D: Lebensrecht ist Grundrecht

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Kardinal Woelki

Freiheit auf Kosten der Schwächsten: so bezeichnete Kardinal Rainer Maria Woelki die Abtreibungen in Deutschland. In einer Predigt zum Fest der Unschuldigen Kinder an diesem Mittwoch erinnerte Woelki Christen an ihre Pflicht, sich für einen umfassenden Schutz des Lebens einzusetzen. In Deutschland würden jährlich rund 100.000 Kinder abgetrieben, kritisierte er in seiner Predigt: „Als Christen wehren wir uns dagegen, dass in unserem Land diese hunderttausendfache Abtreibung als die Normalität einer liberalen, humanen und aufgeklärten Gesellschaft ausgegeben wird.“

Auch am Ende des Lebens stünden Menschen oftmals in einer Situation, in der ihnen Lebensqualität, Lebensrecht und Würde abgesprochen werde, sagte Woelki. Leben aber – ganz egal wie anfänglich, wie alt, wie gebrechlich und wie versehrt – sei einmalig und kostbar. Das Leben sei von Gott geschenkt, und die Menschen hätten es zu hüten. „Das Lebensrecht ist das Grundrecht eines jeden Menschen.“

(kna 29.12.2016 ord)

Siehe dazu auch:

Schweiz: „Bei Verdacht auf Sterbehilfe kein Sterbesakrament“

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Priester am Sterbebett: Was tun?

Priester des Schweizer Bistums Chur sollen nach dem Willen von Bischof Vitus Huonder bei Verdacht auf Sterbehilfe auf die  Spendung des Sterbesakraments, der Krankensalbung, verzichten. Auch Palliativ-Fürsorge könne unter Umständen dem natürlichen Vorgang des Sterbens und damit Gottes Schöpferwillen widersprechen, schreibt der Bischof zum diesjährigen „Tag der Menschenrechte“ am kommenden 10. Dezember.

„Nicht wir bestimmen über Leben und Tod. Gott verfügt über unser Leben. Gott verfügt über unser Sterben“, schreibt Huonder. In seinem Hirtenbrief mit dem Titel „Humanes Sterben aus der Sicht des Glaubens“ beruft er sich auf den Katechismus der Katholischen Kirche und eine Vatikan-Erklärung zu Sterbehilfe aus dem Jahr 1980.

Angesichts eines „weit verbreiteten Gesinnungswandels bezüglich des humanen Sterbens“ stehe ein Priester heute nicht selten vor einer schwierigen seelsorgerlichen Situation, wenn er ans Sterbebett gerufen werde, so Huonder. Unter humanem Sterben verstehe man heute „die Bestimmung der Todesstunde durch die Vorkehrungen der sogenannten Sterbehilfe-Organisationen“.

Die „Bereitschaft zur Selbsttötung des Patienten und die Beihilfe Umstehender und Verwandter“ versetze einen Priester in eine „geradezu unmögliche Lage“, wenn er zur Spendung der Sakramente gerufen werde, schreibt der Bischof; „denn unter diesen Umständen sind die Voraussetzungen für deren Empfang nicht gegeben“. Oft könne der Seelsorger die Situation gar nicht mehr „genügend durchschauen“, wenn er zu einem späten Zeitpunkt zu einem Sterbenden gerufen werde. Der Priester solle sich dann dem Sterbenden im fürbittenden Gebet zuwenden und ihn Gottes Barmherzigkeit empfehlen.

(kna 03.12.2016 sk)

Siehe dazu:

5 Bitten der US-Bischöfe an Donald Trump

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Erzbischof Joseph E. Kurtz und Donald Trump. Foto: ACI Prensa / Gage Skidmore via Flickr (CC BY-SA 2.0)

Der Vorsitzende der US-amerikanischen Bischofskonferenz (USCCB) hat in einer Stellungnahme Donald Trump gratuliert und den neu gewählten Präsidenten der USA ermutigt, sich für das Wohlergehen aller US-Bürger einzusetzen. Dabei richtete Erzbischof Joseph E. Kurtz von Louisville fünf Bitten an Trump, dessen Amtszeit offiziell am 20. Januar 2017 um 12 Uhr Mittag beginnt.

1. Hören Sie auf das amerikanische Volk

„Gestern haben Millionen Amerikaner so gewählt, um gehört zu werden: Sie haben Schwierigkeiten, für ihre Familien wirtschaftliche Chancen zu finden. Unsere Antwort sollte einfach sein: Wir hören sie“, so der Bischof. „Wir sind alle gemeinsam dafür verantwortlich, Familien zu helfen“.

2. Schützen Sie das menschliche Leben, von seiner Zeugung bis zum natürlichen Ende

Bishof Kurtz sagte, die Bischöfe der USA hofften, „mit dem Präsidenten zusammenzuarbeiten beim Schutz des menschlichen Lebens“, von seinen Anfängen bis zu seinem natürlichen Ende. Die Hirten würden sich zudem für eine Politik einsetzen, die allen Menschen, egal welchen Glaubens und welcher Tätigkeit, Chancen gibt.

3. Nehmen Sie Migranten und Flüchtlinge auf

Der Präsident der USCCB betonte, dass die Bischöfe „auch weiterhin fest davon überzeugt sind, dass unsere Brüder und Schwestern, die Migranten und Flüchtlinge sind“, aufgenommen werden könnten, ohne dabei die eigene Sicherheit aufs Spiel zu setzen.

4. Schutz der verfolgten Christen im Nahen Osten

Die amerikanischen Bischöfe, betonte ihr Vorsitzender, würden „auf die gewaltsame Verfolgung aufmerksam machen, die unsere christlichen Geschwister und Menschen anderen Glaubens in der ganzen Welt bedroht, besonders im Nahen Osten.

5. Verteidigung der Religionsfreiheit in den Vereinigten Staaten

„Wir werden die neue Regierung auffordern, sich für die Religionsfreiheit einzusetzen, damit alle Menschen religiösen Glaubens die Freiheit haben, diesen zu verkünden und unser Leben nach der Wahrheit von Mann und Frau leben, und dem einmaligen Eheband, dass diese schließen können“.

Bischof Kurtz appellierte an alle Amerikaner, einander nicht unter als Demokraten oder Republikaner zu sehen, oder sonstige Parteigänger. „Lasst uns in unserem Nachbarn das Antlitz Christi sehen, besonders jene, die leiden oder mit denen unterschiedliche Sichtweisen haben.“

„Lasst uns für die Verantwortlichen des öffentlichen Lebens beten, damit sie der Verantwortungen, die ihnen anvertraut worden sind, mit Gnade und Mut gerecht werden. Und mögen alle Katholiken einander dabei helfen, gläubig und fröhlich Zeugen der heilenden Liebe Jesu zu sein“, sagte er.

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Quelle

Euthanasie in den Niederlanden nun auch bei Kindern!

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PÄPSTLICHE AKADEMIE FÜR DAS LEBEN

BETRACHTUNGEN VON S.E. MSGR. ELIO SGRECCIA

Euthanasie in den Niederlanden nun auch bei Kindern!

 

1. Damit ist die letzte Grenze überschritten

Es war bis jetzt nicht möglich, in den Text des Protokolls Einsicht zu bekommen, in dem die zwischen der Universitätsklinik Groningen und den niederländischen Justizbehörden getroffene Vereinbarung über die Ausweitung der Möglichkeit zur Euthanasie auch bei Kindern unter zwölf Jahren bis ins Säuglingsalter beschrieben wird. Laut den von den Nachrichtenagenturen verbreiteten und dem Leiter der genannten Klinik, Dr. Edward Verhagen, zugeschriebenen Meldungen legt dieses Protokoll »mit äußerster Strenge Schritt für Schritt die von den Ärzten zu befolgenden Vorgehensweisen« fest, um das Problem, schwerkranke Kinder (der erwähnten Altersstufe) »vom Schmerz zu befreien«, dadurch in den Griff zu bekommen, daß sie an diesen Kindern die Euthanasie vornehmen.

Das vom Niederländischen Parlament am 1. April 2002 verabschiedete Gesetz sah bereits die Sterbehilfe (»Beihilfe zum Selbstmord«, »assistierter Selbstmord«) nicht nur für schwerkranke Erwachsene auf deren »ausdrückliches, begründetes und wiederholtes Verlangen« und für Jugendliche zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr, wenn sie schriftlich darum gebeten haben, vor (Art. 3, Abschn. 2 des Gesetzes), sondern auch für die zustimmungsfähigen heranwachsenden Jugendlichen zwischen dem 12. und dem 16. Lebensjahr, unter der Bedingung, daß die Eltern oder der Vormund dem Verlangen der an unheilbaren Krankheiten oder Schmerzen leidenden jungen Menschen zustimmen (Art. 4, Abschn. 2).

Mit der jüngst in den Niederlanden getroffenen Vereinbarung zwischen Ärzten und Justiz wird nun eine nach dem Vertrag von Helsinki bisher selbst für klinische Versuche geltende Verbotsgrenze überschritten: Die Euthanasie wird – so die verbreiteten Meldungen, die man aber leider für durchaus begründet halten darf – auch für Kinder unter zwölf Jahren, einschließlich jener im Säuglingsalter, gestattet, bei denen sicherlich nicht von einer gültigen Zustimmung die Rede sein kann.

Bei Kindern dieses Alters sind, wie schon angedeutet, auf der ganzen Welt klinische Versuche deshalb verboten, weil sie immer mit einem gewissen, sei es noch so geringen Risiko für den betroffenen Menschen verbunden sein können, und es ist auch nicht möglich, durch die Zustimmung der Eltern oder des Vormundes von dieser gesetzlichen Vorschrift abzuweichen, ausgenommen in Fällen, wo ein solches Experiment zum Nutzen des Lebens oder der Gesundheit des betreffenden Individuums durchgeführt wird.

Die für das klinische Experiment geltenden sittlichen Vorschriften, die von den nach den Nürnberger Prozessen verkündeten Grundsätzen inspiriert sind, wurden in den Vorgängen der letzten Zeit in den Niederlanden in hohem Maße überschritten. Die zwischen Ärzteschaft und Justiz getroffene Vereinbarung gestattet nämlich mit der Zustimmung der Eltern, aufgrund der Beurteilung des behandelnden Arztes und – wie es heißt – eines etwaigen »unabhängigen« Arztes den Zugang zur Euthanasie. Hier kann man nicht von »Sterbehilfe« oder von »Beihilfe zum Selbstmord« sprechen, sondern es handelt sich um einen absichtlich herbeigeführten Tod zum Zweck der »Befreiung von Schmerzen«, das heißt um Euthanasie im eigentlichen Sinn.

Die spontan einsetzenden Beobachtungen sind vielfältig und, vor allem auf moralischer Ebene, zutiefst erschütternd.

2. Die schiefe Ebene

Es läßt sich leicht feststellen, wie hier das Gesetz von der »schiefen Ebene« funktioniert hat: Nach der Legalisierung des aus Mitleid absichtlich herbeigeführten Todes eines Erwachsenen, der bei vollem Bewußtsein mehrfach ausdrücklich – und schriftlich dokumentiert – darum gebeten hat, besteht der nächste Schritt darin, die Anwendung dieser Regelung auch auf die Jugendlichen, auf die Heranwachsenden mit Zustimmung der Eltern oder des Vormundes und schließlich auf Kinder und Säuglinge – natürlich ohne deren Zustimmung – auszuweiten. Es läßt sich unschwer voraussehen, daß das Abgleiten auf der »schiefen Ebene« der Euthanasie in den nächsten Jahren weitergehen und schließlich die erwachsenen Patienten einschließen wird, deren Zustand – so wird man behaupten – das Einholen ihrer Zustimmung unmöglich mache, wie zum Beispiel Geisteskranke oder Menschen, die sich im Dauerkoma oder im vegetativen Zustand (»Wachkoma«) befinden.

Es gebe doch – so wird geltend gemacht – immer den Richter, der über Mißbräuche wachen, und den Arzt, der unter Umständen die Vorschriften überschreitet, bestrafen könne. Aber worauf kann sich der Richter berufen, wenn die Vorschrift jegliche Grundlage für eine Definition des Mißbrauchs selbst aufhebt? Es heißt auch, das Argument von der »schiefen Ebene« sei schwach: Meines Erachtens liefert es jedoch den unumstößlichen Beweis, daß es in seiner perversen Auswirkung sehr wohl gültig ist, weil es die Leugnung der Absolutheit der zu schützenden Werte einschließt und mit einem offenkundigen moralischen Relativismus einhergeht. Es trifft auf den Bereich der Euthanasie ebenso zu wie auf verschiedene andere Bereiche öffentlicher Sittlichkeit, ob es sich um Abtreibung handelt (in diesem Fall beginnt man bei dem mißgebildeten Embryo ohne Gehirn und endet schließlich bei dem vor dem Urlaub empfangenen Kind) oder um die künstliche Zeugung (hier steht zunächst das Verlangen nach Legalisierung der homologen Befruchtung, und am Ende steht die Frage der Zulassung des therapeutischen Klonens). Wenn danach auf der »schiefen Ebene« nicht allein der Niveauunterschied des logischen Gefälles, sondern auch das wirtschaftliche Interesse zum Tragen kommt, dann wird das Abgleiten fatal und unaufhaltsam.

3. Auf welcher ethischen Grundlage steht das Gesetz?

Bei der Suche nach einer »ethischen Motivation« für diesen »fortschreitenden Humanitätsverfall« wird man eine solche unschwer in der zeitgenössischen Literatur aufspüren können. Zur Rechtfertigung der Euthanasie hat man sich zunächst auf das Autonomieprinzip bezogen, wie es 1974 von dem Manifest über die Euthanasie formuliert und in einigen Ländern durch die Forderung verstärkt wird, bei den Ärzten das sogenannte »Lebenstestament« durchzusetzen; aus dieser Sicht würde sich das gesamte Moralbewußtsein darauf konzentrieren, daß der Patient in dem Wissen, über sein Leben verfügen zu können, die Absicht habe und gewillt sei, auch über seinen Tod zu verfügen.

Zur Beruhigung der öffentlichen Meinung wurde bei der Verabschiedung des niederländischen Gesetzes unterstrichen, daß die Bitte des Patienten nachdrücklich, klar und nach Möglichkeit schriftlich formuliert sein müsse; mit der jetzt beschlossenen Ausweitung sieht man allerdings gerade vom Willen des Individuums ab, das aufgrund seines Alters natürlich nicht zur Äußerung einer eigenen Entscheidung imstande ist: Diese wird durch den Willen anderer – Eltern oder Vormund – und durch die Einschätzung und das Urteil des Arztes ersetzt. Der Arzt muß sogar den Grad des Schmerzes und des Leidens des Patienten beurteilen und entscheiden, ob sie dermaßen unerträglich sind, daß die vorzeitige Verhängung des Todes gerechtfertigt ist. Doch hier steht nicht mehr das Autonomieprinzip auf dem Spiel, vielmehr handelt es sich um eine Entscheidung »von außen«, die auch dann ethisch einstufbar sein müßte, wenn sie von einem bewußtseinsfähigen Erwachsenen über ein zu Einschätzung und Bitte unfähiges Individuum verhängt wird: Infolge dieser Entscheidung läßt man das »befürsorgte« Individuum absichtlich sterben – wir haben es also mit einem »Tod durch Mord« zu tun. Das ist alles andere als Autonomie und Mitleidsgefühl! Wir stehen einer Form von Freiheit der Erwachsenen gegenüber, die auch dann als legitim gilt, wenn sie an dem ausgeübt wird, der keine Autonomie besitzt.

Zur Rechtfertigung der Euthanasie hat man sich auf die Befreiung von »unnötigem«, »sinnlosem« Schmerz und Leiden berufen, wie es ja die begütigende Vorsilbe (»eu«) des todbringenden Begriffes Euthanasie anzeige. Aber um welches Leiden handelt es sich eigentlich? Und wem gehört dieses Leiden? Kinder oder Säuglinge, die nach Erkenntnis von Kinderärzten weniger leiden als Erwachsene, sind nicht imstande, ihr Leiden als »unerträglich« zu beurteilen oder zu definieren; nach den niederländischen Vorschriften ist es der Arzt, der das beurteilt, und die, die zustimmen und die Entscheidung treffen, sind die Verwandten. Geht es nicht vielmehr um deren Leiden? Unsere Zeit hat, wie man weiß, den Schmerz nahezu ganz »heilbar« gemacht; durch Behandlung mit schmerzlindernden (Palliativa) und schmerzstillenden (Analgetica) Medikamenten, die, Gott sei Dank, auf der ganzen Welt vorangetrieben und von den Ärzten und Gesundheitsbehörden gefordert wird, gelingt es, die Menschlichkeit der Behandlung und das Sterben in ruhiger Gelassenheit zu wahren und harmonisch aufeinander abzustimmen. Abgesehen von der Würde, die dem Schmerz des Kranken und dem Wert der durch unschuldiges Leiden geweckten Solidarität zuerkannt werden muß, stellt sich die Frage: Lassen sich etwa der Schmerz und das Leiden durch den gewaltsam vorweggenommenen Tod behandeln?

Man muß ernsthaft an die Möglichkeit eines heraufziehenden Sozialdarwinismus denken, dessen Absicht es ist, die Eliminierung der von Leiden und irgendwelchen Schäden betroffenen Menschen zu erleichtern, um die Gesellschaft insgesamt zu »narkotisieren«. Es war eben dieser Darwin, der in der Errichtung von Irrenanstalten und Krankenhäusern sowie im Erlaß von Gesetzen zur Unterstützung der Bedürftigen ein Hindernis für die menschliche Entwicklung sah (vgl. C. Darwin, La descendence de l’homme et la sélection sexuelle, zitiert in: J. C. Guillebaud, Le principe d’humanité, Editions du Seuil, 2001, S. 368), da diese Verhaltensweisen der Gesellschaft die natürliche Eliminierung der mit Mängeln behafteten Menschen behindern bzw. verzögern würden. Nicht von ungefähr haben manche Kommentatoren unserer Tage, darunter auch Laien, in bezug auf diesen letzten Schritt des niederländischen Euthanasiegesetzes von »versteckter Eugenik« gesprochen.

4. Das Abdriften in den Utilitarismus

Ich halte es für durchaus angemessen, die Aufmerksamkeit auf ein Nützlichkeitsdenken, eine utilitaristische Geisteshaltung, zu lenken, die mit der Ideologie von der größtmöglichen Steigerung des Vergnügens (»Spaßgesellschaft«) und der Minimalisierung des Schmerzes zunehmend in die westliche Gesellschaft eindringt; unterstützt wird diese Haltung durch jenen Utilitarismus, der eng verbunden ist mit der Bilanz und der Vergabe der Finanzmittel im Bereich der Medizin, die wegen der zu großen Belastung für die Gemeinschaft für »unmöglich« erklärt wird. Dieser eng mit ökonomischen Gesichtspunkten verbundene Utilitarismus gibt den Programmen zur Vermehrung des Reichtums und der Produktivität bzw. zur industriellen Leistungssteigerung und Wettbewerbsfähigkeit absoluten Vorrang vor den Aufgaben der Linderung des Leidens und der Unterstützung des Kranken, der immer mehr auf die eigenen unsicheren wirtschaftlichen Mittel angewiesen ist und immer weniger vom Staat unterstützt wird.

Wir würden uns also nicht nur von der Ethik der Freiheit, sondern auch von der Ethik der Solidarität weit entfernen, wir würden unter der Herrschaft der Gesellschaft der Starken und Gesunden und in der Logik des Primats der Wirtschaft stehen. Aber befinden wir uns da noch innerhalb der »Menschlichkeit«?

5. Das Prinzip der Menschlichkeit

Einige Gelehrte haben in unserer modernen Gesellschaft einen krassen Widerspruch, eine Art Schizophrenie zwischen zwei Elementen festgestellt; da gibt es einerseits die Verkündigung der »Menschenrechte« und das Bemühen um die Definition von »Verbrechen gegen die Menschlichkeit«, und auf der anderen Seite die Unfähigkeit zu definieren, wer der Mensch eigentlich ist und welche Handlung infolgedessen als menschlich bzw. unmenschlich zu gelten hat (vgl. J. C. Guillebaud, Le principe d’humanité, Kap. I).

Was in unserer Kultur allem Anschein nach verloren geht, ist das »Prinzip der Menschlichkeit«. Ist es human, bei Krebskranken die Schmerzen zu lindern und sie inHospize aufzunehmen, oder ist es humaner, für Menschen, die von unheilbaren Krankheiten betroffen sind, das todbringende Medikament bereitzuhalten, sei es, daß diese Patienten persönlich darum bitten, sei es, daß die Ärzte annehmen, sie würden darum bitten, wenn sie es könnten?

Auf wen ist die Kontrolle über den Begriff »menschlich/unmenschlich« übergegangen, nachdem die menschliche Natur, die Ontologie der Person und die entsprechende Auffassung von der menschlichen Würde geleugnet worden ist? Ist die menschliche Würde im Sterbenden vorhanden, so daß niemand über den leidenden und sterbenden Menschen einen Despotismus im Hinblick auf Leben und Tod ausüben kann?

Das ist der entscheidende Punkt: Es gilt, die Würde des Menschen wiederzufinden, die Würde jedes Menschen als Träger des Wertes als Person, eines die irdische Wirklichkeit übersteigenden Wertes, Quelle und Ziel des sozialen Lebens, ein Gut, auf das das Universum ausgerichtet ist (der hl. Thomas von Aquin bezeichnet die Person als das Vollkommenste in der Natur, »quod est perfectissimum in rerum natura«), ein Gut, das von niemandem für irgendein anderes Interesse instrumentalisiert werden kann (wie auch die beste Tradition der weltlichen Moral seit Kant festhält). In dieser Würde der Person sieht die biblische Überlieferung das »Abbild und Gleichnis« des Schöpfers, und besonders im Christentum finden wir die Identifikation mit Christus selbst (»Ich war krank, und ihr habt mich besucht «; Mt 25, 36). Es geht darum, durch Respektierung des Lebens und der Würde der menschlichen Person zugleich den Begriff der Menschlichkeit und das Fundament der Moralität zu retten.

6. Der Beitrag der Kirche

Die Einstellung der Kirche zum Thema Euthanasie ist wohlbekannt, sie wird immer wieder bekräftigt und bestätigt; sie muß mit dem Blick auf den Schutz der Würde und des Lebens Euthanasie in den Niederlanden nun auch bei Kindern! Von Bischof Elio Sgreccia, Vizepräsident der Päpstlichen Akademie für das Leben jedes Menschen gelesen werden: »Es muß erneut mit Nachdruck erklärt werden, daß nichts und niemand je das Recht verleihen kann, ein menschliches Lebewesen unschuldig zu töten, mag es sich um einen Fötus oder einen Embryo, ein Kind, einen Erwachsenen oder Greis, einen unheilbar Kranken oder Sterbenden handeln. Es ist auch niemandem erlaubt, diese todbringende Handlung für sich oder einen anderen zu erbitten, für den er Verantwortung trägt, ja man darf nicht einmal einer solchen Handlung zustimmen, weder explizit noch implizit. Es kann ferner keine Autorität sie rechtmäßig anordnen oder zulassen. Denn es geht dabei um die Verletzung eines göttlichen Gesetzes, um eine Beleidigung der Würde der menschlichen Person, um ein Verbrechen gegen das Leben, um einen Anschlag gegen die Menschlichkeit« (Kongregation für die Glaubenslehre, Iura et bona. Erklärung zur Euthanasie, 5. Mai 1980, Kap. II).

Die Enzyklika Evangelium vitae Papst Johannes Pauls II. bekräftigt die moralische Verurteilung der Euthanasie als »schwere Verletzung des göttlichen Gesetzes, insofern es sich um eine vorsätzliche Tötung einer menschlichen Person handelt, was sittlich nicht zu akzeptieren ist« (Nr. 65), und legt dringend einen »ganz anderen Weg« nahe, nämlich den »Weg der Liebe und des echten Mitleids, den unser gemeinsames Menschsein vorschreibt und den der Glaube an Christus, den Erlöser, der gestorben und auferstanden ist, mit neuen Einsichten erhellt. Die Bitte, die bei der äußersten Konfrontation mit dem Leid und dem Tod besonders dann aus dem Herzen des Menschen kommt, wenn er versucht ist, sich in seine Verzweiflung zurückzuziehen und in ihr unterzugehen, ist vor allem Bitte um Begleitung, um Solidarität und um Beistand in der Prüfung« (Nr. 67). Diese Perspektive vertritt die Kirche immer in ihrer Lehre, in ihrem Wirken und in ihren Strukturen.

Europa, das sich der Welt als eine Einheit solidarischer Völker im Namen der »Menschenrechte « vorstellt und das noch immer fähig ist, ein jahrtausendealtes Erbe einer von der Achtung der Person und der praktisch geübten Solidarität geprägten humanistischen Kultur und Zivilisation zu bewahren, sollte jede kulturelle Unterwanderung, die vom Zynismus des Utilitarismus oder von der Vorherrschaft der Wirtschaft über den Menschen beeinflußt ist, von sich weisen, um weiterhin Gesetzgebungsmodelle zur Unterstützung des Menschen und seiner Würde in einer solidarischen Gesellschaft anzubieten.

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Quelle

Papstrede in Polen: Aufruf zur Aufnahme von Flüchtingen

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Papst Franziskus und das polnische Präsidentenpaar am Wawel in Krakau

Papst Franziskus hat an diesem Mittwochabend seine erste Ansprache auf polnischem Boden gehalten. Menschenmengen trotzten dem Regen und säumten die Straßen, um Papst Franziskus in Krakau willkommen zu heißen; der Papst selbst war nur durch einen Überbau auf seinem offenen Jeep vor dem Regen geschützt. Vor Vertretern aus Politik und Gesellschaft sprach der Papst dann einige der Themen an, die ihm am meisten am Herzen liegen, von der Erinnerung und Vergebung über Migration und Lebensschutz.

Er freue sich, dass ihn sein erster Besuch in den östlichen Teil Mitteleuropas nach Polen führe, der Traum eines neuen europäischen Humanismus müsse mit „beiden Lungenflügeln“ atmen, zitierte er seinen Vorgänger Papst Johannes Paul II., der dieses anatomische Bild für Europa entwickelt hatte. Europas Kultur habe im Christentum seine kräftigste Wurzel, das sei etwas, was man nicht vergessen dürfe.

Wobei der Papst bei seinem ersten Thema der Ansprache war, bei der Erinnerung. „Das Gedenken kennzeichnet das polnische Volk“, so der Papst. „Immer hat mich das lebendige Geschichtsverständnis von Papst Johannes Paul II. beeindruckt. Wenn er von den Völkern sprach, ging er von ihrer Geschichte aus, um ihren Reichtum an Menschlichkeit und Spiritualität hervortreten zu lassen. Ein Identitätsbewusstsein ohne jede Überheblichkeit ist unerlässlich, um eine nationale Gemeinschaft auf dem Fundament ihres menschlichen, sozialen, politischen, wirtschaftlichen und religiösen Erbes aufzubauen.“ Treue zur Tradition und Offenheit für Erneuerung seien nur auf diesen Fundamenten möglich.

Identität und Zusammenarbeit

Auch Zusammenarbeit reife nur unter Achtung der eigenen Identität und der Identität anderer, fuhr der Papst fort. „Es kann keinen Dialog geben, wenn nicht jeder von der eigenen Identität ausgeht.“ Eine Warnung sprach er vor der „schlechten Erinnerung“ aus, die sich auf das Schlechte fixiere, „vor allem auf das, welches die anderen begangen haben“. Polen habe es geschafft, ein „gutes Gedenken“ vorherrschen zu lassen, er verwies auf die gegenseitig angebotene Vergebung durch die Bischöfe Polens und Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg.

Kraft und Gelassenheit brauche es, die Herausforderungen der Zeit anzugehen. „Diese erfordern den Mut zur Wahrheit und ein ständiges ethisches Engagement“, damit stets die Würde der Person respektiert würde. „Alles Tun ist davon betroffen: auch die Wirtschaft, das Verhältnis zur Umwelt und die Art des Umgangs mit dem komplexen Phänomen der Migration“. Womit der Papst ein weiteres Thema aufgriff.

Migration und Flüchtlinge

„Dieses letztere verlangt eine zusätzliche Portion an Weisheit und Barmherzigkeit, um die Ängste zu überwinden und das Optimum zu verwirklichen“, mahnte der Papst die Anwesenden. Zunächst müsse man die Ursachen für die Auswanderung aus Polen in den Blick nehmen, dann aber kam er auch auf Flüchtlinge zu sprechen: Es ist „die Bereitschaft zur Aufnahme derer notwendig, die vor Kriegen und Hunger fliehen; die Solidarität gegenüber denen, die ihrer Grundrechte beraubt sind, darunter des Rechtes, in Freiheit und Sicherheit den eigenen Glauben zu bekennen.“

Es brauche Formen der internationalen Zusammenarbeit, um Lösungen zur Überwindung der Kriege zu finden, welche die Menschen zwängen, ihre Heimat zu verlassen. „Es geht also darum, das Mögliche zu tun, um ihre Leiden zu lindern, ohne müde zu werden, klug und beharrlich für Gerechtigkeit und Frieden zu arbeiten und dabei im Handeln die menschlichen und christlichen Werte zu bezeugen.“

Schutz des Lebens

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Papstansprache war die Achtung des menschlichen Lebens, „Das Leben muss immer angenommen und geschützt werden – beides gemeinsam: angenommen und geschützt – von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, und alle sind wir aufgerufen, es zu achten und für es Sorge zu tragen“. Dazu gehöre aber immer auch die Begleitung in menschlichen Notlagen, „damit ein Kind niemals als eine Last, sondern als ein Geschenk empfunden wird“, so Papst Franziskus.

Polen könne sich auf die Hilfe der katholischen Kirche verlassen, schloss der Papst seine Ansprache. So könne das Land „im Licht der christlichen Grundsätze, die es orientieren und die die Geschichte und die Identität Polens geprägt haben, unter den veränderten geschichtlichen Bedingungen auf ihrem Weg voranzuschreiten, in Treue zu ihren besten Traditionen und erfüllt von Hoffnung und Zuversicht, selbst in schwierigen Momenten.“

 

(rv 27.07.2016 ord)

DER HEILIGE JOHANNES PAUL II. AN DIE BOTSCHAFTERIN DER NIEDERLANDE

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Johannes Paul II. ist am 2. April 2005 gestorben.

ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
AN FRAU Monique Patricia Antoinette Frank,
BOTSCHAFTERIN DES KÖNIGREICHS DER NIEDERLANDE*

Samstag, 22. Januar 2005

 

Frau Botschafterin!

1. Es ist mir eine Freude, Eure Exzellenz anläßlich der Übergabe des Beglaubigungsschreibens zu empfangen, mit dem Sie als außerordentliche und bevollmächtigte Botschafterin des Königreichs der Niederlande beim Heiligen Stuhl akkreditiert werden.

Ich danke Ihnen von Herzen, daß Sie mir die freundliche Botschaft Ihrer Majestät Königin Beatrix übermittelt haben, und bitte Sie, Ihrer Majestät dafür meine besten Wünsche für ihre Person, für die königliche Familie sowie für das ganze niederländische Volk auszusprechen.

2. Jeden Tag erinnern die Nachrichten aus der Welt uns alle an die dringende Notwendigkeit, eine friedliche Zukunft für die Menschen aufzubauen; zur Erreichung dieses Ziels muß eine solide internationale Ordnung geschaffen werden, die vor allem durch eine bessere Verteilung der Ressourcen auf internationaler Ebene und durch eine aktive Entwicklungshilfepolitik gewährleistet wird.

Wie Sie soeben angemerkt haben, Frau Botschafterin, sieht sich auch Ihr Land in jüngster Zeit neuen Spannungen ausgesetzt, die sich aus dem raschen Wandel in unseren Gesellschaften ergeben, in einer Welt, die sich der kulturellen Vielfalt immer mehr öffnet. Auch hier wird die Notwendigkeit und Dringlichkeit eines vertieften Dialogs zwischen den verschiedenen Gruppen im Lande erkennbar, damit alle lernen, einander kennenzulernen und zu respektieren. Diese Offenheit gegenüber den Mitmenschen ist unentbehrlich, um die Grenzen zwischen den jeweiligen Gruppen zu überwinden, wie ich schon in meiner Botschaft zur Feier des Weltfriedenstags am 1. Januar 2001 erwähnt habe: »Ein wirksames Mittel dagegen, daß das kulturelle Zugehörigkeitsgefühl zur Abschottung wird, ist das unparteiliche, nicht von negativen Vorurteilen bestimmte Kennenlernen der anderen Kulturen« (Nr. 7).

Unter dieser Bedingung wird es möglich sein, friedliche Beziehungen zwischen den verschiedenen Gemeinschaften herzustellen, damit alle zusammen das gemeinsame Haus der Nation aufbauen.

3. Zur Gewährleistung eines maßgeblichen Beitrags der katholischen Kirche zu diesem Prozeß, der in vielerlei Hinsicht einer »neuen politischen Kultur« den Weg ebnet (vgl. Botschaft zur Feier des Weltfriedenstags am 1. Januar 2005, 10), habe ich vor gut drei Jahren erneut die Initiative ergriffen und die Vertreter der großen Weltreligionen in Assisi versammelt, um vereint unseren gemeinsamen Willen zum Frieden zu bekunden; ich habe sie aufgerufen, einen tiefgehenden Dialog zwischen allen Religionen zu fördern. Vor allem habe ich sie gebeten, unbedingt davon Abstand zu nehmen, den Rückgriff auf Gewalt durch religiöse Beweggründe zu rechtfertigen, sondern ihn vielmehr ausdrücklich zu verurteilen.

Seither bemüht sich der Heilige Stuhl um die Förderung eines aufrichtigen interreligiösen Dialogs auf allen Ebenen, wobei die Christen aufgefordert sind, in allen Gesellschaften, in denen sie leben, im gleichen Geist zu handeln, nämlich als Bauleute des Friedens und des Dialogs, vor allem im Verhältnis zu den Gläubigen der anderen Religionen, mit denen sie zusammenleben. Ich weiß, daß die katholische Kirche in den Niederlanden sich vor kurzem durch die Stimme ihrer Bischöfe in diesem Sinne geäußert hat, und ich versichere sie bei dieser Gelegenheit meiner vollen Unterstützung.

4. Exzellenz, Sie betonten die wichtige Rolle ihres Landes im Kampf gegen den Hunger und die Armut in der Welt und sein Engagement für die Entwicklung und die gesundheitliche Betreuung von Völkern, die in besonderem Maße dem Drama der Pandemien ausgesetzt sind; darunter ist besonders Aids zu nennen, das sich in Afrika rapide ausbreitet und dort schon unzählige Opfer gefordert hat.

Wie Sie wissen, hält der Heilige Stuhl zur verantwortungsvollen Bekämpfung dieser Krankheit in erster Linie eine Verstärkung der Vorbeugung für nötig, vor allem durch eine Erziehung zur Achtung des heiligen Charakters des Lebens und zu einem rechten Umgang mit der Sexualität, der Keuschheit und Treue voraussetzt.

Auf meine Anregung hin hat sich auch die Kirche zugunsten der Opfer mobilisiert, vor allem um ihnen den Zugang zur erforderlichen medizinischen Versorgung und zu den notwendigen Medikamenten durch zahlreiche Behandlungszentren zu sichern.

Die Niederlande haben vor kurzem den Vorsitz in der Europäischen Union übernommen, zu einer Zeit, da die Union neue Länder in ihren Kreis aufgenommen hat und weitere neue Beitritte vorbereitet werden. Der Heilige Stuhl hat das »Projekt Europa« stets aufmerksam verfolgt und unterstützt es als konstruktiven Beitrag zum Frieden sowohl auf dem Kontinent selbst als auch andernorts, denn er betrachtet es als ein Modell der Zusammenarbeit für andere Regionen der Welt. Wie ich in meiner jüngsten Botschaft zum Weltfriedenstag 2005 eindringlich gefordert habe (vgl. Nr. 10), sind die Regierungen der Europäischen Union aufgerufen, gemeinsam neue Initiativen zur Entwicklungshilfe zu entwickeln, und zwar vor allem in Afrika, unserem Nachbarkontinent, der durch die geschichtlichen Verbindungen Europa so nahe steht; dies kann durch die Ausarbeitung von Abkommen echter Zusammenarbeit und Partnerschaft verwirklicht werden.

5. Seit mehreren Jahren folgt die niederländische Gesellschaft, die vom Phänomen der Säkularisierung geprägt ist, einer neuen Politik im Bereich der Gesetzgebung über den Beginn und das Ende des menschlichen Lebens. Der Heilige Stuhl hat es seither nicht an klaren Stellungnahmen fehlen lassen und die Katholiken der Niederlande aufgefordert, immer entschlossener zu bezeugen, daß sie an der uneingeschränkten Achtung des Menschen von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod festhalten.

Erneut fordere ich die Autoritäten und das medizinische Personal sowie alle im Erziehungswesen tätigen Personen auf, die Tragweite dieser Fragen und demzufolge die Bedeutung der von ihnen getroffenen Entscheidungen zu erwägen, damit eine Gesellschaft aufgebaut werden kann, die den Menschen und ihrer Würde gegenüber immer mehr Aufmerksamkeit entgegenbringt.

Die Jugendlichen Ihres Landes, die seit mehreren Generationen das Glück haben, innerhalb der Europäischen Union in Frieden zu leben, und die berechtigterweise nach Entwicklung und Wohlergehen streben, benötigen zur Übernahme ihrer künftigen Verantwortung eine solide Erziehung, die ihre Persönlichkeit zur Entfaltung und Ganzheitlichkeit führt und ihr »Inneres« stärkt, um mit dem schönen Wort des Apostels Paulus zu sprechen (vgl. Eph 3,16). Vor allem aber sollen sie dadurch in einer immer kosmopolitischer und multikultureller werdenden Gesellschaft für die Begegnung mit den Mitmenschen offen werden.

Die katholische Kirche hat seit jeher der Jugend ihre Aufmerksamkeit gewidmet, und sie wird sich auch in Zukunft um eine ganzheitliche Erziehung der Jugendlichen bemühen. Außerdem ist sie bereit, ihren Anteil beizutragen zu den Anstrengungen, die die ganze Nation mit Sicherheit in diesem Sinne unternehmen wird.

6. Ich freue mich, Exzellenz, durch Sie die katholische Gemeinschaft der Niederlande und ihre Hirten grüßen zu können. Mir ist bekannt, daß sie sich aktiv für das Leben des Landes einsetzt, die gesellschaftlichen Entwicklungen aufmerksam verfolgt und entschlossen ist, einen umfassenden Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten durch ihr Zeugnis für das, was sie glaubt und hofft, und durch ihre Bemühung, gemäß dem vom Herrn erhaltenen Liebesgebot zu leben.

Ich ermutige die katholische Kirche der Niederlande besonders zur täglichen Pflege des Dialogs zwischen den Einzelpersonen und den Gruppen in der Gesellschaft, vor allem in den großen städtischen Ballungszentren, wo die Komplexität der zwischenmenschlichen Beziehungen zu großer Einsamkeit führen kann.

Außerdem fordere ich sie auf, sich vorbehaltlos in den Dienst der Schwächsten zu stellen, die in den modernen, von wirtschaftlichem und sozialem Konkurrenzdenken geprägten Gesellschaften oft ausgegrenzt werden.

7. Frau Botschafterin, heute beginnen Sie Ihr hohes Amt als Vertreterin Ihres Landes beim Heiligen Stuhl. Nehmen Sie dazu meine herzlichen Wünsche für ein gutes Gelingen entgegen, und seien Sie sicher, daß Sie bei meinen Mitarbeitern stets Verständnis und die nötige Unterstützung finden werden!

Auf Ihre Exzellenz, Ihre Familie und Ihre Mitarbeiter sowie auf alle Ihre Landsleute rufe ich von ganzem Herzen die Fülle des göttlichen Segens herab.


*L’Osservatore Romano n. 7 p. 8.

© Copyright 2005 – Libreria Editrice Vaticana

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Quelle

DAS UNANTASTBARE RECHT AUF DAS LEBEN

Ehrfurcht vor dem unantastbaren Recht auf das Leben

38. Die effektive Anerkennung der Personwürde eines jeden Menschen erfordert die Verteidigung und die Förderung der Menschenrechte sowie die Ehrfurcht vor ihnen. Diese sind Naturrechte, Universalrechte, unantastbare Rechte: Niemand, nicht der einzelne, nicht die Gruppe, nicht die Autorität und nicht der Staat kann sie verändern oder aufheben, weil sie von Gott selbst kommen.

Die Unantastbarkeit der Person, die Widerschein der absoluten Unantastbarkeit Gottes selbst ist, findet ihren ersten und fundamentalsten Ausdruck in der Unantastbarkeit des menschlichen Lebens. Wenn das Recht auf das Leben nicht als erstes und fundamentales Recht mit größter Entschiedenheit als Bedingung für alle anderen Rechte der Person verteidigt wird, bleibt auch das berechtigte, wiederholte Hinweisen auf die Menschenrechte – auf das Recht auf Gesundheit, Wohnung, Arbeit, Gründung einer Familie, Kultur usw. – trügerisch und illusorisch.

Angesichts aller Verletzungen, die dem jedem Menschen zustehenden Recht auf das Leben, sei es durch einzelne oder durch die Autorität selbst zugefügt werden, hat die Kirche nie resigniert. Jeder Mensch ist in allen Phasen seiner Entwicklung, von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, Träger dieses Rechtes; er bleibt es in jeder Situation: Gesundheit oder Krankheit, Vollkommenheit oder Behinderung, Reichtum oder Armut. Das II. Vatikanische Konzil erklärt ausdrücklich: »Was ferner zum Leben selbst in Gegensatz steht, wie jede Art Mord, Völkermord, Abtreibung, Euthanasie und auch der freiwillige Selbstmord; was immer die Unantastbarkeit der menschlichen Person verletzt, wie Verstümmelung, körperliche oder seelische Folter und der Versuch, psychischen Zwang auszuüben; was immer die menschliche Würde angreift, wie unmenschliche Lebensbedingungen, willkürliche Verhaftung, Verschleppung, Sklaverei, Prostitution, Mädchenhandel und Handel mit Jugendlichen, sodann auch unwürdige Arbeitsbedingungen, bei denen der Arbeiter als bloßes Erwerbsmittel und nicht als freie und verantwortliche Person behandelt wird: all diese und andere ähnliche Taten sind an sich schon eine Schande; sie sind eine Zersetzung der menschlichen Kultur, entwürdigen weit mehr jene, die das Unrecht tun, als jene, die es erleiden. Zugleich sind sie in höchsten Maße ein Widerspruch gegen die Ehre des Schöpfers«.(137)

Die Sendung und Verantwortung für die Anerkennung der Personwürde jedes Menschen und für die Verteidigung des Rechtes auf das Leben sind jedem übergeben. Einige Laien sind aber aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaft in besonderer Weise dazu berufen: Eltern, Erzieher, im Gesundheitswesen Arbeitende und Träger der wirtschaftlichen und politischen Macht.

In der liebevollen und hochherzigen Annahme jeden menschlichen Lebens, vor allem des schwachen oder kranken, erlebt die Kirche heute ein besonders entscheidendes Moment ihrer Sendung, die um so notwendiger ist, als eine »Kultur des Todes« mehr und mehr beherrschend wird. »Aber die Kirche ist fest überzeugt, daß das menschliche Leben, auch das schwache und leidende, immer ein herrliches Geschenk der göttlichen Güte ist. Gegen Pessimismus und Egoismus, die die Welt verdunkeln, steht die Kirche auf der Seite des Lebens; in jedem menschlichen Leben weiß sie den Glanz jenes »Ja«, jenes »Amen« zu entdecken, das Christus selbst ist (vgl. 1 Kor 2, 19; Apk 3, 14). Dem »Nein«, das in die Welt einbricht und einwirkt, setzt sie dieses lebendige »Ja« entgegen, und verteidigt so den Menschen und die Welt vor denen, die das Leben bekämpfen und ersticken«.(138) Den Laien, die aufgrund ihrer Berufung oder ihres Berufes unmittelbarer mit der Bejahung des Lebens konfrontiert werden, kommt es zu, das »Ja« der Kirche zum menschlichen Leben konkret und wirksam zu machen.

Neue Möglichkeiten und Verantwortungen, die bis an die Grenzen des menschlichen Lebens gehen, haben sich heute durch die enorme Entwicklung der biologischen und medizinischen Wissenschaften und der überraschenden technologischen Möglichkeiten eröffnet: Der Mensch ist heute in der Lage, das menschliche Leben in seinem Anfang und in den ersten Stadien seiner Entwicklung nicht nur zu »beobachten«, sondern auch zu »manipulieren«.

Das moralische Gewissen der Menschheit kann weder indifferent noch unberührt bleiben von den riesigen Schritten einer technischen Macht, die eine immer umfassendere und tiefergehende Herrschaft über die Prozesse der Fortpflanzung und der ersten Phasen des menschlichen Lebens gewinnt . Vielleicht erweist sich die Weisheit gerade auf diesem Gebiet mehr den je als einziger rettender Anker, der den Menschen in der wissenschaftlichen und in der experimentellen Forschung dazu veranlaßt, mit Intelligenz und Liebe zu handeln, das heißt in der Ehrfurcht, besser noch in der Verehrung der unantastbaren Personwürde eines jeden Menschen vom ersten Augenblick seiner Existenz an. Das ist dann der Fall, wenn Wissenschaft und Technik sich mit legitimen Mitteln für die Verteidigung des Lebens und die Heilung der Krankheit vom ersten Augenblick an einsetzen und – aufgrund der Würde der Forschung selbst – Eingriffe verweigern, die den genetischen Bestand des einzelnen und des menschlichen Geschlechtes verändern.(139)

Die Laien, die in verschiedenen Eigenschaften und auf verschiedenen Ebenen in der Wissenschaft und in der Technik sowie im medizinischen, sozialen, gesetzlichen und wirtschaftlichen Bereich arbeiten, müssen sich mutig den »Herausforderungen«, die sich aus den neuen Problemen der Bioethik ergeben, stellen. Wie die Synodenväter sagten, »müssen die Christen ihre Verantwortung als Herren der Wissenschaft und der Technologie und nicht als ihre Sklaven ausüben … In der Perspektive der moralischen »Herausforderungen«, die sich aus der neuen und immensen technologischen Macht ergeben werden, und die nicht nur die Grundrechte des Menschen, sondern auch die biologische Existenz des Menschengeschlechtes selbst bedrohen, ist es überaus wichtig, daß die christlichen Laien – mit Hilfe der gesamten Kirche – sich dafür verantwortlich halten, die Kultur zurückzuführen auf die Prinzipien eines wahren Humanismus, damit die Förderung und die Verteidigung der Menschenrechte in ihrem eigenen Wesen einen sicheren und dynamischen Grund finden, in dem Wesen, das die Verkündigung des Evangeliums den Menschen geoffenbart hat«.(140)

Die Wachsamkeit aller angesichts der Zusammenballung der Macht, inbesondere der technologischen Macht, ist heute dringend notwendig. Denn diese tendiert dazu, nicht nur die biologische Natur, sondern auch die Inhalte des menschlichen Gewissens selbst und die Lebensentwürfe der Menschen zu manipulieren und so die Diskriminierung und Marginalisierung ganzer Völker zu vergrößern.

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Quelle: Christifideles Laici