USA/Türkei: Protest gegen Koranlesung in Hagia Sophia

EPA1757612_Articolo

Hagia Sophia

Das griechisch-orthodoxe Erzbistum der USA ist bestürzt darüber, dass in der Hagia Sophia von Istanbul während des Ramadan tägliche Lesungen aus dem Koran stattfinden. Das Erzbistum schließt sich Protesten aus Griechenland und Deutschland an. Die Türkei müsse „die Hagia Sophia in einer Weise erhalten, die ihre Tradition und auch ihre komplexe Geschichte respektiert“. Das Bauwerk sei UNESCO-Weltkulturerbe; es müsse „auf eine Weise genutzt werden, die diesen Status nicht infrage stellt“.

Das griechisch-orthodoxe Statement verurteilt scharf „diesen Akt, der darauf zielt, den international anerkannten Status der Hagia Sophia zu verändern“. Die Verantwortlichen für die Koranlesungen lüden, wenn sie diese Praxis fortsetzten, „eine riesige Verantwortung“ auf ihre Schultern.

Die Anfänge der Hagia Sophia gehen auf Kaiser Konstantin (330 n.Chr.) zurück; der heutige Bau wurde vom byzantinischen Kaiser Justinian im Jahr 537 eingeweiht, er war lange die größte Kirche der Christenheit. Bis zum Fall Konstantinopels 1453 war die Hagia Sophia auch Sitz des Ökumenischen Patriarchen. Von 1453 bis 1934 wurde sie als Moschee genutzt; seit 1934 ist sie Museum.

Unlängst wurde überraschend bekannt, dass während des Ramadan Koranlesungen aus der Hagia Sophia übertragen werden. Das bedeutet einen Bruch mit einer jahrzehntelangen Praxis und sorgt bei Christen weltweit für Unruhe.

(rv 11.06.2016 sk)

Wertvolle Texte, die (u.a.) den katholischen christlichen Ökumenismus erklären (04)

Greek orthodox church interior, Saint Dimitrios of Thessaloniki

Greek orthodox church interior, Saint Dimitrios of Thessaloniki

SCHREIBEN VON BENEDIKT XVI.
AN KARDINAL WALTER KASPER
ANLÄSSLICH DES X. INTERCHRISTLICHEN SYMPOSIONS
ZWISCHEN KATHOLIKEN UND ORTHODOXEN

An den verehrten Bruder
Herrn Kardinal WALTER KASPER
Präsident des Päpstlichen Rates
zur Förderung der Einheit der Christen

Mit besonderer Freude habe ich erfahren, daß das X. Interchristliche Symposion, das vom Franziskanischen Institut für Spiritualität der Päpstlichen Hochschule Antonianum und von der Theologischen Fakultät der Universität »Aristoteles« in Thessaloniki veranstaltet wird, auf der Insel Tinos stattfindet, wo Orthodoxe und Katholiken brüderlich zusammenleben.

Die ökumenische Zusammenarbeit im Universitätsbereich trägt dazu bei, das Streben nach der ersehnten Gemeinschaft zwischen allen Christen lebendig zu erhalten. Diesbezüglich hatte das Zweite Vatikanische Konzil auf diesem Gebiet eine angemessene Möglichkeit erkannt, um das ganze Volk Gottes in die Suche nach der vollen Einheit einzubeziehen. »Von der Ausbildung der Priester hängt ja die notwendige Unterweisung und geistliche Bildung der Gläubigen und der Ordensleute ganz besonders ab« (Dekret Unitatis redintegratio, 10).

Das Thema des kommenden Symposions »Der heilige Johannes Chrysostomus – Brücke zwischen Osten und Westen« wird zum 1600. Jahrestag seines Todes am 14. September 407 die Gelegenheit bieten, eines berühmten Kirchenvaters zu gedenken, der sowohl im Osten wie im Westen verehrt wird; eines mutigen, erleuchteten und treuen Künders des Wortes Gottes, auf das er sein pastorales Wirken gründete; eines außergewöhnlichen Hermeneutikers und Homileten, so daß ihm bereits seit dem 5. Jahrhundert der Beiname Chrysostomus, das heißt Goldmund, gegeben worden ist, und dessen Beitrag zur Gestaltung der byzantinischen Liturgie allen bekannt ist. Für den Mut und die Treue seines Zeugnisses für das Evangelium mußte er Verfolgung und Verbannung erleiden. Nach komplizierten geschichtlichen Wechselfällen ruht sein Leib seit dem 1. Mai 1626 in der Basilika Sankt Peter, und am 27. November 2004 schenkte mein verehrter Vorgänger Johannes Paul II. einen Teil der Reliquien Seiner Heiligkeit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., und auf diese Weise wird jetzt sowohl in der vatikanischen Basilika als auch in der Kirche des hl. Georg im Phanar dieser große Kirchenvater verehrt.

Die Reflexion eures Symposions, das sich mit einer Thematik auseinandersetzen wird, die sich auf den hl. Johannes Chrysostomus und die Gemeinschaft mit der Kirche des Westens bezieht und auch einige aktuelle Probleme analysiert, wird dazu beitragen, die wahre, wenn auch unvollkommene Gemeinschaft zwischen Katholiken und Orthodoxen zu unterstützen und zu stärken, so daß man zu jener Fülle gelangen kann, die es uns erlauben wird, eines Tages gemeinsam die eine Eucharistie zu feiern. Und es ist gerade jener gesegnete Tag, auf den wir alle auch dadurch voll Hoffnung schauen, daß wir weise Initiativen wie diese ins Leben rufen.

Mit diesen Gedanken rufe ich den reichen Segen Gottes auf eure Begegnung und auf alle Teilnehmer herab: Der Heilige Geist erleuchte den Verstand, erwärme die Herzen und erfülle einen jeden mit der Freude und dem Frieden des Herrn.

Schließlich nehme ich die Gelegenheit wahr, den orthodoxen und katholischen Gläubigen Griechenlands und ganz besonders dem Erzbischof von Athen und ganz Griechenland, Seiner Seligkeit Christodoulos einen brüderlichen Gruß zu übersenden, indem ich ihm völlige Genesung wünsche, damit er seinen Hirtendienst so bald wie möglich wieder aufnehmen kann, und ich versichere ihn meines Gebets für dieses Anliegen. Die »Theotokos«, die mit besonderer Hingabe auf der Insel Tinos geliebt und verehrt wird, möge mütterlich Fürsprache dafür einlegen, daß unsere gemeinsamen Vorsätze von den ersehnten geistlichen Erfolgen gekrönt werden.

Aus Castelgandolfo, am 12. September 2007

BENEDICTUS PP. XVI


SCHREIBEN VON PAPST  BENEDIKT XVI.
AN K
ARDINAL KURT KOCH, PRÄSIDENT DES
PÄPSTLICHEN RATS ZUR FÖRDERUNG DER EINHEIT DER CHRISTEN,
ANLÄSSLICH DES XII. INTERCHRISTLICHEN SYMPOSIUMS
[THESSALONIKI, 30. AUGUST – 2. SEPTEMBER 2011]

 

An den verehrten Bruder
Herrn Kardinal Kurt Koch,
Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen

1. Anläßlich des 12. Interchristlichen Symposions zum Thema »Das Zeugnis der Kirche in der Welt von heute«, das vom 30. August bis 2. September 2011 in Thessaloniki stattfindet, möchte ich durch Sie, lieber Mitbruder, meine hohe Wertschätzung für diese lobenswerte Initiative zum Ausdruck bringen, die getragen wird vom Franziskanischen Institut für Spiritualität der Päpstlichen Universität Antonianum und dem Department für Theologie der orthodoxen theologischen Fakultät der Universität Aristoteles von Thessaloniki.

2. Das Thema, das auf dem Symposion behandelt wird, ist von großer Aktualität und steht im Mittelpunkt meiner Sorgen und Gebete, wie ich bereits im Apostolischen Schreiben Ubicumque et semper gesagt habe, mit dem ich den Päpstlichen Rat für die Neuevangelisierung eingerichtet habe. Im Lauf der Jahrhunderte hat die Kirche nie aufgehört, das Heilsgeheimnis von Tod und Auferstehung Jesu Christi zu verkünden. Aber diese Verkündigung bedarf heute einer erneuerten Kraft in vielen Regionen, die deren Licht als erste aufgenommen haben, aber die Auswirkungen einer Säkularisierung spüren, die bewirken kann, daß der Mensch in seiner tiefsten Dimension verarmt. In der Tat sehen wir in der heutigen Welt widersprüchliche Phänomene: Auf der einen Seite ist eine weit verbreitete Ablenkung von der Transzendenz oder auch eine Unempfänglichkeit ihr gegenüber festzustellen, auf der anderen Seite gibt es viele Zeichen, die bezeugen, daß es in den Herzen vieler weiterhin eine tiefe Sehnsucht nach Gott gibt, die auf verschiedene Art und Weise zum Ausdruck kommt und zahlreiche Männer und Frauen eine Haltung aufrichtiger Suche annehmen läßt.

3. Die aktuellen kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Szenarien stellen Katholiken und Orthodoxe vor dieselben Herausforderungen. Die im Laufe des Symposions entwickelte Reflexion wird daher einen wichtigen ökumenischen Aspekt haben. Die einzelnen Beiträge werden es erlauben, ein genau umrissenes Bild der gemeinsamen Probleme zu zeichnen und die Besonderheiten der unterschiedlichen Herangehensweisen darzustellen. So wird in einer Atmosphäre der brüderlichen Liebe der Austausch von Gedanken und Erfahrungen gefördert. Die gegenseitige Kenntnis unserer Traditionen und die aufrichtige Freundschaft stellen schon an sich einen Beitrag zum Anliegen der Einheit der Christen dar. Ich möchte hier an die Worte meines verehrten Vorgängers, des Dieners Gottes Paul VI., erinnern, der in bezug auf die Evangelisierung gesagt hat: Als »Träger der Evangelisierung, dürfen wir den an Christus Glaubenden nicht das Bild von zerstrittenen und durch Fronten getrennten, keineswegs erbaulichen Menschen geben, sondern das Bild von Persönlichkeiten, die im Glauben gereift und fähig sind, einander jenseits aller konkreten Spannungen in der gemeinsamen, aufrichtigen und lauteren Wahrheitssuche zu begegnen. Wirklich, das Schicksal der Evangelisierung ist mit aller Bestimmtheit an das von der Kirche gebotene Zeugnis der Einheit gebunden. Daraus ergibt sich Verantwortung, aber auch Trost« (Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi, 77).

4. Zum Erfolg der Arbeiten wird sicherlich die Fürsprache des hl. Paulus beitragen, dessen Gedächtnis in der Stadt Thessaloniki besonders lebendig ist, wo der Apostel als erster das Evangelium verkündet hat und mit der er durch ein Band besonderer Zuneigung verbunden blieb. Für eine erneuerte Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute sind Glaubensverkünder notwendig, die von demselben apostolischen Eifer beseelt sind wie der hl. Paulus.

5. Allen, die zur Durchführung des Symposions beigetragen haben, die geehrten Referenten und allen Teilnehmern gilt mein herzlicher Gruß, verbunden mit den guten Wünschen für einen vollen Erfolg der Initiative. Ich begleite die Arbeiten mit dem Gebet und mit meinem Apostolischen Segen.

Aus Castel Gandolfo, 6. August 2011

 

BENEDICTUS PP XVI

Botschaft von Papst Franziskus zur Gründung des ersten griechisch-orthodoxen Klosters in Österreich

Ikonostase_der_griechisch-orthodoxen_Kathedrale_Evangelismos,_Alexandria,_Ägypten

Ikonostase der griechisch-orthodoxen Kathedrale Evangelismos, Alexandria, Ägypten

Meinem verehrten Bruder, Bischof Ägidius Zsifkovics, Bischof von Eisenstadt    

Mit Freude habe ich erfahren, dass heuer das Fest Eures Diözsanpatrons, des heiligen Martin, in besonderer Weise eine Feier von ökumenischer Brüderlichkeit ist. Aus diesem Anlass entbiete ich Dir und den Gläubigen der Diözese Eisenstadt sowie dem griechisch-orthodoxen Metropoliten von Österreich und Exarchen von Ungarn und Mitteleuropa, Seiner Eminenz Arsenios Kardamakis, und allen griechisch-orthodoxen Brüdern und Schwestern in Österreich herzliche Grüße und Segenswünsche, die Euch der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, persönlich überbringt.

Mit besonderer brüderlicher Zuneigung grüße ich den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Seine Allheiligkeit Bartholomaios I., der eigens nach Eisenstadt gekommen ist, um den verheißungsvollen Beginn des ersten orthodoxen Klosters in Österreich zu feiern, und beim Gottesdienst im ehrwürdigen Martinsdom anwesend ist. Ich danke ihm ganz herzlich für dieses liebenswürdige Zeichen ökumenischer Verbundenheit, und freue mich schon heute, ihm am Fest des heiligen Andreas im Phanar in Konstantinopel erneut begegnen zu dürfen.

Der heilige Martin, der Patron Eurer Diözese, hat das Herz der Menschen mit dem Teilen seines Mantels zugunsten eines Armen berührt. In seinem Geist und deshalb mit großem Wohlwollen hast Du, lieber Mitbruder im Bischofsamt, den Wunsch des griechisch-orthodoxen Metropoliten von Österreich, Arsenios Kardamakis, aufgenommen, ein Kloster zu gründen, das den orthodoxen Christen im Burgenland und in den angrenzenden Regionen als ein spirituelles Zentrum dienen soll. Um dieses wichtige Projekt verwirklichen zu helfen, hast Du der griechisch-orthodoxen Kirche ein Stück Land aus kirchlichem Besitz zur Verfügung gestellt und überreichst am Festtag des heiligen

Martin im Dom zu Eisenstadt Metropolit Arsenios die Stiftungsurkunde. Es ist dies ein wunderbarer Ausdruck Eurer ökumenischen Zusammenarbeit. Mit diesem Akt wird einmal mehr jene Brückenfunktion zu den Völkern Osteuropas hin deutlich, die mein Vorgänger im Petrusamt, der heilige Johannes Paul II., anlässlich seines Pastoralbesuchs am 24. Juni 1988 der Diözese Eisenstadt ans Herz gelegt hat, als er Euch einlud, mit den Völkern Osteuropas »Kontakte zu pflegen und auch mit ihnen zu teilen, materiell und geistig«.

Das zugesicherte Grundstück für das Kloster befindet sich auf dem Boden der Pfarre St. Andrä, der unser aller Dank gilt, dass sie dieses ökumenische Vorhaben wohlwollend und großherzig unterstützt. Der Patron dieser Pfarre verbindet sie mit der altehrwürdigen Kirche von Konstantinopel, die den heiligen Andreas als Protoklitos verehrt. Ein orthodoxes Kloster auf burgenländischem Boden gemeinsam zu verwirklichen ist ein vielversprechendes Zeichen der ökumenischen Verantwortung. Ein Kloster als Ort des Gebetes ruft uns vor allem in Erinnerung, dass das Gebet für die Einheit die grundlegende ökumenische Tat ist. Denn die Einheit wird uns nur geschenkt, wenn wir für den Heiligen Geist, die Quelle aller Einheit, empfänglich sind. Das Zweite Vatikanische Konzil hat deshalb die spirituelle Ökumene als »Herz der Ökumenischen Bewegung« bezeichnet (Unitatis redintegratio,8). Sie ist als Gebetsbewegung entstanden und ist im Grunde, wie der große Förderer der spirituellen Ökumene, Abbé Paul Couturier, sehr schön gesagt hat, ein unsichtbar in der Welt verbreitetes Kloster.

Mit der Gründung eines orthodoxen Klosters wird diese spirituelle Ökumene sichtbar und konkret. In Dankbarkeit für dieses Zeichen gelebter Ökumene erteile ich allen im Eisenstädter Martinsdom zur Feier der heiligen Eucharistie Versammelten, den Gläubigen der Pfarre St. Andrä und der Diözese Eisenstadt sowie den orthodoxen Brüdern und Schwestern im Burgenland und in ganz Österreich von Herzen meinen Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 1. November 2014, dem Hochfest Allerheiligen

Franziskus

_______

Quelle

Siehe ferner:

Johannes Paul II.: „In der Hoffnung auf eine Zukunft der Brüderlichkeit und Gemeinschaft“

St Maximos the Confessor

Der Heilige Maximus der Bekenner

JOHANNES PAUL II.

AUDIENZ FÜR EINE DELEGATION DER
GRIECHISCH-ORTHODOXEN KIRCHE

Montag, 11. März 2002

 

Exzellenzen,
liebe Brüder in Christus, 

»Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus« (2Kor 1, 2).

1. Mit diesem Gruß des hl. Paulus an die Christen von Korinth empfange ich Sie heute voller Freude und in der Hoffnung auf eine Zukunft der Brüderlichkeit und Gemeinschaft.

Tief dankbar bin ich Seiner Seligkeit Christódoulos, dem Erzbischof von Athen und ganz Griechenland, der Sie als Friedensboten nach Rom entsandt hat im Anschluß an die brüderliche Begegnung, die ich bei meiner Pilgerreise zum Areopag auf den gottgesegneten Spuren des Apostels Paulus mit ihm haben durfte.

2. Das gegenseitige persönliche Kennenlernen, der Austausch von Informationen sowie ein aufrichtiger Dialog über die Mittel zur Pflege von Beziehungen zwischen unseren Kirchen sind unentbehrliche Voraussetzungen, um in einem Geist kirchlicher Brüderlichkeit Fortschritte machen zu können. Sie sind auch die wesentliche Voraussetzung für die Aufnahme einer Zusammenarbeit, die es Katholiken und Orthodoxen ermöglicht, ein lebendiges Zeugnis für ihr gemeinsames christliches Erbe zu geben. Dies gilt vor allem für die heutige Gesellschaft, in der der Einklang zwischen Lebensstil und Evangelium ins Wanken geraten zu sein scheint. Ebenso scheinen die Anerkennung des Wertes der Lehren des Evangeliums im Hinblick auf die Achtung des nach dem Abbild Gottes geschaffenen Menschen und seiner Würde sowie die Gerechtigkeit, die Nächstenliebe und die Suche nach der Wahrheit abzunehmen.

3. Angesichts der Entwicklungen, die unseren Kontinent derzeit kennzeichnen, ist die Stunde der Zusammenarbeit gekommen! Unter Berücksichtigung der Notwendigkeit einer Neuevangelisierung Europas, die es diesem Erdteil ermöglichen wird, seine christlichen Wurzeln vollständig wiederzufinden, sollten sich die östliche und die westliche Tradition, die beide auf die große und einzige christliche Tradition und die apostolische Kirche zurückgehen, auf das leuchtende Charisma von Maximus, dem Bekenner, stützen: Er war eine Art Brücke zwischen den beiden Traditionen, zwischen Westen und Osten, und er vermochte die Praxis des »sympathos« zur Lösung der Probleme in der Welt einzusetzen. Auch wir sind verpflichtet, uns mit diesen Fragen auf dynamische und positive Weise zu befassen, und – von der Hoffnung gestärkt, die der Geist, der Paraklet, uns einflößt – nach Lösungen zu suchen.

Unsere Aufgabe ist es, das empfangene christliche Erbe weiterzugeben. Es ist daher von immer dringenderer Bedeutung, daß die Christen der Gesellschaft ein beispielhaftes Bild ihres gemeinsamen Verhaltens bieten, indem sie ihr Leben im Glauben verankern; daß sie zusammen versuchen, Lösungen zu finden für die schweren, von den Wissenschaften aufgeworfenen ethischen Probleme und für die Vorgehensweisen, die von jeder Bezugnahme auf die transzendente Dimension des Menschen absehen, ja diese sogar leugnen wollen. In diesem Zusammenhang möchte ich die Verpflichtung hervorheben, auf die der Erzbischof von Athen und ganz Griechenland und ich selbst letztes Jahr hingewiesen haben: »Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, daß die christlichen Wurzeln Europas und seine christliche Seele unversehrt bewahrt bleiben« (Gemeinsame Erklärung auf dem Areopag von Athen, 4. Mai 2001; in: O.R. dt., Nr. 19, 11.5.2001, S. 1).

4. Aufgrund der Art und Weise, ihr Erbe des Glaubens und des christlichen Lebens zu bewahren, kommt der orthodoxen Kirche Griechenlands in diesem Bereich eine ganz besondere Verantwortung zu. Während meines Aufenthalts in Athen erinnerte ich daran, daß »der Name Griechenlands überall dort widerhallt, wo das Evangelium verkündet wird […] Seit apostolischen Zeiten bis zum heutigen Tag ist die orthodoxe Kirche eine reiche Quelle, aus der die Kirche des Westens ihre Liturgie, ihre Spiritualität und ihr Recht geschöpft hat« (Ansprache an den Erzbischof von Athen und ganz Griechenland, Seine Seligkeit Christódoulos, 4. Mai 2001). Unsere Verantwortung besteht darin, nach einer Ökumene der Heiligkeit zu streben, die uns schließlich mit der Hilfe Gottes zur vollen Gemeinschaft führen wird; dies bedeutet weder ein Aufsaugen noch eine Verschmelzung, sondern Begegnung in Wahrheit und Liebe (vgl. Slavorum Apostoli, 27). Angesichts dieser Verantwortung müssen wir unsere Zusammenarbeit ausbauen und gemeinsam dahingehend wirken, daß die Stimme des Evangeliums in Europa, das das unsere ist, kraftvoll erklingt, und zwar dort, wo die christlichen Wurzeln der Völker zu neuem Leben erwachen sollen.

5. In dieser Zeit, die uns zu Ostern, dem Fest aller Feste, hinführt, das wir leider nicht am gleichen Tag feiern können, sind wir Katholiken und Orthodoxen dennoch in der Verkündigung des Kerygma der Auferstehung vereint. Diese Botschaft, die wir gemeinsam vermitteln wollen, wird den Menschen von heute einen Grund zum Leben und zur Hoffnung geben; unser Wille, nach Gemeinschaft untereinander zu suchen, kann auch die zivilen Gesellschaften zu einem gerechten Modell des Zusammenlebens anspornen.

6. Ich danke Ihnen für Ihren liebenswürdigen Besuch und bitte Sie, Seiner Seligkeit Christódoulos, den Mitgliedern des Heiligen Synod und allen Christgläubigen Griechenlands meine herzlichen Grüße zu übermitteln.

Die Worte des hl. Paulus wiederaufnehmend, mit denen unsere Gemeinsame Erklärung in Athen endete, bete ich zum Herrn, daß er unsere Wege lenke und »daß wir wachsen und reich werden in der Liebe zueinander und zu allen Menschen«.

Die Gnade und der Friede Gottes mögen Sie während Ihres Besuchs begleiten und es Ihnen ermöglichen, die aufrichtige und brüderliche Liebe zu erfahren, mit der der Hl. Stuhl und der Bischof von Rom Sie empfangen!

_______

Quelle