Zum Abschluss des Jahrs der Barmherzigkeit: Homilie von Bischof Vitus Huonder

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Brüder und Schwestern im Herrn

Es gibt Augenblicke im Leben eines jeden Menschen, da Erinnerungen hochkommen. Oft sind es Augenblicke, die einem Erwachen gleichen. Es sind Augenblicke, die einen zwingen, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Wenn sie gut genutzt werden, sind es Augenblicke der Gnade.

Solche Augenblicke führen dazu, dass sich der Mensch über sein Leben Rechenschaft gibt. Dadurch gelangt er zur Selbsterkenntnis. Auch das Gewissen meldet sich. Der Mensch bildet sich ein Urteil über seine Gedanken, seine Worte, seine Taten. Dabei können auch Schuldgefühle aufkommen, und es stellt sich die Frage: „Wie werde ich meine Schuld los? Wie kann ich begangenes Unrecht in Ordnung bringen?“

Selbsterkenntnis finden wir auch im heutigen Evangelium Lk 23,35-43. Der eine Verbrecher erfährt sie angesichts des unschuldig leidenden Herrn. Im Dialog mit seinem Schicksalsgenossen äußert er sich: „Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan“ (Lk 23,40-41). Der Schuldige sieht sein Vergehen ein, das Unrecht, das er getan hat. Das ist eine positive Folge der Selbsterkenntnis.

So wird die Frage entscheidend: Wohin führt die Selbsterkenntnis? Was geschieht, wenn ich plötzlich, wie der Verbrecher im Evangelium, entdecke: „Ich erhalte den Lohn für meine Taten“ (vgl. Lk 23,41)? Unter diesen „Taten“ versteht er das Unrecht. Denn er stellt im Gegenüber zu Jesu Leiden fest: „Dieser aber hat nichts Unrechtes getan“ (Lk 23,41). Die unausgesprochene Folgerung ist: „Wir haben uns verfehlt“. Das ist ein Bekenntnis, ein Schuldbekenntnis. Die Selbsterkenntnis führt zum Schuldbekenntnis.

Die Erkenntnis einer Schuld kann schwer auf dem Menschen lasten. Sie kann den Menschen in die Verzweiflung treiben, wie dies bei Judas geschehen ist. Sie kann den Menschen aber auch zur Verhärtung führen. Denn ein Schuldbekenntnis abzulegen, ist oft schmerzvoll. Der Stolz lässt es nicht zu. Ein Beispiel haben wir in der Erzählung von Kain und Abel. Kain will seine Schuld nicht eingestehen. Er lenkt von ihr ab. Denn nach dem Mord fragt ihn Gott: „Wo ist dein Bruder Abel“ (Gen 4,9)? Kain weiß, wo sein Bruder ist. Er weiß, dass er tot ist, weil er ihn erschlagen hat. Dennoch weicht er der Frage des Herrn aus: „Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders“ (Gen 4,9)? Der Stolz lässt es nicht zu, dass er ein Schuldbekenntnis ablegt, obwohl er ja wissen muss, dass Gott ihn durchschaut hat.

Wir schließen heute das Jahr der Barmherzigkeit ab. Das Jahr der Barmherzigkeit wollte ein Jahr sein, das Hoffnung verleiht und Befreiung schenkt, ein Jahr, welches dem Menschen in der Situation der Selbsterkenntnis und des Schuldbewusstseins zu Hilfe kommt. Es wollte ein Jahr sein, das den Schuldigen zur Umkehr bewegt. Es wollte ein Jahr der Abkehr vom Versagen, vom Unrecht sein; ein Jahr der Hinkehr zu Gottes Barmherzigkeit; ein Jahr, das zur Erneuerung des Herzens, der Absichten, des Lebenswandels führt. Wer umkehrt, wer sich von der Sünde und vom Unrecht abwendet, darf Gottes Barmherzigkeit erfahren. Sein Leben wird daher nicht in der Verzweiflung oder in der Verhärtung enden. Der Menschen soll sich vielmehr jenem übergeben und ergeben, der uns versichert: „Seht, ich mache alles neu“ (Offb 21,5). Im Kolosserbrief sagt es der heilige Paulus folgendermaßen: „Er hat uns fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind“ (Kol 1,12). Auch der Verbrecher im Evangelium, der sich zu seinen Untaten bekennt und Jesus um seine Barmherzigkeit bittet, darf die Worte vernehmen: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,43). Das ist die Frucht seiner Reue über das Unrecht, das er getan hat. Lassen wir uns davon beeindrucken. Schreiten wird damit in die Zukunft.

Was das Jahr sicher nicht wollte, ist die Gleichgültigkeit gegenüber der Sünde und die Verwegenheit gegenüber Gott. Jesus Sirach sagt es mit diesen eindringlich Worten: „Sag nicht: Ich habe gesündigt, doch was ist mir geschehen? Denn der Herr hat viel Geduld. Verlass dich nicht auf die Vergebung, füge nicht Sünde auf Sünde, indem du sagst: Seine Barmherzigkeit ist groß, er wird mir viele Sünden verzeihen. Denn Erbarmen ist bei ihm, aber auch Zorn. Auf dem Frevler ruht sein Grimm (Sir 5,4-6).

Die Quintessenz dieses Jahres: Auf die Umkehr und Abkehr vom Bösen, auf das Bekenntnis der Schuld und auf die Reue antwortet Gott mit Barmherzigkeit. Gottes Barmherzigkeit ist eine Einladung, sich vom Bösen abzuwenden und ein heiliges Leben zu führen. Wenn uns das Jahr der Barmherzigkeit zu dieser Einsicht und zum steten Streben nach Heiligkeit gebracht hat, dann war es ein Erfolg, kein Flop. Amen.

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Quelle

Papst: „Reform der Kirche beginnt im Beichtstuhl“

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Petersdom

„Lasst euch von der göttlichen Barmherzigkeit umformen!“ Das hat Papst Franziskus niederländischen Rom-Pilgern an diesem Dienstag im Petersdom mit auf den Weg gegeben. Priester, Bischöfe und Gläubige aus allen Bistümern der Niederlande waren kurz zuvor feierlich durch die Heilige Pforte der Barmherzigkeit gezogen.

„Das Heilige Jahr bringt uns in eine tiefere Beziehung zu Jesus Christus, dem Antlitz der Barmherzigkeit des Vaters. Wir werden dieses große Geheimnis der Liebe Gottes nie ausschöpfen können! Sie ist die Quelle unseres Heils: Die ganze Welt, wir alle brauchen die göttliche Barmherzigkeit. Sie rettet uns, gibt uns Leben, schafft uns neu als wahre Söhne und Töchter Gottes.“

Der Papst warb auch für eine Neuentdeckung des Beichtsakraments: Hier lasse sich Gottes rettende Güte „ganz besonders erfahren“. „Sie ist der Ort, wo man Gottes Vergebung und Barmherzigkeit geschenkt bekommt. Hier beginnt die Verwandlung eines jeden von uns, und auch die Reform des Lebens der Kirche!“

Sie sollten „Werkzeuge der göttlichen Barmherzigkeit“ im Alltag werden, sagte der Papst den Pilgern weiter. „Die Männer und Frauen von heute dürsten nach Gott, dürsten nach seiner Güte und Liebe! Und ihr könnt als Kanäle der Barmherzigkeit mithelfen, diesen Durst zu stillen. Ihr könnt so vielen Menschen helfen, Christus wiederzuentdecken…“

(rv 15.11.2016 sk)

Vatikan: Ältestes Kruzifix wird zum Denkmal des Jubiläums

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Das älteste Kruzifix in St. Peter

Wenn am 20. November das Heilige Jahr zu Ende gehen wird, soll im Petersdom zur „Erinnerung“ an dieses außerordentliche Jubiläumsjahr das älteste Kruzifix von St. Peter für alle Gläubigen wieder sichtbar angebracht werden. Das kündigte an diesem Freitag der Erzpriester der vatikanischen Basilika an, Kardinal Angelo Comastri. Er stellte der Presse das frisch restaurierte Kruzifix vor. 15 Monate lang haben die Arbeiten gedauert, rund 60.000 Euro hat das Ganze gekostet, so Kardinal Comastri.

„Es handelt sich um ein hölzernes Kruzifix, der aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts stammt, also aus der Zeit von Dante Alighieri, und ist bei weitem das älteste Kreuz dieser Größe, das wir hier im Petersdom haben“, so der Erzpriester von St. Peter. Doch in den vergangenen achtzig Jahren war es an einer „ungünstigen“ Stelle platziert, abseits von der Öffentlichkeit. Davor stand ein Aufzug, den nur die Päpste und ihre Begleiter benützten und immer noch exklusiv verwenden. Das Kruzifix ist über 2,15 Meter groß und ist aus dem Stamm eines Nussbaumes erstellt worden. Doch trotz verschiedener Restaurierungsarbeiten im Lauf der Jahrhunderte befand es sich in einem ziemlich schlechten Zustand, wie die Restauratorin Lorenza D’Alessandro erläutert. „Wir mussten jede einzelne Schicht mit speziellen Lasergeräten entfernen“, sagt sie bei der Vorstellung des „neuen“ Kruzifixes. Die Arbeiten fanden im Kapitelsaal der Sakristei von St. Peter statt, wo das frisch restaurierte Kreuz auch der Presse vorgestellt wurde.

„Das Kruzifix wird dann erstmals am 6. November zum Anlass des Gottesdienstes mit dem Papst für das Jubiläumsjahr der Gefängnisinsassen wieder der Öffentlichkeit gezeigt. Gerade für die Gefängnisinsassen als Pilger in St. Peter wird das ein besonderes Zeichen der Hoffnung und eine Botschaft der Barmherzigkeit sein“, so Kardinal Comastri. Übrigens, Franziskus selber hat das Kreuz noch nicht gesehen und wird es wie die Pilger erst am 6. November sehen.

Danach soll es als „Denkmal für das Heilige Jahr der Barmherzigkeit“ in der Sakramentskapelle – also unmittelbar neben dem Grabmal des heiligen Papstes Johannes Paul II. – aufgestellt werden. „Der Pilger, der in jene Seitenkapelle zum Beten kommt, wird dann als erstes den Anblick des Gekreuzigten sehen“, fügt der Erzpriester an.

(rv 28.10.2016 mg)

„Die Werke der Barmherzigkeit bilden das Antlitz Jesu“

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Generalaudienz, 12. Oktober 2016

Generalaudienz von Mittwoch, dem 12. Oktober 2016 — Volltext

Wir dokumentieren im Folgenden in einer eigenen Übersetzung die vollständige Ansprache von Papst Franziskus bei der heutigen Generalaudienz auf dem Petersplatz.

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32. Die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

In den vorangegangenen Katechesen wurden wir nach und nach in das große Geheimnis der Barmherzigkeit Gottes eingeführt. Wir betrachteten das Wirken des Vaters im Alten Testament. Anschließend haben uns die Erzählungen in den Evangelien vor Augen geführt, dass Jesus durch seine Worte und Gesten die Barmherzigkeit verkörpert. Seinerseits hat er seinen Jüngern die folgende Lehre erteilt: „Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!“ (Lk 6,36). Dieser Einsatz richtet Fragen an das Gewissen und das Handeln eines jeden Christen. So genügt es nicht, die Barmherzigkeit Gottes im eigenen Leben zu erfahren; jeder, der sie empfängt, muss auch deren Zeichen und Werkzeug für die anderen Menschen werden. Darüber hinaus ist die Barmherzigkeit nicht besonderen Momenten vorbehalten. Vielmehr umschließt sie unsere gesamte tägliche Erfahrung.

Wie können wir daher als Zeugen der Barmherzigkeit wirken? Lasst uns nicht denken, dass dazu große Anstrengungen oder übermenschliche Gesten vollbracht werden müssen. Nein, so ist es nicht. Der Herr weist uns einen viel einfacheren Weg der kleinen Gesten, die in seinen Augen jedoch von derart großem Wert sind, dass er uns gesagt hat, dass wir nach ihnen beurteilt werden. So zeigt uns eine der schönsten Schilderungen im Matthäusevangelium die Lehre, die wir gewissermaßen als „Testament Jesu“ seitens des Evangelisten betrachten könnten, der das Wirken der Barmherzigkeit direkt an sich selbst erfahren hat. Jedes Mal, wenn wir Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben, Nackte kleiden, Fremde aufnehmen und Kranke oder Gefangene besuchen, tun wir dies Jesus zufolge für ihn (vgl. Mt 25,31-46). Die Kirche nannte diese Gesten „leibliche Werke der Barmherzigkeit“, denn sie helfen den Menschen in ihren Materiellen Nöten.

Ebenso existieren weitere sieben Werke der Barmherzigkeit, die als die „geistigen“ bezeichnet werden. Diese betreffen andere, vor allem heute ebenso wichtige Bedürfnisse, denn sie berühren das Innere der Person und lassen oft mehr leiden. Sicherlich erinnern wir uns alle an eine, die in den allgemeinen Sprachgebrauch Eingang gefunden hat: „Lästige geduldig ertragen“. Und diese gibt es; es gibt lästige Menschen! Dabei handelt es sich scheinbar um einen wenig wichtigen Sachverhalt, der uns ein Lächeln entlockt. Allerdings ist darin eine Gesinnung tiefer Nächstenliebe enthalten; ebenso verhält es sich mit den verbleibenden sechs Werken, die wir uns gut merken sollen: Zweifelnden recht raten, Unwissende lehren, Sünder zurechtweisen, Trauernde trösten, Beleidigern verzeihen, für Lebende und Verstorbene zu Gott beten. Es sind alltägliche Dinge! „Aber ich trauere …“ – „Aber Gott wird dir helfen, ich habe keine Zeit …“. Nein, Ich halte inne, höre zu, nehme mir die Zeit um ihn zu trösten, das ist eine Geste der Barmherzigkeit und sie gilt nicht nur ihm, sondern Jesus!

In den nächsten Katechesen widmen wir uns der Betrachtung dieser Werke, die die Kirche uns als eine konkrete Weise des Lebens der Barmherzigkeit vorlegt. Im Laufe der Jahrhunderte haben sie viele einfache Menschen in die Tat umgesetzt und so ein authentisches Glaubenszeugnis abgelegt. Im Übrigen nährt die Kirche in Treue zu ihrem Herrn eine besondere Liebe zu den Schwächsten. Oft brauchen die uns an nächsten stehenden Menschen unsere Hilfe. Wir müssen uns nicht auf die Suche nach großen zu verwirklichenden Unternehmungen machen. Besser ist es, mit den einfachsten zu beginnen, die der Herr uns als die dringendsten zu erkennen gibt. In einer bedauerlicherweise mit dem Virus der Gleichgültigkeit infizierten Welt sind die Werke der Barmherzigkeit das beste Gegenmittel. Tatsächlich erziehen sie uns zur Aufmerksamkeit den grundlegendsten Bedürfnissen unserer „geringsten Brüder“ gegenüber (Mt 25,40), in denen Jesus gegenwärtig ist. Jesus ist stets in ihnen gegenwärtig. Wo ein Bedürfnis vorliegt, wo ein Mensch ein materielles oder geistiges Bedürfnis hat, ist Jesus. Sein Antlitz in jenem zu erkennen, der bedürftig ist, ist eine wahre Herausforderung gegen die Gleichgültigkeit. Sie verleiht uns die Fähigkeit, stets wachsam zu sein, zu vermeiden, dass Jesus an uns vorbeigeht, ohne dass wir ihn erkennen. Dies ruft uns den folgenden Satz des hl. Augustinus in Erinnerung: „Timeo Iesum transeuntem” (Serm. 88, 14, 13). „Ich habe Angst davor, dass der Herr vorbeigeht” und ich ihn nicht erkenne, dass der Herr in einem dieser geringen, bedürftigen, Menschen vor mir vorbeigeht und ich nicht bemerke, dass es Jesus ist. Ich habe Angst davor, dass Jesus vorbeigeht und ich ihn nicht erkenne! Ich fragte mich, warum der hl. Augustinus von der Angst vor dem Vorbeigehen Jesu gesprochen hat. Die Antwort findet sich leider in unserem Verhalten: Oft sind wir zerstreut, gleichgültig, und wenn der Herr und nahe kommt, lassen wir die Gelegenheit einer Begegnung mit ihm aus.

Die Werke der Barmherzigkeit erwecken in uns das Bedürfnis und die Fähigkeit, den Glauben mit der Nächstenliebe lebendig und wirksam zu machen. Ich bin überzeugt davon, dass wir durch diese einfachen täglichen Gesten eine wahre kulturelle Revolution wie in der Vergangenheit vollbringen können. Wenn ein jeder von uns jeden Tag eine davon ausführt, können wir die Welt revolutionieren! Wir alle, ein jeder von uns, muss sich jedoch daran beteiligen. An wie viele Heilige erinnern wir uns heute noch nicht aufgrund ihrer großen Werke, sondern aufgrund der Nächstenliebe, die sie zu vermitteln vermochten! Denken wir an Mutter Teresa, die vor kurzem heiliggesprochen wurde: An sie erinnern wir uns nicht wegen der vielen Häuser, die sie in aller Welt eröffnet hat, sondern da sie sich über jeden Menschen beugte, den sie auf der Straße fand, um ihm seine Würde zurückzugeben. Wie viele verlassene Kinder hat sie in die Arme genommen; wie viele Sterbende begleitete sie an der Schwelle zur Ewigkeit und hielt sie an der Hand! Diese Werke der Barmherzigkeit bilden das Antlitz Jesu, der sich seiner geringsten Brüder annimmt, um einem jeden die Zärtlichkeit und die Nähe Gottes zu bringen. Möge der Heilige Geist uns helfen, möge der Heilige Geist in uns den Wunsch entzünden, mit diesem Lebensstil zu leben: zumindest ein Werk pro Tag zu vollbringen! Lasst uns die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit wieder auswendig lernen und den Herrn darum bitten, uns bei der täglichen praktischen Umsetzung und dann zu helfen, wenn wir in einem bedürftigen Menschen Jesus sehen.

[Übersetzt aus dem Italienischen von Sarah Fleissner]

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Quelle

„Eine zärtliche Geste genügt“

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Audienz Hospitalerinnen, 24. September 2016 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

Papstaudienz für die Kongregation der
Hospitalerinnen der Barmherzigkeit

Im Heiligen Jahr dürften die Hospitalerinnen der Barmherzigkeit („Congregatio Sororum a Misericordia pro Infirmis“, abgekürzt SOM) sicher nicht fehlen.

„Mit Freude“ empfing Papst Franziskus tatsächlich am Samstag im Vatikan eine Gruppe von mehr als hundert Schwestern der 1831 von Teresa Orsini Doria Pamphili Landi gegründeten Kongregation. Ihre Arbeit – so sagte der Papst – sei ein konkretes Zeichen dafür, wie sich die Barmherzigkeit des Vaters ausdrücke.

Gegenüber der Schwäche der Krankheit könne es keine Unterschiede des sozialen Ranges, Rasse, Sprache sowie Kultur geben, weil alle schwach würden und sich den anderen anvertrauen müssen, so unterstrich Jorge Bergoglio.

Es sei die Pflicht und Verantwortung der Kirche, den Leidenden beizustehen und ihnen Trost, Beistand und Freundschaft zu schenken, so betonte der Papst, während er die Schwestern daran erinnerte, dass es in der Krankenhilfe keine lange Reden brauche. Es genügten schon eine zärtliche Geste, ein Kuss, einfach still daneben stehen oder ein Lächeln, so sagte er.

Die Schwestern sollten nie aufgeben in diesem so wertvollen Dienst, und dies trotz der Schwierigkeiten, den man begegnen könne. „Manchmal in unserer Zeit zielt eine säkuläre Kultur darauf ab, auch jeden religiösen Bezug aus den Krankenhäusern zu entfernen, beginnend mit den Schwestern“, sagte der Papst mit Bedauern.

Er lud die Schwestern ein, nie müde zu werden, Freundinnen, Schwestern und Mütter der Kranken zu sein. „Das Gebet sei immer das Herzblut, das ihre evangelisierende Sendung ünterstütze“, so fuhr er fort.

Die Schwestern sollten auch nie vergessen, dass auf dem Krankenhausbett immer Jesus selbst liege, anwesend in jeder Person die leide. „Er ist es, der jede von euch um Hilfe bittet“, so betonte der Papst.

„Möge die Nähe zu Jesus und zu den schwächsten ihre Stärke sein“, so wünschte der Papst den Schwestern am Ende seiner Ansprache.

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Quelle

Audienz: „Es ist falsch, den Bruder zu verurteilen, der gesündigt hat“

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„Barmherzig wie der Vater“: Über dieses Motto des laufenden Heiligen Jahres der Barmherzigkeit hat Papst Franziskus bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch gesprochen. Das Leitwort aus dem Lukasevangelium (Lk 6,36) ist „nicht einfach ein Slogan, sondern eine Lebensaufgabe“, sagte der Papst. Dabei heiße barmherzig sein nicht perfekt sein: „Wenn Jesus uns bittet, barmherzig zu sein wie der Vater, dann denkt er nicht an die Quantität! Er bittet seine Freunde, Zeichen, Kanäle und Zeugen seiner Barmherzigkeit zu werden.“Zwei Wörter kennzeichneten die Barmherzigkeit der Menschen, fuhr Franziskus fort: vergeben und geben. „Barmherzigkeit drückt sich vor allem in Vergeben aus“, so der Papst in Erinnerung an Jesu Gebot: Richtet nicht, dann werdet ihr nicht gerichtet, vergebt, und euch wird vergeben werden. „Jesus hat da nicht vor, den Lauf der menschlichen Justiz umzukehren, er erinnert aber seine Schüler daran, dass man Urteile und Verurteilungen aussetzen muss, um brüderliche Beziehungen zu haben. Es ist falsch, den Bruder zu beurteilen und zu verurteilen, der eine Sünde begangen hat. Nicht deshalb, weil man die Sünde nicht anerkennen will, sondern weil ein Verurteilen des Sünders die Bindung der Brüderlichkeit mit ihm bricht und die Barmherzigkeit Gottes missachtet, der aber seinerseits auf keines seiner Kinder verzichten will. Wir haben nicht die Macht, unseren irregehenden Bruder zu verurteilen, wir stehen nicht über ihm: wir haben stattdessen die Pflicht, ihn zurückzuholen zur Würde des Kindes des Vaters, und wir müssen ihn begleiten auf seinem Weg der Umkehr.“Der zweite Pfeiler menschlicher Barmherzigkeit: das Geben. Gott gebe weit über das hinaus, was Menschen verdienen, sagte Franziskus, und er werde noch großzügiger sein mit jenen, die auf Erden selbst großzügig waren. „In dem Maß der Liebe, die wir geben, entscheiden wir selbst, wie wir von ihm beurteilt werden.“ Darin liege auch eine Logik, so der Papst: „In dem Maß, wie man von Gott empfängt, gibt man dem Bruder, und in dem Maß, wie man dem Bruder gibt, empfängt man von Gott.“

Keiner habe in seinem Leben jemals auf die Vergebung Gottes verzichten können, fügte der Papst in freier Rede ein. „Wir alle, die wir hier auf dem Platz stehen: uns allen ist vergeben worden. Und weil uns vergeben wurde, müssen wir vergeben. Und das beten wir jeden Tag im Vaterunser: Vergib uns unsere Schuld, damit auch wir vergeben unseren Schuldigern. Es ist leicht zu vergeben: wenn Gott mir vergeben hat, warum soll nicht auch ich den anderen vergeben? Stehe ich denn über Gott? Versteht ihr das? Die Säule der Vergebung zeigt uns die Größe der Liebe Gottes.” Und nochmals wurde der Papst konkret: „Wie sehr wir das alle brauchen, ein wenig barmherziger zu sein, nicht schlecht über die anderen zu reden, nicht zu verurteilen, den anderen nicht mit Neid und Eifersucht zu sehen. Nein! Vergeben, barmherzig sein, und geben.“

Vor der Generalaudienz begrüßte und segnete Franziskus etliche hundert Kranke und ihre Begleiter, die sich wegen des drohenden Regens in der Audienzhalle eingefunden hatten. In der Audienz selbst erinnerte der Papst zum Welt-Alzheimertag an alle Menschen, die an Demenz leiden, und rief zum Gebet auch für ihr Angehörigen auf.

(rv 21.09.2016 gs)

Es gibt keinen verlorenen Menschen

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Rembrandt; Die Heimkehr des verlorenen Sohnes (um 1666/1669); Öl auf Leinwand; St. Petersburg, Eremitage.

Ansprache von Papst Franziskus
beim Angelusgebet am 11. September

 

Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag!

In der heutigen Liturgie hören wir das 15. Kapitel des Lukasevangeliums, das als das Kapitel der Barmherzigkeit angesehen wird und drei Gleichnisse enthält, mit denen Jesus auf die Empörung der Schriftgelehrten und Pharisäer antwortet. Sie kritisieren sein Verhalten und sagen: »Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen« (V. 2). Mit diesen drei Erzählungen gibt Jesus uns zu verstehen, dass Gott, der Vater, der Erste ist, der gegen­über den Sündern eine einladende und barmherzige Haltung einnimmt. Das ist Gottes Haltung. Im ersten Gleichnis wird Gott als Hirte vorgestellt, der die neunundneunzig Schafe zurücklässt, um sich auf die Suche nach dem einen verlorenen zu machen. Im zweiten wird er mit einer Frau verglichen, die ein Geldstück verloren hat und es sucht, bis sie es findet. Im dritten Gleichnis wird Gott als Vater vorgestellt, der den Sohn aufnimmt, der in die Ferne gegangen war; die Gestalt des Vaters zeigt das Herz Gottes, des barmherzigen Gottes, das in Jesus offenbar wird.

Ein diesen Gleichnissen gemeinsames Element ist jenes, das in den Verben zum Ausdruck kommt, die eine gemeinsame Freude, das Feiern eines Festes bezeichnen. Nicht von Trauer ist die Rede. Man freut sich, man feiert ein Fest. Der Hirt ruft seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: »Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war« (V. 6); die Frau ruft ihre Freundinnen und Nachbarinnen und sagt: »Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte« (V. 9); der Vater sagt zum anderen Sohn: »Jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden« (V. 32). In den ersten beiden Gleichnissen liegt der Akzent auf einer Freude, die so groß ist, dass sie mit »Freunden und Nachbarn« geteilt werden muss. Im dritten Gleichnis liegt er auf dem Fest, das vom Herzen des barmherzigen Vaters ausgeht und sich auf sein ganzes Haus ausweitet. Dieses Fest Gottes für jene, die reuig zu ihm zurückkehren, steht mehr denn je mit dem Jubeljahr in Einklang, das wir leben, wie der Begriff »Jubel« selbst besagt.

Mit diesen drei Gleichnissen stellt uns Jesus das wahre Antlitz Gottes vor: das Antlitz eines Vaters mit offenen Armen, der die Sünder voll Zärtlichkeit und Mitleid behandelt. Das Gleichnis, das am meisten bewegt – es bewegt alle –, weil es die unendliche Liebe Gottes offenbart, ist das Gleichnis vom Vater, der den wiedergefundenen Sohn an sich drückt und umarmt. Und was beeindruckt, ist nicht so sehr die traurige Geschichte eines jungen Mannes, der in den Verfall stürzt, sondern es sind dessen entscheidende Worte: »Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen« (V. 18).

Der Weg der Rückkehr nach Hause ist der Weg der Hoffnung und des neuen Lebens. Gott wartet immer darauf, dass wir uns erneut auf den Weg machen, er erwartet uns geduldig, er sieht uns, wenn wir noch weit weg sind, er läuft uns entgegen, er umarmt uns, er küsst uns, er vergibt uns. So ist Gott! So ist unser Vater! Und seine Vergebung löscht das Vergangene aus und lässt uns neu in der Liebe geboren werden. Er vergisst das Vergangene: das ist die Schwäche Gottes. Wenn er uns umarmt und vergibt, verliert er das Gedächtnis, er erinnert sich nicht! Er vergisst das Vergangene. Wenn wir Sünder umkehren und uns wieder von Gott finden lassen, erwarten uns weder Tadel noch Härten, da Gott rettet, voll Freude in seinem Haus aufnimmt und ein Fest feiert. Jesus selbst sagt es so im heutigen Evangelium: »Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren« (Lk 15,7). Und ich frage euch: Habt ihr je daran gedacht, dass jedes Mal, wenn wir zur Beichte gehen, im Himmel Freude herrscht und ein Fest gefeiert wird? Habt ihr daran gedacht? Das ist schön.

Das schenkt uns große Hoffnung, da es keine Sünde gibt, in die wir gefallen sind, aus der wir uns mit Gottes Gnade nicht wieder aufrichten können; es gibt keinen unwiederbringlich verlorenen Menschen, keiner ist unwiederbringlich verloren! Denn Gott hört nie auf, unser Wohl zu wollen, auch wenn wir sündigen! Und die Jungfrau Maria, Zuflucht der Sünder, lasse in unseren Herzen das Vertrauen aufkeimen, das im Herzen des verlorenen Sohnes entbrannte: »Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt« (V. 18). Auf diesem Weg können wir Gott Freude schenken, und seine Freude kann zu seinem und zu unserem Fest werden.


Die Sorge Jesu für die Menschen

Vatikanstadt. In der Generalaudienz am Mittwoch, 14. September, forderte Papst Franziskus die Gläubigen auf, dem Herrn nachzufolgen und von ihm zu lernen. Ein Mitarbeiter der deutschsprachigen Abteilung des Staatssekretariats trug folgende Zusammenfassung vor:

Liebe Brüder und Schwestern, ein besonderer Ausdruck der Güte Gottes ist die Sorge Jesu für die Menschen, die schwere Mühsal zu tragen haben. Er lädt sie ein, ihm zu folgen, damit sie bei ihm Ruhe finden (vgl. Mt 11,28ff). Mit der Aufforderung »Kommt alle zu mir« wendet sich Jesus an die Niedergeschlagenen, die Armen und Kleinen, die nichts haben außer ihr Vertrauen in Gottes Hilfe und Barmherzigkeit. Wer sich zum Herrn bekehrt und ihm nachfolgt, erhält die Verheißung, dass er Trost und Stärke für sein ganzes Leben findet. »Nehmt mein Joch auf euch« verweist auf das enge Band zwischen Gott und seinem Volk, auf die Unterwerfung unter den Willen Gottes und sein Gesetz. Jesus spricht von seinem Joch: Er ist die Erfüllung des Gesetzes, durch seine Person erkennen wir Gottes Willen und durch ihn treten wir in Gemeinschaft mit Gott. Die dritte Aufforderung »Lernt von mir« besagt, den Weg der Nachahmung Jesu zu gehen. Der Herr ist ein Lehrer, der sich selbst demütig und klein gemacht hat. Weil er das Leiden und die Sünden der Menschheit auf sich genommen hat, weil er als Erster das Joch getragen hat, ist sein Joch für uns leicht. Jesus enttäuscht unsere Hoffnung nicht. Wir müssen jedoch lernen, von seiner Barmherzigkeit zu leben, um selber zu einem Werkzeug der Barmherzigkeit zu werden.

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Quelle: Osservatore Romano 37/2016

Siehe auch: