DIE STUNDE MARIENS – MARGARETE MARSURA (1909 – 1971)

Titelseite Die Stunde Mariens

Holzstatue „Unsere Liebe Frau vom Frieden“ aus dem Besitz der Familie Marsura. Sie wurde am 8. Dezember 1968, am Fest der Unbefleckten Empfängnis (Immaculata) geweiht und über dem Altar in der Kapelle auf dem Segensbühel aufgestellt.

EINFÜHRUNG

Diese Kurzbiografie über Margarete Marsura wurde von Prof. Dr. P. Antonio M. Artola C.P. verfaßt, der seine theologischen Studien an der Päpstlichen Universität St. Thomas von Aquin («Angelicum»), am Päpstlichen Bibelinstitut, Rom, und an der Bibelschule Jerusalem absolviert hat. Er hat sein Lizentiat bei der Päpstlichen Bibelkommission, Rom, und seinen Doktortitel in Theologie an der Katholischen Universität von Freiburg (Schweiz) erworben. Jetzt ist er Ordentlicher Professor der Hl. Schrift an der Theologischen Fakultät der Universität von Deusto-Bilbao (Spanien) und Dozent der Theologie des Kreuzes an der gleichnamigen Oberschule bei der Päpstlichen Universität «Antonianum» in Rom.

Die Arbeit wurde im Auftrag der «Gruppe für den Weltfrieden», Segensbühel, Meran (Bozen), geleistet.

Anfangs dachte man an eine Einführung in eine Auswahl des geistlichen Tagebuches von Margarete Marsura. Aber man verschob auf einen anderen Zeitpunkt die Veröffentlichung des Tagebuches, und hat einstweilen die Initiative ergriffen, diese Biografie getrennt zu veröffentlichen, damit die Seelen, die sich für den Weltfrieden einzusetzen wünschen, diese demütige Frau kennenlernen, eine große Charismatikerin für die europäische Einheit, den Weltfrieden, die christliche Familie und die Verwirklichung der vom II. Vatikanischen Konzil angegebenen Ziele.

«Gruppe für den Weltfrieden»

Meran, 8. Dezember 1982
Am Fest der Unbefleckten Empfängnis der hlst. Jungfrau Maria

 

I.
DAS GEISTLICHE TAGEBUCH
EINER AUSERWÄHLTEN SEELE

Im Jahr 1959, wenige Monate vor der Vollendung des 50. Lebensjahres, beschloß eine einfache Familienmutter mit tiefem Frömmigkeitsleben, jeden Tag schriftlich ihr Innenleben niederzulegen: «Von diesem Tag an will ich auch schriftlich mein geistliches Leben unter Kontrolle halten» (1.1.59).

Nach einem ersten einleitenden Abschnitt mit unvermeidlichen Unterbrechungen wird die Askese des täglichen geistlichen Innenlebens eine Gewohnheit und eine Notwendigkeit: «Jeden Tag ein schriftlicher Gedanke für Dich, meinen süßesten Bräutigam» (21.2.61).

Die geistliche Tat dessen, was schriftlich niedergelegt wird, hat eine einmalige Wirksamkeit: «Ich schreibe diese Gedanken auf die Zeilen eines Heftes . . . Sie bleiben eingeprägt auf den Seiten und so bleibt in meinem Herzen mit unauslöschlichen Lettern eingeprägt, was mein Herr in der intimen Stille der Seele mir eingibt, wenn ich von Du zu Du hinhöre und mit Ihm spreche» (14.3.61).

Die Verpflichtung der täglichen Heftseite hat die übernatürliche Wirkung, dem Willen große Festigkeit zu geben, zu erfüllen, was in der Betrachtung sich als Wille Gottes erweist: «Der Herr lädt mich ein, mit der Feder zu bestätigen, was Er eindringlich von mir verlangt» (15.12.60). Die Ausdauer in der täglichen Aufgabe der geistlichen Niederschrift läßt die Überzeugung entstehen, daß der Tag unvollständig ist, wenn sie nicht irgendetwas schreibt. «Wenn ich mein Tagebuch für einige Tage schweigen lasse, fühle ich, daß mein geistliches Leben nicht vollständig ist. Jedes geschriebene Wort in diesem Heft ist wie eine Bestätigung dessen, was meine Vereinigung mit Gott ist» (4.12.60). Die Aufrichtigkeit und der Ernst, mit der sie die tägliche Pflicht der geistlichen Gedanken erfüllt, bildet ihr Leben genau nach besagten schriftlichen Gedanken: «Eine Bestätigung ist dir, daß du lebst wie du schreibst» (30.8.60). Jeder Augenblick des Tages ist gut, eine innere Bewegung bezeugen zu lassen oder einen Gruß an Jesus zu richten: «Ich will, daß die ersten Worte für Dich sind, mein Herr, auch auf den Zeilen dieses armen Heftes» (22.6.61). Gewöhnlich wird das Tagebuch am Ende der Betrachtung geschrieben wie eine normale Verlängerung derselben: «Nach der Betrachtung schriftliche Fortsetzung» (27.8.60).

Das war die Entstehung des geistlichen Tagebuches Margaretens.

Der Entschluß, die eigenen inneren Erfahrungen niederzuschreiben hatte tiefgreifende Folgen im Leben dieser Seele. Vor allem eine intensive und tägliche, auf den geistlichen Fortschritt konzentrierte Aufmerksamkeit. In der Folge richtet sich die Aufmerksamkeit in den inneren Eingebungen und Rufen des Herrn auf eine jedesmal großherzigere Antwort. Und die Wirkungen der inneren Besserung wachsen. Es ist eine größere Klarheit und eine Zunahme der übernatürlichen Kenntnis in der Notwendigkeit, in einigen Zeilen festzulegen, was die Seele in den Augenblicken des stillen Dialogs fühlt. Nach und nach verschwindet alles, was nicht privilegierten Gegenstand dessen bildet, was im Tagebuch von der Welt der unmittelbaren Interessen bleibt. Die unsichtbare Welt wird zur gewöhnlichen Atmosphäre des ganzen Tages und des ganzen Seelenlebens. Es interessiert nicht mehr, was äußerlich ist, wenn man das innere Paradies des Geistes entdeckt hat. Der Augenblick des Tagebuches ist der Augenblick der Kontrolle, der Prüfung und des Abschätzens des eigenen Verhaltens. Das Heft ist die unersetzliche Hilfe, wenn das Gebet trocken und die reine geistige Konzentration unmöglich wird. Anstelle der steril gewordenen Seele und des gefühllosen Herzens wird die Hand zum Geist und drückt dem Herrn aus, was keine andere Dimension des Seins in der Dunkelheit äußern kann.

Der Preis dieser Askese Margaretens ist die mystische Evolution. Es sind nicht mehr ihre Betrachtungen, die auf das demütige Schulheft übertragen werden. Es ist nicht mehr das mehr oder weniger forcierte Zwiegespräch, Frucht des menschlichen Geistes, das sich an Gott wendet. Nach und nach beginnen die inneren Eingebungen die Intensität und die Klarheit des von einem anderen Geist ausgehenden Wortes zu erlangen, der sich von Angesicht zu Angesicht mit ihrem eigenen Ich befindet. Es entsteht ein nahezu vor-mystischer Augenblick, in dem die Seele jenseits der erfahrenen Eingebung und der Sammlung im Gebet eine süße und bescheidene Stimme hört. Es entsteht das Bewußtsein, daß Gott schon ein Gesprächspartner ist mit einem erkennbaren Angesicht und unverwechselbarer Stimme: «Fürchte dich nicht, meine kleine Seele. Ich werde dir kein besonderes Zeichen geben: du hast nur mit einfältiger Sicherheit zu glauben, daß diese Gespräche zwischen mir und dir wirklich stattfinden» (19.8.60).

Die Gewißheit des Gesprächs bewegt sich auf der Linie der Äußerungen mit neuem Inhalt. Margarete wird es bewußt, daß der Dialog Licht, Erkenntnis, einige neue Erleuchtungen mit sich bringt. Die Er¬leuchtungen nehmen manchmal die Form eines Auf¬trages an dritte Personen an oder konkreter Aufträge an sie selbst. Es entstehen die Botschaften ihrer Mis¬sion: «Meine Kleine, sage mir nicht nein in dem, was ich von dir verlange. Ich wünsche, daß du meine Fort¬setzung bist. Denke nicht, daß du nichts bist, denn Ich kann aus dem Nichts Alles machen. Von dir wün¬sche Ich nur den Willen, mit ruhiger Sicherheit zu denken, daß Ich du bin. Du wirst immer das Nichts sein, das du in allen natürlichen Dingen bist, denen dein Körper unterworfen ist. Aber mit der Seele und dem Willen will ich, daß du meine Fortsetzung bist» (25.1.60).

Nachdem einmal das Bewußtsein der persönlichen Sendung geschaffen ist, wird das Tagebuch zu einem Dokument geistlicher Wichtigkeit für die Zukunft zahlreicher anderer Seelen: «Wenn sie eines Tages über das, was du schreibst, Betrachtungen anstellen, werden sie begreifen, daß all das Wahrheit ist» (23.12.60).

Margarete hat die Vorahnung der Wichtigkeit dieser Schriften. Am 17. August 1961 hört sie den Herrn sagen:

«Ich wünsche, daß viele Dinge geschrieben werden, denn man soll mein kleines Mädchen kennenlernen, das mir auf Erden so nahe steht, wenn sie mit mir im Himmel sein wird und auf alle Seelen, besonders der Priester, die weißen Blütenblätter ausstreuen wird, die sie jetzt dauernd, bei jedem Ave Maria, in den Schoß meiner Mutter legt.»

Und am 27. September 1967 führt sie aus:

«Wer eines Tages diese Gedanken liest, soll wissen, daß sie nicht oberflächlich geschrieben sind, nur damit etwas geschrieben ist, sondern die wirkliche Vereinigung und Verschmelzung einer Seele mit Gott darstellen, der unser Vater die kindliche Kenntnis Seiner Selbst geschenkt hat, verbunden mit zartem Vertrauen. In der Tat, alle Gedanken, die man in diesem Heft meines geistlichen Lebens geschrieben findet, sind ganz und gar nicht einstudiert, wie zum Beispiel wenn jemand einen Brief an eine Person schreibt und zuerst gewöhnlich einen Entwurf macht. Nein die Gedanken dieser Momente geistlichen Zwiegesprächs gehen spontan aus dem Geist hervor und fließen ins Herz, in die Feder wie ein Bach, der aus seiner natürlichen Quelle hervorkommt und ruhig und einfach dahinfließt, dahinfließt, sicher, seine Harmonie nicht zu erschöpfen, denn seine Quelle ist unerschöpflich, entspringt sie doch aus den ewigen Gletschern. In diesen intimen Augenblicken befinde ich mich von du zu du mit meinem Herrn: mit unserem Vater, der mir das Sein gegeben hat; mit Jesus, dem süßesten Bräutigam meiner Seele, mit dem Heiligen Geist, der die Liebe des Vaters und Jesu ist, verschmolzen in einer einzigen Liebe, die mich umfaßt, erleuchtet und den Geist, das Herz, die Seele, mein ganzes Sein durchdringt. Es ist in diesen Augenblicken, daß ich aus der Quelle der Göttlichen Familie alle die schönsten und erhabensten Gedanken schöpfe, die spontan und einfach hervorfließen. Es ist wahr, es sind dabei auch meine Gedanken, wenn mein Herz vom Gewicht meiner armen, schwachen, kranken Natur belastet ist, denn so ist es für jedes in die Sünde gefallene menschliche Geschöpf.»

Wenn die geistliche Läuterung Margaretens hohe Grade erreicht haben und die Intimität mit dem Herrn fortgeschritten sein wird, wird das Gespräch mit Jesus ein wirklicher und fühlbarer Dialog. Und die Worte des Herrn erreichen einen Grad authentischer Diktate.

Niemand wußte von diesem Tagebuch Margaretens, als sie noch lebte. Erst einige Monate bevor sie starb, bekannte sie ihrem Mann, daß sie in einem Schrank ihre «Memoiren» aufbewahrte, so nannte sie ihr Tagebuch. Herr Marsura hatte dieser vertraulichen Mitteilung seiner Frau keine große Bedeutung beigemessen, bis er eines Tages damit begann, diese Hefte durchzublättern. Er wurde dadurch ganz unerwartet gerührt, und sein Gemüt wurde tief bewegt. Er hatte nichts von dem wunderbaren Innenleben Margaretens gewußt. Lange weinte er über diesen so einfachen und doch so außerordentlichen Seiten.

II.
IM ZEICHEN
EINER GROSSEN EINFACHHEIT

Margarete führte bis zum Jahr 1937 ein demütiges und schlichtes Leben in ihrem Geburtsstädtchen, umgeben von einer sanften Hügellandschaft.

Sie war geboren in Cornuda di Treviso am 5.7.1909. Sie empfing die erste hl. Kommunion im Alter von 7 Jahren im Jahre 1916, mitten im Weltkrieg. Von ihrer Jugend schreibt sie in ihrem Tagebuch: «Schon als kleines Kind wollte der Herr mich immer nah bei sich, und Er ließ mich oft seine Stimme so klar hören, daß ich oft das Bedürfnis fühlte, mich in die Stille zurückzuziehen, um mich ganz einer tiefen Betrachtung mit Ihm hinzugeben» (9.7.59). Diese frühzeitige Intimität mit dem Herrn ließ sie ein besonderes Hingezogensein zur Reinheit empfinden: «Ich fühlte stark den Wunsch, in Keuschheit zu leben» (18.1.60): «Warum hast Du mich nicht gerufen, o guter Vater, als ich noch ein ganz reines, unberührtes Mädchen war? Damals hätte ich meinem Bräutigam die Jungfräulichkeit, die Reinheit, mein Herz frei von der Kenntnis des Bösen geben können», schrieb sie mit 50 Jahren, als sie schon ganz dem Herrn hingegeben war (29.8.1960).

Der Wunsch nach einem reinen Leben brachte sie sehr bald zur marianischen Frömmigkeitl. Von der heiligsten Jungfrau erflehte sie die Gnade einer vollkommenen Reinheit. «Wie oft habe ich zu ihr gebetet von meiner zarten Kindheit, von meiner Jugend an! Sie hat mich rein bewahrt, einfältig, fern von der Kenntnis des Bösen und von allem, was nicht unschuldig ist, bis zum Alter von 28 Jahren, meiner Heirat, und dann noch und immer» (13.6.1961).

Aus dieser einfachen, marianischen Frömmigkeit der Jugendzeit stach die Andacht des heiligen Rosenkranzes hervor: «Ich hatte von frühester Jugend an eine besondere Andacht zur Unbefleckten Jungfrau des Rosenkranzes von Pompei, und ich habe zu ihr die Novene des Bartolo Longo gebetet — er war es, der die Andacht zur Madonna des Rosenkranzes begann und verbreitete — in allen Gegebenheiten und den größten Nöten meines Lebens» (3.10.65).

Am 1. Oktober 1918, im Alter von 9 Jahren, traf sie der Schmerz des Todes ihres Vaters infolge der bekannten Epidemie, die in Europa nach dem Weltkrieg wütete. 51 Jahre darnach, am 10.10.1968, vermerkte sie in ihrem Tagebuch die Einzelheiten jenes Todes:

«Es war im Jahr 1918, ich war neun Jahre alt. Es war zur Zeit des Ersten Weltkrieges, der seinem Ende zuging. Wir wohnten in der Nähe des Piave, gerade dort, wo die erbittertsten Schlachten tobten. Von unserem Ort, Cornuda, mußten wir im November 1917 fliehen. Zuerst hielten wir uns einige Monate lang in Casella d’Asolo im Haus der Brüder meiner Mutter auf, dann wurden alle Flüchtlinge in südlichere Regionen, etwas überall zerstreut, geschickt. Unser Bestimmungsort war Lucera, ein Städtchen in der Provinz Foggia in Apulien. Wir kamen dort nach vielen Tagen Eisenbahnfahrt an. In dieser Stadt, an diesem Tag und zu dieser Stunde — es war 15 Uhr — starb mein Vater. Meine Mutter war allein mit mir und mit meinem kaum zwei Jahre alten Schwesterchen; ich war neun Jahre alt. Die zwei älteren Brüder waren an der Front, und die zwei älteren Schwestern waren im Krankenhaus mit der ‹spanischen› Krankheit. An dieser Krankheit starb der Vater. Ich erinnere mich an den letzten Kuß, den ich dem sterbenden Papa gab, die Tränen meiner Mutter und die kindlichen Gebete, die ich an den Herrn richtete. Ich erinnere mich noch an den Leichenwagen mit vielen Särgen, denn viele starben zu dieser Zeit an der Epidemie. Ich kleines Mädchen war die einzige Hilfe und der einzige Trost meiner Mutter. Wie war meine Mutter so lieb, wieviele Leiden in ihrem Leben. Ich habe sie alle in mein Herz aufgenommen und habe mit ihr viele Tränen geweint. Mein geliebter Papa, von ihm erinnere ich mich an wenig, aber sehr gut an den letzten Kuß, den ich ihm auf die Stirne, naß von Schweiß, gab: es war vielleicht der Todesschweiß. Die Krankheit hatte ihn befallen, und er konnte nicht mehr reden. Er hatte jedoch einen Blick, der noch verstand; daran erinnere ich mich, und vielleicht war der Kuß seiner kleinen Angelina Margareta, die er so liebte, wie die Kommunion, die er nicht empfangen konnte. Und mit meinem Kuß auf die Stirne kehrte Papa heim zum Herrn. Papa und Mama sind jetzt im Himmel in der Glückseligkeit Gottes. Auch ich werde bald bei ihnen sein.»

Von ihrer frühen Jugend an fühlte sie sich zur Frömmigkeit und zur Liebe zu Christus hingezogen: «Von meiner frühen Jugend an hast Du mich immer gerufen, anders als bei meinen Kolleginnen, mit Dir allein zu sein. Wie oft wolltest du mich, in der Stille meiner Pfarrkirche, vor dem Tabernakel oder dem Altar der Jungfrau Maria; oder im Garten meines Hauses an den vom matten Schein des Mondes erleuchteten Abenden oder am frühen Morgen bei Sonnenaufgang in den klaren Morgenstunden des Sommers, als noch alle in tiefem Schlaf lagen; oder auch in der Intimität meines weißen Zimmerchens. Immer, oh mein Jesus, hast Du mich im Lauf meines Lebens gerufen, immer wolltest Du mich nah bei Dir in intimem Gespräch mit Dir. Ich konnte nie widerstehen, nie» (20.2.60).

Margarete gehörte einer Familie mit acht Kindern an. Sie erlernte den Beruf einer Schneiderin und gründete im Haus eine Schneiderei, wo mit ihr andere junge Mädchen als Lehrmädchen arbeiteten. Obwohl sie nach dem hohen Ideal der Reinheit strebte, wollte der Herr diese Seele zum Eheleben führen. Sie geht die Ehe mit einem frommen jungen Mann von ihrem Ort am 8. Mai 1937 ein, in der Pfarrkirche von Cornuda.

Ihr Eheleben verläuft normal. Margarete übt weiter das Apostolat aus, mit dem sie sich als Ledige beschäftigt hatte. Sie arbeitet in der Katholischen Aktion als Präsidentin der weiblichen Abteilung und als Delegierte der Kinderabteilung.

Der Herr segnet ihre Ehe und gewährt ihr, Mutter zweier Kinder zu werden. Nach der zweiten Geburt hört ihre Fruchtbarkeit auf. Margarete findet da einen Weg, ihren Zustand zu erheben: sie widmet sich von ganzer Seele der Erziehung ihrer Kinder und anderer Kinder ihrer Umgebung.

Vom Augenblick der ihr versagten Mutterschaft an beginnt sie, an das Ideal der ehelichen Keuschheit in der Enthaltung zu denken. «Dem Wunsche nach habe ich immer in Keuschheit gelebt, wenn ich auch meine Pflicht als Gattin und Mutter erfüllte», schrieb sie am 28.1.60. Ihre Vorbilder im Eheleben waren die heiligen Ehefrauen und Mütter der christlichen Geschichte: «Ich bin nicht wie Agnes, die kleine Theresia, Margarethe, aber ich bin wie Rita: auch sie war Mutter und dann Deine Braut . . . Ich bin nicht eine jungfräuliche Braut von Dir, ich bin eine Mama . . .» (29.8.60). Die Gestalten der heiligen Monika, der heiligen Zäzilia, der heiligen Rita ziehen sie an.

Der Ruf des Herrn und die geistliche Veränderung in ihr seit 1959 geben ihr einen starken Wunsch eines in vollkommener Enthaltsamkeit gelebten Ehelebens ein. Die eheliche Beziehung hatte nie den brennenden Wunsch ausgelöscht, sich dem Herrn als einzigem Bräutigam der Seele zu weihen: «Auch wenn er mir einen Begleiter im Leben gegeben hat, habe ich immer gefühlt, daß der süßeste Bräutigam meiner Seele Jesus war» (26.7.59). «Ich fühlte stark den Wunsch, in Keuschheit zu leben» — schreibt sie am 18.1.60 — «aber was tun?» Unter Keuschheit verstand sie die vollständige Entbehrung des ehelichen Verkehrs. Zu diesem Zweck mußte sie die Zustimmung des Mannes haben, der noch ziemlich jung war. Nachdem die geistliche Veränderung des Jahres 1959 in ihr dieses Ideal entzündet hatte, bemühte sie sich, die Zustimmung des Ehegatten zu erhalten.

Der Wunsch nach vollkommener Keuschheit wurde beim 50. Geburtstag ihres Mannes besonders stark (28.1.60).
«Das schönste Geschenk, das ich ihm machte, war die hl. Messe und die hl. Kommunion zusammen mit ihm, in die ich die besondere Meinung gelegt habe, daß Jesus, der süßeste Bräutigam der Seele, ihm die Gnade schenke, von jetzt an in vollkommener Keuschheit neben seiner Lebensgefährtin zu leben. Daß er denke, nicht eine Frau, sondern einen Engel zu haben . . . Der gute Gott wird uns großen Verdienst für den Himmel geben. Und ist es vielleicht nicht ein besonderer Vorzug, daß ich in vollkommener Keuschheit neben einem jungen Mann leben kann? Und ist das vielleicht nicht ein Zeichen, daß Jesus mich für sich ganz rein und schön will? Oh meine Seele, frohlocke, denn dein Herr hat eines seiner wunderbaren Dinge gewirkt! Er hat dir gegeben, eine Tugend zu besitzen, aus der alle anderen Kraft schöpfen; mit der du neben den Engeln leben kannst. Oh mein Jesus, du weißt, und es weiß gut auch Deine Mutter, wie sehr ich immer die Tugend der Reinheit gewünscht und geliebt habe. Vielleicht könnte ich sagen, daß ich dem Wunsch nach immer in Keuschheit gelebt habe, wenn ich auch meine Pflicht als Gattin und Mutter erfüllt habe.»

Am 23. Jahrestag ihrer Ehe schrieb sie: «Ich habe Ihn (Jesus) gebeten, Seine Braut zu sein, wenn ich auch neben meinem Lebensgefährten bleibe. Ich habe ihn gebeten, mich in Keuschheit leben zu lassen, denn ich weiß, daß ich ohne dieses reine Leben nicht seine Braut sein könnte» (8.5.60).

Der sehnliche Wunsch nach vollkommener Reinheit in der Ehe verschaffte ihr eine Reihe von Erleuchtungen und Intuitionen über den Sinn ihrer vorausgegangenen ehelichen Hingabe, die sie in einfachster und reinster Liebe zu ihrem irdischen Partner gelebt hatte: «Meine kleine Seele, du bist meine Braut. Von dir bewahre ich die Jungfräulichkeit, die Mutterschaft und die eheliche Keuschheit. Das ist die Wahrheit, denn alles ist in meinem Herzen. Und ich werde dich groß machen durch den Glauben, den du hineinlegst in das, was du schreibst» (30.8.60).

Um ihr Ideal ehelichen Zusammenlebens zu erreichen, mußte sie vom Herrn die innere Erleuchtung des Gemahls erhalten, die notwendig war, damit sie auf ihrem Weg hoher Spiritualität unterstützt würde. Am 25.3.63 schrieb sie: «Oh mein Bräutigam, nichts will ich mir selbst ersparen, um Deine Wünsche bekannt zu machen, die Du meinem Herzen geoffenbart hast und dem Herzen dessen, der mich hier auf der Erde beschützt (der Vater meiner Kinder, der Gefährte meines irdischen Lebens). Wie Maria als Gefährte ein Ehemann gegeben wurde, damit sie im Angesicht der Welt vorgestellt und beschützt würde, so mir. Jetzt lebt mein irdischer Vermählter neben mir in der schönsten Keuschheit und Reinheit, er beschützt mich und läßt mich ganz für Dich, der Du mein Unbefleckter Vermählter bist, und ich kann mich in reiner Liebe schenken und jeden Augenblick vor Deinem Angesicht erscheinen, o Jesus.»

Am 27. Jahrtag ihrer Ehe stellt sie fest: «Während meines ganzen Ehelebens habe ich die Keuschheit im Herzen und im Willen gelebt, und jetzt seit einigen Jahren lebe ich, im Einvernehmen mit meinem Mann, die Keuschheit und die vollkommene Enthaltsamkeit. Jesus und Maria haben meinen Wunsch erfüllt, ganz für Sie da zu sein, rein und heilig an Seele und Leib. An diesem Tag, den 8. Mai, eigens ausgesucht, weil Maria die Unbefleckte des heiligen Rosenkranzes immer meine süßeste und liebe Fürsprecherin und Mutter gewesen ist, habe ich seinerzeit mein Leben als Ehefrau und Mutter beginnen wollen» (8.5.64).

Das inständige Flehen Margaretens hatte die ersehnte Gnade erhalten. Sie hatte begonnen, jenes Leben zu leben, das in der christlichen geistlichen Geschichte Heilige wie der heilige Heinrich und seine Frau Kunigunde gelebt hatten. Es inspiriert sich am keuschesten Zusammenleben von Josef und Maria.

III.
DAS JAHR DES HEILS 1959

Der irdische Lebensweg Margaretens, so einfach und gewöhnlich, erfährt im Jahr 1959 eine starke Veränderung. Am 1. Dezember beschließt sie, sich einer intensiveren und verpflichtenderen Spiritualität zu widmen. Zu diesem Zweck legt sie Hand an ihr geistliches Tagebuch. Die ersten Monate verfließen ohne bemerkenswerte Ereignisse, bis sie am 2. Juli eine tiefe Bewegung empfindet. In Südtirol brechen die Feindseligkeiten zwischen der deutschen und der italienischen Volksgruppe aus. Dieser Zustand verwirrt ihre Seele.

Sie beschließt, achttägige Exerzitien zu machen. Die Einkehr beginnt am Fest Mariä Heimsuchung (2. Juli). In dieser Zeit vollendet Margarete ihr 50. Lebensjahr (5. Juli). Schon im Verlauf ihrer Einkehr erscheint am Horizont ihrer Sorgen eine Wirklichkeit, die ihre Existenz in ihren letzten zwölf Lebensjahren so sehr ausrichten sollte: das Priestertum.

In einem ersten Augenblick kommen die Priester ihr vor als jene, denen es vor allem obliegt «den Seelen Frieden und Liebe einzuflößen» (7.7.59). Und von der Ortskirche sagt sie: «Ich fühle, daß meine Pfarrei meine zweite Familie ist» (7.7.59).

Aber die grundlegende Wirklichkeit ihrer Exerzitieneinkehr war die intensive Erleuchtung über jenes Geheimnis der Liebe, das Gott ist. Margarete fühlt sich berufen, nur von Liebe zu leben.

Nach ihrer Einkehr beginnt das neue Leben. Es ist wie eine zweite Bekehrung. Die Lage ihrer Familie gestattet es ihr, Entscheidungen von großer Bedeutung zu treffen. Ihre beiden Söhne studieren in einem religiösen Seminar. Margarete ist allein mit ihrem Mann. Sie hat die Seele vollkommen offen und verfügbar für das, was der Herr von ihr verlangen kann. Eine weitere wichtige Tatsache dieses Jahres des Heils war der Entschluß, sich einen Seelenführer zu erwählen (22.10.59): «Ein großer Tag war dieser für mich: es ist der Anfang eines kontrollierten geistlichen Lebens unter der Leitung eines Führers, den der Herr mir bereitet hat.»

Infolge der achttägigen Exerzitien und des Beginns der Seelenführung beginnt auch ein tiefgreifender und genauer Lebensplan, der den ganzen Tag umfaßt, vom Augenblick des Erwachens bis zur nächtlichen Ruhe.

Am 21. November beginnt ein weiterer entscheidender Lebensabschnitt. An diesem Tag, an dem man die Darstellung im Tempel der seligsten Jungfrau feiert, fühlt sich Margarete berufen, auch in ihrem Leben, denselben Akt der Selbstaufopferung zu erneuern: «Heute, in der Nachfolge der heiligen Jungfrau, die vor allem vom zartesten Kindesalter an sich Gott darbringen wollte, habe ich mich Ihm dargebracht, als kleine Braut, und in der Stille des Herzens habe ich Ihn immerzu ‹süßer Bräutigam meiner Seele› genannt» (21.11.59).

Diese Hingabe ihrer selbst war eine Opfergabe von großer Weitherzigkeit, die bald ihren Ausdruck in dem Bedürfnis finden sollte, sich vollständig hinzuopfern. Dies vollzieht sich am Tag Mariä Lichtmeß des Jahres 1960: «Heute morgen habe ich der heiligen Messe meines Seelenführers beigewohnt. Durch die Hände Mariens, mit den Meinen im Herzen, wie eins in Jesus, habe ich dem Vater die totale Selbstaufopferung gemacht . . . Ich habe gesagt: ich ‹will›, in feierlicher Form am Altar. Der himmlische Vater nahm das Opfer der seligsten Jungfrau ihres Jesus, im Tempel, an. Der himmlische Vater hat auch mein Opfer von heute morgen angenommen, denn auch es wurde durch die Hände Mariens dargebracht» (2.2.60).

Die Hingabe hatte den Charakter eines vollständigen Opfers: «Ich möchte Dein vollkommenes Abbild sein. Deine Liebe zu den Seelen drängte Dich zu unendlichen Leiden: als erstes bitte ich Dich also, mich bis zu den Grenzen des Menschenmöglichen leiden zu lassen» (13.8.60). «Jesus will mich als Schlachtopfer mit Ihm im freiwilligen Leiden, im Tiefsten des Herzens» (5.5.61, erster Monatsfreitag).

IV.
DIE PERSÖNLICHE SENDUNG

Von der inneren Umwandlung des Jahres 1959 an tritt in der Seele Margaretens das Bewußtsein auf, vom Herrn zu einem großen Werk bestimmt zu sein. Es handelt sich um das Bewußtsein, in der Kirche zu einer besonderen Sendung berufen zu sein. «Den ganzen Morgen — schreibt sie am 4.2.61 — habe ich einen Anruf des Herrn gehört, der mich als sein Eigen will, um die Sendung zu erfüllen, die mit einem großen Werk beginnen soll, das mich viel Mühe kosten wird.»

Der erste Ausdruck dieses Bewußtseins war eine geheimnisvolle geistliche Mutterschaft den Priestern gegenüber, mit einem besonderen Interesse für die Heiligung derselben. Der erste Keim kam ihr von ihrer besonderen Lage als Mutter von zwei Söhnen, die sich auf das Priestertum vorbereiteten. Dieses Hingezogensein nahm mit den Jahren zu und entwickelte sich bis zu einer kirchlichen Sendung.

Diese geistliche Ausrichtung wurde schon im Jahr ihrer zweiten Konversion offenkundig, wie schon früher hervorgehoben wurde. Der Augenblick, in dem das Interesse für das Priestertum außergewöhnlich zunahm, war ihr Unterordnung unter die geistliche Führung. Dadurch machte sie eine erste wichtige Erfahrung, von dem, was der Priester für den Gläubigen darstellt und gleichzeitig von dem, was der Priester braucht und was er von den Seelen empfangen kann, die sich geistlich an sein besonderes Geschick binden. Das erste, was sie von der geistlichen Führung dachte, war eine vollkommene Durchdringung mit der Seele des Seelenführers. «Meine Begegnungen mit dem geistlichen Vater müssen eine gegenseitige Hilfe zu dauernder Besserung sein. Zwei Seelen, die sich geistlich verstehen und sich bei der Hand nehmen und sich begleiten, gelangen ohne Weiteres zur Heiligkeit» (21.1.60).

Ihre Art, die Hilfe von seiten des Seelenführers zu verstehen, näherte sich einer Art von geistlicher Freundschaft: «Unsere Seelen müssen wie ein offenes Buch des einen für den anderen sein, um eine gegenseitige geistliche Kontrolle auszuüben» (ebendort).

Aber mehr als um Freundschaft handelte es sich um eine gegenseitige Beziehung von geistlicher Vaterschaft—Mutterschaft: «Er als geistlicher Vater, ich als seine geistliche Mutter. In dieser Vaterschaft und Mutterschaft befinden wir uns auf der gleichen Ebene» (ebendort).

Diese Idee von der Führung entstand aus einer Realität großer Einsamkeit des Geistes: «Niemand, niemand wird je das Tiefste meiner Seele verstehen. Nur der geistliche Vater kann es» (24.1.60).

Aber die Bedingung zu dieser Durchdringung war sehr streng und verlangte viel vom geistlichen Führer. Es war erforderlich, daß er auf der Höhe des Anspruchs Jesu war: «Wenn er will, auf der von Jesus verlangten Höhe» (ebendort).

Nach einer gewissen Zeit der Idealisierung des geistlichen Vaters kommt Margarete zur Überzeugung, daß es ihr Geschick sei, im Nichtverstandensein vom Führer, in der Tiefe, die sie wünschte und die sie brauchte, zu leben. Diese schmerzliche Erfahrung diente dazu, den Horizont ihrer Sehnsucht nach geistlicher Mutterschaft zu weiten. Nicht mehr einen konkreten Führer, der für sie eine Art geistlicher Sohn war, sondern alle Priester der Welt setzen ihre Familie zusammen: «Du wirst die geistliche Mutter der gegenwärtigen und zukünftigen Priester sein, und alle, die zu dir mit Glauben beten, wenn du mit Mir im Himmel sein wirst, und dich um Heiligkeit bitten, werde ich dir durch die Hände meiner Mutter gewähren» (5.7.61).

Für alle ihre Priestersöhne wird sie um nichts weniger als die Heiligkeit bitten.

Diese ihre geistliche Mutterschaft lernt sie von der Mutterschaft Mariens dem heiligen Apostel Johannes gegenüber wie ihr von Jesus verliehen: «Maria wohnt mit Johannes, sie unterrichtet ihn mit ihren Tugenden. Johannes beschützt Maria, er nennt sie Mutter und empfängt von ihr alles» (19.6.60).

Am fünften Mai 1962 opfert sie sich wie folgt für die Priester auf: «Wie du an den Vater das Gebet gerichtet hast ‹Vater, für sie heilige ich mich selbst›, so wiederhole ich in dir jeden Tag dieselbe Anrufung: Mein Jesus, für sie (Deine Priester) heilige ich mich selbst. Von Dir lebe ich, o Jesus, Du willst, daß ich eine kleine Heilige für die Priester sei, denn nur durch die Heiligkeit der Priester wird die Welt der Seelen gerettet.»

In der Folge wird die Sendung Margaretens weiter und vollständiger im Hinblick auf den Frieden der Welt, die christliche Familie im allgemeinen, die Einheit der Kirchen.

V.
DER FRIEDE DER WELT

Während Margarete ganz ihrer Aufgabe als geistliche Mutter der Priester hingegeben war, dringt die Sorge um den Frieden der Welt hart in ihr Leben ein. Der auslösende Funke war die Krisis im Zusammenleben der Volksgruppen italienischer und deutscher Sprache in ihrem eigenen Land; «Ich habe vor allem gebetet, daß die Königin des Friedens der Welt den Frieden schenke und die brüderliche Liebe aller Bewohner dieses Landes. Hier fehlt die Liebe nur, weil nicht alle die gleiche Sprache sprechen» (2.10.60).

Und am 4.2.61 schreibt sie:
«Wir müssen ein Werk der Friedensstiftung unter diesem Volk beginnen. Wir haben bisher der ganzen Welt ein Schauspiel des Zwistes, der Uneinigkeit, des Antagonismus geboten. Jetzt müssen wir als Katholiken zeigen, daß wir alles vergessen können, uns die Hand drücken und uns wirklich als Brüder in Christus fühlen. Wir müssen daher Hand anlegen an einem Werk der Friedensstiftung. Der Herr will es. Oft läßt er mich es während des Gebetes und der Betrachtung fühlen, seit langem. Und wir müssen es zusammen tun.»

Von den Problemen der Religion weitet sich ihr apostolisches Interesse auf ganz Europa, auf die ganze Welt aus.
Und am 18.8.61: «Und hier, in diesem unseren von Feindseligkeiten unter Katholiken so sehr gestörten Land, will Jesus uns als ersten den Frieden geben und von hier aus ganz Europa und der ganzen Welt.»

Die vorrangige Erfahrung der in ihrem Land gelebten Probleme der Einheit geben Margarete die Intuition, daß das zukünftige Gotteshaus des Friedens in diesem gleichen zerstrittenen Land erbaut werden soll: «Von hier muß eines Tages das Licht der Brüderlichkeit ausgehen. Hier muß ein großes, der unbefleckten Jungfrau, der Königin des Friedens geweihtes Gotteshaus erstehen; von hier aus wird man erfahren, daß die Grenzen nur geografisch bestehen, aber daß sie moralisch auf der ganzen Erdoberfläche, für alle Völker, nicht existieren; denn es soll nur ein Schafstall sein, und alle werden erkennen, daß sie Brüder und Kinder eines einzigen Vaters sind. Wir werden mit einer Woche des Gebetes, der freiwilligen Buße und des Opfers beginnen. Dann werden wir ein Programm entwerfen. Wir werden uns sofort ans Werk machen, stark nur durch einen Glauben, der uns keine Demütigungen und Mühen fürchten läßt. Der Herr wird uns die Kraft geben, alles zu überwinden, den Mut, vor jedermann hinzutreten, auch vor die höchsten kirchlichen und weltlichen Obrigkeiten» (4.2.61).

Die Sorgen Margaretens sind in ihrer vollen Bedeutung geschichtlich zu verstehen. Von 1956 an (Vertrag von Rom) bemühten sich die großen christlichen Politiker Europas um ein zukünftiges vereintes Europa. Aber die Sorgen um den Frieden der Welt ließen stark ihr Gewicht spüren. Schon im Sommer 1955 traten die vier Großen zusammen (USA, UdSSR, England und Frankreich), um ein Programm des Friedens zu erstellen, das jedoch gegen die Mauer des schwierigen kalten Krieges stieß. Im November 1956 brach der Suezkrieg aus und in Ungarn wurde einmarschiert. 1958 brachte der Krieg in Algerien Frankreich an den Rand eines Bürgerkrieges. 1959 wurde mit De Gaulle die 5. französische Republik begründet, und es begann ein wichtiger Abschnitt in der europäischen Politik. In diesem politischen Zusammenhang geschahen die mystischen Intuitionen Margaretens bezüglich eines zukünftigen befriedeten Europas und einer Welt, in der der Friede Christi herrscht.

VI.
EIN GROSSES MARIANISCHES
GOTTESHAUS IN MERAN

Der realistische Sinn Margaretens erfaßte, daß ihre ganze Sehnsucht nach Frieden und Eintracht nicht Wirklichkeit werden könnte, wenn man nicht den Weg tatsächlicher Verwirklichungen einschlagen würde. Das erste, was man in die Tat umzusetzen hatte, war das inständige Gebet einer großen Menge von Personen. Es war aber auch notwendig, daß materiell etwas geschah. Margarete denkt an ein großes marianisches Gotteshaus in Meran. Es war im Jahr 1961, daß diese Gedanken begannen, Gestalt anzunehmen:

«Es soll in Meran ein großes, herrliches, Maria, der Unbefleckten, geweihtes Gotteshaus erstehen für die Einheit und christliche Brüderlichkeit aller Menschen. Unter dem Schutz Mariens soll dann ein Seminar für priesterliche Berufungen Europas und der Welt errichtet werden, und die hier berufenen Priester sollen als erste Ausbildung haben, Jesus zu leben und Ihm zu helfen, Seelen zu retten. Unter dem Schutz Mariens soll noch das erste Seminar für jene Laien entstehen, die die Lehrkräfte für die Ehevorbereitungsschule sein werden. Der Besuch besagter Schule soll zur Pflicht gemacht werden. Besagte Schule ist so notwendig, um den kommenden Generationen, den neuen Familien, eine gesunde und genaue christliche Ausrichtung zu geben» (14.4.61).

Am 18.8.61 faßt sie alle früheren Intuitionen bezüglich des großen marianischen Gotteshauses wie folgt zusammen:

«In Meran, oberhalb des Dorns, auf dem nahen Berg, von dem man die ganze Meraner Mulde überblickt, soll ein großes, Maria, der Unbefleckten, geweihtes Gotteshaus erstehen für die Brüderlichkeit aller Menschen und den Frieden der Welt. Die himmlische Mutter soll unter dem Namen ‹Königin und Herrscherin Europas und der Welt› verehrt werden. Neben diesem Gotteshaus soll dann ein Haus errichtet werden, wo Priester und Ordensleute aufgenommen werden, die sich dem Herrn mit einer zweiten Berufung schenken wollen: die standesgemäße Heiligkeit. Hier verbringen sie eine gewisse Zeit als Vorbereitung auf das Leben der Heiligkeit. Darnach gehen sie überallhin als Missionare und bringen ihre gelebte Heiligkeit in die Welt. Außerdem soll eine Schule erstehen, wo Lehrer ausgebildet werden sollen mit der Bestimmung, den jungen Menschen, die eine Familie gründen wollen, eine voreheliche Aus-bildung und Unterweisung zu geben. Damit die Familien der zukünftigen Generationen erfahren, welches ihre Pflichten und Rechte sind und was der Zweck der Ehe ist. Zum Bau dieses Gotteshauses sollen als erste alle Bürger unserer Provinz beitragen, nicht mit Geldmitteln, sondern mit spontanem Willen, indem sie der christlichen Brüderlichkeit zustimmen: um der ganzen Welt zu beweisen, daß wir als Katholiken uns vereinen, verzeihen, gern haben können. Mit diesem Akt aufrichtiger Güte dieses Volkes können wir uns daran machen, die Zustimmung aller Nationen Europas und der Welt zu verlangen. Wenn wir die Teilnahme vieler haben, werden die Völker der Erde verstehen, daß dies das Haus der Brüderlichkeit ist. Alle werden empfinden, daß dies Haus ihr Gotteshaus ist und wer es besucht, wird von der seligsten Jungfrau die Gnade empfangen, ein neues Licht zu sehen; sie werden den Glauben erhalten und sich bekehren . . . Durch Bernadette von Lourdes entstand ein großes Gotteshaus zu Ehren der Unbefleckten; in Fatima ein Heiligtum durch drei arme Hirtenkinder; hier wird sich der Herr einer armen Mutter und eines demütigen Priesters bedienen, damit im Zentrum Europas ein großes Gotteshaus der Brüderlichkeit ersteht, das auch Maria der Unbefleckten als Königin und Herrscherin Europas und der Welt geweiht ist, und so auch das Haus für Priester, die sich der Heiligkeit weihen und die Schule, um bessere Familien heranzubilden. Wenn man einen Blick auf dieses gewaltige Werk wirft, so scheint es Wahnsinn, nur daran zu denken. Doch bei Gott ist kein Ding unmöglich. Aus dem Nichts hat Er alles gemacht und Er bedient sich meiner, die ich nichts bin, um seine Wünsche bekannt zu machen, um sie zu erfüllen. Er will es, und das genügt. Dieses Gotteshaus wird das Bollwerk sein, um die Feinde der Seelen zu besiegen und lange Zeit wird auf der Erde Frieden sein.»

VII.
DAS ZEICHEN DES REGENBOGENS

Die mystischen Erleuchtungen Margaretens wurden durch ein ungewöhnliches Ereignis bestätigt, wovon sie wie folgt berichtet:

«Und jetzt will ich von einem Ereignis berichten, das ein eigenartiges Zusammentreffen hatte, worüber ich nicht umhin konnte, nachzudenken. Sie müssen wissen, daß ich wirklich nie abergläubisch gewesen bin, noch je irgendwelche Fantasiebilder beachtet habe, aber was ich Ihnen berichte, hat mich wirklich nachdenklich gemacht. Der Ort, an dem das Gotteshaus errichtet werden soll, befindet sich auf einem Hügel etwas oberhalb der Stadtpfarrkirche von Meran. Ich habe ihn immer angeschaut, aber ich wollte von nahe sehen, ob sich die Idee tatsächlich verwirklichen ließe. An einem Festtag, nach dem Gottesdienst, um es genau zu sagen, kam mir der Gedanke, dort hinauf einen Spaziergang zu machen. Ich hatte schon länger daran gedacht, dorthin zu gehen. Außerhalb der Kirche — es war vier Uhr nachmittags, sagte ich zu P. und vier Mädchen, die sich gerade unterhielten: ‹Kommt mit mir, ich lasse euch einen schönen Spaziergang machen.› So zogen wir los. Niemand wußte, wohin ich gehen wollte, aber sie kamen mir nach. Niemand wußte von meinen Absichten, denn meine Intimität mit dem Herrn war niemandem bekannt; nur Ihnen Pater, aber noch nicht ganz. Wir gelangten also auf den Hügel. Es war wunderbar: alle waren bezaubert von den Tönungen, die in dieser Abendstunde die Natur uns bewundern ließ.

Wir gingen kreuz und quer über das Hochplateau und G. sagte von Zeit zu Zeit: ‹Schau, wohin mich Frau Angelina Margarete geführt hat.› Ich dachte und betete still während des ganzen Weges: ‹Gegrüßt seist du Maria, Gegrüßt seist du Maria.› Nachdem wir uns die ganze Gegend angeschaut hatten, blieben wir etwas weiter unten stehen, weil es etwas regnete. Als wir uns wieder auf den Weg machten, erschien ein Regenbogen gerade über dem Hochplateau, aber so nah und schön, daß wir genau jede einzelne der sieben Farben der Iris unterscheiden konnten; dann höher, über dem ersten, ein zweiter Bogen, der im Osten begann und im Westen endete. Wir alle bewunderten die Schönheit dieser Erscheinung, die lange andauerte! Als wir unten im Tal waren, sah man sie noch.

Am Abend, als ich allein war und überdachte, was alles dort oben errichtet werden sollte, konnte ich nicht umhin, und ich kann es immer noch nicht, zu sagen, der Herr hat mir ein Zeichen geben wollen. Wenn ich auch überlegte, daß dieser Regenbogen trotzdem an diesem Abend erschienen wäre, so mußte ich allerdings zugeben, daß ich mich an diesen Ort plötzlich begeben hatte, von einem ungewohnten Wunsch getrieben, gerade an diesem Tag und gerade an diesem Nachmittag. Während ich auf die Fräuleins einredete, daß sie mit mir kämen, dachte ich: ich muß heute gehen und in Gesellschaft von jemandem. So, als ob ich Zeugen gebraucht hätte: für den Anblick des Regenbogens, erschienen als Zeichen, daß an diesem Ort eines Tages ein majestätisches Gotteshaus da sein würde, für den Frieden der Welt und die Brüderlichkeit unter den Menschen» (18.8.61).

Die Mystik Margaretens hat ein anderes Polarisationszentrum: die christliche Familie. Da sie selbst Familienmutter war, mußte sie lebhaft die Sorge um die christliche Familie fühlen. Das marianische Gotteshaus sollte anschließend ein Gebäude haben als Sitz eines Werkes für die Heranbildung von Lehrern der Familie, um die Paare auf die heilige Ehe vorzubereiten.

Der Eifer Margaretens für die christliche Familie ist von grundlegender Bedeutung in ihrer Botschaft. Die Sorgen Margaretens sollten sich sehr bald als berechtigt erweisen wegen der fürchterlichen Krisis, in die die christliche Ehe schnell geraten sollte mit den europäischen Gesetzen über die Scheidung und die Abtreibung.

VIII.
ANORDNUNG UND VERHEISSUNGEN

Das Werk, das Margarete gründen wollte, stellte große geistliche Anforderungen.

Folgendermaßen faßte sie Margarete auf einer Seite ihres unter Diktat des Herrn geschriebenen Tagebuches zusammen:

«Frage jede Person, die ich dir im Herzen bezeichnen werde, Folgendes: ob sie im Geist des Glaubens und mit dem Willen, in Stille den Weg der Vollkommenheit zu beschreiten, sich dem Wunsch nach Vollbringung des Werkes anschließen will. 1) Auch nur dieses Werk zu wünschen, das der Menschheit zu unermeßlichem Wohl gereicht. 2) Von der Person, an die du die Aufforderung richtest, wird mit größter Liebe verlangt, noch bevor sie antwortet, zehn Tage lang vor Mir, Jesus, zu beten und zu betrachten, damit Ich sie erleuchten kann; darnach ist sie freundlich gebeten zu antworten, und das wird als Akt der Liebe verlangt auch in dem Fall, daß sie sich nicht dem Werk anschließen will. 3) Jedwede ledige oder verheiratete Person kann sich anschließen, die Mein Evangelium leben will, indem sie sich Mir selbst gleichförmig macht mit immer größerer Intensivierung des Glaubens und des Wunsches, das Werk zu verwirklichen. 4) Jeder, der sich anschließt, hat sich mit Meiner Hilfe, die ich ihm ohne weiteres geben werde, zu verpflichten, immer im Stand der Gnade zu leben und zwar: keine Todsünde zu wollen und daran zu arbeiten, keine läßliche Sünde zu begehen. Das ist notwendig; denn die Gemeinschaft hat einen Gnadenschatz zu besitzen, auf den Meine Gaben (des Heiligen Geistes) in großer Fülle herabkommen wie ein Hochwasser führender Fluß, die sich dann über die ganze Menschheit mittels des Werkes ergießen, das, infolge des riesigen Gnadenschatzes, sich schnell weiterentwickelt. 5) Wer sich diesem Werk anschließen will, hat folgende Punkte zu beachten: Gnadenleben, Betrachtung jeden Tag, Gebet und wer kann die hl. Messe und die hl. Kommunion jeden Tag oder wenigstens oft. Glauben, Gebet und Wunsch nach Verwirklichung des Werkes. Sich ganz den Absichten des Werkes hingeben. 6) Wer sich nicht anschließt, ist gebeten, mit niemandem von der Aufforderung zu sprechen und wer den Wunsch fühlt, sich anzuschließen, ist ebenso gebeten, nicht zweite Personen um Rat zu fragen, außer den Beichtvater, wenn er will, denn diese Aufforderung ist eine einfache Einladung und verlangt keine Verpflichtung irgend jemandem gegenüber. Es wäre nur der freie Wille, im Stand der heiligmachenden Gnade zu leben, auf dem Weg der Vollkommenheit zu schreiten, indem das Evangelium gelebt wird, Glauben zu haben, und sich ganz dem Werk hinzugeben: jeder in dem Stand, in dem er sich befindet. Wer sich anschließt, kann, falls er nicht mehr bleiben will, in jedem Augenblick seinen Namen von der Gemeinschaft zurückziehen und von dem was er an Gnade geschenkt hat, bleibt immer das Verdienst vor dem Herrn und das Gute für das Werk; er kann zu jeder Zeit wieder zurückkehren.»

Der Herr gibt sich nicht zufrieden, ein Gotteshaus zu Ehren Seiner Mutter von Margarete zu verlangen. Um sie zur Verwirklichung Seiner Absichten anzueifern, läßt er sie Seine Gnadenerweise sehen, die Seine unendliche Großherzigkeit auf die Mitarbeiter Seines Werkes auszuschütten gedenkt und auf alle, die das seiner Dienerin angegebene Gotteshaus besuchen: «Wer das Gotteshaus betritt, hat die Gnade der Bekehrung und wird sich retten. Die Priester, die das Gotteshaus betreten, werden die Heiligkeit erlangen. Sie werden Mich leben und mich in der ganzen Welt so wie ich wirklich bin bekannt machen» (30.6.61).

«Meine Mutter kann die Gnaden, die sie den Seelen schenken will, nicht zurückhalten: Gnaden des Glaubens und der Bekehrung für alle, die das eigens für meine Mutter gebaute neue Haus betreten: das großartige Gotteshaus der Brüderlichkeit unter den Völkern, der Einheit aller Menschen für den Frieden der Welt. Mach schnell, die Tore des Hauses für das Heil aller Mir fernstehenden Menschen zu öffnen! Wie durch eine aufgebrochene, geöffnete Tür werden durch die Hände und das Herz Meiner unbefleckten Mutter die Gnaden wie ein leuchtender Wasserfall herabfließen. An jenem Tag (bald) werden auf allen Bergen dieses Landes Feuer entzündet werden. Nicht mehr, um des Sieges über die Feinde zu gedenken, sondern um alle Feinde zur Brüderlichkeit, zur Liebe, zum Frieden einzuladen. Und die heilige Jungfrau wird allen, die in dieses Gotteshaus kommen, die Gnade des Glaubens, der Bekehrung und der Heiligkeit geben. Glauben für den, der ihn nicht hat, Bekehrung für die Sünder und für jene, die der Wahrheit meines Evangeliums fernstehen, Heiligkeit für meine Liebsten, die mir nahestehen, besonders für viele Priester. Dieser Wille muß der ganzen Welt bekannt gemacht werden, damit alle, direkt oder indirekt, an der Errichtung des Gotteshauses teilnehmen mittels moralischem und finanziellem Beitrag, und alle mögen wissen, daß es das Gotteshaus der Brüderlichkeit unter den Völkern der Erde sein wird, für den wahren Frieden der Welt, geweiht der Königin des Weltalls, Maria der Unbefleckten» (22.8.61).

«Allen, die in das Gotteshaus kommen, das du auf dem Segensbühel von Dorf Tirol über Meran errichten lassen wirst, und mit Glauben beten, wirst du reichliche Gnaden durch die Hände Mariens erlangen. Und überdies, alle, die dort vorbeikommen, stehenbleiben und ein ‹Gegrüßt seist du Maria› beten, werden Gnade für ihre Seele erhalten. Mein kleines Mädchen, Braut meines Herzens, erbitte dir von Mir Gnaden, und ich werde dich für alle erhöhren; geh auf den Hügel beten, und Maria wird sie dir geben» (5.11.62).

Zahlreich und sehr schön sind die Verheißungen des Herrn für jene, die das Werk Margaretens annehmen. Eine ganz besondere betrifft die Priester. Am 6.10.62 hörte Margarete folgendes: «Die Madonna wird um sich viele Priester rufen, auch diejenigen, die mich verraten haben, und sie werden heilig werden und über die ganze Erde mein Evangelium und Meine von ihnen gelebten Tugenden bringen. Mich selbst, denn sie werden Mich wirklich leben, wie du selbst Mich lebst.»

IX.
DAS ZIEL:
DIE CHRISTLICHE HEILIGKEIT

Das Werk Margaretens, mit ihrem Interesse für das marianische Gotteshaus, die Priester, den Frieden der Welt, die christliche Familie, hatte kein anderes Ziel, als die volle menschliche Verwirklichung, die man in der christlichen Heiligkeit hat. Der letzte Urgrund, aus dem die persönliche Sendung Margaretens kam, war der Plan Gottes, die Menschen zu Idealen der Heiligkeit zurückzuführen. Deshalb beginnen die göttlichen Anrufe damit, eine Erschlaffung und ein Vergessen dieser Ideale hervorzuheben. So schrieb sie am 5.6.61 folgendes: «Ich finde keine Seelen, die Meine Sache leben wollen, denen Ich meine Wünsche mitteilen kann, Seelen guten Willens, bereit, ernstlich daran zu denken, welches der Zweck der Neuschöpfung in der Liebe ist. Ich finde keine Heiligkeit in den Seelen, auch nicht in Meinen Priestern. Deshalb kann Ich keinen Zugang zu den Seelen finden, die mich noch nicht kennen; und das sind viele. Alles kommt von Mir, und man sucht es nicht; oder man sucht es ganz allgemein, ohne Überzeugung . . . Nur die Heiligkeit vieler Seelen, unter allen Völkern zerstreut, kann die Einheit unter den Menschen, den Frieden und die brüderliche Liebe begründen.»

Margarete entsprach diesem Ruf durch unbegrenzte Hingabe. Am 5.4.63 schrieb sie: «Jesus, Bräutigam unserer Seelen, Du willst uns heilig haben, und wir werden Deiner Gnade mit beharrlichem Willen entsprechen. In der gleichen Absicht vereint, von Dir geführt, werden wir den Weg und das Feld bereiten, auf das Du Maria die Unbefleckte unter alle Deine Kinder herabsteigen läßt.»

Von dieser starken Sehnsucht nach Heiligkeit für sich, die Priester, die Kirche und die christliche Familie hingerissen, schreibt sie am 16.8.61 unter Eingebung des Herrn:

«Heiligkeit ist, Mich selbst und alle Meine Tugenden zu leben. Jetzt höre Mir zu: Heiligkeit ist dauerndes Gebet, tiefe, nie zu vernachläßigende Betrachtung: jeden Tag, mindestens eine Stunde lang, die dann durch die innige Vereinigung mit Mir fortgesetzt wird.

Heiligkeit ist unerschütterlicher Glaube an die göttlichen und geistlichen Dinge.

Heiligkeit ist vertrauensvolle und ruhige Hingabe und sicherer Verlaß und die göttliche Hilfe in allen Prüfungen, Versuchungen, Widerständen, Kämpfen, die einem entgegenkommen müssen.

Heiligkeit ist Wahrheit, die man nie verbergen soll von den kleinsten bis zu den größten Dingen.

Heiligkeit ist Gerechtigkeit bis zum höchsten Grad. Heiligkeit ist gewollte und gelebte Reinheit, bis man immun und indifferent gegenüber allem wird, was sie verdunkeln könnte.

Heiligkeit ist tiefe und aufrichtige Demut.

Heiligkeit ist Einfachheit, bis man sich wie ein Kind fühlt und als solches immer mit dem Herrn verkehrt und spricht.

Heiligkeit ist Loyalität, Aufrichtigkeit in allen, auch den kleinsten Dingen.»

Und Margarete fährt fort, indem sie mit eigenen Worten kommentiert:
Heiligkeit ist Fügsamkeit. Unser Lächeln, unsere guten Manieren müssen die Leute spontan anziehen.
«Heiligkeit ist Bescheidenheit auch in den intimsten Dingen: ‹Ich bin nicht allein, Jesus ist in mir›; daran erinnert sich die treue Seele.
Heiligkeit ist unveränderliche Güte. Nie ein Zornausbruch, weder innerlich noch äußerlich.
Heiligkeit ist unbegrenzte Liebe zu allen, aber besonders zu jenen, bei denen es uns am meinsten kostet, uns mit ihnen abzugeben.
Heiligkeit ist, nie jemanden verurteilen, weder in Gedanken noch mit Worten.
Heiligkeit ist aufrichtige Klugheit. Aber nicht, indem man schweigt oder etwas nicht tut — wenn das moralischen Schaden mit sich bringen kann — nur aus Angst zu beleidigen oder um die Freundschaft zu gewinnen oder aus irgendeinem anderen Grund des persönlichen Interesses.
Heiligkeit ist, in allen Geschöpfen Brüder und Schwestern zu sehen und sie gerne haben ohne Unterschied von Sprache, Rasse, Stand, Alter.
Heiligkeit ist, Gott riesig lieben und sich Ihm ohne irgendeinen Vorbehalt schenken, mit einem Willen ohne Grenzen.
Heiligkeit ist, dauernd all das ablegen, was wir von der Begierde der Sünde in uns tragen und mit zähem Willen auch das Aufkommen der kleinsten Fehler abweisen.»
Der Herr fügt hinzu: «Schließlich ist Heiligkeit, Mich sanft im Herzen zu tragen wie mich Meine Mutter trug, alles das leben und fühlen, was ich gelebt und gefühlt habe. Ohne Unterschied alle meine Tugenden leben, meine Vollkommenheiten wollen, geistig alle meine Leiden empfinden, denn sie alle, körperliche und seelische, hatten einen einzigen Grund: den Wunsch, dem Vater alle Seelen zuzuführen und den Schmerz, daß viele nicht mehr zu Ihm heimkehren, in alle Ewigkeit.

Die höchste Heiligkeit ist, tatsächlich diesen Meinen Schmerz leben und fühlen. Das Geschöpf, das Mich so lebt, fühlt nicht mehr, es selbst zu sein: es wird Mich in allen seinen Fähigkeiten fühlen und Ich werde in ihm leben und mit seinem Herzen leiden, mit seiner Seele Qualen ausstehen, mit seinen Tränen weinen und durch das Geschöpf wieder mein Blut verströmen lassen. Und all das, gelebt und gelitten in diesem Geschöpf, das sich mir schenkt, hat einen unendlichen Wert, denn Ich bin es wieder, der sich in der Person dieser auserwählten kleinen Geschöpfe dem Vater aufopfert. Mein kleines Mädchen, Ich möchte aus dir eine kleine Heilige der Priester machen. Durch deine Heiligkeit werden viele sich heiligen und werden der Welt das wahre Leben bringen, das allen Frieden und Ausgeglichenheit schenkt.»

Und was der Herr denen verheißt, die den Margarete angegebenen Weg einschlagen, ist die Heiligkeit. In erster Linie für die Priester:

«Ich werde dir die Möglichkeit geben, ein Seminar zu gründen, in das alle, junge und alte, eintreten können, wenn sie nur aufgeschlossen für die Vollkommenheit und die persönliche Heiligkeit sind, die sie durch viel Betrachtung erwerben müssen. In der Betrachtung werde Ich sie lehren, alle Tugenden im Leben zu verwirklichen, wie Ich sie übte und nach und nach werde Ich von ihnen Besitz ergreifen und werde in ihnen Meine Wohnung aufschlagen. Ich werde handeln und sie werden Mich überall hinbringen, wo Seelen zu retten sind. Die Heiligkeit dieser von mir umhüllten Seelen wird Wunder zahlreicher Bekehrungen bewirken» (5.6.61).

Und von einem erneuerten und heiligen Priestertum kommt die Heiligkeit der Kirche: «Ich will dich heilig, um ganz von dir Besitz zu ergreifen und dich allen Priestern zu schenken. Du wirst ihre kleine Heilige sein und deine Heiligkeit wird alle, die sich der Heiligkeit schenken wollen, führen, um sie dann der ganzen Welt zu bringen» (18.8.61).

X.
DIE VERWIRKLICHUNGEN

Wie verwirklicht die demütige Margarete ihre hohen Wünsche? Anfänglich bewirkte die Sendung, die der Herr ihr anvertraute, den Eindruck einer unerträglichen Last.

Am 14.5.1961 schrieb sie: «Der Gedanke an meine Kleinheit ließ mich oft weinen, dann aber kehrte gleich ein lebendiges Vertrauen in mich zurück. Jesus sprach wiederholt zu meinem Herzen: ‹Mein kleines Mädchen, fürchte dich nicht, es genügt, daß du Mich trägst. Alles mache Ich, Ich werde dir alles sagen. Ich bin in dir, fürchte dich nicht, bete und bleibe einfältig. Du wirst viel leiden müssen, aber zweifle keinen Augenblick: du bist von Mir umhüllt. ›»

Der Herr versichert ihr, daß gerade die Kleinheit und die Ohnmacht das geeignetste Mittel zur Verwirklichung Seiner großen Pläne sind: «Ich habe Mich immer einfacher und verborgener Seelen bedient, um auch große Dinge zum Wohl der Seelen zu vollbringen. Und ich tue dies, um denen, die sehr bekannt in der Welt sind und sich vielleicht für groß halten, verstehen zu geben, daß sie nichts sind, wenn sie nicht daran denken, daß Ich über ihnen stehe. Und das müssen sie anerkennen, sonst zerfallen ihre Werke. Die Großen der Erde dieser Zeit sollen wissen, was Ich Dir anbefohlen habe. Sie müssen sich an Meine Mutter wenden, denn ihr habe ich die Aufgabe anvertraut, Mich bei allen Völkern der Erde bekannt zu machen, damit sie das Heil finden. Du bete, leide und suche weitere Seelen, viele, die sich vereinen sollen, und betet für die Staatenlenker, daß sie auf Meine Wünsche hören, die du ihnen offenbaren wirst» (21.1.1963).

Sehr bald machte sich Margarete ans Werk, um zu vollenden, was sie vom Herrn zu erfahren geglaubt hatte, als persönliche Sendung im Bezug auf das Werk. 1961 wandte sie sich zuerst an die kirchlichen Obrigkeiten. Das Ergebnis war negativ. Aber sie ließ sich nicht entmutigen. Sie beschloß, nach Rom zu fahren, um eine Audienz bei Papst Johannes XXIII. nachzusuchen. Sie wurde von Kardinal Cento gut aufgenommen, sie konnte aber nicht das gewünschte Gespräch mit dem Heiligen Vater führen. Sie glaubte jedoch immer, dass der Papst gern bereit sei, sie zu unterstützen.

Die Sendung Margaretens war nicht leicht. Der Herr kommt ihr zuvor und läßt sie klar die Nachstellungen des Bösen erkennen sowie den Kampf, den die Mächte des Bösen gegen sie und ihre Initiative unternehmen würden:

«Ich werde dir wahren Frieden und Ausgeglichenheit bei jeder Prüfung geben und bei jedem Hindernis, das Meine Feinde — die Dämonen — die auf viele Arten sich Meiner Geschöpfe bemächtigt haben, dazwischen stellen werden. Von diesen Geschöpfen, derer sich die Dämonen bemächtigt haben, wirst du Widerstand erfahren, der dir viele Leiden verursachen wird. Aber die Dämonen werden keine Macht gegen Mich haben, der Ich in dir lebe, Meine kleine Braut. Du bringst Mich überall hin, wie Mich Meine Mutter während Meines Erdenlebens überall hinbrachte. Sie hatte neben sich Josef, der sie beschützte und für das Notwendige auch in materiellem Sinn sorgte. Jetzt vertraue Ich dich, was die materiellen Dinge betrifft, dem hl. Josef an; Ich gebe ihm die Macht im Himmel, damit er dir alles Notwendige verschafft und dir den Weg bereitet. Wenn du Mich trägst, bin ich wie damals auf der Erde, um Mich zu erkennen zu geben in dem, was Mein Vater wünscht. Es ist daher recht, daß St.Josef uns hilft, den Weg Maria der Unbefleckten zu bereiten, um ein ganz neues Haus zu schaffen, worin sie, wie Ich wünsche, als Mutter aller Völker der Erde und Königin des Weltalls proklamiert wird. Sie wird in diesem Gotteshaus und von diesem Gotteshaus aus die unendliche Barmherzigkeit Meines Vaters über alle entferntesten und armseligsten Seelen ausbreiten» (6.10.1962).

Am Tag Mariae Verkündigung des gleichen Jahres (25.3.1963) drückte sie dem Herrn ihre vollständige Verfügbarkeit mit folgenden Worten aus:

«Auch ich, o mein Herr, in Erinnerung an das große ‹Fiat› Deiner Mutter, spreche mein ‹Fiat›. Ich bin Dein Nichts, das armseligste und ärmste Geschöpf, das je auf Erden existierte und existieren wird. Siehe, hier bin ich, ich bin bereit, alles zu tun, was Du von mir willst, die Wünsche, die Du dich würdigst, meinem armen Herzen zu offenbaren, anzuhören und zu befolgen. Ich bin Dein Kind, demütig und einfach, ich gehe von Dir an der Hand gehalten.»

Am 5.5.1964 schrieb sie:
«Ich bin ein Werkzeug in der Hand meines Herrn. Das Werkzeug wird nie gelobt und gepriesen. Wenn es seine Arbeit beendet hat, stellt es der Künstler in eine Ecke oder legt es in eine Schublade und keiner schaut es mehr an und lobt es. Gelobt wird der Künstler und bewundert das von ihm geschaffene Werk mit dem geeigneten Werkzeug.

Hier also ist das Werkzeug, das Jesus gewählt hat, um das Werk auf dem Segensbühel zu schaffen, das Er wünscht: ein einfältiges Geschöpf, ein absolutes Nichts, eine demütige und unbedeutende Mutter, die ihr gewöhnliches Leben unter dem Volk führt. Niemand soll deshalb dieses Werkzeug loben und preisen, das der Herr in Seiner Hand hält und nach Seinen Wünschen leitet. Wenn das Werk erstehen wird, lobt den Herrn, den göttlichen und barmherzigen Urheber, der es mit Seinen Händen verwirklicht hat, fest das Werkzeug haltend, denn manchmal wollte es wegen der großen Mühe entwischen. Singet ein Lied Maria, denn das Werk wird dann durch ihre Wunderzeichen vervollständigt. Jubelt, denn die Barmherzigkeit des Vaters wird durch die heiligsten Hände Seiner auserwählten Tochter, Maria, die Unbefleckte, kommen. Und alle Geschöpfe werden Frieden und ewiges Heil erhalten.»

Am 29.4.1964 vertraute sie ihrem Tagebuch folgendes an:

«Meine sichere Hoffnung auf Hilfe ist nur in Jesus, der in mir lebt. Er kann nicht Hoffnungen in Geschöpfen hervorrufen, die nicht einmal an Ihn denken. Jedoch zu entsprechender Zeit bedient Er sich Umständen und Personen, um zu vollbringen, was Sein Herz wünscht zugunsten der gleichen Personen, die sich überhaupt nicht um Ihn kümmern. Denn Jesus liebt sehr, und für uns alle, gute und schlechte, hat Er Sein Leben dahingegeben. Ich fühle mich stark und sicher in Seiner Stärke und Sicherheit, denn Jesus lebt in mir, und vor Seinem Willen beugt sich gefügig jeder menschliche Wille ohne es überhaupt zu merken.»

Trotz ihres erschreckenden Komplexes der Kleinheit, Nutzlosigkeit, Unmöglichkeit, das große Unternehmen zuendezuführen, macht sich Margarete an die Arbeit. Zuerst gewinnt sie ihren Mann für ihre Ideale. Wie er in ihrer Sehnsucht nach vollkommener Enthaltsamkeit gefolgt war, sollte er sie auch in der Verwirklichung ihrer großen Sendung begleiten. Der erste Schritt ist ein Besuch der Gegend von Meran, wo, wie der Himmel es ihr offenbart hat, das marianische Gotteshaus errichtet werden sollte. Dies geschah am 30.8.1962. Auf ihrem Weg begleitete sie ihr Gemahl. Angesichts der Schwierigkeiten, die der Bau eines großen Gotteshauses mit sich brachte, hatte Margarete begonnen, an ein bescheideneres Projekt zu denken. Sie gab sich jetzt damit zufrieden, vorerst eine Kapelle zu errichten, in der sie eine Statue der ‹Jungfrau des Friedens› aufstellen würde. Von da ab denkt sie an nichts anderes mehr, als an den Bau der kleinen Kapelle. Sie machte sich mit Kraft an die Arbeit, damit ehestens auf dem Segens-bühel das kleine Heiligtum erstehe.

Am 11. November tritt sie in Verhandlungen für den Erwerb des Grundstücks:
«Wir sind in Dorf Tirol gewesen, um eine gute Person aufzusuchen; wir haben sie um Hilfe gebeten, um den Platz zu erhalten, wo die Kapelle für die Muttergottes errichtet werden soll. Wir haben sie zuhause angetroffen, und sie hat uns ihre ganze Hilfe versprochen. Wenn das Ergebnis günstig ist, wird die Muttergottesstatue dort hinaufkommen; wir werden ihr ein schönes kleines Haus ähnlich einem kleinen Paradies bereiten, und sie wird von dort aus beginnen, ihre Gnaden auszuschütten über alle, die das ‹Gegrüßet seist du Maria› beten und die sie von nah und fern anrufen. Denn von diesem Ort aus wird Maria alle Völker der Erde rufen, um sie zur Mutter aller Völker und Königin des ganzen Weltalls zu proklamieren und um der Menschheit den wahren Frieden und die Einheit in der Liebe zu geben. Mein Herr, mein demütiges Gebet wird inniger werden, denn an nichts anderes darf ich denken, als die Sendung, die Du mir anvertraut hast zu erfüllen, indem ich Dich ruhig in mir leben lasse und jede Mühe annehme.»

Am vierzehnten des gleichen Monats pilgert sie an den ausgesuchten Ort.
«Gestern bin ich in Dorf Tirol gewesen. Mit jener guten Frau, deren Beistand wir für das Grundstück verlangt hatten. Wir sind an der Stelle gewesen, die sie nicht kannte. Dann sind wir nach Meran hinuntergegangen, und ich habe sie zu mir nach Hause mitgenommen, um ihr die Statue zu zeigen, die in dem zu erbauenden Gotteshaus aufgestellt werden soll.»

Die Statue der Jungfrau, die sie für die Kapelle bereit hält, ist ein Familienbesitz: «Diese Statue — schreibt sie am 15.11.1965 —wäre vom Schutt zerstört worden, wenn der Vater meines Mannes zusammen mit meinem Mann sie nicht aus der Nische einer Wand senkrecht über einer Schlucht unter eigener Lebensgefahr entfernt hätten. Sie wurde immer von der Familie Marsura aufbewahrt.»

Von diesem Augenblick an beginnt die Initiative der kleinen Kapelle gut voranzugehen. Am 5. April 1963 erhält Margarete von einem Priester die Gewißheit, daß ihre Wünsche und Pläne von Gott kommen. Von diesem Tag an vertraut sie die konkrete Verwirklichung des Planes vom Segensbühel dem heiligen Josef an. Nach einem Jahr langer Verhandlungen, am 25. April 1964, erhält sie von den zivilen Behörden des Ortes die Erlaubnis, die Kapelle zu erbauen. Margarete sieht darin den Beginn der Verwirklichung des ganzen Planes des marianischen Gotteshauses. Aber die Dinge gehen nicht so schnell voran wie sie möchte. Beim Abschluß des II. Vatikanischen Konzils macht sie eine Wallfahrt nach Rom und nach Pompei und bittet den Herrn, daß die Dinge schneller vorangehen.

Endlich, am 13. Dezember, geben die Provinzbehörden in Bozen italienischer und deutscher Sprache die Genehmigung zum Bau der Kapelle genau an dem von ihr angegebenen Ort. Sie mußte dann die Gutheißung der kirchlichen Behörde erhalten. Im Hinblick auf den Bau beschließt sie, ihr Haus in Cornuda zu verkaufen und den Erlös für den Bau der Kapelle zu verwenden.

Am Fest der Reinigung Mariens (2.2.1966) gießt sie ihr Herz wie folgt vor der Jungfrau Maria aus:

«Ich war auf dem Segensbühel, um den Ort aufzusuchen, auf den Maria, mit der Statue, die ich zuhause habe, ihren Fuß setzen wird. Ich werde eine kleine Kapelle vorbereiten, die wie ein kleiner Königspalast sein wird, und ich bringe meine Madonna dort hinauf. Maria wird von diesem Ort aus den Menschen ihr Licht senden und ihre Aufforderung, sich an sie zu wenden. Maria ist die Voll-der-Gnade. Alle Gnaden des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes gehen durch ihr Herz und vom Herzen in ihre Hände, um dann ihren Kindern auf der Erde geschenkt zu werden. Aber wir müssen sie darum bitten, denn so ist es im Willen der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Maria weiß sehr gut, was wir brauchen, sie kennt die Bedürfnisse eines jeden und von uns allen, so als ob wir nur eines wären, aber sie kann nicht geben, wenn wir nicht mit Glauben und Liebe bitten. Jetzt befindet sich die Menschheit am Rand einer schweren Gefahr, eines fürchterlichen Krieges. Jesus will, daß wir alle vereint zu Maria gehen, um sie zu bitten, diese Gefahr zu bannen, uns den wahren Frieden zu geben und uns dann zu helfen, die große menschliche Familie und die Kirche ihres Jesus wiederherzustellen, die ganz zerstückelt ist und ohne den sanften Duft der Heiligkeit Jesu selbst. Jesus hat mich gerufen, diese Sendung zu vollbringen: Seine Wünsche, Seinen Willen bekannt zu machen.»

Am 5. Dezember 1966 kommt in die Pfarrei Margaretens S.E. der Bischof auf Pastoralvisite. Es war der providentielle Augenblick, um die ersehnte Erlaubnis zu erbitten. Aber die Unterredung mit ihm war nicht möglich.

Am 13. Mai — 50. Jahrtag der Erscheinung von Fatima — hatte man noch nichts erreicht. Margarete aber sagt prophetisch: «Es wird ein Tag kommen (ich habe es erfahren, als ich der Messe des Hl. Vaters in Fatima beiwohnte), daß auch auf dem Segensbühel sich Menschenmengen versammeln werden. Alle Völker der Erde werden vertreten sein, um Maria ihre Liebe zu bezeigen. Dann werde ich im Himmel sein. Maria wird uns von Jesus den wahren Frieden auf Erden erhalten, und dann werden die Völker sehen, daß sie von ihr geführt werden und alle werden besser sein.»

Am Fest Mariae Himmelfahrt (15.8.1967) steigt Margarete auf den Segensbühel, und am darauffolgenden Tag vermerkt sie in ihrem Tagebuch: «Gestern habe ich den Ort aufgesucht, wo Du eines Tages Deinen Fuß hinsetzen wirst, an dem Tag, der von Jesus schon festgesetzt ist. Jesus hat mir die Sendung anvertraut, diese Deine Stunde vorzubereiten, o Maria, und ich arbeite in großer Demut und in der Stille, um zu verwirklichen, was Jesus will. Er lebt in dieser kleinen Seele, Er hat von ihr Besitz ergriffen, Er wirkt in ihr und bedient sich aller ihrer Fähigkeiten. Ich bin mir dessen bewußt und lebe dauernd aus Ihm, meinem Jesus, der mich kleine Seele haben wollte.»

Endlich kommt die kirchliche Genehmigung. Am 7. März 1968 beginnen die Arbeiten zur Errichtung der Kapelle. Voll heiliger Rührung schreibt Margarete in ihrem Tagebuch:

«Heute ist ein so schöner Tag. Auf dem Segensbühel beginnen die Arbeiten, um die Kapelle zu Ehren der Muttergottes des Friedens zu errichten. Heute steigt im Angesicht jedes Geschöpfes der Stern des wahren Friedens auf, den Maria von diesem Berg zu allen Völkern der Erde gelangen läßt. Es ist der kleine Senfkornsamen, der, wie im Evangelium geschrieben steht, wenn er aufbricht, schnell wächst. Aus dem kleinen Samen, dem kleinsten von allen, wird ein großer starker Baum herauswachsen, reich an Ästen, auf denen alle, von wo immer auch sie kommen, ruhige Zuflucht finden können. Der Baum ist das Zeichen des großen Gotteshauses für den Frieden der Welt, das spontan von allen Völkern guten Willens der heiligsten Jungfrau dargebracht wird, als Zeichen des Glaubens und der Liebe, und des großen Heilswerkes, das um es herum erstehen wird. Mit der Hilfe Mariens werden wir den wahren Frieden erhalten, und mit dem Frieden auf Erden und unter Ihrer Führung werden wir, wie Sie will, alles erneuern.»

Am Fest Maria Verkündigung (25.3.1968) geht Margarete persönlich die Arbeiten kontrollieren.

Am Fest der Unbefleckten Empfängnis 1968 ist der Bau der Kapelle beendet, und es findet die Einweihung mit der Weihe an die Jungfrau statt: «In diesem genauen Augenblick ist die auf dem Segensbühel errichtete Kapelle der Unbefleckten Jungfrau für den Frieden in der Welt dargebracht worden. Das Opfer wurde durch gute Kinder dargebracht, für die Maria besondere Vorliebe hatte, da Sie sie für ihre Erscheinungen auserwählt. Durch den Willen meines Jesus bin ich in diesem Augenblick der Einweihung der Kapelle und der Aufopferung an Maria nicht gegenwär-tig. Ich sollte nur alles vorbereiten, mit der genauen Absicht und dem festen Willen und Bewußtsein, daß all das von Jesus selbst gemacht wurde, der in mir lebt und wirkt. Oh mein Jesus, mache jetzt, daß Maria, Deine und unsere Mutter, gleich beginnt, ihre Gnaden des Friedens, der Brüderlichkeit, der Liebe über ihre Kinder, die sie mit Glauben anrufen, auszugießen und auszuteilen.

Der gesundheitliche Zustand gestattet Margarete nicht, der Einweihung der Kapelle beizuwohnen. Die Einweihung wurde von Mons. Forer, Weihbischof von Bozen, assistiert von einigen Priestern des Ortsklerus, vorgenommen Sobald sie wiederhergestellt ist, wird der geweihte Ort des Segensbühels das ständige Ziel ihrer Wallfahrten, und ihr Gebet tritt für die Meinungen, die ihr am Herzen liegen, ein: das Priestertum, der Frieden, die christliche Familie, die weltweite Heiligkeit. Sie wünscht nichts anderes, als hinzugehen und bei der Kapelle zu wohnen. Aber es war noch nicht Zeit zu ruhen. Was wäre dann mit ihren großen Plänen geworden: das marianische Gotteshaus, den zwei Namen Priestertum-Christliche Familie? Da war sogar jemand, der ihr ins Gesicht sagte: «Sie, Frau Marsura, müssen sich damit zufrieden geben, die Kapelle erbaut zu haben; denken Sie nicht an den Plan des Werkes, denn er wird nicht angenommen» (11.6,1969). Es war der bittere Kelch, der ihr noch zu trinken blieb.

XI.
DER SYMBOLISMUS DES GROSSEN
MARIANISCHEN GOTTESHAUSES

In den Plänen des Herrn und Seiner treuen Dienerin ist das marianische Gotteshaus eine Wirklichkeit auf zwei Ebenen. Vor allem handelt es sich um einen materiellen Bau für die Verehrung Mariens. Aber die hauptsächliche Wirklichkeit ist höher und geistlich. Es ist eine neue Ära inniger Andacht zu Maria, aus der unbegrenzte Gnaden für die Menschheit und die Kirche entspringen: im besonderen der Friede, die Heiligkeit des Priestertums, des Schutzes der christlichen Werte der Familie und die Einheit der Christen.

Um die Dinge im richtigen Licht zu sehen, ist es notwendig, daran zu erinnern, daß in den entscheidenden Jahren des Tagebuches Margaretens in der Kirche jene starke Kritik an der Marienverehrung begonnen hatte, die in der nachkonziliären Zeit eine der schwersten Krisen der Marienverehrung der katholischen Geschichte heraufbeschworen hatte. Margarete empfand mit feinem mystischem Gefühl die gegenwärtige Wirklichkeit: «Wer weiß, aus welchem Sinn geringer Liebe zu Maria eine weit verbreitete Rede hervorgegangen ist? Man warnt die Gläubigen vor einer übertriebenen Marienverehrung, die — wie man sagt — die Gläubigen vom wahren Glauben an Gott ablenken könnte. Das ist sicher eine Machenschaft Satans, denn er weiß sehr gut, daß wer Maria anruft und zu ihr betet, nie in eine Sünde fällt und noch weniger in die Hölle kommt. Die diese Angst wollen, mögen wissen, daß wer zu Maria betet und sie anruft, nie in Fanatismus fällt. Der Herr kann es nicht zulassen.

Er liebt Seine Mutter mit größter, riesiger, unendlicher Liebe, und der Thron Mariens ist das Herz Jesu selbst, das Herz, das aus dem reinsten, unbefleckten Blut Mariens gebildet ist. Und wenn es auch geschehen sollte, daß das Gebet immer und nur an Maria gerichtet wäre, man würde den Herrn nicht beleidigen, nein, sicher, denn die Madonna ist der Glanz der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, sie ist die Tochter, die Braut, die Mutter Gottes, des Einen und Dreifaltigen. In dieser unserer Zeit sind wir in eine Unmenge von Fehlern und Irrwegen gefallen, weil man nicht die Einflüsterungen Satans hemmen wollte, der um jeden Preis die Seelen von der Marienverehrung abbringen will. Sie will uns in der Tat retten und vom Feind losreißen, der uns sicher mit sich in die Hölle bringt, wenn wir uns nicht fest an unsere Mutter anklammern» (3.9.1969).

Margarete erfaßte intuitiv die katastrophalen Wirkungen, die diese Krisis der Kirche gebracht hätte, angefangen bei den Priestern. Deshalb war die Analyse der gegenwärtigen Lage hinsichtlich der priesterlichen Spiritualität streng. «Meine kleine Seele, höre zu und schreibe, was Ich will, daß du in diesem Augenblick schreibst, denn es ist wichtig; mehr als alle Neuerungen, die die Meinen jetzt in Meiner Kirche machen wollen. Sie wollen den Entwicklungen der materiellen Welt folgen, ohne sich darüber Rechenschaft abzulegen, daß Meine Kirche, gegründet, um jede Verderbtheit des Menschen, meines Geschöpfes, das ich retten will, zu überwinden, sich in keiner Weise dem Gang der Dinge anpassen kann. Die Kirche lebt jetzt in einer fürchterlichen Gefahr, denn jene, die zu hohen Studien der Theologie gelangt sind, sind daran, das Licht der Wahrheit zu verlieren. Durch ihr allzugroßes Wissen haben sie die Einfachheit verloren, die die unentbehrliche Verfassung ist, um direkt vom Heiligen Geist über die höchsten und erhabensten Wahrheiten er-leuchtet zu werden. In ihre Herzen, voll von menschlichem Wissen, auch wenn sie, Meine Gottgeweihten sind, kann ich nie Meine Weisheit schicken. Der Stolz ist menschliches und satanisches Gebrechen. Ich betrete und erleuchte nur die Herzen der einfachen Seelen. Sie wollen alles umwandeln und bemerken gerade in ihrem Stolz nicht, daß sie in die fürchterlichste Verwirrung abgleiten und nehmen in die Verwirrung auch die noch in ihrem demütigen und ehrfürchtigen Glauben einfachen Seelen mit» (22.9.1960).

Am 28.8.1962 hörte sie folgende Worte:

«Meine arme Kirche, doch von Mir gegründet und von Meinem Blut besprengt und vom Blut der Apostel und Martyrer aller Zeiten. Meine Priester dieser Zeit vergeuden und vergeuden weiter jenes heilige Erbe, das noch bleibt, aber nurmehr in sehr geringer Menge. Die von wenigen gelebte Heiligkeit ist nicht ausreichend, die Mängel aller anderen zu ersetzen. Meine Kirche wird von vielen von ihnen dauernd zerrissen. Sie usurpieren das heilige Erbgut der Heiligkeit und des Blutes, das in ihr angesammelt wurde, um es den Seelen, die in den Schoß der Kirche zu rufen sind, zufließen zu lassen. Nunmehr haben sie nichts mehr zu geben, und die Seelen dürsten nach Weisheit! Sie reden leere Worte, denn ihr Herz ist leer; voll nur von weltlichen Wünschen. Sie versprechen, was sie nicht halten können, denn nunmehr ist das Einkommen vergeudet worden. Meine arme Kirche! Nicht Meine Feinde haben sie zugrunde gerichtet, sondern Meine Freunde: die ich berufen hatte, sie zu behüten und in ihr den Reichtum (der Heiligkeit) zu vermehren. Sie sind nicht mehr heilig, Meine Priester. Die wenigen guten sind nicht mehr fähig, etwas aufzubauen, zuviel ist zugrunde gegangen in Meiner Kirche. Es herrscht dort nur Äußerlichkeit in Gebet und Handlungen und im Herzen nur Leere und Verwirrung und viele menschliche Leidenschaften. Wehe, wenn die ersten Priester, die Meine Kirche leiten, nicht auf das hören, was ich dich geschickt habe, sie wissen zu lassen! Sie werden großes Leid erfahren. Ich werde Mich an andere Völker wenden, die augenblicklich gefesselt sind, aber die Meine Mutter von den Fesseln Satans lösen kann.»

Das Heilmittel für dieses Übel sieht Margarete in dem, was sie «DIE STUNDE MARIENS» nennt, das heißt in einer Erneuerung und Intensivierung der marianischen Frömmigkeit:

«Ich will — schreibt sie unter Diktat des Herrn — die Stunde Mariens vorbereiten, denn sie hat in ihren Händen alle Macht zur Rettung der Menschen. Ich bin es, ihr Sohn, der ihr diese Macht verliehen hat. Aber man muß ihre Botschaften anhören, die sie in Visionen und Erscheinungen an demütige, unschuldige Geschöpfe kundtut. Die Kirche selbst berücksichtigt nicht diese Botschaften, und die Erscheinungen werden komplizierten Studien unterzogen. Sie können nicht glauben, denn das Herz Meiner Priester ist nicht mehr einfach und dem, der nicht einfach ist, gebe ich nicht die Gnade eines sicheren und klaren Glaubens. Meine kleine Seele, laß Mich fortsetzen, was Ich in dir wirken will. Ich will, daß die Wallfahrt des Rosenkranzes im Geist der Buße zur Kapelle gemacht wird. Höre keiner Stimme zu, weder äußerer noch innerer, achte nicht darauf, was sie über Reformen, auch bezüglich des Rosenkranzes schreiben. Meine Mutter will und verlangt ihn, und nur mit dem Rosenkranz kann man viel von der Menschheit retten. »

Das große Gotteshaus ist JENE STUNDE MARIENS, die Margarete vorbereiten, beschleunigen, verkünden soll. Ihr Darauf-Bestehen der Dringlichkeit einer intensiven marianischen Frömmigkeit nimmt heftigste Akzente von Glauben und Theologie an.

«Alle Gnaden — schreibt sie am 30.5.1961 — die Jesus auf die Erde herabkommen läßt, können nicht ankommen, wenn nicht durch Seine Mutter Maria. Lourdes, Fatima sind ein großer Ruf, aber jetzt ist der Augenblick gekommen, die Erinnerung zu erneuern, einen neuen Impuls und erneuten Glanz dem zu geben, was die Zeit fast zum Stocken gebracht hat. Man wird den Frieden in der Welt nicht haben können, wenn man nicht offiziell und feierlich anerkennt, daß die heilige Jungfrau, heilige Mutter Jesu, des Sohnes Gottes des Vaters, des Königs des Universums, auch Königin und Herrscherin der Welt, des ganzen Universums ist. Sie sagte es in Fatima den Hirtenkindern. ‹Wenn man Mein Herz, Meine Herrschaft anerkennt, werde ich den Frieden schenken, und viele Völker werden sich bekehren, Rußland, in-begriffen.› Jesus läßt mein Herz diese dringende Notwendigkeit fühlen, den Glaubenden neu zum Bewußtsein zu bringen und den nicht Glaubenden bekannt zu machen, daß man Seine Mutter anerkennen und zu ihr beten soll. Daß wir nur durch Sie den Frieden haben werden, über den die Politiker so sehr diskutieren. Der Feind drängt ganz fürchterlich und Zeit verlieren würde bedeuten, der Katastrophe freie Bahn zu lassen.»

Am 30.6.1961 schreibt sie: «Sie will sich allen Seelen der Welt bekannt machen, um sie alle zum Vater zu führen. Die Unbefleckte ist der Tempel der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Sie ist der Glanz des gesamten Universums, und wer Sie in diesem Gotteshaus sehen wird, wird Sie in einem blendenden Licht sehen und wird ohne Zögern angezogen sein. Niemand wird das Gotteshaus verlassen, ohne sich Bruder seines Nächsten zu fühlen.»

Alle großen Verheißungen des Herrn für das Werk Margaretens können als das Kommen der neuen marianischen Frömmigkeit verstanden werden. Wir können mit aller Offenheit sagen, daß Margarete eine der größten ‹Evangelienkünderinnen› der Verehrung der heiligsten Jungfrau Maria in der nachkonziliären Zeit ist.

XII.
DIE ERFÜLLUNG DES KONZILS

Margarete hatte eine hohe Meinung von der Aufgabe, die ihr der Herr anvertraute. Es handelte sich um nichts anderes bei ihr, als darum, die großen Pläne des Konzils zu Ende zu führen. Es ist kennzeichnend, daß diese Idee den Sinn Margaretens von der Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils an durchdrang.

Am 7. Oktober 1962 nahm sie an einer Prozession zum nahen Marienheiligtum Riffian teil und bat um Gnade für das kommende Konzil. Bei dieser Gelegenheit setzt sie das Konzil mit dem gleich, was sie im Sinn hat, aus dem Wunsch nach der Erneuerung der Kirche:

«Jesus hat in mir alle Gebete der Versammelten Seiner Mutter dargebracht, damit seine mir inspirierten Wünsche, die das ganze von mir bekannt gemachte Werk umfassen, angenommen und verwirklicht werden.»

Aber ausführlicher, am 15., nur vier Tage vor der feierlichen Eröffnung des Konzils, drückt sie ihre Ideen bezüglich des Werkes als Erfüllung des Konzils selbst aus:

«Ich will hier an die Wallfahrt von Samstag auf den Bühel erinnern. Drei volle Stunden lang bin ich im Regen gewandert, immer im Gebet. Ich habe mich an der Stätte des Gotteshauses vor dem Kruzifix aufgehalten, um die Novene zur Jungfrau des Rosenkranzes von Pompei zu beten. Alles will ich geben von dem, was mir möglich ist zu geben, damit die Wünsche Jesu erfüllt werden. Alles werde ich tun, um den Weg und das ganz neue Haus Seiner und meiner Mutter zu bereiten, damit sie von diesem Ort aus alle Völker der Erde zur Brüderlichkeit aufruft und allen Völkern den Frieden und die Einheit in einer Kirche gibt: jener ihres Jesus unter der Leitung von Petrus: dem Papst. Von dem Haus auf dem Bühel aus wird Maria ihre Priester zur Heiligkeit rufen, und viele werden wirklich heilig sein. Maria wird die Führerin der zukünftigen Familien der neuen Generation sein. Dieses Werk wird die Ergänzung sein, die der Heilige Vater dem von ihm begonnenen Konzil geben wird. Seine Wünsche — es sind die gleichen, die Jesus meinem armen, demütigen Herzen vor ungefähr drei Jahren inspiriert hat — werden verwirklicht werden, mit der Kette des Glaubens, durch welche alle katholischen und nicht-katholischen Nationen sich an Maria die Unbefleckte binden werden und mit einem ihr geweihten Gotteshaus als Mutter Jesu, Mutter aller Völker der Erde und Königin des Weltalls ausrufen werden. Durch sie will unser Vater seine unendliche Barmherzigkeit über die ganze Menschheit ausbreiten und die Profezeiungen, die sie in Fatima den demütigen Hirtenkindern gemacht hat, werden sich erfüllen. Es wird sich Rußland bekehren und andere Völker, die die Kirche Jesu bekämpfen. Die Heiden, die Atheisten werden durch einen lebendigen Glauben erleuchtet werden, und alle Völker werden sich als Brüder fühlen. Ich fühle dauernd im Herzen die Aufforderung, die Maria an die Hirtenkinder richtete: Betet und tut Buße, damit alle sich retten können.»

Margarete verfolgte das Konzil mit großem Interesse. Auffallend ist das Zusammentreffen ihres Tagebuches mit der Zeit des Konzils. Das Tagebuch beginnt im Jahr 1959, dem Jahr der Ankündigung des Konzils und während seiner Vorbereitung bemüht sie sich getreu, ihre Betrachtungen niederzuschreiben, wie wir bereits gezeigt haben. Sie verfolgt dann mit Aufmerksamkeit die verschiedenen Abschnitte des großen kirchlichen Ereignisses.

Am 8. Dezember 1965 pilgert sie nach Rom und Pompei. Nach ihrer Rückkehr schreibt sie am 1. Januar 1966 folgende Sätze:

«Aber um die schönste und größte Gnade habe ich Dich in Pompei gebeten: Daß Du Deinen Sitz als Königin und Mutter auch hier aufschlägst, auf diesem Bühel oberhalb Meran, an dem Ort, den mir Dein Jesus angegeben hat. Du, o Mutter, wirst nicht zögern zu kommen, denn Jesus will es, Du weißt es. Sende, o unsere Mutter, das Licht eines großen Glaubens den Menschen, an die ich mich wende, damit sie erfassen, daß sie Dir den Weg bereiten müssen, denn Du mußt kommen. Du wirst von allen Völkern der Erde gerufen, damit Du der großen menschlichen Familie den Frieden, die Brüderlichkeit, die Heiligkeit, die Erneuerung des Lebens nach dem Evangelium bringst. Ich erwarte in beharrlichem Schweigen Deine Stunde, o Maria, auch wenn ich diese Stunde vielleicht nicht hier auf der Erde sehen werde, aber ich werde sie vom Himmel aus noch leuchtender sehen. Kein irdisches Geschöpf, so heilig es auch in den Augen Gottes sein mag, kann den Frieden erlangen, den jetzt alle Völker erwarten. Nur du, o Maria, kannst ihn uns erlangen, wenn wir alle zu Dir mit der Stimme weltweiten Bittgebetes kommen. Das will Jesus; Du weißt es. Die Gnaden, um die ich Dich gebeten habe und die Du, o Maria, zu Füßen des Altares der Kirche von Pompei bereit hältst, hast Du mir eine nach der anderen zu geben begonnen.»

Die Notwendigkeit dieser Erfüllung sah sie von den ersten Tagen des Konzils an. Sie verstand, daß die grandiose Initiative Papst Johannes XXIII. tückische Gefahren einer Abgleitung in sich barg. So schrieb sie am 15.10.1962:

«Papst Johannes, der jetzt meine Kirche leitet, ist heilig. Aber nicht alle sind heilig, und sie werden ihn in große Verwirrung bringen.»

Um den Zustand der Verwirrung, auf den sie, vom Herrn erleuchtet, so klar anspielte, zu überwinden, würde sie das kühne Projekt der Erfüllung des Vatikanischen Konzils entwerfen. Die nachkonziliäre Geschichte hat ihr Recht gegeben. Die Themen, die ihr so sehr am Herzen lagen (Priestertum, Friede, christliche Familie) würden im Zentrum des Interesses der nachkonziliären Kirche stehen. Sicher kennt die gegenwärtige Kirche wenige Seelen mit so außerordentlichen grandiosen Vorhaben wie diese demütige Familienmutter, von derselben Art wie eine heilige Katharina und eine heilige Brigitte.

XIII.
DAS ENDE
DES STERBLICHEN WEGES

Als die Abenddämmerung über ihr irdisches Leben hereingebrochen war, hatten Ereignisse, deren Tragweite wir nicht beschreiben können, ihre Seele in eine schreckliche dunkle Nacht gestürzt. Schmerz, Kreuz, dichte Finsternis waren das Brot ihrer drei letzten Lebensjahre. Ihre Gesundheit brach schnell zusammen.

Während des Jahres 1971 schrieb sie wenig in ihrem Tagebuch.

Am 15. September, Fest der Schmerzhaften Muttergottes, drückte sie sich folgendermaßen aus:

«Du weißt, mein Jesus, was ich in Dir leide, denn dieser Schmerz ist nichts anderes als Dein Schmerz. Ich danke Dir, daß Du mich hast daran teilnehmen lassen wollen in dieser schweren Stunde für Deine Kirche, die Du heilig und unbefleckt willst, so wie heilig und unbefleckt Deine Mutter ist. Nimm an meinen Gedanken, meinen Dank, den ich unter Tränen Dir darbringe, damit er gereinigt und wohlgefällig dem Herzen des Vaters ist.»

Und am 25. Oktober trug sie folgende Sätze ein:

«Jesus, mein Bräutigam, als ich heute morgen in der Kirche während der hl.Messe das große Kruzifix mir gegenüber anschaute, sah ich mit dem Blick der Seele das Blut, das aus den Wunden der von Nägeln durchbohrten Hände und Füße herausfloß. Ich sah es herunterfließen und die Erde durchnässen. Dieses göttliche Blut ist wirklich auf den Altar geflossen, und ich habe es in mein Herz aufgenommen, um es durch meine Tränen zu vergießen. Mein Jesus, laß mich dauernd Dein Blut weinen, um viele Seelen zu reinigen, damit sie das Heil finden.»

Fortan wird sie nicht mehr in ihr geliebtes Tagebuch schreiben.

Die seelischen Schmerzen und die Sendung der vollständigen Aufopferung für die Kirche und die Priester hatten die Gesundheit Margaretens untergraben.

Im Herbst 1971 mußte sie sich wegen Blasensteinen und Blinddarmgeschwür zwei chirurgischen Eingriffen unterziehen. Im Verlauf eines Monates nahmen ihre Kräfte ganz ab.

Da sie ihr baldiges Ende voraussah, sagte sie zu ihren Mitarbeitern:

«Jetzt macht ihr weiter!»

Es war die Übergabe ihrer persönlichen Aufgabe, damit andere sie nach ihrem Dahinscheiden erfüllen. Am 24. November 1971 übergab sie ihre Seele Gott.

XIV.
ZEUGNISSE NACH DEM TOD

Viele Bezeugungen der Bewunderung und der Verehrung gibt es nach dem Tod Margaretens. Wir legen eine vor, die für alle gelten kann. Es ist ein Brief des hochw. Herrn Pio Mazzarella; auch er ist noch vor Veröffentlichung dieser Zeilen verstorben.

Am 23. Dezember 1975 schrieb er:

«Ich glaube, niemand hat sie mehr gekannt und geschätzt als ich! . . . ich wußte schon von ihrem geheimen Wunsch am Segensbühel (sie hatte mir etwas angedeutet) und ich bin froh, daß sie ihn vor ihrem Tod verwirklichen konnte . . . Sie war ein Kind und Gott kam gern in ihrer Kleinheit zu wohnen und zu wirken! . . . Sie schien ohne Zunge und ohne Stimme, deshalb sang sie Gott die schönsten Liebeslieder! . . .»

Im Jahre 1977 kam der hochw. Herr Pio zur Kenntnis des Manuskriptes Margaretens. Nachdem er es gelesen hatte, schrieb er zu Ostern des gleichen Jahres:

«Es gibt keinen Morgen der Auferstehung ohne den tragischen Karfreitag. Das ist auch unser Ostergeheimnis, das wir berufen sind, während unseres ganzen Lebens zu verwirklichen: Gestorben mit Christus, auferstanden mit Christus. Danke für die Ablichtung des Manuskriptes. Ich betrachte es als ein Geschenk Gottes. Wenn ich noch in Untermais gewesen wäre, wäre ich sicher der erste gewesen, diese schöne Geschichte Gottes kennenzulernen. Ich sehe die unverwechselbare Handschrift meiner Präsidentin, wenn sie mit soviel Liebe und Hingabe ihre Aufgabe in der Frauen- und Kindergruppe erledigte . . . Ich habe es mit tiefer Verehrung und geistlichem Genuß gelesen und bin dabei noch einmal zur Überzeugung gekommen, daß Gott sich demütiger Werkzeuge bedient, um seine Werke inmitten der Menschen zu verwirklichen. Ihre Reise nach (. . .), die sie sich nie hervortun wollte und so schüchtern war, hat mich wirklich überrascht und bewegt! . . . Man sieht, daß Gott in seiner kleinen Dienerin wirkte. Ich kann es verstehen, denn vielleicht gab es niemanden, der sie so intim kannte wie ich. Deo Gratias!

Liebes Geschöpf Gottes, ihren Traum, wenn auch in geringstem Ausmaß, hat sie verwirklicht sehen können! . . . Ich denke, daß man auf dieses Werk die Worte aus dem Buch Ester (10,6 . . .) anwenden kann und muß, wenn es von dem Traum des Mardochäus spricht und die Bedeutung für Ester versteht: ‹Die kleine Quelle, die anwuchs und ein großer Fluß wurde, reich an Wasser› . . . Die kleine Quelle, von der ganz kleinen Angelina eröffnet (die wie Ester zur Braut genommen wurde, damit sie Königin werde) wird wachsen bis sie ein Fluß wird voller Wasser, Licht, Sonne . . . Könnte das kleine Kirchlein am Segensbühel (wie oft war ich auf einem Spaziergang dort) dieser große Fluß Gottes werden. Kleiner ‹Tau-tropfen› ausgestrahlt von der Sonne Gottes, so wie es auch Beatrix und die Botin des von Gott gewollten Werkes tut . . .

Auch ich kann bestätigen, daß sie für die Heiligkeit der Priester sich aufopferte und wirkte.

Sehr tief hatte sie diesen kirchlichen Geist. In einem ihrer letzten Briefchen schrieb sie mir, daß sie sich in besonderer Weise Mutter von 3 Priestern fühlte und der dritte von diesen war gerade ich . . Wieviel könnte ich sagen, und ich bewahre es in meinem Herzen! . . . Wenn ich ihr Sohn war, als sie noch lebte, wieviel mehr bin ich es jetzt, wo sie im Himmel ist. Und wie oft ist das für mich eine wahre Quelle geistlicher Kraft gewesen! Und seitdem ich in Ferrara von ihrem Tod erfuhr, bete ich jeden Tag zu ihr. Auch Du, lieber P. , sag ihr einige Worte für mich, denn sie hat Dich noch so gern.

Jetzt erwartet sie uns in ihrem schönen Himmel Gottes . . . Du tust gut daran, ihre Schriften eifersüchtig zu bewahren, sie werden Dir Trost sein und sie tun Dir gut für Dein geistliches Leben. Suche, ihr ganz ähnlich zu werden und, in der Ewigkeit, werdet Ihr zusammen noch glücklicher sein . . .

Ich bewahre mit größter Sorgfalt soviel liebe Erinnerungen, denn ich kann Dir sagen, daß sie etwas auch mein geistlicher Vater war. Jetzt bereue ich, nicht mit ihr ständigen Briefwechsel gehabt zu haben, aber ich bin eben so.
Ich bitte Dich um Entschuldigung, lieber P., denn alle beide habt Ihr mich wirklich gern gehabt. Ich habe immer für alle gebetet . . .

Dein H. Pio»


Quelle: Broschüre des IMMACULATA-VERLAGS, [P. O. Schenker] CH-9050 Appenzell, ISBN 3-7195-0102-7, 1. deutsche Auflage, Mai 1985

4. Umschlagseite der Broschüre:joao pauloII - visita01fatima

FATIMA, 13. MAI 1982: WEIHE DER WELT AN MARIA

Papst Johannes-Paul II. während der feierlichen Überantwortung der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens vor dem Gnadenbild.

«. . . Vor 40 Jahren und 10 Jahre danach hat dein Diener, Papst Pius XII. , angesichts der schmerzlichen Erfahrungen der Menschheitsfamilie DIE GANZE WELT und vor allem jene Völker, denen Deine besondere Liebe und Sorge galt, Deinem Unbefleckten Herzen anvertraut und geweiht.
Diese Welt der Menschen und Völker habe auch ich heute vor Augen, da ich die Überantwortung und Weihe, die von meinem Vorgänger auf dem Stuhl Petri vollzogen wurde, erneuern möchte: die Welt des zweiten Jahrtausends, das sich seinem Ende zuneigt, die Welt unserer Zeit, unsere heutige Welt! . . . Darum, o Mutter der Menschen und Völker, die du «alle ihre Leiden und Hoffnungen kennst» und mit mütterlichem Herzen an allen Kämpfen zwischen Gut und Böse, zwischen Licht und Finsternis Anteil nimmst, die unsere heutige Welt erschüttern, höre unser Rufen, das wir unter dem Antrieb des Heiligen Geistes direkt an Dein Herz richten, und umfange mit Deiner mütterlichen und dienenden Liebe diese unsere Welt, die wir Dir anvertrauen und weihen, erfüllt von Sorge um das Heil der Menschen und Völker. Vor allem überantworten und weihen wir Dir jene Menschen und Völker, die dieser Überantwortung und Weihe besonders bedürfen . . . »

_______

Siehe dazu auch: