Der heilige Johannes XXIII. am 26. Mai 1962 zum Österreichischen Katholikentag in Salzburg

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BOTSCHAFT VON PAPST
JOHANNES XXIII.
ZUM ÖSTERREICHISCHEN KATHOLIKENTAG*

 

Unserm geliebten Sohn
Franz Kardinal König,
Erzbischof von Wien

Allen zum Österreichischen Katholikentag 1962 in Salzburg versammelten Männern und Frauen sowie der Uns teuren Jugend entbieten Wir von Herzen Gruß und Apostolischen Segen.

In väterlicher Freude weilen Wir im Geiste mitten unter euch und erinnern Uns gern österreichischer Gastlichkeit, da Wir als junger Priester im Jahre 1912 anlässlich des damaligen unvergessenen Inter­nationalen Eucharistischen Kongresses in Wien eure schöne Heimat kennenlernen durften.

Wieviel weltbewegende Ereignisse und Prüfungen jeder Art haben in den verflossenen fünf Dezennien euer Vaterland heimgesucht! Dennoch könnt ihr heute durch Gottes gnadenvolle Führung, mit der ihr in frommem Geist und unermüdlichem Fleiß zusammengewirkt habt, voll Dankbarkeit euch eines ansehnlichen Wohlstands im Innern eures Landes und des Friedens nach außen erfreuen.

Was Uns hierbei besonders am Herzen liegt, ist der Wunsch, dass die erfreulichen sozialen und wirtschaftlichen Erfolge möglichst breiten Schichten eures Volkes im Sinne Unserer Enzyklika »Mater et Magistra« zugute kommen und die geistige Blüte Schritt halte mit dem materiellen Wohlstand. Bleibt dessen eingedenk: einseitiger wirtschaftlicher Aufstieg bleibt unvollkommen und gereicht der Seele ohne Zweifel zum Schaden. Wie alle geschaffenen Dinge nur einen Sinn haben, indem sie Mittel für ein höheres Ziel sind, so fordert eine erhöhte materielle Lebenshaltung vom Menschen eine erhöhte Aufmerksamkeit für die geistigen Werte. Damit aber wird die Zahl derjeniger immer größer werden, die an den Gütern des bürgerlichen und christlichen Gemeinschaftslebens teilhaben und ihren tiefen Sinn erfassen.

Das ist der Grund, warum ihr zum Wahlspruch eures Treffens das Wort wähltet »Löscht den Geist nicht aus!« Geist, der im Pfingstfest, im Heiligen Geist Gottes seinen Ursprung hat. Es ist der gleiche Geist Gottes, der bei der Schöpfung über den Wassern schwebte, der in der sichtbaren Kreatur der Geist des Lebens und der Ordnung ist, von dem der menschliche Geist nur ein Abbild ist, Heiliger Geist, von Christus gesandt, um »das Antlitz der Erde zu erneuern« (Ps 103, 30). Geist der Wahrheit, in dessen Kraft»auch ihr Zeugnis ablegen sollt« (Joh 15, 27), löscht ihn nicht aus!

Dieser heilige Geist Christi belebe eurer Bischöfe und Priester seeleneifriges Wirken und stehe ihnen bei, den Anforderungen der heutigen Zeit gerecht zu werden, durchglühe euer privates und öffentliches Leben. Von ihm geführt, werden die Eltern sich ihrer Pflichten bewusst, die Schule wird, ihren Aufgaben voll gewachsen, der jungen Generation eine gediegene Formung schenken. Er erleuchte eure Staatsmänner in ihren verantwortungsvollen Aufgaben. Es bedeutet für Uns tiefe Genugtuung, dass eine Reihe der schwebenden konkordatären Fragen zwischen dem Heiligen Stuhl und Österreich glücklich gelöst worden ist. Wir geben gern der Hoffnung Ausdruck, dass die noch ausstehenden gewichtigen Probleme in gutem beiderseitigen Einvernehmen eine zufriedenstellende Lösung finden werden. Sauerteig aller Bereiche der aufbauenden Gesellschaft soll der Geist Christi sein: in den hohen Schulen zu fruchtbarer Begegnung zwischen Glauben und Wissen; in der Welt der Industrie und Technik, die immer mehr den Schöpfergeist Gottes als Urgrund gerade ihrer neuesten Errungenschaften erkennen möge; in jeder Stadt, in jedem Dorf, das in Gefahr steht, von der rein irdischen Lebenshaltung unserer schnelllebigen Zeit übersättigt und in der Seele gefährdet zu werden.

So möge denn ein jeder von euch durch ein Leben, das geprägt ist durch den Wandel in der »Gemeinschaft im Heiligen Geist« (2 Kor 13, 13), wie Paulus die Kirche nennt, zum Weckruf und zum Vorbild werden, nicht zuletzt für diejenigen eurer Brüder und Schwestern, die, nicht selten durch unglückliche Umstände, die lebendige Verbindung mit dem fortlebenden Christus verloren haben. So arbeitet freudig zusammen im Geiste katholischer Aktion! »Lebendige Bausteine am lebendigen Gebäude« (1 Petr 2, 5) der Kirche seid ihr! Wirke daher ein jeder von euch mit zur Verwirklichung des großen Anliegens des bevorstehenden Ökumenischen Konzils durch echte innere Erneuerung eurer selbst, durch Vertiefung wahrhaft christlichen Lebens im Geiste Jesu Christi in eurer Familie, in eurer Pfarrei, im Bereich eurer beruflichen Tätigkeit, auf dass die Kirche, gestärkt durch den Geist der Wahrheit ( Joh 15, 26), den Menschen unserer Zeit aufleuchte als mystischer Leib des Herrn, verklärt, rein, heilig (Eph 5, 27).

Als Unterpfand dessen und als Zeichen Unseres väterlichen Wohlwollens segnen Wir dich, geliebter Sohn, der du mit opferfreudiger Hingabe diesen Katholikentag ermöglicht hast, deine Mitbrüder im bischöflichen Amt, an erster Stelle den verehrten Erzbischof von Salzburg, den gesamten Klerus Österreichs, alle Mitarbeiter in der Vorbereitung und Durchführung dieses großen Treffens, alle in Salzburg versammelten Gläubigen, ihre Familien wie alle Uns teuren Söhne und Töchter Österreichs, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Gegeben zu Rom bei Sankt Peter, am 26. Mai 1962

IOANNES PP. XXIII

* AAS  54 (1962) 435;   Discorsi Messaggi Colloqui del Santo Padre Giovanni XXIII, Bd. IV, SS. 1012-1014.

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Quelle