Das Heiligtum Unserer Lieben Frau von Europa

Das Heiligtum Unserer Lieben Frau von Europa (englisch Shrine of Our Lady of Europespanisch Santuario de Nuestra Señora de Europa) ist eine römisch-katholische Wallfahrtskirche und ein Nationalheiligtum auf der Südspitze der Halbinsel Gibraltar (Europa Point – Punta de Europa). Unter dem Titel Unsere Liebe Frau von Europa verehren Katholiken Maria als Patronin Gibraltars und Europas. Ihren Gedenktag legte Papst Johannes Paul II. auf den 5. Mai, den Europatag.

An der Stelle, die heute Europa Point heißt, begann im Jahr 711 die maurische Eroberung der Iberischen Halbinsel. Zum Gedenken daran wurde hier eine Moschee gebaut. 1309 wurde Gibraltar im Zuge der Reconquista kastilisch. Die Moschee wurde in eine Kirche umgewandelt und Unserer Lieben Frau von Europa geweiht. 1333 wurde die Landzunge wieder maurisch und das Gotteshaus islamisch, 1462 wieder kastilisch und katholisch. Danach nahm die Verehrung der Virgen de Europa starken Aufschwung und verbreitete sich im ganzen europäischen Mittelmeerraum.

Im Jahr 1704 wurde Gibraltar im Spanischen Erbfolgekrieg von britisch-niederländischen Truppen eingenommen. Die protestantischen Eroberer plünderten die Kirche und zerschlugen das Gnadenbild der Madonna mit dem Kind. Die Bruchstücke konnten jedoch geborgen und wieder zusammengefügt werden. Die Skulptur wurde nach Algeciras gebracht.

Das Kirchengebäude wurde für militärische Zwecke genutzt. Erst 1961 überließ die britische Verwaltung es dem Bistum Gibraltar. Zu diesem Zeitpunkt war es verfallen und als Kirche unbrauchbar. Der erste Rektor Louis Orfila (1926–2010) setzte sich mit großer Energie für die Wiederherstellung ein. Am 28. September 1962 feierte Bischof John Farmer Healy die erste Messe in den Mauern. Am 7. Oktober 1967 kehrte die Virgen de Europa aus Algeciras in ihr Heiligtum zurück. Die feierliche Kirchweihe vollzog Bischof Edward Rapallo am 5. Oktober 1980. Ab 1994 wurde, zum Teil aus EU-Mitteln, eine Grundsanierung und Erweiterung durchgeführt. Deren Abschluss wurde 1997 mit einer feierlichen Inthronisation des Gnadenbilds begangen. Zur 700-Jahr-Feier 2009 verlieh Papst Benedikt XVI. dem Heiligtum die Goldene Rose. Im April 2011 machte das Weltjugendtagskreuz hier Station.

Die Architektur der eingeschossigen, außen weiß verputzten Kirche ist schlicht. Trotz der Veränderungen der 1960er und 1990er Jahre sind im Inneren noch maurische und romanische Formen sichtbar. Der Glockenturm wurde im 20. Jahrhundert hinzugefügt. Er ist über die Straße von Gibraltar hin sichtbar.

Das Gnadenbild Unsere Liebe Frau von Europa, eine etwa 60 cm hohe, farbig gefasste und gekrönte Holzskulptur Marias mit dem Kind, wird auf ca. 1500 datiert.

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Quelle

Siehe dazu vor allem auch:

Kardinal: Benedikt XVI. sprach schon im April 2012 von Amtsverzicht

Papst Benedikt XVI.

Der frühere Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone schreibt in seiner Autobiografie, er habe Papst Benedikt seinerzeit „mit Respekt, aber nachdrücklich“ von einem Amtsverzicht abgeraten. Bertone zufolge sprach der heute emeritierte Papst schon im April 2012 von Rücktrittsabsichten.

Benedikt XVI. gab seinen Amtsverzicht am 11. Februar 2013 bekannt. Bertone, damals Kardinalstaatssekretär des Papstes, schreibt nun, Benedikt habe ihm gegenüber schon am 30. April 2012 eine entsprechende Andeutung gemacht. Die Bemerkung sei aber ohne Resonanz geblieben, zitiert der Vatikan-Journalist Andrea Tornielli auf der Internetseite „Vatican Insider“ (Freitag) aus dem Buch. Erst im August habe Benedikt XVI. während des Sommerurlaubs in Castel Gandolfo erneut davon gesprochen. „Ich konnte kaum glauben, dass er wirklich so einen Entschluss gefasst haben sollte“, schreibt Bertone. Er habe dem Papst „mit Respekt, aber nachdrücklich“ Gründe gegen einen Amtsverzicht vorgetragen.

“Ich konnte kaum glauben, dass er wirklich so einen Entschluss gefasst haben sollte”

Nach der Schilderung Bertones wäre die erste Rede von einem Rücktritt wenige Wochen nach der Mexiko- und Kuba-Reise Benedikts XVI. erfolgt, die den damals fast 85-Jährigen sichtlich anstrengte. Diese Version steht in Einklang mit einer späteren Interviewäußerung des emeritierten Papstes.

So sagte der bereits emeritierte Papst 2016 der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“, er habe sich nach den Erfahrungen seiner Mexiko- und Kuba-Reise im Frühjahr 2012 nicht in der Lage gefühlt, eine weitere so anstrengende Reise zum Weltjugendtag nach Rio de Janeiro 2013 zu unternehmen.

Ein Weltjugendtag ohne die „physische Anwesenheit des Papstes“ sei aber undenkbar, so Benedikt XVI. „Dies war ein weiterer Umstand, weshalb ich den Rücktritt als meine Pflicht gesehen habe.“ Er habe einsehen müssen, dass er die anstehenden Aufgaben unmöglich hätte bewältigen können. „Deswegen war ich in gewisser Weise dazu gezwungen, mich in die Hände Gottes zu begeben, mich Jesus anzuvertrauen“.

“Von da an musste ich in relativ kurzer Zeit über das Datum meines Rücktritts entscheiden”

Während seiner Lateinamerika-Reise 2012 habe er die physischen Grenzen seines Körpers stark gespürt, so Benedikt XVI. weiter. Gespräche mit seinem Arzt bestätigten, dass eine Teilnahme am Weltjugendtag in Rio unmöglich war. „Von da an musste ich in relativ kurzer Zeit über das Datum meines Rücktritts entscheiden.“

Sein Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein nannte in einem Interview des „Süddeutsche Zeitung Magazin“ 2014 ebenfalls die strapaziöse Reise im März 2012 als Hauptgrund für die Entscheidung. Der Leibarzt des Papstes habe damals erklärt, „einen erneuten Flug über den Atlantik werde er nicht überstehen“. Seine Entscheidung zu einem Rücktritt äußerte Benedikt XVI. laut Gänswein aber erst im August 2012.

(kna – gs)

Weihbischof Athanasius Schneider: Das wahre Gesicht der Freimaurerei

 

Vortrag für die TV-Reihe THEMA der Päpstlichen Stiftung
KIRCHE IN NOT

In diesem Jahr feiert die Freimaurerei dreihundert Jahre ihres offiziellen Bestehens. Nach der offiziellen Version entstand diese Organisation am 24. Juni 1717 in London. Das war das Ergebnis der Vereinigung von vier „Logen“ oder Geheimgesellschaften, aus denen dann die Großloge von London entstand. Ein protestantischer Geistlicher namens James Anderson schrieb die ersten Freimaurersatzungen.

Was ist nun eigentlich die Freimaurerei? Schon zwanzig Jahre nach deren offizieller Gründung hat die Kirche diese religionsähnliche Vereinigung verurteilt und zwar mit der höchsten kirchlichen Strafe der Exkommunikation. Und warum? Weil die Freimaurerei eine naturalistische Religion ist, ein Gemisch von Pantheismus und Gnosis mit Selbsterlösung. Diese Religion ist nur scheinbar tolerant. In der Tat ist sie jedoch äußerst anspruchsvoll und intolerant. Die Freimaurer betrachten sich als „Eingeweihte“, als „Vollkommene“ und „Erleuchtete“, den Rest der Menschen hingegen als „profan“, „unvollkommen“ und „verfinstert“. Die Freimaurerreligion bezweckt die Unabhängigkeit vom wahren Gott, so dass der Mensch selber an die Stelle Gottes tritt und entscheidet, was gut und böse ist. In den Anfangsgraden wird eine unbestimmte, nebelhafte Gottheit, der sogenannte „Große Baumeister der Welt“ verehrt, welcher in den höheren und dann in den höchsten Graden immer konkreter wird, dort wird er nämlich als Luzifer, als Satan, als der Gute, als der Widersacher Gottes identifiziert und der wahre Gott wird dann als der Böse aufgefasst.

Die Kirche erkannte, dass es sich bei der Freimaurerei um eine wahre und immer mächtiger werdende Geheimgesellschaft mit pseudoreligiösem Inhalt handelt, die sich rasch in zahlreichen Zweitorganisationen und oft unter verschiedenen Bezeichnungen verbreitete und in die Machtpositionen der Gesellschaft, vor allem in Politik und in das Finanzwesen, eindrang. Es war Papst Pius VIII., der im Jahre 1829 eine der prägnantesten und zutreffendsten Definitionen der Freimaurerei gab: Es handelt sich um eine satanische Sekte, welche den Dämon als ihren Gott hat (cf. Traditi humilitati nostrae).

Das Wesen der Freimaurerreligion besteht in der Perversion, in der Umdrehung der von Gott gegebenen Schöpfungsordnung. In der Übertretung der Gesetze Gottes sehen die Hochgradfreimaurer den wahren Fortschritt der Menschheit, den geistigen Bau des Tempels der Menschheit. Anstelle der Offenbarung Gottes tritt das Freimaurergeheimnis und der Mensch macht sich letztlich selbst zum Gott (vgl. X. Dor, Le Crime contre Dieu, Chiré-en-Montreuil, 2016, 162).

In der Tat ist die Freimaurerei die perfekte Anti-Kirche, wo alle theologischen und sittlichen Grundlagen des katholischen, von Gott geoffenbarten Glaubens und Seiner der Kirche ins Gegenteil verkehrt sind. Einmal sagte ein Mitglied der Freimaurerei in einem vertrauten Gespräch zu seiner Schwester: „Weißt du, was wir Freimaurer eigentlich sind? Wir sind die Gegen-Kirche“. Historiker erkannten in der Freimaurerei schon den Keim des politischen Totalitarismus (z.B. A. Cobban, Historia de las Civilizaciones, zitiert in: A. Bárcena, Iglesia y Masonería, Madrid 2016, 71). Das Verwirrende und Täuschende dabei ist, das sich die Freimaurerei mit attraktiven Begriffen wie „Philanthropie“, „Humanismus“, „Intellektualität“ und „Toleranz“ lobt und gleichzeitig auch tarnt. Mit der Ablehnung der übernatürlichen göttlichen Offenbarung lehnt die Freimaurerei auch das Naturgesetz ab. Das ist aber genau der Punkt, der zu allen totalitaristischen Systemen führt. Schon der Genfer Freimaurer und Philosoph Jean-Jacque Rousseau bekannte:

„Das Leben des Menschen ist nicht nur eine Gabe der Natur, sondern ein bedingtes Geschenk des Staates“ (Der Gesellschaftsvertrag, II, 5).

Der politische und gesellschaftliche Anarchismus ist ein Phänomen, das am meisten den Geist der Freimaurerei verkörpert, da ja einer ihrer zentralen Leitsätze lautet: „Ordo ab chao“. Das bedeutet, dass man muss zuerst ein Chaos schaffen muss, um dann eine neue, d.h. eine andere Ordnung zu bilden. Im Ritual der Freimaurerei des sogenannten „Alten und Angenommenen Schottischen Ritus“ aus dem Jahre 1892 erhält der Anwärter des vorletzten 32. Grades folgende Belehrung:

„Der erste Kanonendonner erfolgte, als Luther sich die Rebellion des Verstandes in den Kopf setzte; der zweite Kanonendonner war, als in Amerika verkündet wurde, dass jede menschliche Regierung seine Autorität vom Volk erhält und nur vom Volk; der dritte Kanonendonner war, als in Frankreich die Menschenrechte in der Formulierung Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit verkündet wurden“ (M. Tirado Rojas, La Masoneria en Espana, 1892, I, 163). Der Anwärter des 33. Grades erhält dann diese Belehrung: „Weder das Gesetz, noch das Eigentum, noch die Religion dürfen über den Menschen bestimmen; und da sie den Menschen vernichten, indem sie ihm seiner wertvollsten Rechte berauben, so sind das Gesetz, das Eigentum und die Religion Mörder, an denen wir geschworen haben, fürchterlichste Rache zu nehmen; sie sind Feinde, gegen die wir einen unerbittlichen Krieg um jeden Preis geschworen haben. Von diesen drei verrufenen Feinden muss die Religion der ständige Gegenstand unserer tödlichen Angriffe sein. Wenn wir die Religion zerstört haben, werden wir das Gesetz und das Eigentum zu unserer Verfügung haben und können die Gesellschaft regenerieren, indem wir über den Leichen jener Mörder, die freimaurerische Religion, das freimaurerische Gesetz und Eigentum errichten“ (ebd. 169-170). Unter „Religion“ ist in diesem Sprachgebrauch des Freimaurerritus letztlich die christliche und näherhin die katholische Religion gemeint.

Es ist bekannt, dass die europäische Freimaurerei und insbesondere Kerensky, der Großmeister des Großen Orients von Russland, die kommunistische Oktoberrevolution von 1917, im zweihundertsten Jahr der Gründung der Freimaurerei, logistisch und politisch entscheidend unterstützten. Lenin und die neuen kommunistischen Machthaber duldeten nach ihrem Sieg keine Konkurrenz, deswegen verboten sie in der Sowjetunion die traditionelle Freimaurerei. Beim dritten Kongress der Kommunistischen Internationale im Jahre 1921 erhielt die traditionelle Freimaurerei folgende bezeichnende Beurteilung: „Die Freimaurerei erinnert uns durch ihre Riten an religiöse Gebräuche. Wir wissen aber, dass jede Religion das Volk unterdrückt. Die Freimaurerei stellt eine gesellschaftliche Kraft dar und wegen dem Geheimhaltungscharakter ihrer Sitzungen und der absoluten Verschwiegenheit ihrer Mitglieder, stellt sie eine Art Staat im Staat dar“.

Die Freimaurerei unterstützte z. B. auch die sogenannten sexuelle Revolution von 1968. Die beiden Großmeister der größten Freimaurerverbände in Frankreich Frederic Zeller und Pierre Simon waren mit einigen ihrer Logenmitglieder aktiv an den Studentenrevolten in Paris im Mai 1968 beteiligt. Der erwähnte Großmeister Pierre Simon war dann Assessor der Ministerin Simone Weil, die in Frankreich die Abtreibung legalisiert hatte. Im Jahre 2012 publizierte die Pariser Zeitung „Figaro“ ein ausführliches Dossier über die Freimaurerei und ließ hohe Amtsträger der verschiedenen Freimaurerlogen zu Wort kommen. Einer dieser Amtsträger sagte offen, dass die Gesetze über die Freigabe der Abtreibung, die sogenannten gleichgeschlechtlichen Ehe oder „Ehe für alle“ und die Euthanasie in den ideellen Werkstätten der Freimaurerlogen vorbereitet werden und dann durch deren Mitglieder in Parlament und Regierung und deren Lobbyarbeit effektiv durchgesetzt werden.

Die Analyse, die Papst Leo XIII. im Jahre 1894 über das Wesen, die Grundsätze und die Tätigkeit der Freimaurer gab, ist in ihrer Genauigkeit kaum zu übertreffen und behält ihre volle Aktualität:

„Die Freimaurerei ist eine Gesellschaft, deren unheimlicher Druck schon lange namentlich auf den katholischen Nationen lastet. Unter der Gunst verworrener Zeitverhältnisse emporgekommen, maßlos stolz im Hinblick auf ihre Stärke, ihre Machtmittel und Erfolge, zielen die Freimaurer mit aller Anstrengung dahin, ihre Herrschaft immer mehr zu befestigen und weiter auszubauen. Wo immer sie ihren Fuß hinsetzt, da drängt sie sich in alle Volksschichten und in alle Einrichtungen des Staates ein, um schließlich überall den Ton anzugeben und alles ihrem Gutdünken zu unterwerfen. Angeblich um die allgemeinen Menschenrechte zu verteidigen und die bürgerliche Gesellschaft geistig zu erneuern, kämpft sie unerbittlich gegen das Christentum an, verwirft die von Gott geoffenbarte Wahrheit und verspottet die Übungen der Frömmigkeit, die göttlichen Sakramente und anderes, was uns heilig ist, als Aberglauben. Sie strebt danach, die Ehe, die Familie, die Jugenderziehung und den öffentlichen wie privaten Unterricht alles christlichen Geistes zu berauben und den Völkern alle Ehrfurcht vor göttlicher und menschlicher Autorität aus der Seele zu reißen. Sie schreibt ferner für den Menschen die Verehrung der Natur vor, und nur ihre Grundsätze seien Regel und Richtschnur für Wahrheit, Sittlichkeit und Gerechtigkeit. Auf diese Weise muss der Mensch augenscheinlich wieder in den Sitten und Lebensgewohnheiten der heidnischen Völker zurückfallen. Das moderne Heidentum wird sogar noch lasterhafter sein, da jetzt die Reizmittel für die Sinne viel zahlreicher sind als im Altertum.“ (Exhortatio Apostolica Praeclara gratulationis).

Eine der raffiniertesten, eben satanischen Weisen des Kampfes der Freimaurerei gegen ihren Erzfeind, die katholische Kirche, besteht in der Infiltrierung in die Kirche. Der folgende, von vielen Historikern als echt betrachteter und von Bischof Rudolf Graber zitierte Auszug aus den Anweisungen der Alta Vendita, einer Art Regierungszentrum der europäischen Freimaurerei im 19. Jahrhundert, beleuchtet das: „Der Papst, wer er auch immer sei, wird nie zu unseren Geheimbünden kommen; darum müssen die geheimen Verbindungen den ersten Schritt zum Papste und zur Kirche tun, mit der Absicht, beide in Fesseln zu schlagen. Das Werk, an welches wir herangehen, ist nicht die Arbeit eines Tages, eines Monats oder Jahres. Es kann viele Jahre, vielleicht ein Jahrhundert dauern. Wir beabsichtigen ja nicht, den Papst für unsere Sache zu gewinnen. Das wäre ein lächerlicher Traum. Und selbst wenn möglicherweise ein Kardinal oder Bischöfe aus vollem Herzen oder aus List der Eingeweihte unserer Geheimnisse und unser Mitglied würde, so dürften wir doch darum noch nicht seine Erhebung auf den Stuhl Petri wünschen. Ja diese seine Erhebung wäre auch unser Ruin. Denn wie er aus bloßem Ehrgeiz zur Apostasie gekommen wäre, ebenso müsste ihn das Bedürfnis der Macht dazu bestimmen, uns zu opfern. Was wir suchen, und worauf wir harren müssen, das ist ein Papst nach unseren Bedürfnissen. Damit werden wir weit sicherer zum Angriff auf die Kirche schreiten. Um den hohen Felsen, auf dem Gott Seine Kirche gebaut hat, zu zerschmettern, brauchen wir nicht länger Waffen. Wir haben den kleinen Finger des Nachfolgers Petri in die Unternehmung verwickelt. Um also einen Papst nach unserem Herzen zu machen, handelt es sich vor allem darum, diesem künftigen Papst eine Generation von Priestern zu erziehen, welche des von uns gewünschten Regimentes würdig ist. Gehet geradewegs auf die Jugend und wo möglich sogar auf die Kinder los. Habt ihr einmal das Vertrauen der Professoren und Studenten gewonnen, so sorgt dafür, dass besonders die Kandidaten des geistlichen Standes euren Umgang aufsuchen. In etlichen Jahren wird dieser junge Klerus durch die Macht der Umstände Ämter bekleiden. Er wird regieren, verwalten, richten, den Rat des Papstes bilden, und berufen sein, den künftigen Papst zu wählen. Und dieser Papst wird, wie die meisten seiner Zeitgenossen, notwendigerweise mehr oder weniger mit den revolutionären und humanitären Prinzipien, die wir im Begriff sind, in Umlauf zu bringen, erfüllt sein. Spannet eure Netze aus im Inneren der Sakristeien, der Seminare und Klöster. Ihr werdet sogar zu den Füssen des Apostolischen Stuhles Freunde fischen. So habt ihr dann im Netze eine Revolution in Tiara und Chormantel, eine Revolution, die nur kleiner Hilfe bedarf, um das Feuer in allen vier Weltgegenden anzustecken“. (Bischof Dr. Rudolf Graber, Athanasius und die Kirche unserer Zeit, a.a.O.). Dass diese Aussagen nicht erfunden sind, erkannt man aus dem folgenden Zitat eines führenden italienischen Modernisten, der im Jahre 1905 in seinem Buch schrieb: “Wir wollen unsere ganze Aktion zielgerichtet ordnen. Eine katholische Freimaurerei? Jawohl, eine Freimaurerei der Katakomben. […]. Man muss darauf hinarbeiten, den römischen Katholizismus im progressistischen, theosophischen Sinn zu reformieren durch einen Papst, der sich von diesen Ideen überzeugen lässt” (A. FOGAZZARO, Il Santo, Milano, 1905, p. 44 e 22).

Die Tatsachen zeigen zur Genüge, dass die Freimaurerei der größte denkbare Gegensatz zur katholischen Religion ist. Deswegen hat die Kirche im Jahre 1983 folgende, immer noch gültige, Erklärung gegeben: „Das negative Urteil der Kirche über die freimaurerischen Vereinigungen bleibt also unverändert, weil ihre Prinzipien immer als unvereinbar mit der Lehre der Kirche betrachtet wurden und deshalb der Beitritt zu ihnen verboten bleibt. Die Gläubigen, die freimaurerischen Vereinigungen angehören, befinden sich also im Stand der schweren Sünde und können nicht die heilige Kommunion empfangen“ (Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung vom 26. November 1983).

Am 11. April 2001 sprach im italienischen Fernsehkanal Rai2 Giuliano Di Bernardo, Großmeister der Freimaurerloge GLRI (Gran Loggia Regolare d’Italia) in den Jahren 1990-1993, folgende bezeichnende Worte über den Religionscharakter der Freimaurerei: „Man wird Freimaurer durch eine Initiation (Einweihung). Die Initiation ist ein konstitutiver Akt, durch den dem Menschen eine Dimension verliehen wird, die er vorher nicht hatte. Eine Analogie finden wir in der Taufe. Man wird nicht als Christ geboren, man wird Christ durch die Taufe. Und so wird man auch Freimaurer mit der Initiation. Das bedeutet, dass man Freimaurer für das ganze Leben bleibt. Auch wenn einer dann die Freimaurerei ablehnt, bleibt er Freimaurer. Auch wenn man schläft, auch wenn man ein Feind der Freimaurerei wird, man bleibt immer Freimaurer, weil man die Initiation erhalten hat, und die Initiation ist ein heiliger Akt“.

Die Herrschaft der Freimaurerreligion in Politik und Gesellschaft erreichte in unserer Tagen einen Höhepunkt, indem sie in der ganzen Gesellschaft eine Ideologie der Lebensvernichtung durch Abtreibung und Euthanasie verbreitet und den Begriff und die Wirklichkeit der Familie durch die staatlich angeordnete Gehirnwäsche der Genderideologie zerstört. Jeder noch selbständig denkende Mensch und erst Recht jeder Christ muss soweit möglich Widerstand leisten und den gesunden Menschenverstand und das Gesetz Gottes selbst unter Inkaufnahme von Nachteilen verteidigen. Als Christen sollen wir aber wissen, dass Christus Sieger über alles Böse in dieser Welt ist, dass Gott, und nicht die Freimaurerei, der Herr der Geschichte ist. Wir gehören zur Mannschaft der Sieger, selbst wenn uns die Feinde Christi als Besiegte betrachten. Unser katholischer Glaube ist stärker als alle verdrehten Fantasiegebilde und Intrigen der Freimaurerreligion. Wir fürchten uns nur vor Gott.

Gleichzeitig sollen wir aber die Mitglieder der Freimaurerei, weil sie Opfer einer gewaltigen Verblendung geworden sind, von Herzen bemitleiden. Ein Freimaurer ist letztlich der unfreieste Mensch, dessen ewiges Seelenheil am meisten gefährdet ist. Möge in der Kirche eine Bewegung entstehen, um die Seelen unserer freimaurerischen Mitmenschen zu retten, vor allem durch das Gebet des Rosenkranzes und die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens. Ihr Unbeflecktes Herz wird triumphieren, wie Sie es in Fatima gesagt hat. Es wird triumphieren auch über die Freimaurerei und den Kommunismus und durch Maria wird Gott der Menschheit und der Kirche eine Zeit des Friedens schenken.

 

+Athanasius Schneider (2017)

Der Trick mit dem ‚eucharistischen Hunger’

Archivfoto Walter Kardinal Brandmüller

Der geradezu gewaltsam konstruierte Fall eines ‚eucharistischen Hunger’ leidenden nichtkatholischen Mischehenpartners ist eine peinliche, melodramatische Inszenierung. Ein Gespräch mit Walter Kardinal Brandmüller. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Die deutsche Bischofskonferenz kündigte an: „Die Orientierungshilfe geht davon aus, dass in konfessionsverschiedenen Ehen im Einzelfall der geistliche Hunger nach dem gemeinsamen Empfang der Kommunion so drängend sein kann, dass es eine Gefährdung der Ehe und des Glaubens der Ehepartner nach sich ziehen könnte, ihn nicht stillen zu dürfen. Das gilt insbesondere für die Ehepaare, die ihre Ehe sehr bewusst aus dem gemeinsamen christlichen Glauben leben möchten und deren Ehe schon jetzt die Konfessionen verbindet. Hier kann ein ‚schwerwiegendes geistliches Bedürfnis’ entstehen, das es nach dem Kirchenrecht (auf der Grundlage von c. 844 § 4 CIC) möglich macht, dass der evangelische Ehepartner zum Tisch des Herrn hinzutritt, wenn er den katholischen Eucharistieglauben bejaht.

Deshalb ist die zentrale Aussage des Dokumentes, dass alle, die in einer konfessionsverbindenden Ehe nach einer reiflichen Prüfung in einem geistlichen Gespräch mit dem Pfarrer oder einer mit der Seelsorge beauftragten Person zu dem Gewissensurteil gelangt sind, den Glauben der katholischen Kirche zu bejahen sowie eine ‚schwere geistliche Notlage’ beenden und die Sehnsucht nach der Eucharistie stillen zu wollen, zum Tisch des Herrn hinzutreten dürfen, um die Kommunion zu empfangen. Wichtig ist: Wir sprechen über Einzelfallentscheidungen, die eine sorgfältige geistliche Unterscheidung implizieren.“

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In einem Vortrag an der University of Notre Dame in Sydney (Australien) vom 24. Februar beschreibt und verurteilt der frühere Mitarbeiter der Kongregation für die Glaubenslehre P. Thomas Weinandy OFM den Angriff von präzedenzloser Schwere, den einige der von Papst Franziskus ermutigten „pastoralen“ Theorien und Praktiken gegen die „eine, heilige und apostolische“ Kirche und besonders gegen die Eucharistie, „fons et culmen“ des Lebens der Kirche selbst, hervorbrächten. Dabei bezog er sich vor allem auf umstrittene „liberale“ Interpretationen des Apostolischen Schreibens „Amoris laetitia“, dessen Betonung des „Gewissens des Einzelnen“, der besonderen Situation von „Einzelfällen“ und der „Unterscheidung und Begleitung“, die zu einer Gewissensbildung führen sollen.

Nun spricht auch die deutsche Bischofskonferenz in ihrer pastoralen Orientierungshilfe für die Begleitung von konfessionsverschiedenen Ehepaaren von „Einzelfallentscheidungen, die eine sorgfältige geistliche Unterscheidung implizieren“, „wenn es um einen gemeinsamen Kommunionempfang geht“. Dies führt zu verschiedenen Fragen. Ein grundlegendes Problem bildet der Begriff der „Unterscheidung“: wie soll dieser verstanden werden? Wie die Betonung des „Einzelfalls“?

Die deutschen Bischöfe erklären: „Die Orientierungshilfe geht davon aus, dass in konfessionsverschiedenen Ehen im Einzelfall der geistliche Hunger nach dem gemeinsamen Empfang der Kommunion so drängend sein kann, dass es eine Gefährdung der Ehe und des Glaubens der Ehepartner nach sich ziehen könnte, ihn nicht stillen zu dürfen“.

Nun: was soll man sich unter einem „eucharistischen Hunger“ vorstellen? Hat ein derartiger Begriff einen theologischen Hintergrund? Wie kann es da sogar zu einer „Gefährdung der Ehe und des Glaubens der Ehepartner“ kommen, wenn konfessionsverschiedene Paare nicht gemeinsam die Eucharistie empfangen können? Dann: schließt ein derartiger angenommener „Hunger“ nicht ein, dass sich in der Eucharistie der Gläubige mit der Kirche als „corpus mysticum Christi“ vereint? Sollte man demnach nicht besser mit dem nichtkatholischen Ehepartner „unterscheidend“ darauf hinarbeiten, dass er seinen Glauben an die eine Kirche bekennt, die in der katholischen Kirche „subsistiert“, wie das II. Vatikanische Konzil dies nennt?

Zudem stellt sich die Frage nach der Richtigkeit und Berechtigung des Hinweises auf Can. 844 CIC, besonders §4 und §5. Handelt der Kanon nicht eher von (orthodoxen) Kirchen, die zwar von Rom getrennt sind, aber dasselbe Eucharistieverständnis haben? Und deren Sakramente allesamt „gültig“ sind, da sie das Weihepriestertum kennen? Kann der im Kanon zitierte „Notfall“ einfach „zeitlos“ ausgeweitet werden, ohne damit dem Kanon zu widersprechen oder ihn einfach instrumentalisierend zu verfälschen und zu entleeren?

Es entsteht der Eindruck, dass nun unter der vordergründigen Behauptung des „Einzelfalls“ und des „Notfalls“ schleichend die Tür für eine allgemeine Interkommunion geöffnet werden soll. Dies aber widerspricht in dieser Form der Lehre der Kirche, dabei insbesondere den klaren Aussagen des heiligen Johannes Pauls II. in seine Enzyklika „Ecclesia de Eucaristia“ über die Eucharistie in ihrer Beziehung zur Kirche (17. April 2003) und der Lehre Papst Benedikts XVI, wie sie in seinem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben „Sacramentum caritatis“ (22. Februar 2007) formuliert ist.

Und es stellt sich die weiterreichende Frage: wie kann/soll man sich diesen Drang zur Interkommunion vorstehen? Ist auch dies vielleicht Zeichen des von Weinandy festgestellten Angriffs auf die Eucharistie, das heißt auf das Wesen und den Mittelpunkt der Kirche? Macht die emotional aufladende Rede vom „eucharistischen Hunger“ und der Gefahr, die sich aus einem Nichtstillen dieses Hungers ergeben soll, nicht ein defizitäres oder wenigstens reduktives Eucharistieverständnis sichtbar, wo es weniger um das „corpus Christi“ geht als vielmehr um einen gemeinschaftlichen Akt des (symbolisch überladenen und ontologisch unterbelichteten) „Mahles“ geht?

Fragen über Fragen, verbunden mit Eindrücken und im Bewusstsein einer sich ausbreitenden relativistischen Mentalität, die die wichtigste Frage nach Wahrheit und Gerechtigkeit zugunsten von anderem Vordergründigen abdrängt und die Substanz als solche schädigen will.

Ein klärendes Wort scheint dringend notwendig zu sein. Der Theologe und Kirchenhistoriker Walter Kardinal Brandmüller ist hierzu wohl der beste Referenzpunkt. Und die Eminenz war bereit, sich in einem ausführlichen „Kamingespräch“ Gedanken zu machen.

Walter Kardinal Brandmüller 

„Es geht also wieder einmal um die Spendung der heiligen Kommunion an nichtkatholische Christen-Ehepartner“, meinte der Kardinal mit seinem milden Lächeln, mit dem der fast 90jährige seinen Blick auf die Wirklichkeit in ihrer Geschichte und Aktualität zu richten gewohnt ist: „Da sollte man vorab einige Fragen stellen: Welche Rolle spielt dabei die Nicht-Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche? Was ist eigentlich ‚Kirche’? Ein Unternehmen zwecks Weltverbesserung? Eine NGO für Lebenshilfe? In diesen oder ähnlichen Fällen wäre unsere Themafrage nach Kriterien wie Nützlichkeit, Machbarkeit, Erfolgschancen zu beantworten“.

„Nun aber ist ‚Kirche’ eine Wirklichkeit“, so Brandmüller weiter, „der diese Begriffe eher fremd sind. Die Kirche ist Werk Gottes, sie ist die sichtbare, erfahrene Gestalt, in welcher der Auferstandene Christus in der Welt sein Erlösungswerk fortsetzt. Das ist festzuhalten, wenn es um Kirche und allem mit ihr Zusammenhängendem geht. Und nun zur Themafrage zurück. Auch hier besteht akuter Klärungsbedarf. Viele sprechen da von ‚Abendmahl’. Da kommen dann Begriffe wie Mahlgemeinschaft, Einladung, Gastfreundschaft etc. ins Spiel. Das alles ist – in gewissem Sinn – wohl wahr. Aber: Eucharistie, Kommunion im katholischen und orthodoxen Verständnis ist etwas wesentlich anderes.

Nach katholisch-orthodoxer Überzeugung werden in der Feier der Eucharistie – der heiligen Messe – Brot und Wein wahrhaft, wirklich und ihrem Wesen nach in Leib und Blut Jesu Christi verwandelt. Am Abend vor seinem Leiden hat Christus Brot und Wein genommen und es den Jüngern gereicht: Nehmt und esst – trinkt: das ist mein Leib, das ist mein Blut, und: Tut dies zu meinem Gedächtnis. Gerade aber darum geht es, wenn von Kommunion die Rede ist. Es geht um den wahrhaft, wirklich und dem Wesen nach (also sinnlich nicht wahrnehmbar) gegenwärtigen Christus in der sinnlich wahrnehmbaren Form von Brot und Wein“.

„Kommunion ist also“, unterstrich Brandmüller, „die Vereinigung des erlösten Menschen mit dem im Mysterium gegenwärtigen Christus. Ein Geschehen, das sich in den existentiellen Tiefen des Gläubigen ereignet. Eben darum sagt der Apostel Paulus: ‚Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn’. Wer dies tut, – so der Apostel – ‚der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt’. Das also gilt es zu bedenken, wenn von fallweiser Zulassung zur Kommunion die Rede ist.

Wenn nun das Papier der Bischofskonferenz von Einzelfällen spricht, in denen ebendies möglich sein soll, so ist das an und für sich nur ein taktischer Schritt in Richtung Interkommunion mit Nichtkatholiken überhaupt. Ein Ziel, das vor allem Protestanten, aber auch einige katholische Bischöfe anstreben“. Der Kardinal blickte auf, das Lächlen war einem ernsten Blick gewichen: „Man nennt ein solches Vorgehen auch ‚Salami-Taktik’. Und: steter Tropfen höhlt den Stein. Eine ganz und gar unehrliche ‚Masche’, um zum eigentlichen Ziel zu kommen.

Der geradezu gewaltsam konstruierte Fall eines ‚eucharistischen Hunger’ leidenden nichtkatholischen Mischehenpartners ist eine peinliche, melodramatische Inszenierung, um nicht zu sagen ‚Kitsch’: ‚Man merkt die Absicht und man ist verstimmt’. Ein Christ, der wahrhaft nach der heiligen Kommunion verlangt, und der weiß, dass es keine Eucharistie ohne Kirche und keine Kirche ohne Eucharistie gibt, bittet um Aufnahme in die Kirche. Alles andere wäre fragwürdig und unehrlich. Die Kirche ist kein Selbstbedienungsladen, in dem man auswählt, was gefällt, und das andere im Regal stehen lässt. Hier gilt: ‚Alles, oder nichts’!“

„Alles oder nichts“… nun, genau diesem Anspruch sollte entgangen werden. Brandmüller weiter: „Und nun zieht man – auf einmal spielt sogar das sonst so verachtete Kirchenrecht eine Rolle – den Codex Iuris Canonici heran. In der Tat bestimmt dieser im Can. 844 §3, dass es einem katholischen Priester erlaubt ist, Lossprechung, Krankensalbung und Eucharistie orthodoxen Gläubigen, die in rechter Weise disponiert sind und darum bitten, zu spenden.

Und dann folgt in §4: ‚Wenn Todesgefahr besteht, oder nach dem Urteil des Bischofs oder der Bischofskonferenz eine andere schwere Notlage (!) dazu drängt, können diese Sakramente auch den übrigen, nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehenden Christen, die einen Spender der eigenen Gemeinschaft nicht ansprechen können (!!), und von sich aus darum bitten – sofern sie bezüglich dieser Sakramente den katholischen Glauben bekennen und in rechter Weise disponiert sind (!!) –, gespendet werden’“.

Für den Kardinal „ist offenkundig, dass hier an Situationen wie Todesgefahr, Gefangenschaft usw. gedacht ist. Man denke nur an die Situation in den Gestapogefängnissen nach dem 20. Juli 1944, aber, bitte, nicht an einen undefinierbaren ‚eucharistischen Hunger’. Und: was heißt ‚in rechter Weise disponiert’? Damit ist Freiheit von schwerer Sünde und ehrliche Absicht, das Sakrament zu empfangen, gemeint“. Zu fragen wäre dann für Brandmüller auch, „warum ein Nichtkatholik, der die oben genannten Bedingungen erfüllt, und sich nicht in einer Notlage befindet, nicht einfach um Aufnahme in die Kirche bitten soll.

Und der Kardinal sieht die eigentliche Gefahr: „Der üble Trick bei der genannten Argumentation besteht darin, Regelungen für existentielle Extremsituationen auf den normalen Alltag auszuweiten. Ehrliches ökumenisches Bemühen verschmäht derartige Winkelzüge“. Denn:

„Es ist die Wahrheit, die frei macht. Und ganz zum Schluss: Die Kirche kann mit den Sakramenten nicht einfach tun, was sie will: Der Apostel Paulus sagt: ‚So soll man uns betrachten: als Diener Christi und als Verwalter von Geheimnissen Gottes’. Verwalter. ‚Von Verwaltern aber verlangt man, dass sie sich als treu erweisen…’, sagt der Apostel Paulus“.

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Quelle

ZURECHTWEISUNG WEGEN DER VERBREITUNG VON HÄRESIEN

 

Correctio filialis de haeresibus propagatis 

16. Juli 2017
Fest Unserer Lieben Frau auf dem Berg Karmel

 

Heiliger Vater,

mit tiefem Schmerz, aber bewegt von der Treue zu Unserem Herrn Jesus Christus, von der Liebe zur Kirche und zum Papsttum und von der kindlichen Hingabe zu Ihrer Person, sehen wir uns gezwungen, Ihnen gegenüber eine Zurechtweisung auszusprechen wegen der Verbreitung einiger Häresien durch das Apostolische Schreiben Amoris laetitia und anderer Worte, Handlungen und Unterlassungen Eurer Heiligkeit.

Es ist uns durch das Naturrecht, das Gesetz Christi und das Gesetz der Kirche, drei Dinge, die Eure Heiligkeit durch die Göttliche Vorsehung berufen sind, zu beschützen, erlaubt, diese Zurechtweisung vorzunehmen. Durch das Naturrecht: Denn so wie die Untergebenen der Natur gemäß die Pflicht haben, ihren Vorgesetzen in allen vom Gesetz vorgesehenen Dingen zu gehorchen, so haben sie das Recht, dass ihre Vorgesetzten danach regieren. Durch das Gesetz Christi: Denn Sein Geist hat den Apostel Paulus inspiriert, Petrus öffentlich zurechtzuweisen, als dieser nicht gemäß der Wahrheit des Evangeliums handelte (Gal 2). Der heilige Thomas von Aquin stellt fest, daß diese öffentliche Zurechtweisung eines Untergebenen gegenüber seinem Vorgesetzten legitim war aufgrund der unmittelbar drohenden Gefahr eines Ärgernisses für den Glauben (Summa Theologiae IIa IIae, 33, 4 ad 2), und die “Glosse des heiligen Augustinus” fügt hinzu, dass bei dieser Gelegenheit “Petrus selbst den Oberen das Beispiel gab, sich nicht darüber zu empören, von den Untergebenen zurechtgewiesen zu werden, wenn sie vom rechten Weg abweichen sollten“ (ibid). Auch das Gesetz der Kirche zwingt uns dazu, da es besagt, dass die „Gläubigen […] entsprechend ihrem Wissen, ihrer Zuständigkeit und ihrer hervorragenden Stellung das Recht (haben) und bisweilen sogar die Pflicht, ihre Meinung in dem, was das Wohl der Kirche angeht, den geistlichen Hirten mitzuteilen“ (Codex Iuris Canonici, Can. 212, § 2 und 3; Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium, Can. 15, § 3).

Der Kirche und der Welt wurde in Sachen Glauben und Moral Ärgernis gegeben durch die Veröffentlichung von Amoris laetitia und durch andere Handlungen, durch die Eure Heiligkeit die Tragweite und den Zweck dieses Dokuments ausreichend deutlich gemacht hat. In der Folge haben sich Häresien und andere Irrtümer in der Kirche ausgebreitet. Während einige Bischöfe und Kardinäle weiterhin die von Gott offenbarten Wahrheiten über die Ehe, das Moralgesetz und den Empfang der Sakramente verteidigt haben, haben andere diese Wahrheiten geleugnet und von Eurer Heiligkeit keinen Tadel erfahren, sondern eine Gunst. Umgekehrt haben jene Kardinäle, die Eurer Heiligkeit Dubia unterbreitet haben, damit durch diese in der Vergangenheit bewährte Methode die Wahrheit des Evangeliums leicht erfasst werden könne, keine Antwort erhalten, sondern Schweigen.

Heiliger Vater, das Petrusamt wurde Ihnen nicht anvertraut, damit Sie den Gläubigen seltsame Lehren auferlegen, sondern damit Sie als treuer Diener, das anvertraute Gut bis zur Wiederkunft des Herrn bewahren (Lk 12; 1 Tim 6). Wir stimmen bedingungslos der Lehre von der päpstlichen Unfehlbarkeit zu, wie sie vom Ersten Vatikanischen Konzil definiert wurde, und stimmen deshalb der Erläuterung zu, die das Konzil selbst über dieses Charisma gab, die folgende Erklärung miteinschließt: „Denn Petri Nachfolgern ward der Heilige Geist nicht dazu verheißen, dass sie aus seiner Eingebung heraus neue Lehren verkündeten. Ihre Aufgabe ist vielmehr, die von den Aposteln überlieferte Offenbarung oder das anvertraute Glaubensgut unter dem Beistand des Heiligen Geistes gewissenhaft zu hüten und getreu auszulegen“ (Pastor Aeternus, 17). Aus diesem Grund hat Ihr Vorgänger, der selige Pius IX., die gemeinsame Erklärung der deutschen Bischöfe gelobt, die erklärte, dass „die Meinung, laut der der Papst ‚wegen seiner Unfehlbarkeit ein absoluter Souverän‘ ist, auf einem völlig falschen Verständnis des Dogmas von der päpstlichen Unfehlbarkeit beruht“1. Vergleichbar betonte beim Zweiten Vatikanischen Konzil die Theologische Kommission in Bezug auf die Dogmatische Konstitution über die Kirche, Lumen gentium, dass die Vollmachten des römischen Papstes auf viele Weise eingeschränkt sind2.

Dennoch werden jene Katholiken, die die Grenzen der päpstlichen Unfehlbarkeit nicht klar erfassen, durch die Worte und Handlungen Eurer Heiligkeit in einen von zwei katastrophalen Irrtümern getrieben: entweder machen sie sich die Häresien zu eigen, die nun verbreitet werden, oder sie werden im Bewusstsein, dass diese Lehren dem Wort Gottes widersprechen, an den Vorrechten der Päpste zweifeln oder sie leugnen. Andere Gläubige sind verleitet, die Gültigkeit des Amtsverzichts des emeritierten Papstes Benedikt XVI. zu bezweifeln. Auf diese Weise wird das Petrusamt, das der Kirche von Unserem Herrn Jesus Christus für das Wohl der Glaubenseinheit verliehen wurde, missbraucht, der Häresie und dem Schisma einen Weg zu öffnen. Mehr noch, indem sie feststellen, dass die jetzt von den Worten und Handlungen Eurer Heiligkeit ermutigten Praktiken nicht nur dem ewiggültigen Glauben und der Ordnung der Kirche widersprechen, sondern auch den lehramtlichen Erklärungen Ihrer Vorgänger, denken die Gläubigen über die Tatsache nach, dass die Erklärungen Eurer Heiligkeit nicht eine größere Autorität haben können als die der vorherigen Päpste. Auf diese Weise leidet das wahre päpstliche Lehramt an einer Wunde, die sich nicht so schnell wieder schließen könnte.

Wir glauben dennoch, dass Eure Heiligkeit über das Charisma der Unfehlbarkeit und der universalen Jurisdiktion über die Gläubigen Christi in dem von der Kirche definierten Sinn verfügt. In unserer Anklage gegen Amoris laetitia und andere Handlungen, Worte und Unterlassungen, die damit verbunden sind, bestreiten wir nicht die Existenz dieses päpstlichen Charismas oder seines Besitzes durch Eure Heiligkeit, da weder Amoris laetitia noch irgendeine der Behauptungen, die dazu beigetragen haben, die durch dieses Schreiben eingedrungenen Häresien zu verbreiten, durch diese Göttliche Garantie der Wahrheit gedeckt ist. Unsere Zurechtweisung ergibt sich zwingend aus der Treue zu den unfehlbaren päpstlichen Lehren, die mit einigen Aussagen Eurer Heiligkeit unvereinbar sind.

Als Untergebene haben wir nicht das Recht, jene Form der Zurechtweisung an Sie zu richten, mit der ein Vorgesetzter jenen, die ihm untergeben sind, mit Strafe droht oder eine solche verhängt (vgl. Summa Theologiae IIa IIae, 33,4). Wir sprechen Ihnen diese Zurechtweisung vielmehr zum Zweck aus, unsere katholischen Brüder zu schützen – und jene außerhalb der Kirche, denen der Schlüssel der Erkenntnis nicht weggenommen werden darf (vgl. Lk 11) – in der Hoffnung, einer weiteren Ausbreitung von Lehren vorzubeugen, die in sich dazu neigen, alle Sakramente zu profanieren und das Gesetz Gottes umzustürzen.

 

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Wir wollen nun aufzeigen, wie einige Stellen von Amoris laetitia zusammen mit Handlungen, Worten und Unterlassungen Eurer Heiligkeit dazu dienen, sieben häretische Thesen zu verbreiten.3

Die Stellen von Amoris laetitia auf die wir uns beziehen, sind folgende:

AL 295: Auf dieser Linie schlug der heilige Johannes Paul II. das sogenannte »Gesetz der Gradualität« vor, denn er wusste: Der Mensch »kennt, liebt und vollbringt […] das sittlich Gute […] in einem stufenweisen Wachsen«.[323] Es ist keine „Gradualität des Gesetzes“, sondern eine Gradualität in der angemessenen Ausübung freier Handlungen von Menschen, die nicht in der Lage sind, die objektiven Anforderungen des Gesetzes zu verstehen, zu schätzen oder ganz zu erfüllen.

AL 296: »Zwei Arten von Logik […] durchziehen die gesamte Geschichte der Kirche: ausgrenzen und wiedereingliedern […] Der Weg der Kirche ist vom Jerusalemer Konzil an immer der Weg Jesu: der Weg der Barmherzigkeit und der Eingliederung […] Der Weg der Kirche ist der, niemanden auf ewig zu verurteilen.«

AL 297: Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums!

AL 298: Die Geschiedenen in einer neuen Verbindung, zum Beispiel, können sich in sehr unterschiedlichen Situationen befinden, die nicht katalogisiert oder in allzu starre Aussagen eingeschlossen werden dürfen, ohne einer angemessenen persönlichen und pastoralen Unterscheidung Raum zu geben. Es gibt den Fall einer zweiten, im Laufe der Zeit gefestigten Verbindung, mit neuen Kindern, mit erwiesener Treue, großherziger Hingabe, christlichem Engagement, mit dem Bewusstsein der Irregularität der eigenen Situation und großer Schwierigkeit, diese zurückzudrehen, ohne im Gewissen zu spüren, dass man in neue Schuld fällt. Die Kirche weiß um Situationen, in denen »die beiden Partner aus ernsthaften Gründen – zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder – der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können«. [Anm. 329: Viele, welche die von der Kirche angebotene Möglichkeit, „wie Geschwister“ zusammenzuleben, kennen und akzeptieren, betonen, dass in diesen Situationen, wenn einige Ausdrucksformen der Intimität fehlen, »nicht selten die Treue in Gefahr geraten und das Kind in Mitleidenschaft gezogen werden (kann).«] Es gibt auch den Fall derer, die große Anstrengungen unternommen haben, um die erste Ehe zu retten, und darunter gelitten haben, zu Unrecht verlassen worden zu sein, oder den Fall derer, die »eine neue Verbindung eingegangen [sind] im Hinblick auf die Erziehung der Kinder und […] manchmal die subjektive Gewissensüberzeugung [haben], dass die frühere, unheilbar zerstörte Ehe niemals gültig war«. Etwas anderes ist jedoch eine neue Verbindung, die kurz nach einer Scheidung eingegangen wird, mit allen Folgen an Leiden und Verwirrung, welche die Kinder und ganze Familien in Mitleidenschaft ziehen, oder die Situation von jemandem, der wiederholt seinen familiären Verpflichtungen gegenüber versagt hat. Es muss ganz klar sein, dass dies nicht das Ideal ist, welches das Evangelium für Ehe und Familie vor Augen stellt. Die Synodenväter haben zum Ausdruck gebracht, dass die Hirten in ihrer Urteilsfindung immer »angemessen zu unterscheiden« haben, mit einem »differenzierten Blick« für »unterschiedliche Situationen«. Wir wissen, dass es keine Patentrezepte« gibt.

AL 299: Ich nehme die Bedenken vieler Synodenväter auf, die darauf hinweisen wollten, dass »Getaufte, die geschieden und zivil wiederverheiratet sind, […] auf die verschiedenen möglichen Weisen stärker in die Gemeinschaft integriert werden [müssen], wobei zu vermeiden ist, jedwelchen Anstoß zu erregen. Die Logik der Integration ist der Schlüssel ihrer pastoralen Begleitung, damit sie nicht nur wissen, dass sie zum Leib Christi, der die Kirche ist, gehören, sondern dies als freudige und fruchtbare Erfahrung erleben können. Sie sind Getaufte, sie sind Brüder und Schwestern, der Heilige Geist gießt Gaben und Charismen zum Wohl aller auf sie aus. […] Sie sollen sich nicht nur als nicht exkommuniziert fühlen, sondern können als lebendige Glieder der Kirche leben und reifen, indem sie diese wie eine Mutter empfinden, die sie immer aufnimmt, sich liebevoll um sie kümmert und sie auf dem Weg des Lebens und des Evangeliums ermutigt.«

AL 300: Und da »der Grad der Verantwortung […] nicht in allen Fällen gleich [ist]«, müsste diese Unterscheidung anerkennen, dass die Konsequenzen oder Wirkungen einer Norm nicht notwendig immer dieselben sein müssen. [336: Auch nicht auf dem Gebiet der Sakramentenordnung, da die Unterscheidung erkennen kann, dass in einer besonderen Situation keine schwere Schuld vorliegt.].

AL 301: Daher ist es nicht mehr möglich zu behaupten, dass alle, die in irgendeiner sogenannten „irregulären“ Situation leben, sich in einem Zustand der Todsünde befinden und die heiligmachende Gnade verloren haben. Die Einschränkungen haben nicht nur mit einer eventuellen Unkenntnis der Norm zu tun. Ein Mensch kann, obwohl er die Norm genau kennt, große Schwierigkeiten haben »im Verstehen der Werte, um die es in der sittlichen Norm geht«, oder er kann sich in einer konkreten Lage befinden, die ihm nicht erlaubt, anders zu handeln und andere Entscheidungen zu treffen, ohne eine neue Schuld auf sich zu laden.

AL 303: Doch dieses Gewissen kann nicht nur erkennen, dass eine Situation objektiv nicht den generellen Anforderungen des Evangeliums entspricht. Es kann auch aufrichtig und ehrlich das erkennen, was vorerst die großherzige Antwort ist, die man Gott geben kann, und mit einer gewissen moralischen Sicherheit entdecken, dass dies die Hingabe ist, die Gott selbst inmitten der konkreten Vielschichtigkeit der Begrenzungen fordert, auch wenn sie noch nicht völlig dem objektiven Ideal entspricht.

AL 304: Ich bitte nachdrücklich darum, dass wir uns an etwas erinnern, das der heilige Thomas von Aquin lehrt, und dass wir lernen, es in die pastorale Unterscheidung aufzunehmen: »Obgleich es im Bereich des Allgemeinen eine gewisse Notwendigkeit gibt, unterläuft desto eher ein Fehler, je mehr man in den Bereich des Spezifischen absteigt […] Im Bereich des Handelns […] liegt hinsichtlich des Spezifischen nicht für alle dieselbe praktische Wahrheit oder Richtigkeit vor, sondern nur hinsichtlich des Allgemeinen; und bei denen, für die hinsichtlich des Spezifischen dieselbe Richtigkeit vorliegt, ist sie nicht allen in gleicher Weise bekannt […] Es kommt also umso häufiger zu Fehlern, je mehr man in die spezifischen Einzelheiten absteigt.« Es ist wahr, dass die allgemeinen Normen ein Gut darstellen, das man niemals außer Acht lassen oder vernachlässigen darf, doch in ihren Formulierungen können sie unmöglich alle Sondersituationen umfassen.

AL 305: Aufgrund der Bedingtheiten oder mildernder Faktoren ist es möglich, dass man mitten in einer objektiven Situation der Sünde – die nicht subjektiv schuldhaft ist oder es zumindest nicht völlig ist – in der Gnade Gottes leben kann, dass man lieben kann und dass man auch im Leben der Gnade und der Liebe wachsen kann, wenn man dazu die Hilfe der Kirche bekommt. [351: In gewissen Fällen könnte es auch die Hilfe der Sakramente sein. Deshalb »erinnere ich [die Priester] daran, dass der Beichtstuhl keine Folterkammer sein darf, sondern ein Ort der Barmherzigkeit des Herrn«. Gleichermaßen betone ich, dass die Eucharistie »nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen« ist.].

AL 308: Ich verstehe diejenigen, die eine unerbittlichere Pastoral vorziehen, die keinen Anlass zu irgendeiner Verwirrung gibt. Doch ich glaube ehrlich, dass Jesus Christus eine Kirche möchte, die achtsam ist gegenüber dem Guten, das der Heilige Geist inmitten der Schwachheit und Hinfälligkeit verbreitet: eine Mutter, die klar ihre objektive Lehre zum Ausdruck bringt und zugleich »nicht auf das mögliche Gute [verzichtet], auch wenn [sie] Gefahr läuft, sich mit dem Schlamm der Straße zu beschmutzen«.

AL 311: Die Lehre der Moraltheologie dürfte nicht aufhören, diese Betrachtungen in sich aufzunehmen.

Die Worte, die Handlungen und die Unterlassungen Eurer Heiligkeit, auf die wir uns beziehen und die zusammen mit diesen Stellen von Amoris laetitia zur Verbreitung von Häresien in der Kirche beitragen, sind folgende:

  • Eure Heiligkeit hat sich geweigert, eine positive Antwort auf die Ihnen von den Kardinälen Burke, Caffarra, Brandmüller und Meisner vorgelegten Dubia zu geben, mit denen Sie respektvoll ersucht wurden, zu bestätigen, dass das Apostolische Schreiben Amoris laetitia nicht fünf Lehren des katholischen Glaubens abschafft.
  • Eure Heiligkeit hat in die Zusammensetzung der Relatio post disceptationem der Außerordentlichen Synode über die Familie eingegriffen. Die Relatio schlug vor, geschiedenen und wiederverheirateten Katholiken die Kommunion durch Unterscheidung „von Fall zu Fall“ zu gewähren und sagte, dass die Hirten die „positiven Aspekte“ der Lebensstile, die von der Kirche als schwer sündhaft betrachtet werden, einschließlich der standesamtlichen Ehen nach der Scheidung und des vorehelichen Zusammenlebens, betonen sollten. Diese Vorschläge wurden aufgrund Ihres persönlichen Beharrens in die Relation aufgenommen, obwohl sie nicht die von der Synoden- Geschäftsordnung geforderte Zweidrittel-Mehrheit erreicht hatten, die notwendig sind, damit ein Vorschlag in die Relatio aufgenommen wird.
  • In einem Interview im April 2016 fragte ein Journalist Eure Heiligkeit, ob es konkrete Möglichkeiten für wiederverheiratete Geschiedene gibt, die es vor der Veröffentlichung von Amoris laetitia nicht gab, haben Sie geantwortet: „Ich könnte sagen: ‚Ja‘ und Punkt.“ Eure Heiligkeit hat dann erklärt, dass auf die Frage des Journalisten Kardinal Schönborn in einer Vorstellung von Amoris laetitia geantwortet habe. Kardinal Schönborn hat bei jener Vorstellung behauptet:

Meine große Freude an diesem Dokument ist, dass es konsequent die künstliche, äußerliche, fein säuberliche Trennung von „regulär“ und „irregulär“ überwindet und alle unter den gemeinsamen Anspruch des Evangeliums stellt, gemäß dem Wort des Hl. Paulus: „Er hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen, um sich aller zu erbarmen“ (Röm 11,32). […] Natürlich wird die Frage gestellt: und was sagt der Papst über den Zugang zu den Sakramenten für Personen, die in „irregulären“ Situationen leben? Schon Papst Benedikt hatte gesagt, dass keine „einfache Rezepte“ (AL 298, Anm. 333) existieren. Und Papst Franziskus erinnert noch einmal an die   Notwendigkeit, die Situationen gut zu unterscheiden in der Linie von „Familiaris consortio“ (Nr. 84) von Papst Johannes Paul II. (AL 298). „Die Unterscheidung muss dazu verhelfen, die möglichen Wege der Antwort auf Gott und des Wachstums inmitten der Begrenzungen zu finden. In dem Glauben, dass alles weiß oder schwarz ist, versperren wir manchmal den Weg der Gnade und des Wachstums und nehmen den Mut für Wege der Heiligung, die Gott verherrlichen“ (AL 305). Und Papst Franziskus erinnert an ein so wichtiges Wort, das er in Evangelii Gaudium 44 geschrieben hatte: „Ein kleiner Schritt inmitten großer menschlicher Begrenzungen kann Gott wohlgefälliger sein als das äußerlich korrekte Leben dessen, der seine Tage verbringt, ohne auf nennenswerte Schwierigkeiten zu stoßen“ (AL 304). Im Sinne dieser „via caritatis“ (AL 306) sagt der Papst dann schlicht und einfach in einer Fußnote (351), dass auch die Hilfe der Sakramente in gewissen Fällen gegeben werden kann, wenn „irreguläre“ Situationen vorliegen.4

Eure Heiligkeit hat diese Erklärung erweitert, indem Sie versichert haben, dass Amoris laetitia den in der Diözese von Kardinal Schönborn praktizierten Ansatz gegenüber den wiederverheirateten Geschiedenen, wo diesen der Kommunionempfang erlaubt ist, unterstützt.

— Am 5. September 2016 haben die Bischöfe der Kirchenprovinz Buenos Aires eine Erklärung zur Umsetzung von Amoris laetitia veröffentlicht, in der sie behaupten:

6) En otras circunstancias más complejas, y cuando no se pudo obtener una declaración de nulidad, la opción mencionada puede no ser de hecho factible. No obstante, igualmente es posible un camino de discernimiento. Si se llega a reconocer que, en un caso concreto, hay limitaciones que atenúan la responsabilidad y la culpabilidad (cf. 301–302), particularmente cuando una persona considere que caería en una ulterior falta dañando a los hijos de la nueva unión, Amoris laetítía abre la posibilidad del acceso a los sacramentos de la Reconciliación y la Eucaristía (cf. notas 336 y 351). Estos a su vez disponen a la persona a seguir madurando y creciendo con la fuerza de la gracia. […]

9) Puede ser conveniente que un eventual acceso a los sacramentos se realice de manera reservada, sobre todo cuando se prevean situaciones conflictivas. Pero al mismo tiempo no hay que dejar de acompañar a la comunidad para que crezca en un espíritu de comprensión y de acogida, sin que ello implique crear confusiones en la enseñanza de la Iglesia acerca del matrimonio indisoluble. La comunidad es instrumento de la misericordia que es «inmerecida, incondicional y gratuita» (297).

10) El discernimiento no se cierra, porque «es dinámico y debe permanecer siempre abierto a nuevas etapas de crecimiento y a nuevas decisiones que permitan realizar el ideal de manera más plena» (303), según la «ley de gradualidad» (295) y confiando en la ayuda de la gracia.

6) In anderen, komplexeren Situationen und wenn es nicht möglich war, eine Nichtigkeitserklärung der Ehe zu erhalten, ist die soeben genannte Option in der Tat nicht gangbar. Dessen ungeachtet ist dennoch ein Weg der Unterscheidung möglich. Wenn man so weit kommt, zu erkennen, dass es in einem bestimmten Fall persönliche Grenzen gibt, die die Verantwortung und das Bewusstsein vermindern (vgl. 301–302), besonders wenn eine Person berücksichtigt, in weitere Fehler zu fallen und die Kinder dieser neuen Verbindung zu schädigen, öffnet Amoris laetitia die Möglichkeit zu den Sakramenten der Versöhnung und der Eucharistie zugelassen zu werden (vgl. Anm. 336 und 351). Diese ihrerseits werden die Person veranlassen, den Reifungsprozess fortzusetzen und mit der Kraft der Gnade zu reifen. […]

9) Es kann zweckmäßig sein, dass eine eventuelle Zulassung zu den Sakramenten auf diskrete Weise erfolgt, vor allem dann, wenn man Situationen der Uneinigkeit annehmen kann. Gleichzeitig ist nicht aufzuhören, die Gemeinschaft zu begleiten, um ihr zu helfen im Geist des Verständnisses und der Aufnahme zu wachsen, indem genau darauf geachtet wird, keine Verwirrung bezüglich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe zu schaffen. Die Gemeinschaft ist ein Instrument der Barmherzigkeit, die „unverdient, bedingungslos und gegenleistungsfrei“ ist (297).

10) Die Unterscheidung endet nicht, weil sie „dynamisch ist und immer offen bleiben muss für neue Phasen des Wachstums und für neue Entscheidungen, die erlauben, das Ideal auf vollkommenere Weise zu verwirklichen“ (303), gemäß dem „Gesetz der Gradualität“ (295) und auf die Hilfe der Gnade vertraut.

 

Hier wird behauptet, dass man laut Amoris laetitia keine Verwirrung bezüglich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe schaffen soll, dass die wiederverheirateten Geschiedenen die Sakramente empfangen dürfen und dass das Verbleiben in diesem Stand damit vereinbar ist, die Hilfe der Gnade zu empfangen. Eure Heiligkeit hat einen offiziellen Brief an Bischof Sergio Alfredo Fenoy von San Miguel, Delegierter der Pastoralregion Buenos Aires, geschrieben, der dasselbe Datum wie das Schreiben der argentinischen Bischöfe trägt, in dem Sie erklären, daß die Bischöfe der Kirchenprovinz Buenos Aires die „einzige mögliche Interpretation von Amoris laetitia“ gegeben haben.

 

«Querido hermano:

Recibí el escrito de la Región Pastoral Buenos Aires «Criterios básicos para la aplicación del capítulo VIII de Amoris laetítia». Muchas gracias por habérmelo enviado; y los felicito por el trabajo que se han tomado: un verdadero ejemplo de acompañamiento a los sacerdotes… y todos sabemos cuánto es necesaria esta cercanía del obíspo con su clero y del clero con el obispo. El prójimo «más prójimo» del obispo es el sacerdote, y el mandamiento de amar al prójimo como a sí mismo comienza para nosotros obispos precisamente con nuestros curas.

El escrito es muy bueno y explícita cabalmente el sentido del capitulo VIII de Amoris Laetitia. No hay otras interpretaciones».

Lieber Bruder,

ich habe das Dokument der Pastoralregion Buenos Aires „Kriterien für die Anwendung des VIII. Kapitels von Amoris laetitia“ erhalten. Vielen Dank für die Übermittlung. Ich gratuliere zur geleisteten Arbeit: ein wirkliches Beispiel der Begleitung der Priester … und alle wissen wir, wie notwendig diese Nähe des Bischofs zu seinem Klerus und des Klerus zu seinem Bischof ist. Der Nächste „Allernächste“ des Bischofs ist der Priester, und das Gebot, den Nächsten zu lieben wie sich selbst, beginnt für uns Bischöfe genau mit unseren Priestern. Der Text ist sehr gut und bringt das Kapitel VIII von Amoris laetitia genau zum Ausdruck. Es gibt keine anderen Interpretationen. Ich bin mir sicher, dass er sehr gut tun wird. Möge der Herr diese Anstrengung der pastoralen Liebe vergelten.5

  • Eure Heiligkeit hat Erzbischof Vincenzo Paglia zum Vorsitzenden der Päpstlichen Akademie für das Leben und zum Großkanzler des Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie Als Leiter des Päpstlichen Rates für die Familie war Erzbischof Paglia für die Veröffentlichung eines Buches, Famiglia e Chiesa, un legame indissolubile (Libreria Editrice Vaticana, 2015), verantwortlich, das die Vorträge von drei Seminaren enthält, die von seinem Dikasterium zum Thema „Ehe: Glaube, Sakramente, Ordnung“; „Familie, eheliche Liebe und Generation“ und „Die verletzte Familie und die irregulären Verbindungen: welche pastorale Haltung“ abgehalten wurden. Dieses Buch und die Seminare zielen darauf ab, die Vorschläge der Familiensynode voranzubringen und die Gewährung der Kommunion an die geschiedenen und wiederverheirateten Katholiken zu fördern.
  • Unter der Autorität Eurer Heiligkeit sind die Richtlinien der Diözese Rom erstellt worden, die in einigen Umständen den Empfang der Eucharistie durch Katholiken erlauben, die staatlich geschieden und standesamtlich wiederverheiratet sind und die mit ihrem Partner more uxorio zusammenleben.
  • Eure Heiligkeit hat Bischof Kevin Farrel zum Präfekten des neuen Dikasterium für Laien, Familie und Leben ernannt und zum Kardinal gemacht. Kardinal Farrel hat seine Unterstützung für den Vorschlag von Kardinal Schönborn gezeigt, dass die wiederverheirateten Geschiedenen die Kommunion empfangen sollen. Er hat erklärt, dass der Empfang der Kommunion durch wiederverheiratete Geschiedene ein „Prozess der Unterscheidung und des Gewissens“ 6
  • Am 17. Januar 2017 veröffentlichte der Osservatore Romano, die offizielle Tageszeitung des Heiligen Stuhls, die vom Erzbischof von Malta und dem Bischof von Gozo erstellten Richtlinien für den Empfang der Eucharistie durch Personen, die in einer ehebrecherischen Beziehung leben. Diese Richtlinien haben den sakrilegischen Empfang der Eucharistie durch einige Personen in dieser Situation erlaubt, in dem behaupten, dass es in einigen Fällen für diese Personen unmöglich ist, die Enthaltsamkeit zu praktizieren und schädlich ist, die Keuschheit leben zu wollen. Der Osservatore Romano äußerte keine Kritik an diesen Richtlinien, die er lediglich als Ausübung des Lehramtes und der bischöflichen Autorität darstellte. Diese Veröffentlichung ist ein offizieller Akt des Heiligen Stuhls, der von Eurer Heiligkeit nicht korrigiert wurde.

 

 

Correctio

 

His verbis, actis, et omissionibus, et in iis sententiis libelli Amoris Laetitia quas supra diximus, Sanctitas Vestra sustentavit recte aut oblique, et in Ecclesia (quali quantaque intelligentia nescimus nec iudicare audemus) propositiones has sequentes, cum munere publico tum actu privato, propagavit, falsas profecto et haereticas:

  1. “Homo iustificatus iis caret viribus quibus, Dei gratia adiutus, mandata obiectiva legis divinae impleat; quasi quidvis ex Dei mandatis sit iustificatis impossibile; seu quasi Dei gratia, cum in homine iustificationem efficit, non semper et sua natura conversionem efficiat ab omni peccato gravi; seu quasi non sit sufficiens ut hominem ab omni peccato gravi convertat”.
  2. “Christifidelis qui, divortium civile a sponsa legitima consecutus, matrimonium civile (sponsa vivente) cum alia contraxit; quique cum ea more uxorio vivit; quique cum plena intelligentia naturae actus sui et voluntatis propriae pleno ad actum consensu eligit in hoc rerum statu manere: non necessarie mortaliter peccare dicendus est, et gratiam sanctificantem accipere et in caritate crescere potest”.
  3. “Christifidelis qui alicuius mandati divini plenam scientiam possidet et deliberata voluntate in re gravi eam violare eligit, non semper per talem actum graviter peccat”.
  4. “Homo potest, dum divinae prohibitioni obtemperat, contra Deum ea ipsa obtemperatione peccare”.
  5. “Conscientia recte ac vere iudicare potest actus venereos aliquando probos et honestos esse aut licite rogari posse aut etiam a Deo mandari, inter eos qui matrimonium civile contraxerunt quamquam sponsus cum alia in matrimonio sacramentali iam coniunctus est”.
  6. “Principia moralia et veritas moralis quae in divina Revelatione et in lege naturali continentur non comprehendunt prohibitiones qualibus genera quaedam actionis absolute vetantur utpote quae propter obiectum suum semper graviter illicita sint”.
  7. “Haec est voluntas Domini nostri Iesu Christi, ut Ecclesia disciplinam suam perantiquam abiciat negandi  Eucharistiam  et  Absolutionem  iis  qui,  divortium  civile  consecuti  et matrimonium civile ingressi, contritionem et propositum firmum sese emendandi ab ea in qua vivunt vitae conditione noluerunt patefacere”.7

Alle diese Thesen widersprechen von Gott offenbarten Wahrheiten, die Katholiken durch Zustimmung zum Göttlichen Glauben zu glauben haben. Sie wurden bereits in der Petition zu Amoris laetitia als Häresien identifiziert, die von 45 katholischen Gelehrten den Kardinälen und den Patriarchen der Ostkirchen übermittelt wurde.8

Für das Wohl der Seelen ist es nötig, dass sie erneut von der kirchlichen Autorität verurteilt werden. Mit der Auflistung dieser sieben Thesen wollen wir keine vollständige Liste aller Häresien und Irrtümer vorlegen, die der Leser bei einer objektiven Lektüre von Amoris laetitia, gemäß seinem natürlichen und offensichtlichen Sinn, feststellen würde, da sie durch das Dokument behauptet, nahegelegt oder in begünstigt werden. Vielmehr beziehen wir uns auf jene sieben Thesen, die Eure Heiligkeit durch Worte, Taten und Unterlassungen – wie bereits dargelegt – effektiv unterstützt und verbreitet, und dadurch einen große und unmittelbare Gefahr für die Seelen verursacht hat.

Deshalb wenden wir uns in dieser kritischen Stunde an die cathedra veritatis, die Römische Kirche, die durch das Göttliche Gesetz Vorrang vor allen Kirchen hat und deren loyale Söhne wir sind und immer sein wollen. Respektvoll beharren wir darauf, dass Eure Heiligkeit öffentlich diese Thesen zurückweist und so den Auftrag erfüllt, den Unser Herr Jesus Christus dem Petrus und durch ihn allen seinen Nachfolgern übertragen hat bis zum Ende der Welt: „Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder“ (Lk 22,32).

Respektvoll bitten wir um Euren Apostolischen Segen und versichern Sie unserer kindlichen Ergebenheit in Unserem Herrn und unseres Gebets für das Wohl der Kirche.

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Erklärung 

Um unsere Correctio zu erklären und eine Verteidigung gegen die Ausbreitung der Irrtümer zu verfassen, möchten wir die Aufmerksamkeit auf zwei generelle Quellen des Irrtums lenken, die uns Vehikel der Häresien scheinen, die wir angeführt haben. Wir sprechen vor allem von einem falschen Verständnis der göttlichen Offenbarung, die generell mit dem Namen Modernismus bezeichnet wird, aber auch von den Lehren Martin Luthers.

A.  Das Problem des Modernismus 

Das katholische Verständnis der göttlichen Offenbarung wird von zeitgenössischen Theologen häufig geleugnet und diese Leugnung hat bezüglich der Natur der göttlichen Offenbarung und des Glaubens zu einer grassierenden Verwirrung unter den Katholiken geführt. Um jedes Missverständnis zu vermeiden, das aufgrund dieser Verwirrung entstehen könnte, und um zu rechtfertigen, was wir bezüglich der Verbreitung von Häresien in der Kirche behaupten, werden wir das katholische Verständnis der göttlichen Offenbarung und des Glaubens, das wir diesem Dokument zugrunde gelegt haben, beschreiben.

Diese Beschreibung ist auch notwendig, um auf die Stellen in Amoris laetitia zu antworten, in denen gesagt wird, dass man den Lehren Christi und des kirchlichen Lehramtes zu folgen habe. Diese Stellen sind folgende: „Selbstverständlich ist in der Kirche eine Einheit der Lehre und der Praxis notwendig“ (AL, 3). „In Treue zur Lehre Christi betrachten wir die Wirklichkeit der heutigen Familie in ihrer ganzen Komplexität“ (AL, 32). „In diesem Sinn gilt es, die Enzyklika Humanae vitae (vgl. 10–14) und das Apostolische Schreiben Familiaris consortio (vgl. 14, 28–35) wiederzuentdecken“ (AL, 222). „Die Worte des Meisters (vgl. Mt 22,30) und die des heiligen Paulus (vgl. 1 Kor 7,29 – über die Ehe sind – nicht zufällig – in die letzte und endgültige Dimension unseres Lebens eingefügt, die wir wiedergewinnen müssen“ (AL 325). Diese Stellen könnten als Versicherung gesehen werden, dass nichts in Amoris laetitia zur Verbreitung von Irrtümern beiträgt, die der katholischen Lehre widersprechen. Eine Beschreibung der wahren Natur der Zustimmung zur katholischen Lehre ist daher nützlich, um unsere Position zu erklären: Amoris laetitia trägt wirklich dazu bei, diese Irrtümer zu verbreiten.

Folgende Wahrheiten, die von der Heiligen Schrift, der heiligen Tradition, dem universalen Konsens der Väter und des Lehramtes der Kirche gelehrt werden, bieten die Zusammenfassung der katholischen Lehre über den Glauben, die göttliche Offenbarung, die Unterweisung durch das unfehlbare Lehramt und die Häresie:

  1. Die Evangelien von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, deren historischer Charakter von der Kirche ohne Zögern behauptet wird, vermitteln getreu, was Jesus Christus während seines Lebens unter den Menschen wirklich für ihr ewiges Seelenheil bis zum Tag seiner Himmelfahrt getan und gelehrt 9
  2. Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Folglich sind alle seine Lehren von Gott 10
  3. Alle Propositionen, die im katholischen Glauben enthalten sind, sind von Gott mitgeteilte Wahrheiten.11
  4. Indem wir zustimmend an diese Wahrheiten glauben, also mit einem Akt der göttlichen Tugend des Glaubens, glauben wir dem Zeugnis dessen, der spricht. Das göttliche Glaubensbekenntnis ist eine besondere Form der generellen intellektuellen Aktivität, indem wir an eine Proposition glauben, weil sie von dem behauptet wird, der spricht, und weil der, der spricht bezüglich der Behauptung, die er äußert, für glaubwürdig gehalten wird. Im göttlichen Glaubensbekenntnis glaubt man Gott, der spricht, und Ihm wird geglaubt, weil Er Gott ist und daher glaubwürdig.12
  5. An das göttliche Zeugnis zu glauben, unterscheidet sich vom Glauben an das Zeugnis der Menschen, die nicht göttlich sind, weil Gott allwissend und vollkommen gut ist. Folglich kann Er weder lügen noch betrügen. Daher ist es unmöglich, dass das göttliche Zeugnis falsch ist. Weil die Wahrheiten des katholischen Glaubens uns von Gott mitgeteilt sind, ist die gläubige Zustimmung zu ihnen eine Gewissheit. Ein katholischer Gläubiger hat keinen vernünftigen Grund, auch nur eine dieser Wahrheit zu bezweifeln oder nicht an sie zu 13
  6. Die menschliche Vernunft kann von sich aus die Wahrheit des katholischen Glaubens durch die öffentliche Evidenz des göttlichen Ursprungs der Katholischen Kirche erkennen, aber eine solche Überlegung kann keinen Glaubensakt hervorbringen. Die göttliche Tugend des Glaubens und der Glaubensakt können nur durch die göttliche Gnade hervorgebracht Ein Mensch, der diese Tugend besitzt, der aber aus freien Stücken und bewusst entscheidet, nicht an eine Wahrheit des katholischen Glaubens zu glauben, begeht eine Todsünde und verliert das ewige Leben.14
  7. Die Wahrheit einer Proposition besteht darin, von dem, was ist, auszusagen, daß es ist; scholastisch ausgedrückt handelt es sich um eine adaequatio rei et intellectus. Jede Wahrheit ist eine solche, unabhängig davon, von wem oder wann oder unter welchen Umständen sie als solche erfasst Keine Wahrheit kann einer anderen Wahrheit widersprechen.15
  8. Der katholische Glaube behandelt die ganze Wahrheit von Gott nicht erschöpfend, da allein der göttliche Intellekt das göttliche Sein vollständig erfassen Dennoch ist jede Wahrheit des katholischen Glaubens völlig und ganz wahr; die Merkmale der Wirklichkeit, die von dieser Wahrheit formuliert werden, entsprechen genau jenen, die diese Wahrheiten selbst darstellen. Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Inhalt der Glaubenslehre und den Dingen, so wie sie sind.16
  9. Das göttliche Sprechen, das die Wahrheiten des katholischen Glaubens mitteilt, ist in menschlicher Sprache ausgedrückt. Der inspirierte hebräische und griechische Text der Heiligen Schriften ist selbst in allen seinen Teilen durch Gott ausgedrückt. Es handelt sich nicht um eine bloße Zusammenfassung durch Menschen oder um eine Interpretation der Göttlichen Offenbarung, und kein Teil ist in seiner Bedeutung nur auf menschliche Ursachen zurückzuführen. Indem wir an die Lehre der Heiligen Schrift glauben, glauben wir direkt Gott selbst. Wir glauben dem, was Gott sagt, indem wir uns auf das Zeugnis von jemand anderem stützen, einer nicht-göttlichen Person oder Menschen im allgemeinen.17
  10. Wenn die Kirche unfehlbar lehrt, dass eine Proposition ein göttlich offenbarter Teil des katholischen Glaubens ist und mit Glaubenszustimmung zu glauben ist, glauben die Katholiken, die dieser Lehre ihre Zustimmung geben, an das, was Gott mitgeteilt hat, und sie glauben daran aufgrund der Tatsache, dass Er es gesagt 18
  11. Die Sprachen, in denen die Göttliche Offenbarung ausgedrückt ist, und die Kulturen und die Geschichte, die diesen Sprachen Form gegeben haben, schränken weder etwas von der in ihnen ausgedrückten Göttlichen Offenbarung ein noch verzerren sie etwas oder fügen etwas hinzu. Kein Teil oder Aspekt der Heiligen Schrift oder der unfehlbaren Lehre der Kirche ist, was den Inhalt der Göttlichen Offenbarung betrifft, nur das Produkt der Sprache oder der historischen Umstände, in denen sie ausgedrückt wurden, und nicht des Handelns Gottes, der die Wahrheit mitteilt. Daher kann kein Teil des Inhaltes der kirchlichen Lehre abgeändert oder abgelehnt werden, weil er ein Produkt der historischen Umstände und nicht der Göttlichen Offenbarung wäre.19
  12. Die lehramtliche Unterweisung der Kirche nach dem Tod des letzten Apostels muss als ein Ganzes verstanden und geglaubt werden. Es ist nicht in ein Lehramt der Vergangenheit und ein gegenwärtiges oder „lebendiges“ Lehramt aufgespalten, das eine vorherige lehramtliche Aussage nach Belieben ändern könnte.20
  13. Der Papst, der die höchste Autorität der Kirche besitzt, ist selbst – nach göttlichem und kirchlichem Gesetz – nicht von der Autorität der Kirche ausgenommen. Er ist daran gebunden, die endgültige Lehre seiner Vorgänger im Papstamt zu akzeptieren und zu vertreten.21
  14. Eine häretische These ist eine Proposition, die einer göttlich offenbarten und im katholischen Glauben enthaltenen Wahrheit, widerspricht22.
  15. Die Sünde der Häresie wird von einer Person begangen, die über die göttliche Tugend des Glaubens verfügt, sich aber willentlich und bewusst entscheidet, nicht an eine katholische Glaubenswahrheit zu glauben oder sie zu bezweifeln. Diese Person begeht eine Todsünde und verliert das ewige Leben. Das Urteil der Kirche über die persönliche Sünde der Häresie wird allein vom Priester im Bußsakrament ausgeübt.23
  16. Das Verbrechen der Häresie wird gemäß Kirchenrecht begangen, wenn ein Katholik:

a) öffentlich eine oder mehrere Wahrheiten des katholischen Glaubens bezweifelt oder leugnet, oder öffentlich seine Zustimmung zu einer oder mehreren katholischen Glaubenswahrheiten verweigert, aber nicht alle diese Wahrheiten bezweifelt oder leugnet, oder die Existenz der christlichen Offenbarung leugnet;

b) in seiner Leugnung hartnäckig ist. „Hartnäckig“ meint, dass die fragliche Person weiterhin öffentlich eine oder mehrere katholische Glaubenswahrheiten bezweifelt oder leugnet, nachdem sie von der zuständigen kirchlichen Autorität ermahnt wurde, dass ihr Zweifel oder ihre Leugnung die Ablehnung einer Glaubenswahrheit bedeutet, dass sie ihren Zweifel oder ihre Leugnung aufgeben muss, und die betreffende Wahrheit von dieser Person selbst öffentlich als von Gott geoffenbart zu bekennen ist24.

(Diese Beschreibungen der persönlichen Sünde der Häresie und des Verbrechens der Häresie gemäß dem Kirchenrecht werden einzig mit dem Zweck dargestellt, sie vom Gegenstand unserer Zurechtweisung auszuschließen. Unsere Sorge ist es allein, die durch Worte, Taten und Unterlassungen Eurer Heiligkeit verbreiteten häretischen Thesen aufzuzeigen. Wir haben weder die Zuständigkeit noch die Absicht, die kanonische Frage der Häresie aufzugreifen.)

B.  Der Einfluss Martin Luthers

Zweitens sind wir durch unser Gewissen gezwungen, auf eine beispiellose Sympathie Eurer Heiligkeit für Martin Luther sowie auf eine Ähnlichkeit zwischen den Ideen Luthers über das Gesetz, die Rechtfertigung und die Ehe und jenen, die von Eurer Heiligkeit in Amoris laetitia und anderswo gelehrt und begünstigt werden, hinzuweisen.25 Das ist notwendig, damit unsere Anklage gegen die sieben häretischen Thesen, die in diesem Dokument aufgelistet sind, vollständig ist. Wir wollen zeigen, wenn auch nur auf zusammenfassende Weise, daß es sich dabei nicht um isolierte Irrtümer handelt, sondern daß sie Teil eines häretischen Systems sind. Die Katholiken müssen nicht nur vor den sieben Irrtümern gewarnt werden, sondern auch vor diesem häretischen System als solchem, nicht zuletzt aufgrund des Lobes, das Eure Heiligkeit dem Mann gezollt hat, von dem es herrührt.

Auf einer Pressekonferenz vom 26. Juni 2016 sagte Eure Heiligkeit:

„Ich glaube, dass die Absichten Martin Luthers nicht falsch waren: Er war ein Reformer. Vielleicht waren einige Methoden nicht die richtigen, aber in jener Zeit… wenn wir zum Beispiel die Geschichte von Pastor lesen [vgl. Ludwig von Pastor, Geschichte der Päpste seit dem Ausgang des Mittelalters], sehen wir, dass die Kirche wirklich kein nachahmenswertes Vorbild war: Es gab Korruption in der Kirche, es gab Weltlichkeit, Anhänglichkeit ans Geld und an die Macht. Dagegen hat er protestiert. Außerdem war er intelligent; er hat einen Schritt vorwärts getan und sich für sein Tun gerechtfertigt. Und heute sind wir – Lutheraner und Katholiken, mit allen Protestanten – einig über die Rechtfertigungslehre: In diesem so wichtigen Punkt hatte er sich nicht geirrt.“26

In einer Predigt in der lutherischen Kathedrale von Lund in Schweden, am 31. Oktober 2016, erklärte Eure Heiligkeit:

„Wir Katholiken und Lutheraner haben begonnen, auf dem Weg der Versöhnung voranzugehen. Jetzt haben wir im Rahmen des gemeinsamen Gedenkens der Reformation von 1517 eine neue Chance, einen gemeinsamen Weg aufzunehmen, der sich in den letzten 50 Jahren im ökumenischen Dialog zwischen dem Lutherischen Weltbund und der Katholischen Kirche gebildet hat. Wir dürfen uns nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurden. Wir haben die Gelegenheit, einen entscheidenden Moment unserer Geschichte wiedergutzumachen, indem wir Kontroversen und Missverständnisse überwinden, die oft verhindert haben, dass wir einander verstehen konnten.

Jesus sagt uns, dass der Vater der Winzer ist (vgl. Joh 14,1), der den Weinstock pflegt und beschneidet, damit er mehr Frucht bringt (vgl. V. 2). Der Vater ist ständig um unsere Beziehung zu Jesus besorgt, um zu sehen, ob wir wirklich mit ihm eng verbunden sind (vgl. V. 4). Er schaut auf uns, und sein liebevoller Blick ermutigt uns, unsere Vergangenheit aufzuarbeiten und in der Gegenwart dafür zu arbeiten, dass jene Zukunft der Einheit, die er so ersehnt, Wirklichkeit wird.

Auch wir müssen liebevoll und ehrlich unsere Vergangenheit betrachten, Fehler eingestehen und um Vergebung bitten. Allein Gott ist der Richter. Mit der gleichen Ehrlichkeit und Liebe muss man zugeben, dass unsere Spaltung von dem ursprünglichen Empfinden des Gottesvolkes, das sich von Natur aus nach Einheit sehnt, weggeführt hat und in der Geschichte mehr durch Vertreter weltlicher Macht aufrecht erhalten wurde, als durch den Willen des gläubigen Volkes, das immer und überall der sicheren und liebevoll- sanften Führung durch seinen Guten Hirten bedarf. Allerdings gab es auf beiden Seiten den ehrlichen Willen, den wahren Glauben zu bekennen und zu verteidigen, doch wir sind uns auch bewusst, dass wir uns in uns selbst verschanzt haben aus Furcht oder Vorurteilen gegenüber dem Glauben, den die anderen mit einer anderen Akzentuierung und in einer anderen Sprache bekennen. […]

Die geistliche Erfahrung Martin Luthers hinterfragt uns und erinnert uns daran, dass wir ohne Gott nichts vollbringen können. „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ – das ist die Frage, die Luther ständig umtrieb. Tatsächlich ist die Frage nach der rechten Gottesbeziehung die entscheidende Frage des Lebens. Bekanntlich begegnete Luther diesem barmherzigen Gott in der Frohen Botschaft vom menschgewordenen, gestorbenen und auferstandenen Jesus Christus. Mit dem Grundsatz „Allein aus Gnade“ werden wir daran erinnert, dass Gott immer die Initiative ergreift und jeder menschlichen Antwort zuvorkommt, und zugleich, dass er versucht, diese Antwort auszulösen. Daher bringt die Rechtfertigungslehre das Wesen des menschlichen Daseins vor Gott zum Ausdruck.“27.

Eure Heiligkeit hat nicht nur behauptet, daß Martin Luther sich in Sachen Rechtfertigung nicht geirrt hat, sondern im engen Gleichklang mit dessen Sichtweise auch mehrfach erklärt, daß unsere Sünden der Ort sind, an dem wir Christus begegnen (in der Homilie vom 4. September 2014 und vom 18. September 2014), indem Sie Ihren Standpunkt mit dem heiligen Paulus rechtfertigten, der in Wirklichkeit sich „höchstens“ seiner „Schwachheit“ rühmen wollte („astheneíais“, vgl. 2 Kor 12,5.9), damit die Kraft Christi auf ihn herabkomme, aber nicht seiner Sünden.28 In einer Rede vor Mitgliedern von Comunione e Liberazione am 7. März 2015 sagte Eure Heiligkeit:

„Der bevorzugte Ort der Begegnung ist die zärtliche Geste der Barmherzigkeit Jesu Christi gegenüber meiner Sünde. Und daher habt ihr mich manchmal sagen gehört, dass der Platz, der bevorzugte Ort der Begegnung mit Jesus Christus meine Sünde ist“.29

Zudem lesen wir in Amoris laetitia, zusätzlich zu anderen Thesen, die in einem Schreiben an alle Kardinäle und Patriarchen der orientalischen Kirchen aufgelistet und als häretisch, falsch oder zweideutig qualifiziert sind, auch folgendes:

„Dennoch ist es nicht angebracht, unterschiedliche Ebenen miteinander zu vermischen: Man sollte nicht zwei begrenzten Menschen die gewaltige Last aufladen, in vollkommener Weise die Vereinigung nachzubilden, die zwischen Christus und seiner Kirche besteht, denn die Ehe als Zeichen beinhaltet einen ‚dynamischen Prozess von Stufe zu Stufe entsprechend der fortschreitenden Hereinnahme der Gaben Gottes‘ (AL 122).“

So wie es wahr ist, daß das sakramentale Siegel der Ehe einen dynamischen Prozeß in Richtung Heiligkeit impliziert, so ist auch wahr, daß das sakramentale Zeichen mit Hilfe der Gnade im Brautpaar vollkommen die Verbindung Christi mit der Kirche abbildet. Es geht also nicht darum, zwei begrenzten Menschen eine „gewaltige Last“ aufzuerlegen, sondern vielmehr darum, das Wirken des Sakraments und der Gnade zu erkennen (res et sacramentum).

Auf befremdliche Art und Weise stellen wir in verschiedenen weiteren Teilen dieses Apostolischen Schreibens eine Nähe zur Herabsetzung der Ehe durch Luther fest. Für den deutschen Revolutionär  ist  das  katholische  Verständnis  des  Sakramentes  ex  opere  operato,  das  er  für „mechanisch“ hielt, inakzeptabel. Obwohl er die Unterscheidung zwischen signum et res beibehielt, wandte er diese nach 1520 mit der Veröffentlichung der Schrift Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche nicht mehr auf die Ehe an. Luther leugnet, daß die Ehe sakramental ist, mit der Begründung, daß an keiner Stelle der Bibel zu lesen sei, daß der Mann, der eine Frau heiratet, die Gnade Gottes empfängt und ebensowenig, daß die Institution Ehe von Gott als Zeichen von irgendetwas errichtet wurde. Luther war der Meinung, daß die Ehe nur ein Symbol sei, denn obwohl sie die Verbindung Christi mit der Kirche abbilden könnte, seien solche Figuren und Allegorien keine Sakramente im eigentlichen Sinn des Wortes (cf. Luther’s Works [LW] 36,92). Aus diesem Grund gehört für Luther die Ehe – deren eigentlicher Zweck die Zeugung von Kindern und deren auf Gott ausgerichtete Erziehung ist (vgl. LW 44,11–12) – zur Ordnung der Schöpfung und nicht zu jener des Heils (vgl. LW 45,18); und sie wurde nur zu dem Zweck gegeben, das Feuer der Begierde zu löschen, und als Bastion gegen die Sünde (vgl. LW 3, Gen 16,4).

Darüber hinaus ist sich Luther ausgehend von seiner persönlichen Sichtweise der durch die Sünde korrumpierten menschlichen Natur bewußt, daß der Mensch nicht immer bereit ist, das Gesetz Gottes zu befolgen. Daher ist er überzeugt, daß Gott auf zweifache Weise das Menschengeschlecht leitet, der eine zweifache moralische Sicht der Ehe und der Scheidung entspricht. Deshalb ist die Scheidung von Luther im Falle des Ehebruches generell zugelassen, aber nur für die nicht- geistlichen Menschen.

Seine Überlegung gründet auf der Annahme, daß es zwei Formen der göttlichen Lenkung in dieser Welt gibt: eine geistliche und eine weltliche. Mit der geistlichen Lenkung leitet der Heilige Geist die Christen und die Gerechten durch das Evangelium Christi. Mit der weltlichen Lenkung hält Gott die Nicht-Christen und Bösen zurück, um den äußeren Frieden zu bewahren (vgl. LW 45,91). Es gibt daher auch zwei Gesetze, die das Moralleben regeln: eines ist geistlich, für jene, die unter dem Einfluss des Heiligen Geistes leben, das andere weltlich, für jene, denen es nicht gelingt, das geistliche Gesetz zu halten (vgl. LW 45,88–93). Diese doppelte Sicht der Moral hat Luther mit Bezug auf Mt 5,32 auf den Ehebruch angewandt. Deshalb dürfen sich Christen wegen Ehebruchs nicht scheiden lassen (geistliches Gesetz); die Scheidung existiert aber und wurde von Moses erlaubt wegen der Sünde (weltliches Gesetz). Die Scheidungserlaubnis wird als eine von Gott den fleischlichen Menschen gesetzte Grenze gesehen, um ihr schlechtes Verhalten einzudämmen, und um die davor zu bewahren, aufgrund ihrer Bosheit Schlimmeres zu begehen (vgl. LW 45,31).

Wie könnte man darin nicht eine sehr große Ähnlichkeit mit dem erkennen, was von Eurer Heiligkeit in Amoris laetitia gesagt wird? Einerseits wird die Ehe scheinbar als Sakrament geschützt, während andererseits die Scheidung und die darauf folgende standesamtliche Ehe „barmherzig“ als status quo betrachtet werden, der – wenn auch nur „pastoral“ – in das Leben der Kirche zu integrieren ist, womit offen dem Wort Unseres Herrn widersprochen wird. Luther wurde bei der Anerkennung einer Zweitverbindung davon geleitet, daß er die Begierde mit der Sünde gleichsetzte und die Ehe als Abhilfe für die Begierde betrachtete. In Wahrheit ist die Begierde in sich keine Sünde, wie gleichermaßen eine zweite Verbindung zu Lebzeiten des Partners kein Status, sondern ein Verlust der Wahrheit ist.

Doch wird der Selbstwiderspruch Luthers, der durch seine doppelte Sicht der Ehe entsteht – die in sich als etwas gesehen wird, das im eigentlichen Sinn dem Gesetz und nicht dem Evangelium angehört –, durch den Vorrang des Glaubens scheinbar überwunden: ein „herzliches Vertrauen“, das erlaube, Gott subjektiv anzuhangen. Er ist der Ansicht, daß der Glaube den Menschen in dem Maß rechtfertigt, in dem sich die strafende Gerechtigkeit in Barmherzigkeit zurückzieht und permanent in Liebe verwandelt, die vergibt. Das wird, laut Luther, durch einen „fröhlichen Wechsel“ möglich, durch den der Sünder zu Christus sagen kann: „Du bist meine Gerechtigkeit, so wie ich Deine Sünde bin“ (LW 48,12; vgl. auch 31,351; 25,188). Durch diesen „fröhlichen Wechsel“ wird Christus zum einzigen Sünder und wir sind durch die Annahme des Wortes im Glauben gerechtfertigt.

Auf Ihrer Pilgerreise nach Fatima zum Beginn dieses von der Vorsehung bestimmten Hundertjahrjubiläums hat Eure Heiligkeit klar die lutherische Sicht des Glaubens und der Rechtfertigung angedeutet, indem Sie am 12. Mai 2017 folgendes erklärten:

„Man tut Gott und seiner Gnade Unrecht, wenn man an erster Stelle sagt, dass die Sünden durch sein Gericht bestraft werden, ohne voranzustellen – wie es das Evangelium deutlich macht –, dass er sie in seiner Barmherzigkeit vergibt! Wir müssen die Barmherzigkeit dem Gericht überordnen. Jedenfalls geschieht das Gericht Gottes immer im Licht seines Erbarmens. Natürlich leugnet die Barmherzigkeit Gottes die Gerechtigkeit nicht; denn Jesus hat die Folgen unserer Sünde mit der gerechten Strafe auf sich genommen. Er leugnet die Sünde nicht, er hat sie vielmehr am Kreuz für uns bezahlt. Und so sind wir im Glauben, der uns mit dem Kreuz Christi verbindet, von unseren Sünden frei. Legen wir jede Form von Angst und Furcht ab, denn das ziemt sich nicht für jemanden, der geliebt wird (vgl.1 Joh 4,18).“30

Das Evangelium lehrt aber weder, daß alle Sünden de facto vergeben werden, noch, daß Christus allein das „Gericht“ oder die Gerechtigkeit Gottes erfahren hat, während dem Rest der Menschheit allein die Barmherzigkeit zukommt. Während es ein „stellvertretendes Leiden“ Unseres Herren zur Sühne für die Sünden gibt, gibt es aber keine „stellvertretende Strafe“, da Christus „für uns zur Sünde gemacht wurde“ (vgl. 2 Kor 5,21), und nicht zum Sünder. Wegen der göttlichen Liebe und nicht als Gegenstand des Zornes Gottes hat Christus das höchste Opfer des Heils gebracht, um uns mit Gott zu versöhnen, indem er nur die Folgen unserer Sünden auf sich nahm (vgl. Gal 3,13). Deshalb genügt es nicht, daß wir darauf vertrauen, daß unsere Sünden durch eine vermutete stellvertretende Bestrafung getilgt wurden, damit wir gerechtfertigt sind; unsere Rechtfertigung besteht darin, daß wir Unserem Heiland gleich werden, was durch den Glauben geschieht, der in der Liebe wirksam ist (vgl. Gal 5,6).

Heiliger Vater, erlauben Sie uns zum Abschluß, unser Staunen und unseren Schmerz zum Ausdruck zu bringen wegen zweier Ereignisse, die sich im Herzen der Kirche zugetragen haben und ebenfalls die Gunst bezeugen, die der deutsche Häresiarch unter Ihrem Pontifikat genießt. Am 15. Januar 2016 wurde einer Gruppe finnischer Lutheraner im Rahmen der Zelebration einer Heiligen Messe im Petersdom die heilige Kommunion gespendet. Am 13. Oktober 2016 hat Eure Heiligkeit eine Begegnung von Katholiken und Lutheranern in der Sala Nervi im Vatikan angeführt, bei der eine Statue von Martin Luther aufgestellt wurde.

 

© Der deutschsprachige Text ist eine autorisierte Fassung von http://www.correctiofilialis.org
und wurde von katholisch-bleiben.de erstellt.

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Quelle [mit sämtlichen Fußnoten]: http://www.correctiofilialis.org/wp-content/uploads/2017/09/Correctio-filialis_Deutsch_1.pdf

Magdi Cristiano Allam: Wir erleben einen Völkeraustausch

MAGDI [CRISTIANO] ALLAM – Er war Kind einer muslimischen Mutter in Kairo, Ägypten, konvertierte zum katholischen Christentum – wurde auf eigenen Wunsch von Papst Benedikt XVI. in der Petersbasilika getauft!

Wir erleben einen Austausch der Ethnien. Viele Italiener wissen das nicht, niemand macht etwas. Wir müssen uns dagegen erheben, um der selbstmörderischen demographischen Tötung ein Ende zu bereiten.

(Il Giornale, 29. Oktober 2017) – Wir erleben den ethnischen Austausch der italienischen Bevölkerung. Es ist eine objektive Realität, das Ergebnis einer bewussten, geplanten und finanzierten Strategie. Die meisten Italiener sind sich einer demographischen Euthanasie, die in der Geschichte keinen Präzedenzfall hat, nicht bewusst und kümmern sich [höchstens] passiv darum. Eine Minderheit der Italiener ist sich dessen bewusst, aber sie ist durch das Trauma des Selbstmord-Tötens an Bürgern wie gelähmt.

Die Tatsachen und Zahlen bestätigen unmissverständlich, dass wir dazu bestimmt sind, uns als italienische Bevölkerung auszulöschen und parallel dazu als italienische Zivilisation zu sterben. Die OCSE (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) weist darauf hin, dass Italien bereits eines der ältesten Länder der Welt ist: Es gibt 38 über-65-Jährige auf 100 Personen zwischen 20 und 64 Jahren. Und im Jahre 2050, d.h. in nur 33 Jahren, werden die über-65-jährigen Italiener 74 aus 100 sein. Der ISTAT prognostiziert, dass im Jahr 2065 ein Drittel der Wohnbevölkerung von Ausländern gebildet wird, von denen 14,1 Millionen Ausländer und 7,6 Millionen italienischer Staatsbürger ausländischer Herkunft sein werden. Im Jahr 2016 gab es 473.438 Geburten und 615.261 Todesfälle, mit einem natürlichen Saldo von 141.823 Menschen weniger, als ob plötzlich eine Stadt wie Cagliari verschwunden wäre. Im Jahr 2015 sank die Zahl der Krankenhausaborte auf unter 90.000, aber die Zahl der Abtreibungen wuchs, so dass Hunderttausende von Menschen das Leben verloren.

Italien engagiert sich für die sogenannte „Willkommenskultur“. Von 2014 bis heute hat es die Einwanderung von mehr als 600.000 Migranten, ohne Dokumente, vorwiegend männliche, zwischen 20 und 30, Muslime, erlaubt. Im Jahr 2016 haben etwa 200 Tausend Ausländer die italienische Staatsbürgerschaft erhalten. Parallel dazu verurteilt Italien seine besten Kinder dazu, im Ausland nach dem Glück zu suchen. Allein im Jahr 2016 waren italienische Ausgewanderte etwa 300.000.

Inzwischen wird unseren Kindern in der Schule die Aussicht auf unseren ethnischen Austausch beigebracht. In «Geo Green», von Carlo Griguolo, einem Text für die Mittelschule, heißt es: „Außer- europäische Zuwanderer sind heute schon ein bedeutender Teil der jungen europäischen Bevölkerung. Die wirkliche soziale und demografische Herausforderung des Kontinents besteht darin, „das Zeugnis zu geben“: „Einwanderer müssen in der Lage sein, auf jeder beruflichen und zivilen Ebene in die europäische Gesellschaft und Wirtschaft einzutreten; nur durch die Aufnahme von Einwanderern wird das alte Europa die Existenz des zukünftigen Europas ermöglichen.“ Er wurde von Roberto Novelli, Ratsmitglied von Forza Italia in der Region Friaul, verurteilt.

Es ist eine Botschaft der Resignation, in unserem Zuhause besiegt zu werden, es ist Selbstmord, mehr als (nur) ein Mord. Ist es möglich, dass wir, um Europa eine Zukunft zu ermöglichen, als Bevölkerung und als Zivilisation sterben und das Zeugnis an überwiegend islamische Einwanderer weitergeben müssen? Es tut mir leid für die „mächtigen Mächte“, aber ich gehöre nicht dazu. Und ich bin mir sicher, dass die Mehrheit der Italiener das nicht tut. Wir werden kämpfen, um das Wunder zu realisieren, unser Recht zurückzugewinnen, wir selbst in unserem Haus zu sein.

magdicristianoallam@gmail.com

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Aus dem Italienischen übersetzt von mir [POS]

Gestern, am 5. November 2017 habe ich folgendes E-Mail von John Horvat erhalten:

John Horvat II, of Tradition, Family, and Property, holds a copy of his book „Return to Order: From A Frenzied Economy to An Organic Christian Society …

5. November 2017
Sehr geehrter Herr Schenker,

Ein Lehrer in Boca Raton, Florida, stellt in einem öffentlichen Park neben einer Kinderkrippe ein großes satanisches Pentagramm mit blasphemischen Zitaten auf wie:

„Auf Satan vertrauen wir“ – („In Satan We Trust“)

„Mögen die Kinder Satan feierlich willkommen heißen“ – („May the Children Hail Satan“)

„Eine [geeinte] Nation unter dem Antichristen.“ – („One Nation Under Anti-Christ“)

Die Stadt Boca Raton hat dieses satanische Monument genehmigt, das am Freitag, dem 1. Dezember [2017], [wieder] errichtet werden soll!

Unterschreiben Sie die Petition, die die Stadt Boca Raton zur Aufhebung ihrer Erlaubnis der Satanischen „Weihnachts“-Darstellung auffordert.

Als die Darstellung letztes Jahr hochging, wurde sie von der Öffentlichkeit schlecht aufgenommen.

Später, als die Zeit gekommen war, sie zu entfernen, trug eine Gruppe von schwarz gekleideten Satanisten das Pentagramm zur Weihnachtskrippe und rief „Heil Satan!“ Und der Schöpfer des Pentagramms sagte: „Satans Schatten wird immer noch über die Stadt geworfen.“
(Sun-Sentinal.com)

Weihnachten wird seit Jahren angegriffen. Aber diesmal ist es besonders beunruhigend.

Die Satanisten sind mutiger, verspotten Weihnachten mit satanischen Auftritten und bringen Teufel durch ihre Angriffe auf Gott auf die Erde.

Unterschreiben Sie unsere Petition und bitten Sie die Stadt Boca Raton, damit aufzuhören, diese satanische Darstellung in der Öffentlichkeit zu erlauben.

Wir können uns nicht zurücklehnen, da der Teufel versucht, die Liebe unserer Kinder zu Gott zu gefährden und Christi Geburt zu verspotten.

Bitte denken Sie daran, Ihren Namen zu unserer dringenden Petition an die Stadt Boca Raton hinzuzufügen, indem Sie den Stadtrat bitten, seine Zustimmung zu diesem satanischen Monument aufzuheben.

Vielen Dank!

Ich verbleibe,

Mit freundlichen Grüßen,

John Horvat
Vizepräsident, Tradition, Familie und Eigentum (TFP)
www.ReturnToOrder.org

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Aus dem Englischen übersetzt von mir [POS]