Vatikan ordnet Sozialengagement neu

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Kurienkardinal Peter Turkson

Der Vatikan stellt nach den Worten von Kurienkardinal Peter Turkson sein humanitäres, menschenrechtliches und entwicklungspolitisches Engagement neu auf. Ziel sei, die kirchliche Sorge für die Sozialordnung neu zu formulieren und „eine gesellschaftliche Vision der Kirche“ zu entwerfen, sagte Turkson am Montag im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Rom.

Der 68-jährige Ghanaer, seit 2009 Präsident des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden, übernimmt vom 1. Januar die neu geschaffene Behörde „für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen“. Diese vereint die Ressorts Menschenrechte, Migration, Gesundheitsfragen und humanitäre Hilfe. Das Profil der neuen Behörde war auch Thema bei der jüngsten Sitzung des Kardinalsrats, der den Papst bei der Kurienreform berät.

Es gehe nicht darum, „einfach ein Konglomerat“ aus den vier bisherigen Behörden zu bilden, sagte Turkson. Bereits unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI. habe sich eine „ganzheitliche Ökologie“ herausgebildet, entsprechen müsse man nun „über eine ganzheitliche soziale Verantwortung nachdenken“, sagte der Kardinal.

Die Reform sei nicht „Ausdruck einer Unzufriedenheit mit den bisherigen Strukturen“, sondern ziele auf eine bessere Abstimmung. Das Profil der neuen Behörde, an dem alle Beteiligten mitarbeiteten, werde voraussichtlich erst um Ostern klarer. Entlassungen oder vorzeitige Pensionierungen werde es nicht geben, versicherte Turkson. „Franziskus will nicht, dass durch den Umbau irgendjemand seinen Job verliert“, so der Kardinal.

(kna 19.12.2016 pdy)

Dein Wille geschehe – wollen wir das wirklich?

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4. Advent / Pixabay CC0 – Myriams-Fotos, Public Domain

Impuls zum 4. Adventssonntag im Jahreskreis A — 18. Dezember 2016

Im Evangelium des 4. Adventssonntags wird von den wenigen Perikopen, die von Maria handeln, die vornehmste und für unser Heil so wichtige vorgelegt: „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft“ (Lk  1,26-38).

Bei allen vorbereitenden Impulsen, die die Liturgie der Kirche im Advent präsentiert, ist dieser die entscheidende Voraussetzung für das Weihnachtsfest. Hätte Maria, die genauso frei war wie alle Menschen, zu der Botschaft nein gesagt, wäre der Gottessohn nicht in unsere Welt gekommen, wir wären nicht erlöst.

Die Worte des Erzengels Gabriel gaben der Kirche sehr bald Anlass, ihr Gebet – nächst dem trinitarischen Gott – auch an Maria zu richten, um ihre Fürsprache anzurufen, zu der uns der Herr selbst auffordert, wenn er am Kreuz sagt: „Siehe da deine Mutter!“

Nach dem Vaterunser ist das Gegrüßet seist du, Maria das beliebteste Gebet, das Christen sprechen.

Zu allen Zeiten, in allen Religionen, haben Menschen den Zugang zu Gott im Gebet gesucht, und es gibt wunderbare Gebete aus allen Sprachen und Religionen.

Um uns nun aber die Sicherheit zu geben, dass unser Gebet überhaupt bei Gott ankommt, wollte Jesus selbst uns ein Gebet schenken, von dem wir mit Sicherheit sagen können: das hört Gott gern. Das gleiche lässt sich vom Avemaria sagen, enthält es doch im ersten Teil Worte vom Himmel und im zweiten Teil Worte der Demut und des Vertrauens vonseiten des Beters.

Dieser Umstand, wie auch die Art und Weise, wie Jesus uns zu beten empfiehlt, nämlich mit Beharrlichkeit, ist für unsere Zeit besonders wichtig, denn viele Christen sind in ihrem Denken und Handeln dem Irrtum des sog. Modernismus aufgesessen, jener schon von Pius X. abgelehnten Lehre, die in der Praxis dazu führt, dass man nicht Gott sucht, wie er unabhängig von mir selber wirklich ist, sondern dass ich mir letztlich ‚meinen Herrgott selber mache’. In dieser Haltung baut man dann die Kirchen nicht mehr zur Ehre Gottes, sondern für die „religiösen Bedürfnisse“ der Menschen, wobei es dann auch nicht so wichtig ist, ob man Kirchen, Moscheen oder Tempel baut.

Aufgrund der von Christus angezeigten Vorgaben versucht die Kirche seit nunmehr zweitausend Jahren den Menschen zu vermitteln, worauf es ankommt, damit der einzelne Mensch zum ewigen Leben findet. Dass er sich außerdem hier auf Erden wohlfühlt, kann nur begrüßt werden, aber es wäre nicht im Sinne Christi, wenn das die Hauptsache wäre. „Suchet zuerst das Reich Gottes, und alles andere wird euch dazu gegeben werden!“

Oft genug ist es dem Herrn selbst passiert, dass die Leute etwas anderes wollten als er, aber er konnte ihnen nicht immer zu willen sein, denn wir Menschen sind da manchmal wie kleine Kinder, die auch oft Wünsche haben nach etwas, das ihnen gar nicht gut tut. Gott ist der „je ganz andere“, er ist nicht der gute Onkel, der immer tun muss, was wir gerade wünschen. Wenn wir so beten, werden wir häufig enttäuscht, denn wir sind seine Geschöpfe, während wir oft – unbewusst – so tun, als wäre er unser Geschöpf. Das heißt Gotteskindschaft nicht, dass wir über Gott verfügen können.

Immer wieder wird, auch in der Kirche, versucht, größere Probleme einer Volksabstimmung vorzulegen. Das mag im politischen Bereich sinnvoll sein – wenngleich es auch einige Beispiele in letzter Zeit gibt, wo das gründlich daneben gegangen ist – im kirchlichen Milieu ist das aber meistens nicht der richtige Weg, vor allem, wenn es sich um von Gott geoffenbarte Dinge handelt.

Anhänger dieser Richtung meinen, dass das Volk darüber abstimmen sollte, wie bestimmte Probleme zu lösen sind, einschließlich all der Fragen, die schon gelöst sind, die nur nicht immer leicht zu leben sind.

Der Zölibat kommt manchen, vor allem denen, die nichts damit zu tun haben, als schwer erträglich vor. Also soll man diskutieren und beschließen, dass er abgeschafft wird. Gerade in dieser Frage hat Jesus selbst gesagt „Wer es fassen kann, der fasse es“: im Klartext: nicht jeder kann es verstehen, vor allem nicht derjenige, der keine Berufung zur Ehelosigkeit „um des Himmelreiches willen“ hat. Da das die Mehrheit ist, wäre eine solche Frage, wenn sie mehrheitlich entschieden würde, bereits anders beantwortet, als Christus selbst sie gesehen hat. Wenn der Herr nicht so feinfühlig wäre, hätte er vielleicht hinzugefügt: „Und wer es nicht fassen kann, der halte sich da heraus“.

Im Augenblick befinden sich die meisten angesprochenen Probleme noch auf der Ebene des menschlichen Rechtes, d.h. in Zusammenhängen, zu denen Christus nicht direkt Verbindliches gesagt hat. Aber mit Sicherheit würden die Promotoren dieser Bewegung nicht bei Fragen des Zölibats und des Frauendiakonats stehen bleiben. Bei dem heutigen Stil der öffentlich gelenkten Diskussion ist damit zu rechnen, dass im Rahmen eines kirchlichen Volksbegehrens dann auch Probleme der chemischen und mechanischen Geburtenbeschränkung und dann der Abtreibung ‚positiv’ entschieden werden.

Später würde man in einer demokratischen Diskussion auch einzelne Glaubenssätze in Frage stellen können, die Dogmen. Es dürfte nicht schwer sein, einer Mehrheit plausibel zu machen, dass man die Theologie von mythischen und legendären Elementen freimachen müsse, dass Wunder dem modernen (‚gesunden’?) Volksempfinden nicht mehr entsprechen, und man viele Dinge neu interpretieren muss.

Aber verlieren wir uns nicht in Einzelheiten! Es genügt sich grundsätzlich zu fragen: hat Christus die Kirche so gewollt?

Auch im Altertum gab es Demokratie, er hätte die Kirche demokratisch einrichten können. Er hat es aber nicht getan. Er hat das Lehramt, die Aufgabe, das Reich Gottes in seinem Auftrag richtig zu deuten, nicht den Schriftgelehrten, sprich Theologen, Spezialisten, Ausschussvorsitzenden etc. anvertraut, sondern nur den Aposteln. Nur zu ihnen und ihren Nachfolgern, den Bischöfen hat er gesagt: „Wer euch hört, der hört mich, wer euch verwirft, der verwirft mich“ (Lk 10,16). An der Spitze der Apostel Petrus, an der Spitze des Bischofskollegiums der Nachfolger Petri, der Bischof von Rom.

Im Vaterunser beten wir nicht nur: gib uns täglich das Brot, das wir brauchen – gegen diese Bitte hat ganz gewiss niemand etwas einzuwenden. Aber wir beten auch: dein Name werde geheiligt, dein Wille geschehe! Wenn Gott wirklich der Herr ist und nicht wir selber, dann müssen wir auch dahinterstehen: Herr, es kann sein, dass du etwas anderes willst als wir – dann müssen wir uns fügen nicht umgekehrt.

Wir müssen uns auch dieser Frage stellen: will ich überhaupt, dass der Name Gottes geheiligt werde, dass sein Reich komme? Wir leben in einer Welt, die sich fast perfekt ohne Gott eingerichtet hat. Man hat ihn aus allem herauskomplimentiert, oft sogar aus der Kirche. Das ist wahrscheinlich die größte Sünde unserer Zeit: eine Gesellschaft ohne Gott, eine Umwelt ohne Schöpfer, eine Kirche des sozial-karitativen Engagements. Wo wird der Name Gottes denn geheiligt?

Das bevorstehende Weihnachtsfest gibt uns einen guten Anlass, dafür dankbar zu sein, dass Gott die Menschwerdung seines Sohnes in Demut und Armut keinem demokratisch gewählten Gremium vorgelegt hat. Demokratie ist im Prinzip gut, aber das Beispiel zeigt, dass auch gut meinende Parlamentarier diesem Plan Gottes wohl nicht zugestimmt hätten. Denn so hätte sich kaum einer den Erlöser der Welt vorgestellt: in einem Stall geboren, in einer Futterkrippe liegend. Oder gar wie ein Verbrecher hingerichtet.

Nehmen wir das Weihnachtsgeschehen in jenem einfachen Kinderglauben, wie es die Heiligen getan haben!

Der jüngst verstorbene Prälat des Opus Dei, Bischof Echeverría, schrieb in seinem letzten Brief, den er im Monat Dezember veröffentlichte:

„Vom 17. Dezember an erfüllt eine heiligmäßige Ungeduld unser Warten auf Jesus: Der Herr wird kommen, er lässt nicht auf sich warten. Es wird keine Angst mehr sein in der Welt, denn er ist unser Heiland.[9] ‚Wenn wir also von der Geburt Christi reden hören, wollen wir im Schweigen verharren und jenes Kind sprechen lassen; prägen wir seine Worte in unser Herz ein, ohne den Blick von seinem Antlitz abzuwenden. Wenn wir es in die Arme nehmen und uns von ihm umarmen lassen, wird es uns den Herzensfrieden geben, der niemals endet. Dieses Kind lehrt uns, was wirklich wesentlich ist in unserem Leben. Jesus wird in der Armut der Welt geboren, weil für ihn und seine Familie kein Platz in der Herberge ist. In einem Stall findet er Unterschlupf und Rückhalt und wird in eine Futterkrippe für Tiere gelegt. Und doch leuchtet aus diesem Nichts das Licht der Herrlichkeit Gottes auf.‘ (Papst Franziskus, Homilie, 24.12.2015)“

Fest davon überzeugt, dass es uns am besten geht, wenn der Wille Gottes geschieht, fährt der Prälat fort:

„Wenn der Umgang mit Gott so gelassen und froh wird, wie er im Stall zu Bethlehem war, strahlt er – gleichsam als eine reife Frucht – in unsere Familie aus und steckt sie mit der starken mitreißenden Freude an, die so typisch für diese Tage ist. Darum auch drängt uns die Kirche, unser Herz während des Advents gut zu bereiten, und sie ermahnt uns, über jedes wertlose Angebot, jeden ablenkenden Lärm und die Oberflächlichkeit des Soforthinweg zu gehen. Vielleicht treiben uns viele Angelegenheiten um, jedoch fehlt es uns an Gelassenheit im Umgang mit Gott. Wenn wir es schaffen, mit frohem Gleichmut unsere Beziehung zu Gott zu pflegen, dann werden wir diesen auch den anderen vermitteln können; das enge Zusammenleben an den Weihnachtstagen wird uns nicht zu Streitereien, Ärger, Ungeduld oder Hetze verleiten, und wir werden voll Freude zusammen beten und uns erholen, schöne Augenblicke im Kreis der Familie verbringen und alle Vorurteile oder geheimen Groll, die wir noch im Herzen tragen, entschärfen.“

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.

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Quelle

Unser Herz sei dort, wo die wahren Freuden sind

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Freude / Pixabay CC0 – Dana279, Public Domain (Cropped)

Impuls zum 3. Advent 2016, Lesejahr A — 11. Dezember 2016

“Freuet euch – Gaudete!” ruft uns die Liturgie der Kirche an diesem 3.Adventssonntag zu. Wer wird sich dieser Aufforderung verschließen? Die Freude spricht doch jeden Menschen an. Wer möchte sich nicht freuen?

Im Tagesgebet der Hl. Messe heißt es: “Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung, damit Weihnachten für uns alle ein Tag der Freude und der Zuversicht werde!” Da haben wir den eigentlichen Grund für die adventliche Freude, im Geschenk der Erlösung.

In unserer Erinnerung mag so manche Freude auftauchen, die wir in irgendeinem Zusammenhang erlebt haben, und die uns vielleicht letzten Endes doch nicht mit Zuversicht erfüllt hat. Vielleicht sogar manch eine, die uns nachträglich beschämt hat. Die Freude, die wahre Freude ist ja gerade nicht ein diffuses Sich-wohl-fühlen. Der hl. Josefmaria Escrivá sagt: “Die Freude, die du haben sollst, ist nicht die eines gesunden Tieres, die wir eine physiologische Freude nennen könnten. Sie ist vielmehr eine übernatürliche, die aufkommt, wenn man alles hingibt und sich ganz den liebenden Armen Gottes, unseres Vaters, überlässt” (Der Weg 659).

Gerade die Weihnachtsfreude, auf die wir zugehen, zeigt uns am Beispiel der drei Hauptpersonen, Jesus, Maria und Josef, dass die wahre Freude nur übernatürlich zu begreifen ist. Eine bloß natürliche “Spaß an der Freud” ist durchaus nichts Verwerfliches, aber mit der “Freude im Herrn” nicht zu vergleichen. In dieser zeigt sich auch das, was uns so oft im christlichen Leben begegnet: jenes scheinbare Paradoxon, das uns immer wieder z.B. an der Bergpredigt – im guten Sinne – irritiert. Etwas, was auf den ersten Blick unerfreulich ist, wird gepriesen: “Selig, die Verfolgung leiden, selig, wenn ihr um meinetwillen beschimpft werdet” etc.

Was Maria und Josef auf dem Weg nach Bethlehem erleben, ist eine ganze Kette von unangenehmen Erlebnissen. Wie war doch in Nazareth alles so wunderbar für die Geburt des Kindes vorbereitet! Eine warme Stube, ein schöne von Josef gefertigte Wiege, die für das Kind nötigen Tücher und Gegenstände. Das alles musste man zurück lassen und statt dessen in die Stadt der Vorfahren, Bethlehem, ziehen, um sich in die Steuerlisten eintragen zu lassen. Das alles nur aufgrund einer Laune des Kaisers in Rom, der sich über die Zahl seiner Untertanen erkundigen wollte, um von ihnen anschließend mehr Steuern eintreiben zu können. Maria und Josef müssen einen unwahrscheinlich starken Glauben gehabt haben, dass sie hinter diesen vordergründigen Zusammenhängen die Hand Gottes sahen.

Und schließlich die unerquicklichen Erlebnisse in Bethlehem selbst. Die Stadt Davids quoll über von Fremden. Da der König David mehrere Frauen hatte, konnten viele Menschen in Israel ihre Abkunft auf ihn zurückführen. Nachdem alle Herbergen und Privathäuser belegt waren, blieb nur noch als buchstäbliche letzte Bleibe ein Stall, eine für den Aufenthalt von Tieren bestimmte Höhle, die wir uns nur als unangenehm vorstellen können. Dort war es schlicht und einfach kalt. Da eine solche Höhle keine Tür hat, zog es fürchterlich. Wo sonst Tiere leben, riecht es außerdem schlecht. Was uns so anmutig als Weihnachtsidylle vorkommt in den unzähligen Krippendarstellungen in aller Welt, war für die Beteiligten eine Zumutung. Josef mag am meisten darunter gelitten haben, dass er seiner Braut, der Jungfrau Maria, nichts Besseres bieten konnte.

Aber dann war das Kind da!

Alles Ungemach war wie weggeblasen. Eine unbeschreibliche Freude muss die beiden erfüllt haben. Eine so tiefe Freude, dass alles Unangenehme schnell vergessen war.

Da haben wir die Urgestalt der christlichen Freude. Der hl. Josefmaria sagt, dass die wahre Freude ihre “Wurzeln in Kreuzesform” hat. Die Wurzeln sieht man für gewöhnlich nicht, aber aus ihnen erwächst die Kraft.

Und im Kreuz eben ist nicht nur Heil, sondern auch Freude.

Ganz sicher ist es in Ordnung, wenn wir uns über die vorweihnachtliche Atmosphäre in unseren Städten, über die Lichter und die Geschenke, über die strahlenden Kinderaugen am Heiligen Abend freuen. Aber die Hauptsache kann das nicht sein.

Da Maria uns Jesus, “unsere Freude”, geboren hat, nennen wir sie mit Recht in der Lauretanischen Litanei, die “Ursache unserer Freude”, sie die nach der Tradition “Sieben Schmerzen” in ihrem Leben erlitten hat.

Wenden wir uns an sie in diesen Tagen, damit unsere Freude eine wirklich übernatürliche werde.

Vielleicht wird es auch uns zu einem anderen Zeitpunkt begegnen, dass die wahre Freude uns etwas abverlangt. Aber dann sind wir gewappnet.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.

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Damit Maria Königin des Friedens sein kann, müssen wir ihr helfen

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Maria Empfängnis, Zanesville, Ohio (USA) / Wikimedia Commons – Nheyob, CC BY-SA 4.0 (Cropped)

Impuls von Msgr. Peter von Steinitz
zum Fest der Unbefleckten Empfängnis 2016

Wir sind am Ende und Ziel der diesjährigen Novene angekommen und feiern die „ohne Erbsünde empfangene Jungfrau und Gottesmutter Maria“. Die meisten von uns wissen auch, dass dies ein Dogma ist, also ein unverrückbarer Glaubenssatz, der zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Kirchengeschichte durch das Lehramt der Kirche ein für allemal feierlich proklamiert worden ist. Im Zusammenhang mit der Gottesmutter hat die katholische Kirche bisher vier Dogmen verkündet:

431 die göttliche Mutterschaft (Theotokos)

1555 die immerwährende Jungfräulichkeit

1854 die Unbefleckte Empfängnis und

1950 die Aufnahme Mariens in den Himmel mit Leib und Seele.

Aber, liebe Brüder und Schwestern, das Aufzählen von Glaubenssätzen ist noch nicht das, um was es hier am heutigen Tage eigentlich geht. Es ist gut, dass wir fest daran glauben, dass Maria ohne jede Sünde, sogar ohne die Ursünde, ist. Auf der anderen Seite könnte einen das  trotzdem kalt lassen, man könnte salopp und cool sagen: schön für sie.

Und die unausgesprochene Frage des heutigen Menschen lautet auch hier wie immer: was bringt mir das? Und wenn man es tatsächlich auf das abstrakte Wissen beschränkt, ist die Frage und das, was sie weiterhin beinhaltet, sogar berechtigt. Allerdings könnte es uns dann so gehen wie jenem Mann, von dem der hl. Josemaría Escrivá erzählt, der während des II. Vatikanischen Konzils einmal ganz aufgebracht zu ihm sagte, man habe in der Konzilsaula diesen Satz gehört: wir müssen nun noch das „Thema der Muttergottes“ unterbringen.

„Sprechen so Kinder von ihrer Mutter? Als von einem Thema?“

Bei allem, was mit Maria zu tun hat, haben die Christen unserer Zeit immer wieder gegen zwei mögliche Verirrungen zu kämpfen: den Kitsch und die Sentimentalität. Solange wir nur sachliche, theologische Aussagen über sie machen, ist da keine Gefahr. Aber sobald wir das Herz sprechen lassen, werden wir sehr schnell verunsichert, weil man uns ja für allzu gefühlvoll halten könnte oder aber man an unserem guten Geschmack zweifeln könnte. Sehr viele Andachtsbilder kommen für den gebildeten Christen einfach nicht infrage, weil sie geschmacklos sind – ein Phänomen, das es im Mittelalter oder im Barock nicht gegeben hat.

Hier kommt uns nun  von außerhalb der Kirche jemand zu Hilfe, der uns ein  Bild von Maria entwirft, das von höchster künstlerischer Qualität und zugleich großer menschlicher Wärme ist.

Einer der bedeutendsten Schriftsteller und Dichter des 20. Jahrhunderts, Franz Werfel, schildert in seinem Buch „Das Lied von  Bernadette“, wie das Mädchen Bernadette die Jungfrau Maria in der Grotte Massabielle in Lourdes sieht. Der Autor, der zu diesem Zeitpunkt nicht katholisch, sondern jüdisch ist, schildert die Jungfrau Maria so großartig, dass man meint, er habe sie soeben selbst gesehen.

„Ihr ganzes Wesen jubelt über die Schönheit der Dame. Es gibt keine Schönheit, die rein körperlich wäre. In jedem Menschengesicht, das wir schön nennen, bricht ein Leuchten durch, das, obwohl an physische Formen gebunden, geistiger Natur ist. Die Schönheit der Dame scheint weniger körperlich zu sein als jede andere Schönheit. Sie ist das geistige Leuchten selbst, das Schönheit heißt.“

Ich lade Sie zu folgendem Gedankenexperiment ein: machen wir den Versuch, einmal über himmlische Dinge nachzudenken nicht unter dem Aspekt der theologischen Wissenschaftlichkeit, sondern unter dem des Lebens. Was Gott uns Menschen bietet ist Leben, nicht abstrakte Wissenschaft. Die Frau, die der Vater als Mutter seines Sohnes erwählt hat, ist nicht nur vollkommen gut, sondern auch vollkommen schön. Auch und gerade ihre Jungfräulichkeit ist von großer Anmut und ansprechendem Reiz. Bernadette ist verliebt in ihre Schönheit – eine Liebe, die über jede Frage, wie man sie heute manchmal stellt, erhaben ist, denn sie führt zu Gott.

Und noch eine weitere Wirkung erkennen wir: die Begegnung mit der „Unbefleckten Empfängnis“ – denn so nennt sich die schöne Dame auf Befragen – löst in Bernadette etwas aus.

Auf eine unmittelbare, intuitive Weise bewirkt die Unbefleckte Empfängnis, dass im Menschen Regungen, Befindlichkeiten ans Tageslicht gefördert werden, über die sich der Mensch zum Teil nie Rechenschaft gegeben hat. Ist es uns nicht auch einmal passiert, dass wir in einer Gnadenstunde – vielleicht während eines feierlichen Gottesdienstes, oder bei Einkehrtagen oder an einem Marienwallfahrtsort – plötzlich Dinge mit großer Klarheit sehen, die bisher in uns verborgen waren?

Man bemerkt beispielsweise, dass man im Grunde immer sehr egoistisch gehandelt hat; man stellt fest, dass  der andere Vorzüge hat, die man immer übersehen hatte, man erkennt mit einem Mal, dass man sein Leben ändern muss. Die Theologie nennt so etwas Gnade.

Können wir ein solches Wirken, können wir die Gnade mit der Begegnung mit Maria, mit der Unbefleckten Empfängnis vergleichen oder gar gleichsetzen?

Gewiss, die Gnade ist aus Gott und nur aus ihm. Aber die Theologie selber und das päpstliche Lehramt sagen: Maria ist die Vermittlerin der Gnaden. Alle Gnaden, die Christus der Herr uns durch sein Leiden und seine Auferstehung erworben hat, und die zunächst etwas Geistiges, ja Abstraktes sind, gehen durch die Hände der Gottesmutter und bekommen durch sie gewissermaßen ein menschliches Gesicht.

Wenn wir uns heute fragen: ist Maria wirklich Königin des Friedens und bedeutet das, dass sie den Frieden so wie die anderen Gnaden vermitteln kann, dann müssten wir uns also die Frage stellen: wenn ich auf Maria schaue, auf die Unbefleckte Empfängnis, geschieht dann in mir oder durch mich etwas, das den Frieden schafft oder mindestens fördert? Unter Wahrung der Freiheit des Menschen, meine ich diese Frage bejahen zu können.

Denn wie ist es konkret mit dem Frieden, den wir ja in der heutigen weltgeschichtliche Konstellation mehr denn je nötig haben? Wie entsteht Frieden, der möglichst mehr ist als nur die Abwesenheit von Kampfhandlungen?

Ich sehe in einem einfachen Wort der Hl.Schrift eine weitaus tiefergehende Begründung für den Frieden. Der Psalmist sagt: „Opus iustitiae pax“. Friede ist ein Werk der Gerechtigkeit.

Armut, Hunger, ungleiche Verteilung der Güter dieser Erde – das alles entsteht ja aus dem Mangel an Gerechtigkeit.

Die Gerechtigkeit ist allerdings eine Tugend, die alle Menschen üben sollten. Täten sie es, so würde in der Tat diese Erde ganz anders aussehen. Wir alle wissen: es triumphieren allenthalben die Habgier und der Egoismus. Es ist daher nicht genug, dass wir den Staat auffordern, etwas zur Förderung des Friedens zu tun. Der Staat ist da überfordert: jeder Staatsbürger muss bei sich selbst anfangen.

Aber dazu bedarf es der Erkenntnis, wo es an der Gerechtigkeit fehlt, und das ist  eben die Gnade, um die wir zuerst beten müssen.. Wir alle sind groß im Erkennen der Fehler der anderen. Bei den eigenen sind wir meist sehr großzügig. Hier gilt es anzusetzen bei unseren Bemühungen für den Frieden.

Danach, aber wirklich erst dann, wenn wir mit der Erkenntnisgnade alles getan haben, was wir konnten, dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott uns den Frieden schenkt, den letztlich nur er geben kann. Gott will uns – weil er ein guter Pädagoge ist – nicht in den Schoß legen, was wir aus eigener Kraft erreichen können. Erst wenn wir an unsere Grenzen gekommen sind, wirkt er die Wunder, die wir brauchen.

Maria ist, wie sie sich in Lourdes selber nennt, die Unbefleckte Empfängnis, und sie hat, wie die Lauretanische Litanei es ausdrückt, in sich die ganze Fülle, die es zur Heilung des Menschen braucht: sie ist Sitz der Weisheit, Ursache unserer Freude, Königin der Familien und Königin der Apostel. Sie ist Heil der Kranken und Bundeslade, Kelch des Geistes und Pforte des Himmels und vieles mehr. Und sie ist wirklich die Königin des Friedens in diesem doppelten Sinne: sie vermittelt den Frieden, „den nur der Herr geben kann“ und sie gibt uns durch den Aufblick zu ihr alles das an die Hand, was wir brauchen, um das Unsere zur Erreichung des Friedens zu tun.

Als „Spiegel der Gerechtigkeit“ weckt sie in unserem Herzen alles das auf, was wir bewußt oder unbewußt vergraben haben. Es gilt das Herz zu öffnen, dann werden wir wie Bernadette erkennen, wo eigentlich der Schuh drückt. Auch wir – alle Menschen, wenn sie denn mal den Stolz beiseite lassen – bedürfen des Trostes. Heißt sie nicht auch Trösterin der Betrübten?

“Überwältigt von diesem Leuchten und ein bisschen auch, um sich über die Wesensart der Dame zu vergewissern, will Bernadette ein Kreuz schlagen. Das Bekreuzigen ist ein sehr probates Mittel gegen die tausend Ängste der Seele, die Bernadette seit ihrer Kindheit verfolgen“.

Aber Bernadette wünscht, dass die Dame zuerst das Zeichen des Kreuzes macht.

„Dabei wird ihr Gesicht sehr ernst, und dieser Ernst ist eine neue Welle jener Lieblichkeit, die atemlos macht. Bernadette hat bisher im Leben wie alle anderen Leute beim Bekreuzigen Stirn und Brust nur ungenau betupft. Jetzt aber fühlt sie von einer milden Gewalt ihre Hand ergriffen. Wie man einem Kinde, das nicht schreiben kann, die Hand führt, so zeichnet jene milde Gewalt dasselbe große und unaussprechlich vornehme Kreuz mit der eiskalten Hand des Mädchens auf dessen Stirn.“

Wir sehen: die Unbefleckte Empfängnis ist also nicht nur etwas, das „schön für sie“ ist, sondern auch für uns. Immer dann, wenn uns die Forderungen unseres Glaubens schwer oder gar unerreichbar erscheinen, sollten wir auf Maria blicken.

Der hl. Josefmaria gab u.a. den Rat, die Marienbilder, die einem begegnen, mit einem Blick zu grüßen, ohne Worte, womöglich sogar ohne Gebet – einfach nur sie kurz anschauen. Vieles wird uns dann sozusagen intuitiv vermittelt an Erkenntnissen und Impulsen zum Handeln. Ohne die Gefahr, ins Sentimentale abzurutschen, aber auch ohne uns an abstrakten Formeln zu reiben, tun wir das Richtige, fördern wir Gerechtigkeit und damit den Frieden.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“, „Leo – Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich) und „Katharina von Ägypten“.

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Adventspredigt im Vatikan: Die Kirche braucht den Heilgen Geist

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Die Kapelle Redemptoris Mater: Ort der Adventspredigten

Der Advent wird im Vatikan mit besonderen liturgischen Feiern begangen, an diesem Freitag begannen die Adventspredigten des Päpstlichen Hauspredigers Pater Raniero Cantalamessa. Der Kapuzinerpater predigte in Anwesenheit des Papstes in der Kapelle Redemptoris Mater über das Zweite Vatikanische Konzil und den Heiligen Geist, der in Kirche und Theologie immer wichtiger werde. Während es direkt nach dem Konzil um die Aufnahme und das Verstehen der Texte gegangen sei, sei man nun in eine Phase der „Vervollständigung und Integration“ der Dokumente eingetreten, und dazu brauche es den Heiligen Geist.

Pater Raniero predigt jeweils freitags im Vatikan, geladen sind alle höheren Kurienmitarbeiter, die Leiter der Ordensgemeinschaften sowie Mitarbeiter des Erzbistums Rom.

(rv 02.12.2016 ord)

„Mein Leben war ein Abenteuer an der Hand der Mutter“ – Requiem für Pastor Heinz Künster“

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Begräbnis von Pastor Heinz Künster (Foto: Brehm)

CBre/Hbre. „Mein Leben war ein Abenteuer – an der Mutter Hand. Und während ich dies schreibe, liegt das größte Abenteuer vor mir, der Tod, an der Mutter, an Pater Kentenichs Hand. Und darauf bin ich gespannt.“ Dieser Satz aus seinem Testament sagt viel aus über Pastor Heinz Künster, der in der Nacht von Allerheiligen zu Allerseelen verstorbenen ist. Jetzt, nach 91 Lebensjahren, habe er sein größtes Abenteuer gelebt, „nachdem er am 18. Oktober 2014 zur internationalen Hundertjahrfeier Schönstatts noch erleben durfte, dass das Gott-Vater-Symbol seinen vorgesehenen Platz im Urheiligtum gefunden hat und sich seine Sendung als Hüter des Vater-Symbols für das Urheiligtum und für die Verbreitung der Botschaft von einem liebenden Vatergott“ erfüllt habe. Das betonte Rektor Egon M. Zillekens, Verantwortlicher in der internationalen Leitung des Schönstatt-Priesterbundes in seiner Predigt beim Requiem für den Verstorbenen in der Kapelle des Priesterhauses Marienau.

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Requiem für Pastor Heinz Künster in der Kapelle des Priesterhauses Marienau (Foto: Brehm)

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Weihbischof Jörg Michael Peters, Trier, stand der Feier vor (Foto: Brehm)

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Rektor Egon M. Zillekens (Foto: Brehm)

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Weihbischof Jörg Michael Peters, Trier, stand der Feier vor (Foto: Brehm)

Dank für die priesterliche Treue Heinz Künsters

Zillekens konnte eine große Trauergemeinde begrüßen. Neben Mitgliedern seiner Familie waren das Gemeindemitglieder aus den verschiedenen Pfarreien, in denen der Verstorbene gewirkt hatte, Mitglieder und Vertreter der verschiedenen religiösen Gemeinschaften vom Ort Schönstatt, aber auch Freunde und Bekannte aus der näheren und weiteren Umgebung. In die große Zahl der priesterlichen Mitbrüder des Verstorbenen aus seiner eigenen Gemeinschaft, den Schönstatt-Priestergemeinschaften und weiterer priesterlicher Weggefährten hatte sich auch Weihbischof Jörg Michael Peters, Trier, eingereiht. Er brachte Grüße von Bischof Dr. Stephan Ackermann und unterstrich, dass er mit seinem Kommen für die priesterliche Treue Heinz Künsters danken wolle. Im Blick auf den Verstorbenen betonte Weihbischof Peters, dass alle Mitfeiernden besonders dankbar sein könnten, „dass es eine Transparenz in seinem Leben und in seinem priesterlichen Dienst gegeben hat, hin auf dieses Licht, das Gott selber ist, der ihm nun im Tod begegnet als sein Erlöser.“

„Schönstatt ist ohne ihn nicht mehr dasselbe.“

Die vielen Echos auf den Tod von Pastor Künster, die in den vergangenen Tagen aus Schönstatt, aus dem Bistum Trier, aus seinen früheren Pfarreien und aus der weiten Welt eingetroffen seien, zeichneten ein vielfältiges Bild des Verstorbenen, so Rektor Zillekens in seiner Predigt. Neben dem Thema „Pastor Künster und die Botschaft vom barmherzigen Vater-Gott“ werde seine Bescheidenheit, sein Verständnis, sein stets offenes Ohr, sein Wohlwollen hervorgehoben. Genannt werde seine Verfügbarkeit für alle, die kamen, und seine Geduld, wenn sie – wie das nicht nur bei Lateinamerikanern schon mal vorkomme – später kamen. Oder auch sein lebendiges Erzählen vom Gründer Pater Kentenich, als dessen „treuer Sohn in den Spuren des Vaters“ er erlebt wurde. Auch seine väterliche Begleitung und seine priesterliche Väterlichkeit wird genannt: „Ein wahrer priesterlicher Freund“, schreibt jemand. Beeindruckend seien seine Treue und seine Hingabe, seine Hochherzigkeit, Feinsinnigkeit, Herzlichkeit, Schlichtheit und sein Humor gewesen. „Ich kann mir Schönstatt ohne ihn nicht vorstellen, Schönstatt ist ohne ihn nicht mehr dasselbe.“

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Statio vor dem Kanaan-Patris Heiligtum (Foto: Brehm)

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Mitbrüder tragen des Verstorbenen auf dem letzten Weg zu seiner Grabstelle auf dem Vallendarer Friedhof (Foto: Fellhofer)

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Ein Platz an der Mauer (Foto: Brehm)

Ein großer Beter und ein großer Beichtvater

Er wolle noch zwei Seiten Pastor Künsters besonders hervorheben, so Zillekens. Der Verstorbene sei ein großer Beter und ein großer Beichtvater gewesen. Viele hätten ihm ihre Sorgen anvertraut, sowohl mündlich, als auch telefonisch. Alle habe er mit in sein tägliches Gebet genommen. Er habe sich auch lange daran erinnert und bei Begegnungen manchmal gefragt, wie es denn nun ausgegangen wäre.

Im Nachhinein denke er, dass Heinz Künster einen direkten Draht zum Himmel gehabt habe, so Zillekens. Himmel und Erde seien für ihn wie eins gewesen. Mitten im Satz hätte er plötzlich umschalten und Maria, „die Mutter“ ansprechen können. Dieses „an der Mutter Hand“, wie es der Verstorbene in seinem Testament selbst schreibe, sei wohl so etwas wie „sein Geheimnis“ gewesen, ein Geheimnis, „das er selber, wie einige von uns wissen dürfen, in seinem Leben erst schrittweise entdeckt hat“.

Lege deine Hand in Gottes Hand

Wenn wir Pastor Künster jetzt fragen könnten, so Zillekens, was ist deine Erfahrung mit dem Abenteuer Tod, würde er vielleicht antworten: Lebe dieses Abenteuer mit einem hoffnungsvollen Ja und an der Mutter Hand – auch in einer Welt, die vom Tod gezeichnet ist. Berufe dich auf unseren Herrn Jesus Christus und vertraue ohne alle Spekulation und ohne alle Bescheidwisserei darauf, dass du in der Liebe und Zuwendung des barmherzigen Vaters nach deinem Tod einen Platz hast. Vertraue auf Gott, dessen Möglichkeiten viel weiter reichen als du denkst. Lege deine Hand in Gottes Hand, um frei zu sein von jeder Angst um dich selbst, frei zu sein für die anderen, frei für deine Aufgabe in dieser Welt. Mach dich täglich daran, angstlos Spuren der Liebe und Herzlichkeit zu hinterlassen …“

Uns steht dieses Abenteuer noch bevor

„Heinz“, so spricht der Prediger seinen toten Mitbruder, dessen Sarg – geschmückt mit den priesterlichen Zeichen von Kelch, Patene und Stola, sowie einem Gott-Vater-Symbol, Weintrauben und Ähren vor dem Altar und neben der brennenden Osterkerze in der Hauskapelle der Marienau steht, direkt an: „Du durftest Jesus schon folgen, uns steht dieses Abenteuer noch bevor!“

Nach dem Gottesdienst und einer kurzen Statio vor dem Kanaan-Patris Heiligtum geleitete die Trauergemeinde den Verstorbenen zu seiner letzten Ruhestätte auf den Friedhof der Stadt Vallendar. Zum Abschluss trafen sich viele Trauergäste noch im Priesterhaus Marienau bei einem Imbiss und nutzen die Gelegenheit Erinnerungen an den Verstorbenen auszutauschen und das Vermächtnis seines Lebens und Wirkens zu reflektieren.

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An einem sonnigen Herbstnachmittag findet Pastor Heinz Künster unter bunten Buchen seinen letzten Ruheplatz (Foto: Brehm)

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Quelle

Heiliges Jahr „Jubiläum der Barmherzigkeit“: Informationen zum Jubiläumsablass

coat_of_arms_of_wolfgang_haas-svgVon Erzbischof Wolfgang Haas

 DAS  GESCHENK  DES  JUBILÄUMSABLASSES

Die Feier des Jubiläumsjahres ist nicht nur eine einzigartige Gelegenheit, um das grosse Geschenk zu nutzen, das der Herr uns durch Vermittlung seiner Kirche im Ablass zukommen lässt, sondern es ist auch eine gute Gelegenheit, die Lehre über den Ablass in das Bewusstsein der Gläubigen zurückzurufen. Den Ablass erlangen die Gläubigen nicht allein dadurch, dass sie die Heilige Pforte (Porta Sancta) durchschreiten, sondern unter genau bestimmten Bedingungen und durch die Hilfe der Kirche, wie sie in den folgenden Punkten beschrieben sind:

1. «Der Ablass ist Erlass einer zeitlichen Strafe vor Gott für Sünden, die hinsichtlich der Schuld schon getilgt sind. Ihn erlangt der Christgläubige, der recht bereitet ist, unter genau bestimmten Bedingungen durch die Hilfe der Kirche, die als Dienerin der Erlösung den Schatz der Genugtuungen Christi und der Heiligen autoritativ austeilt.» [Codex des kanonischen Rechtes (can. 992) und im Katechismus der Katholischen Kirche (Nr. 1471)]

2. Im allgemeinen erfordert die Gewinnung von Ablässen bestimmte Bedingungen (nachstehend unter den Punkten 3-4 angeführt) und die Erfüllung bestimmter Werke (Durchschreiten der Heiligen Pforte).

3. Zur Gewinnung von Ablässen, sowohl von vollkommenen als auch von Teilablässen, ist es notwendig, dass sich der Gläubige zumindest kurz bevor er die Ablasswerke erfüllt, im Stande der Gnade befindet.

4. Der vollkommene Ablass kann nur einmal am Tag gewonnen werden. Um ihn zu erhalten, ist es jedoch – über den Gnadenstand hinaus – notwendig, dass der Gläubige:

– die innere Disposition des Freiseins von jeglicher Anhänglichkeit an die Sünde, auch die lässliche, hat;

– die sakramentale Beichte seiner Sünden vornimmt;

– die Allerheiligste Eucharistie empfängt (zweifelsohne ist es besser, die Eucharistie bei der Teilnahme an der Heiligen Messe zu empfangen; für den Ablass ist jedoch lediglich die Heilige Kommunion notwendig);

– das Glaubensbekenntnis betet;

nach Meinung des Heiligen Vaters betet.

5. Es ist vorteilhaft, jedoch nicht notwendig, dass die sakramentale Beichte und insbesondere die Heilige Kommunion und das Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters am selben Tag vorgenommen werden, an dem auch das Ablasswerk (Durchschreiten der Heiligen Pforte) vollbracht wird; es reicht aus, dass diese heiligen Riten und Gebete einige Tage (ungefähr 20) vor oder nach dem Ablasswerk abgelegt werden. Das Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters bleibt der Wahl des einzelnen Gläubigen überlassen, es empfiehlt sich jedoch das Beten eines «Vaterunsers» sowie eines «Gegrüsset seist du Maria». Zum Erwerb mehrerer vollkommener Ablässe reicht eine sakramentale Beichte aus; es wird jedoch für jeden vollkommenen Ablass ein je eigener Empfang der Heiligen Kommunion und ein eigenes Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters verlangt.

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Quelle