Schwere Vorwürfe gegen Moskau

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Führt Wladimir Putin einen „Informationskrieg“ mit Desinformation und Propaganda gegen die Einigkeit Europas?

Das Europäische Parlament legt sich mit der Türkei und Russland an –
Abwehr gegen Desinformation und Propaganda.

Von Stephan Baier

Straßburg (DT) Mit scharfen Erklärungen zur Türkei wie zu Russland hat das Europäische Parlament in dieser Woche für Verstimmung in Ankara und Moskau gesorgt. Die Forderung des Straßburger Vielvölkerparlaments, „die laufenden Beitrittsverhandlungen mit der Türkei vorübergehend auszusetzen“, veranlasste den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zu einer Drohung gegen Europa: „Wenn Sie noch weiter gehen, werden die Grenzen geöffnet, merken Sie sich das!“ Ministerpräsident Binali Yildirim konkretisierte: „Wir sind einer der Faktoren, die Europa beschützen. Wenn Flüchtlinge durchkommen, werden sie Europa überfluten und übernehmen. Die Türkei verhindert dies.“ Yildirim drohte neuerlich mit einer Aufkündigung des Flüchtlingsabkommens und warf dem Europäischen Parlament „Doppelmoral“ vor. Der türkische Europa-Minister Ömer Celik nannte die Resolution aus Straßburg „null und nichtig“.

Das Europäische Parlament hatte am Donnerstag mit großer Mehrheit befunden, dass die Türkei die Vorgaben für eine Visa-Liberalisierung weiterhin nicht erfüllt, und bekräftigte, „dass eine Wiedereinführung der Todesstrafe durch die türkische Regierung eine offizielle Aussetzung des Beitrittsprozesses zur Folge haben müsste“. Die Abgeordneten verurteilten „die unverhältnismäßigen repressiven Maßnahmen“ der türkischen Regierung seit dem Putschversuch.

In einer weiteren Resolution wirft das Europäische Parlament dem Kreml „feindselige Propaganda gegen die EU“ sowie Desinformation und die Unterstützung rechtsextremer Parteien in Europa vor. Wörtlich heißt es in dem Text, dass „die strategische Kommunikation Russlands Teil einer umfassenden Kampagne zur Unterwanderung ist, mit der die EU-Zusammenarbeit und die Souveränität, politische Unabhängigkeit und territoriale Unversehrtheit der Union und ihrer Mitgliedstaaten geschwächt werden sollen“. Die EU-Staaten sollten wachsam sein und die Spionageabwehr gegen derartige Maßnahmen intensivieren. Russland sei in der Lage und beabsichtige auch, „Maßnahmen zur Destabilisierung anderer Staaten durchzuführen“, unter anderem durch die Unterstützung politischer Extremisten und umfassender Desinformationskampagnen. Dabei nutze die russische Regierung viele Werkzeuge, etwa Denkfabriken und Stiftungen wie „Russki Mir“, mehrsprachige Fernsehsender wie „RT“ und Pseudo-Nachrichtendienste, aber auch „gesellschaftliche und religiöse Gruppen, da sich das Regime als einziger Vertreter traditioneller christlicher Werte darstellen will“. Mittels sozialer Medien und Trolle im Internet versuche der Kreml, „die demokratischen Werte infrage zu stellen, Europa zu spalten, inländische Unterstützung zu gewinnen und in den Ländern der östlichen Nachbarschaft der EU den Eindruck zu erwecken, als hätten sich ihre staatlichen Strukturen aufgelöst“.

Russland stelle „erhebliche finanzielle Mittel für seine Desinformations- und Propagandainstrumente bereit“. Das Europäische Parlament stellt in seiner Resolution fest, dass „Russland in der europäischen Medienlandschaft eine immer stärkere Rolle spielt“ und darauf zielt, „die Kohärenz der Außenpolitik der EU zu schwächen“. In manchen Ländern Osteuropas habe die russische Propaganda und das Eindringen russischer Medien „ein nie dagewesenes Ausmaß“ angenommen. Die Propaganda des Kreml ziele auch darauf ab, „einige europäische Länder als in den ,traditionellen Einflussbereich Russlands‘ fallend darzustellen“ und die „Geschichte zu verfälschen“. Das Europäische Parlament zeigt sich überzeugt, „dass durch die aggressiven Maßnahmen Russlands im Cyberbereich der Informationskrieg gefördert wird“.

Es brauche auf staatlicher wie europäischer Ebene sowie in Zusammenarbeit mit der NATO Maßnahmen zur „Bekämpfung der Desinformation und Propaganda“. Das größte Hindernis wären nach Ansicht des Europaparlaments unabhängige und freie Medien in Russland, doch gehe der Kreml in Russland und seinen besetzten Gebieten „regelmäßig in scharfer Form gegen unabhängige Medien, Journalisten und Aktivisten der Zivilgesellschaft“ vor.

Der russische Parlamentschef Wjatscheslaw Wolodin warf dem Europäischen Parlament daraufhin vor, die Pressefreiheit infrage zu stellen. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, drohte der Europäischen Union, Moskau werde Gleiches mit Gleichem vergelten, sollte die Arbeit russischer Medien in der EU eingeschränkt werden.

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Quelle

AUF DEM WEG DER EINHEIT

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Die Begegnung zwischen dem Patriarchen von Moskau und dem Papst von Rom, die aufgrund der Schwierigkeiten lange nur ein Traum zu sein schien, war schließlich so einfach wie ein Treffen zwischen Brüdern. Zwei Stunden lang sprachen Kyrill und Franziskus in einem Saal des Flughafens von Havanna miteinander, wo das aus Rom kommende Flugzeug einen Zwischenstopp einlegte. Das Gespräch sei »in aller Offenheit« und »in aller Freiheit« verlaufen, wie der Papst auf dem Weiterflug nach Mexiko sagte, dem Ziel seiner zwölften internationalen Reise: »Gespräch zwischen Brüdern«, die beide Bischöfe sind, über ihre Kirchen und die Welt, in der zu leben sie gerufen sind. Dies geschah in Gegenwart von zwei Dolmetschern und den engsten Mitarbeitern, Metropolit Hilarion und Kardinal Koch, die mehr als zwei Jahre lang geduldig die Fäden eines komplizierten Stoffes geknüpft haben. Das Knüpfen der Fäden hat allerdings noch wesentlich länger gedauert, weil es bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert begonnen hat, als die ökumenische Bewegung sich bildete und das Zweite Vatikanische Konzil Neues brachte. Historisch war die Begegnung zwischen Athenagoras und Paul VI. in Jerusalem, nach dem – mit Höhen und Tiefen – die Hoffnung auf Einheit größer wurde. Über die Begegnung zwischen Kyrill und Franziskus hinaus ist das Ergebnis heute eine sehr schöne Gemeinsame Erklärung in feierlichen und herzlichen Worten, die der Papst als pastoral bezeichnet hat. Sie beginnt mit einem Dank an »Gott, der in der Dreifaltigkeit verherrlicht ist, für diese Begegnung, die erste in der Geschichte«.

Die Feierlichkeit der Wortwahl ist vollkommen gerechtfertigt: Ja, diese Begegnung ist beispiellos, so wie die Erklärung historisch ist, in der zunächst die hohe Bedeutung des Ortes anerkannt wird, an dem Kyrill und Franziskus sich »endlich« zu treffen beschlossen haben: Kuba, Kreuzungspunkt und Symbol der Hoffnungen und Tragödien, wie der Papst in seinen Dankesworten an Raúl Castro unterstrichen hat, der bei der Unterzeichnung des Dokumentes anwesend war. »Weit weg von den alten Auseinandersetzungen«, um die Notwendigkeit für die Christen zu bekräftigen, nach vorne zu schauen und so ein Beispiel für die gesamte Menschheit zu setzen.

Es ist das Bewusstsein vorhanden, »dass zahlreiche Hindernisse andauern«, aber genauso stark ist das Bewusstsein einer »gemeinsamen geistlichen Tradition«, die sich im ersten Jahrtausend gebildet hat, gegründet auf das Zeugnis der Muttergottes und der Heiligen, insbesondere der Märtyrer, »Same der Christen«. Blickt man in die Geschichte zurück, sind gerade in der Zeit der ungeteilten Kirche auch scharfe Gegensätze und Spaltungen gewachsen, bis hin zum Verlust der Gemeinschaft in der Eucharistie »als Folge der menschlichen Schwäche und der Sünde«, die in der Erklärung bedauert wird.

Heute, »in einer Zeit epochalen Wandels«, steht allen das tragische Menetekel der blutigen Christenverfolgungen, vor allem im Nahen Osten und in Afrika, bis hin zur Auslöschung von »Familien, Dörfern und ganzen Städten« vor Augen, für die ein verbrecherischer Terrorismus verantwortlich ist, der sich mit blasphemischen religiösen Parolen bemäntelt. In Europa dagegen bedroht ein aggressiver Säkularismus die Religionsfreiheit, der die christlichen Wurzeln des Kontinents nicht respektiert, die auf die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau gegründete Familie schwächt und das menschliche Leben vernichtet durch Abtreibung, Euthanasie, künstliche Befruchtung.

Dieser Anklage, in einmalig scharfer Form, der Verfolgungen und eines feindlichen Säkularismus lässt das Dokument, das mit neuen Akzenten auf die Notwendigkeit der Versöhnung zwischen Orthodoxen und griechisch-katholischen Gläubigen hinweist, die ebenso starke Überzeugung folgen, dass Orthodoxe und Katholiken bereits vereint sind: nicht nur durch die gemeinsame Tradition, sondern auch durch die gemeinsame Sendung, das Evangelium zu verkünden, nach dem sich die Welt sehnt, auch ohne dass sie es weiß. Um Fortschritte zu machen, indem sie sich begegnen und gemeinsam den Weg der Einheit gehen.

Giovanni Maria Vian

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Quelle: Osservatore Romano 7/2016

Die Beziehungen zwischen dem Hl. Stuhl und dem Patriarchat von Moskau

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Die Muttergottes von Kasan (russisch Казанская Богоматерь) auch Kasanskaja genannt

PÄPSTLICHER RAT ZUR FÖRDERUNG DER EINHEIT DER CHRISTEN

BERICHT VON P. JOZEF M. MAJ

Die Beziehungen zwischen dem Hl. Stuhl
und dem
Patriarchat von Moskau

 

Wenn man sich die Liste der Ereignisse ansieht, die im Jahr 2004 die bilateralen Kontakte zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Patriarchat von Moskau geprägt haben, wird man feststellen, daß sich die gegenseitigen Beziehungen beachtlich ausgeweitet haben. Die Intensität dieser Beziehungen läßt uns die Entschlossenheit und den Willen erkennen, den Weg des Dialogs, der Verständigung und der Zusammenarbeit fortzusetzen, und das alles in einem Umfeld, wo nach wie vor merkliche Unterschiede in den Einschätzungen und Auffassungen darüber bestehen, was der Förderung harmonischer zwischenkirchlicher Beziehungen eigentlich hinderlich wäre. Die notwendige Klärung bzw. Überwindung der Divergenzen – ob sie nun tatsächlich bestehen oder nur für solche gehalten werden – wird in einem unentbehrlichen, von jedem historischen, kulturellen oder konfessionellen Vorurteil freien Klima gegenseitiger Achtung erreicht werden. Auf die Erreichung eines solchen Zieles müssen die Anstrengungen der in den Dialog einbezogenen Seiten ausgerichtet sein.

Das – in chronologischer Reihenfolge – erste Ereignis, das hier erwähnt werden soll, war der Besuch von Kardinal Walter Kasper in Moskau vom 17. bis 23. Februar 2004. Er kam dabei einer Einladung nach, die von der Konferenz der katholischen Bischöfe der Russischen Föderation an den Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen ergangen war. Der Besuch war gekennzeichnet durch intensive Begegnungen mit den katholischen Bischöfen des Landes, mit dem Klerus der Erzdiözese von der Gottesmutter, mit der katholischen Gemeinde von Moskau und mit den in verschiedener Weise in die Pastoral der katholischen Kirche in Moskau eingebundenen katholischen Organisationen. Der Besuch schloß aber noch einen weiteren wichtigen Aspekt ein, der stets die Besuche von Vertretern des Heiligen Stuhls in den Ländern kennzeichnet, in denen es eine orthodoxe Ortskirche gibt. Die kirchliche Bedeutung solcher Besuche beschränkt sich nämlich nicht auf die katholische Gemeinschaft und darf einen gebührenden zwischenkirchlichen Kontakt nicht außer acht lassen, durch den ein größerer Zusammenhalt und eine tiefere Gemeinschaft unter den Christen angestrebt werden soll. Beim Besuch im Februar 2004, der auch von Wertschätzung für die russisch-orthodoxe Kirche beseelt war, wurde Kardinal Kasper von Seiner Heiligkeit Aleksij II., Patriarch von Moskau und ganz Rußland, in Audienz empfangen.

Eine Fortsetzung fanden die Kontakte in den bilateralen Gesprächen zwischen Kardinal Kasper und dem Metropoliten von Smolensk und Kaliningrad, Kyrill, dem Vorsitzenden der Abteilung für die kirchlichen Außenbeziehungen des Patriarchats. Bei dieser Gelegenheit wurde die Übereinstimmung der Positionen der katholischen Kirche und der orthodoxen Kirche hinsichtlich der christlichen Werte neuerlich bestätigt, deren Trägerinnen sie sind und die Europa gestaltet und geprägt haben. Die in weiten Teilen übereinstimmenden Auffassungen der katholischen Kirche und der Orthodoxie über moralische Fragen und über die Soziallehre der Kirche könnten größere Auswirkungen auf das künftige Erscheinungsbild des Kontinents haben und für ein klareres christliches Zeugnis in der Welt sorgen. Im Verlauf der Gespräche wurden neuerlich zwei Themen aufgegriffen, die das Moskauer Patriarchat seit langem als das größte Hindernis für die Normalisierung seiner Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl beklagt: Dies betrifft zum einen den angeblichen Proselytismus der katholischen Kirche in der Russischen Föderation und die Verbreitung des sogenannten »Uniatismus«, zum anderen die angeblichen Ungerechtigkeiten und Verfolgungen, die die mit dem Patriarchat von Moskau verbundenen Orthodoxen in der Westukraine von seiten der Gläubigen der griechischkatholischen ukrainischen Kirche zu erleiden hätten. Da in den bilateralen Gesprächen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Moskauer Patriarchat am 21. November 1999 vereinbart worden war, daß über die Situation der Beziehungen in der Ukraine von einer lokalen gemischten Kommission zwischen den Vertretern der ukrainisch- orthodoxen Kirche und der griechischkatholischen ukrainischen Kirche verhandelt werden sollte, hat die katholische Seite bei den Gesprächen im Februar 2004 neuerlich den Wunsch nach Einsetzung einer solchen Kommission zum Ausdruck gebracht.

Was den angeblichen Proselytismus angeht, so wurde noch einmal die Achtung vor der tausendjährigen Tradition der russisch-orthodoxen Kirche und die Wertschätzung ihrer besonderen Rolle in der russischen Kultur und Gesellschaft bekräftigt. Diese Haltung des Heiligen Stuhls schließt jedes Ansinnen von Proselytismus aus, der im übrigen vom Zweiten Vatikanischen Konzil ausdrücklich zurückgewiesen wurde; weder hat es je eine Strategie gegeben – noch gibt es sie –, die darauf ausgerichtet wäre, in Rußland »einzufallen«. In diesem Zusammenhang wurde von katholischer Seite ein Vorschlag gemacht, der Zustimmung fand: die Bildung einer »gemeinsamen Arbeitsgruppe«, der die Aufgabe obliegt, die einzelnen Fälle, die die russisch-orthodoxe Kirche und die in Rußland vertretene katholische Kirche betreffen und nach Ansicht des Moskauer Patriarchats Unverständnis hervorrufen, zu prüfen, um nach geeigneten Lösungen auf lokaler Ebene zu suchen.

Im Laufe seines Moskau-Aufenthalts im Februar 2004 besuchte Kardinal Walter Kasper das berühmte Kloster in Sergijew Possad (Zagorsk), das Herz der russischen Orthodoxie, und den angrenzenden Gebäudekomplex des Seminars und der Theologischen Akademie von Moskau. Bei einer Begegnung mit den für den akademischen und administrativen Betrieb Verantwortlichen wurde der Wunsch der Akademie ausgesprochen, eine Zusammenarbeit mit den Päpstlichen Universitäten und Theologischen Fakultäten für einen Studenten- und Professorenaustausch, die Übersendung von Büchern und andere Formen der Zusammenarbeit anzubahnen. In diesem Zusammenhang wurde die volle Bereitschaft des Heiligen Stuhls bekräftigt, mit dieser Zusammenarbeit in all jenen Bereichen zu beginnen, die die russisch-orthodoxe Kirche als unerläßlich für die Vorbereitung ihrer Priesteramtskandidaten erachtet, um sicherzustellen, daß sie ihren Auftrag auf dem Territorium Rußlands und der Unabhängigen Staaten voll erfüllen kann, indem sie sich den pastoralen Herausforderungen stellt, die ihr die heutige Gesellschaft auferlegt. Zum Teil wird dieser Plan zur Zusammenarbeit bereits umgesetzt. So hat das Katholische Komitee für die kulturelle Zusammenarbeit, eine Einrichtung des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, für das Studienjahr 2004/2005 acht Stipendien an Kandidaten des Moskauer Patriarchats zur Erlangung einer Spezialausbildung vergeben. Fünf von ihnen haben sich an Päpstlichen Universitäten in Rom eingeschrieben. Dank einer besonderen Spende konnte das Komitee außerdem der Bibliothek der Theologischen Akademie von Moskau die vollständige Reihe der Patrologia Orientale zum Geschenk machen.

Die oben erwähnte »gemeinsame Arbeitsgruppe« zwischen der katholischen Kirche und der russisch-orthodoxen Kirche in der Russischen Föderation hat bereits zwei Treffen in Moskau abgehalten, am 5. und 6. Mai und am 22. und 23. September 2004. Sie bildet eine Plattform für den Austausch von Informationen und Klarstellungen, in der Absicht, Lösungen für jene Situationen zu suchen, die wegen unterschiedlicher Sensibilitäten und pastoraler Ansätze Unverständnis oder gar Verdächtigungen zwischen der einen und der anderen Seite hervorrufen könnten. Obwohl die »Gemeinsame Arbeitsgruppe« nur als eine vorübergehende Hilfe bei der Normalisierung der Kontakte zwischen der katholischen Kirche in der Russischen Föderation und der orthodoxen Kirche dieses Landes angesehen werden kann, hat sie einen bemerkenswerten Beitrag in dem gewünschten Sinn geleistet. So kommt es bereits in verschiedenen Teilen dieses riesigen Landes, wenn auch noch nicht sehr zahlreich, zu Begegnungen zwischen katholischen und orthodoxen Bischöfen. Man darf wohl hoffen, daß solche Begegnungen zwischen den Bischöfen sowie auch zwischen dem Klerus überall dort, wo die katholische Kirche präsent ist, zu einem regulären Bestandteil des alltäglichen und kirchlichen Lebens werden. Nur auf diese Weise werden die gegenseitigen Vorurteile überwunden werden können, und es wird sich eine intensivere und ständige Zusammenarbeit zwischen den beiden Kirchen entwickeln, die auch der Gesellschaft und dem Land, dessen integrierender Bestandteil die orthodoxen und katholischen Gläubigen sind, zum Nutzen gereichen wird.

Das zweite Ereignis, das die Beziehungen zum Moskauer Patriarchat im Jahr 2004 sichtbar hervorhob, war die Entscheidung des Heiligen Vaters, dem Patriarchen Aleksij II., der russischorthodoxen Kirche und dem ganzen russischen Volk die Ikone der Muttergottes von Kasan zu schenken; das Marienbild war elf Jahre lang in einem der privaten Wohnräume von Papst Johannes Paul II. aufbewahrt und verehrt worden. Es wurde auf seiner Rückkehr nach Rußland von einer Delegation des Heiligen Stuhls unter der Leitung der Kardinäle Walter Kasper und Edgar Theodore McCarrick begleitet; der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kasper, überbrachte dem Patriarchen auch eine Botschaft des Papstes. Die Übergabe der Ikone erfolgte am 28. August in der dem Heimgang der allerseligsten Jungfrau Maria geweihten Kathedrale im Kreml; die Gläubigen, die in großer Zahl die Kirche füllten, nahmen andächtig an der vom Patriarchen selbst geleiteten Göttlichen Liturgie teil. In seinem Brief an den Patriarchen schrieb der Heilige Vater:

»Durch den unerforschlichen Plan der göttlichen Vorsehung hat die Gottesmutter in ihrer als ›Kasanskaya‹ bekannten heiligen Ikone während der langen Jahre ihres Pilgerweges die orthodoxen Gläubigen um sich versammelt, ebenso wie ihre katholischen Brüder aus anderen Teilen der Welt, die innig für die Kirche und das Volk, das sie seit Jahrhunderten beschützt, gebetet haben. Vor nicht allzu langer Zeit hat die göttliche Vorsehung gewährt, daß das Volk und die Kirche in Rußland ihre Freiheit wiedergefunden haben und daß die Mauer, die Ost- und Westeuropa getrennt hat, gefallen ist. Trotz der Spaltung, die es leider unter den Christen noch immer gibt, erscheint diese heilige Ikone als eines der Symbole für die Einheit der Jünger des eingeborenen Sohnes Gottes, Symbol für Ihn, zu dem sie uns alle führt« (O.R. dt., Nr. 36, 3.9.2004, S. 8). Mit Bezug auf die Einheit beteuerte Papst Johannes Paul II. in derselben Botschaft: »Der Bischof von Rom hat vor dieser heiligen Ikone innig dafür gebetet, daß der Tag kommen möge, an dem wir alle vereint sind und der Welt mit einer Stimme und in sichtbarer Einheit das Heil unseres einzigen Herrn und seinen Sieg über alle bösen und gottlosen Kräfte verkünden können, die unserem Glauben und unserem Zeugnis der Einheit Schaden zufügen« (ebd.).

Als der Patriarch die heilige Ikone von Kardinal Walter Kasper entgegennahm, sprach er unter anderem diese bedeutsamen Worte: »Herzlich danke ich Eurer Eminenz und allen Mitgliedern der Delegation der römisch-katholischen Kirche und in ihrer Person ihrem Oberhaupt, Papst Johannes Paul II., und der ganzen Kirche für die Ikone der Muttergottes von Kasan, die uns übergeben worden ist […] Heute begegnet Rußland einer der am meisten verehrten Darstellungen der Ikone der Muttergottes von Kasan. Dieses Bild hat einen langen und beschwerlichen Weg durch viele Länder und Städte zurückgelegt. Vor ihm beteten orthodoxe Gläubige, Katholiken, Christen anderer Konfessionen. Lange Zeit wurde es im Vatikan sorgsam aufbewahrt, und dieser Umstand entzündete in vielen katholischen Gläubigen die Liebe zur allerseligsten Jungfrau Maria, zu Rußland und zur russischen Kirche, zu ihrer Kultur und zu ihrem geistlichen Erbe. Nach dem Willen Gottes kehrt das verehrte Marienbild nach Jahren nach Hause zurück […] Ich bitte Eure Eminenz, Seiner Heiligkeit Papst Johannes Paul II. unsere tiefe Dankbarkeit für das Geschenk zu überbringen, das Sie uns übergeben haben

Dieselben Gefühle der Dankbarkeit, aber auch der Hoffnung für die Beziehungen zwischen der römisch-katholischen Kirche und der russisch-orthodoxen Kirche hin zu einem eindringlicheren christlichen Zeugnis und der Verkündigung der christlichen Werte in Europa und in der Welt brachte Patriarch Aleksij II. in seinem Dankschreiben an den Heiligen Vater zum Ausdruck.

Da wir in diesen kurzen Ausführungen auf die Wünsche und Hoffnungen Bezug nahmen, die Papst Johannes Paul II. und Patriarch Aleksji anläßlich der Rückkehr der Ikone der Muttergottes von Kasan nach Rußland ausgetauscht haben, und besonders angesichts des noch immer andauernden Mißtrauens möchten wir noch die Worte des Heiligen Vaters zitieren, mit denen er seine und die Gefühle der katholischen Kirche zum Ausdruck brachte und den Königsweg vorzeichnete, der eingeschlagen werden muß: »Dieses alte Bild der Mutter des Herrn möge für Seine Heiligkeit Aleksij II. und den ehrwürdigen Synod der russisch-orthodoxen Kirche Ausdruck der Zuneigung des Nachfolgers Petri zu ihnen und zu allen ihnen anvertrauten Gläubigen sein. Es soll die Wertschätzung gegenüber der großen geistlichen Tradition bekunden, deren Hüterin die heilige russische Kirche ist. Es sei ein Ausdruck des Wunsches und des festen Entschlusses des Papstes von Rom, gemeinsam mit ihnen auf dem Weg der gegenseitigen Kenntnis und Versöhnung fortzuschreiten, um den Tag jener vollkommenen Einheit, für die der Herr Jesus innig gebetet hat (vgl. Joh 17,20–22), zu beschleunigen« (O.R. dt., Nr. 36, 3.9.2004, S. 2).

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Quelle

Siehe ferner:

Kardinal Stanislaw Dziwisz zu: Johannes Paul II. und Fatima und „Russlandweihe“

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Ein Auszug aus dem Buch von Kardinal Stanislaw Dziwisz:
Mein Leben mit dem Papst – Johannes Paul II. wie er wirklich war:

Der Fall der Mauer

Jetzt kommen wir in „das unglaubliche Jahr 1989″.

Johannes Paul II. hatte sich das nicht erwartet. Ja, ge­wiss, er war der Auffassung, dass jenes „System“ früher oder später zum Scheitern verurteilt sein würde, da es sozial ungerecht und ökonomisch nicht effizient war. Doch die Sowjetunion war immer noch eine geopoliti­sche, mit Atomwaffen ausgerüstete Weltmacht. Da der Heilige Vater sich nicht als Prophet sah, wie er im Scherz zu sagen pflegte, erwartete er nicht, dass es zu einem so schnellen Zusammenbruch des Kommunismus kommen würde. Vor allem hatte er nicht damit gerech­net, dass die Befreiung in so kurzer Zeit ohne Blutver­gießen erfolgen könnte.

Was am meisten überraschte, war die Art und Weise, wie sich alles vollzog. Abgesehen von den Vorgängen in Rumänien – dort allerdings wegen einer internen Begleichung von Rechnungen an der Macht befindlicher kommunisti­scher Gruppen – handelte es sich um eine friedliche Revo­lution. Sie brach fast gleichzeitig in allen Hauptstädten des Ostblocks aus: in Ost-Berlin, Budapest, Warschau, Prag, Sofia, Bukarest und in gewissem Maße auch in Mos­kau.

Es schien also sehr unwahrscheinlich – im Gegensatz zur oberflächlichen Deutung, die damals jemand glaubhaft zu machen versuchte -, dass der „neue“ Kreml des Michail Gorbatschow jenseits seiner unbestrittenen Verdienste diese Wende gelenkt und auf die Gleise der Gewaltlosig­keit, eines Übergangs ohne Blutvergießen geführt hat. Ur­sächlich war hingegen der Druck seitens der Volksmassen, die vom nicht unterdrückbaren Freiheitsdurst motiviert waren. Sie hatten mittlerweile jede Hoffnung auf diejeni­gen aufgegeben, die das Paradies auf Erden versprochen hatten.

Der Heilige Vater betrachtete sie als eine der größten Revolutionen der Geschichte. Da er sie in der Dimension des Glaubens interpretierte, sah er sie als ein Eingreifen Gottes, als eine Gnade. Für ihn stand der Zusammen­bruch des Kommunismus und die Befreiung der Natio­nen vom Joch des marxistischen Totalitarismus zwei­felsfrei im Zusammenhang mit den Offenbarungen von Fatima. Die Welt und in besonderer Weise Russland soll­ten der Gottesmutter anvertraut werden, worum sie selbst den Papst und die Kirche gebeten hatte: „Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren, und es wird Friede sein; wenn nicht, dann wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten …“, so hieß es in den ersten beiden Teilen der Offenbarungen. Deshalb hatte Johannes Paul II. am 25. März 1984 auf dem Petersplatz vor der Statue der Gottesmutter, die eigens von Fatima gebracht worden war, geistlich ver­eint mit allen Bischöfen der Welt, den Akt der Weihe an Maria vollzogen, ohne Russland ausdrücklich zu nen­nen, aber deutlich auf jene Nationen anspielend, die „dessen in besonderer Weise bedürfen“.

Auf diesem Wege war der Wunsch der Gottesmutter erfüllt worden. Von dem Zeitpunkt an waren die ersten Auflösungserscheinungen in der kommunistischen Welt festzustellen.

Das ist nicht nur meine Meinung, sondern auch die vie­ler Bischöfe aus den Ländern des Ostens.

Man muss die Zeichen der Zeit zu deuten verstehen.

Tatsächlich ist der Untergang des Kommunismus auf das Scheitern seiner politischen und ideologischen Konzeption, seines Sozialsystems und vor allem seiner Planwirtschaft zurückzuführen. Aber es ist gleichwohl wahr, dass es sich noch vorher – wie Karol Wojtyta das in seiner Enzyklika Centesimus annus schrieb – um ein Scheitern geistlichen Ranges handelte. Es war auf die dem Himmel trotzende Annahme zurückzuführen, eine neue Welt und einen neuen Menschen schaffen zu können, indem man Gott in dieser Welt und im Gewissen des Menschen auslöschte.

Eine erste aufsehenerregende Bestätigung erfolgte nicht ein­mal einen Monat nach dem Fall der Mauer. 70 Jahre nach der Oktoberrevolution kam zum ersten Mal ein Präsident und zugleich Parteisekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion in den Vatikan. Begleitet war er – eine leichte Ironie der Geschichte – nicht von Kosaken, die ihre Pferde an den Brunnen des Petersplatzes hätten tränken müssen, son­dern von der Bürde einer ideologischen Niederlage.

Es war das Ende eines langen dramatischen Konflikts zwi­schen der größten religiösen Institution der Welt und der größten Versuchung, die es in der gesamten Geschichte ge­geben hat, den Menschen das atheistische „Credo“ aufzu­zwingen.

Mehr oder weniger vollzog sich die allererste Begegnung zwischen dem Papst und Gorbatschow, während sie einen langen Händedruck austauschten, in folgender Weise:

Johannes Paul: „Willkommen. Ich freue mich sehr, Sie kennen zu lernen.“ (in russischer Sprache)

Gorbatschow: „Aber wir hatten bereits mehrfach Kontakt …“ (er bezog sich auf seinen Briefwechsel mit dem Papst) Johannes Paul II.: „Ja, ja, auf dem Papier. Aber wir müssen noch miteinander sprechen.“ (Da er nicht die Worte fand, sprach er auf Italienisch, und der Dolmetscher übersetzte.) An dem Punkt traten sie in die Privatbibliothek und setz­ten sich an den Schreibtisch einander gegenüber.

Johannes Paul: „Herr Präsident, ich habe diese Begegnung durch Gebet vorbereitet …“

Die Antwort von Gorbatschow darauf teilte der Papst weni­ge Wochen später in einem Flugzeug im Gespräch Journa­listen mit: „Mein Gesprächspartner war sehr angetan hin­sichtlich des Gebetes des Papstes. Er sagte mir, das Gebet sei sicherlich ein Zeichen der Ordnung, der geistlichen Werte und dass wir solche Werte sehr brauchen …“

Dadurch wird verständlich, weshalb das eine historische Begegnung war, eines der großen Zeichen des Wandels der Geschichte. Gorbatschow unterstützte nicht nur die Bedeutung der geistlichen Dimension in der menschli­chen Person und ihres positiven Einflusses auf das zivi­le Leben, sondern zeigte sich in besonderer Weise an den päpstlichen Dokumenten bezüglich der Soziallehre der Kirche interessiert.

Der Präsident der Sowjetunion bekräftigte im Bezug auf die Situation in seinem Land mit voller Überzeugung, dass man nicht so weitermachen könne wie bisher. Nach meinem Eindruck dachte Gorbatschow jedoch in diesem Augenblick nicht an tiefgreifende Veränderungen, wie sie sich dann in der ehemaligen UdSSR vollzogen. Er meinte eher äußerliche Änderungen im Bezug auf Transparenz und Freiheit, die der Perestrojka eigen waren, mit anderen Worten: ein Kommunismus mit menschlichem Antlitz. Aber er dachte nicht daran, den Marxismus von innen her zu verändern …

Wenn der Besuch des Führers der Sowjetunion im Vatikan schon seine Bedeutung an sich hatte, so waren gleichzei­tig seine Worte von Bedeutung: „All das, was in Osteuropa in diesen letzten Jahren geschehen ist, wäre nicht möglich gewesen ohne die Präsenz dieses Papstes, ohne die große Rolle, die er auch in politischer Hinsicht auf der Weltbüh­ne zu spielen wusste.“

Das war eine ausdrückliche Anerkennung für Johannes Paul II. Doch ohne daran zu denken oder vielleicht ohne es eingestehen zu wollen, war das auch eine Anerken­nung für die Kirchen (nicht nur die katholische), die mit ihrem Schmerz, mit ihrem Martyrium und dann mit ihrem Widerstand gegen den Staatsatheismus die Hoff­nung von Millionen von Männern und Frauen genährt hatten, wieder die Freiheit zurückzuerlangen.

Indem der Papst dem Weg folgte, der von ganzen Völkern beschritten worden war, machte er sich ideell auf den glei­chen „Pilgerweg zur Freiheit“. Zunächst reiste er in die Tschechoslowakei, das kommunistische Land, das wahr­scheinlich hinsichtlich der christlichen Botschaft am ver­schlossensten war und Johannes Paul II. gegenüber am feindlichsten gesinnt war.

Präsident Vaclav Havel konnte bei der Begrüßung des Hei­ligen Vaters die außerordentliche historische Bedeutung dieses Besuches nicht besser zum Ausdruck bringen, als er von einem „Wunder“ sprach. Sechs Monate vorher befand sich Havel, der als Staatsfeind verhaftet worden war, noch im Gefängnis. Jetzt hingegen richtete er seinen Willkom­mensgruß an den ersten slawischen Papst, an den ersten Papst, der seinen Fuß auf den Boden dieses Landes setzte. Diese „Wunder“, so könnte man sagen, hatte ebenfalls im Petersdom begonnen, als Agnes von Böhmen am 12. November des Vorjahres heiliggesprochen wurde. Zu dem Anlass waren aus der Heimat und dem Ausland mindestens 10.000 Tschechoslowaken angereist. Sie ent­deckten, dass sie vereint stark waren und keine Angst mehr hatten. Der Papst sagte ihnen: „Eure Pilgerreise darf heute nicht enden. Sie muss weitergehen …“ Und diese Pilgerreise ging weiter, bis sie in die „Samtene Re­volution“ einmündete in den zehn Tagen, die die tsche­choslowakische Geschichte veränderten. Das war fast wie ein zweiter „Prager Frühling“.

Das Diktat von Jalta war aufgehoben, Europa nicht mehr zweigeteilt. Den Eisernen Vorhang gab es nicht mehr. Auch der Kalte Krieg war beendet. Indes aber kamen die immensen Schäden ans Licht, die durch so viele Jahre Marxismus verursacht worden waren.

Es war wirklich eine „menschliche Katastrophe“, wie ge­sagt wurde. Die Menschen, die einen so langen Winter des Totalitarismus überstanden hatten, schienen fast unfähig, sich bewusst zu werden, dass sie endlich frei waren. Wäh­rend im Osten das schwer lastende „Erbe“ des Kommunis­mus fortdauerte, kam vom Westen her das „Modell“ einer säkularisierten‘ Gesellschaft, die vom Konsumismus, vor allem aber von einem praktischen Materialismus verseucht war, der eine Tabula rasa für die Werte des Men­schen und des Lebens geschaffen hatte.

Als Johannes Paul II. im Juni 1991 nach Polen zurück­kehrte, konnte er endlich den Übergang vom Totalitaris­mus zur Demokratie begrüßen. Zur gleichen Zeit musste er erfahren, wie schwer es für diejenigen war, die lange Zeit der Freiheit beraubt gewesen waren, jetzt vernünftigen Gebrauch davon zu machen. Im Übrigen hatte, wie sein Nachfolger in Krakau, Kardinal Franciszek Macharski, bemerkte, auch die Kirche zu „lernen“, ihre eigene Sen­dung zu erfüllen und sich dabei nicht mehr täglich mit einem diktatorischen Regime auseinandersetzen zu müs­sen, sondern in einer Situation der Freiheit und des kultu­rellen und politischen Pluralismus zu leben.

Als Thema für seine Predigten wählte der Heilige Vater den Dekalog und das Gebot der Liebe, das heißt, geistli­che Erneuerung als unabdingbare Voraussetzung für jede Veränderung, für jedes soziale Engagement. Die moralische Dimension als Fundament jeder Demokratie. Am Schluss sagte er vertraulich im Gespräch: „Nicht von allen sind diese Ansprachen gut aufgenommen worden.“ Was aber den Papst am meisten schmerzte, geschah zwei Jahre später, als die ehemaligen Kommunisten in Polen die Wahlen gewannen. Nachdem die Menschen die Freiheit wiedererlangt hatten, hatten sie – demokra­tisch – die marxistische Linke gewählt. Diese Wahl war keine Option für den Marxismus, sondern eine kritische Haltung gegenüber dem kapitalistischen Regime und der freien Markwirtschaft. Viele Menschen, die auf die­ses neue Lebenssystem nicht vorbereitet waren, hatten darunter gelitten und große Opfer auf sich nehmen müs­sen. So hatten vor allem sehr unbedarfte Leute begon­nen zu sagen, es sei ihnen vorher besser gegangen.

Ja, fast alle ehemaligen kommunistischen Länder durch­lebten eine schwierige Zeit. Sie war unvermeidlich schwer, da es eine Phase des Übergangs und der Neuordnung war. Doch das war eine Chance, die man sich nicht entgehen lassen durfte. Es war eine einzigartige Chance, den Lauf der Geschichte und die Beziehungen zwischen den Natio­nen zu verändern und endlich die schlimmen Kapitel zu beenden, die von zwei totalitären Systemen geschrieben worden waren, die nacheinander versucht hatten, die Frei­heit und den christlichen Geist Europas abzuwürgen.

Es konnte deshalb kein symbolkräftigeres Bild geben als die Anwesenheit von Johannes Paul II. und Bundeskanzler Kohl am 23. Juni 1996 am Brandenburger Tor in Berlin. Ein Tor – daran erinnerte der Papst -, das von zwei deut­schen Diktaturen „besetzt“ worden war, zuerst von den Nazis und dann von den Kommunisten, die es sogar in eine Mauer „umgewandelt“ hatten. Aber jetzt war es „Zeugnis der Tatsache, dass die Menschen sich vom Joch der Unterdrückung befreit haben, indem sie es zerbrochen haben …“

Der Heilige Vater erlebte diesen Moment mit tiefer inne­rer Bewegung, mit starker Leidenschaft. Doch er be­merkte auch – ich muss sagen mit ein wenig Bitterkeit -, dass viele Menschen in Europa nicht verstanden, was es bedeutete, dass ein Papst durch dieses Denkmal schritt, das an den Triumph Hitlers erinnerte – und dies nicht, weil er Wojtyla war, sondern weil er ein Papst war! Dann die Bedeutung der Seligsprechungen der Opfer der Vernichtungslager gerade in dem Stadion, wo in Anwesenheit Hitlers die Olympischen Spiele abgehalten worden waren.

Dieses Durchschreiten des Brandenburger Tores bedeu­tete für Johannes Paul II. das Ende, das definitive Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Feierlichkeiten in jenem Stadion waren die sichtbare Besiegelung des Sieges Got­tes in der fürchterlichen Schlacht gegen das Böse.

Doch der Kapitalismus hat nicht gesiegt!

Seit dem Fall der Mauer war kaum ein halbes Jahr vergan­gen, als der Papst in Mexiko in einer Ansprache vor Unter­nehmern den Wandel in Mittel- und Osteuropa kommen­tierte. Er sagte, auch wenn der „reale Sozialismus“ am Ende sei, das sei nicht der Sieg des kapitalistischen Systems. In der Welt sei die Armut geblieben, wie sie vorher war, und es gebe weiter die gleichen schlimmen Missstände in der Ver­teilung der Ressourcen. Das sei vor allem in der Dritten Welt auch eine Folge der Auswirkungen, die durch eine bestimm­te Art des ungezügelten Liberalismus hervorgerufen wür­den, der sich um das Gemeinwohl nicht kümmere.
Das war eine mutige, aber zu der Zeit, als noch manches unklar war, eine einwandfreie Analyse. Im Westen gab es jedoch Kommentatoren, die diese Rede als „skandalös“ bezeichneten. Jemand ging so weit und schrieb Johannes Paul IL eine gewisse „Nostalgie“ nach dem Kommunismus zu.

Sie verstanden nicht, oder sehr viel wahrscheinlicher: Sie wollten nicht verstehen. Der Heilige Vater hatte die Geschichte in theologischen und moralischen Begriffen interpretiert, nicht in politischen und wirtschaftlichen. Deshalb war er von seiner Warte aus in der Lage gewe­sen, intuitiv zu verstehen, dass man nach dem Scheitern des Marxismus auf keinen Fall eine neue Sozialordnung ausschließlich auf einem System aufbauen könne, das den Menschen als Instrument betrachtet, als einfaches Rädchen im Getriebe der Produktionsmaschine.

Es war also vor allem notwendig, das Personsein des arbeitenden Menschen neu ins Blickfeld zu rücken. Erst dann kann man an ein auf Solidarität und Mitbestim­mung basierendes Modell wirtschaftlicher Entwicklung denken. Solange nämlich die Arbeiter nicht an den Ent­scheidungen und an der Verteilung der Gewinne des Unternehmens teilhaben, wird es nie sozialen Frieden geben und auch keinen echten nationalen Fortschritt.

Tatsache ist jedoch, dass Johannes Paul H. in den ersten zehn Jahren seines Pontifikats als eingefleischter Anti­kommunist eingeschätzt wurde, während man ihn jetzt als Antikapitalisten, ja als kommunistenfreundlich hinstellte. Das könnte ein Grund dafür sein, weshalb eine demagogi­sche oder zumindest irrige Interpretation seiner Sozialleh­re und, allgemeiner gesehen, seines Humanismus lange Bestand hatte.

Nicht zuletzt dank seiner Erfahrungen in Polen und sei­ner philosophischen Überlegungen hatte Karol Wojtyla in das päpstliche Lehramt ein Verständnis vom Men­schen und der Geschichte hineingetragen, das sich nicht irgendeinem kulturellen oder politischen System ver­dankte. Tatsächlich hatte er positive Aspekte sowohl im Marxismus wie auch im Kapitalismus anerkannt, aber er hatte auch deren gravierende Mängel aufgezeigt. In beiden Systemen war, unabhängig von der Tatsache, ob die Produktionsmittel kollektiviert sind oder sich in pri­vater Hand befinden, nie vorgesehen, dass in den wirt­schaftlichen und Politischen Prozessen der Mensch im Mittelpunkt stehen sollte.

Unterm Strich war Wojtyla kein parteiischer Mensch. Um es ganz frank und frei zusagen, er war weder ein Mann Moskaus noch Washingtons. Er war ein Mann Gottes, immer offen für alle. Er war ein freier Mann und hat sich durch politische Entscheidungen nie vereinnah­men lassen.

Genau das wäre der Ausgangspunkt, um den tiefen Sinn dessen zu verstehen, was das „politische“ Profil dieses Pontifikats ausmachte. „Politisch“ in dem Sinne verstanden, wie Johannes Paul II. die Soziallehre der Kirche inter­pretierte und aktualisierte, indem er zur Beschreibung sozioökonomischer Phänomene moralische Kategorien heranzog.

Auf diese Weise, wie es der Heilige Vater vor allem in seiner Enzyklika Centesimus Annus tat, gelang es ihm, ein Gesellschaftsmodell aufzuzeigen, in dem es möglich ist, Gerechtigkeit und Solidarität, Rechte und Pflichten der Personen, Ethik sowie soziales und politisches Enga­gement miteinander zu verbinden.

All das jedoch, ohne sich je in die technischen Entschei­dungen einzumischen, in die Art und Weise, wie das dann realisiert wird, in welcher Weise es gemacht wird. Sonst würde nämlich die Kirche ihr eigenes Terrain überschreiten, das in ihrer pastoralen Sendung und einer kritischen Reflexion der „Konformität“ sozialer Prozesse mit den vom Schöpfer vorgezeichneten Spuren besteht.

Nicht umsonst sagte Papst Wojtyla einmal, die Kirche dürfe sich von keiner Ideologie oder politischen Strömung das „Banner der Gerechtigkeit“ abnehmen lassen. Sie ist eine der ersten Forderungen, die vom Evangelium erhoben werden, und bildet den Kern der kirchlichen Soziallehre. Der Diskurs über die Gerechtigkeit öffnet konsequenter­weise das Gespräch über die Rechte, die Rechte jedes Men­schen, der in seiner Würde und Freiheit geschützt und ver­teidigt werden muss. Aber es geht auch um die Rechte jedes Volkes, das als Nation in seiner Souveränität und Unabhängigkeit zu respektieren ist, wenngleich es sich in den Kreislauf der Solidarität mit allen anderen Völkern, die die Weltgemeinschaft bilden, eingliedern muss.

Hier machte sich Johannes Paul II. – als „natürlich christliches“ Ideal – jene menschlichen Grundwerte wie­der zu eigen, die lange Zeit ausschließlich von der Auf­klärung und der Französischen Revolution beansprucht worden waren. Auf diese Weise wurden die Menschen­rechte wieder zum festen Bestandteil der christlichen Lehre und fanden ihr einheitliches ethisches Funda­ment wieder, das ihre Unteilbarkeit und Universalität untermauert und verbürgt.

Das war nicht mit der Absicht verbunden, die Distanzie­rung von der Welt wiederherzustellen, sondern im Gegenteil, um dem Menschen zu dienen und ihn in sei­nen Grundrechten zu unterstützen, beim Recht auf Leben angefangen.

Bei dem Thema muss man unbedingt auf einen Aspekt hinweisen, der vielleicht weniger verstanden worden ist, aber hinsichtlich des Pontifikats von Johannes Paul II. sicher am meisten diskutiert und kritisiert wurde. Damit meine ich das Verständnis von Kirche als „soziale Kraft“ beziehungsweise, dass die Kirche, die in der Gesellschaft im Dienste des Gemeinwohls wirkt, ein Element sozialer Erneuerung von großer Tragweite darstellen kann. Dies ist ihr möglich allein aufgrund ihrer Sendung, der Inkarnation des Evangeliums, als Zeugnis der Botschaft Christi. Dabei geht es nicht darum, die Gesellschaft zu­rückzuerobern, sie zu unterwerfen und so die Unterschie­de zu verwischen, die sich mittlerweile für immer in der Rollenverteilung zwischen Kirche und Staat herausgebil­det haben.

Ich möchte daran erinnern, dass mehr oder weniger alle Systeme, nicht nur die totalitären, immer wieder den Versuch unternommen haben, die Religion auszugren­zen, zumindest sie in die Kirchenräume zu verbannen oder für politische Ziele zu instrumentalisieren. Ich möchte ferner daran erinnern, dass über lange Zeit nicht nur im sogenannten Sowjetreich die öffentlichen Plätze ausschließlich der Linken, ja dem Kommunismus gehör­ten. Und Worte, die man aus dem Munde Jesu gehört hatte, christliche Worte wie „Frieden“ waren absolutes Privileg bestimmter Bewegungen und Parteien gewor­den.

Nun, Johannes Paul II. hat sich all dem widersetzt. Er hat Nein gesagt! Und er ist auf die Straßen und Plätze gegangen, um diese „Räume“ nicht den anderen zu überlassen.

Die Kirche ist da, wo der Mensch ist. Sie versucht Beglei­ter zu sein auf dem Weg des Menschen und der Gesell­schaft, aber immer mit der moralischen Ebene als Aus­gangspunkt. Sie darf nie direkt Politik betreiben! Das moralische Urteil hingegen ist eine vollständig legitime Pflicht der Kirche, auch im sozialen und politischen Bereich. Es sind dann die gläubigen Laien, die sich im öffentlichen Leben, in besonderer Weise in der Politik engagieren sollen.

Es kommt an diesem Punkt eine große Rede von Johannes Paul II. in Erinnerung die – leider – nie ausreichend gewürdigt worden ist. Es handelt sich um die Ansprache, die er im Oktober 1988 vor dem Europaparlament in Straßburg hielt, als er jede Versuchung einer Rückkehr zum früheren religiösen Integralismus auslöschte. Er ge­stand ein, dass die Grenze zwischen dem, was Gott gehört, und dem, was des Kaisers ist, zu oft überschritten worden ist, auch von christlicher Seite.

Aber da gibt es vor allem einen Passus, den neu zu lesen sich lohnt. Er hilft nämlich, das Konzept vom Laien, das Wojtyla hatte, besser zu verstehen und damit die Unter­scheidung die für ihn zwischen dem zeitlichen und dem geistlichen Bereich existieren muss. So wie man besser die Art und Weise verstehen wird, wie dieser Papst, der das alte Modell der Kirche, das von rigiden Abschottungen geprägt war, überwunden hat und dafür ein anderes hat sichtbar werden lassen, das in der Lage ist, den Heraus­forderungen der Moderne und einer pluralistischen Gesell­schaft zu begegnen und sie deshalb anzunehmen.

„Die lateinische Christenheit des Mittelalters – um nur sie zu erwähnen – ist der integralistischen Versuchung nicht immer entgangen, aus der irdischen Gesellschaft diejeni­gen auszuschließen, die nicht den wahren Glauben be­kannten – und dies, obwohl die lateinische Christenheit der damaligen Zeit unter Wiederaufnahme der großen aristotelischen Tradition die Idee vom Staat als natürliche Größe entwickelt hatte. Der religiöse Integralismus ohne Unterscheidung zwischen dem Bereich des Glaubens und dem des bürgerlichen Lebens, der heute noch in anderen Gegenden praktiziert wird, erscheint mit dem eigentlichen Genius Europas, so, wie ihn die christliche Botschaft ge­formt hat, unvereinbar.“

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Quelle: Buch: Stanislaw Dziwisz: Mein Leben mit dem Papst – Johannes Paul II. wie er wirklich war – ISBN 978-3-7462-2346-9 – St. Benno-Verlag GmbH: www.st-benno.de

50 JAHRE FATIMA – CHRONIK UND DOKUMENTATION (von 1967) – Teil 2

13D-M

Die weitere Chronik von Fatima

19. Oktober 1917. Dom João Evangelista de Lima Vidal, damaliger Erz­bischof von Mitilene und Leiter des Patriarchates Lissabon in Abwesen­heit des Kardinals Dom António Mendes Belo, beauftragt auf Bitten des Pfarrers von Fatima den Erzpriester von Ourém, eine Untersuchung der Vorkommnisse in der Cova da Iria am 13. Oktober (1917) anzu­stellen. Den gleichen Auftrag erhalten die Pfarrer von Porto de Mós und von Fatima. (Fatima gehörte damals noch — bis zum 17. Januar 1918 — zum Patriarchat Lissabon.)

22./23. Oktober 1917. In dieser Nacht raubte man in sakrilegischer Weise Andachtsgegenstände in der Cova da Iria und vollzog damit in der folgenden Nacht eine Spottprozession in Santarém, einem Städtchen, das ungefähr 75 km von Fatima entfernt liegt.

11. November 1917. Der Pfarrer von Porto de Mós schickt Angaben ver­schiedener glaubwürdiger Zeugen über das Sonnenwunder an seinen kirchlichen Vorgesetzten in Lissabon.

1917. Weihe Englands an das „Schmerzensreiche und Unbefleckte Herz Mariens“ unter Führung des Kardinals Bourne, Erzbischofs von West­minster und Primas von England, aufgrund einer Privatoffenbarung an eine belgische Opferseele namens Berthe Petit.

17. Januar 1918. Wiedererrichtung der Diözese Leiria durch Papst Bene­dikt XV. Vorher hatte dieses Gebiet kirchlich zum Patriarchat Lissa­bon gehört.

24. April 1918. Papst Benedikt XV. bezieht sich auf den religiösen Wiederaufstieg Portugals: „Diese Verehrung (der Unbefleckten Jung­frau durch die Portugiesen) verdiente denn auch eine ganz außer­gewöhnliche Hilfe von seiten der Gottesmutter.“

6. August 1918. Der Maurer Joaquim Barbeiro von Chaina (zur Pfarre Santa Catarina da Serra gehörig, rund 5 km von der Cova da Iria ent­fernt) beginnt mit dem Bau der Erscheinungskapelle. Die Erscheinungs­stätte war bis dahin durch einen Torbalken gekennzeichnet worden.

23. Dezember 1918. Francisco und Jacinta Marto werden von „Spanischer Grippe“ befallen. Etwas später tritt eine Besserung des Gesundheitszu­standes ein.

Ende Februar 1919. Der Gesundheitszustand von Francisco verschlechtert sich wieder; der Grippe folgt eine starke Lungenentzündung, die er zuerst noch überwinden konnte.

4. April 1919, ein Freitag: Francisco stirbt in seinem Elternhaus in Alju­strel infolge der doppelseitigen Lungenentzündung, die ihn zwei Tage vorher — am 2. April — erneut befallen hatte; an diesem Tag hatte er noch gebeichtet und tags darauf — am 3. April — die heilige Kommu­nion empfangen. — Was er in seinem Leben am meisten liebte, war, den Herrn in jenem wunderbaren Licht zu sehen und Ihn zu trösten (vgl. 13. Mai 1917), was er oft tat, besonders auch in der Pfarrkirche, die er anstatt der Schule aufsuchte, weil ihm letztere für ihn wegen seines baldigen Sterbens (vgl. 13. Juni 1917) nutzlos schien. — Die Gottes­mutter, deren Gegenwart sich durch einen Lichtschein anzeigte, holte Ihren Liebling in die ewige Heimat, wie Sie es ihm versprochen hatte (am 13. Mai 1917). Am folgenden Tag wurde er auf dem Friedhof neben der Pfarrkirche Fatima bestattet. — Viele Gebetserhörungen auf die Fürbitte Franciscos sind schon erfolgt.

18. April 1919. Die Erscheinungskapelle wird vom Volk einfachhin in Gebrauch genommen, da der zuständige Bischof noch keine Erlaubnis gegeben hatte, sie zu weihen oder in ihr das heilige Meßopfer zu feiern.

28. April 1919. Der Pfarrer von Fatima übergibt der kirchlichen Autorität den Untersuchungsbericht über die Geschehnisse in der Cova da Iria.

31. Juli 1919. Todestag des Vaters der Lucia, des Herrn António dos Santos.

20. Februar 1920, ein Freitag. Tod Jacintas im Spital D. Estefânia in Lissabon infolge Tuberkulose, doppelseitiger Lungenentzündung und eitriger Rippenfellentzündung. Sehr von der Höllenvision des 13. Juli 1917 beeindruckt, opfert sie sich für die Bekehrung der armen Sünder und zum Troste der Heiligsten Herzen Jesu und Mariens auf. Besonders stark zeigte sich ihre Sehnsucht nach dem Herrn im heiligsten Altar­sakrament. In ihrem Heimatdorf erhielt sie noch wenigstens fünf Be­suche der Gottesmutter (ohne daß Lucia dabeigewesen wäre) und hatte zwei Visionen des Heiligen Vaters. Nachdem sie am 1. Juli 1919 erneut krank und für zwei Monate in ein Spital in Vila Nova de Ourém ge­bracht worden war, kehrte sie heim; am 21. Januar 1920 brachte sie ihre Mutter nach Lissabon in das Waisenhaus Unserer Lieben Frau von den Wundern (Orfanato de Nossa Senhora dos Milagres, Rua da Estrela, 17), wo sie öfters die heilige Kommunion empfangen konnte und wei­terer Erscheinungen der himmlischen Mutter gewürdigt wurde, die ihr verschiedene Dinge mitteilte, auch zum Beispiel ein Strafgericht über Portugal, falls es sich nicht bessern sollte. (Jacinta teilte diese Botschaft ihrer Pflegemutter, der Madre Maria da Purificação Godinho, der Vorsteherin des Orfanats, mit, die sie dann dem Msgr. Dr. Manuel Nunes Formigão übermittelte, der später aufgrund dieser Botschaft den Orden der Sühneschwestern Unserer Lieben Frau von den Schmerzen gründete.) Am 2. Februar 1920 kam Jacinta in das Spital D. Estefânia, wo sich nach einer Operation am 10. desselben Monats ihr Gesundheits­zustand etwas besserte. Jedoch Jacinta wußte durch die Worte der Gottesmutter mehr als die Ärzte, und auch jetzt erschien ihr diese und sagte ihr Tag und Stunde ihres Todes voraus. Eine Krankenpflegerin, namens D. Leonor da Assunção Almeida, erklärte, daß sie, nachdem sie nach den Erscheinungen Mariens an Jacinta von letzterer gerufen worden war, außerhalb des Fensters eine Rauchwolke, und zwar ähnlich einer Weihrauchwolke, wahrnahm. Dasselbe Phänomen hatte sich ver­schiedene Male in der Cova da Iria gezeigt (vgl. 13. Oktober 1917). Einige Stunden vor ihrem Hinscheiden beichtete Jacinta noch, die hei­lige Kommunion erhielt sie aber nicht mehr. — Vier Tage blieb ihr Leichnam unbestattet, und noch am vierten Tag strömte er einen ange­nehmen Geruch von verschiedensten Blumen aus, trotz der eitrigen Natur ihrer Krankheit, die sie hatte durchleiden müssen.

(Bezüglich weiterer Worte Mariens an Jacinta vgl. „Pilgerbuch von Fatima“: „Die Geheimnisse von Fatima“.)

24. Februar 1920. Da Jacinta den Wunsch geäußert hatte, in Fatima be­stattet zu werden, wurde sie nicht in Lissabon beerdigt, sondern ihr Leichnam wurde vorläufig nach Vila Nova de Ourém (in der Nähe Fatimas) gebracht, wo er in der Grabgruft des Barons von Alvaiázere beigesetzt wurde. Daraufhin wurde die Familie dieses Barons von der Tuberkulose befreit, die schon vier Brüder dieses Barons hinweggerafft hatte und noch mehr Opfer zu fordern drohte. Dies ist eine der vielen Gebetserhörungen, die auf die Fürbitte Jacintas hin auch schon zu ih­ren Lebzeiten hier auf Erden geschahen.

13. Mai 1920. Die Gnadenstatue der Erscheinungskapelle, die vom Herrn Gilbert F. Santos gespendet und von Torres Novas, wo dieser Herr wohnte, zur Pfarrkirche Fatima gebracht wurde, wird vom dortigen Pfarrer, Hochwürden Manuel Bento Moreira, gesegnet.

13. Juni 1920. Diese Gnadenstatue wird zum ersten Mal in die Erschei­nungskapelle gebracht. Es ist dieselbe Statue, die auch heute noch dort zu sehen ist.

25. Juli 1920. Bischofsweihe von Dom José Alves Correia da Silva.

5. August 1920. Besitzergreifung der neu errichteten Diözese Leiria durch Dom José Correia da Silva, den „Bischof Unserer Lieben Frau“.

17. Mai 1921. Lucia verläßt auf Wunsch ihres Bischofs ihr Heimatdorf Aljustrel, verabschiedet sich von der Cova da Iria, wo ihr in diesem Augenblick noch einmal (zum siebtenmal; vgl. 13. Mai 1917) die Gottes­mutter dort, wo sich heute vor der Basilika die Stufentreppe zu erhe­ben beginnt, erscheint, ohne ihr jedoch ein Wort zu sagen (doch auch so gab ihr die Erscheinung Kraft für ihren weiteren Lebensweg; vgl. „Fátima, Altar do mundo“, 2. Band, Seite 133), und fährt nach Porto, wo sie im Asyl von Vilar, das dem religiösen Institut der heiligen Doro­thea anvertraut war, in aller Verborgenheit leben kann. Lucia hatte bei ihrem Eintritt in dieses Asyl ihren Namen in „Maria von den Schmer­zen“ umgeändert.

22. September 1921. Dom José, der Bischof von Leiria, besucht zum er­stenmal privat den Erscheinungsort.

13. Oktober 1921. Die erste Feldmesse wurde (durch Padre Afonso Soa­res) mit bischöflicher Erlaubnis in der Cova da Iria zelebriert.

9. November 1921. Grabung nach Wasser an der tiefsten Stelle der Cova, dort, wo sich heute die Säule mit der Herz-Jesu-Statue erhebt. Schon zur Mittagszeit dieses Tages sammelte sich Wasser in dieser Grube. Spä­ter — um 1927 — hob man noch zwei weitere Zisternen aus. Diese drei Grabungen liefern heute das „wundertätige Wasser“, das die Wasser­hähne beim Herz-Jesu-Denkmal und neben dem Stiegenaufgang speist, der sich an das Spital Unserer Lieben Frau von den Schmerzen an­schließt. Dieses „wunderbare Wasser“, das also auf ganz natürliche Weise gefunden wurde, verschickte man zum erstenmal am 13. Oktober 1924 an Personen, die es erbaten. Mehrere auffallende Heilungen fan­den mit diesem Wasser statt, wie es zum Beispiel „A Voz da Fátima“ (Monatsblatt „Die Stimme von Fatima“) vom 13. Juni 1948 berichtet.

5./6. März 1922. In dieser Nacht wurde die Erscheinungskapelle durch die Explosion von vier Sprengkörpern, die Freimaurer gelegt hatten, schwer beschädigt. Eine fünfte Sprengladung, die von ihnen an den Stumpf der Steineiche gelegt wurde, auf die sich Maria herabgelassen hatte, explo­dierte nicht. — Die Gnadenstatue wurde während der Nächte — und auch meistens untertags — jener Verfolgungszeit im Hause der Familie Carreira im Flecken Moita Redonda (zur Pfarre Fatima gehörig) aufbe­wahrt, und so entging sie dem Anschlag.

3. Mai 1922. Der Bischof von Leiria veröffentlicht das erste Dokument über Fatima. Zum erstenmal spricht die kirchliche Autorität in einem öffentlichen Dokument über die außergewöhnlichen Geschehnisse von Fatima. Ernennung einer Kommission von Priestern für die Organi­sierung des kanonischen Prozesses über diese Geschehnisse.

13. Mai 1922. Größere Sühnewallfahrt für das Verbrechen vom 5. auf den 6. März 1922.

1922 Lucia lehrte einer Kameradin im Asyl der heiligen Dorothea in Porto die beiden Engelsgebete (vgl. Anhang 1).

13. Januar 1924. Zum erstenmal feierte ein Priester in der Erscheinungs­kapelle selbst die heilige Eucharistie.

8. Juli 1924. Lucia wird einer kanonischen Befragung unterworfen.

13. Oktober 1924. Grundsteinlegung für ein „Albergue dos doentes“ („Herberge der Kranken“). Später entwickelte sich daraus das Kranken­haus Unserer Lieben Frau von den Schmerzen (gleich neben der Er­scheinungskapelle).

1924. Um diese Zeit wird neben der Erscheinungskapelle in der Cova da Iria ein sogenannter „Pavilhão dos doentes“, ein „Pavillon der Kran­ken“, errichtet, der auch einfachhin „Alpendre“ (»offener Schuppen“) und „Capela das Missas“ („Kapelle der heiligen Messen“) genannt wur­de, weil dort anfangs gewöhnlich die Pilgermessen gefeiert wurden (so zum Beispiel am 13. August und am 13. September 1924).

24. August 1925. Firmung Lucias.

24. Oktober 1925. Lucia tritt als Postulantin in das religiöse Institut der heiligen Dorothea in Tuy (Spanien) ein. Am folgenden Tag begibt sie sich zum erstenmal nach Pontevedra (Spanien) für einige Zeit.

10. Dezember 1925. In Pontevedra erscheint die Gottesmutter mit dem Jesuskind der Lucia, um sie zur Verehrung Ihres Unbefleckten Herzens und zur Verbreitung der Übung der ersten Samstage aufzufordern. Jesus sagt: „Habe Mitleid mit dem Herzen deiner Heiligsten Mutter, das mit Dornen überzogen ist, womit die undankbaren Menschen es dauernd durchbohren, ohne daß es jemand gäbe, der einen Sühneakt machen würde, um sie herauszuziehen.“ Darauf sagte die Gottesmutter: „Meine Tochter, sieh Mein Herz von Dornen umgeben, womit die un­dankbaren Menschen es jeden Augenblick durch ihre Gotteslästerungen und durch ihren Undank durchbohren. Suche wenigstens du Mich zu trösten und sage, daß Ich verspreche, in der Todesstunde mit den Gna­den, die zur ewigen Seligkeit notwendig sind, allen denen beizustehen, die am ersten Samstag von fünf aufeinanderfolgenden Monaten beich­ten, die heilige Kommunion empfangen, einen Rosenkranz beten und Mir während fünfzehn Minuten Gesellschaft durch Betrachtung der Rosenkranzgeheimnisse leisten, in der Absicht, mir dadurch Genugtuung zu geben.« Ein ähnliches Versprechen hatte der Herr den Verehrern Seines Heiligsten Herzens gegeben; Er hatte zur heiligen Marga­reta Maria Alacoque (gestorben am 7. Oktober 1690) gesagt: „Ich ver­spreche dir in der übergroßen Barmherzigkeit Meines Herzens, daß seine allmächtige Liebe allen jenen, die neun Monate nacheinander am ersten Freitag kommunizieren, die Gnade eines bußfertigen Endes ge­währen wird, daß sie nicht in Meiner Ungnade und ohne die Sakramente zu empfangen sterben werden und daß es in dieser letzten Stunde ihre sichere Zufluchtsstätte sein wird.“ – Wie unser Herr Lucia zu verstehen gab, sind es fünf Arten von Beleidigungen, die das Unbefleckte Herz Mariens besonders verwunden und die wir durch die religiösen Übun­gen an den fünf ersten Samstagen besonders sühnen sollen: 1. Die Schmähungen gegen die Unbefleckte Empfängnis Mariens. 2. Gegen Ihre Jungfräulichkeit. 3. Gegen Ihre göttliche Mutterschaft, zugleich mit der Ablehnung, Sie als geistige Mutter der Menschen anzuerkennen. 4. Die Sünden derer, die öffentlich versuchen, in den Kinderherzen die Gleich­gültigkeit, die Verachtung und selbst den Haß gegen Sie einzuflößen. 5. Die Sünden derer, die Maria direkt in Ihren heiligen Bildern beleidi­gen (vgl. 13. September 1939, Anhang 7).

12. Mai 1926. Die erste Kerzenprozession in der Cova da Iria.

13. Mai 1926. Die „Herberge der Kranken“ wird seiner Bestimmung über­geben. Sie diente auch als ärztliche Untersuchungsstelle. Zum ersten Rek­tor derselben wurde an diesem Tag Dr. José Maria Pereira Gens von Batalha ernannt, der auch heute noch dieses seines Amtes waltet.

28. Mai 1926. Das portugiesische Militär stürzt ohne Blutvergießen die freimaurerische Regierung.

15. August 1926. Der Erzbischof von Braga besucht Fatima.

2. Oktober 1926. Lucia erhält das Ordenskleid im Noviziatshaus der Dorotheerinnen in Tuy. Sie nennt sich nun Schwester Maria Lúcia das Dores (Maria Lucia von den Schmerzen).

1. November 1926. Der damalige päpstliche Nuntius in Lissabon, Msgr. Nicotra, besucht mit dem Bischof von Leiria unerwartet den Erschei­nungsort. Seither bekannten sich immer mehr Bischöfe zu Fatima.

13. Dezember 1926. Der Bischof von Funchal feiert als erster Bischof in der Cova da Iria die heilige Eucharistie.

15. Dezember 1926. Das Jesuskind erscheint in Tuy erneut der Lucia, die Ihm einige Schwierigkeiten bezüglich der ersten Samstage vorlegt. Der Heiland antwortet: „Ja, die Beichte kann noch viele Tage mehr als acht vorher abgelegt werden, vorausgesetzt, daß man die heilige Kommunion im Stande der Gnade empfängt und dabei die Absicht hat, dem Unbe­fleckten Herzen Mariens Sühne zu leisten.“ Lucia fragt weiter: „Und wenn jemand vergißt, diese Meinung zu erwecken?“ Die Antwort Jesu: „Dann kann man sie bei der nächstfolgenden Beichte machen, indem man die erste Gelegenheit benutzt, die man zum Beichten hat.”

1926. Baubeginn einer geschlossenen Beichtkapelle („Capela das confis­sões“, auch „Penitenciaria“ genannt) anschließend an den „Pavillon der Kranken“.

21. Januar 1927. Die Ritenkongregation gewährt das Privileg, in Fatima die Votivmesse Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz (7. Oktober) zelebrieren zu können.

Juni 1927. Der Bischof von Leiria segnet die Kreuzwegstationen entlang der Straße von Reguengo do Fetal zur Cova da Iria (ein ungefähr 10 km langer Kreuzweg). Es war das erste Mal, daß Dom José an einem öffentlichen religiösen Akt in Fatima teilnahm, und das erst zehn Jahre nach den Erscheinungen!

13. Juli 1927. Der Bischof von Leiria ernennt als ersten Kaplan des Heilig­tums den Padre Manuel de Sousa. Es wird ein kleines Gebäude für ihn errichtet, etwa dort, wo sich heute die Sekretarie des Heiligtums befin­det. Um 1935 wurde dieses Priesterhaus zerstört, um für das damals entstehende Exerzitienhaus Unserer Lieben Frau von den Schmerzen Platz zu machen.

24. Juli 1927. Lucia schreibt an ihre Mutter bezüglich der Übung der ersten Samstage: „ … Ich möchte auch, daß die Mutter mir den Trost gäbe, eine Andacht zu umfangen, die, wie ich weiß, Gott gefällt und die von unserer geliebten himmlischen Mutter erbeten wurde. Gleich, nachdem sie mir bekannt worden war, wünschte ich sie anzunehmen und zu errei­chen, daß alle anderen sie umarmen möchten … Sie besteht nur darin, das zu tun, was auf diesem Bildchen geschrieben steht: Die Beichte kann an einem anderen Tag sein, und die fünfzehn Minuten scheinen mir, Ihnen die meiste Verwirrung zu bereiten; es ist jedoch sehr leicht (zu betrachten). Wer kann nicht an die Geheimnisse des Rosenkranzes den­ken? … Wer kann nicht fünfzehn Minuten diese heiligen Gedanken bei bei der zärtlichsten der Mütter durchdenken? …“ (aus: P. João De Marchi, IMC, „Era uma Senhora mais brilhante que o Sol . . .“, 5. Ausgabe, Seite 317).

17. Dezember 1927. Lucia erbittet von Jesus Klarheit, was sie von der Botschaft Mariens aufschreiben solle. Darauf Jesus: „Meine Tochter, schreibe auf, um was man dich bittet; und alles, was dir die Heiligste Jungfrau in der Erscheinung offenbarte, in der Sie zu dir über diese Andacht (der ersten Samstage) sprach, schreibe ebenfalls auf; was den Rest des Geheimnisses angeht, bewahre weiterhin Schweigen.“

15. Januar 1928. Der Bischof von Leiria errichtet kanonisch die Bruder­schaft Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz von Fatima.

13. Mai 1928. Der Erzbischof von Évora segnet den Grundstein der Basi­lika.

13. Juni 1928. Fertigstellung der Beichtkapelle in der Cova da Iria.

3. Oktober 1928. Lucia legt im Institut der heiligen Dorothea zu Tuy die ersten zeitlichen Gelübde ab. Niemand außer ihrer Oberin und ihrem Beichtvater weiß, daß sie eines der Seherkinder war, denen die heilige Jungfrau in Fatima erschien. Der Bischof von Leiria hatte ihr seit ihrem Weggang von daheim (17. Mai 1921) befohlen, weder über sich noch über die Erscheinungen von Fatima zu sprechen. Lucia gehorchte, wenn auch unter großem Opfer.

28. Oktober 1928. Weihe Portugals an das Heiligste Herz Jesu durch die Bischöfe dieses Landes.

Oktober 1928. Msgr. Dr. Formigão, einer der Hauptzeugen und Bericht­erstatter der Ereignisse in Fatima, versucht in den Klöstern von Porto die Übung der fünf ersten Samstage zu verbreiten. Auch aus dieser Tatsache ergibt sich, daß diese Übung nicht erst aus dem Jahre 1939 stammt.

9. Januar 1929. Papst Pius XI. verteilt an Alumnen des portugiesischen Kollegs in Rom Bildchen Unserer Lieben Frau von Fatima.

Januar 1929. Dom Domingos Maria Frutuoso OP, Bischof von Porta­legre, kommt nach Rom zu einem Besuch „ad limina“. Er war der ein­zige Bischof von Portugal, der noch nicht an Fatima glaubte. Als er in Rom erfährt, was der Heilige Vater kurz vorher (9. Januar 1929) tat, gibt er sich geschlagen und glaubt an die Erscheinungen in Fatima.

14. April 1929. Letzte Sitzung der bischöflichen Kommission, die die Echt­heit der Erscheinungen zu prüfen hatte.

12. Mai 1929. Der Präsident der portugiesischen Republik, General António Oscar de Fragoso Carmona, besucht den Gnadenort.

13. Mai 1929. Eröffnung des Krankenhauses Unserer Lieben Frau von den Schmerzen. Dr. Ludwig Fischer, Professor der Kirchengeschichte an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Bamberg, der Vor­kämpfer der Fatima-Bewegung in Deutschland, nimmt an dieser Wall­fahrt teil.

Holy Trinity

Juni 1929. Lucia erhält in Tuy eine Vision der Heiligsten Dreifaltigkeit und Unserer Lieben Frau von Fatima bezüglich der Weihe Rußlands an das Unbefleckte Herz Mariens. Lucia berichtet: „ … Plötzlich erhellte sich die ganze Kapelle mit einem übernatürlichen Licht, das bis zur Decke hinaufreichte. In einem klareren Licht sah man im oberen Teil des Kreuzes das Antlitz und den Oberkörper eines Menschen, über der Brust eine Taube, auch aus Licht, und an das Kreuz genagelt den Körper eines anderen Menschen. Ein wenig unterhalb der Höhe der Hüften, in der Luft schwebend, sah man einen Kelch und eine große Hostie, auf die einige Tropfen Blutes fielen, die über das Gesicht des Gekreuzigten und aus einer Brustwunde herabliefen. Von der Hostie herabgleitend fielen diese Tropfen in den Kelch. Unter dem rechten Arm des Kreuzes stand Unsere Liebe Frau (es war Unsere Liebe Frau von Fatima mit Ihrem Unbefleckten Herzen … in der linken Hand … ohne Schwert und Ro­sen, jedoch mit einer Dornenkrone und Flammen …) mit Ihrem Unbe­fleckten Herzen in der Hand … Unter dem linken Arm des Kreuzes bildeten einige große Buchstaben — gleichsam als wären sie aus kristall­klarem Wasser gewesen, das, auf den Altar herabgeflossen wäre — die Worte„ Gnade und Barmherzigkeit“. Ich verstand, daß mir das Geheim­nis der Heiligsten Dreifaltigkeit gezeigt worden war, und ich empfing Er­leuchtungen über dieses Geheimnis, die zu offenbaren mir nicht gestattet ist. Hernach sagte mir Unsere Liebe Frau: „Es ist der Zeitpunkt gekom­men, in dem Gott den Heiligen Vater bittet, in Vereinigung mit allen Bischöfen der Welt die Weihe Rußlands an Mein Unbeflecktes Herz zu vollziehen, indem Er verspricht, es durch dieses Mittel zu retten. Es sind so viele Seelen, die die Gerechtigkeit Gottes wegen der Sünden ver­dammt, die gegen Mich begangen werden, so daß Ich um Sühne zu bit­ten komme; opfere dich für diese Meinung und bete.“ Später erhielt Lucia eine innere Mitteilung des Herrn, der sich beklagte: „Sie wollten nicht achtgeben auf Meine Bitte … Wie der König von Frankreich wer­den sie in sich gehen und sprechen, aber es wird zu spät sein. Rußland wird bald seine Irrtümer in der Welt ausgestreut haben . . . “ (vgl. 2. Dezember 1940, 3. Februar 1964).

6. Dezember 1929. Papst Pius XI. segnet die Statue Unserer Lieben Frau von Fatima, die sich heute in der Kapelle des portugiesischen Kollegs in Rom befindet. Dies geschah also schon, bevor der Bischof von Leiria die Erscheinungen der Gottesmutter in Fatima gutgeheißen hatte, was am 13. Oktober 1930 geschah.

29. Mai 1930. Lucia schreibt in einem Brief an den Jesuitenpater José Bernardo Gonçalves: „ … Wenn ich mich nicht täusche, verspricht der gute Gott, die Verfolgung in Rußland zu beenden, wenn der Heilige Vater einen feierlichen und öffentlichen Akt der Sühne und der Weihe Ruß­lands an die Heiligsten Herzen Jesu und Mariens durchzuführen sich herabließe und anordnen würde, daß in gleicher Weise die Bischöfe der katholischen Welt ihn machen sollten . .“

11. Juni 1930. Lucia schreibt an ihre Mutter, wahrscheinlich auf die Er­scheinung des Juni 1929 bezugnehmend: „Vor diesem Vorbild (dem Gekreuzigten) umarmen wir unser Kreuz mit Liebe, indem wir so ver­suchen, Ihm zu helfen die Welt zu retten. In besonderer Weise bringen wir unsere Opfer dar für die Bekehrung des armen Rußlands.“

12. Juni 1930. Im authentischen Dokument von diesem Tag stehen fol­gende Worte des Herrn bezüglich der Übung der fünf ersten Samstage: „Gleicherweise wird die Übung dieser Andacht am Sonntag angenom­men, der auf den ersten Samstag folgt, wenn es Meine Priester aus hinreichenden Gründen so den Seelen gewähren.“

1.Oktober 1930. Papst Pius XI. gewährt Ablässe für die Besucher des Heiligtums.

13. Oktober 1930. Der Bischof von Leiria hält es in Anwesenheit einer großen Menschenmenge in der Cova da Iria für gut:

  1. die Visionen als glaubwürdig zu erklären, welche die Kinder in der Mulde von Iria, Pfarrei Fatima, in dieser Diözese, an jedem Dreizehn­ten vom Mai bis Oktober 1917 hatten;
  2. offiziell die Verehrung Unserer Lieben Frau von Fatima zu erlauben.

11. Februar 1931. Msgr. Dr. Jacobus von Hauck, Erzbischof von Bam­berg, billigt den zu gründenden Fatima-Verlag.

13. April 1931. Erste offizielle ausländische Wallfahrt: Sie kam aus Mün­chen unter der Leitung von Msgr. Michael Hartig, einem Domherrn der Bischofskirche dieser Stadt.

13. Mai 1931. Nationale Wallfahrt und Weihe Portugals an das Unbe­fleckte Herz Mariens durch die Prälaten dieses Landes. (Bezüglich der Wichtigkeit dieser Weihe für dieses Land Portugal – als Vorbild für andere Länder – vgl. 6. Februar 1939, 13. Mai 1956, 29. Juni 1956, 24. Februar 1960, 11. Februar 1967, Anhang 4.)

13. August 1931. Hochschulprofessor Dr. Ludwig Fischer gründet den Fatima-Verlag. Im Laufe der Zeit gab dieser Kirchenhistoriker ein paar Bücher über Fatima heraus und auch die Monatszeitschrift „Bote von Fatima“ (Bezugsstelle: Herr Hugo Winkler, Bankbevollmächtigter, 78 Freiburg i. Br., Okenstraße 27).

13. Mai 1932. Segnung des Herz-Jesu-Monumentes in der Mitte der Cova da Iria über der ersten Zisterne durch Msgr. Beda Cardinale, den dama­ligen Apostolischen Nuntius in Portugal, und Weihe des Heiligtums an das Heiligste Herz Jesu.

13. August 1932. Erste offizielle Wallfahrt der Diözese Leiria.

13. Mai 1933. In Kowloon-Tong (China) nehmen elf Bischöfe (unter ihnen neun chinesische: sechs schon geweihte und drei ernannte) an einer Prozession zu Ehren Unserer Lieben Frau von Fatima teil.

10. November 1933. Papst Pius XI. weist in seinem Apostolischen Schrei­ben „Ex officiosis litteris“ an den Kardinal von Lissabon auf Fatima mit den Worten hin: „ … Dieser Nation hat die jungfräuliche Gottes­mutter noch jüngst außergewöhnliche Wohltaten erwiesen …“ (A. A. S. 26, 1934, 628).

1933. Beginn des Baues des Exerzitienhauses Unserer Lieben Frau von den Schmerzen, das wie das Krankenhaus Unserer Lieben Frau von den Schmerzen auf der rechten Seite der Cova da Iria – von der Basi­lika aus gesehen – liegt.

18. bis 25. April 1934. Zum ersten Male macht der portugiesische Episkopat seine geistlichen Jahresübungen (Exerzitien) in Fatima.

3. Oktober 1934. Lucia legt zu Tuy im Orden der heiligen Dorothea die ewigen Gelübde ab. Der Bischof von Leiria, der den feierlichen Akt lei­tet, hebt zugleich den Schweigebefehl für sie auf. (Dreizehn Jahremußte sie schweigen!) Am 9. Oktober 1934 wird sie für mehr als zwei Jahre zum zweiten Male nach Pontevedra gesandt.

28. Oktober 1934. Lucia spricht in einem Brief an den Jesuitenpater José Bernardo Gonçalves erneut über Rußland: „Über die Weihe Rußlands habe ich vergessen, jetzt darüber mit dem Herrn Bischof zu sprechen (Dom José, der Bischof von Leiria, war gekommen, um am 3. Oktober 1934 der Gelübdefeier vorzustehen), was mir unglaublich erscheint. Ge­duld! Es tut mir leid, daß es so gekommen ist, denn ich glaube, daß der gute Gott darüber betrübt ist. Ich kann jedoch nicht mehr machen als beten und mich aus Liebe opfern . . .“

21. Januar 1935. Lucia schreibt ferner über Rußland dem P. Gonalves SJ: „ … Was Rußland betrifft, so scheint es mir, daß es unserm Herrn viel Freude bereiten würde, wenn man sich dafür einsetzte, daß der Heilige Vater Seinen Wunsch erfülle. Vor rund drei Jahren zeigte sich unser Herr ziemlich unzufrieden, daß sich diese Bitte nicht verwirklicht. In einem Brief an den Herrn Bischof ließ ich es ihn wissen … bis heute hat mich unser Herr um nichts mehr gebeten, außer um Gebet und Opfer. Zuinnerst mit Ihm sprechend, scheint es mir, daß Er bereit ist, dem ar­men Rußland gegenüber Barmherzigkeit walten zu lassen, wie Er es vor fünf Jahren versprochen hat …“ (vgl. 29. Mai 1930).

12. September 1935. Der Leichnam Jacintas, deren Gesicht in diesem Au­genblick schön, unversehrt und vollkommen erkennbar erscheint (das scheint unerklärbar; denn vor fünfzehn Jahren schon war Jacinta an einer ansteckenden und eitrigen Krankheit gestorben und ihr Leichnam mit einer dicken Kalkschicht überdeckt worden), wird von Vila Nova de Ourém zur Cova da Iria gebracht. Der Erzbischof von Évora zele­briert in der Kapelle der Pönitentiarie eine heilige Messe in Anwesen­heit dieses Leichnams der Jacinta und auch des ihres Bruders Francisco. (Er war vom Ortsfriedhof hierher gebracht worden.) Tags darauf wur­den die sterblichen Überreste dieser Seherkinder in einer Grabgruft im Ortsfriedhof Fatima beigesetzt.

13. Mai 1936. Der portugiesische Episkopat macht in Fatima das Gelübde, daß er geschlossen wieder hierher pilgern würde, falls Portugal vor dem Kommunismus, der ganz Europa bedroht, verschont bliebe.

18. Mai 1936. Lucia schreibt in einem Brief (diese Briefe Lucias befinden sich heute zum Großteil in der Diözesankurie in Leiria): „Das Unbe­fleckte Herz Mariens wird Rußland retten. Es ist ihm anvertraut.“

1936. Bekanntwerden der Engelserscheinungen 1916 (vgl. Anhang 1).

1936. Lucia schreibt den ersten ihrer vier Berichte an den Bischof von Leiria. In diesem berichtet sie hauptsächlich über das Leben ihrer Cousine Jacinta.

13. Mai 1937. Heilung der Frau Maria Glória Ferreira da Rocha Malheiro; ihr Beichtvater hatte ihr befohlen, nach Fatima zu gehen und dort um ihre Genesung zu bitten, falls dies zur Verherrlichung des seligen (seit 22. Juni 1947 heiligen) Johannes von Britto gereiche. Pius XII. aner­kannte diese Heilung durch ein Dekret vom 30. Juni 1941 (A. A. S. 33, 1941, 403).

1937 oder 1938. Lucia schickt ihren zweiten Bericht an den Bischof von Leiria. Sie erzählt aus Gehorsam etwas aus ihrem eigenen Leben und bringt einen kurzen Hinweis auf die Engelserscheinungen.

13. Mai 1938. Das Gelübde, das zwei Jahre vorher gemacht wurde, wird durch eine nationale Wallfahrt und durch Erneuerung der Weihe Portu­gals an das Unbefleckte Herz Mariens erfüllt. An diesem Tag geht auch eine Bittschrift der portugiesischen Bischöfe nach Rom, die Welt dem Herzen Mariens zu weihen, „um sie vor den drohenden Gefahren zu rerrn und ihr durch die Vermittlung Mariens den Frieden Christi im Reiche Christi zu schenken“.

13. Juni 1938. Plötzliche Heilung des Fräuleins Maria da Glória Teixeira während des Krankensegens (vgl. „Voz da Fátima“, 13. Juli 1938).

1938. Beim Hauptportal der Basilika wird das Mosaik angebracht, das die Krönung Mariens durch die Heiligste Dreifaltigkeit darstellt. Dieses Bildnis war in der Vatikanischen Mosaikfabrik hergestellt und vom Staatssekretär Pius‘ XI., Kardinal Pacelli, dem späteren Papst Pius XII., gesegnet worden. Pius XI., der damals gerade krank war, hatte ihn dazu delegiert.

6. Februar 1939. Lucia schreibt: „In einer vertraulichen Mitteilung hat unser Herr zu verstehen gegeben, daß die Zeit der Gnade, von der Er im Mai 1938 gesprochen hatte, allmählich zu Ende gehe. Der Krieg mit allen seinen Schrecknissen, die er im Gefolge habe, werde bald aus­brechen … Er versprach einen besonderen Schutz des Unbefleckten Herzens Mariens für Portugal mit Rücksicht auf die Weihe, die die Bischöfe mit dem Volke an dieses Unbefleckte Herz vollzogen haben .. . Da indessen auch Portugal nicht ohne Schuld ist, muß es auch einige Auswirkungen des Krieges erdulden. Dieser wird zu Ende gehen, wenn die Zahl und das Blut der Gemarterten Meine Gerechtigkeit besänftigt haben.“

Der Kardinal von Lissabon erklärte am 29. Juni 1956 und 24. Februar 1960, in seinen Händen dieses Dokument gehabt zu haben – wie auch ein anderes, nämlich den Brief Lucias an Papst Pius XII. vom 2. Dezember 1940, worin auch auf den Schutz Mariens über Portugal während des Zweiten Weltkrieges wegen der Weihe dieses Landes an Ihr Mutterherz hingewiesen wird (vgl. 29. Juni 1956, 24. Februar 1960, 11. Februar 1967, Anhang 4).

19. März 1939. Lucia schreibt an P. Aparicio SJ, der zeitweise ihr Beicht­vater war: „Von der Übung dieser Andacht (der ersten Samstage), ver­eint mit der Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens, hängt Krieg oder Frieden in der Welt ab; deshalb ersehne ich so sehr ihre Verbreitung und besonders deswegen, weil das der Wille unseres guten Gottes und unserer so geliebten Mutter im Himmel ist.“

März oder Mai 1939. Der Herr sagt in einer Mitteilung zu Lucia: „Bitte, dränge aufs neue, daß die Sühnekommunion zu Ehren des Unbefleckten Herzens Mariens an den ersten Samstagen bekannt werde. Der Augen­blick nähert sich, in dem die Strenge Meiner Gerechtigkeit im Begriffe ist, die Vergehen der verschiedenen Nationen zu strafen. Einige werden ausgerottet. Zuletzt wird die Härte Meiner Gerechtigkeit schärfer auf jene fallen, die Mein Reich in den Seelen zerstörten.“

13. Mai 1939. Plötzliche Heilung des Fräuleins Gracinda Martins da Costa (vgl. „Voz da Fatima“, 13. Juni 1939).

20. Juni 1939. Lucia schreibt an P. Aparicio SJ: „Unsere Liebe Frau ver­sprach, die Geißel des Krieges auf später zu verschieben, falls die An­dachtsübung (der ersten Samstage) verbreitet und geübt würde. Wir sehen sie dieses Strafgericht abwenden in dem Maße, als man sich be­müht, sie zu verbreiten: Ich habe jedoch Angst, daß wir mehr tun könnten, als wir machen, und daß Gott, wenig zufrieden damit, den Arm Seiner Barmherzigkeit zurückzieht und die Welt mit diesem Straf­gericht heimsucht, das so furchtbar sein wird, wie es noch nie eines gab …“

13. September 1939. Der Bischof von Leiria veröffentlicht in Fatima die Bitte Unserer Lieben Frau bezüglich der fünf ersten Samstage (vielleicht wurde er dazu durch den Kriegsausbruch am 1. September 1939 ent­scheidend beeinflußt, vgl. Anhang 7).

21. Februar 1940. Lucia schreibt an P. Aparicio SJ: „ Durch unsern Herrn, durch den Herrn Bischof von Leiria und durch … bin ich mehr oder minder im Bilde über alles, was man für die Rettung Rußlands und für die Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens unter­nommen hat und machen soll … Es tut mir leid, daß man trotz des Gnadenanspornes des göttlichen Heiligen Geistes diese Weihe noch nicht vollzogen hat.

Auch unser Herr beklagt sich darüber. Wegen dieses Aktes hätte Er Seine Gerechtigkeit besänftigt und die Welt vor dieser Kriegsgeißel ver­schont.

Bevor er ausbrach, berichtete ich das in sehr klaren Ausdrücken in einem Brief an den Herrn Bischof …

Doch Gott, unser Herr, ist so gut, daß Er uns gegenüber immer Barm­herzigkeit walten läßt. Gebe Gott daher, daß jetzt bald dieser Augen­blick eintreten möge …

Es ist also Wille unseres Herrn, daß man beim Heiligen Stuhl die Bitte um diese Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens erneuere. Der Krieg wird erst dann aufhören, wann das Blut, das von den Martyrern ver­gossen wird, genug sein wird, um die göttliche Gerechtigkeit zu be­sänftigen, es sei denn, daß die Vermittlung dieses Aktes (der Weihe), durch den uns der Friede gewährt wird“, durch Vollzug eben dieses Aktes zur Geltung kommt.

20. April 1940. Die in Fatima versammelten Bischöfe Portugals machen das Gelübde, bei Lissabon eine große Christ-König-Statue errichten zu lassen, falls Portugal vor dem Zweiten Weltkrieg verschont würde (vgl. 17. Mai 1959).

7. Mai 1940. In Rom wird das Konkordat und der „Acordo Missionario“, die Übereinkunft bezüglich der katholischen Missionen, zwischen dem Heiligen Stuhl und der portugiesischen Republik unterzeichnet (A. A. S. 32, 1940, 217 bis 245). Das Konkordat war vorher durch das „Gesetz der Trennung“ aufgehoben worden, 1759 waren die Jesuiten außer Lan­des verwiesen und 1834 alle Klöster und Häuser von Regularen (d. h. Ordensleuten mit feierlichen Gelübden) aufgehoben worden.

13. Mai 1940. Plötzliche Heilung der Frau Dulce Magalhães Moreira de Sá während des Krankensegens (vgl. „Voz da Fatima“, 13. Oktober und 13. November 1941).

13. Juni 1940. In seinem Rundschreiben „Saeculo exeunte octavo“ an die Bischöfe Portugals spricht Pius XII. auch über Fatima; er fordert die Gläubigen auf, die Gottesmutter um gute Missionsberufe anzuflehen, „besonders wenn sie den Rosenkranz beten, der so sehr von der Allerseligsten Jungfrau Maria in Fatima empfohlen wurde“ (A. A. S. 32, 1940, 253).

18. August 1940. Lucia schreibt: „Ich vermute, daß es nach dem Wohlge­fallen unseres Herrn ist, daß es jemand gibt, der sich allmählich bei Seinem Stellvertreter auf Erden für die Verwirklichung Seiner Wünsche (Weihe Rußlands und der ganzen Welt an das Unbefleckte Herz Mariens) einsetzt. Aber der Heilige Vater wird sie jetzt nicht verwirklichen; er zweifelt an der Wirklichkeit (Echtheit dieser Wünsche) und er hat Grund dazu. Unser guter Gott könnte (ihm) mittels eines Wunders zeigen, daß Er es ist, der ihn darum bittet; er bedient sich aber dieser Zeit, damit Seine Gerechtigkeit die Welt wegen so vieler Verbrechen strafe und zu einer vollkommeneren Rückkehr zu Ihm vorbereite. Den Beweis, den Er uns gewährt, ist der besondere Schutz des Unbefleckten Herzens Mariens über Portugal wegen der an es vollzogenen Weihe … Deshalb würde ich es für gut finden, den Personen neben einem großen Vertrauen in die Barmherzigkeit unseres guten Gottes und in den Schutz des Unbefleckten Herzens Mariens die Notwendigkeit des Gebetes einzuschärfen, das vom Opfer begleitet ist, besonders von jenem, das man bringen muß, um die Sünde zu vermeiden. Das ist die Bitte unserer guten himmlischen Mutter seit 1917, die mit einer Traurigkeit und unerklärbaren Zartheit aus Ihrem Unbefleckten Herzen hervorkam: Die Leute sollen nicht mehr ,unseren Herrn‘ beleidigen, der schon sehr beleidigt ist!“

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Quelle: P. Hermann Netter SVD – 50 Jahre Fatima, S. 037-056

Digitalisierung von mir [POS]

(Fortsetzung folgt!)

Der vergessene Teil der Botschaft von Fatima

Collegial-Consecration

Ende Dezember 2014 er­schien in der amerikanischen Internetzeitung Spirit Daily ein langer Artikel von Richard L. Russell mit der Überschrift: „Wurde Russland Maria ge­weiht?“ Nun, diese Frage taucht immer wieder neu auf und beschäftigt viele Gläubi­ge (und auch andere Kreise). Wir haben den Präsidenten des Internationalen Fatima­Weltapostolats, Prof. Americo Pablo Lopez-Ortiz um seine Meinung gefragt. Vorerst aber noch die im Zusammenhang mit der „Russland-Weihe“ so wichtige Stelle aus der Bot­schaft vom 13. Juli 1917 an die Seherkinder von Fatima:

….Wenn ihr eine Nacht erhellt sehen werdet durch ein unbe­kanntes Licht, dann wisset, dass dies das grosse Zeichen ist, das Gott euch gibt, dass er nun die Welt für ihre Misseta­ten durch Krieg, Hungersnot, Verfolgung der Kirche und des Heiligen Vaters strafen wird.

Um das zu verhindern, werde ich kommen, um die Weihe Russlands an mein Unbe­flecktes Herz und die Süh­nekommunion an den ers­ten Samstagen einzuführen. Wenn man auf meine Wün­sche hört, wird Russland sich bekehren, und es wird Friede sein, wenn nicht…

… dann wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird es Kriege und Verfolgungen der Kirche herauf beschwören, die Guten werden gemartert werden und der Heilige Vater wird viel zu leiden haben; ver­schiedene Nationen werden vernichtet werden; am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren.

Die effektive Aufforderung für diese Weihe erfolgte dann in der Erscheinung an Sr. Lu­cia vom 13. Juni 1929 in Tuy, Spanien:

„Es ist der Augenblick gekom­men, in dem Gott den Heiligen Vater auffordert, in Vereini­gung mit allen Bischöfen der Welt die Weihe Russlands an mein Unbeflecktes Herz zu vollziehen; ER verspricht, es durch dieses Mittel zu ret­ten. So viele Seelen werden von der Gerechtigkeit Gottes wegen der Sünden, die gegen mich begangen werden, verdammt, so dass ich komme, um Sühne zu bitten. Opfere dich für diese Meinung und bete.“

Prof Arnerico:

Die Geschichte Fatimas ist die Geschichte der menschli­chen Entsprechung mit der Gnade und Barmherzigkeit Gottes.

Sie werden sich erinnern, dass unsere Frau von Fatima den Kindern nach deren Gefan­gennahme vom 13. August 1917 und der dadurch nicht möglichen Erscheinung in der

Cova da Iria nachher mitge­teilt hatte, dass das für die letzte Erscheinung von Okto­ber 1917 in Aussicht gestellte Wunder wegen dieses Vor­falls kleiner ausfallen werde, weil Gott durch die Entfüh­rung und Einsperrung der drei Seherkinder im Gefängnis zu sehr beleidigt worden sei. Die Entsprechung der Menschen mit Gottes Gnade und seiner Barmherzigkeit sind für die geschichtlichen Entwicklun­gen der Menschheit entschei­dend.

Die Weihe der Welt und „jener Nationen, die der Barmherzigkeit Gottes am meisten bedürfen“ wurde durch den Heiligen Papst Jo­hannes Paul II. am 25. März 1984 vollzogen. Der Papst flüsterte den Namen „Russland“ im Moment der Weihe vor der von Fatima für diesen Anlass extra herbeige­brachten Originalstatue Unse­rer Frau von Fatima. Obschon der Weihetext kein Land speziell aufführte, er­wähnte Papst Johannes Paul II. – inspiriert durch den Heili­gen Geist – die Namen von Russland und seinem Vater­land Polen. Und kurz darauf traten die grossen unerwarte­ten Veränderungen ein! Unsere Frau hält ihre Verspre­chen.

Es war die von Unserer Frau verlangte gemeinsame Weihe.

Mehr als 2’600 katholische Bischöfe der Welt und viele Bischöfe der Russisch— und Griechisch Orthodoxen Kir­che waren mit Papst Johannes Paul II. an jenem glorreichen Tag vereinigt (dies gemäss Aussagen von Erzbischof Paul Hnilica). Es war ein kollegia­ler Akt der Bischöfe der Welt zusammen mit dem Nachfol­ger des Hl. Petrus, dem Bi­schof von Rom, zum Trost und zur Sühne des Unbefleck­ten Herzens Mariens. Diese Weihe „wurde vom Himmel akzeptiert“; es war die von Unserer Frau verlangte Wei­he. Weshalb wissen wir das?

Ich bin ein persönlicher  Zeuge, da ich das Privileg hatte, mit Schwester Lucia über diesen Punkt im Karmelitenkloster von Coimbra zu sprechen.

Schwester Lucia, die Botin und Jüngerin des Unbefleckten Herzens Mariens, sagte es so!

Die Wirkungen dieser kollegi­alen Weihe waren höchst be­eindruckend: Der Kollaps der Sowjetunion ohne Blutvergie­ssen und jener des Eisernen Vorhangs und der darauf fol­genden Öffnung dieser Länder für das Evangelium Jesu Christi, die Wiedergeburt der religiösen Bräuche und das Leben der Kirche als Folge der öffentlichen Ablehnung des Atheismus. Sogar die kommunistische Partei wurde geächtet! Die Berliner-Mauer wurde niedergerissen und Deutschland anschliessend wieder vereint unter Beseiti­gung der grossen Auswirkun­gen der ideologischen Kon­frontation nach dem Zweiten Weltkrieg.

Ferner wurde im Jahr 1985 ein Atomkrieg verhindert gemäss einem Schreiben von Schwester Lucia an Papst Jo­hannes Paul II. und Enthül­lungen durch Geheimdienst­kreise aus der Ära des „Kalten Krieges“. Dieses historische Geschehen sollte eigentlich als das ZWEITE MARIANISCHE LEPANTO bezeichnet werden: ein grosser Sieg Unserer Frau von Fatima, das grosse Wun­der des zwanzigsten Jahr­hunderts.

Haben die Gläubigen und die Hierarchie auf diese nach der kollegialen Weihe erfolgten enormen Auswirkungen adä­quat reagiert? Der Papst zeichnete sich in seiner Rolle offensichtlich aus. Aber nicht die anderen!!! Die Entspre­chung der Gnade war kurz. Und so wird die Bekehrung Russlands vermindert. Sie wird langsamer, weil es an der liebenden Dankbarkeit fehlt, die eine solch riesige Gnade und Barmherzigkeit verdient hätte!

Nichtsdestotrotz waren die unglaublichen Auswirkungen wegen ihrer Geschwindigkeit und friedlichen Revolution erstaunlich. Die Strukturen zerfielen und die Völker wurden frei, ihren Glauben nach so vielen Jahren der Unter­drückung zu praktizieren.

Russlands Revolution (von 1917) konnte das 75-jährige Bestehen nicht feiern, ganz im Gegensatz zu Fatima, und wir befinden uns bereits nahe an den Hundertjahrfei­ern der Erscheinungen. Die Menschheit sollte Gott nicht mit den gleichen Mängeln se­hen, wie wir sie alle haben:

GOTT IST NICHT KLEINLICH. GOTT IST NICHT AUF RITUA­LE UND ZEREMONIEN ANGE­WIESEN. GOTT BRAUCHT KEI­NE MAGISCHEN FORMELN, UM SEINEN WILLEN ZU ER­FÜLLEN. GOTT WIRD DIE GE­WÄHRUNG SEINER GUNST GEGENÜBER SEINEM VOLK NICHT DESWEGEN EIN­SCHRÄNKEN, WEIL IM WEIHE-TEXT EIN WORT ODER EIN NAME FEHLT!

Worauf es ankommt ist, was der Papst und die Bischöfe in ihren Herzen bewegte, als sie den Brief von Papst Johannes Paul II. unterzeichneten, der ihre Einheit mit ihm wünsch­te, um diesen einzigartigen Akt der Wiedergutmachung an das Unbefleckte Herz Ma­riens zu erfüllen. Diese Wei­he ist für immer gültig; es ist ein religiöser Tugendakt, der seine Wirkungen auf immer entfaltet. (Siehe Weihetext des Papstes).

Wir alle spielen in diesem un­heimlichen Kampf zwischen den Kräften der FRAU und jenen des roten Drachens (Offenbarung, 12. Kapitel) eine wichtige Rolle, auf die wir uns konzentrieren müs­sen. Unsere Frau verlangte unsere Bekehrung, eine Ände­rung unserer Einstellungen und unserer Wertvorstellun­gen, unserer Neu-Evange­lisierung und unserer Abkehr von den Sünden. Unsere Frau verlangte das meditative Ge­bet, ganz besonders das tägli­che Rosenkranzgebet, die Be­trachtung der Geheimnisse Gottes, seiner Liebe, Gnade und Barmherzigkeit. Sie ver­langte auch das tägliche Opfer und die Heiligung unserer täglichen Aufgaben, das Tra­gen unseres persönlichen Kreuzes als Jünger von Jesus Christus, indem wir seine wahre Liebe und Barmherzig­keit anderen gegenüber be­zeugen. Unsere Liebe Frau wünschte unsere persönliche Weihe an ihr Unbeflecktes Herz, die Erneuerung der Taufgnaden und das Tragen des Braunen Skapuliers, um zu zeigen, dass wir ihr gehö­ren und so ihren Schutz in diesem Leben, in der Todes­stunde und nach unserem Tod erfahren!

Schliesslich wünschte sie die Andacht der‘ fünf ersten Mo­natssamstage als Bedingung zur Beschleunigung und Un­terstützung des Triumphs ih­res Unbefleckten Herzens. Dies muss für die Universale Kirche erweitert werden, so wie die Herz-Jesu-Verehrung und die neun ersten Freitage des Monats, die bereits in der ganzen Welt praktiziert wer­den. Schwester Lucia hat klar festgehalten, dass der Tri­umph kommen wird, wenn die Andacht der ersten Sams­tage des Monats in der gan­zen Kirche praktiziert werde.

DIES IST DER VERGESSENE TEIL DER BOTSCHAFT VON FATIMA.

Prof. Américo Pablo Lopez­ Ortiz, übersetzt durch G. Inglin

Ergänzung: Beten wir da­rum, dass die Bitte der Herz­Mariä-Sühnesamstage auch zu einem Herzens-Anliegen des Papstes und der Bischöfe wird. Dann ist die Umsetzung der von Jesus selber ge­wünschten Sühneandacht für die Universal-Kirche nicht mehr weit weg.

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Quelle: Schweizer Fatima-Bote 2/2015 15. Jahrgang (Nr. 64)

Siehe auch:

WICHTIGE ERKLÄRUNGEN VON SR. LUZIA AN ZWEI KARDINÄLE

Irmã Lúcia, D. Serafim e João Paulo II 13.5.2000

Schwester Lucia, Bischof Serafim und Johannes Paul II. am 13. Mai 2000


Sr. Lucia antwortet auf Fragen zweier Kardinäle zwei Jahre vor der Veröffentlichung des 3. Fatima-Geheimnisses und nach der Weltweihe durch den Papst.

Ist an ihrem Todestag der „Vierte Tag der Woche von Fatima“ angebrochen?

Sr. Lucia:

Der dritte – atomare – Weltkrieg hätte 1985 stattfinden sollen!

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In der spanischen Ausgabe vom Mai-Juni 1998 der Zeitschrift „Sol de Fatima“ (Sonne von Fatima) erschien eine Zusammenfassung der Antworten, die mit Genehmigung der portugiesischen Zeitschrift „Christus“ abgedruckt wurde. Es handelt sich um wichtige Erklärungen von Sr. Lucia an zwei Kardinäle, Anthony Padiyara von Ernaculan (Indien) und Ricardo Vidal von Cebu, Philippinen, während der letzten drei Jahre [also 1995-1997?, Red.] bei ihren zahlreichen Besuchen im Karmel von Coimbra.

Wurde die Weihe Russlands wie von Unserer Lieben Frau (ULF) am 13.6.1929 gewünscht, von Papst Johannes Paul II. am 25.3.1984 vollzogen?

Ja. Die Weihe war teilweise bereits vollzogen worden. Papst Pius XII. vollzog sie am 31.10.1942, doch es fehlte noch die Vereinigung mit allen Bischöfen der Welt, was Papst Johannes Paul II. schliesslich 1984 erreichte. Papst Paul VI. fragte mich auch, ob die Weihe von 1942 dem Wunsch ULF entsprochen habe. Ich verneinte und erklärte ihm, dass jeder Bischof in seiner eigenen Diözese anwesend (und mit dem Papst verbunden) sein solle und nicht an einem einzigen Ort, denn die Weihe sei ein Ruf zur Vereinigung mit dem Volk Gottes gewesen. 1982 vollzog der gegenwärtige Papst (Johannes Paul II.) die Weihe in Fatima.

Und die Schwester war anwesend?

Ja, aber an dieser Weihe war die Vereinigung mit allen Bischöfen nicht vollständig. Später, 1984, lud Papst Johannes Paul II. sämtliche Bischöfe ein, sich mit ihm an der Weihe zu vereinigen, was sich am 25. März 1984 verwirklichte. Der Papst verfügte, dass sich alle Bischöfe während des Weiheaktes mit dem Hl. Vater vor dem Bild Unserer Frau von Fatima, das sich im Heiligtum von Fatima befindet, vereinigen sollten.

Was ist mit den Bischöfen, welche die Einladung zu spät erhielten, sie nicht beachteten und entschieden, am Akt nicht teilzunehmen?

Wir können nicht sagen, dass jene Bischöfe, die nicht teilnahmen, eine Sünde oder einen Fehler begangen haben. Die meisten Bischöfe waren mit dem Papst in diesem Weiheakt vereint. Die Ortschaften der ganzen Welt und jede Diözese waren mit den Bischöfen und die Bischöfe ihrerseits mit dem Papst vereint. Damals war diese Weihe die grosse Vereinigung des Volkes Gottes. All dies trug dazu bei, dass die Weihe durch Unsere Frau angenommen wurde.

Musste jedoch Russland nicht spezifisch erwähnt werden, und hatte dies ULF nicht gesagt?

Es war schon Russland gemeint, als der Papst im Text der Weihe von 1984 sagte: „Jene Völker*. Diejenigen, die vom Wunsch der Weihe Russlands Kenntnis hatten, wussten, worauf er sich bezog und der allwissende Gott wusste ebenfalls, dass die Absicht des Papstes Russland war und er sich bei der Weihe auf Russland bezog. Wichtig ist die Absicht.

Aber wollte ULF nicht, dass Russland explizit erwähnt werde?

Unsere Frau verlangte nie, dass Russland explizit beim Namen genannt werde. Zu jener Zeit wusste ich nicht einmal, was Russland sei. Wir dachten, es handle sich um eine böse Frau. Was zählt, ist die Absicht des Papstes, und die Bischöfe wussten, dass der Papst Russland weihen wollte. Russland muss nicht von neuem geweiht werden, aber jeder Bischof kann seine eigene Diözese dem Unbefleckten Herzen Mariens weihen, sofern er dies wünscht.

Muss man die Bekehrung Russlands nicht als eine Bekehrung des Volkes zum Katholizismus verstehen?

Unsere Liebe Frau hat dies nie gesagt. Es gibt noch viele andere solcher Interpretationen. Tatsache ist, dass es in Russland der Kommunismus und der Atheismus dem Volk verunmöglichten, den Glauben auszuüben. Jetzt haben sie die Freiheit, persönlich zu wählen, ob sie sich bekehren oder so bleiben wollen, wie sie sind. Da sie jetzt frei sind zu wählen, gibt es viele Bekehrungen und jener Mann in Russland [Gorbatschow], wurde – ohne, dass er es wusste – zu einem Werkzeug Gottes für die Bekehrung.

Und der Weltfrieden? Bedeutet dies, dass es auf der Welt keine Kriege mehr geben wird?

ULF sprach nie davon, dass es keinen Bürger- oder politischen Krieg mehr geben würde, abgesehen von den beiden Weltkriegen, wobei der letzte der schlimmste Krieg in der Menschheitsgeschichte war, wenn man bedenkt, welche hoch entwickelten Waffen der Mensch bis dahin besass. Es handelte sich dabei um einen Krieg gegen Gott, einen Krieg des Teufels, des Atheismus, der Abtrünnigen und gegen die Juden, die auch jetzt noch das auserwählte Volk Gottes bleiben. Abgesehen von diesen beiden Kriegen sprach ULF in ihren Botschaften von Fatima nur von Kriegen der Irrlehren des Atheismus und des Abfalls vom Glauben. Man erinnere sich, dass Unser Herr in der Heiligen Schrift sagte, nur Gott kenne die Zukunft. Es gibt rund um Fatima noch viel mehr Auslegungen.

Möchte Gott und ULF, dass die Kirche das dritte Geheimnis von Fatima enthüllt?

Das dritte Geheimnis ist nicht dazu bestimmt, enthüllt zu werden. Es ist nur für den Papst und die unmittelbar folgende Hierarchie der Kirche. Und für jene, denen er es anzuvertrauen sich entscheidet.

Können Sie uns das dritte Geheimnis verraten?

Ich denke nicht daran. Nur der Papst kann genehmigen, dass man darüber redet.

Hat das dritte Geheimnis mit dem II. Vatikanischen Konzil zu tun?

Ich kann nicht antworten.

Gibt es in der Heiligen Schrift Hinweise auf das dritte Geheimnis?

Unsere Frau hat keinen Text in der Hl. Schrift erwähnt.

Ist das dritte Geheimnis nicht in den Kapiteln 8 und 12 der Apokalypse erwähnt?

Unsere Frau sagte nicht, dass es in der Apokalypse enthalten sei.

Darf der Papst das Geheimnis enthüllen?

Der Papst kann es enthüllen, wenn er es will. Ich habe ihm aber davon abgeraten. Sollte er es trotzdem tun, rate ich ihm grosse Vorsicht.

Hat Schwester Lucia immer noch Erscheinungen Unserer Lieben Frau?

Wie neugierig… Ich kann es nicht sagen. Heutzutage sprechen die Leute nur vom Himmel oder der Hölle. Einige Priester predigen, die Hölle existiere nur in der Vorstellung und der Teufel sei eine durch die Erwachsenen erfundene Sache. Die Hölle ist eine Realität. Es handelt sich um ein übernatürliches, nicht physisches Feuer, das nicht mit einem brennenden Feuer von Holz oder Kohle verglichen werden kann. Es muss weiterhin über die Hölle gepredigt werden, denn auch Unser Herr hat selbst von der Hölle gesprochen und sie ist in der HI. Schrift erwähnt. Gott schenkte den Menschen die Freiheit zu wählen, und Gott respektiert diese menschliche Freiheit.

Es gibt viele Briefe, die im Umlauf sind. Maschinengeschriebene Briefe bezüglich…

Ja, Ich habe diese Briefe geschrieben. Niemand sonst als ich beantworte meine Korrespondenz. Die meisten Briefe beantworte ich nicht, da es viele sind und die Leute viele indiskrete Fragen stellen. Niemand anders als ich öffnet die Briefe. Ich erhalte meine Briefe stets verschlossen und niemand antwortet oder unterschreibt für mich. Wenn es Leute gibt, die das Gegenteil behaupten, so stimmt dies nicht.

Es gibt viele Bücher aber Fatima. Welche empfehlen Sie als das authentischste? Ihre eigenen Memoiren?

Ja, es gibt viele Bücher darüber. Ich besitze nicht alle. Meine Memoiren bleiben immer noch die korrektesten, auch wenn sie einige Fehler enthalten, denn ich wollte diese Memoiren nicht veröffentlichen. Es waren nur Notizen und sie enthielten Fehler in Bezug auf Daten und Orte. Trotzdem wurden sie ohne mein Einverständnis veröffentlicht. Andere Sachen wurden von anderen Personen hinzugefügt.

Welches ist Ihre Ausbildung?

Ich habe nur die Primarschule besucht, sonst keine höhere Schule.

Werden die marianischen Apostolate stark angegriffen?

Wenn wir für die Jungfrau arbeiten, schlafen wir nicht und merken, dass das Böse ständig wächst. Das ist normal. Gott hilft allen, die nicht mehr wachen (bzw. eingeschlafen sind). Gott und die Jungfrau werden uns behilflich sein. Für mich ist es eine sehr grosse Befriedigung, auf den Frieden zu warten. Die marianischen Apostolate sind gestärkt und für den Kampf bereit. Das Reich Gottes ist eine Armee, die kämpft und diejenigen) die kämpfen, sind jene, die gewinnen. Sogar Jesus kämpfte eine grosse Schlacht, und dies ist keine kleinere Schlacht.

Ist der Mensch ohne Gott arm?

Alles was ich sagen kann ist, dass Gott gross ist! Gott ist sehr gross! Und die Heiligste Jungfrau, seine Botschafterin, manifestiert Seine Macht in verschiedenen Formen. Wir sind sehr klein, doch Gott wird uns helfen. Hoffen wir, dass ULF uns weiterhin hilft und unsere Handlungen lenkt, denn ohne Sie sind wir sehr arm. Gott ist barmherzig. Wir erfüllen seinen Auftrag. Den Auftrag, den Er uns anvertraut hat.

Handelt es sich beim Frieden in der Botschaft von Fatima um einen Weltfrieden und tritt er plötzlich ein?

Der Bezug auf den Frieden muss als Frieden oder als Besserung der begangenen Fehler verstanden werden, einem Frieden, der in einem bestimmten Moment vom atheistischen Kommunismus behindert wurde. Es stand geschrieben, dass Russland seine Irrtümer auf der Welt verbreiten werde, Kriege und Kirchenverfolgungen verursachend… viele würden gemartert werden. Dann, endlich, nach all diesem, wird mir der HI. Vater Russland weihen, sagte die Jungfrau. Sie sagte aber nicht wie! In welcher Form. Der Frieden, von dem die Jungfrau in der Prophezeiung sprach, bezieht sich auf die Kriege und Verfolgungen, welche die Irrtümer des atheistischen Kommunismus in der ganzen Welt verursachten. Der Friede ist nicht ein wunderbarer Weltfriede, sondern ein Friede nur bezüglich des Krieges der Irrtümer, welche Russland in der ganzen Welt verbreitete. Der Atheismus ist immer noch das Instrument des Teufels in der heutigen Zeit. Es ist eine grosse Sünde gegen Gott, wer Seine Existenz leugnet und dadurch vielfältige, teuflische Werke, wie z.B. die Abtreibung, begünstigt. Der Atheismus ist am meisten zu verurteilen. Und die grösste Häresie die es gibt ist der atheistische Kommunismus.

Warum gibt es in Russland trotz der Weihe keinen Frieden?

Weil die jetzigen Kriege praktisch nicht vom Atheismus stammen, sondern Bürgerkriege sind. Die Leute kämpfen um die Macht. Die heutigen Kriege sind keine Weltkriege, sondern Bürgerkriege. Obschon der Atheismus immer noch existiert, glaube ich nicht. dass es dieser ist, der die Hoffnung, die Kirche Gottes und alles was übernatürlich ist, zerstören möchte. Die Jungfrau sagt jedoch, Kriege könnten durch Gebet und Opfer verhindert werden. Aus diesem Grunde verlangte Unsere Liebe Frau die Sühne-Kommunion durch die Weihe an Sie.

„Der dritte Tag der Fatima-Woche vor dem Triumph des Unbefleckten Herzens“

Die Menschen erwarten, dass die Dinge in einer persönlichen und sofortigen Zeitepoche eintreten. Fatima befindet sich immer noch am dritten Tag. Der Triumph ist ein kontinuierlicher Prozess. Wir befinden uns in der Situation „nach der Weihe“.

Der erste Tag war die Zeit der Erscheinungen;

der zweite jener der „nachträglichen“ Erscheinungen – vor der Weihe.

Die Woche von Fatima ist noch nicht vorüber. Und ich werde nicht die ganze Woche sehen können!

Fatima hat erst angefangen, wie soll alles so schnell fertig sein!

Ist der Rosenkanz die mächtigste Waffe?

Ja, in diesen Tagen, wo der Teufel so aktiv ist, müssen wir den Rosenkranz beten.

Warum wurde nur Russland geweiht? China ist kommunistisch…

Die Jungfrau sprach nicht speziell über China. Aber China ist heute die grosse kommunistische, weltliche Macht. Sie (die Jungfrau) sprach von der ganzen Welt und China ist damit enthalten. China ist jetzt wichtig, vor allem nach den letzten Vorkommnissen. Wie auch immer, die Jungfrau hat China nicht spezifisch erwähnt. Haben wir durch die Weihe Russlands 1984 einen Atomkrieg verhindert? Wir standen unmittelbar davor, wenn man die Konfrontationen zwischen den USA und Russland betrachtete. Die ganze Welt hielt den Atem an. Doch als der Heilige Vater die Weihe Russlands vollzog, wurden von einem Moment auf den andern die kriegerischen Pläne zu Friedensplänen. Das ist nicht normal! Die Waffen, die produziert wurden, wurden eingestellt und Zerstörungspläne wandelten sich in Friedenspläne um.

Die Weihe von 1984 verhinderte einen Atomkrieg, der 1985 stattgefunden hätte. Aber es muss für Gott gearbeitet werden, weil sich jetzt – wo diese Gefahr nicht mehr existiert – der Teufel aufrichtet und von seinem Traum erwacht und gegen Gott und alle seine Werke arbeitet.

Fällt der Materialismus in die ganze Welt ein?

Seit den Anfängen dieser ehrgeizigen Welt existiert die Idee, dass der Wohlstand mehr und besser ist als alles andere. Jeder kämpft darum, besser als der andere zu sein. Bruder gegen Bruder. Deshalb ist dies seit den Anfangen der Welt ein Übel.

Da jetzt der Kommunismus nicht mehr da ist, folgt nun der Materialismus. Früher konnten die Leute nichts kaufen. Der Materialismus ist viel schlimmer. Die Menschen sollten zuerst mehr Dinge von Gott wollen, bevor sie nach materiellen Gütern streben. Dieser Kampf existiert seit eh und je. Es ging soweit, dass sich der Kommunismus vom Materialismus trennte und so die Menschheit mit Unterstützung der Wissenschaft hätte zerstören können. Mit der modernen Technik schlugen sie diesen Weg der Zerstörung ein, um die Menschheit bis in einen atomaren Krieg zu stürzen. Aus diesem Grund verlangte Gott vom Papst, dass er die Weihe vollziehe und genau deshalb haben sich die Worte der Jungfrau erfüllt.

Was denken Sie über die andern Erscheinungen in der Welt?

Wir sind durch das Gebet verbunden; dass der Vater, der Sohn und der Heilige Geist uns alle segne. Gott hat sich durch die Wunder geoffenbart. Doch wir müssen warten und sehen, was Gott uns enthüllt. Die Jungfrau sprach mit mir nicht über andere Erscheinungen, doch wir wissen, dass Gott andere unsichtbare Wesen, wie seine Engel, geschaffen hat. Wir übergehen diese Geheimnisse und strengen uns deshalb an, die Fähigkeit zu erlangen, um zu wissen, ob sie existieren.

Welches ist die Botschaft der Schwester für die heutige, verwirrte Gesellschaft?

Wer nicht mit dem Papst ist, ist nicht mit Gott. Und wer mit Gott sein möchte, muss auch mit dem Papst sein.

Welchen Ratschlag geben Sie uns?

Beten, beten, immerfort beten. Das ist mein Ratschlag für die ganze Welt.

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Übersetzung aus dem Spanischen A. Martin / G. Inglin

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Quelle: Fatima-Weltapostolat der deutschen Schweiz