Die Katholische Kirche exkommuniziert eine schismatische Gruppe

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Die Statue des Heiligen Petrus blickt über den Petersplatz im Vatikan am 3. Juni 2016. Foto: CNA/Martha Calderon (Bild digital bearbeitet).

Es ist das erste Mal während des Pontifikats von Papst Franziskus, dass eine schismatische Gruppierung offiziell exkommuniziert wird. Es handelt sich um die Chiesa cristiana universale della Nuova Gerusalemme („Universelle christliche Kirche des Neuen Jerusalem“): Sie wurde in Italien von der vermeintlichen Seherin Giuseppina Norcia gegründet, die in Gallinaro wirkt, einem kleinen Ort im Comino-Tal, südöstlich von Rom.

Auch wenn diese Sekte sich nicht in Gemeinschaft mit der katholischen Kirche befand und latae sententiae exkommuniziert war – also automatisch und ohne dass es nötig wäre, dass der Heilige Stuhl sich in irgendeiner Weise dazu äußere – hat die Kongregation für die Glaubenslehre entschlossen, es öffentlich zu verlautbaren.

Die Entscheidung wurde vom Bischof von Sora Cassino Aquino und Pontecorvo, Monsignore Gerardo Antonazzo verkündet, der in allen Kirchen der Diözese in den Sonntagsmessen eine diesbezügliche Mitteilung verbreiten ließ.

Der Vatikan beendet so 42 Jahre von Täuschung und angeblichen Visionen der Giuseppina Norcia, der es gelungen war, Dutzende Menschen zu ködern. „Die doktrinäre Position dieser Gruppe ist eindeutig gegen den katholischen Glauben und ihre Errichtung als neue Organisation, dreist schismatisch, verpflichtet jene, die die Verantwortung haben, das Volk Gottes zu leiten, klar Stellung zu beziehen, um das höhere Gut der Kirche und ihrer Gläubigen zu schützen“ heißt es in der Verlautbarung, die in den Messen verlesen wurde.

Daher ziehen sich „alle, die sich besagter Vereinigung anschließen, aufgrund des Delikts des Schismas die Exkommunikation latae sententiae zu“.

„Der Absolution von der Exkommunikation liegt in der Befugnis des Ortsordinarius. Um sich diese Sanktion zuzuziehen ist es notwendig, dass sich die Gläubigen bewusst oder auf formelle Weise dieser Vereinigung anschließen, im Hinblick auf deren Doktrin und Ideen; es reicht nicht gelegentlich oder von Zeit zu Zeit teilzunehmen“ heißt es weiter.

CNA hat mit einigen Personen aus der Diözese von Sora Kontakt aufgenommen und diese Information bestätigt. „Diesen Sonntag haben wir in den Messen die Mitteilung des Vatikan verlesen, so wie es uns vom Bischof aufgetragen worden war“ erklärt ein Pfarrer.

Die offizielle Verlautbarung der Exkommunikation der Sekte kann auf der Website der Diözese nachgelesen werden.

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Quelle

Siehe ferner:

WIDERRECHTLICHE WEIHEN VON PRIESTERN UND BISCHÖFEN – FALL THUC

 

thuc

Pierre Martin Ngô Đình Thục

Heilige Kongregation für die Glaubenslehre

 

Bekanntmachung,
mit der von Neuem die kanonischen Strafen
gegen den Erzbischof Pierre-Martin Ngô-dińh-Thuc und seine Mittäter
wegen der widerrechtlichen Weihe von Priestern und Bischöfen
kundgetan werden

 

Im Januar 1976 weihte Seine Exzellenz Bischof Pietro Martino Ngô-dińh-Thuc, Titularerzbischof von Bulla Regia, ganz und gar widerrechtlich mehrere Priester und Bischöfe in Palmar de Troya in Spanien. Aus diesem Grund erließ die Heilige Kongregation für die Glaubenslehre am 17. September desselben Jahres ein Dekret (vgl. AAS 68 [1976], S. 623), das an die kanonischen Strafen erinnerte, der sowohl er als auch die anderen, die auf widerrechtliche Weise die Weihe erhalten hatten, verfallen waren.

Daraufhin erbat der Bischof die specialissimo modo dem Heiligen Stuhl vorbehaltene Absolution von der Exkommunikation, der er verfallen war, und erhielt diese. Nun aber steht es für diese Heilige Kongregation fest, dass Bischof Ngô-dińh-Thuc schon seit 1981 weitere Priester gegen die Vorschrift des Kan. 955 geweiht hat. Im selben Jahr hat er sogar, was noch schlimmer ist, gegen Kan. 953 verstoßen und ohne päpstlichen Auftrag und ohne die vom Kirchenrecht vorgeschriebenen Modalitäten dem französischen Ordensmann M.-L. Guérard des Lauriers, O.P., sowie den aus Mexiko stammenden Priestern Mosè Carmona und Adolfo Zamora, die Bischofsweihe erteilt; im Anschluss hat Mosè Carmona seinerseits den mexikanischen Priestern Benigno Bravo und Roberto Martínez sowie dem amerikanischen Priester George Musey die Bischofsweihe erteilt.

Bischof Ngô-dińh-Thuc hat ferner beabsichtigt, die Rechtmäßigkeit der vorgenommenen Handlungen zu beweisen, und zwar besonders in einer öffentlichen Erklärung am 25. Februar 1982 in der Stadt München, in der er behauptete, dass „der Bischofssitz der katholischen Kirche von Rom vakant sei“ und er deshalb als Bischof „alles täte, damit die katholische Kirche von Rom zum ewigen Heil der Seelen fortbestehe“.

Nachdem die Heilige Kongregation für die Glaubenslehre die Schwere dieser Vergehen sowie der falschen Behauptungen erwogen hat, hält sie es im besonderen Auftrag Seiner Heiligkeit Johannes Pauls II. für nötig, die Verfügungen ihres Dekretes vom 17. September 1976, das auf diesen Fall volle Anwendung findet, zu erneuern, und zwar:

1) Die Bischöfe, die andere Bischöfe geweiht haben, und die geweihten Bischöfe selbst verfallen außer den in Kan. 2370 und 2373, Absatz 1 und 3, des Codex Iuris Canonici genannten Sanktionen auch der Exkommunikation „ipso facto”, die dem Apostolischen Stuhl „specialissimo modo“ reserviert ist; siehe Dekret des Heiligen Offiziums vom 9. April 1951 (AAS 43 [1951], S. 217f.). Die in Kan. 2370 vorgesehene Strafe trifft auch die assistierenden Priester, falls solche anwesend waren.

2) Die Priester, die auf diese rechtswidrige Weise geweiht wurden, sind nach Kan. 2574 „ipso facto“ von der Ausübung des Priesteramtes suspendiert und, soweit sie priesterliche Handlungen vorgenommen haben, auch irregulär (Kan. 985, 7).

3) Was schließlich die Gültigkeit der Weihen derjenigen betrifft, die auf diese rechtswidrige Weise Weihen schon empfangen haben oder etwa von diesen Weihen empfangen werden, so erkennt die Kirche diese Weihen, wie immer es auch um die Gültigkeit bestellt sein mag, weder an noch wird sie sie anerkennen und betrachtet diese Personen als dem Stand zugehörig, den sie jeweils vor diesen Ereignissen eingenommen haben. Die oben genannten Strafsanktionen bleiben solange in Kraft, bis die betreffenden Personen zu besserer Einsicht gekommen sind.

Ferner hält es diese Heilige Kongregation für ihre Pflicht, die Gläubigen mit Nachdruck zu ermahnen, dass sie sich davor hüten, in irgendeiner Weise an liturgischen Handlungen oder Initiativen und Aktionen jeglicher Art, die von den oben erwähnten Personen veranstaltet werden, teilzunehmen oder diese zu unterstützen.[1]

 

Gegeben zu Rom, bei der Heiligen Kongregation für die Glaubenslehre, am 12. März 1983.

 

Joseph Kardinal Ratzinger
Präfekt

+ Fr. Jérôme Hamer, O.P.
Titularerzbischof von Lorium
Sekretär

 

[1] Quoad concordantiam singulorum canonum qui heic referuntur cum legislatione canonica nuper promulgata, cf. in novo Codice Iuris Canonici can. 1051 § 1, 1031, 1382, 1383, 1041.

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Quelle


KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE

DEKRET
BETREFFEND EINIGE UNRECHTMÄSSIG VORGENOMMEN
PRIESTER- UND BISCHOFSWEIHEN
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Erzbischof Petrus Martinus Ngo-dinh-Tuc hat am 31. Dezember 1975 um Mitternacht im Dorf El Palmar de Troya gegen das ausdrückliche Verbot des Erzbischofs von Sevilla und in Mißachtung der Vorschrift in Kan. 955 Priesterweihen vorgenommen. Er hat darüber hinaus am 11. Januar 1976 entgegen der Vorschrift in Kan. 953 ohne päpstlichen Auftrag und, was schwerer wiegt, ohne die vom Kirchenrecht vorgeschriebenen Modalitäten fünf Bischöfe geweiht. Die auf diese Weise geweihten Bischöfe haben schließlich ihrerseits weitere Priester- und Bischofsweihen auch an anderen Orten vorgenommen.

Nach eingehender Prüfung der Schwere dieser Rechtsverstöße will die Kongregation für die Glaubenslehre betreffs der obengenannten Priester- und Bischofsweihen im ausdrücklichen Auftrag Papst Pauls VI. folgendes dazu erklären:

  1. Die Bischöfe, die andere Bischöfe geweiht haben, und die geweihten Bischöfe selbst verfallen außer den Sanktionen in Kan. 2370 und 2373, Absatz 1 und 3, des Codex Iuris Canonici auch der Exkommunikation „ipso facto”, die dem Apostolischen Stuhl „specialissimo modo“ reserviert ist; siehe Dekret des Heiligen Offiziums vom 9. April 1951 (AAS 43 [1951], S. 217). Die in Kan. 2370 vorgesehene Strafe trifft auch die assistierenden Priester, falls solche anwesend waren.
  2. Priester, die auf diese rechtswidrige Weise geweiht wurden, sind nach Kan. 2574 „ipso facto“ suspendiert und, soweit sie Weihehandlungen vorgenommen haben, auch irregulär (Kan. 985, 7).
  3. Was die Gültigkeit der Weihen derjenigen betrifft, die auf diese rechtswidrige Weise Weihen schon empfangen haben oder etwa von diesen Weihen empfangen werden, so erkennt die Kirche diese Weihen weder an noch wird sie sie anerkennen und betrachtet diese Personen als dem Stand zugehörig, den sie jeweils vor diesen Ereignissen eingenommen haben. Die obengenannten Strafsanktionen bleiben solange in Kraft, bis die betreffenden Personen zu besserer Einsicht gekommen sind.

Jedes entgegenstehende Recht wird hiermit aufgehoben.

Gegeben zu Rom, bei der Kongregation für die Glaubenslehre, am 17. September 1976.

 

FRANJO Kardinal ŠEPER
Präfekt

 

+ Erzbischof JÉRÔME HAMER, O.P.
Sekretär

 

 

* L’Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 40, 1. Oktober 1976, Seite 3 (AAS 68 [1976], S. 623).

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Quelle

Siehe dazu auch: