Papst Franziskus an die irischen Bischöfe: Nicht entmutigen lassen!

Worte der Ermutigung hat Papst Franziskus während des Weltfamilientreffens in Dublin an die irischen Bischöfe gerichtet. Im Dominikanerinnenkloster der Hauptstadt begrüßte der Präsident der irischen Bischofskonferenz, Eamon Martin, den Papst und bedankte sich für dessen Besuch. Die Bischofskonferenz umfasst die Prälaten der vier Erzdiözesen und 22 Diözesen Irlands.

Papst Franziskus bezog sich in seiner Ansprache auf ein Gespräch mit den irischen Bischöfen im vergangenen Jahr während ihres Ad Limina Besuchs im Vatikan. Er dankte ihnen für die Sorge um Arme, Hilfsbedürftige und Ausgegrenzte, die in ihrem Hirtenschreiben über Obdachlose und die Süchte deutlich werde.

Appell: Zum Vorbild in der Aufarbeitung von Missbrauch werden

Auch das Thema Missbrauch brachte der Papst in der Unterredung mit den Bischöfen erneut auf die Tagesordnung. Er betonte, „dass es für die Kirche notwendig ist, mit einer dem Evangelium gemäßen Aufrichtigkeit und mutig die früheren Fehler im Zusammenhang mit dem Schutz der Kinder und der verwundbaren Erwachsenen anzuerkennen und wiedergutzumachen.“ Die Bischöfe seien in den vergangenen Jahren entschieden vorgegangen, um „Wege der Reinigung und Versöhnung mit den Missbrauchsopfern einzuschlagen“ und hätten sich gemeinsam mit nationalen Institutionen bemüht, strenge Regeln zum Kinderschutz aufzustellen.

Die Kirche in Irland solle sich mit „Aufrichtigkeit und Rechtschaffenheit“ diesem „schmerzhaften Kapitel“ ihrer Geschichte widmen und somit zum Vorbild für andere Kirchen weltweit werden.

[ „Gott ist immer Neuheit“ und er treibt uns an „ein ums andere Mal aufzubrechen und uns an neue Orte zu begeben, um über das Bekannte hinauszugehen“ ](Apostolisches Schreiben Gaudete et exsultate, 135). Mit diesen Worten rief der Papst die Bischöfe auf, trotz der „Erschütterungen“ der vergangenen Jahre, die den „starken Glauben des irischen volkes auf die Probe gestellt“ hätten, nach „kreativen Wegen“ zu suchen, um die Wahrheit des Evangeliums auch weiterhin zu bezeugen.

Den Glauben lehren

Die Weitergabe des Glaubens, so der Papst, sei in der sich rapide wandelnden Gesellschaft eine besondere Herausforderung. „Das Weltfamilientreffen hat uns große Hoffnung und Mut hinsichtlich der Tatsache verliehen, dass die Familien sich immer mehr ihrer unersetzlichen Rolle in der Weitergabe des Glaubens bewusst werden“, so Franziskus.

Auch die Vorbereitung von Lehrern und Lehrprogrammen zur religiösen Unterweisung an Schulen sei eine wichtige Aufgabe. In diesem Zusammenhang betonte der Papst auch die Wichtigkeit engagierter Laien.

Zuversicht und Einheit

Besonders in schwierigen Zeiten, betonte der Papst, sollten die Bischöfe auf die Wahrheit des Evangeliums vertrauen: „Jedes Mal, wenn ihr und euer Volk den Eindruck habt, eine kleine Herde zu sein, die Herausforderungen und Schwierigkeiten ausgesetzt ist, lasst euch nicht entmutigen. Wie uns der heilige Johannes vom Kreuz lehrt, strahlt gerade in der dunklen Nacht das Licht des Glaubens umso reiner in unseren Herzen auf. Und dieses Licht wird den Weg der Erneuerung des christlichen Lebens in Irland in den kommenden Jahren aufzeigen“, so heißt es in der Ansprache.

Der Papst betete auch für Versöhnung zwischen „allen Gliedern der irischen Familie“ und bezog sich damit auf den Friedensprozess zwischen der Republik Irland und Nordirland.

(vatican news – jm)

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Papst Franziskus spricht große Vergebungsbitte wegen Missbrauch

Eine eindringliche Bitte um Vergebung für die umfangreichen Verfehlungen der katholischen Kirche in Irland hat Papst Franziskus der Schlussmesse des Weltfamilientreffens vorangestellt. Sichtlich erschüttert von seiner Begegnung mit Überlebenden von Missbrauch und Misshandlung formulierte er den Text, den der Vatikan unmittelbar bekannt gab. Hier eine Arbeitsübersetzung.

„Gestern traf ich acht Menschen, die den Missbrauch von Macht, Gewissen und Sexualität überlebt hatten. In Anlehnung an das, was mir gesagt wurde, möchte ich diese Verbrechen zu Füßen der Barmherzigkeit des Herrn legen und um Vergebung bitten.

Wir bitten um Vergebung für Missbrauch in Irland, Missbrauch von Macht und Gewissen, sexuellen Missbrauch durch Mitglieder, die verantwortungsvolle Positionen in der Kirche innehatten, und insbesondere um Vergebung für jeden Missbrauch, der in verschiedenen Arten von Institutionen unter der Leitung von Ordensleuten und anderen Kirchenangehörigen begangen wurden.

Wir bitten auch um Vergebung für die Fälle von Arbeitsausbeutung, zu denen so viele Kinder gezwungen wurden: Wir bitten um Vergebung.

Wir bitten um Vergebung für all jene Zeiten, in denen wir als Kirche den Überlebenden keinerlei Form von Mitgefühl, Suche nach Gerechtigkeit und Wahrheit mit konkreten Taten gezeigt haben: Wir bitten um Vergebung.

Wir bitten um Vergebung für jene Mitglieder der Hierarchie, die diese schmerzhafte Situation nicht angegangen sind, sondern geschwiegen haben: Wir bitten um Vergebung.

“ Möge der Herr uns die Kraft geben, dafür Sorge zu tragen, dass diese Dinge nie wieder geschehen und dass Gerechtigkeit wird ”

Wir bitten um Vergebung für die Kinder, die ihren Müttern weggenommen wurden, und für all die Zeiten, in denen alleinerziehenden Müttern, als sie später ihre Kinder suchten, gesagt wurde, die Suche nach den Kindern, von denen sie getrennt worden waren, sei eine Todsünde – und dasselbe wurde den Söhnen und Töchtern gesagt, die nach ihren Müttern suchten. Dies ist keine Todsünde, es ist das vierte Gebot. Wir bitten um Vergebung.

Möge der Herr diesen Zustand von Scham und Schuld aufrechterhalten und wachsen lassen und uns die Kraft geben, dafür Sorge zu tragen, dass diese Dinge nie wieder geschehen und dass Gerechtigkeit wird. Amen.“

Franziskus sprach die Vergebungsbitte an der Stelle, die sonst im Ablauf der Messe dem allgemeinen Schuldbekenntnis gilt. Er trug sie in seiner Muttersprache Spanisch vor.

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Die Papst-Ansprache bei der Begegnung mit der irischen Regierung

Papst Franziskus und der irische Premierminister (AFP)

Am Samstag hat der Papst im Schloss von Dublin den irischen Premierminister besucht. Hier lesen Sie die Rede des Papstes in einer offiziellen Übersetzung.

Thaoiseach (Herr Premierminister),
verehrte Mitglieder der Regierung und des Diplomatischen Corps,
sehr geehrte Damen und Herren,

zu Beginn meines Besuchs in Irland bin ich dankbar für die Einladung, vor diesem auserwählten Publikum, welches das öffentliche, das kulturelle und das religiöse Leben des Landes repräsentiert, sowie vor dem Diplomatischen Korps und den geladenen Gästen zu sprechen. Ich danke für den freundschaftlichen Empfang, den mir der Präsident Irlands bereitet hat und der die Tradition herzlicher Gastfreundschaft widerspiegelt, für die Irland in der ganzen Welt bekannt ist. Ebenso weiß ich auch die Anwesenheit einer Delegation aus Nordirland zu schätzen.

Wie Sie wissen, ist der Grund für meinen Besuch die Teilnahme am Weltfamilientreffen, das dieses Jahr in Dublin stattfindet. Die Kirche ist in der Tat eine Familie von Familien, und sie empfindet das Bedürfnis, die Familien in ihren Bemühungen zu unterstützen, um treu und freudig auf die Berufung zu antworten, die ihnen von Gott in der Gesellschaft gegeben ist. Für die Familien ist dieses Treffen eine Gelegenheit, nicht nur ihre Verpflichtung zu liebender Treue, gegenseitiger Hilfe und heiliger Achtung vor dem göttlichen Geschenk des Lebens in all seinen Formen zu bekräftigen, sondern auch die einzigartige Rolle zu bezeugen, die die Familie bei der Erziehung ihrer Mitglieder und für die Entwicklung eines gesunden und blühenden sozialen Gefüges spielt.

Ich sehe das Weltfamilientreffen gerne als prophetisches Zeugnis des reichen Erbes an ethischen und geistlichen Werten, das zu bewahren und zu schützen jeder Generation aufgetragen ist. Man muss kein Prophet sein, um die Schwierigkeiten zu erkennen, mit denen die Familien in der sich schnell verändernden Gesellschaft von heute konfrontiert sind, oder um sich Sorgen über die Auswirkungen zu machen, die die Schwächung der Ehe und des Familienlebens unweigerlich auf allen Ebenen für die Zukunft unserer Gemeinschaften haben wird. Die Familie ist der „Klebstoff“ der Gesellschaft; ihr Wohl ist nicht selbstverständlich, sondern muss mit allen geeigneten Mitteln gefördert und geschützt werden.

Eben in der Familie hat jeder von uns seine ersten Schritte im Leben getan. Dort haben wir gelernt, in Harmonie zusammenzuleben, unsere egoistischen Triebe zu kontrollieren, Unterschiede zu versöhnen und vor allem jene Werte zu erkennen und zu ergründen, die dem Leben authentischen Sinn und Fülle verleihen. Wenn wir von der ganzen Welt als einer einzigen Familie sprechen, dann deshalb, weil wir zu Recht das Verbindende des uns gemeinsamen Menschseins erkennen und den Ruf zur Einheit und Solidarität spüren, besonders gegenüber unseren schwächsten Brüdern und Schwestern. Allzu oft fühlen wir uns jedoch machtlos angesichts der anhaltenden Übel des Rassenhasses und der Fremdenfeindlichkeit, der unlösbaren Konflikte und der Gewalt, der Missachtung der Menschenwürde und der grundlegenden Menschenrechte sowie der zunehmenden Kluft zwischen Arm und Reich. Wie notwendig wäre in allen Bereichen des politischen und gesellschaftlichen Lebens die Wiedererlangung des Bewusstseins dafür, dass wir eine wahre Völkerfamilie sind! Und wie wichtig ist es dabei, niemals die Hoffnung zu verlieren und mutig an dem moralischen Imperativ festzuhalten, füreinander Friedensstifter, Versöhner und Hüter zu sein.

Hier in Irland hat diese Herausforderung einen besonderen Klang angesichts des langen Konflikts, der die Brüder und Schwestern einer einzigen Familie voneinander getrennt hat. Vor zwanzig Jahren verfolgte die internationale Gemeinschaft aufmerksam die Ereignisse in Nordirland, die zur Unterzeichnung des Karfreitagsabkommens führten. Die irische Regierung hat zusammen mit den politischen, religiösen und zivilen Verantwortlichen Nordirlands und der britischen Regierung und mit der Unterstützung anderer Spitzenpolitiker in der Welt einen dynamischen Rahmen für die friedliche Lösung eines Konflikts geschaffen, der auf beiden Seiten enormes Leid verursacht hatte. Wir können für die zwei Jahrzehnte des Friedens nach diesem historischen Abkommen dankbar sein und bringen gleichzeitig unsere feste Hoffnung zum Ausdruck, dass der Friedensprozess alle noch bestehenden Hindernisse überwindet und die Entstehung einer Zukunft in Eintracht, Versöhnung und gegenseitigem Vertrauen fördert.

Das Evangelium erinnert uns daran, dass der wahre Friede letztlich ein Geschenk Gottes ist; er entspringt den geheilten und versöhnten Herzen und dehnt sich schließlich aus auf die ganze Welt. Aber das erfordert auch von unserer Seite eine ständige Umkehr, die Quelle jener geistigen Ressourcen ist, die notwendig sind, um eine Gesellschaft aufzubauen, die wirklich solidarisch und gerecht ist und im Dienste des Gemeinwohls steht. Ohne diese spirituelle Grundlage läuft das Ideal einer globalen Völkerfamilie Gefahr, nichts weiter als ein leerer Gemeinplatz zu werden. Können wir denn sagen, dass das Ziel, wirtschaftlichen Wohlstand zu schaffen, von selbst zu einer gerechteren und ausgewogeneren Gesellschaftsordnung führt? Oder ist es nicht vielmehr so, dass das Wachsen einer materialistischen „Wegwerfkultur“ uns gegenüber den Armen und den wehrlosesten Mitgliedern der Menschheitsfamilie, einschließlich der Ungeborenen, denen das Lebensrecht selbst abgesprochen wird, zunehmend gleichgültig gemacht hat? Vielleicht ist die Herausforderung, die unser Gewissen in diesen Zeiten am meisten anficht, die massive Migrationskrise, die nicht einfach von alleine aufhören wird und deren Lösung weit über kurzfristige politische Entscheidungen hinausgehend Weisheit, Weitblick und humanitäre Fürsorge erfordert.

Ich weiß sehr wohl um die Lage unserer verwundbarsten Brüder und Schwestern – ich denke besonders an die Frauen, die in der Vergangenheit äußerst schwierige Situationen erleiden mussten. Angesichts des Faktums dieser Verwundbarsten kann ich nicht umhin, den schweren Skandal anzuerkennen, der in Irland durch den Missbrauch von Minderjährigen durch Mitglieder der Kirche verursacht wurde, die beauftragt waren, sie zu schützen und zu erziehen. Das Versäumnis der kirchlichen Autoritäten – Bischöfe, Ordensobere, Priester und andere –, mit diesen abscheulichen Verbrechen angemessen umzugehen, hat zu Recht Empörung hervorgerufen und bleibt eine Ursache von Leid und Scham für die katholische Gemeinschaft. Ich selbst teile diese Gefühle. Mein Vorgänger Papst Benedikt XVI. sparte nicht mit Worten, um den Ernst der Lage anzuerkennen und zu fordern, dass als Antwort auf diesen Vertrauensbruch Maßnahmen ergriffen werden, die »wirklich dem Evangelium gemäß, gerecht und effektiv« sind (vgl. Hirtenbrief an die Katholiken in Irland, 10). Sein freimütiges und entschlossenes Eingreifen dient weiterhin als Ansporn für die Bemühungen der kirchlichen Verantwortungsträger, die Fehler der Vergangenheit zu beheben und strenge Regeln zu erlassen, um sicherzustellen, dass sie sich nicht wiederholen.

Jedes Kind ist in der Tat ein kostbares Geschenk Gottes, das behütet und dazu ermutigt werden muss, seine Begabungen zu entfalten, und das hingeführt werden soll zu geistiger Reife und zur Fülle des Menschseins. Die Kirche in Irland hat in der Vergangenheit und in der Gegenwart eine Rolle bei der Förderung des Wohlergehens von Kindern gespielt, die nicht verdunkelt werden darf. Ich hoffe, dass die Schwere der Missbrauchsskandale, die die Unzulänglichkeiten so vieler deutlich gemacht haben, dabei hilft, die Bedeutung des Schutzes verwundbarer Kinder und Erwachsener durch die Gesellschaft als Ganzer klar herauszustellen. In diesem Sinn sind wir uns der dringenden Notwendigkeit bewusst, den jungen Menschen besonnene Begleitung und gesunde Werte für ihren Wachstumsprozess anzubieten.

Liebe Freunde,

Vor fast neunzig Jahren gehörte der Heilige Stuhl zu den ersten internationalen Institutionen, die den freien Staat Irland anerkannten. Diese Initiative markierte den Beginn einer langjährigen harmonischen und dynamischen Zusammenarbeit mit einer einzigen vorübergehenden Wolke am Horizont. In letzter Zeit haben intensive Bemühungen und der gute Wille beider Seiten wesentlich zu einer vielversprechenden Wiederherstellung dieser freundschaftlichen Beziehungen zu beiderseitigem Nutzen beigetragen.

Die Fäden dieser Geschichte gehen auf mehr als 1500 Jahre zurück, als die von Palladius und Patrick verkündete christliche Botschaft in Irland Heimat fand und zu einem festen Bestandteil des irischen Lebens und der irischen Kultur wurde. Viele „Heilige und Gelehrte“ fühlten sich inspiriert, die hiesigen Gestade zu verlassen und den neuen Glauben in andere Länder zu bringen. Noch heute werden die Namen Columba [von Hy], Kolumban [von Luxeuil], Brigida [von Kildare], Gallus, Kilian, Brendan und viele andere in Europa und darüber hinaus in Ehren gehalten. Das Mönchtum auf dieser Insel, eine Quelle der Zivilisation und des künstlerischen Schaffens, schrieb eine großartige Seite im Geschichtsbuch Irlands und der Welt.

Heute wie in der Vergangenheit streben Männer und Frauen, die in diesem Land leben, danach, das Leben der Nation mit der Weisheit des Glaubens zu bereichern. Selbst in den dunkelsten Stunden Irlands fanden sie im Glauben die Quelle dieses Mutes und Engagements, die für die Gestaltung einer Zukunft in Freiheit und Würde, Gerechtigkeit und Solidarität unerlässlich sind. Die christliche Botschaft war ein wesentlicher Bestandteil dieser Erfahrung und prägte die Sprache, das Denken und die Kultur der Menschen auf dieser Insel.

Ich bete, dass Irland, während es die Vielstimmigkeit der gegenwärtigen sozialen und politischen Debatte hört, nicht die klangvollen Melodien der christlichen Botschaft vergisst, die es in der Vergangenheit getragen haben und dies auch in Zukunft leisten können.

Mit diesen Gedanken rufe ich auf euch und auf das ganze geliebte irische Volk den göttlichen Segen der Weisheit, der Freude und des Friedens herab. Ich danke Ihnen.

(vatican news -mg)

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Abtreibung: Vatikan bedauert irisches Referendum

Erzbischof Vinzenz Paglia

Jetzt fällt eines der letzten Tabus im einst so katholischen Irland: In einem Referendum haben sich die Iren am Freitag mit überwältigender Mehrheit für ein Ende des Abtreibungsverbots ausgesprochen. „Da gibt es nichts zu feiern“, kommentiert der Vatikan.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Nach Darstellung der Medien ist es ein „Erdrutschsieg“ der Abtreibungs-Befürworter: Ihre Mehrheit liegt bei etwa 68 Prozent. Damit wird ein Satz, nach dem Mutter und ungeborenes Kind „dasselbe Recht auf Leben“ haben, aus der Verfassung kippen. Unklar ist allerdings, wie weit die Freigabe der Abtreibung geht, auf die sich die Politiker nun bald einigen müssen.

„Ich glaube, da gibt es keinen Sieg zu verkünden und nichts zu feiern“, sagt der Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, Erzbischof Vincenzo Paglia, im Interview mit Vatican News. „Alles, was in irgendeiner Weise dem Tod die Drecksarbeit leichter macht, stimmt uns nicht besonders froh! Was jetzt in Irland passiert, muss uns dazu bringen, das Leben nicht nur zu verteidigen, sondern auch zu fördern, zu begleiten. Damit die Bedingungen geschaffen werden, in denen es nicht mehr zu so dramatischen Entscheidungen kommt.“

Vatikan: Da gibt es nichts zu feiern

„Es sieht so aus, als hätten wir Geschichte geschrieben“, kommentierte der Dubliner Ministerpräsident Leo Varadkar auf Twitter das Ergebnis an diesem Samstag. Die Zahlen des Referendums zeigen ein gespaltenes Irland: Bei den über 65-Jährigen lag das Nein vorne, bei den 18- bis 24-Jährigen das Ja. Das erinnert von ferne an das unterschiedliche Abstimmungsverhalten der Generationen beim Brexit-Votum vor zwei Jahren.

Es sei „immer ein Drama, wenn entschieden wird, ein Leben zu beenden“, so Vatikan-Erzbischof Paglia. „Ich kann nicht vergessen, was (der salvadorianische) Erzbischof Óscar Arnulfo Romero einmal vor der Leiche eines von Todesschwadronen ermordeten Priesters sagte: Das Konzil erwartet von uns allen, dass wir Märtyrer sind – also dass wir Leben geben und nicht nehmen! Er nannte dann das Beispiel einer Mutter, die ein Kind empfängt, es gebiert, es mit Milch tränkt. Diese Mutter sei eine Märtyrerin, weil sie Leben gebe, so Romero damals. Und heute, wo man dem Tod so oft bei seiner Drecksarbeit hilft, freue ich mich hingegen über all die Male, wo ein Leben verteidigt, begleitet, gefördert wird. So etwas braucht die ganze Welt!“

In drei Monaten reist der Papst nach Irland

Dass die Iren der Legalisierung von Abtreibung mehrheitlich grünes Licht gegeben haben, hat für Paglia etwas „mit der irischen Geschichte“ zu tun – ohne dass er das weiter ausführen würde. Und außerdem glaubt er, dass „eine individualistische Haltung“ allgemein in den westlichen Ländern „in der Luft“ liege. Dadurch gerieten „die Rechte aller, auch der Ungeborenen“, ins Hintertreffen.

Im August findet in Irland ein katholisches Welttreffen der Familien statt. Dazu wird auch Papst Franziskus erwartet.

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Gebetsaufrufe vor Irlands Abtreibungsabstimmung

Mit Blick auf die Volksabstimmung, die in wenigen Tagen Abtreibung in Irland legalisieren könnte, bitten zahlreiche Initiativen des Landes um Gebete.

Der irische Priester Pater Marius O’Reilly ruft in einer Videobotschaft auf YouTube nicht nur Katholiken auf der ganzen Welt dazu auf, vor der Abstimmung für Irland zu beten. O’Reilly betont, dass, während andere Länder die Abtreibung durch Gesetze oder Gerichtsentscheidungen legalisiert haben, „Irland das erste Land der Welt wäre, in dem das Volk [per Abstimmung] die Abtreibung legalisiert würde“.

„Das können wir nicht zulassen. Und so appelliere ich heute an Sie – bitte kommen Sie zu uns. Beten Sie den Rosenkranz für Irland. Bitte lassen Sie Messen für Irland lesen“.

Am 25. Mai stimmen die irischen Bürger ab, ob sie den achten Zusatz des Landes, der das gleiche Recht auf Leben der Mutter und des ungeborenen Kindes anerkennt, aufheben wollen. Nach geltendem Recht ist die Abtreibungspraxis in Irland illegal, es sei denn, die Gesundheit der Mutter gilt als gefährdet. Pro-life irische Bürger ermutigen eine „Nein“ Abstimmung über das Referendum.

Die achte Änderung wurde 1983 in Irland mit einer Wahlbeteiligung von 67 Prozent verabschiedet. Es lautet zum Teil: „Der Staat erkennt das Recht auf das Leben des Ungeborenen an und garantiert unter gebührender Berücksichtigung des gleichen Rechts auf Leben der Mutter in seinen Gesetzen die Achtung und, soweit durchführbar, durch seine Gesetze verteidige und verteidige dieses Recht. “

Trotz des hohen Prozentsatzes der Bevölkerung (78 Prozent), der sich als katholisch identifiziert, wird mit einem knappen Ausgang gerechnet.

Vor zwei Monaten startete EWTN Irland eine 54-tägige Rosenkranz-Novene-Kampagne zur „Bekräftigung des unschätzbaren Wertes jedes menschlichen Lebens“.

Die Website der Kampagne fordert „alle Menschen guten Willens auf, sich gemeinsam für die Verteidigung der ungeborenen Kinder und ihrer Mütter einzusetzen. All jene, die sich zum Glauben bekennen, und jene, die sich zu säkularen Werten bekennen, sind eingeladen, sich gemeinsam mit einer Stimme für die ungeborenen Babys und ihre Mütter auszusprechen.“

Ein allgemeines, christliches Gebet und eine säkulare Bestätigung wurden ebenfalls auf der Website der Kampagne veröffentlicht.

EWTN Irland und viele Geistliche drängen die Katholiken besonders dazu, eine neuntägige Rosenkranznovene zu beten, die am Donnerstag, dem 17. Mai, beginnt und am Freitag, dem 25. Mai, endet, dem Tag des Referendums.

Zahlreiche weitere Initiativen, darunter Webseiten wie „Pray More Novenas„, eine Gebets- und Fasteninitiative inspiriert von der Ordensschwester Briege McKenna OSC sowie die Pro-Life-Gruppe Human Life International engagieren sich mit Gebets-Initiativen und weiteren Aktivitäten.

In seinem Video erinnert Pater O’Reilly an den Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1979, in dem er irische Bürger aufforderte, das Leben zu verteidigen.

„Er sagte zu den Iren: ‚Ihr müsst das Leben schützen‘. Er wusste, was auf uns zukommen würde. Und so nahmen die Iren dies sehr, sehr ernst und die Rosenkranzkreuzzüge begannen überall, im ganzen Land „, so O’Reilly.

Dies führte auch zu dem Vorschlag einer Verfassungsänderung, die Mutter und Kind gleichermaßen schützt, und die mit dem Referendum am 25. Mai in Frage gestellt wird: Der Achte Zusatz der Verfassung spricht sowohl der Mutter wie auch derem ungeborenen Kind ein gleichwertiges Recht auf Leben zu.

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Vatikan: Papstreise nach Irland geplant

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War gerade erst im Vatikan zu Besuch: Der irische Premier Enda Kenny

Die Zeichen verdichten sich, dass Papst Franziskus für das Jahr 2018 eine Reise nach Irland plant. Darauf deutet eine Twitter-Kurznachricht des irischen Bischofs Philip Egan von diesem Montag hin, der dort eine solche Reise eine „großartige Neuigkeit“ nennt. Er hoffe, dass der Papst Irland „Hoffnung, Segen und einen erneuerten Glauben“ bringen könne, so der Bischof von Portsmouth. Details wurden ansonsten nicht bekannt. Eine offizielle Bestätigung der Reise durch den Vatikan steht aus.Der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, hatte im Mai diesen Jahres in einem Interview bereits von einem möglichen Papstbesuch in Irland anlässlich des Weltfamilientreffens in Dublin gesprochen. Der Papst habe damals auf Martins Einladung hin den Willen bekundet zu kommen, so der Erzbischof in einem Interview mit dem „Irish Independent„. Martin wird als Primas von Irland Gastgeber des neunten Weltfamilientreffens sein.

Als bislang einziger Papst war Johannes Paul II. (1978-2005) im Jahr 1979 nach Irland gereist und hatte dort unter anderem Dublin, Limerick und den Wallfahrtsort Knock besucht. Medienberichten zufolge könnte bei einer Reise von Franziskus neben Dublin auch Nordirland auf dem Besuchsprogramm stehen.

(rv 29.11.2016 pr)