Papst an Terror-Opfer von Nizza: „Ich teile euren Schmerz“

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Papst Franziskus mit Hinterbliebenen des Nizza-Anschlags

Der Papst hat vor der Versuchung gewarnt, „Hass mit Hass und Gewalt mit Gewalt zu beantworten“. Das sagte er an diesem Samstagmittag in der Audienzhalle im Vatikan den Hinterbliebenen und Betroffenen des Terroranschlags von Nizza. Franziskus sagte den betroffenen Familien, er erneuere seine Nähe und sein Gebet für die Opfer.

Rund tausend Gäste aus Frankreich waren angereist. Darunter waren nicht nur Katholiken, wie der Papst selber auch betonte. Er empfinde es als Zeichen der Hoffnung, dass auch andere Glaubensrichtungen nach Rom gekommen seien. Obwohl es so viele Gäste gab, grüßte der Papst jede einzelne Familie oder Betroffene persönlich.

Zur Erinnerung: Am vergangenen 14. Juli war ein junger Mann mit einem Lastwagen auf der Strandpromenade von Nizza in eine Menge gefahren und hatte gleichzeitig auf die Polizisten geschossen. 86 Personen wurden getötet, mehr als 430 verletzt. Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ reklamierte die Tat für sich.

Zur Tat sagte der Papst, dass die Gewalt an jenem Abend blind zugeschlagen habe, „ohne Rücksicht auf Herkunft oder Religion“ und fuhr fort: „Ich teile euren Schmerz, ein Schmerz, der noch stärker wird, wenn ich an die Kinder, ja ganze Familien denke, die unversehens auf so dramatische Weise aus dem Leben gerissen wurden.“ Dabei bat er für die Angehörigen und für alle, die an Leib und Seele verletzt wurden, um „Gefühle des Friedens und der Brüderlichkeit“.

Nachdrücklich warnte er vor einer Spaltung zwischen Christen und Muslimen. Notwendig seien „ein aufrichtiger Dialog und brüderliche Beziehungen zwischen allen, besonders jenen, die einen einzigen und barmherzigen Gott bekennen“. Politiker und Religionsführer, aber auch jeder einzelne stünden dafür in der Pflicht. Franziskus wandte sich gegen jede Form von Rache: „Auf die Angriffe des Bösen lässt sich nur mit den Werken Gottes antworten. Diese sind Vergebung, Liebe und Achtung gegenüber dem Nächsten, auch wenn er anders ist“, sagte der Papst.

(rv/kna 24.09.2016 mg)

Wie es ist, verfolgter Christ zu sein: Diese Austellung zeigt es

Ein Teddybär, ein Hochschul-Diplom, eine Speisekarte – Gegenstände, die Christen besaßen, verliehen bekamen, berührten – bevor sie brutal wegen ihres Glaubens ermordet wurden. Im Jahr 2016.
Zu sehen sind diese stummen Zeugen in einer neuen Ausstellung, die Menschen hineinziehen will in die Erfahrung verfolgter Christen. Organisiert vom italienischen Zweig des Hilfswerks Kirche in Not, ist sie noch bis einschließlich 25. August in den Räumlichkeiten der Gemeinschaft „Comunione e Liberazione“ (Gemeinschaft und Begfreiung, CL) in Rimini zu sehen.
Eine Schaukel und ein kleines Kinder-Karrussell, sechs Pulte aus einer Universität, und ein Restaurant-Tisch stehen stellvertretend für die drei jüngsten Höhepunkte anti-christlicher Verfolgung: Der islamistische Selbstmordanschlag am Ostersonntag auf einen Park in Lahore, Pakiston, der 72 Menschen tötete und 280 verwundete; das islamistische Massaker an der Garissa Universität in Kenia am 2. April, bei dem 149 Christen umgebracht wurden, und der ebenfalls islamistische Anschlag am 1. Juli auf ein Café in Dhaka, Bangladesh.
Die Relikte dieser erlittenen Martyrien spielen eine zeichenhafte Rolle: Die Ausstellung zeigt den Teddybär eines der 30 Kinder, die in Lahore starben; das Hochschul-Diplom ist das von Muchire Shee – sie starb, bevor sie es erhalten konnte; die Speisekarte der „Holey Artisan Bakery“ in Dhaka, welche Opfer in der Hand hielten, bevor sie als Geiseln genommen, gefoltert und hingerichtet wurden.
Besucher der Ausstellung werden auch einen „Tunnel der Märtyrer“ durchqueren, einen dunklen Raum, der Bilder und Töne von neun Märtyrern unserer Zeit zeigen; darunter Pfarrer Jaques Hamel, der in Rouen von Islamisten ermordete Priester; Pater Andrea Santoro, der in der Türkei 2006 umgebrachte italienische Geistliche; Shabaz Bhatti, der als erster Christ pakistanischer Minister für Minderheiten wurde, aber zwei Jahre später wegen seiner Opposition am Blasphemie-Gesetz von einer Taliban-Splittergruppe ermordet wurde.

Welche Formen die Verfolgung von Christen in aller Welt annimmt, und zwar nicht nur durch radikalisierte Muslime: Das zeigen auch die „lebendigen Zeugnisse“ der Ausstellung. Sieben Zeugen der Verfolgung schildern die Situation in ihrem Land.

Monsignore Mtanios Haddad spricht über die Lage in Syrien; Professor Shaheed Mobeen erzählt von der Verfolgung von Christen in Pakistan; Pater Issa E. H. Abusafa beschreibt die Lage im Heiligen Land; und das Leid der Christen im Irak aus eigener Erfahrung schildert Pater Rebwar Basa.

Aus der Zentralafrikanischen Republik – die Papst Franziskus im November 2015 besuchte – kommt Pater Herman Tanguy; Pater Martino Serrano beschreibt den Friedensprozess in Kolumbien, während Pater Oleksandr Khalayin vom „vergessenen Konflikt“ in der Ukraine erzählt.

Gegenüber CNA betonte Pater Basa, wie wichtig es sei, die Ereignisse im Irak als das zu beschreiben, was sie sind: Ein Völkermord.

„Unsere Häuser wurden besetzt und mit dem [arabischen] ‚N‘ für Nazarener gekennzeichnet; unsere Kirchen wurden zu Moscheen gemacht, oder militärischen Unterkünften, oder gar zu Orten, an denen Frauen verkauft, vergewaltigt und wie Sklaven behandelt werden; viele unserer Gläubigen wurden angegriffen und getötet, oder entführt und gefoltert und befreit gegen ein sehr höhes Lösegeld; viele von uns wurden hingerichtet aus nur einem Grund: Weil sie ein Kreuz trugen.“

Letztlich handle es sich hier „um einen schwerwiegenden Versuch, alles zu vernichten, was uns mit unserem Land verbindet: Unsere Sprache, religiöse Identität, Gebetsorte, Immobilien, Traditionen, Kultur, Liturgie, Denkmäler, Manuskripte“.

Das päpstliche Hilfswerk Kirche in Not zeigt in der Ausstellung auch, wie es auf diese schrecklichen Zustände reagiert: Die Auslieferung der Kinderbibel etwa, mit einer Auflage von 52 Millionen Exemplaren, in 180 Sprachen (draunter die pakistanische Sprache Urdu sowie die zentralafrikanische Sprache Sango). Oder die Ausbildung von 11.000 Priesteramtskandidaten – von denen über ein Drittel Afrikaner sind. In Bangladesh baut das Hilfswerk eine Kirche, zusammen mit der Familie eines der Märtyrer, Simona Monti. Das Gotteshaus wird dem Erzengel Michael geweiht werden.

Die Gemeinschaft „Comunione e Liberazione“ wird in Rimini in diesem Jahr 106 Konferenzen abhalten, 14 Shows, 17 Ausstellungen und 22 Sportveranstaltungen. Weitere Informationen auf der Website.

Irak: Zwei Jahre nach der Vertreibung – Appell an Muslime

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Mossul vor zwei Jahren: Die armenisch-katholische Kirche brennt

Es sind genau zwei Jahre vergangen, seit der so genannte Islamische Staat (IS) die Christen aus der irakischen Ninive-Ebene vertrieben hatte. Die Flucht aus Mossul dauerte vom 10. bis 17. Juni 2014 und aus den benachbarten Ortschaften im Ninive-Tal vom 6. bis 7. August 2014. Über 100.000 Menschen waren damals davon betroffen.

Es sei die Zeit gekommen, den Irak zu befreien, so der chaldäische Patriarch Louis Sako im Gespräch mit Radio Vatikan. „Es ist eine sehr komplizierte Situation des Abwartens. Einige haben die Hoffnung auf Rückkehr verloren, weil sie seit zwei Jahren von Befreiung hören aber bisher geschah diesbezüglich gar nichts“, erläutert Patriarch Sako. Die meisten vertriebenen Christen aus der Ninive-Ebene leben mittlerweile im kurdischen Erbil. Viele seien aber mittlerweile weiter gezogen nach Jordanien, Libanon oder in die Türkei, so Sako.

Im Gegensatz zu seinen bisherigen Appellen richtet er diesmal nicht nur den Christen im Westen einen Aufruf, vor allem die muslimischen Iraker seien jetzt in der Pflicht, so der chaldäische Patriarch: „Die Lösung besteht darin, einen Mentalitätswechsel herbeizuführen, der auch die Kultur betrifft. Der gesamte Islam muss eine neue Lektüre des Korans durchmachen und es bedarf einer klaren Trennung zwischen Religion und Staat. Dieses Land ist für alle da, jeder ist Bürger dieses Staates und die Religionszugehörigkeit ist etwas Persönliches.“

Vorbild Jacques Hamel

Ein Vorbild sei der von Islamisten getötete Pfarrer von Rouen: Jacques Hamel hatte in seiner Pfarrei ein Stück Land für den Bau einer Moschee zur Verfügung gestellt, erinnert Sako. „Ähnliche Gesten wären auch auf islamischer Seite bei uns wünschenswert“, fügt er an.

Die Hoffnung auf eine Rückkehr steige, „vor allem seitdem die irakische Armee die Städte Ramadi und Falludscha zurückerobert hat“, so Sako. „Damit ihre Heimkehr bald ermöglicht wird, richte ich einen dringenden Appell an die Staatengemeinschaft, den Prozess der Befreiung Mossuls sowie der christlichen Städtchen in der Ninive-Ebene mit allen Kräften rasch voranzutreiben.“

Internationale Schutztruppe erwünscht, aber…

Eine internationale Schutztruppe sollte danach für Ruhe und Sicherheit sorgen. Doch da liege das Problem: die irakischen Nachbarländer verfolgen eigene politische Ziele, die die Schaffung einer international einheitlichen Linie derzeit verhindere. So kritisierte der irakische Verteidigungsminister Khaled al-Obaidi die Präsenz der türkischen Armee und würdigte hingegen die Hilfe des Nachbarlandes Iran. „Die Präsenz türkischer Truppen in Mossul verhindert die Befreiung der gesamten Provinz von Ninive. Das ist eine Tatsache. Wenn unser Regierungschef vor einem weitaus größeren Krieg als jener gegen den IS vorwarnt, dann stützt er sich auf klare Informationen. Denn wenn die türkischen Truppen in Mossul oder in der Ninive-Provinz eingreifen, dann entfacht dies in jener Region ein neuer Krieg. Ich teile diese Auffassung unseres Regierungschefs.“ Die türkische Seite wiederum hält an ihrer Präsenz in Mossul fest, da es aus ihrer Sicht der Beste Schutz gegen die weitere Ausbreitung des IS sei.

(rv 06.08.2016 mg)

ISLAM UND TERRORISMUS

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Was der Koran wirklich über Christentum,
Gewalt und die Ziele des Djihad lehrt

Dieses Buch ist eine Sensation: ein Professor für Islamgeschichte der Al-Azhar Universität in Kairo und Imam an der Moschee von Gizeh, zweifelt an der Friedfertigkeit des Islam, wird daraufhin gefoltert und sollte getötet werden. Er sagt sich von seinem Glauben an Allah los und nach einem Jahr „Gottlosigkeit“ bekehrt er sich zum Christentum. Heute lebt der Autor in den USA und setzt sich mit den Unterschieden zwischen Islam und Christentum auseinander. Seinen jetzigen Namen Mark A. Gabriel hat er nach seiner Bekehrung angenommen.

In diesem Buch beschreibt er nicht nur seine Lebensgeschichte, sondern er untersucht die Wurzeln des modernen Terrorismus. Sie liegen, wie er belegt, im Islam begründet. Doch westliches Wunschdenken will dies nicht wahrhaben. Auch darf oder muss jeder Moslem lügen, wenn es um die Wahrung und Verbreitung des Islam geht. Die Wurzeln des Terrorismus reichen auf Mohammed zurück. Beginnend in seinem Exil in Medina baute er auf Gewalt beruhende Macht aus und scheute vor Mord und Raubzügen nicht zurück.

Das Endziel des Islam, die weltweite Unterwerfung, wird daher auch mit den Mitteln der Gewalt realisiert. Der Islam wird nicht als normale Religion betrachtet und muslimische Nationen sind nicht normale Nationen, denn sie sollen auf Befehl Allahs über die ganze Welt herrschen. Gabriel setzt sich auf Grund seiner persönlichen Erfahrungen besonders mit den Wurzeln des Djihad in Ägypten auseinander. Zuerst richtete sich der Kampf gegen säkulare Regierungen. Nunmehr richtet sich der Kampf gegen den Westen.

Man spürt in diesem Buch, dass sich der Autor seinen ehemaligen moslemischen Glaubensbrüdern verbunden weiß. So beschreibt er auch am Schluss, wie wir die Denkweise eines Moslem verstehen können und wie Christen mit Moslems sprechen sollten, auch wie sie für einen Moslem nachvollziehbar das Christentum vertreten können. Gabriel verurteilt die Lehre des Islam, aber nicht die Menschen.

Das Buch zeichnet sich durch eine klare und sachliche Darstellung aus. Der Leser kann sich so schnell einen zuverlässigen Überblick über die wesentlichen Aussagen des Koran, die den Terrorismus begründen, verschaffen und erfährt auch die Hintergründe für manche Widersprüchlichkeiten im Koran. Da die Auseinandersetzung im Westen mit dem Islam zunehmen wird, so sind Aussagen wirklicher Kenner des Islam von grösster Bedeutung.

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Quelle

Siehe u.A. auch:

Das Friedensgebet von Krakau: Für ein Ende des Terrorismus

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Der Papst nach seinem Gebet in der Franziskanerkirche

Der Weg war nicht weit: Direkt gegenüber dem Haus des Erzbischofs von Krakau befindet sich die Kirche des Heiligen Franziskus und das Haus der Franziskaner. Bevor der Papst zur Gebetsvigil des WJT aufbrach, war machte er dort einen kurzen Halt.

In der Kirche werden die Reliquien von Märtyrern verehrt, die im Bürgerkrieg des „Leuchtenden Pfades“ in Peru 1991 ums Leben gekommen waren und 2015 selig gesprochen waren. In der Kirche sprach er ein Gebet für den Frieden, das einen starken Fokus auf die Opfer des Terrorismus hatte, gleichzeitig betete er aber auch um die Bekehrung der Täter.

 

Das Gebet des Papstes in einer Arbeitsübersetzung:

Allmächtiger und barmherziger Gott, Herr des Universums und der Geschichte. Alles von Dir Geschaffene ist gut und Dein Mitleid für die Fehler der Menschheit kennt keine Grenzen.

Wir kommen heute vor Dich um Dich zu bitten, den Frieden in der Welt und unter den Völkern zu erhalten, die zerstörerische Welle des Terrorismus fern zu halten, Freundschaft wieder aufzubauen und in den Herzen Deiner Schöpfung das Geschenk von Vertrauen und Bereitschaft zu Vergebung zu erwecken.

Geber allen Lebens, wir beten zu Dir für alle, die als Opfer brutaler terroristischer Angriffe gestorben sind. Schenke Ihnen ihren ewigen Lohn. Mögen sie für die von Konflikten und Uneinigkeiten zerrissenen Welt bei Dir Fürsprache halten.

Jesus, Friedensfürst, wir beten zu Dir für alle, die in diesen inhumanen Gewaltakten verletzt wurden: Kinder und junge Menschen, alte Menschen und Unschuldige, die zufällig vom Bösen erfasst wurden. Heile ihre Körper und ihre Herzen; tröste sie mit Deiner Stärke und nehme gleichzeitig allen Hass und alles Verlangen nach Rache hinweg.

Heiliger Tröstergeist, sei bei den Familien der Opfer des Terrorismus, Familien die ohne eigene Schuld leiden müssen. Hülle sie ein in den Mantel Deiner göttlichen Barmherzigkeit. Lass sie in Dir und in sich selbst die Stärke und den Mut finden, Brüder und Schwestern für andere zu sein, vor allem für Einwanderer, und dadurch in ihrem Leben Zeugnis abzulegen für Deine Liebe.

Berühre die Herzen der Terroristen, so dass sie das Böse ihres Handelns erkenne und auf den Weg des Friedens und der Güte und des Respekts für das Leben und die Würde jedes Menschen zurückkehren, ungeachtet von Religion, Herkommen, Wohlstand oder Armut.

Gott, ewiger Vater, in Deiner Gnade höre auf unser Gebet, das wir zu Dir inmitten von betäubendem Lärm und Verzweiflung in der Welt richten. Wir wenden uns zu Dir mit großer Hoffnung, voller Vertrauen in Deine unendliche Güte. Gestärkt durch die Beispiele der seligen Märtyrer von Perú, Zbigniew und Michael, die ihr mutiges Zeugnis für die Frohe Botschaft abgelegt haben bis zur Hingabe ihres Blutes, vertrauen wir uns der Fürsprache unserer Heiligsten Mutter an. Wir bitten um die Gabe des Friedens und um die Beseitigung der Wunde des Terrorismus aus unsere Mitte,

Durch Christus unseren Herrn. Amen

 

(rv 30.07.2016 ord)

Nigeria: Politik, Menschenrechte und der Kreislauf des Terrors

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Bischof Stephen Mamza, Hilfe Für Inlandsflüchtlinge, Nigeria / Wikimedia Commons – Ogalaemmanuel, CC BY-SA 4.0

Das bevölkerungsreichste Land Afrikas zählt heute über 2,5 Millionen Inlandsflüchtlinge

Nigeria ist ein Land mit großem Potential mit einer jungen und tatkräftigen Bevölkerung von fast 200 Millionen Menschen. Diese Nation ist eine wunderbare Mischung aus unendlichem Talent, einer atemberaubenden Vielfalt an Kulturen, Sprachen und Weltanschauungen und einer alles überdauernden Hoffnung. Nigeria könnte mit diesen Eigenschaften nicht nur den afrikanischen Kontinent bereichern, sondern die ganze Welt, wenn nur die verschiedenen Elemente, die dazu gebracht werden, harmonisch zusammenwirkten.

Obwohl die Vorsehung das Land mit diesen zahlreichen Gaben ausgestattet hat, lebt die Nation weiter unterhalb dessen, was ihr Potential in Aussicht stellt. Über 70 Prozent der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter kommen weiter unterhalb der Armutsgrenze gerade so über die Runden. Weitere Teile der Bevölkerung werden dahin abrutschen, wenn die neue Regierung unter Muhammadu Buhari nicht eine schnelle Lösung für die Bedrohung durch sinkende Ölpreise findet, ebenso wie für die Korruption der Eliten, durch die das Land an den Rand des Bankrotts gedrängt wird.

Ein Prozent der Bevölkerung, die Elite Nigerias, besitzen fast 80 Prozent des gesamten Reichtums. Es gibt keine Sozialsysteme, die den Armen helfen könnten, außer Familienstrukturen, ohne die viele Nigerianer völlig verloren wären. Die Wirtschaft ist einseitig auf den Ölexport spezialisiert, und damit fatal von den Schwankungen des Ölmarkts abhängig. Jede Chance, die Quellen der Einnahmen zu vervielfältigen und sich auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vorzubereiten, haben die Herrscher Nigerias ungenutzt verstreichen lassen. Die gewaltigen Erlöse, die in Nigerias Kassen gespült wurden, seit man 1956 in Olobri Öl fand, haben den Lebensstil der Elite finanziert, die allgegenwärtige Korruption, und den schamlosesten Diebstahl von Staatsressourcen in der afrikanischen Zeitgeschichte. Die große Masse der Bevölkerung wartet bis heute vergeblich darauf, auch etwas von diesem Kuchen abzubekommen.

Die Armut, welche die Hoffnungen und Träume von Millionen Nigerianern in Ketten legt, wird noch verschlimmert durch die Verwerfungslinien in der nigerianischen Gesellschaft, die sich aus der Vielfalt religiöser und ethnischer Gruppierungen innerhalb der Staatsgrenzen ergeben. Es kommt dem Beobachter vor, als finde in dem Land ein Wettbewerb darum statt, wer mit seinen Mitteln die Menschenrechte am schlimmsten verletzen kann. Zum jetzigen Zeitpunkt ist der Nordosten Nigerias der Ort auf der Welt, an dem es am gefährlichsten ist, ein Christ zu sein. Die Region liegt im Schatten des Terrors von Boko Haram, einer Gruppe, die sich jede Mühe gibt, als tödlichste Terrororganisation der Welt bekannt zu werden.

Die Gruppe Boko Haram, die seit 2010 gegen die Regierung kämpft, stürzt Nigeria immer tiefer in die Krise. Der Name Boko Haram, der “Bildung ist verboten” bedeutet, steht für einen Kampf gegen alles, was die Gruppe als westlichen Einfluss in Nigeria ansieht – Demokratie, das Christentum, säkulare Elemente in der Gesellschaft und Bildung, insbesondere für Mädchen und Frauen. Dies zeigt sich auch in den Zielen ihrer Angriffe: Sie greifen Regierungseinrichtungen, Schulen und Kirchen an, die Symbole ihres Feindbilds. Aber immer häufiger werden auch Märkte und andere Orte, an denen sich Menschen versammeln, ihre Ziele der Angriffe, die allein darauf ausgerichtet sind, möglichst viele Menschen zu töten.

Heute sind, verursacht durch den Terror, über 2,5 Millionen Nigerianer Flüchtlinge in ihrem eigenen Land, mehr als 800.000 davon Kinder. Die Zahl derer, die ihr Leben verloren haben, dürfte schon längst über 20.000 liegen. Die Sachschäden und anderen wirtschaftlichen Folgeschäden des Terrors sind kaum zu beziffern – und das in einem Land, das auch ohne Boko Haram schon genügend Probleme hat.

Boko Haram wächst zudem über Nigeria hinaus und wird zunehmend zu einem westafrikanischen Phänomen. Zur Zeit sind über 2.000 Schulen im Tschad, in Niger und in Kamerun wegen Angriffen von Boko Haram geschlossen. Diese drei Nachbarstaaten bekämpfen die Terrororganisation teils gemeinsam, teils auf eigene Faust, und ihre gelegentlichen Erfolge in diesem Kampf gehören zu den wenigen Lichtblicken in dieser Situation.

Boko Haram hat seine Verachtung für Werte der Zivilgesellschaft gezeigt, und damit internationale Bekanntschaft erlangt, als sie im April 2014 in Chibok im Bundesstaat Borno fast 300 Schülerinnen entführten. Mit einem Streich haben sie zahlreiche Familien zerrissen, und die Opfer und ihre Eltern gleichermaßen traumatisiert. Inzwischen sind zwölf Eltern von entführten Mädchen verstorben, ohne jemals zu erfahren, was aus ihren Töchtern geworden ist. Es gibt keine Spur mehr von den Mädchen, seit Abubakar Schekau, der Anführer von Boko Haram, gedroht hat, sie in die Sex-Sklaverei zu verkaufen.

Die meisten der Mädchen sind bis heute verschwunden. Einige, so befürchtet man, sind in der Gefangenschaft gestorben. Und selbst, wenn man sie findet und befreit, werden die Überlebenden nicht mehr die sein, die sie einst waren – nicht nach dem Trauma von jahrelanger Gefangenschaft und Sklaverei. Viele werden sich in einer Gesellschaft wiederfinden, die sie als verunreinigt, als Ausschussware, ansieht, nach dem, was ihre Entführer ihnen angetan haben. Was auch passiert, Chibok wird in die Geschichte eingehen als Beispiel für die Unfähigkeit der Regierung. In Chibok hat Nigeria seine Kinder grausam im Stich gelassen.

Boko Haram mag durch die Erfolge der Sicherheitskräfte im Kampf gegen sie geschwächt sein, aber die Natur lehrt, dass ein Raubtier dann am Gefährlichsten ist, wenn es verletzt und in die Enge getrieben worden ist. Nigeria wurde durch die Terrorkampagne von Boko Haram verändert. Tatsache ist, dass es Nigerias Politiker und Eliten waren, die das Land überhaupt erst verwundbar für den Terror gemacht haben, und die mit ihrer Korruption und ihrem Diebstahl der Landesschätze die Bedingungen geschaffen haben, unter denen Boko Haram entstehen konnte.

Der Autor ist Referent für Sub-Sahara-Afrika der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt/Main

[Übersetzt aus dem Englischen von Christian Schwietzke]

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Quelle

Russland: Antiterrorkampf in Syrien ist „heiliger Krieg“

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Der russische Patriarch Kyrill I.

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. hält den von Russland geführten „Kampf gegen den Terrorismus“ in Syrien für einen „heiligen Krieg“. Die russischen Soldaten kämpften im Nahen Osten gegen einen schrecklichen Feind, der nicht nur diese Region, sondern die ganze Menschheit bedrohe, sagte Kyrill I. am Freitag bei einem Gottesdienst in Moskau. Die Terroristen töteten und schüchterten unschuldige Menschen ein. Daher handele es sich um einen „Krieg gegen den Terrorismus, einen heiligen Krieg“, zitieren russische Nachrichtenagenturen den Patriarchen.

Auch der „Große Vaterländische Krieg“ gegen Deutschland von 1941 bis 1945 sei „heilig“ gewesen, sagte der Patriarch. Damals hätten die sowjetischen Soldaten für die Heimat und das Volk gegen einen „heimtückischen und grausamen Feind“ gekämpft. Kyrill I. äußerte sich anlässlich des Gedenktags des heiligen Georg, der als Schutzpatron für Soldaten gilt.

(kap 07.05.2016 sk)