Kardinal Müller: „Götzen in die Kirche zu bringen war eine schwere Sünde…“

25 Oktober 2019, 10:35

Der emeritierte Glaubenspräfekt übt scharfe Kritik daran, dass im Rahmen der Amazonas-Synode Götzenbilder in Kirche gebracht wurden – „Götzen in die Kirche zu bringen war eine schwere Sünde, ein krimineller Akt gegen das göttliche Recht“VIDEO

Vatikan (kath.net/pl) „Götzendienst ist gemäß dem ersten Gebot eine schwere Sünde.“ Darauf weist der emeritierte Präfekt der Glaubenskongregation, Gerhard Kardinal Müller, hin. Er äußerte sich im Interview auf die Frage von EWTN-Chefredakteur Raymond Arroyo zu der Aktion katholischer Laien. Diese hatten die umstrittenen Holzfiguren nackter schwangerer Frauen aus der vatikannahen Kirche Santa Maria del Traspontina entfernt und in den Tiber geworfen. „Der eigentliche Fehler war gewesen, die Götzenbilder IN die Kirche zu bringen, nicht, sie wieder daraus zu entfernen.“ Zwar könne die Entfernung der Götzenbilder tatsächlich gegen menschliches Recht verstoßen, „doch die Götzen IN die Kirche zu bringen, war eine schwere Sünde, ein krimineller Akt gegen das göttliche Recht“. Äußerungen des emeritierten Glaubenspräfekten ist zu entnehmen, dass er die umstrittenen indigenen Holzstatuen, die mehrfach auch in liturgischen Handlungen vor Papst Franziskus aufgetaucht waren (siehe Fotobelege und Videos unten) zweifelsfrei als „Götzenbilder“ einstuft.

Götzen dürften, warnte Müller, „nicht mit der christlichen Liturgie vermischt werden“. Die Liturgie in den Vatikanischen Gärten am 4. Oktober in Anwesenheit von Papst Franziskus habe „eine gewisse Verehrung, ja Anbetung von Götzen“ beinhaltet, ein Verstoß gegen das erste Gebot, denn Jesus Christus, gegenwärtig in den Sakramenten, „ist der einzige Erlöser“. Zwar haben Katholiken „Heiligenbilder, doch wir beten diese nicht an“, sondern wir „verehren“ nur die Bilder repräsentativ für diese heiligen Personen. „Anbetung“ stehe weder Menschen noch der Schöpfung „in irgendeiner Weise“ zu, erläuterte Müller und verwies auf die Theologie des hl. Paulus.

Den Vorschlag, dass Frauen das Sakrament der Priesterweihe empfangen sollen können, lehnte Müller klar ab. Selbstverständlich sei die diesbezügliche Aussage von Papst Johannes Paul II. dogmatisch, auch wenn es Stimmen gebe, die dies ablehnten.

In diesem Zusammenhang wies Müller auch darauf hin, dass die wirklich starken Einflussnahmen auf die Amazonassynode nicht aus dem Amazonas kommen, die Agenda sei von europäischen Fragen geprägt, den „viri probati“, der Frauenfrage – „dies hat nichts mit der Situation und den Bedürfnissen der Christen und Katholiken in der Amazonasregion“. Die Hauptprotagonisten seien aus Deutschland „oder in Österreich geboren“, also „aus dem Zentrum Europas, wo das Geld herkommt“. Ohne Namensnennung kritisierte Müller die Äußerung von Bischof Kräutler: dass jemand sagt, er habe nie einen Indigenen getauft, „ist ein direkter Widerspruch zu Jesus Christus“, auch habe Taufe ja „nicht mit Kolonialismus“ zu tun.

Ein Bischof muss für Jesus Christus sprechen, erinnerte Müller. „Ich interessiere mich nicht für Privatmeinungen von Personen in irgendeinem Land… die Welt hängt nicht von der privaten Intelligenz irgendwelcher Bischöfe ab“. Bischöfe haben die Aufgabe, „das Evangelium zu verkünden – es handelt sich um das Wort Gottes“. Die Kirche muss dazu zurückkehren, „eine christuszentrierte Gemeinschaft“ zu sein. Christus sei gleichermaßen gegenwärtig in der Amazonasregion, in der Tiberregion und in Syrien – „Rom ist nicht das Zentrum der katholischen Kirche“, die anderen Regionen seien keine „Peripherie“. Rom und der Papst seien zwar sehr wichtig für die Einheit der Kirche, doch bestehe die Aufgabe der Kirche darin, den Glauben zu verkünden.

Der emeritierte Glaubenspräfekt lobte, dass es „besonders in den USA eine starke Laienschaft gebe, mit einer guten Anzahl katholischer Intellektueller sowohl bei den Priestern wie auch bei den Laien“. Diese sollten „nicht ängstlich sein“, vielmehr sollten sie „ohne Scheu vor Rom und vor anderen politischen Gründen laut werden“. Der jüngst heiliggesprochene John Henry Newman, erinnerte Müller, habe sich ausführlich über die große Bedeutung der Laien für die Kirche geäußert und dabei das Konzil von Nizäa als großes Vorbild herausgestellt, in jener Zeit waren es die Laien, die am wahren Glauben festgehalten hatten, entgegen der Bischöfe, die von Herrschern und von politischen Themen „unterdrückt“ gewesen waren.

kath.net-Kommentare zu den umstrittenen Frauenfiguren:

– Armin Schwibach: Der Skandal der Zweideutigkeit und des Spielens mit dem Heidentum

– Petra Lorleberg: Rätselraten um die Bedeutung der umstrittenen Figuren nackter schwangerer Frauen – Vatikan schweigt

Kardinal Müller wertet umstrittene Figuren nackter schwangerer Frauen bei Amazonas-Synode als ´Götzenbilder´ – Arroyo/EWTN-Interview ab Min 20 (engl.)

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Quelle (englisch)

Die Muslime hätten dafür gesorgt, dass Gott in die europäischen Gesellschaften zurückkommt.

Den (meisten) katholischen Bischöfen ist seit dem II. Vatikanischen Konzil gar vieles, zu vieles nicht mehr klar. Ihre Verblendung hinsichtlich des wahren Lichtes und Abwendung vom wahren Licht und Hinwendung zum Irr-Licht gründet in der theologisch, ekklesiologisch und pastoral völlig unreifen, undurchdachten, leichtsinnigen, fahrlässigen, verfehlten Neuorientierung und Neuausrichtung der Kirche durch die erdrückende Mehrheit der Konzilstheologen, Konzilsbischöfe und Konzilspäpste. Vor allem auch mit ihrer Neueinschätzung und Neubeurteilung der nicht-christlichen „Weltreligionen“ und allen „Menschentums“ überhaupt, haben sie all diese seither diesbezüglich geschehenen und weiterhin geschehenden und möglicherweise noch zunehmenden „Verrücktheiten“ vorprogrammiert. Sie denken und handeln in vielem wie von Sinnen. Namentlich ihre Haltung gegenüber dem Islam ist geradezu „selbstmörderisch“.

Die Moslems in Europa haben dafür gesorgt, dass „Gott zurückkommt“ in die europäischen Gesellschaften. Das sagte Kardinal Jean-Louis Tauran 2008 bei einem Kongress in Neapel. Wörtlich meinte der damalige Leiter des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog: „Wie hat es Gott angestellt, wieder in unsere Gesellschaften zurückzukehren? Das ist für mich das große Paradox: Es geschah dank der Moslems! Sie haben als Minderheit in Europa einen Raum für Gott in der Gesellschaft eingefordert.“ Die Äußerungen Taurans wurden von der Vatikanzeitung „L`Osservatore Romano“ wiedergegeben.

Das sind haarsträubende Formulierungen für einen Kardinal! Es wären also die nach Europa eingewanderten Muslime, die für GOTT Raum gefordert, IHN in unsere Gesellschaft(en) zurückgebracht hätten! Und – wohlverstanden – das sei das Werk (die Bewerkstellung) GOTTES! Demgemäß wäre Gott also vor dieser Immigration in unserer Gesellschaft nicht mehr anwesend gewesen, hätte ER hier keinen Raum mehr gehabt! Natürlich hat er das nicht eigentlich sagen wollen, nehme ich mal an; aber er hat es nun einmal so formuliert, wohl eher aus geistlicher, theologischer Dummheit, als bewusst, überlegt und absichtlich. Dies sind unhaltbare Aussagen eines KATHOLISCH sein wollenden und noch dazu hierarchisch hochstehenden CHRISTEN. Erstens war GOTT auch vor dieser Mohammedanerflut schon da, und zwar weit mehr als jetzt. Und zweitens haben die Muslime nicht GOTT (zurück)gebracht, sondern ihren ALLAH eingeschleppt wie eine Seuche. Denn – wie oft muss man es noch wiederholen – ALLAH IST NICHT GOTT, auch wenn „Allah“ mit „Gott“ übersetzt werden kann und wird. Und ja, das stimmt dann wieder: dem ISLAM haben wir es hier im Westen zu „verdanken“, dass jetzt „die Religionen“ (also alle Religionen, auch die christliche) allgemein oder doch von sehr vielen als „Gefahr“ wahrgenommen werden. Komplett daneben ist aber seine Feststellung, der „Fanatismus“, „Fundamentalismus“  und „Terrorismus“ werde mit einer „pervertierten Form des Islams“ assoziiert (in Verbindung gebracht); der wahre Islam, von der Mehrheit der Muslime praktiziert, sei nicht so. (Das „bekennt“ genau so auch Papst Franziskus!) Es seien nicht die Religionen, die „Krieg machten“ (also Fanatismus, Fundamentalismus, Terrorismus schürten), sondern ihre Anhänger. Die Religionen könnten sich in den Dienst eines Projekts der Heiligkeit stellen oder der Entfremdung. Sie könnten Frieden predigen oder Krieg. Deshalb sei es nötig, Glaube und Vernunft (den Glauben mit der Vernunft) zu verbinden, da ein Handeln ohne (oder gegen die) Vernunft in Wirklichkeit ein Handeln gegen Gott sei, wie Benedikt XVI. in seiner Vorlesung in der Universität in Regensburg am 12. September 2006 gesagt habe.
Es scheint, als hätte Kardinal Jean-Louis Tauran einen Großteil seines Glaubens wie seiner Vernunft verloren. Wie kann er nur glauben, der Islam (oder das Judentum (nach Christus) oder der Hinduismus oder der Buddhismus etc.) könnten etwas zur HEILIGKEIT beitragen?! Sind diese „Religionen“ doch anti-christlich und damit ANTI-VERNÜNFTIG und damit ANTI-HEILIG; denn es gibt doch keine wahre VERNUNFT und keine wahre HEILIGKEIT ohne das VERNEHMEN, HINNEHMEN und ANNEHMEN dessen, was der WAHRE, HEILIGE GOTT, der Schöpfer der Vernunft und der Inbegriff der Heiligkeit, uns Menschen verkündet, verheißt und LEHRT UND GEBIETET! Die „Religionen“, die sich für solche halten und als solche gelten, aber keine solchen sind, weil sie nicht von GOTT ausgehen und zu GOTT zurückführen, sind durch ihre reine Existenz schon WIDERSETZLICHKEITEN GEGEN GOTT und die Heiligkeit und damit FEINDSCHAFT GEGEN GOTT und die Heiligkeit und damit KRIEG GEGEN GOTT und die Heiligkeit, und sie ALLE können demnach immer nur Ursache sein von gott-feindlichem, heiligkeits-feindlichem, vernunft-feindlichem, also teuflischem und höllischem Fanatismus, Fundamentalismus und Terrorismus – WOHLVERSTANDEN: in erster Linie die „RELIGIONEN“, die Pseudo-Religionen, die „pervertierten Religionen“ und nicht ihre Anhänger!

Paul Otto Schenker

Kann die Kirche den Islam als Religion anerkennen und Mohammed als Prophet betrachten?

Vorbemerkung: Magdi Cristiano Allam ist der von Papst Benedikt XVI. in der Osternacht 2008 persönlich getaufte, zum katholischen Christentum konvertierte ehemalige ägyptische Muslim, der in Italien ein berühmter Journalist und Publizist geworden ist.

Offener Brief an Papst Benedikt XVI:

Kann die Kirche den Islam als Religion anerkennen und Mohammed als Prophet betrachten?

Aus dem Italienischen übersetzt von mir [POS]

Magdi Cristiano AllamIch wende mich direkt an Sie, den Stellvertreter Christi und das Oberhaupt der Katholischen Kirche, mit Ehrerbietung, als aufrichtiger Gläubiger im Glauben an Jesus und als unermüdlicher Vorkämpfer, Zeuge und Erbauer der christlichen Gesellschaft, um Ihnen meine höchste Besorgnis kundzutun wegen des schwerwiegenden religiösen und ethischen (sittlichen) Verderbnisses, das in den Schoß der Kirche eingedrungen ist. (Und dies) in einem solchen Ausmaß, dass während an der Spitze der Kirche gewisse hohe Prälaten und sogar enge Mitarbeiter von Ihnen offen und öffentlich die Rechtmäßigkeit des Islams als Religion unterstützen und Mohammed als Propheten beglaubigen, und an der Kirchenbasis andere Priester und Pfarrer, die Kirchen und die Pfarreien in Gebetssäle und Versammlungsstätten für die islamischen Integristen und Extremisten verwandeln, die offensichtlich und unermüdlich die Strategie der Eroberung des Territoriums und der Geister eines christlichen Westens verfolgen, der, wie Sie selbst es definiert haben, „sich selbst hasst“, ideologisch krank ist an Nihilismus, Materialismus, Konsumismus, Relativismus, islamischer Korrektheit, Gutmenschlichkeit, Laizismus, gesetzlichem Subjektivismus, Selbstverletzung, Gleichgültigkeit, Multikulturismus.

Es handelt sich um einen islamischen Eroberungskrieg, der den christlichen Westen in eine Bastion (Hochburg/Festung) des islamischen Extremismus verwandelt hat, und zwar in einem solchen Ausmaß, dass er terroristische islamische Selbstmörder mit westlichem Bürgerrecht „hervorbringt“, wo die ernsteste Bedrohung nicht so sehr jene der grausamen Kopfabhacker ist, die die Waffen ergreifen, als vielmehr jene der hinterhältigen Zungenabschneider, welche die Verstellung zu einem Gebot des islamischen Glaubens gemacht haben, indem sie einem islamischen Staat im Schoße eines Rechtsstaates Leben geben, auf der Basis eines weiten Netzes von Moscheen und Koranschulen, wo der Hass gepredigt wird, wo der Glaube an das sogenannte islamische „Martyrium“ eingeschärft wird, wo die Gehirnwäsche praktiziert wird, um die Personen in Kämpfer des islamischen heiligen Krieges zu verwandeln; um islamische Wohltätigkeitswerke und Hilfsorganisationen, die anstelle von materieller Hilfeleistung die Leute abkupfern und unterwerfen; um islamische Banken, welche immer größere Happen der Finanzen und der Wirtschaft der Welt kontrollieren und das islamische Recht beglaubigen; um wahre und eigentliche islamische Gerichte, welchen es in Großbritannien schon gelungen ist, die Scharia, das islamische Recht, aufzuzwingen, gleichgestellt dem Zivilrecht in Angelegenheiten des persönlichen und familiären Bereiches, auch wenn sie Urteilssprüche annehmen, die die fundamentalen Rechte des Menschen verletzen, wie die Legitimierung der Polygamie und die Diskriminierung der Frau. Das sind Fakten: ob man sie glaubt oder nicht, ob sie gefallen oder nicht; es sind reale, objektive Tatsachen.

Diese islamische Eroberung der Geister (der Köpfe) und des Territoriums ist ermöglicht worden durch die extreme innere Schwäche (Zerbrechlichkeit) des christlichen Westens: es sind zwei Seiten der selben Münze. Unser Westen erweist sich je länger je mehr als ein Koloss des Materialismus mit tönernen Füßen weil ohne Seele, in tiefer Wertekrise, der die eigene Identität verrrät, indem er die geschichtliche und objektive Wahrheit der jüdisch-christlichen Wurzeln der eigenen Kultur nicht anerkennen will. Es ist ein ideologisch und konkret mit der Avantgarde des islamischen Eroberungsheeres heimlich zusammenarbeitender Westen, die darnach trachtet, den Mythos und die Utopie der „Ummah“, der islamischen Nation (Weltgemeinschaft) wieder auszugraben, indem sie sich auf den Koran beruft, der den Hass, die Gewalt und den Tod legitimiert, und indem sie das Denken und Handeln Mohammeds preist, welcher das Beispiel gegeben hat, indem er grausame Verbrechen beging, wie jenes, das ihn als persönlicher Beteiligter sah an dem Gemetzel und an der Enthauptung von mehr als 700 Hebräern des Stammes der Banu Quraizah im Jahre 627 vor den Toren Medinas.

Magdi Cristiano AllamNun denn, Ihre Heiligkeit, wie kann man sich nicht Rechenschaft geben darüber, dass die Disponibilität (Hilfsbereitschaft), oder noch schlimmer die Zusammenarbeit mit dem Islam als Religion, die trotz des Anscheins die christliche Liebe gegenüber den Muslimen als Personen in Gefahr bringt, darin gipfelt, den Glauben an den Gott zu verleugnen, der Mensch geworden ist, und an das Christentum, das Zeugnis für die Wahrheit, das Leben, die Liebe, die Freiheit und den Frieden ist? Das ist es, warum es heute lebenswichtig ist für das gemeinsame Wohl der katholischen Kirche, für das allgemeine Interesse der Christenheit und sogar der westlichen Zivilisation, dass Sie sich in klarer Weise und verpflichtend aussprechen für die Gesamtheit der Gläubigen bezüglich der Grundfrage am Ursprung dieser schädlichen (vergiftenden) religiösen und sittlichen Abdrift, die die Kirche diskreditiert (unglaubwürdig macht), indem sie die Gewissheiten der Werte und der Identitäten des christlichen Westens zerstört, zum Selbstmord unserer Zivilisation (ver)führt: ist es ausdenkbar, dass die Kirche den Islam substantiell als Religion legitimiert, indem sie sich so weit herablässt, dass sie Mohammed für einen Propheten hält?

Grazie GesùIhre Heiligkeit, ich werde mich darauf beschränken, Sie auf zwei kürzliche Episoden hinzuweisen, deren Zeuge ich gewesen bin. Am vergangenen Mittwoch, 15. Oktober 2008, hat mir der Erzbischof von Brindisi, Monsignore Rocco Talucci, die Ehre gewährt, bevor er mich am Sitz der Erzbischöflichen Kurie gegen 17 Uhr und eine halbe Stunde hernach empfing, an der Präsentation der Autobiographie meiner Bekehrung vom Islam zum Katholizismus „Grazie Gesù“ im Saal der Handelskammer von Brindisi teilzunehmen. Organisatorin des Ganzen war meine Freundin Mimma Piliego, Ärztin für Allgemeinmedizin, Volontaristin beim Seminar Papst Benedikt XVI und bei der Emmanuel-Gemeinschaft, die sich der Wiedereingliederung von Drogenabhängigen widmet. Ich habe sie in „Grazie Gesù“ als eine der Glaubenszeuginnen zitiert, die mich wegen ihrer Spiritualität fasziniert hat. Der Erzbischof ist mir sofort als ein feiner Diplomat vorgekommen, darauf bedacht, stets Pro und Kontra jeder Situation abzuwägen, im Versuch alle zufriedenzustellen und niemanden zu verärgern. Es ist nicht gerade der Typ eines kirchlichen Hirten oder einfach einer Person, den ich bevorzuge, auch wenn ich mich bemühe, mich hineinzufühlen in die Lage anderer, um die tiefen Gründe derer zu verstehen, die das Lebensgleichgewicht in alltägliche Praxis umwandeln und dabei schließlich die eigene Lebenswahl beeinflussen und bestimmen. Es sei denn meine Disponibilität gegenüber dem Verständnis der Gründe anderer habe abgenommen, als Erzbischof Talucci, da er nach der Präsentation meines Buches das Wort ergriff, Mohammed als „einen Propheten“ qualifizierte und den Islam substantiell als Religion legitimierte, als „Ausdruck des Verlangens des Menschen, sich zu Gott zu erheben“. Es ist absolut nicht meine Absicht, einen persönlichen Fall daraus zu machen gegen Erzbischof Talucci. Denn es ist überhaupt nicht ein isolierter Fall. Wäre dem so! Leider ist es eine weit verbreitete Haltung im Schoße der heutigen katholischen Kirche.

Die zweite Episode betrifft den Kardinal Jean-Louis Tauran, den Präsidenten des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog. Als er beim Meeting von Comunione e Liberazione in Rimini am 25. August 2008 im Verlaufe einer Pressekonferenz, die der öffentlichen Begegnung mit dem Titel „Die Bedingungen des Friedens“ vorausging, die These wiederholte, die von ihm schon in der Vergangenheit vertreten wurde, gemäß welcher die Religionen durch (in) sich selber „Friedens-Faktoren“ seien, dass sie aber Angst erweckten wegen „einiger Gläubiger“, die „ihren Glauben verraten“ hätten, während in Wirklichkeit alle Glauben „Träger einer Botschaft des Friedens und der Brüderlichkeit“ seien.

Die These des Kardinals Tauran ist, dass die Religionen intrinsisch (system-immanent) gut seien, und folglich wäre dies auch der Islam. Daraus folgt, dass wenn heute der islamische Extremismus und Terrorismus die hauptsächliche Bedrohung für die internationale Sicherheit und Stabilität geworden sind, dies einer „bösen“ Minderheit anzulasten wäre, die den „wahren Islam“ in verzerrter Weise interpretieren würde, während die Mehrheit der Muselmanen „gut“ wäre in dem Sinne, dass sie die unverhandelbaren grundlegenden Rechte und Werte, die der gemeinsamen Zivilisation des Menschen zugrundliegen, respektieren würde.

Die objektive Realität, ich sage es mit aller Ruhe und beseelt von einer konstruktiven Absicht, ist genau das Gegenteil dessen, was Kardinal Tauran sich einbildet. Der islamische Extremismus und Terrorismus sind die reife Frucht derer, die, beginnend mit der Niederlage vom 5. Juni 1967 der arabischen Heere im Krieg gegen Israel, der den Untergang der laizistischen, sozialistischen und kriegstreiberischen Ideologie des Panarabismus angekündigt hat, das Banner des Panislamismus gehisst haben, immerzu getreuer sein wollten gegenüber dem Diktat des Korans und dem Denken und Handeln Mohammeds. Die Wahrheit ist also die, dass der islamische Extremismus und Terrorismus aufs echteste dem „wahren Islam“ entsprechen, der ein Ganzes bildet mit dem Koran, der seinerseits ein Ganzes bildet mit Allah, ein unerschaffenes Werk gleich Gott, so wie sie dem Denken und Handeln Mohammeds entsprechen.

An der Wurzel des Übels ist also nicht eine Minderheit von „bösen“ Menschen, die verantwortlich wären für den allgemeinen Niedergang, während die Religionen alle gleich „gut“ wären. Die Wahrheit ist, dass die Religonen verschieden sind, während die Menschen, – jenseits des Glaubens und der Kultur, auf die sie sich beziehen – übereinkommen könnten in der Beachtung von gemeinsamen Regeln und Werten. Die Wahrheit ist, dass das Christentum und der Islam total verschieden sind: der Gott, der Mensch wurde in Jesus, der das Leben, die Wahrheit, die Liebe und die Freiheit mit anderen Menschen teilte bis zum Opfer des eigenen Lebens, hat nichts gemein mit Allah, der papierener Text wurde im Koran, der sich auf willkürliche Weise den Menschen aufzwingt, der eine Ideologie und eine Praxis des Hasses, der Gewalt und des Todes legitimiert hat, befolgt von Mohammed und seinen Nachfolgern, um den Islam auszubreiten.

Magdi Cristiano AllamDie Wahrheit, ich sage es auf der Grundlage der Objektivität der offensichtlichen Realität und des Bewusstseins in Verbindung mit der direkten Erfahrung, ist die, dass es keinen „moderaten Islam“ gibt, so wie es demgegenüber Kardinal Tauran selbst behauptet hat, während es gewiss „gemäßigte Muslime“ gibt. Dies sind alle jene Muslime, die gleich wie irgendwelche andere Personen, die grundlegenden Rechte des Menschen und jene Werte, die nicht verhandelbar sind, respektieren, da sie das Wesentliche unserer Menschheit berühren: die Heiligkeit des Lebens, die Würde der Person, die Freiheit der Wahl.

Die bittere Wahrheit ist, dass jener Teil der Kirche, der krank ist infolge Relativismus und islamischer Korrektheit islamischer zu werden riskiert als selbst die Islamisten. Ich frage mich, ob die Kirche sich bewußt ist der begangenen Willkür, indem sie die These eines geschaffenen Korans anstatt eines unerschaffenen übernimmt, mit dem Ziel, die Interpretation und geschichtliche Infragestellung (Kritik) der Verse zu erlauben, also der Darstellung eines Islams, wo Glaube und Vernunft vollkommen kompatibel wären, indes geschichtlich und bis heute die weitaus größte Zahl (die Mehrheit) der Muslime an einen unerschaffenen, Allah-gleichen (Allah-ebenbürtigen) Koran glaubt, in welchem die Verse einen absoluten, universalen, ewigen, unveränderbaren Wert haben? Wie kann sich die Kirche hergeben zum Spiel jener, die instrumental und ideologisch den Inhalt und die Botschaft des Korans aus dem Kontext herausnehmen, ausgliedern, willkürlich auswählen, zu dem Zwecke, jene Verse herauszustreichen, die extrapoliert (herausgearbeitet) aus dem, was vorangeht und was folgt, es ermöglichen würden, die Existenz eines „moderaten Islams“ zu behaupten? Wie kann die Kirche substantiell einen sogenannten „moderaten Islam“ legitimieren, wenn sie dabei eine abscheuliche und kriminelle Persönlichkeit akkreditiert, die keinerlei Zögern (Bedenken) hatte, zu allen Mitteln zu greifen, einschließlich der Ausrottung (Vernichtung) jener, die dem Islam nicht beitraten, um sie seiner Gnade zu unterwerfen?

Ich frage mich, ob sich die Kirche bewußt ist, wenn sie nicht geltend macht (und durchsetzt) und sich nicht dazu erhebt, die Einzigkeit, Absolutheit, Universalität und Ewigkeit der Wahrheit in Christus zu bezeugen, dass sie damit endet, Komplizin zu werden in der Konstruktion eines Welt-Pantheons der Religionen, wo alle meinen, dass jede Religion Verwahrerin eines Teiles der Wahrheit sei, auch wenn jede Religion sich selbst das Monopol der Wahrheit beimisst? Wie kann man verwundert sein angesichts der Tatsache, dass das Christentum, auf die gleiche Stufe gesetzt mit Tausenden von Glauben und Ideologien, die die unterschiedlichsten (abweichendsten) Antworten geben auf die spirituellen Bedürfnisse, aufhört zu faszinieren, zu überzeugen und die Köpfe und die Herzen selbst der Christen zu gewinnen, die die Kirchen immer mehr verlassen (ihnen fernbleiben), die von der Priesterberufung zurückschrecken und allgemeiner noch die religiöse Dimension aus dem eigenen Leben geradezu ausschließen?

Für mich ist das Christentum nicht eine „bessere“ Religion als der Islam, oder die „vollständige“ Religion der „vollendeten“ Botschaft angesichts eines Islams, den man als eine „unvollständige“ Religion mit einer „unvollkommenen“ Botschaft betrachtet. Für mich ist das Christentum die einzig wahre Religion, weil Jesus wahr ist, der Gott, der Mensch wurde und der Zeugnis ablegte inmitten von uns Menschen mittels guter Werke, der Wahrheit, der Faszination, der Vernünftigkeit und der Güte des Christentums. Für mich ist der Islam, der einen nur menschlichen Jesus anerkennt, der deshalb das Christentum als Häresie verurteilt, weil es an die Gottheit Jesu glaubt und als Vergötterung, weil es an das Dogma der Allerheiligsten Dreifaltigkeit glaubt, eine falsche Religion, inspiriert nicht von Gott sondern vom Dämon.

Für mich verdirbt der Islam, der den koranischen Vorschriften gehorcht und die Taten Mohammeds nachahmt, den Geist (den Charakter) jener, die sich unterwerfen und den Leib derer töten, die sich einer natürlicherweise gewalttätigen Religion verweigern, die sich geschichtlich als agressiv und konfliktträchtig erwiesen hat, gänzlich inkompatibel mit den Grund-Werten der gemeinsamen menschlichen Zivilisation.

Gerade meine Erfahrung als „moderater Muslim“, der ich dem Traum anhing eines „moderaten Islam“, hat mich verstehen lassen, dass man sehr wohl ein „moderater Muslim“ als Person sein kann, aber dass es in der Tat keinen „moderaten Islam“ gibt. Wir müssen deshalb unterscheiden zwischen der Dimension der Person und jener der Religion. Mit den gemäßigten Muslimen, ausgehend von der Achtung der grundlegenden Rechte des Menschen und dem gemeinsamen Teilen der nicht verhandelbaren Werte unserer Menschheit, kann man einen Dialog führen und daran arbeiten, das zivile Zusammenleben zu befördern. Aber wir müssen uns befreien vom verbreiteten Irrtum, der sich einbildet, dass man, um die Muslime zu lieben, den Islam lieben müsse, dass man, um sich in würdiger Form mit den Muslimen zu betragen, dem Islam eine gleiche Würde beimessen müsse.

Ihr Heiligkeit Benedikt XVI., die Kirche, das Christentum und die westliche Zivilisation sind heute im Begriff zu erliegen wegen des Umsichgreifens der internen Wunde des Nihilismus und des Relativismus derer, die die eigene Seele verloren haben, unter dem Bedrängtsein durch den aggressiven Eroberungskrieg des islamischen Extremismus und Terrorismus, nebst der Entgleisung einer Welt, die sich globalisiert hat, sich inspirierend an der westlichen Modernität, aber nur in ihrer materialistischen und konsumistischen Dimension, während sie keineswegs ihre spirituelle und wertmäßige Dimension angenommen hat. Und dabei endet, jene zu bevorzugen, die einer materialistischen und konsumistischen Auffassung des Lebens nachlaufen, frei von Werten und Regeln, die Grundrechte des Menschen verletzend, wie es gewiss der Fall ist mit China und Indien. In diesem sehr kritischen Kontext und bei düsteren Aussicht, stellen Sie heute ein Leuchtturm der Wahrheit und der Freiheit für alle Christen und für alle Personen guten Willens im Westen und in der Welt dar. Sie sind ein Segen des Himmels, der die Hoffnung auf eine moralische und zivile Befreiung (Erlösung) der Christenheit und des Westens aufrechterhält. Wir inspirieren uns an Ihnen und vertrauen auf Ihren Segen um uns als Erbauer einer christlichen Kultur zu erheben, die fähig ist, eine sittliche Reformbewegung zu fördern, die ein Italien, ein Europa, einen Westen und eine Welt des Glaubens und der Vernunft verwirklicht. Möge Gott Ihnen beistehen in der Mission, die Er Ihnen anvertraut hat und möge Gott uns begleiten auf dem gemeinsamen auf die Bekräftigung der Wahrheit, auf die Anerkennung des Gemeinwohls und auf die Verwirklichung des allgemeinen Interesses der Menschheit ausgerichteten Weg.

Magdi Cristiano Allam

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Siehe auch:

Bischof Voderholzer: Fehlende Weihe schmälert Bedeutung von Frauen nicht – „Dienst nicht beliebig ersetzbar“

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer sieht in der Ablehnung der Frauenweihe keine verminderte Bedeutung von Frauen in der Kirche. Indes habe Jesus ausschließlich Männer als Apostel berufen.

Die Bedeutung sei durch die „Zuordnung des geistlichen Dienstamtes mit seiner seinsmäßigen Aufgabe der Christusrepräsentation“ nicht geschmälert, sagte Voderholzer laut seiner Pressestelle am Sonntag in Regensburg.

Der Bischof wiederholte demnach bei der Eröffnung der diözesanen Wolfgangswoche, Jesus habe ausschließlich Männer als Apostel berufen. Dies hatte Voderholzer erst vor rund einer Woche beim Kongress „Freude am Glauben“ des konservativen Forums Deutscher Katholiken in Ingolstadt betont.

Weiheamt nicht nur eine Funktion

Die Apostel sollten Jesus „in besonderer Weise vergegenwärtigen: Wer euch hört, hört mich. Wer euch aufnimmt, mich auf und den, der mich gesandt hat“, ergänzte Voderholzer. Dies habe seinen Grund in der sakramentalen Struktur der Kirche. „Beim geistlichen Dienstamt geht es nicht zuerst um eine Funktion, die beliebig ersetzbar wäre, sondern um die Darstellung einer Seinswirklichkeit.“

Die Kirche sei keine Gewerkschaft, keine Partei und kein Staatswesen, das im Letzten nur eine irdische Wirklichkeit sei, eigene Zwecke und Ziele verfolge und von gewählten Repräsentantinnen und Repräsentanten vertreten werde.

Die Kirche sei vielmehr der „Leib Christi“ zur Vergegenwärtigung seines Wortes und seiner heilbringenden Erlösungstat am Kreuz, erklärte Voderholzer. „In dieser Kirche gibt es verschiedene Dienste und Ämter. Und von Anfang haben Frauen sich in der Kirche mit all ihren Gaben und Fähigkeiten eingebracht.“

Frauen konnten sich in Kirche entfalten

Soziologisch gesehen hätten Frauen in der Antike und im Mittelalter vor allem durch die Kirche Entfaltungsmöglichkeiten bekommen. „Der Stand der Witwen etwa bot Schutz vor der im Römischen Reich selbstverständlichen Wiederverheiratungspflicht“, so der Bischof. Zudem seien Frauenorden stets Orte der Bildung und der Innovation gewesen.

Staatspräsident Bolsonaro weihte Brasilien dem Unbefleckten Herzen Mariens

Zur weiteren Dokumentation zu meinem gestrigen Artikel: (Quelle, 21. Mai 2019)

Genau in diesem Augenblick findet in Brasilia, die Weihe des größten lateinamerikanischen Landes an das Unbefleckte Herz Mariens statt.

(Brasilia) Brasilien erlebt heute einen großen Tag. Das wird aber nicht überall so gesehen. Wenn nicht im Apostolischen Palast, so zumindest in Santa Marta gehen im Vatikan andere Sorgen um: die universale Brüderlichkeit, der Klimawandel, ein Recht auf grenzenlose Migration und neuerdings vor allem die Ablehnung der Souveränitätsbewegung. Das betrifft nicht nur die USA und wegen der bevorstehenden Wahlen vor allem die EU, sondern auch Brasilien. Dort weiht heute Staatspräsident Bolsonaro das Land dem Unbefleckten Herz Mariens. Doch die Bischofskonferenz und Santa Marta signalisierten Desinteresse und die offiziellen katholischen Medien schweigen die Weihe tot.

Papst Franziskus hätte in Brasilien gerne weiterhin die Arbeiterpartei (PT) an der Macht gesehen, die aber an ihrer eigenen Korruption gescheitert ist. Zum neuen Staats- und Regierungschef wurde im vergangenen Herbst Jair Bolsonaro gewählt. Seine Koalition besteht aus mehreren dezidiert christlichen Parteien, manche aus dem evangelikalen Bereich. Er selbst ist Katholik, aber mit einer Freikirchlerin verheiratet. In Brasilien kann es daher vorkommen, daß der Staats- und Regierungschef auf Twitter einen Bibelvers zitiert. Heute morgen Ortszeit begrüßte Staatspräsident Bolsonaro die Brasilianer mit dem Tweet:

„Und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen“ Johannes 8:32. Diese Botschaft geht unserer Mission immer voraus. Guten Morgen allerseits!

Marienweihe Brasiliens, 21. Mai 2019

Diese Twitter-Nachricht hängt mit der Besonderheit des heutigen Tages zusammen. Heute fand um 19 Uhr Mitteleuropäischer Zeit in der Bundeshauptstadt Brasilia die Weihe Brasiliens an das Unbefleckte Herz Mariens statt. Sie fand nicht nur in Anwesenheit von Staatspräsident Bolsonaro, sondern direkt im Präsidentenpalast statt. Präsident Bolsonaro verlieh dem Weiheakt durch seine Unterschrift die höchste staatliche Autorität.

Die Weihe ist, bedauerlichweise, kein Akt der Brasilianischen Bischofskonferenz, sondern geht auf die Initiative katholischer Laien zurück. Vorgenommen wurde die Weihe von Don Fernando Areas Rifan, dem Apostolischen Administrator der Apostolischen Personaladministration Sankt Johannes Maria Vianney. Die Apostolische Personaladministration ist die weltweit einzige De-facto-Diözese im überlieferten Ritus.

Treibende Kraft der Weihe sind die Marianische Kongregation und andere katholischen Organisationen sowie der Frente Parlamentario Catolico, in dem sich katholische Bundesabgeordnete zusammengeschlossen haben.

Initiative von zwei Parlamentsabgeordneten

Die Idee selbst stammt von den beiden Abgeordneten Chris Tonietto und Eros Biondini. Sie betonten, daß es bei der Weihe auch und gerade um einen Staatsakt gehe, mit dem das ganze Land dem Herzen Marien geweiht wurde.

Der Tierarzt Biondini, der an der Päpstlichen Katholischen Universität von Minas Gerais, auch ein Studium der Politikwissenschaften absolvierte, wurde in Brasilien bekannt durch die größte, katholische Musikveranstaltung des Landes, die er ins Leben rief und organisierte. Der heute 48-Jährige moderierte einige Jahre eine Musiksendung des katholischen Fernsehsenders TV Canção Nova. 2006 wurde er zum Abgeordneten seines Heimatstaates Minas Gerais gewählt. Seit 2010 gehört er dem brasilianischen Bundesparlament an. Zu den Schwerpunkten seiner parlamentarischen Arbeit gehören die politische Erneuerung Brasiliens, der Widerstand gegen Versuche, die Hypothese eines angeblich menschenverschuldeten Klimawandels, bzw. die Vorstellung, „das Klima“ kontrollieren zu können, zur Grundlage der Politik zu machen, die Stärkung der Familie und der Schutz der ungeborenen Kinder. 2017 stimmte er für das Gesetz, das die Tötung ungeborener Kinder strafrechtlich belangt.

Chris Tonietto mit Präsident Bolsonaro

Christine „Chris“ Nogueira do Reis Tonietto ist Rechtsanwältin und Mitglied des Katholischen Kulturzentrums Don Bosco. Bekannt wurde sie 2017 durch ihre Initiative gegen die Beleidigung der katholischen Kirche und des katholischen Glaubens in der brasilianischen YouTube-Komödie Port dos Fundos. Bei den Parlamentswahlen im Oktober 2018 wurde sie zur Abgeordneten des Bundesparlaments gewählt. Ihre Aussendungen und Twitter-Nachrichten beendete sie meist mit „Viva Cristo Rei!“ (Hoch lebe Christus König).

Tonietto schrieb heute auf Twitter:

„Wir werden mit der gesamten Gruppe der katholischen Parlamentsabgeordneten da sein, der ich angehöre. Wir drücken unsere innigste Unterstützung aus und beten zu Gott, daß er unser geliebtes Brasilien, das Land des Heiligen Kreuzes, segnet!“

Als die Gouverneurin von Alabama das Gesetz zur Abschaffung der Abtreibung unterzeichnete, schrieb Tonietto am 16. Mai auf Twitter:

„Ein großer Tag für das Lebensrechtsanliegen.“

Am 17. Mai konnte sie bereits die nächste Stärkung des Lebensrechts der ungeborener Kinder weiterverbreiten:

„Mit 66 Stimmen Vorsprung stimmte das Staatsparlament von Missouri für mehrere Gesetze gegen die Abtreibung, die diese schändliche Praxis in diesem Staat massiv einschränken.“

Tonietto unterstützt die Initiative von Staatspräsident Bolsonaro, der den „Antikommunistischen Katechismus“ des 1999 verstorbenen Steyler Missionars und Erzbischofs von Diamantina, Geraldo de Proença Sigaud, jenen „empfiehlt, die sagen katholisch zu sein, aber den Kommunismus verteidigen“. Während des Zweiten Vatikanischen Konzils gehörte Erzbischof Sigaud dem Coetus Internationalis Patrum an und galt in Brasilien als der schärfste Gegner von Helder Camara, dem Erzbischof von Olinda und Recife.

Kühle Distanz durch Bischofskonferenz und Santa Marta

Die Brasilianische Bischofskonferenz, seit langem befreiungstheologisch angehaucht, verhält sich distanziert gegenüber dem neuen Staatsoberhaupt, erst recht, da von Papst Franziskus seine Sympathien (und Antipathien) klar bekundet wurden. Zur Marienweihe herrscht Schweigen. Nichts ist aus Rom von der Herzlichkeit zu vernehmen, mit der Franziskus die beiden vorigen Präsidenten Luis Inacio Lula da Silva und Dilma Rousseff von der Arbeiterpartei bedachte. Lula da Silva, der wegen Korruption zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt wurde, sandte er eine Solidaritätsbekundung sogar ins Gefängnis.

Anstatt sich zu freuen, katholische Ansprechpartner unter den Abgeordneten zu haben, versetzten der Bischofskonferenz und Santa Marta nahestehe Journalisten der Initiative Nadelstiche. Die Rede war, offen oder andeutungsweise, von „politischem Mißbrauch“ der Religion.

Weil der Staatspräsident sein Land dem Unbefleckten Herzen Mariens weiht? Weil katholische Parlamentsabgeordnete die Idee zu dieser Weihe hatten und sie auch in die Tat umsetzen?

Die Politisierung der Kirche führt in bedenkliche Sackgassen, wie bischöfliche Reaktionen auf die Weihe Brasiliens an Maria zeigt.

Dessen ungeachtet ist die Weihe ein großer Tag für Brasilien.

Wer sich über die Weihe informieren möchte, hat die Möglichkeit dazu unter anderem über den Twitter-Hashtag #OrePeloBrasil (Bete für Brasilien).

Text: Giuseppe Nardi/Andreas Becker
Bild: Twitter/Chris Tonietto (Screenshots)

Erzbischof Georg Gänswein: Mutter Angelica ist „Prophetin und Apostolin“

Erzbischof Georg Gänswein zelebriert die heilige Messe zum Jahresgedenken an Mutter Angelica am 27. März 2019 Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch

Präfekt des Päpstlichen Hauses würdigt die Gründerin von EWTN zum Jahrgedächtnis als „seherisches Genie“, betont angesichts der Kirchenkrise: „Wir brauchen sie mehr als je zuvor“

Erzbischof Georg Gänswein hat am heutigen 27. März 2019 die Verdienste von Mutter Angelica gewürdigt, der Gründerin des Mediennetzwerkes EWTN.

In seiner Predigt in der Kirche am Campo Santo Teutonico im Vatikan erinnerte der Präfekt des Päpstlichen Haushalts am dritten Jahrgedächtnis der bekannten „Fernseh-Nonne“ an das „seherisches Genie“ Mutter Angelicas, das die wichtige Rolle der Medien im Informationszeitalter frühzeitig erkannt habe.

„Keiner von uns hat den Glauben direkt von Gottvater empfangen. Sondern wir sind allesamt vermittelt zum Glauben gekommen. Wir haben ihn alle durch Zeugen erfahren, denen wir vertrauen und glauben.“

Das Mediennetzwerk EWTN, zu dem auch der Fernsehsender EWTN.TV in Deutschland gehört, sowie die deutschsprachige Ausgabe der Catholic News Agency, CNA Deutsch, übernehme nicht nur die Aufgabe der Glaubensvermittlung.

Mutter Angelica habe der Katholischen Kirche in Amerika ein von den Bischöfen unabhängiges Medium als „vierte Gewalt“ eingepflanzt, „in der gläubige Journalisten jeden Missbrauch ebenso unerschrocken offenlegen wie gefährliche Abwege aufzeigen, auf denen sich manche Hirten heute ebenso zu verirren scheinen wie zu allen Zeiten der Geschichte.“

Gänswein beklagte, dass „Verbrecher unter uns bis hinauf in den Kardinalsrang auch die Mutter Kirche selbst vergewaltigt haben“.

Dadurch, dass das Vertrauen in das Amt des Priesters im Zuge des Missbrauchsskandals teilweise „tödlich verletzt“ wurde, komme dem Bekenntnis der katholischen Laien eine immer größere Bedeutung zu.

Doch nicht nur schonungslose Aufklärung gehöre zu den Kernkompetenzen der EWTN-Mitarbeiter.

Die Verkündigung der Frohen Botschaft im Namen Jesu Christi sei im heutigen „Tsunami von Horrornachrichten“ eine besondere Herausforderung, so der Kurienerzbischof bei seiner Predigt in der Kirche Santa Maria della Pietà.

„Der Auftrag Mutter Angelicas aber geht darüber hinaus“, bekräftigte Georg Gänswein, der die Nonne als „Prophetin und Apostolin“ bezeichnete.

„Papst Franziskus hat, wie Sie wissen, ja gleich nach ihrem Tod vor drei Jahren schon zu Ihnen gesagt, dass er sie persönlich schon im Himmel erblicke. Das war noch keine Heiligsprechung. Dennoch deutete der Heilige Vater damit an und darauf hin, dass Gott für jede Not der Kirche auch immer wieder Menschen beruft, die uns in allen Gefahren besonders beistehen.“


CNA Deutsch dokumentiert den vollen Wortlaut der Predigt des Kurienerzbischofs in deutschsprachiger Fassung.

Liebe Schwestern und Brüder!

„So hat Gott an keinem Volk gehandelt“ haben wir vorhin im Zwischengesang gehört – aus dem 147. Psalm, der die Wundertaten Gottes an seinem Volk Israel preist. Mit diesen Worten hat Papst Benedikt XIV. am 25. Mai 1754 hier in Rom aber auch das Erscheinen unserer Lieben Frau von Guadalupe gerühmt. Danach hat sich der Satz wie ein Lauffeuer durch die Neue Welt verbreitet. Denn es war die dunkelste Stunde nach der Eroberung Mexikos, über die Benedikt XIV. da sprach, es war das Jahr 1531, als die Muttergottes selbst mit ihrem Bildwunder in die Geschichte eingriff und in Amerika eine Bekehrung von vielen Millionen einleitete. Tausende Mexikaner wurden damals von Krankheiten und Seuchen hinweg gerafft, die die Eroberer eingeschleppt hatten.

Es waren jene Jahre, als hier in Europa gerade die Reformation die katholische Kirche entzweite und teilte. Es war eine Zeit der Katastrophen, als Amerika und die Kirche eines ihrer größten Wunder erlebte, durch die Jungfrau von Guadalupe, die „Kaiserin der beiden Amerikas“, die Papst Franziskus ebenso innig verehrt wie Mutter Angelica sie verehrt hat, bevor sie heute vor drei Jahren hinüber gegangen ist ins Haus des Vaters. Am 12. Dezember 1980 aber, dem Festtag der Muttergottes von Guadalupe, hatte sie den Sender „Eternal Word Television Network“ gegründet und ihr feierlich geweiht!

Wie wir uns hingegen heute eine Zeit grauenvoller Erschütterungen vorstellen dürfen, muss ich keinem zu erklären versuchen. Und in dieser Eucharistiefeier zur Ehre Mutter Angelicas kann ich auch keinem von Ihnen viel über sie erzählen, da Sie sie ja alle viel besser kennen als ich.

Gestatten Sie mir stattdessen eine kurze Reflexion über die Göttliche Vorsehung, die ich darin erkenne, dass wir drei Jahre nach dem Heimgang Mutter Angelicas ihr Andenken heute nicht wie im letzten März im Petersdom feiern, sondern an der Südseite dieser gigantischen Basilika in der viel kleineren Kirche der Schmerzhaften Gottesmutter am Campo Santo.

Denn diese Kirche liegt am Platz der Protomärtyrer. Das heißt, sie liegt am Platz der ersten Märtyrer Roms, zu denen auch der Apostel Petrus zählte, welcher der Überlieferung nach hier kopfüber gekreuzigt worden ist. Das ruft in mir folgende Erinnerung wach:  Keiner von uns hat den Glauben direkt von Gottvater empfangen. Sondern wir sind allesamt vermittelt zum Glauben gekommen. Wir haben ihn alle durch Zeugen erfahren, denen wir vertrauen und glauben. Das fing in den meisten Fällen bei unseren Eltern an und danach vielleicht über unseren ersten Pfarrer oder ein Vorbild und so gut wie immer persönlich und von Herz zu Herz.

Insgesamt aber hat uns die Mutter Kirche den Glauben geschenkt, durch ihre Hirten und Heilige und Lehrer und durch die Evangelisten und Apostel. Keiner von uns war bei Christi Auferstehung von den Toten dabei, auch nicht bei der Einsetzung der Eucharistie durch den Gottessohn. All dies glauben wir diesen Zeugen. Darum ist die katholische Kirche eine apostolische Kirche. Es ist eine Kirche der Zeugen.

Auf Griechisch heißt „Zeuge“ aber „μάρτυς“, von dem sich unsere „Märtyrer“ ableiten.  Hier am Campo Santo sind die ersten Christen Roms in den 60er Jahren des 1. Jahrhunderts als Zeugen für die Wahrheit in den Tod gegangen.

Eine andere, nicht ganz so dramatische Bedeutung vom Begriff des Zeugen aber ist die des Vermittlers! Und damit bin ich bei Ihnen angekommen, liebe Brüder und Schwestern: also bei den Medienleuten, und bei Mutter Angelica, der Gründerin des „Eternal-Word-Television-Networks“, die mit seherischem Genie erkannt hat, welche Rolle Ihnen in dem neuen Informationszeitalter zukommt, in das nun auch die katholische Kirche eingetreten ist, ob sie es will oder nicht. Darum sind Sie nun auch alle auf eine ganz neue und ganz besondere Weise als Zeugen berufen.

Dass diese Rolle nicht unbedingt undramatisch ist, haben Sie insbesonders in der letzten Zeit erfahren, wo das Schiff der Kirche Christi unter einem Tsunami von Horrornachrichten fast zu zerschellen droht. Gerade in dieser Not aber, die sich ja nicht den Nachrichten schuldet, sondern den Verbrechen und Todsünden aus der Mitte der Kirche, sind Sie als katholische Medienleute herausgefordert, besser und professioneller zu sein als alle Kollegen aus den säkularen Medien.

So wundert nicht, dass am Ende des Krisengipfels im Februar Ihre Kollegin Valentina Alazraki lange anhaltenden Applaus erfuhr, als sie „als Journalistin und Mutter“ den 190 Bischöfen und Ordensoberen aus aller Welt die Botschaft einschärfte: „Wer nicht informiert, nährt ein Klima der Verdächtigung und des Misstrauens und provoziert Wut und Hass auf die Institution (der Kirche)“. Die mutige Kollegin arbeitet nicht für EWTN, sondern für den mexikanischen Sender „Noticieros Televisa“. Doch am 22. Februar war es in Rom, als habe durch sie auch Mutter Angelica mit ihrem legendären Freimut noch einmal zum Papst und dem ganzen Volk Gottes gesprochen.

Der Auftrag Mutter Angelicas aber geht darüber hinaus. Papst Franziskus hat, wie Sie wissen, ja gleich nach ihrem Tod vor drei Jahren schon zu Ihnen gesagt, dass er sie persönlich schon im Himmel erblicke. Das war noch keine Heiligsprechung. Dennoch deutete der Heilige Vater damit an und darauf hin, dass Gott für jede Not der Kirche auch immer wieder Menschen beruft, die uns in allen Gefahren besonders beistehen.

So hat er in der großen Verwirrung durch den Presbyter Arius in der frühen Kirche Athanasius den Großen erweckt, im Chaos der Völkerwanderung den heiligen Columban, nach der französischen Revolution den heiligen Pfarrer von Ars und so weiter.  Und nur so können wir begreifen, was Mutter Angelicas vom Orden der Klarissen von der Ewigen Anbetung wirklich in Gang setzte, als sie in einer Garage ihres Klosters in Alabama (ohne alle Mittel und gegen alle Wetten) mit dem Aufbau des geistlichen Senders EWTN begann. Denn damit hatte sie damals ja auch der katholischen Kirche in Amerika eine von den Oberhirten unabhängige Medienmacht als quasi „vierter Gewalt“ eingepflanzt, in der gläubige Journalisten jeden Missbrauch ebenso unerschrocken offenlegen wie gefährliche Abwege aufzeigen, auf denen sich manche Hirten heute ebenso zu verirren scheinen wie zu allen Zeiten der Geschichte. Mutter Angelica war eine zölibatäre Nonne, aber mit der Gründung von EWTN hat sie auf entscheidende Weise auch Laien mit in die Steuerung des Boots der Kirche berufen.

Die Herausforderung aber, über Verbrechen und Verirrungen im Innern der Weltkirche unerschrocken und fair zu berichten, erscheint inzwischen schon fast gering im Vergleich zu einer Aufgabe, die Mutter Angelica zur Zeit ihrer Gründung noch kaum ahnen konnte.

Denn jetzt müssen wir ja auch unsere Augen dafür öffnen, wie Verbrecher unter uns bis hinauf in den Kardinalsrang auch die Mutter Kirche selbst vergewaltigt haben. Als ein Opfer ohne Opferschutz, was kaum je erwähnt oder bedauert und betrauert werden darf. Schuld und Sünden sind immer persönlich, bei dieser Schar der Opfer aber hat der Albtraum des Missbrauchs insgesamt auch eine satanische Note.

Lassen Sie mich hier sehr persönlich werden: Ich bin bei allem nötigen Verzicht mit Leib und Seele Priester und liebe meinen Beruf und meine Berufung und erlebe dennoch, wie Priester und der Priesterstand durch dreiste Todsünder unter uns ganz allgemein inzwischen unter Generalverdacht geraten sind. Wer mag heute von mir und meinen Mitbrüdern noch den Glauben an das Heil empfangen wollen, das Gott uns durch seinen Sohn geschenkt hat? In manchen Teilen der Erde wächst eine heimliche Pogromstimmung, in der das aufrichtige Bekenntnis zu unserer Kirche der Heiligen und Sünder und Verbrecher zunehmend Löwenmut verlangt. Hat die Kirche nicht jeden Kredit verloren? Fliehen Katholiken sie nicht zu Recht in Scharen? Die Kirche, wie wir sie kennen, scheint als Vermittlerin des Glaubens, das heißt in einer ihrer vornehmsten Aufgaben, wie kaum je zuvor geschwächt und verwundet. Das Vertrauen in sie fast tödlich verletzt.

So kommt nun auf Sie eine Aufgabe zu, die Mutter Angelica kaum geahnt haben konnte. Denn mit ihrer Gründung von EWTN hat sie den apostolischen Dienst der Verkündigung wie nie zuvor auf die Laien ausgeweitet. In der Krise der Kleriker brauchen alle Priester der Erde Sie mehr als je zuvor in unserer Kirche der Zeugen.

Das heißt, Sie sind nun als katholische Journalisten nicht mehr nur für die harten news zuständig und für eine ebenso schonungslose wie faire Berichterstattung, sondern mehr denn je zuvor auch für den Kern aller good news, für das Evangelium.

Das heißt: heute sind Sie in der Nachfolge Mutter Angelicas mitberufen, die allerwichtigste Nachricht aller Zeiten ganz neu und mit den modernsten Mitteln in Freiheit und zusammen mit dem Lehramt der Kirche zu verbreiten: die Nachricht von der Menschwerdung Gottes als der größten Neuigkeit, die die Welt je gehört und gesehen hat. Dieser Ruf geht in dem Werk Mutter Angelicas heute so an Sie, wie er viele Jahrhunderte unserer Geschichte an bildende Künstler gegangen ist, und an die Dombauhütten, denen wir die großen Kathedralen in den Zentren unserer Städte verdanken und die Bildwunder ihrer Kirchenfenster. Denn heute formen und prägen ja nicht mehr die großen Dome und Gotteshäuser unser Bewusstsein und die Gesellschaft, sondern die Bilder der Medienwelt über ungezählte Smartphones in unseren Händen.

Und noch eins kommt dazu, weil wir ja gerade auch einen revolutionären Umbruch der Sprache erleben, den Mutter Angelica wohl prophetisch geahnt hat. Deshalb hat sie keine neue Zeitschrift gegründet, wie der heilige Maximilian Kolbe es zu seiner Zeit noch getan hätte. Sondern sie gründete ein „Television-Network“, um nach dem Gutenberg-Zeitalter des gedruckten Worts den Glauben der Kirche in der neuen Sprache der bewegten Bilder heute und morgen neu erzählen zu können.

Einen Schutzpatron der Journalisten gibt es ja schon seit langem im heiligen Franz von Sales. In Mutter Angelica aber hat die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche für die digitale Zukunft  nun auch schon eine Prophetin und Apostolin geschenkt bekommen, von der wir außerdem neu lernen können, dass wir immer voll Vertrauen auf ein Wunder hoffen dürfen, gerade und besonders in den dunkelsten Stunden der Geschichte, wie damals in Mexiko, als Amerikas Jungfrau von Guadalupe den heiligen Juan Diego als Mutter der Mutter Kirche in trostloser Zeit mit den Worten tröstete und stärkte: „Höre, und nimm es dir zu Herzen, kleinster meiner Söhne! Da ist nichts, das dich erschrecken soll! Nichts soll dich betrüben und verzagen lassen. Dein Gesicht soll nicht bekümmert sein, und auch nicht dein Herz! Bin ich denn nicht hier – ich deine Mutter? Was ist es, was dir sonst noch fehlt? Nichts soll dich mehr ängstigen und verwirren!“

Amen.

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Quelle

„Die Zeichen der Kirche stehen auf Sturm“

Mit dem „Grundsatzpapier“ der Diözese Linz wird letztlich die Entmachtung der Pfarrer in die Wege geleitet und der Priester demontiert – Gastkommentar zur Pfarrstruktur-Debatten in der Diözese Linz – Ein Gastkommentar von Gerhard Wagner

Linz (kath.net) Immer deutlicher wird es: Wir stecken in einer großen innerkirchlichen Krise, und die Zeichen der Kirche stehen auf Sturm. Menschen sind über die Missbrauchsskandale wütend und ziehen still und leise bzw. auch mit viel Getöse aus der Kirche aus. Es vergeht kaum eine Woche, wo nicht ein Bischof mit Reformvorschlägen auf sich aufmerksam macht, um die Glaubwürdigkeit und Attraktivität der Kirche zurückzugewinnen. Priester, die entmutigt sind, weil sie keine Zukunft sehen, suchen das Heil ebenso im Modernismus, weil sie glauben, so die Anerkennung in der Pfarre zu finden, wo sonst oft im Leben eines Priesters die Kritik im Vordergrund steht.

Immer stärker wird der Druck von Laien und Laienverbänden, die Reformen in der Kirche fordern. Unverkennbar ist aber auch die Tatsache, dass viele Priester in der Zwischenzeit alt geworden sind und auch die Zahlen über den Priesternachwuchs nichts Gutes für die Kirche verheißen, weil die Priesterseminare fast leer sind. Bezeichnend für unsere Zeit in der Kirche, in der die geweihten Priester fehlen, ist es, dass ältere Pfarrseelsorger in die Pension geschickt werden, die noch gut imstande wären, eine Pfarre mit Freude und Hingabe zu führen.

Steht also auch der ältere Priester einem neuen Pastoralkonzept im Weg, weil man in Zukunft mit weniger Priester auskommen möchte? Dem halte ich entgegen: Dass Priester heute fehlen, belastet die ganze Kirche, den einzelnen Christen wie auch unsere Pfarrgemeinden. Oder braucht man den Priester ohnehin nicht mehr, weil Laienchristen Leitungsfunktionen übernehmen und das genauso gut machen bzw. sogar besser? Dann haben jene Recht, die zuletzt schon von einer „künstlichen Verknappung der Priester“ gesprochen haben, um für die Laien in den Pfarren Platz zu schaffen.

Obwohl die Kirche zu allen Zeiten den Auftrag hat, für das Heil der Seelen zu wirken und die Botschaft Gottes zu verkünden, die allein der Welt und dem Menschen etwas sagen kann, was sie selbst dringend brauchen, lassen Hierarchen neue Strukturen der Kirche beraten, wo man mit weniger Priester auskommt, weil von einer ganz neuen Pastoral und letztlich von einer ganz anderen Kirche die Rede ist.

Viele, die ich in der letzten Zeit nicht nur in meiner Pfarre getroffen habe, sind verunsichert, aber auch darüber sehr betroffen. Andere, die beruhigen, weil eine Neustrukturierung stets die Menschen verunsichert, hört man sagen, dass dieses neue Pfarrkonzept allein auch deshalb gut ist, weil es so wie bisher nicht weitergehen kann. Wieder andere, die man reden hört, beschwichtigen, weil dieses neue Pfarrmodell in Wirklichkeit nicht so viel verändert.

Wenn man denen Glauben schenkt, die schon das Gespräch in der Diözese gesucht haben, dann legt sich der Verdacht nahe, dass alles schon fest gemacht ist, und man in den Resonanztreffen höchstens darüber reden lässt, was in den verschiedenen Details noch geklärt werden muss.

Offensichtlich hat die Diözese Linz klare Vorstellungen: in Zukunft sollen 487 Pfarr-Gemeinden in 35 Pfarren (mit sieben bis 21 Pfarr-Gemeinden) organisiert werden. Wenn es nun doch so sein wird, dass etwas geschehen muss, weil die Not so groß ist und in Zukunft noch größer wird, dann frage ich mich: Wird sich tatsächlich nur der kirchenrechtliche Status der Pfarren und der Pfarr-Gemeinden ändern oder doch mehr?

Persönlich mache ich mir große Sorgen um die Kirche, weil man gerade dabei ist, ohne dass man darüber spricht, den Priester abzumontieren. Während viele über diesen „Zukunftsweg“ und das neue „Pfarrkonzept“ in der Diözese Linz jubeln, und andere, die erschüttert und tief betroffen sind, sich resigniert von der Kirche abwenden, wird klar, dass man mit „schönen“ Reden zum „Dialog“ eingeladen hat, obwohl längst alles entschieden ist und noch in diesem Jahr alles beschlossen und in der Folge in den kommenden Jahren umgesetzt werden soll.

Wenn meine Vermutung richtig ist, dann sind wir allen Ernstes auf dem Weg zu einer priesterlosen Kirche, weil es in Zukunft diese Priester nicht mehr geben wird. Um das Kirchenrecht zu umgehen, das für jede Pfarre einen Pfarrer als ihren „eigenen Hirten“ vorsieht (c. 515 §1), hat man 35 Pfarren geschaffen, die man auch in Zukunft mit einem Priester besetzen möchte. Und in den anderen Pfarr-Gemeinden sitzt dann – wie ich es vermute – zuerst noch ein Pfarrer, um dann einem Laien als „Pfarrleiter“ Platz zu machen.

Und genau das spüren viele Leute, die treu zur Kirche stehen und den Glauben der Kirche bekennen. Wenn das so ist, dann sind wir der Protestantisierung der katholischen Kirche wieder ein Stück näher gekommen, weil wir nicht mehr glauben, dass Christus in Zukunft weiterhin Männer beruft, die sich völlig der Feier der Hl. Messe und der Sakramente, der Predigt des Evangeliums und dem Seelsorgedienst widmen.

Priesterberufungen müssen für die Kirche immer Vorrang haben, weil sich die Kirche um die Eucharistie, die Quelle einer jeden geistlichen Berufung, und das sakramentale Leben aufbaut. Zugleich möchte ich es als Trost verstanden wissen, wenn die Kirchengeschichte uns daran erinnert, dass nach verschiedenen Zeiten eines ernsten Priestermangels immer wieder die Priesterberufe aufgeblüht sind.

Weil die Krise der Kirche von heute vor allem eine Krise der Priester ist, wird über den Priester in unserer Zeit viel diskutiert. Viele Menschen fragen nach der Identität des Priesters, weil sie nicht mehr wissen, was der Priester in seinem Wesen ist. Weil der Priester in das Zentrum der Krise der Kirche gerückt ist, ist es auch für die Kirche bedeutsam geworden, was der Priester macht und wie er es macht. Der Priester ist nicht Gemeindevorsteher, er ist auch nicht Manager und Sozialarbeiter und schon gar nicht ist er Unterhaltungskünstler, der sich auf der Bühne der Kirche selbst darstellt. Das Wesentliche am Priester, der in der Kirche der Diener der wesentlichen Heilstaten ist, ist die Weihe, durch die er auf übernatürliche Weise mit Christus verbunden wird, sodass der gekreuzigte und auferstandene Herr im Priester gegenwärtig sein will.

Die Feier der Eucharistie, in der der Priester das Erlösungsgeschehen gegenwärtig setzt, ist der wichtigste Dienst der Priester in der Nachfolge der Apostel für die Kirche und die Welt. Weil der Priester Diener des großen Geheimnisses der Eucharistie ist, hat der hl. Papst Johannes Paul II. in seinem letzten Brief zum Gründonnerstag im Jahr 2005 von der priesterlichen Existenz als einer „eucharistischen Existenz“ gesprochen. Das Leben des Priesters erhält eine „eucharistische Gestalt“, wenn die heilige Messe, die der Priester täglich feiert, uneingeschränkt zum Mittelpunkt des Lebens und der Sendung eines jeden Priesters wird. Von der Messe her und auf die Messe hin darf der Priester nicht nur als „Liturgievorsteher“, sondern als „Diener Christi und Ausspender der göttlichen Geheimnisse“ (1 Kor 4,1) verstanden werden, der „in der Person Christi“ handelt.

Obwohl in all dem Christus am Werk ist, der Priester aber „Werkzeug“ und Handlanger Christi bleibt, ist der kulturelle Druck heutzutage zweifellos trügerisch, dem der Priester in unserer Zeit ausgesetzt ist, wenn er von einer „sakralen“ in eine ausschließlich „soziale“ Rolle hineingedrängt wird. So kommt es, dass auch engagierte Christen immer weniger verstehen, dass es um Christus geht, den der Priester vergegenwärtigt, der wiederum an der Autorität Christi teilhat. Wenn die Leute wissen möchten, wer der Priester ist, dann müssen wir klarstellen, dass sich der Priester nicht ständig durch seine Fähigkeiten und Aktivitäten in der Pfarrgemeinde ausweisen muss. Auch wenn Priester in unserer Zeit um Wirksamkeit in ihrem priesterlichen Dienst bemüht sind, und viele Priester alles tun, damit sie in der Öffentlichkeit einen Eindruck hinterlassen, ist der Priester nichts aus sich und er hat auch nichts für sich, sondern er ist Priester aus der Gnade Gottes und hat alles empfangen, um es weiterzugeben. Keiner kann sich also selbst zum Priester „machen“, niemand kann sich die Bedingungen zum Priestertum selber stellen und keiner kann zum Priester gewählt werden. Weil die schönste Aufgabe für einen Priester ist, Hirte eine Pfarrgemeinde zu sein und diese im Auftrag Christi zu leiten, so ist auch „Pfarrer“ der schönste Titel für einen Priester. Eine Kirche, die auf den geweihten Priester verzichtet, um auf den Laien zu setzen, ist nicht mehr die Kirche Jesu Christi. Nachdem das katholische Priestertum in der Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, das großartige Texte über den Priester formuliert hat, sturmreif geschossen wurde, übernehmen heutzutage Laien Leitungsaufgaben, die sie in der Öffentlichkeit wie Kleriker erscheinen lassen, während viele Priester total verweltlicht auftreten. Und mancher Priester hat mir schon sein Leid geklagt, dass er den Eindruck hat, er würde z.B. dem Pastoralassistenten, der sich in der Pfarrgemeinde ganz verwirklichen möchte, nur im Weg stehen. Wahr ist aber auch, dass es viele Gründe dafür gibt, dass es in den Pfarren immer weniger Sonntagsmessen gibt: nicht nur den Priestermangel!

Anzeichen dafür, dass Priester aus verschiedenen Funktionen einer Pfarrgemeinde verdrängt wurden, gab es in den letzten Jahrzehnten immer wieder. Wenn es sich um ein Priesterbild handelt, das zu funktionalistisch ist, wenn alles von den Diensten und Funktionen her gesehen wird, dann werden allzu leicht unzureichende Ersatzlösungen hingenommen. Weil Priester nicht nur wichtig sind aufgrund dessen, was sie tun, sondern aufgrund dessen, was sie sind, geht es zunächst um die Schönheit der priesterlichen Berufung und ihrer großen Würde.

Die Priester werden aber auch in Zukunft nur dann ihre Berufung und Sendung voller Freude und großer Begeisterung leben können, wenn sie erkennen, dass es ihre Aufgabe ist, das Werk der Erlösung auf Erden fortzuführen. Um Priester zu sein und den priesterlichen Auftrag erfüllen zu können, muss der Priester selbstverständlich aber auch Mensch an der Seite des Menschen sein, ohne dass er sich von selbst aus zum Mittler zu Gott machen kann. Überlegungen wie diese machen deutlich, dass es ein tragfähig und theologisch gut begründetes Priesterbild braucht, das dem Volk verständlich gemacht wird und den Berufenen hilft, sich ganz in den Dienst Gottes und der Kirche zu stellen.

Das Priesterbild muss aus der Mitte des Glaubens kommen, in der seit Beginn der göttlichen Selbstoffenbarung das Bild des „guten Hirten“ (Joh 10,1-16: Lk 15,3-7) erstrahlt, das für jegliche Autorität und Sendung in der Kirche vorgegeben und unüberholbar ist. Die göttliche Dimension des „guten Hirten“ bleibt attraktiv und aktuell auch für unsere Zeit. Der Priester muss ein guter Hirte nach dem Herzen Gottes sein, der ohne Angst vor der aktuellen Gesellschaft hinausgeht und sich unermüdlich in der Seelsorge für alle Menschen hingibt.

Wir brauchen zweifellos den Priester, der wiederum in der Kirche unentbehrlich ist und nur durch den Priester ersetzt werden kann. Dabei geht es um die Beziehung zu Christus, die das Leben des Christen erhellt und das Leben des Priesters zutiefst prägt und ganz in Anspruch nimmt. Während die Zahl derer, die Jahr für Jahr um die Priesterweihe bitten, sinkt, steigt gleichzeitig von Jahr zu Jahr die Zahl der Pfarrgemeinden, die nicht mehr mit einem eigenen Priester besetzt werden können. Aber ich frage: Haben wir wirklich einen Priestermangel zu beklagen, wenn auch die Zahl der Gläubigen in den Pfarren rückläufig ist? So dürfen auch die Verantwortlichen in der Kirche nicht übersehen, dass die Hauptursache für den Priestermangel mit der geistigen Großwetterlage und dem Glaubensabfall unserer Zeit zusammenhängt. Es ist eine eklatante Glaubensmüdigkeit in unserer Wohlstandsgesellschaft, die sehr klar erkennen lässt, dass nicht nur die Priesterberufungen, sondern auch die Zahl der Messbesucher in unserer liberalen „Zeitgeist-Kirche“ massiv zurückgegangen ist.

Kurz gesagt: viele Probleme in der Kirche sind selbstverschuldet und hausgemacht, weil die Glaubenssubstanz in den letzten Jahren mehr und mehr verloren gegangen ist. Worum geht es, wenn man heutzutage eine Pfarre einen Priester braucht: um die Christmette und um ein Begräbnis, das vielerorts ohnedies schon Laien halten, vielleicht auch um die Friedhofsfeier am Allerheiligentag? Sonntagsaushilfen werden von den Klöstern immer noch erbeten, wofür Priester sehr dankbar sind, Beichtaushilfen aber kaum mehr, weil die wirkliche Seelsorge aus verschiedensten Gründen immer mehr zu kurz kommt. Wenn nun das Pfarrleben manchmal gar nichts mehr mit dem Glaubensleben zu tun hat, weil in vielen Pfarren überhaupt keine Ansprüche mehr für den Sakramentenempfang gestellt werden, dann bedeutet das den Bankrott einer jeden Pfarrseelsorge, die mit der Strukturreform aber überhaupt nicht angerührt wird. Umso deutlicher wird es, dass Glaubenskraft und missionarische Stärke in unsere Pfarren zurückkehren müssen, damit Leben in unsere Pfarren einkehren kann.

Und die Priester, die immer auch schwache Menschen bleiben, müssen wieder die volle Anerkennung und Wertschätzung in unserer Gesellschaft finden, weil sie ihren Dienst in Treue zur Kirche, verantwortungsbewusst und mit viel Liebe tun.

Ich wage es kaum zu denken, und doch frage ich: Hofft man, Strukturen so ändern zu können, dass es bald überhaupt keine Priester mehr braucht, weil man vielleicht keine mehr hat, und deshalb von einer ganz neuen Pastoral die Rede ist? Wenn die gewählte Perspektive eine ganz weltliche ist, wo vom Priester in Zukunft die Rede ist, ohne dass man vom Weihesakrament und vom Glauben redet, dann wird der Priester zwar in einer neuen Funktion, aber ohne Gnade dastehen. Wenn man heute z.B. in der Kirchenzeitung liest, wie da und dort Pfarrgemeinden ohne Priester am Ort „kräftige Lebenszeichen“ geben, dann frage ich mich, um welche „Lebenszeichen“ es geht, und ob man in Zukunft den Priester überhaupt noch braucht.

Sind wir Priester so wirklich überflüssig geworden, dass der Priester die Pfarrgemeinde vielleicht sogar in ihrer Entfaltung behindert? Zweifellos habe ich oft eher den Verdacht, dass man deshalb daran geht, die Strukturen zu ändern, weil es offensichtlich in der Kirche sinnlos geworden ist, gegen den Zölibat, den Rom nicht ändern will, anzukämpfen. Und was ist, wenn wir an jene Priester in der Diözese denken, die zur Zielscheibe herber Kritik geworden sind, weil sie sich den Wünschen einer „scheinbaren Mehrheit“ in den Pfarrgemeinden nicht beugen? So kam es auch in der Vergangenheit vor, dass Priester unerwünscht waren, und manche auch in der Vergangenheit regelrecht vertrieben wurden. Und wenn dann Christen am Sonntag lieber zu einem Wortgottesdienst gehen, wozu also noch einen Priester? In allem wird der kommende „Titularpfarrer“, der offensichtlich den Pfarrertitel trägt, ohne im kirchenrechtlichen Sinn ein Pfarrer zu sein, in der Praxis nur eingeschränkte Möglichkeiten haben, in der Pfarrseelsorge zu wirken. Obwohl die echte Hirtensorge von unserem Herrn dem Priester anvertraut wurde, der von Amts wegen eine Vollmacht und auch die Kompetenz für die Seelsorge hat, fragen wir, was denn ist, wenn in Zukunft der „Titularpfarrer“ eine Pfarr-Gemeinde leitet, aber in einem Seelsorgeteam mit zwei oder drei Laien eingebunden ist und im Konsens entscheiden soll? Auch wenn die Diözese Linz die Absicht hat, einen Pfarrer tatsächlich zu entlasten, bleibt zugleich der Verdacht bestehen, dass er vor allem auch durch die Räte kontrolliert werden soll. Ist nicht der Rätekatholizismus längst zur Last vieler Pfarrer geworden, weil sie unter Druck gekommen sind? Wie soll das in Zukunft gehen, wenn der Pfarrer mit Laien gemeinsam die Pfarre leitet? Er wird sich dem Seelsorgeteam immer wieder beugen müssen, weil er von einer „Mehrheit“ immer wieder überstimmt werden kann. So werden Priester im Dienst der Pfarrseelsorge auf Dauer ihre Handlungsfähigkeit verlieren, weil ihnen auch die Letztverantwortung, die sie bisher in allen Bereichen hatten, abhandenkommt.

Zusätzlich ein Problem wird auch der priesterliche Dienst, der sich in Verkündigung, Sakramentenfeier und Seelsorge vollzieht. So lehrt die Kirche, dass die drei priesterlichen Aufgabenfelder und Zuständigkeiten nicht voneinander getrennt werden dürfen, weil sie aufeinander verwiesen sind: die Teilhabe am Amt der Leitung, d.h., Verkündigungsamt, Heiligungsamt und Hirtenamt gewinnen erst im Miteinander ihre ganze Bedeutung. Dass sich Kirchenstrategen über die Wahrheit hinwegsetzen, dass es für kirchliche Grundvollzüge das Weihesakrament braucht, erweist sich auch heute immer wieder als Katastrophe.

Dass der Priester der Zukunft in Gefahr ist, als „Messeleser“ und „Sakramentenspender“ herumzutouren, liegt auf der Hand. Dass kanonisch installierte Pfarrer fusionierter „Großpfarren“ als Vorsitzende von zahlreichen Räten und als Hauptverantwortliche für alle Kirchen und kirchlichen Einrichtungen mit Verwaltungsaufgaben überfordert sind, hat zur Folge, dass wenig Zeit und Kraft bleibt für die Seelsorge an den Gläubigen. Weil der Priester, der die Sakramente spirituell und würdig feiern soll, auch regelmäßig zu den Menschen kommen muss, ist es für mich als Pfarrer, der ich aus ganzem Herzen Seelsorger sein möchte, selbstverständlich immer wieder wichtig, den Menschen in ihren Sorgen und Nöten nahe zu sein. Was soll ich also tun, wenn die Diözese Linz dem Menschen mit einer neuen Struktur mehr Nähe der Kirche verspricht, während ich bisher immer schon überzeugt war, dass Priester und Laien in unserer Zeit Wege finden müssen, wie sie trotz vieler Verpflichtungen für die Gespräche der Menschen erreichbar und verfügbar bleiben? Wie die Kirche insgesamt so den Menschen näher kommen möchte, frage ich mich.

Im Grunde ist genau das auch der Tod einer jeden Seelsorge, weil sehr wahrscheinlich religiöse Inhalte zu kurz kommen und die Konkurrenz unter den Priestern und Laien größer wird. Zudem werden sich die Leute, die auch in der Vergangenheit schon „Religion a la carte“ gewählt haben, sich in Zukunft auch den Priester aussuchen, der ihnen mehr liegt, oder auch einen Priester ablehnen, um so jene Vorschriften zu befolgen, die sie als weniger beengend erfahren. Was das für die Kirche und die Pfarr-Gemeinden bedeutet, wird man sehr bald wissen. Am Ende des Tages wird man feststellen, dass den Dienst der Priester im Leben der Kirche trotzdem nichts ersetzen konnte.

Wenn ich nun grundsätzlich überhaupt nichts dagegen einzuwenden habe, dass man in Zukunft die Zusammenarbeit der Pfarren verstärken möchte, müssen wir trotzdem festhalten, dass auch eine Pfarr-Gemeinde in Zukunft nur ein Pfarrer (neu: Titularpfarrer!) leiten kann und nicht ein Seelsorgeteam.

Dass eine gute Zusammenarbeit in der Pfarre und über die Pfarren hinaus längst die Einheit im Glauben der Kirche voraussetzt, davon spricht das „Grundsatzpapier“ überhaupt nicht. Es hat mich schon in der Vergangenheit nicht nur nachdenklich gemacht, sondern regelrecht erschüttert, wenn ich mit Priestern zusammengekommen bin, wo ich mir nach einem „Fachgespräch“ die Frage gestellt habe, ob wir uns eigentlich noch in derselben Kirche befinden. Warum ist es dazu gekommen, dass Priester vieles ablehnen, was die Kirche lehrt?

Wieder einmal wird deutlich, dass man in der Diözese Linz sichtlich bemüht ist, Mängel in der Kirche, die zuletzt immer offenkundiger geworden sind, als Chance zu präsentieren. Weil es viel zu wenig Priester gibt, werden Laien in Leitungsfunktionen berufen. Während kirchliche Pastoralpläne, die ja immer wieder notwendig sind, um die personelle Versorgung in der Zukunft zu sichern, sagt das Linzer „Grundsatzpaper“ nichts darüber, wie der Glaube wieder seine ursprüngliche Faszination gewinnen und die Herzen der Menschen bewegen kann, vielmehr verstellt es den Blick auf das Wesentliche.

Obwohl heutzutage in der Pastoral der Kirche so viele Menschen arbeiten und von der Kirche so viele Mitarbeiter leben wie noch nie zuvor, schwindet der Glaube bei vielen Christen noch mehr, sodass von der Kirche insgesamt immer weniger Anziehungskraft ausgeht. Dass viele Pfarren am Ort keinen Priester mehr haben, wird den Pfarren erst dann bewusst, wenn es zu spät ist, denn solange es einen Pfarrer gab, haben sich leider viele weder um den Priester und sein Wort der Verkündigung noch um das Leben in der Pfarrgemeinde gekümmert. Heute sind wir inzwischen soweit, dass in vielen Bereichen die Laien Leitungsaufgaben übernehmen und vielerorts das Fehlen von Priestern gar nicht mehr als Mangel empfunden wird, weil man einen Wortgottesdienst, der von einem Laien gehalten wird, nicht mehr unterscheiden kann von einer Hl. Messe, die ausschließlich nur ein Priester feiern darf. So hat man vor längerer Zeit in vielen Pfarren bereits das Beichtsakrament abgeschafft, während man in letzter Zeit alles tut, um die katholische Messfeier zu zerstören. Dass es Eucharistiefeiern an Sonntagen immer weniger gibt, dafür ist nicht nur der Priestermangel ein Grund.

Viele Jahre ist es in Windischgarsten schon vollkommen selbstverständlich, dass in unserer Pfarre eine Pfarrsekretärin in Vollzeit ihre Arbeit sehr verlässlich tut, damit ich mich optimal für die Pfarrseelsorge freihalte. Weil ich nicht glaube, dass der Priester dadurch entlastet wird, dass Laien auf die Kanzeln steigen und sich um den Altar tummeln, fördere ich mit viel Einsatz Frauen, Männer und Jugendliche, die aus dem Glauben der Kirche leben, aber auch mithelfen, dass Bedürftige Hilfe finden und auch jene in die Mitte der Kirche geführt werden, die von der Kirche weit weg leben und nicht glauben. Nur so kann in der Kirche in Zukunft zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen etwas weitergehen.

Während ich Radikalreformen kirchlicher Strukturen entschieden ablehne, fordere ich dringend eine innere Erneuerung und Vertiefung des Glaubens auf der Grundlage der Lehre der Kirche. Weil die Kirche auf Priester nicht verzichten kann, muss sie in die Offensive gehen: dorthin, wo die Menschen sind. Es geht um eine Neuevangelisierung, die das Leben und die Herzen der Menschen erreicht. Wichtig ist die hl. Messe als die eigentliche Herzmitte unseres Glaubens, wesentlich sind die Sakramente, die uns die Nähe Gottes in der Kirche deutlich machen. Damit Priester endlich tun können, was ihre eigentliche Aufgabe ist, und wofür sie eigentlich „frei“ werden sollen: die Verkündigung des Evangeliums und die sakramentale Seelsorge, müssen wir Schluss machen mit einer Sakramentenpastoral, in der die Sakramente „verschleudert“ und in ihrer Bedeutung bis zur Belanglosigkeit heruntergemacht werden. Dringend notwendig ist aber auch ein wachsendes Gemeinschaftsgefühl in der Kirche, das gegenseitige Hilfe möglich und dem Christen deutlich macht, dass es immer besser ist, in der Kirche mit Freude mitzuwirken. Konkret lade ich ein, wieder verstärkt in Erwägung zu ziehen, dass ein Pfarrer in der Diözese Linz auch in Zukunft mehrere Pfarren hat und Priester aus dem Ausland als Pfarrvikare eingesetzt werden, die bisher schon wichtige Aufgaben in der Pfarrseelsorge erfüllt haben, wenn es darum ging, Pfarren mit Priestern zu besetzen. Um zu sehen, wohin die verschiedenen pfarrlichen Strukturreformen in Deutschland bisher geführt haben und wo heute verstärkt die Probleme liegen, muss man sich verschiedene Diözesen in unserem Nachbarland näher hin ansehen. Von einer drohenden Finanzknappheit als Alibi für pfarrliche Strukturveränderungen möchte ich nicht reden, weil mir darin die Kompetenz fehlt, andere sich aber sicher noch zu Wort melden werden.

Wie der Priester in einer Pfarre nur durch den Priester ersetzt werden kann, so ist auch der Dienst der Laien in einer Pfarre unersetzlich. Priester müssen wieder mehr Seelsorger werden, damit auch in Zukunft eine Pfarre lebensfähig bleibt, die immer Kirche für die vielen ist, nicht bloß für besonders ausgewählte Zielgruppen.

Wenn man im „Grundsatzpapier“ der Diözese Linz von der Entlastung des Pfarrers spricht, glaube ich vielmehr, dass letztlich die Entmachtung der Pfarrer in die Wege geleitet wird. Kopfzerbrechen macht mir aber obendrein, dass nicht nur Pfarre und Pfarr-Gemeinde auseinandergerissen werden, sondern auch Seelsorge und Leitungsverantwortung. Schade, wenn es letztlich auch heute letztlich in der Kirche immer um das Geld und auch die Macht geht. Ganz fest bin ich zur Überzeugung gekommen, dass viele, die in den Pfarren mitarbeiten, denen die Kirche am Herzen liegt, und die jetzt noch schweigen, letztlich aber genauso denken. Die Kirche macht nicht nur den Kirchgängern im Moment große Sorgen, wenn sie sich fragen: Soll das wirklich die „Kirche für die nächste Generation“ sein? Und wer wird da in Zukunft noch Priester in der Diözese Linz werden wollen?

Dr. Gerhard Maria Wagner ist Pfarrer von Windischgarsten, Diözese Linz

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