Pfarrer Robert Mäder: DER WUCHER, DER VATER DER SOZIALEN NOT

Die Wurzel aller Übel ist nach Paulus die Habsucht. Die kapitalistische Habsucht und die proletarische Habsucht, die Habsucht der Besitzenden wie der Armen! Die Judaskrankheit, die Krankheit fast aller Ungläubigen und Abgefallenen und derer, die auf dem Wege sind, es zu werden! Das goldene Kalb, der Gott der Mehrheit! Selig der Mann, der dem Geld nicht nachläuft. Wer rein ist von allem Geiz, der ist ein Heiliger. Kampf gegen die Habsucht ist eine Erstforde­rung des Christentums. Eine der heiligsten und bren­nendsten Pflichten des Tages! Alle Reformvorschläge Flickwerk, wenn nicht der Feind des menschlichen Geschlechtes, der Vater des Krieges und der sozialen Not, die Habsucht von oben und unten, überwunden wird!

Die Kinder der Habsucht — der Dieb, der Räuber, der Betrüger, der Wucherer. Der Schlimmste aber von allen Vieren ist der Wucherer — Dieb, Betrüger und Räuber zugleich! Wer ist der Wucherer, der Erstgebo­rene der modernen Habsucht? Es ist derjenige, der die Notlage des Mitmenschen ausbeutet, der im Darle­hens-, Kauf- und Arbeitsvertrag als der Stärkere den Schwächeren vergewaltigt, um ihn auszuplündern.

Wer ist der Wucherer? Es ist derjenige, der die hei­ligsten Werte und Worte, Gott, Seele, Eigentum, Gerechtigkeit, Liebe, Menschlichkeit mit dem harten Gelde zudeckt. Wer ist der Wucherer? Es ist in der Regel der Räuber mit Zylinder und Glacéhandschuhen, der mit seiner geistigen und materiellen Überlegenheit denjenigen, der ihn notwendig hat, aus Gewinnsucht ausnützt.

Wer ist der Wucherer? Der häufigste und grausam­ste, der schändlichste und gefährlichste Verbrecher gegen das Eigentum. Wer ist der Wucherer? Nach mittelalterlicher und christlicher Auffassung ein Feind des Menschengeschlechtes, ein Ehrloser, einer, der nicht zu den Sakramenten zugelassen und kirch­lich beerdigt werden darf. Nun gut, der Wucherer ist heute System und beherrscht die Produktion!

Wo sind die Wucherer? Zuerst im Darlehensver­kehr. Man beutet diejenigen aus, die, ob arm oder ver­mögend, aus irgend einem Grunde gerade Geld nötig haben. Im Alten Bunde war es Gesetz: Du sollst dei­nem Bruder weder Geld noch Früchte noch irgend ein Ding auf Zinsen leihen (5. Mos 23,19). Wenn du Geld leihest meinem armen Volke, das bei dir wohnt, so sollst du es nicht drängen, wie ein Bedrängter und nicht mit Wucher drücken (2. Mos 22,35). Wer auf Wucher gibt und darüber nimmt, soll der leben? Nein! Er soll nicht leben! Da er all diese Greuel getan, soll er des Todes sterben (Ez 18,13). Für den Neuen Bund betont Christus, der Vollender des Gesetzes: Leihet, ohne etwas dafür zu hoffen, so wird euer Lohn groß sein im Himmel (Luk 6,35).

So ist es also ausdrückliche Lehre der hl. Schrift, daß für das Darlehen als solches d.h. sowohl für den dargeliehenen Gegenstand als auch für den Akt des Darlehens bloß um des Leihens willen kein Zusatz gefordert werden dürfe. Weiß (Soziale Frage und soziale Ordnung, S. 756) glaubt mit aller Sicherheit betonen zu dürfen, daß die ganze Vergangenheit diese Lehre vom Zins als einen Glaubenssatz sowohl der Offenbarung wie des Naturrechtes betrachtet habe.

Benedikt XIV. sagt unumwunden, daß nach jedem Recht, nach dem Naturrecht, dem göttlichen und kirchlichen, nach der beharrlichen, einstimmigen und entschiedenen Lehre aller Kirchenversammlungen, Väter und Theologen darüber jeder Zweifel ausge­schlossen sei und daß jeder, der hierin widerspreche, nicht bloß der göttlichen Offenbarung, sondern auch dem gemeinsamen Glauben der Menschheit und der natürlichen Vernunft widerspreche. Die kirchliche Gesetzgebung ist in dieser Frage immer gleich geblie­ben und hat sich durch keine Unbeliebtheit und durch keinerlei Scheingründe je irre machen lassen (Weiß a.a.O. S, 757). Die Zinslehre der Kirche fand erst im 16. Jahrhundert konsequenten Widerspruch. Der Vater des modernen Wuchertums ist Calvin. Auch hier ist der Protestantismus der Anfang vom Elend.

Was die Kirche beim Gelddarlehen immer zugelas­sen hat, ist nicht die Berechtigung eines eigentlichen, aus dem Darlehen selbst sich ergebenden Zinses, son­dern die Berechtigung, für den aus der Bewilligung des Darlehens entstandenen Schaden eine entspre­chende Vergütung zu verlangen.

Im Jahre 1838 erklärt Pius VIII., man brauche Beichtkindern, die allein gestützt auf die gesetzliche Erlaubnis einen mäßigen Gewinn für das dargeliehe­ne Geld verlangen, absolvieren, ohne ihnen die Pflicht der Rückerstattung aufzuerlegen. Immerhin sei vorausgesetzt, daß die Betreffenden allfälligen späteren Entscheidungen der Kirche sich zu unter­werfen versprechen.

Daraus ergibt sich, daß heutzutage in der Regel der Darlehensgeber für Risiko und entstandenen Schaden eine gewisse Entschädigung fordern darf. Dieselbe ist aber nicht Zins, nicht Frucht aus dem geliehenen Geld, sondern nur sog. Interesse, Schadloshaltung.

Das geliehene Geld selber ist auch heute noch unfruchtbar, weil es Geld ist und weil es geliehen wurde. Man kann nicht die Kuh weggeben und sie noch melken. Wer seinen Garten ausleiht, darf nicht mehr grasen.

Geld ist weder Kuh noch Garten. Es ist nicht leben­dig, sondern tot. Es ist ein Tauschmittel und Wertmes­ser. Sodann ist geliehenes Geld im Besitz und Genuß des Leihenden. Die Mißachtung dieses innersten Wesens von Geld und Darlehen ist Wucher. Wucher ist jeder Zins, der um des geliehenen Geldes willen gefordert wird und nicht für erlittenen Schaden und Risiko.

Wucher ist jeder Zins, der nicht als mäßig bezeich­net werden kann. Wucher ist jeder Zins, der aus der persönlichen oder wirtschaftlichen Notlage des Mit­menschen herausgepreßt wird. Wucher ist jeder Zins, durch welchen die meisten modernen Riesenvermö­gen entstehen. Der Sozialist Proudhon hat alle Gerechtigkeit und Vernunft über Bord geworfen, als er das Eigentum als Diebstahl erklärte. Auch große Vermögen können gerecht und berechtigt sein. Aber das ist wohl richtig: Die meisten modernen Großver­mögen sind Wuchervermögen und darum Raub und Diebstahl. Ihr Vater ist der unerlaubte Zins. Das ist kein sozialdemokratischer Gedanke. Das ist katho­lisch.

Wo sind die Wucherer? Zweitens im Handelsver­kehr, unter Kaufleuten. Der Preis einer Ware muß gerecht sein. Der Preis ist nicht eine rein kaufmänni­sche, sondern auch eine Gewissensfrage, eine Frage des Hauptgebotes und des 7. Gebotes. Der Preis muß sich richten nach dem wirklichen inneren und äußeren Wert einer Sache. Der Preis kann gewissen Schwan­kungen unterliegen. Er wird bestimmt durch Angebot und Nachfrage. Er mag auch etwas über die mittlere Marktlage hinauf- oder hinuntergehen. Sobald aber der Preis aus Gewinnsucht künstlich hinaufgetrieben wird, wird er zur öffentlichen Ausbeutung, zum Warenwucher. Die Monopolisierung der Waren, die sogenanten Trustbildungen, das Aufkaufen und Zusammenstappeln der Lebensbedürfnisse, um dann die Preise willkürlich zu diktieren, sind Wucherunter­nehmungen.

Eine der bedenklichsten Erscheinungen während des Weltkriegs ist das unheimliche Anwachsen der Neumillionäre. Es ist begreiflich, daß, wenn die Waren selten werden, die Preise steigen. Es ist begreiflich, daß ein tüchtiger Kaufmann rascher zu Vermögen kommt. Aber es ist himmelschreiend, die Notlage eines Volkes oder Landes, der Menschheit überhaupt, auszunützen, um übermäßige Preis zu ver­langen.

Die meisten Neumillionäre haben allen Grund, ihr Gewissen zu erforschen. An den meisten Millionen kleben Blut und Tränen des armen ausgebeuteten Vol­kes. Die meisten Neumillionäre sind Verbrecher. Sie gehören ins Zuchthaus. Ihr übermäßiger Gewinn gehört in Form von höchstgesteigerten Kriegssteuern zurück an die Gesellschaft. Es ist nicht recht, wenn man zur Zeit der allgemeinen Not und Teuerung reich wird. Das ist nicht sozialdemokratisch gedacht. Da ist katholisch.

Wo sind die Wucherer? Die dritte Klasse von Wucherern sind die Lohnwucherer. Die meisten Wer­te im modernen Arbeitsleben werden erzeugt durch das Zusammenwirken von Kapital und Arbeit. Das Kapital bedarf der Arbeit. Ohne das kein Gewinn. Der Arbeiter bedarf des Kapitals. Ohne das kein Lohn.

Daraus ergibt sich, daß der Geschäftsgewinn je nach dem Maße ihrer Beteiligung dem Produktionsprozeß zwischen Kapital und Arbeit in angemessener Weise geteilt werden muß.

Steht der Lohn in gar keinem Verhältnis zum Ertrag des Geschäftes, so ist der übertriebene Gewinn des Unternehmens als Wucher zu brandmarken. Ein Betrieb, wo die Dividenden hoch und die Löhne tief stehen, ist ein Wucherbetrieb. Bereicherung aus sol­chen Aktiengesellschaften ist Bereicherung durch Raub. Der Verwaltungsrat gehört ins Zuchthaus. Das ist nicht sozialdemokratisch gedacht und gesprochen. Das ist katholisch! Wir stehen nicht auf dem Stand­punkt, daß alle Arbeitgeber Ausbeuter sind und darum morgen an den Galgen müssen. Aber wir anerkennen, daß Lohnwucher ein weitverbreitetes wirtschaftliches Laster ist und mit den schwersten Kerkerstrafen geahndet zu werden verdient.

Auch hier rettet uns allein der Katechismus! Der durch den wirtschaftlichen Liberalismus verschuldete öffentliche Abfall von der Moral des 7. Gebotes hat die Menschheit an den Abgrund geführt. Der Libera­lismus, die Wirtschaftspolitik des Räubers mit Zylin­der und Glacéhandschuhen! Der Sozialismus hat die beiden Abzeichen des liberalen Herrentums abgelegt, aber dessen Natur beibehalten. Auch er ist in seinen letzten Zielen Sozialpolitik des Raubes. Wir besitzen den Mut, die Wahrheit nach oben und nach unten zu sagen und kümmern uns weder um Volksgunst noch Herrengunst. Die Wahrheit über alles und vor allem!

_______

Quelle: Robert Mäder: Gedanken eines Reaktionärs (Olten, 1922 !)

_______

In diesem Zusammenhang sehr interessant: diese kanadische Vereinigung!

Prälat Robert Mäder: DIE SEELE DER KIRCHE

Auf einer Missionsreise kam Paulus nach Ephesus. Daselbst fand er einige Jünger und er sprach zu ihnen: Habt ihr, da ihr gläubig geworden seid, den Heiligen Geist empfangen? Sie aber sprachen zu ihm: Wir haben nicht einmal gehört, dass ein Heiliger Geist ist. Nachdem sie nun getauft worden wa­ren, legte ihnen Paulus die Hände auf und der Heilige Geist kam über sie und sie redeten in Sprachen und weissagten. (Apg. 19).

Wenn Paulus wiederkäme, könnte er ähnliche Erfahrungen machen wie in Ephesus. Wir haben zwar einmal im Katechis­mus etwas vom Heiligen Geist gehört. Wir sind auch gefirmt worden. Im übrigen denkt und redet und schreibt die heu­tige Christenheit so wenig vom Heiligen Geist, dass er mit Recht für die Masse der unbekannte Gott genannt werden kann.

Das ist ein Unglück. Man darf vielleicht noch mehr sagen: Es ist das Unglück, das Unglück, in welchem jedes andere seine tiefere Wurzel hat. Der Heilige Geist hat uns verlassen, besser gesagt: Wir verliessen ihn. Darum müssen wir sterben. Denn was die moderne Menschheit seit mehr als hundert Jah­ren durchgemacht, ist das Aufgeben des Heiligen Geistes. Das Aufgeben des Heiligen Geistes durch die Gesellschaft hat aber die gleiche Wirkung, wie das Aufgeben des Geistes durch den Menschen — den Tod.

Wir feiern Pfingsten. Wie jeder in der Apostelgeschichte nachlesen kann, ist Pfingsten der Geburtstag der Kirche. Es gab vor Pfingsten schon Christen, aber es gibt erst seit dem Pfingsttag eine sichtbare Vereinigung der Christen unter einer bestimmten Hierarchie, also eine Kirche, das, was man den Katholizismus nennt. Nun besteht jeder lebendige Orga­nismus aus einem doppelten Element, einem sichtbaren und einem unsichtbaren, einer Form und einem Lebensprinzip, einem Leib und einer Seele.

Wie man niemals den Menschen verstehen wird, so lange man nur an Muskeln, Nerven, Knochen, Glieder, Organe denkt, so wird man niemals die katholische Kirche begreifen, wenn man nur Männer in geistlichen Gewändern, Altäre, Beichtstühle, Zeremonien und dergleichen ins Auge fasst. Der Mensch ist ein aus Leib und Seele bestehendes Wesen. Auch die Kirche besteht aus Leib und Seele. Der hl. Augustinus sagt in einer seiner Predigten: Was in unserem Körper die Seele, das ist im Körper Christi, in der Kirche, der Heilige Geist.

Wer also das eigentliche Wesen des Katholizismus richtig erfassen will, muss in ihm einen Organismus sehen, der das, was er ist, durch die Wirksamkeit des auf besondere Weise in ihm wohnenden Heiligen Geistes ist. Die Kirche ist die Gesellschaft des Heiligen Geistes auf Erden, oder, wenn man einen in neuerer Zeit geprägten Ausdruck verwenden will, der auch die sakramentale Gegenwart Jesu berücksichtigt: Die Kirche ist der eucharistische Liebesbund im Heiligen Geiste.

Das zeigt sich deutlich, wenn man die Apostelgeschichte liest, die im Grunde genommen nichts anderes ist als die erste Kirchengeschichte. Wie das Evangelium nichts anderes dar­stellt als eine Zusammensetzung der Taten und Worte Jesu, so ist die Apostelgeschichte die Chronik der Werke des Heiligen Geistes. Sollen die Männer charakterisiert werden, die das junge Christentum in die Welt tragen sollen, dann spielt die Gelehrsamkeit, die Beredsamkeit, die Diplomatie, die vor­nehme Herkunft, der Reichtum keine oder eine ganz unter­geordnete Rolle. Die einzige Bemerkung, welche die Heilige Schrift erwähnenswert findet, ist, dass sie Männer des Heili­gen Geistes waren.

Wenn die Frage aufgeworfen wird, wer die einzelnen Mis­sionsgebiete bereisen, wer die neugegründeten Gemeinden lei­ten soll, dann ist die Apostelgeschichte sich vollkommen dar­über klar, dass weder Ehrgeiz, noch Partei, noch weltliche Obrigkeit ein massgebendes Wort mitzureden haben: Der Heilige Geist setzt die Bischöfe ein, die Kirche Gottes zu re­gieren. Soll auf einem Konzil ein Beschluss gefasst werden, dann heisst es: Es hat dem Heiligen Geist — und dann erst heisst es weiter — und uns — gefallen. Kurz, handelt es sich um das Hirtenamt, so ist das apostolische Zeitalter sich voll­ständig darüber im klaren, dass der Heilige Geist die Kirche regiert. Handelt es sich um das Lehramt, so hat der Heilige Geist das Wort. Handelt es sich um das Priesteramt, um den Gottesdienst, die Sakramentenspendung — die Gnaden kom­men immer vom Heiligen Geist.

Der Heilige Geist ist der Ökonom, der Verwalter, der Spender aller Früchte der Erlösung. Alles, was in und durch die Kirche gemacht wird, wird in und durch ihn gemacht und ohne ihn wird nichts gemacht von allem, was gemacht wird. Es ist wahr, dass der gleiche Satz vom hl. Johannes zuerst auf

Christus angewendet worden ist, der das Haupt der Kirche ist. Aber wenn auch Christus, das Haupt, alles tut, so tut er doch nichts ohne die Seele, den Heiligen Geist. Wo die Kir­che ohne das Haupt Christus eine Leiche wäre, so wäre sie es auch ohne den Heiligen Geist, ihre Seele. Der Katholizismus, das ist Christus, aber der Katholizismus, das ist auch der Hei­lige Geist, wie der Mensch in erster Linie das ist, was seine Seele ist.

Was heisst also katholisch sein? An den Heiligen Geist als das innerste Lebensprinzip der Kirche glauben. Der achte und neunte Glaubensartikel, der Glaubensartikel vom Heiligen Geist und der Glaubensartikel von der hl. katholischen Kirche, stehen nicht umsonst nebeneinander. Der neunte ist nur die Fortsetzung vom achten. Die Kirche ist keine menschliche Einrichtung. Sie ist keine Erfindung gesetzgebender Weis­heit, noch ein Gebäude, das die Philosophie erdachte. Sie ist kein Produkt der Zeit, kein Werk der Geschichte, kein Aus­fluss der Zivilisation.

Sie ist, wie P. Faber sagt, ein Gedanke Gottes, eine gött­liche Idee, niedergelegt auf Erden, um sich in einer göttlichen, in einer eigenen und nicht menschlichen Weise zu entwickeln. Auch nicht nach irgendwelchen Regeln historischen Fort­schritts wie irgend eine andere menschliche Gesellschaft.

Es ist kein Zweifel, und die Erfahrung beweist es ebenso wie die Geschichte: Die Kirche hat auch einen Leib, und an diesem Leib ist viel Menschliches und darum Schwaches, Krankes, Abgestorbenes, Totes. Aber das Schwache, Kranke, Faule, Tote ist nur insofern schwach, krank, faul und tot, als es sich dem Einfluss des Heiligen Geistes entzieht und darum unter dem Gesichtspunkt aufhört, kirchlich zu sein. Die Kirche kann dafür ebenso wenig verantwortlich gemacht werden, wie der Baum für die Mistel, die auf ihm wächst, und der

Weizenacker für das Unkraut. Es ist Fremdes. Es ist nichts Katholisches. Was katholisch ist, stammt alles vom Heiligen Geist und ist deswegen göttlichen Ursprungs. Es ist Geist vom Heiligen Geist.

Katholisch sein heisst sodann auf den Heiligen Geist ver­trauen. Dass wir das nicht oder zu wenig tun, ist wohl der tiefste Grund unserer Misserfolge. Wir kennen den denkwür­digen Vorfall mit der Bundeslade in den Philisterkriegen. Rin­der führten auf einem Wagen die Bundeslade zurück. Als sie nahe am Ziele angekommen, machten sie Sprünge und die Lade neigte sich etwas. Da streckte ein Mann namens Ozas in der Angst die Hand aus, um die Lade zu halten. Der Herr aber ergrimmte wider ihn und schlug ihn und er starb da­selbst vor dem Herrn (1. Par. 14).

Es gibt wenig Politiker und wenig Priester, die heute von der Sünde Ozas frei sind. Wir meinen, wir müssten mit unse­rer Hand, mit weltlicher Klugheit oder aus vertrauenslosem Eifer die Sache der Kirche retten. Wir meinen, ohne unsere Diplomatie und ohne unsere stolzen Werke sei Gott verloren. Wir bauen heute mehr auf die Taktik als auf den Heiligen Geist. Darum kein Segen. Die ersten Christen machten es an­ders: Ihre Taktik war das Vertrauen auf den Heiligen Geist. Darum ihre wunderbaren Erfolge. Heute wissen, wie wir ge­sehen, die Grossen kaum, dass der Heilige Geist existiert und dass er sogar auch politisieren kann. Und weil man den Heili­gen Geist nicht will, deswegen zieht er sich zurück und über­lässt uns der eigenen Ohnmacht.

Katholisch sein heisst schliesslich Liebe haben zum Heiligen Geist. Es ist ein Rätsel, wie die Verehrung des Heiligen Gei­stes so zurücktreten konnte. Es scheint, wenn der Heilige Geist Quelle und Wurzel allen Lebens in der Kirche ist, dann müsste die Verehrung des Heiligen Geistes gerade so gut wie die Verehrung des im Sakrament gegenwärtigen Christus eine zentrale Andacht des Katholiken sein. Katholik sollte nur eine andere Bezeichnung sein für einen, der voll ist vom Heili­gen Geist in seinem Denken, Wollen, Fühlen, Wirken.

Das Hauptgebot gilt gegenüber jeder der drei göttlichen Personen: Du sollst den Heiligen Geist lieben von deinem ganzen Herzen, von deiner ganzen Seele, aus deinem ganzen Ge­müte und aus allen deinen Kräften. Das ist das erste und grösste Gebot. Diejenigen sind Kinder Gottes, die vom Heili­gen Geist getrieben werden (Röm. 8, 14).

Was wir heute gehört haben, ist für unser religiöses Leben von der allergrössten Bedeutung. Es gehört zu den ernstesten Dingen des Evangeliums, was uns Christus über die Sünde ge­gen den Heiligen Geist sagt. Wer ein Wort wider den Men­schensohn redet, dem wird vergeben werden. Wer aber wider den Heiligen Geist redet, dem wird weder in dieser noch in der zukünftigen Welt vergeben werden (Matth. 12, 32). Die Sünde wider den Heiligen Geist ist ein ewiges Verbrechen (Mark. 3, 29). Schliesslich kommt eben alles auf den Heiligen Geist an. Wie niemand zum Vater kommt ausser durch den Sohn, so kommt niemand zum Sohn ausser durch den Heiligen Geist.

Der Heilige Geist ist und wirkt in der Kirche. Wer darum gegen die Kirche ist, ist gegen den Heiligen Geist, die Seele der Kirche. Das ist der Grund, warum ausser der Kirche kein Heil ist, weil es kein Heil ausser dem Heiligen Geist gibt. Es gibt kein grösseres Unglück auf Erden, als ausser der Kirche und somit ausser dem Heiligen Geist zu stehen. Darum das Pfingstgebet: Komm, Heiliger Geist, entzünde in uns das Feuer deiner Liebe!

_______

Quelle: Robert Mäder, „Der Heilige Geist – Der dämonische Geist“, Verlag St. Michael, Goldach (Schweiz), 1969

Prälat Robert Mäder: CHRISTUS SIEGT ÜBER SATAN

Die Betrachtungen über den Satanismus drängen zu einer Schlussfrage. Wer siegt? Die Weltmachtstellung Satans ist zumal heute unbestreitbar. Aber man darf durch sie nicht erschreckt und entmutigt werden. Der Großmacht Christus gegenüber ist die Großmacht Satans immer nur Scheinmacht und Ohnmacht. Christus siegt über Satan! Um über die Frage der Vormachtstellung Christi klar zu werden und sich durch die gegenwärtige Großoffensive des Satanismus nicht täu­schen zu lassen, wird man noch einmal festhalten, um was es in der Weltgeschichte eigentlich geht.

Das Thema der Weltgeschichte ist der Riesenkampf zwi­schen der Übernatur und dem Naturalismus, zwischen der Reichgottesidee und der Weltgeistidee, zwischen Christen­tum und Antichristentum. Dass dieser Riesenkampf mit dem Triumphe Jesu endigt, ist zum vornherein theologisch selbst­verständlich und auf Grund der Tatsachen nachträglich un­zweifelhaft sichergestellt. Wenn man den Satan nicht unter­schätzen darf, dann darf man ihn auch nicht überschätzen. Er ist nicht Gottes ebenbürtiger Gegner, sondern nur Gottes Sklave und Werkzeug. Der Schubkarrenmann, der nach mit­telalterlicher naiver Legende knirschend die Bausteine herbei­schafft zu einem grandiosen Reichgottesbau.

Weil die ganze Schöpfung gottesdienstlichen Sinn und Zweck hat, und zwar naturnotwendig und unabänderlich, so kann auch Satan davon keine Ausnahme machen. Er gehört in den Weltplan der Vorsehung. Er soll in seiner Art zur Ver­herrlichung Gottes beitragen. Er soll Eigenschaften Gottes zur Offenbarung bringen, die zum Wesen Gottes gehören, aber die nie zur Geltung kämen, wenn es keinen Teufel und kein Böses gäbe: die Barmherzigkeit, die Geduld und Lang­mut, die Strafgerechtigkeit Gottes. Der Teufel muss, ob er will oder nicht, den Schubkarren stoßen im Dienste der Theologie.

Das ganze Leben Jesu mit seiner Passionsgeschichte und seinem unendlichen Reichtum an Tugend und Verdienst wür­de nie den Mittelpunkt unserer Religion bilden, wenn Satan nicht die Erlösung zur Notwendigkeit gemacht hätte. Wir verdanken die Erlösung der unendlichen Güte Gottes, aber wir verdanken sie indirekt auch dem Teufel, wie wir sie indi­rekt dem Pontius Pilatus, dem Kaiphas, dem Judas und der blutdürstigen Masse verdanken. Der Triumphierende ist da­bei immer Gott.

Das gleiche gilt von der Kirchengeschichte. Ohne Satan gäbe es keine Martyrer in der Kirchengeschichte. Keine Be­kennerheroen in den Zeiten der Verfolgung. Keine Helden der ertragenden Geduld und der verzeihenden Barmherzigkeit.

Die Heiligen hätten nicht gefehlt, wohl aber jene herrlichen Heiligengestalten, die nur im Feuer der Trübsal und im Sturm des Hasses reifen, welchen die Teufel entfachen. Die katho­lische Kirchengeschichte ist eine Heiligengeschichte, weil Christus das Haupt und der Heilige Geist, der Heiligmacher, die Seele der Kirche ist, aber auch — man verstehe mich recht — weil es Teufel gibt.

Dürfen wir nicht auch davon einer felix culpa sprechen? Von einem Glück satanischer Versuchung und Verfolgung? Und wenn wir an diese Macht denken, «die stets das Böse will und stets das Gute schafft», wo ist dann der Sieg, beim Ver­folger oder bei den Verfolgten? Christus siegt! Der Teufel ist nur Schubkarrenmann!

Der Siegesgedanke zieht sich durch das ganze Leben Jesu. Dazu kam Christus, um die Werke des Teufels zu zerstören (1 Joh. 3, 8). Am Schlusse seines Erdenwandels darf darum Jesus frohlockend ausrufen: Ich habe die Welt überwunden (Joh. 16, 33). Wir können in diesem Siegesdrama ein Dreifaches unterscheiden, die Einleitung, den Höhepunkt und den Schlussakt.

Die Einleitung ist die bekannte Versuchungsgeschichte in der Wüste, wo die beiden, Christus und Satan, zum ersten­mal einander persönlich und sichtbar gegenüberstehen und ihr Programm entrollen, Satan das seine und Christus das seine. Satan, wie wir gesehen haben, das Programm des Naturalis­mus in seinen drei Formen Sensualismus, Materialismus und Intellektualismus. Genussucht, Habsucht und Ehrsucht. Chri­stus das Programm der Vorherrschaft der Übernatur: Die Buße, die freiwillige Armut, die Demut. Die Szene der Versuchungsgeschichte endigt mit einem unbedingten Siege Chri­sti, also der Übernatur. Der Satan verlässt den Schauplatz als der Geschlagene und vermeidet es, in Zukunft je wieder mit Christus zusammenzutreffen. Die zwei werden sich per­sönlich erst wieder beim Schlussakt gegenüberstehen.

Der Höhepunkt des Entscheidungskampfes zwischen Satan als dem Wortführer des Naturalismus und Christus als dem Wortführer der Übernatur ist auf Golgatha. Golgatha ist mit dem Kreuzesbaum das Gegenstück zum verbotenen Baum des Paradieses. An beiden Orten ist der Handelnde nicht nur eine Einzelperson, sondern ein Vertreter des Menschenge­schlechtes. Im Paradies Adam, der Vertreter der alten, natu­ralistisch eingestellten Menschheit, auf Golgatha Christus, der Vertreter einer neuen, übernatürlich eingestellten Mensch­heit.

Golgatha endet mit einem Scheinsieg des Naturalismus, des materialistisch gerichteten Nationalismus, des intellektuali­stisch gerichteten Schriftgelehrtentums und des sensualistisch gerichteten Sadduzäertums. In Wirklichkeit aber, weil Ostern und Karfreitag ein Ganzes bilden, mit einem Vollsieg der Übernatur und der Gnade. Das Kreuz, im Mittelpunkt der Weltgeschichte stehend, ist seither das Zeichen des weltge­schichtlichen Triumphes Christi und der weltgeschichtlichen Niederlage Satans. Der Kampf ist noch nicht fertig, aber die Entscheidung ist gefallen.

Was nun folgt und was wir Kirchengeschichte nennen, ist nur die Fortsetzung von Karfreitag-Ostern. Weil es immer wieder Kaiphasse, Pilatusse und Judasse gibt, wird es immer wieder in der Kirchengeschichte Karwochen von kürzerer oder längerer Dauer geben und darum Scheinsiege des satani­sierten Naturalismus. Aber es gehört zu den Gesetzen der Kirchengeschichte, dass alle diese Karwochenperioden in Osterperioden ausmünden und alle Scheinsiege Satans in eine Niederlage. Mit andern Worten: Durch das Erlösungsopfer auf Golgatha ist die Weltherrschaft Satans grundsätzlich und tödlich in ihrem Lebensnerv getroffen.

Es erübrigt zur Vollendung des Sieges Christi nur noch der Schlussakt der Weltgeschichte. Das Weltgericht, wo der Herr Jesus seinen Widersacher tötet mit dem Hauche seines Mundes und vernichtet durch den Glanz seiner Wiederkunft (vgl. 2 Thess. 2, 8). Das Weltgericht, wo Christus als Völker­könig erscheint mit großer Macht und Herrlichkeit, wird auch das Endgericht über Satan und Satanismus sein. Das letzte Wort des Himmels und der Erde über «die alte Schlange», den «großen Drachen», «den Vater der Lüge», den «Menschenmörder». Die Pforten der Hölle öffnen sich und verschlingen den Feind des Menschengeschlechtes. Von jetzt an ist der Teufel erledigt.

«Und ich erblickte eine große Schar, die niemand zählen konnte. Aus allen Völkern und Stämmen und Ländern und Sprachen. Sie standen vor dem Throne und vor dem Lamme. Angetan mit weißen Gewändern und mit Palmen in ihren Händen. Und sie riefen mit lauter Stimme: Heil unserm Gott, der auf seinem Throne sitzt und dem Lamme. Und die Engel standen rings um den Thron, beteten Gott an und sprachen: Amen. Lob und Preis, Weisheit und Dank, Ehre, Macht und Kraft sei unserem Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen» (Offbg. 7, 9 ff.).

Das ist das Ende des Satanismus: Christi Triumph. Der Teufel existiert nur, um überwunden zu werden. Und Chri­stus stirbt nur, am Kreuz und in der Kirchengeschichte, um aufzuerstehen.

Im Zeichen des Kreuzes

Die Kirche ist die Religion des Kreuzes. Nicht einen Augen­blick hört sie auf, dieses Zeichen zu machen. Alles beginnt und vollendet sie mit dem Kreuz. Den Gottesdienst, das Bre­viergebet, die Sakramentenspendung, die Segnung. Aber we­nige denken daran, dass dieses Zeichen ein Symbol des Kamp­fes ist. Eine Kriegserklärung an Satan. Ein Exorzismus. Eine Beschwörungsformel, und darum sagt der große Chrysosto­mus: «Tretet nie über die Schwelle eurer Häuser, ohne zu sprechen: Ich entsage dem Satan. Ich hange Jesus Christus an. Mit diesen Worten mache ich das Zeichen des Kreuzes. Mit diesen Worten bezeichne ich die Stirne.» Das Kreuz ist antidämonische Offensive. Kreuz und Exorzismus kann man nicht voneinander trennen.

Wir denken da an 1 Joh. 3, 8: «Dazu ist der Sohn Gottes erschienen, die Werke des Teufels zu zerstören.» Mit einem feierlichen Exorzismus beginnt die öffentliche Wirksamkeit Jesu. «Weiche Satan, sprach Jesus, denn es steht geschrieben: Den Herrn, deinen Gott, sollst du allein anbeten.» Und im Begriffe, den Kalvarienberg zu besteigen, erklärt der Heiland wieder: «Jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgeworfen.» Die Erlösung ist somit untrennbar verbunden mit der Teu­felaustreibung.

Natürlich liegt es sehr im Vorteil der Zunft der Taschen­diebe, zu sagen, dass es keine Taschendiebe gebe und dass sie eine durchaus ehrenwerte Gilde seien. Der Schaden der Harmlosen wird umso größer sein, je mehr diese Behauptung Glauben findet. Das ist heute der Fall in Beziehung auf die bösen Geister. Theoretisch bestreitet man ja ihr Dasein vieleicht nicht. Aber praktisch kommt es fast auf das heraus. Man tut, als ob es keine Teufel gäbe.

Christus ging von Anfang an darauf hinaus, vor den dämo­nischen Taschendieben zu warnen. Er stellt einmal ihre Exi­stenz fest. Und zwar nicht nur ihre Existenz in der Hölle, sondern ihre Existenz unter den Menschen. Er bezeichnet sie als seine eigentlichen Widersacher und erklärt ihnen offenen Kampf. Er tritt auf als Herr über die Welt der Dämonen.

Die Fälle, wo Jesus den Exorzismus an den Besessenen braucht, sind zahlreich. Aber seine Offensive gegen die Dämo­nen erstreckt sich nicht bloß darauf. Er führt die Offensive auf der ganzen Front. Im Reich der Natur und Übernatur. Gegen alle List und Bosheit, alle Verführung und Verblen­dung, wo immer sie auftritt. Das Leben Jesu ist ein einziger Exorzismus. Ein immerwährendes Teufelaustreiben. Ein we­sentlicher Teil seines Priester- und Hirtenamtes.

Wenn es sich deswegen darum handelt, den Aposteln als seinen Rechtsnachfolgern die nötigen Vollmachten zu über­tragen, dann nennt er neben der Reichgottespredigt in erster Linie die Macht und Gewalt über die bösen Geister (Luk. 9, 1, 2). Wer mit Frucht und Erfolg predigen will, muss zuerst Exorzist sein. Teufelaustreiber. Denn die Teufel fressen das Wort Gottes weg, damit es nicht Frucht trage.

Und vor der Himmelfahrt, bei der großen Sendung, kommt Jesus wieder darauf zurück, als wollte er sagen: Vergesset den Exorzismus nicht! Und er sagt, ohne irgend eine Einschrän­kung: «Denen, die da glauben, werden diese Wunder folgen: In meinem Namen werden sie böse Geister austreiben.»

Jeder Christ ist darum in gewissem Sinne Exorzist. Nicht von Amts wegen wie der Priester. Aber als Mitarbeiter an der kirchlichen Hierarchie, würde Pius XI. sagen. Das Teufelaus­treiben ist ein Stück Katholischer Aktion! Ein Platzmachen für Christus den König. Und das Platzmachen ist Vorausset­zung allen Reichgottesaufbaus.

Die Kirche als Testamentsvollstreckerin des göttlichen Er­lösers konnte und durfte die Offensive des fortlebenden Chri­stus gegen die Dämonen nicht gering achten. Bevor sie deswegen einen Kandidaten zum Priester weiht, weiht sie ihn zum Exorzisten, damit er «durch die Auflegung der Hände, durch die Gnade des Heiligen Geistes und die Worte der Beschwö­rung» die unreinen Geister austreibe. Ein «geistiger Macht­haber», ein «tauglicher Arzt der Kirche», wie das Buch der Weihen sagt.

Die Weihen der Kirche sind keine leeren Zeremonien. Auch das Exorzitat nicht. Je mehr der Priester Priester ist, desto mehr ist er auch Exorzist. Er lässt womöglich keinen Tag vorübergehen, wo er nicht, seines Amtes eingedenk, den Ex­orzismus betet. Das Teufelaustreiben ist heute nach der Auf­fassung Leos XIII. eine der großen Zeitnotwendigkeiten. Wir müssen die Welt entdämonisieren. Darum die Wichtigkeit des Gebetes zu St. Michael am Schluss der stillen heiligen Messe.

Auch das Asperges des Sonntagsgottesdienstes muss in die­sem Lichte betrachtet werden. Es ist ein Exorzismus über das christliche Volk. Das heilige Wasser soll durch die vor dem Asperges vorgenommene Weihe «alle Gewalt des bösen Feindes vertreiben, ihn mit seinen abgefallenen Engeln aus­rotten durch die Kraft unseres Herrn Jesus Christus, der kommen wird zu richten die Welt durch das Feuer.» Wie nachhaltiger müsste der Gottesdienst wirken, wenn Priester und Volk dieses vorbereitende Asperges im lebendigen Glau­ben und Vertrauen exorzistisch, teufelaustreibend erleben würden!

Christentum und Exorzismus! Es ist, wie Langbehn einmal sagt: Die ganze Welt ist viel mehr in sich geschlossen als man sieht und denkt. An jedem Ort und in jedem Augenblick ste­hen sich Gott und Teufel aufs allernächste entgegen. Sowie und soweit der Mensch Gott verlässt, nähert sich ihm der Teufel. Einen Zwischenzustand, ein Mittleres, gibt es nicht. Was nicht Gottes ist, das ist des Teufels. Das ist die wich­tigste Wahrheit in der moralischen Welt.

Daraus folgt, dass es zwischen Gott und Belial, zwischen Christus und seinem Widersacher keine Versöhnung gibt. Wenn man will, dass Gott herrsche, dann muss man den an­dern hinausjagen. Es gibt Zeiten, wo Gott selber diese Ar­beit besorgt und den großen Exorzismus betet. Dann gilt das Wort: «Wenn Gott sich in seinem Zorn erhebt, bläst er den Teufel hinweg, wie der Orkan eine Flaumfeder.»

Unterdessen aber ist es Sache der Christen, dieses Geschäft zu besorgen. Der Geistlichen und der Laien. Teufel, mach Platz, Cede Deo! Weich dem allmächtigen ewigen Gott! Und Christus dem König!

Diese Eigentumsbetonung zugunsten Jesu im Sinn des pau­linischen «Alles ist euer, ihr aber seid Christi» vollzog und vollzieht die Kirche bei ihren Segnungen auch gegenüber allen Gegenständen, deren sich die Menschen bedienen. Jedes Kreuzzeichen über irgend eine Sache ist eine im Namen der Kirche ausgesprochene Betonung des obersten Souveränitäts­rechtes, das Christus auf seine Schöpfung geltend macht. Auf die Weltkugel, nicht bloß auf die Kirche. Das Kreuzmachen ist nicht bloß Zeremonie. Es ist symbolische Geste der Sou­veränität Christi. Die Welt gehört dem, der sie gemacht und erlöst hat. Christus dem König!

Daraus ergibt sich die Bedeutung des Kreuzzeichens für un­sere Zeit. Wir müssen die Welt wieder zurückerobern für ihren Eigentümer. Wir tun einen Schritt dazu jedesmal, wenn wir das Kreuzzeichen mit Überzeugung und Würde und An­dacht machen. Wir tun es jedesmal, wenn wir das Kreuzbild in einer Wohnung, in einer Werkstatt, in einer Schule, oder in Feld und Flur aufpflanzen. In diesem Zeichen siegte einst Kaiser Konstantin über den alten Satanismus. In diesem Zei­chen werden wir auch den neuen Satanismus überwinden. Es sei uns Siegel und Wappen auf der Fahne, Schwert und Waffe im Kampf, Stolz und Zuversicht für die Zukunft.

Prälat Robert Mäder: SATANS HÖLLE

Dem Geheimnis der satanischen Sünde muss das Geheimnis der satanischen Strafe entsprechen. Weil die Sünde Satans im Naturalismus besteht, im Protest gegen den Himmel als Reich der Gnade, muss die Strafe Satans im absoluten Gegen­satz zum Himmel bestehen. Der Gegensatz zum Himmel aber ist die Hölle. Der Gegensatz zum Reich der göttlichen Gnade ist das Reich des göttlichen Zornes.

Die Heilige Schrift berichtet uns über die grosse Exkom­munikation, die Ausscheidung Satans und seines Anhangs aus der Gemeinschaft der Engel, aus der Region der Lichtwelt in die Region der Finsternis und der Unterwelt: «Es gab eine Schlacht im Himmel. Michael und seine Engel kämpften ge­gen den Drachen. Und der Drache mit seinen Engeln kämpfte. Sie richteten aber nichts aus und ihr Platz im Himmel ging verloren. Und der grosse Drache, die alte Schlange, die Teufel heisst und Satan, die alle Welt verführt, wurde hinabgewor­fen, zur Erde. Und mit ihr gestürzt wurden seine Engel» (Offb. 12, 7 ff.).

Die Höllenfahrt der Teufel aus der Gottesnähe in die Got­tesfeme vollzieht sich in zwei Stationen. Die erste Station der Höllenfahrt ist für viele vorerst der Sturz in die Luft­region. Der heilige Paulus spricht von einer Welt, die unter dem Einfluss des Fürsten steht, der Macht hat in dieser Luft (Eph. 2, 2). Dieser Aufenthalt hat provisorischen Charakter. Die bösen Geister haben hier noch eine gewisse Bewegungs­freiheit. Sie tragen die Hölle in sich, aber sie können als Ver­sucher und Quäler den Erdkreis durchschweifen.

Die Schlussstation des Engelsturzes ist die eigentliche Hölle. Irgend ein Ort der Unterwelt, wo der Satan wie in einem Zentralgefängnis festgehalten wird (Jud. 1, 6). Endgül­tig ist dieser Aufenthalt Satans mit dem Weltgericht. Seine Ewigkeit ist begründet in der Natur des Satanismus. Wenn wir in unserer humanitären Sentimentalität uns an diesem Ewigkeitscharakter der Strafe stossen, so kommt das daher, dass wir immer wieder vergessen, was Satanismus ist. Die Hölle Satans ist deswegen von immerwährender Dauer, weil Satan das so will.

Die Sünde Satans hat etwas Definitives. Was er will, das will er ganz und für immer. Einmal gegen Gott bleibt er gegen Gott. Einmal prinzipieller Gegner der Gnade, will er für alle Zukunft prinzipiell nichts von Gnade wissen. Satanis­mus ist ewige Sünde. Im Bösen verstockt ist Satan unfähig zu jener Gesinnungsänderung, die wir als Reue bezeichnen. Wo aber keine Sinnesänderung, kann auch von keiner Am­nestie die Rede sein. Die Logik des Satanismus verlangt die Ewigkeit der Höllenstrafe.

Was ist die Hölle Satans? Absolute Gottferne. Vollkom­mene Gottlosigkeit. Die Hölle Satans ist die Ewigkeit ohne Gott. Um das zu verstehen, müssen wir bedenken, dass Satan der Natur nach blieb, was er war. Der Teufel ist Luzifer und Luzifer ist ein Engel. Ein gefallener Engel gewiss, aber immer­hin ein Engel. Der Sündenfall hat wohl die Qualität des En­gels verändert, aber nicht sein Wesen. Es gehört aber zum Wesen des intelligenten Geschöpfes, naturnotwendig immer wieder zurückzustreben zu dem, von dem es ausgegangen. Zu Gott.

Dieser Naturdrang zu Gott lebt auch im Satan trotz seines Abfalls von Gott weiter. Und das macht das Wesenhafte seiner Hölle aus. Das namenlose Unglücklichsein, das ent­steht, wenn die Natur eines Wesens in unzerstörbarem Drang nach dem strebt, von dem der Wille in seiner verstockten Bosheit sich beständig abkehrt. Engel sein und gleichzeitig Teufel, ist eine unerträgliche Höllenqual.

Was ist die Hölle Satans? Ewiges Gefesseltsein in einem Gefängnis (Jud. 1, 6). Das Nichtmehrbesitzen der Handlungs­fähigkeit und Bewegungsfreiheit. Erinnern wir uns wiederum: Luzifer war nach St. Thomas Führer. Chef jener Hierarchie von himmlischen Geistern, denen die Sorge für das materielle Universum anvertraut war. Ein Geist von riesenhafter Akti­vität. Und der ist nun in der Hölle, ein sozusagen an Händen und Füssen Gebundener. In Ewigkeit. Aktivist sein, handeln wollen, handeln müssen, und das aus Naturnotwendigkeit, und nicht mehr handeln und sich bewegen können — das ist eine Hölle. Das ist die Hölle Satans.

Damit in Zusammhang ist ein anderes. Satans Ehrgeiz ist die Gestaltung eines unermesslichen Reiches von satani­schen Geistern und satanisierten Menschen, die seinen Inspi­rationen gehorchen. Solange die Weltgeschichte läuft, kann er diesen Ehrgeiz einigermassen befriedigen. Am Tage des Weltgerichtes, der ein Tag der Entlarvung Satans sein wird, wird es allen Teufeln und Verdammten offenbar werden, dass sie belogen und vergewaltigt wurden und Satan sie nur zu seiner selbstsüchtigen Reichspolitik missbrauchte. Alle Ge­folgschaft wird damit aufhören. Alle Getreuen werden in wü­tendem Hass ihn verfluchen und verfolgen. Satan wird allein sein. Satan der Weltherrscher ist der Einsame geworden. Der Verlassene. Die ganze unendlich lange Ewigkeit allein. Das ist eine Hölle.

Und diese Hölle ist Qual. Christus, der es weiss, spricht von einem ewigen Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet worden ist (Matth. 25, 41). Luzifer wollte nichts von einem geschenkten Himmel wissen. Er suchte als Na­turalist seine ganze Seligkeit in seinem ureigenen Wesen und in seinem selbst geschaffenen Reich. In dem, was er selber war und in dem, was er selber hatte. Und nun ist er ganz arm ge­worden. Die Schöpfung, die er missbrauchte, bietet ihm nichts mehr. Nichts als den rasenden Schmerz. Die geheimnis­volle Feuerqual. Auch das ist Logik der Gerechtigkeit. Der Naturalismus machte, Gott zum Trotz, die Natur zum Him­mel, zum Himmel ohne Gott und nun wird die Natur ihm zur Hölle. Die Hölle ist die Widerlegung des Naturalismus. Es gibt schlussendlich keinen Himmel im Universum als den Himmel der Gnade.

Was folgt daraus? Die Hölle ist, was man auch immer gegen sie vorbringen mag, der Ort der Gerechtigkeit. Die Ge­rechtigkeit verlangt: Jedem das Seine! Jeder bekommt, was er will. In gewissem Sinne liegt also etwas Wahres in der libera­len Phrase: yeder soll nach seiner Façon «selig» werden. Wer den Himmel will, wird den Himmel bekommen. Wer den Himmel nicht will, wird den Himmel nicht bekommen. Er muss also, weil es neben dem Himmel in der Ewigkeit nur noch eine Hölle gibt, in diese kommen. Schliesslich hat dann jeder das Seine. Der Christ und der Satan.

Die Weltgeschichte ist ein Mysterienspiel, dessen Verfas­ser Gott ist und dessen Spieler die Engel und die Menschen. Das Thema ist «Natur ohne Gnade oder Natur mit Gnade». So sehr es uns oft reizt, vorschnell und mit Kritik über den Verfasser herzufallen, die Gerechtigkeit verlangt, mit dem Urteil zurückzuhalten bis zum Schlusse des Dramas «Welt­geschichte». Der Schlussakt ist das Weltgericht.

_______

Quelle: Robert Mäder: Der Heilige Geist – Der dämonische Geist, Verlag St. Michael, Goldach (Schweiz), 1969

Prälat Robert Mäder: MARIA UND DIE KIRCHE

Fatima ist eine Apologie der katholischen Kirche durch Maria, wie es eine Apologie Marias durch die Kirche ist. Die gegen­seitige Beziehung zwischen Maria und der Kirche ist eine so vollkommene und eine so innige, daß Anna Katharina, die be­rühmte westfälische Seherin, glaubte sagen zu dürfen: Ich er­hielt die Gewißheit, wie Maria die Kirche sei und die Kirche unsere Mutter. Wenn ich darum in die Kirche gehe, gehe ich in meine Mutter. Die Kirche ist wesenhaft marianisch wie Maria etwas wesenhaft Katholisches ist. Zwischen beiden, Maria und Kirche, besteht eine immerwährende und vollkommene Inter­essen- und Schicksalsgemeinschaft. Gestern, heute und morgen.

Wenn wir die Geschichte von Fatima auf uns wirken lassen, dann erblicken wir darin die Verwirklichung einer Prophezei­ung. In der Dogmatisationsbulle der Unbefleckten Empfängnis vom Jahre 1854 bekannte Pius IX.: «Wir haben die sicherste Hoffnung und das vollste Vertrauen, die seligste Jungfrau selbst, welche ganz schön und makellos den giftigen Kopf der grausa­men Schlange zertreten und der Welt das Heil gebracht hat … und welche als der festeste Schutz immer alle Irrlehren entfernt, die rechtgläubigen Völker und Nationen den größten Nöten al­ler Art entrissen … dieselbe seligste Jungfrau werde durch ihre mächtigste Vermittlung bewirken, daß die heilige Mutter, die katholische Kirche, nach Entfernung aller Schwierigkeiten, nach Beseitigung aller Irrtümer, bei allen Völkern und an allen Orten täglich mehr gedeihe, blühe und herrsche von Meer zu Meer und daß eine Herde und ein Hirt sei.»

Die Kirche ist marianisch

Es genügt, die päpstlichen Kundgebungen der letzten hundert Jahre aufmerksam zu durchgehen, um die Überzeugung zu gewinnen, daß die Kirche Christi nicht in nebensächlicher Weise, sozusagen peripher, nebenbei auch marianisch sei. Viel­mehr muß man denken und sagen, daß etwas, das immer und überall und mit solchem Nachdruck betont worden ist, zum Wesen der Kirche gehören muß. So zwar, daß man nicht katho­lisch sein kann, ohne marianisch zu sein. Pius XI. hat einmal zu einem Bischof gesagt: «Sagen Sie ihren Priestern, sie sollen viel beten. Sagen Sie ihnen, daß der Papst alle Tage seinen Ro­senkranz verrichtet. Solange der Papst nicht seinen Rosenkranz verrichtet, ist das Tagewerk des Papstes nicht vollendet.» Es ist, als ob der Papst sagen wollte: Solange das jeweilige Oberhaupt der Kirche noch nicht etwas für Maria getan hat, ist sein Ponti­fikat noch nicht auf der Höhe der Zeit.

Der gleiche Papst, der 1854 das Dogma von der Unbefleck­ten Empfängnis Marias proklamiert hat, proklamierte auch 1870 das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes. Die Kirche stützt sich in ihren Lehrentscheidungen nie auf eine Erschei­nung oder eine private Offenbarung, sondern allein auf die bei­den göttlichen Glaubensquellen, die Hl. Schrift und die münd­liche Überlieferung. Auch die am 31. Oktober 1942 durch den Hl. Vater im Rundfunk vorgenommene Weltweihe an das Un­befleckte Herz Marias geht im letzten und tiefsten zurück auf das in der Kirche stets fortlebende unfehlbare und unzerstör­bare Glaubensgut.

Aber Anstoß zu diesem feierlichen Akte von weltgeschicht­licher Bedeutung war doch Fatima, also eine Erscheinung, eine private Offenbarung, eine Prophezeiung. Die Kirche, die nie vergißt, daß sie marianisch in ihrem Ursprung und in ihrer Ent­wicklung ist, freute sich immer, wenn sie die Tatsache einer Mutter-Gottes-Erscheinung feststellen konnte. Sie hat es auch in Beziehung auf Fatima getan nach 13jähriger sorgfältiger Un­tersuchung durch den zuständigen Bischof von Leira und nach 25 Jahren durch die feierliche Anerkennung des obersten Lehr-und Hirtenamtes. Fatima ist wohl etwas Neues als geschicht­liches Ereignis, aber Fatima ist kein neuer Glaubensartikel, son­dern nur die Bestätigung des alten. Die Kirche ist für Fatima, weil sie immer für Maria gewesen ist.

Und Maria ist katholisch

Wenn wir sagen: Maria ist katholisch, so wollen wir damit nichts anderes ausdrücken als: Maria wirkt sich erst ganz aus im Reichgottesgedanken. Am Tage der Verkündigung sprach ihr der Engel von einem Reich, das kein Ende nehmen wird. Seither lebt sie in diesem Gedanken an das in der Kirche fort­dauernde ewige Jesusreich. Der neunte Glaubensartikel von der einen heiligen katholischen Kirche, der Gemeinschaft der Heiligen, das ist ihre Welt. Das ist der Inhalt ihres Gebetes und ihrer mütterlichen Sorge. Die ganze Kirchengeschichte lebt sie mit. Das ist zu wenig gesagt: Sie macht sie mit und kämpft sie mit.

Die katholische Welt ist eine Innenwelt und eine Außenwelt. Sie ist vor allem Innenwelt. Ein Himmel von unermeßlichem geistigem Reichtum. Ein Reich der Gnade. Fatima war ein neues Pfingsten. Eine Herabkunft des Hl. Geistes. Der Hl. Geist ist vor allem Heiligmacher. Schöpfer großer innerer Persönlich­keiten. Es ist wunderbar, in welchem raschen Tempo drei unge­bildete Kinder durch marianische Schulung, einmal Werkzeuge des Hl. Geistes geworden, auf dem Wege der Vollkommenheit voranschreiten. Das ist kein mühsames Bergsteigen mehr. Das ist ein Fliegen zum Ziel. Hier sehen wir wieder, was für eine Dynamik in den leider von den meisten Christen vergessenen Gaben des HI. Geistes liegt, wenn man sich einmal rückhaltlos seiner Führung übergibt.

Weil Fatima ein neues Pfingsten ist, mußte es auch eine Welt der Charismen sein. Eine Welt der Visionen, der Offenbarun­gen, der Prophezeiungen, der Wunder, der Krankenheilungen. Wer die Reichgottesgeschichte beider Testamente liest, der sieht, daß das Charisma des Außerordentlichen immer neben dem Ordentlichen des kirchlichen Lehr- und Hirtenamtes ein­herging, um es zu bekräftigen und zu befruchten. Fatima be­weist, daß, dem modernen Rationalismus zum Trotz, der HI. Geist der ersten Pfingsten immer noch in seiner Kirche lebt. Heiligmacher zuerst, aber auch Lebendigmacher, Wecker und Tröster der Christenheit durch das Außerordentliche.

Die portugiesische Freimaurerei suchte die Vernichtung der Kirche dadurch zu erreichen, daß sie ihr die Luft nahm. Jede religiöse Kundgebung außerhalb der Kirche war verboten. Die Kirche sollte, um zu sterben, in der Öffentlichkeit einfach eine Null werden. Die Luft, die Politik, die Wirtschaft, die Schule, die Gesellschaft wurde konfessionslos. Was machte Maria, um die Kirche zu befreien? Sie erschien nicht in einer Kirche, nicht in einem verborgenen Kloster, nicht in einem stillen Kämmer­chen, sondern in aller Öffentlichkeit. Sie leitete die Offensive gegen die liberale Freimaurerei ein, indem sie die Luft eroberte. Die Kirche sollte aus der Sakristei heraus wieder auf die Straße gehen. Auf die Straße, d. h. ins Leben der Völker.

Der marianischen Offensive war ein voller Erfolg beschieden. Im Frühling 1942 wurde das Gnadenbild Unserer Lieben Frau von Fatima zu einer nationalen Huldigung nach Lissabon ge­führt auf einem Auto der «Portugiesischen Legion». Die 150 Kilometer, die das Bild zurückzulegen hatte, wurden zu einem ununterbrochenen Triumphzug. Die Straßen glichen einem Blu­menteppich. Die Bewohner der ganzen Gegend bildeten auf den Knien Spalier. Alle wollten die Himmelskönigin grüßen, bitten, verehren. Als die Statue in Lissabon erschien, war die Weltstadt von tiefster Ergriffenheit überwältigt. Alle fielen auf die Knie, jubelnd, weinend und betend. Es war ein unbeschreibliches Schauspiel. Bei der Feldmesse der katholischen Jugend kommunizierten 15 000 Jungmänner und Jungmädchen. Die Zahl der Anwesenden wurde auf 500 000 geschätzt. Ihr Beten war wie das Rauschen des Meeres. Als die hl. Jungfrau durch die Reihen getragen wurde, brach ein unbeschreiblicher Jubel los: Bitten, Händeklatschen, Lieder, Schluchzen, Tränen der Freude, der Liebe, der Reue waren in aller Augen. Die Fackel­prozession zu Ehren des großen Gastes dauerte von 10 Uhr abends bis morgens 4 Uhr.

Bei der im Mai darauf stattgefundenen Jubiläumswallfahrt strömten 300 000 nach Fatima. Die meisten zu Fuß trotz Kälte und Regen. Als die Jungmänner, 9 000 Mitglieder der katholi­schen Jugendorganisation, Hochschüler und Gymnasiasten das Heiligtum von Ferne erblickten, knieten sie mitten im Schlamm der Straße nieder und beteten den Rosenkranz. Zu Füßen des Gnadenbildes schworen sie dann, «um jeden Preis als hundert­prozentige Katholiken zu leben, möge es auch die Gesundheit, ja das Leben kosten. Dann wandten sie sich an die am Gnaden­ort versammelten Bischöfe und riefen: «Da sind wir. Wir wol­len die ersten sein im neuen Kreuzzug der Erlösung, verlanget viel von uns auf dem Felde des Apostolates.»

Jedes weitere Wort ist überflüssig. Steht auf und macht’s nach. Fatima muß für die Völker des Abendlandes zur Wand­lungsglocke werden.

_______

Quelle: Artikel aus der Zeitschrift „Das Neue Volk“

Prälat Robert Mäder: HAUPT UND HERZ

Maria ist nicht bloß Dekoration. Wir kommen nicht nur des­wegen immer wieder im Verlaufe des Kirchenjahres auf die allerseligste Jungfrau zurück, weil der Katholizismus poetisch ist und in Maria ein unerschöpfliches Thema für Beredsamkeit und Dichtkunst, Musik und Malerei findet.

Wir reden immer wieder von Maria, weil Maria eine zentrale Stellung in Kirche und Menschheit einnimmt und weil man überhaupt nicht eine organische, einheitliche Auffassung vom Menschengeschlecht haben kann ohne Maria. Maria ist das Herz wie Christus das Haupt der Menschheit ist.

Der Zug zu einer einheitlichen Zusammenfassung aller Men­schen und Völker lag wohl niemals seit 6000 Jahren so in der Luft wie heute. Es gibt eine doppelte Einheit. Eine, die vom Heiligen Geist ausgeht und eine, die von Luzifer ausgeht. Eine, die das Werk der Liebe und eine, die das Werk des Hoch­mutes ist. Eine organische und eine mechanische. Eine katholi­sche und eine freimaurerische.

«Wissen Sie», fragte einmal Donoso Cortés, «was die gegen­wärtige Revolution ist? Es ist das letzte Entwicklungsstadium des menschlichen Stolzes.» Die Welt träumt eine großartige Einheit. Ein geradezu wahnsinniges Einheitsbestreben hat sich aller bemächtigt.

Zweimal hat der Mensch diesen satanischen Einfall gehabt. Das erste Mal, als er den Turm von Babel aufrichten wollte, das zweite Mal heute, wo überspannte Demokratie eine Ein­heitswelt gestalten will. Das demokratische Babel wird kein anderes Schicksal haben als das Babel der Heiligen Schrift. Be­vor der Turm der Einheit fertig ist, wird Gott herniederstei­gen, um die Nationen zu züchtigen und die Völker zu zer­streuen.

Es gibt einen anderen Zug zur Einheit des Menschenge­schlechtes. Es ist derjenige, der vom Heiligen Geist ausgeht und den wir den Zug zur organischen oder katholischen Ein­heit nennen können. Die organische Einheit, weil sie von innen heraus wächst nach den Gesetzen, die Gott der Menschheit gegeben hat. Die katholische, weil sie mit der Aufgabe des Katholizismus zusammenfällt und alle Völker umspannen will.

Nun gut, die organische oder katholische Einheit des Men­schengeschlechtes besteht darin, daß alle Völker das gleiche Haupt und das gleiche Herz haben. Das Haupt des Menschen­geschlechtes ist Christus. Das Herz des Menschengeschlechtes ist Maria.

Oder, was auf das gleiche herauskommt, die Einheit des Menschengeschlechtes beruht darauf, daß alle Völker den glei­chen Vater und die gleiche Mutter haben. Jesus und die allerseligste Jungfrau! Es ist merkwürdig, daß der größte Teil der Menschheit nach 2000 Jahren noch nicht weiß, daß sie einen Vater und eine Mutter haben muß, und noch nicht weiß, wie ihr Vater und ihre Mutter heißen.

Das Haupt der Menschheit ist Christus. Die Menschen sind ein Ganzes. Sie bilden, wie die Äste, die aus der gleichen Wur­zel entspringen, einen zusammenhängenden lebendigen Orga­nismus, einen Baum, einen großen Körper. Die Wurzel, wenn wir bei dem Bild «Baum» bleiben wollen, das Haupt, wenn wir das Ganze «Leib» nennen, der Vater, wenn wir das Menschen­geschlecht als Familie betrachten, ist natürlicherweise Adam.

Andererseits hat Christus der Gottessohn das ganze Men­schengeschlecht, Adam inbegriffen, durch seine Menschwer­dung an sich gezogen. Indem er die menschliche Natur an­nahm, die ein Glied der Menschheit und darum mit der Menschheit untrennbar verbunden war, hat er auch nach der Lehre der Kirchenväter in gewissem Sinne die ganze Mensch­heit angenommen.

Die ganze Menschheit gehört, wie der große Dogmatiker Scheeben sagt, zur Person Christi als deren Leib, wenn auch nicht in einer so innigen Weise wie die menschliche Natur Jesu. Christus ist durch die Menschwerdung Haupt des ganzen Men­schengeschlechtes geworden. «Er steht an der Spitze von allem und alles hat in ihm seinen Bestand» (Kol 1, 17).

Wir rühmen uns, ein politisches Zeitalter zu sein. Es gibt aber keine politische Weisheit, die gegen die Grundgesetze der gött­lichen Weltordnung und Weltregierung verstoßen dürfte. Wenn es also, wie der Epheserbrief sagt (1, 10), Gottes Ratschluß ist, «alles, was im Himmel und auf Erden ist, in Christus als dem Haupte zusammenzufassen», dann ist es auch Aufgabe mensch­licher Politik, alles, was auf Erden ist, mit Christus als dem Haupte zu vereinigen.

Es gibt kein anderes Mittel, der Welt die Ordnung, die Wohl­fahrt und den Frieden zu geben. Niemand kann ein anderes Fundament legen als das, das gelegt worden, Christus Jesus (1. Kor. 3, 11), Jesus, der Weg, die Wahrheit und das Leben (Joh 14, 6). Jede Friedenspolitik, die das vergessen würde, wäre Torheit. Man regiert nie die Menschheit ohne das Haupt des Menschengeschlechtes. Man regiert nie die Menschheit ohne Christus, den König.

Aber man regiert auch nie die Menschheit ohne die Mutter.

Man regiert sie nie ohne das Herz des Menschengeschlechts. Man regiert sie nie ohne Maria. Der Protestantismus versteht Maria nicht und wird sie nicht verstehen, weil er in ihr nur eine für sich existierende Privatperson sieht. Maria kann nur richtig verstanden werden, wenn man sie betrachtet in ihrer Beziehung zu Christus und zur Menschheit. Christus der Gottmensch ist, wie wir gesehen haben, das Zentrum aller Dinge. Als Gott ver­einigt mit dem Vater und dem Heiligen Geist im Geheimnis der allerseligsten Dreifaltigkeit. Als Mensch vereinigt mit der gan­zen Schöpfung und besonders mit der Menschheit als ihr Haupt.

Was Gott verbunden, das soll der Mensch nicht trennen. Wenn von Christus die Rede ist, muß man den ganzen Christus ins Auge fassen. Der ganze Christus, das ist Christus als Gott, Christus als Mensch und Christus als Haupt. Der ganze Chri­stus, das ist Christus mit den ihm Angegliederten. Er und wir, wie der heilige Augustinus einmal schreibt.

In dieser Zentralbeleuchtung muß man Maria sehen. Sie ist die Mutter von Christus so wie er ist. Also die Mutter vom gan­zen Christus. Die Mutter von dem mit der Gottheit vereinigten und mit dem Menschengeschlecht verbundenen Christus. Die Mutter des Hauptes und der Glieder. Die Mutter von Ihm und von uns. Freilich, wie Augustinus ausführt, Mutter von uns dem Geiste nach, aber doch durchaus Mutter der Glieder Chri­sti, die wir sind.

Daraus folgt: Maria steht im Zentrum der Schöpfung, im Zentrum der Menschheit. Nicht wie Christus. Aber neben Chri­stus. Mit Christus. Für Christus. Es ist nur ein Haupt. Es ist nur einer, durch den alles gemacht worden ist. Es ist nur einer, der in allem den Vorrang hat. Es ist nur einer, in dem die ganze Fülle wohnt und durch den alles versöhnt worden ist, alles auf Erden und alles im Himmel, indem er durch sein Blut am Kreuze Frieden stiftete (Kol 1, 13 ff.). Maria ist nicht das Zen­trum, aber sie steht im Zentrum! Maria ist nicht das Haupt, aber sie ist das Herz der Menschheit!

Wie es keine Einheit und keinen Frieden gibt ohne und ge­gen das Haupt, so gibt es darum keine Einheit und keinen Frie­den ohne und gegen das Herz der Menschheit. Gott, der ein Gott der Harmonie ist, wollte, daß die Menschheit nicht nur einen Kopf, sondern auch ein Herz habe. Als er darum die Ur­zelle der menschlichen Gesellschaft, die Familie schuf, sprach er: «Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei. Lasset uns ihm eine Gehilfin machen, die ihm gleiche.»

Das gilt auch für die Menschheitsfamilie. Wenn die Menschheit eine bloße Organsation wäre, brauchte sie kein Herz. Aber die Menschheit ist keine bloße Organisation, sondern ein leben­diger Organismus. Sie hat, wie wir gesehen, ein Haupt. Sie muß also auch ein Herz haben, eine Helferin, eine Ausspenderin der Gaben und Gnadenschätze, eine Erzieherin und Ernährerin der Kinder.

Die Wohlfahrt und der Friede des Menschengeschlechtes hängen also wesentlich von Maria ab, weil die Gesundheit des Organismus wesentlich vom Herz abhängt. Maria ist die Königin des Friedens! Ich weiß nicht, ob man je auf den Friedens- und Abrüstungskonferenzen einen Vortrag über dieses Thema gehalten hat. Aber das weiß ich, daß alle Friedens- und Ein­heitsbestrebungen umsonst sind ohne diejenige, die am Tage ihrer Auserwählung die Mutter des Hauptes und so das Herz des Menschengeschlechtes und dadurch die Mutter des Frie­dens geworden ist.

_______

Quelle: „MARIA“ – Artikel aus „Das Neue Volk“

 

Pfarrer Robert Mäder († 26. Juni 1945): MARIA SIEGT – Dein Signal

Ein großes Zeichen am Himmel! Ein Weib mit der Sonne bekleidet. Der Mond unter ihren Füßen. Auf ihrem Haupte eine Krone mit zwölf Sternen. Und es erschien ein anderes Zeichen am Himmel. Und siehe, ein großer blutroter Drache, mit sieben Köpfen und auf seinen Köpfen sieben Kronen.

Und der Drache trat vor das Weib, um ihr Kind zu verschlingen. Und es erhob sich ein großer Streit im Himmel. Aber der Drache siegte nicht und er wurde in die Tiefe geschleudert, die alte Schlange, welche genannt wird der Teufel und Satan.

Ein Bild aus der Geheimen Offenbarung des hl. Johannes. Eine Szene voll großartiger Lebendigkeit aus dem Riesenkampfe zwischen Himmel und Hölle! Ein Bild zum 8. Dezember. Vom unsichtbaren Kriegsschauplatze der Geister!

Der 8. Dezember, obschon ein uraltes christliches Fest, ist seit 1854 ein Fest von hochmoderner Bedeutung geworden. Mariä Empfängnis ist im gewaltigtobenden Geisteskampfe der Gegenwart Signal geworden. Das Zeichen am Himmel, nach welchem wir unsere Tagesuhren richten müssen.

Signal gegen Signal! Maria gegen die alte, unter ihren Füßen wutknirschende Schlange, welche genannt wird Teufel und Satan. Es handelt sich nicht um ein verlorenes Bergdorf, um vereinzelte Träger des Unglaubens oder schlechte Schriften.

Personen und Namen spielen hier keine Rolle. Es ist der Entscheidungskampf zwischen den beiden großen Zeichen am Himmel. Maria oder der Teufel, das ist die Frage. Das Weib mit der Sonne oder der Drache! Wir werden zu wählen haben. Wir werden wählen müssen.

Maria,
das große Signal am Himmel für die
moderne Frau.

Es sind jetzt mehr als hundert Jahre. Ein Heer zog von Süden ins Tirol hinein. Es war ein heißer Krieg. Der Eroberer rückte heran gegen Spinges. Vor dem Tabernakel lag im Gebete ein hochgewachsenes, fröhliches aber kernhaft frommes Mädchen. In unendlicher Angst ringt sie ihre Hände, mit steigendem Entsetzen vernimmt sie das Getöse der Schlacht, die immer näherkommenden Schüsse.

Plötzlich springt sie auf und sperrt die Kirchentür zu. Sie sieht die ersten Feinde an der Friedhofmauer heranschleichen. Ein Schrei. Mit mächtiger Stimme ruft sie: Jesus, Maria, die Kirche, die Kirche! Sie fürchtet die Entweihung des Heiligtums.

Sie wird zur Löwin. Eine Gabel ist ihre Waffe. Wie ein Soldat kämpft sie mit den heraneilenden Landsleuten gegen den Feind. Wie ein Engel mit Flammenschwert nimmt sie Aufstellung vor der versperrten Kirchtür und hält dort den Feind abwehrend Tabernakelwacht.

Die Soldaten sind vor ihrer Erscheinung wie geblendet, senken ihre Bajonette und ziehen ab. Die Kirche mit dem Allerheiligsten ist gerettet. Das Mädchen von Spinges aber ist von Geschichtsschreibern, Dichtern, Malern und Bildhauern gefeiert worden. Sein Name hatte Heldenklang im ganzen Lande. Das war eine Bauernmagd. Aber in ihrer Hand lag zum guten Teil Wohl und Weh eines ganzen
Volkes.

Das war nich das erste Mal, daß eine schlichte Frauengestalt ihr Volk rettete. Wir brauchen nur an Jeanne d’Arc zu erinnern. Soll es in unsern ernsten Zeiten anders sein? Maria, das große Signal am Himmel, stellt eine ernste Forderung an die ganze moderne Frauenwelt: Stellt euch wie Cherubim an die Tore eurer Kirchen! Haltet Tabernakelwacht! Rettet Jesus eurem Volk und euren Kindern!

Frauen, seid Helden! Während draußen in der Welt der Kampf tobt und immer näher tönt ans Heiligtum, betet! Ringet in unendlicher Angst die Hände für euer Teuerstes! Seid moderne Beterinnen. Mit offenen Augen für die Welt und ihre Not. Also auch für die Freiheit der Kirche. Für die katholische Presse. Für die Schule. Für die Urne.

Greift mit eurem Gebet mitten hinein ins volle Menschenleben. Rettet den Heiland. Und dann, wenn’s nottut, hinaus vors Tor! Nicht nur beten, sondern auch handeln! Durch Belehrung, Mitarbeit, Aufmunterung!

Auch vor allem du, Mutter, vor die Schwelle des eigenen Hauses! Wie eine Heldin. Alles fortflammend mit deinem Aug, was Gefahr bringt — schlechte Menschen, schlechte Schriften! Halte Torwacht für Christus!

Maria,
das große Signal am Himmel für den
modernen Mann.

Ein berühmter Schriftsteller hat den Ruf erhoben nach mehr Ritterlichkeit. Viele wissen nicht einmal mehr, was das ist. Es war eine schöne Zeit, in der Blüteperiode des Mittelalters, wo die christliche Ritterschaft, der gute alte Adel, sein tapferes Schwert führte gegen alles Unrecht.

Schutz der Schwachen und Unterdrückten, insbesondere der wehrlosen Frau und des wehrlosen Priesters galt als erste Pflicht. Ein Ritter sein, hieß einstehen mit Macht und Geld und Blut für die leidende Unschuld und das zertretene Recht.

Heutzutag ist es vielfach anders geworden. Man steht lieber auf Seite des Großen als des Schwachen. Man sympatisiert mehr mit dem Inhaber der starken Faust als mit dem Armen, der Witwe und der Waise.

Man schaut hinter dem Fenster zu, wie die Tyrannei das Recht in den Boden stampft und schweigt, um es nicht mit den großen Herren zu verderben. Man sieht die Unschuld aus tausend Wunden bluten und ist passiver Zuschauer, damit’s keinen Lärm gibt und der sogenannte Friede d. h. das ungestörte Regiment der rohen Gewalt nicht gestört werde.

Man sagt, es nütze nichts gegen die Uebermacht der Schlechtigkeit zu kämpfen, um sich desto gemütlicher auf dem Ruhebett auszustrecken.

Mit einem Wort: Wir haben viele Schnurrbartträger, aber wenig Ritterlichkeit. Da hat es Christus der Starke ganz anders gemacht. Er hat nicht seine Größe mit der Weltmacht verbündet, mit der Gewalt, dem Reichtum, dem Zeitgeist. Christus war Ritterlichkeit von der Scheitel bis zur Sohle.

Christus war der Mann der Kleinen, der Schwachen, der Verstoßenen und Verfolgten. Christus stand auf der Seite der unterdrückten Wahrheit. Christus derjenige, der zuerst an alle andern denkt und zuletzt an sich. Beweis ist Golgatha und sein ganzes Leben.

So war Maria. Sie war das Weib mit der Sonne. Aber sie hat sich nicht in ihrer Heiligkeit vornehm gezeigt und Abgeschlossen. Sie war ritterlich. Sie hat aus Liebe und Hingabe für die arme sündige Menschheit ein Opferleben geführt. Und so ist sie das große Signal am Himmel auch für unsere Männer.

Wir brauchen nicht zu poltern. Wir brauchen auch nicht ohne Notwendigkeit beständig das Schwert zu schwingen. Aber wenn’s einmal sein muß, dann stelle auch du deinen Mann!

Andere mögen mit den Wölfen heulen. Das ist keine Tapferkeit. Du sei Ritter, edel aber stark. Halte deinen Schild über jedes unterdrückte Recht und über jede leidende Unschuld. Es gilt nicht, gegen Menschen zu kämpfen. Es gilt den Kampf gegen den Drachen, welcher genannt wird Satan.

Wer getauft ist und gefirmt, weiß, unter welche Fahne er am 8. Dezember sich stellen muß! Maria mit dem Kinde oder dann der Teufel. Das ist die Frage! Es ist der Entscheidungskampf zwischen den beiden großen Zeichen am Himmel.

Und wiederum schlage ich das Buch der Bücher auf. Und ich lese: Fürchtet den Herrn und gebet ihm die Ehre; denn die Stunde seines Gerichtes ist gekommen. Betet den an, der den Himmel und die Erde, das Meer und die Wasserquellen geschaffen hat.

Wenn aber einer auf Seite des Drachens kämpft, der wird trinken von dem Zornweine Gottes, der stark gemischt ist im Kelche seines Zornes und er wird gequält mit Feuer und der Rauch seiner Qual wird aufsteigen in alle Ewigkeit. Und es werden keine Ruhe haben Tag und Nacht, die den Drachen angebetet und ihm gedient. (Offbg. 14.)

Hl. Maria, Mutter Gottes, bitt für uns arme Sünder. Sei uns Signal in kalter finsterer Nacht. Nimm uns unter deine siegreiche Fahne und wir werden streiten wider den großen Drachen. Jetzt und in der Stunde unseres Todes.