Das letzte Abendmahl und die Einsetzung der Heiligen Messe

Kommentar von ALEXIUS:

Das Abendmahl ging zwar der Einsetzung der Heiligen Messe voraus. Die Einsetzung selbst hat mit dem Abendmahl nichts mehr zu tun.

Das Passahmahl, sinnbildlich gefeiert im Hinblick auf Christus, das kommende LAMM, das geschlachtet wird, wurde von Christus im Abendmahlsaal selbst aufgehoben. Denn Christus selbst ist nun das Lamm, das geopfert wird. Im Abendmahlsaal fand der Alte Bund seinen Abschluß. Der Neue Bund beginnt. („Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blute“ – „Der Vorhang des Tempels riß mitten entzwei“)

Die Einsetzung des Heiligsten Meßopfers, die Vorwegnahme des Kreuzesopfers, vollzog sich im Abendmahlsaal, doch nicht während des Abendmahls.

Aus den Kommentaren hier kann man sich fast ausmalen, daß manche sich vorstellen, daß das unaussprechlich heilige Geschehen zwischen Brotresten und den abgeschabten Teilen des Lämmleins sich vollzog und der Herr so nebenbei ein Brot nahm, die Wandlungsworte sprach und austeilte.

Passahmahl ist nicht gleich Einsetzung der Hl. Eucharistie.
Nach dem Abendmahl wurde durch den Speisemeister der Tisch völlig abgeräumt. Und Christus stand auf und es folgte die Fußwaschung. Es war die Vorbereitung auf das große Geschehen, das jetzt folgen sollte, sozusagen der Akt der Vorbereitung, der Buße und Reue der Apostel.

Dann erst begannen die Abschiedsreden Jesu. Danach folgte das Hohepriesterliche Gebet Unseres Herrn.

In der Zwischenzeit war vom Speisemeister alles neu gerichtet.
Hier gibt uns Anna Katharina Emmerich wertvolle Hinweise:
„Auf Befehl des Herrn hatte der Speisemeister den Tisch wieder zugerüstet und ihn etwas erhöht. Er ward mit einem Teppich, worüber eine rote und dann eine durchbrochene weiße Decke lag bedeckt wieder in die Mitte geschoben.“

Von der Fußwaschung sagte sie: „Diese Fußwaschung war geistlich und eine Art Absolution… Ich erinnere mich, daß Er von Seinem Reiche, von Seinem Hingang zum Vater sprach und wie Er ihnen vorher noch alles zurücklassen wolle was Er habe.. Er lehrte dann auch von der Buße, von Erkenntnis und Bekenntnis der Schuld, von der Reue und Reinigung. Ich erkannte, daß dieses einen Bezug zur Fußwaschung hatte und ich sah auch, daß alle ihre Sünden erkannten und bereuten – außer Judas. Diese Rede war lang und feierlich..
Die Türen waren geschlossen, alles sehr geheim und feierlich. Als nun die Hülle von dem Kelch abgenommen und in den abgeteilten Raum des Saales zurückgetragen wurde, betete Jesus und sprach sehr feierlich. Ich sah, daß Jesus ihnen das Abendmahl und die ganze Handlung auslegte, ich sah es, als ob ein Priester den andern die heilige Messe lehre.
Er zog hierauf aus der Platte, worauf die Gefäße standen, einen Schieber heraus, nahm ein weißes Tuch, das über dem Kelche hing, herab und breitete es über die ausgezogene Fläche. Ich sah ihn dann eine runde Platte von dem Kelch herabnehmen und auf die bedeckte Fläche stellen. Dann nahm Er die auf dem nebenstehenden Teller liegenden Brote unter ihrer Verhüllung hervor und legte sie auf die Platte vor sich hin…Dann segnete Er das Brot und, ich meine, auch die nahestehenden Öle und hob nun die Platte mit den Osterbroten mit beiden Händen empor, schaute gen Himmel, betete, opferte, setzte die Platte nieder und deckte sie zu. Hierauf nahm Er den Kelch, ließ sich von Petrus Wein und von Johannes Wasser, das Er segnete, hineingießen. Nun segnete Er den Kelch und hob auch ihn betend und opfernd empor und setzte ihn nieder.“
Sie spricht auch von einer Händewaschung der Reihe nach durch die Apostel.
Und Anna Katharina Emmerich sagt: „Alles zeigte den Keim der heiligen Messe“
Sie beschreibt dann noch einige einzelne Abschnitte und fährt dann weiter: „Er betete und lehrte noch. Alle seine Worte gingen wie Feuer und Licht aus seinem Munde in die Apostel ein..Dann nahm er die Platte mit dem Brot und sprach: ‚Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.’ Dabei bewegte er seine Rechte wie segnend darüber und als Er dies tat, ging ein Glanz von ihm aus, seine Worte waren leuchtend und ebenso das Brot, das wie ein Lichtkörper in den Mund der Apostel strömte. Es war, als fließe Er selbst in sie hinein. Ich sah alles wie von Licht durchdrungen…
Dann hob Jesus den Kelch empor und sprach die Worte der Einsetzung hinein. Er war in dieser Handlung ganz verklärt und wie durchsichtig.
Sie sprach später dann auch vom Purifizieren der Hände „dann hielt er die Finger über den Kelch und ließ sich von Petrus und Johannes Wasser und Wein darüber gießen…

Ich erinnere mich nicht gesehen zu haben, daß der Herr es selbst genossen..Als Er es gab, gab Er sich, so daß Er mir wie ausgeleert und in barmherziger Liebe ergossen schien. Es ist dies unaussprechlich. Ich habe auch nicht gesehen, daß Melchisedek, als er Brot und Wein opferte, es selbst genossen..

Jesus hielt danach noch eine Geheimlehre, Er sagt ihnen ,wie sie das heilige Sakrament fortsetzen sollten zu seinem Gedächtnis bis ans Ende der Welt..
Dann aber lehrte Er sie vom Priestertum und der Salbung und der Bereitung des Chrismas und der heiligen Öle..“

Sie berichtet auch von der Salbung des Petrus und Johannes.

In einem lateinischen Catechismus Romanus (Mainz) ist auf Seite 231 f. im Abschnitt des Sakraments der Firmung zu lesen, daß
nach der Überlieferung des hl. Papstes Fabian zu lehren sei, Jesus habe bei der Einsetzung des Hl. Sakramentes die Apostel in der Bereitung des Chrismas unterrichtet. Es sagt nämlich jener Papst im 54. Kap. seiner zweiten Epistel an die Bischöfe des Orients: „Wie unsere Vorgänger von den heiligen Aposteln empfangen und uns zurückgelassen haben, hat der Herr Jesus Christus an jenem Tage, nachdem er mit seinen Jüngern das Abendmahl gehalten und ihnen die Füße gewaschen, das Chrisma zu bereiten gelehrt.“

Ein Ärgernis also, hier zu sprechen von “Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen” oder von einem “Herrenmahl”.

Der neue Ordo der Heiligen Messe [N.O.M.] – „Die Einheit in der Irrlehre“?

Von Pierre Tilloy, Versailles

Aus dem Französischen übersetzt von Eduardo Hugentobler, St. Gallen

8. Fortsetzung

ERANT AUTEM LAMPADES COPIOSAE IN CENACULO — ­durch den Geist dieses einzigen, eigentlich mehr beiläufig erwähnten Sätzchens ist der ganze „Novus Ordo Missae“ samt dem ihm zugrunde liegenden Ikonoklasmus der „Neuen Theolo­gie“ grundsätzlich gerichtet und abgetan; hätten sich doch unsere Oberreformer in Rom nur dieses einzige Sätzchen aus der Apostelgeschichte zum Kanon ihrer Bestrebungen gemacht, ­das rechtgläubige Volk brauchte sich heute nicht an den kalvinistisch-profanen Holztischen zu ärgern, welche die katholi­schen Altäre mit all ihrem herrlichen Kerzenschein aus den „Zenakeln der Moderne“ verbannt und ersetzt haben, und auf welchen die noch rechtgläubigen Priester das Hochheilige Eucharistische Opfer sehr oft im düsteren Scheine von zwei armselig flackernden Kerzenstummeln darzubringen gezwungen sind!

Wir können nun auf alle Fälle unschwer erraten, warum die Feinde der Kirche, die — wohlgemerkt! — immer auch in erster Linie die Feinde des Römischen Papsttums sind, angesichts des neuen Messordo, der gar keiner mehr ist, in Äußerungen der Anerkennung, der Zufriedenheit und Freude ausbrechen, und von jetzt an noch mehr darauf aus sind, dem sog. „ökumeni­schen Gedanken“ einer zukünftigen Einheit im Schoße der freimaurerisch-protestantischen Häresie, in einer alle Sekten friedlich umfassenden „Superkirche“, gerade im Herzen des gegenwärtig regierenden Heiligen Vaters, endgültig zum Durch­bruch zu verhelfen. Wir können dazu nur grundsätzlich feststel­len:

In dem Augenblick, da die Heilige Römische Kirche Mitglied des in Genf etablierten „Ökumenischen Weltkirchenrates“, dieses obersten Forums aller antikatholischen Irrlehren und Spaltungen des Erdkreises, wird, darf, kann und muss sie sich mit Recht und traurigem Stolz als die unheilige „römische Schwesterkirche“ aller dort vertretenen häretischen und schismatischen Denominationen, die von Vatikanum II in wahrheitswidriger Weise, unter Missachtung der ganzen recht­gläubigen doctrina de ecclesia, mit dem allein dem Mysti­schen Leib Christi gebührenden Titel „KIRCHE“ in ihrer Häresie und Spaltung bestärkt werden, — ausgeben, feiern und gleichschalten zu lassen, denn sie ist dann tatsächlich zur ökumenischen „Teil- und Schwesterkirche“ geworden, die ebenso auf der „Suche“ und auf dem „Weg“ zur „wahren“ Kirche Christi ist, wie es die übrigen Häretiker zu sein behaupten. Mit ihrer dogmatischen Intoleranz hat sie sich dann auch des weiteren Anspruchs begeben, noch fernerhin die Eine, Heilige, Katholische und Apostolische Kirche — die KIRCHE, das REICH DES GOTTMENSCHEN zu sein.

Doch selbst wenn die Stiftung des Papsttums durch den privaten und irrigen Alleingang eines seiner Ver­treter, welcher der neomodernistisch-freimaurerischen Gehirn­wäsche seitens einer im Vatikan etablierten klerikal getarnten, kryptoatheistischen Carbonaria zum Opfer gefallen ist, in einem solchen Ausmaße herabgewürdigt und verhöhnt werden sollte, wüssten wir dies als Prüfung der sich langsam erfüllenden Apokalypse zu deuten und zu würdigen, uns die Worte des Herrn, die Stiftungsurkunde des Papsttums in Matthäus 16,18 ins Gedächtnis zurückrufend:

Et portae inferii non praevalebunt adversus eam — Die Pforten der Hölle werden sie NICHT überwältigen!

— mag der „Drache“ auch noch so in „Zorn“ geraten „über das Weib“ und hingehen, „Krieg zu führen mit ihren übrigen Kindern“, die „Gottes Gebote noch beobachten“, und am Zeugnis JESU CHRISTI festhalten“. — Hat nicht auch gerade der heilige Papst Leo I., der Große, einer der Vier abendländi­schen Kirchenväter, im Rückblick auf die zurückliegenden Schicksale des Papttums, und in Vorausschau und Vorahnung der zukünftigen, das so bedeutsame Wort geprägt:

„PETRI DIGNITAS ETIAM IN INDIGNO HEREDE NON DEFICIT!“ ‑
„Die Würde Petri geht auch in einem unwürdigen Erben nicht verloren!“ —

Bei aller Ehrfurcht und Verehrung, die wir nicht nur der Amtsperson, sondern auch der Privatperson des Heiligen Vaters schulden, können wir doch nicht umhin, der Wahrheit die Ehre zu geben, indem wir unseren leider nur allzu begründeten Sorgen und Ängsten über die Handlungsweise eines Stellvertre­ters Christi in der gleichen offenen Art und Weise Ausdruck verleihen, wie dies in gleicher Weise auch die beiden heiligen Frauen Katharina von Siena und Königin Birgitta von Schweden getan haben. So gern wir auch möchten — wir können uns nicht am hellen Lichte einer erwiesenen Tatsache verblenden: Die Ansprache vom 19. November 1969, die der Heilige Vater in seiner Generalaudienz gehalten, beweist ganz klar, dass der Novus Ordo Missae auch sein Werk ist, wenn vielleicht auch nur in seinen rechtgläubigen Restbeständen; da er ihn aber als Ganzes verteidigt und alle rechtgläubigen Einwände dagegen a priori als quasi inoboedientes diffamiert, können wir uns die traurige Feststellung nicht ersparen, dass er einer materi­ellen Häresie Vorschub leistet.

Mit dieser seiner Verteidigung des „Novus Ordo Missae“, resp. der „Institutio Generalis ad Missale Romanum“ hat der Heilige Vater seine persönliche Zuwendung zum pluriformen Oekume­nismus vollzogen — obwohl er rührend bemüht ist, mehr oder weniger große Partikel noch verbliebener katholischer Glau­benssubstanz zu retten; allein, die dem Novus Ordo Missae innewohnende häretische Dynamik wird ihn trotz seiner gutge­meinten Versuche mit sich fortreißen, und mit eiserner Konse­quenz dahin bringen, auf diesem Zwischenschritt nicht länger zu verharren, sondern geradewegs auf das logische Endziel, auf die von Max Thurian so bejubelte „ökumenische Messe“ loszusteu­ern, und damit „allen alles zu werden“: mit den Rechtgläubigen rechtgläubig, mit den Irrgläubigen irrgläubig und agnostisch mit den Agnostikern. Damit wäre dann jener Zustand erreicht, den der geniale und prophetische russische Religionsphilosoph und Konvertit Wladimir Solowjow (1853-1900) in seiner erschütternden „Erzählung vom Antichrist“ (Vita Nova Verlag, 1935, Luzern, deutsch von Karl Noetzel) in der Szene schildert, wo der Antichrist nach der Abhaltung eines von allen christli­chen Denominationen besuchten „ökumenischen“ Konzils, in seinem Thronsaal zu Jerusalem, im Namen „aller Christen“, dem „heiligen Kollegium“ vorschlägt, seinen „geliebten Freund und Bruder Apollonius, den „großen Magier aus dem Osten“, anstelle des von ihm beseitigten Papstes Petrus II zu wählen, damit zum Heile aller durch das enge Band zwischen ihnen beiden die Vereinigung der Kirche und des Staates haltbar und unzerreißbar werde.“ —

—  „Das heilige Kollegium begab sich zum Konklave in ein besonderes Gemach, und kehrte anderthalb Stunden später mit dem neuen Papst Apollonius, dem Großen Magier aus dem Osten, zurück.

—  „Während die Wahl vor sich ging, hatte der Weltkaiser und Antichrist sanft, weise und beredt die Vertreter der rechtgläubi­gen und der evangelischen Kirche davon überzeugt, dass es nötig sei, in Anbetracht der großen neuen Aera der christlichen Geschichte ihre alten Zwistigkeiten beizulegen. Und er verbürgte sich mit seinem kaiserlichen Wort, dass Apollonius es wohl verstehen werde, allen „geschichtlichen Missbräuchen“ der päpstlichen Gewalt für immer ein Ende zu bereiten.

—  „Infolge dieser Rede setzten die Vertreter der „Rechtgläubig­keit“ und des Protestantismus, die schon längst zum Antichri­sten übergelaufen waren, ein Schriftstück auf über die Vereini­gung ihrer Kirchen, und als sich Apollonius mit den Kardinälen im Thronsaal zeigte, überreichte ihm, unter den Freudenrufen der ganzen Versammlung, ein griechischer Bischof und ein evangelischer Pastor dieses Schriftstück.

—  „Accipio et approbo et laetificatur cor meum“, sprach Apollonius und unterschrieb das Dokument.

—  „Ich bin ein ebenso aufrichtiger Rechtgläubiger und überzeug­ter Protestant, wie ich ein gläubiger Katholik bin!“ ‑

– fügte er hinzu, und er umarmte freundschaftlich den Griechen und den Deutschen.

—  „Darauf schritt er auf den Weltenkaiser und Antichristen zu, und der umarmte ihn und hielt ihn lange in seinen Armen.“ —

Noch ist diese Szene eine bloße Möglichkeit, eine schauerliche Vision, doch wir fragen uns: Für wie lange noch? Auch wenn wir nicht kleinmütig die Zeichen der Zeit pessimistisch ausdeu­ten wollen, so müssen wir in Anbetracht dieses aus Rom und nicht etwa aus dem häretischen Schoße des „Oekumenischen Weltkirchenrates“ zu Genf stammenden irrgläubigen „Novus Ordo Missae“ objektiv feststellen, dass die obenerwähnten Visionen des heiligen Propheten Daniels über den „Greuel an Heiliger Stätte“ über die „Beseitigung des Schlachtopfers“ langsam, aber konsequent in Erfüllung gehen, so die Prophezei­ungen der kirchlich beglaubigten stigmatisierten Augustinernon­ne Anna Katharina Emmerick aus dem Kloster Dülmen in Westfalen, bestätigend, die gesagt hat: „Fünfzig Jahre vor dem Jahr 2000 wird Satan nochmals für eine kurze Zeit losgelassen.“ (Vgl. Schmöger, „Das Arme Leben und Bittere Leiden unseres Herrn Jesus Christus und Seiner Heiligsten Mutter Maria nebst den Geheimnissen des alten Bundes, nach den Tagebüchern des Clemens von Brentano, 4. verbesserte Auflage, 1892, Seite 1058, — das ganze Werk ist gegenwärtig beim IMMACULATA­Verlag, Reußbühl/Luzern, im Neudruck!). Der „Novus Ordo Missae“ bzw. die „Institutio Generalis“ scheint auch eine Bestätigung des auszugsweisen Textes des sogenannten „3. Geheimnisses von Fatima“ zu sein, wo es heißt:

„Nirgends mehr herrscht Ordnung. Selbst in den höchsten Stellen regiert Satan und bestimmt den Gang der Dinge. ER WIRD ES SOGAR VERSTEHEN, IN DIE SPITZEN DER KIRCHE EINZUDRINGEN.“ —

Unseres Wissens ist diese inoffizielle Veröffentlichung des 3. Geheimnisses von Fatima niemals offiziell dementiert worden. Wir haben deshalb vernünftigen Grund, anzunehmen, daß der wesentliche Inhalt dieser Veröffentlichungen demjenigen des Originals in Rom entspricht.

Wenn wir weiter oben die Möglichkeit postuliert haben, dass der „Vater der Lüge“ und „Menschenmörder von Anbe­ginn“, der „Fürst dieser Welt“ die menschliche Schwäche persönliche Irrtumsfähigkeit eines in sich ungefestigten und gespaltenen Papstes, soweit fördern und ausnützen kann, dass er sich von falschen Freunden und Wölfen im Schafspelz, in häretische Machenschaften und Spekulationen verwickeln lässt oder sogar aus eigener, persönlicher Initiative vom „Weg der Wahrheit“ abirrt, so ist diese unsere grundsätzliche Feststel­lung keinesfalls blasphemisch oder der erlauchten Würde des von JESUS CHRISTUS dem GOTTMENSCHEN eingesetzten Papst­tums abträglich, oder dazu angetan, unser „Senitre cum Ecclesia“ in Frage zu stellen oder ihm Abbruch zu tun, ganz im Gegenteil! Gerade die Tatsache, dass wir in einer irrigen Privatmeinung eines Stellvertreters Christi, wie sie gegen­wärtig im „Novus Ordo Missae“, resp. in der „Institutio Generalis ad Missale Romanum“, so deutlich zum Ausdruck kommt, ein so großes Unheil für die Reinheit und Unverfälscht­heit des Katholischen und Apostolischen Glaubens erkennen, ist der beste Beweis dafür, wie ernst es uns mit der Göttlichen Institution des Papsttums ist, dem nun als höchster sichtbarer religiöser Autorität alle Mittel zur Verfügung stehen, diese Häresie der Privatperson des Heiligen Vaters, der ganzen Kirche als disziplinarisch verpflichtend, aufzuerlegen.

Wie sehr ein Papst als Privatperson in den Irrtümern und Vorurteilen seiner Zeit befangen sein kann, können wir am besten an der Gestalt des ersten Papstes der Katholischen Kirche, am Verhalten des heiligen Petrus vor seiner Bekehrung beobachten. Kehren wir zu diesem Zwecke zurück nach Cäsarea Philippi, wo jene weltberühmte Szene von Matthäus 16,16 sich ereignete:

—  „Als Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi kam, richtete er an seine Jünger die Frage: Für wen halten die Leute den Menschensohn? Sie antworteten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elias, wieder andere für Jeremias, oder sonst einen Propheten.“

—  Er aber fragte sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Pe trus gab zur Antwort:

„DU BIST CHRISTUS, DER SOHN DES LEBENDIGEN GOTTES!“

Da sprach JESUS zu ihm:

„Selig bist du, Simon, Sohn des Jonas!

Denn nicht Fleisch und Blut hat Dir das geoffenbart, sondern mein Vater, der im Himmel ist.

Und so sage ich DIR: Du bist KEPHAS und auf diesen KEPHAS will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.

Ich will Dir die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was immer du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.“

Alsdann schärfte ER den Jüngern ein, niemand zu sagen, dass er der Messias ist.

— „Von da an begann JESUS seinen Jüngern darzulegen, er müsse nach Jerusalem gehen, von den Ältesten, Hohepriestern und Schriftgelehrten viel leiden und getötet werden, aber am dritten Tage werde ER auferstehen. Er sagte das ganz offen. Da zog IHN Petrus an sich, machte IHM Vorhaltungen und sprach: — „Gott bewahre, Herr! Das bleibe fern von Dir!“

Er aber wandte sich um, und sprach zu Petrus:

„Hinweg von mir, Satan!
Du bist mir zum Ärgernis!
Du hälst es nicht mit Gott,
sondern mit den Menschen!“ —

Diese beiden hier geschilderten Szenen sind von ungeheurer Dramatik, von Gegensätzen erfüllt, die sich aber trotz der großen inneren Spannung, nicht grundsätzlich ausschließen:

Der gleiche Herr Jesus Christus, der Simon Petrus, den Sohn des Jonas, noch kurz vorher für sein feierliches Bekenntnis der Gottheit, das er auf Veranlassung einer direkten übernatürlichen Erleuchtung und Offenbarung durch den HIMMLISCHEN VATER vor allen Jüngern abgelegt hat, selig preist,  und ihn dafür zum Kephas, zum Felsenfundament und zum Träger der höchsten religiösen Autorität seiner Kirche macht, dieser gleiche Herr Jesus Christus, nennt diesen von ihm für alle Zeiten auserwählten Kephas  und Träger und Inhaber der Schlüssel des Himmelreiches, schon kurz danach einen „Satan“ und ein „Ärgernis“, einen Menschen, der es nicht mit den Plänen Gottes, sondern mit den profanen Messias- und Erlösungsidealen des damaligen jüdisch-heidnischen Zeitgeistes hält!

Diese Begebenheit des Matthäusevangeliums (Matth. 16,13-28), die uns auch im Markusevangelium (Markus 8,27-33) und im Lukasevangelium (Lukas, 18,31-34) berichtet wird, hat für uns rechtgläubige Christen einen ungeheuer tröstlichen Aspekt: Sie zeigt uns, dass die Größe und Erhabenheit des Papsttums nicht nur auf der menschlichen Heiligkeit, auf einer Persönlichkeit aus geistigem Granit, auf der moralischen Integrität und einer tiefgründigen theologischen Gelehrtheit des betreffenden Nach­folgers Petri und Stellvertreters des Gottmenschen, beruht, sondern in erster Linie in der Göttlichen Verheißung JESU CHRISTI, wie wir sie soeben kennengelernt haben und in der faktischen Übertragung des Jurisdiktionsprimates an Simon Petrus, wie sie uns das Johannesevangelium im 21. Kapitel beschreibt, wo sich der Auferstandene Herr seinen Jüngern am See Tiberias offenbart:

„Nach dem Frühmahl sprach JESUS zu Simon Petrus: „Simon, Sohn des Jonas, liebst du mich mehr als diese? “ — Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weisst, daß ich Dich liebe.“ Da sprach ER zu ihm: „WEIDE MEINE LÄMMER!“

Er fragte ihn abermals: „Simon, Sohn des Jonas, liebst du mich? “ — Er antwortete ihm: „Ja, Herr, du weisst, daß ich Dich liebe.“ — Und ER sprach zu ihm: „WEIDE MEINE LÄMMER!“

Und ER fragte ihn zum dritten Mal: „Simon, Sohn des Jonas, liebst du mich? “ — Da ward Petrus traurig, daß er ihn zum dritten Mal fragte: „Liebst Du mich? “ — Und er antwortete Ihm: „HERR, du weisst alles, du weisst auch, daß ich DICH liebe.“ — JESUS SPRACH ZU IHM: WEIDE MEINE SCHAFE!“ ‑

(vgl. Johannes, 21,15-17).

Einzig und allein auf dieser Göttlichen Auserwählung, und nicht etwa bloß menschlichen Qualitäten und Tugenden, beruht die Verheißung, Stiftung und Übertragung des Obersten Hir­ten-, Lehr- und Priesteramtes, des Jurisdiktionsprimates an Simon, den Sohn des Jonas, an den Fischermann aus Bethsaida. Sein neuer Beiname Kephas, d.h. „der Fels“, der im Griechischen mit Petros und im Lateinischen mit Petrus wiedergegeben wird, wurde Simon nicht erst in jener geschilderten Szene von Cäsarea Philippi, wie wir sie aus Matthäus 16,18 kennen, wo ihn der Herr zum sichtbaren Felsenfundament der Kirche erklärt, beigelegt, sondern ihm als Zeichen der Auserwählung zum Apostelfürsten schon bei seinem ersten Zusammentreffen mit dem Herrn, verliehen. Der heilige Johannes hat uns diese weltgeschichtlich bedeutsame Szene im 1. Kapitel seines Evangeliums festgehalten:

„Am folgenden Tag stand Johannes wieder da mit zwei von seinen Jüngern. Als er Jesum daherkommen sah, sprach er: „Sehet, das Lamm Gottes!“ — Sobald die beiden Jünger ihn so sprechen hörten, folgten sie Jesus nach. Jesus wandte sich um, und da er sah, wie sie ihm folgten, fragte er sie: „Was sucht ihr? “ — Er antwortete ihnen: „Kommt, und seht!“ Sie gingen mit ihm und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm. Es war um die ,zehnte Stunde.

Einer von den beiden, die auf das Wort des Johannes hin IHM folgten, war Andreas, der Bruder des Simon Petrus. Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sprach zu ihm: „Wir haben den Messias — das heisst, den Gesalbten — gefunden.“ — Und er führte ihn zu Jesus.

JESUS ABER SCHAUTE IHN AN UND SPRACH:

„DU BIST SIMON, der Sohn des Jonas,

DU SOLLST KEPHAS — das heisst FELS GENANNT WERDEN.“ ‑

(vgl. Johannes, 1,35-42)

Der Jurisdiktionsprimat des Apostelfürsten Simon Petrus wurde also, wie uns die Heiligen Evangelien (Matthäus, 16,13-19, Matthäus 17,23-27, Lukas 5,3, Lukas 22,32, 24,34, Johannes 13,6ff), die Apostelgeschichte (Apg. 1,15, Apg 2,14; 3,1; 5,1; 8,18; 9,31, Apg. 10,1; 11,1-18; 12,1-19; 15,7-11,12) und einzelne Briefe des heiligen Paulus (1. Korinther 15,5, Galater 1,19; 2,9; 2,11 und 2,14) deutlich beweisen, damals als eine für das Weiterbestehen der Kirche wesentlich notwendige „Anord­nung des Herrn“, als eine göttliche Institution, mit jener Selbstverständlichkeit geglaubt und angenommen, wie sie sich für gehorsame und treue Jünger des Herrn geziemte, hatte dieser doch nicht umsonst zu Simon Petrus gesagt:

„Simon! Simon! Siehe, der Satan hat verlangt, euch sieben zu dürfen, wie man Weizen siebt. ABER ICH HABE FÜR DICH GEBETET, DASS DEIN GLAUBE NICHT WANKE. DU ABER STÄRKE DEREINST NACH DEINER BEKEH­RUNG DEINE BRÜDER.“ (Lukas, 22,31-33 )

Doch gerade diese Tatsache, dass Simon Petrus die „Schlüssel des Himmelreiches“, die Oberste Priester-, Hirten- und Lehrge­walt vom Herrn übergeben waren, und die auch durch das Verhalten des heiligen Paulus nach seiner Bekehrung und seinem dreijährigen Aufenthalt in der Arabischen Wüste, in Galater 1,18 bestätigt wird, konnte den großen Völkerapostel in jenem, von allen Papstfeinden der Geschichte aufgebauschten „Zwischenfall von Antiochia“ (vgl. Galater 2,11-14) nicht daran hindern, „Kephas, als er nach Antiochien kam, Aug‘ in Auge entgegenzu­treten, weil er schuldig war. Denn bevor einige aus der Umgebung des Jakobus kamen, aß er mit den Heiden zusam­men. Nach ihrer Ankunft aber zog er sich von ihnen zurück und sonderte sich ab aus Furcht vor den Beschnittenen. Mit ihm verstellten sich auch die übrigen Juden, sodass sogar Barnabas durch ihre Verstellung sich mitreißen ließ. Da ich nun sah, dass ihre Handlungsweise nicht der Wahrheit des Evangeliums entsprach, sagte ich offen vor allen zu Kephas: „Wenn du als Jude nach heidnischer und nicht nach jüdischer Sitte lebst, wie kannst du dann die Heiden zwingen, nach jüdischer Sitte zu leben? “ ‑

Wir können also aus dem „Zwischenfall von Antiochia“, den die wütenden Gegner der katholischen Glaubenswahrheit von der Unfehlbarkeit des Römischen Papstes ex cathedra umsonst für einen Gegenbeweis gegen dieses Dogma zu strapazieren versucht haben, folgenden Schluß ziehen:

Sowohl der Apostelfürst, als auch seine erlauchten Nachfolger im Primat, die Römischen Päpste, können bei Entscheidungen, die unter dem starken Druck von irgendwelchen „pressure groups“ (in diesem Falle waren es „einige aus der Umgebung des Jakobus“!) zustande kommen, und die mehr das geistige Aroma der herrschenden Mentalität ihrer Umgebung als den Geruch der Wahrheit an sich tragen, „schuldig“ werden, da ihre „Handlungsweise nicht der Wahrheit des Evan­geliums“ entspricht, wobei wir in unserem Falle allerdings festhalten müssen, dass der Apostelfürst keinesfalls durch eine eventuelle irrige, persönliche theologische Lehräußerung gefehlt hat, sondern einzig und allein durch ein unkluges Verhalten, welches einen solchen privaten Irrtum im Glauben nahezulegen schien. Darum ist es verständlich, dass Paulus, obwohl unter Petrus stehend, nicht schweigen durfte: Ein privater Glaubens­irrtum des Apostelfürsten, oder auch nur der Anschein eines solchen, musste sofort schwerste Konsequenzen für die übrige Kirche nach sich ziehen, war es doch nicht irgend ein unbedeutender Priester oder Diakon, von dem er herstammte, sondern vom Stellvertreter des Herrn JESUS CHRISTUS selbst, was natürlich beim Ansehen, das Simon Petrus als Träger des Jurisdiktionsprimates bei der damaligen Christenheit genoss, für den Frieden der Kirche höchst abträglich war. — Hätten sich die Gegner der göttlichen Institution des Papsttums in ihrem blindwütigen Kampfe gegen das Dogma der Unfehlbarkeit der Römischen Päpste nicht so unrettbar in ihre rationalistisch-pro­testantischen Aprioris verrannt, würden sie zu ihrem Erstaunen erkannt haben, dass gerade dieser von ihnen so dramatisch aufgebauschte „Zwischenfall von Antiochia“, den sie zu einem Beweis gegen die päpstliche Infallibilität ex cathedra zu strapa­zieren versucht haben, in Wirklichkeit ein Schuss ist, der hinten hinausgeht.

Diese Möglichkeit, dass ein Stellvertreter Christi als Privatperson „schuldig“ wird durch eine „Handlungsweise, die nicht dem Evangelium entspricht“ (Gal. 2,11 u. 14), erstreckt sich aber nicht nur auf Verhaltensweisen oder disziplinäre Bereiche, sondern durchaus auch auf theologische Spekulationen und lehrmäßige Äußerungen des einzelnen Papstes, wenn er nicht in bewusst authentischer Weise die verbindliche Lehre der Katholi­schen Kirche zum Ausdruck bringen will. Dies bestreiten, heißt die Kirchengeschichte fälschen, die uns nicht nur von falschen Verhaltensweisen und disziplinären Fehlgriffen einzelner weni­ger Päpste zu berichten weiß, sondern auch von handfesten Häresien, die entweder durch massiven Druck von außen, oder aus eigener Initiative von einzelnen wenigen Römischen Bischöfen adoptiert, geäußert, oder begünstigt wurden.

Wenn wir nun im Folgenden diese wenigen Fälle der Äußerung oder Begünstigung der Häresie durch einen Römischen Papst anführen, wobei wir auf Vollständigkeit der Liste keinen Anspruch erheben, so nicht deswegen, um unser eigenes Nest zu beschmutzen oder um persönliche Aversionen und berechtigte Emotionen abzureagieren, sondern einzig und allein, um nach­zuweisen, dass es geschichtlich durchaus denkbar und möglich ist, dass ein Papst nicht nur Opfer, sondern auch Begünstiger und Urheber der Häresie wird, sodass wir, die bescheidenen Kinder der „hörenden Kirche“ nicht nur das Recht, sondern auch die heilige Pflicht haben, unter solchen traurigen Umständen päpstlicher zu sein als der Papst! Und diese traurigen Umstände sind auch in diesem unserem Falle des „Novus Ordo Missae“ bzw. der ihn einführenden „Institutio Generalis“ gegeben — wie wir bis jetzt durch Vergleich dieses Machwerks mit dem überlieferten Glauben der Kirche objektiv nachgewie­sen haben. Und wir fühlen uns zu dieser unserer Haltung umso mehr berechtigt, als der Heilige Vater in seiner Ansprache vom 19. November 1969 anlässlich der Generalaudienz jener Woche, expressis verbis, auf die für uns so trostreiche Tatsache hinwies, dass „der neue Ritus und die bezügliche Rubrik NICHT AN SICH EINE DOGMATISCHE DEFINITION SIND, und eine THEOLOGISCHE QUALIFIKATION VON VERSCHIEDE­NEM WERT HABEN KÖNNEN, je nach dem liturgischen Kontext, auf den sie sich beziehen.“ (vgl. Ansprache S.H. Papst Paul VI. vom Mittwoch, dem 19. November 1969 anlässlich der Generalaudienz in St. Peter zu Rom). — Wir haben den Heiligen Vater sehr gut verstanden, vielleicht besser, als es Annibale Bugninis Gesinnungsgenossen lieb ist:

Die Position der konziliaristisch-neomodernistischen Häreti­ker im Vatikan ist noch nicht genügend konsolidiert, so dass sie es noch nicht wagen dürfen, ihre protestantisch-reforma­torischen Irrlehren über die lex credendi offiziell der ganzen Kirche als Sklavenjoch aufzuerlegen. Sie halten sich deshalb vorläufig noch aus Gründen jener Klugheit, wie sie nur den Kindern dieser Welt eigen ist, an die lex orandi, und schmuggeln auf diese raffinierte Weise, ganz heimlich und leise, die Irrlehren der alten und neuen Gnosis auf dem Wege der Liturgie in die Kirche ein, wobei sie hoffen, dieser häretisch geimpfte Kultus bleibe nicht ohne Rückwirkungen auf das vorläufig noch theoretisch festste­hende Dogma.

(Fortsetzung folgt)

Der neue Ordo der Heiligen Messe [N.O.M.] – „Die Einheit in der Irrlehre“?

Von Pierre Tilloy, Versailles

Aus dem Französischen übersetzt von Eduardo Hugentobler, St. Gallen

7. Fortsetzung

Wenn unsere Ikonoklasten in Rom schon zu erhaben sind, aus den Ereignissen der Kirchengeschichte, also aus den Erfahrungen unserer Mutter, der Heiligen Kirche, die sie auf ihrem Weg durch die Jahrhunderte bis jetzt gesammelt hat, zu lernen, und wenn sie schon unsere bisherigen geäußerten Befürchtungen und vorgebrachten Beweise für die theologische Subversion gewisser klerikaler Maulwürfe als „Zweckpamphlete undynamischer Inte­gristen“ abstempeln zu müssen glauben, dann mögen sie doch wenigstens noch einen ganz unverdächtigen Zeugen hören, nämlich das Kirchliche Lehramt selber, wie es sich in der Enzyklika „MEDIATOR DEI“ vom 20. November 1947 von S.H. Papst Pius XII. authentisch und demzufolge gewissensverbindlich über den von uns so energisch zurückgewiesenen „übertriebenen Archäologismus“ in der heiligen Liturgie seitens der römischen Neuerer klar und bestimmt ausspricht. Und sie mögen der Stimme dieses heiligmäßigen Papstes umso williger lauschen, als dieser für die berechtigten Anliegen und Bedürfnis­se der modernen Zeit immer ein sehr williges und offenes Ohr zeigte, wie vor allem seine Äußerungen in MEDIATOR DEI bezüglich des modernen Kirchengesanges und einer sakralen, gesunden modernen Kunst beweisen. (Vgl. MEDIATOR DEI, offizielle deutsche Übersetzung, 4. Auflage, REX-VERLAG, Luzern, Seiten 70 u. 71).

Seine Heiligkeit, Papst Pius XII. lehrt authentisch:

— „V. Der Ausbau der Liturgie kann privatem Gutbefinden nicht überlassen werden.

Deshalb steht nur dem Papst das Recht zu, eine gottesdienstliche Praxis anzuerkennen oder festzulegen, neue Riten einzuführen und gutzuheißen, sowie auch jene zu ändern, die er für änderungsbedürftig erachtet.

Die Bischöfe aber haben das Recht und die Pflicht, sorgfältig darüber zu wachen, dass die kirchenrechtlichen Vorschriften über den Gottesdienst genau eingehalten werden.

Es ist also nicht erlaubt, dem Gutdünken von Privaten, auch wenn sie zum Klerus zählen, all das Heilige und Verehrungswürdige zu belassen, das zum religiösen Leben der christlichen Gemeinschaft, zur Ausübung des Priester­tums JESU CHRISTI und zum Gottesdienst, zur würdigen Verehrung der Heiligsten Dreifaltigkeit, des Menschgewor­denen Wortes, seiner Gebenedeiten Mutter und der andern Heiligen, sowie zur Arbeit am Heil der Seelen gehört; und ebenso ist kein Privater irgendwie befugt, auf diesem Gebiete äußere Handlungen anzuordnen, die mit der kirchlichen Disziplin, mit dem Aufbau, der Einheit und Eintracht des Mystischen Leibes Christi, ja nicht selten auch mit der Reinheit des Katholischen Glaubens in engster Beziehung stehen.

DIE KIRCHE IST EIN LEBENDIGER ORGANISMUS; deshalb wächst sie und entfaltet sie sich auch nach der Seite der heiligen Liturgie und passt sie den zeitbedingten Notwendigkeiten und Umständen an, immer unter Wah­rung der Unversehrtheit ihrer Lehre. (Was beim Novus Ordo Missae, wie wir gezeigt haben, leider nicht der Fall ist. Anm. d. Üb.)

Ganz zu verurteilen ist jedoch das vermessene Beginnen jener, die mit Überlegung neue liturgische Bräuche einführen, oder abgetane, mit den geltenden Gesetzen und Rubriken nicht mehr übereinstimmende, wieder aufleben lassen.

Dass dies vorkommt, geliebte Söhne und ehrwürdige Brüder, und zwar nicht nur in unbedeutenden Dingen, sondern auch in solchen sehr großer Tragweite, haben Wir nicht ohne großen Schmerz, erfahren; es gibt tatsächlich solche, die bei der Darbringung des Hochheiligen Euchari­stischen Opfers sich der Volkssprache bedienen, die bestimmte, aus reiflich erwogenen Gründen schon genau festgelegte Feste auf andere Termine verlegen, die schließlich aus den amtlichen Texten für die öffentlichen Gebete die Heiligen Schriften des Alten und Neuen Testamentes ausmerzen, weil sie dieselben als unserer heutigen Zeit wenig entsprechend und für sie nicht recht passend erachten.

Der Gebrauch der lateinischen Sprache wie er in einem großen Teil der Kirche Geltung hat, ist ein allen erkennbares und schönes Zeichen der Einheit und eine wirksame Wehr gegen jegliche Verderbnis der wahren Lehre (sic!).

In nicht wenigen kirchlichen Handlungen kann indes die Verwendung der Landessprache beim Volke sehr nützlich sein; nichtsdestoweniger ist es ausschließlich Sache des Apostolischen Stuhles, dies zu erlauben. Deshalb darf ohne seine Befragung und Billigung nichts derart gesche­hen, weil eben, wie Wir sagten, die Ordnung der Liturgie ganz von seiner Entschließung und seinem Willen abhängt. (Wir sind gespannt, wie man heutzutage in Rom das unter persönlicher Billigung und Mitwirkung des Heiligen Vaters geschaffene Sprachenbabel bei der „Eucharistiefeier“ mit den obenstehenden authentischen Bestimmungen S.H. Papst Pius XII. in Übereinstimmung bringen will. Dieses unstreitige Kunststück progressistischer Dialektik lässt immer noch auf sich warten! Anm. d. Übers.)

Gleich zu beurteilen sind die Versuche und Bestrebungen, alle möglichen alten Riten und Zeremonien wieder in Gebrauch zu bringen. Ganz gewiss, die Liturgie der alten Zeit ist verehrungswürdig. Aber ein alter Brauch ist nicht allein schon deshalb, weil er Altertum ausstrahlt, in sich oder für spätere Zeiten und neue Verhältnisse für geeigneter und besser zu halten.

Auch die neueren liturgischen Riten sind ehrfürchtiger Beobachtung würdig, weil sie entstanden sind unter Eingebung des Heiligen Geistes, der immerdar der Kirche beisteht bis zur Vollendung der Zeiten, und auch sie sind gleicherweise Werte, mit deren Hilfe die ruhmreiche Braut Christi die Menschen zur Heiligkeit anspornt und zur Heiligkeit führt.

Mit Geist und Herz zu den Quellen der Heiligen Liturgie zurückzukehren ist sicher weise und sehr lobenswert, da das Studium dieses Wissenszweiges durch Zurückgreifen auf dessen Anfänge nicht wenig dazu beiträgt, die Zeremonien tiefer und genauer zu erforschen; dagegen ist es nicht weise und nicht lobenswert, alles, um jeden Preis auf das Altertum zurückzuführen.

So würde zum Beispiel VOM RECHTEN WEG ABIRREN, wer dem Altar die alte Form der Mensa, DES TISCHES, wiedergeben wollte; wer die liturgischen Gewandungen nie in Schwarz haben wollte; wer die Heiligenbilder und Statuen aus den Kirchen entfernen wollte; wer die Nachbildung des GEKREUZIGTEN ERLÖSERS so ma­chen ließe, daß sein Leib die bitteren Qualen, die ER erduldete, nicht zum Ausdruck brächte; wer endlich den polyphonen Kirchengesang missbilligte und ablehnte, auch wenn er den vom Heiligen Stuhl gegebenen Weisungen entspräche.

Denn wie kein vernünftiger Katholik in der Absicht, zu den alten, von den früheren Konzilien gebrauchten Formeln zurückzukehren, die Fassungen der christlichen Lehre ablehnen kann, welche die Kirche unter der Leitung des Heiligen Geistes in der neueren Zeit mit reicher Frucht gegeben und als verbindlich erklärt hat; oder wie kein vernünftiger Katholik die geltenden Gesetze ablehnen kann, um zu den aus den ältesten Quellen des Kanonischen Rechtes geschöpften Bestimmungen zurückzugehen —  so ist gleichermaßen, wenn es sich um die Heilige Liturgie handelt, offensichtlich der von keinem weisen und gesunden Eifer getrieben, der zu den alten Riten und Bräuchen zurückkehren wollte, und die neuen ablehnte, die doch unter dem Walten der Göttlichen Vorsehung mit Rücksicht auf die veränderten Verhältnisse eingeführt worden sind.

Diese Denk- und Handlungweise lässt jene übertriebene und ungesunde Altertumssucht wieder aufleben, der die UNGESETZLICHE SYNODE VON PISTOJA Auftrieb gegeben hat, und ebenso trachtet sie danach, die vielfachen Irrungen wieder auf den Plan zu rufen, welche die Ursache zur Berufung jener Synode waren, aus ihr zum großen Schaden der Seelen sich ergaben, und welche die Kirche, die immer treue Hüterin des ihr von ihrem Stifter anvertrauten Glaubensgutes mit vollem Recht verworfen hat.

Denn solch verkehrtes Beginnen geht nur darauf aus, die heiligmachende Tätigkeit zu schmälern und zu schwächen, durch welche die Liturgie Gottes Gnadenkinder auf dem Wege des Heils dem Himmlischen Vater zuführt.

Alles möge daher so geschehen, dass die gehörige Verbindung mit der kirchlichen Hierarchie gewahrt bleibt. Niemand nehme sich heraus, sich selbst Gesetze zu geben und sie dann kraft eigenen Willens anderen aufzulegen. Der Papst, als Nachfolger des heiligen Petrus, dem der göttliche Erlöser die Sorge anvertraut hat, die gesamte Herde zu weiden, und mit ihm die Bischöfe, die in Unterordnung unter den Apostolischen Stuhl „der Heilige Geist bestellt hat…, die Kirche Gottes zu regieren“ (vgl. Apg 20,28) sind im Besitze des Rechtes und der Pflicht, das christliche Volk zu lenken und zu leiten. Sooft Ihr deshalb, Ehrwürdige Brüder, Eure Autorität wahrt, wenn nötig, auch mit Strenge, erfüllt Ihr nicht nur Eure Amtspflicht, sondern schafft auch dem Willen des Stifters der Kirche sichere Gewähr.“ —

Vergleicht man diese authentischen Äußerungen des Kirchlichen Lehramtes aus dem Munde S.H. Papst Pius XII. aus dem Jahre 1947 mit den diesbezüglichen Lehren seines zweiten Nachfolgers im Primat, S.H. Papst Paul VI., sowie der „Willensäußerung“ des „kürzlich gefeierten ökumenischen Kon­zils“, und vor allem mit dem „Novus Ordo Missae“, bzw. der ihn interpretierenden „Institutio Generalis ad Missale Romanum“ aus dem Jahre 1969 — gehen einem nun die Augen über viele Dinge, Zustände und Tendenzen in der heutigen Kirche auf: „Während alles schlief, kam der Feind, säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging davon.“ (Matth. 13,24)

Wenn die Spitzen der katholischen Hierarchie bis heute des Unkrautes im Weizen geschont haben, so nicht aus der Absicht heraus, mit den diesbezüglichen Herrenworten im Gleichnis ernst zu machen:

—   „Die Knechte fragten nun: Sollen wir hingehen und das Unkraut einsammeln?

ER aber antwortete ihnen: NEIN, ihr möchtet sonst, wenn ihr das Unkraut einsammelt, zugleich auch den Weizen mit ausreißen.

Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte.“ ­(Matth. 13,29-30)

sondern allein um der Tatsache willen, daß sie in erster Linie — wie es seinerzeit die ganze katholische Hierarchie mit Ausnahme des heiligen Kardinals John Fisher, Bischof von Rochester, im schismatischen England Heinrich des VIII. getan hat — ihren Kopf, ihr menschliches Prestige, ihr Ansehen vor der Welt und von der Welt, ihr irdisches Wohlbefinden, zu retten versuchen, uneingedenk der Worte Unseres Herrn an die Apostel — deren Nachfolger sie doch sind! —

—   „Den Frieden hinterlasse ich Euch, meinen Frieden gebe ich Euch.

Nicht wie die Welt ihn gibt gebe ich ihn Euch.

Euer Herz bange nicht und zage nicht! Ihr habt ja gehört, dass ich Euch gesagt habe: Ich gehe hin und komme wieder zu Euch. Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe, denn der Vater ist größer als ich.

Wenn die Welt Euch hasst, so wisset: Sie hat mich vor Euch gehasst. Wäret Ihr von dieser Welt, so würde die Welt Euch als das Ihrige lieben.

Weil Ihr aber nicht von dieser Welt seid, sondern ICH Euch von der Welt auserwählt habe, deshalb hasst Euch die Welt. Gedenket des Wortes, das ich zu Euch gesprochen habe: Der Knecht ist nicht mehr als sein Herr. Haben sie MICH verfolgt, so werden sie auch EUCH verfolgen. Haben sie mein Wort gehalten, so werden sie auch das eure halten.

Aber all das werden sie Euch antun um meines Namens willen, weil sie den nicht kennen, der mich gesandt hat.“

(Johannes, 14,27…15,18)

Wenn heutzutage der größte Teil der katholischen Bischöfe glaubt, die schöne Tugend des heiligen Schweigens immer gerade dann ausüben zu müssen, wenn reißende Wölfe im Schafspelz in ihre Herden eingedrungen sind und ein Schaf nach dem andern in ihrem teuflischen Blutrausch zerreißen, so nicht aus dem löblichen Grunde, kein voreiliges Urteil zu sprechen oder bloße Missverständnisse im theologischen Ausdruck nicht zu häreti­schen Gegensätzen aufzubauschen; wenn ein Großteil der katholischen Oberhirten heutzutage in einem so vielsagenden Schweigen verharrt, dann nur aus einem einzigen Grunde: Sie haben das Charisma, zwischen Wahrheit und Irrtum haarscharf unterscheiden zu können, durch ihre Lauheit und Gespaltenheit ihres Herzens in armselige Glut unter der Asche ihres Rationalis­mus reduziert, sie glauben offenbar selbst nicht mehr an jenes „depositum fidei“, welches sie durch die Apostolische Sukzes­sion empfangen haben, und von dem der heilige Paulus in seinem 1. Brief an Timotheus, den Bischof von Ephesos so eindringlich schreibt:

— „O Timothee, DEPOSITUM CUSTODI, devitans profa­nas vocum novitates et oppositiones falsi nominis scientiae, quam quidam promittentes, circa fidem exci­derunt.“‑

— „O Timotheus, bewahre das anvertraute Glaubensgut! Vermeide unheiliges, leeres Gerede und die Streitfragen der fälschlich so genannten „Wissenschaft“. Einige haben sich dazu bekannt und sind vom Glauben abgeirrt.“

In dem gleichen Maße, wie ein Großteil der katholischen Hierarchie das Treiben der modernen Bannerträger der Häresie stillschweigend duldet und sich dadurch dem alten römischen Sprichwort: „Qui tacuit, consentit!“ gemäß zu ihren Komplizen erniedrigt, — in dem gleichen Maße entwickeln unsere quasi-schismatischen und quasi-häretischen Bischöfe einen bestaunens­werten Eifer, alle diejenigen Christen zu diffamieren, und unter dem Terrorregime ihres neomodernistisch-protestantischen Fanatismus, mit der ökumenischen Dampfwalze auf konziliari­stische Standard-Dicke zu nivellieren, — welche sich bis jetzt geweigert haben, dem Kommen des Antichrists Vorläuferdienste zu leisten, indem sie den „Drachen“ nicht fürchteten, der über das „Weib“ MARIA in Zorn geriet und hin ging, um Krieg zu führen mit ihren übrigen Kindern, die immer noch GOTTES GEBOTE beobachten und am Zeugnis Ihres Vielgeliebten Sohnes, Unseres HERRN UND GOTTES JESUS CHRISTUS, festhalten. (Vgl. Apok . 12,17).

Wenn heutzutage so viele unserer ehemals katholischen Bischöfe ihre Hirtenpflichten so sträflich vernachlässigen, um nicht zu sagen, verraten, so nicht einmal auf der Grundlage einer zwar wohlgemeinten, wesentlich aber doch perversen „Mit­menschlichkeit“, sondern einzig und allein um ihre Person möglichst weit von Geschütz und Schußlinie zu halten. Diesbezügliche Worte ihres Herrn und Meisters scheinen in ihren Herzen verklungen zu sein:

„Euch, meinen Freunden, sage ich: Fürchtet nicht jene, die den Leib töten können, aber weiter nichts vermögen. Ich will Euch zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der nach dem Tode die Macht hat, in die Hölle zu stürzen. Ja, ich sage Euch: Den fürchtet!…Ich sage Euch: Wer mich vor den Menschen bekennt, den wird der Menschensohn vor den Engeln Gottes bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, der wird vor den Engeln Gottes verleugnet werden. Wenn man Euch vor die Synagogen und vor die Obrigkeiten und Machtha­ber schleppt, so macht Euch keine Sorgen, wie und womit ihr Euch verteidigen oder was ihr sagen sollt. Denn in jener Stunde wird der Heilige Geist euch lehren, was ihr sagen sollt.“ (Vgl. Lukas 12,4; 8-12).

„Ich freute mich sehr, als Brüder kamen und deine Wahrheit rühmten. Du wandelst auch wirklich in der Wahrheit. Eine größere Freude kenne ich nicht, als wenn ich höre, dass meine Kinder in der Wahrheit wandeln!“ (3. Johannesbrief, 3) — Wie wenig treffen doch diese Worte des Liebesjünger des Herrn nicht nur auf weite Kreise der katholischen Hierarchie, sondern auch auf die Masse des „Volkes Gottes“ zu, wenn wir die armseligen Reaktionen auf den neuesten häretischen Messordo der neogno­stischen Verschwörung im Vatikan in Betracht ziehen! Wir wollen zwar niemand zu Gewalttätigkeiten gegen das gegenwär­tige häretische Establishment in Hierarchie und Volk aufreizen; denn „alle, die zum Schwert greifen, kommen durch das Schwert um. — Soll ich den Kelch nicht trinken, den der Vater mir gereicht hat“ (vgl. Matth. 26,53 u. Johannes 18,11); wir sind aber überzeugt, dass ein mannhaftes Eintreten der Bischöfe für Papst und Kirche, zusammen mit kirchentreuen Laienaposteln und Mitgliedern der verschiedenen katholischen Organisationen, Bugninis häretische Gnosis, wie sie im Novus Ordo Missae fröhliche Urständ feiert, und zwar mit Billigung und Wissen des Nachfolgers Petri, schnell entlarvt und aus der Kirche ausgestoßen hätte.

Statt die katholische Glaubenswahrheit zu verteidigen, schwärmen nicht wenige unserer Hierarchen von einer pluralisti­schen „Johanneskirche der Liebe“ (wie weiland der unglückliche Schismatiker Ignaz von Döllinger), wo unter dem Deckmantel der christlichen „Agape“ eine jede Häresie zu ihrem (Un-)Recht käme; der unter tragischen Umständen verstorbene Bischof von s’Hertogenbosch, Msgr. Willem Bekkers, hat sich ja diesbezüglich deutlich genug geäußert, und Edward Schillebeeckx O.P., hat mit seinen jüngsten Äußerungen über die Pluriformität der Theologie aus seinen wahren Absichten auch kein Hehl gemacht. Wie weit sich diese Hierarchen und Theologen vom Apostoli­schen Glauben entfernt und getrennt haben, mögen folgende Zeugnisse der Urkirche beweisen, welche sich voll bewusst war, die absolute Wahrheit des Gottmenschen JESUS CHRI­STUS zu besitzen und zu verkündigen, und nicht etwa bloß Stimmungsmache für eine aus den Abgründen stammende Ideologie der vagen und unverbindlichen „Humanität“ oder „Mitmenschlichkeit“ zu betreiben; die angebliche rein „pneuma­tische Liebeskirche“ zur Zeit der Apostel hat die Irrlehren und Spaltungen ebensowenig geduldet wie die ach, so verdorbene und entartete Kirche des angeblich bis heute andauernden Konstantinischen Zeitalters, — damit beweisend, dass auch sie sich als Heils-, Rechts- und Liebesanstalt unter dem Jurisdik­tionsprimat Petri und der ihm untergeordneten bischöflichen Autorität der übrigen Apostel verstand.

Der Kampf der heiligen Apostel gegen die Irrlehren und Spaltungen in der Kirche sehen wir am besten am Beispiel des heiligen Paulus, der doch sonst gegen die Schwachen und Kleinmütigen im Glauben so milde und barmherzig ist. Doch wo es um die Wahrheit des katholischen Glaubens geht, kennt er keine schwächliche Nachgiebigkeit oder feiges Stillhalten:

— „Brüder, ich ermahne euch, habt acht auf die, welche Streitigkeiten und Ärgernisse anstiften im Widerspruch mit der Lehre, die ihr vernommen habt. Geht ihnen aus dem Wege. Denn solche Menschen dienen nicht Christus, unserem Kyrios, sondern ihrem Bauche. (Eine Feststellung, die in besonderer Weise gerade auf das kürzlich abgehaltene Conciliabulum eines holländischen „Pastoralkonzils“ gemünzt werden kann, wo innerlich schon längst mit dem katholischen Glauben zerbrochene Prälaten und Priester, die in einem fort Unterleibsschwie­rigkeiten mit „Gewissenskonflikten“ verwechseln, bewusst das Missverständnis pflegten, dass wer sich in erster Linie um seinen eigenen Leib und dessen Wohlbehagen auf synodaler Ebene kümmere, auch etwas für die „Erneue­rung“ des Mystischen Leibes Christi, die Heilige Kirche, getan habe! Anm. d. Übers.)„Mit gleissnerischen und schönklingenden Reden verfüh­ren sie die Herzen der Arglosen. Doch euer Gehorsam ist allen bekannt, darum freue ich mich über euch. Ich will aber, dass ihr bewandert seid im Guten und einfältig im Bösen. Der Gott des Friedens wird den Satan bald unter euern Füßen zermalmen. (Römer 16,17).„Brüder, ich konnte zu euch nicht wie zu Geistesmen­schen reden, sondern nur wie zu fleischlich Gesinnten, zu UNMÜNDIGEN IN CHRISTUS (sic!). Milch gab ich euch zur Nahrung, nicht feste Speise, denn die konntet ihr noch nicht ertragen. Ja, ihr könnt es auch jetzt noch nicht; ihr seid ja noch immer fleischlich gesinnt. Denn solange Eifersucht und Zwietracht unter euch herrschen, seid ihr da nicht fleischlich gesinnt und wandelt nach Menschenart? Wenn nämlich der eine sagt: „Ich halte es mit Paulus“, der andere: „Ich mit Apollo“, benehmt ihr euch da nicht recht menschlich? (1 Kor. 3,2-4)

Überhaupt hört man von Unzucht unter euch, und zwar von einer solchen, wie sie nicht einmal bei den Heiden vorkommt, nämlich dass einer mit der Frau seines Vaters zusammenlebt. Und da seid ihr noch aufgeblasen, anstatt Trauer zu zeigen damit ein solcher Frevler aus eurer Mitte entfernt werde. Ich bin zwar dem Leibe nach abwesend, im Geiste aber unter euch und habe bereits, als wäre ich anwesend, mein Urteil über den Übeltäter gefällt: Ihr und mein Geist sollen sich im Namen des HERRN JESUS CHRISTUS versammeln, um jenen Menschen in Voll­macht unseres Herrn JESUS dem Satan zu überliefern zum Verderben des Fleisches, damit sein Geist am Tage des HERRN JESUS gerettet wird.“ (1. Kor. 5,1-5).

„Ihr unverständigen Galater! Wer hat euch denn bezau­bert, der Wahrheit nicht zu gehorchen, euch, denen doch Christus am Kreuze vor die Augen gezeichnet wurde? (Galater, 3,1)

Wir sollen ja nicht mehr unmündige Kinder sein, die sich durch das Trugspiel der Menschen und durch die Verführungskünste des Irrtums von jeder windigen Lehre hin und her schaukeln und treiben lassen. Vielmehr müssen wir in der Wahrheit verharren, und durch die Liebe völlig hineinwachsen in Christus, der das Haupt ist.“ (Epheser, 4,14-15)

„Haltet fest am Worte des Lebens, damit ich am Tage Jesu Christi den Ruhm habe, dass ich nicht vergeblich gelaufen bin und nicht vergeblich gearbeitet habe. Aber wenn ich auch hingeopfert werde, so freue ich mich, und ich freue mich mit euch allen, über das Opfer und den Dienst eures Glaubens.“ (Philipper 2,16-18)

„Wenn ich euch das nämliche schreibe, so ist es keine Last für mich, euch aber dient es zur Sicherheit. Habt acht auf die Hunde, habt acht auf die verderblichen Arbeiter, habt acht auf die Zerschneidung. Denn die Beschneidung sind wir, die wir im Geiste Gott dienen und uns Christi Jesu rühmen und unser Vertrauen nicht auf das Fleisch setzen, obwohl ich auf das Fleisch mein Vertrauen setzen könnte…“ (Philipper, 3,1-4, Warnung gegen judaistische Häretiker)

„Das alles sage ich, damit niemand euch durch hochklin­gende Reden täusche. Denn wenn ich auch dem Leibe nach fern bin, so bin ich doch dem Geiste nach bei euch und sehe mit Freuden wie gut es um euch bestellt ist und wie festbegründet euer Glaube an Christus. … Sehet zu, daß niemand Euch einfängt durch Weltweisheit und leere Täuschung, die auf Menschenüberlieferung beruht, auf den Weltelementen, aber nicht auf Christus. Denn in IHM wohnt die GANZE FÜLLE DER GOTTHEIT wesenhaft.“ (Kol. 2,4, 8)

„Wie ich dich bei meiner Abreise nach Mazedonien gebeten habe, bleibe in Ephesos und schärfe gewissen Leuten ein, keine irrigen Lehren vorzutragen und sich nicht auf Fabeln und endlose Geschlechtsregister zu verlegen. (1. Tim. 1,3-4)

„Diese Unterweisung lege ich Dir, mein Sohn Timotheos, ans Herz im Hinblick auf die prophetischen Worte, die über dich ergingen. In ihrer Kraft kämpfe den guten Kampf, bewahre den Glauben und ein gutes Gewissen. Das haben einige preisgegeben und dadurch am Glauben Schiffbruch erlitten. So Hymänäos und Alexander, die ich dem Satan übergeben habe, damit sie das Lästern verlernen. (1. Timotheus, 1,16-20)

„Obwohl ich hoffe, recht bald zu dir zu kommen, schreibe ich dir das. Sollte sich aber meine Ankunft verzögern, so sollst du wissen, wie man sich im Hause Gottes zu verhalten hat, das ist die Kirche des lebendigen Gottes, die Säule und Grundfeste der Wahrheit…..—

„Der Geist bestimmt: In späteren Zeiten werden manche vom Glauben abfallen und Irrgeistern und Teufelslehren anhangen, die von heuchlerischen Lügnern ausgehen, von Menschen, die an ihrem eigenen Gewissen das Brandmal tragen…“ (1. Tim. 4,1-3)

„Deswegen ermahne ich dich: Lass die Gnadengabe Gottes, die kraft der Auflegung meiner Hände in dir ist, wieder aufleben. Denn Gott gab uns nicht den Geist der Zaghaftigkeit, sondern der Kraft, der Besonnenheit und der Liebe. So schäme dich nicht des Zeugnisses für unsern Herrn, noch meiner, seines Gefangenen, sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes… Ich weiß, an wen ich glaube, und bin überzeugt, er ist mächtig genug, mein ihm anvertrautes Gut bis zu jenem Tage zu bewahren. Nimm dir das, was du von mir gehört, zum Vorbild für heilsame Lehren im Glauben und in der Liebe, die auf Christus beruhen. Bewahre das anvertraute köstliche Gut durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt.“ (2. Tim. 1,6 f.)

„Das bringe in Erinnerung und beschwöre sie vor Gott, sich nicht in Wortgezänk einzulassen.

Es führt zu nichts und bringt denen, die es anhören, nur Verderben. Sei bemüht, dich vor Gott zu bewähren als ein unerschrockener Arbeiter, der das Wort der Wahrheit recht verwaltet. Das unheilige, leere Gerede aber meide, denn es führt immer mehr zur Gottlosigkeit. Ein solches Gerede frisst um sich wie ein Krebsgeschwür. So ist es auch bei Hymänos und Philetos. Die sind von der Wahrheit abgewichen, da sie behaupten, die Auferstehung sei schon erfolgt. So bringen sie manchen um den Glauben. Doch der starke*. Gottesbau bleibt bestehen.“ (2. Tim. 2,14)

„Ein Knecht des starkeer soll nicht streiten, sondern gegen jedermann freundlich sein, lehrtüchtig und geduldig. Voll Milde weise er die Gegner der Wahrheit zurecht. Vielleicht schenkt ihnen Gott Sinnesänderung, daß sie zur Erkenntnis der Wahrheit und zur Besinnung kommen und der Schlinge des Teufels entrinnen, der sie gefangen hält, damit sie ihm willfährig sind.“ (2. Tim. 2,24)

„Es gibt, namentlich unter den Beschnittenen, viele unbotmässige Leute, eitle Schwätzer und Verführer. Diese muß man zum Schweigen bringen, denn sie bringen ganze Familien in Verwirrung mit den ungehörigen Lehren, die sie schnöden Gewinns halber verbreiten… Deshalb weise scharf zurecht, damit sie im Glauben gesund bleiben und sich nicht einlassen auf jüdische Fabeln und Satzungenvon Menschen, die sich von der Wahrheit abwenden. (Titus, 1,10)

Auch St. Petrus, der erste Papst, scheut sich nicht, den antichristlichen Charakter der Irrlehren beim richtigen Namen zu nennen:

„Wie es unter dem Volke falsche Propheten gab, so wird es auch unter euch falsche Lehrer geben. Sie führen verderbliche Irrlehren ein, verleugnen den Herrn, der sie losgekauft hat, und bereiten sich dadurch jähes Verder­ben. Viele werden ihnen in ihren Ausschweifungen folgen, und um ihretwillen wird der Weg der Wahrheit gelästert werden. In ihrer Habsucht werden sie euch mit ihren trügerischen Reden ausbeuten. Doch das Gericht steht für sie längst bereit, und ihr Verderben schlummert nicht. Gott schonte ja nicht einmal der sündigen Engel, sondern stürzte sie in die finsteren Abgründe der Hölle hinab, wo sie für das Gericht in Gewahrsam bleiben.“ (2. Petrus 2 f.) „Sie sind wasserlose Brunnen, Nebelwolken, vom Sturm­wind gejagt. Die dichteste Finsternis ist für sie aufbe­wahrt. Sie führen hochtrabende und hohle Reden, und locken durch fleischliche Lüste und Ausschweifungen jene an sich, die eben erst jenen entronnen sind, die im Irrtum dahinleben. Sie verheissen ihnen Freiheit und sind selbst Sklaven des Verderbens, denn wovon einer überwältigt ist, dessen Sklave ist er. Wenn sie nämlich durch die Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus der Unlauterkeit der Welt entronnen, sich auf das neue davon umstricken und überwältigen lassen, werden bei ihnen die letzten Dinge schlimmer als die ersten. Es wäre besser für sie, sie hätten den Weg der Gerechtigkeit nicht kennengelernt, als daß sie ihn erkannt und sich dann wieder abgewandt haben von dem heiligen Gebote, das ihnen überliefert ist. Auf sie trifft das wahre Sprichwort zu: Der Hund kehrt zurück zu seinem Auswurf, und: Das Schwein, das sich gebadet hat, wälzt sich aufs neue im Schlamm.“ (2. Petr. 2,17 f.)

Auch beim heiligen Apostel Johannes, dem Liebesjünger des Herrn, der wohl wie kein zweiter die Liebe zum Nächsten und barmherzige Nachsicht mit den „Schwachen im Glauben“ lehrt, finden wir keine Spur von dieser feigen Nachgiebigkeit, die um eines faulen Friedens willen, der Wahrheit die Türe weist.

„Geliebte, traut nicht jedem Geiste, sondern prüfet die Geister, ob sie aus Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten in der Welt aufgetreten. Erkennet den Geist Gottes daran: Jeder Geist, der bekennt: Jesus Christus ist im Fleische gekommen, ist aus Gott. Und jeder Geist, der Jesum nicht bekennt, ist nicht aus Gott. Das ist der Geist des Antichristen, von dem ihr gehört habt, daß er kommt, ja, er ist schon in der Welt. Ihr aber, Kinder, seid aus Gott und habt jene überwunden. Denn der in euch wirkt, ist mächtiger, als der in der Welt wirkt. Jene gehören der Welt an. Darum reden sie nach Art der Welt, und die Welt hört auf sie. Wir aber sind aus Gott. Wer Gott kennt, hört auf uns; wer nicht aus Gott ist, hört nicht auf uns. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums.“ (1. Joh., 4, 1-6)

„Viele Irrlehrer sind ja in der Welt aufgetreten. Sie leugnen, daß Jesus Christus im Fleische erschienen ist. Aus ihnen spricht der Verführer, der Antichrist. Seht euch vor, daß ihr die Frucht eurer Arbeit nicht verliert, sondern den vollen Lohn empfanget. Jeder, der darüber hinaus­geht, und nicht in der Lehre Christi verbleibt, besitzt Gott nicht. Wer aber in seiner Lehre verbleibt, besitzt den Vater und den Sohn. Kommt einer zu euch, und bringt diese Lehre nicht mit, so nehmet ihn nicht in euer Haus auf, und bietet ihm auch keinen Gruß. Denn wer ihm den Gruß bietet, macht sich mitschuldig an seinen bösen Werken.“ (sic!) (2. Joh. 1,7 f.)

Auch St. Judas Thaddäus, der Blutsverwandte unseres Herrn, hat einen Brief verfasst, in welchem er die Irrlehrer entlarvt, und die Rechtgläubigen vor ihren Anschlägen warnt.

„Geliebte, eifrig darauf bedacht, euch über unser gemein­sames Heil zu schreiben, sehe ich mich genötigt, euch durch ein Schreiben anzueifern zum Kampfe für den Glauben, der den Heiligen ein- für allemal überliefert ist. Haben sich doch gewisse Leute eingeschlichen, für die schon längst folgendes Urteil im voraus geschrieben ist: Gottlose, die die Gnade unseres Gottes zu Ausschweifun­gen mißbrauchen und unseren alleinigen Gebieter und Herrn Jesus Christus verleugnen. … Sie lästern alles, was sie nicht verstehen, was sie aber durch den Naturtrieb gleich den vernunftlosen Tieren wissen, wird ihnen zum Verderben. Sie sind wasserlose Wolken, die vom Wind dahingetrieben werden, Bäume im Spätherbst, ohne Frucht, zweimal erstorben, entwurzelt, wilde Meereswo­gen, die ihren Unflat ausschäumen, Irrsterne, denen das finsterste Dunkel auf ewig aufbewahrt ist.“ (Judas 2-4, 10-13)

Unsere Leser mögen uns verstehen, wenn wir sie mit dieser langen Serie von Zitaten aus der Heiligen Schrift des Neuen Testamentes vielleicht etwas über Gebühr beansprucht haben, aber es war dies unerlässlich, um aus den apostolischen Lehrschriften nachzuweisen, wie wenig der gegenwärtige ireni­sche Trend der sogenannten „Neuen Theologie“ mit dem Geiste der Urkirche und der Kirche aller Jahrhunderte, als ihrer legitimen Erbin, bis in unsere heutige Zeit, noch zu schaffen hat, da er anstelle der absoluten, göttlichen und durch den Gottmenschen JESUS CHRISTUS, Sohn Gottes und Sohn Mariens, das Opium und die Kautschukprinzipien einer verschwommenen, rein diesseitigen sogenannten Liebe setzt, die in Wirklichkeit mangels einer absoluten Autorität ebenso verformbar und moralisch elastisch sind wie die so hoch tönenden Grundsätze einer neuen „Mitmenschlichkeit“. —

Dieser Entfremdungsnachweis ist für uns umso wichtiger, als sich unsere Neuerer, vor allem auch die Verfasser des „Novus Ordo Missae“, und nicht zuletzt auch Vatikanum II, unaufhörlich bemühen, uns glauben zu machen, ihre sog. „Reformen“ lägen ganz auf der Linie, die zur ältesten Tradition zurückführe, und vollzögen sich ganz im angeblich so puritanischen und schlichten Geiste, der angeblich in der „Urgemeinde“ geweht haben soll. Wenn sie dabei das Neue Testament, das im Rahmen der Arkandisziplin sowieso nur ganz verdeckt über die gottesdienstli­chen Bräuche von damals spricht — wir haben ja bereits schon darauf hingewiesen — als Kronzeugen bemühen, so erhält ihr liturgischer Minimalismus, wie er in der Institutio Generalis vertreten wird, gerade von dort her den Todesstoß; hören wir nur einmal, was die Apostelgeschichte uns über die Feier des Eucharistischen Opfers, wie sie der heilige Paulus in Troas gehalten, zu berichten weiß:

„Una autem sabbati, cum convenissemus ad frangendum panem, Paulus disputabat cum eis profecturus in crasti­num protraxitque sermonem usque in mediam noctem. ERANT AUTEM LAMPADES COPIOSAE IN CENACU­L 0, UBI ERAMUS CONGREGATI.“ —

„Als wir am ersten Tage der Woche zum Brotbre­chen versammelt waren, hielt Paulus einen Vortrag. Da er tags darauf abreisen wollte, dehnte er seine Rede bis Mitternacht aus. Im Obersaal aber, wo wir versammelt waren, BRANNTEN SEHR VIELE LAMPEN.“ (Apostel­geschichte, 20,7 f.)

(Fortsetzung folgt)

Der neue Ordo der Heiligen Messe [N.O.M.] – „Die Einheit in der Irrlehre“?

Von Pierre Tilloy

Aus dem Französischen übersetzt von Eduardo Hugentobler, St. Gallen

6. Fortsetzung

Martin Luther, der unglückliche und für das religiöse Schicksal Nordeuropas weithin verhängsnisvolle Apostat aus dem Augusti­nerorden, nennt in seiner Adventspredigt vom 27. November 1523 die Heilige Messe, vor allem des römischen Kanons wegen, einen „Greuel vor Gott“, um dann wie folgt weiterzufahren:

„Ich bitte euch alle um Gottes willen, diesen Greuel zu Herzen zu nehmen, und aller Welt an den Tag zu bringen, daß die Schande dieser roten babylonischen Hure mit entdecket werde… Ich sage, daß alle gemeinen Häuser, die Gott doch ernstlich verboten hat, ja alle Totschläge, Diebstahl, Mord und Ehebruch nicht also schädlich sind, als dieser Greuel der papistischen Messe.

Darum bitte ich alle Fürsten und Obersten, Bürgermeister Räte und Richter, daß sie solche grausame Gotteslästerung zu Herzen fassen und die zur Rede stellen, sich zu verantworten über solche Gotteslästerung…..—

Im gleichen Jahre 1523 hatte er auch den römischen Messkanon in deutscher Übersetzung mit blasphemischen Anmerkungen herausgegeben,

„damit jeder sich davor entsetze und sich segne, wie vor dem Teufel selbst.“ —

Luther bezeichnet fast jeden Satz des von ihm in deutscher Sprache herausgegebenen Messkanons als „Greuel“, „Gotteslä­sterung“, „Lüge“, als ein

„heilloses und verfluchtes, von ungelehrten, tollen Pfaffen zusammengerafftes Werk.“

während Ulrich Zwingli, der in religiöser und sittlicher Hinsicht noch tiefer steht als der Wittenberger Mönch, den heiligen Messkanon ein

„Flickwerk, ein monstrum et chimära“,

nennt, in dem man „kaum ein Wort finde, das nicht abgöttisch ist“. (sic!)

„Der Canon ist kaum besser als der Apis und Krokodilsdienst der Aegypter „et scatet impietate“.

Den altrömischen Ritus der Heiligen Messe betitelt Zwingli als „eine frostige immo impia Zusammenstellung von Gebeten, welche wahrhaft frommen Männern Ekel einflösst“,(sic!).

Als sein Einsiedler Kollege Theobald von Geroldseck von der katholischen Wahrheit apostasierte, gratulierte ihm Zwingli, daß er nun im Bezug auf den Kanon

„das als Kot verachte, was er ehemals als ehrwürdige christliche Wahrheit verehrt.“ —

Und mit großen Worten kündigt er an:

„Vom Canon werde ich, ob Gott will, fast bald schreiben und anzeigen, was schöner Zucht er ist.“ —

Nach Zwinglis unmaßgeblicher Meinung sind die Verfasser des Römischen Messkanons nicht nur „verwegen und dumm“, sondern vielmehr noch eitle „Lügner und Betrüger“, ja, er scheut selbst nicht davor zurück, die heiligmäßigen Päpste Sixtus, Leo d. Gr., Gelasius und Gregor den Großen — deren Namen die Kirchengeschichte auch heute noch mit größtem Lobe bedenkt — Leute zu nennen, denen es im Bezug auf den Kanon durchaus nicht darauf ankomme, eine Lüge mehr oder weniger zu begehen. (Vgl. Opera Zwinglii, Band I, p. 539, Band II, pp. 213, 522, Band III p. 83, Band IV p. 85).

Hatten Martin Luther und Ulrich Zwingli — der eine mit dem ungebrochenen furor teutonicus seiner romanisch-christlich unterzivilisierten Seele, und der andere mit humanistischem Sarkasmus und hochmütiger Schmähsucht — sich beide mit Leidenschaft gegen die altrömische Liturgie und den Opfercha­rakter der Hochheiligen Eucharistie, gewandt, wie er eben gerade im Canon Missae Romanae so herrlich und klar zum Ausdruck kommt, so wütete Jean Calvin in seiner „Institutio Religionis Christianae“ vom Jahre 1559 mit allen Registern seines antikatholischen Fanatismus gegen dieselbe. So schreibt er in Kapitel 2 des 4. Buches seiner „Institutio“ den horrenden Satz:

„An die Stelle des Herrenmahles trat eine vermaledeite Abgötterei“, (nämlich des Meßopfers)

um sich in Kapitel 13 des gleichen Buches zu folgenden Ungeheuerlichkeiten zu versteigen:

„Das Hauptstück des schrecklichen Greuels, in dem der römische Antichrist den Erdkreis unterwiesen hat, ist die Messe…“

„Als man die Messe aufrichtete, hat man dies heilige Mahl in welches der Herr das Gedächtnis seines Leidens prägen wollte, in Grund und Boden verderbt.“

„Nachdem der Irrtum aufkam, daß Priester vorhanden sein müssten, die für das Volk opfern, wurde das heilige Mahl gleichsam auf die Priester beschränkt, und nicht der Gemeinde mitgeteilt. Die stillen Messen kamen auf in welchen den Priester allein das Opfer verschlingt, und sich damit hoch über das Volk erhebt. Wo man aber nicht das Brot zur Mitteilung an die Gläubigen bricht, da ist nicht das Mahl des Herrn, sondern eine ganz verkehrte Nachäffung.“ „Endlich fing man sogar an, in einer Kirche in verschiedenen Winkeln zahllose Messen zu halten, womit man die Gemein­den auseinanderriss, statt sie um das heilige Geheimnis zur Einheit zu sammeln; dazu kommt der Götzendienst, daß man in der Messe das Brot (sic!) zur Anbetung darstellt, als wäre es Christus selbst.“ —

Unsere Leser mögen uns verzeihen, wenn wir sie mit dem antichristlichen Unflat dieser drei in höchstem Masse unlauteren Männer bekannt machen, die ihre rein menschlich erdichteten Ideologien an die Stelle der Wahrheit unseres Herrn und Heilandes JESUS CHRISTUS in frevler Verwegenheit zu setzen gewagt haben, indem sie des Herrn Worte Lügen straften, der doch ausdrücklich gesagt hat, daß er die Apostel in alle Wahrheit einführen und bei ihnen bleiben werde bis an der Welt Ende, und daß die Pforten der Hölle den Felsen Petri niemals zu überwinden vermöchten, genausowenig wie das Gebäude der auf ihm errichteten Kirche, die St. Paulus die „Grundfeste der Wahrheit“ nennt. Wir haben aber diese Lästerungen wider das Hochheilige Meßopfer im allgemeinen und den Meßkanon im besonderen nur deshalb angeführt, um zu zeigen, wie ähnlich die Verleumdungen der Reformatoren und diejenigen des „kürzlich gefeierten ökumenischen Konzils“ (Artikel 50 der Liturgiekon­stitution) aus dem Munde des Heiligen Vaters klingen, auch wenn wir gerne zugeben, daß die genannten Worte von Vatikanum II im Bezug auf die altrömische, von St. Pius V. mit neuem Glanz versehene Liturgie der lateinischen Kirche nicht so weit gehen wie die entsetzlichen Blasphemien der Reformatoren Luther, Zwingli und Calvin; wer aber schärfer hinschaut und grundsätzlich zu denken versteht, wird unschwer feststellen können, daß dieser Unterschied nur gradueller Natur ist, und schon nach kurzem Prozess logischen Denkens zu den schreckli­chen und antichristlichen Konsequenzen der Reformation führen muß. Man vergleiche nur einmal das obenerwähnte Gekeife Calvins über die „stillen Messen“ — die Luther noch blasphemischer „Winkelmessen“ zu nennen beliebt — (vgl. seine lästerliche Schrift: „Von der Winkelmesse und der Pfaffenwei­he!) sowie über die „zahllosen Messen“, die in den „verschiede­nen Winkeln der Kirche“ auf ebenso zahllosen Seitenaltären gefeiert wurden, mit Paragraph 267 der Institutio Generalis, wo es heisst:

„Es soll nur wenige Nebenaltäre geben. Bei Neubauten sollen sie, vom Hauptraum möglichst getrennt, in Seitenkapellen stehen.“

Ganz abgesehen von der Tatsache, dass der Brauch, neben dem Hauptaltar auch noch Seitenaltäre zu errichten, um dadurch die Möglichkeiten der Zelebration des Heiligen Meßopfers zu vervielfachen, bis weit hinauf in die alten Zeiten zu verfolgen ist, atmet dieser kleine Paragraph No 267 wieder einmal so richtig den Ungeist der Reformatoren: die Gelegenheiten, dem „Herrn der Heerscharen“ „vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang das reine Speiseopfer“ (hebräisch: MINCHA — vgl. Malachias, 1.10-11) der Hochheiligen Eucharistie darzubringen, sollen empfindlich beschnitten und gleichgeschaltet werden, wie dies auch schon Scipione Ricci und sein Conciliabulum zu Pistoja versucht haben — ein Unterfangen, das Papst Pius VI. wie folgt verurteilte:

„XXXI. Die Proposition der Synode von Pistoja, welche erklärt, es sei hinsichtlich der Haltung des Gottesdienstes schicklich und dem alten Herkommen gemäß, daß sich in jedem Tempel nur ein Altar befinde, und daß sie die Absicht hege, diesen Gebrauch wieder herzustellen,

ist verwegen, einen sehr alten, frommen, besonders in der lateinischen Kirche schon seit vielen Jahrhunderten vorhande­nen und gebilligten Gebrauch schmähend.“

Damit ist auch das Urteil über Paragraph 267 der römischen Institutio gesprochen, denn was damals als „verwegen, einen sehr alten, frommen, besonders in der lateinischen Kirche seit vielen Jahrhunderten vorhandenen und gebilligten Gebrauch schmähend“ und bis zum Jahre 1969 galt, kann sich seiner Natur gemäss nicht plötzlich ins Gegenteil verwandelt haben.

Wenn das „kürzlich gefeierte II. Vatikanische Konzil — das `ökumenische Konzil‘ “ verlangt, die „rituelle Ordnung der Messe (sic!) müsse revidiert werden, damit das besondere Wesen der einzelnen Teile und ihre gegenseitige Verbindung klarer hervortrete, und damit die fromme und aktive Teilnahme der Gläubigen erleichtert werde“, beleidigt es nicht nur, wie wir schon gezeigt haben, das Heilige Konzil von Trient und das Dekret „QUO PRIMUM“ des heiligen Papstes Pius V. v. 19. Juli 1570, sondern vor allem unsere Mutter, die Heilige Römische Kirche aller Zeiten, indem es ihr in naiver Ungeheuerlichkeit kein geringeres Vergehen unterschiebt, als jenes, die Wahrheit verdunkelt zu haben, denn man kann ja bekanntlich nur das klarer hervortreten lassen, was vorher im Dunkel und Dämmer­schein begraben lag. Diese implizite Anschuldigung, die Wahrheit verdunkelt zu haben, ist nicht neu, es ist die alte Platte der Häretiker und Schismatiker aller Zeiten; was wundert es uns also, wenn wir sie auch in der Sammlung der Synode von Pistoja vorfinden, um ihre häretisch-schismatischen Anmaßungen zu beschönigen. Papst Pius VI. verurteilt sie wie folgt:

„I. Die Proposition der Synode von Pistoja, welche behaup­tet, in diesen letzteren Zeiten habe sich eine allgemeine Dunkelheit über die wichtigeren Wahrheiten in der Kirche verbreitet, die sich auf die Religion beziehen und die Grundlage der Glaubens- und Sittenlehre Jesu Christi sind, ist ketzerisch.

Weiter lehrt und fordert das „kürzlich gefeierte ökumenische Konzil“, dass

  • die Riten, in ihrem Wesen treu bewahrt,
  • vereinfacht
  • und jene Elemente in der Liturgie unterdrückt werden sollen, die im Laufe der Jahrhunderte verdoppelt wurden, oder als weniger nützlich hinzugekommen sind.
  • Einige Elemente hingegen, die mit der Zeit verloren gegangen sind, sollen wieder hergestellt werden, gemäß der Überlieferung der heiligen Väter und in dem Maße, wie es angemessen oder nötig erscheinen wird.

Wir haben diese ungeheuerlichen Verleumdungen wider die Treue und Zuverlässigkeit der Heiligen Römischen Kirche schon weiter oben mit den authentischen Orakeln des Heiligen Geistes, wie sie uns das Heilige Konzil von Trient vorlegt und Papst Pius V. mit seinem Dekret QUO PRIMUM vom 19. Juli 1570 bestätigt und einschärft, als solche gebrandmarkt und entschie­den zurückgewiesen.

Auch diese Verleumdungen, wie wir sie aus dem Munde von Vatikanum II vernehmen müssen, sind nicht neuesten Datums: Scipione Riccis Conciliabulum von Pistoja hat schon vor nahezu 200 Jahren versucht, damals diesen häretischen Happen dem staunenden orbis catholicus aufzutischen, und zwar mit jener gleichen unverfrorenen Ignoranz, wie wir sie auch jetzt wieder in den Worten von Vatikanum II entdecken können. Doch auch dieser giftige Bissen gelangte nicht in die Hände der Kinder des Reiches; der Träger der Schlüssel des Himmels und der Erde, der damalige Papst Pius VI. waltete als treuer Hausvater Gottes und Hirt der Herde, als Lehrer der Unwissenden und der Irrenden, die er mit liebevollen, aber bestimmten Worten wie folgt zurechtwies:

„XXXIII. Die Proposition der Synode von Pistoja, wonach sie an den Tag legt, zu wünschen, daß die Ursachen behoben werden möchten, durch welche zum Teil das Vergessen der Grundsätze hinsichtlich der Haltung des Gottesdienstes aufgekommen ist, durch Zurückführen derselben zu einer größeren Einfachheit des Ritus, durch Erklären desselben in der Volkssprache und lautes Aussprechen,

als wenn die vorhandene, von der Kirche angenommene und genehmigte Weise des Gottesdienstes irgendwie aus dem Vergessen der Grundsätze hervorgegangen wäre, durch welche er geregelt werden soll,

    • ist verwegen,
    • fromme Ohren verletzend,
    • die Kirche schmähend,
    • dem Tadel der Ketzer gegen dieselben günstig.

Jener letzte Satz der „Willensäußerung des kürzlich gefeierten ökumenischen Konzils“, — wonach „einige Elemente der Liturgie, die mit der Zeit verloren gegangen sind“, — eine willkürliche Behauptung, die, wie wir soeben gesehen haben, von Papst Pius VI. mit der Proposition XXXIII der Synode von Pistoja entschieden als unwahr zurückgewiesen und verurteilt wird! — „wieder hergestellt werden sollen“

gemäß der Überlieferung der heiligen Väter,

— jener letzte Satz klingt ungemein zynisch aus dem Munde jenes Heiligen Vaters, der es nicht nur freventlich zugelassen, sondern nachträglich auch noch in einer öffentlichen allgemei­nen Audienz vom 19. November 1969 unter bewusster Diffamierung der theologisch leider nur zu begründeten Vorstel­lungen seitens der Rechtgläubigen — gerechtfertigt hat, dass die Feinde der katholischen und apostolischen Wahrheit im Schoße der betreffenden Liturgiekommission und innerhalb der Mauern des Vatikans überhaupt, eine ebensolche Übrliefe­rung der heiligen Väter, nämlich den bis in apostoli­sche Zeiten hinaufreichenden römischen Messkanon unter dem zu jedem Verrat an der Glaubenssubstanz brauchbaren Deckmantel einer sog. „Liturgiereform“ sang- und klanglos liquidiert und in stillem Begräbnis dem Schoß der Vergessenheit übergeben haben.

Es krampft uns das Herz zusammen, es blutet unsere Seele, und unsere Lippen weigern sich, die folgenden Worte zu formen, doch um der Wahrheit willen, einzig aus diesem Grunde, und um uns aus unsern Herzen keine Mördergruben zu machen, können wir nicht länger schweigen:

Jene Worte des Heiligen Vaters von einer Liturgiereform „gemäß der Überlieferung der heiligen Väter“ können nun, nach Annibale Bugninis und seiner Gesinnungsgenossen unternommener Schleifung des apostolischen Bollwerks des alten römischen Messordo in unsern Ohren nicht anders als wie schierer Hohn klingen, wenn man weiß, dass die schriftliche Fixierung des vormaligen Canon Mis­sae maßgeblich unter dem Einfluss und den Bemühungen der römischen Päpste

  • SIXTUS III (432-440)
  • LEO I DES GROSSEN (440-461)
  • und GREGOR I DES GROSSEN (590-604)

geschehen und zustande gekommen und seit letzterem unverändert geblieben ist, und dass sowohl die Katholi­sche Kirche im Westen als auch im Osten des orbis catholicus die beiden Päpste LEO DEN GROSSEN und GREGOR DEN GROSSEN zu den DOCTORES ECCLESIAE, zu den KIRCHENVÄTERN, und damit also zu den in der „Willens­äußerung des kürzlich gefeierten ökumenischen Konzils beschworenen „HEILIGEN VÄTERN“ zählt und immer gezählt hat.

QUI CAPIAT, CAPIAT!

Niemand, der auch nur noch einen Funken von übernatürlichem, katholischem Glauben irgendwo in einem Winkel seines christli­chen Herzens bewahrt hat und deshalb um die Tatsache weiß, dass es bei diesem „Novus Ordo Missae“ um Sein oder Nichtsein der katholischen Wahrheit geht, — kann bestreiten, dass wir in der zitierten „Willensäußerung des kürzlich gefeierten ökumeni­schen Konzils“ den typischen Fall eines logischen Mon­strums vor uns haben, eine Spekulation auf die Ignoranz und Leichtgläubigkeit von Getauften, die entweder an unterent­wickeltem Glaubenssinn oder dann — was noch schlimmer und beinahe unheilbar ist — an Knochenerweichung und Muskel­schwund in ihrer Rechtgläubigkeit leiden, die sich leider sehr oft bis zur vollkommenen metaphysischen Ver­blödung des ganzen ehemals katholischen Menschen steigern kann, was nach der nun schon seit Jahren andauernden religiösen und moralischen Gehirnwäsche à la hol­landaise wenn auch nicht entschuldbar, so doch begreiflich wäre.

Wirklich, man traut seinen Augen nicht. Da gibt doch das II. Vatikanische Konzil eine „Willensäußerung“ zur Reform der Liturgie von sich, deren ganzer Tenor auf eine in vornehmen Worten gehaltene Verteufelung der „Überlieferung der heiligen Väter“, nämlich der Päpste Coelest I. (422-432), Sixtus III. (432-440), Leo  I. der Große (440-461) und Gregor I. der Große (590-604) hinaus­läuft, um dann zum dicken Ende doch wieder an die „Überlieferung der heiligen Väter“ zu appellieren — wobei natürlich bezeichnenderweise offen gelassen wird, was in diesem Falle unter „Überlieferung“ und was unter den „heiligen Vätern“ zu verstehen ist; wohl kaum die Kirchenväter der Orthodoxie, denn diese haben sich über das Mystische Schlachtopfer der Hochheiligen Eucharistie so deutlich in ihrem Schrifttum geäußert, dass sie sich wohl nur durch gröbste Fälschungen zu Kronzeugen für Annibale Bugninis plus Helfers­helfern klug inszenierten theologischen Rosstäuscher- und Bauernfängertrick mit dem „Novus Ordo Missae“ und der dazugehörenden „Institutio Generalis“ umfunktionalisieren las­sen.

Doch nehmen wir einmal an — und zwar nur mangels Gegenbeweisen — mit den genannten „Überlieferungen“ und den „heiligen Vätern“ seien die Prinzipien der Mündlichen Überlieferung, wie sie teilweise ihren Niederschlag in den Werken der Kirchenväter und rechtgläubigen oder zumindest nicht bewußt heterodoxen Kirchenschriftsteller gefunden und ihre Urheber, bzw. Redaktoren und Kompilatoren gemeint. ­Nun ist es eine Binsenwahrheit, dass die Feier des Eucharisti­schen Schlachtopfers in den frühen Jahren der Kirche liturgisch noch nicht so reichlich und allen Bedürfnissen der Frömmigkeit Rechnung tragend, ausgestaltet war — was nach einer fast dreihundertjährigen Verfolgungsperiode, die nur verhältnismäßig kurze Friedenszeiten zur Entwicklung der Heiligen Liturgie zur Verfügung hatte, kaum verwunderlich ist. Auch ist es klar, dass die katholische Kirche des Jahres 1970, die beinahe fünfmal so alt ist, wie die katholische Kirche des Jahres 400 einen größeren Schatz an liturgischen Gebeten, Gesten, Zeremonien, Paramenten und an Erfahrung überhaupt, aufweisen muss, wenn sie die KIRCHE und das REICH DES GOTTMENSCHEN ist, entstanden aus dem Senfkörnlein, von dem der Herr im Gleichnis des Matthäusevangeliums (Matth. 13,31f) spricht und prophezeit, dass es größer und vielgestaltiger werden wird als alle andern Gartengewächse, zu einem Baum, in dessen Zweigen die Vögel des Himmels mit all ihrer Schönheit wohnen werden. Diese Entwicklung vom winzigen Samenkorn bis zum mächtigen Pflanzengebilde erfolgt nach einem bestimmten Plan, der Entelechie, die ein jedes Organ zu seiner Zeit am Vegetations­körper hervorbringt, der in der späteren Entwicklung nur noch wenig morphologische Übereinstimmung mit der Samenzelle zeigt, aus der er entstanden ist.

Und trotzdem: Senfkorn und Senfbaum sind wesentlich ein und dasselbe; nichts Neues ist der Baum, nichts Neues sind Zweige, Blätter und Blüten, sie stellen nur äußere Entfaltung und Ausfächerung alles dessen dar, was im Samen schon längst latent enthalten ist. Kurz gesagt: der mächtige Senfbaum ist ebensowe­nig ein Verrat am Senfkorn wie die jahrhundertealte windzerzauste Eiche an der Eichel. Weder Senfkörnchen noch Eichel sind sich Selbstzweck, sondern von Natur aus daraufhin angelegt, in der Entwicklung zum Baum ihre natürliche Vollendung und Erfüllung zu finden.

Genau so verhält es sich nun auch mit dem Mystischen Leib Christi, der Heiligen, Katholischen und Apostolischen Kirche, die von der Dritten Göttlichen Person, dem Heiligen Geist durchwest und durchseelt wird; sie ist die neue Pflanzung Gottes auf einer Erde, die immer noch unter dem Fluch des verlorenen Paradieses seufzt, wobei JESUS CHRISTUS der messianische Weinstock und die Gemeinschaft der Getauften die einzelnen Reben, die aus IHM hervorgehen und duch IHN leben, sind.

Unter dem Göttlichen Einfluss des Heiligen Geistes, der Entelechie und Seele dieser Pflanzung ist, durch sein lebenspen­dendes Wirken entwickelten sich vorerst nur knospenartig angelegte Ansätze der heiligen Liturgie, die aber trotz ihrer Einfachheit schon erahnen liessen, wie herrlich die Blüten und Früchte sein würden, die aus ihnen hervorgingen, und dieser Entwicklungsprozess der heiligen Liturgie vollzog sich nach dem Gesetz der vertieften Einsichten in die Mysterien der Erlösung, so dass es keine unzulässige Vereinfachung ist, die Gleichung zu setzen:

„Je tiefer die theologische Einsicht in die Glaubensgeheim­nisse, desto reichlich entfalteter und herrlicher die Liturgie“

die ja gemäß dem alten theologischen Axiom „LEX CREDENDI LEX ORANDI“ nicht nur kultischer Ausdruck des Dogmas ist, sondern vor allem das konkret bewirkt, was sie symbolisch zum Ausdruck bringt.

Diese Tatsachen, die zur eisernen Ration eines jeden katholischen Theologen gehö­ren sollten, werden von unseren derzeitigen Ikonoklasten in Rom in bewusst häretischer Weise verkannt und verketzert. Sie leugnen ganz offen den steten legitimen Fortschritt in der Entwicklung der heiligen Liturgie in dem Sinne, wie ihn unser unvergesslicher Heiliger Vater, Papst Pius XII. hochseligen Angedenkens in seiner großartig angelegten Enzyklika „MEDIATOR DEI“ erklärt und bestätigt hat, indem er schon im Jahre 1947 den sich abzeichnenden Gefahren für die Heilige Liturgie und das übernatürlich-sakramentale Wesen des Katholischen Glaubens überhaupt, als mutiger Felsenmann entgegentrat und die anhebenden Neuauflagen alter Häresien beim richtigen Namen nannte. Doch selbst wenn wir, die einfachen Kinder unserer Mutter, der Heiligen Kirche, der Erkenntnis der Gefahr für die heilige Liturgie und das Wesen des Christentums überhaupt, aus der erhabenen Vogelschau eines heiligmäßigen Papstes nicht teilhaftig geworden wären, so hätte uns dennoch zumindest ein Minimum an logischem Denkaufwand, die innere Beziehungen aufzeigen müssen: Da die Entwicklung der heiligen Liturgie gemäß den vertieften theologischen Erkenntnissen und ihrer praktischen Realisierung erfolgt, geht sie parallel und im allgemeinen auch synchron mit der Entwicklung des Dogma s; wenn darum die römischen Gesinnungsfreunde der protestanti­schen Reformatoren ohne Unterlass sich auf die liturgischen Riten der frühen Kirche berufen — die, nebenbei gesagt, denkbar schlechte Kronzeugen für ihre rationalistisch-protestantischen Weinpanschereien abgeben — dann werfen sie sich zu Richtern über das unendlich zarte und geheimnisvolle Weben und lebensspendende Wirken des Heiligen Geistes in der Heiligen Mutter Kirche aller darauf folgenden Jahrhunderte auf, und maßen sich mit der naiven Ungeheuerlichkeit und dem Hochmut eines seichten Aufklärertums an, die Dritte Person in der Gottheit, „Unsern Herrn und Lebensspender, der mit dem Vater und dem Sohne zugleich angebetet und verherrlicht wird“, (vgl. niceno-konstantinopolitanisches Glaubensbekenntnis im Missale Romanum) vor das Tribunal ihres rein irdisch-pragma­tisch-bescheuklappten Denkens zu ziehen, mit der frevlen Absicht, nach den armseligen Maßstäben ihrer noch armseligeren rationalistischen Aprioris kurzen Prozess zu machen.

Bar jeglichen Sinnes für die religiösen und geistigen Gesetzmäßig­keiten als Wirkungen des Heiligen Geistes, welche die religiöse, geistige und historische Kontinuität in Verfassung, Lehre, Glauben und Liturgie der Kirche Christi bewirken, erhalten und garantieren, verfallen diese theologisch höchst suspekten Väter dieses illegitimen Kindes, nämlich des „Novus Ordo Missae“, der trotz eifriger Geburtshelferdienste seitens einer erlauchten Persönlichkeit zutreffender eine Missgeburt genannt wird, die zudem noch — bezeichnenderweise — eine bereits in Zersetzung übergegangene Totgeburt ist — in die unfassbare und höchst naive These, sie könnten den  entwickelten Organis­mus eines erwachsenen Menschen dadurch kräftigen und verjüngen, indem sie nun hingehen und seine Gliedmaßen frohgemut mit einer scharfen Gartenschere auf die Proportionen eines Halbwüchsigen oder Kleinkindes zurückstutzen – eine barbarische Verjüngungskur, die natürlich in einer Katastrophe des Ausblutens enden wird, ja enden m u ß.

Diese makabren Medizinmänner in Sachen Liturgie und Canon Missae vergessen bei ihrem radikalen Eingriff, daß sie durch ihr Vorgehen nicht nur die Ehre und Heiligkeit der Braut Christi besudeln, sondern vor allem auch den Heiligen Geist, den Herrn und Lebensspender, lästern und damit auch den HERRN JESUS CHRISTUS als schlechten Possenreisser zur Schau stellen, denn kein Geringerer als ER hat doch den Aposteln und ihren Nachfolgern verheissen:

„Noch vieles hätte ich Euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt noch nicht ertragen.

Wenn aber jener Geist der Wahrheit kommt, wird Er euch in ALLE WAHRHEIT EINFÜHREN. Denn er wird nicht aus sich selber reden, sondern was er hört, wird er reden, und was zukünftig ist, EUCH VERKÜNDEN.“ ‑ (vgl. Johannes, 16,12f)

„Sehet, ich sende die Verheissung meines Vaters auf Euch herab.

Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und LEHRET SIE ALLES HALTEN, was ich EUCH BEFOHLEN habe.

Sehet, ich bin bei EUCH alle Tage bis ans Ende der Welt.“ ­(vgl. Matthäus, 28,19, Lukas, 24, 48f)

Der stillschweigenden Unterstellung unserer theologischen Falschmünzer in Rom zufolge, erstreckte sich die lebensspenden­de Wirksamkeit und der Beistand des Heiligen Geistes offenbar nur bis ins Zeitalter des römischen Caesars Konstantin des Großen, der die bis dahin angeblich reine „Liebeskirche“ in die ehernen Klammern römischen Rechtsdenkens gefesselt und mit einem großen Spitzer vom wölfischen Blute der alten heidni­schen Roma für ein christlich getarntes Caesarentum kirchlicher und profaner Omnipotenz der Bischöfe Roms vorbereitet habe; in jenen angeblich so entscheidenden Jahren sollen sich plötzlich byzantinische „Fehlentwicklungen“ in Dogma und Liturgie im Zeichen der „Konstantinischen Klammer“ angebahnt, das ganze Mittelalter hindurch weitergewuchert und in der Zeit der ach, so bösen Gegenreformation, ihren bis heute andauernden Höhe­punkt erreicht haben — eine in den Augen unserer neoprotestan­tischen Theologen mit katholischer Visitenkarte, verdammens­würdige Entartung, die nun durch das angeblich „Neue Pfingsten“ des II. Vatikanischen Konzils (vgl. Konzilseröffnungs­ansprache Papst Johannes XXIII.!) ihr glückliches Ende gefun­den habe! — Das wird zwar im Novus Ordo Missae, bzw. in der Institutio Generalis nicht expressis verbis gesagt, aber durch eindeutige Seitenhiebe stenogrammartig angedeutet, so dass ein jeder, der sich in der Inflation theologischer Publikationen in postkonziliärer Zeit auch nur ein wenig auskennt, sofort erkennen kann, auf welchen Hasen das große römische Halali die Jagd eröffnet; übrigens ist die oben skizzierte Behauptung vom „Neuen Pfingsten“ etwa auf die gleiche Ebene zu setzen, wie Luthers berüchtigtes Werk „Von der Babylonischen Gefangen­schaft der Kirche“ und die Grundtendenz der meisten seiner Werke, die immer dahin geht, dem naiven Leser einzureden, alle vorhergehenden Jahrhunderte des Christentums seien in der „wahrhaften erkanntnus“ des „evangelii und rechtschaffnen gottsdienstes“ schwer vom richtigen Weg abgeirrt, bis dass auf ihn, den theologisch ziemlich unbelasteten Wittenberger Mönch, aufs neue der Heilige Geist gefallen sei, um ihm als einzigem nach einem jahrhundertelangen Unterbruch seit den Tagen der alten Kirche das wahre Schrift- und Glaubens­verständnis zu erschließen. —

Wir wollen uns nicht länger mit diesen ebenso dreisten wie unwissenschaftlichen Anmaßungen des unglücklichen Augusti­ner Barfüßers von Wittenberg aufhalten, doch wollen wir in Bezug auf die römischen Oberreformer und ihren Anspruch, in der heiligen Liturgie „einige Elemente, die mit der Zeit verloren gingen, gemäß den Überlieferungen der heiligen Väter wieder herzustellen“, die Willkürlichkeit ihres Vorgehens entgegenhalten: Warum will man ausgerechnet nur bis in die Zeiten der „heiligen Väter“ und ihrer „Überlieferungen“ zurückkehren, um damals praktizierte Riten in unsere Gegenwart zu adoptieren, wo doch zweifelsohne auch diese Frucht eines damals beinahe schon 400 Jahre andauernden Entwicklungsprozesses in der Liturgie waren, wie die Liturgiewissenschaft unschwer nach­weisen kann? Warum anerkennt man eine solche Entwicklung für die ersten 4 Jahrhunderte des Christentums und leugnet sie für die restlichen 1500 Jahre? Wo bleiben da die objektiven Kriterien? Wo findet sich da die Logik?

Des Rätsels Lösung liegt in der Entdeckung, dass auch hier wieder jene typisch protestantisch-jansenistischen Grundsätze, wie sie die Synode von Pistoja adoptiert und verbreitet hat, stillschweigend, ohne jeglichen Beweis, der ganzen Argumenta­tion unterstellt werden, nämlich die alte Lüge der Reformation von der „Verdunkelung der christlichen Wahrheit“ in der katholischen Kirche seit den Tagen des Altertums, welche das törichte Märchen aufwärmt, die unter dem Einfluss des Heiligen Geistes und unter dem wachsamen Auge des Kirchlichen Lehramtes erfolgende wesensgemäße Entwicklung in Dogma und liturgischem Kult, sei ein Verrat an den dogmatischen und liturgischen Prinzipien der Frühzeit der katholischen Kirche.

Diese häretische Meinung hat denn auch schon seinerzeit die im kirchlichen Altertum schwelgenden Jansenisten in ihre semi­schismatische Sonderbündelei getrieben und für Jahrhunderte das religiöse Leben Frankreichs nicht nur empfindlich gestört und gelähmt, sondern direkt vergiftet und auf diese Weise der anglo-französischen, deistischen und atheistischen Aufklä­rung jene im kalvinistischen Frost ihrer Prinzipien ausgetrock­neten Herzen vorbereitet, die in den Händen der Drahtzieher, Biedermänner und Brandstifter des Umsturzes nur zu schnell in Zunder für die königs-, priester- und volksmörderische Revolu­tion verarbeitet wurden!

PIERRE TILLOY / Eduardo Hugentobler

(Fortsetzung folgt)

Der neue Ordo der Heiligen Messe [N.O.M.] – „Die Einheit in der Irrlehre“?

Von Pierre Tilloy

Aus dem Französischen übersetzt von Eduardo Hugentobler, St. Gallen

5. Fortsetzung

Offenbar hatte der heilige Paulus schon damals „Umfunktionali­sierungstendenzen“ entgegenzutreten, die es darauf abzielten, das Eucharistische Opfer in eine bloße, profane Mahlfeier mit orgiastischem Akzent (vgl. 1 Kor. 11,20, 21, 22, 33) umzufäl­schen. Aus den Briefen des Völkerapostels geht also klar hervor, dass die Feier des göttlichen Kultes auf apostolische Anordnung hin erfolgte, nach Vorschriften, die es ermöglichten, dass das „Heilige heilig verrichtet werde“. (Vgl. Sess. Conc. Trid. XXII, Caput IV). Diese Apostolischen Anordnungen hinwiederum sind sicher keine bloßen frommen, zeitgebundenen menschlichen Privatmeinungen der Jünger des Herrn, sondern in erster Linie Frucht der Unterweisungen JESU nach seiner Auferstehung. So bezeugt der Evangelist Lukas in seiner Apostelgeschichte: „In der ersten Erzählung, o Theophilus, habe ich von allem gesprochen, was Jesus zu tun und zu lehren anfing, bis zu dem Tage, an welchem er aufgenommen ward, nachdem er den Aposteln, die ER auserwählt hatte , durch den Heiligen Geist seine Aufträge gegeben, und denen er auch nach seinem Leiden durch viele Beweise als lebend sich zeigte, da er ihnen vierzig Tage hindurch erschien, und mit ihnen vom Reiche Gottes (d.i. die Kirche,  Anm. d. Übers.) redete.“ Diese Unterweisungen vom „Reiche Gottes“ hatten sicher auch den Kult des Eucharisti­schen Opfers zum Gegenstande, da dieser ja das vorzüglichste Opfer und die vollkommenste Anbetung des himmlischen Vaters im „Geiste und in der Wahrheit“ (Joh. 4,24) ist, und der Sinn des „Reiches Gottes“ darin besteht, dass wir „aus der Hand unserer Feinde befreit, furchtlos IHM dienen, heilig und gerecht vor ihm“ „alle Tage unseres Lebens“, (vgl. Lukas, 1,74 f) „den Vater im Himmel anrufend (1. Petr. 1,17), unsere „Seelen durch den Gehorsam gegen die Wahrheit heiligend“ (1. Petr. 1,22), als „geistiger Tempel, auferbaut aus lebendigen Steinen, als heiliges Priestertum, bestimmt, um durch Jesus Christus geistige, Gott wohlgefällige Opfer darzubringen.“ — (Vgl. 1. Petr. 2,5). Und damit diese Seine Vorschriften und Unterweisungen nicht durch irgend eine menschliche Schwäche der Apostel verloren gehen, verspricht er ihnen ausdrücklich: „Ich will den Vater bitten, dass er euch einen anderen Beistand gibt, der in Ewigkeit bei Euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit , den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr jedoch kennt IHN, denn ER wird dauernd in Euch sein. Ich will Euch nicht als Waisen zurücklassen, ich werde zu Euch kom­men.“ (Joh. 14,16 f) Da der gütigste HERR JESUS um die Beschränktheit des geistigen und religiösen Fassungsvermögens, die menschliche Unzulänglichkeit seiner Apostel gründlich weiß, tröstet ER sie in ihrer Verzagtheit in der Nacht vor Seinem Leiden, und spricht es in Seiner Abschiedsrede auch deutlich aus: — „Noch vieles hätte ich Euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt noch nicht ertragen. Wenn aber jener Geist der Wahrheit kommt, wird ER euch in alle Wahrheit einführen. Denn er wird nicht aus sich reden, sondern, was er hört wird er reden, und, was zukünftig ist, euch verkünden. ER WIRD MICH VERHERRLICHEN, denn er wird von dem meinigen nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein, darum habe ich gesagt: Er wird von dem Meinigen nehmen und es euch verkünden.“ — (Joh. 14,12)

Wie wenig die junge Kirche daran dachte, sich von der kultischen Gottesverehrung zu trennen, zeigt die Tatsache, dass Kephas, der erste Papst und Johannes, der Lieblingsjünger des Herrn, miteinander auch nach der Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Urkirche, um die neunte Stunde, zur Zeit des Gebetes, wie uns Apg 3,1 ausdrücklich versichert, in den Tempel hinaufgingen und in denselben eintraten um dort zu beten — obwohl der alttestamentliche Opferkult inzwischen durch das Eucharistische Speise- und Schlachtopfer Jesu Christi ersetzt worden war, welches aus grundsätzlichen Erwägungen in den Häusern einzelner großherziger Urchristen gefeiert werden musste. (Vgl. Apg, 16, 14,15,40). Auch der heilige Paulus, der doch so leidenschaftlich und unentwegt in seinen Briefen an die Römer, an die Korinther, Galater und vor allem an die Hebräer auf die Tatsache hinweist, dass der Alte Bund mit seinen levitischen Vorschriften und Opfern durch den Opfertod des Gottmenschen JESUS CHRISTUS erfüllt und damit aufgeho­ben, bzw. durch einen neuen und ewigen Bund ersetzt und vervollkommnet worden sei, will damit keinesfalls einem kultischen Minimalismus das Wort reden — ganz im Gegenteil. So schreibt er, wohl in der Absicht, schon damals auftretenden Tendenzen zur „Entgrenzung des Sakralen“ und Rationalisie­rung des Heiligen die Spitze abzubrechen, im 3. Kapitel des 2. Briefes an die Korinther:

„Offen daliegend seid ihr ein Brief Christi, besorgt von uns, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf Tafeln von Stein, sondern auf Tafeln von Fleisch und Blut.

Diese Zuversicht aber haben wir durch Christus vor Gott, nicht weil wir aus uns selbst fähig wären, etwas als eigene Leistung anzusehen, unsere Fähigkeit stammt vielmehr von Gott.

Er hat uns auch befähigt zu Dienern des Neuen Bundes, nicht des Buchstabens (wie die Reformatoren des 16. u. die Jansenisten des 17. u. 18. Jahrhunderts es wahrhaben wollten; vgl. die verurteilten Thesen Quesnels!) sondern des Geistes. Denn der Buchstabe macht tot, der Geist aber macht lebendig.

Wenn nun aber schon der Dienst am todbringenden Buchstaben, eingegraben auf Stein, in einem solchen Glanz geschah, dass die Söhne Israels das Angesicht des Moses nicht schauen konnten wegen des Glanzes seines Angesichtes — der doch vergänglich war, wie sollte da der Dienst des Geistes nicht viel glanzvoller sein? War schon der Dienst, der zur Verurteilung führt, so glanzvoll, so ist der zur Gerechtigkeit führende Dienst noch um vieles reicher an Glanz. Ja, was dort im Glanz erstrahlte, ist gar nichts mehr gegenüber diesem alles überstrahlenden Glanz. Denn wenn das Vergäng­liche sich glanzvoll zeigte, wird das Bleibende (sic! ) noch viel mehr im Glanz erstrahlen.“ —

Obwohl der Völkerapostel hier an erster Stelle von der geistigen und dogmatischen Schönheit und deren wesensmäßiger Ver­schiedenheit in Bezug auf das alttestamentliche Kultgesetz und den neutestamentlichen „Bund im Blüte des Herrn“ (Luk. 22,20) spricht, will er damit keinesfalls die kultische Äußerung des Dogmas in Frage stellen:

Offenbarte sich schon die Erhabenheit des „Dienstes am Buchstaben“ des alttestamentlichen Gesetzes, das der Patriarch Moses nach 40tägigem Fasten und Beten auf dem Berg Sinai von JAHWE unter dramatischen Begleiterscheinungen empfangen hatte (Exodus, 34 f) auch in materieller, symbolischer Weise vor den Priestern und Söhnen Israels durch das Strahlen seines Antlitzes — obwohl doch dieses Gesetz und der mit ihm verbundene Opferdienst nur Vorbild und Schatten des kommen­den, vollkommenen und ewigen Opferkultes durch den Gott­menschen JESUS CHRISTUS war, der als „Priester nach der Ordnung Melchisedek“ (Hebr. 7f) nicht mehr mit dem Blute von „Böcken und Rindern“, sondern „mit seinem eigenen Blute ein für allemal in das Heiligtum“ eingetreten ist, und uns durch sein Kreuzesopfer, welches auf der Blutopferstätte des „Neuen Israels nach dem Geiste“ (1. Kor. 10,18) der Katholischen Kirche, der Römischen Kirche, unter den Spezies von Brot und Wein auf mystisch-konkrete Weise vergegenwärtigt, erneuert und fortgesetzt wird, mit Seinem himmlischen Vater versöhnt und von seinem heiligen Zorn losgekauft hat. — Wieviel strahlender, machtvoller und ehrfurchtgebietender musste dann erst die Herrlichkeit des Neuen und Ewigen Bundes im Blute des Gottmenschen JESUS CHRISTUS in der Liturgeia seiner Kirche zum Ausdruck kommen, die ja hinfort nicht mehr unter der Knechtschaft des „Gesetzes“ opfert und anbetet (Römer­brief, 7 f), sondern die Erfüllung jener alten Prophezeiung aus dem Propheten Jeremias an sich erfährt, die da lautet:

„Fürwahr, Tage kommen — Spruch des Herrn der Heerscha­ren — da schließe ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen Neuen Bund, nicht dem Bunde gleich, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus dem Lande Ägypten herauszuführen. Sie waren es ja, die meinen Bund brachen, während ich über sie die Herrschaft ausübte“ — Spruch des Herrn — „vielmehr so soll der Bund sein, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließe — Spruch des Herrn — Ich lege mein Gesetz in ihr Inneres und schreibe es ihnen ins Herz. Ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.“ (Jeremias, 31,31, Hebräerbrief, 8,1f, 8f)

Durch die Anordnungen und Aufträge, die der HERR den Aposteln während der 40 Tage nach seiner glorreichen Auferstehung „im Heiligen Geiste“ erteilte (Apg. 1,1,2,3) und die er ihnen bei seiner triumphalen Himmelfahrt nochmals ausdrücklich in Erinnerung rief mit den Worten:

„Mir ist alle Gewalt gegeben, im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet alle Völker zu Jüngern, und taufet sie im Namen des VATERS UND DES SOHNES UND DES HEILIGEN GEISTES, und lehret sie alles halten, was ich euch aufgetragen habe. Seht, ich bin bei euch, alle Tage, bis ans Ende der Welt.“ —

sowie vor allem auch durch die HERABKUNFT DES HEILI­GEN GEISTES AUF DIE URKRICHE, der die Apostel gemäß dem Versprechen des HERRN in alle Wahrheit einführte, und sie an alles erinnerte, was der HERR ihnen anbefohlen hatte (Joh. 16,12) — durch diese Wirksamkeit des HEILIGEN GEISTES wurde dem Erbe des apostasierten Israels, der Kirche, der Trägerin der Verheißungen Gottes im Alten Bunde, das „Gesetz des Betens und Opferns“ ins „Innere gelegt, ins Herz geschrieben“. (Jer. 31,31, Hebr. 8,1f) Sie kann niemals mehr von diesem Gesetze ablassen, ohne ihrem Göttlichen Bräutigam JESUS CHRISTUS untreu zu werden. Schon der bloße Versuch einer „Reformatio“ ihrer Struktur, ihrer Theologie und damit auch ihrer Liturgie ist notwendigerweise immer auch Versuch einer Apostasie von jenem Gesetz des Betens und Opferns, wie es vom HEILIGEN GEISTE in ihr Inneres, in ihr Herz gelegt und eingeschrieben wurde, und damit Hochverrat — selbst dann, wenn diese „Reformatio“ aus Rom in die Kirche Christi eingeschleust werden sollte, wie uns Karl Rahner und Mario von Galli — beides Mitglieder der Gesellschaft Jesu (!) — in ihrem gleichnamigen Buch „Reformation aus Rom“ in naivem konziliaristischem Triumphalismus berichten.

Mögen auch die pseudotheologischen Termiten schon tief in den Stamm unserer heiligen Mutter Kirche vorgedrungen sein und nun schon das Lebensmark angreifen — die Seele dieses mächtigen Baumes, der aus dem Senfkörnchen JESU entstanden ist und in dem nun schon seit beinahe 1900 Jahren die verschiedensten Vögel des Himmels mit ihrer Pracht genistet haben, diese Seele werden sie nicht zerstören können, denn sie ist kein Geschöpf, sondern der HEILIGE GEIST selber, der den SOHN in der KIRCHE VERHERRLICHT (Joh. 16,12). Darum wird die Kirche, so lange sie besteht, ohne Unterlass die Worte des heiligen Paulus in ihrem göttlichen Kult verwirklichen, der im 2. Kapitel des Philipperbriefes schreibt:

„Seid so gesinnt wie Christus Jesus. Er, der in Gottesgestalt war, erachtete sein gottgleiches Sein nicht für ein Gut, das er mit Gewalt festhalten sollte.

Vielmehr entäußerte er sich, nahm Knechtsgestalt an und wurde den Menschen gleich. Er erschien im Äußeren als Mensch und erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz.

Darum hat IHN GOTT auch so hoch erhoben und ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist: IM NAMEN JESU SOLL JEDES KNIE SICH BEUGEN, IM HIMMEL UND AUF ERDEN, UND IN DER UNTERWELT, UND JEDE ZUNGE SOLL ZUR EHRE GOTTES DES VATERS BEKENNEN: JESUS CHRISTUS IST DER KYRIOS ­ALLE ENGEL GOTTES SOLLEN IHN ANBETEN (Hebr. 1,7f)

Wie wenig der Novus Ordo Missae von diesem Geiste der Urkirche erfüllt ist, kommt neben den bisher so zahlreich zitierten Vorschriften der Institutio Generalis vor allem auch in den Paragraphen 232, 233, 234 derselben zum Ausdruck. Es heißt dort:

„Entsprechend dem überlieferten liturgischen Brauch verehrt man den Altar und das Evangelienbuch mit einem Kuss.“

Nun, soweit, so gut. Doch erwärmen wir uns vor Freude nicht zu sehr, denn für eine kalte Dusche wird sofort gesorgt. Sie wird direkt im Anschluß an den oben zitierten Text verabfolgt:

„Wo jedoch dieses Zeichen nicht der Tradition bzw. dem Empfinden des Volkes entspricht, soll die Bischofskonfe­renz ein anderes Zeichen vorsehen und den Apostolischen Stuhl davon in Kenntnis setzen. (§ 232)

  • § 233:    „Während der Messe (sic!) sind drei Kniebeugungen vorgesehen:

Nach dem Emporheben der Hostie und des Kelches und vor der Kommunion.

Befindet sich der Tabernakel mit dem Allerheiligsten im Altarraum, macht man auch zu Beginn und am Ende der Messe (sic!) eine Kniebeugung, desgleichen, sooft jemand vor dem Allerheiligsten vorbeigeht.“ ‑

  • § 234:    „Zwei Arten von Verneigungen sind vorgesehen, Kopf- und Körperverneigung.

a)       Die Kopfverneigung macht man bei den Namen Jesu, Mariae und des Heiligen, zu dessen Gedächtnis die Messe (sic!) gefeiert wird.

b)       Die Körperverneigung oder tiefe Verneigung erfolgt bei der Begrüßung des Altars, wenn sich auf ihm kein Tabernakel mit dem Allerheiligsten befindet, zu den Gebeten: „Reinige Herr, mein Herz“ und „Im Geiste der Demut“ (!), im Glaubensbekenntnis zu den Worten: „Er hat Fleisch angenommen“, im Römischen Kanon zu den Worten: „In Demut flehen wir zu dir“.

Die gleiche Verneigung macht der Diakon, wenn er zur Verkündigung des Evangeliums den Segen erbittet.

Der Priester verneigt sich auch ein wenig (!), wenn er bei der Konsekration die Worte des Herrn spricht.“ ‑

Vergleichen wir doch einmal diese knapp kalkulierten und den armseligen Mief einer inzwischen kirchlich salonfähig geworde­nen Filzigkeit atmenden Vorschriften der Institutio Generalis eines Annibale Bugnini — mit jenem herrlichen Reichtum an klassischen Zeremonien, wie er vom römisch-katholischen Priester vor diesem unseligen 2. Vatikanischen Konzil zur Feier der Heiligen Messe vorgefunden wurde, — ein Reichtum an Symbolen, Segensgesten, Körperhaltungen und Gebeten, zu dem sich erst noch die Schönheit der Paramente und Kultgefäße gesellte und die es ihm eigentlich erst erlaubten, das HEILIGE HEILIG ZU VERRICHTEN — wie es das HEILIGE KONZIL VON TRIENT im 4. Kapitel der 22. Sitzung: „Doctrina de Sacrificio Missae“ expressis verbis vorschreibt. Es ist eine erhebende Tatsache — oder vielmehr es war eine erhebende Tatsache — daß der nunmehr zum „Vorsteher der Gemeinde“ nivellierte und verflachte, damals noch römisch-ka­tholische Opferpriester während der Feier der Heiligen Messe

  • 16 Male sich mit dem Zeichen des Heiligen Kreuzes bezeichnete
  • 06 Male sich dem gläubigen Volke zuwendete
  • 08 Male dem Heiligen Altar zuwendete. 11 Male seine Augen gen Himmel erhob
  • 10 Male in Zerknirschung an seine Brust schlug
  • 10 Male niederkniete
  • 54 Male seine gesalbten Hände anbetend zusammenlegte 21 Male sein Haupt voll Ehrfurcht beugte
  • 07 Male seine Schultern demütig beugte
  • 08 Male seinen Körper in tiefer Anbetung verbeugte
  • 31 Male das Heilige Opfer mit dem Zeichen des Heiligen Kreuzes segnete
  • 29 Male seine priesterlichen Hände als Ausdruck seiner Zuflucht zum Altare Gottes flach auf die Mensa legte
  • 14 Male mit weitausgespannten Armen (Orantenstellung der Katakombenkirche!) betete
  • 36 Male mit zusammengelegten Händen betete
  • 07 Male seine zusammengefalteten Hände auf den Altar legte
  • 09 Male seine linke Hand auf den Altar alleine legte
  • 11 Male seine linke Hand auf seine Brust legte
  • 08 Male seine beiden Hände gen Himmel flehend erhob.
  • 11 Male still für sich betete
  • 13 Male laut vernehmlich betete
  • 10 Male den Kelch ab- und zudeckte 20 Male sich hin und her bewegte.

Wenn wir diesen Schatz an Äußerungen der Anbetung, des Dankes, der Sühne, des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe mit den schäbigen drei Kniebeugungen des § 233, mit dem aus lauem Herzen zugestandenen Kuss von § 232 und den aus Gründen bloßer Etikette gegenüber den „Nachzüglern der Gemeinde zugestandenen spärlichen Körperverneigungen in § 233 vergleichen, können wir beim besten Willen nicht umhin, in dieser Institutio Generalis ad Missale Romanum die erste in der Geschichte der Katholischen Kirche durch die höchste Autorität des Heiligen Vaters von Rom erteilte Approbation jenes bekannten und berüchtigten

„MISPRIZING BY FAINT ACCLAIM“

zu sehen, wie es in sehr bezeichnender Weise gerade von Simon, dem Aussätzigen und Judas Iskarioth, den FALSCHEN FREUNDEN JESU, samt zeitgenössischem Anhang (vgl. Lukas, 7,44, Markus 14,3, Johannes, 12,4), in bestem Einklang mit den Krämerseelen und Kirchenräubern aller Jahrhunderte der Kirchengeschichte praktiziert wurde. Der gleiche Vorwurf des „misprizing by faint acclaim“ trifft heute in besonderer Weise auf jenen Typ konziliaristischer Klerisei und geistlicher Manager à la hollandaise zu, die aus pseudosozialen und mit angeblicher Nächstenliebe getarnten Gründen voll der Hartherzigkeit und des Unglaubens, allen kostbaren Schmuck, alle herrlichen Paramente, alle materiellen Äußerungen echt christlicher, echt katholischer Mystik aus dem „Zelte Gottes unter den Men­schen“ (Offenb. 21,4), um der „Armen“ willen entfernen zu müssen glauben — eine „Säuberungsaktion“ die besser antika­tholischer Ikonoklasmus genannt würde, denn ihr eigener, nicht allzu bescheidener Lebensstandard, sowie ihre luxuriösen „Gemeindezentren“ und „Häuser der Begegnung“ sind bis anhin — wenigstens nach unserem Wissen — kaum Objekt biblisch fundierter Einfachheitstendenzen gewesen. Ihnen allen, und vor allem auch der Institutio Generalis Annibale Bugninis und seiner antikatholischen Helfershelfer, gelten die würdigen Worte des HERRN, die ER im Heiligen Evangelium gesprochen hat:

„Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Siehst du diese Frau? Ich kam in dein Haus, und du gabst mir kein Wasser für meine Füße, SIE ABER hat meine Füße mit ihren Tränen benetzt, und mit ihren Haaren getrocknet.

Ich kam in dein Haus, doch du gabst mir keinen Kuss, SIE ABER hat seit meinem Eintritt unaufhörlich meine Füße geküsst.

Du salbtest mein Haupt nicht mit Öl, sie aber hat meine Füße mit Narde gesalbt.

Lasst sie! Warum kränkt ihr sie? Sie hat doch nur ein gutes Werk an mir getan. Arme habt ihr allezeit unter euch, und ihr könnt ihnen Gutes tun, sooft ihr wollt…

Sie hat getan, was sie konnte: Sie hat meinen Leib im voraus für das Begräbnis gesalbt. Sie soll das Salböl für den Tag meines Begräbnisses aufbewahren!

Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie soviel Liebe gezeigt hat.

Wahrlich, ICH sage euch: Überall in der ganzen Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man auch ZU IHREM ANDENKEN erzählen, WAS SIE GETAN HAT.“ — (Vgl. Markus, 14,3 f, Lukas, 7,44 f, Johannes, 12, f)

Da die Kirche von Rom seit jeher gelehrt und gehalten hat, dass das Hochheilige Messopfer die mystisch-reale, konkrete Verge­genwärtigung und Erneuerung der „Mysterien der Erlösung“ (sic! Inst. Gen. 1,3) bewirkt und ist — wobei unter „Mysterien der Erlösung“ die Heiligste Geburt, das Heiligste Verborgene und Öffentliche Leben, das Heiligste Sühneleben und Sühnegebet, das Heiligste Sühneleiden, das Heiligste Blutvergießen, die Heiligste Todesnot- und Todesangst, der Heiligste Tod, der triumphalste Abstieg in die Vorhölle, die Glorreichste Auferstehung und Himmelfahrt unseres Herrn und Gottes JESUS CHRISTUS sowie die Herrlichste Ausgießung des HEILIGEN GEISTES über die junge Kirche zu Jerusalem ­verstanden werden, wenn wir der „Erklärung des Hochheiligen Messopfers über Honig süß“ des ehrwürdigen Paters Martin von Cochem, Benzigerverlag, 1898, glauben wollen, ist die ganze Aufbietung des Reichtums der stofflichen und geistigen Welt nicht nur als „gutes Werk“ gerechtfertigt, sondern darüber hinaus geschöpfliche Pflicht.

Da nun die Institutio Generalis sich in Paragraph 1 den Anschein zu verschaffen weiß, an diese „Mysterien der Erlösung“ (sic!) zu glauben — was aber infolge des ziemlich eindeutigen Kontextes sehr viel rechtgläubiger klingt, als es in Wirklichkeit gemeint ist, eine Tatsache, die wir ja schon mehrere Male hervorzuheben Gelegenheit hatten — da nun also diese „Allgemeine Einführung zum Missale“ wenigstens formal, die „Eucharistiefeier“ als „Begehung der Mysterien der Erlösung im Jahresablauf“, voraussetzt, mutet es uns Katholiken, die wir den Glauben der Apostel bewahrt haben, höchst seltsam und höchst verdächtig an, wenn wir in der Grundtendenz des „Neuen Messordo“, wie wir sie bis jetzt kritisch beleuchtet haben, und vor allem in den Paragraphen 232, 233, 234 entdecken müssen, dass der hierin herrschende Geist ganz entschieden dem Geiste der ältesten kirchlichen Überlieferung, wie sie in den Evangelien verzeichnet ist, widerspricht.

Aus welchem Grunde kann der gleiche Messordo, der so salbungsvoll über die „Mysterien der Erlösung“ handelt, gerade jene liturgischen Formen zu unbedeutenden Überbleibseln abwürgen und verstümmeln, die in ganz besonderer Weise dazu angetan sind, „ein jedes Knie im Namen JESU sich beugen zu lassen, im Himmel, auf der Erde und in der Unterwelt“ (Phil. 2), Ehrfurcht, Anbetung, Glaube, Hoffnung, Liebe, Dankbarkeit, Zerknirschung und Buße in unübertrefflicher, klassischer Weise auszudrücken, wo wir doch aus den Heiligen Evangelien wissen, dass der HERR solches nicht nur an sich geduldet, sondern geradezu für sich in Anspruch genommen hat, und die Salbung mit kostbarer Narde durch jene Frau ein „GUTES WERK AN MIR GETAN“ nennt, eine Salbung für Sein Heiligstes Leiden, Seinen Heiligsten Todeskampf, Sein Heiligstes Sterben, vor allem aber eine „Salbung für sein Begräbnis“, als kostbares Sinnbild für die Glaubenswahrheit, dass GOTT DER VATER, dem „HEILIGEN ISRAELS“ nicht die „Verwesung zu schauen gibt und seine „Seele nicht in der Scheol“ versenkt sein lässt, sondern zu ihm spricht: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde mache zum Schemel deiner Füße“, (vgl. Psalm 15, 8-11, Psalm 109, 1). Wenn die „Eucharistiefeier“ angeblich die „Begehung der Mysterien der Erlösung“ ist, warum umgibt man dann diese „Mysterien“ — zu denen ja vor allem auch das Sterben des Herrn am Kreuze gehört, im neuen Messordo nicht mit reichlicheren Formen der Ehrfurcht, Anbetung und Liebe, wie es jene Frau mit ihrer kostbaren Narde getan, und von der Unser HERR bestätigt, dass sie viel geliebt und nur um ihrer Liebe willen das Kostbarste an Spezereien, das sie besaß, über Sein Göttliches Haupt gegossen hat?

Wozu erwähnt man in Paragraph 232 — allerdings mit Worten, die einem feinfühligen Menschen das Herz im Leibe zu Eis gefrieren lassen — zuerst die Tatsache, dass es einem „überliefer­ten liturgischen Brauch“ entspricht, den „Altar und das Evangelienbuch“ mit einem Kuss zu „verehren“, wenn man anschließend stracks das Gegenteil propagiert, indem man schreibt: „Wo jedoch dieses Zeichen nicht der Tradition, bzw. dem Empfinden des Volkes, entspricht, soll die Bischofskonfe­renz ein anderes Zeichen vorsehen und den Apostolischen Stuhl davon in Kenntnis setzen“, wohl wissend, dass man dadurch mit der linken Hand abserviert, was man mit der rechten aufgetra­gen, und dass sich bei geschickter Gehirnwäsche durch die progressistische Klerisei sehr bald Mittel und Wege finden lassen, um zu „beweisen“, dass der Kuss des Heiligen Opferaltares und der Heiligen Evangelien dem „Volksempfinden“ und der „Volkstradition“ angeblich zutiefst „widerspricht“ bzw. dassel­be „verletzt“ oder „nicht wieder gut zu machende seelische Schäden“ hinterlässt!

Doch es bleibt Tatsache: Der HERR hat im Lukasevangelium nicht den falschen Pharisäer Simon, (genannt „der Aussätzige“) der IHM den Kuss hämisch verweigerte, gelobt, sondern die Spontanität der Sünderin, die IHM die Füße geküsst; und ER tadelt sie deswegen keineswegs, indem er etwa sagt: „Hör endlich auf damit!“ sondern er freut sich von Herzen über die Küsse dieser von allen verachteten „Sünderin“: „Du gabst mir keinen Kuss, sie aber hat seit ihrem Eintritt nicht aufgehört, meine Füße zu küssen!“ — Wenn „Christus selbst in seinem Worte inmitten der Gläubigen gegenwärtig ist“ — wie die Institutio Generalis in Satz 30 von Paragraph 33 uns glauben machen will — ist Paragraph 232 ein logisches Monstrum, oder — wohl zutreffender, der berüchtigte Bocksfuß, der nun halt doch, trotz der salbungsvollen Worte in seiner ganzen Hässlich­keit zu Tage tritt und beweist, dass alle jene Ausdrücke in der Institutio, die noch katholisch klingen, nur zur bewussten Täuschung naiver Gemüter mit in den Text hineingenommen worden sind.

Man mag die Tatsache drehen und wenden wie man will: Eines ist gewiss: Dieser Novus Ordo Missae — (und vor allem seine erwähnten Paragraphen 232, 233 und 234) ist nicht das Werk derjenigen, von denen der HERR sich gedrängt fühlt, auszuru­fen: dass sie viel geliebt haben; er ist ehrfurchtsloses, glaubensverfälschendes Machwerk — die Häresie soll über die lex orandi eingeschmuggelt werden, das geht einfacher! — er ist weder kalt noch warm, sondern lau, und darum wird ihn der HERR aus seinem Munde ausspeien. (Offenbarung, 3,15). Der „Novus Ordo Missae“ hat in Wirklichkeit in seiner Grundten­denz nicht die Heilige Katholische und Apostolische Kirche von Rom zur Mutter, da er, wie wir gesehen haben, nicht dem GEISTE JESU entspricht, sondern dem Ungeiste der ungläubi­gen Pharisäer und ihrem Anhang durch alle Jahrhunderte; die antikatholische und christusfeindliche Tendenz dieser neuen Messordnung hat also vielmehr zwei verdächtige Väter anstelle einer Heiligen Mutter: Es sind dies, Simon, der Pharisäer, und Judas Iskarioth, von dem es im betreffenden Abschnitt heißt (Johannes, 12,4): „Da bemerkte einer Seiner Jünger, JUDAS ISKARIOTH, der IHN VERRATEN sollte: Warum hat man dieses Salböl nicht für 300 Denare verkauft und diese unter die Armen verteilt? Das sagte er aber nicht, weil ihm an den Armen etwas lag, sondern weil er ein Dieb war und im Besitze der Kasse, das was einkam, unterschlug.“ — Der neue Messordo kann diese seine familiären Züge nicht verleugnen; er ist und bleibt ein würdiges Früchtchen jenes Baumes, an dem er entstanden und nicht weit davon zur Erde gefallen ist!

Wer den Baum nach seinen Früchten beurteilt und eine sogenannte „Reformation aus Rom“ (sic!) nach den Konver­sionen einschätzt, die unter ihrem geistigen und religiösen Einfluss in den Reihen der Atheisten, Häretiker und Taufschein­katholiken bewirkt werden — der hat sich in den letzten paar Jahren der sog. „Liturgiereform“ überreichlich Gelegenheit geboten, festzustellen, daß durch sie gerade das Gegenteil von dem zustande gebracht wird, was der heilige Paulus als Kriterium und Charakteristikum für das Wirken GOTTES in der Heiligen Liturgie aufstellt; weit entfernt davon, Frieden und Ordnung in die bedrängte und tief zerrissene Herde Jesu Christi zu bringen, die PETRUS und seine Nachfolger im Primat gemäss den Worten unseres Herrn in Lukas 22,32, Matth. 16,16 u. Johannes 21,15 „im Glauben zu bestärken“, als Inhaber der „Schlüssel des Himmels und der Erde“, dogmatisch und disziplinär zu „binden“ und von ihren Sünden und Sündenstra­fen zu lösen und als Oberster sichtbarer Hirte auf der grünen Au des Glaubens zu weiden haben, geht die Tendenz dieser unseligen, unheilschwangeren, ganz von profanen Prinzipien bestimmten konziliaristischen und päpstlichen Reform, einzig und allein dahin, die „geknickten Rohre“ noch gründlicher zu brechen, die wohlgetarnte pseudotheologische Subversion der Modernisten und Kirchenfeinde aller Jahrhunderte der Kirchen­geschichte nachträglich mit der Legitimation des Apostolischen Stuhles von Rom zu versehen, und schließlich vor allem die gegen diesen Hochverrat am wahren Katholischen Glauben aufmuckernden rechtgläubigen Kinder der Kirche, wie zum Beispiel Konvertiten und Traditionalisten, als naive Fundamen­talisten, als formal unrettbar festgefahrene Idioten, dem Hohngelächter und den erbarmungslosen Verleumdungs- und Gehirnwäschekampagnen der Gottes- und Kirchenfeinde aller Zeiten zur unwürdigen Schau zu stellen, und dies alles nach dem berüchtigten, inzwischen vom größten Teil der Hierarchie des progressistisch-konziliaristischen Establishments und ihren mit Kirchensteuergeldern des rechtgläubigen katholischen Volkes ausgehaltenen Helfershelfern wohlerprobten Rezept: NICHT DER MÖRDER, SONDERN DER ERMORDETE IST SCHULD.

Diese ganze sog. „Reformation aus Rom“, samt dem Novus Ordo Missae, der ihrem Ungeist entspricht, bedeutet für einen katholischen Konvertiten, der eben um der unerbittlichen Wahrheit all dieser nun ökumenisch verfälschten und nivellier­ten urkatholischen Unterscheidungslehren willen schwerste persönliche Opfer gebracht hat, einzig und allein um in die Eine, Wahre Kirche CHRISTI eintreten zu können — diese ganze jetzt herrschende Tendenz in der Kirche Roms bedeutet für ihn, den einstmals Außenstehenden, der wie Abraham einst sein Ur in Chaldäa freudig aufgegeben hat, um ins Land, „das ich Dir zeigen werde“ zu gelangen — nichts weniger als eine einzige, ungeheure, geistige Ohrfeige, die ihn, begleitet vom Hohngeläch­ter der Reformatoren des 16. Jahrhunderts, nicht etwa vom Weltforum aller Häresien, dem sog. „Ökumenischen Weltkir­chenrat“ zu Genf, sondern von den Heiligen Höhen des durch das Grab und die Reliquien PETRI konsekrierten mons Vaticanus von erlauchter Hand schallend erteilt wird.

Wir haben weiter oben die problematischen Worte des II. Vatikanums (Art. 50 der Liturgie-Konstitution) bezüglich der von ihm beschlossenen „Liturgiereform“ kennengelernt, und sie zu unserer ungeheuren Bestürzung in der Allgemeinen Audienz vom 19. November 1969 in St. Peter zu Rom aus dem Munde Seiner Heiligkeit, Papst Paul VI. höchstpersönlich vernommen, der sie nicht nur zitiert, sondern sogar noch verteidigt, nicht erkennend, dass er damit selber Hand mit anlegt, die Beine jener Kathedra abzusägen, die ihm St. Petrus vererbt hat.

Diese unsere Bestürzung ist nun keinesfalls als Resultat einer „antikonziliaristischen Neurose“ unsererseits zu werten; sie ist vielmehr nur die Konsequenz unseres Wissens um die diesbezüg­lichen Lehren der Kirche, wie sie in den Verlautbarun­gen der Höchsten Autorität und der von ihr bestätigten Konzilien niedergelegt und historisch gesichert ist. Unsere Leser mögen uns verzeihen, wenn wir die bereits schon einmal zitierten Worte des II. Vatikanischen Konzils nochmals anfüh­ren, aber es geschieht einzig aus dem Grunde, dadurch einen klaren Vergleich mit den entsprechenden, vom Kirchlichen Lehramt schon längst verurteilten Propositionen der Refor­mation, des Jansenismus, der Synode von Pistoja und des Neomodernismus, wie ihn Papst Pius XII in „Mediator Dei“ entlarvt und verdammt hat, — zu ermöglichen.

Das II. Vatikanische Konzil lehrt: (Art. 50 der Liturgiekonstitu­tion)

„Die rituelle Ordnung der Messe (sic!) soll revidiert werden, damit das besondere Wesen der einzelnen Teile und ihre gegenseitige Verbindung klarer hervortrete, und damit die fromme und aktive Teilnahme der Gläubigen erleichtert werde.

Darum sollen die Riten, in ihrem Wesen getreu bewahrt, vereinfacht werden.

Jene Elemente sollen unterdrückt werden, die im Laufe der Jahrhunderte verdoppelt wurden oder als weniger nützlich hinzugekommen sind.

Einige Elemente hingegen, die mit der Zeit verloren gingen, sollen wieder hergestellt werden, gemäß der Überlieferung der heiligen Väter und in dem Maße, wie es angemessen oder nötig erscheinen wird. (Vgl. DAS NEUE VOLK, 24.12.69, N. 52)

Papst PIUS V., der große heilige Felsenmann der katholischen Gegenreformation lehrt aber in Seinem hochwichtigen Reform­dekret QUO PRIMUM vom 19. Juli 1570 expressis verbis das Gegenteil von Vatikanum II:

„Von nun an, und auch in Zukunft, kann kein Priester jemals mehr gezwungen werden, auf andere Weise die Heilige Messe zu feiern, als wie sie in diesem Missale enthalten ist.

Daher verordnen und bestimmen Wir kraft Unserer Aposto­lischen Autorität, dass dieser Unser gegenwärtig vorliegender Ordo und dieses auf ihn bezügliche Dekret, in alle Ewigkeit gelten sollen und auch in Zukunft niemals auf legale Weise weder widerrufen noch berichtigt oder ergänzt werden können.“ —

Der jetzt regierende Heilige Vater, Papst Paul VI., gesteht in seiner Generalaudienz vom 19. November 1969 unumwunden zu, dass

„die Messe in der Liturgie des Novus Ordo Missae“ in einer etwas von der Form verschiedenen Weise gefeiert werden wird, als wir sie seit 400 Jahren, nämlich seit dem heiligen Papst Pius V. und dem Konzil von Trient zu feiern gewohnt waren.

Dieser Wechsel hat etwas Überraschendes, Außerordentli­ches. Denn die Messe wurde bis anhin als traditioneller und unantastbarer Ausdruck unseres religiösen Kultes, der Authentizität unseres Glaubens angesehen.

Wozu dieser Wechsel? Und worin besteht dieser Wechsel? Welche Folgen bedingt er für jene, die an der Heiligen Messe teilnehmen werden?

Die Antworten auf diese und ähnliche Fragen, welche durch eine solch einzigartige NEUHEIT hervorgerufen werden, werden ihnen gegeben werden und ausgiebig in allen Kirchen wiederholt, in allen Veröffentli­chungen religiöser Natur, in allen Schulen, wo man den Religionsunterricht erteilt.

Wieso denn eine solche Abänderung ? Antwort: Sie ist einer Willensäußerung geschuldet, die das kürzlich gefeierte Ökumenische Konzil kundgegeben hat.

Worin besteht diese Änderung ? Sie werden es sehen. Sie besteht in vielen neuen rituellen Vorschriften, die besonders am Anfange eine gewisse Aufmerksamkeit und eine gewisse Sorgfalt erfordern werden. Die persönliche Andacht und das Gemeinschaftsgefühl werden die Beobach­tung dieser neuen Vorschriften leicht und angenehm machen.“

Wir überlassen es unseren Lesern, die angeführten Äußerungen Papst Paul VI. mit dem Dekret QUO PRIMUM seines Vorgängers, des heiligen Pius V. zu vergleichen. Man mag persönlich zu ihnen stehen wie man will, eines ist gewiss: Papst Pius V. und das Tridentinum widersprechen Papst Paul VI., und umgekehrt. Wer diese angeführten Worte aufmerksam mit­einander vergleicht, wird unschwer feststellen können, dass der jetzige Heilige Vater, Papst Paul VI., unter dem Einfluss einer häretischen Carbonaria, die Apostolische Tradition wie sie allein in der Römischen Kirche ungebrochen fortlebt, verraten hat ­und es bricht uns das Herz, wenn wir dies, um der unerbittlichen Wahrheit willen, von der Privatperson jenes Mannes feststellen müssen, von dem wir nach wie vor glauben, dass er der STELLVERTRETER DES GOTTMENSCHEN JESUS CHRISTUS, OBERSTER PRIESTER, HIRTE UND LEHRER DES ORBIS CATHOLICUS und der ganzen Welt ist. — Dass Du, o Herr, Deinen Diener, unseren Papst Paul, in der Wahrheit des Katholischen und Apostolischen Glaubens bestär­ken wollest

TE ROGAMUS — AUDI NOS!

Wir haben vorhin die Worte des II. Vatikanischen Konzils, dieses würdigen theologischen Latrociniums des 20. Jahrhunderts, aus dem Munde jenes Heiligen Vaters vernommen, der es zugelassen hat, dass der alte Römische Messkanon nicht nur vom Throne der Heiligen Liturgie gestoßen, sondern nachträglich noch kräftig verstümmelt, zerstört und durch neomodernistische Verwässerungen und Eintagsfliegen ersetzt wurde — und dies erst noch im Stile von Heinrich Zschokkes bekanntem, rationalistisch-betulichen Zuckerwasserbuch mit dem erbau­lichen Titel „Stunden der Andacht“. — Da also selbst der Papst in die Liquidierung des Kanons eingewilligt oder diese zumin­dest nicht verhindert hat, sind wir gezwungen, anzunehmen, auch er rechne den Kanon und die Vielfalt der oben angeführten Zeremonien während des Vollzugs der Heiligen Messe zu jenen „Elementen“, die im Laufe der Jahre „verdoppelt wurden oder als weniger nützlich hinzugekommen sind. (Vgl. Allg. Audienz v. 19.11.69)

Doch verlieren wir uns nicht in unfruchtbarer Polemik, gehen wir lieber zurück, ad fontes, um nicht mit den fleischlichen Waffen unserer Rhetorik zu kämpfen, sondern mit den Waffen des Heiligen Geistes, wie sie uns die Heilige Mutter Kirche in den Beschlüssen des Konzils von Trient aufbewahrt und nun zum Kampfe gegen die Häresie aus Rom anbietet.

Das Konzil von Trient lehrt in seiner XXII. Session „Doctrina de Sacrificio Missae“ als authentisch:

4. Kapitel. Vom Kanon der Heiligen Messe:

„Und da es sich geziemt, dass das Heilige heilig verrichtet werde, und dieses das heiligste von allen Opfern ist, so hat die Katholische Kirche, damit es würdig und ehrfurchtsvoll dargebracht und empfangen werde, vor vielen Jahrhunder­ten den Heiligen Kanon eingesetzt, der von allem Irrtum so rein ist, dass er nichts enthält, was nicht ganz besonders Heiligkeit und Frömmigkeit bemerken lässt, und die Gemüter der Opfernden zu Gott erhebt; denn derselbe Kanon besteht sowohl aus Anordnungen des Herrn selbst, als auch aus den Überlieferungen der Apostel, und aus frommen Einrichtungen heiliger Päpste.“ —

5. Kapitel. Von den Gebräuchen und Zeremonien des Mess­opfers.

„Weil nun die menschliche Natur so beschaffen ist, dass sie sich nicht leicht ohne äußerliche Beihilfe zur Betrachtung göttlicher Dinge zu erheben vermag, so hat die fromme Mutter Kirche einige Gebräuche eingeführt, dass nämlich in der heiligen Messe einiges mit leiser, anderes aber mit lauter Stimme ausgesprochen werden soll. Ebenso ordnete sie Zeremonien an, so wie die mystischen Segnungen, Lichter, Räucherungen, Gewänder und vieles andere dieser Art, nach der apostolischen Lehre und Überlieferung, damit sowohl die Herrlichkeit dieses so großen Opfers dadurch ausge­zeichnet als auch die Gemüter der Gläubigen durch diese sichtbaren Zeichen der Religion und Frömmigkeit zur Betrachtung der erhabensten Dinge, die in diesem Opfer verborgen sind, angeregt werden“. —

Hellhörige verstehen den päpstlichen Wink mit dem Zaunpfahl:

Der bisherige Kanon, den das Heilige Konzil von Trient ausdrücklich als „von allem Irrtum so rein“, als „nichts enthaltend, was nicht eine ganz besondere Heiligkeit und Frömmigkeit bemerken lässt“, als „die Gemüter der Opfernden zu Gott erhebend“, als „aus den WORTEN DES HERRN SELBST BESTEHEND als auch aus den ÜBER­LIEFERUNGEN DER APOSTEL und aus FROMMEN EINRICHTUNGEN HEILIGER PÄPSTE“,

erklärt, über alles lobt und bestätigt, als auch

Die bisherige Anordnung, dass bei der Feier der Heiligen Messe „einiges mit leiser, anderes aber mit lauter Stimme gesprochen werden soll“,

sowie

Die bisher gültige Bestimmung, dass die Heilige Messe mit den feierlichsten und herrlichsten Zeremonien wie zum Beispiel „mystische Segnungen, Pracht und Lichter, Bilder, Kreuze, wohlduftende Räucherungen“, und in wundervol­len Paramenten, und „vielem Anderem dieser Art“ gefeiert werden müsse,

alle diese authentischen Äußerungen des Kirchlichen Lehram­tes, wie sie das Heilige Konzil von Trient verpflichtend erlassen hat, sind nach den Worten des II. Vatikanischen Konzils, die sich auch der Summus Pontifex in seiner Audienz vom 19. November 1969 zu eigen machte — wenigstens formellerweise! — sind, dem Wortlaut der „Willensäußerung“ wie sie das kürzlich gefeierte „ökumenische Konzil kundgegeben hat“ gemäß

  1. revisionsbedürftig, weil veraltet
  2. unklar und dunkel
  3. die fromme und aktive Teilnahme der Gläubigen erschwerend
  4. von undemokratischer Kompliziertheit
  5. als quasi magisch-esoterischer Geheimkult einer antide­mokratischen Priesterkaste unterdrückungswürdig
  6. unnötige Verdoppelung
  7. weniger und damit sogar wenig nützliche Anhängsel an das „Wesentliche“
  8. Surrogate von liturgischen Elementen, die im Laufe der Zeit verloren gegangen sind.

Man weiß als unbedarftes Kind der Heiligen Mutter Kirche wirklich nicht, worüber man sich bei diesen Auslassungen des „kürzlich gefeierten ökumenischen Konzils“ mehr verwundern soll:

1. Über die naive Ungeheuerlichkeit, mit der Vatikanum II nachträglich Ohrfeigen der Zensur an die erlauchte Versamm­lung zu Trient austeilen zu müssen glaubt und über die eines theologischen Pubeszenten würdige Arroganz, mit der man die ehrwürdigen Konzilsväter aus dem 16. Jahrhundert zu behan­deln geruht — jene vielen heiligmäßigen Kardinäle, Bischöfe, Äbte, Priester, Theologen und Mönche, von denen nicht wenige ihrer Treue zum „papistischen System“ und dessen Römischer Liturgie wegen mit all ihren „Verdoppelungen“, „Kompliziert­heiten“, „weniger nützlichen Zusätzen“, „Surrogaten für Ele­mente, die im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen sind“, schwerste Schmach und sogar blutige Verfolgung seitens der Anhänger des apostasierten Wittenberger Mönches und dessen schweizerischen Helfershelfern, erlitten hatten, und von deren Glaubensernst und Gebetsgeist nicht wenige Konzilsväter des 20. Jahrhunderts samt den theologischen Nattern, die sie an ihrem bischöflichen Busen genährt, sich eine mächtige Scheibe hätten abschneiden können. Sie aber haben sich nicht nur damit begnügt, die Beschlüsse des Konzils von Trient und ihren nun schon seit 400 Jahren ungeschwächt andauernden Segen zu bagatellisieren und mit dem Ruch des Fanatismus zu belegen, sondern sind in ihrem irren Reformationstaumel selbst nicht einmal davor zurückgeschreckt, ihre Kollegen, die das zwar höchst unpluralistische, dafür aber umso katholischer empfin­dende Konzil von Trient zur höheren Ehre Gottes abgehalten haben, durch die entsprechenden Aussagen des II. Vatikani­schen Konzils nachträglich Lügen zu strafen und dem katholischen Volk von heute als

    • Vollidioten in Sachen Liturgie
    • Theologische Schwachköpfe
    • Herrschsüchtige Priesterkaste und
    • Urheber eines frommen Betruges

zur Schau zu stellen, um sie dann anschließend bei den kirchenfeindlichen Häretikern mit sadistischer Freude Spieß­ruten laufen zu lassen. — oder

2. Über die traurige Tatsache, dass sich seit Beginn des II. Vatikanischen Konzils in steigendem Maße eine Dialektik und Sophisterei innerhalb der Kirche Roms, bis hinauf auf die heiligen Höhen des Mons Vaticanus, hat ausbreiten und salonfähig werden können, wie sie bis anhin nur im Machtbe­reich des Bolschewismus gang und gäbe war; unter Anwendung der beiden Erfolgsrezepte „Aus weiß mach schwarz — aus schwarz mach weiß — der Ermordete, nicht der Mörder ist schuld“ — gelten nun auch in weiten Kreisen der Hierarchie und der sie manipulierenden Theologen diese wahrheitsfeindlichen Grundsätze, die dem „Wörterbuch des Unmenschen“ entnom­men sein könnten:

„Die Wahrheit von gestern ist die Häresie von heute.“

„Die Häresie von gestern ist die Wahrheit von heute.“

War gestern noch die vom Konzil von Trient festgelegte Liturgie mit ihrem altehrwürdigen Kanon und ihren heiligen Zeremonien „von allem Irrtum so rein, dass sie nichts enthält, was nicht eine ganz besondere Heiligkeit und Frömmigkeit bemerken lässt, die Gemüter der Opfernden zu Gott erhebend, aus den Worten des HERRN SELBST als auch aus den Überlieferungen der heiligen „Apostel und den frommen Anordnungen heiliger Päpste bestehend“,

so ist sie heute in den Augen des II. Vatikanischen Konzils

„revisionsbedürftig, veraltet, unklar, die Wahrheit die ausgedrückt werden soll, verdunkelnd, die fromme und aktive Teilnahme der Gläubigen erschwerend, von undemo­kratischer Kompliziertheit, voll von Verdoppelungen und weniger nützlichen Anhängseln und Zusätzen, durchsetzt von Surrogaten für jene liturgischen Elemente, die im Laufe der Zeit verloren gegangen sind.“ —

Wahrlich, wir übertreiben nicht: Deutlicher und ärgerniserregender hätten selbst die protestantischen Reformatoren des 16. Jahrhunderts ihrer berüchtigten Verachtung für die alte römische Liturie der Heiligen Messe und deren Kanon nicht Ausdruck verleihen können!

Diese „Willensäußerung des kürzlich gefeierten ökumenischen Konzils“ unterscheidet sich in Tenor und Aussage nur dem Grade, und der Art und Weise nach, von den diesbezüglichen Äußerungen Luthers, Zwinglis und Calvins, und macht sich, nolens volens, zum würdigen Vierten im Bunde des häretischen Kleeblattes, wobei selbstverständlich auch die Haltung und Gestalt des Heiligen Vaters, Papst Paul VI. ins Zwielicht geraten muss, da er ja besagte „Willensäußerung des ökumenischen Konzils“ (Art. 50 der Liturgiekonstitution) nicht nur objektiv zitiert, sondern seinem anschließenden Kommentar zufolge auch voll bejaht. Deshalb wieder einmal mehr:

„Lasset uns beten, dass Gott, der Herr, seinen Diener, unsern Heiligen Vater, Papst Paul VI. im allein wahren, katholischen apostolischen und römischen Glauben der heiligen Apostelfürsten Petrus und Paulus erhalten und bestärken möge!

TE ROGAMUS, AUDI NOS!

(Fortsetzung folgt)