Die spirituelle Wiederauferstehung Russlands

Das riesige Land, das einst von den Kommunisten dominiert wurde, entdeckt seine christlichen Wurzeln wieder

Ich habe vor Kurzem das Buch über Russland von Michelle Parsons „Dying Unneeded“ gelesen. In dem Buch ging es um die Kriegs- und Nachkriegsgeneration ehemaliger Sowjetbürger, deren Leben zum Stillstand kam, als die UdSSR 1991 zusammenbrach.

Sinn und Ziel ihres Lebens wurden vom Staat und von den Arbeitsstellen angewiesen, von dem Verlangen zu überleben – mit stoischen Humor und Abweisung alltäglicher, durch die Planwirtschaft entstandener, Probleme. Die Autorin setzt sich mit der Zeit der dramatischen Sterblichkeitsrate 1990 – 1994, als der staatliche Sozialismus auf einmal nicht mehr war und daraufhin „Aufruhr, Unordnung, Verfall, Wildheit und Diebstahl“ folgten, auseinander.

Über Nacht verlor eine ganze Generation Russen ihre Arbeitsstellen, ihre Renten und ihre Sicherheit. Sie waren zu alt für neue Berufe umzuschulen und mussten erneut Armut und Knappheit erfahren, die sie während des Vaterländischen Krieges hatten leiden müssen und die von ihnen als für immer in der Vergangenheit geblieben geglaubt wurden. Insbesondere Männer, die sich durch die Arbeit bestimmt fühlten, fingen an exzessiv (verstärkt durch Gehaltauszahlung in Vodka anstelle von Bargeld) Alkohol zu konsumieren und litten unter stressbedingen Herzinfarkten. Die Selbstmordrate war gestiegen. Frauen konnten sich ein besseres Überleben sichern, da sie, wie sie es historisch gewohnt waren, einfach weiterkämpften um ihre Familie zu versorgen und zu beschützen.

Parsons malt ein düsteres Bild einer Gesellschaft, die allein von ihrem säkularen Glauben an die Kommunistische Partei gelebt hatte, als Letztere spektakulär versagte. Ohne jegliche inneren geistlichen Ressourcen, nach jahrelanger Existenz unter dem Joch des offiziellen Atheismus der Sowjetunion hatte das Leben der Menschen allen Sinn verloren. Die „Russische Seele“ erklärt Parsons, allerdings, durch Begriffe von Patriotismus und Kommune – die russischen Menschen hielten immer in Leid und Verlust zu- und miteinander, insbesondere traf dies auf die Kriegsjahre zu, als Russland 27 Millionen Menschen verloren hatte.

Nichtdestotrotz soll es eine geistliche Auferstehung in Russland gegeben haben, so Robert Moyniham in seinem am 20. Oktober erschienenen Artikel „Licht aus dem Osten“. Die Menschen sind wie nach einem langen Albtraum in einer anderen, transzendenten Realität erwacht. „Der Osten war bis vor 25 Jahren offiziell atheistisch und unerbittlich radikal in seiner Vision des „neuen sowjetischen Menschen“, dessen Identität in seiner ökonomischen Klasse verwurzelt war. Nun erlebt er eine Umstellung. Der von Moynihan zitierte Metropolit der russisch-orthodoxen Kirche Hilarion ist der Meinung, dass die Rückkehr Russlands zum Christentum während der Feierlichkeiten 1988 aus Anlass der 1000 Jahresfeier der Taufe Russlands (Erklärung des Christentums zur staatlichen Religion) begonnen hatte.

„An diesem Tag hatte die Wiederauferstehung der Kirche in der ehemaligen Sowjetunion begonnen“. Anfang der 1990-er ließen sich im ganzen Land Hunderte Dorf- und Stadtbewohner regelmäßig taufen. Während der vergangenen 26 Jahren, sagt Metropolit Hilarion, sind 26.000 Kirchen und 800 Klöster entweder restauriert oder wiedereröffnet worden. „Und dies geschah in der nachchristlichen, wie sie im Westen manchmal bezeichnet wird, Ära“, so der Metropolit.

Welch´ Ironie – der Westen, einst Bastion zivilisatorischer Werte christlichen Ursprunges und Grundlage, ist fast ebenso schnell zu einer moralischen Wüste geworden, wie das riesige, einst von Kommunisten dominierte Land Russland seine christlichen Wurzeln wiederfand und sich innerlich durch die Wandlung transformierte. Russland mag enorme Probleme haben, heißt es in dem Buch von Michelle Parsons, aber die Leugnung Gottes Existenz ist nicht mehr eine von ihnen.

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Quelle

Türkei: Christliche Siedlungen durch Brände bedroht

Luftaufnahme eines Brandes in den USA (ANSA)

Im Südosten der Türkei waren und sind mehrere christliche Dörfer und Klöster von Bränden bedroht, wie die „Initiative Christlicher Orient“ (ICO) berichtet. Die Region ist syrisch-orthodoxes Kernland.

Der sogenannte Tur Abdin im Südosten der Türkei ist eines der ältesten christlichen Siedlungsgebiete der Welt. Er ist das Kernland der syrisch-orthodoxen Kirche. Die ältesten noch erhaltenen (und bewohnten) Klöster und Kirchen gehen auf das vierte Jahrhundert zurück.

Große Schäden für die Anwohner

In Midin, dem größten christlichen Dorf in der Region, wurden Wälder, Felder und Weingärten vernichtet. Das Feuer brach an mehreren Stellen aus, es wird Brandstiftung vermutet.
Mehrmals war in diesem Sommer auch bereits das Kloster Deyrulzafaran beziehungsweise dessen landwirtschaftliche Flächen, die das Kloster umgeben, von Feuer betroffen. Vor wenigen Tagen vernichtete ein Brand mehr als 500 Olivenbäume und zahlreiche Obstbäume. Auch in diesem Fall vermutet die Polizei Brandstiftung.

Existenz der Mönche bedroht

Das Kloster, das derzeit von drei Mönchen bewohnt wird, hat in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen, die vorhandenen Ländereien aufzupflanzen, um so eine Einkommensquelle zu schaffen. Die Brände gefährden demnach die Existenz der letzten verbliebenen Bewohner des Tur Abdin.

Auch in zahlreichen weiteren christlichen Dörfern, die vor allem in der schwer zugänglichen Bergregion des Tur Abdin liegen, wurden durch Brände große landwirtschaftliche Flächen vernichtet. Personen kamen laut dem in Linz ansässigen Hilfswerk ICO bislang nicht zu Schaden.

Brandstiftung vermutet

Allerdings vermuten vermittlerweile auch die türkischen Behörden, das Brandstifter am Werk waren. Die Taktik des Abbrennens landwirtschaftlicher Nutzflächen wurde heuer auch von untergetauchten IS-Terroristen in Nordsyrien an der türkischen Grenze („Djazira“) in großem Maßstab angewendet. In Syrien ist die Rede davon, dass in der Djazira 50.000 Hektar von den terroristischen Brandanschlägen betroffen waren, was zu großen Ernteausfällen geführt hat.

In den syrisch-orthodoxen Gemeinden weltweit gibt es die Befürchtung, dass die von den Terroristen in Nordsyrien entwickelte Taktik der Brandstiftung auch auf das türkische Gebiet übergeschwappt ist, wie die Stiftung Pro Oriente am Sonntag berichtete. Evgil Türker, der Obmann der „Federation of Syriac Associations“, sagte, man erwarte gespannt die Ergebnisse der Untersuchungen der türkischen Gendarmerie. Der wirtschaftliche Schaden durch die Brandserie sei jedenfalls sehr groß, vor allem, was die nur langsam nachwachsenden Ölbäume und die Weingärten betrifft.

In der Gemeinschaft gibt es aber auch Befürchtungen, dass die Rückkehrbewegung der Christen syrischer Tradition, die auf eine ausdrückliche Einladung des damaligen türkischen Ministerpräsidenten Bülent Ecevit im Jahr 2001 zurückgeht, islamistischen Gruppierungen in der Türkei nicht gefällt. Die Brandstiftungen könnten dann als „Warnsignale“ gemeint sein.

(kap – cs)

Ökumene: Franziskus würdigt Slawenapostel Kyrill und Method

Der Metropolit und der Papst (ANSA)

„Einheit bedeutet nicht Einheitlichkeit, sondern die Versöhnung der Verschiedenheiten im Heiligen Geist“: Das betonte Papst Franziskus an diesem Freitag bei einer hochrangigen ökumenischen Begegnung im Vatikan. Er empfing zum ersten Mal das Oberhaupt der orthodoxen Kirche von Tschechien und der Slowakei, Metropolit Rastislav (Gont).

Christine Seuss – Vatikanstadt

In seiner Ansprache ging der Papst auf die Bedeutung der heiligen Kyrill und Method für beide Kirchen ein. Der heilige Kyrill, erinnerte Franziskus an den Missionar, der die slawischen Länder evangelisiert hatte, liege in der römischen Kirche San Clemente begraben. Ein Band über den Tod hinaus mit dem römischen Bischof Clemens, der unter Kaiser Trajan im Exil verstorben war und dessen Reliquien die beiden Brüder Kyrill und Method, von Thessaloniki aus kommend, dem späteren Kaiser Hadrian II. verehrt hatten.

Ein „immenser gemeinsamer Reichtum“

„Diese Geste von Kyrill und Method erinnert uns daran, dass wir Christen einen immensen gemeinsamen Reichtum von Heiligkeit geerbt haben und diesen stets miteinander teilen müssen. Unter den vielen Glaubenszeugen haben unzählige Märtyrer in den vergangenen Jahrhunderten die Treue zu Jesus bezeugt, wie der heilige Clemens, aber auch in jüngerer Zeit, beispielsweise als die atheistische Verfolgung eure Länder getroffen hat. Noch heute sind die Leiden vieler Brüder und Schwestern, die aufgrund des Evangeliums verfolgt werden, ein dringender Appell, der uns dazu drängt, eine größere Einheit anzustreben.“

Evangelisierung und Kultur

Der zweite Aspekt, an den die heiligen Slawenapostel erinnerten, betreffe die enge Verbindung zwischen Evangelisierung und Kultur, fuhr Franziskus fort. Selbst Byzantinischer Prägung, hätten die beiden Brüder den „Wagemut“ gehabt, das Evangelium in eine Sprache zu übersetzen, die den slawischen Völkern zugänglich gewesen sei. Das Apostolat dieser beiden herausragenden Figuren, die der heilige Johannes Paul II. zu Ko-Patronen Europas erhoben hatte, bleibe auch heute noch ein Beispiel für eine gelungene Evangelisierung. „Um den Herrn zu verkünden, genügt es nicht, die Klischees der Vergangenheit zu wiederholen, sondern es ist nötig, auf den Heiligen Geist zu hören, der stets neue und mutige Wege eingibt, um die Zeitgenossen zu evangelisieren,“ betonte der Papst. Dies geschehe auch heute, selbst in traditionell christlichen Ländern, „oft gezeichnet durch Säkularisierung und Gleichgültigkeit,“ so Franziskus.

Authetische Vorläufer des Ökumenismus

Die Heiligen böten jedoch noch einen weiteren Berührungspunkt zwischen den Konfessionen, unterstrich der Papst, denn ihnen sei es gelungen, die Spaltungen zu überwinden, die sich zwischen den christlichen Gemeinschaften verschiedener Kulturen und Traditionen aufgetan hatten. „In diesem Sinn kann man (mit den Worten des heiligen Johannes Paul II. in Slavorum Apostoli, Anm.) sagen, dass sie ,authentische Vorläufer des Ökumenismus´ waren. Sie erinnern uns so daran, dass Einheit nicht Einheitlichkeit bedeutet, sondern die Versöhnung der Verschiedenheiten im Heiligen Geist.“

Der Papst würdigte bei dieser Gelegenheit auch die Arbeit der Gemischten internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche und dankte dem Metropoliten für den Einsatz seiner Kirche im Dialogprozess.

Die Orthodoxe Kirche der Tschechischen Länder und der Slowakei, der der 40-jährige Metropolit Rastislav seit 2014 vorsteht, ist eine von 14 selbstständigen (autokephalen) orthodoxen Kirchen des byzantinischen Ritus. Sie hat etwa 75.000 Gläubige, von denen rund ein Drittel in Tschechien und zwei Drittel in der Slowakei leben. Die orthodoxe Kirche der ehemaligen Tschechoslowakei blieb nach der Teilung des Landes vereint.

Ökumenisches Treffen im Vatikan

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Quelle

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Heiligen-Schau in Minsk verbindet Orthodoxe und Katholiken

Orthodoxe Gottesdienstbesucher in Minsk, Weißrussland (AFP or licensors)

Unter dem Motto „Die Heiligen der ungeteilten Kirche“ findet bis 20. Februar im „Nationalmuseum der Schönen Künste“ der weißrussischen Hauptstadt Minsk eine Ausstellung von Ikonen, Mosaiken und Miniaturen statt. Die über 100 Exponate stammen aus historischen orthodoxen und katholischen Kirchen oder Klöstern des Grenzlandes zwischen morgen- und abendländischer Christenheit, zum Teil wurden sie für die Ausstellung neu geschaffen.

Es handelt sich um Abbildungen heiliger Frauen und Männer aus der Westkirche in östlicher Sakralkunst, darunter die Heiligen Augustin, Benedikt, Maximilian, Victor oder Ludmilla. Sie erfreuen sich auch als orthodoxe Namenspatrone in Weißrussland großer Beliebtheit. Umgekehrt werden von den weißrussischen Katholiken polnischer oder litauischer Herkunft ostkirchliche Heilige aus dem ersten Jahrtausend der ungeteilten Kirche verehrt, besonders Konstantin und Helena, die orientalischen Kirchen- und Mönchsväter sowie die heiligen Märtyrer von Vilnius noch aus dem Hochmittelalter.

Die Ausstellung, die in Minsk viel besucht wird und dabei Orthodoxe und Katholiken verbindet, soll anschließend im März und April auch in Moskau zu sehen sein.

(kna – cs) – Quelle

Evangelischer Pfarrer: Papst „eine Art ökumenischer Primas“

Familie Kruse auf Abschiedsbesuch beim Papst (Vatican Media @Vatican Media)

Als „eine Art ökumenischen Primas“ sieht der scheidende Pfarrer der deutschen evangelischen Gemeinde in Rom, Jens-Martin Kruse, Papst Franziskus. Der Papst habe damit einen „entscheidenden Beitrag zur Annäherung unserer Kirchen geleistet“, so Kruse nach seinem Abschiedsbesuch beim Papst im Gespräch mit Vatican News.

Es gelte, auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirchen „mutig und zuversichtlich“ weiterzugehen:

„Wer den Papst hier in Rom aus der Nähe beobachten kann, den überzeugt diese Idee sehr. Man sieht einfach, wie Papst Franziskus im Alltag das Evangelium verkündet und seinen Dienst, seinen Primat gemäß dem Evangelium lebt. Zugleich erkennt man in Rom, denke ich, ganz gut, dass der Papst weltweit eine wichtige Rolle spielt und jemand ist, der aus dem Glauben heraus zu den großen Fragen und Herausforderungen, vor denen wir insgesamt stehen, Wichtiges zu sagen hat. Und ich glaube schon, dass die Christenheit jemanden braucht, der dies auf Weltebene tun kann – und das ist eben seit 2000 Jahren der Papst, langsam gewöhnen auch wir anderen uns daran.“

Die Einen mehr, die Anderen weniger – den ein derartiger „Ehrenprimat“ könnte vielleicht bei evangelischen Christen mittlerweile etwas von seiner Drohung verloren haben, doch wie sieht es bei den Orthodoxen aus, bei denen ein solcher Vorschlag naturgemäß stärker anecken könnte? Kruse:

„Mir scheint, dass die Art, wie Franziskus seine Aufgabe wahrnimmt, dazu führt, dass gerade an dieser Stelle, bei dieser Frage, viel in Bewegung ist. Es fängt im Grund mit dem 13. März 2013 an, mit der ersten Ansprache, die Papst Franziskus gehalten hat, wo er sich auf ein Zitat von Ignatius von Antiochien berufen hat, den Vorsitz in der Liebe. Das ist eine Vorstellung, die auch für orthodoxe Christen denkbar ist, genauso wie für lutherische Christen, und mir scheint, es ist sehr überzeugend, wie Papst Franziskus diese Bild füllt, und von daher erleben wir im Moment eine ganz besondere Zeit in der Ökumene, weil bei Fragen, die über lange Jahre abgeschlossen schienen, oder wo sich nichts mehr zu bewegen schien, jetzt doch wieder Stück für Stück, langsam etwas in Bewegung kommt. Und mir imponiert das sehr: Papst Franziskus ist niemand, der etwas übers Knie bricht, sondern er weiß, solche Sachen müssen wachsen, und mit seinem eigenen Beispiel tut er Entscheidendes dafür, dass die Christen stärker zusammenwachsen als bisher.“

Papst Franziskus hatte Kruse am Donnerstag samt dessen Ehefrau und Kindern im Apostolischen Palast empfangen. In den zurückliegenden Jahren seien „ein sehr guter Kontakt und eine wirkliche Freundschaft zu Papst Franziskus entstanden“, so Kruse. Die Nähe zu Papst Franziskus werde ihm „in Deutschland schon sehr fehlen“, bekannte der evangelische Theologe, der seit 2008 in Rom tätig war und demnächst als Hauptpastor zur Petrikirche nach Hamburg wechselt.

(vatican news/kap – pr/gs)

Orthodoxe Parlamentarier: Christen aller Welt, vereinigt euch

Russisch-orthodoxe Christen stehen Schlange, um die Reliquien des hl. Nikolaus in Moskau zu besichtigen

Seit dem Ende der Sowjetunion haben sich weltweit christlich-orthodoxe Parlamentarier zu einer Vereinigung zusammengeschlossen. Nun sind 115 orthodoxe Politiker aus 46 Ländern in Rom zu ihrer 25. Vollversammlung zusammengekommen. Ziel der Parlamentarier sei es, den christlichen Glauben in ihren Ländern zu schützen und zu fördern. Europa stecke in einer tiefen Krise, die vor allem mit dem Verlust der christlichen Werte verbunden sei, so der Grundtenor unter den in Rom versammelten Parlamentariern, die aus Ländern wie Ungarn, Griechenland oder Zypern stammen, aber auch aus Russland, Georgien und Syrien. Am Donnerstag werden sie im Rahmen der Peter-und-Paul-Feiern im Vatikan, die mittlerweile eine starke ökumenische Prägung haben, Papst Franziskus treffen.

Der griechische Abgeordnete Kostas Mygdalís ist Koordinator der Vereinigung. Im Gespräch mit Radio Vatikan erläutert er Sinn und Zweck der Vereinigung in der heutigen Zeit:

„Für uns bedeutet das Treffen vor allem auf politischer Ebene, Parlamentarier aus den orthodoxen Ländern mit Politikern aus der katholischen Welt zusammenzuführen. Gemeinsam sollen wir uns auf unsere Verantwortungen zurückbesinnen, die unsere Gegenwart aber auch unsere Zukunft betreffen. Da geht es um Lösungsvorschläge, um aktuelle Probleme anzugehen Die neuen Technologien bieten uns ganz viele Möglichkeiten, schaffen aber auch viel Armut, denn vieles kann die Gesellschaft nicht kontrollieren. Deshalb sind wir hier nach Rom gekommen, denn Papst Franziskus bietet uns hierzu eine Basis, um genau darüber miteinander zu sprechen.“

Unter den Parlamentariern seien auch Volksvertreter von Ländern, die es derzeit aus politischen Gründen schwer haben. Es sei deshalb wichtig, dass es ein starkes und vor allem auf das Christentum fußendes Europa gebe.

„Der Großteil von dem, was Europa ausmacht, beruht auf dem Christentum. Das gilt sowohl dann, wenn man es bezeugen will, als auch, wenn man das verschweigt. Denn die gesamte europäische Gesellschaft stützt sich schlussendlich auf diese christlichen Werte, das gilt auch für die Demokratie. Wir müssen uns also auf diese grundlegenden Werte zurückbesinnen.“

(rv 27.06.2017 mg)

D: Bartholomaios kritisiert orthodoxe Fundamentalisten

Patriarch Bartholomaios in einer Aufnahme vom April

Das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, hat das Konzept der Menschenrechte gegen Kritik aus fundamentalistischen orthodoxen Kreisen verteidigt. Menschenrechte seien „kein Menschenwerk“, sondern ein „Geschenk Gottes“, betonte der Ökumenische Patriarch am Donnerstag in Berlin bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Ein Grundbegriff der orthodoxen Lehre vom Menschen sei der der Person; von dort aus ergäben sich Anknüpfungspunkte für die aus der Aufklärung stammenden Begriffe Freiheit und Autonomie.

Der historische Schritt der Bejahung der ausformulierten Menschenrechte war in der katholischen Kirche beim Zweiten Vatikanischen Konzil erfolgt, und die Orthodoxie zog beim Panorthodoxen Konzil von Kreta im Juni 2016 nach. Allerdings wurde das Konzil von mehreren Patriarchaten – darunter Moskau, Sofia und Tiflis – sabotiert.

Bartholomaios I. wandte sich in Berlin gegen die auch von manchen nichtchristlichen Religionen vorgebrachten Thesen, die Menschenrechte seien an die westliche Kultur gebunden und Ausdruck des westlichen Imperialismus. Auch wenn es von kirchlicher Seite zunächst „Animositäten“ gegen die Menschenrechtserklärungen gegeben habe, wurzelten sie doch tief in der christlichen Kultur, die auch in die humanistischen Bewegungen ausgestrahlt habe.

Zugleich betonte der Patriarch, unabhängig von ihrer Entstehung sei es wichtig, dass die Menschenrechte von verschiedenen Kulturen und Völkern in den lebendigen Zusammenhang ihrer eigenen Tradition integriert würden. Jedenfalls sei es inakzeptabel, wenn Religionen die Menschenrechte unterminierten statt zu ihrer Stärkung beizutragen. Letzteres sei umso wichtiger, als die Menschenrechte keine „sichere Realität“ seien, sondern der Einsatz für sie eine bleibende Aufgabe sei.

Wahrhaft globale Engagement

Der Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, würdigte in einem Grußwort „das wahrhaft globale Engagement“ des Patriarchen im ökumenischen und interreligiösen Dialog. Zugleich erklärte er die „uneingeschränkte Solidarität“ der Berliner Katholiken mit den um ihres Glaubens willen verfolgten Christen vor allem im Nahen Osten. Im Anschluss an die Adenauerstiftungs-Veranstaltung hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Patriarchen von Konstantinopel zu einem gut einstündigen Gespräch empfangen. Bei der Unterregung mit dem Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie im Berliner Schloss Bellevue habe sich Steinmeier vor allem über die Lage der Flüchtlinge und der orthodoxen Kirche in der Türkei informiert, wie die deutsche Katholische Nachrichtenagentur KNA aus Teilnehmerkreisen erfuhr.

(kap 02.06.2017 mg)