„Von welchem Planeten stammen unsere kirchlichen Leiter?“

Kardinal Zen, emeritierter Erzbischof von Hongkong, kritisiert vatikanische Chinapolitik scharf: „Die Aufforderung, der [chinesischen] Regierung zu vertrauen, ist unglaublich!“

Vatikan-Peking (kath.net) „Die Aufforderung, der [chinesischen] Regierung zu vertrauen, ist unglaublich! Fehlen Informationen über die jüngsten Unterdrückungsmaßnahmen bei unseren Vorgesetzten im Vatikan?“ So scharf kritisierte Kardinal Joseph Zen, emeritierter Erzbischof von Hongkong, erneut die aktuelle Chinapolitik des Vatikans. Das berichtete der „Catholic Herald“. Zen reagierte mit einem Blogbeitrag auf Kardinal Fernando Filonis (Substitut des Vatikanischen Staatssekretariates) Lob für den umstrittenen Deal zwischen der kommunistischen Volksrepublik China und dem Vatikan. Der Vatikan versucht schon seit längerem, den Konflikt um die nicht von Chinas Regierung anerkannten katholischen Untergrundkatholiken zu entschärfen. Die Katholiken in China teilen sich in zwei Gruppen, eine bis vor kurzem nicht vom Vatikan anerkannten katholischen Staatskirche (die nicht alle Teile der katholischen Lehre anerkennt) und den katholischen Untergrundkatholiken, die teilweise massive Verfolgung erlitten hatten und offenbar weiter erleiden.

Kardinal Zen erläuterte: „Der Heilige Stuhl beabsichtigt, den Dialog mit China als einen homogenen Prozess von Johannes Paul II. über Benedikt bis Papst Franziskus zu präsentieren.“ Dabei bleibe unerwähnt, „dass Johannes Paul II. und Benedict, die unter totalitären Regimen gelebt haben, niemals an die Theorie der Ostpolitik geglaubt haben“. Mit der Wahl von Pietro Parolin zum Staatssekretär des Vatikans „gab Papst Franziskus der Gruppe der mächtigen Männer der Kurie die Gelegenheit, ihr Projekt der Ostpolitik wiederaufzunehmen“. Indem Parolin „Papst Franziskus in seinem Optimismus folgt“, drängten ihn diese „mächtigen Männer der Kurie“ „gefährlich zu einer leichten Kapitulation und verbergen das schreckliche Gesicht des chinesischen Kommunismus, dessen er [Parolin] sich genau bewusst ist“.

Die Verhandlungen zwischen China und dem Vatikan lagen teilweise auch in den Händen des inzwischen nach massiven Missbrauchsvorwürfen laisierten US-Kardinals Theodore McCarrick, was für weitere Brisanz beim umstrittenen Deal sorgt.

Vergl. dazu auch: Prof. Thomas Schirrmacher: „Das Rot in Kardinal Zens Kleidung steht wahrhaftig für Märtyrerblut“

Quelle — 14 März 2019, 16:00

Menschenrechtler: Abkommen zwischen Vatikan und China ist ein ‚Schlag ins Gesicht‘

Die Flaggen Chinas und des Vatikans. Foto: FreshStock / Shutterstock

In einer scharfen Kritik hat der chinesische Menschenrechtsaktivist Chen Guangcheng das Abkommen des Vatikans mit der Volksrepublik China über die Auswahl und Ernennung von Bischöfen als „absurd“ bezeichnet.

Das im September verabschiedete Abkommen ist „ein Schlag ins Gesicht für Millionen von Katholiken und andere religiöse Menschen in China, die unter der Kommunistischen Partei (KP) echte Verfolgung erlitten haben“, schreibt Chen in einem am 26. November Aufsatz in dem Magazin „Public Discourse“.

Chen ist ein blinder Anwalt. Er wurde für seinen Einsatz gegen Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisierungen von Frauen im Rahmen der ehemaligen „Ein-Kind-Politik“ Chinas verhaftet. Seine dramatische Flucht aus der Haft im Jahr 2012 führte dazu, dass er über die amerikanische Botschaft in Peking Asyl erhielt und schließlich als Visiting Fellow an der Catholic University of America – der Katholischen Universität von Amerika – in Washington D.C. arbeitete.

„Ich wuchs unter diesem parteistaatlichen System auf und erlebte persönlich die Gewalt und Brutalität der Kommunistischen Partei, und ich kannte und arbeitete mit unzähligen Personen in China, die wegen ihres Glaubens verfolgt wurden“, schreibt Chen.

„Ich bin davon überzeugt, dass sich die aktiven Mitglieder der Untergrundkirche in China, die so lange gegen lähmende Verfolgung durchgehalten haben, jetzt nur verraten fühlen können“.

Die Annäherung des Vatikans an die chinesische Regierung bringe die Führung der katholischen Kirche „einer Kommunistischen Partei näher, die für den Tod von über vierhundert Millionen ungeborenen Kindern und Hunderten von Millionen Chinesen verantwortlich ist“, warnt Chen.

Der Aktivist schreibt, dass die Kommunistische Partei zunehmend religionsfeindlich gesinnt sei, während sich immer mehr Chinesen vom reinen Glauben an die Staatspartei abwenden, und an einer höheren Macht orientieren wollen.

„Die KP hat Priester verhaftet, christliche Gemeinden bedroht und Kirchen und Gotteshäuser durchsucht. Viele sind verschwunden und wurden unter diesem Regime gefoltert, weil sie sich weigerten, sich zu einer intoleranten politischen Partei zu bekennen. Sie legten damit Zeugnis ab von der Macht ihres Glaubens“, so Chen.

Der Anwalt betont, dass jede Form von Religion „im Widerspruch steht zu dem selbstbezogenen Atheismus und der extremen Parteitreue, welche die KP seit langer Zeit versucht, der Bevölkerung zu vermitteln“.

„Religion erfordert den Glauben an Ideen, die außerhalb der Reichweite des Regimes liegen.“

Chen verweist auf Meldungen, denen zufolge die KP in den letzten Jahren allein in der Provinz Zhejiang mehr als 1.300 Kreuze und Kirchen zerstört hat.

In der Provinz Xinjiang wurden „Muslime zu Hunderttausenden zusammengetrieben und in Umerziehungslager gezwungen“, sagt Chen.

Nach dem Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und Peking vom 22. September zur „Normalisierung“ der Situation der chinesischen Katholiken haben die chinesischen Behörden unter anderem zwei katholische Marienheiligtümer in Shanxi und Guizhou abgerissen, wie CNA Deutsch berichtete.

„Durch Isolation, Drohungen, Inhaftierung und Folter sorgt die KP für Instabilität und Unsicherheit, um jede aufkommende Bewegung, die eine Bedrohung für ihre Macht darstellen könnte, im Keim zu ersticken“, schreibt der Menschenrechts-Aktivist.

„Es ist auch ein Regime, das weiß, wie man sich dem Westen präsentiert, sagt und tut die richtigen Dinge, um Unterstützung von Führern im Ausland zu erhalten. Sein Furnier der Höflichkeit ist ein Versuch, die Realität seiner Unmoral zu vertuschen“, argumentiert Chen.

Vor der neuen Vereinbarung war die Kirche in China gespalten zwischen der im Untergrund existierenden, verfolgten Kirche, die in voller Einheit mit Rom war, und der staatlich kontrollierten „Patriotischen Katholischen Vereinigung“. Deren Bischöfe ernannte die chinesische Regierung – sie waren somit automatisch exkommuniziert.

Mit dem neuen Abkommen erkennt der Vatikan unter anderem die – zum Teil als Abgeordnete der KP im Volkskongress sitzenden – „patriotischen Bischöfe“ an, von denen bereits zwei bei der Jugendsynode einige Tage teilnahmen.

Die genauen Einzelheiten des Abkommens wurden nicht veröffentlicht, aber offenbar wählt die kommunistische Regierung weiterhin die Bischöfe aus, die dann der Papst offenbar noch ernennt.

Papst Franziskus hat betont, dass er persönlich für den Deal verantwortlich ist und eingeräumt, dass dieser für gläubige Katholiken in China nun Leid bedeuten könne. Er rief diese in einem Brief Ende September dazu auf, „gute Bürger“ zu sein.

Der aus China geflohene Anwalt Chen indessen schreibt: „Offensichtlich ist die Vereinbarung ein unverhohlener politischer Schritt, der nur dazu bestimmt ist, den Interessen der KP zu dienen“.

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original.

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Quelle

Papst Franziskus an die Chinesischen Katholiken und an die Universale Kirche

Gottesdienst in Shitai-Shexian/China.

BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS
AN DIE CHINESISCHEN KATHOLIKEN UND AN DIE UNIVERSALE KIRCHE 

»Ewig währt seine Huld
und von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue«

(Psalm 100,5)

Verehrte Mitbrüder im Bischofsamt, Priester, gottgeweihte Personen und alle Gläubigen der katholischen Kirche in China, danken wir dem Herrn, denn seine Huld währt ewig: »Er hat uns gemacht, wir sind sein Eigentum, sein Volk und die Herde seiner Weide« (Ps 100,3).

In diesem Augenblick kommen mir wieder die Worte in den Sinn, mit denen mein verehrter Vorgänger im Brief vom 27. Mai 2007euch aufforderte: »Katholische Kirche in China, du kleine Herde, die du lebst und tätig bist in der Weite eines riesigen Volkes, das in der Geschichte unterwegs ist, wie ermutigend und auffordernd klingen für dich die Worte Jesu: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben“ (Lk 12,32) […]: Daher „soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,16)« (Benedikt XVI., Brief an die Bischöfe, die Priester, die Personen des gottgeweihten Lebens und an die gläubigen Laien der katholischen Kirche in der Volksrepublik China[27. Mai 2007], 5).

1. In letzter Zeit sind viele widersprüchliche Stimmen über die Gegenwart und vor allem über die Zukunft der katholischen Gemeinschaften in China kursiert. Ich bin mir bewusst, dass ein solcher Wirbel an Meinungen und Beobachtungen eine nicht geringe Verwirrung gestiftet hat, die in vielen Herzen gegensätzliche Empfindungen hervorruft. Bei einigen kommen Zweifel und Ratlosigkeit auf. Andere haben den Eindruck, vom Heiligen Stuhl gleichsam im Stich gelassen worden zu sein, und stellen zugleich die schmerzliche Frage nach dem Wert des Leidens, das man für die Treue zum Nachfolger Petri hinnehmen musste. Bei vielen anderen überwiegen jedoch positive Erwartungen und Überlegungen, die von der Hoffnung auf eine ruhigere Zukunft im Hinblick auf ein fruchtbares Glaubenszeugnis auf chinesischem Boden genährt werden.

Diese Situation akzentuierte sich vor allem in Bezug auf die Vorläufige Vereinbarung zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik China, die, wie ihr wisst, in den vergangenen Tagen in Peking unterzeichnet wurde. In einem sehr bedeutsamen Moment für das Leben der Kirche möchte ich euch durch diese kurze Botschaft vor allem versichern, dass ihr jeden Tag in meinem Gebet gegenwärtig seid. Zudem möchte ich mit euch die Empfindungen teilen, die in meinem Herzen sind.

Es sind Empfindungen des Dankes gegenüber dem Herrn und Gefühle aufrichtiger Bewunderung – der Bewunderung seitens der gesamten katholischen Kirche – für die Gabe eurer Treue, der Beständigkeit in der Prüfung und des tief verwurzelten Vertrauens in die Vorsehung Gottes, auch wenn gewisse Ereignisse sich als besonders widrig und schwierig herausgestellt haben.

Diese schmerzhaften Ereignisse gehören zum geistlichen Schatz der Kirche in China und des ganzen wandernden Volkes Gottes auf der Erde. Ich versichere euch, dass der Herr gerade durch den Schmelzofen der Prüfungen es nie versäumt, uns mit seinen Tröstungen zu erfüllen und uns auf eine größere Freude vorzubereiten. Mit Psalm 126 sind wir mehr als gewiss: »Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten« (Vers 5).

Richten wir also weiter unseren Blick auf das Beispiel so vieler gläubiger Laien und Hirten, die nicht gezögert haben, ihr „gutes Bekenntnis“ (vgl. 1 Tim 6,13) zum Evangelium abzulegen bis zur Hingabe des eigenen Lebens. Sie sind als wahre Freunde Gottes anzusehen.

2. Meinerseits habe ich China immer als ein Land großer Möglichkeiten betrachtet und auf das chinesische Volk als Schöpfer und Hüter eines unschätzbaren Erbes von Kultur und Weisheit geschaut. Dieses Erbe wurde dadurch veredelt, dass es den Widrigkeiten standhielt und die Verschiedenheiten in sich aufnahm und nicht von ungefähr seit ältesten Tagen mit der christlichen Botschaft in Berührung gekommen ist. In der Absicht, die Tugend des Vertrauens zu wecken, hat der Jesuit Matteo Ricci einmal sehr scharfsinnig bemerkt: »Bevor man eine Freundschaft schließt, sollte man beobachten; und wenn man sie eingegangen ist, sollte man sich auf sie verlassen« (De amicitia, 7).

Zudem bin ich davon überzeugt, dass die Begegnung nur dann authentisch und fruchtbar sein kann, wenn sie durch die Praxis des Dialogs erfolgt, das heißt, dass man sich kennt, sich respektiert und „miteinander voranschreitet“, um eine gemeinsame Zukunft in größter Harmonie aufzubauen.

Auf dieser Linie steht die Vorläufige Vereinbarung, die Frucht des langen und komplexen institutionellen Dialogs des Heiligen Stuhls mit den chinesischen Regierungsbehörden ist, der schon vom heiligen Johannes Paul II. begonnen und von Papst Benedikt XVI. weitergeführt wurde. Damit hatte – und hat – der Heilige Stuhl nichts anderes im Sinn, als die geistlichen und seelsorglichen Ziele der Kirche zu verwirklichen, nämlich die Verkündigung des Evangeliums zu unterstützen und zu fördern sowie die volle und sichtbare Einheit der katholischen Gemeinschaft in China zu erreichen und zu bewahren.

Zur Bedeutung jener Vereinbarung und ihrer Ziele möchte ich euch einige Überlegungen vorschlagen und dabei ebenso manche Anregung spiritueller und seelsorglicher Natur für den Weg geben, den wir in dieser neuen Phase beschreiten sollen.

Es handelt sich um einen Weg, der wie der vorangegangene Abschnitt, »Zeit erfordert und guten Willen auf beiden Seiten voraussetzt« (Benedikt XVI., Brief an die Bischöfe, die Priester, die Personen des gottgeweihten Lebens und an die gläubigen Laien der katholischen Kirche in der Volksrepublik China [27. Mai 2007], 4). Für die Kirche innerhalb und außerhalb Chinas geht es nicht nur um ein Bekenntnis zu menschlichen Werten, sondern um eine Antwort auf einen geistlichen Ruf: aus sich selbst herauszugehen, um sich die »Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art« (Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 1), zu eigen zu machen und die ihr von Gott anvertrauten Herausforderungen der Gegenwart anzunehmen. Es ist somit eine kirchliche Berufung, Pilger auf den Wegen der Geschichte zu werden und sich dabei vor allem auf Gott und seine Verheißungen zu verlassen, wie es Abraham und unsere Väter im Glauben getan haben.

Als Abraham von Gott berufen wurde, brach er im Gehorsam in ein unbekanntes Land auf, das er erben sollte, ohne den Weg zu kennen, der sich vor ihm auftat. Wenn Abraham ideale Bedingungen – sozialer und politischer Natur – verlangt hätte, um sein Land zu verlassen, wäre er vielleicht nie aufgebrochen. Er hat stattdessen Gott vertraut. Auf Sein Wort hin hat er sein Haus und seine Sicherheiten hinter sich gelassen. Also nicht die geschichtlichen Veränderungen machten es ihm möglich, auf Gott zu vertrauen, sondern sein reiner Glaube hat zu einer Änderung der Geschichte geführt. Der Glaube ist nämlich »Grundlage dessen, was man erhofft, ein Zutagetreten von Tatsachen, die man nicht sieht. Aufgrund dieses Glaubens haben die Alten ein gutes Zeugnis erhalten« (Hebr 11,1-2).

3. Als Nachfolger Petri möchte ich euch in diesem Glauben stärken (vgl.Lk22,32) – im Glauben Abrahams, im Glauben der Jungfrau Maria, im Glauben, den ihr empfangen habt – und ich möchte euch einladen, mit immer größerer Überzeugung euer Vertrauen auf den Herrn der Geschichte und auf die Erkenntnis seines Willens durch die Kirche zu setzen. Bitten wir um die Gabe des Heiligen Geistes, dass er den Verstand erleuchte und das Herz erwärme. Er lasse uns begreifen, wo er uns hinführen will, und helfe uns, die unvermeidlichen Augenblicke der Verwirrung zu überwinden und die Kraft zu finden, auf dem Weg, der sich vor uns auftut, entschlossen weiterzugehen.

Gerade um die Verkündigung des Evangeliums in China zu unterstützen und zu fördern sowie die volle und sichtbare Einheit in der Kirche wiederherzustellen, war es wesentlich, zuerst die Frage der Bischofsernennungen anzugehen. Es ist allgemein bekannt, dass die jüngere Geschichte der katholischen Kirche in China leider durch tiefe Spannungen, Verletzungen und Spaltungen schmerzlich gekennzeichnet war, die sich vor allem um die Figur des Bischofs als Hüter des authentischen Glaubens und als Garant der kirchlichen Einheit konzentriert haben.

Als in der Vergangenheit der Anspruch erhoben wurde, auch das interne Leben der katholischen Gemeinschaften zu bestimmen, und dafür ihnen über die legitimen Kompetenzen des Staates hinaus eine direkte Kontrolle auferlegt wurde, trat in der Kirche in China das Phänomen der Untergrundgemeinden auf. Eine solche Erfahrung – das muss hervorgehoben werden – gehört nicht zur Normalität des Lebens der Kirche und »die Geschichte zeigt, dass Hirten und Gläubige dazu nur mit dem mit Leid verbundenen Wunsch greifen, den eigenen Glauben unversehrt zu bewahren« (Benedikt XVI., Brief an die Bischöfe, die Priester, die Personen des gottgeweihten Lebens und an die gläubigen Laien der katholischen Kirche in der Volksrepublik China [27. Mai 2007], 8).

Ihr sollt wissen, dass ich, seit mir das Petrusamt anvertraut wurde, großen Trost darin gefunden habe, dass ich das aufrichtige Verlangen der chinesischen Katholiken erleben durfte, ihren Glauben in vollkommener Gemeinschaft mit der universalen Kirche und dem Nachfolger Petri zu leben, der »das immerwährende, sichtbare Prinzip und Fundament für die Einheit der Vielheit von Bischöfen und Gläubigen« (Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 23) ist. Im Laufe dieser Jahre habe ich zahlreiche Zeichen und konkrete Zeugnisse dieses Verlangens erhalten, auch seitens derer, einschließlich Bischöfe, die die Gemeinschaft mit der Kirche verletzt haben, sei es aufgrund von Schwäche und Irrtümern, aber nicht selten auch wegen starken und unrechtmäßigen Drucks von außen.

Daher habe ich nach Prüfung jeder einzelnen persönlichen Situation und nach Anhörung verschiedener Meinungen viel nachgedacht und gebetet auf der Suche nach dem wahren Wohl der Kirche in China. Schließlich bin ich vor dem Herrn und mit ruhig gefasstem Urteil, in Kontinuität mit den Weisungen meiner direkten Vorgänger, zum Entschluss gekommen, den restlichen sieben „offiziellen“ Bischöfen, die ohne Päpstliches Mandat geweiht wurden, die Versöhnung zu gewähren und sie nach Aufhebung aller entsprechenden kanonischen Strafen in die volle Gemeinschaft der Kirche wiederaufzunehmen. Zugleich bitte ich sie, mit konkreten sichtbaren Gesten die wiedererlangte Einheit mit dem Apostolischen Stuhl und den Kirchen in der ganzen Welt zum Ausdruck zu bringen und trotz der Schwierigkeiten treu zu ihr zu stehen.

4. Im sechsten Jahr meines Pontifikats, das ich von Anfang an unter das Zeichen der barmherzigen Liebe Gottes gestellt habe, lade ich daher alle chinesischen Katholiken ein, zu Stiftern von Versöhnung zu werden und dabei mit immer neuer apostolischer Leidenschaft an die Worte des Paulus zu erinnern: »Gott [hat] uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen« (2 Kor5,18).

Denn – wie ich anlässlich des Abschlusses des Außerordentlichen Jubiläums der Barmherzigkeit geschrieben habe – »es gibt weder ein Gesetz, noch eine Vorschrift, die Gott verbieten könnte, den Sohn wieder in die Arme zu schließen, der zu ihm zurückkehrt und gesteht, einen Fehler begangen zu haben, aber entschlossen ist, wieder von vorne anzufangen. Nur bei dem Gesetz stehen zu bleiben bedeutet, den Glauben und das göttliche Erbarmen zu vereiteln. […]. Selbst in den kompliziertesten Fällen, in denen man versucht ist, einer Gerechtigkeit den Vorrang zu geben, die allein aus den Normen hervorgeht, muss man an die Kraft glauben, die aus der göttlichen Gnade entspringt« (Apostolisches Schreiben Misericordia et misera [20. November 2016], 11).

In diesem Geist und mit den getroffenen Entscheidungen können wir einen neuen Weg einschlagen, der, wie wir hoffen, helfen wird, die Wunden der Vergangenheit zu heilen, die volle Gemeinschaft aller chinesischen Katholiken wiederherzustellen und eine Phase immer brüderlicherer Zusammenarbeit zu eröffnen, um mit neuem Eifer den Auftrag zur Verkündigung des Evangeliums zu erfüllen. Denn die Kirche existiert, um Jesus Christus und die vergebende und heilbringende Liebe des Vaters zu bezeugen.

5. Auch wenn sich die Vorläufige Vereinbarung, die mit den chinesischen Autoritäten geschlossen wurde, auf einige Aspekte des Lebens der Kirche beschränkt und notwendigerweise verbesserungsfähig ist, kann sie ihrerseits dazu beitragen, diese neue Seite der Geschichte der katholischen Kirche in China zu schreiben. Sie führt zum ersten Mal stabile Elemente der Zusammenarbeit zwischen den staatlichen Autoritäten und dem Apostolischen Stuhl ein in der Hoffnung, der katholischen Gemeinschaft gute Hirten zu gewährleisten.

In diesem Zusammenhang beabsichtigt der Heilige Stuhl, die ihm zustehende Aufgabe ernsthaft wahrzunehmen, aber auch euch, Bischöfen, Priestern, gottgeweihten Personen und gläubigen Laien fällt eine wichtige Rolle zu: gemeinsam nach guten Kandidaten zu suchen, die fähig sind, in der Kirche den heiklen und wichtigen bischöflichen Dienst zu übernehmen. Es geht nämlich nicht darum, Funktionäre für die Verwaltung der religiösen Angelegenheiten zu ernennen, sondern authentische Hirten nach dem Herzen Jesu zu haben, die mit Eifer und Hochherzigkeit im Dienst am Volk Gottes wirken und insbesondere den Armen und Schwachen dienen, da sie das Wort des Herrn beherzigen: »Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein« (Mk 10,43-44).

Diesbezüglich scheint es offenkundig, dass ein Abkommen nur ein Werkzeug ist und nicht allein alle bestehenden Probleme wird lösen können. Es wäre vielmehr unwirksam und fruchtlos, wenn es nicht von einem tiefen Bemühen begleitet würde, die persönlichen Haltungen und die kirchlichen Vorgehensweisen zu erneuern.

6. Auf pastoraler Ebene ist die katholische Gemeinschaft in China gerufen, vereint zu sein, um die Spaltungen der Vergangenheit zu überwinden, welche dem Herzen vieler Hirten und Gläubigen großes Leid verursacht habe und weiter verursachen. Unterschiedslos alle Christen mögen jetzt Zeichen der Versöhnung und der Gemeinschaft setzen. Lernen wir diesbezüglich aus der Mahnung des heiligen Johannes vom Kreuz: „Am Abend unseres Lebens werden wir nach der Liebe gerichtet werden!« (Geistliche Weisungen,1,57).

Auf ziviler und politischer Ebene sollen die chinesischen Katholiken gute Bürger sein, sie sollen ihr Vaterland mit ganzem Herzen lieben und ihrem Land entsprechend ihren Fähigkeiten engagiert und ehrlich dienen. Auf ethischer Ebene sollen sie sich bewusst sein, dass viele ihrer Mitbürger von ihnen ein größeres Maß an Dienst am Gemeinwohl und der harmonischen Entwicklung der gesamten Gesellschaft erwarten. Insbesondere mögen die Katholiken jenen prophetischen und konstruktiven Beitrag leisten, der aus ihrem Glauben an das Reich Gottes entspringt. Dies kann von ihnen auch die Anstrengung erfordern, ein kritisches Wort zu sagen, nicht um einer unfruchtbaren Konfrontation willen, sondern um eine gerechtere, menschlichere Gesellschaft aufzubauen, in der die Würde jeder Person immer mehr geachtet wird.

7. Ich wende mich an euch alle, geliebte Mitbrüder im Bischofsamt, Priester und gottgeweihte Personen, die ihr »dem Herrn mit Freude« dient (Ps103,2). Erkennen wir uns selbst als Jünger Christi im Dienst am Volk Gottes. Leben wir die pastorale Liebe als Kompass unseres Dienstes. Überwinden wir die Konflikte der Vergangenheit, den Wunsch nach Durchsetzung persönlicher Interessen und sorgen wir uns um die Gläubigen, indem wir uns ihre Freuden und Leiden zu eigen machen. Setzen wir uns demütig für die Versöhnung und die Einheit ein. Schlagen wir erneut mit Entschiedenheit und Begeisterung den Weg der Evangelisierung ein, wie ihn uns das Zweite Ökumenische Vatikanische Konzil gewiesen hat.

Euch allen wiederhole ich liebevoll: »Das Vorbild vieler Priester, Ordensfrauen, Ordensmänner und Laien, die sich mit großer Treue hingeben, um zu verkündigen und zu dienen – oftmals unter Einsatz ihres Lebens und gewiss auf Kosten ihrer Bequemlichkeit –, versetzt uns in Bewegung. Ihr Zeugnis erinnert uns daran, dass die Kirche nicht viele Bürokraten und Funktionäre braucht, sondern leidenschaftliche Missionare, die verzehrt werden von der Begeisterung, das wahre Leben mitzuteilen. Die Heiligen überraschen, verwirren, weil ihr Leben uns einlädt, aus der ruhigen und betäubenden Mittelmäßigkeit hinauszugehen« (Apostolisches Schreiben Gaudete et exsultate [19. März 2018], 138).

Mit Überzeugung lade ich euch dazu ein, um die Gnade zu bitten, nicht zu zögern, wenn der Geist von uns einen Schritt vorwärts verlangt: »Bitten wir um den apostolischen Mut, anderen das Evangelium weiterzugeben und es zu unterlassen, aus unserem christlichen Leben ein Museum voller Andenken zu machen. Lassen wir es unbedingt zu, dass der Heilige Geist bewirkt, dass wir die Geschichte unter dem Vorzeichen des auferstandenen Jesus betrachten. Auf diese Weise wird die Kirche, statt zu ermüden, weiter vorwärtsgehen und dabei die Überraschungen des Herrn begrüßen« (ebd., 139).

8. In diesem Jahr, in dem die ganze Kirche die Jugendsynode abhält, möchte ich mich besonders an euch, liebe junge chinesische Katholiken, wenden, die ihr durch die Tore des Hauses des Herrn »mit Dank« und »mit Lobgesang« (Ps100,4) eintretet. Ich bitte euch darum, am Aufbau der Zukunft eures Landes mit euren persönlich als Gabe empfangenen Fähigkeiten und der jugendlichen Frische eures Glaubens mitzuarbeiten. Eindringlich bitte ich euch, allen durch euren Enthusiasmus die Freude des Evangeliums zu vermitteln.

Seid bereit, die sichere Führung des Heiligen Geistes anzunehmen, der der Welt von heute den Weg zur Versöhnung und zum Frieden weist. Lasst euch von der erneuernden Kraft der Gnade überraschen, auch wenn es euch scheinen mag, dass der Herr einen Einsatz verlangt, der eure Kräfte übersteigt. Habt keine Angst, auf seine Stimme zu hören, die, trotz der vielen schmerzlichen Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit und der noch offenen Wunden, von euch Brüderlichkeit, Begegnung, Fähigkeit zu Dialog und Vergebung sowie den Geist des Dienstes verlangt.

Öffnet das Herz und den Verstand weit, um den barmherzigen Plan Gottes zu erkennen, der verlangt, persönliche Vorurteile sowie Konflikte zwischen Gruppierungen und Gemeinschaften zu überwinden, um einen mutigen und brüderlichen Weg im Licht einer authentischen Kultur der Begegnung einzuschlagen.

Zahlreich sind heute die Versuchungen: Der Stolz auf Erfolg in der Welt, das Sich-Verschließen in die eigenen Sicherheiten, der Vorrang, den man den materiellen Dingen zugesteht, so als ob es Gott nicht gäbe. Schwimmt gegen den Strom und bleibt fest im Herrn: »Denn der Herr« allein »ist gut«, »ewig währt seine Huld« allein, »von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue« (Ps 100,5).

9. Liebe Brüder und Schwestern der universalen Kirche, wir alle sind gerufen, als ein Zeichen unserer Zeit zu erkennen, was heute im Leben der Kirche in China geschieht. Wir haben eine wichtige Aufgabe: unsere Brüder und Schwestern in China mit eifrigem Gebet und mit brüderlicher Freundschaft zu begleiten. Denn sie sollen spüren, dass sie auf dem Weg, der sich in diesem Augenblick vor ihnen auftut, nicht alleine sind. Es ist notwendig, dass sie als lebendiger Teil der Kirche aufgenommen und unterstützt werden: »Seht doch, wie gut und schön ist es, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen!« (Ps133,1).

Jede örtliche katholische Gemeinschaft auf der ganzen Welt soll sich bemühen, den geistlichen und kulturellen Reichtum, der den chinesischen Katholiken eigen ist, wertzuschätzen und aufzunehmen. Es ist an der Zeit, gemeinsam die genuinen Früchte des Evangeliums zu kosten, die in den Schoß des alten „Reiches der Mitte“ gesät wurden, und unserem Herrn Jesus Christus ein Lied des Glaubens und des Dankes anzustimmen, das mit echt chinesischen Melodien angereichert ist.

10. Ich wende mich respektvoll an diejenigen, die die Volksrepublik China lenken und erneuere die Einladung, mit Vertrauen, Mut und Weitblick den Dialog fortzusetzen, der seit geraumer Zeit besteht. Ich möchte versichern, dass der Heilige Stuhl weiterhin ehrlich daran arbeiten wird, in der echten Freundschaft mit dem chinesischen Volk zu wachsen.

Die gegenwärtigen Kontakte zwischen dem Heiligen Stuhl und der chinesischen Regierung erweisen sich als nützlich, um die Konflikte der Geschichte, auch der jüngeren, zu überwinden und um ein neues Kapitel einer ruhigeren, konkreten Zusammenarbeit zu schreiben; und zwar in der gemeinsamen Überzeugung, dass »Unverständnis in der Tat weder den chinesischen Autoritäten noch der katholischen Kirche in China nützt« (vgl. Benedikt XVI., Brief an die Bischöfe, die Priester, die Personen des gottgeweihten Lebens und an die gläubigen Laien der katholischen Kirche in der Volksrepublik China [27. Mai 2007], 4).

Auf diese Weise werden China und der Apostolische Stuhl, welche von der Geschichte zu einer schwierigen, aber faszinierenden Aufgabe bestimmt sind, positiver auf ein geordnetes und harmonisches Wachstums der katholischen Gemeinschaft auf chinesischem Boden hinwirken können. Sie werden sich für die Förderung der integralen Entwicklung der Gesellschaft durch die Gewährleistung einer größeren Achtung der menschlichen Person auch im religiösen Bereich einsetzen, sie werden konkret am Schutz der Umwelt, in der wir leben, arbeiten, und um eine Zukunft des Friedens und der Brüderlichkeit unter den Völkern aufzubauen.

In China ist es von grundlegender Bedeutung, dass auch auf lokaler Ebene die Beziehungen zwischen den Verantwortlichen der kirchlichen Gemeinschaften und den zivilen Behörden durch einen offenen Dialog und ein vorurteilsloses Zuhören, das es ermöglicht, die gegenseitigen feindseligen Haltungen zu überwinden, immer fruchtbarer werden. Es muss ein neuer Stil von schlichter, alltäglicher Zusammenarbeit zwischen den örtlichen und kirchlichen Autoritäten – Bischöfe, Priester, Gemeindeälteste – erlernt werden in einer Weise, die den geordneten Ablauf der pastoralen Aktivitäten in harmonischer Abstimmung zwischen den legitimen Erwartungen der Gläubigen und den Entscheidungen, die den Behörden zustehen, gewährleistet.

Dies wird helfen zu verstehen, dass die Kirche in China keinen Fremdkörper innerhalb der chinesischen Geschichte darstellt oder irgendein Privileg beansprucht: Ihre Ziel im Dialog mit den zivilen Autoritäten ist, »zu Beziehungen gegenseitiger Achtung und vertiefter Kenntnis zu gelangen« (ebd.).

11. Im Namen der ganzen Kirche erflehe ich vom Herrn das Geschenk des Friedens, und lade alla dazu ein, mit mir den mütterlichen Schutz der Jungfrau Maria anzurufen:

Mutter des Himmels, höre die Stimme deiner Kinder, die demütig deinen Namen anrufen.

Jungfrau der Hoffnung, dir vertrauen wir den Weg der Glaubenden im ehrwürdigen Land China an. Wir bitten dich, dem Herrn der Geschichte das Leid und die Mühen, das Flehen und die Erwartungen der Gläubigen, die zur dir rufen, vorzustellen, o Königin des Himmels!

Mutter der Kirche, dir weihen wir die Gegenwart und die Zukunft der Familien und unserer Gemeinschaften. Bewahre sie und unterstütze sie bei der Versöhnung unter den Brüdern und im Dienst an den Armen, die deinen Namen preisen, o Königin des Himmels!

Trösterin der Betrübten, an dich wenden wir uns, weil du die Zuflucht derer bist, die in der Prüfung weinen. Wache über deine Kinder, die deinen Namen loben, mache, dass sie vereint das Evangelium verkünden. Begleite ihre Schritte für eine brüderlichere Welt, gib, dass sie allen die Freude der Vergebung bringen, o Königin des Himmels!

Maria, Hilfe der Christen, für China erbitten wir von dir Tage des Segens und des Friedens. Amen!

Aus dem Vatikan, am 26. September 2018

FRANZISKUS

China: Vatikan will staatstreue Bischöfe einsetzen

In Peking: die „verbotene Stadt“

Der Heilige Stuhl will chinesische Untergrundbischöfe dazu bewegen, ihre Position zugunsten illegitimer, aber durch das Regime in Peking anerkannter Bischöfe aufzugeben. Das bestätigt in einem langen Brief an die Nachrichtenagentur Asianews der Hongkonger emeritierte Erzbischof Joseph Zen.

Der betagte Kardinal gilt als einer der schärfsten Kritiker von Versuchen, den chinesischen Repressalien gegen die Glaubensfreiheit mit Zugeständnissen zu begegnen. In seinem ausführlichen Brief scheut Zen sich nicht, auch „vertrauliche“ Details aus seinen Unterredungen mit dem Heiligen Vater selbst bekannt zu geben. Demnach habe er persönlich dafür gesorgt, Franziskus auf die Situation der Bischöfe von Shantou und Mindong aufmerksam zu machen.

Im Oktober die erste Aufforderung zum Rücktritt

Bereits im Oktober, so bestätigt der Kardinal in der Presse erschienene Berichte, habe der legitime Bischof von Shantou von einer vatikanischen Delegation die Aufforderung erhalten, zurückzutreten. Dieser Schritt solle den Weg für einen Bischof freimachen, der seit vielen Jahren in der offiziellen chinesischen katholischen Kirche wirkt und unter strenger Überwachung durch die Machthaber in Peking steht. Was an dem Fall die chinesischen Gläubigen der Untergrundkirche beunruhigt: Der betroffene „offizielle“ Bischof ist ohne das Einverständnis des Heiligen Stuhles geweiht und daher exkommuniziert. Eine ähnliche Sachlage liegt für den Bischof der Diözese Mindong vor.

China: Vor einem Abkommen mit dem Heiligen Stuhl?

China: Bischof von Wenzhou wieder frei

 

Bitte um Hilfe bei Papst Franziskus

In Folge dieser Ereignisse habe Kardinal Zen, der durch den im Untergrund und mit vatikanischem Einverständnis geweihten Bischof der Diözese Shantou um Hilfe gebeten worden war, dem Papst einen Brief zukommen lassen. In diesem habe er Franziskus über die Situation der Untergrundbischöfe unterrichtet. Nachdem im Dezember jedoch eine erneute Aufforderung an den Bischof von Shantou ergangen sei, seinen Stuhl zu räumen, habe er selbst eine Reise nach Rom unternommen, um dem Papst die Problematik persönlich vorzulegen. Sein „verspätetes Eintreffen bei der Generalaudienz vom 10. Januar“ sei nicht unbemerkt geblieben, schreibt der Kardinal, der bei dieser Gelegenheit dem Papst sein Schreiben persönlich übergeben konnte.

„Kein zweiter Fall Mindszenty“

Noch am Abend desselben Tages habe er einen Anruf aus der päpstlichen Residenz mit der Zusage einer persönlichen Audienz am folgenden Freitagabend erhalten, nur kurz vor der Abreise des Papstes nach Chile und Peru. Bei dem Treffen habe der Papst ihm zugesichert, es dürfe keinen weiteren „Fall Mindszenty“ geben. Der ungarische Kardinal und Erzbischof von Budapest war in Zeiten des kommunistischen Regimes lange im Gefängnis, wurde während der kurzen Revolution befreit und flüchtete sich in die US-amerikanische Botschaft. Von dort aus musste er auf Drängen des Regimes und mit Einverständnis des Vatikans das Land verlassen, und ein den Machthabern genehmer Nachfolger wurde ernannt.

Er habe diese Papstworte als Ermutigung verstanden, schreibt der Kardinal, der abschließend betont, mit einem totalitären Regime wie demjenigen in Peking könne es keine Gemeinsamkeiten geben. Ab dem kommenden ersten Februar, so erinnert Zen, dürfen die Untergrundkirchen laut Gesetz keine Messen mehr feiern. Doch die inoffizielle Untergrundkirche zugunsten der offiziellen, staatstreuen Kirche aufzugeben, würde bedeuten, eine schismatische Gemeinschaft wie die Offizielle Kirche, die in der Chinesischen Katholischen patriotischen Vereinigung (KPV) organisiert ist, zu tolerieren und zu stärken. Überdies wäre es ein Affront gegenüber denen, die unter großen Opfern ihren Glauben im Untergrund lebten. Manch einer sehe in ihm selbst das größte Hindernis auf dem Weg zu einer Einigung zwischen China und dem Vatikan, gesteht Zen ein. Doch „wenn die Einigung schlecht ist, dann bin ich glücklich, ein Hindernis dafür darzustellen,“ schließt der Kardinal.

(asianews – cs)

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Quelle

Ohne päpstliche Erlaubnis ist jede Bischofsweihe rechtswidrig

Santuary dedicated to Our Lady in the mountains

Katholiken, China / © KiN – KIRCHE IN NOT – Sanctuary dedicated to Our Lady in the mountains

Erklärung vom Direktor des Vatikanischen Pressesaals

Jede Bischofsweihe ohne päpstliche Erlaubnis ist rechtswidrig. Dies betonte am Montag der Direktor des vatikanischen Pressesaals, Greg Burke, in einer kurzen Erklärung zu den jüngsten Medienberichten über Bischofsweihen in der nicht von Rom anerkannten katholischen Kirche Chinas. Die Stellungnahme Burkes wurde auf der Internetseite des Heiligen Stuhls veröffentlicht.

Der Heilige Stuhl habe weder irgendeine Weihe genehmigt, noch wurde er offiziell von solchen Ereignissen informiert, heißt es in der Erklärung. Wenn es solche Bischofsweihen gegeben hätte, würden sie eine schwere Verletzung der kanonischer Normen darstellen, betonte Burke.

Der Vatikan hoffe, solche Nachrichten seien unbegründet. Anderenfalls müsse man zuverlässige Informationen und sichere Belege abwarten, um die Fälle ordnungsgemäß zu prüfen, heißt es im Kommuniqué des vatikanischen Pressesprechers.

Im Kirchenrecht‪ ist festgelegt: „Ein Bischof, der jemanden ohne päpstlichen Auftrag zum Bischof weiht, und ebenso, wer von ihm die Weihe empfängt, zieht sich die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation als Tatstrafe zu.“ (pdm)

Die Erklärung ist hier abrufbar (auf Englisch)

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Quelle

PAPST BENEDIKT XVI. – GEBET ZU UNSERER LIEBEN FRAU VON SHESHAN (CHINA)

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BENEDIKT XVI.

Gebet zu Unserer Lieben Frau von Sheshan

 

Heilige Jungfrau Maria, Mutter des menschgewordenen Wortes Gottes und unsere Mutter,
du wirst im Heiligtum von Sheshan als „Hilfe der Christen“ verehrt,
auf dich schaut mit Andacht und Liebe die ganze Kirche in China,
zu dir kommen wir heute, um dich um deinen Schutz anzuflehen.
Richte deine Augen auf das Volk Gottes und führe es mit mütterlicher Sorge
auf den Wegen der Wahrheit und der Liebe, damit es unter allen Umständen
Sauerteig für ein harmonisches Zusammenleben aller Bürger sei.

Bereitwillig hast du in Nazareth dazu Ja gesagt,
daß der Ewige Sohn Gottes in deinem jungfräulichen Schoß Fleisch annehme
und so das Werk der Erlösung in der Geschichte beginne.
Mit großer Hingabe, bereit, deine Seele vom Schwert des Schmerzes durchdringen zu lassen,
hast du dann an diesem Werk der Erlösung mitgewirkt
bis zu jener äußersten Stunde des Kreuzes, als du auf Golgota aufrecht stehen bliebst
neben deinem Sohn, der starb, damit die Menschheit lebe.

Von da an bist du auf neue Weise zur Mutter all jener geworden,
die im Glauben deinen Sohn aufnehmen
und bereit sind, ihm zu folgen und sein Kreuz auf die Schultern zu nehmen.
Mutter der Hoffnung, die du in der Dunkelheit des Karsamstags
mit unerschütterlichem Vertrauen dem Ostermorgen entgegengegangen bist,
schenke deinen Kindern die Fähigkeit, in jeder Situation,
mag sie auch noch so düster sein, die Zeichen der liebenden Gegenwart Gottes zu erkennen.

Unsere Liebe Frau von Sheshan, unterstütze den Einsatz all derer,
die in China unter den täglichen Mühen weiter glauben, hoffen und lieben,
damit sie sich nie fürchten, der Welt von Jesus und Jesus von der Welt zu erzählen.
An der Statue, die über dem Heiligtum thront, hältst du deinen Sohn hoch
und zeigst ihn der Welt mit ausgebreiteten Armen in einer Geste der Liebe.
Hilf den Katholiken, stets glaubwürdige Zeugen dieser Liebe zu sein,
indem sie mit dem Felsen Petrus vereint bleiben, auf den die Kirche gebaut ist.
Mutter von China und von Asien, bitte für uns jetzt und immerdar. Amen!

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Quelle

„Die Kirche Chinas ist in meinem Herzen“

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Chinesischer Gläubiger / © KiN – KIRCHE IN NOT

Am morgigen Dienstag wird weltweit zum zehnten Mal
der internationale Gebetstag für die Kirche in China begangen

An diesem Dienstag [24. Mai 2016] begehen Katholiken weltweit zum zehnten Mal den internationalen Gebetstag für die Kirche in China. Unweit der chinesischen Metropole Shanghai wird der Höhepunkt der traditionellen Mai-Wallfahrt zum größten chinesischen Marienheiligtum Sheshan stattfinden. „Ich möchte, dass dieses Datum für euch ein Tag des Gebets für die Kirche in China werde“, schrieb im Mai 2007 Papst Benedikt XVI. mit Blick auf den 24. Mai, den Tag, an dem die Muttergottes als „Hilfe der Christen“ verehrt wird.

Gerade in diesem Monat wurde der höchste Kirchenbau Chinas, der 75 Meter in die Höhe ragt, in Kunchan in der chinesischen Provinz Jiangsu unter diesem Patrozinium eingeweiht. Seit dem 19. Jahrhundert ist dieses Fest unter chinesischen Katholiken tief in der Volksfrömmigkeit verankert. Der damalige Obere der Gemeinschaft der Jesuiten in Shanghai brachte die Verehrung Mariens unter diesem Namen in den 1860er Jahren auf den Berg von Sheshan. Bischof Adrien Languillat, auch ein Jesuit, weihte dort eine Kapelle am 1. März 1868. Die Basilika wurde nach einem Gelöbnis aus Dank für den Schutz vor dem Übergreifen des Taiping Aufstands errichtet. Dieser ging als blutigster Bürgerkrieg der Menschheit in die Geschichte ein. Die Basilika ist die älteste Ostasiens und zieht Pilger aus ganz Asien an.

Das Bild von der Muttergottes als Helferin der Gläubigen geht mindestens bis ins dritte Jahrhundert zurück und fand im 17. Jahrhundert eine weite Verbreitung vom Passauer Gnadenbild ausgehend, nachdem der österreichische Kaiser Leopold I., der 1683 dorthin geflohen war, gegen die Türkengefahr gebetet hatte. Papst Pius VII. war es, der das Fest Maria Hilfe der Christen auf den 24. Mai legte, an dem er im Jahr 1814 aus seiner Gefangenschaft durch Napoleon nach Rom zurückkehren durfte. Die lange historische Tradition zeigt damit die enge Verwobenheit von ursprünglich chinesischen Erfahrungen mit der Geschichte der Weltkirche.

Katholische Kirche in China begann im 13. Jahrhundert

Die Geschichte der katholischen Kirche in China begann bereits im 13. Jahrhundert mit Franziskanermissionaren, allen voran mit Giovanni da Montecorvino, der erster Erzbischof von Peking wurde. Eine erste nennenswerte Ausbreitung und Verwurzelung zeigte die Jesuitenmission, die Anfang des 17. Jahrhunderts mit Matteo Ricci begann. Modern formuliert könnte man feststellen, dass er einen Wissenschafts- und Kulturdialog in Gang brachte; er machte sich dazu am Kaiserhof als Mathematiker, Astronom und Kartograph unentbehrlich. Nach ihm war der deutsche Jesuit Adam Schall von Bell Leiter der astronomischen Behörde. Der Ritenstreit führte Anfang des darauffolgenden Jahrhunderts mit der Ausweisung der christlichen Missionare im Jahr 1722 zur ernsten Krise des Christentums in China.

Die Gründung der kommunistischen Volksrepublik China 1949 führte schließlich zu Verfolgung und Willkür, sogar gegen chinesische Geistliche, die sich der staatlichen Kontrolle unterstellten. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Bischof Bernardin Dong (gestorben 2007), der gegen den ausdrücklichen Wunsch Papst Pius XII. zum Bischof geweiht wurde. Trotz der Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen wurde er zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

Aktuelle Situation

In den fünfziger Jahren errichtete die chinesische Führung eine eigene kirchliche Gemeinschaft samt Hierarchie, die Chinesische Katholische Patriotische Vereinigung. Sie orientiert sich in ihren gesellschaftlichen und personellen Entscheidungen vor allem an der Regierung. Anfang des Jahrtausends kam es zu einer Entspannung zwischen CKPV und Vatikan, da sich die Chinesen mit der Weihe von Bischöfen Zeit ließen, bis der Kandidat von Rom berufen wurde. Unerlaubte Bischofsweihen seit Mai 2006 verschlechterten die Beziehungen zwischen Peking und Rom wieder, bis der Brief Benedikts XVI. neue Ufer aufzeigte: Er zielte vor allem darauf ab, die Einheit unter den Katholiken in China zu stärken. Benedikt XVI. betonte darin, dass die Kirche nicht auf ein bestimmtes politisches System festgelegt und ihr nicht an einem andauernden Konflikt mit staatlichen Autoritäten gelegen sei. Einer sakramentalen Gemeinschaft zwischen Bischöfen und Priestern der Untergrundkirche sowie der offiziell anerkannten Hierarchie stehe nichts im Wege.

Den „Anspruch einiger vom Staat gewollter und der Struktur der Kirche fremder Organe und Einrichtungen“, die sich über die Bischöfe selbst stellten und das Leben der kirchlichen Gemeinde zu lenken“ suchten, wies er zurück. Die CKPV kommentierte das Schreiben anschließend bitter, während die staatliche Religionsbehörde ihre eigenen Forderungen wiederholte: Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Taiwan und Anerkennung der unter staatlicher Kontrolle erwählten Hierarchie. Der damalige Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen, bemerkte jedoch zu dem Brief: „Ich bewundere das kostbare Gleichgewicht, das der Heilige Vater zwischen seiner Leidenschaft für die Wahrheit und der Liebe für seine Kinder hergestellt hat.“

Unter Papst Franziskus wurde der vatikanisch-chinesische Dialog im Sommer 2014 wieder aufgenommen, im Oktober vorigen Jahres fortgesetzt, sowie im Januar und im April. Die neue Regelmäßigkeit spricht dafür, dass beiderseits ein echtes Interesse an Annäherung besteht sowie daran, das Trennende zu bearbeiten. „Der Weg endet, wenn Gott es will“, sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin kürzlich zu den Verhandlungen in einem Interview mit dem San Francesco Magazin.

Alle Religionsgemeinschaften wachsen in China, besonders unter den jungen Menschen. Es sind wohl zwischen 300 und 400 Millionen Menschen, die der Atheismus nicht glücklich macht, darunter bis zu 100 Millionen Anhänger protestantischer Denominationen, gegenüber zwölf bis 14 Millionen Katholiken. Die Situation der Religionsfreiheit hat sich durch die Jahrzehnte hindurch gebessert. Die Kommunistische Partei kontrolliert jedoch weiterhin religiöse Aktivitäten von Christen, Buddhisten, Taoisten und Muslimen, die sie offiziell als Religionsgemeinschaften anerkannt hat. In der Kontrolle besteht aber die Einschränkung der Religionsfreiheit, kritisieren Menschenrechtler. Sie monieren auch, dass eine einheitliche Linie fehle. Nicht einmal die offizielle Registrierung schützt ihnen zufolge vor Strafe. Anhänger nicht registrierter Gemeinschaften geraten signifikant häufiger und heftiger in Schwierigkeiten mit den Behörden, was sogar zu Lagerhaft führen kann. Staatlich nicht anerkannte Hauskirchen stehen besonders stark unter Druck.

Der erste Religionskongress in China seit 15 Jahren fand in diesem April statt. Präsident Xi Jinping hielt dort eine zentrale Rede, in der er sehr deutlich vor religiösen Aktivitäten außerhalb der Kontrolle der KP Chinas warnte. Parteimitglieder sollten nicht eigene Werte und Überzeugungen in den Religionen suchen, sondern im marxistischen Atheismus standhaft bleiben.

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Unsere Liebe Frau von Sheshan, China

„Unsere Liebe Frau von Sheshan, unterstütze den Einsatz all derer, die in China unter den täglichen Mühen weiter glauben, hoffen und lieben, damit sie sich nie fürchten, der Welt von Jesus und Jesus von der Welt zu erzählen“, heißt es in dem Gebet, das Papst Benedikt XVI. schließlich 2008, ein Jahr nach seinem berühmten Brief veröffentlichte.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, erklärte in diesem Jahr zum Gebetstag, die Religionsfreiheit werde in China heute mehr als früher anerkannt, allerdings bestünden weiterhin viele Einschränkungen. Als große Belastung für das kirchliche Leben bezeichnete er die staatliche Einmischung in kirchliche Angelegenheiten, unter anderem bei der Ernennung von Bischöfen, der Besetzung von Ämtern und der theologischen Ausbildung. Wie andere Beobachter wartet er mit Spannung auf den weiteren Verlauf der chinesisch-vatikanischen Gespräche ab.

Papst Franziskus rief beim Angelus am Sonntag die katholischen Gläubigen in China zusammen mit Anhängern anderer Religionen dazu auf, als Zeichen der Versöhnung zu dienen,  im Sinne einer Kultur des Dialogs und im Dienste einer Harmonie der gesamten Gesellschaft. Einem chinesischen Mädchen verriet er im Rahmen eins Buchprojekts, dass er jeden Tag vor einer Darstellung der Muttergottes von Sheshan für die Volksrepublik bete. Eine Replik der heutigen Statue der Muttergottes dort überreichte ihm Kardinal Tong Hon gleich nach dem Konklave im März 2013. Bei einer zufälligen Begegnung im Aufzug der Casa Santa Martha habe Franziskus ihm damals schon versprochen: „Die Kirche Chinas ist in meinem Herzen.

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Quelle

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