Vom Buddhismus zum christlichen Glauben

Sackgasse Selbsterlösung: Wie ein buddhistischer Mönch im Tibet den Weg zum Glauben an Christus fand.

18.02.2018, Dharamsala, Indien: Buddhistische Mönche aus Tibet spielen Blasinstrumente während der Feierlichkeiten am dritten Tag des tibetischen Neujahrs (Losar). Foto: Shailesh Bhatnagar/PTI/dpa +++(c) dpa – Bildfunk+++ |

Wie verschafft sich Gottes leise Stimme im buddhistischen Kloster Gehör? In einer faszinierenden Geschichte voller Fügungen. Foto: Shailesh Bhatnagar (PTI)

Tenzin Lahkpa ist nicht der wirkliche Name des Mönches, der in diesem Buch seinen ganz persönlichen Weg von Buddha zu Jesus beschreibt. Und auch der Name des C-Autors, Eugene Bach, ist ein Pseudonym. Dass dies so sein muss, hat gute Gründe. Denn die beiden Männer, die sich zusammengetan haben, um eine erstaunliche, erhellende und Hoffnung spendende Geschichte zu erzählen, leben als Christen in China im Untergrund. Dort ist es immer noch gefährlich, sich als Nachfolger Jesu zu erkennen zu geben. Dass Tenzin und Eugene dennoch unermüdlich Menschen dabei helfen, notwendige medizinische Behandlungen zu bekommen, Informationsschriften über den christlichen Glauben zu verbreiten und die Bibel ins Tibetische zu übersetzen, hat damit zu tun, dass sie durch ihre Begegnung mit Jesus Christus eine über dieses Leben hinausreichende Hoffnung geschenkt bekamen.

Er betete zu einem brutalen Affengott

Wie notwendig diese Hoffnung ist, wird deutlich, wenn man Tenzins Lebensgeschichte liest. Geboren in einem kleinen Dorf in Tibet, wird er als Kind von seinen Eltern in ein Kloster gebracht. Sie haben ihn ausgewählt, um dort für die Familie zu beten und ihr Ehre einzubringen. Denn die buddhistischen Mönche waren im Tibet der 1970er und 1980er Jahre sehr angesehen. Für Tenzin kam diese Entscheidung überraschend. Aber er fügte sich und lernte so viel wie nur möglich über die Lehre Buddhas, die sich in ihrer tibetischen Form sowohl mit dem hinduistischen Glauben als auch mit den religiösen Vorstellungen, die in Tibet vor der Verbreitung des Hinduismus gepflegt wurden, verbanden. Das bedeutete konkret, dass er zu einem brutalen Affengott betete und die größte Göttin ausgesprochen bösartige Züge trug. Und auch sonst hatte das Klosterleben seine Schattenseiten. Kindesmissbrauch war nicht unüblich und auch mit der Ehelosigkeit nahmen es manche Lamas nicht so genau.

Aber Tenzin hält durch. Dass die vielen buddhistischen Schriften, die unablässigen Gebete, das Singen der Mantras und das Fasten ihn der Erleuchtung nicht näherbrachten, schrieb er der Tatsache zu, dass sein Kloster nur wenig bedeutend war und es anderswo bessere Lehrer gab. Also ging er in ein anderes Kloster und wurde schließlich sogar Schüler des Dalai Lama.

Das erste Mal von Jesus gehört

In dieser Zeit hörte der junge Mann das erste Mal von Jesus. Es war ein Verwandter, der inzwischen in Amerika lebte, der ihm von seinem Glauben erzählte. Tenzin erschrak, denn er wusste, dass allein die Tatsache, dass er einem Christen zugehört hatte, im Kloster streng bestraft werden würde. Aber das, was sein Verwandter ausstrahlte, hatte ihn neugierig gemacht. Und das Denkverbot, unter dem das Christentum stand, erschien ihm auf einmal nicht nachvollziehbar. Mit gutem Grund. Denn ein beträchtlicher Teil des buddhistischen Klosterlebens besteht in Debatten. Warum, so dachte Tenzin, darf man über so vieles diskutieren nur über Jesus nicht?

Sein Lehrer, den er schließlich mit dieser Frage konfrontiert, gibt ihm eine bemerkenswerte Antwort. Jesus, so sagt er, ist gefährlich, weil er das Licht ist und weil er eine größere Macht hat als alle anderen Götter. Der Lehrer vergleicht ihn deshalb mit einem bösen Dämon, vor dem er seine Schüler immer besonders gewarnt hat. Tenzin ist nicht überzeugt. Sein Unbehagen verschärft sich, als er eines Tages die Nachricht vom Tod seines Vaters erhält. Denn obwohl er sich viele Jahre darum bemüht hat, sich vom Leiden zu befreien, merkt er nur allzu deutlich: die Selbsterlösung hat nicht funktioniert. Er leidet. Er leidet sogar sehr. Und die Botschaft Buddhas von der Sinnlosigkeit des Leidens erscheint ihm als grausame Verhöhnung. Jesu Botschaft, dass Leiden einen Sinn hat und er es freiwillig auf sich genommen hat, um uns zu erlösen wirkt demgegenüber befreiend. Ganz im Gegenteil zu dem grausamen Bestattungsritual, dem sein Vater unterzogen wird, als man sein Fleisch von den Knochen trennt, seinen Körper zerstückelt und ihn auf einem Berggipfel den für heilig erklärten geiern zum Fraß vorwirft.

Der Weg, der Wahrheit und Leben ist

Diese Form der Vernichtung macht Tenzin klar: Er will einen anderen Weg suchen. Einen, der Wahrheit und Leben ist. Aber das ist gar nicht so leicht. Erst als Tenzin mit einer Lungentuberkulose ins Krankenhaus eingeliefert und von einem schwedischen Arzt, der Christ ist, behandelt wird, findet er endlich jemanden, der seine Fragen beantwortet und ihm – ein kostbarer Schatz im chinesisch besetzten Tibet – eine Bibel schenkt.

Tenzin wird, was unter den damaligen medizinischen Bedingungen als höchst unwahrscheinlich galt, geheilt. Und er weiß auch, durch wen. Denn als der Arzt für ihn gebetet hat, spürte der buddhistische Mönch ein lebendiges Licht und hat schließlich eine Christusvision. Er kehrt dennoch in sein Kloster zurück. Denn er will die Wahrheit, die er erkannt hat, die unerwartete Erleuchtung, die so ganz anders ist als das, was er gelernt und gelehrt hat, in einer Debatte mit seinem Lehrer prüfen. Eine mutige Entscheidung. Tenzin weiß, dass sein Glaube an Jesus Christus in seinem Kloster nicht willkommen sein wird.

Tatsächlich wird er nach seinem mutigen Bekenntnis nicht nur selbst brutal zusammengeschlagen, das Haus seiner Mutter wird in Brand gesteckt und sie selbst muss zu Verwandten fliehen. Sein Bruder, ebenfalls Mönch, hilft ihm, zu fliehen und Tenzin beginnt in China sein neues Leben als Untergrundchrist. Das Licht, dass er in Jesus gefunden hat, erhellt seinen Weg. Er findet eine Frau, bekommt zwei Söhne und baut einen medizinischen Dienst auf, mit dem er gegen alle Hoffnung sogar in sein Dorf zurückkehren kann, wo er schließlich seinem alten Lehrer begegnet und ihn heilt.

Die Geschichte von Tenzin ist eindrucksvoll. Sie zeigt überdeutlich, was für ein menschenverachtender Irrweg das buddhistische Projekt der Selbsterlösung und wie befreiend die Botschaft von Jesus Christus ist. Klare Leseempfehlung.

Tenzin Lahkpa mit Eugene Bach: Auf der Suche nach Erleuchtung fand ich das Licht. Mein Weg von Buddha zu Jesus. Brunnen Verlag, Gießen 2019, Hardcover, 272 Seiten, EUR 20,-

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Quelle

Der Buddhismus

Ich befasse mich hier nicht eigens mit dem Buddhismus, ebensowenig wie mit dem Hinduismus und anderen nicht-christlichen „Religionen“. Dennoch möchten ich an dieser Stelle einen Text festhalten von Gilbert Keith Chesterton aus „Der Stumme Ochse – Thomas von Aquin“, weil auch der Buddhismus im Dekret Nostra Aetate des II. Vatikanischen Konzils wie folgt positiv erwähnt wurde:

In den verschiedenen Formen des Buddhismus wird das radikale Ungenügen der veränderlichen Welt anerkannt und ein Weg gelehrt, auf dem die Menschen mit frommem und vertrauendem Sinn entweder den Zustand vollkommener Befreiung zu erreichen oder – sei es durch eigene Bemühung, sei es vermittels höherer Hilfe – zur höchsten Erleuchtung zu gelangen vermögen.

Dazu hatte ich vermerkt:

Der Buddhismus kennt weder einen allmächtigen Gott noch eine unsterbliche Seele. Zu einer tatsächlichen, wahren “Erleuchtung” und gar “höchsten Erleuchtung” und damit zum “Zustand vollkommener Befreiung vom radikalen Ungenügen der veränderlichen Welt” kann es im Buddhismus auch “mit frommem und vertrauendem Sinn” durch eigene Bemühungen und schon gar “vermittels höherer Hilfe” nicht kommen, da alles nach einem Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt, im gottlosen Nirvana und letztlich im Parinirvana endet. Das Anerkennen des “radikalen Ungenügens der veränderlichen Welt” ist zudem nichts Positives und nichts Ehrenwertes. Unsere veränderliche Welt ist für uns Menschen nur dann “ungenügend”, wenn wir bei ihr stehen bleiben, wenn wir uns nicht über sie zum wahren Gott erheben. Alles, was Gott gemacht hat, ist nicht nur “genügend”, sondern vollkommen, vollkommen angemessen. Unvollkommen und ungenügend wird alles immer erst durch des Menschen Abkehr von Gott und Auflehnung gegen Ihn und Seine Gesetze und Gebote. Licht und damit Erleuchtung und damit das Erreichen eines “Zustandes vollkommener Befreiung” (von Sünde und Tod) gibt es nur vom christlichen Gott. (”Und das Licht leuchtete in die Finsternis; aber die Finsternis hat es nicht begriffen… Er [Jesus, das Wort Gottes] war in der Welt, und die Welt ist durch Ihn geworden. Allein die Welt hat Ihn nicht erkannt. Er kam in Sein Eigentum, doch die Seinigen nahmen Ihn nicht auf. Allen aber, die Ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, all denen, die an seinen Namen glauben…”)

„Die vergleichende Religionswissenschaft hat uns instand gesetzt, Religionen einander gegenüberzustellen. Vor fünfzig Jahren begann man den Beweis zu führen, dass alle Religionen ungefähr gleich seien, man suchte allgemein zu beweisen, dass ihrer aller Wert oder Unwert derselbe sei. Seitdem ist nun dieses wissenschaftliche Unternehmen auf einmal wirklich wissenschaftlich geworden, und man entdeckt die Tiefen der Abgründe ebenso wie die Höhe der Berge. Die Einsicht, dass wahrhaft religiöse Menschen lernen sollen, einander zu achten, ist wirklich ein sehr großer Fortschritt. Die Achtung aber hat dort Ungleichheit entdeckt, wo die Verachtung nur Gleichmacherei kannte. Je mehr wir den edlen Verzicht und die Entsagung Buddhas würdigen lernen, um so mehr erkennen wir, dass sie in Wirklichkeit die Umkehrung und das Gegenteil der Erlösung der Welt durch Christus sind. Der Christ will der Welt entfliehen in die Ewigkeit hinein; der Buddhist will noch weit mehr der Ewigkeit entfliehen als der Welt. Der eine möchte ungeschaffen sein, der andere will zurückkehren zur Schöpfung und zum Schöpfer. Der Buddhismus ist tatsächlich in solchem Maße die Antithese zur Lehre vom Kreuze, als dem Baum des Lebens, dass man dadurch bis zu gewissem Grad entschuldigt ist, wenn man die beiden Dinge überhaupt nebeneinander stellt, als seien sie von gleicher Bedeutung. Sie sind in gewissem Sinn parallel und entsprechen einander gleichsam wie ein Wall und eine Grube, ein Hügel und ein Tal. Es gibt einen Gesichtspunkt, von dem aus diese erhabene Verzweiflung die einzig mögliche Alternative zu jener himmelstürmenden Kühnheit ist. Es ist sogar richtig, dass der wirklich geistige und religiöse Mensch die beiden Möglichkeiten als eine Art Dilemma erleben kann, als eine äußerst harte, ja eine schreckliche Wahl. Es gibt sonst wenig auf der Welt, dem diese absolute Forderung vergleichbar wäre. Wer nicht den Fels, der Christus ist, ersteigen will, der muss in der Tat in den Abgrund Buddhas hinabstürzen.

Das prägt sich denn auch bei den meisten anderen Weltbildern der heidnischen Menschheit aus, wenn auch in weniger deutlichen und adeligen Formen, sie sind fast alle in jenen Strudel der Wiederkehr geraten, welchen die Alten ausnahmslos kannten. Sie kehren fast alle zurück zu jenem einen Gedanken der Wiedergeburt, die Buddha als das unselige Rad in so dunklen Farben ausmalte. Es ist wahr, der arme Nietzsche hat es fertiggebracht, eben jene Wiedergeburt, welche Buddha das unselige Rad nannte, als fröhliche Wissenschaft zu bezeichnen. Ich kann da nur sagen, dass ich gern wüsste, was er wohl unter trauriger Wissenschaft verstand, wenn ihm die ewige Wiederholung so fröhlich erschien. Doch fällt diese Lehre bei Nietzsche nicht in die Zeit seines Aufbruchs, sondern seines Niedergangs. Sie kam am Ende seines Lebens, als er dem geistigen Zusammenbruch nahe war, und unterscheidet sich tatsächlich sehr stark von seinen früheren und schöneren Inspirationen über kühne Freiheit und junge, schöpferische Erneuerung. Einstmals hatte er freilich versucht aufzubrechen. Aber er wurde nur zerbrochen – auf dem Rad.

Einzigartig auf der Welt, erhaben und befreit von allen Rädern und Strudeln diese Erde, erhebt sich der Glaube des hl. Thomas von Aquin. Er ist viel weiser als alle orientalische Metaphysik, viel gefüllter und reicher als jene Lehren bei all ihrem heidnischen Pomp und Glanz, kraftvoll und lebendig schon allein durch die Erklärung, dass das Leben eine lebendige Geschichte mit einem großen Anfang und einem großen Ende ist, deren Wurzeln in der uranfänglichen Schöpferfreude Gottes und deren Früchte in der ewigen Seligkeit der Menschheit liegt. Ihr Anfang ist der gewaltige Chor, in welchem die Söhne Gottes vor Freude jauchzten, und ihr Ende liegt in der mystischen Gemeinschaft, die schattenhaft wie in einem uralten archaischen Tanz aufsteht in den geheimnisvollen Worten: „Denn Seine Freude ist es, bei den Menschenkindern zu sein.„

Gilbert Keith Chesterton in „Der stumme Ochse – Thomas von Aquin“

Paul Otto Schenker