Papst Franziskus: Frühmesse: Stille und Gebet statt Skandale

Papst bei der Frühmesse (© Vatican Media)

Gegen jene, die „Skandale“ und „Trennungen“ suchen, braucht es Stille und das Gebet. Das sagte der Papst an diesem Montag bei der ersten Frühmesse nach der Sommerpause in der Casa Santa Marta im Vatikan.

Mario Galgano und Barbara Castelli – Vatikanstadt

Ausgangspunkt der Überlegungen des Papstes war das Tagesevangelium nach Lukas (Lk 4, 16-30). Darin wird einer der ersten öffentlichen Auftritte Jesu beschrieben und berichtet, wie er von Menschen vertrieben wurden, weil sie aufgebracht waren über die Worte Jesu.

„Die Wahrheit ist sanftmütig, die Wahrheit wirkt im Schweigen“ und „mit Menschen, die nur Skandale, nur Spaltung suchen“, ist der einzig mögliche Weg, den man eingehen kann, jener des Schweigens und des Gebets. Dies unterstrich Papst Franziskus in seiner Predigt.

Jesus wurde mit Misstrauen empfangen, fuhr Franziskus fort, und am Schluss sogar vertrieben. Die Beschreibung in dieser biblischen Erzählung erlaube es den Gläubigen, „über den richtigen Weg des Handelns im täglichen Leben nachzudenken, wenn es Missverständnisse gibt“. Damit könne man auch verstehen, „wie der Vater der Lüge“, also der Ankläger, der Teufel, handele, „der die Einheit einer Familie, eines Volkes zerstören will“.

Kein Prophet ist in seiner Heimat willkommen

Als Jesus in der Synagoge ankam, wurde er mit großer Neugier empfangen: Jeder wollte mit eigenen Augen sehen, welche großen Werke er vollbringen könne. Aber der Sohn des himmlischen Vaters benutzte einzig „das Wort Gottes“, keine anderen spektakulären Gesten. So ging Jesus auch vor, wenn er „den Teufel überwinden wollte“, so der Papst.

Und genau mit dieser demütigen Haltung brachte Jesus sein erstes bedeutendes „Wort“ ein, erklärte der Papst. Es sei jenes Wort, das Zweifel sähe und „zu einer Veränderung der Atmosphäre“ führe. Da wechsle man „vom Frieden zum Krieg“, „vom Staunen zur Empörung“. Doch mit „seinem Schweigen“ bezwang Jesus die „wilden Hunde“ und besiegte „den Teufel“, der „Lügen in das Herz sät“.

„Es waren keine Menschen, sondern eine Horde von wilden Hunden, die Jesus aus der Stadt vertrieben haben. Sie haben nicht argumentiert, sie haben geschrien. Jesus war aber still. Sie brachten ihn zum Abhang des Berges und wollten ihn hinabstürzen. Dieser Abschnitt des Evangeliums endet so: , Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.` Die Würde Jesu besteht in seinem Schweigen. Dieses Schweigen überwindet die wilde Horde, und so wendet sich Jesus von ihnen ab. Seine Zeit war noch nicht gekommen. Das Gleiche sehen wir am Karfreitag: Die Menschen, die am Palmsonntag Jesus feierten und ihm gesagt hatten: ,Selig bist du, Sohn Davids‘, sagten dann: ,Kreuzige ihn´, sie hatten sich verändert. Der Teufel hatte die Lüge in ihre Herzen gesät, doch Jesus schwieg.“

Die Wahrheit ist mild

Und was lernen wir dabei? Wenn einige die Wahrheit nicht sehen, dann bleibt nur das Schweigen.

„Die Stille gewinnt nur durch das Kreuz. Das ist das Schweigen Jesu. Aber wie oft beginnen in den Familien Diskussionen über Politik, Sport, Geld, und das geht dann immer wieder von vorne los; immer und immer wieder. Diese Familien gehen zugrunde. In diesen Diskussionen sieht man, dass der Teufel da ist, der zerstören will…. Da braucht es Stille. Man soll seine Meinung sagen und dann schweigen. Denn die Wahrheit ist sanftmütig, die Wahrheit schweigt, die Wahrheit ist nicht laut. Es ist nicht einfach, was Jesus getan hat; aber es gibt die Würde des Christen, der in der Macht Gottes verankert ist. Mit Menschen, die keinen guten Willen haben; mit Menschen, die nur Skandal suchen, die nur Spaltung suchen, die nur Zerstörung suchen, auch in Familien, da braucht es die Stille und das Schweigen. Und es braucht auch das Gebet.“

Die Würde des Sieges der Auferstehung

Papst Franziskus schloss seine Predigt mit einem Gebet:

„Möge der Herr uns die Gnade geben, zu erkennen, wann wir sprechen und wann wir schweigen müssen. Und das in allen Bereichen des Lebens: bei der Arbeit, zu Hause, in der Gesellschaft…. überall im Leben. Auf diese Weise werden wir bessere Nachahmer Jesu sein.“

(vatican news)

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Papst Franziskus

Unser Leben ist ein täglicher Kampf: Nein, das ist kein neuer Tweet von Donald Trump, das ist der Leitgedanke aus der Predigt des Papstes von diesem Donnerstag. In der Kapelle der vatikanischen Casa Santa Marta predigte der Papst über das Tagesevangelium (Mk 3,7-12), in dem Jesus in Galiläa von einer Menschenmenge geradezu belagert wird. „Warum kamen so viele Menschen zu Jesus?“, fragte Franziskus. Klar, viele von ihnen seien Kranke gewesen, die auf Heilung hofften. Aber dann gab es doch auch viele, „die Jesus einfach gerne zuhörten, weil er nicht wie ihre Schriftgelehrten redete, sondern mit Vollmacht, und weil das an die Herzen rührte“.Diese Menschen „kamen spontan“, sinnierte der Papst mit einem Anflug von Ironie, die seien „nicht in Bussen herangekarrt worden, wie wir das oft gesehen haben, wenn Demonstrationen organisiert werden“.„Wollten all diese Menschen zu Jesus? Ja! Brauchten sie ihn? Ja! Einige waren neugierig, aber das war bestimmt eine Minderheit… Nein, so eine große Menge hatte der Vater angezogen: Es war der Vater, der die Menschen zu Jesus hinzog. Dem gegenüber konnte Jesus nicht gleichgültig bleiben wie ein unbeweglicher Meister, der seinen Spruch hersagt und sich dann die Hände wäscht. Nein! Diese Menge rührte Jesus ans Herz. Das Evangelium sagt uns: Jesus war bewegt, denn diese Leute schienen ihm wie Schafe, die keinen Hirten haben. Es ist der Vater, der im Heiligen Geist die Menschen zu Jesus zieht.“

Eines allerdings sei „merkwürdig“ an diesem Bibeltext, fuhr der Papst fort: Er beginne mit dem Enthusiasmus der Menschenmenge, aber ende dann mit den unreinen Geistern, mit Besessenen, die vor Jesus niederfallen und schreien: Du bist der Sohn Gottes.

„Das ist die Wahrheit. Das ist die Realität, die jeder von uns spürt, wenn er sich Jesus nähert. Die unreinen Geister sträuben sich dagegen… Aber Padre, ich bin sehr katholisch, ich gehe immer zur Messe, aber ich habe nie solche Versuchungen, Gott sei Dank, nie! – Bete, denn du bist auf einem falschen Weg! Ein christliches Leben ohne Versuchungen ist nicht christlich; es ist ideologisch, es ist gnostisch, aber nicht christlich. Wenn der Vater die Menschen zu Jesus zieht, gibt es da auch einen anderen, der in die andere Richtung zieht und der dir von innen den Krieg erklärt! Deshalb spricht Paulus vom christlichen Leben als einem Kampf – einem täglichen Kampf. Einem Kampf!“

Er meine den Kampf, „um zu siegen, um das Reich Satans zu zerschlagen, das Reich des Bösen“, so Papst Franziskus. Genau dazu sei Jesus gekommen: „um Satan zu zerstören. Um seinen Einfluss auf unsere Herzen zu zerstören.“ Christliches Leben sei ein ständiger Kampf auch in der Hinsicht, „dass du nicht vorwärts kommst, wenn du nicht kämpfst“.

„Überlegen wir mal, wie unser Herz ist: Fühle ich diesen Kampf in meinem Herzen? Zwischen all der Bequemlichkeit oder dem Dienst am anderen, zwischen den Vergnügungen oder dem Gebet und der Anbetung, zwischen diesem und jenem – fühle ich den Kampf? Ich will das Gute tun, und etwas bremst mich… Glaube ich, dass mein Leben ans Herz Jesu rührt? Wenn ich das nicht glaube, dann sollte ich inständig darum beten, das zu glauben und diese Gnade zu erhalten. Jeder von uns untersuche sein Herz, wie es darin aussieht. Und bitten wir den Herrn, Christen zu sein, die zu unterscheiden wissen, was im eigenen Herzen vorgeht, und gut den Weg zu wählen, auf dem uns der Vater hinzieht zu Jesus.“

(rv 19.01.2017 sk)