Irak: Patriarch fordert Kampf gegen IS-Ideologie

Der chaldäische Patriarch Louis Raphael Sako I.

Der chaldäische Patriarch Louis Raphael Sako hat die Zerstörung der jahrhundertalten Al-Nuri-Moschee in der umkämpften irakischen Stadt Mossul durch die IS-Terrormiliz verurteilt. Damit werde nicht nur die Geschichte einer ganzen Stadt und eines Landes vernichtet, sondern auch „die Erinnerungen und die Kultur der Menschen“, sagte er der Nachrichtenagentur asianews. Die Terroristen des selbsternannten „Islamischen Staats“ hatten am Mittwoch die Moschee aus dem 12. Jahrhundert mit ihrem schiefen Minarett gesprengt.

Die Zerstörungen der Terrormiliz sei für ihn eine „Kultur des Todes“, erklärte das Oberhaupt der katholisch-chaldäischen Christen. Die „ganze Welt“ rief er auf, diese Ideologie zu bekämpfen und gegen sie zu handeln. Nachdem der IS zurückgedrängt worden sei, müsse jetzt den Irakern geholfen werden, die radikale Gesinnung und Lehre der Terroristen hinter sich zu lassen: „Nichts von dieser Ideologie darf erhalten bleiben. Das ist eine große Aufgabe und alle müssen mitarbeiten, um ein neues Kapitel anzufangen“, forderte Patriarch Sako und warnt zu gleich: Das Gedankengut der Extremisten sei noch immer präsent.

Nach der Rückeroberung größerer Gebiete im Norden des Iraks, in der Ninive-Ebene und dem Großteil Mossuls durch Regierungstruppen sowie deren Verbündeten sei sein Wunsch, dass die vertriebenen Menschen wieder zurückkehrten, sagte Sako gegenüber asianews. Seiner Beobachtung nach entwickele sich „eine neue Kultur“, die von der „Koexistenz und Vertrauen von Christen und Muslimen“ geprägt sei. „Jeder, auch die Muslime, sagen, dass die Christen zurückkehren sollen. Ohne sie wäre die Stadt nämlich nicht mehr die gleiche wie vorher“.

Im Jahr 2014 hatten die Dschihadisten die Millionenstadt Mossul unter ihre Kontrolle gebracht; es war der Beginn ihres Vormarsches auf weite Teile im Norden des Iraks und in Syrien. In der jetzt von ihnen gesprengten Al-Nuri-Moschee hatte ihr Anführer Bakr al Bagdadi das selbsternannte Kalifat „Islamischer Staat“ ausgerufen.

Inzwischen hat die irakische Armee Mossul fast vollständig wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Derzeit läuft eine Offensive auf die Altstadt, die noch immer von IS-Terroristen gehalten wird. Die Regierung in Bagdad beurteilte die Sprengung der Moschee als „Eingeständnis“ der Niederlage.

(asianews/rv 23.06.2017 fr)

Irak: US-Flüchtlingspolitik ist „Falle für die Christen“ (meint der chaldäische Patriarch Louis Sako)

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Bischof Sako

Christliche Flüchtlinge aufgrund ihres Glauben zu bevorzugen ist eine Falle für die Christen im Nahen Osten. Das sagte der chaldäische Patriarch, Louis Raphael I. Sako, als Reaktion auf die von US-Präsident Donald Trump verfügten Einreisestopps für Flüchtlinge aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern. „Jede Aufnahmepolitik, die Verfolgte und Leidende aufgrund ihrer Religion diskriminiert, schadet letztlich den orientalischen Christen“, so der Patriarch. Eine solche Politik liefere Argumente für die Vorurteile, die Christen seien ein „Fremdkörper“  im Nahen Osten. Spannung mit muslimischen Mitbürgern würden geschaffen und genährt. „Wir wollen keine Privilegien“, so der Primas der chaldäischen Kirche. Das Evangelium zeige, jeder Flüchtlinge, ob Christ oder Muslim, müsse „ohne Unterschied“ aufgenommen werden.

Trump hatte am Freitag per Dekret ein Einreiseverbot für Staatsangehörigen von insgesamt sieben Staaten mit überwiegend muslimischer Bevölkerung verhängt. Gleichzeitig stellte der Präsident eine Bevorzugung christlicher Flüchtlinge in Aussicht.

(fides 30.01.2017 dh)

Irak: Patriarch Sako besucht befreite Dörfer

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In den befreiten Dörfern: Patriarch Sako

Man kann es sich kaum vorstellen, was für einen Eindruck es machen muss, wenn man in einst blühende Dörfer kommt, die nach zwei Jahren Besetzung durch die Milizen des selbst ernannten Islamischen Staates nun geschändet und zerstört sind. „Trauer und Leid“, aber auch „große Hoffnung“: Das sind die Worte, mit denen der chaldäische Patriarch Louis Sako seine Gefühle beschreibt, nachdem er einst christliche Dörfer der Ninive-Ebene besucht hat, die erst vor kurzem durch die alliierten Truppen auf ihrem Vormarsch auf die IS-Hochburg Mossul befreit worden sind.

Sechs Dörfer, unter ihnen das einst 40.000 Bewohner zählende Karakosh, habe er besucht, erklärt der Patriarch im Interview mit Radio Vatikan: „Die Zerstörung ist sehr groß, ich denke, etwa dreißig Prozent sind zerstört. Auch die Kirchen sind verbrannt oder entweiht worden: Da sind Sprüche gegen Christen und so weiter. Aber die Kirchen stehen noch, und das ist wichtig. Auch die Straßen sind zerstört: Wir haben zwölf Stunden gebraucht, um hin und zurück zu kommen.“

Die Christen, die größtenteils in die irakische Kurdenmetropole Erbil geflohen sind und im Exil die Nachricht von der Befreiung ihrer Dörfer erhalten hatten, können eine Rückkehr in ihre Heimat kaum erwarten. Doch nun gehe die Arbeit erst los, sagt der Patriarch: „Das Problem ist, dass die Minen entfernt werden und die Ruinen freigelegt werden müssen, damit die Menschen dort hinkönnen und nachsehen, in welchem Zustand ihre Häuser sind, was geblieben ist, um eine Rückkehr zu planen. Doch jetzt ist das sehr schwierig, und auch gefährlich. Auch wir konnten uns nicht entfernen, denn die Minen sind so gut wie überall. Die Milizen haben auch Kilometer lange Tunnel gegraben, all das muss erst beseitigt werden.“ Er sei fassungslos, so der Patriarch, angesichts des logistischen und finanziellen Aufwandes, der hinter diesen ausgetüftelten Tunnelsystemen stecke.

Doch besondere Sorge mache ihm nun die Situation der Bewohner in der belagerten Stadt Mossul. „ Wir haben große Angst um Mossul. Es kann ein Massaker geben…“ Eine Begleiterscheinung des Sturms auf die IS-Hochburg: Tausende aus der Stadt geflohene Zivilisten könnten auf der Suche nach Obdach auch die Häuser in den christlichen Dörfern besetzen. „Und das stellt ein großes Problem dar. Wie soll man sie nachher wieder dazu bringen, die Häuser zu verlassen? Wir arbeiten daran, dass sie gleich in für sie bereitstehende Flüchtlingscamps ziehen können.“

Auf der Fahrt durch die zerstörten und nach wie vor gefährlichen Gebiete sei der Konvoi des Patriarchen auf kurdische, sunnitische und schiitische Befehlshaber der alliierten Streitkräfte getroffen, die den Besuch der Delegation begrüßt hätten. Sie selbst hätten dafür gesorgt, dass die Kreuze und Glocken der verwüsteten Kirchen schnellstmöglich wieder an ihren angestammten Platz kommen konnten, zeigt sich der Patriarch beeindruckt. Doch wichtig sei es nun, weitere konkrete Taten folgen zu lassen, damit das Jahr 2017, wie von den Kirchenführern im Irak erhofft, tatsächlich ein Jahr des Friedens und der Versöhnung für das Land werden könne.

(rv 29.10.2016 cs)