Syrien: Assad zeigt sich als Christenbeschützer

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Präsident Assad besucht Christen

Der syrische Präsident Baschar al-Assad hat sich nach der Wiedererlangung der vollen Kontrolle über Aleppo an Weihnachten als Beschützer der Minderheiten dargestellt. Das Regime in Damaskus veröffentlichte am Sonntag Bilder Assads mit Frau Asma beim Besuch eines Klosters.

Im Zentrum Aleppos fand in der teilweise schwer zerstörten Sankt-Elias-Kathedrale an Heiligabend die laut Beobachtern erste Messe seit Jahren statt. St. Elias liegt im Westen Aleppos, der auch schon vor der Evakuierung der Rebellengebiete vom Regime kontrolliert wurde.

Die Gewalt ging aber zumindest in den von Rebellen gehaltenen Gebieten am westlichen Stadtrand Aleppos weiter. Der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge wurden an Heiligabend bei Luftangriffen mindestens sechs Zivilisten getötet. Bereits am Vortag seien bei einem Bombardement drei Rebellen gestorben, hieß es.

Nach einem heftigen Bombenkrieg mit den laut UNO schwersten Luftangriffen im gesamten Bürgerkrieg hatte die syrische Armee, unterstützt von ihren Verbündeten Russland und dem Iran, die Rebellen-Enklave Mitte Dezember zu großen Teilen erobert. Die Evakuierung der verbliebenen Gebiete war am Donnerstag beendet.

(afp/ap 27.12.2016 mg)

Syrien: Es hilft nur noch beten

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Eine Ruinenstadt: Das einst blühende Aleppo in Syrien

Der syrischen Armee ist im Kampf gegen die Rebellen in Aleppo ein strategisch wichtiger Erfolg gelungen. Sie eroberte an diesem Montag nach Angaben des staatlichen Fernsehens den Stadtteil Sakhour. Die oppositionsnahe Beobachterstelle für Menschenrechte bestätigte das und sprach von „der größten Niederlage“ der Aufständischen in Aleppo seit 2012. Damit haben die Regierungstruppen das Rebellengebiet in Ost-Aleppo in zwei Teile zerschlagen.

Der Krieg in Syrien nimmt kein Ende – die Politik findet keine Lösung. Hilft jetzt nur noch beten? Vielleicht. Nun greift eine Initiative vom Niederrhein genau zu diesem Mittel und startet an diesem Montag eine Gebetsreihe im Wallfahrtsort Kevelaer. Elke Kleuren-Schryvers ist Ärztin und Vorsitzende der Stiftung Aktion pro Humanität und Mitorganisatorin der Gebetstreffen in Kevelaer. Gegenüber dem Domradio erläutert sie, weshalb das Gebet so wichtig für Syrien sei:

„Die Tatsache, dass sich politisch gar nichts bewegt, außer zunehmender Bombardements, der Auslöschung des östlichen Stadtteils von Aleppo und einer Gewalt ohne Einhalt, was die Humanität eigentlich gebietet, ist unser Antrieb. Von Rupert Neudeck haben wir gelernt, dass gerade in diesen Situationen eines noch helfen kann. Er hat selber die Erfahrungen mit den Grünhelmen gemacht, dass dann nur noch beten hilft. Den Himmel bestürmen, Sturm beten, so wie er das genannt hat. An diese verzweifelte Situation haben wir uns erinnert, als wir in der letzten Woche von der Situation der Menschen in Aleppo gehört haben, die in diesem östlichen Stadtteil leben.“

An diesem Montag um 19.30 Uhr treffen sie sich auf dem Kapellenplatz an der Friedenslichtstele, die aus Anlass der Interreligiösen Friedenswallfahrt im letzten Jahr noch von Rupert Neudeck eingeweiht wurde.

„Es gibt zu jedem Friedensgebet an den kommenden Adventsmontagen neue Texte, natürlich mit der gleichen Gebetsintention für die Menschen in Syrien, aber auch für die Welt, die im Krieg ist. Ziel ist es, endlich das zu erreichen, was Rupert Neudeck wollte, nämlich dass kein neuer Krieg ausbricht, sondern dass endlich Frieden einkehrt.“

Die Gruppe steht in Kontakt mit Menschen, die ihrerseits Kontakte nach Aleppo haben und insbesondere auch Wege dorthin kennen. „Eine konkrete Hilfsaktion hat sich daraus aber noch nicht entwickelt. Wir werden sehen, was da in näherer Zukunft machbar ist. Ich bin zuversichtlich, dass wir Wege finden, vielleicht aber auch nur, einzelnen Menschen zu helfen. Denn die Situation ist derzeit so, dass man das im großen Stil gar nicht kann.“

(domradio/afp/reuters 28.11.2016 mg)

Russland: Kyrill will mit Katholiken für Frieden eintreten

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Kyrill I. und Putin

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. will sich gemeinsam mit der katholischen Kirche für Frieden in Syrien starkmachen. Bei einer Begegnung mit dem Ökumene-Beauftragten des Vatikan, Kurienkardinal Kurt Koch, kündigte er am Dienstag in Moskau russischen Agenturberichten zufolge eine weitere Zusammenarbeit mit der römisch-katholischen Kirche an. Man wolle „mit vereinten Kräften erreichen, dass das Leid aufhört und die Menschen ein friedliches Leben haben“.

Syrien müsse vollständig wiederaufgebaut werden, hieß es weiter. Mit Blick auf Moskau und Washington sagte das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche: „Beide Koalitionen haben ihren Kampf gegen den Terrorismus bisher nicht genügend koordiniert, um erfolgreich zu sein.“ Für die syrischen Christen sei es wichtig, dass auch die Kirchen wiedererrichtet würden. Die katholische und die russisch-orthodoxe Kirche hatten im Frühjahr ein gemeinsames Programm zum Wiederaufbau von christlichen Gotteshäusern beschlossen.

Kyrill I. sprach sich auch für die Umsetzung des Minsker  Friedensabkommens für die Ukraine aus. Er stehe weiter zu der im Februar auf Kuba mit Papst Franziskus vereinbarten „friedensstiftenden Mission“ für das osteuropäische Land.

(kna 23.11.2016 sk)

Vatikan/Syrien: „Kardinalsrot bedeutet Blut“

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Erzbischof Mario Zenari, Nuntius in Syrien und bald Kardinal

Am Samstag kreiert Franziskus neue Kardinäle. Zum Kardinal erhoben zu werden hat vor allem mit Würde und Entscheidungsmacht zu tun, mag man denken – dieser Eindruck verstärkt sich nicht zuletzt durch die pompöse Zeremonie im Petersdom. Der diesjährige Kandidat aus Syrien setzt diesen Akzent: „Das scharlachrote Kardinalsrot bedeutet Blut, es bedeutet dazu bereit zu sein, sein Blut für die Treue zu Christus und seine Kirche zu geben“, erinnert der Nuntius von Damaskus im Interview mit Radio Vatikan. Erzbischof Mario Zenari ist gebürtiger Italiener und einer der 17 kirchlichen Würdenträger, denen der Papst am Samstag das rote Birett aufsetzen wird.

Er deutet seine Erhebung zum Kardinal als Zeichen der Solidarität mit der notleidenden syrischen Bevölkerung:

„Ich habe da direkt an Syrien gedacht: Diese Kardinalswürde enthält das Blut vieler Menschen, vor allem der Kinder. Ich werde also all diese Personen, all das Leid am Samstag und Sonntag zum Petersplatz tragen. Ich erinnere mich etwa an die zwei Kinder, vier und neun Jahre alt, die auf einem Balkon in Damaskus von eine Mörsergranate getroffen wurden, als sie dort auf ihre Mutter warteten. Sie waren auf der Stelle tot. Dann, vor ein paar Monaten, ein weiterer Fall in Aleppo: Eine Granate fiel auf ein Altenheim, das von einer Ordensgemeinschaft geführt wurde. Als ich in Eile dort ankam, sah ich das Blut auf der Erde, das Blut einer alten Frau, die voll getroffen worden war. Wenn ich jetzt zum Petersdom komme, behalte ich meine Schuhe an, an denen dieses Blut klebt. Ich trage es vor das Petrusgrab.“

Zum Ende des Heiligen Jahre der Barmherzigkeit feiert Erzbischof Zenari am kommenden Sonntag zusammen mit dem Papst und den anderen neuen Kardinälen eine Heilige Messe im Petersdom. Das Motto des Jubeljahres versteht der Nuntius in Syrien nicht als guten Vorsatz; es sei für die kirchlichen Helfer vor Ort sozusagen das tägliche Brot im Kriegsalltag – etwa wenn es um die Bestattung der Toten geht: „In Europa ruft man ein Unternehmen an und macht die Beerdigung. In Syrien gibt es Menschen, Priester, die unter Beschuss der Heckenschützen ihr Leben riskieren, um von den Straßen die Toten aufzulesen. Und wenn wir über die Bestattung sprechen: man geht von 400.000 Toten in Syrien aus.“

Von 400.000 Toten und 2 Millionen Verletzten, 5 Millionen Isolierten und tausenden Belagerten, die aufgrund der Kriegsgefechte nur schwer oder gar keine Hilfe erreicht, 4,5 Millionen Flüchtlingen und 7 Millionen Binnenflüchtlingen. Insgesamt seien 13,5 Millionen Menschen im Land dringend auf Hilfe angewiesen. Der Nuntius nennt ein paar Zahlen, zeichnet mit groben Strichen die Fratze des Krieges. Vor allem Essen und Trinkwasser seien ein Riesenproblem, da Zuleitungen zerstört worden seien. Das sei aber noch nicht alles, fügt Zenari dann an: „Das, was man nicht sieht, die größten Schäden, sind die Bomben, die in die Seele eingedrungen sind, in die Herzen der Kinder, die so viel Gewalt gesehen haben. In ein paar Jahren wird man diese Gebäude, die Infrastrukturen wieder aufbauen; wie aber kann man die Herzen, die Seelen dieser Kinder wieder heilen, die solch tiefe Wunden davongetragen haben? Das ist eine Herausforderung für alle Religionen in Syrien, dieser Wiederaufbau der Seelen.

(rv 17.11.2016 pr)

Pfeifen im Walde: Vatikan hofft auf Frieden in Syrien

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Kardinal Pietro Parolin

Der Vatikan drängt auf einen neuen Anlauf zu einem Waffenstillstand für Syrien. Gleichzeitig soll der sogenannte „Islamische Staat“ bekämpft und beseitigt werden, damit die geflohenen Christen in ihre Heimat zurückkehren können. Das sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin auf einer Syrien-Konferenz in Rom an diesem Wochenende.

„Hoffen wir, dass sich die Lage in die richtige Richtung bewegt, so dass vor allem ein Waffenstillstand erreicht wird, dann ein Ende des Kriegs und schließlich eine Lösung auf dem Verhandlungstisch! Das ist das Hauptanliegen des Heiligen Stuhls: dass sich die streitenden Parteien wirklich zusammensetzen und gemeinsam um einen Ausweg bemühen. Darauf hoffen wir. Und wir hoffen auch, dass die neue Weltlage, die sich durch die Wahl des neuen Präsidenten in den USA ergeben hat, das begünstigen wird.“

Parolin führt das nicht weiter aus. Ein militärisches Eingreifen der USA in den Syrienkrieg wünscht sich der Vatikan nicht. Als US-Präsident Barack Obama vor drei Jahren einmal laut über diese Option nachdachte, organisierte Papst Franziskus prompt einen Tag des Fastens und Betens für den Frieden in Syrien und auch im Irak. Dabei wurde ziemlich deutlich, dass er gegen ein US-Eingreifen auf dem syrischen Kriegsschauplatz war. Kirchenleute in Syrien betonen immer wieder, die Syrer müssten ohne die Beteiligung ausländischer Mächte – etwa Russlands, Saudi-Arabiens oder des Iran – selbst einen Frieden für ihr Land finden.

„Natürlich hoffen wir, dass eine umfassende Lösung auch für die Christen eine Lösung mit sich bringt“, so Parolin weiter: Sie sollen auf vollgültige Weise Bürger ihrer Heimat und ihres Staates sein dürfen und mitmachen dürfen beim Wiederaufbau ihrer Gesellschaft, zusammen mit den anderen Bürgern. Sie sollen sich als Teil ihrer Gesellschaft fühlen dürfen.“

Der Regierungschef des Vatikans und engste Mitarbeiter des Papstes äußerte sich auf einer dreitägigen Konferenz mit dem Titel „Damaskus, Prisma der Hoffnung“. Mit dieser Konferenz feierte das Päpstliche Ostkircheninstitut „Orientale“ sein hundertjähriges Bestehen. Das mit der „Hoffnung“ im Titel der Konferenz hat etwas vom Pfeifen im Walde, das wurde in den Vorträgen und Gesprächen immer deutlicher. Kardinal Leonardo Sandri, Präfekt der Kongregation für die Ostkirchen, dachte vor allem an die verzweifelte Lage der in Ost-Aleppo eingeschlossenen 250.000 Menschen.

„Leider erfüllen uns alle Nachrichten, die von dort kommen, mit Schaudern und Angst. Wir teilen den furchtbaren Schmerz unserer Geschwister in Aleppo und im ganzen Nahen Osten. Das Panorama ist negativ und düster; trotzdem setzen wir auf Frieden, auf Verständigung, Dialog, auf ein Auskommen aller Menschen und Religionen. Mögen vor allem die Christen immer für eine Art Gleichgewicht in dieser Region sorgen.“

Auch die Christen im Heiligen Land sind solidarisch mit ihren Glaubensgeschwistern in Syrien und dem Irak. Das betonte der neue Apostolische Administrator des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, der Franziskaner Pierbattista Pizzaballa. „Es gibt bei uns nicht einen Christen, der nicht von seinen Geschwistern in Syrien und im Irak spricht. Diese Solidarität zu sehen, ist etwas sehr Schönes. Sie ist auch konkret, mit Kollekten und Gebetswachen. Unsere Christen bewundern das Zeugnis, das die Christen in Syrien und im Irak geben; das ermutigt sie dazu, trotz ihrer eigenen vielen Probleme im Heiligen Land nach vorn zu blicken.“

Schon klar: Das Desaster in Syrien und dem Irak hat den ewigen Palästina-Konflikt in der öffentlichen Aufmerksamkeit nach hinten rutschen lassen. Pizzaballa sagt: „Wie im ganzen Nahen Osten gibt es auch im Heiligen Land – in Israel und Palästina – im Moment mehr Extremismus. Und das ist beunruhigend, weil das nicht mehr nur Episoden sind wie früher, sondern weil dahinter immer mehr eine Ideologie zum Vorschein kommt, die uns allmählich beunruhigt. Ich glaube allerdings, dass man diese Lage noch in den Griff bekommen kann. Anders als im Rest des Nahen Ostens – da ist sie längst außer Kontrolle…“

(rv 14.11.2016 sk)

Syrien: „Ohne Bildung wächst die nächste IS-Generation heran“

Belgium, 10th to 12th October 2016: Brussels (European Union) Meeting with the Vice-president of the European Parliament Mr. Antonio Tajani and a group of MEPs heading the different political party groups. Present the children’s letters and pictures from Syria to the political leaders in Brussels. Over the last few days, more than one million Syrian children in over 2,000 schools across the country have signed an appeal for peace, written letters to political decision makers and made drawings. On the left: Metropolitan George Abdou Zakhem of Homs, Patriarch H.B. Gregorius III - Gregory III Laham Greek Melkite of Antioch, Syriac Orthodox Archbishop Selwanos Boutros Al-Neme, Fr. Dr. Andrzej Halemba Fr. Andrzej Halemba (Head of ACN’s Middle East department) and Mark von Riedemann und Marcela Szymanski (second row)

Belgium, 10th to 12th October 2016: Brussels (European Union)
Meeting with the Vice-president of the European Parliament Mr. Antonio Tajani and a group of MEPs heading the different political party groups.
Present the children’s letters and pictures from Syria to the political leaders in Brussels.
Over the last few days, more than one million Syrian children in over 2,000 schools across the country have signed an appeal for peace, written letters to political decision makers and made drawings.
On the left: Metropolitan George Abdou Zakhem of Homs, Patriarch H.B. Gregorius III – Gregory III Laham Greek Melkite of Antioch, Syriac Orthodox Archbishop Selwanos Boutros Al-Neme, Fr. Dr. Andrzej Halemba Fr. Andrzej Halemba (Head of ACN’s Middle East department) and Mark von Riedemann und Marcela Szymanski (second row)

Vergangene Woche haben hochrangige Kirchenvertreter aus Syrien Bilder und Botschaften von 1,2 Millionen syrischen Kindern an Spitzenvertreter der Europäischen Union und der Vereinten Nationen übergeben. Darin bittet die junge Generation die Weltgemeinschaft um ein Ende des Sterbens, mehr Sicherheit und bessere Bildungschancen. Die Bilder waren bei einem landesweiten Gebets- und Aktionstag unter dem Motto „Frieden für Kinder“ entstanden, der in mehreren syrischen Städten wie Homs, Aleppo und Damaskus durchgeführt wurde. Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ hatte die Veranstaltung zusammen mit orthodoxen Kirchenvertretern initiiert.

Als „Botschafter der Kinder“ waren das Oberhaupt der melkitischen griechisch-katholischen Kirche, Patriarch Gregorius III. Laham, der Metropolit der griechisch-orthodoxen Kirche, George Abou-Zakhem, sowie der syrisch-orthodoxe Bischof Silvanos Petros Al-Nemeh zu Institutionen der Europäischen Union und der Vereinten Nationen gereist.

In Brüssel traf die Delegation unter anderem mit Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz zusammen. „Es wird nur dann Frieden in Syrien geben, wenn die Weltgemeinschaft sich endlich wieder an einen Tisch setzt. Nur so können Sicherheit und Stabilität wiederhergestellt werden. Aber Frieden kann nicht von außen befohlen werden, er muss in den Herzen beginnen – und das zu vermitteln, ist und bleibt die Aufgabe der Kirchen“, sagte Patriarch Gregorius beim Gespräch mit Schulz.

Dieser hob hervor, dass die EU mit großer Sorge die Situation in Syrien verfolge. „Es ist für uns wichtig, eine Innenansicht des Kriegsgeschehens und der Situation der Menschen in Syrien zu bekommen. Ihr Besuch hat bei allen Gesprächspartnern einen tiefen Eindruck hinterlassen.“ Schulz dankte den Kirchen für die humanitäre Hilfe und ihren Friedenseinsatz.

Am Sitz der Vereinten Nationen in Genf trafen die Bischöfe mit dem Hochkommissar für Menschenrechte, Prinz Zaid Al-Hussain, und dem Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, zusammen. Dabei lag der Fokus auf einer intensiveren Zusammenarbeit der Kirchen mit den UN-Institutionen vor Ort. „Die Vereinten Nationen brauchen die Kirchen als Friedensbotschafter, denn sie erreichen die Herzen der Menschen“, hob Grandi hervor.

Auf die hohe Bedeutung der Christen für die syrische Gesellschaft ging Metropolit George Abou-Zakhem ein. „Christen wird auch von den muslimischen Nachbarn großes Vertrauen entgegengebracht. Das erleben wir auch jetzt bei unseren Hilfsaktionen. Man kann sagen, dass wir der ,Kitt‘ der syrischen Gesellschaft sind.“ Aufgabe der Kirchen sei es, die Spaltungen der Kriegsparteien zu überwinden und so den Weg für Frieden zu bereiten. So geschehe es zum Beispiel in seiner Bischofsstadt Homs, wo man eng mit den Muslimen zusammenarbeite. Im Frühjahr und Sommer wurden Stadt und Region Homs von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ befreit. Viele Menschen kehrten jetzt in ihre Heimat zurück. Die Kirche unterstütze Christen wie Muslime gleichermaßen. „Wir erleben, wie das soziale Leben wieder zu blühen beginnt. Das muss auch für die anderen Regionen möglich werden“, sagte Abou-Zakhem.

Bischof Silvanos Petros Al-Nemeh fügte hinzu: „Die Präsenz der Christen überall im Land ist die Garantie dafür, dass die Einheit Syriens erhalten bleibt.“ Das wirksamste Mittel, den IS zu bekämpfen, sei Bildung. „Ohne Schulen wächst die nächste Generation des IS heran. Die Kirchen bauen überall im Land die Schulen wieder auf. Sie sind offen für jeden.“ Über 90 Prozent der Schüler in kirchlichen Schulen seien Muslime, „denn die Eltern schätzen die Qualität unserer Ausbildung und wollen, dass ihre Kinder gemeinsam mit Christen aufwachsen“, erklärte Al-Nemeh.

Derzeit können nach Informationen der Oxford Research Group mehr als zwei Millionen syrische Kinder aufgrund des Krieges keine Schule besuchen. „Die Kirchen sind in einigen Regionen die einzigen, die Unterricht organisieren und der notleidenden Bevölkerung effektiv helfen“, erklärte der Nahost-Experte von „Kirche in Not“, Andrzej Halemba. Auch viele Hilfsorganisationen hätten sich aus Sicherheitsbedenken aus den umkämpften Gebieten zurückgezogen. Umso wichtiger sei es deshalb, die kirchlichen Einrichtungen zu unterstützen, so Halemba. „Nur wenn wir vor Ort helfen, können wir verhindern, dass noch mehr Menschen flüchten müssen.“

„Kirche in Not“ hat seit Beginn des Syrienkriegs Hilfen in Höhe von 14,6 Millionen Euro geleistet. Damit werden unter anderem Lebensmittelpakete, Medikamente, Babynahrung und Wohnraum für kinderreiche Familien finanziert. Außerdem unterstützt das Hilfswerk den Wiederaufbau zerstörter Kirchen und Klöster sowie die Arbeit der christlichen Schulen.

Um weiter in der Kriegsregion helfen zu können, bittet das Hilfswerk um Spenden – online unter www.spendenhut.de oder an folgendes Spendenkonto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05
Verwendungszweck: Syrien

(Quelle: Pressemitteilung KiN)

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Quelle

Irak: Angst und Hoffnung auf die Befreiung von Mosul

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Weihbischof Schlemon Warduni

Mit Angst und Bangen aber auch mit großen Hoffnungen blicken die irakischen Christen auf die „Befreiung“ der Stadt Mosul von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Aus mehreren Richtungen stießen irakische Truppen und kurdische Kämpfer am Montag auf Mosul vor, wie die internationalen Medienagenturen berichten. Dabei hätten die Kämpfer des IS mit Selbstmordattentate versucht, den Vorstoß zu stoppen. Die Peschmerga, wie die Kurden die Kämpfer ihres Teilstaats nennen, hätten zwanzig Dörfer eingenommen und 200 Quadratkilometer Territorium erobert, sagte ein kurdischer Kommandant.

„Wir wollen eine befreite Stadt und eine befreite Ninive-Ebene“, sagt im Gespräch mit Radio Vatikan der chaldäische Weihbischof von Bagdad, Shlemon Warduni. Es sei die Zeit gekommen, dass die von den Terroristen vertriebenen Christen und Muslime wieder in ihre Häuser zurückkehren sollten, fügte der Weihbischof an.

„Wir wollen eine Befreiung, aber eine Befreiung ohne Waffen! Das scheint jedoch unmöglich zu sein. Der Mensch kann zum Täter werden und zwar wenn er Gott nicht liebt und kein Gewissen hat. Da denkt er nicht an die Kinder, an die Frauen. Was wir brauchen, ist eine Befreiung, die vor allem wieder Sicherheit und Ruhe bringt. Zu lange haben wir in den Städten und Dörfern gelitten. Wenn wir von Befreiung sprechen, dann meinen wir auch Sicherheit für die Zukunft.“

Die Angst vor einem zweiten Aleppo, also einer von den internationalen Großmächten umkämpften Stadt, sei gegenwärtig. Es müsse also vor der endgültigen Befreiung vom IS auch klargestellt werden, dass die Stadt ihren ursprünglichen Bewohnern gehöre und sie über die Zukunft befinden sollten. „Das müssen alle mit dem Gewissen hinnehmen und daran denken, dass es Gott gibt, der Liebe ist und nicht ein Gott der Rache. Ich hoffe sehr, dass es keine Racheakten geben wird. Das wird aber wohl sehr schwierig sein und hoffe zumindest, dass es nicht zu noch mehr Blutvergießen kommt. Ein weiteres Aleppo darf nicht geben.“

Auch der für die katholischen Ostkirchen zuständige Kurienkardinal Leonardo Sandri, der derzeit christliche Flüchtlinge in Jordanien besucht, reagiert „hoffnungsvoll“ auf die Nachrichten aus Mosul, wie er im Gespräch mit Radio Vatikan sagt:

„Diese Nachricht erweckt in der Tat Hoffnung, aber sicherlich ist es eine Hoffnung, die mit Leid gebunden ist, weil es Opfer gibt und geben wird. Wir befürchten alle, dass es viele unschuldige Opfer geben wird, die als ,Schutzschilder´ benützt werden. Wir hoffen also, dass diese Befreiung so wenige Opfer wie möglich verursachen wird, insbesondere keine Kinder und Kranke.“

(rv 18.10.2016 mg)