EIN BRIEF VON JUNGEN KLERIKERN von Various – 19.9.2018

Dieser Brief an die Mitglieder der Bischofssynode für Jugend, Glauben und Berufsbildung dient einem doppelten Zweck: erstens der Solidarität mit den Katholiken, insbesondere den jungen Menschen, die sich um die jüngsten Ereignisse in der Kirche Sorgen machen, insbesondere den sexuellen Missbrauchsskandalen; zweitens, um die Diskussion der Synode ebenso wie das Gespräch darüber aus dem Blickwinkel neuerer Mitglieder des römisch-katholischen Klerus zu informieren, derjenigen, die nach dem öffentlichen Ausbruch der sexuellen Mißbrauchskandale ins Priesterseminar eintraten, oder sich einer Religionsgemeinschaft anschlossen.
Unterzeichner sprechen für sich allein; Zugehörigkeiten wurden nur zu Identifikationszwecken aufgeführt.

 

Hochwürdige Synoden-Väter,

Am Tage unserer Priesterweihe wurde jeder von uns von seinem ordinierenden Bischof gefragt: „Versprichst du mir und meinen Nachfolgern Respekt und Gehorsam?“ Jeder von uns bejahte dies und vertraute nicht auf seine eigenen Verdienste, sondern auf die Gnade Gottes , der jeden von uns zum priesterlichen Dienst in seiner Kirche berufen hat. Wir sind junge katholische Geistliche, und so haben wir diese Frage erst vor kurzem beantwortet – einige von uns im vergangenen Jahr. Und wir schreiben heute in demselben Geist des Respekts und des Gehorsams. Wir möchten unsere Besorgnis über die sich ausbreitende Krise des sexuellen Missbrauchs in der Kirche, insbesondere der Kirche in den Vereinigten Staaten, zum Ausdruck bringen. Insbesondere sind wir besorgt darüber, wie sich diese Krise auf die Synode über den Glauben, die Jugend und die Berufsbildung auswirkt, die im Oktober in Rom stattfinden soll.

Obwohl der Synodalrat dies bei der Wahl des Themas vor drei Jahren nicht vorhersehen konnte, kommt die Synode für junge Menschen zu einem unpassenden Zeitpunkt, zumindest gelinde gesagt. Die Ereignisse des vergangenen Jahres zeigen, dass die Skandale, die 2002 begannen – als viele von uns noch Jugendliche waren – , noch lange nicht vorbei sind. Wir glauben, dass das Ans-Licht-Bringen dieser Skandale, so schmerzlich es auch sein mag, der einzige Weg zur Heilung für die Kirche ist.

Die Laiengläubigen, denen wir bei unseren Ordinationen versprochen haben, unaufhörlich im Namen Christi und seiner Kirche zu beten und zu dienen, werden durch diese Skandale verwundet und fragen sich, wem sie vertrauen sollen. Viele junge Katholiken sind besonders erschüttert. Wir stehen vereint mit ihnen in ihrem Zorn, Entsetzen und ihrer Bestürzung. Wir haben auch bei unseren Ordinationen versprochen, unsere priesterlichen Pflichten als würdige Mitarbeiter mit den Bischöfen zu erfüllen. Wir hoffen, Sie werden verstehen, dass dies in kurzer Zeit viel schwieriger geworden ist. Wir sehen die Wut und Frustration derer, denen wir dienen, und wir selbst sind unsicher, was sonst noch im Dunkeln wartet.

Väter, einige schlagen vor, dass die Jugend-Synode verschoben sogar annulliert werden sollte, anstatt damit unter einem Skandal bezüglich des klerikalen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen fortzufahren. Für den Fall, dass es weitergeht, haben wir Bedenken hinsichtlich des wahrscheinlichen Tenors der Diskussion. Aber wir haben auch Hoffnung, denn die Synode bietet eine Chance, wenn Sie bereit sind, sie zu ergreifen.

Das Instrumentum Laboris (Arbeitsdokument) der Synode zediert der sexuellen Revolution zuviel Raum, die den jungen Menschen so großen Schaden zugefügt hat. Unsere Generation kommt aus der „liquiden“ Moderne. Wir sind in einer Kultur aufgewachsen, die allem feindlich gesinnt ist, was die Kirche vorschlägt: Leben, Tod und Auferstehung Jesu Christi; die Wahrheiten, die in der Schrift enthalten sind; und die Tradition der Kirche, die bis heute von den Aposteln weitergegeben wurde, einschließlich ihres moralischen Zeugnisses. Wir tun unser Bestes, um diese Realitäten zu lehren, zu predigen, zu verkünden und zu leben. So auch viele unserer jungen Kollegen.

Wenn wir das Instrumentum Laboris lesen, finden wir keine umfassende Analyse von Modellen, die sich als erfolgreich erwiesen haben, junge Menschen im Glauben zu formen. Wir finden auch keine Anleitung, wie die soziokulturellen Anliegen junger Menschen auf ein übernatürliches Ziel hin ausgerichtet werden können. Wir finden stattdessen vage Hinweise auf „einige junge Menschen“, die wünschen, dass sich dieser oder jener Teil der Lehre der Kirche ändert. Aber wir wissen von vielen jungen Menschen, die nicht wollen, dass sich die Lehren der Kirche ändern, sondern dass sie energischer verkündet werden – gerade weil sie sie als Gegenmittel gegen die kulturelle Öde sehen, in der wir leben. Aus diesem Grund glauben wir, dass das Instrumentum ein erhebliches Umdenken und eine Überarbeitung nötig hat. Nur eine kraftvolle Begegnung mit Jesus Christus und eine freudige Verkündigung des orthodoxen Glaubens der Kirche kann junge Herzen inspirieren und junge Menschen zur Mission anfeuern. Soziologische Analyse kann dies nicht erreichen.

Wir, als junge Menschen, kennen den Preis der sexuellen Revolution auf eine viszerale Art: Scheidung, das unkontrollierte Streben nach Vergnügen, Objektivierung von Frauen, Sexhandel, Pornographie, all die Schrecken, die die #MeToo-Bewegung ausgelöst haben, Lustlosigkeit, Verzweiflung, Sucht. Wir sehen bereits, wie sich durch die Smartphone-Sucht, Depressionen und Ängste bei Teenagern und Mobbing in den sozialen Medien auf die nächste Generation auswirken. Wir betrachten diese Effekte nicht als befreiend; wir betrachten sie als Fesseln. Und wir denken, dass unsere Kollegen mit uns einig sind.

Wir sind in einer Welt aufgewachsen, die vor allem radikale Autonomie schätzt. Wir sind alle auf diese oder jene Weise kompromittiert worden. Aber es ist eine Lüge. Und wenn junge Leute merken, dass sie belogen worden sind, suchen sie nach Antworten. Dann offenbart sich das Evangelium Jesu Christi erneut als Befreiung, als Befreiung von den Fesseln unserer Zeit, so dass wir stattdessen Gefangene für den Herrn werden, missionarische Jünger, deren Herzen in ihnen brennen. Wir beten, dass der primäre Effekt dieser Synode eine unverfrorene Verkündigung dieses authentischen Evangeliums für die jungen Menschen von heute sein wird.

Unsere Kultur ist allzu eifrig, uns falsche Idole zu verkaufen. Nur das Evangelium, das in seiner radikalen Kraft gelebt wird, kann befriedigen. Christus allein ist die Antwort auf die Herausforderungen unserer Generation. Mögen wir ihn und seinen Ruf zur Heiligkeit in dieser Stunde neu annehmen.

UNTERZEICHNET VON:

Rev. Steven J. Arena
Pfarrvikar, Johannes-Neumann-Gemeinde, Lancaster, PA
Diözese von Harrisburg

Rev. Eric J. Banecker
Pfarrvikar, Pfarrei St. Pius X, Broomall, PA
Erzdiözese von Philadelphia

Rev. Christopher Coffie
Pfarrvikar, St. John the Beloved Parish, Wilmington, DE
Diözese Wilmington

Reverend Michael G. DeSaye
Pfarrvikar, heilige Johanna von Arc Parish, Marlton, NJ
Diözese von Trenton

Rev. Richard W. James
Graduate Studies, Universität St. Thomas, Rom
Diözese Allentown

Rev. Bryan J. Kerns, OSA
Theologische Fakultät, St. Augustine Preparatory School, Richland, NJ
Orden des Heiligen Augustinus

Rev. Aleksandr J. Schrenk
Parochial Vikar pro tem , St. Peter, St. Paul und St. Michael Pfarreien, Butler, PA
Diözese von Pittsburgh

Rev. Stephen W. Spencer, OSJ
Parochial Vicar, unsere Dame der Guadalupe-Gemeinde, Bakersfield, CA
Oblaten des heiligen Joseph

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Quelle

Unterschriften-Sammlung gegen die Aktion „Ein neues Kleid für Maria“

Über 2500 Unterschriften

– Wir fordern die Verantwortlichen auf, den Wettbewerb zur Verunglimpfung der Gottesmutter im Aachener Dom unverzüglich zu beenden. –

Über 2500 Unterschriften zur Wahrung der Würde unserer Kaiserin von Aachen sind bereits gezählt. Dies war nur durch Ihre Mithilfe möglich!

Einsendeschluss der „Kleid“-Entwürfe für das Gnadenbild im Aachener Dom ist der 27. September 2018!
Dies bedeutet konkret, dass unsere Unterschriftensammlung an unseren Hochwürdigen Herrn Bischof Dr. Dieser noch bis zum 27. September läuft!

2500 Unterschriften sind bereits ein deutliches Zeichen, dass ein solcher Wettbewerb um ein „modernes Gewand für den Alltag“, am seit altersher verehrten Gnadenbild Mariens, der hochwürdigsten Jungfrau, nicht gewünscht ist!
Deutlich sei noch einmal erwähnt, dass der Wettbewerb vornehmlich dazu ausgeschrieben ist, die „Verehrungsformen zu modernisieren […] in […]
Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst“ (Pressemitteilung des Domkapitels Aachen vom 03.07.18)!
Ein würdiges „Kleid“, d. h. ein Gewand, dass die Mutter des Herrn in ehrbarer Weise ziert, und nicht „in Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst“ verziert, ist somit per definitionem bereits in der offiziellen Pressemitteilung ausgeschlossen worden!

Bitte teilen Sie dieses so wichtige Anliegen weiterhin, schreiben Sie unserem Bischof und verteilen Sie wenn möglich Flyer (Adresse und Dokumente hier:kaiserinvonaachen.wordpress.com/unterschrift/) in Ihrer Pfarrkirche, wenn es diese erlaubt.

Möge es der Himmel und insbesondere die gebenedeiteste Mutter Gottes allen Beteiligten reichlichst vergelten!

Ja, Maria ist die Gebenedeiteste; sie war unter Allen, die auf Erden lebten, die frömmste, die reinste, die Gott ergebenste Jungfrau, und weil sie allzeit keusch und heilig lebte, so wurde sie auch von Gott gewürdiget, die Mutter seines Sohnes, die Königin des Himmels zu sein.“ (Katholische Kanzelberedsamkeit, Regensburg 1835).

Ave Maria Kaiserin, Hilfe der Christen,
bitte für das Dir geweihte Bistum,
besonders für den Bischof,
alle Priester und Gottgeweihten
und ganz besonders
für ein christliches Europa. Amen.

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Quelle

Kongregation für die Glaubenslehre zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche

KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE

KOMMENTAR
zu den
Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten
bezüglich der Lehre über die Kirche

Die verschiedenen Fragen, auf welche die Kongregation für die Glaubenslehre antworten möchte, betreffen das allgemeine Verständnis der Kirche, wie es sich aus den dogmatischen und ökumenischen Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils ergibt. Denn diesem „Konzil der Kirche über die Kirche“, das nach den Worten von Paul VI. eine „neue Epoche für die Kirche“ eingeleitet hat, kommt das Verdienst zu, „das wahre Antlitz der Braut Christi besser beschrieben und enthüllt“ zu haben[1]. Darüber hinaus werden die wichtigsten Dokumente von Papst Paul VI. und Papst Johannes Paul II. sowie Äußerungen der Kongregation für die Glaubenslehre in Erinnerung gerufen. Alle diese Verlautbarungen wollen zu einem vertieften Verständnis der Kirche beitragen und bieten häufig Klärungen zur beachtlichen theologischen Produktion nach dem Konzil, die nicht immer frei war von Abweichungen und Ungenauigkeiten.

Dieselbe Zielsetzung findet sich im vorliegenden Dokument, mit dem die Kongregation die authentische Bedeutung einiger Äußerungen des Lehramts im Bereich der Ekklesiologie in Erinnerung rufen möchte, damit die gesunde theologische Forschung nicht beeinträchtigt werde durch Irrtümer, die Unklarheiten verursachen können. In diesem Zusammenhang ist die literarische Gattung der „Antworten auf Fragen“ (Responsa ad quaestiones) zu beachten, die ihrer Natur nach nicht Argumentationen für den Aufweis der dargelegten Lehre liefern, sondern sich darauf beschränken, Äußerungen des vorhergehenden Lehramts in Erinnerung zu rufen und somit ein sicheres und zuverlässiges Wort zum Thema zu sagen.

In der ersten Frage geht es darum, ob das Zweite Vatikanum die vorhergehende Lehre über die Kirche verändert habe.

Die Frage bezieht sich auf die Bedeutung jenes neuen Antlitzes der Kirche, welches das Zweite Vatikanum nach den zitierten Worten von Paul VI. geboten hat.

Die Antwort, die auf das Lehramt von Johannes XXIII. und Paul VI. gründet, ist sehr klar: Das Zweite Vatikanum wollte die vorhergehende Lehre über die Kirche nicht verändern und hat sie auch nicht verändert, sondern vielmehr vertieft und organischer dargelegt. In diesem Sinn werden die Worte von Paul VI. aus seiner Ansprache bei der Promulgation der dogmatischen Konzilskonstitution Lumen gentium angeführt, mit denen er bekräftigt, dass die überlieferte Lehre in keiner Weise verändert worden ist: „Nur ist nun das, was früher bloß in der Praxis des Lebens enthalten war, auch offen als Lehre zum Ausdruck gebracht. Nun ist das, was bis jetzt Gegenstand des Nachdenkens, der Diskussion und zum Teil auch der Auseinandersetzungen war, in einer sicher formulierten Lehre dargelegt“[2].

In gleicher Weise besteht Kontinuität zwischen der Lehre des Konzils und den nachfolgenden Verlautbarungen des Lehramts, die diese Lehre aufgegriffen und vertieft und zugleich zu ihrer Entfaltung beigetragen haben. In diesem Sinn hat etwa die von der Kongregation für die Glaubenslehre veröffentlichte Erklärung Dominus Iesus nur die Texte des Konzils und der Nachkonzilsdokumente aufgegriffen, ohne etwas hinzuzufügen oder wegzulassen.

Trotz dieser klaren Äußerungen war die Lehre des Zweiten Vatikanums in der Zeit nach dem Konzil – und sie ist es noch immer – Gegenstand von Interpretationen, die abwegig und in Diskontinuität zur überlieferten katholischen Lehre über das Wesen der Kirche sind. Auf der einen Seite sah man in der Lehre des Konzils eine „kopernikanische Wende“, auf der anderen Seite konzentrierte man sich auf einige Themen, die als gleichsam gegensätzlich zu anderen Themen betrachtet wurden. In Wirklichkeit lag die Grundabsicht des Zweiten Vatikanischen Konzils eindeutig darin, die Rede von der Kirche der Rede von Gott ein- und unterzuordnen und so eine im eigentlichen Sinn theologische Ekklesiologie vorzulegen. Die Rezeption des Konzils hat dieses bestimmende Vorzeichen aber häufig zugunsten einzelner ekklesiologischer Aussagen vernachlässigt, sich auf einzelne Stichworte konzentriert und einseitige, partielle Auslegungen der Konzilslehre begünstigt.

Was die Ekklesiologie von Lumen gentium angeht, sind im kirchlichen Bewusstsein einige Stichworte haften geblieben: der Begriff Volk Gottes, die Kollegialität der Bischöfe als Aufwertung des Bischofsamtes gegenüber dem Primat des Papstes, die Neubewertung der Teilkirchen innerhalb der Gesamtkirche, die ökumenische Öffnung des Kirchenbegriffs und die Öffnung zu den anderen Religionen, und schließlich die Frage nach dem spezifischen Status der katholischen Kirche, die sich in der Formel festmacht, dass die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, von der das Glaubensbekenntnis spricht, „in der katholischen Kirche subsistiert“ (subsistit in Ecclesia catholica).

Einige dieser Begriffe, vor allem die Aussage über den spezifischen Status der katholischen Kirche mit seinen Auswirkungen auf dem Gebiet der Ökumene, bilden die Hauptthemen, die von dem Dokument in den nachfolgenden Fragen behandelt werden.

In der zweiten Frage geht es darum, wie man die Aussage verstehen müsse, gemäß der die Kirche Christi in der katholischen Kirche subsistiert.

Als G. Philips schrieb, der Ausdruck subsistit in werde Ströme von Tinte fließen lassen[3], hatte er wohl nicht vorhergesehen, dass die Debatte so lange und mit solcher Heftigkeit andauern und die Kongregation für die Glaubenslehre dazu drängen würde, das vorliegende Dokument zu veröffentlichen.

Eine solche Eindringlichkeit, die übrigens in den Texten des Konzils und des nachfolgenden Lehramts verankert ist, entspricht der Sorge um die Wahrung der Einheit und der Einzigkeit der Kirche, die verloren gingen, wenn man annehmen würde, dass es mehrere Subsistenzen der von Christus gegründeten Kirche gäbe. Wenn es so wäre, müsste man sich nämlich – wie in der Erklärung Mysterium Ecclesiae festgehalten wird – „die Kirche Christi als eine gewisse Summe von Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften“ vorstellen, „zwar getrennt, aber doch irgendwie eine“, oder man müsste annehmen, „die Kirche Christi bestehe heute in Wahrheit nirgendwo mehr, sondern sei nur als ein Ziel zu betrachten, das alle Kirchen und Gemeinschaften suchen müssen“[4]. Die einzige Kirche Christi würde als eine Kirche in der Geschichte nicht mehr bestehen oder nur in ideeller Weise bestehen, also in fieri in einer zukünftigen durch den Dialog ersehnten und geförderten Konvergenz oder Wiedervereinigung der verschiedenen Schwesterkirchen.

Noch klarer ist die Notifikation der Kongregation für die Glaubenslehre zu einem Buch von Leonardo Boff, gemäß dem die einzige Kirche Christi „auch in anderen christlichen Kirchen subsistieren kann“. Im Gegensatz dazu präzisiert die Notifikation: „Das Konzil hingegen hatte das Wort ‚subsistit’ gerade deshalb gewählt, um klarzustellen, dass nur eine einzige ‚Subsistenz’ der wahren Kirche besteht, während es außerhalb ihres sichtbaren Gefüges lediglich ‚Elemente des Kircheseins’ gibt, die – da sie Elemente derselben Kirche sind – zur katholischen Kirche tendieren und hinführen“[5].

In der dritten Frage geht es darum, weshalb der Ausdruck „subsistiert“ und nicht einfach das Wort „ist“ gebraucht wurde.

Genau diese terminologische Veränderung beschreibt die Beziehung zwischen der Kirche Christi und der katholischen Kirche, die – vor allem auf ökumenischem Gebiet – für die unterschiedlichsten Schlussfolgerungen Anlass gegeben hat. In Wirklichkeit wollten die Konzilsväter einfach anerkennen, dass es in den nicht katholischen christlichen Gemeinschaften selbst kirchliche Elemente gibt, die der Kirche Christi eigen sind. Daraus folgt, dass die Identifikation der Kirche Christi mit der katholischen Kirche nicht so zu verstehen ist, dass es außerhalb der katholischen Kirche ein „kirchliches Vakuum“ gäbe. Zugleich bedeutet dies, dass – unter Berücksichtigung des Kontextes, in den der Ausdruck subsistit in eingefügt ist, nämlich der Beziehung zur einzigen Kirche Christi, die „in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet…, vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird“ – dem Übergang von „ist“ zu „subsistiert“ keine besondere theologische Bedeutung im Sinn einer Diskontinunität mit der vorausgehenden katholischen Lehre zukommt.

Weil nämlich die so von Christus gewollte Kirche tatsächlich in der katholischen Kirche weiter besteht (subsistit in), besagt die Fortdauer der Subsistenz eine substantielle Identität zwischen dem Wesen der Kirche Christi und der katholischen Kirche. Das Konzil wollte lehren, dass die Kirche Jesu Christi in der katholischen Kirche als konkretes Subjekt in dieser Welt anzutreffen ist. Dies geht nur einmal, und die Vorstellung, das subsistit sei zu multiplizieren, verfehlt genau das Gemeinte. Mit dem Wort subsistit wollte das Konzil das Besondere und nicht Multiplizierbare der katholischen Kirche ausdrücken: Es gibt die Kirche als Subjekt in der geschichtlichen Wirklichkeit.

Entgegen einer Vielzahl von unbegründeten Interpretationen bedeutet darum der Ersatz des est mit subsistit in nicht, dass die katholische Kirche von der Überzeugung ablasse, die einzige wahre Kirche Christi zu sein. Diese terminologische Veränderung bedeutet einfach, dass die Kirche offener ist für das besondere ökumenische Anliegen, den wirklich kirchlichen Charakter und die wirklich kirchliche Dimension der christlichen Gemeinschaften anzuerkennen, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, und zwar aufgrund der in ihnen vorhandenen „vielfältigen Elemente der Heiligung und der Wahrheit“ (plura elementa sanctificationis et veritatis). Folglich gibt es, obwohl die Kirche nur eine ist und nur in einem geschichtlichen Subjekt „subsistiert“, auch außerhalb dieses sichtbaren Subjekts echte kirchliche Wirklichkeiten.

In der vierten Frage geht es darum, weshalb das Zweite Vatikanische Konzil den Ostkirchen, die nicht in  voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, die Bezeichnung „Kirchen“ zuschreibt.

Trotz der klaren Aussagen, dass die Kirche Christi in der katholischen Kirche „subsistiert“, beinhaltet die Tatsache, dass es auch außerhalb ihres sichtbaren Gefüges „vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit“[6] gibt, die Anerkennung des obgleich unterschiedlichen kirchlichen Charakters der nicht katholischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften. Auch diese sind nämlich „keineswegs ohne Bedeutung und Gewicht“ in dem Sinn, dass der Geist Christi sich nicht weigert, „sie als Mittel des Heils zu gebrauchen“[7].

Der Text zieht zunächst die Wirklichkeit der Ostkirchen in Betracht, die nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen. Unter Verweis auf verschiedene Konzilstexte wird anerkannt, dass diese den Titel „Teil- oder Ortskirchen“ verdienen und Schwesterkirchen der katholischen Teilkirchen genannt werden, weil sie mit der katholischen Kirche verbunden bleiben aufgrund der apostolischen Sukzession und der gültigen Eucharistie, durch welche die Kirche Gottes aufgebaut wird und wächst[8]. Die Erklärung Dominus Iesus nennt sie sogar ausdrücklich „echte Teilkirchen“[9].

Trotz der klaren Anerkennung ihres „Teilkircheseins“ und des damit verbundenen Heilswertes konnte das Dokument nicht unterlassen, den Mangel (defectus) zu erwähnen, unter dem sie gerade in ihrem Teilkirchesein leiden. Denn wegen ihrer eucharistischen Kirchenvorstellung, die den Akzent auf die Wirklichkeit der im Namen Christi in der Eucharistiefeier und unter der Leitung des Bischofs versammelten Teilkirche legt, betrachten sie die Teilkirchen als vollständig in ihrem Teilsein[10]. Daraus folgt, dass in Anbetracht der grundlegenden Gleichheit zwischen allen Teilkirchen und allen Bischöfen, die sie leiten, jede von ihnen eine eigene innere Autonomie besitzt. Dies hat offenkundige Auswirkungen auf die Lehre vom Primat, der nach katholischem Glauben „ein inneres Wesenselement“ für das Bestehen einer Teilkirche ist[11]. Natürlich muss immer unterstrichen werden, dass der Primat des Nachfolgers Petri, des Bischofs von Rom, nicht als äußere Zutat oder als Konkurrenz gegenüber den Bischöfen der Teilkirchen verstanden werden darf. Der Primat muss als Dienst an der Einheit des Glaubens und der Gemeinschaft ausgeübt werden, und zwar innerhalb der Grenzen, die sich aus dem Gesetz Gottes und der in der Offenbarung enthaltenen, unantastbaren göttlichen Verfassung der Kirche ergeben[12].

In der fünften Frage geht es darum, weshalb den kirchlichen Gemeinschaften, die aus der Reformation hervorgegangen sind, der Titel „Kirche“ nicht zugeschrieben wird.

Dazu muss man sagen: „Die Wunde ist allerdings noch viel tiefer bei den kirchlichen Gemeinschaften, die die apostolische Sukzession und die gültige Eucharistie nicht bewahrt haben“[13]. Deshalb sind sie „nicht Kirchen im eigentlichen Sinn“[14], sondern „kirchliche Gemeinschaften“, wie die Konzils- und Nachkonzilslehre bezeugt[15].

Auch wenn diese klaren Aussagen bei den betroffenen Gemeinschaften und auch in katholischen Kreisen Unbehagen verursacht haben, ist nicht ersichtlich, wie man diesen Gemeinschaften den Titel „Kirche“ zuschreiben könnte. Denn sie nehmen den theologischen Begriff von Kirche im katholischen Sinn nicht an; ihnen fehlen Elemente, die von der katholischen Kirche als wesentlich betrachtet werden.

Man muss aber daran erinnern, dass diese Gemeinschaften selbst – wegen der verschiedenen Elemente der Heiligung und der Wahrheit, die in ihnen wirklich vorhanden sind – zweifellos einen kirchlichen Charakter und einen daraus folgenden Heilswert haben.

Das neue Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre, das im Wesentlichen die Konzilslehre und das Nachkonzilslehramt aufgreift, ruft mit Klarheit die katholische Lehre über die Kirche in Erinnerung. Es weist unannehmbare Auffassungen zurück, die immer noch verbreitet sind, selbst in katholischen Kreisen, und es bietet wertvolle Hinweise für die Fortführung des ökumenischen Dialogs, der immer eine der Prioritäten der katholischen Kirche bleibt, wie Benedikt XVI. schon in seiner ersten Botschaft an die Kirche (20. April 2005) und bei vielen anderen Gelegenheiten bekräftigt hat, besonders bei seiner Apostolischen Reise in die Türkei (28. November – 1. Dezember 2006). Damit der Dialog aber wirklich konstruktiv sein kann, bedarf es neben der Offenheit für die Gesprächspartner der Treue zur Identität des katholischen Glaubens. Nur auf diese Weise kann man zur Einheit aller Christen in der einen Herde und dem einen Hirten (vgl. Joh 10,16) gelangen und so jene Wunde heilen, welche die katholische Kirche immer noch an der vollen Verwirklichung ihrer Universalität in der Geschichte hindert.

Der katholische Ökumenismus mag auf den ersten Blick paradox erscheinen. Mit dem Ausdruck subsistit in wollte das Zweite Vatikanische Konzil zwei Lehraussagen miteinander verbinden: Auf der einen Seite besteht die Kirche Christi – trotz der Spaltungen der Christen – voll nur in der katholischen Kirche fort; auf der anderen Seite gibt es viele Elemente der Heiligung und der Wahrheit außerhalb ihres Gefüges, also in den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die noch nicht in voller Gemeinschaft mit ihr stehen. In diesem Zusammenhang hat das Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils über den Ökumenismus Unitatis redintegratio den Ausdruck „Fülle“ (der Einheit/Katholizität) – plenituto (unitatis/catholicitatis) – eingeführt, eben um zu helfen, diese in gewissem Sinn paradoxe Situation besser zu verstehen. Auch wenn die katholische Kirche die Fülle der Heilsmittel besitzt, „sind die Spaltungen der Christen für die Kirche ein Hindernis, dass sie die ihr eigene Fülle der Katholizität in jenen Söhnen wirksam werden lässt, die ihr zwar durch die Taufe zugehören, aber von ihrer vollen Gemeinschaft getrennt sind“[16]. Es geht also um die Fülle der katholischen Kirche, die schon gegenwärtig ist und die zunehmen muss in den Brüdern und Schwestern, die nicht in voller Gemeinschaft mit ihr stehen, aber auch in den eigenen Söhnen und Töchtern, die der Sünde ausgesetzt bleiben, bis das Volk Gottes „zur ganzen Fülle der ewigen Herrlichkeit im himmlischen Jerusalem freudig gelangt“[17]. Das Voranschreiten in der Fülle ist in der Dynamik des Einsseins mit Christus grundgelegt: „Die Vereinigung mit Christus ist zugleich eine Vereinigung mit allen anderen, denen er sich schenkt. Ich kann Christus nicht allein für mich haben, ich kann ihm zugehören nur in der Gemeinschaft mit allen, die die Seinigen geworden sind oder werden sollen. Die Kommunion zieht mich aus mir heraus zu ihm hin und damit zugleich in die Einheit mit allen Christen“[18].

 

[1] Paul VI., Ansprache vom 21. September 1964: AAS 56 (1964) 1012.
[2] Ebd., 1010.
[3] Vgl. G. Philips, La Chiesa e il suo mistero nel Concilio Vaticano II, Milano 1975, I, 111.
[4] Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Mysterium Ecclesiae, 1: AAS 65 (1973) 398.
[5] Kongregation für die Glaubenslehre, Notifikation zu dem Buch „Kirche: Charisma und Macht. Versuch einer militanten Ekklesiologie“ von P. Leonardo Boff OFM: AAS 77 (1985) 758-759. Der angeführte Absatz aus der Notifikation wird zwar in der Antwort nicht zitiert, findet sich aber zur Gänze in der Erklärung Dominus Iesus, 16, Fußnote 56.
[6] II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 8.2.
[7] II. Vatikanisches Konzil, Dekret Unitatis redintegratio, 3.4.
[8] Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dekret Unitatis redintegratio, 15.1.
[9] Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Dominus Iesus, 17: AAS 92 (2000) 758.
[10] Vgl. Gemischte katholisch-orthodoxe Kommission in Frankreich, Der römische Primat in der Gemeinschaft der Kirchen, Schlussfolgerungen: Enchiridion oecumenicum (1991), IV, 956.
[11] Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben Communionis notio, 17: AAS 85 (1993) 849.
[12] Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Erwägungen Der Primat des Nachfolgers Petri im Geheimnis der Kirche, 7 und 10, in: L’Osservatore Romano. Wochenausgabe in deutscher Sprache, 11. Dezember 1998, 8-9.
[13] Kongregation für die Glaubenslehre, Schreiben Communionis notio, 17: AAS 85 (1993) 849.
[14] Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Dominus Iesus, 17: AAS 92 (2000) 758.
[15] Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dekret Unitatis redintegratio, 4; Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte, 48: AAS 93 (2001) 301-302.
[16] II. Vatikanisches Konzil, Dekret Unitatis redintegratio, 4.
[17] Ebd., 3.
[18] Benedikt XVI., Enzyklika Deus caritas est, 14: AAS 98 (2006) 228-229.

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Quelle

Franziskus: Todesstrafe ist unzulässig und gehört abgeschafft

Pope Francis speaking to pilgrims during his weekly general audience, Aug. 1, 2018. (Daniel Ibáñez/CNA)

Todesstrafe – Papst Franziskus lässt Katechismus abändern – Neue Passage im Wortlaut auf kath.net
Rom (kath.net [02 August 2018, 12:30])

Der Vatikan hat am Donnerstag mitgeteilt, dass Papst Franziskus die Passage über die Todesstrafe im Weltkatechismus geändert hat und die alte Passage durch eine neue ersetzen hat lassen. Franziskus hat schon 2017 bei einer Veranstaltung mitgeteilt, dass die Verurteilung der Todesstrafe im Katechismus „angemessener und konsequenter“ einen Ausdruck finden müsse.

Die neue Passage im WORTLAUT:

Todesstrafe

2267. Lange Zeit wurde der Rückgriff auf die Todesstrafe durch die rechtmäßige Autorität – nach einem ordentlichen Gerichtsverfahren – als eine angemessene Antwort auf die Schwere einiger Verbrechen und als ein annehmbares, wenn auch extremes Mittel zur Wahrung des Gemeinwohls angesehen.

Heute gibt es ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass die Würde der Person auch dann nicht verloren geht, wenn jemand schwerste Verbrechen begangen hat. Hinzu kommt, dass sich ein neues Verständnis vom Sinn der Strafsanktionen durch den Staat verbreitet hat. Schließlich wurden wirksamere Haftsysteme entwickelt, welche die pflichtgemäße Verteidigung der Bürger garantieren, zugleich aber dem Täter nicht endgültig die Möglichkeit der Besserung nehmen.

Deshalb lehrt die Kirche im Licht des Evangeliums, dass „die Todesstrafe unzulässig ist, weil sie gegen die Unantastbarkeit und Würde der Person verstößt“ [[1]], und setzt sich mit Entschiedenheit für deren Abschaffung in der ganzen Welt ein.

 

KATH.NET dokumentiert auch einen Brief der Glaubenskongregation:

KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE
Schreiben an die Bischöfe
über die neue Formulierung der Nr. 2267
des Katechismus der Katholischen Kirche
bezüglich der Todesstrafe

1. In der Ansprache zum 25. Jahrestag der Veröffentlichung der Apostolischen Konstitution Fidei depositum, mit der Johannes Paul II. den Katechismus der Katholischen Kirche promulgierte, hat Papst Franziskus dazu aufgerufen, die Lehre über die Todesstrafe neu zu formulieren, um die in jüngster Zeit erfolgte Entwicklung der Lehre zu diesem Thema besser zusammenzufassen.[1] Diese Entwicklung beruht hauptsächlich darauf, dass es in der Kirche ein immer klareres Bewusstsein der Achtung gibt, die jedem menschlichen Leben geschuldet wird. In diesem Sinn stellte Johannes Paul II. fest: «Nicht einmal der Mörder verliert seine Personwürde, und Gott selber leistet dafür Gewähr».[2]

2. In diesem Licht ist die Haltung zur Todesstrafe zu verstehen, die sich in der Lehre der Hirten und im Empfinden des Volkes Gottes immer mehr durchgesetzt hat. Wenn nämlich die politische und soziale Lage früherer Zeiten die Todesstrafe zu einem annehmbaren Mittel für die Wahrung des Gemeinwohls machte, so haben heute die wachsende Einsicht, dass die Menschenwürde auch durch das Begehen schwerster Verbrechen nicht verloren geht, ein vertieftes Verständnis vom Sinn der Strafsanktionen durch den Staat sowie das Vorhandensein von wirksameren Haftsystemen, die den erforderlichen Schutz der Bürger sicherstellen, zu einem neuen Bewusstsein geführt, das die Unzulässigkeit der Todesstrafe anerkennt und deshalb ihre Abschaffung fordert.

3. In dieser Entwicklung ist die Lehre der Enzyklika Evangelium vitae von Johannes Paul II. von großer Bedeutung. Dieser Papst erwähnte unter den Hoffnungszeichen für eine neue Zivilisation des Lebens «die immer weiter verbreitete Abneigung der öffentlichen Meinung gegen die Todesstrafe selbst als Mittel sozialer „Notwehr“, in Anbetracht der Möglichkeiten, über die eine moderne Gesellschaft verfügt, um das Verbrechen wirksam mit Methoden zu unterdrücken, die zwar den Täter unschädlich machen, ihm aber nicht endgültig die Möglichkeit der Besserung nehmen».[3] Die Lehre von Evangelium vitae wurde in der editio typica des Katechismus der Katholischen Kirche aufgegriffen. Darin ist die Todesstrafe nicht als eine der Schwere des Verbrechens entsprechende Strafe dargestellt, sondern wird nur dann gerechtfertigt, wenn sie «der einzig gangbare Weg wäre, um das Leben von Menschen wirksam gegen einen ungerechten Angreifer zu verteidigen», auch wenn heute «die Fälle, in denen die Beseitigung des Schuldigen absolut notwendig ist, schon sehr selten oder praktisch überhaupt nicht mehr gegeben» sind (Nr. 2267).

4. Johannes Paul II. äußerte sich auch bei anderen Gelegenheiten gegen die Todesstrafe und berief sich dabei auf die Achtung vor der Würde der Person wie auch auf die Mittel der modernen Gesellschaft, um sich vor Verbrechern zu schützen. So brachte er in der Weihnachtsbotschaft 1998 den Wunsch zum Ausdruck, dass «in der Welt der Konsens über dringende und angemessene Maßnahmen erhalten (bleibe) mit dem Ziel , die Todesstrafe abzuschaffen».[4] Im darauf folgenden Monat wiederholte er in den Vereinigten Staaten: «Ein Zeichen der Hoffnung ist die zunehmende Einsicht, dass die Würde des menschlichen Lebens niemals in Abrede gestellt werden darf, auch dann nicht, wenn jemand ein Verbrechen begangen hat. Die moderne Gesellschaft hat die Mittel, sich selbst zu schützen, ohne Verbrechern die Möglichkeit der Besserung endgültig zu nehmen. Ich rufe erneut dazu auf, wie ich es kürzlich an Weihnachten getan habe, zu einer Übereinstimmung bezüglich der Abschaffung der Todesstrafe, die grausam und unnötig ist, zu kommen».[5]

5. Der entschiedene Einsatz für die Abschaffung der Todesstrafe ging unter den nachfolgenden Päpsten weiter. Benedikt XVI. machte «die Verantwortlichen der Gesellschaft … auf die Notwendigkeit aufmerksam, alles im Bereich des Möglichen zu tun, um die Abschaffung der Todesstrafe zu erlangen».[6] Später brachte er vor einer Gruppe von Gläubigen den Wunsch zum Ausdruck, dass «eure Entscheidungen die politischen und gesetzgeberischen Initiativen fördern, die in einer wachsenden Zahl von Ländern vorangetrieben werden, um die Todesstrafe abzuschaffen und wesentliche Fortschritte zu unterstützen, damit das Strafrecht den Ansprüchen der Menschenwürde der Gefangenen wie auch der wirksamen Erhaltung der öffentlichen Ordnung angeglichen werden».[7]

6. Auf derselben Linie bekräftigte Papst Franziskus: «In der heutigen Zeit ist die Todesstrafe unzulässig, so schwer das Verbrechen des Verurteilten auch sein mag».[8] Auf welche Weise die Todesstrafe auch vollzogen wird, immer schließt sie «eine grausame, unmenschliche und erniedrigende Behandlung» ein.[9] Sie ist auch «wegen der mangelhaften Selektivität des Strafrechtssystems und angesichts der Möglichkeit des Justizirrtums» abzulehnen.[10] In diesem Licht rief Papst Franziskus dazu auf, den Abschnitt über die Todesstrafe im Katechismus der Katholischen Kirche neu zu formulieren, um zu betonen, «dass, egal wie schwer das begangene Verbrechen auch war, die Todesstrafe unzulässig ist, weil sie gegen die Unverletzbarkeit und Würde des Menschen verstößt».[11]

7. Die neue Formulierung der Nr. 2267 des Katechismus der Katholischen Kirche, die Papst Franziskus approbiert hat, liegt auf der Linie des vorausgehenden Lehramts und führt eine konsequente Entwicklung der katholische Lehre weiter.[12] Der neue Text folgt den Spuren der Lehre von Johannes Paul II. in Evangelium vitae und bekräftigt, dass die Unterdrückung des Lebens eines Verbrechers als Strafe für ein Vergehen unzulässig ist, weil sie gegen die Würde der Person verstößt, eine Würde, die auch dann nicht verloren geht, wenn jemand schwerste Verbrechen begangen hat. Zu diesem Schluss gelangt man auch, wenn man die vom modernen Staat angewandten Strafsanktionen in Betracht zieht, die vor allem auf die Besserung und soziale Wiedereingliederung des Verbrechers abzielen müssen. Schließlich ist die Todesstrafe unter Berücksichtigung der wirksameren Haftsysteme der modernen Gesellschaft nicht notwendig, um das Leben unschuldiger Personen zu schützen. Selbstverständlich bleibt die Pflicht der öffentlichen Autorität bestehen, das Leben der Bürger zu verteidigen, wie das Lehramt immer bestätigt hat und wie der Katechismus der Katholischen Kirche in den Nummern 2265 und 2266 bekräftigt.

8. All das zeigt, dass die neue Formulierung der Nr. 2267 des Katechismus eine authentische Entwicklung der Lehre ausdrückt, die nicht im Widerspruch zu früheren Aussagen des Lehramts steht. Diese Aussagen können nämlich im Licht der vorrangigen Verantwortung der öffentlichen Autorität für die Wahrung des Gemeinwohls in einem sozialen Umfeld verstanden werden, in dem die Strafsanktionen eine andere Bedeutung hatten und in einem Milieu erfolgten, in dem es schwerer war zu garantieren, dass der Verbrecher sein Vergehen nicht mehr wiederholen kann.

9. In der neuen Formulierung wird hinzugefügt, dass das Bewusstsein über die Unzulässigkeit der Todesstrafe «im Licht des Evangeliums»[13] gewachsen ist. Das Evangelium trägt nämlich zu einem besseren Verständnis der geschaffenen Ordnung bei, die der Sohn Gottes angenommen, gereinigt und zur Fülle gebracht hat. Es lädt uns auch ein, die Barmherzigkeit und die Geduld des Herrn zu üben, der jedem Zeit schenkt, sich zu bekehren.

10. Die neue Formulierung der Nr. 2267 des Katechismus der Katholischen Kirche möchte, auch durch einen respektvollen Dialog mit den politischen Autoritäten, zu einem entschiedenen Einsatz dafür anspornen, dass eine Mentalität gefördert wird, welche die Würde jedes menschlichen Lebens anerkannt, und die Bedingungen entstehen können, um die Todesstrafe heute abzuschaffen, wo sie noch in Kraft ist.

Papst Franziskus hat in der dem unterzeichneten Sekretär am 28. Juni 2018 gewährten Audienz das vorliegende Schreiben, das von der Ordentlichen Versammlung dieser Kongregation am 13. Juni 2018 beschlossen worden war, gutgeheißen und seine Veröffentlichung angeordnet.

Gegeben zu Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, am 1. August 2018, dem Gedenktag des heiligen Alfons Maria von Liguori.

Luis F. Card. Ladaria, S.I.
Präfekt
+ Giacomo Morandi
Titularerzbischof von Cerveteri
Sekretär

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Die ‚Gay-Pride-Märsche‘ und die richtige katholische Antwort 

Man soll gegen Märsche protestieren, durch welche der Bevölkerung von ganzen Städten und Ländern eine politisch-ideologische Militanz aufgezwungen werden soll. Ein Gastkommentar von Bischof Athanasius Schneider
Rom (kath.net)

In den vergangenen Jahrzehnten breiteten sich in den Städten der westlichen Welt öffentliche Kundgebungen aus, welche “Gay-Pride” („Gay-Stolz“) genannt werden. Dieses beständig wachsende Phänomen hat das klare Ziel, den öffentlichen Raum in allen Städten der westlichen Welt zu erobern, und auf lange Sicht auch in den Städten der ganzen Welt, mit Ausnahme der Städte der islamischen Welt aus Furcht vor vorhersehbaren gewalttätigen Gegenreaktionen.

Solche Kundgebungen werden mit enormem finanziellen und logistischen Aufwand durchgeführt, begleitet von einer propagandistischen Werbung, die im Gleichklang von den einflussreichsten Kräften des öffentlichen Lebens unterstützt wird, nämlich von der politischen Nomenklatura, den sozialen Netzwerken, den mächtigen Wirtschafts- und Finanzkonzernen. Solch eine einmütige Unterstützung seitens der erwähnten Kräfte des öffentlichen Sektors war typisch für die geschichtlichen totalitären Systeme, und zwar mit dem Ziel, der Gesellschaft eine bestimmte Ideologie aufzuzwingen. Die “Gay-Pride” Kundgebungen ähneln unverkennbar den propagandistischen Aufmärschen verschiedener politischer Regime der Vergangenheit.

Allerdings blieb noch eine ganz wichtige Einrichtung des öffentlichen Lebens übrig, welche noch nicht offiziell oder noch nicht im großen Ausmaß dem gleichgeschalteten Sprechchor der „Gay-Pride-Märsche“ Unterstützer beigetreten ist.. Diese Stimme ist die katholische Kirche. Der Totalitarismus der Ideologie der Homosexualität bzw. der Gendertheorie verfolgt sein ehrgeizigstes Ziel, nämlich die Eroberung der letzten Widerstandbastion, die katholische Kirche. Leider hat dieses Bestreben inzwischen einige Erfolge erzielt. Es zeigt sich, dass eine wachsende Zahl von Priestern und selbst einige Bischöfe und Kardinäle öffentlich und auf verschiedene Weise ihre Unterstützung für solche totalitäre, „Gay-Pride“ genannte, Märsche zum Ausdruck bringen. Dadurch werden solche Priester, Bischöfe und Kardinäle zu Aktivisten und Förderern einer Ideologie, welche eine direkte Beleidigung Gottes und eine Beleidigung der Würde des Menschen darstellt, der nach dem Bild und Gleichnis Gottes und der als Mann und Frau geschaffen wurde.

Die Genderideologie bzw. die Ideologie der Homosexualität stellt ferner eine Auflehnung gegen das bewunderungswürdig weise und liebevolle Schöpfungswerk Gottes dar. Es handelt sich hier um einen Aufstand gegen die Erschaffung des Menschen in den beiden notwendig und wunderbar sich ergänzenden Geschlechtern des Mannes und der Frau. Die homosexuellen bzw. lesbischen Akte entweihen den männlichen und weiblichen Leib, der ein Tempel Gottes ist. In der Tat, so spricht der Heilige Geist: “Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr” (1 Kor. 3, 17). Der Heilige Geist erklärt in der Heiligen Schrift, dass homosexuelle Akte eine Schändlichkeit darstellen, weil sie der Natur, wie sie Gott erschaffen hat, widersprechen: “Darum lieferte Gott sie entehrenden Leidenschaften aus: Ihre Frauen vertauschten den natürlichen Verkehr mit dem widernatürlichen; ebenso gaben die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander; Männer trieben mit Männern Unzucht und erhielten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Verirrung. Und da sie sich weigerten, Gott anzuerkennen, lieferte Gott sie einem verworfenen Denken aus, sodass sie tun, was sich nicht gehört” (Röm. 1, 26 – 28). Der Heilige Geist erklärt auch, dass Personen, die schwer sündhafte Akte begehen, zu denen auch homosexuelle Akte gehören, das ewige Leben nicht erben werden: “Wisst ihr denn nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Knabenschänder, weder Männer, die mit Männern Unzucht treiben, noch Diebe, noch Habgierige, keine Trinker, keine Lästerer, keine Räuber werden das Reich Gottes erben” (1 Kor. 6, 9-10).

Allerdings hat die Gnade Christi solch eine Macht, dass sie einen Götzendiener, einen Ehebrecher, einen praktizierenden Homosexuellen in einen neuen Menschen umwandeln kann. Der angeführte Text des Wortes Gottes fährt folgendermaßen fort: “Und solche gab es unter euch [Götzendiener, Ehebrecher, Sodomiten!]. Aber ihr seid rein gewaschen, seid geheiligt, seid gerecht geworden im Namen Jesu Christi, des Herrn, und im Geist unseres Gottes.” (1 Kor. 6, 11).

Angesichts dieser Wahrheit und Wirklichkeit der Gnade erstrahlt im Szenario der antigöttlichen und antimenschlichen Ideologie und Praktik der Homosexualität das Licht der Hoffnung und des wahren Fortschritts, nämlich der Hoffnung und der realen Möglichkeit der Umwandlung einer Person, die homosexuelle Akte vollzieht, in einen neuen Menschen, der in der Wahrheit der Heiligkeit erschaffen wurde: “Legt den alten Menschen ab, der in Verblendung und Begierde zugrunde geht, ändert euer früheres Leben und erneuert euren Geist und Sinn! Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit” (Eph. 4, 22 – 24).

Diese Worte Gottes stellen die einzige, der Hoffnung und der Befreiung würdige Botschaft dar, welche ein Christ, und erst recht ein Priester und Bischof, Homosexualität praktizierenden und Genderideologie verbreitenden Personen anbieten sollten.

Der Totalitarismus und die Intoleranz der Genderideologie verlangen, der eigenen Logik gemäß, eine totale Akzeptanz. Alle gesellschaftlichen Sektoren, einschließlich der katholischen Kirche, müssen folglich dazu gezwungen werden, auf die eine oder andere Weise ihre Akzeptanz dieser Ideologie zum Ausdruck zu bringen. Eines der verbreitetsten und konkreten öffentlichen Mittel dieses ideologischen Zwangs stellen die „Gay-Pride-Märsche“ dar.

Es ist nicht auszuschließen, dass sich die katholische Kirche in nicht allzu ferner Zukunft in einer Situation befinden wird, die der Verfolgung durch das Römische Reich in den ersten drei Jahrhunderten ähneln wird, als damals die Annahme der totalitären Ideologie des Götzendienstes auch für die Christen verpflichtend war. In jener Zeit bestand der Test solch einer Annahme in dem zivil und politisch korrekten Akt des Verbrennens einiger Weihrauchkörner vor der Statue eines Götzen oder des Kaisers.

Anstelle des Verbrennens von Weihrauchkörnern tritt heute die Solidaritätsgeste mit den “Gay-Pride-Märschen”, die sich ausdrückt in Begrüßungsworten seitens von Geistlichen und sogar in eigens veranstalteten Gottesdiensten zu Gunsten angeblicher Rechte auf homosexuelle Aktivitäten sowie auf die Verbreitung dieser Ideologie.

Wir sind Zeugen des unglaublichen Szenario, in welchem schon einige Priester und sogar Bischöfe und Kardinäle, damit angefangen haben, ohne zu Erröten, Weihrauchkörner vor dem Götzen der Ideologie der Homosexualität bzw. der Gendertheorie zu verbrennen, und das unter dem Beifall der Mächtigen dieser Welt, d.h. unter dem Beifall von Politikern, der Massenmedien und mächtiger internationaler Organisationen.

Wie sollte die richtige Antwort eines Christen, eines Katholiken, eines Priesters und eines Bischofs angesichts dieses Phänomens der „Gay-Pride-Märsche“ sein?

An erster Stelle muss man mit Liebe die göttliche Wahrheit über die Erschaffung des Menschen verkünden, und dann die Wahrheit über die objektive psychologische und sexuelle Ungeordnetheit der homosexuellen Neigung. Folglich soll auch über die Wahrheit und Verfügbarkeit der notwendigen und diskreten Hilfe für Menschen mit homosexuellen Neigungen gesprochen werden, damit sie Befreiung und Heilung ihrer seelischen Behinderung erhalten.

Sodann ist die göttliche Wahrheit über den schwer sündhaften Charakter der homosexuellen Akte und des homosexuellen Lebensstils zu verkünden, weil sie den Willen Gottes missachten. Mit wahrhaft brüderlicher Sorge ist auf die göttliche Wahrheit über die Gefahr des Verlustes des ewigen Seelenheils von praktizierenden und unbußfertigen Homosexuellen hinzuweisen.

Ferner ist mit Zivilcourage und unter Anwendung aller friedlichen und demokratischen Mittel gegen die Verunglimpfung der christlichen Überzeugungen und gegen die öffentliche Zurschaustellung erniedrigender Obszönitäten zu protestieren. Man soll gegen Märsche protestieren, durch welche der Bevölkerung von ganzen Städten und Ländern eine politisch-ideologische Militanz aufgezwungen werden soll.

Das Wichtigste besteht allerdings in den geistlichen Mitteln. Die mächtigste und kostbarste Antwort drückt sich in den öffentlichen und privaten Akten der Sühne und Wiedergutmachung der öffentlichen und schweren Beleidigungen aus, welche durch die „Gay-Pride-Märsche“ der Heiligkeit und Majestät Gottes zugefügt werden.
Untrennbar von diesen Sühneakten ist das innige Gebet für die Bekehrung und für das ewige Seelenheil der Förderer und Aktivisten der Ideologie der Homosexualität und vor allem das Gebet für das Seelenheil der bemitleidenswerten Personen, die Homosexualität praktizieren.

Mögen folgende Worte der Päpste die richtige katholische Antwort auf das Phänomen von „Gay-Pride“ bestärken.

Papst Johannes Paul II,
protestierte mit folgenden Worten gegen den “Gay-Pride-Marsch” in Rom im Jahre 2000: “Ich halte es für meine Pflicht, zu den wohlbekannten Ereignissen [“Gay-Pride-Marsch”], die in den vergangenen Tagen in Rom stattgefunden haben, Stellung zu nehmen. Im Namen der Kirche von Rom kann ich nicht umhin, meine Verbitterung auszudrücken… für die Beleidigung der christlichen Werte einer Stadt, die den Katholiken aller Welt so sehr am Herzen liegt.

Die Kirche darf die Wahrheit nicht verschweigen, denn dadurch würde sie ihre Treue zum Schöpfergott nicht einhalten und den Menschen nicht dabei helfen, das Gute vom Bösen zu unterscheiden.” (Worte vor dem Angelusgebet, 9. Juli 2000).

Der regierende Pontifex, Papst Franziskus, hat bei verschiedenen Anlässen vor der Gefahr der Genderideologie gewarnt, so z. B.:
“Du, Irina, hast einen heute großen Feind der Ehe erwähnt: Die Gender-Theorie. Es gibt heute einen weltweiten Krieg, um die Ehe zu zerstören. Heute gibt es ideologische Kolonialismen, die zerstörerisch sind: Man zerstört nicht mit Waffen, sondern mit Ideen. Darum muss man sich gegen die ideologischen Kolonialismen verteidigen.” (Ansprache beim Treffen mit Priestern, Ordensleuten, Seminaristen und pastoralen Mitarbeitern, Tbilisi, 1. Oktober 2016).

“Wir erleben einen Moment der Vernichtung des Menschen als Ebenbild Gottes. In Europa, in Amerika, in Lateinamerika, in Afrika, in einigen Ländern Asiens gibt es einen wahren ideologischen Kolonialismus. Und einer von diesen – ich nenne ihn unverhohlen beim Namen – ist die Gender-Theorie!

Heute wird den Kindern – den Kindern! – in der Schule beigebracht, dass jeder sein Geschlecht selber wählen kann. Und warum wird das gelehrt? Weil die Lehrbücher von den Personen und den Institutionen kommen, die dir das Geld geben. Das sind die Formen von ideologischem Kolonialismus, die auch von sehr einflussreichen Ländern unterstützt werden. Und das ist schrecklich. In einem Gespräch mit Benedikt XVI. – dem es übrigens gut geht und der ein ganz klares Denken hat – sagte er mir: „Heiligkeit, dies ist die Zeit der Sünde gegen den Schöpfergott!“ Das ist klug. Gott hat Mann und Frau geschaffen; Gott hat die Welt so und so geschaffen… und wir sind dabei, das Gegenteil zu machen.

Gott hat uns einen Zustand der „Wildnis“ anvertraut, damit wir aus ihr Kultur machen; und dann tun wir mit dieser Kultur Dinge, die uns in den Zustand der „Wildnis“ zurückversetzen (vgl. Romano Guardini, Das Ende der Neuzeit, Würzburg 1950, S. 95-96)! Was Benedikt XVI. da gesagt hat, sollten wir bedenken: „Es ist die Zeit der Sünde gegen den Schöpfergott!” (Ansprache bei der Begegnung mit den polnischen Bischöfen anlässlich des Weltjugendtages in Krakau, 27. Juli 2016).

Die wahren Freunde jener Personen, die erniedrigende Handlungen während der „Gay-Pride-Märschen“ vollziehen, sind jene Christen, die sagen:

„Ich werde nicht einmal ein Weihrauchkörnchen vor dem Götzenbild der Homosexualität und der Gendertheorie verbrennen, selbst wenn, – was Gott verhüten möge! – mein Pfarrer oder mein Bischof es tun werden.

Ich werde private und öffentliche Akte der Sühne und des fürbittenden Gebets für das ewige Seelenheil all jener verrichten, die Homosexualität verbreiten und praktizieren.

Ich werde keine Angst haben vor dem neuen politisch-ideologischen Totalitarismus der Gendertheorie, weil Christus mit mir ist. Und da Christus alle totalitären Systeme der Vergangenheit besiegt hat, wird Er auch den Totalitarismus der Genderideologie unserer Tage besiegen“. Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat!

28. Juli 2018

+ Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese der Heiligen Maria in Astana

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Italien: Assisi begeht Portiuncula-Ablass mit Pater Pio

Mehr denn je braucht die Welt heute Versöhnung. Darum geht es bei einem Fest, das immer am 2. August in Assisi, der Stadt des Heiligen Franziskus, gefeiert wird: beim sogenannten Portiuncula-Ablass. Bei der „großen Vergebung von Assisi“, wie die Italiener dieses Fest nennen, spielt dieses Jahr eine Reliquie von Pater Pio eine Rolle.

Es handelt sich um die Kutte, die der Kapuziner trug, als er vor 100 Jahren die Stigmata empfing, die Wundmale Jesu. Pater Pio starb 1968, vor 50 Jahren, und gilt heute als populärster Heiliger Italiens – zusammen mit Franz von Assisi.

„Das ist ein schöner Anlass, weil er uns auch die Stigmatisierung des heiligen Franziskus vor Augen führt – und das heißt, die Annäherung des heiligen Franziskus wie des heiligen Pater Pio an die Passion von Jesus Christus”, sagte im Gespräch mit Vatican News Pater Giuseppe Renda, Kustode der Portiuncula. „Beide haben eine grundlegende Erfahrung Gottes gemacht. Sie weisen bis heute einen Weg, der zu Gott führt. Dieser Weg ist das Sich-selbst-Verschenken aus Liebe zur Menschheit und zum Herrn.“

“ Franz von Assisi und Pater Pio: Sie weisen bis heute einen Weg, der zu Gott führt ”

Portiuncula, so heißt das kleine Kirchlein innerhalb der Basilika Santa Maria degli Angeli in Assisi, das eng mit Franz von Assisi verbunden ist. Der Überlieferung zufolge stellte der Heilige die verfallene Kapelle mit eigenen Händen wieder her, nachdem Jesus ihn gebeten hatte: „Bau mein Haus wieder auf“. In der Portiuncula betend, entschloss sich der junge Mann aus reichem Haus, Jesus in Armut nachzufolgen: Hier nahm also der Franziskanerorden seinen Anfang und mit ihm eine einschneidende Reform der abendländischen Christenheit.

Der Überlieferung zufolge erwirkte Franz von Assisi vom Papst vor nunmehr gut 800 Jahren einen Ablass für Pilger zur Portiuncula, der noch heute allen Katholiken zugänglich ist. Die „große Vergebung von Assisi“ zieht nach wie vor jedes Jahr viele Pilger an. Pater Giuseppe Renda verortet den größten Bedarf an Vergebung und Versöhnung in unserer Zeit im Umgang der Völker miteinaner.

“ Wir müssen zu einer Ökonomie der Gemeinschaft kommen ”

„Wir sollten christlich darum ringen, dass die Völker sich gegenseitig als Brüder erkennen. Deshalb müssen wir zu einer Ökonomie der Gemeinschaft kommen. Wir müssen uns für ein echtes Gemeinwohl einsetzen, das parteiische Interessen übersteigt. Und dies kann nur geschehen, wenn die Heiligkeit des Lebens, der menschlichen Person, wiederhergestellt wird. Es gibt Rechte, die nicht verletzt werden dürfen: das Recht zu existieren, zu arbeiten, ein friedliches Leben zu führen. Der Apostel Paulus bittet auch darum, für die Herrscher zu beten, damit sie gerechte und weise Gesetze schaffen können. Gott will, dass die Menschen ein ruhiges Leben auf Erden führen. Wenn es uns gelingt, eine wirkliche Ökonomie der Gemeinschaft zu erreichen, werden wir bereits einen guten Schritt nach vorn gemacht haben.“

Papst Franziskus hatte vor zwei Jahren, am 4. August 2016, die Portiuncula-Kapelle besucht und sich dabei spontan als Beichtvater zur Verfügung gestellt. In seiner Ansprache sagte er, die Welt brauche Vergebung und Barmherzigkeit. „Die Barmherzigkeit in der Welt von heute zu bezeugen, ist eine Aufgabe, der sich keiner von uns entziehen kann“, sagte der Papst. Zu viele Menschen lebten eingeschlossen in Groll und Hass, weil sie unfähig seien zu vergeben. In Assisi, der Stadt seines Namenspatrons als Papst, war Franziskus bereits zuvor zum Friedensgebet der Religionen gewesen.

(Vatican News – gs)

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Maria Valtorta — Das wahre Leben von Jesus Christus auf dieser Welt, im Einklang mit der Bibel

Zu Beginn des Jahres 1943 war die seit neun Jahren bettlägerige Maria Valtorta von ihrem Seelenführer Pater Migliorini aufgefordert worden, ihre Lebenserinnerungen niederzuschreiben. Nach anfäng­lichem Zögern hatte sie zugestimmt. Im Bett sitzend, das Schreibheft auf ihren Knien (ihr ganzer Unterkörper war gelähmt), hatte sie in weniger als zwei Monaten in einem Zuge 761 Seiten gefüllt, auf denen sie ein beachtliches literarisches Talent bezeugte und zugleich ihre Seele in schrankenlosem Vertrauen öffnete.

Sie hatte sich gleichsam von ihrer Vergangenheit freigeschrieben, als sie die sieben handgeschriebenen Hefte ihrem Beichtvater anvertraute; in demselben Augenblick begann eine ihr schon bekannte Stimme ihrem Geist eine Seite göttlicher Weisheit zu diktieren; es war das Signal einer unvermuteten Wende. Das war am Karfreitag, dem 23. April 1943.

Maria (Valtorta) hatte daraufhin die getreue Marta ins Vertrauen gezogen und sie zu Pater Migliorini gesandt, der unverzüglich zu ihr kam und sie über den übernatürlichen Ursprung des „Diktats“ beru­higte. Durch diese Billigung hatte er sie auf den Weg zu der erstaun­lichen Aktivität einer mystischen Schriftstellerin gewiesen.

Von da an schrieb sie jahrelang tagtäglich und füllte 122 Hefte, die sich den sieben der Autobiografie anschlossen.

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Außer der Autobiografie, die in einem eigenen Band herausgegeben wurde, sind die Schriften des ersten Jahres in einem Band mit dem Titel DIE HEFTE DES JAHRES 1943 zusammengefasst. Es handelt sich vor allem um Unterweisungen und Lektionen für unsere Zeiten im Blick auf die Endzeiten; sie verweisen auf die göttlichen Gebote, die als der Ausdruck der göttlichen Liebe und der göttlichen Gerech­tigkeit erläutert werden. Weitgehend aus den Heiligen Schriften schöpfend (besonders aus den Propheten- und Weisheitsbüchern des Alten Testamentes und dem Buch der Apokalypse), entwickeln sie Themen der Lehre, feiern die Gestalt der Jungfrau Maria, bezeugen die Mission der „Opferseelen“ und verdeutlichen die tägliche asketi­sche Erfahrung der Schriftstellerin, die auch himmlischer Erscheinun­gen gewürdigt wird.

Im Jahr darauf – 1944 – begann Maria Valtorta das große Werk über das Evangelium niederzuschreiben und musste zwei schmerzliche Erfahrungen durchlaufen: die vierzig Tage der Gottesverlassenheit sowie die acht Monate ihrer Evakuierung aus ihrem Hause wegen der Kriegsereignisse. Die Niederschriften dieses Jahres, mit Ausnahme der Kapitel des Hauptwerkes (Der Gottmensch) bilden den Inhalt des zwei­ten Bandes mit dem Titel DIE HEFTE DES JAHRES 1944. Außer Lektionen über Lehre und Spiritualität enthält er Episoden aus den Evangelien, Szenen über das Martyrium der ersten Christen, Fakten aus dem Leben heiliger Mystiker, Tagebuchseiten über das geistliche Leben und eine autobiografische Chronik sowie persönliche Instruk­tionen und Anweisungen.

Ab dem Jahr 1945 fuhr Maria Valtorta nicht nur fort, das Hauptwerk niederzuschreiben, das sie zu Ende brachte, und das in zehn Bänden unter dem Titel „L’Evangelo come mi è stato rivelato“ (Titel der deutschen Übersetzung: „Der Gottmensch‘), herausgegeben wurde, sondern ver­fasste auch noch zwei weitere Werke: „Das Buch von Asarja“ und die „Lektionen über den Brief des hl. Paulus an die Römer“. Sie unterbrach jedoch während dessen nicht die übrigen Schriften, die zwar andere Themen behandelten, aber auf derselben geistlichen oder biblischen Matrix standen. Es sind weitere Lektionen zur Glaubenslehre, die zur Lebensführung oder zum Trost gewährt werden, und es sind auch per­sönliche Aufzeichnungen, die mitunter als Zeitgeschehen festgehalten werden (wie beispielsweise die Erscheinung der Jungfrau Maria in Tre Fontane in Rom). Mit der asketischen Erfahrung sind die Widerfahr­nisse der ersten als Schreibmaschinenkopien verbreiteten Auszüge des Hauptwerkes über das Evangelium verknüpft, für die unter dem Titel „Randnotizen“ umfassende und tiefgründige Erklärungen als Antwort auf verschiedene Kritiken und Einwände gegeben werden. Aus dem Jahre 1950 datiert schließlich ein Kommentar zu Teilen der Apokalypse. Alle diese übrigen Schriften sind in der chronologischen Reihenfolge ihrer Abfassung in dem letzten Band mit dem Titel DIE HEFTE DER JAHRE 1945-1950 zusammengefasst.

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Am 14. März 1897 von lombardischen Eltern in Caserta geboren, verstarb Maria Valtorta am 12. Oktober 1961 nach 27 und ein halb­jähriger Krankheit in Viareggio. Ihre Werke sind in viele Sprachen übersetzt und verbreiten sich in ununterbrochener Folge.

Die drei Bände der „HEFTE“ enthalten die Schriften mit den tägli­chen Daten ihrer Abfassung und registrieren ab dem Jahr 1944 auch die zugleich erfolgte Abfassung der Kapitel des Hauptwerkes „Das Evangelium, wie es mir geoffenbart wurde“ (deutsch: „Der Gottmensch‘), des „Buches von Asarja“ (*)  und der „Lektionen über den Brief des Apostels Paulus an die Römer“. Sie dokumentieren somit das vollständige schrift­stellerische Schaffen der Valtorta im Anschluss an ihre Autobiografie.
Der Herausgeber

(*) Bemerkung zum „Buch von Asarja“ vom Ersteller dieser Homepage: Der Engel Asarja komentierte Maria Valtorta die Sonntags-Lesungen der Heiligen Messen vom 24. Februar 1946 bis 2. Februar 1947. Diese können im italienisch verfassten Buch „Libro di Azaria“ nachgelesen werden.

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