CHRISTI auch vom Bösen und nicht nur einmal versucht werden. Wir lesen, wie der Herr Teufel austrieb, wie die Teufel schrieen, wie der Herr vom Teufel Besessene heilte. Auch die erste Sünde im Paradies ist „aus dem Samen des Teufels aufgegangen“ und sind die sündigen Menschen nach der hl. Schrift Kinder des Teufels und er ist der Vater der Lüge. Weil die sün­digen Menschen sich vom Teufel leiten lassen und seinen Absich­ten dienen, werden sie auch Glieder seines Reiches, seiner Rang­ordnungen, seines moralischen Körpers, dessen Haupt er ist. (Schee­ben, Dogmatik, 4. B. § 194)

Der Grundzug aller Rangordnungen der satanischen Hierar­chie ist das fortgesetzte böse Wollen. Wenn auch die Richtung auf das verkehrte Ziel, nämlich weg von GOTT dem Abgrund zu, an­hält, so können doch die Dämonen die äußeren Mittel ihrer Be­tätigung wechseln (verschiedene Arten der Bedrängung, der Unheilstiftung etc.). Sie sind vor dem Jüngsten Tag noch nicht in ihrer äußerlichen Beweglichkeit und Wirksamkeit gebunden, so wie die Seelen der verdammten Menschen bis dahin noch nicht an den ihre Qual mehrenden Leib gebunden sind. Das letzte, das Endstadium er­reichen beide, verdammte Engel und verdammte Menschen, am Jüng­sten Tag. Infolgedessen haben die Dämonen noch eine gewisse Freiheit in der Ausführung ihrer bösen Absichten, soweit es GOTT zuläßt, wie auch die auf Erden lebenden „falschen Propheten“ und satanshörigen Menschen, welche ihr Wissen, ihre Kunst und ihre Macht von den gestürzten Dämonen erhalten, bis zum Ende der Tage nicht ausrottbar sein und eine Plage und Prüfung der ringen­den Kirche sein werden. Hier den Menschen auf seinen Weg zu GOTT beizustehen, ihn zu schützen und zu verteidigen, zu warnen, hinzuweisen, für ihn zu kämpfen, hat GOTT uns Seine getreuen Engel an die Seite gestellt.

5. DIE MACHTBEREICHE DES BÖSEN.

Wenn GOTT den höllischen Widersacher als „Fürsten der Welt“ bezeichnet ( z.B. Joh. 12/32 ) so dokumentiert damit das unfehlbare Wort GOTTES, daß der Böse  Fürst „, also Machthaber über die Welt, das heißt über die sichtbare Schöpfung zumindest, sei. Damit ist erwiesen, daß nach der Prüfung der Engel und ihrer Trennung in gute und böse die bösen Engel wohl sofort bestraft wur­den, indem sie aus dem Bereich der Anschauung GOTTES radikal ent­fernt und in den Abgrund der GOTTferne, der Strafe gestürzt wur­den, daß GOTT ihnen aber doch ihre frühere Macht, also die damit verbundenen Machtbereiche bis zu jenem Grad beließ, als sie ihnen zwecks Prüfung und Bedrängung des Menschengeschlechtes notwendig waren und zwar solange, bis nach dem Jüngsten Gericht ihr endgül­tiger Sturz in die Höllenqualen erfolgt.

Daß der Böse also „Machthaber“ in dieser Welt ist, das braucht gar nicht näher erklärt werden. Ja, er knechtet sogar die­se Welt und alle ihm nicht durch JESUS CHRISTUS entrissenen Men­schen, soweit es GOTT zuläßt ( siehe die Evangelien über die Be­sessenen, über die Schweine von Gerasa u.s.w.). Während sich die Rangordnungen der bösen Geister über die ganze Schöpfung erstrecken in Raum und Zeit und Art, sind die sogenannten Machtbereiche des Fürsten der Welt gleichnishaft wie Hüllen um einen Zellkern gelagert. Dieser Zellkern ist die Erde – im Großen – und die See­le des vom Bösen geknechteten Menschen – im Kleinen.

Die Machtbereiche sind ausschließlich der Versuchung des Men­schen, seiner Bedrängung, Knechtung und endlich seinem Fall be­stimmt. Es ist ein raffiniertes System, durch das nur die Gnade GOTTES und Seine Hilfe, die wir auch durch MARIA, die hl, Kirche, alle Engel und Heiligen erfahren, durchstoßen kann. Wir können uns dies so vorstellen: Der Mensch in seinem guten Streben zu GOTT ist offen für die Gnade, hat sein Angesicht dem Angesicht GOTTES zuge­wendet. Sobald er aber sündigt, wendet er sein Angesicht von GOTT ab und dem Bösen zu. Dieser Böse schiebt ihm durch die Sünde förmlich eine Schicht vor die Augen, weshalb er, eben durch die Sünde, GOTT nicht mehr so klar sieht, seine Sicht auf GOTT ist verdunkelt. Damit ist er nicht mehr so offen gegen die direkten und indirekten Einwirkungen von Seiten GOTTES und des ganzen Reiches GOTTES, da­gegen ist er den Einwirkungen des Bösen leichter zugänglich. Wir sagen zu so einem Fall im Leben „der rutscht ab“, er hat einfach die Klarsicht nicht mehr. Je tiefer so ein Mensch fällt, je mehr er die Sünden in sich hineinschaufelt, desto mehr Schichten der Verdunklung gegen GOTT schiebt ihm der Fürst der Welt und seine Helfershelfer vor die Augen und macht ihn auf diese Weise gleich­gültig, lau, abgestanden und schließlich steril gegen jedes Ein­wirken der Gnade GOTTES. Immer schwerer kommt die Gnade durch, je­der Seelsorger kann davon ein Lied singen. Und wenn wir uns die Machtbereiche Satans, die er den Machtbereichen MARIENS nachgeäfft hat, wie Schichten des Angriffs auf den Menschen und der Abwehr gegen GOTTes Gnade vorstellen, so muß, wenn z.B. der Böse schon sechs solcher Schichten um den Menschen gelegt hat, die Gnade durch sechs Schichten vorstoßen, um den Menschen wieder für GOTT zu ge­winnen. Darum heißt es ja auch, „daß im Himmel über einen solchen Sünder, der Buße tut, mehr Freude ist als über 99 Gerechte, die der Buße nicht bedürfen“.

Es soll im Folgenden kurz gezeigt sein, wie sich der Mensch auf seinem Weg zu GOTT diese Machtbereiche des Bösen vorstellen und sich vor ihnen schützen kann. Jeder von uns hat ja diese Ein­flüsse des Bösen mehr oder minder bereits selbst an sich oder an seiner Umgebung erlebt.

Der erste Machtbereich, also die erste Abwehrschicht des Fürsten der Welt, gegen die Gnade. die er rund um uns zieht, erlebt der Mensch durch seine Unachtsamkeit, Fahrlässigkeit, Feig­heit. Durch Versuchungen im Alltag gibt der Mensch seiner Bequem­lichkeit nach, er glaubt der Stimme „der Vernunft“, des „gu­ten Freundes“, der Feigheiten in Bezug auf relig. Bekenntnis recht­fertigt und entschuldigt, der das Verschlafen zur hl. Messe als gesundheitsnotwendig gutheißt, der kleine Lügen und Empfindlich­keiten als nichts hinstellt. Dieser erste Machtbereich also um­faßt alle sich rein um das eigene Ich gruppierenden materialisti­schen, vorteilsuchenden Verwischungen der Klarsicht gegen GOTT und erzeugen eine geistige und körperliche Bequemlichkeit einer­seits, eine schärfere Kritik gegen Priester und Kirche anderseits. Ihnen ist zu begegnen durch strengere Selbstkontrolle, Willens­zucht, Wachsamkeit und mehr Gebet.

Der zweite Machtbereich zieht den Menschen schon be­deutend tiefer nach abwärts. Es ist die etwas sumpfige, weiche Zone der offenen und geheimen Triebe, Süchte und Laster. Hier wird der willensschwache, wenn noch so gutmütige Mensch einge­fangen und vernebelt, daß er immer wieder in seine Gewohnheits­sünde fällt. „Ich kann halt nicht anders“ hört man dann immer wieder, „helft’s mir halt!“ Dieser zweite Machtbereich macht den Menschen mutlos gegen ein fortlaufendes neues Aufstehen aus sei­ner Sünde, er macht ihn mürrisch und gereizt, sobald man seine Gewohnheitssünde antippt, er macht ihn schwach in jeder Versu­chung nach dieser Richtung, denn die Dämonen dieses Machtbereiches sind zäh und klebrig wie Harz und Pech. Jeder weiß, wie schwer es ist, die Trunksucht, die Männertollheit, die Spielwut einem Menschen abzugewöhnen, förmlich verkrallt haben sich die Dämonen in solche, meist sonst weiche oder zugängliche Menschen. Diese Dämonen zu lösen braucht es jahrelange Geduld und konsequente Strenge, Hilfs- und Sühnebereitschaft der Umwelt.

Der dritte Machtbereich wechselt schon das Bild. Hier ist der Mensch schon gebrochen in seinem Willen und hat Freude am Bösen, Freude an Quälereien der Andern, er freut sich, wenn er Anderen einen Schabernak böser Art spielen kann, ihnen etwas antun kann. In diesem Machtbereich umgarnen die höllischen Mäch­te ihre Opfer, daß sie nicht mehr gedankenlos oder feig oder willensschwach die Gnade GOTTES von sich weisen, sondern bewußt und freiwillig Böses tun wollen und durch die Unterstüt­zung und Hilfe der Teufel auch tun, besonders über die schwarze Magie. Man kann vielfach am Land noch oft hören vom „bösen Blick“, vom „giftigen Anhauch“ etc, und mancher Viehfall, jä­her Unglücksfall und Bedrängungen von Leben und Gesundheit ist auf solche Teufeleien zurückzuführen. Die Dämonen dieses Machtbereiches nennt man Haucher und die beste Waffe der hl. Kirche ist hiefür der Exorzismus, viel Segnen mit Weihwasser, Zuhilferufen der hl. Engel.

Der vierte Machtbereich hat bereits ein unheimliches Wirkungsfeld, der Mensch ist schon fast ganz gegen die Gnade GOTTES abgriegelt. Die Dämonen dieses Machtbereiches heißen die Zerstörer und die von ihnen geleiteten Menschen verursachen Zer­störungen auf der sichtbaren Welt sowohl durch Herbeiführen von Kriegen und Revolutionen als auch durch zerstörende Irrlehren. Sie haben eine Freude, irgendwie zerstörend in eine Ehe, eine Freundschaft, ein Werk, ein Volksgeschick einzugreifen, Existenzen, Heilspläne, Gesundheit, soziale Werke zu zerstören.

Diese Dämonen zu lösen braucht es heilige Menschen mit gro­ßer Kraft ihrer Liebe, ihres Wortes, heilige Rufer, unerschrocke­ne Kämpfer für GOTT.

Der fünfte Machtbereich des Fürsten der Welt umfaßt alle Gebiete des GOTTEShasses, der Rache, der GOTTlosenbewegungen, wie Kommunismus, Bolschewismus, Anarchismus, Atheismus, Nihilis­mus, Pantheismus. Hier ist der Mensch schon ganz steril gegen die Gnadeneinwirkung und steht auch vielfach völlig verständnislos und desinteressiert jeder GOTTESerkenntnis gegenüber.

Diese Dämonen zu lösen, braucht es Ströme von Martyrerblut, eingesperrte Gemeinschaften, geknechtete Völker, die all ihr Leid für GOTT als Sühne tragen. Diesen Machtbereich werden erst die Zornschalen GOTTES stürzen.

Der sechste Machtbereich entzieht seine Wirksam­keit schon vielfach dem Alltag, dem gewöhnlichen Menschen. Hier arbeiten hohe Dämonen als Drahtzieher des Geschickes ganzer Völ­ker „hinter den Kulissen“, in Klubs und Tagungen, diplomati­schen Zusammenkünften. Ihre Schützlinge besitzen hohe geistige Kräfte und finden wir sie an den meisten Knotenpunkten im öffent­lichen Leben, sie sind meist Freimaurer oder Rosenkreuzer o.ä. Schein und Lüge, Betrug und Schiebungen größten Stils sind ihre Kennzeichen, sie sind Täuscher und Blender, Presse- und Filmköni­ge, Stahlmagnaten, sie sagen von sich „dies und das alles will ich dir, kleiner elender Mensch, geben, wenn du niederfällst und mich anbetest!“

Der siebente Machtbereich Luzifers, seine Hoch­burg, ist der Sitz aller Selbstvergottung, Selbstanbetung. Hier herrscht der kalte, berechnende Hochmut jenseits aller Mensch­lichkeit, das ganz skrupellose „non serviam“. Hier ist die End­station aller Sünde der Welt, allen Abfalls von GOTT und je unver­hüllter der Kampf der Geister in der Endzeit sich offenbaren wird, desto unverhüllter wird auch die Macht dieses letzten höllischen Machtbereiches sich erweisen.

Wir brauchen uns gar nichts vormachen, als wäre „dieser geschwänzte, lächerliche Teufel“ höchstens ein Kinderschreck und vom erwachsenen Menschen nicht ernst zu nehmen. Hinter dieser lä­cherlichen, belustigenden Maske verbirgt sich der größte Gefähr­liche dar Welt, der ja nichts andres will als uns einlullen durch seine „Lächerlichkeit“, damit wir ihn nicht ernst nehmen und keine Waffen gegen ihn ziehen. Eine ahnungslose, nicht verteidig­te Festung ist leichter zu erobern als eine bewaffnete und von allen Engeln geschützte. Sagt der Herr doch Selbst „wachet und betet, daß ihr nicht in Versuchung fallet, … der Böse geht umher wie ein brüllender Löwe und suchet, wen er ver­schlingen könnte.“ Und wie oft sagt das Volk selber von einem Menschen, der, vom Bösen getrieben, Unheil stiftet „den reitet der Teufel“ und das ist ein bitter wahres Wort. Der Böse hält seine süßen, überzeugenden Lockungen und Versprechungen nicht, wonach er dem Menschen nur dienen, nur helfen will, sondern so­bald der Mensch durch die Sünde gnadenlos und dadurch wehrlos geworden ist, dann ist der Böse der Herr, nicht der Mensch, und der Teufel reitet auf dem Menschen, nicht der Mensch herrscht über den Teufel. Mehr und mehr Mauern: baut der Böse auf zwischen dem Menschen und der Hilfe von oben und die Tränen des Herrn über das ungetreue Jerusalem gelten auch jeder satanshörigen Seele „0 Jerusalem, daß du es doch erkannt hättest, was dir zum Heile ist Aber du hast nicht gewollt!

6. DER APOKALYPTISCHE ENDKAMPF.

Als Luzifer mit seinen Anhängern die absolute Freiheit von GOTT und die Gleichberechtigung mit GOTT in einem Aufruhr durch­setzen wollte, ist der erste Kampf für GOTT – gegen GOTT in die Schöpfung gekommen, der Kampf der Geister.

Im Paradies, nach dem Sün­denfall der ersten Menschen, hat GOTT zur Schlange gesprochen „… Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Wei­be…“ und das war wieder eine Kampfansage, diesmal Kampf zwischen Mensch und Geist.

Als unser Herr JESUS CHRISTUS als Mensch unter uns weilte, sagte ER.“ Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert …. “ und wieder „es wird Bruder gegen Bruder aufstehen und der Sohn wider den Vater…“. Und damit hat ER ausgesprochen, was schon seit Kain auf Erden wütete: der Kampf zwischen Mensch und Mensch.

So ist Kampf in der Schöpfung vom Anfang bis zum Ende. Das Leben des einzelnen Men­schen und der gesamten Menschheit, das Leben der heiligen Kirche und unser eigenes Leben und Sterben sind darein gebettet. Von un­ten her über alles Niedrige droht der höllische Drache, der Wider­sacher GOTTES. Von oben her nahen uns die heiligen Engel und drüc­ken uns das Schwert von Angriff und Abwehr in die Hand und helfen uns. Zwischen beiden Lagern steht der Mensch.

Der Kampf am Beginn zwischen Engel und Engel war überdi­mensional, wenn man Größe und Macht der Engel bedenkt. Der Endkampf wird ebenso überdimensional sein in der letzten Phase, wenn der Höllische Drache mit seinem Schweif die Sterne vom Himmel mähen wird und glauben, daß er sich bis zum Thron GOTTES aufbäumen und IHN, den Ewigen, Unsterblichen GOTT, vom Throne reißen könne. Über den Trümmern der untergehenden Welt aber wird im Zeichen des Kreu­zes die Herrlichkeit und Gerechtigkeit GOTTES erscheinen auf den Wolken des Himmels. Dann spricht der Göttliche Richter über Leben und Tod sämtlicher Geschöpflichkeit, auch über Luzifer, das letz­te Wort.

Im Anfang der Zeiten waren sich Engel und Mensch viel näher auf rein natürlichem Weg. Wie oft lesen wir in der hei igen Schrift vom sichtbaren Eingreifen der heiligen Engel in die Ge­schicke der Menschen, ja von ihrem persönlichen Ringen miteinan­der, vom persönlichen Verkehr. Aber das beständige Sündigen des Menschen rief doch bei ihm im Laufe der Jahrtausende eine gewisse Verhornung und Sterilität gegenüber den übersinnlichen Göttlichen Einwirkungen hervor, den Zweifel gegen den Engel, das Forschen nach natürlichen und nicht mehr nach übernatürlichen Ursachen. So ist das Verhältnis des Menschen zum Engel kühler, kritischer, frem­der geworden und der Einbruch der Mächte der Finsternis fand immer weniger Widerstand. Aber ist einmal der Endkampf auf allen Linien offenbar und entbrannt, – die Fackeln dieses Brandes von Osten her, sind unverkennbar, – so werden sich Engel und Mensch wieder näher kommen und der Mensch wird von selber nach der Hand seines himmli­schen Helfers langen. Je näher es dem apokalyptischen Letztstadium kommen wird, desto enger wird sich der Ring von Engel und Mensch um GOTT schließen. Aus diesem Grund ist es auch erklärlich, warum jeder innig nach GOTT strebende Mensch eine enge Fühlung mit seinem Engel hat. Je mehr er sich GOTT und dem Reich GOTTES erschließt, desto stärker wird dar Druck des Bösen, desto fühlbarer auch die Hand und Hilfe des Engels.

Den der Größe dieses Endkampfes entsprechenden Aufriß gibt uns die Geheime Offenbarung, Wir haben schon jetzt untrügliche Zeichen jener dort angeführten Ereignisse, – nicht nur die Ströme von Blut, die Spaltungen und das Auftreten falscher Pro­pheten, sondern besonders den Kampf des Maskenlosen Bösen (denken wir nur an Kardinal M. s Martyrium). Das Wur­zelgeflecht der satanischen Hierarchie liegt nicht mehr verdeckt, sondern breitet sich ganz offen und mit Macht – in Propaganda, in Tagungen, Wettbewerben in Presse und Politik und Film u.s.w. förm­lich über uns aus. Seine erschreckende Größe und Macht zeitigt mit Erfolg unter den Menschen Angst und Grauen vor der Zukunft. Trotzdem rütteln die Zulassungen GOTTES, Strafgerichten gleich, die Menschen kaum mehr auf, gleich den Worten in der Geheimen Offenbarung „…und sie bekehrten sich nicht.“ Der geistige und seelische Zerfall ist dem wirtschaftlichen gleich und macht gan­ze Völker hohl, leer, faul, -Pestbeulen oder Leichenfeldern gleich. Der geistige Kampf wird immer größere Dimensionen annehmen um die Beute: Mensch, denn alles Körperliche wird vor der geistigen Ge­walt zurückgedrängt werden. Darum wird sich der Kampf auch immer mehr – bildlich gesprochen, vom Erdboden heben in die den Gei­stern zugehörenden Bereiche, sodaß wir uns unter die Berge flüch­ten und ihnen, den greifbar Nahen, zurufen werden, sie mögen über uns fallen und uns decken, damit wir die über den Bergen dröhnenden Schrecken nicht miterleben müssen. Immer mehr ist der Mensch, zwischen fallenden Sternen und irdischem Chaos, die End­beute, ihm gilt das Endringen zwischen der Schlange und dem Wei­be. Weder Engel noch Teufel können einander ermorden, es ent­scheidet: den Menschen, den CHRISTUSTRÄGER, den GOTTESTRÄGER für sich zu gewinnen und damit für GOTT oder gegen GOTT.

In dieser Endzeit wird MARIA, die Königin, auf den Plan treten, das Marianische Zeitalter ist das Letzte, der Fußteppich für den Sieger: GOTT, der Herold für das ewige CHRISTkönigsreich. Sie, die Königin, zieht alle ihre Machtbereiche um die Menschen zusammen, Engel und Mensch werden gemeinsam im gleichen Ringen um den Sieg GOTTES, das Schwert des Heiles, den Schild des Glau­bens ergreifen. Immer mehr wird die Führung durch den HEILIGEN GEIST offenbar werden und die Zielweisung durch die Engel. Die Engel, welche den ersten Kampf eröffneten, werden auch die letz­ten Kämpfer sein. Der letzte Kampf ist der fürchterlichste, der mit den schärfsten Waffen ausgetragen werden wird, denn nach GOT­TES unerforschlichem Ratschluß behält der Fürst der Welt bis zu­letzt die Macht, mit seinen Scharen die Menschen zu täuschen, zu entkräften, zu vergiften, zu knebeln, zu schädigen und auszusau­gen. Dieser Kampf ist deshalb der fürchterlichste, weil diesmal, zum Unterschied vom ersten Kampf der Engel gegen Engel, die gan­ze Schöpfung und als Mittelpunkt der Mensch, das ganze Wissen der Menschheit durch Jahrtausende und die ganzen Schliche der Hölle in den Kampf eingebaut werden.

Dann aber beginnt „die Nacht, wo niemand mehr wirken kann“. Nacht heißt sie deshalb, weil sie das Gefesseltsein jeg­licher Schöpfung außer den heiligen Engeln, den Boten GOTTES, bedeutet. Sie ist da, wenn der Fürst der Welt endgültig unter die Füße MARIENS, der Königin Himmels und der Erde, gezwungen wird, weil damit auch die Bedrängung des Menschen als Beute und jegli­che Entscheidung aufgehört hat, sie ist da, wenn der Menschensohn Sein Kommen, wie der Dieb in der Nacht, mit dem Aufflammen des Zeichens am Himmel, wahrmacht, sie ist da, wenn das Gericht be­ginnt und das allgemeine Kampfgetümmel sein Ende gefunden hat. Dann werden die heiligen Engel über das Leichenfeld der Erde ausgesandt werden, über jene Erde, die einst das Blut JESU CHRISTI getrunken hat. Dann werden die Posaunen der Engel ST. RAPHAELS zum Gericht auferwecken, die himmlischen Scharen ST. MICHAELS werden die apo­kalyptischen Reiter einholen und das Zeichen des Sieges auf die Erde pflanzen, sie werden den Gerichtsplatz abstecken mit ihren Bannern. Und die Scharen ST. GABRIELS, des getreuen Verwalters, wer­den die Ernte herbeibringen. Und jeder Mensch wird entkleidet sein allen Scheines und jeglicher Maske und muß unverhüllt seinem Gött­lichen Richter zum Gericht entgegentreten. Wie gerne möchten da Tau­sende noch einmal rufen „ihr Berge, fallet über uns und ihr Hügel, bedecket uns!“ Aber es sind keine Berge mehr da und keine Hügel, nicht einmal ein Baum oder eine Mauer, hinter die man sich verkrie­chen könnte, es ist nur mehr die lautere unerbittliche Wahrheit hier und die Waage, die jeder sehen kann, die Liebe heißt, und Gerechtigkeit. Selig der Mensch, der sich rechtzeitig noch zu seinen Lebzeiten der Gerechtigkeit GOTTES anheimgestellt hat aus Liebe, ihm wird die Liebe werden aus Gerechtigkeit.

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Quelle: Archivexemplar der schreibmaschinen-getippten, vervielfältigten, gehefteten Ausgabe dieser Schrift meines Immaculata-Verlags. – (Siehe dazu auch: Kathpedia: Gabriela Bitterlich sowie die biografische Notiz über Gabriela Bitterlich auf dieser Internet-Seite!)

Siehe auch: Mein erster Beitrag „Die Ersterschaffenen Gottes“


 

Update vom 27. Juni 2014:

Aufgrund der mir erst jetzt zu Gesicht gekommenen Stellungnahmen des Vatikans zu Gabriela Bitterlich und zum Engelwerk, belasse ich es bei diesen bis hierher veröffentlichten 6 Kapiteln.

Und ich weise hiermit auf folgende vatikanische Dokumente dazu hin:

Weltende und Weltgericht – Gedicht von Anna Krankenedl, Graz

Ein Weltgericht wird es einst geben,
so wahr wie wir auf Erden leben,
so wahr Gott Sohn, Herr Jesu Christ,
für uns am Kreuz verblutet ist;
so wahr wird Er einst wiederkommen
mit großer Kraft und Herrlichkeit,
zu scheiden Böse von den Frommen
für eine ganze Ewigkeit.

Dass dieser Morgen einstens tagt,
hat Christus selbst vorhergesagt.
Propheten, falsche, sich erheben,
um sich für Christus auszugeben.
Es werden kommen Himmelszeichen;
Gestirne treten aus den Bahnen,
dass alle Völker jäh erbleichen,
die schreckerfüllt das Ende ahnen.

Vom Himmel werden Sterne fallen,
Blitze zucken, Donner hallen;
der Mond wird seinen Schein nicht geben,
die ganze Erde rings erbeben.
Winde werden heulend sausen,
Weltenmeere zischend sieden,
sturmgepeitschte Wogen brausen,
dergleichen nie geschah hienieden.

Berge werden stürzend krachen;
stolze Häuser werden fallen,
aufgezehrt vom Feuerrachen,
Hilferufe laut erschallen.
Feuer fällt vom Firmamente;
toben werden Elemente.
Ja, alle Kräfte der Natur
verlassen die gewohnte Spur.

Verwirrung, Schrecken, ringsumher,
dass alles fliehet kreuz und quer.
Ach, Trübsal herrscht an jenen Tagen,
dass selbst Gerechte fast verzagen.
Da bei dem Jammer hier auf Erden
auch der Gerechten große Zahl
nimmer könnte selig werden,
wird abgekürzt die Zeit der Qual.

Und Jesus Christus wird erscheinen
als Richter auf dem Wolkenthron,
zum Schreck der Bösen, Trost der Reinen;
Maria weilt bei ihrem Sohn.
Die Mutter Christi, unsres Herrn,
als hohe Himmeskönigin
wird wie ein wunderbarer Stern
nach allen Seiten strahlen hin.

Das heilge Kreuz als Siegeszeichen
wird funkeln, leuchten, ohnegleichen,
dass alle die es glänzen sehn,
vor Furcht verschmachten, fast vergehn.
Und schuldbewußt, mit fahlen Wangen
blickt auf das Kreuz die böse Schar,
woran der Herr im Tod gehangen,
zu retten, was verloren war.

Als Weckruf wird Posaunenschall
durch alle Gräber furchtbar dringen,
erschreckend laut ihr Widerhall
am ganzen Erdenrund erklingen.
Aus allen Gräbern werden kommen
hervor die Bösen und die Frommen.
Die winzigsten Stäubchen als Menschen erstehen,
um hin vor den Richter der Welten zu gehn.

„Sei mir gegrüßt“, die Guten sagen,
die ihren Leib voll Schönheit schaun;
die Bösen aber, die nicht wagen,
ihn anzusehn, erfaßt ein Graun;
denn jeder ihrer Leiber trägt
des Lasters Schandmal eingeprägt.
O, das Gewissen wird zur Pein
so manchem argen Bösewicht,
dass er zermalmet möchte sein,
als hin vors strenge Weltgericht.

Und Christus wird den Engeln winken,
zu Seiner Rechten und zur Linken
aufzustelln die Menschemassen,
zum Lieben, — und zum ew’gen Hassen.
O, welcher Jubel zwischen Jenen
in dieser großen ernsten Stunde,
die sich nun sehn mit Freudentränen;
geheilt ist jede Trennungswunde.

O, welch ein Bild; zur linken Seite
steht händeringend Satans Beute.
Wie furchtbar ist das Wiedersehn
bei denen, die verloren gehn!
Die sich geliebt, gehaßt hienieden,
von Engelshänden nun geschieden.

Wer andre unterdrückt, geknechtet,
verleumdet schwer und auch entrechtet
und er’s gebüßt auf Erden nicht,
mit dem geht Gott streng ins Gericht.
Wo selbst die Guten kaum bestehn,
wie wird’s den Übeltätern gehn?

Jetzt wird der Vorhang weggezogen
von langverhüllter, böser Tat;
wer seinen Nächsten hat betrogen,
hier weiß er sich mehr keinen Rat.
Gehimstes wird jetzt abgelesen,
sei’s auch verborgen lang gewesen.
Hier gibt es mehr kein Irreführen;
hier herrschet nur Gerechtigkeit,
des Richtes Aug‘ durchforscht die Nieren,
und Zeugen stehen rings bereit.

Sie stehn vor Dem, — der sie erschaffen,
Der alles sah, was sie verschuldet,
entblößt von ihrer Lügen Waffen,
Der nicht den Hauch des Unrechts duldet.
Zu denen links, die nie im Leben
um ihrer Seele Sorg‘ getragen
und auf Vergeltung nichts gegeben,
wird Jesus Christus strenge sagen:

„Was habt ihr nun von Mord und Streit,
von Haß und Unversöhnlichkeit,
von Unzucht, Bosheit, Neid und Gier;
nun steht ihr als Verworfne hier.
Ihr habt gedient nur eurem Leib,
nach eitler Weltlust nur getrachtet;
ihr liebtet flotten Zeitvertreib,
habt mein Gesetz verlacht, verachtet.“

„Was hab‘ ich nicht für euch getan,
dass ihr erwacht aus eurem Wahn!
Ich löste eure Sündenketten
und stieg ans Kreuz, um euch zu retten.
Ich ließ euch warnen oft im Leben,
dass ihr nicht ewig geht verloren,
den schlechten Wandel aufzugeben;
man predigte nur tauben Ohren.“

„Als Guter Hirt ging Ich euch nach
gar oft, um liebend euch zu suchen.
Ich erntete nur Hohn und Schmach; —
es war umsonst; jetzt mögt ihr fluchen.
Ihr ließet euch den heilgen Glauben
durch schlechte Freunde gerne rauben,
habt meine Diener abgewiesen,
die Ich gesandt; nun müßt ihr’s büßen.“

„Ihr habt gelebt in Lug und Trug;
ihr bliebt verstockt und bliebt verdorben;
ja, kein Gewinn war euch genug
und seid in schwerer Sünd‘ gestorben.
Und dennoch hab Ich euch geliebt,
obwohl ihr Mich nur stets betrübt!
Ich trug euch an all‘ Meine Gnaden;
ihr nahmt sie nicht, zu eurem Schaden.
Verriegelt ist das Tor der Zeit;
ihr wolltet ja verloren sein;
geht ein zur Qual der Ewigkeit;
nehmt hin den Lohn, — die Feuerspein!“

Und schüchtern stammeln nun die Knecht:
„Ja, Herr, dein Urteil ist gerecht.“
„Hinweg von Mir, ihr Bösen, Schlechten“,
und wendet sich zu den Gerechten.
Erfreut an diesem schönen Bilde
neigt Er sein Antlitz ihnen zu;
mit einem Blick so wundermilde
spricht Er voll himmlisch-heil’ger Ruh:
„War hungrig; ihr habt Mich gespeiset,
war durstig; ihr habt Mich getränkt,
beherbergt, wenn Ich gereiset,
Mich Nackten mit Kleidern beschenkt.“
„Wann hätten, o Herr, wir gesehen
Dich hungrig, als Gast Dich erkannt,
Dich jemals mit Speisen versehen
und Dir geschenkt ein Gewand?“

„Was ihr in euerem Leben
habt Meinen Brüdern gegeben,
das habet ihr Mir getan,
von einem Trunk Wasser an.
Seid Mir gesegnet, ihr Getreuen
und nehmet in Besitz das Reich;
ihr sollt für ewig euch erfreuen“,
spricht Jesus Christus sanft und weich.

„Ihr habt das Kreuz mir nachgetragen
nach steilen Höhn auf Golgotha,
und habt gelitten ohn‘ Verzagen;
nun ist der Ostermorgen da!“
Ein unbeschreiblicher Jubelchor
dringt brausend nun zum Herrn empor
samt allen heil’gen Engelschören,
wie nie auf Erden war zu hören.

In Seiner Gottheit Strahlenkleide
blickt auf die auserwählten Scharen
der Herr dann lächelnd, voll der Freude,
die Seine treuen Diener waren.
Ein Einzug wird gehalten werden
der sel’gen Reihen hold und traut,
zum Himmelstor, wie nie auf Erden
so Herrliches ein Aug‘ geschaut.

Den ungezählten Legionen
der Engel schließen sich dann an,
die Heil’gen all‘ in Prozessionen,
mit Jesus Christus dort voran.
Der Gottesmutter Lichtgestalt,
von ihres Sohnes Glanz umflossen,
schwebt hin, vom Glorienschein umstrahlt,
wer hätt‘ solch Anblick je genossen?

In duftender Klarheit, wie Blumen so schön,
der Seligen Leiber sind anzusehn.
So schweben im verklärten Schimmer
die Guten ins verheißne Land,
zur ew’gen Freude nun für immer,
die Siegespalme in der Hand.
Sie folgen all‘ dem Gotteslamme,
das sie erlöst am Kreuzesstamme
in den geschmückten Himmelssaal,
zu halten ew’ges Hochzeitsmahl.

All die Verdammten müssen sehen,
die fluchend blieben dort zurück,
wie Jene, ach, zur Freude gehen,
mit ganz verstörtem, wilden Blick.
Der große Spender alles Lebens
verschwand; — Er litt für sie vergebens!

„Weil wir gegeizt, nach Geld gestrebt,
stets glaubenslos und flott gelebt;
weil wir geübt nie ein Erbarmen,
kein Mitleid hatten mit den Armen;
weil wir dem Nächsten nicht vergaben,
den Haß vermehrten und die Wut;
weil Feindschaft wir gestiftet haben,
soll’n brennen wir in ew’ger Glut.

O, hätten wir die Schuld bereut“,
so rufet der verworfne Haufen,
„als wir noch lebten in der Zeit“
und jammernd sich die Haare raufen.

Der Boden jäh beginnt zu schwinden;
auf tut sich da ein Feuerschlund,
der sie verschlingt — und sie sich finden
in bodenlosem Höllengrund,
den böse Geister ganz erfüllen
und laut vor Schmerz wie Tiere brüllen.

Geschlossen ist das Himmelstor,
an das sie schauten noch empor.
„Was haben, Toren, wir getan;
für uns ist alles jetzt vorbei“;
sie stieren sich verzweifelt an
und brechen aus in Raserei.

Hier sind sie nun, die sie belogen
und um ihr ew’ges Glück betrogen!
„Für ein paar Jahre Lustbarkeit,
für eine Handvoll Sündengeld,
was wir auf Erden nie bereut,
ein solches Los uns zu jetzt fällt.
Weil wir der Kirche nicht geglaubt;
weil manche Unschuld wir geraubt;
weil wir gemordet zornentbrannt,
sind wir für ewig jetzt verdammt.“

„O, diese Qualen, diese Flammen;
an uns verloren Gottes Huld;
mit allen Teufeln nun zusammen,
aus eigner Schuld, aus eigner Schuld!“
Kein Gottesherz zu dem man fleht;
sie haben es erkannt zu spät.
Zu heulen nun in höchster Pein,
jetzt ewiglich verurteilt sein!
O Schmerzen, die kein Mund nicht nennt,
und nie mehr möglich, zu entweichen;
wie das Gewissen folternd brennt;
o Marterqualen ohnegleichen!

Sie hatten einst verlacht, verhöhnt,
die Christus glorreich hat gekrönt.
Auch sie hat einst der Herr berufen,
an Seines Gottesthrones Stufen.
Sie, –die beharrlich einst verschmäht
die Gnade der Barmherzigkeit,
an ihnen in Erfüllung geht
das Urteil der Gerechtigkeit.

Willst stehen du zur rechten Seite,
rüst‘ dich zur Umkehr, Freund, schon heute
Sag nicht, zum Beichten sei’s noch Zeit,
dass dich’s nicht ewig bitter reut;
kennst du den Tag, wo du mußt sterben?
Stürz dich nicht selber ins Verderben.

So Mancher, der noch heut gelacht,
ist morgens nimmermehr erwacht.
Verzeih dem Nächsten, zürn ihm nicht;
denk an das Letzte Weltgericht.
Mach frei dich von der Sünde Bande,
dass nicht an deinem Grabesrande,
wo keine Gnadensonn‘ mehr scheint,
man als „verloren“ dich beweint.

Nur Christi Kreuz führt hin zum Licht;
ein andrer Weg bestehet nicht.
Wer büßend seine Schuld bereut,
an dem übt Gott Barmherzigkeit.

_______

Aus „DAS ZEICHEN MARIENS“ Nr. 1, 2. Jahrgang, 23. Mai 1968
(Auch als Separatdruck Nr. 3 erschienen)


Lesen Sie hiezu vor allem das Kapitel der „12. Schau: Der Tag der großen Offenbarung“ aus dem Buch „Wisse die Wege – Scivias“ von der hl. Hildegard von Bingen. 

 

Die Ewigkeit

Es ist ein Artikel des Glaubens, dass alle mit Vernunft begabten Seelen, die seit 5000 bis 6000 Jahren erschaffen worden, noch immer leben und unsterblich sind; es ist ein Artikel des Glaubens, dass ich und ihr nach 10000, 20000, 100000 Jahren noch existieren werden. Aber wo werden wir sein? Im Hause unserer Ewigkeit! Der Mensch wird in das Haus seiner Ewigkeit gehen. (Eccl. 12.) Die Ewigkeit, sie ist jenes unermeßliche Land, in das der Mensch eingeht, sobald er von dieser Welt scheidet; das große Land der Ewigkeit, und zwar der Ewigkeit der Glorie, wenn er ein frommes Leben geführt, der Ewigkeit der Stafen, wenn er unglücklicherweise in der Sünde gestorben ist! Dies alles ist Glaubensartikel; und wer im Glauben an eine so hochwichtige Wahrheit wankte, wäre ärger als ein Jude, als ein Häretiker, ja als ein Heide, da die meisten Heiden die Unsterblichkeit der Seele annehmen und glauben, nach diesem Leben gebe es eine Ewigkeit. Mit welch größerer Festigkeit sollen wir es glauben, die wir als unfehlbar jenen Ausspruch unseres Gottes und Herrn anbeten. „Diese werden eingehen in die ewige Qual, die Gerechten aber in das ewige Leben.“ (Matth. 25.)

Fasset nun die Ewigkeit ins Auge, wenn ihr den Mut dazu habt. Sie ist ein Niemals, das immer anfängt, und ein Immer, das niemals ein Ende nimmt. Ach, hiefür haben wir kein Maß! Ziehet von irgendeiner geschaffenen Quantität einen Teil ab, so wird sie kleiner, fügt etwas hinzu, so wird sie größer: ziehet ihr aber von der Ewigkeit 100000 Jahre ab, so wird sie deshalb nicht um einen Punkt kleiner, füget ihr eine Million Jahrtausende hinzu, so wird sie um keinen Augenblick länger; die Ewigkeit ist unbeweglich, unermeßlich, keiner Vergrößerung oder Verkleinerung fähig… Kommet mit mir in die Wüsten Aegyptens, der Thebais und Plästinas; dringet in die schauerlichen Orte dieser Einöden und sehet dort eingeschlossen in jener Höhle einen Hilarion, in der andern einen Makarius, daneben einen Pachomius, hier einen Paulus, dort einen Hieronymus; übersteiget die Berge und sehet in jener Schlucht eine Maria von Aegypten, in der andern eine Thais, hier eine Pelagia, dort eine Theodora. Fraget diese strengen Büßerinnen, fraget jene heiligen Einsiedler, wer sie in diese Wüsten geführt, wer sie mit diesem harten Bußgewande bekleidet, wer sie in diese Höhlen begraben, wer sie gezwungen, ein so englisches Leben zu führen, ihre Zeit so gut zu benützen? Alle werden antworten mit David: „Ich gedachte der alten Tage und hatte die ewigen Jahre im Sinne.“ (Ps. 76.) O Ewigkeit, Ewigkeit, die du so mächtig bist, die Lebenden zu begraben, bist du weniger mächtig, die Toten zu erwecken, jene Toten, die der Gnade durch die fluchwürdige Sünde erstorben sind?

Es gibt eine Ewigkeit, geliebte Sünder, ja es gibt eine Ewigkeit! Und im Angesichte dieser Ewigkeit lachet und scherzet und lebet ihr leichtsinnig in den Tag hinein? Es gibt eine Ewigkeit! Und im Angesichte dieser Ewigkeit buhlet und prasset und spielet ihr und treibet Kurzweil? Es gibt eine Ewigkeit! Und im Angesichte dieser Ewigkeit speiet ihr Flüche und Lästerungen aus, nähret ihr Haß und Feindschaft, verunreinigt ihr euch mit schlechten Gedanken, schändlichen Begierden, bösen Taten und lebet als Feinde Gottes?

Der hl. Leonard von Porto Mauritio

BLICKE IN DIE ZUKUNFT – Pfarrer Franz Sales Handwercher

Blicke in die Zukunft geschaut und niedergeschrieben von Pfarrer Franz Sales Handwercher (1792-1853)

Der weitbekannte Segenspriester Pfarrer Handwercher war ein echter Seher der Zukunft. Manchen alten Leuten durfte er ihr hohes Alter voraussagen. Sein Blick aber ging noch tiefer, ging in ferne Zukunft. Der heiligmäßige Gottesmann hatte öfter „Gesichte“ und „Geistesmitteilungen“, wie er seinem bischöflichen Gönner Michael Sailer am 1. Dezember 1830 berichtete. An 15 Sonntagen, jedes Mal in der frühesten Morgenstunde, wurde ihm ein Bild gezeigt. Er fasste diese Schauungen erschütternden Inhalts in Verse.
In 15 apokalyptischen Bildern sah er:

  • eine Gottesgeißel am Himmel,
  • ein Gericht ohne Erbarmen,
  • ein großes Sterben,
  • den Turm der Kirche unzerstörbar,
  • schlimme Verwüstungen der Kirche,
  • den Weltjahrmarkt als Beute Satans,
  • allen Gottesdienst zeitweise erloschen,
  • ein Schwanken der Kanzeln,
  • die Beichtstühle in die Wüste entführt,
  • Wolkenbruch über Europa, ein böses Unwetter auch über Bayern,
  • die Erde ein Schutt- und Trümmerhaufen,
  • den europäischen Satanskampf gegen die Kiche,
  • die Erneuerung der Kirche,
  • Christi Sieg und Herrschaft,
  • Alles eins im Glauben an den dreieinigen Gott.

Alle diese prophetischen Bilder bringen keine Einzelgeschehnisse mit bestimmter lokaler und persönlicher Färbung (außer einer einzigen Ausnahme: den Tod Pius VIII.), sondern die grandiose Linie des Satanskampfes gegen die Kirche. Die Geschichte hat diesen Schauungen vielfach bereits in erschüttender Weise recht gegeben. Wir selber haben schon Strafgerichte über Völker erlebt und können noch furchtbarere erleben. Die Verfolgung der Kirche in (Ost-)-Europa war Tatsache und kann wieder einsetzen und noch grausamer werden. Die Macht Satans ist (global gesehen) im Wachsen und kann noch erschreckender werden; aber trotz all dieser Verfolgung wird die Kirche den Sieg davontragen. Das ist die granitene, biblische Wahrheit, das ist das große prophetische Erleben Handwerchers. Gleich den alttestamentlichen Propheten erlebt er das schwere Schicksal des Gottesvolkes und ringt um Erbarmen.

Die 15 apokalyptischen Bilder

Einleitung

Einst an einem Wintersonntag
Morgens um die vierte Stunde
Rief ich am Altare kniend
Auf zu Gott von Herzensgrunde

Zu dem Vater um Erbarmung,
Um Erbarmung zu dem Sohne,
Um Erbarmung zu dem Geiste
Schrie ich auf im Schmerzenstone.

Da ich nichts als: „O erbarme!“
Zu dem Herrn zu beten wusste,
Trifft den Körper eine Schwäche,
Dass ich aus der Kirche musste.

Kaum betrat ich meine Kammer,
Als ein Schlummer auf der Stelle
Mir verschloss des Leibes Augen;
Doch des Geistes Aug‘ sah helle.

Klarer als die Sinne sehen,
Schaut ich im inwend’gen Lichte;
Und es trat mir vor die Seele
Jetzt das erste der Gesichte.

Ebenso am nächsten Sonntag
Ward mein Leib vom Schlaf berühret,
Und das zweite der Gesichte
Meinem Geiste vorgeführet.

Und am dritten und am vierten
Und den folgenden Sonntagen
Jedesmal zur selben Stunde
Hat sich’s also zugetragen.

Immer ließ es Gott geschehen,
Dass die Körperkraft ermatte:
Während ich in Geistesklarheit
Die lebend’gen Bilder hatte.

Bis als Ganzes sich geschlossen
Der Gesichte Folgereihe,
Welche ich in Jesu Namen
Liebevoll dem Hörer weihe.

1.    SONNTAG
Gottesgeißel

Als ich heimkam von der Kirche
Sank ich auf mein Lager nieder.
Doch das Schreien um Erbarmen
Hallte in der Seele wider.

Plötzlich sah ich neben meiner
Wunderhold ein Knäblein liegen,
Das die Seele lächelnd einlud,
An sein Herz sich anzuschmiegen.

Und ich sprach: „Du liebes Kindlein,
Kannst dich über uns erbarmen?“
Und es ging vom Mund des Kindes
Süßer Hauch: „Ich will erbarmen!“

Plötzlich an des Kindes Stelle
Lag ein Mann von dreißig Jahren,
Und es trieb mich an mit Flehen
Ihm sogleich zu offenbaren. –

„O fürwahr, du bist derselbe,
Der als Kindlein dagewesen,
Willst du helfen, willst du retten,
Ach, dann werden wir genesen.“

Weg war Mann und Kind! Urplötzlich
Tobt ein Sturmwind in dem Hause,
Aus den Angeln fliegt die Türe
Auf mit donnerndem Gebrause.

Und ich hörte eine Stimme
Ins erstaunte Ohr mir fließen:
„Sieh, ich habe aufgeschlossen
Und es kann kein Mensch verschließen.“

Aber durch die Kammertüre,
Die der Sturmwind aufgelassen,
Sah ich plötzlich in die Stube
Strömen dichte Menschenmassen.

Alle schauten sie zum Himmel.
Eine sprach zur andern. „Siehe!“
Ich jedoch stand auf vom Lager,
Sank zu Boden auf die Kniee.

„Gott“, so sprach ich, „ist erschienen.
Unwert bin ich, nur die Riemen
Seiner Schuhe aufzulösen,
Ihm, dem Preis und Ruhm geziemen.“

Aber in derselben Stunde,
Wo im Geiste dies geschehen,
Ward ein schrecklich Feuerzeichen
an dem Firmament gesehen.

Ähnlich einem Tafeltuche
Hing es nieder von den Sternen,
Und es ward herabgelassen
Aus des Himmels tiefsten Fernen.

Aus dem Tuche steigen Nebel
Auf samt Rauch und Feuerflammen
Und es wickelt wie ein Balken
Plötzlich sich das Tuch zusammen.

Eins der Enden von dem Balken
Hat ein Kronenreif umfangen,
Doch am andern Ende sah man
Eine Geißel Gottes hangen.

Lange sah man diesen Balken
Waagerecht am Himmel glühen
Und die Geißel hochgeschwungen
Feuerfunken niedersprühen.

Endlich sah man noch den Balken
In ein Schlachtschwert sich verändern,
Welches blutrot aufgehoben
Über Städten hing und Ländern.

2.    SONNTAG
Gericht ohne Erbarmen

In des Jammers Hause sah ich
Über tausend erdenfarb’ne
Schmerzverzehrte Menschen stehen
In dem weiten Krankensaale.

Mitten in dem Saale sah ich
Einen Mann zu Stuhle sitzen,
Dessen Augen gleich der Sonne
Voll erhab’ner Würde blitzen.

Solche Majestät des Wesens
War mir vorher nie erschienen;
Ich erkannte: diese Hoheit
Kann nur Gott zur Hülle dienen.

In der Stirne tiefen Falten
Schien ein Adlerzorn zu liegen;
Ernst und Strenge schien die Milde
Seines Herzens zu besiegen.

Auf das Knie gesenket wagt‘ ich
Seine Kniee zu umklammern.
Seine Füße sanft zu küssen
Und zu Ihm hinauf zu jammern:

„O erbarme dich, Erbarmer!
Sieh des Elends ganze Größe!
O erbarme dich, Erbarmer!
O errette, o erlöse!“

Aber langsam neigt der Hehre
Sein erhab’nes Haupt bei Seiten;
Durch den Wink des Auges sah ich
Mein Gebet mit „Nein“ bescheiden.

Nochmals wag ich meine Bitte,
Aber mit der Hand zurücke
Weist der Hohe majestätisch.
Und er sprach mit ernstem Blicke:

„Meine Rechte hab‘ ich zürnend
Auf die Länder ausgestrecket;
Ein Gericht ist angesetzet,
Das die Erdenvölker schrecket.

Meinen Weizen will ich worfeln;
Säubern will ich meine Tenne;
Doch die Meinen will ich sammeln,
Wie die Küchlein lockt die Henne.

Will ein neues Reich mir stiften
Und darein die Treuen setzen,
Die in Buße meiner harren
Und den Glauben nicht verletzen.“

3.    SONNTAG
Großes Sterben

„Was soll werden?“, war mein Denken
Als der Geist in Schlaf mich stürzte
Und ich schaute eine Blume,
So die Luft mit Weihrauch würzte.

Während ich am Farbenschmelze
Hochentzückt mein Aug‘ erbaue,
Neigt der Blume Haupt sich plötzlich,
Wie berührt von gift’gem Taue.

Und es welkt die Blumenkrone,
Dorrt wie Heu und sinkt zur Erden,
Wird zu Staub und wenig Erde
Und ich hörte: Das soll werden.

Jetzo werd ich abberufen
Und ich ging zum Hospitale,
Und ich stand im Priesterkleide
Mitten in dem Krankensaale.

Jammer spricht hier aus dem Auge
Von den Hunderten Elenden:
Ach an Wärtern fehlt’s und Priestern,
Allen Hilf‘ und Trost zu spenden.

Viele kämpfen ihren Tod’skampf
Mit verzehrtem Blick und Leibe,
Rollen in des Schmerzes Zucken
Ihren Körper gleich der Scheibe.

Schaurig rasseln durch die Straßen
Unablässig schwarze Karren,
Und man wirft hinab die Leichen
Ehe sie noch ganz erstarren.

Und bei fernen Leichenzügen
Singen dumpf die Grabgefährten:
„Miserere mei Deus!“
Und ich hörte: Das soll werden!“

4.    SONNTAG
Der Turm der Kirche unzerstörbar

Eine Kirche sah ich stehen
Und ich stieg hinauf im Turme;
Plötzlich scheint der Turm zu schwanken,
Wie ein Tannenbaum im Sturme.

„Ach, der Turm stürzt!“, rief ich ängstlich,
Und ich ließ in banger Eile
Von der Spitze mich hernieder
An dem nächsten Glockenseile.

„Dieser Turm wird nimmer stürzen
Vor der Welt und Zeiten Ende!“
Also sagte mir ein Starker:
„Siehe an die Fundamente!

Aber jetzo ward ein Quader
Aus des Turmes Kranz gelöset;
Dieses hat am ganzen Baue
Solches Zittern eingeflößet.“

Und ich sah den Grund gefestet
In des Berges Felsenadern,
Einen Wald von Säulenbogen,
Pfeilern aus den strärksten Quadern.

Unzählbare Eisenstangen
Klammern sich von Stein zu Steine,
Alle Fugen sind verkittet
Zu unlösbarem Vereine.

Also war der Bau geschirmet
Von unsichtbaren starken Stützen,
Dass kein Stein gefunden wurde,
Den nicht tausend andere schützen.

Hochverwundert musst‘ ich rufen:
„Dieser Turmbau wird bestehen.
Ehe seine Zinnen stürzen,
Wird das Erdenrund vergehen.“

Bald erkannt‘ ich drauf den Quader,
Welcher damals los sich machte;
Denn es starb zur selben Stunde
Pius, so genannt der Achte.
(30.11./1.12.1830)

5.    SONNTAG
Verwüstung der Kirche
Gefüllter Friedhof

Mitten in den Strom des Niles
Trugen mich des Geistes Flügel
Über eine öde Insel,
Rings umwogt vom Wasserspiegel.

Wellen kommen, Wellen schwinden,
Schlagen an die Bank von Sande.
Traurig steht der rote Ibis
In dem schwanken Rohr am Strande.

Zwischen Schilfen und Papyrus
Rauscht das Nilpferd ungestaltet;
Und so sonnt das Krokodil sich,
Das den gelben Rachen spaltet.

Linkshin – Lybia, die Wüste –
Rechts – Arabias Felsenmassen –
Ich allein im breiten Strome
Schrecklich einsam und verlassen.

Und die Stimme in dem Innern,
Die da billigt und verklaget,
Schreit: „Ist da nirgendwo ein Ausweg?“
Und ihr ward darauf gesaget:

„Sieh der Weg ist in den Bergen,
Dornig, alpenvoll, uneben;
Durch die Mitte der Gefahren
Führt der eine Weg zum Leben.

Über Schlangen, Basilisken,
Krokodil und Löwenrachen
Sollst du schreien unverzaget
Und der Hölle Trotz verlachen.“

Von dem Abhang eines Berges
Bin ich gegen Tal gestiegen,
In der Kirche meiner Pfarre
Dem Gebete zu obliegen.

Neben einem Gottesacker
Führten mich vorbei die Schritte
Und ich sah die Seelenkirche
Offen in der Gräber Mitte.

Ein paar hundert Schritte tiefer
Lag die Kirche in dem Tale;
Da verließ mich der gewohnte
Kirchenweg mit einem Male.

Eine Straße, wohlbekieset,
Vielbefahren, schnurgerade,
Von der Baumallee beschattet,
Sah ich statt dem alten Pfade.

Also kam ich bis zur Kirche,
Da ich öffnen will die Türe
Sinkt sie schwankend aus den Angeln,
Wie ich sie nur leis berühre.

Da ich nun das Innere schaute,
Hat sich mir das Herz empöret;
Betstuhl‘, Kanzel und Altäre
Sind gestürzet und zerstöret.

Drinnen sieht man niemand beten;
Heu und Stroh erfüllt die Hallen,
Kaufmannsgüter sind darüber
Aufgetürmt in schweren Ballen.

Dieses Haus, dereinst gegründet,
Dass es Gott zur Wohnung diene,
Ist verwendet nun zum Zollhaus
Und zum Warenmagazine.

Und ich seufzte: „O wie schrecklich
Ist das Heiligtum zertreten!
Ausgeraubt ist Gottes Wohnung.
Ach, hier kann ich nicht mehr beten.“

Heimwärts auf dem selben Wege
Schritt ich, ganz von Gram erfüllet;
Da begegnet mir ein Fremder,
In ein schwarz‘ Gewand verhüllet.

In den Falten des Gesichtes
Schien ein finstrer Groll zu hausen;
Frech und herrisch ist die Stirne
Und sein Aug‘ erreget Grausen.

Er durchbohrt mich mit dem Blicke
Aus dem wilden Feuerauge.
Ha! Mir war als ob der Hölle
Abgrund mir entgegenhauche.

Wie beim Anblick der Medusen
Starren mir wie Stein die Glieder;
Und beflügelnd meine Schritte
Kam ich zu dem Kirchhof wieder.

Sieh! die ganze Kirchhofsfläche
Glich dem frischen Ackerfelde;
So durchfurchten seine Rasen
Der Verstorbenen Gezelte.

Neben frischen Leichenhügeln
Sah ich viele Gräber offen: –
Gott! erbarme dich der Seelen,
Deren Leib der Tod getroffen!

6.    SONNTAG
Der Weltjahrmarkt wird zur Beute Satans
Nur gebeugte Knie helfen wider ihn

In dem Innern einer Kirche
Sah ich Männer, Kinder, Greise;
Alle lasen in der Bibel,
Deuchten all sich klug und weise.

Aber ich nach meinem Brauche
Las im Römischen Breviere;
Und es fragten mich die andern,
Welch‘ Erbauungsbuch ich führe.

Höchlich staunten alle Leute,
Dass ich noch in diesem Buche
Voller Formeln, längst veraltet,
Meines Geists Nahrung suche.

Doch ich blieb bei meiner Lesung
Und es trieb mich an, inwendig,
Dass ich sprach: „Der Buchstab‘ tötet,
Einzig macht der Geist lebendig.“

Jetzo hör‘ ich zu mir sagen:
„Komm, ich will die Welt dir zeigen!“
Und ich ging mit einem Manne
Durch die Stadt. – In tiefem Schweigen.

In der Häuser langen Reihe
Zeigte mir der Mann das seine,
Führte mich in seinen Hausgang
Und dort ließ er mich alleine.

Hinter einer Gartentüre,
Die geöffnet wird nach innen,
Nahm ich Stellung, um die Aussicht
Auf die Straße zu gewinnen.

Sieh! ein Markt war aufgeschlagen:
Zahllos sah ich Tisch und Buden,
Sah die Käufer und Verkäufer,
Männer, Weiber, Trödler, Juden.

Alle Früchte dieser Erde
Sah ich aufgtetürmt zu Haufen;
Aller Länder Fabrikate
Sah ich kaufen und verkaufen.

Was als Stoff zur Kleidung dienet;
Wolle, Linnen, Pelz und Seide;
Was im Abgrund wird gewonnen:
Waffen, Silber, Gold, Geschmeide;

Was dem Auge wohlgfällig,
Was von künstlichem Gebilde,
Was dem Ohre süß und lieblich,
Was dem Fühlen weich und milde;

Was den Gaumen nur erlustigt
Von Getieren, Vögeln, Fischen,
Von Gewürzen, Kräutern, Weinen,
Fand ich auf den Händlertischen.

Aller Menschen Tagsgeschäfte
War ein Markten, Treiben, Dingen,
Um Gewinnste zu erkaufen,
Um Gewinnste zu erringen.

Plötzlich sah ich wilde Tiere,
Wohlbewehrt mit Zahn und Krallen,
Tiger, zottig, schwarz und grausam,
In des Volkes Menge fallen.

Tausend von den Käufern, Händlern,
Sah ich von der Tiere Bissen
Mitten in dem Marktgedränge
Angefallen und zerrissen.

Zitternd in dem Herzensgrunde
Sah ich auf der Tiger Toben.
Sieh! Da kommen schon die Tiger
Gegen mich dahergeschnoben.

Und sie dräuen, grimmig, wütend,
Mit den Zähnen mich zu schnappen;
Und sie drängen mit den Tatzen,
Mir die Türe aufzutappen.

Mit gebeugtem Knie sucht ich
Fest die Türe zuzudrücken;
Und ich zog zugleich das Messer,
Um als Wehre es zu zücken.

Auf der Tiere Köpfe schlug ich
Mit der Waffe viele Male;
Doch es war als träf die Klinge
Einen Helm von stärkstem Stahle.

Solche Feinde zu verwunden,
Kann das Messerlein nichts nützen;
Doch es retten mich die Knie,
So die Türe unterstürzen.

Dadurch konnten diese Tiger
In das Haus hinein nicht dringen,
Gleich den Käufern auf dem Markte
Mich zu töten, zu verschlingen.

Während ich noch schwach und zagend
Kämpfe mit der Tiere Grimme,
Hört ich in dem Haus inwendig:
„Ruhig!“ rief des Hausherrn Stimme.

Nun erhob sich große Stille;
Jene Tiger sah ich nimmer;
Doch der Hausherr nahte,
Lud mich freundlich in das Zimmer.

„Zeit zum Essen ist soeben;
Sei auf Fastenkost geladen;
Doch, gehorchst du nicht der Kirche,
Dann ersätt‘ge dich mit Braten!“

Ich erklärte ihm dagegen,
Dass ich mich der Kirche füge,
Dass die Fastenkost vom Tische
jenes Hausherrn wohl genüge.

Unterm Mahle sprach derselbe:
„Unnütz war zum Schutz dein Messer,
Doch die tiefgebeugten Kniee
Dienten dir zur Rettung besser.

Nie mehr wird den Feind besiegen,
Wer mit solchen Waffen streitet,
Die er sich nach eig‘ner Einsicht
Aus der eig’nen Kraft bereitet.

Satan, stets nach Beute brüllend,
Darf nur dann dich nicht antasten,
Wenn du fleißig Leib und Seele
Waffnest mit Gebet und Fasten.“

7.    SONNTAG
Aller Gottesdienst erloschen

Eines Hochamts ernste Feier
Hatt‘ ich eben übernommen
Und ich war im heiligen Amte
Bis zur Präfation gekommen.

Sieh! Die Präfation des Festags
War im Messbuch nicht zu finden.
„Warum säumst du in dem Amte?“,
Lärmt man in der Kirche hinten.

Und ich gab darauf zur Antwort:
„Weil die Präfation ich suche.“
Doch soviel ich immer blätt’re,
Find ich keine in dem Buche.

Jetzo hört‘ ich eine Stimme:
„Schaue aufwärts an die Wände!
Siehe! Siebenhundertachzig
Schrieben dort verborg’ne Hände!“

„Ziehe ab!“, so hat die Stimme
Nun zum zweitenmal geschrien;
Eine Zahl ward angeschrieben;
Von der ersten abzuziehen.

Und ich las: „Einhundertsechse“.
Und es ruft die Stimme wieder:
„Also lange liegt auf Erden
Aller Gottesdienst darnieder!“

8.    SONNTAG
Schwanken der Kanzeln

Große Menge füllt die Kirche
Und es herrschet tiefe Stille,
Dass dem Volk verkündet werde
Christi Wort und Gottes Wille.

Da ich jetzt zur Kanzel trete,
Scheint die Kanzel sich zu neigen.
Jemand rief: „Die unt’re Kanzel wankt;
Zu der höh’ren musst du steigen!“

Auf die höh’re Kanzel stieg ich,
Welche am erhöht’sten Orte
Angebracht war in der Kirche,
Zu gehorchen jenem Worte.

Da beginnt auch diese Kanzel
Zu erzittern und zu beben;
Und dieselbe Stimme hört‘ ich
Sich zum zweitenmal erheben:

„Auch die höh’re Kanzel wanket;
Nötig ist es, dass nun eine

Neue Kanzel an dem Eckstein
Dieses Tempelbau’s erscheine.“

9.    SONNTAG
Beichtstühle in die Wüste entführt

Vor der Kirche eines Klosters
Standen Stühle in dem Freien;
Es bereiten sich zum Beichten
Dichtgedrängte Menschenreihen.

Wohl mit Beichtigern und Priestern
Sind versehen alle Stühle;
Ich saß auch in meinem Beichtstuhl
In dem dichten Volksgewühle.

Plötzlich sah ich alle Beichtstühl‘
In dem Luftzug sich erheben.
Leicht wie Federn, ob den Köpfen
Der erstaunten Menge schweben.

Auch mein Stuhl war ausgerissen;
Doch erfassend Baumesäste
Konnt ich retten mich vom Schwindel
Und gewann der Erde Feste.

Fürchtend dacht ich: diese Stühle,
Die da flattern gleich den Blättern,
Könnten stürzend aus den Lüften
viele aus dem Volk zerschmettern,

Und die Büßenden erdrücken,
die genaht voll Heilsvelangen.
Sieh, da ist ein Sturm vom Herren
Von den Himmeln ausgegangen.

Und es wurden alle Stühle
Samt den Priestern, die drin saßen,
Dorthin, wo sie niemand schaden,
In die Wüste fortgeblasen.

10. SONNTAG
Wolkenbruch – Böses Unwetter auch über Bayern

Auf das Feld war ich gegangen,
Um der Arbeit nachzuschauen;
Und mein Baumann war beschäftigt,
Habersamen auszubauen.

Schwarze Wetterwolken sah ich
Ganz Europa rings umschleiern;
Doch der Himmel strahlte heiter
Einzig auf dem Lande „Bayern“.

Doch auf einmal hat auf Bayern
Sich das Wolkenmeer ergossen
Und der Sturmwind kam geflogen
Und es fielen schwere Schlossen.

Obdachsuchend vor dem Sturme,
Der einherfuhr mit Gebrause,
Ging ich in dem nächsten Dorfe
Zu dem ersten Bauernhause.

11. SONNTAG
Die Erde, ein Schutt- und Ruinenhaufen.
Überdauernd nur das reine Evangelium der Liebe.

Auf dem höchsten Berg der Erde
Lag ich betend auf den Knien;
Durch Marien, Jesu Mutter,
Hat mein Herz zu Gott geschrien.

Wüst lag unter mir die Erde
Und wie weithin herrscht mein Auge,
Dampft ihr Grund wie Vesuvs Krater
Von inwend’gem Brandesrauche.

Der zerklüftet‘, schwarze Boden
Ist verkohlet und verglaset;
Über diesem Haufen Schutte
Hat ein Wirbelwind geraset.

Zahllos sah ich die Ruinen
Von den Städten in dem Lande,
Kirche, Häuser ohne Dachung,
Lodern von dem innern Brande.

Durch die Öffnungen der Fenster
Glüht es wie ein Höllenrache;
Hinter schwarzen Eisengittern
Wild die roten Flammen lachen.

Ich verließ nach langem Beten
Dann des Berges Haupt, das kahle,
Stieg durch Reste eins Waldes
Nieder zu dem nächsten Tale.

In den Trümmern eines Dorfes
Da betrat ich Hausruinen,
Wo ich einen Mann erschaue;
Sonst ist niemand mir erschienen.

„Ach, wo bin ich?“, war mein Erstes.
„Tausend Meilen wohl vom Orte,
Wo du nach dem Leibe wohnest“,
Waren des Gefragten Worte.

„Welches Unglück?“, fragt‘ ich weiter,
„ist in diesem Land geschehen?“
„Ach, so hast du“, war die Antwort,
„Nicht das Schreckliche gesehen?“

Alle Städte und Fabriken,
Die einst blühten, sind verödet;
Die darinnen sich genähret,
Sind zerstreuet und getötet.

Ich gewahrte einen Wandschrank;
Öffnend fand ich dicke Bände
Mit der Handschrift alter Mönche
Auf ergrautem Pergamente.

Da ich nach dem Inhalt frage
Dieser staubbedeckten, alten
Schriften, die man hier verwahrte,
Hab als Antwort ich erhalten:

„Unkunabeln von Franziskus
Sind’s, dem Freund der Seraphinen;
Diese kann man jetzo brauchen,
Denn es ist die Zeit erschienen.“

12. SONNTAG
Europäischer Satanskampf gegen die Kirche

Ganz Europa war ein Lager
Von dem größten Kriegesheere;
Und es sammeln sich die Scharen
Gleich dem Sande an dem Meere.

Alle Völker waffnen wilde
Schreckens-Revolutionen,
Um die Männer zu bestreiten
Die auf einem Berge wohnen.

Denn in eine Felsenfeste
Haben sich zurückgezogen
All die wenigen Getreuen,
Die dem Baal das Knie nicht bogen.

Die des Osterlammes Siegel
Klar auf ihrer Stirne tragen
Und, wohin das Lamm auch gehe,
Ihm stets nachzufolgen wagen.

Die am alten Felsen halten,
Hoffnungsvoll nach jenen Worten:
„Dass den Felsen nicht erschüttern
Werden alle Höllenpforten.“

Und ich schaue, wie die Feinde
Aus den Völkern Streiter warben;
Und ich sah bei jedem Stamme
Seine Fahnen, seine Farben.

Einen sah ich, der vor allen
Heißergrimmt im Hasse wütet
Und zum Sturme anzufeuern
Seine Scharen nicht ermüdet.

Furchtbart deckt ihn schwarze Rüstung;
Sine Kraft ist ungeheuer;
Rauh ist jedes seiner Worte
Und sein Blick und Schwert ist Feuer.

Stolz, unbändig ist sein Streitross,
Trauerfarbig und geflügelt,
Das erschnaubend duch die Lüfte
gegen unsre Festung zügelt.

Wütend schlägt er mit dem Schwerte
An der Festung Eisengittern,
Daß die Mauern wie die Herzen
der gerechten Christen zittern.

Doch in Kraft des Namens Jesu
Stellt ich mich dem Feind entgegen,
Hielt ihm vor den Namen Jesu
Und des heiligen Kreuzes Segen.

Und ich sah ihn nebst dem Rosse
an dem Felsenberg zerschellen,
Sah ihn fallen gleich dem Blitze
In den Abgrund seiner Höllen.

13. SONNTAG
Restauration der Kirche

Auf der Spitze eines Berges
In der Mitte grüner Auen
Sah ich einen neuen Tempel,
Eine neue Kirche bauen.

Von dem Plan des ganzen Tempels
War erst das Portal vollendet,
Welches gleich der Sonne leuchtend,
Jedes Menschen Auge blendet.

Herrlich wölbt sich das Gebäude
Wie ein klarer Regenbogen;
Offen sind die weiten Pforten,
Daß hinein die Völker wogen.

Seine Mauern sind von Golde,
Hell, geschliffen und polieret,
Auch mit vielen Edelsteinen
Und mit Perlen reich gezieret.

Arm sind alle Erdenschätze
Vor dem Wunderwerk der Zeiten,
Nichts Salomonis Tempel gegen
Dieses Baues Herrlichkeiten.

Und ich dachte hochentzücket:
„Welche Kirche wird dies werden!
Ach, ist diese Wohnung Gottes
Nicht zu herrlich für die Erden?!“

14. SONNTAG
Christus herrscht

Von demselben Tempelbaue,
Den ich sah zum ersten Male,
Unvergleichlich herrlich strahlend,
Sah ich wieder das Portale.

Durch die offnen Flügeltore
Sah ich jetzt zum Hochaltare;
Dorten ausgespannt am Kreuze,
Hing das Opferlamm, das wahre.

Seine Stirne ist mit Rosen,
Nicht mit Dornen mehr umbunden;
Kränze schmücken seine Arme,
Herrlich strahlen seine Wunden.

Jesus löst vom Kreuz die Arme
Mit den blühenden Girlanden
Und er schenkt von seinen Wunden
Süße Düfte auf die Landen.

In dem Himmel wie auf Erden
Ihm die Knie alles bieget
Und ich höre eine Stimme:
„Jesus Christus hat gesieget.“

15. SONNTAG
Alles eins im Glauben, im dreieinigen Gott

Wieder sah ich Berg und Kirche
Mit dem herrlichen Portale;
Doch der Weg hinauf war steiler,
Als die beiden ersten Male.

Zu dem goldenen Portale
Reihen Hallen sich und Mauern,
Fest aus gold’nem Guss gefüget,
Um Jahrtausende zu dauern.

Herrlich in der Himmelswölbung
Hat die Kuppel sich erhoben
Und das Kreuz, das Welt und Satan
überwunden steht hoch oben.

Meine Augen überraschen jetzt
Drei Tempel in dem einen,
Die vereint und doch geschieden
Als ein Ganzes mir erschienen.

Links ist Gott des Vaters Tempel.
Rechts der Tempel von dem Worte;
Mitten strahlt des Geiste Kirche
In dem heiligen Gnadenorte.

In den dreien Kirchen sah ich
In anbetendem Vereine
Mit den Engeln und den Heil’gen
Die andächtige Gemeinde.

Alle Gläubigen und Frommen
Jeden Ranges, jeden Standes,
Jeden Alters und Geschlechtes,
Jeden Weltteils, jeden Landes.

Wer zum Geist ruft, ehrt den Vater;
Wer den Sohn ehrt, dient dem Geiste;
Niemand kann zu einem flehen,
Der nicht Dreien Ehrfurcht leiste.

Zur Monstranze wählt die Jugend
Sich des Waldes schönste Fichte;
Und  es strahlt im grünen Zelte
Jesu Herz in mildem Lichte.

Und es wirft die hellsten Strahlen
Auf die Lande nah und ferne
Und erquickt mit seiner Wärme
Auch des Himmels weit’ste Sterne.

Hochentzückt von dem Gesichte
Sank ich auf die Tempelstufen
Und in Preis und Dank ergossen,
Hat mein Herz zu Gott gerufen:

„O wie fromm ist diese Jugend!
O wie fromm die ganze Herde!
O wie herrlich ist die Wohnung
Meines Gottes auf der Erde!“