[Erzbischof Oscar Arnulfo] „Romero ist ein leuchtender Stern am Himmel Lateinamerikas“

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Die Kapelle des Krebskrankenhauses, in der Romero ermordet wurde – AP

Ein leuchtender Stern am spirituellen Himmel Lateinamerikas, so bezeichnet Kardinal Angelo Amato Erzbischof Oscar Arnulfo Romero. Am Samstag wird der Präfekt der Selig- und Heiligsprechungskongregation Romero im Auftrag des Papstes selig sprechen. Romero wurde 1980 während eines Gottesdienstes erschossen. Der Anwalt für die Entrechteten, der durch diesen Mord zu Beginn des blutigen Bürgerkriegs in El Salvador mundtot gemacht wurde, ist längst zu einer Ikone in ganz Lateinamerika geworden. Seine Seligsprechung macht das nun auch kirchenamtlich. Auch Kardinal Amato ehrt den neuen Heiligen im Gespräch mit Radio Vatikan vor allem als Menschen: „Romero war in der Tat ein guter Priester und ein weiser Bischof. Aber er war vor allem ein tugendhafter Mann. Er liebt Jesus, er liebte die Eucharistie, er liebte die Kirche, er verehrte die Jungfrau Maria und er liebte sein Volk. Sein Martyrium war nicht improvisiert, es war lang vorbereitet. Bereits als Seminarist in Rom schrieb er kurz vor seiner Weihe, dass Gott für ihn alles und er selber nichts sei. Gottes Liebe will von ihm, dass er alles gibt. Und mit seinem Nichts-Sein und Gottes Alles-Sein schaffe er, also Romero, alles.“

Ein Wendepunkt für Romero war, so Amato, drei Jahre vor seinem Tod. Im März 1977 wurde Rutilio Grande, ein Jesuitenpater in El Salvador und Freund Romeros, umgebracht. Dieser hat seine Hochschulkarriere aufgegeben um zum Amwalt für unterdrückte und an den Rand gedrängte Bauern zu werden, berichtet Amato. „Das war das Ereignis, dass das Herz von Erzbischof Romero berührte, der seinen Priester betrauerte wie eine Mutter seinen Sohn. Er ging sofort zu Aguilares für den Gedenkgottesdienst. Die ganze Nacht weinte er, er war wach und betete für die unschuldigen Opfer, den Pater Rutilio und für die Bauern, die ihn begleiteten. Diese Bauern sind Waisen dieses Jesuitenpaters geworden. Romero wollte der Vater für diese Waisen sein.“

Das sei auch der Tag gewesen, ab dem seine Sprache expliziter wurde, um das unterdrückte Volk und die unterdrückten Priester in El Salvador zu verteidigen. Romero selber schrieb, dass es seine Pflicht wäre, sich für die Verteidigung seiner Kirche einzusetzen und vor allem Dingen sich auf die Seite seines unterdrückten und schikanierten Volkes zu stellen. „Seine Worte waren jedoch keine Aufstachelung zu Hass und Rache, sondern wie eine herzliche Ermahnung eines Vaters an seine Söhne, die eingeladen wurden zu Liebe, Vergebung und Harmonie. Die Betrachtung der Schönheit der Natur und die Pracht der Landschaft von El Salvador veranlassten Romero dazu, zu sagen, dass der Himmel bereits hier auf Erden beginnen müsse. Er sah zu seinem geliebten Land, das so geplagt war, mit voller Hoffnung in seinem Herzen. Er träumte davon, dass eines Tages auf den Ruinen des Bösen die Herrlichkeit Gottes und seine Liebe glänzen könne.“

Die Regierung sah ihn als einen Oppositionsführer, weil  er sich vehement für die Armen und Unterdrückten einsetzte. Doch sein Wirken für die Armen sei nicht ideologisch gewesen, sondern geprägt vom Evangelium, so Kardinal Amato. Seine Nächstenliebe galt nicht nur den Opfern, sondern auch den Verfolgern. Er hätte auch ihnen das Gute und die Vergebung gepredigt, obwohl sie so viel Böses getan hätten.

Zwei Jahrzehnte hat das Seligsprechungsverfahren gedauert, für Kardinal Amato ist Romero bereits jetzt ein weiteres Bespiel der Heiligkeit Lateinamerikas. „Ja, Romero ist ein weiterer leuchtender Stern, der sich am spirituellen lateinamerikanischen Himmel befindet. Er gehörte der heiligen amerikanischen Kirche an und Gott sei Dank sind viele Heiligen von diesem bewundernswerten Kontinent. Papst Franziskus hat sich erst letztens an Einige erinnert. Neben Junipero Serra, der am 23. September in Washington DC heiliggesprochen wird, hat der Papst noch einige andere Heilige aufgezählt, die sich mit unterschiedlichen Charismen ausgezeichnet haben. Rosa von Lima, Mariana von Quito, Teresita de los Andes, Toribio de Mogrovejo, Francois de Laval, Rafael Guizar Valencia; und eben Oscar Arnulfo Romero. Aber es gibt viele Heilige und Märtyrer aus Lateinamerika, die vor dem Herrn für ihre Brüder und Schwestern beten, die immer noch Pilger auf dieser Erde sind. Der selige Oscar Romero gehört zu diesem mitreißenden Wind der Heiligkeit, der auf dem amerikanischen Kontinent, der Erde der Liebe und Treue die frohen Botschaft weht.“

(rv 22.05.2015 pdy)