‚Bei euch aber soll es nicht so sein’

Franziskus an die neuen Kardinäle: den Blick, die Ressourcen, die Erwartungen und das Herz auf das richten, was zählt: die Mission

Rom (kath.net) Feierliches öffentliches Konsistorium in der Petersbasilika zur Kreierung von vierzehn neuen Kardinälen.

Die neuen Kardinäle im Überblick:

1. Seine Seligkeit Louis Raphaël I Sako – Patriarch von Babylonien der Chaldäer.
2. S. E. Luis Ladaria – Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre.
3. S. E. Angelo De Donatis – Generalvikar von Rom.
4. S. E. Giovanni Angelo Becciu – Substitut für die Allgemeinen Angelegenheiten des Staatssekretariats und Sonderdelegat beim Souveränen Malteserorden
5. S. E. Konrad Krajewski – Apostolischer Almosenier.
6. S. E. Joseph Coutts – Erzbischof von Karachi.
7. S. E. António dos Santos Marto – Bischof von Leiria-Fátima.
8. S. E. Pedro Barreto – Erzbischof von Huancayo.
9. S. E. Mons. Desiré Tsarahazana – Erzbischof von Toamasina.
10. S. E. Giuseppe Petrocchi – Erzbischof von L’Aquila.
11. S. E. Thomas Aquinas Manyo – Erzbischof von Osaka.

Zusammen mit diesen schloss Franziskus den Mitgliedern des Kardinalskollegiums einen Erzbischof, einen Bischof und einen Ordensmann an, die sich für ihren Dienst an der Kirche ausgezeichnet haben:

12. S. E. Sergio Obeso Rivera – emeritierter Erzbischof von Xalapa.
13. S. E. Toribio Ticona Porco – emeritierter Prälat von Corocoro.
14. H. P. Aquilino Bocos Merino – Claretiner.

Das Kardinalskollegium zählt nach diesem fünften Konsistorium des Pontifikats von Papst Franziskus insgesamt 227 Kardinäle, von denen 125 wahlberechtigt sind. Die Wähler stammen aus Europa (53), Nordamerika (17), Mittelamerika (5), Südamerika (13), Afrika (16), Asien (17) und Ozeanien (4).

„»Bei euch aber soll es nicht so sein.« Die Antwort des Herrn ist in erster Linie Einladung und Ansporn zur Wiederbelebung des Guten in den Jüngern, damit sie sich nicht von einer weltlichen Gesinnung ruinieren und gefangen nehmen lassen, die den Blick von dem ablenkt, was wichtig ist. »Bei euch aber soll es nicht so sein.« Hier erklingt die Stimme des Herrn, der die Gemeinschaft davor bewahrt, zu sehr auf sich selbst zu schauen, anstatt den Blick, die Ressourcen, die Erwartungen und das Herz auf das zu richten, was zählt: die Mission.“

„»Bei euch aber soll es nicht so sein« – sagt uns der Herr – » […] wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein« (Mk 10, 43.44). Dies ist die Seligpreisung und das Magnificat, die wir jeden Tag gerufen sind anzustimmen. Dies ist die Einladung des Herrn an uns, damit wir nicht vergessen, dass die Autorität in der Kirche mit der Fähigkeit wächst, die Würde des anderen zu fördern, den anderen mit Salbe zu behandeln, um seine Verletzungen und seine oft verwundete Hoffnung zu heilen. Dies ist eine Erinnerung daran, dass wir hier sind, weil wir gesandt sind, den Armen eine frohe Botschaft zu bringen, den Gefangenen die Entlassung zu verkünden und den Blinden das Augenlicht, die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen und ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen (vgl. Lk 4, 18-19).“

„Während wir auf dem Weg nach Jerusalem sind, geht der Herr uns voraus, um uns noch einmal daran zu erinnern, welche die einzig glaubwürdige Autorität ist: Es ist diejenige, die sich zu den Füßen des Nächsten herabbegibt, um Christus zu dienen; es ist diejenige, die nicht vergisst, dass Jesus, bevor er sein Haupt am Kreuz neigte, keine Angst hatte, sich vor den Jüngern niederzubeugen und ihnen die Füße zu waschen. Das ist die höchste Ehre, die wir erlangen können, die größte Beförderung, die uns zuteilwerden kann: Christus zu dienen im gläubigen Volk Gottes, in den Hungrigen, in den Vergessenen, in den Gefangenen, in den Kranken, in den Drogenabhängigen, in den Verlassenen, in den konkreten Menschen mit ihren Geschichten und Hoffnungen, mit ihren Erwartungen und Enttäuschungen, mit ihren Leiden und Wunden. Nur so wird die Autorität des Hirten den Geschmack des Evangeliums haben und nicht wie »dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke« sein (1 Kor 13, 1). Keiner von uns darf sich „für etwas Besseres“ halten. Keiner von uns darf auf die anderen herabschauen. So dürfen wir einen Menschen nur ansehen, um ihm aufzuhelfen.“

 

kath.net veröffentlicht die Predigt von Papst Franziskus beim ordentlichen öffentlichen Konsistorium zur Kreierung von vierzehn neuen Kardinälen: 

»Während sie auf dem Weg hinauf nach Jerusalem waren, ging Jesus voraus [1]« (Mk 10, 32).

Der Beginn dieses paradigmatischen Abschnitts des Markusevangeliums hilft uns immer zu sehen, wie der Herr mit einer unvergleichlichen Pädagogik für sein Volk sorgt. Auf seinem Weg nach Jerusalem hat Jesus es nicht versäumt, den seinen voranzugehen (primerear).

Jerusalem steht für die Stunde bedeutender Bestimmungen und Entscheidungen. Wir wissen alle, dass die wichtigen und entscheidenden Momente des Lebens das Herz sprechen lassen und die uns innewohnenden Absichten und Spannungen sichtbar machen. Diese existenziellen Wegkreuzungen beschäftigen uns und lassen Fragen und Sehnsüchte des menschlichen Herzens aufkommen, die sonst oft verborgen sind. Das ist es, was der eben gehörte Abschnitt des Evangeliums mit großer Einfachheit und sehr realistisch offenbart. Angesichts der dritten und nachdrücklichsten Leidensankündigung scheut sich der Evangelist nicht, bestimmte Geheimnisse des Herzens der Jünger zu enthüllen: das Streben nach den ersten Plätzen, Eifersüchteleien, Neid, Intrigen, Beschönigungen und Mauscheleien. Diese Gesinnung zermürbt und zersetzt nicht nur ihre gegenseitige Beziehung von innen her, sondern macht sie verschlossen und verwickelt sie in unnütze und belanglose Diskussionen. Jesus aber hält sich nicht damit auf, sondern er geht weiter, geht darüber hinaus (primerea) und sagt ihnen mit Nachdruck: »Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein« (Mk 10, 43).

Mit dieser Haltung versucht der Herr, den Blick und das Herz seiner Jünger wieder neu auf das Wesentliche auszurichten und zu verhindern, dass unfruchtbare und selbstbezogene Diskussionen sich innerhalb der Gemeinschaft ausbreiten. Was nützt es, die ganze Welt zu gewinnen, wenn man innerlich korrodiert ist? Was nützt es, die ganze Welt zu gewinnen, wenn man in den Fängen erstickender Intrigen lebt, die das Herz austrocknen und die Mission unfruchtbar machen? In dieser Situation könnte man bereits – wie jemand bemerkt hat – die Palastintrigen, auch innerhalb der kirchlichen Kurien, angedeutet sehen.

»Bei euch aber soll es nicht so sein.« Die Antwort des Herrn ist in erster Linie Einladung und Ansporn zur Wiederbelebung des Guten in den Jüngern, damit sie sich nicht von einer weltlichen Gesinnung ruinieren und gefangen nehmen lassen, die den Blick von dem ablenkt, was wichtig ist. »Bei euch aber soll es nicht so sein.« Hier erklingt die Stimme des Herrn, der die Gemeinschaft davor bewahrt, zu sehr auf sich selbst zu schauen, anstatt den Blick, die Ressourcen, die Erwartungen und das Herz auf das zu richten, was zählt: die Mission.

Und so lehrt uns Jesus, dass die Bekehrung, die Verwandlung des Herzens und die Reform der Kirche immer unter missionarischen Gesichtspunkten erfolgt und erfolgen wird, denn sie setzt voraus, dass man damit aufhört, eigene Interessen in den Blick zu nehmen und zu verfolgen, um die Interessen des Vaters zu wahren und zu pflegen. Die Bekehrung von unseren Sünden, von unseren Egoismen, ist und bleibt kein Selbstzweck, sondern zielt vor allem darauf hin, in Treue und Bereitschaft zu wachsen, um die uns aufgetragene Sendung anzunehmen.

Und zwar soll das in einer Weise geschehen, dass wir in der Stunde der Wahrheit, besonders dann, wenn sich unsere Brüder und Schwestern in Schwierigkeiten befinden, bereit und verfügbar sind, alle und jeden einzelnen von ihnen zu begleiten und anzunehmen – und uns nicht in ausgezeichnete Verweigerer verwandeln, weder aus Engstirnigkeit [2] oder schlimmer noch, weil wir darüber diskutieren und nachdenken, wer der Wichtigste sei.

Wenn wir nicht mehr an die Mission denken, wenn wir das konkrete Antlitz unserer Brüder und Schwestern aus den Augen verlieren, dann verschließt sich unser Leben in der Suche nach den eigenen Interessen und Sicherheiten. Und so beginnen Groll, Traurigkeit und Widerwillen zu wachsen. Nach und nach gibt es keinen Raum mehr für die anderen, für die kirchliche Gemeinschaft, für die Armen, für das Hören auf die Stimme des Herrn. So geht die Freude verloren und das Herz versiegt (vgl. Evangelii gaudium, 2).

»Bei euch aber soll es nicht so sein« – sagt uns der Herr – » […] wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein« (Mk 10, 43.44). Dies ist die Seligpreisung und das Magnificat, die wir jeden Tag gerufen sind anzustimmen. Dies ist die Einladung des Herrn an uns, damit wir nicht vergessen, dass die Autorität in der Kirche mit der Fähigkeit wächst, die Würde des anderen zu fördern, den anderen mit Salbe zu behandeln, um seine Verletzungen und seine oft verwundete Hoffnung zu heilen.

Dies ist eine Erinnerung daran, dass wir hier sind, weil wir gesandt sind, den Armen eine frohe Botschaft zu bringen, den Gefangenen die Entlassung zu verkünden und den Blinden das Augenlicht, die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen und ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen (vgl. Lk 4, 18-19).

Liebe Brüder Kardinäle und Neu-Kardinäle! Während wir auf dem Weg nach Jerusalem sind, geht der Herr uns voraus, um uns noch einmal daran zu erinnern, welche die einzig glaubwürdige Autorität ist: Es ist diejenige, die sich zu den Füßen des Nächsten herabbegibt, um Christus zu dienen; es ist diejenige, die nicht vergisst, dass Jesus, bevor er sein Haupt am Kreuz neigte, keine Angst hatte, sich vor den Jüngern niederzubeugen und ihnen die Füße zu waschen.

Das ist die höchste Ehre, die wir erlangen können, die größte Beförderung, die uns zuteilwerden kann: Christus zu dienen im gläubigen Volk Gottes, in den Hungrigen, in den Vergessenen, in den Gefangenen, in den Kranken, in den Drogenabhängigen, in den Verlassenen, in den konkreten Menschen mit ihren Geschichten und Hoffnungen, mit ihren Erwartungen und Enttäuschungen, mit ihren Leiden und Wunden.

Nur so wird die Autorität des Hirten den Geschmack des Evangeliums haben und nicht wie »dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke« sein (1 Kor 13, 1). Keiner von uns darf sich „für etwas Besseres“ halten. Keiner von uns darf auf die anderen herabschauen. So dürfen wir einen Menschen nur ansehen, um ihm aufzuhelfen.

Ich möchte uns nun noch einen Abschnitt des geistlichen Testaments des heiligen Johannes XXIII. in Erinnerung rufen, der in einem fortgeschrittenen Stadium seines Lebensweges sagen konnte:

»Arm, aber als Kind ehrbarer und bescheidener Leute geboren, bin ich besonders froh, arm zu sterben, nachdem ich das, was mir – übrigens in sehr bescheidenem Maß – im Laufe der Jahre als Priester und Bischof zur Verfügung stand, nach den verschiedenen Umständen und Erfordernissen meines einfachen und bescheidenen Lebens an die Armen und an die heilige Kirche, die mich ernährt hat, verteilt habe. Scheinbarer äußerer Wohlstand verbarg oft schmerzlich empfundene Armut und hinderte mich, mit der Freigebigkeit auszuteilen, wie ich gewollt hätte. Ich danke Gott für diese Gnade der Armut, die ich schon in meiner Jugend gelobt habe: Armut im Geiste, als Priester des Heiligsten Herzens, und wirkliche Armut. Sie hat mir die Kraft gegeben, nie etwas zu erbitten, weder Posten noch Geld, noch Gunsterweise, niemals, weder für mich noch für meine Angehörigen oder meine Freunde« (29. Juni 1954).

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[1] Das Verb proago ist dasselbe Wort, mit dem der auferstandene Jesus den Jüngern verkünden lässt, dass er ihnen nach Galiläa vorausgehen wird. (vgl. Mk 16, 7).
[2] Vgl.: Jorge Mario Bergoglio, Ejercicios Espirituales a los Obispos españoles, 2006.

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Quelle

„Sphinx mit Bürste putzen“: Papst über die Kurienreform

Die Kurie im Verhältnis zur Welt war das Thema der diesjährigen Weihnachtsansprache des Papstes an die höchsten Mitarbeiter im Vatikan: der Papst sprach an diesem Donnerstag über das Verhältnis der Kurie zu den Nationen, den Teilkirchen, den Ostkirchen, anderen Religionen sowie den ökumenischen Dialog.

Anne Preckel – Vatikanstadt

Der Papst ging auch mit einigen Krankheiten im Inneren der im Umbau befindlichen Kirchenzentrale erneut ins Gericht: Karrierismus und Eitelkeit, Selbstbezogenheit und Ungehorsam.

„Wie viel Geduld und Hingabe es braucht…“

Franziskus bettete seine Rede in den Kontext der laufenden Kurienreform ein: „In Rom Reformen durchzuführen heißt gleichsam die Sphinx von Ägypten mit einer Zahnbürste zu putzen“, schickte er ein Zitat des belgischen Erzbischofs Fréderic-Francois-Xavier De Mérode vorweg. „Wie viel Geduld, Hingabe und Taktgefühl braucht es, um dieses Ziel zu erreichen“, legte der Papst nach. „Eine in sich verschlossene Kurie würde das Ziel ihrer Existenz verraten und in die Selbstbezogenheit fallen und sich so zur Selbstzerstörung verurteilen“, warnte er dann.

Mit der Kurie war Franziskus bereits mehrfach ins Gericht gegangen, so etwa in seiner Weihnachtsansprache im Jahr 2014, als er über die „kurialen Krankheiten“ sprach. Auch den ersten Teil seiner diesjährigen Weihnachtsansprache nutzte Franziskus, um Abwegiges beim Namen zu nennen und seinen engsten Mitarbeitern ihre eigentliche Mission ins Gedächtnis zu rufen.

Die Kurie stehe im Dienst des Papstes, erinnerte Franziskus, sie müsse das Wohl der Kirche und die Verkündigung der frohen Botschaft im Blick haben. Dieses „diakonale Primat“, diesen „Vorrang im Dienen“, gelte es nach innen wie außen zu verwirklichen, so der Papst, der die Kurie zu Einheit aufrief.

Empfänglich und synodal sein wichtiger als Regelversessenheit

Franziskus benutzte das Bild eines lebendigen Organismus mit seinem harmonischen Zusammenspiel der Sinnesorgane, die Gleichgewicht, Orientierung und Wahrnehmung ermöglichen und den Menschen in der Realität verankern. Um einmal mehr jenen Krankheiten eine Absage zu erteilen, vor denen auch die Kirche bis in ihre höchsten Ebenen nicht gefeit sei – „dieser unausgewogenen und verwerflichen Mentalität von Verschwörungen oder kleinen Zirkeln (…). Diese stellen nämlich in Wirklichkeit trotz aller Rechtfertigungen und guten Absichten ein Krebsgeschwür dar, das zur Selbstbezogenheit führt und auch vor den Organismen der Kirche als solchen und insbesondere vor den Menschen, die dort arbeiten, nicht Halt macht“, formulierte der Papst.

“ Prozesse des Zuhörens und der Synodalität sind wichtiger als Regeln oder Vorschriften. ”

Die Dikasterien der römischen Kurie verglich er mit „sensiblen Antennen“, die „im Namen und mit der Autorität des Papstes und immer für das Wohl der Kirchen und im Dienst an ihnen“ operieren sollten. Als „Sendeantennen“ sollten sie „den Willen des Papstes und der Oberen getreu weiterleiten“, führte der Papst aus, wobei Treue und Verantwortungssinn entscheidend seien. Als „Empfänger“ müssten sie zugleich Fragen sowie Freuden und Leiden der Weltkirche wahrnehmen und den Papst darüber informieren. Dieses „Empfangsvermögen“, dieser „Prozess des Zuhörens und der Synodalität“ seien wichtiger als Vorschriften zu erlassen, betonte er.

Kritik an vom Ehrgeiz getriebenen Mitarbeitern

Hart ins Gericht ging der Papst mit kirchlichen Mitarbeitern, die im Zuge der Kurienreform das in sie gesetzte Vertrauen missbrauchten und allein eigene Interessen verfolgten – „Personen, die sorgfältig dazu ausgewählt wurden, um dem Leib der Kirche und ihrer Reform mehr Kraft zu geben, die sich aber dadurch, dass sie die Größe ihrer Verantwortung nicht verstehen, von Ambitionen oder Eitelkeiten korrumpieren lassen und sich selbst, wenn sie dann sanft entfernt werden, fälschlicherweise zu Märtyrern des Systems erklären, des nicht ,informierten Papstes‘, der ,alten Garde‘ …, anstatt ihr ,Mea culpa‘ zu sprechen.“

Lob fand der Papst hingegen für den „außerordentlich großen Teil treuer Personen, die mit lobenswertem Einsatz, Treue, Kompetenz, Hingabe und auch viel Heiligkeit“ für die Reform arbeiteten.

Um die Vision einer dienenden Kirche zu verwirklichen, seien eine „Unterscheidung der Zeichen der Zeit“, „Gemeinschaft im Dienst“, „Barmherzigkeit in der Wahrheit“ sowie „Fügsamkeit dem Geist gegenüber“ ebenso unerlässlich wie auch Gehorsam den Vorgesetzten gegenüber, betonte der Papst. Die Namen der verschiedenen Dikasterien verwiesen gerade auf jene Bereiche der menschlichen Wirklichkeit, denen es zu dienen gelte, erinnerte Franziskus.

Im zweiten Teil seiner Ansprache kam der Papst dann auf die verschiedenen Aufgabenbereiche der Kurie im Verhältnis zur Welt zu sprechen.

Die Kurie im Verhältnis zur Welt

Mit Blick auf die Vatikandiplomatie bekräftigte Franziskus das Anliegen des Heiligen Stuhls, in der Welt als „Brücken- und Friedensbauer“ sowie als Förderer des „Dialoges zwischen den Nationen“ aufzutreten. Und er begründete in diesem Kontext die Einrichtung einer zusätzlichen Abteilung im vatikanischen Staatssekretariat, die sich um die Diplomaten des Heiligen Stuhls und alle diesbezüglichen Fragen kümmern wird.

Im Dienste der Menschheit sei die päpstliche Diplomatie stets darum bemüht, Distanzen abzubauen und Vertrauen aufzubauen, wozu auch etwa die Papstreisen beitragen sollten, führte der Papst allgemeiner aus. Die Mittel dieser Form der Diplomatie seien das Zuhören und Verstehen, das Helfen und respektvolles Intervenieren: „Das einzige Interesse der Vatikandiplomatie ist es, frei von jeglichem weltlichen und materiellen Interesse zu sein“, brachte der Papst dies auf den Punkt. Dem zerstörerischen Egoismus der Staaten, Gewalt und Krieg erteilte er erneut eine Absage, und er rief zugleich dazu auf, aus der Vergangenheit zu lernen und eine bessere Welt für die folgenden Generationen zu hinterlassen.

Franziskus kam dann auf die Teilkirchen zu sprechen. Das Verhältnis zwischen der Kurie und den verschiedenen Gliedern der Weltkirche solle kollegial sein, betonte er: „Das ist ein Verhältnis, das auf Zusammenarbeit, Vertrauen und nie auf Überlegenheit oder Widrigkeiten fußt.“ Die Kurie müsse zum Wohle der Kirchen und ihrer Hirten arbeiten, schärfte er seinen höchsten Mitarbeitern ein, deren Blick er auf das Netzwerk der weltweiten Kirche lenkte: „Die römische Kurie hat als Referenzpunkt also nicht allen den Bischof Roms, aus dem sie Autorität schöpft, sondern auch die Teilkirchen und ihre Hirten in der ganzen Welt, für deren Wohl sie operiert.“

Die Ad limina-Besuche stellten vor diesem Hintergrund eine „große Gelegenheit der Begegnung, des Dialoges und der gegenseitigen Bereicherung“ dar. Deshalb suche er selbst bei diesen Gelegenheiten auch das „freie und ehrliche“ Gespräch mit den Bischöfen statt sich an ein striktes Besuchs- und Ablaufprotokoll zu halten, erklärte der Papst die von ihm geänderte Praxis bei Ad limina-Besuchen im Vatikan. Er pflegt dabei den vorbereiteten Redetext lediglich zu übergeben und den Dialog mit den Besuchern zu suchen.

Mit Blick auf die Wahl von Bischöfen und Eparchen der Ostkirchen bekräftigte der Papst, dass die Wahl einerseits der Autonomie der Ostkirchen als andererseits auch der kirchlichen Einheit gerecht werden müsse. „Die Wahl eines jeden Bischofs muss die Einheit und Gemeinschaft zwischen dem Nachfolger Petri und dem ganzen Bischofskollegium widerspiegeln.“ Die Ostkirchen stellten für Roms Kirche eine Bereicherung dar, unterstrich der Papst, der auch das starke Glaubenszeugnis vieler Märtyrerchristen würdigte, die trotz Situationen der Bedrängnis ihrem Glauben nicht abschwören.

Die Kurie und der ökumenische Dialog: Der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingeschlagene Weg der Ökumene sei „unumkehrbar“ und führe nicht zurück, bekräftigte Papst Franziskus. Und er erinnerte einmal mehr daran, dass alle Divergenzen – ob theologisch oder ekklesiologisch – nur durch das gemeinsame Vorangehen auf diesem Weg beseitigt werden könnten. Die Kurie arbeite in diesem Sinne dafür, Begegnung und Verständigung zu ermöglichen und Vorurteile und Ängste abzubauen.

Auch im interreligiösen Dialog gehe es wesentlich um Begegnung, führte der Papst weiter aus. Und er benannte drei Eckpfeiler, auf die es diesen Dialog aufzubauen gelte: „Die Pflicht der Identität, den Mut gegenüber der Andersartigkeit und die Ehrlichkeit der Intentionen“. Wahrer Dialog könne nicht auf Ambiguität oder um anderer Gefallen willen aufgebaut werden, erklärte der Papst zum ersten Punkt, es brauche ein Setzten der eigenen Identität. Zweitens brauche es den Mut, andere Religionen und Kulturen als Partner und nicht als Feinde zu sehen oder zu behandeln. Und schließlich: Ehrlichkeit. Wahrer Dialog sei ehrlich, er sei kein Ausstechen eines Konkurrenten oder eine Strategie, um andere Ziele zu verwirklichen, betonte der Papst. Es brauche dafür Wahrheit und Geduld.

Echter Glaube befindet sich in der Krise

Und der Papst schloss seine Rede mit einem Gedanken über die Natur echten Glaubens: „Ein Glaube, der uns nicht in Krise versetzt, ist ein Glaube in Krise. Ein Glaube, der uns nicht wachsen lässt, ist ein Glaube, der wachsen muss. Ein Glaube, der uns nicht befragt, ist ein Glaube, über den wir uns befragen müssen. Ein Glaube, der uns nicht belebt, ist ein Glaube, der belebt werden muss. Ein Glaube, der uns nicht erschüttert, ist ein Glaube, der angestoßen werden muss.“

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Quelle

Kommentar zum Konsistorium: Die Schuhe anlassen

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Aus dem Konsistorium

Feierliche Zeremonie im Petersdom, Franziskus kreiert 17 neue Kardinäle. Sie kommen aus aller Welt und werden das Gesicht des Kardinalskollegiums weiter verändern. Ein Kommentar von Anne Preckel.

Wie es der Ritus verlangt, schwören die Neuernannten dem Papst ihre Treue, im Notfall bis aufs Blut – deshalb die rote Farbe des Kardinalsbiretts, das der Pontifex seinen Kardinälen verleiht. Was auf den ersten Blick symbolträchtig und etwas überkommen erscheint, dem wird unter Papst Franziskus neues Leben eingehaucht: Vielen der Kirchenmännern, die der Papst an diesem trüben Novembertag in den Kardinalsstand hob, ist Blut ein Begriff, und zwar nicht nur als starkes Symbol.Er wolle seine normalen Schuhe anlassen, bekannte etwa der Apostolische Nuntius von Damaskus vor seiner Erhebung zum Kardinal. Mit Bescheidenheit hatte das nichts zu tun, eher mit Zeugnis: Daran klebe das Blut syrischer Kinder, das er vors Petrusgrab tragen wolle, führte Mario Zenari aus. Kein Moment, um plakativ zu sein, nein, ganz ernsthaft: Der Nuntius und seine Priester waren in Aleppo und Damaskus wenige Tage zuvor noch über Leichen gestiegen.

Bekanntschaft mit dem Blut hat auch der Erzbischof von Bangui in der Zentralafrikanischen Republik gemacht. Dieudonne Nzapalainga ist der jüngste Neuzugang im Kardinalskollegium und erste Kardinal seines Landes. Immer wieder brechen in dem Bürgerkriegsland Differenzen entlang ethnisch-religiöser Linien auf, Anschläge extremer Muslime, Vergeltungsschläge von Christen, eine perfide Spirale der Gewalt. Nzapalainga ging beherzt auf seine muslimischen Mitbürger zu und brachte eine interreligiöse Friedensinitiative auf den Weg. Und es war in Bangui, nicht in Rom, wo Papst Franziskus die erste der Heiligen Pforten aufstieß.

Einer, der schon vor Jahrzehnten bereit war, sein Blut für die Kirche zu geben, ist der albanische Märtyrerpriester Ernest Simoni. Er war von den Kommunisten aufgrund seines Glaubens zu 18 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden und entging mehrere Male nur knapp dem Tod. Franziskus lernte den drahtigen, wortkargen Mann vor zwei Jahren in Tirana besser kennen und entschied daraufhin, Simoni für sein „Überlebenszeugnis“ mit der Kardinalswürde zu krönen.

Zugegeben, nicht alle der neuen Kardinäle kommen aus solch extremen Kontexten, viele jedoch, wie es Franziskus gefällt, „vom anderen Ende der Welt“ und aus Krisenregionen, die in Europa wenig Beachtung finden: Würdenträger aus fünf Ländern und sieben Diözesen sind dabei, die niemals einen Kardinal stellten, engagierte Seelsorger wie etwa der erste Kardinal Papua-Neuguineas, Erzbischof John Ribat, der sich für Flüchtlinge, Aids- und Malaria-Kranke einsetzt, oder der neue Erzbischof der Diözese Newark in den USA, dem ethnische Vielfalt und Einwanderer keine Angst machen. Auch nicht die Rassenkonflikte in den USA, schon wieder Blut, die die Kirche dort aktuell umtreiben.

Die Liste lässt sich fortsetzen, doch das führte hier zu weit. Halten wir fest: Was Europa gern als „Ränder der westlichen Zivilisation“, Entwicklungsländer oder Risikozonen abstempelt, will dieser Papst ganz nah bei sich und im Herzen der Kirche wissen. Darum geht es, wenn man sich ansieht, wie Franziskus entscheidet, in Punkto Personal und Pastoral. Dass dieser Papst keine Mehrheiten für eine Papstwahl am Schreibtisch austüftelt, muss man wohl nicht noch unterstreichen. Das Kardinalskollegium wird mit ihm internationaler, bunter, weniger europäisch, ja, man könnte auch sagen: Wirklichkeit hält stärker Einzug im Vatikan.

Vor einer Woche waren es im Petersdom noch Obdachlose, die den Marmorboden traten, die Woche davor Häftlinge, an diesem Samstag umarmt der Papst eben Kardinäle – keine disparate Reihe für Franziskus. Er sieht in Barmherzigkeit den Auftrag eines jeden Christen sieht, mit oder ohne Birett.

(rv 19.11.2016 pr)

Papstpredigt zum Konsistorium: Auch Feind muss man lieben

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Papst Franziskus

Hier die Homilie des Heiligen Vaters beim Ordentlichen Öffentlichen Konsistorium für die Kreierung neuer Kardinäle in der römischen Basilika St. Peter von diesem Samstag, 19. November 2016:

 

Der Abschnitt aus dem Evangelium, den wir eben gehört haben (vgl. Lk 6,27-36), ist von vielen die „Feldpredigt“ genannt worden. Nach der Einsetzung der Zwölf stieg Jesus mit seinen Jüngern hinunter in die Ebene, wo eine Menschenmenge auf ihn wartete, um ihn zu hören und sich heilen zu lassen. Die Berufung der Apostel geht einher mit diesem „Sich-auf-den-Weg-Machen“ in die Ebene, zur Begegnung mit einer großen Anzahl von Menschen, die – wie der Evangelientext sagt – „geplagt“ waren (vgl. V. 18). Anstatt die Jünger oben auf dem Berg, auf dem Gipfel zu lassen, führt die Wahl sie ins Herz der Menge, stellt sie mitten in ihre Qualen hinein, auf die Ebene ihres Lebens. Auf diese Weise offenbart der Herr ihnen und uns, dass man den wahren Gipfel in der Ebene erreicht, und die Ebene erinnert uns daran, dass der Gipfel in einem Blick liegt und besonders in einem Aufruf: » Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist! « (V. 36).

Es ist eine Einladung, die von vier Imperativen, wir könnten sagen von vier Ermahnungen begleitet ist, die der Herr an sie richtet, um ihre Berufung in der Konkretheit, im Alltag des Lebens zu formen. Es sind vier Tätigkeiten, die dem Weg des Jüngers Form geben, Leibhaftigkeit verleihen und ihn greifbar machen sollten. Wir könnten sagen, dass es vier Abschnitte der Mystagogie der Barmherzigkeit sind: Liebt, tut Gutes, segnet und betet. Ich denke, dass wir über diese Aspekte alle einer Meinung sein können und dass sie uns auch als vernünftig erscheinen. Es sind vier Handlungen, die wir leicht verwirklichen mit unseren Freunden, mit den Menschen, die uns mehr oder weniger nahe stehen, nahe im Hinblick auf Zuneigung, Geschmack und Gewohnheiten.

Das Problem kommt auf, wenn Jesus uns die Zielgruppe dieser Handlungen vorstellt, und darin ist er ganz unmissverständlich, gebraucht er weder Umschweife, noch Beschönigungen. Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, segnet die, die euch verfluchen, betet für die, die euch misshandeln (vgl. V. 27-28).

Und das sind keine Handlungen, die gegenüber einem, der als Gegner, als Feind vor uns steht, selbstverständlich sind. Solchen gegenüber ist unsere erste, instinktive Haltung die, sie zu disqualifizieren, sie zu diskreditieren, sie zu verfluchen; in vielen Fällen versuchen wir, sie zu „verteufeln“, mit dem Ziel, eine „heilige“ Rechtfertigung zu haben, um sie uns vom Halse zu schaffen. Im Gegensatz dazu sagt uns Jesus in Bezug auf den Feind, auf den, der dich hasst, dich verflucht oder dich diffamiert: Liebe ihn, tu ihm Gutes, segne ihn und bete für ihn.

Wir stehen vor einer der ureigensten Charakteristiken der Botschaft Jesu, dort, wo sich seine Kraft und sein Geheimnis verbergen. Dort entspringt die Quelle unserer Freude, von dort kommen die Macht unserer Sendung und die Verkündigung der Frohen Botschaft. Der Feind ist einer, den ich lieben muss. Im Herzen Gottes gibt es keine Feinde, Gott hat nur Söhne und Töchter. Wir richten Mauern auf, bauen Barrieren und stufen die Menschen ein. Gott hat Söhne und Töchter, und zwar nicht, um sie sich vom Leibe zu halten. Die Liebe Gottes hat das Merkmal der Treue zu den Menschen, denn es ist eine leidenschaftliche Liebe, eine Mutter- und Vaterliebe zugleich, die sie nicht im Stich lässt, selbst wenn sie Fehler begangen haben. Unser Vater wartet nicht darauf, die Welt erst dann zu lieben, wenn wir gut sein werden, er wartet nicht darauf, uns erst dann zu lieben, wenn wir weniger ungerecht oder wenn wir vollkommen sein werden. Er liebt uns, weil er die Wahl getroffen hat, uns zu lieben; er liebt uns, weil er uns die Gotteskindschaft verliehen hat. Er hat uns sogar geliebt, als wir noch Feinde waren (vgl. Röm 5,10). Die bedingungslose Liebe des Vaters zu allen war und ist ein echtes Erfordernis der Umkehr für unser armseliges Herz, das dazu neigt, zu richten, zu trennen, Gegensätze zu schaffen und zu verurteilen. Das Wissen, dass Gott auch den, der ihn ablehnt, weiter liebt, ist eine unerschöpfliche Quelle der Zuversicht und ein Ansporn für die Mission. Keine schmutzige Hand kann verhindern, dass Gott in diese Hand das Leben legt, das er uns schenken möchte.

Unsere Epoche ist gekennzeichnet durch gewaltige Problemkomplexe und Fragen auf Weltebene. Wir erleben eine Zeit, in der in unseren Gesellschaften die Polarisierung und die Ausschließung als einzige Möglichkeit zur Lösung von Konflikten seuchenartig wieder aufleben. So sehen wir zum Beispiel, wie jemand neben uns rasch nicht nur als Unbekannter oder Immigrant oder Flüchtling eingestuft, sondern als Bedrohung wahrgenommen und als Feind eingestuft wird. Feind, weil er aus einem fernen Land kommt oder weil er andere Bräuche hat. Feind wegen seiner Hautfarbe, wegen seiner Sprache oder seiner gesellschaftlichen Stellung, Feind, weil er anders denkt und auch weil er einen anderen Glauben hat. Feind weil… Und ohne dass wir es merken, macht sich diese Logik in unserer Lebens-, Handlungs- und Vorgehensweise breit. Dann beginnen alle und alles den Beigeschmack der Feindschaft zu haben. Nach und nach verwandeln sich die Verschiedenheiten in Symptome von Feindseligkeit, Bedrohung und Gewalt. Wie viele Wunden vergrößern sich aufgrund dieser Seuche der Feindschaft und Gewalt, die im Fleisch vieler ihre Spuren hinterlässt, die keine Stimme haben, weil ihr Aufschrei schwächer geworden und schließlich verstummt ist aufgrund dieser Pathologie der Gleichgültigkeit! Wie viele Situationen der Unsicherheit und des Leidens werden durch diese Zunahme der Feindschaft unter den Völkern, unter uns, ausgesät! Ja, unter uns, in unseren Gemeinschaften, unseren Priesterkollegien, unseren Versammlungen. Das Virus der Polarisierung und der Feindschaft dringt in unsere Art zu denken, zu fühlen und zu handeln ein. Dagegen sind wir nicht immun, und wir müssen aufpassen, dass eine solche Haltung nicht unser Herz in Beschlag nimmt, denn das würde sich gegen den Reichtum der Universalität der Kirche wenden, den wir in diesem Kardinalskollegium mit Händen greifen können. Wir kommen aus fernen Ländern, haben unterschiedliche Bräuche, Hautfarben, Sprachen und gesellschaftliche Stellungen; wir haben unterschiedliche Denkweisen und feiern sogar den Glauben in verschiedenen Riten. Und nichts von alledem macht uns zu Feinden, im Gegenteil, es ist einer unserer größten Reichtümer.

Liebe Brüder, Jesus hört nicht auf, „vom Berg hinabzusteigen“, unaufhörlich möchte er uns in den Kreuzweg unserer Geschichte einfügen, um das Evangelium der Barmherzigkeit zu verkünden. Immer wieder ruft Jesus uns und sendet uns in die „Ebene“ unserer Völker, immer wieder lädt er uns ein, unser Leben damit zu verbringen, die Hoffnung unserer Leute zu unterstützen, als Zeichen der Versöhnung. Als Kirche sind wir immer wieder eingeladen, unsere Augen zu öffnen, um auf die Wunden so vieler Brüder und Schwestern zu schauen, die ihrer Würde beraubt sind, die in ihrer Würde beraubt sind.

Lieber Mitbruder und neuer Kardinal, der Weg zum Himmel beginnt in der Ebene, im Alltag des zerstückelten und miteinander geteilten Lebens, eines verausgabten und verschenkten Lebens. In der täglichen und stillschweigenden Gabe dessen, was wir sind. Unser Gipfel ist diese Qualität der Liebe; unser Ziel und unsere Bestrebung ist, zu versuchen, in der Ebene des Lebens gemeinsam mit dem Volk Gottes uns in Menschen zu verwandeln, die zu Vergebung und Versöhnung fähig sind.

Lieber Bruder, heute wird von dir verlangt, in deinem Herzen und in dem der Kirche diese Einladung zu bewahren, barmherzig wie der Vater zu sein und dabei dies im Bewusstsein zu haben: » Wenn uns etwas in heilige Sorge versetzen und unser Gewissen beunruhigen soll, dann ist es die Tatsache, dass so viele unserer Brüder und Schwestern ohne die Kraft, das Licht und den Trost der Freundschaft mit Jesus Christus leben, ohne eine Glaubensgemeinschaft, die sie aufnimmt, ohne einen Horizont von Sinn und Leben « (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium 49).

(rv 19.11.2016 mg)

Konsistorum: Die neuen Kardinäle im Porträt

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Kardinäle

Papst Franziskus hebt am kommenden Samstag 17 Kirchenmänner aus 15 Ländern in den Kardinalsstand. Es ist das dritte Konsistorium seiner Amtszeit. Von den neuen Kardinälen sind 13 unter 80 Jahre alt und damit papstwahlberechtigt, die anderen haben die Altersobergrenze bereits überschritten. Lesen Sie im Folgenden Kurzporträts der neuen Purpurträger in alphabetischer Reihenfolge, zusammengestellt von „Kathpress“.

Carlos Aguiar Retes, Mexiko

Carlos Aguiar Retes (66) ist seit 2009 Erzbischof von Tlalnepantla in Mexiko. Am 19. November erhält er das Kardinalsbirett. Dadurch wertet Franziskus eine wenig bekannte Diözese mit der Kardinalswürde auf. Seit 2007 ist Aguiar Mitglied des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog. 2014 und 2015 nahm der Mexikaner im Vatikan an den Bischofssynoden teil. Als Präsident des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM war er 2014 an der Verfassung des Abschlussdokuments der Bischofssynode beteiligt.

Aguiar wurde am 9. Jänner 1950 im mexikanischen Tepic geboren. Er studierte in den USA und machte an der Päpstlichen Universität Gregoriana seinen Doktor in Bibeltheologie. 1973 erhielt er die Priesterweihe. Aguiar wirkte als Pfarrvikar, war Präsident der Organisation der Mexikanischen Seminare OSMEX und Rektor des Priesterseminars von Tepic. An der Päpstlichen Universität in Mexiko war er Rektor einer Seminaristenresidenz und Professor für Heilige Schrift. 1997 wurde er von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zum Bischof der mexikanischen Diözese Texcoco ernannt und 2009 von Papst Benedikt XVI. (2005-2013) zum Erzbischof von Tlalnepantla.

Von 2006 bis 2012 war Aguiar Präsident der Mexikanischen Bischofskonferenz, von 2004 bis 2006 ihr Generalsekretär. CELAM-Präsident war er von 2011 bis 2015. In den Jahren 2003 bis 2007 hatte er dort bereits das Amt des Ersten Vizepräsidenten und von 2002 bis 2003 das des Generalsekretärs inne.

Renato Corti, Italien

Renato Corti (80), Altbischof von Novara (1991-2011) erhält am 19. November das Kardinalsbirett, als Zeichen der Ehre für seinen Dienst in der Kirche. Neben Mario Zenari, den Franziskus aber ausdrücklich aufgrund seines Amts als Papstbotschafter in Syrien wählte, ist er der zweite Purpurträger aus Italien unter den 17 vom Papst ernannten neuen Kardinälen. Aufgrund seines Alters wäre Corti bei einem Konklave aber nicht papstwahlberechtigt.

Der am 1. März 1936 im norditalienischen Galbiate geborene Corti hielt 2005 die letzten Fasten-Exerzitien für Papst Johannes Paul II. und die Kurie und verfasste 2015 die Kreuzweg-Meditation für Papst Franziskus. Der Italiener gilt als besonders begabter Prediger. Corti war u.a. zehn Jahre lang Stellvertretender Vorsitzender der Italienischen Bischofskonferenz (1995-2005).

1959 erhielt Corti die Priester- und 1981 die Bischofsweihe. Von 1991 an war er zehn Jahre lang Bischof der piemontesischen Diözese Novara, deren Leitung er aus Altersgründen 2011 abgab.

Blase Joseph Cupich, USA

Im Fall von Blase Joseph Cupich (67) hielt sich Franziskus ausnahmsweise an die Konvention: Der Erzbischof von Chicago ist traditioneller Anwärter auf die Kardinalswürde. Cupich gilt als Franziskus‘ Mann in der Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten. Der Papst berief ihn im September 2014 zum Erzbischof von Chicago. Im Oktober 2015 nahm er als vom Papst persönlich berufenes Mitglied an der Bischofssynode über Ehe und Familie im Vatikan teil. Im Juli 2016 ernannte Franziskus ihn zusätzlich zum Mitglied der einflussreichen vatikanischen Bischofskongregation, die für die Ernennung neuer Bischöfe zuständig ist.

Cupich ist unter den Bischöfen der USA ein Außenseiter. Illegal Eingewanderten will er einen legalen Aufenthaltsstatus geben, und nach dem Attentat auf einen Schwulen-Club in Orlando sorgte er für Aufsehen, als er zum Gebet für „unsere schwulen und lesbischen Brüder und Schwestern“ aufrief. Nach seiner Ernennung zum Erzbischof von Chicago zog er vom Bischofshaus in eine Wohnung um.

Nach einem Theologie-Studium in Washington und der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom wirkte Cupich unter anderem als Seelsorger und Rektor eines Priesterseminars. 1998 wurde er zum Bischof von Rapid City im Bundesstaat South Dakota ernannt, 2010 wechselte er an die Spitze der Diözese Spokane im Bundesstaat Washington.

Kevin Joseph Farrell, Irland

Der im August von Papst Franziskus zum Leiter der neuen vatikanischen Großbehörde für Laien, Familie und Leben ernannte Bischof Kevin Joseph Farrell (69) verbindet eine konservative Haltung mit Weltläufigkeit: Am 2. September 1947 in Dublin geboren, besuchte er die High School der Schulbrüder in Drimnagh und trat 1966 den Legionären Christi bei, verließ die Gemeinschaft jedoch 1984 wieder. Farrell studierte Philosophie und Theologie in Rom und wurde dort 1978 zum Priester geweiht. Anschließend war er Kaplan an der Universität Monterrey (Mexiko), wo er auch in Bioethik und Sozialethik unterrichtete.

In den 1980er Jahren unterstützte er die Erzdiözese Washington bei der Betreuung spanischsprechender Priester. 1984 wurde er in den Washingtoner Weltklerus übernommen und war Pfarrer in Olney, Bethesda und Washington D.C. 1985 wurde er Direktor des spanischen katholischen Zentrums in Washington, einer Einrichtung zur Betreuung neuer Einwanderer bei Rechtshilfe, Bildung, Beschäftigung und medizinischer Unterstützung. 1987 bis 1988 war Farrell Direktor der Caritas, von 1989 bis 2001 Finanzsekretär der Erzdiözese Washington und 1995 Generalvikar.

Papst Johannes Paul II. (1978-2005) ernannte Farrell zum Weihbischof in Washington. Im März 2007 machte Papst Benedikt XVI. (2005-2013) ihn zum Bischof von Dallas. Farrell spricht neben Englisch auch Italienisch und Spanisch. Sein Bruder Brian Farrell (72) ist Kurienbischof und seit 2002 Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.

Anthony Soter Fernandez, Malaysia

Anthony Soter Fernandez (84), früherer Erzbischof von Kuala Lumpur, wird der erste Kardinal für Malaysia. Am 19. November erhält er das Kardinalsbirett, als Zeichen der Ehre für seinen Dienst in der Kirche. Aufgrund seines Alters wäre er bei einer Papstwahl nicht wahlberechtigt.

Rund 60 Prozent der 31 Millionen Malaysier sind Muslime. 40 Prozent gehören den Minderheitsreligionen an. Der Islam ist in dem südostasiatischen Land Staatsreligion. Fernandez gilt laut Medienberichten als engagierter Kämpfer für den interreligiösen Dialog im Land.

Fernandez, der indische Wurzeln hat, wurde am 22. April 1932 in der malaysischen Stadt Sungai Petani geboren. 1966 erhielt er die Priesterweihe; elf Jahre später wurde er zum Bischof von Penang ernannt und 1993 zum Erzbischof von Kuala Lumpur. Die Erzdiözese leitete er bis zu seinem Rücktritt aus Altersgründen im Jahr 2003. Seitdem kümmert er sich als Spiritual des Priesterseminars von Penang um die Priesterausbildung.

Von 1987-1990 und von 2000 bis 2003 war Fernandez Präsident der katholischen Bischofskonferenz für Malaysia, Singapur und Brunei.

Jozef De Kesel, Belgien

Jozef De Kesel (69), seit Dezember Erzbischof von Mecheln-Brüssel und gleichzeitig Primas von Belgien, ist künftig der einzige konklave-berechtigte Kardinal aus Belgien. Sein Landsmann Godfried Danneels darf mit seinen 83 Jahren nicht mehr an einer Papstwahl teilnehmen. De Kesel war im Februar zum Vorsitzenden der Belgischen Bischofskonferenz gewählt worden. Er steht für einen vermittelnden kirchenpolitischen Kurs. Der polyglotte Flame tritt intellektuell, besonnen und gemäßigt auf. Mit ihm verbinden sich Hoffnungen auf eine Trendwende in der belgischen Kirche, die in den vergangenen Jahren – auch aufgrund von Skandalen um sexuellen Missbrauch – eine tiefe Glaubwürdigkeitskrise durchlebte.

De Kesel wurde am 17. Juni 1947 als fünftes von neun Kindern in Gent geboren. Nach seinem Studium dort sowie in Leuven und Rom und der Priesterweihe 1972 lehrte er Fundamentaltheologie und philosophische Anthropologie in Gent und Leuven. 2002 wurde er unter Papst Johannes Paul II. (1978-2005) Weihbischof in der Hauptstadt-Erzdiözese Mecheln-Brüssel. Sein Bischofsmotto stammt vom heiligen Augustinus: „Mit euch bin ich Christ“; es soll nach eigenen Worten die Nähe mit den Gläubigen symbolisieren.

2010 ernannte Benedikt XVI. (2005-2013) De Kesel zum Bischof von Brügge. Sein Vorgänger Roger Vangheluwe hatte auf öffentlichen Druck zurücktreten müssen, weil er seinen Neffen über Jahre sexuell missbraucht hatte. De Kesel betonte in einem Interview, es werde mindestens eine Generation dauern, bis die „Wunden“ des Pädophilie-Skandals in der belgischen Kirche verheilt seien. Zudem sprach er sich für gegenseitigen Respekt und eine tolerante belgische Gesellschaft mit Christen, Muslimen und Nichtglaubenden aus.

Sebastian Koto Khoarai, Lesotho

Mit dem Oblaten-Missionar Sebastian Koto Khoarai (87) erhält das Königreich Lesotho am 19. November erstmals einen Kardinal. Franziskus ernannte ihn in Anerkennung seines Lebenswerks; Khoarai war erster Bischof der 1977 errichteten Diözese Mohale’s Hoek (1977-2014) und von 1982 bis 1987 Vorsitzender der Bischofskonferenz von Lesotho. Aufgrund seines Alters wäre Khoarai bei einem Konklave nicht papstwahlberechtigt.

Khoarai wurde am 11. September 1929 in Koaling geboren. Nach seinem Eintritt in die Kongregation der Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria empfing er 1956 die Priesterweihe. 1977 wurde er von Papst Paul VI. (1963-1978) zum ersten Bischof der neu gegründeten Diözese Mohale’s Hoek ernannt, 1978 erhielt er die Bischofsweihe. Die Diözese leitete er nach seinem Rücktrittsgesuch aus Altersgründen 2006 als apostolischer Administrator noch bis Februar 2014.

Lesotho, eine Enklave in der Republik Südafrika, zählt rund zwei Millionen Einwohner. Knapp 60 Prozent davon leben laut Weltbank-Angaben in Armut. Viele von ihnen suchen als Farmarbeiter, Reinigungskräfte oder Bergleute besser bezahlte Jobs in Südafrika.

Dieudonne Nzapalainga, Zentralafrika

Mit Dieudonne Nzapalainga (49) erhält am 19. November erstmals ein Zentralafrikaner die Kardinalswürde. Der am 14. März 1967 in Mbomou geborene Nzapalainga ist der jüngste im Kardinalskollegium. Seit 1993 gehört er dem Spiritanerorden an; 2012 wurde er Erzbischof von Bangui. Seit 2013 ist er Präsident der Bischofskonferenz der Zentralafrikanischen Republik.

Mit dem Präsidenten des Präsidenten des zentralafrikanischen Islamrats Imam Oumar Kobine Layama und dem Leiter der Evangelischen Allianz Nicolas Guerekoyamene-Gbango gründete Nzapalainga die „Interreligiöse Friedensplattform“ gegen den Bürgerkrieg in der Zentralafrikanischen Republik.

Nzapalainga wurde 1998 zum Priester geweiht. Bis 2005 war er Kaplan und Vikar in Frankreich. In Bangui war er vier Jahre Regional-Superior der Spiritaner und Pfarrer. 2009 wurde er apostolischer Administrator von Bangui; 2012 erhielt er die Bischofsweihe.

Bei seiner Afrikareise im November 2015 hatte Papst Franziskus vorab in Bangui die Heilige Pforte der Kathedrale geöffnet und Friedensgrüße mit dem Imam der größten Moschee und einem Repräsentanten der evangelikalen Kirche ausgetauscht.

Carlos Osoro Sierra, Spanien

Ein Überraschungskandidat war Carlos Osoro Sierra (71) bei seiner Ernennung zum Erzbischof von Madrid 2014. Er wird als offener, kommunikativer Seelsorger beschrieben. In den teils laut und hart geführten Debatten der Kirchenführung mit den spanischen Regierungen etwa um Abtreibung, Euthanasie und Familienrecht gehörte er bislang zu den eher weniger vernehmbaren Stimmen. Allerdings genießt er offenbar großen Rückhalt unter den spanischen Bischöfen; sie wählten ihn zu ihrem Vize-Vorsitzenden.

Osoros Ernennung zum Kardinal galt als wahrscheinlich; die spanische Hauptstadt ist traditionell mit dem Kardinalsrang verbunden. Allerdings nahm Papst Franziskus auf solche Regeln zuletzt wenig Rücksicht. Vergangenen November berief der Papst Osoro in den Rat der Bischofssynode berufen, der die Aufgabe hat, bis zur kommenden ordentlichen Versammlung die Synodenleitung zu beraten und die Sitzungen vorzubereiten.

Carlos Osoro Sierra wurde am 16. Mai 1945 in Castaneda in der spanischen Provinz Santander geboren. Nachdem er zunächst ein Studium der Pädagogik und Mathematik in Madrid abgeschlossen hatte, trat er in das Spätberufenenseminar Colegio Mayor El Salvador in Salamanca ein und studierte Theologie und Philosophie an der Päpstlichen Universität Salamanca. 1973 empfing er die Priesterweihe.

1996 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zum Bischof von Orense. Von 2002 bis 2009 leitete Osoro das Erzbischof von Oviedo und wurde anschließend von Papst Benedikt XVI. (2005-2013) zum Erzbischof von Valencia ernannt. Im August 2014 berief Papst Franziskus ihn zum Erzbischof der spanischen Hauptstadt Madrid, wo er Kardinal Antonio Maria Rouco Varela ablöste.

Maurice Piat, Mauritius

Franziskus hat ein großes Herz für kleine Inselstaaten: Nach Bischöfen aus Tonga, Haiti und St. Lucia ist Maurice Piat aus Mauritius bereits der vierte Vertreter dieser Ländergruppe, den er zum Kardinal erhebt. Mit dem Leiter der Hauptstadtdiözese Port-Louis sind nun alle Weltmeere im Kollegium repräsentiert: Pazifik, Karibik und Indischer Ozean. Der Papst, der erstmals in einer Enzyklika zum Kampf gegen den Klimawandel aufrief, will den ersten Opfern dieser Entwicklung offenbar die Solidarität der Weltkirche bekunden.

Piat hat die Welt gesehen: In Irland trat er 1962 in den Spiritanerorden ein und studierte Betriebswirtschaftslehre, in Rom absolvierte er ein Theologie-Studium an der Päpstliche Universität Gregoriana, im indischen Bangalore sammelte er praktische Erfahrungen in der Seelsorge, in Paris belegte er einen Kurs für Priesterausbilder. Anschließend wirkte er als Seelsorger und Beauftragter für kirchliche Basisgemeinschaften in seiner Heimat. Seit 1991 leitet er die Diözese Port-Louis, zunächst als Koadjutor an der Seite seines Vorgängers Kardinal Jean Margeot, seit 1993 als dessen Nachfolger. Piat gehört dem Ständigen Rat der Versammlung der Bischofskonferenzen Afrikas und Madagaskars an.

Baltazar Enrique Porras Cardozo, Venezuela

Baltazar Enrique Porras Cardozo (72) ist seit 1991 Erzbischof von Merida in Venezuela. Mit ihm bekommt das Land, das sich aktuell in einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise befindet, am 19. November einen neuen Kardinal. Porras sieht in seiner Ernennung ein Zeichen der Sorge des Papstes für das südamerikanische Land. Seit 1997 ist Porras auch Mitglied des Amerika-Spezialrates der Bischofssynode.

Porras wurde am 10. Oktober 1944 in der venezolanischen Hauptstadt Caracas geboren; zum Priester geweiht wurde er 1967. Der Doktor der Pastoraltheologie war sowohl als Pfarrer als auch als Professor im Einsatz. Von 1979 bis 1983 war er Rektor des Priesterseminars in Caracas. An der Spitze der Venezolanischen Bischofskonferenz stand er von 1999 bis 2006. Im Folgejahr übernahm er das Amt des Ersten Vizepräsidenten des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM, das er bis 2011 ausübte.

John Ribat, Papua-Neuguinea

Wenn Franziskus nach seiner Papstwahl scherzte, die Kardinäle hätten ihn vom anderen Ende der Welt geholt, kann John Ribat (59) das Gleiche sagen: Als erster Kardinal Papua-Neuguineas zieht er in den Kardinalsrat. Geboren am 9. Februar 1957 in Volavolo an der Küste der Bismarck-See, schloss er sich nach der Schule den Herz-Jesu-Missionaren an und arbeitete als Pfarrseelsorger, dann auch Novizenmeister seines Ordens. Mit 43 erhielt er die Ernennung zum Weihbischof von Bereina, einer Diözese so groß wie Niederösterreich, aber mit gerade mal 86.000 Katholiken. 2007 machte Benedikt XVI. (2005-2013) ihn zum Erzbischof-Koadjutor in der Hauptstadt Port Moresby; ein Jahr später übernahm er die Erzdiözese offiziell.

Von einem Südsee-Paradies ist der pazifische Inselstaat weit entfernt: Trotz Wirtschaftswachstum zählt Papua-Neuguinea noch immer zu den ärmeren Entwicklungsländern. Malaria und Aids sind verbreitet. Australien lässt dort seit Jahren Migranten und Flüchtlinge internieren. Soziale Spannungen machten sich im Juni in Port Moresby in Studentenprotesten Luft, die in Gewalt eskalierten. Erzbischof Ribat ist im Sinn von Franziskus ein Kirchenmann am Rand der Gesellschaft.

Sergio da Rocha, Brasilien

Sergio da Rocha (57) ist ein weltkirchliches Schwergewicht: Als Vorsitzender der Brasilianischen Bischofskonferenz steht er für das nach Gläubigenzahlen größte katholische Land der Welt. Die Konkurrenz von Pfingstgemeinden setzt der katholischen Kirche allerdings stark zu; der Katholikenanteil sank von früher 90 auf jetzt 65 Prozent. Deshalb gehört zu den wichtigsten Aufgaben da Rochas, der den Vorsitz der brasilianischen Bischöfe 2015 von Kardinal Raymundo Damasceno Assis übernahm, die Abwanderung von Katholiken zu stoppen.

Am 21. Oktober 1959 in Dobrada im Bundesstaat Sao Paulo geboren, studierte da Rocha in Brasilien und in Rom Theologie mit einer Spezialisierung in Moraltheologie. 2011 machte Benedikt XVI. (2005-2013) ihn zum Erzbischof der Hauptstadt Brasilia, nachdem er zuvor der Erzdiözese Teresina im armen Nordosten des Landes vorstand. Im Lateinamerikanischen Bischofsrat CELAM leitete da Rocha zeitweise die Kommission für Berufungspastoral.

Patrick D’Rozario, Bangladesch

Der Heilig-Kreuz-Priester ist seit 2011 Erzbischof von Dhaka und Vorsitzender der Bischofskonferenz von Bangladesch. Mit ihm erhält am 19. November erstmals ein Geistlicher des asiatischen Landes den Kardinalshut. Sein Name auf der Liste der neuen Kardinäle war für viele eine ebenso große Überraschung, wie die kurz vorherige Ankündigung von Papst Franziskus, 2017 Bangladesch zu besuchen. D’Rozario versteht seine Ernennung nach eigenen Angaben als Anerkennung seines Wirkens im interreligiösen Dialog und als Ermutigung für seine Kirche.

Unter den 160 Millionen Einwohnern des seit 1971 von Pakistan unabhängigen Landes in Südasien, zu 89 Prozent Muslime, stellen die rund 350.000 Katholiken in acht Diözesen die größte christliche Minorität. Seit 2013 kommt es in Bangladesch vermehrt zu islamistischen Anschlägen.

D’Rozario wurde am 1. Oktober 1943 in Padrishibpur, im Süden Bangladeschs geboren, das damals noch zu Britisch-Indien gehörte. 1972 erhielt er die Priesterweihe; 1990 wurde er von Papst Johannes Paul II. zum ersten Bischof der neu errichteten Diözese Rajshahi ernannt. Fünf Jahre später wurde er Bischof in der zweitwichtigsten Diözese des Landes, in Chittagong. 2010 ernannte Papst Benedikt XVI. (2005-2013) den Ordensmann zum Koadjutor der Erzdiözese Dhaka, das er seit 2011 leitet.

Ernest Simoni, Albanien

Jeder Kardinal verspricht dem Papst, für seine Kirche im äußersten Fall sein Blut zu geben. Ernest Simoni aus Albanien wäre bereits in jungen Jahren beinahe zum Märtyrer geworden. Der Priester wurde 1963 nach der Christmette am Heiligabend vom kommunistischen Regime verhaftet. Albanien rühmte sich damals damit, der „erste atheistische Staat der Welt“ zu sein. Simoni wurde zum Tode verurteilt, später wurde die Strafe in 25 Jahre Zwangsarbeit umgewandelt. Nach 18 Jahren im Gefängnis wurde der Priester schließlich freigelassen. Bis zum Untergang des kommunistischen Regimes konnte er nur im Untergrund als Priester wirken. Seither wirkte er vielfach als Schlichter für Familienfehden, die in Albanien häufig blutig enden. Franziskus wurde während seines Albanien-Besuchs im September 2014 auf Simoni aufmerksam. Simoni ist der einzige einfach Priester unter den 17 neuen Kardinälen.

Joseph Tobin, USA

Vergangenes Jahr machte Joseph William Tobin (64) Schlagzeilen, als er bekanntgab, in seiner Erzdiözese Indianapolis weiterhin syrische Flüchtlinge aufzunehmen, auch gegen den Kurs des Gouverneurs. Dieser heißt Mike Pence und ist designierter US-Vizepräsident. Tobin, geboren am 3. Mai 1952 als eines von 13 Geschwistern, stammt aus der Autostadt Detroit, hat Erfahrung in der Diözesan- und Ordensleitung, kennt den Vatikan von innen und die pastorale Wirklichkeit. Mit 39 wählten die Redemptoristen ihn in die Leitungsebene, sechs Jahre später zu ihrem Generaloberen. 2003 wurde er zudem Vize-Vorsitzender der internationalen Union der Generaloberen.

Etliche Jahre wirkte er als Mittelsmann zwischen den Orden und dem Vatikan, und 2010 holte Benedikt XVI. (2005-2013) ihn auf den zweithöchsten Posten der Ordenskongregation in Rom. 2012 erfolgte die Ernennung als Erzbischof von Indianapolis. Erst zwei Wochen vor der Kardinalsernennung wies Franziskus ihm die Leitung der Erzdiözese Newark zu. Die 1,5 Millionen Katholiken sind zu 40 Prozent Weiße, gut ein Viertel Hispanics und knapp ein Fünftel Schwarze. Tobin, heißt es, sei „hoch erfreut“, dass die Gottesdienste in einem Dutzend Sprachen gefeiert werden. Er selbst spricht neben Englisch und Spanisch auch Portugiesisch, Italienisch und Französisch.

Mario Zenari, Italien

Bei der Ankündigung der neuen Kardinäle im Oktober verwies Papst Franziskus darauf, Mario Zenari (70), Botschafter des Heiligen Stuhls, bleibe auf seinem Posten „im geliebten und gemarterten Syrien“. Für Zenari selbst ist dies ein „deutliches Zeichen der Solidarität mit der notleidenden syrischen Bevölkerung“.

Zenari wurde am 5. Jänner 1946 im norditalienischen Villafranca geboren. Seit 1970 Priester, trat Zenari 1980 in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls ein, arbeitete bei Päpstlichen Vertretungen in Deutschland, Rumänien, Kolumbien, im Senegal und in Liberia. Mehrere Jahre verbrachte Zenari in Wien als Ständiger Vertreter des Heiligen Stuhls bei den UN-Behörden, der Atombehörde und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.

1999 ernannte Papst Johannes Paul II. (1978-2003) Zenari zum Nuntius für die Elfenbeinküste und Niger sowie für Burkina Faso. 2004 wechselte er nach Sri Lanka. Vier Jahre später ernannte Papst Benedikt XVI. (2003-2013) ihn zum Botschafter in Syrien.

(kap 17.11.2016 pr)