Zum bevorstehenden Papstbesuch von Sri Lanka (ehemals Ceylon)

Sri Lanka vor dem Papstbesuch: Die Gefahr der politischen Spaltung

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Das offizielle Logo der Papstreise nach Sri Lanka.

Sri Lanka ist die erste Auslandsstation Papst Franziskus in diesem Jahr, am 12. Januar bricht er zu seiner ersten internationalen Reise 2015 auf. Es wird eine der Reisen in Konfliktgebiete, wie etwa auch die nach Palästina, Jordanien und Israel im vergangenen Jahr. Es gebe immer noch viel Hass und Misstrauen zwischen den Menschen, vor allem zwischen zwei verschiedenen Kulturen, die auf der Insel leben, den überwiegend buddhistischen Singhalesen im Zentrum und Süden der Insel und den mehrheitlich hinduistischen Tamil im Norden und Osten, berichtet gegenüber Radio Vatikan der Bischof von Batticuloa, Joseph Ponniah. Die Minderheit der Christen gehöre mehrheitlich den Tamil an.

„Eigentlich leben vor allem die christlichen Gemeinden in Frieden, auch untereinander. Aber wenn Wahlen und politische Kampagnen stattfinden, dann geht es darum, Menschen voneinander zu trennen. Und genau das ist jetzt die Gefahr.“ Bischof Ponniah drückt die Sorge der Kirche aus, denn Sri Lanka steht vor Wahlen. Staatspräsident Percy Mahinda Rajapaksa hat zu Neuwahlen aufgerufen, genau fünf Tage vor der Ankunft des Papstes und zwei Jahre, bevor sein Mandat eigentlich ausläuft. Gleich zu Beginn seiner Regierungszeit hatte Rajapaksa die Gespräche mit den Rebellen der Tamil ausgesetzt. Als Folge der vorgezogenen Wahlen war dann das Regierungsbündnis vor einer Woche zerbrochen, die gemäßigten Parteien der Koalitionsregierung kritisieren die Nähe des Präsidenten zu buddhistischen Nationalisten. Alles Grund dafür, wachsende politische Spannungen und Populismus zu fürchten, so Bischof Ponniah, er erwarte deswegen einen wichtigen Impuls vom Papstbesuch.

„Wir alle warten darauf, dass der Papst uns eine gute Botschaft bringt, die Botschaft der Versöhnung, nach der Sri Lanka sich seit dreißig Jahren sehnt. In dreißig Jahren Krieg hat es viel Leid gegeben, die Menschen wollen Versöhnung. Wir können nicht so weiter machen wie bisher, mit dem Hass, der Gewalt und so weiter.“

Und die Anzeichen für eine solche Botschaft des Papstes stehen gut, so Bischof Ponniah: „Sein Besuch in Madhu, einem Marienheiligtum in einem Gebiet, in dem der Krieg stattgefunden hat, ist sehr wichtig. Er wollte dieses Heiligtum besuchen. Das wird eine Friedensbotschaft für ganz Sri Lanka sein.“

Der Besuch in Madhu ganz im Norden der Insel wird am 14. Januar stattfinden, es ist der erste Papstbesuch in einem mehrheitlich tamilischen Gebiet der Insel. Papst Franziskus wird insgesamt drei Tage auf der Insel im Indischen Ozean bleiben, zuletzt war Papst Johannes Paul II. 1995 dort zu Gast gewesen.

(rv 02.01.2015 ord)

Zur Papstreise nach Albanien, Tirana, am 21.9.2014

Ein intensiver Tag in Tirana

Auch wenn sie nur einen Tag dauert – die Reise von Papst Franziskus nach Albanien am kommenden Sonntag wird seine erste offizielle Europareise sein, genauer: die erste ins nicht-italienische Europa. Geplant sind zwei Hauptakzente: die Ehrung der Märtyrer während des kommunistischen Regimes und, zweitens, der interreligiöse Dialog. Vatikansprecher Federico Lombardi erläuterte das Reiseprogramm am Montag vor Journalisten in Rom.

„Der atheistische Kommunismus hat die Katholiken einer furchtbaren Verfolgung ausgesetzt; Albanien sah sich selbst als erster atheistischer Staat der Welt, der Atheismus wurde sogar in der Verfassung festgeschrieben. Das ist ein erstes Motiv für die Reise. Das zweite hat der Papst selbst bei seiner Rückkehr von der Reise nach Korea (Mitte August) genannt: Es liegt ihm sehr am Herzen, zu einem Klima guten interreligiösen Zusammenlebens zu ermuntern. Die Koexistenz der verschiedenen Konfessionen und Religionen in Albanien soll eine Botschaft auch für andere Länder, für andere Teile der Welt sein.“

„Keine Drohungen oder spezifische Risiken“

Insgesamt sechs Ansprachen wird der Papst in der albanischen Hauptstadt Tirana halten – alle auf italienisch, wie Jesuitenpater Lombardi präzisierte. Höhepunkte des albanischen Sonntags werden die Messe im Stadtzentrum, ein interreligiöses Treffen an der Katholischen Universität und die Vesper in der Kathedrale; beim letztgenannten Termin werden auch einige Überlebende der kommunistischen Verfolgung das Wort ergreifen. Die Journalisten wollten vom Papstsprecher natürlich wissen, ob man im Vatikan fürchte, dass Islamisten ein Attentat auf Franziskus planen könnten.

„Wenn ihr mich fragt, ob es spezifische Drohungen oder Sorgen in dieser Hinsicht gibt, so dass besondere Vorkehrungen getroffen werden, dann sage ich: Nein! Es gibt keine Drohungen oder spezifische Risiken, die dazu führen würden, dass die Reise irgendwie anders organisiert würde. Nein. Wir fahren ganz ruhig, wir nutzen den Jeep vom Petersplatz für das Bad des Papstes in der Menge, und wir wissen ja, dass der Papst ohne Barrieren mit den Menschen zusammentreffen will.“

Zwei große Gestalten des katholischen Glaubens im letzten Jahrhundert werden am Sonntag sozusagen Pate stehen: Mutter Teresa nämlich, die ursprünglich aus Albanien stammte, und Johannes Paul II. Der polnische Papst hatte im April 1993, wenige Jahre nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft, als erster Nachfolger Petri Albanien besucht. Dabei mußte er die von den Kommunisten zerstörte katholische Hierarchie im Land wiederherstellen, er weihte auf seiner Reise vier albanische Bischöfe.

„Es ist der Mühe wert, sich an diese sehr emotionale Reise von damals zu erinnern: Alle, die damals mit dabei waren, werden sie nicht vergessen haben. Sehr starke Ansprachen – ich empfehle, sie noch einmal zu lesen, das ist nicht schwierig, denn so viele Reden waren das nicht. Am Nachmittag dachte Johannes Paul im Zentrum von Tirana über diese Erfahrung des Atheismus nach, der versucht hatte, Gott zu verneinen und den Menschen zu zerstören, und dass sich jetzt auf einmal eine neue Perspektive öffnete. Also, die Reise von Johannes Paul haben wir natürlich im Hinterkopf, während wir diese neue Reise von Papst Franziskus nach Albanien erleben.“

In der katholischen Universität von Tirana wird sich Franziskus mit Repräsentanten von sechs Glaubensgemeinschaften treffen. Neben der katholischen und der orthodoxen Kirche sind der sunnitische Islam und der dem Sufitum nahestehende Bektashi-Orden vertreten, der in Albanien viele Anhänger hat. Ausserdem werden an der Begegnung ein Protestant und ein Jude teilnehmen. Im Gefolge des Papstes reist auch der Präsident des päpstlichen Dialogrates, Kardinal Jean-Louis Tauran. Rund 60 Prozent der Albaner sind Muslime, jeder sechste gehört der katholischen Kirche an.

(rv/kap 16.09.2014 sk)


 

Johannes-Paul II. zu seinem Albanienbesuch von 1993:

Die Wiedergeburt Albaniens geschieht im Zeichen der Ökumene

Ansprache bei der Generalaudienz am 28. April 1993

1. „Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen?“ (Mk 16,3).

Diese Worte der Frauen, die „am ersten Tag der Woche“ zum Grab Christi gingen, kommen uns in den Sinn, wenn wir die jüngste Vergangenheit des Landes betrachten, das ich am vergangenen Sonntag besuchen konnte. Jahrelang war Albanien der Inbegriff der schweren Unterdrückung, die von einem totalitären, atheistischen System ausgeübt wurde, in dem die Ablehnung Gottes die äußerste Grenze erreicht hatte. Das Recht auf Gewissens- und Religionsfreiheit war dort in brutalster Weise mit Füßen getreten worden: Die Todesstrafe drohte denjenigen, die lediglich die Taufe spendeten oder irgendwelche religiösen Handlungen vornahmen. Die Verfolgung wütete sowohl gegen Christen als auch gegen Muslime.

So war dieses Land dem Grab ähnlich geworden, in welches die Juden Christus eingeschlossen hatten, indem sie einen Stein vor den Eingang des Grabes wälzten.

2. Aber als nun die Frauen zum Grab kamen, „sahen sie, daß der Stein weggewälzt war“ (vgl. Lk 24,2). Auch für Albanien ist infolge der 1989 begonnenen Ereignisse der Stein vom Grab weggewälzt worden, und die Zeit der Wandlungen hat begonnen. Die Menschenrechte, einschließlich die auf Gewissens- und Religionsfreiheit, bilden jetzt das Fundament des Lebens der Gesellschaft. Unter diesen Umständen wurde die Anwesenheit des Papstes möglich, ja in gewisser Weise notwendig, besonders für die katholische Gemeinschaft. Dies geschah am vergangenen 25. April.

Ich bin den Gläubigen dieser leidenden Kirche, die mich bei sich haben wollten, sehr dankbar. Weiter danke ich dem Präsidenten der Republik, Sali Berisha, der mich eingeladen und mit großer Herzlichkeit und Freundlichkeit empfangen hat. Ich danke auch den staatlichen und militärischen Obrigkeiten und allen, die zu einem guten Gelingen des Besuchs beigetragen haben. Außerdem danke ich Erzbischof Anastas von der orthodoxen Kirche und dem Großmufti Sabri Koci von der islamischen Gemeinschaft, die mich mit ihrer Anwesenheit beehrten. Die geistige Wiedergeburt Albaniens geschieht im Zeichen des ökumenischen Dialogs und der interreligiösen Zusammenarbeit. Ist das nicht ein großes Zeichen der Hoffnung?

Das Christentum in Albanien reicht in die Zeit der Apostel zurück: Vielleicht hat der heilige Paulus selbst dieses Gebiet berührt, denn der Hafen von Durazzo war damals eine übliche, Anlegestelle auf dem Weg nach Rom. Es ist unmöglich, die verwickelten Wechselfälle der Geschichte des Landes bis heute kurz zusammenzufassen. Es genügt, an die ruhmvollen Taten des Nationalhelden Gjergj Kastriota Skenderbeu zu erinnern, der in seinem Wirken von den römischen Päpsten unterstützt wurde. Ihm gilt das Verdienst für die Verteidung im 15. Jahrhundert gegen die türkischen Angreifer. Ein besonderes Augenmerk für Albanien hatte dann im 18. Jahrhundert auch Papst Klemens XI., der aus diesem Land stammte.

Die endlich im Jahr 1912 errungene politische Unabhängigkeit bedeutete leider nicht das Ende der Schwierigkeiten. Seitdem hat Albanien weitere traurige Zeiten erlebt, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Höhepunkt erreichten, als eine grausame Diktatur die fundamentalsten Bürgerrechte blutig unterdrücken wollte und versuchte, den Namen Gottes selbst aus den Herzen der Glaubenden herauszureißen.

Ein vergeblicher Versuch, wie die Geschehnisse gezeigt haben: Denn auf die lange Nacht folgte endlich die Morgendämmerung eines neuen Tages. Die Kirche in Albanien erlebt jetzt ihren neuen Frühling.

3. Mein Besuch vom vergangenen Sonntag wollte dieses Ereignis bekräftigen durch die Weihe der neuen Bischöfe in der Kathedrale von Scutari, einer der erhabensten Kirchen des Balkans. In der Zeit der Diktatur war sie in eine Sporthalle verwandelt worden. Jetzt hat sie ihre ursprüngliche Schönheit wiedererlangt und ist zu einem Zeichen der Auferstehung Albaniens geworden.

Eine eine große Schar von Gläubigen folgte andächtig dem feierlichen Gottesdienst. Man spürte beinahe wie bei einem neuen Pfingsten den Atem des Geistes, der die neuen Würdenträger ins Kollegium der Nachfolger der Apostel eingegliedert hat. Einer der Neugeweihten, der Weihbischof von Scutari, Zef Simoni, war 1967 zu fünfzehn Jahren Gefängnis verurteilt worden. Im darauffolgenden Jahr ebenfalls am 25. April, vor genau, 25 Jahren, wurde das später in Zwangsarbeit umgewandelte Todesurteil über den gesprochen, der jetzt Erzbischof von Scutari ist: Frano Illia. Durch dieses Zusammentreffen der Daten wird die Erinnerung an die Ereignisse, die mit dem Leidensweg der albanischen Kirche verbunden sind, noch ergreifender. Die anderen neugeweihten, auch verdienstvollen Bischöfe sind der Erzbischof von Durazzu-Tirana, Rrok K. Mirdita, und der Bischof von Pulati, Robert Ashta.

Genazzano Madre del Buon Consiglio

4. Muß man in all dem nicht ein Zeichen für den Schutz der in Albanien so verehrten Mutter vom Guten Rat sehen? Ich fuhr am 22. April nach Genazzano bei Rom – wo auch Maria, die Mutter vom Guten Rat, verehrt wird -‚ um ihr meine apostolische Reise nach Albanien anzuempfehlen. Ein geistiges Band verbindet Genazzano mit Scutari, wo die gleichnamige Marienkirche im Laufe der Geschichte zweimal bis auf den Grund zerstört worden ist. Die letzte Zerstörung geht auf das Jahr 1967 zurück, während der Zeit der grausamen Diktatur, die jede religiöse Spur im Land auslöschen wollte. Auf den Trümmern dieses tragischen Versuchs wurde am vergangenen Sonntag nach dem Plan und der Fügung Gottes die bedeutungsvollen Zeichen der Weihe des neuen Erzbischofs und der Segnung des ersten Bausteins für die neue Wallfahrtskirche gesetzt, die das Gnadenbild der Mutter vom Guten Rat aufnehmen wird.

5. Den Besuch beendete abends in Tirana eine unvergeßliche Begegnung mit der Bevölkerung auf dem Platz, der nach dem Nationalhelden Gjergj Kastriota Skenderbeu benannt ist. Anwesend waren der Präsident der Republik, die staatlichen Obrigkeiten, die Vertreter der verschiedenen religiösen Bekenntnisse und viele Menschen. Nicht zu vergessen ist der wertvolle Beitrag, den der Apostolische Nuntius, Erzbischof Ivan Dias, zur Vorbereitung meines Besuchs geliefert hat. Ich danke ihm von Herzen und spreche auch den Priestern, den Ordensmännern und Ordensfrauen – unter ihnen besonders Mutter Teresa – meinen wärmsten Dank aus. Weiter danke ich den kirchlichen Organismen und Bewegungen, die aus anderen Nationen gekommen sind, um den Weg der albanischen Kirche zu unterstützen. Meine an die gesamte Nation gerichtete Abschiedsrede sollte eine Botschaft der Hoffnung und Ermutigung sein. Ich mahnte sie, die Leiden nicht so rasch zu vergessen, welche die Albanier in den vergangenen Jahrzehnten erduldet haben.

Ich habe das albanische Volk auf die Herausforderungen der Zukunft hingewiesen. Die wiedergefundene Religionsfreiheit wird gewiß der Sauerteig einer demokratischen Gesellschaft sein, wenn der Wert und die zentrale Rolle des Menschen anerkannt und alle Beziehungen auf sozialer, politischer und wirtschaftlicher Ebene in authentischer Solidarität gestaltet werden.

Außerdem habe ich die Hoffnung ausgesprochen, daß Albanien dank der Hilfe der internationalen Gemeinschaft die derzeitige schwere Krise überwinden möge. Helfen werden ihm der Sinn, für die Familie und Gastfreundschaft und vor allem sein Glaube. Eine große Stütze werden ihm sein das ständig zu erneuernde Einvernehmen zwischen Katholiken, Orthodoxen und Muslimen. Albanien hat Gott die Pforten geöffnet. Gott verläßt diejenigen nicht, die auf ihn vertrauen.

6. „Mußte nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?“ (Lk 24,26).

Diese Worte aus der Liturgie vom 3. Ostersonntag erinnern uns daran, daß die Geschichte des Menschen, die Geschichte der Völker und der Nationen, sogar die der traurigsten Zeitabschnitte, durch das Ostergeheimnis des Erlösers erhellt werden.

Für diese uns so liebe Nation sprechen wir den Wunsch aus: Christus gehe mit ihren Söhnen und Töchtern, wie es mit den Jüngern in Emmaus geschah: „Er lege ihnen die gesamte Schrift dar“; er öffne ihnen Herz und Augen für das Verständnis der Schrift“; „er gebe sich zu erkennen, wenn er das Brot bricht“ (vgl. Lk 24,27.35.45). Er helfe ihnen, eine neue Ordnung aufzubauen, gegründet auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe. Machen wir uns den österlichen Freudenruf zu eigen: „Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen“ (Lk 24,34).

„Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln und uns an ihm freuen“ (Ps 118,24).

In deutscher Sprache sagte der Papst:

Indem ich Euch allen, liebe Schwestern und Brüder, das Schicksal der Kirchen, die einen neuen Anfang erleben dürfen und einen oft sehr mühsamen Wiederaufbau zu leisten haben, ans Herz legen möchte, richte ich einen besonderen Willkommensgruß an die Firmkandidaten der Pfarrei St. Marien in Wädenswil, an die Studenten des Ostkirchlichen Seminars in Regensburg und an die Läufer und ihre Begleiter des Staffellaufes Friedrichshafen – Vatikan; für Euren sportlichen Beitrag zur Verständigung unter den Menschen und Völkern Europas danke ich sehr.

Euch allen, Euren lieben Angehörigen in der Heimat sowie all jenen, die uns in diesem Augenblick geistlich verbunden sind, erteile ich von Herzen meinen Apostolischen Segen.

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Quelle: Kongregation für den Klerus (siehe auch: Homepage der Kongregation [deutsch])

PAPST FRANZISKUS: ASIATISCHE JUGEND, WACH AUF!

APOSTOLISCHE REISE VON PAPST FRANZISKUS
IN DIE REPUBLIK KOREA
AUS ANLASS DES ASIATISCHEN JUGENDTAGES

(13.-18. AUGUST 2014)

HEILIGE MESSE ZUM ABSCHLUSS DES 6. ASIATISCHEN JUGENDTAGS

PREDIGT VON PAPST FRANZISKUS

Schloss von  Haemi
Sonntag, 17. August 2014

Video

 

Liebe junge Freunde,

die Herrlichkeit des Herrn erstrahlt über euch! Diese Worte – ein Teil des Themas des sechsten Asiatischen Jugendtags – trösten und stärken uns alle. Jugendliche aus Asien, ihr seid die Erben eines großen Zeugnisses, eines wertvollen Bekenntnisses zu Christus. Er ist das Licht der Welt; er ist das Licht unseres Lebens! Die Märtyrer von Korea – und unzählige andere in ganz Asien – übergaben ihren Leib ihren Verfolgern; uns haben sie ein ewiges Zeugnis übergeben, dass das Licht der Wahrheit Christi alle Finsternis vertreibt und die Liebe Christi glorreich triumphiert. Mit der Gewissheit seines Sieges über den Tod und unserer Teilhabe daran können wir der Herausforderung des christlichen Jüngerseins heute begegnen, unter unseren Gegebenheiten und in unserer Zeit.

Die Worte, über die wir gerade nachgedacht haben, sind ein Trost. Der andere Teil des Themas von diesem Jugendtag – Asiatische Jugend! Wach auf! – spricht zu euch von einer Pflicht, einer Verantwortung. Lasst uns einen Moment jedes dieser Worte betrachten.

Zuerst das Wort „asiatisch“. Ihr seid aus allen Teilen Asiens hier in Korea zusammengekommen. Jeder von euch hat einen einmaligen Platz und Kontext, wo ihr berufen seid, Gottes Liebe widerzuspiegeln. Der asiatische Kontinent, durchtränkt mit reichen philosophischen und religiösen Traditionen, bleibt eine großes Grenzland für euer Zeugnis für Christus, den „Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Als junge Menschen nicht nur in Asien, sondern auch als Söhne und Töchter von diesem großen Kontinent habt ihr ein Recht und eine Pflicht, voll am Leben eurer Gesellschaften teilzunehmen. Habt keine Angst, die Weisheit des Glaubens in alle Aspekte des gesellschaftlichen Lebens einzubringen!

Als Asiaten seht und liebt ihr außerdem alles Schöne, Edle und Wahre in euren Kulturen und Traditionen von innen her. Doch als Christen wisst ihr auch, dass das Evangelium die Kraft hat, dieses Erbe zu läutern, zu erheben und zu vervollkommnen. Durch die Gegenwart des Heiligen Geistes, der euch in der Taufe geschenkt und in der Firmung als Siegel aufgeprägt wurde, und in Einheit mit euren Hirten könnt ihr die vielen positiven Werte der verschiedenen asiatischen Kulturen anerkennen. Ihr seid auch imstande zu unterscheiden, was mit eurem katholischen Glauben unvereinbar ist, was zum in der Taufe geschenkten Leben der Gnade im Gegensatz steht und welche Aspekte der heutigen Kultur sündhaft, korrupt sind und zum Tod führen.

Indem wir zum Thema dieses Jugendtages zurückkehren, lasst uns über das zweite Wort nachdenken: „Jugend“. Ihr und eure Freunde seid erfüllt von Optimismus, Energie und gutem Willen, was für diesen Lebensabschnitt so charakteristisch ist. Lasst Christus euren natürlichen Optimismus in christliche Hoffnung verwandeln, eure Energie in moralische Tugend, euren guten Willen in echte selbstlose Liebe! Das ist der Weg, den zu gehen ihr berufen seid. Das ist der Weg, um alles zu überwinden, was in eurem Leben und in eurer Kultur Hoffnung, Tugend und Liebe bedroht. Auf diese Weise wird eure Jugend ein Geschenk für Jesus und für die Welt sein.

Als junge Christen – gleich ob Arbeiter oder Studenten, ob ihr schon eine Karriere begonnen oder auf den Ruf zur Ehe, zum Ordensleben oder zum Priestertum geantwortet habt – seid ihr nicht nur ein Teil der Zukunft der Kirche; ihr seid auch ein notwendiger und geschätzter Teil der Gegenwart der Kirche! Ihr seid die Gegenwart der Kirche! Bleibt einander nahe, geht immer näher auf Gott zu und verwendet diese Jahre, um gemeinsam mit euren Bischöfen und Priestern eine heiligere, missionarischere und demütige Kirche aufzubauen – eine heiligere, missionarischere und demütige Kirche –, eine Kirche, die Gott liebt und anbetet, indem sie sich bemüht, den Armen, den Einsamen, den Kranken und den an den Rand Gedrängten zu dienen.

In eurem christlichen Leben werdet ihr oft Anlass zu der Versuchung haben – wie die Jünger im heutigen Evangelium –, den Fremden, den Notleidenden, den Armen und den mit gebrochenem Herzen wegzustoßen. Besonders diese Menschen sind es, die den Ruf der Frau aus dem Evangelium wiederholen: „Herr, hilf mir!“ Die Bitte der kanaanäischen Frau ist der Ruf aller, die nach Liebe, Annahme und Freundschaft mit Christus suchen. Es ist der Ruf so vieler Menschen in unseren anonymen Städten, der Ruf so vieler eurer eigenen Altersgenossen und der Ruf all jener Märtyrer, die auch heute für den Namen Jesu Verfolgung und Tod erleiden: „Jesus, hilf mir!“ Oft ist es ein Ruf, der auch aus unserem eigenen Herzen aufsteigt: „Herr, hilf mir!“ Lasst uns antworten, nicht wie die, welche Menschen, die uns um etwas bitten, wegstoßen, als hindere unser Dienst an den Notleidenden uns daran, dem Herrn nahe zu sein. Nein! Wir müssen wie Christus sein, der auf jede Bitte um seine Hilfe mit Liebe, Barmherzigkeit und Mitleid antwortet.

Und schließlich: Der dritte Teil des Themas dieses Jugendtages – „Wach auf!“. Dieses Wort spricht von einer Verantwortung, die der Herr euch überträgt. Es ist die Pflicht, wachsam zu sein und dem Druck, den Versuchungen und unseren Sünden oder denen anderer nicht zu erlauben, dass unser Empfinden für die Schönheit der Heiligkeit, für die Freude des Evangeliums abstumpft. Der heutige Antwortpsalm lädt uns ständig ein, uns zu freuen und zu jubeln. Niemand, der schläft, kann singen, tanzen oder jubeln. Es ist nicht gut, wenn ich junge Menschen sehe, die schlafen. … Nein! „Wach auf!“ Auf! Auf! Nur zu! Liebe Jugendliche, „es segne uns Gott, unser Gott!“ (Ps 67,7); bei ihm haben wir „Erbarmen gefunden“ (Röm 11,30). Durch Gottes Liebe bestärkt, geht hinaus in die Welt, damit sie – eure Freunde, Arbeitskollegen, Nachbarn, Landsleute, jeder auf diesem großen Kontinent – „infolge des Erbarmens, das ihr gefunden habt … jetzt auch … Erbarmen finden“ (Röm 11,31). Sein Erbarmen ist es, durch das wir gerettet werden.

Liebe Jugendliche von Asien, meine Hoffnung ist, dass ihr in Einheit mit Christus und der Kirche diesen Weg einschlagt, der euch sicher viel Freude bereiten wird. Jetzt, da wir zum Tisch des Herrn treten für die Eucharistie, wollen wir uns an Maria, unsere Mutter, wenden, die Jesus der Welt gebracht hat. Ja, Mutter Maria, wir sehnen uns danach, Jesus zu haben; in deiner mütterlichen Liebe hilf uns, ihn zu anderen zu bringen, ihm treu zu dienen und ihn zu jeder Zeit und an allen Orten in diesem Land und in ganz Asien zu ehren. Amen.

Asiatische Jugend, wach auf!

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Quelle: Franziskus – Homilien

Radio Vatikan: Die Papst-Predigt bei der Friedens- und Versöhnungsmesse in Seoul, Korea

Liebe Brüder und Schwestern,

da mein Aufenthalt in Korea seinem Ende zugeht, danke ich Gott für den reichen Segen, den er diesem geschätzten Land – und in besonderer Weise der Kirche in Korea – geschenkt hat. Unter diesen Segnungen behalte ich speziell das Erlebnis in Erinnerung, das für uns alle in diesen letzten Tagen die Anwesenheit so vieler junger Pilger aus ganz Asien bedeutete. Ihre Liebe zu Jesus und ihre Begeisterung für die Verbreitung seines Reiches waren für uns alle inspirierend.

Nun gipfelt mein Besuch in dieser Messfeier, in der wir von Gott die Gnade des Friedens und der Versöhnung erflehen. Dieses Gebet erfährt eine besondere Resonanz auf der koreanischen Halbinsel. Die heutige Messe ist in erster Linie ein Gebet um Versöhnung innerhalb der koreanischen Familie. Im Evangelium sagt Jesus uns, wie mächtig unser Gebet ist, wenn zwei oder drei von uns gemeinsam etwas erbitten (Mt 18,19-20). Wie viel mehr, wenn ein ganzes Volk seine innige Bitte zum Himmel erhebt!

Die erste Lesung stellt uns die Verheißung Gottes vor, ein durch Unheil und Spaltung zerstreutes Volk wieder zu Einheit und Wohlstand zu führen. Für uns wie für das Volk Israel ist dies eine Verheißung voller Hoffnung: Sie weist auf eine Zukunft hin, die Gott schon jetzt für uns vorbereitet. Doch diese Verheißung ist untrennbar verknüpft mit einem Gebot: dem Gebot, zu Gott zurückzukehren und aus ganzem Herzen sein Gesetz zu befolgen (vgl. Dtn 30,2-3). Gottes Gaben der Versöhnung, der Einheit und des Friedens sind unlösbar verbunden mit der Gnade der Umkehr, mit einem Wandel des Herzens, der den Lauf unseres Lebens und unserer Geschichte als Einzelne und als Volk verändern kann.

In dieser Messe hören wir diese Verheißung natürlich im Kontext der geschichtlichen Erfahrung des koreanischen Volkes, einer Erfahrung der Teilung und des Konflikts, die schon über sechzig Jahre andauert. Doch Gottes dringender Aufruf zur Umkehr fordert Christi Anhänger in Korea auch auf, die Qualität ihres eigenen Beitrags zum Aufbau einer wirklich gerechten und menschlichen Gesellschaft zu überprüfen. Er fordert jeden von euch auf, über das Maß nachzudenken, in dem ihr – als Einzelne und als Gemeinschaften – ein am Evangelium ausgerichtetes Interesse zeigt für die Benachteiligten, die an den Rand Gedrängten, die Arbeitslosen und die, welche keinen Anteil an dem Wohlstand der vielen haben. Und er fordert euch als Christen und Koreaner auf, entschieden eine Mentalität zu verwerfen, die durch Argwohn, Konfrontation und Konkurrenzdenken geformt ist, und statt dessen eine Kultur zu entwickeln, die von der Lehre des Evangeliums und den edelsten traditionellen Werten des koreanischen Volkes geprägt ist.

Im heutigen Evangelium fragt Petrus den Herrn: „Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal?“, worauf der Herr antwortet: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal“ (Mt 18,21-22). Diese Worte treffen den eigentlichen Kern der Botschaft Jesu von Versöhnung und Frieden. Seinem Gebot gehorsam, bitten wir unseren himmlischen Vater täglich, uns unsere Sünden zu vergeben, „wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“. Wenn wir nicht bereit sind, das zu tun, wie können wir dann ehrlich für Frieden und Versöhnung beten?

Jesus verlangt von uns zu glauben, dass Vergebung die Tür ist, die zu Versöhnung führt. Indem er uns befiehlt, unseren Mitmenschen uneingeschränkt zu vergeben, fordert er uns auf, etwas absolut Radikales zu tun, doch er schenkt uns auch die Gnade, es zu vollbringen. Was aus menschlicher Sicht unmöglich, undurchführbar und manchmal sogar abstoßend erscheint, macht er möglich und fruchtbar durch die unendliche Kraft seines Kreuzes. Das Kreuz Christi offenbart Gottes Macht, jede Teilung zu überbrücken, jede Wunde zu heilen und die ursprünglichen Bande brüderlicher Liebe wieder herzustellen.

Das ist also die Botschaft, die ich euch zum Abschluss meines Besuches in Korea hinterlasse. Vertraut auf die Kraft des Kreuzes Christi! Empfangt seine versöhnende Gnade in euren eigenen Herzen und teilt diese Gnade mit anderen! Ich bitte euch, zu Hause, in euren Gemeinden und auf allen Ebenen nationalen Lebens ein überzeugendes Zeugnis für Christi Botschaft von der Vergebung abzulegen. Ich bin zuversichtlich, dass ihr im Geist der Freundschaft und der Zusammenarbeit mit anderen Christen, mit den Anhängern anderer Religionen und mit allen Menschen guten Willens, denen die Zukunft der koreanischen Gesellschaft am Herzen liegt, ein Sauerteig des Gottesreiches in diesem Land sein werdet. Auf diese Weise werden unsere Gebete um Frieden und Versöhnung aus immer mehr reinen Herzen zu Gott aufsteigen und durch sein gnädiges Geschenk jenes kostbare Gut erlangen, das wir alle ersehnen.

Lasst uns also beten und um neue Gelegenheiten zum Dialog, zur Begegnung und zur Lösung von Gegensätzen bitten, um anhaltende Großherzigkeit in der Bereitstellung humanitärer Hilfe für die Notleidenden und um ein immer tieferes Erkennen, dass alle Koreaner Brüder und Schwestern sind, Glieder einer Familie, eines Volkes, die eine Sprache sprechensie sprechen.

Bevor ich Korea verlasse, möchte ich den zivilen und kirchlichen Behörden und allen, die in irgendeiner Weise zur Durchführung dieses Besuches beigetragen haben, meinen Dank ausdrücken. Ganz besonders möchte ich ein Wort persönlicher Wertschätzung an die Priester von Korea richten, die täglich im Dienst für das Evangelium und für den Aufbau des Gottesvolkes in Glaube, Hoffnung und Liebe arbeiten. Ich bitte euch, als Gesandte Christi und Diener seiner versöhnenden Liebe (vgl. 2 Kor 5,18-20) weiterhin Brücken der Achtung, des Vertrauens und der harmonischen Zusammenarbeit in euren Pfarreien, untereinander und mit euren Bischöfen zu bauen. Euer Vorbild uneingeschränkter Liebe zum Herrn, eure Treue und Hingabe an euren Dienst und eure liebevolle Sorge für die Notleidenden sind ein bedeutender Beitrag zum Werk der Versöhnung und des Friedens in diesem Land.

Liebe Brüder und Schwestern, Gott ruft uns, zu ihm zurückzukehren und auf seine Stimme zu hören, und er gibt uns die Verheißung, uns im Land in noch größerem Frieden und Wohlstand einzurichten, als unsere Vorfahren es erlebten. Mögen alle, die in Korea Christus nachfolgen, den Anbruch jenes neuen Tages vorbereiten, an dem dieses „Land der Morgenstille“ seine Freude haben wird an Gottes überreichem Segen der Harmonie und des Friedens! Amen.

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Die Predigt des Papstes in der Messe für Frieden und Versöhnung in der Kathedrale von Myeong-dong in Seoul, gehalten am 18. August 2014. (Es handelt sich um eine offizielle Übersetzung).

(rv 18.08.2014 mg)

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Die Hervorhebungen sind von mir [POS]

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Siehe dazu auch: