Angelus: Ohne Kreuz geht es nicht

Der Papst beim Angelus

Christusnachfolge ohne Kreuz? Das geht nicht. Das hat Papst Franziskus schon 2013 in seiner ersten Predigt als Papst überhaupt gesagt, und an diesem Sonntag schlug er beim Angelus dieselbe Saite von neuem an. Es gebe keine „wahre Liebe“, wenn man sich um die „Selbsthingabe“ herumdrücke.

Franziskus ging vom Tagesevangelium aus (Mt 16, 21-27). Es schildert, wie Jesus einmal Petrus gegenüber unwirsch wird. „Die Szene spielt sich ab, als Jesus den Jüngern ankündigt, dass er in Jerusalem leiden müsse, getötet werde, aber dann wieder auferstehen werde. Da nimmt Petrus den Herrn beiseite und macht ihm Vorwürfe, weil das doch Ihm, dem Christus, nicht zustoßen dürfe. Doch Jesus macht wiederum dem Petrus mit harten Worten Vorwürfe: „Weg mit dir, Satan! … Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ Noch einen Moment zuvor war der Apostel ein starker „Fels“ gewesen, auf den Jesus seine Kirche bauen wollte – und sofort danach wird er zu einem Hindernis, einem Stolperstein auf der Straße des Messias!“

Was Jesus nach dieser Szene zu seinen Jüngern sage, das gelte auch uns Heutigen, so Papst Franziskus: Wer Jesus nachfolgen wolle, der müsse sich selbst verleugnen, sein Kreuz auf sich nehmen und ihm folgen. „Immer – auch heute – gibt es die Versuchung, Christus ohne Kreuz zu folgen, ja sogar Gott den richtigen Weg zeigen zu wollen. Wie Petrus sagt: Nein nein, Herr, das darf nicht passieren! Aber Jesus erinnert uns daran, dass sein Weg der Weg der Liebe ist, und es gibt keine wahre Liebe ohne die Selbsthingabe! Wir sind dazu aufgerufen, uns nicht von der Vision dieser Welt absorbieren zu lassen, sondern uns immer bewusster zu werden, dass wir Christen einen mühsamen Weg zu gehen haben – gegen den Strom, und bergauf.“

Wer nur sich selbst verwirklicht, der verliert sich

Das Evangelium dieses Sonntags bietet nach der Einschätzung des Papstes Worte von „großer Weisheit“ – etwa dieses: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren.“ „Dieses Paradox enthält die goldene Regel, die Gott in die menschliche Natur eingeschrieben hat: die Regel, dass nur die Liebe dem Leben Sinn und Glück zu geben vermag. Wer seine Talente und Energien nur dazu gebraucht, um sich selbst zu verwirklichen, der verliert sichin Wirklichkeit – eine traurige, sterile Existenz. Wenn wir hingegen für den Herrn leben und wie Jesus unser Leben auf die Liebe ausrichten, dann werden wir die wahre Freude erleben, und unser Leben wird nicht steril, sondern es wird fruchtbar sein!“

In der Messfeier werde jedes Mal von neuem „das Geheimnis des Kreuzes gegenwärtig“, fuhr der Papst fort. Das sei nicht nur „Erinnerung“, sondern erneute Vergegenwärtigung des „rettenden Opfers, bei dem der Sohn Gottes sich selbst vollkommen verliert, um sich vom Vater von neuem zu empfangen und so uns, die wir verloren waren, wiederzufinden, zusammen mit allen Geschöpfen. Jedes Mal, wenn wir an der Heiligen Messe teilnehmen, teilt sich uns die Liebe des gekreuzigten und auferstandenen Christus als Nahrung mit, damit wir Ihm auf dem Weg des Alltags, im konkreten Dienst an den Geschwistern, folgen können.“

Man dürfe „keine Angst haben vor dem Kreuz“, schloss der Papst: Es gebe „kein Kreuz ohne Jesus“.

(rv 03.09.2017 sk)

Bischof Oster: „Jesus war ein Erdbeben, nicht nur ein lieber Mann“

Mgr. Stefan Oster / Pressestelle Bistum Passau – Pbp

Augsburg: Priester- und Diakonetag zu „Berufung“

Der Passauer Bischof Dr. Stefan Oster SDB hat heute in der Basilika St. Ulrich und Afra an den Inhalt und die Mitte unseres Glaubens erinnert: „Nicht etwas, sondern jemand, nämlich unser Herr Jesus Christus“, betonte Bischof Oster. Ihn in unserem Leben wirklich werden zu lassen, sich an Jesus festzumachen, ein Diener Christi zu sein, gebe uns erst die Freiheit Gott und den Nächsten zu lieben. „Nur wenn uns das nahe geht, spüren wir, er ist die Mitte von allem.“ Mit dem feierlichen Pontifikalamt begann der „Tag der Priester und Diakone“ im Rahmen der Ulrichswoche, der sich heuer mit dem Thema „Berufung“ beschäftigte.

Ausgehend von der Frage, wo das Problem liege, dass es gegenwärtig eher weniger als mehr junge Menschen gibt, die eine geistige Berufung in sich spüren, näherte sich Bischof Oster in seinem Vortrag zum Thema „Jugend, Glaube und Berufungen“ vom christlichen Menschenbild her. Vor rund 100 Priestern und Diakonen beschrieb er die Erfahrung des Seins, die Sinnerfahrung und die Erfahrung einer Christusbeziehung als drei Wege der Berufungsfindung. Diese müssten nicht nacheinander abgelaufen werden, sondern seien meist ineinander verwoben. „Berufung ereignet sich in der konkreten Wirklichkeit.“ Letztlich sei es aber erst durch die Begegnung mit dieser Wirklichkeit möglich, dass die Fähigkeit zur Entscheidung für einen bestimmten Berufungsweg wachse.

Was verwandelt also den Menschen, darf Christus in mein Leben hineinkommen, fragte Bischof Oster. Seine Antwort: Die Erfahrung von Sinn, Beziehung und Leid. „Menschen entwickeln Leidenschaft für andere Menschen, Geschöpfe, Dinge, Tätigkeiten und Ziele. Sie entdecken, was für sie Sinn und Freude macht und was Erfüllung schenkt.“ Für junge Menschen sei es daher wichtig, das zu entdecken und darin sich selbst, Prioritäten zu setzen und diese zu verändern. Letztlich gewinne aber alles in unserem Leben seinen Sinn durch Christus. Erst die Begegnung und Beziehung mit ihm mache uns liebes- und leidensfähig. „Bei Jesus daheim sein, verwandelt alles andere.“

Warum es dennoch immer weniger gelingt, junge Menschen für Gott und die Nachfolge Christi zu gewinnen, machte der Bischof an mehreren Punkten fest und stellt diese als drängende Herausforderungen für die Zukunft der Kirche heraus. Bischof Oster ermutigte dazu, wieder den ganzen Jesus zu verkündigen und dadurch eine neue Leidenschaft für Christus zu entfachen: „Jesus war ein Erdbeben, nicht nur ein lieber Mann!“ Dass es um unser Heil gehe und nicht um einen „Humanismus der Nettigkeit“, gelte es aber auch mit Überzeugung zu vertreten, so der Bischof. „Wenn wir einen Jesus verkünden, der Wellness lehrt, dann werden wir irrelevant“. In der Nachfolge Christi zu leben, bedeute nämlich, sich die Jüngerschaft zum Lebensthema zu machen. Nur wenn wir im, mit und vom Herrn lernen, könnten wir ihn auch lieben. „Das ist unsere Herausforderung“, wandte er sich an die Priester und Diakone, die er gleichermaßen zu echtem, intensivem treuem geistlichem Leben bestärkte: „Wir sind berufen, Gott zu lieben, weil er so großartig ist, und müssen die Sehnsucht nach ihm wecken.“

Bestätigung erhielten seine Aussagen im anschließenden Podiumsgespräch, das Schwester Dr. Theresia Mende OP vom Institut für Neuevangelisierung moderierte.  Dabei wurde einmal mehr deutlich, dass es das gute Beispiel und Vorbild von authentischen Priesterpersönlichkeiten war, das in jungen Menschen heute noch die Sehnsucht nach einem Leben in der Nachfolge Christi wecken kann.

Vor der Pontifikalvesper mit Bischof Dr. Konrad Zdarsa in der Ulrichsbasilika hatten die Priester und Diakone in sechs Gesprächsrunden die Möglichkeit, sich über Themen der Berufungspastoral auszutauschen. Dabei stand die Frage „Kann man Berufungen machen?“ ebenso im Raum wie die kirchliche Jugendarbeit als Quelle für Berufungen, die Berufungspastoral aus der Sicht von Papst Franziskus, die geistliche Begleitung von jungen Priestern und die Erfahrungen von Anbetungsinitiativen.

(Quelle: Webseite des Bistums Augsburg, 10.07.2017)

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„Die Doppelmoral ist nicht christlich“

Angelus, 29. Januar 2017 / © PHOTO.VA – OSSERVATORE ROMANO

„Triffst du dich mit Jesus? Betest du zu Jesus?“. Dies sei vielleicht die erste Frage, die man einem Christen stellen sollte, so erklärte Papst Franziskus am heutigen Sonntag, dem 2. Juli 2017, in seiner kurzen Meditation vor dem Angelusgebet.

Tatsächlich sollte im Zentrum des Lebens jeder christlichen Nachfolge, eines jeden Jüngers, ob „ein Laie oder eine Laiin, ein Priester, ein Bischof“,  immer die „vorrangige Beziehung“ mit dem Herrn, also mit Jesus, stehen.

Dieses Verhältnis sei so grundlegend, dass Franziskus das Buch der Schöpfung (2,24) paraphrasierte. „Darum wird der Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und sich an Christus binden, und die beiden werden eins sein“, so erklärte der Papst den Pilgern auf dem Petersplatz.

„Wer sich in dieses Band der Liebe und des Lebens mit dem Herrn Jesus einbinden lässt, wird zu seinem Vertreter, zu seinem ‚Botschafter’‪‪, insbesondere mit seiner Art zu sein, zu leben“, fuhr der Papst fort. Der Missionar verkünde tatsächlich nicht sich selbst, sondern Jesus.

Dabei spiele es keine Rolle, ob — wie jede menschliche Person — einer Grenzen oder auch Fehler habe, sofern er die Demut habe, dies zuzugeben. Und vor allem sollte er oder sie kein „doppeltes Herz“ haben, was „gefährlich“ sei.

“Nein, dies geht nicht”, warnte Franziskus. „Er soll kein doppeltes Herz haben, sondern ein einfaches Herz, ein vereintes; er soll den Fuß nicht in zweierlei Schuhen haben, sondern ehrlich mit sich selbst und mit den anderen sein.“

Während er darauf hinwies, dass „die Doppelmoral nicht christlich“ sei, formulierte Franziskus ein „aut-aut“. „Entweder bist du mit Jesus, mit dem Geist Jesu, oder du bist mit dem Geist der Welt“, so sagte der Papst, der am Schluss seiner Betrachtung die „Gegenseitigkeit“ der priesterlichen Sendung betonte.

„Je näher ein Priester dem Volk Gottes ist, desto näher wird er sich Jesus nahe fühlen; und je näher ein Priester Jesus ist, desto näher wird er sich dem Volk Gottes fühlen“, erklärte er.

Nach dem heutigen Angelus-Gebet richtete der Papst erneut die Aufmerksamkeit auf die Lage in Venezuela und machte einen Aufruf für eine „friedliche und demokratische Lösung“ in der „geliebten Nation“ Südamerikas, wo in den letzten drei Monaten bei Strassenprotesten gegen die Regierung des Präsidenten Nicolás Maduro schon mehr als 80 Menschen das Leben verloren haben.

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„Sind wir Wohnzimmerchristen?“

Messe Hochfest Peter & Paul, 29. Juni 2017

Predigt von Papst Franziskus
am Hochfest Peter und Paul — Volltext

Wir veröffentlichen im Folgenden in der offiziellen Übersetzung die Predigt, die Papst Franziskus am heutigen Donnerstag, dem 29. Juni 2017, Hochfest Peter und Paul, während der Eucharistiefeier auf dem Petersplatz gehalten hat.

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Die heutige Liturgie legt uns drei Worte vor, die wesentlich für das Leben des Apostels sind: Bekenntnis, Verfolgung, Gebet.

Das Bekenntnis ist das des Petrus im Evangelium, als die Frage des Herrn vom Allgemeinen ins Besondere geht. In der Tat fragt Jesus zunächst: »Für wen halten die Menschen den Menschensohn?« (Mt 16,13). Bei dieser „Umfrage“ ergibt sich von vielen Seiten, dass das Volk Jesus als Prophet ansieht. Und so stellt der Meister an die Jünger die wirklich entscheidende Frage: »Ihr aber, für wen haltet ihr mich?« (V. 15). Da antwortet nur Petrus: »Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!« (V. 16). Das ist das Bekenntnis: in Jesus den erwarteten Messias sehen, den lebendigen Gott und den Herrn des eigenen Lebens.

Diese grundlegende Frage richtet Jesus heute an uns, an uns alle, aber besonders an uns Hirten. Es ist die entscheidende Frage, vor der keine Höflichkeitsantworten bestehen können, weil das Leben auf dem Spiel steht: Eine lebenswichtige Frage erfordert eine Antwort fürs Leben. Denn es nützt wenig, die Glaubensartikel zu kennen, wenn man nicht Jesus, den Herrn, im eigenen Leben bekennt. Er schaut uns heute in die Augen und fragt: „Wer bin ich für dich?“ Als würde er sagen: “Bin ich noch der Herr deines Lebens, die Ausrichtung deines Herzens, der Grund deiner Hoffnung, dein unerschütterliches Vertrauen?“ Mit dem heiligen Petrus erneuern auch wir heute unsere Lebensentscheidungals Jünger und Apostel. Gehen wir erneut von der ersten zur zweiten Frage über, um „die Seinen“ nicht nur mit Worten zu sein, sondern mit Taten und im Leben.

Fragen wir uns, ob wir Wohnzimmerchristen sind, die darüber schwatzen, wie die Dinge in der Kirche und in der Welt laufen, oder Apostel auf dem Weg, die Jesus mit dem Leben bekennen, weil sie ihn im Herzen haben. Wer Jesus bekennt, weiß, dass er nicht bloß gehalten ist, Meinungen abzugeben, sondern das Leben hinzugeben. Er weiß, dass er nicht auf laue Weise glauben kann, sondern gerufen ist, aus Liebe zu „brennen“. Er weiß, dass er im Leben nicht auf dem Wohlbefinden „dahintreiben“ und es sich gut gehen lassen kann. Er muss vielmehr das Risiko eingehen, auf die hohe See hinauszufahren, indem er sich jeden Tag neu selbst hingibt. Wer Jesus bekennt, macht es wie Petrus und Paulus: Er folgt ihm bis zum Ende; nicht nur bis zu einem bestimmten Punkt, sondern bis zum Äußersten; er folgt ihm auf der Straße des Herrn, nicht auf unseren Straßen. Seine Straße ist der Weg des neuen Lebens, der Freude und der Auferstehung, der aber auch über das Kreuz und die Verfolgungen geht.

Damit sind wir beim zweiten Wort: den Verfolgungen. Nicht nur Petrus und Paulus haben ihr Blut für Christus vergossen, sondern die gesamte Urgemeinde wurde verfolgt, wie uns die Apostelgeschichte (vgl. 12,1) berichtet hat. Auch heute werden in verschiedenen Teilen der Welt, zuweilen in einem Klima des Schweigens – nicht selten eines mitschuldigen Schweigens –, viele Christen ausgegrenzt, verleumdet, diskriminiert, zum Ziel von mitunter tödlichen Gewaltakten. Nicht selten fehlen die nötigen Bemühungen derer, die dafür sorgen könnten, dass ihre legitimen Rechte geachtet werden.

Ich möchte jedoch vor allem hervorheben, was der Apostel Paulus zum Ausdruck gebracht hat, bevor er, wie er schreibt, »geopfert« wurde (2 Tim 4,6). Für ihn war Christus das Leben (vgl. Phil 1,21), und zwar als der Gekreuzigte (vgl. 1 Kor 2,2), der sich für ihn hingegeben hat (vgl. Gal 2,20). So ist Paulus als treuer Schüler dem Meister gefolgt, indem auch er sein Leben hingegeben hat. Christus gibt es nicht ohne das Kreuz, und ohne das Kreuz gibt es auch keinen Christen. Denn es ist der christlichen Tugend eigen, »nicht nur Gutes zu tun, sondern auch Böses zu ertragen« (Augustinus, Sermo 46,13), wie bei Jesus. Das Böse ertragen heißt nicht nur, Geduld zu haben und mit Ergebung weiterzumachen; ertragen bedeutet Jesus nachzuahmen, bedeutet die Last zu tragen, sie für ihn und für die anderen auf den Schultern zu tragen. Es heißt das Kreuz anzunehmen und vertrauensvoll weiterzugehen, weil wir nicht allein sind, der gekreuzigte und auferstandene Herr ist mit uns. So können wir mit Paulus sagen: »Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen« (2 Kor 4,8-9).

Ertragen heißt mit Jesus siegen zu können, nämlich in der Weise Jesu, nicht in der Weise der Welt. Deshalb sieht sich Paulus als Sieger – wir haben es gehört –, der einen Kranz erhält (vgl. 2 Tim 4,8). Er schreibt: »Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue bewahrt« (V. 7). Sein guter Kampf war allein auf ein Leben fürausgerichtet – nicht für sich selbst, sondern für Jesus und für die anderen leben. Er hat „im Lauf“ gelebt: er schonte sich nicht, ja vielmehr verzehrte er sich. Eines habe er bewahrt, so sagt er, nicht die Gesundheit, sondern den Glauben, also das Bekenntnis zu Christus. Aus Liebe zu ihm hat die Prüfungen durchlebt, die Demütigungen und die Leiden, die nie zu suchen, sondern anzunehmen sind. Und so, im Geheimnis der aus Liebe dargebrachten Schmerzen, in diesem Geheimnis, das so viele verfolgte, arme und kranke Brüder und Schwestern auch heute verkörpern, erstrahlt die heilbringende Kraft des Kreuzes Jesu.

Das dritte Wort ist das Gebet. Das Leben des Apostels, das aus dem Bekenntnis entspringt und in die Hingabe mündet, strömt jeden Tag weiter im Gebet. Das Gebet ist das unerlässliche Wasser, welches die Hoffnung nährt und das Vertrauen wachsen lässt. Das Gebet schenkt uns die Erfahrung, dass wir geliebt sind, und erlaubt uns zu lieben. Es lässt uns in den dunklen Augenblicken weitergehen, weil es ein Licht Gottes anzündet. In der Kirche ist es das Gebet, das uns alle trägt und die Prüfungen meistern lässt. Das sehen wir schon in der ersten Lesung: »Petrus wurde also im Gefängnis bewacht. Die Gemeinde aber betete inständig für ihn zu Gott« (Apg 12,5). Eine Kirche, die betet, wird vom Herrn behütet und schreitet in seiner Begleitung voran. Beten bedeutet ihm den Weg anzuvertrauen, auf dass er sich um ihn kümmert. Das Gebet ist die Kraft, die uns vereint und aufrichtet; das Heilmittel gegen die Isolierung und die Selbstgenügsamkeit, die zum geistlichen Tod führen. Denn wenn man nicht betet, weht der Geist des Lebens nicht, und ohne das Gebet öffnen sich nicht die inneren Verließe, in denen wir gefangen sind.

Die heiligen Apostel mögen uns helfen, ein Herz wie das ihre zu erhalten, das von der Mühe und dem Frieden des Gebets geprägt ist: von seiner Mühe, weil es bittet, anklopft, sich fürbittend einsetzt und die Last der Anliegen vieler Menschen und Situationen trägt; aber zugleich von seinem Frieden, weil der Heilige Geist Trost und Kraft gibt, wenn man betet. Wie braucht die Kirche so dringend Meister des Gebets, aber zuallererst betende Männer und Frauen, die wirklich im Gebet leben!

Der Herr greift ein, wenn wir beten; er erweist sich treu gegenüber der Liebe, die wir ihm bekannt haben, und er ist uns nahe in den Prüfungen. Er hat den Weg der Apostel begleitet und er wird auch euch, liebe Kardinäle, begleiten, die ihr hier in der Liebe der Apostel versammelt seid, die ihren Glauben mit dem Blut bekannt haben. Er wird auch euch nahe sein, liebe Erzbischöfe, die ihr durch die Auflegung des Palliums bestärkt werdet, für die Herde zu leben und dabei den Guten Hirten nachzuahmen, der euch erhält, da er euch auf den Schultern trägt. Dieser Herr, der sehnlich danach verlangt, seine Herde ganz vereint zu sehen, segne und beschütze auch die Delegation des Ökumenischen Patriarchats und den geliebten Bruder Bartholomaios, der sie hierher geschickt hat zum Zeichen der apostolischen Gemeinschaft.

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Orthodoxe Parlamentarier: Christen aller Welt, vereinigt euch

Russisch-orthodoxe Christen stehen Schlange, um die Reliquien des hl. Nikolaus in Moskau zu besichtigen

Seit dem Ende der Sowjetunion haben sich weltweit christlich-orthodoxe Parlamentarier zu einer Vereinigung zusammengeschlossen. Nun sind 115 orthodoxe Politiker aus 46 Ländern in Rom zu ihrer 25. Vollversammlung zusammengekommen. Ziel der Parlamentarier sei es, den christlichen Glauben in ihren Ländern zu schützen und zu fördern. Europa stecke in einer tiefen Krise, die vor allem mit dem Verlust der christlichen Werte verbunden sei, so der Grundtenor unter den in Rom versammelten Parlamentariern, die aus Ländern wie Ungarn, Griechenland oder Zypern stammen, aber auch aus Russland, Georgien und Syrien. Am Donnerstag werden sie im Rahmen der Peter-und-Paul-Feiern im Vatikan, die mittlerweile eine starke ökumenische Prägung haben, Papst Franziskus treffen.

Der griechische Abgeordnete Kostas Mygdalís ist Koordinator der Vereinigung. Im Gespräch mit Radio Vatikan erläutert er Sinn und Zweck der Vereinigung in der heutigen Zeit:

„Für uns bedeutet das Treffen vor allem auf politischer Ebene, Parlamentarier aus den orthodoxen Ländern mit Politikern aus der katholischen Welt zusammenzuführen. Gemeinsam sollen wir uns auf unsere Verantwortungen zurückbesinnen, die unsere Gegenwart aber auch unsere Zukunft betreffen. Da geht es um Lösungsvorschläge, um aktuelle Probleme anzugehen Die neuen Technologien bieten uns ganz viele Möglichkeiten, schaffen aber auch viel Armut, denn vieles kann die Gesellschaft nicht kontrollieren. Deshalb sind wir hier nach Rom gekommen, denn Papst Franziskus bietet uns hierzu eine Basis, um genau darüber miteinander zu sprechen.“

Unter den Parlamentariern seien auch Volksvertreter von Ländern, die es derzeit aus politischen Gründen schwer haben. Es sei deshalb wichtig, dass es ein starkes und vor allem auf das Christentum fußendes Europa gebe.

„Der Großteil von dem, was Europa ausmacht, beruht auf dem Christentum. Das gilt sowohl dann, wenn man es bezeugen will, als auch, wenn man das verschweigt. Denn die gesamte europäische Gesellschaft stützt sich schlussendlich auf diese christlichen Werte, das gilt auch für die Demokratie. Wir müssen uns also auf diese grundlegenden Werte zurückbesinnen.“

(rv 27.06.2017 mg)

Ihr seid nicht von dieser Welt

Abtei Sant’Antimo (Montalcino, Toskana) / Wikimedia Commons – Dongio, Public Domain

Impuls zum 7. Sonntag der Osterzeit,
Lesejahr A — 28. Mai 2017

Eine spannungsvolle Zeit, die zehn Tage zwischen der Himmelfahrt des Herrn und dem Pfingstfest. Selbst über einen zeitlichen Abstand von fast 2.000 Jahren können wir es gut nachvollziehen, wie damals die Jünger in Jerusalem sich in einem Wechselbad der Gefühle befanden, nachdem der geliebte Meister ihnen genommen ist. Einerseits hatte er ihnen versprochen, immer bei ihnen zu bleiben. Andererseits aber konnten sie in einer tiefen Sammlung verharren gerade dadurch, dass sie genau das befolgten, was Jesus ihnen gesagt hatte, nämlich Jerusalem nicht zu verlassen und sich im Abendmahlssaal bereit zu halten für das Kommen des Heiligen Geistes. Dabei werden sie zwei Gedanken immer wieder betrachtet haben, die Jesus ihnen eingeschärft hatte. Erstens, dass sie nicht “von der Welt sind” so wie Jesus selbst, und zweitens, dass sie “seine Freude in Fülle haben werden”.

Das Evangelium dieses 7. Ostersonntags besteht fast ausschließlich aus einem Gebet Jesu zu seinem himmlischen Vater. Immer wieder bittet er für die Seinen, die in der Welt sind. Wenn wir den Text genau lesen, erkennen wir auch, zu was das führt, dass “sie nicht von dieser Welt sind”. Er sagt: “Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind” (Joh 17,14).

Das gilt natürlich für alle Christen, dass die Welt uns hasst, weil wir sein Wort bekommen und angenommen haben. Zu allen Zeiten, aber in unserer “Zeit der Gottvergessenheit” (Benedikt XVI.) fällt es uns Christen besonders schwer, diese Spannung, diesen “Hass” der Welt auszuhalten. Es macht uns zu schaffen, wenn die Medien uns immer wieder die Verfehlungen einiger Kirchenleute um die Ohren schlagen.

Noch mehr aber macht es uns zu schaffen, wenn mitten aus dem Raum der Kirche verwirrende Äußerungen kommen, die man dort nicht erwartet. Wenn z.B. der Vorsitzende des Zentralkomités der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, verkündet, dass im ZdK niemand zur Beichte geht. Da tut sich ein Abgrund auf. Das bedeutet ja im Klartext: wir die führenden intellektuellen Katholiken, sind zu der Erkenntnis gekommen, dass eines der sieben Sakramente, die Christus explizit eingesetzt hat, überflüssig ist.

Könnte es denn vielleicht sein, dass auch in der Kirche selbst einige Elemente doch “von der Welt” sind. Im ZdK werden seit Jahren Reformen gefordert. Dass es sich bei den immer wieder gebetsmühlenartig geforderten Reformen in Wirklichkeit um Veränderungen handelt, müsste doch irgendwann einmal deutlich werden. Wieso sieht man das nicht, dass alle diese “Reformen”, das Frauenpriestertum, die Abschaffung des Zölibats und die Lockerung der Sexualmoral in anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften schon längst erfolgt sind, ohne dass dort ein Aufblühen festzustellen wäre.

Um es deutlich zu sagen: Das “Nicht-von-der-Welt-sein” heißt eben auch gelegentlich, zu den Forderungen der “Welt” nein zu sagen. Dass das nicht immer leicht ist, und dass es viel angenehmer wäre, wenn das eine oder andere Nachrichtenmagazin oder die eine oder andere Talkshow der katholischen Kirche Lob spendete, ist klar. Das ist ja auch der Grund, warum Jesus den Vater nicht bittet, “dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst” (Joh 17,16).

Auch wir brauchen, genau wie die Jünger damals, die Hilfe des Heiligen Geistes. Aber mit dieser Hilfe können wir ganz sicher rechnen. Voraussetzung, dass wir darum bitten. Auf den Heiligen Geist trifft zu, was der Herr in der Geheimen Offenbarung dem Apostel Johannes sagt: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür auftut, zu dem werde ich eingehen und Mahl mit ihm halten und er mit mir.“ (Off 3,20)

Das bedeutet aber auch: wenn wir die Türe (unseres Herzens) nicht auftun, tritt er nicht ein. Wenn aber doch, dann werden wir “seine Freude in Fülle haben” (Joh 17,15).

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.  Der Fe-Medienverlag hat einige ZENIT-Beiträge vom Autor als Buch mit dem Titel „Der Stein, den die Bauleute verwarfen“ herausgebracht.

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Südtirol: Neuer Seliger steht für politisches Christentum ein

Josef Mayr-Nusser – RV

Sie nannten ihn Pepi: Josef Mayr-Nusser wurde am 27. Dezember 1910 bei Bozen geboren. Er war in der schwierigen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ehrenamtlich sehr aktiv und wurde Präsident der Katholischen Jungmänner und der Bozner Vinzenzkonferenz. 1939 waren die Südtiroler vor die Wahl gestellt, nach Deutschland überzusiedeln und die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten, oder in Italien zu verbleiben und Kultur und Staat Italiens anzuerkennen. Pepi entschloss sich im Zug dieser so genannten Option dazu, anders als die Mehrheit der Südtiroler, in der Heimat zu bleiben und wurde damit zum „Dableiber”. Als 1943 Südtirol von den deutschen Truppen besetzt wurde, wurde Pepi zur deutschen Wehrmacht einberufen. Mit 80 anderen Südtirolern kam er nach Konitz in Ostpreußen, wo man alle der Waffen-SS zuteilte. Pepi machte die Ausbildung mit. Doch einen Tag vor der Eidesleistung erklärte er, dass er den Eid aus Gewissensgründen nicht leisten könne. Entgegen aller Hoffnungen wurde er in Danzig wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt und sollte in Dachau erschossen werden. Doch Pepi erlag noch während des Transports am 24. Februar 1945 im Viehwaggon seinen Strapazen. Sein Leichnam wurde 1958 nach Südtirol überführt. Seine letzte Ruhestätte findet er nun im Bozner Dom, wo an diesem Samstag er seliggesprochen wird.

Um 10 Uhr wird Kardinal Angelo Amato, der Präfekt der Kongregation für Selig- und Heiligsprechungsprozesse, mit zur Zeit zwölf angesagten Bischöfen zur Seligsprechungsfeier in den Dom einziehen. Der Südtiroler Bischof Ivo Muser bezeichnet diesen Tag als „Tag der Freude und des Glücks“, wie er nur wenigen anderen Ortskirchen zuteilwird. Er verbinde mit diesem Tag auch die große Hoffnung, dass diese Freude weit über den Samstag hinaus reichen werde.„Das ist meine ganz große Hoffnung, dass die Auseinandersetzung mit Joseph Mayr-Nusser nicht auf zwei Tage beschränkt bleibt, so wichtig und so erfreulich diese beiden Tage für uns alle sind. Entscheidend wäre es – und das ist für mich auch eine pastorale Priorität – dass wir uns mit dieser Gestalt auseinandersetzen. Ich sag es auch bewusst so, dass wir uns von dieser Gestalt herausfordern und provozieren lassen, weil diese Gestalt hat uns Entscheidendes zu sagen über unsere Einstellung zum Leben und wie sehr der eigene Glaube sich hineinsagen muss in unsere Beziehungen, in unsere Arbeit, auch in unsere politischen Entscheidungen.“Was dieser Selige gerade auch unserer Zeit zu sagen hat, ist für den Bischof weiter:„Joseph May-Nusser wäre nicht einverstanden mit einem Credo, das heute von vielen vertreten wird: Glaube ist Privatangelegenheit. Joseph Mayr-Nusser war nicht der Überzeugung, der Glaube gehört nur in die eigenen vier Wände hinein oder in die Sakristei: „Der Glaube muss sich zeigen, der Glaube muss sich auswirken“. Deswegen redet er so oft in seinen Briefen oder auch in seinen Vorträgen an die Jugendlichen, es geht um das Zeugnis geben, es geht dafür, dass der Christ einsteht für das, was er vom Evangelium erkannt hat und genau darin liegt seine Aktualität – Glaube ist nicht etwas Privates, Glaube ist in diesem Sinne tatsächlich immer auch politisch.“ Dies sei natürlich nicht parteipolitisch oder tagespolitisch zu verstehen, so Bischof Muser. Denn „die Verquickung zwischen Thron und Altar“ wie in alten Zeiten wolle keiner wieder erleben.„Aber der Glaube,“ so der Bischof weiter, „ist zutiefst politisch. Es geht darum, dass gläubige Menschen versuchen von ihrer Haltung, von ihrer Einstellung her die Gesellschaft mitzugestalten. Hoffentlich so mitzugestalten, dass ein doppeltes Ja, das für Joseph Mayr-Nusser fundamental war, dass ein doppeltes Ja deutlich wird, ein entschiedenes Ja zu Gott und aus diesem entschiedenen Ja zu Gott heraus ein entschiedenes Ja für den Menschen, vor Allem auch für jene Menschen, die nicht an der Sonnenseite des Lebens stehen und die oft keine Stimme in unserer Gesellschaft und auch in unserer Politik haben.“

(radio grünewelle/rv 17.03.2017 mg)