Pressebericht des Vorsitzenden der DBK zum Abschluss der Herbst-Vollversammlung in Fulda — Volltext

Fuldaer Dom / Wikimedia Commons – Sfintu1, CC BY-SA 4.0

„Nationalismus und der Wunsch nach Abgrenzung und Abschottung
sind mit der christlichen Botschaft keinesfalls zu verbinden.“

Wir dokumentieren im Folgenden die vollständige Fassung des Presseberichtes des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, anlässlich der heutigen Pressekonferenz zum Abschluss der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 28. September 2017 in Fulda.

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1. Einleitung

2. „Mission und Evangelisierung – Perspektiven für den Weg der Kirche heute“

3. Grußwort des Apostolischen Nuntius

4. Wahl zum Deutschen Bundestag

5. Studienhalbtag „Schöpfungsverantwortung nach Laudato siʼ – Umwelt und integrale Entwicklung als Aufgabe der Kirche“

6. XV. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode 2018: „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“

7. Islamistischer Terror oder „Kampf der Kulturen“? Herausforderung für die Christen

8. Christusfest im Reformationsjahr 2017 – Bilanz und Ausblick

9. „Zwischen Jerusalem und Rom“ – Erklärung orthodoxer Rabbiner zum Christentum

10. Mentoring-Programm des Hildegardis-Vereins e. V.

11. Verbreitung der neuen Einheitsübersetzung

12. Motu Proprio Magnum principium

13. Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

14. Versöhnung zwischen Polen und Deutschen

15. Nuklearwaffen – internationale politische und kirchliche Prozesse

16. Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen

17. Personalien

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1. Einleitung

Die diesjährige Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz stand ganz im Zeichen des 150. Jahrestages der ersten Sitzung der Fuldaer Bischofskonferenz. Dieses historische Ereignis werden wir später noch mit einem Festakt würdigen. Traditionell beginnen wir unsere Beratungen mit dem Gebet am Grab des hl. Bonifatius.

2. „Mission und Evangelisierung – Perspektiven für den Weg der Kirche heute“

Zu Beginn unserer Beratungen habe ich einige Ausführungen zum Thema „Mission und Evangelisierung – Perspektiven für den Weg der Kirche heute“ gemacht. Ausgehend von der Geschichte des Christentums und der Mission zeigt sich, dass das Christentum von Anfang an das Potential hatte, sich in alle Kulturen einzuwurzeln. Die Botschaft Jesu kann geographische, ethnische, soziale und kulturelle Grenzen überschreiten, weil der gemeinsame Glaube das neue, alle Unterschiede übergreifende Einheitsprinzip bildet.

Die Krise des Missionsbegriffs, der bisweilen mit dem westlichen Kolonialismus, Eurozentrismus und Paternalismus gleichgesetzt wurde, konnte auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil überwunden werden. Es wurden dort neue Grundlagen für die Mission der Kirche formuliert. Die Mission wird als Verkündigung des Reiches Gottes verstanden und rückt in das Zentrum der Kirche. Mit dieser Neubestimmung des Missionsbegriffs wird auch der Begriff der Evangelisierung als eine sprachliche, existentielle und kulturelle Übersetzung und Aneignung der Frohen Botschaft in die gegenwärtige Gesellschaft neu entdeckt.

Das Verständnis der Evangelisierung wird im Apostolischen Schreiben Papst Paul VI. Evangelii nuntiandi (1975) und in der Missionsenzyklika Papst Johannes Paul II. Redemptoris missio (1990) weiterentwickelt. Papst Paul VI. konstatiert einen Bruch zwischen Evangeliumund Kultur als das „Drama unserer Zeitepoche“ und fordert eine Erneuerung der Kulturen durch die Begegnung mit der Frohen Botschaft – sozusagen eine Evangelisierung der Kultur. Sie beginnt mit dem persönlichen Lebenszeugnis als Anfang eines mehrstufigen Evangelisierungsprozesses. So gelingt es, den alten Begriff der Mission zu weiten. Papst Johannes Paul II. systematisiert den neuen Evangelisierungsbegriff in drei Bereiche: die Erstevangelisierung, die Verantwortung für die Weltmission und die Neuevangelisierung in Ländern mit alter christlicher Tradition. Die deutschen Bischöfe haben in ihren Dokumenten Zeit zur Aussaat (2000) und in Allen Völkern sein Heil. Die Mission der Weltkirche (2004) diese Weitung des Evangelisierungsbegriffes nachvollzogen. Ihr Ziel besteht darin, die universale Heilszusage, die Gott durch seinen Sohn gegeben hat, kultur- und nationenübergreifend zu verkündigen. Die Welt braucht diese Heilszusage Gottes als Alternative zu den vielen nicht tragfähigen Heilsversprechen und ebenso zu den im Aufschwung begriffenen Fundamentalismen. Dabei ist die Kirche kein Selbstzweck, sondern universales Sakrament des Heils. Papst Franziskus führt diese Linie im Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium entschieden fort. Aufgrund seiner Erfahrung rät er der Kirche, an die Ränder zu gehen und das Reich Gottes in der Welt gegenwärtig zu machen.

In unserer Diskussion wurde deutlich, wie vielfältig die Situationen und Bedingungen sind, in denen Evangelisierung versucht, aber nicht immer fruchtbar wird. Über diese Bedingungen, über die Voraussetzungen für Evangelisierung, muss weiter nachgedacht werden, in einer Welt, in der sich die Kommunikationsformen und Lebensweisen und damit auch die Ansprechbarkeit der Menschen verändert.

3. Grußwort des Apostolischen Nuntius

Der Apostolische Nuntius in der Bundesrepublik Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, hat in seinem Grußwort ausführlich Bezug genommen auf die Enzyklika Laudato si von Papst Franziskus. Er würdigte dabei auch das schon seit Langem präsente Engagement der Kirche in Deutschland im Bereich von Umweltschutz, Klimawandel und Ökologie. Ausdrücklich dankte er allen Gläubigen und Organisationen der Kirche, die auf diesem Gebiet tätig sind. Der Dank galt weit über den kirchlichen Raum hinaus allen, die sich um den Schutz der Schöpfung bemühen, nicht zuletzt den Verantwortlichen in den Regierungen des Bundes und der Länder. Er riet dazu, alle Anstrengungen noch stärker in die internationalen Strategien zu integrieren.

4. Wahl zum Deutschen Bundestag

Wir haben uns mit den Ergebnissen der Wahl zum Deutschen Bundestag befasst. Eine verbale Abrüstung erscheint dringend notwendig. Ich möchte betonen, dass das Parlament eine besondere Würde hat und bei aller politischen Auseinandersetzung der Respekt vor dem anderen Vorrang haben muss. Im gemeinsamen Ringen um einen guten Weg sind Schwarz-Weiß-Schablonen sowie Hass und Ausgrenzung nicht angebracht.

Für die Christen, die es in allen Parteien geben wird, sind aus meiner Sicht folgende Themen von grundlegender Bedeutung: der Umgang mit den Fremden, die bei uns Schutz suchen, und ebenso mit den Armen und Benachteiligten in unserer Gesellschaft, Friedensfragen, eine positive Sicht auf das große europäische Projekt, Lebensschutz sowie der besondere Schutz von Ehe und Familie. Grundlage für Christen, die sich politisch engagieren, ist die Katholische Soziallehre. Besorgt bin ich über den starken tendenziell rechtsradikalen Populismus in Europa. Nationalismus und der Wunsch nach Abgrenzung und Abschottung sind mit der christlichen Botschaft keinesfalls zu verbinden. Nach dem Evangelium hat jeder Mensch vor Gott den gleichen Wert – unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe.

5. Studienhalbtag „Schöpfungsverantwortung nach Laudato siʼ – Umwelt und integrale Entwicklung als Aufgabe der Kirche“

Unser Studienhalbtag stand unter dem Leitthema „Schöpfungsverantwortung nach Laudato si – Umwelt und integrale Entwicklung als Aufgabe der Kirche“. Ziel war, im Blick auf die Mitverantwortung der Christen für die Bewahrung der Schöpfung die Ursachen der ökologischen Krise und die Dringlichkeit nachhaltiger Entwicklung zu reflektieren. Wir verstehen Laudato si’ als kraftvollen Aufruf und Kompass für die Wahrnehmung unserer Schöpfungsverantwortung. Diesem Anspruch müssen wir gerecht werden. In diesem Kontext haben wir erfasst, welchen Einsatz es in unseren Diözesen, kirchlichen Einrichtungen und Organisationen bereits gibt und prüfen, wie wir dieses Engagement noch ausbauen können.

Wir haben uns vergegenwärtigt, dass ökologische Nachhaltigkeit neben Solidarität, Subsidiarität und Personalität als Element in der Katholischen Soziallehre verstanden wird. Im Blick allgemein auf die Schöpfungsverantwortung und insbesondere die Agenda 2030 der Vereinten Nationen, die darauf ausgerichtet ist, niemanden zurückzulassen, treten wir zunächst einmal dafür ein, klimaschädliches Verhalten zu überwinden. Diözesen, Orden, Bewegungen, Werke und Verbände sind eingeladen, ihr eigenes Handeln an den Leitlinien einer „integralen Ökologie“, am sozial-ökologischen Wandel auszurichten. Sodann sind Unternehmen und Gewerkschaften, Wissenschaft und politische Parteien, besonders aber Bundestag und Bundesregierung herausgefordert, die nationale Nachhaltigkeitsstrategie auf der Basis der Agenda 2030 und des Pariser Klimaabkommens sozial, global und intergenerationell gerecht auszurichten und umzusetzen, damit „alle Leben haben“. Doch auch jeder Einzelne von uns muss sein Verhalten reflektieren. Auch der kleinste Beitrag dient der Bewahrung der Schöpfung.

In seiner Einführung wies der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), darauf hin, dass weltweit wirtschaftliches Handeln, soziale Gerechtigkeit und die Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen in einem engen Verhältnis zueinander stehen. Insofern bilden auch die „Agenda 2030“, die ein neues globales Wohlstandsverständnis skizziert, und die Schutzziele der Pariser UN-Klimakonferenz den Rahmen und Bezugspunkt der Enzyklika.

Unter dem Titel „Laudato si’ – ein Aufruf zur Bewahrung der Schöpfung“ beschrieb Professor DDr. Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, das Ausmaß und die Ursachen der ökologischen Krise. Er diskutierte die Einwände gegen die Feststellung eines Klimawandels unter Bezugnahme auf die spürbaren Auswirkungen der Klima- und Umweltproblematik und vor allem die messbare globale Erderwärmung. Als Verdienst der Enzyklika hob er dabei hervor, dass sie Klimawandel als menschengemacht darstellt und dabei deutlich den Anstieg der Treibhausgasemissionen als Verursacher benennt. Prof. Schellnhuber ging dabei auch ausführlich auf die Folgen einer globalen Erderwärmung ein. Professor DDr. Johannes Wallacher, Präsident der Hochschule für Philosophie (München), erläuterte Laudato si’ als „Kompass für eine nachhaltige Entwicklung“. Das Leitmotiv einer ganzheitlichen Ökologie stütze sich auf eine umfassende Betrachtung der Wirklichkeit und impliziere auch eine ganzheitliche Idee des Fortschritts. Diese entfaltete Prof. Wallacher vom Prinzip des Gemeinwohls her, das sich als globales Gemeinwohl sowohl auf alle heutigen wie auch auf die zukünftigen Generationen beziehen muss. Darüber hinaus diskutierte er die von Papst Franziskus vertretene These von der Gemeinbestimmung der Güter, weshalb niemand von deren Nutzung ausgeschlossen werden dürfe. Als Gemeingüter betrachtet Papst Franziskus auch die Erdatmosphäre, die Weltmeere und andere Ökosysteme. Um sie einer fairen Nutzung durch alle zuzuführen, bedarf es institutioneller Vereinbarungen.

Beim Studienhalbtag standen auch Beispiele aus der ökologischen Praxis der Kirche im Fokus. Mattias Kiefer aus dem Erzbistum München und Freising erläuterte dessen Bildungs-und Befähigungskonzept für ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter, das einen Beitrag für eine ökologische Identität kirchlicher Einrichtungen leisten soll. Benedikt Schalk aus dem Erzbistum Freiburg stellte die bereits 2006 gestartete Energie-Offensive seines Erzbistums vor. Dr. André Witthöft-Mühlmann von der Evangelischen Landeskirche in Baden informierte über die Initiative „Wir kaufen anders“. Das Projekt verfolgt den Anspruch, kirchlichen Gemeinden und Einrichtungen mittels eines Einkaufsportals einen einfachen Zugang zu Produkten zu ermöglichen, die ökologischen, fairen und sozialen Kriterien entsprechen. Auch katholische Diözesen prüfen zurzeit, sich an dieser Beschaffung zu beteiligen.

Weihbischof Dr. Bernd Uhl (Freiburg), Vorsitzender der ökologischen Arbeitsgruppe unserer Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen, plädierte dafür, nicht beim bisher Erreichten stehenzubleiben. Er nannte Handlungsziele, die auf eine Weiterentwicklung des ökologischen Engagements der Kirche abzielen. Dazu gehören unter anderem die systematische Reduktion von CO2-Emissionen bei Gebäuden und in der Mobilität, die Stärkung der Rolle von Umweltbeauftragten, der Ausbau entsprechender Bildungsangebote, die gottesdienstliche Berücksichtigung ökologischer Themen, Kriterien des ethischen Investments und die Thematisierung von Lebensstilfragen. Angesichts der globalen Bedrohung bedarf es eines glaubwürdigen Zeugnisses und entschiedenen Handelns der Kirche. Darüber hinaus wurde der gesellschaftspolitische Auftrag der Kirchen unterstrichen. Angesichts der notwendigen Weichenstellungen in der kommenden Legislaturperiode müssen wir die Dringlichkeit des Klima- und Umweltschutzes – die Bewahrung unseres gemeinsamen Hauses – immer wieder betonen.

Die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen wird mit ihrem Vorsitzenden, Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen), die von Weihbischof Uhl genannten Handlungsziele federführend in Zusammenarbeit mit anderen bischöflichen Kommissionen und Vertretern aus der kirchlichen Praxis ermitteln. Diese Orientierungen sollten einer der nächsten Vollversammlungen zur Beratung vorgelegt werden, damit wir einen gemeinsamen Leitfaden für die ökologische Praxis in den Diözesen erarbeiten können. Es geht darum, die Anliegen von Laudato si’ weiter voranzubringen und zwar innerhalb und außerhalb des kirchlichen Kontextes.

6. XV. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode 2018: „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“

Die XV. Weltbischofssynode wird im Oktober 2018 unter dem Leitthema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ stattfinden. Zur inhaltlichen Vorbereitung auf die Synode veröffentlichte der Vatikan am 13. Januar 2017 ein Vorbereitungsdokument, dem ein Fragebogen angehängt war. Dieser richtet sich an die nationalen Bischofskonferenzen und Ordensobernkonferenzen. Wir haben zur Beantwortung dieser Umfrage durch die Deutsche Bischofskonferenz Antworten aus allen Bistümern zusammengetragen und den Entwurf unseres Schreibens nach Rom in der Vollversammlung erörtert. Nach der Einarbeitung einiger Hinweise aus der Diskussion werden wir diese Antwort der Deutschen Bischofskonferenz an den Vatikan senden und in den nächsten Wochen veröffentlichen.

Zeitgleich wandte sich Papst Franziskus in einem Brief an die Jugendlichen selbst. Diese direkte Ansprache, die der Papst verfolgt, wird auch mit dem Online-Fragebogen des Vatikans aufgegriffen, der sich an alle jungen Menschen zwischen 16 und 29 Jahren wendet. Das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz hat ihn in Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj) und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) sowie der Initiative „Nightfever“ ins Deutsche übersetzt. Jeder Jugendliche ist herzlich eingeladen, daran teilzunehmen und seine Stimme bis zum 30. November 2017 einzubringen! Diesen Appell möchte ich noch einmal mit Nachdruck im Namen unserer Bischofskonferenz aussprechen: Liebe Jugendliche, mischt Euch ein und macht mit!

Zur Vorbereitung der Synode und zur Auseinandersetzung mit dem Fragebogen hat die Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz in der Zielrichtung des Hörens auf junge Menschen am 17. Juli 2017 in Köln ein „Youth Hearing“ veranstaltet. Ebenfalls positiv empfinden wir sodann die Tagung mit Jugendlichen aus aller Welt, die Mitte September in Rom unter der Leitung des Synodensekretariats stattgefunden hat. Hier hatten junge Menschen die Gelegenheit, ihren Blick auf den jeweiligen kirchlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Kontext zu lenken und Erwartungen an die Synodenvorbereitung zu äußern.

Den Organisatoren der Synode geht es in ihrer Vorbereitung um eine selbstkritische Analyse des kirchlichen Kontaktes und Einsatzes für junge Menschen. Ein Schwerpunkt wird dabei auch die Frage bilden, ob und wie vermehrt die Bereitschaft geweckt werden kann, ein besonderes Lebenszeugnis abzulegen, wie es beispielsweise für die Mitglieder von Orden und geistlichen Gemeinschaften kennzeichnend ist.

7. Islamistischer Terror oder „Kampf der Kulturen“? Herausforderung für die Christen

Die Vollversammlung hatte den stellvertretenden ZDF-Chefredakteur und anerkannten Terrorismus-Experten Elmar Theveßen zu Gast, der den Bischöfen einen Einblick in die Strukturen des internationalen Terrorismus und seiner Bekämpfung gegeben hat. Dass solcher Terror nicht als der vorhergesagte „Kampf der Kulturen“ interpretiert werden sollte, sondern als Destruktion, für die viele Begründungen gegeben werden, hat Herr Theveßen besonders hervorgehoben. Insofern kann unser Wort Terrorismus als ethische Herausforderung. Menschenwürde und Menschenrecht, das 2011 – genau zehn Jahre nach den Anschlägen auf New York und Washington – veröffentlicht wurde, nach wie vor als hilfreicher Kompass für die Sicherheitsbemühungen im Inneren wie in den Außenbeziehungen gelten. Es ist unbezweifelbar: Die Staaten und die Staatengemeinschaft müssen sich gegen den Terrorismus wehren und ihre Bürger schützen. Dabei sind alle Maßnahmen zum einen am Prinzip der Effektivität und Effizienz, zum anderen am Grundsatz des Rechts zu messen. Wenn Regierungen in der Terrorismusbekämpfung außerhalb der strikten Grenzen der Rechtsstaatlichkeit operieren, fügen sie den Schäden, die die Gewalttäter verursachen, weitere Schäden am Gemeinwesen hinzu. Auch darf das völkerrechtliche Gewaltverbot nicht umgangen oder missachtet werden.

Die Geschichte der vergangenen 15 Jahre – besonders der Irak-Krieg – lehrt: Eine maßlose Politik, die sich über verabredete Grenzen hinwegsetzt, befördert regelmäßig ein Chaos, das Terroristen zusätzliche Legitimation und Rekrutierungsmöglichkeiten verschafft. Für Menschen des Glaubens ist es eine bedrängende Erfahrung, dass mit dem islamistischen Gotteskriegertum eine Ideologie an Einfluss gewonnen hat, die Gewalt (selbst gegen Unbeteiligte) religiös begründet. Die muslimischen Autoritäten können nicht genug tun, um dieser Pervertierung von Religion entgegenzutreten. Die christlichen Kirchen müssen ihrerseits der in Teilen der Bevölkerung gängigen, falschen Gleichsetzung von Islam und islamistischer Gewalt unüberhörbar widersprechen. Nicht zuletzt der interreligiöse Dialog hilft bei dem Bemühen, Stereotype zu überwinden und Gewalt zu verhindern.

Immer wieder werden wir nach der Sicherheit von unseren Kirchengebäuden gefragt. Die gewaltsamen Anschläge der vergangenen Wochen und Monaten zeigen uns: Es gibt keine absolute Sicherheit und es ist nicht möglich, über 24.000 katholische Kirchengebäude in Deutschland zu schützen. Wir brauchen erhöhte Wachsamkeit im Alltag, die von jedem von uns in der freien Gesellschaft gefordert ist. Wir nehmen die Ängste der Menschen ernst. Gleichzeitig werben wir dafür, uns nicht einschüchtern zu lassen. Unsere Kirchen müssenoffene Orte sein: Was wäre in unserem Land los, wenn die Kirchen verschlossen sind und der Trauer nicht mehr ein Raum angeboten wird?

An dieser Stelle möchte ich an das Pressegespräch mit Bischof Dr. Georg Bätzing (Limburg), Vorsitzender der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog, vom vergangenen Dienstag erinnern. Millionen Muslime in Deutschland und Europa sind dankbar für die politischen, religiösen und individuellen Freiheiten, die Demokratie und Rechtsstaat ihnen garantieren. Die Entwicklungen in der arabischen Welt haben gezeigt, dass sich die Menschen auch dort gerechtere soziale Verhältnisse, mehr individuelle Rechte und letztlich mehr Demokratie wünschen. Wir müssen allerdings sehen, dass die Demokratie, wie wir sie heute kennen, in den Augen vieler Muslime nicht nur attraktiv, sondern durchaus auch historisch belastet ist. Schließlich wurde sie in dem Weltteil geboren, von wo aus die islamische Welt noch bis weit in das vergangene Jahrhundert hinein kolonisiert und erniedrigt worden ist.

Im Zeichen der auch bei uns spürbaren Rückbesinnung vieler Muslime auf die islamischen Überlieferungen, die häufig mit traditionalistischen oder islamistischen Deutungsmustern verbunden wird, kommt es für die Zukunft darauf an, dass die Muslime ihre ihnen heiligen Überlieferungen im Lichte der heutigen Lebenswelten neu deuten und damit den Islam auch auf der theoretischen Ebene auf das Prinzip staatsbürgerlicher Rechtsgleichheit und auf die moderne Demokratie hin weiterentwickeln und öffnen.

8. Christusfest im Reformationsjahr 2017 – Bilanz und Ausblick

Nachdem es im Vorfeld des Reformationsjahres 2017 während der Luther-/ Reformationsdekade von 2008 bis 2017 zu einigen Irritationen im ökumenischen Verhältnis bezüglich des Feiergehaltes des Jahres 2017 gekommen war, ist es dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und mir gelungen, durch einen offiziellen Briefwechsel ein ökumenisches Modell für die gemeinsame Gestaltung des Reformationsgedenkens zu verabreden. Die theologische und atmosphärische Vorarbeit hatte unsere Ökumenekommission unter Leitung von Bischof Dr. Gerhard Feige (Magdeburg) geleistet. Weil die Reformatoren vor allem die Erneuerung des Glaubens an Jesus Christus in den Mittelpunkt gerückt haben, wurde vereinbart, das Reformationsjubiläum ökumenisch als „Christusfest“ zu begehen. Konkret fanden unter anderem eine gemeinsame Pilgerreise von Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der EKD ins Heilige Land statt sowie der Bibelkongress zur Präsentation der beiden neuen Übersetzungen der Heiligen Schrift in Stuttgart, die Papstaudienz des Rates der EKD unter meiner Teilnahme, der Buß-und Versöhnungsgottesdienst in Hildesheim am 11. März 2017, ein Gottesdienst in Trier am Fest der Kreuzerhöhung (14. September 2017) und der gemeinsame Blick auf die Herausforderungen in der Gesellschaft beim Ökumenischen Fest in Bochum gegen Ende des Reformationsjahres. Ich freue mich, dass auf diese Weise immer wieder auch die reiche Gebets- und Gottesdiensterfahrung unserer Kirchen in Erscheinung traten und gut angenommen wurden. Diese Initiativen haben neben den von Papst Franziskus gemeinsam mit dem Lutherischen Weltbund gegebenen Impulsen dazu geführt, dass das Reformationsjahr 2017 erstmals als ein Jahr ökumenischer Verständigung und ökumenischer Bewegung aufeinander zu wahrgenommen wurde. Dafür sind wir sehr dankbar.

Erwähnen möchte ich noch auf internationaler Ebene das 2013 veröffentlichte Dokument Vom Konflikt zur Gemeinschaft. Gemeinsames lutherisch-katholisches Reformationsgedenken. Es hat wesentlich dazu beigetragen, dass Katholiken und Lutheraner gemeinsam die Geschichte der Reformation erzählen konnten. Damit hatte es zu einem neuen Umgang mit der teilweise schuldbeladenen Vergangenheit geführt. Dass in der Folge ein Papst mit Vertretern des Lutherischen Weltbundes am 31. Oktober 2016 im schwedischen Lund ein Reformationsjahr eröffnete, ist ein bedeutsames Zeichen in der ökumenischen Entwicklung.

Eine unüberschaubare Fülle an ökumenischen Veranstaltungen und Begegnungen hat auf der Ebene der Bistümer und Landeskirchen sowie der Gemeinden stattgefunden. In unterschiedlichen Formaten setzte man sich mit der Reformation und den Reformatoren auseinander und fragte nach dem weiteren Weg der Ökumene. Damit konnte das Christusfest deutschlandweit eine beträchtliche Wirkung entfalten. Hinzu kommen wissenschaftliche Symposien, bei denen katholische und evangelische Theologen sich um eine Deutung Martin Luthers und der Reformation im Horizont kirchen- und theologiegeschichtlicher sowie gesellschaftspolitischer Entwicklungen der damaligen Zeit bemühten. Außerdem hat sich die katholische Kirche an Projekten beteiligt, deren Vorbereitung und Durchführung ausschließlich in evangelischer Hand lagen. Ich denke aber auch an unsere Präsenz „Katholisch in Lutherstadt“ während der Weltausstellung in Wittenberg.

Wie kann es nun in der Ökumene weitergehen? Trotz aller Gemeinsamkeiten stehen manche Bewährungsproben noch aus. In unseren Gesprächen mit der Leitung der EKD haben wir diese Fragen kürzlich ein erstes Mal aufgegriffen und dabei verabredet, sie zeitnah konkreter zu klären. Klar ist: Die beim Buß- und Versöhnungsgottesdienst in Hildesheim ausgesprochenen Selbstverpflichtungen und die Vorbereitungen für den Dritten Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt verlangen konkretes Handeln. Ich denke dabei etwa an liturgische Anregungen wie die wechselseitige Fürbitte in den sonntäglichen Gottesdiensten, die Erarbeitung eines Werkbuches für ökumenische Gottesdienste oder die Idee einer liturgischen Handreichung für die gemeinsame Feier der Taufe. Die Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz wird versuchen, diese Fragen jetzt zu beantworten, damit das für die Kirchen so fruchtbare Jahr über den 31. Oktober 2017 hinausgeht.

9. „Zwischen Jerusalem und Rom“ – Erklärung orthodoxer Rabbiner zum Christentum

Bischof Dr. Ulrich Neymeyr (Erfurt), der die Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum leitet, hat der Vollversammlung die Papst Franziskus jüngst übergebene Erklärung orthodoxer Rabbiner zum Christentum Zwischen Jerusalem und Romvorgestellt. Es ist die erste offizielle Erklärung zum Christentum, insbesondere zu den Beziehungen zur katholischen Kirche, die die Europäische Rabbinerkonferenz gemeinsam mit dem Israelischen Oberrabbinat und dem Rabbinical Council of America unterzeichnet hat. Sie gibt somit den jüdisch-orthodoxen Konsens im Verhältnis zum Christentum wieder. Die Rabbiner betonen die besonderen Beziehungen zwischen Juden und Christen und erklären vor allem ihren Willen, den christlich-jüdischen Dialog und die Zusammenarbeit mit den Kirchen zu fördern. Die deutschen Bischöfe sehen in dieser Erklärung eine Bestätigung und Ermutigung, den Dialog mit dem Judentum ihrerseits weiterhin engagiert fortzuführen. Darüber hinaus halten wir es für ratsam, die theologischen Aussagen der rabbinischen Erklärung eingehender zu studieren. Wir haben deshalb die Unterkommission um eine theologische Auswertung gebeten, die auch andere jüdische Stellungnahmen wie die Erklärung Den Willen unseres Vaters im Himmel tun (2015) berücksichtigen soll.

10. Mentoring-Programm des Hildegardis-Vereins e. V.

Die deutschen Bischöfe haben sich in der Frühjahrs-Vollversammlung 2013 mit der Situation von Frauen in kirchlichen Leitungsaufgaben befasst und konkrete Ziele formuliert, um das Miteinander von Frauen und Männern in der Kirche zu stärken. In der Erklärung unserer Vollversammlung in Trier am 21. Februar 2013 über Das Zusammenwirken von Frauen und Männern im Dienst und Leben der Kirche haben wir zugesichert: „Der derzeitige Anteil von Frauen an den Leitungsaufgaben in den Ordinariaten und Generalvikariaten von bis zu 19 Prozent weist in eine gute Richtung, ist aber noch nicht hinreichend. Wir werden daher verstärkt nach Möglichkeiten suchen, den Anteil von Frauen in Leitungspositionen weiter zu erhöhen. Die Entwicklungen in diesem Bereich werden wir in fünf Jahren erneut prüfen.“

Die Bischöfe wollen sich einsetzen: für die Geschlechtergerechtigkeit, damit auch in der Kirche Rahmenbedingungen geschaffen werden, „die eine echte Wahlfreiheit für Frauen und Männer gewährleisten, die Rollen und Aufgaben in Ehe, Familie, Beruf und Ehrenamt gerecht aufzuteilen“; gegen „jegliche Diffamierung von Frauen“ und für die Wertschätzung ihrer unterschiedlichen Berufs- und Lebenswahl; für eine geschlechtersensible Pastoral und ein gelingendes Miteinander von Frauen und Männern in der Seelsorge, Verkündigung, Liturgie und Caritas; für eine Vielfalt von Diensten und Ämtern in der Kirche, indem der Leitungs-und Führungsbegriff in der Kirche theologisch weiter geklärt wird; für die Unterstützung der wissenschaftlichen Laufbahn von Theologinnen an den theologischen Fakultäten.

Der Hildegardis-Verein e. V., der als Einrichtung der Frauenförderung seit mehr als 100 Jahren die akademische Ausbildung und Qualifizierung von Katholikinnen unterstützt, hat sich als ein erfahrener Anbieter von Mentoring-Programmen angeboten, dieses Anliegen durch ein Programm zur nachhaltigen Förderung von Frauen in der katholischen Kirche zu unterstützen. Das Mentoring-Programm zur Steigerung des Anteils von Frauen in Leitungspositionen in der katholischen Kirche wurde vom Hildegardis-Verein e. V. zusammen mit den deutschen (Erz-)Bistümern und in Kooperation mit der Deutschen Bischofskonferenz durchgeführt. Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken unterstützt das Programm und insbesondere die Teilnahme der Bistümer in Ostdeutschland. Ziel war, weibliche Nachwuchskräfte auf Führungspositionen in den verschiedenen Einrichtungen und in den unterschiedlichen Handlungsfeldern der katholischen Kirche vorzubereiten und zu einer geschlechtergerechten Personal- und Organisationsentwicklung beizutragen. Das Programm wirbt für ein berufliches Engagement in der Kirche, will den Anteil von Frauen in Leitungspositionen steigern und eine nachhaltige Nachwuchssicherung ermöglichen. Das vom Hildegardis-Verein e. V. entwickelte Mentoring-Programm wurde von der Deutschen Gesellschaft für Mentoring „mit Auszeichnung und ohne Auflagen“ zertifiziert.

An dem Programm 2016/17 haben sich 14 (Erz)Bistümer in zwei Gruppen mit insgesamt 40 Tandems (je eine Mentee und ein/e Mentor/in) beteiligt. In jedem Tandem arbeitete eine erfahrene Leitungsperson (Mentor/in) aus den (Erz-)Bistümern mit einer Nachwuchskraft (Mentee) zusammen und ermöglichte ihr Einblicke in eine kirchliche Leitungstätigkeit. Als Mentoren werden in dem Programm Frauen und Männer, darunter auch Priester, eingesetzt. In drei gemeinsamen Weiterbildungsveranstaltungen wurde zu den Themen „Führung und Person“, „Führen als Frau“ und „Führen in der Kirche“ gearbeitet. Die Nachwuchskräfte haben in einer Projektarbeit die erworbenen Kompetenzen anwenden können. Nach Abschluss des Mentoring-Programms haben sich die ersten Teilnehmerinnen bereits erfolgreich auf leitende Stellen in Generalvikariaten und Verbänden beworben. Das Mentoring-Programm trägt so dazu bei, dass vor allem auf der mittleren Leitungsebene ein Pool von Frauen entsteht, die fähig und bereit sind, Leitung in der Kirche wahrzunehmen. Für den guten Erfolg des Projektes spricht auch die Nachfrage aus den (Erz-)Bistümern nach einem weiteren Durchgang 2018/2019, um weitere Frauen auf eine Leitungsaufgabe vorzubereiten.

11. Verbreitung der neuen Einheitsübersetzung

Der Vorsitzende der Pastoralkommission, Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück), hat uns über den Stand der Verbreitung der neuen Einheitsübersetzung informiert. Vor einem Jahr haben wir die neue Bibel ja hier in Fulda der Öffentlichkeit vorgestellt. Bisher wurde die Heilige Schrift in 25 verschiedenen Ausgaben vom Verlag Katholisches Bibelwerk produziert und vertrieben. Mit den Standardausgaben konnten allein im vergangenen Jahr 70.500 Exemplare verkauft werden. Bis Ende August 2017 waren es 200.000 Exemplare. Ab Oktober wird der Gesamttext der neuen Einheitsübersetzung auch digitalisiert auf der Internetseite www.bibelwerk.de verfügbar sein. Eine Bibel-App ist bereits zugänglich.

12. Motu Proprio Magnum principium

Die Vollversammlung hat das Motu Proprio Magnum principium, das Papst Franziskus am 3. September 2017 erlassen hat, dankbar aufgenommen. Das Dokument fasst can. 838 CIC neu, der die Erstellung und Herausgabe liturgischer Bücher in der Volkssprache regelt, und wird am 1. Oktober 2017 in Kraft treten. Es räumt den Bischofskonferenzen eine größere Eigenverantwortung im Prozess der Übersetzung ein. Wir Bischöfe freuen uns über das Vertrauen, das hier den Ortskirchen entgegengebracht wird und diese zugleich in Mitverantwortung nimmt. Papst Franziskus unterstreicht damit, was er bereits im Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium dargelegt hat, wonach die Bischofskonferenzen Subjekte mit „konkreten Kompetenzbereichen“ und einer „gewissen authentischen Lehrautorität“ sein sollen (EG 32). Die Liturgiekommission wird sich eingehend mit dem Dokument befassen, auch im Austausch auf Ebene des deutschen Sprachgebiets.

13. Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KUEI) wurde 1980 als Katholische Universität Eichstätt errichtet und 2001 um den Studienstandort Ingolstadt erweitert. Magnus Cancellarius der KUEI ist der Erzbischof von München und Freising. Der Vorsitzende des Stiftungsrats ist Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger. Seit Oktober 2016 ist Prof. Dr. Gabriele Gien Präsidentin der KUEI (seit Oktober 2014 interimistisch). Weihbischof Losinger hat uns einen aktuellen Sachstand zur Universität gegeben.

Im Jahr 2016 waren an der KU Eichstätt-Ingolstadt 5.330 Studierende in rund 80 Studiengängen an acht Fakultäten immatrikuliert. Es wurden 114 Professoren, 334 Mitarbeiter im wissenschaftlichen Personal und 351 im wissenschaftsunterstützenden Bereich sowie 324 Lehrbeauftragte beschäftigt. Acht Forschungseinrichtungen sind an die KUEI angegliedert.

Die heutige gesellschaftliche und kulturelle Heterogenität ist eine signifikante Herausforderung für das Selbstverständnis einer Katholischen Universität und für ihren Auftrag. Eine zukunftsfähige Aufstellung in Forschung und Lehre und eine entschiedene Initiative zur Entwicklung und Stärkung der Forschungsprofile und der wissenschaftlichen Exzellenz sowie die Etablierung der Wertestruktur des christlichen Menschenbildes und eines entsprechenden K-Profils („Third mission“) sind erklärte Ziele der Universitätsleitung und der Stiftung.

Im Blick auf die Entwicklung von konkurrierenden Wissenschaftsstandorten in Deutschland, insbesondere von theologischen, philosophischen und religionspädagogischen Instituten und Fakultäten (gerade auch vor dem Horizont der verstärkten wissenschaftlichen Präsenz der katholischen Kirche in Berlin) sieht sich die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt als ein zukunftsfähiger und funktionierender Platz kirchlichen Engagements in der Wissenschaft.

14. Versöhnung zwischen Polen und Deutschen

Die Vollversammlung hat uns Gelegenheit gegeben, einen Blick auf aktuelle Entwicklungen im deutsch-polnischen Verhältnis zu werfen. Bischof Dr. Jan Kopiec aus dem Bistum Gleiwitz, der als Gast an unserer Vollversammlung teilnahm, hat ein Grußwort der Polnischen Bischofskonferenz gesprochen. Über Fragen des Rechtsstaats und über die Verpflichtung, Flüchtlinge aufzunehmen, gibt es ja derzeit einen Konflikt zwischen der polnischen Regierung und der Europäischen Union. Die angespannte Lage lässt auch die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen nicht unberührt. Aus Regierungskreisen wurde darüber hinaus eine Diskussion über Reparationen, die von Deutschland gefordert werden sollen, in Gang gesetzt.

In dieser Situation haben die mit Fragen der Beziehungen zwischen unseren Ländern befassten polnischen Bischöfe am 8. September 2017 eine viel beachtete Erklärung abgegeben. Darin heißt es: „Das über Jahre hinweg angesammelte Kapital der gegenseitigen Beziehungen zwischen Gesellschaften, Völkern und Staaten darf aufgrund oberflächlicher Intrigen und kurzfristiger politischer Vorteile nicht vergeudet und verspielt werden.“ Die deutschen Bischöfe sind dankbar für dieses klare Wort der polnischen Mitbrüder.erade in der momentanen Situation, in der auch in Deutschland nationalistisches und antieuropäisches Gedankengut verstärkten Zuspruch findet, bekennt sich die Deutsche Bischofskonferenz einmal mehr mit großer Entschiedenheit zum Versöhnungswerk zwischen Polen und Deutschen und zur Einigung der europäischen Völker. Nachdrücklich mahnen wir zur Sensibilität für die Belange und Befindlichkeiten der Nachbarn. Probleme müssen im Geist von Fairness, Gerechtigkeit und Freundschaft gelöst werden. Die Kirche in Polen und Deutschland hat in den zurückliegenden Jahrzehnten wichtige Impulse für die Aussöhnung der Staaten und der Gesellschaften geleistet. Diesem Erbe fühlen wir uns auch heute verpflichtet.

15. Nuklearwaffen – internationale politische und kirchliche Prozesse

Die internationale Entwicklung im Bereich der Nuklearwaffen ist ein Thema, das für die kirchliche Friedenslehre seit Jahrzehnten große Bedeutung hat und aktuell wieder auf die globale politische Agenda gerückt ist. Bekanntlich haben die Vereinten Nationen am 7. Juli 2017 ein generelles Atomwaffenverbot auf den Weg gebracht. 122 Staaten haben diesem Projekt, das auch Papst Franziskus und die vatikanische Diplomatie intensiv begleitet und vorangetrieben haben, zugestimmt. Die von der übergroßen Mehrheit der Staaten verkündete Ächtung der Atomwaffen wird allerdings keine unmittelbaren Auswirkungen haben, da sich alle Länder, die nukleare Waffen besitzen, der Initiative nicht angeschlossen haben. Auch Deutschland trägt den Vorstoß bislang nicht mit.

Auch in Zukunft ist darauf hinzuweisen, dass die Atomwaffen-Staaten ihre Verpflichtungen aus dem Nichtverbreitungsvertrag von 1968 bis heute nicht erfüllen. Damals war festgelegt worden, dass diejenigen Länder, die bis dato über keine Nuklearwaffen verfügen, deren Besitz auch nicht anstreben, und diejenigen, die über solche Waffensysteme verfügen, einen Prozess atomarer Abrüstung in Gang setzen. Tatsächlich aber betrachten alle Atomwaffen-Staaten ihren nuklearen Status bis heute als selbstverständliches Vorrecht und haben in den zurückliegenden Jahren gigantische Modernisierungsprojekte angeschoben. Auf diese Weise untergraben sie den Nichtverbreitungsvertrag für Atomwaffen und motivieren faktisch manche Nichtnuklearstaaten, große Anstrengungen zu unternehmen, um selbst in den Besitz dieser Waffen zu gelangen.

Dem Heiligen Stuhl und ebenso den deutschen Bischöfen geht es darum, dieser den Weltfrieden gefährdenden Dynamik entgegenzutreten. Die Kirche lehrt, dass Atomwaffen niemals eingesetzt werden dürfen. Sie hat aber – vor allem im Vorzeichen des Ost-West-Konflikts – der nuklearen Abschreckung eine begrenzte und vorübergehende Legitimität zugebilligt. Wir haben festzustellen: Dieses Fenster der Legitimität schließt sich heute mehr und mehr. In der Kirche in Deutschland ist vor allem die Kommission Justitia et Pax in die internationalen kirchlichen Bemühungen um eine substanzielle atomare Abrüstung aktiv einbezogen.

An dieser Stelle möchte ich eine Anmerkung zur Lage in Nordkorea machen: Die gesamte Staatengemeinschaft – auch Russland und China – erachtet das nordkoreanische Atomwaffenprogramm als Gefahr für Stabilität und Frieden in Asien. Eine nukleare Bewaffnung Nordkoreas (einschließlich der Fähigkeit, Atomsprengköpfe über lange Distanzen zu transportieren) könnte zu einem atomaren Rüstungswettlauf Anlass geben, an dem sich möglicherweise gleich mehrere bisherige Nicht-Atomwaffenmächte (Südkorea, Japan und eventuell noch andere) beteiligen. Die auf Vorschlag der USA vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschlossenen Sanktionen sind deshalb gut vertretbar. Es ist allerdings irritierend und gefährlich, wenn der US-amerikanische Präsident (wie zuletzt vor der UN-Vollversammlung) mit der „vollständigen Zerstörung“ Nordkoreas droht. Solche rhetorische Eskalation kann dazu beitragen, dass die ohnehin kritische Situation außer Kontrolle gerät. Ein Krieg auf der koreanischen Halbinsel wäre mit fürchterlichen Opfern verbunden. Er muss auf jeden Fall vermieden werden.

16. Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen

Fragen von Flucht und Migration haben die Bischöfe auch bei dieser Vollversammlung beschäftigt. Der Sonderbeauftragte für Flüchtlingsfragen, Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg), gab einen eindrücklichen Bericht über seine Reise nach Sizilien, wo er sich Anfang September über die schwierige Lage an den EU-Außengrenzen informiert hat. Europäische Erstaufnahmeländer stehen unter hohem Druck; sie haben Probleme, den Geflüchteten und den europäischen Rechtsnormen gerecht zu werden. Für die deutschen Bischöfe steht fest: Europa muss zu einer solidarischen Flüchtlingspolitik finden, in der Lasten und Verantwortung fair geteilt werden. Und eine Kooperation mit afrikanischen Staaten ist letztlich nur dann vertretbar, wenn dort rechtsstaatliche und humanitäre Standards gewährleistet werden können.

Wir haben uns auch erneut über die kirchliche Flüchtlingsarbeit in Deutschland ausgetauscht. Dabei wurde deutlich: Das ehrenamtliche Engagement in unseren Kirchengemeinden und katholischen Organisationen bewegt sich weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Immer noch sind etwa 100.000 Katholiken in diesem Bereich aktiv. Von einer Desillusionierung oder Resignation der Helfer kann aufs Ganze gesehen keine Rede sein. Dabei hat sich der Fokus der Aufmerksamkeit mittlerweile von der Erstaufnahme zu Fragen der Integration verschoben. Auch rücken die Erfordernisse der Seelsorge in den Vordergrund; der dritte Katholische Flüchtlingsgipfel (6. November 2017 in Köln) wird sich diesem Themenfeld intensiv widmen. Schließlich beschäftigt uns in zunehmendem Maße die Situation abgelehnter Asylbewerber. Wir verstehen, dass sich die Politik hier in einem besonderen Spannungsfeld bewegt. Gleichzeitig ist es den Bischöfen wichtig, immer wieder daran zu erinnern, dass die Würde und die Sicherheit eines jeden Menschen – auch derjenigen ohne Bleibeperspektive – stets Vorrang vor anderen Interessen haben müssen.

17. Personalien

    • Bischof Dr. Franz-Josef Bode (Osnabrück) ist für eine Amtszeit von sechs Jahren zum stellvertretenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden.
    • Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier) ist zum Vorsitzenden der Liturgiekommission gewählt worden.
    • Bischof Dr. Peter Kohlgraf (Mainz) ist zum Mitglied der Kommission für Ehe und Familie gewählt worden.
    • Weihbischof Matthäus Karrer (Rottenburg-Stuttgart) ist zum Mitglied der Pastoralkommission gewählt worden.
    • Weihbischof Rolf Lohmann (Münster) ist zum Mitglied der Pastoralkommission und der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen gewählt worden.
    • Weihbischof Franz Josef Gebert (Trier) ist zum Mitglied der Glaubenskommission und der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen gewählt worden.
    • Weihbischof Jörg Michael Peters (Trier) ist zum Nationalen Delegierten für denInternationalen  Eucharistischen  Kongress  in  Budapest  ernannt  worden (13. bis 20. September 2020)
    • Prälat Dr. Karl Jüsten (Berlin) ist erneut zum Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe – Katholisches Büro in Berlin – gewählt worden.
    • Katharina Jestaedt (Berlin) ist erneut zur Stellvertreterin des Leiters des Kommissariats der deutschen Bischöfe – Katholisches Büro in Berlin – gewählt worden.
    • Msgr. Pirmin Spiegel (Aachen) ist erneut zum Hauptgeschäftsführer des Bischöflichen Hilfswerkes Misereor berufen worden.

(Quelle: DBK)

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Quelle

Einladung zu einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral im Licht von Amoris laetitia

Papst Franziskus gibt eine Generalaudienz für die Bischöfe der Deutschen Bischofskonferenz anlässlich ihres Besuchs "ad Limina Apostolorum" am 19. November 2015 im Vatikan.

Papst Franziskus gibt eine Generalaudienz für die Bischöfe der Deutschen Bischofskonferenz anlässlich ihres Besuchs „ad Limina Apostolorum“ am 19. November 2015 im Vatikan.

„Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird,
ist auch die Freude der Kirche“

Wort der deutschen Bischöfe

 

Wir freuen uns sehr über das große Geschenk, das Papst Franziskus mit seinem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Amoris laetitia der Kirche und allen Menschen guten Willens gemacht hat, die sich für ein gelingendes Leben in Ehe und Familie einsetzen. Er hat darin die Erträge des synodalen Weges zusammengefasst und weitergeführt, den die Kirche in den Jahren 2014 und 2015 mit ihm beschreiten konnte. Zugleich hat er die Gedanken und Überlegungen mit der Botschaft der Bibel, der Tradition der Kirche und mit seiner eigenen seelsorgerlichen Erfahrung zu einer überzeugenden Einheit verwoben. Gerade die alltagsnahe und lebensbejahende Sprache, in der Papst Franziskus von Ehe, Partnerschaft, Sexualität, Elternschaft, Familie und vor allem von der Liebe spricht, macht Amoris laetitia zu einer inspirierenden Quelle für das Leben von Ehe und Familie. Wir laden alle herzlich dazu ein, das Schreiben des Papstes zu lesen und zu studieren. Dabei kann es, wie Papst Franziskus selbst betont, „sowohl für die Familien als auch für die in der Familienpastoral Tätigen nutzbringender sein, wenn sie es Abschnitt für Abschnitt geduldig vertiefen oder wenn sie darin nach dem suchen, was sie in der jeweiligen konkreten Situation brauchen“ (AL Nr. 7). In besonderer Weise empfehlen wir die Lektüre des 4. Kapitels über „Die Liebe in der Ehe“. In der Betrachtung über 1 Kor 13 legt der Heilige Vater ein gutes Fundament, die verschiedenen pastoralen Herausforderungen im Licht der Heiligen Schrift zu lesen und zu konkreten Handlungen zu führen. Denn „das Sakrament der Ehe ist nicht eine gesellschaftliche Konvention, ein leerer Ritus oder das bloße äußere Zeichen einer Verpflichtung. Das Sakrament ist eine Gabe für die Heiligung und Erlösung der Eheleute, denn ihr gegenseitiges Sichgehören macht die Beziehung Christi zur Kirche sakramental gegenwärtig“ (AL Nr. 72). So ist die christliche Ehe ein sichtbares Zeichen für die Liebe Gottes und deren wirksame Kraft: ein Stück gelebte Kirche. Darum spricht die Kirche von Ehe und Familie als von einer Kirche im Kleinen, einer „Hauskirche“.

Als Erstes sagen wir Dank, nicht nur dem Heiligen Vater für seine Impulse, sondern auch all jenen, die sich in der Vorbereitung und Begleitung des synodalen Weges eingesetzt haben, bei den Befragungen im Vorfeld und in der fachlichen Aufbereitung. Danke auch für alles Gebet, das die Synodenteilnehmer und ihre Beratungen begleitet hat. Alle haben auf ihre je eigene Weise dazu beigetragen, dass dieser synodale Weg ein Weg der ganzen Kirche war.

Auf diesem Weg wurden uns auch die vielfältigen Lebenssituationen der Ehepaare und Familien von heute deutlich. Wir sehen mit großem Respekt, welche Anstrengungen in Gesellschaft, Beruf und Erziehung Menschen heute zu bewältigen haben. Alle, die tagtäglich partnerschaftliche Treue, elterliche Liebe, Fürsorge und Erziehung, Solidarität zwischen den Generationen und aufrechte Beziehungen in ihrem familiären Umfeld leben, leisten einen unendlich wertvollen Beitrag für die Gesellschaft, vor allem aber füreinander. Der unermüdliche Einsatz der Eltern, die ihre Kinder ins Leben begleiten und zu selbstverantwortlichen Persönlichkeiten heranbilden, ist unersetzbar. Deshalb danken wir besonders den Eheleuten und den Familien für ihr Lebens- und Glaubenszeugnis. Soweit es uns möglich ist, wollen wir Menschen auf diesem Weg unterstützen.

Welche Konsequenzen ergeben sich nun aus Amoris laetitia für die Ehe- und Familienseelsorge in Deutschland? Vieles davon wird in den konkreten pastoralen Situationen entwickelt werden müssen. Wir nennen daher nur einige wichtige Leitpunkte. Dies sind erste Schwerpunkte, denen wir uns in der folgenden Zeit besonders widmen wollen. Damit ist der Reichtum von Amoris laetitia nicht annähernd ausgeschöpft. Wir wollen uns mit dem Evangelium von der Familie, wie es in Amoris laetitia entfaltet wurde, auch weiterhin befassen und weitere Schwerpunkte entfalten. An dieser Stelle thematisieren wir zunächst:

  • die Ehevorbereitung;
  • die Ehebegleitung;
  • die Stärkung der Familie als Lernort des Glaubens;
  • den Umgang mit Zerbrechlichkeit: begleiten – unterscheiden –

 

Ehevorbereitung

Am Anfang der pastoralen Begleitung von Paaren, Eheleuten und Familien steht die Ehevorbereitung. „Die komplexe gesellschaftliche Wirklichkeit und die Herausforderungen, mit denen sich die Familien heute auseinandersetzen müssen, erfordern einen größeren Einsatz der ganzen christlichen Gemeinde im Hinblick auf die Vorbereitung der Brautleute  auf die Ehe“ (AL Nr. 206). Wir möchten, dass Paare, die um eine kirchliche Trauung bitten, erfahren, dass wir uns über ihren Entschluss freuen, denn „die Freude der Liebe … ist auch die Freude der Kirche“ (AL Nr. 1). Wir laden sie herzlich ein, mit uns zusammen ihre  konkrete Lebenssituation in den Blick zu nehmen und die spirituelle und auch sakramentale Dimension ihrer Partnerschaft zu erschließen. Hier bedarf es weiterer Anstrengungen zur Entwicklung  eines  Ehekatechumenats,  der  den  Weg zur  Ehe  als  bewussten  Glaubensweg begleitet. In den deutschen Diözesen verfügen wir bereits über zahlreiche Modelle, Initiativen und Projekte für eine Vorbereitung auf die Ehe, angefangen von der Förderung junger Menschen in ihrer Beziehungsfähigkeit, etwa in Jugendarbeit, Religionsunterricht und Familienpastoral, über Paar- und Eheseminare bis hin zur unmittelbaren Vorbereitung des Trauungsgottesdienstes. Viele dieser Angebote finden aber zu punktuell statt und erreichen zu wenige Paare. Das hohe Gut, das das Ehesakrament aus dem Glauben heraus bedeutet, wird jungen Paaren oft zu wenig vermittelt.

Unsere Ehevorbereitungspastoral bedarf daher einer Intensivierung, eines verbindlicheren und zugleich überzeugenderen Charakters. Vor Ort wie auch im Austausch auf diözesaner und überdiözesaner Ebene gilt es, diese seelsorgerlichen Angebote weiterzuentwickeln und auszuweiten.

 

Ehebegleitung

Wir sehen uns auch in der Pflicht, die Bemühungen um die Ehebegleitung zu verstärken. Dabei soll vor allem das Gelingende mit allen Mühen und Früchten wertgeschätzt werden. Es soll in Gottesdiensten an besonderen Festen und zu Ehejubiläen gefeiert werden. Wichtig ist auch, auf das Sakrament der Ehe und seine Sinnhaftigkeit stärker in der Verkündigung, in der Predigt und in der Erwachsenenbildung einzugehen. Andererseits aber genügt es nicht, sich auf die Verkündigung von Prinzipien zurückzuziehen. „Uns kommt ein verantwortungsvollerer und großherzigerer Einsatz zu, der darin besteht, die Gründe und die Motivationen aufzuzeigen, sich für die Ehe und die Familie zu entscheiden“ (AL Nr. 35). Ausdrücklich fördern wir alle Bemühungen von Ehe- und Familienkreisen in Pfarreien, Verbänden und geistlichen Gemeinschaften. In all dem liegt uns die Entfaltung einer Ehe- und Familienspiritualität besonders am Herzen. Von hervorgehobener Bedeutung sind auch die in unserem Land sehr zahlreichen konfessionsverbindenden Ehen. Ihre Situation bedeutet eine besondere Herausforderung, aber ebenso auch eine Chance im ökumenischen Dialog. Wir wissen, dass in einer solchen Ehe der Schmerz der Trennung zwischen den Kirchen besonders stark wahrgenommen wird. Dies wird sicherlich besonders bei der Frage der Taufe und der Erziehung der gemeinsamen Kinder oder bei der Feier der Erstkommunion bzw.  Konfirmation erfahren.

Vor allem die noch nicht mögliche volle Gemeinschaft im Herrenmahl lässt den Schmerz der Spaltung der Christenheit in solchen Ehen und Familien deutlich werden. Wir sind uns bewusst, dass es nicht leicht ist, die katholische Position in unserer Zeit zu vermitteln und zugleich in pastoraler Verantwortung mit dieser Frage umzugehen.

Neben der Wertschätzung des Gelingens ist in der Begleitung von Ehepaaren und Familien auch die Hilfe bei Problemen und Schwierigkeiten unverzichtbar. Familien stehen fast täglich in Situationen, die ihnen das Leben schwer machen. Das Spektrum reicht von ökonomischen Herausforderungen   über   Krankheiten,   körperliche   Beeinträchtigungen,   Erziehungs- und Beziehungsprobleme, Wohnungsnot, Arbeitsplatzverlust, Sorge und Pflege für altgewordene Eltern bis hin zum Tod von Familienangehörigen. Entsprechend vielfältig muss das Hilfeangebot ausgestaltet sein. Die Dienste der Caritas, die Angebote der Ehe- und Familienpastoral und der kirchlichen Beratungsstellen sowie auch die unmittelbare Ansprechbarkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pfarrseelsorge und in den kirchlichen Einrichtungen wie etwa den Kindertagesstätten leisten hier bereits jetzt sehr viel. Allen, die hier engagiert arbeiten, sagen wir an dieser Stelle unseren herzlichen Dank. Nur so kann Kirche menschenfreundlich und hilfsbereit im Alltag der Menschen erlebt werden. Uns allen gilt der Appell aus Amoris laetitia: „In den schwierigen Situationen, welche die am meisten Bedürftigen erleben, muss die Kirche besonders achtsam sein, um zu verstehen, zu trösten, einzubeziehen“ (AL Nr. 49).

 

Familie als Lernort des Glaubens stärken

Mit Amoris laetitia weisen wir auf die besondere Bedeutung der Familie als Lernort des Glaubens hin: „Die Erziehung der Kinder muss von einem Weg der Glaubensweitergabe geprägt sein“ (AL Nr. 287). Familien sind der Ort der ersten personalen Beziehungen und bilden einen intimen Erfahrungsraum. Kinder haben ein besonders feines Gespür für die großen Fragen des Lebens und Eltern können ihre Kinder für diese Fragen sensibilisieren. Hilfreich sind tägliche Rituale wie das gemeinsame Gebet oder das Segenskreuz, das sie  ihnen auf die Stirn zeichnen. Auch die bewusste Gestaltung des Sonntags sowie kirchlicher Feste in der Familie eröffnet einen Zugang zur religiösen Erziehung und zur Weitergabe des Glaubens. Eltern wollen ihren Kindern Orientierung für den Lebensweg geben. Dazu gehört auch, über den eigenen Glauben zu sprechen: „Der Glaube ist ein Geschenk Gottes, das in der Taufe empfangen wird, und nicht das Ergebnis eines menschlichen Tuns, doch die Eltern sind Werkzeuge Gottes für seine Reifung und Entfaltung“ (AL Nr. 287). Dafür suchen Familien nach gemeinsamen und tragfähigen Ausdrucksformen. Die Gestaltung religiöser Elemente  und Rituale im Familienleben braucht nicht das Außergewöhnliche, sondern die Nähe zum Alltag. Wir möchten Eltern und Großeltern darin unterstützen, immer wieder neu geeignete Formen zu suchen und zu finden. Kinder brauchen Erwachsene, die sie in ihren Fragen und ihrem Suchen begleiten. Kinder fordern Erwachsene mit ihren Fragen aber auch heraus. Das kann dazu beitragen, dass Erwachsene ihren Glauben und ihre religiöse Praxis überdenken  und in ihrem Glauben wachsen. So kann das Miteinander von Kindern und Erwachsenen eine echte Schule des Glaubens sein. Diese Prozesse wollen wir verstärkt seelsorglich begleiten, zumal das Religiöse im Familienleben seine Selbstverständlichkeit weithin verloren hat.

 

Umgang mit Zerbrechlichkeit:
begleiten – unterscheiden – eingliedern

Trotz allen guten Willens der Eheleute und trotz aller Vorbereitung auf die Ehe geschieht es, dass Beziehungen zerbrechen. Menschen sehen sich vor dem Scherbenhaufen ihres auf eine Partnerschaft gegründeten Lebensentwurfs. Sie leiden daran, dass sie scheitern und ihrem Ideal einer lebenslangen Liebe und Partnerschaft nicht gerecht werden können. Zu ihren Selbstzweifeln kommen oft genug wirtschaftliche Sorgen. Besonders betroffen sind die  Kinder einer zerbrechenden Beziehung. In dieser Notlage ist es Aufgabe der Kirche, Menschen zu begleiten und zu stützen. Diesen Dienst nehmen in vielen Fällen die kirchlichen Beratungsstellen und die Alleinerziehendenseelsorge wahr. Doch in der alltäglichen Pastoral ist es notwendig, hier noch viel mehr ein offenes Ohr und ein weites Herz zu haben, damit es gelingt, „dazu anzuregen, sich der Gnade zu öffnen“ (AL Nr. 37).

So möchten wir auch auf die Frage des kirchlichen Umgangs mit den Personen eingehen, die nach einer Scheidung zivilrechtlich wieder geheiratet haben und sich nach dem Empfang des Bußsakraments und der Eucharistie sehnen. Die Unauflöslichkeit der Ehe gehört zum unverzichtbaren Glaubensgut der Kirche. Amoris laetitia lässt daran ebenso wenig Zweifel wie an der Notwendigkeit eines differenzierenden Blickes auf die jeweiligen Lebenssituationen der Menschen. „Daher sind Urteile zu vermeiden, welche die Komplexität der verschiedenen Situationen nicht berücksichtigen. Es ist erforderlich, auf die Art und  Weise zu achten, in der Menschen leben und aufgrund ihres Zustands leiden.“ (AL Nr. 296) Amoris laetitia stellt die drei Aspekte Begleiten, Unterscheiden und Eingliedern als zentrale Leitbegriffe heraus, ausgehend von der Grundfeststellung: „Niemand darf auf ewig verurteilt werden, denn das ist nicht die Logik des Evangeliums!“ (AL Nr. 297) In Lebenssituationen, die oft genug als aufreibend und belastend erlebt werden, sollen die Betroffenen erfahren können, dass ihre Kirche sie nicht fallen lässt. Im Umgang mit den wiederverheiratet Geschiedenen muss deutlich werden, dass sie zur Kirche gehören, Gott ihnen seine Liebe  nicht entzieht und sie gerufen sind, die Gottes- und Nächstenliebe zu praktizieren und echte Zeugen Jesu Christi zu sein. Der Heilige Vater unterstreicht den Aspekt der Begleitung deutlich, indem er sagt: „Sie sollen sich nicht nur als nicht exkommuniziert fühlen, sondern können als lebendige Glieder der Kirche leben und reifen, indem sie diese wie eine Mutter empfinden, die sie immer aufnimmt, sich liebevoll um sie kümmert und sie auf dem Weg des Lebens und des Evangeliums ermutigt.“ (AL Nr. 299)

Was der Papst in diesem Zusammenhang mit Unterscheiden meint, wird deutlich, wenn er in Amoris laetitia festhält: „Die Kirche ist im Besitz einer soliden Reflexion über die mildernden Bedingungen und Umstände. Daher ist es nicht mehr möglich zu behaupten, dass alle, die in irgendeiner sogenannten ,irregulären‘ Situation leben, sich in einem Zustand der Todsünde befinden und die heiligmachende Gnade verloren haben“ (AL Nr. 301). Amoris laetitia bietet in dieser Frage keine allgemeine Regelung und kennt keinen Automatismus in Richtung einer generellen Zulassung aller zivilrechtlich wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten. Amoris laetitia übersieht weder die schwere Schuld, die viele Menschen in solchen Situationen des Zerbrechens und Scheiterns ehelicher Beziehungen auf sich laden, noch die Problematik, dass eine zivilrechtliche Wiederheirat dem sichtbaren Zeichen des Ehesakraments widerspricht, selbst wenn die betroffene Person schuldlos verlassen wurde. Amoris laetitia bleibt aber dennoch nicht beim kategorischen und irreversiblen Ausschluss  von den Sakramenten stehen. Die Anmerkung 336 (zu AL Nr. 300) macht deutlich, dass die Unterscheidung, die „erkennen kann, dass in einer besonderen Situation keine schwere Schuld vorliegt“, zu differenzierten Konsequenzen auch auf dem Gebiet der Sakramentenordnung führen müsste. Anmerkung 351 (zu AL Nr. 305) weist zudem darauf hin, dass man auch in einer Situation, die objektiv irregulär, subjektiv, aber nicht oder zumindest nicht völlig schuldhaft ist, „in der Gnade Gottes leben kann, dass man lieben kann und dass man auch im Leben der Gnade und der Liebe wachsen kann“ (AL Nr. 305), wenn man die Hilfe der Kirche und in gewissen Fällen auch die Hilfe der Sakramente bekommt. Auch dies spricht für die Möglichkeit des Sakramentenempfangs in diesen Situationen.

Nicht alle Gläubigen, deren Ehe zerbrochen ist und die zivil geschieden und wiederverheiratet sind, können ohne Unterscheidung die Sakramente empfangen. Erforderlich sind vielmehr differenzierte Lösungen, die dem Einzelfall gerecht werden und dann zum Tragen kommen, wenn die Ehe nicht annulliert werden kann. Wir ermutigen in diesem Zusammenhang alle, die begründete Zweifel daran haben, dass ihre Ehe gültig zustande gekommen ist, den Dienst der kirchlichen Ehegerichte in Anspruch zu nehmen, damit ihnen ggf. eine neue kirchliche Heirat ermöglicht wird. Allen, die an den kirchlichen Gerichten arbeiten, danken wir an dieser Stelle für ihren diskreten und seelsorgerischen Einsatz.

Amoris laetitia geht von einem Prozess der Entscheidungsfindung aus, der von einem Seelsorger begleitet wird. Unter der Voraussetzung dieses Entscheidungsprozesses, in  dem das Gewissen aller Beteiligten in höchstem Maß gefordert ist, eröffnet Amoris laetitia die Möglichkeit, die Sakramente der Versöhnung und der Eucharistie zu empfangen. In Amoris laetitia unterstreicht Papst Franziskus die Bedeutung der Gewissensentscheidung, indem er sagt: „Wir tun uns schwer, dem Gewissen der Gläubigen Raum zu geben, die oftmals inmitten ihrer Begrenzungen, so gut es ihnen möglich ist, dem Evangelium entsprechen und ihr persönliches Unterscheidungsvermögen angesichts von Situationen entwickeln, in denen alle Schemata auseinanderbrechen. Wir sind berufen, die Gewissen zu bilden, nicht aber dazu, den Anspruch zu erheben, sie zu ersetzen“ (AL Nr. 37). Am Ende eines solchen geistlichen Prozesses, dem es immer um das Eingliedern geht, steht nicht in jedem Fall der Empfang der Sakramente von Buße und Eucharistie. Die individuelle Entscheidung, unter den jeweiligen Gegebenheiten nicht oder noch nicht in der Lage zu sein, die Sakramente zu empfangen, verdient Respekt und Achtung. Aber auch eine Entscheidung für den Sakramentenempfang gilt es zu respektieren. Zu vermeiden sind sowohl die Haltung eines Laxismus ohne intensives Hinsehen im Begleiten, Unterscheiden und Eingliedern als auch eine rigoristische Haltung, die beim schnellen Urteil über Menschen in sogenannten irregulären Situationen stehenbleibt. An die Stelle solcher extremer Haltungen soll die Unterscheidung (lat. „discretio“) im persönlichen Gespräch treten. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, den Weg der Gewissensbildung der Gläubigen zu vertiefen. Dazu ist es nötig, unsere Seelsorger zu befähigen und ihnen Kriterien an die Hand zu geben. Solche Kriterien  einer Gewissensbildung gibt der Heilige Vater in Amoris laetitia in ausführlicher und hervorragender Weise an (s. AL Nr. 298–300).

Sowohl für die Seelsorger als auch für die Gläubigen bedeutet diese Leitvorstellung von Begleiten, Unterscheiden und Eingliedern einen hohen Anspruch und eine große Herausforderung. Gerade in der Situation des Scheiterns, aber auch darüber hinaus sollen die Menschen erfahren können, dass die Kirche sie begleitet und einlädt, mit ihr unterwegs zu sein. „Die Hirten, die ihren Gläubigen das volle Ideal des Evangeliums und der Lehre der Kirche nahelegen, müssen ihnen auch helfen, die Logik des Mitgefühls mit den Schwachen anzunehmen und Verfolgung oder  allzu  harte  und  ungeduldige  Urteile  zu  vermeiden.“  (AL Nr. 308) Papst Franziskus hat in seinem Schreiben viele Situationen angesprochen: Seien es die Alleinerziehenden, die Migranten und Familien auf der Flucht, die interkonfessionellen, interreligiösen oder interkulturellen Paare, die Paare, bei denen ein Partner gläubig ist und der andere viel weniger oder gar nicht glaubt, die Familien, die in Armut leben, die sich um alte, kranke und besonderer Zuwendung bedürftige Familienmitglieder kümmern, und nicht zuletzt auch die Paare, die sich noch nicht zu einer Heirat entschließen können, und die Ehepaare nach Scheidung und nach zivilrechtlicher Wiederheirat. Mit manchen werden wir nur eine kleine Wegstrecke gemeinsam gehen oder nur einen fernen Kontakt halten können, andere werden wir intensiver begleiten können und manche werden dauerhaft mit  uns  unterwegs sein. Dabei dürfen wir das Evangelium von der Familie nicht verleugnen. „Wir würden der Welt Werte vorenthalten, die wir beisteuern können und müssen“ (AL Nr. 35). Paare in Krise, Scheidung und zivilrechtlicher Wiederverheiratung zu begleiten, bedeutet auch eine große Herausforderung und Chance, die Kirche und ihr Eheverständnis zur Sprache zu bringen.

Wir ermutigen alle, die den Weg von Ehe und Familie mit der Kirche gehen wollen, den wegweisenden Text Amoris laetitia persönlich zu bedenken und so den Reichtum des Evangeliums der Familie für das eigene Leben zu entdecken. Alle Eheleute und alle Familien wollen wir auf diesem Weg unterstützen, fördern und begleiten. Der Heilige Vater selbst gibt uns dies mit auf den Weg: „Alle sind wir aufgerufen, das Streben nach etwas, das über uns selbst und unsere Grenzen hinausgeht, lebendig zu erhalten, und jede Familie muss in diesem ständigen Anreiz leben. Gehen wir voran als Familien, bleiben wir unterwegs! Was uns verheißen ist, ist immer noch mehr. Verzweifeln wir nicht an unseren Begrenztheiten, doch verzichten wir ebenso wenig darauf, nach der Fülle der Liebe und der Communio zu streben, die uns verheißen ist.“ (AL Nr. 325)

 

Das Wort der deutschen Bischöfe „,Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche‘ – Einladung zu einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral im Licht von Amoris laetitia“ wurde vom Ständigen Rat der Deutschen Bischofskonferenz am 23. Januar 2017 in Würzburg verabschiedet.

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Quelle

Katholische Schulen präsentieren sich mit neuem Internetportal

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Quelle: Screenshot Www.Katholische-Schulen.De

Die deutschlandweit über 900 Katholischen Schulen in freier Trägerschaft präsentieren sich ab sofort mit einem neuen Internetportal. Unter der Adresse www.katholische-schulen.de erscheint das Angebot in einem völlig neuen Design und ist zugleich inhaltlich deutlich umfassender als bisher. „Die Seite bietet jetzt vielfältige interessante Einblicke in das Leben unserer Katholischen Schulen“, erklärt Erzbischof Hans-Josef Becker (Paderborn), Vorsitzender der Kommission für Erziehung und Schule der Deutschen Bischofskonferenz. „Es werden immer wieder neue Projekte, Konzepte und Ereignisse vorgestellt, die für das katholische Profil der Schulen typisch sind.“

Die Kommission für Erziehung und Schule der Deutschen Bischofskonferenz ist die Auftraggeberin des neuen Internetportals, das als Partnerportal von www.katholisch.de unter dem Dach der Allgemeinen gemeinnützigen Programmgesellschaft mbH (APG) betrieben wird. Die Seite www.katholische-schulen.de richte sich „an Eltern und alle Interessierten, die sich über das Angebot Katholischer Schulen informieren möchten – auch Lehrer, die sich überlegen, ob sie an einer Katholischen Schule arbeiten möchten“, so Erzbischof Becker.

Der „Schulfinder“ ermöglicht es, jede Katholische Schule in Deutschland zu finden und sich schnell einen Überblick über die Katholischen Schulen der eigenen Region zu verschaffen. Besonders interessant für Lehrkräfte dürfte der neu und komfortabel gestaltete Stellenmarkt sein, auf dem alle Träger Katholischer Schulen die Möglichkeit haben, ihre Stellenangebote zu inserieren. Neu ist auch die Rubrik „Fortbildungen“, die den Nutzer über eine Vielzahl profilspezifischer Fortbildungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer an Katholischen Schulen informiert.

Katholische Schulen erfreuen sich in Deutschland einer ungebrochen hohen Beliebtheit. Sie werden von rund 360.000 Schülerinnen und Schülern besucht und bilden damit die größte Gruppe unter den Schulen in freier Trägerschaft. Schwerpunkte ihres Profils bilden neben der religiösen und ethischen Bildung der Einsatz für gesellschaftliche Teilhabe und Gerechtigkeit  sowie der Dialog in einer durch Vielfalt charakterisierten Gemeinschaft.

(Quelle: Pressemitteilung der DBK)

Bischofssynode 2018: Vorbereitungsdokument vorgestellt

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Bischofssynode 2015 / CCEW – Mazur, CC BY-NC-SA

Bischof Genn und Bischof Oster:
„Jeder junge Mensch ist zur Fülle der Freude in Christus berufen!“

Im Vatikan ist heute das Vorbereitungsdokument zur Bischofssynode 2018 vorgestellt worden. Sie steht unter dem Leitwort „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“. In einer ersten Stellungnahme erklären der Vorsitzende der Kommission für Geistliche Berufe und kirchliche Dienste, Bischof Dr. Felix Genn (Münster), und der Vorsitzende der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Stefan Oster (Passau): 

„Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird“ (Joh 15,11): Das ist der Plan Gottes für die Frauen und Männer jeden Zeitalters und daher auch für alle Jugendlichen des dritten Jahrtausends – ohne Ausnahme. So heißt es in der Einleitung zum Dokument, das der Synode „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“ vorangeht. Damit wird der synodale Weg eröffnet, die Freude der Liebe Jesu Christi als Plan für die Jugend im dritten Jahrtausend zu entdecken. Das Dokument geht vielfach von den Jugendlichen selbst aus und beschreibt eine Kirche, die sie auf ihrem Entscheidungs- und Unterscheidungsweg zur Fülle des Lebens begleitet. Mit großer Freude wollen wir uns diesem Weg in der Berufungs- und Jugendpastoral in Deutschland anschließen. Der besondere Blick dieser Synode geht nicht nur auf die Jugend in der Welt von heute, sondern er kommt von den Jugendlichen her. Die Kirche soll durch diesen Blick „die Stimme des Herrn vernehmen, der auch heute noch spricht. Wie früher Samuel und Jeremia, so gibt es auch heute Jugendliche, die in der Lage sind, die Zeichen der Zeit zu erkennen, die der Geist uns schenkt“.

Das Dokument beginnt im ersten Teil mit einer knappen Beschreibung der „Jugendlichen in der Welt von heute“. Die Schnelligkeit der Prozesse und des Wandels, die Globalisierung, die von der Technik beherrschte Kultur und die Multireligiosität werden als Herausforderungen der Gegenwart benannt. Junge Menschen sind vielfach kritisch gegenüber Institutionen, dennoch sehnen sie sich nach festen Bezugspersonen und sind bereit, Verantwortung in Kirche und Gesellschaft zu übernehmen.

Der zweite Teil befasst sich mit dem Prozess der Berufungsfindung junger Menschen. Die Quelle für eine Entscheidung stellt dabei der Dialog mit Gott dar. Dem eigenen Gewissen kommt eine besondere Bedeutung zu. Zur Unterscheidung schlägt das Dokument den Dreischritt Erkennen, Interpretieren und Wählen vor. Die Kirche hat den Auftrag, auf diesem Weg die Jugendlichen mit Gott und zu Gott zu begleiten und an dieser Freude mitzuarbeiten. Erkennbar ist, dass Papst Franziskus diesen Weg der Kirche, wie schon in den Dokumenten Amoris laetitia und Evangelii gaudium, als einen Weg beschreibt, der froh macht und Freude schenken soll.

Der letzte große Abschnitt blickt auf die konkrete Pastoral vor Ort. Zunächst ist es dabei Aufgabe der Kirche, in mutiger Kreativität zu jungen Menschen hinauszugehen, sie zu sehen und sie zu rufen, sodass junge Menschen der Freude des Evangeliums begegnen können. Durch glaubwürdige Bezugspersonen und einladende Räume kann die Kirche Jugendlichen helfen, in der Entscheidungs- und Unterscheidungsfähigkeit im Licht des Evangeliums zu wachsen.

Den Abschluss des Dokumentes bildet ein Fragebogen zur Situation der Jugendpastoral in den einzelnen Ländern. Die große Überraschung aber erwartet einen direkt zu Beginn: Erstmals in der über 50-jährigen Geschichte der Bischofssynode wird sich der Vatikan mit einer Online-Umfrage direkt an junge Menschen wenden.

„Wir rufen – gerade die junge Generation – in unserem Land auf, sich daran zu beteiligen. Papst Franziskus wendet Euch sein Ohr zu. Nutzt diese Chance! Erhebt Eure prophetische Stimme und bringt Euch in die Kirche ein! Erfahrt die Freude, die Christus jedem Menschen im Evangelium schenkt!“

Wir hoffen sehr, dass wir auch für die westliche Kirche neue Wege finden und nicht einfach in plakativen Antworten und Forderungen stecken bleiben. Die Synode soll ein gemeinsamer Weg sein, die Freude der verschiedenen Berufungen und die Freude des Glaubens zu entdecken.

Hinweise:

Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz wird sich mit dem Dokument und dem Fragebogen befassen.

Auf der Internetseite des Vatikans sind das Synodendokument und der Fragebogen verfügbar. Jugendliche sind aufgerufen, sich bis Oktober 2017 im Internet direkt an der Umfrage zu beteiligen. Die Seite www.sinodogiovani2018.va soll laut dem Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, am 1. März 2017 freigeschaltet werden.

(Quelle: Pressemitteilung der DBK)

„Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen“ am 26. Dezember 2016

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KATHOLISCHE KIRCHE RUFT ZUR SOLIDARITÄT MIT CHRISTEN WELTWEIT AUF

Am 26. Dezember begehen die Katholiken in Deutschland den „Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen“. In den Gottesdiensten am zweiten Weihnachtstag soll besonders der Glaubensgeschwister gedacht werden, die vielerorts in der Welt Opfer von Ausgrenzung und Unterdrückung sind. Als Termin hat die Deutsche Bischofskonferenz den zweiten Weihnachtstag ausgewählt, da die Kirche an diesem Tag das Fest des heiligen Stephanus, des ersten Märtyrers des Christentums, feiert.

In den Gottesdiensten dieses Tages soll der Verbundenheit mit den notleidenden Mitchristen vor allem in den Fürbitten Ausdruck verliehen werden. Auch sind die Gläubigen zum persönlichen Gebet für dieses Anliegen aufgerufen. 2016 stehen besonders die Christen in Saudi-Arabien im Fokus, die ihren Glauben nur heimlich leben können.

Das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz stellt für diese Aktion ein Plakat (DIN A3) zur Verfügung, das vor allem zum Aushang in den Schaukästen der Pfarrgemeinden bestimmt ist. Außerdem ist ein von den deutschen Bischöfen empfohlener Gebetszettel erhältlich, der in das Gesang- und Gebetbuch eingelegt werden kann.

Der Gebetstag am 26. Dezember ist Teil der 2003 gegründeten Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“, mit der die deutschen Bischöfe in den Kirchengemeinden, aber auch in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit verstärkt auf die Diskriminierung und Drangsalierung von Christen in verschiedenen Teilen der Welt aufmerksam machen wollen. Zu der Initiative gehören eine Arbeitshilfe, die jeweils eine Schwerpunktregion in den Blick nimmt, Solidaritätsreisen, Gespräche mit politisch Verantwortlichen, Besuche von Bischöfen aus bedrängten Ortskirchen, ein Fürbittformular sowie die Bereitstellung von vierteljährlich wechselnden Gebetsmeinungen.

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Dr. Schick (Bamberg), hat am 1. Dezember 2016 zusammen mit Bischof Paul Hinder, Apostolischer Vikar des Vikariats Südliches Arabien, aus Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) ein Informationsheft zur Situation der Christen auf der Arabischen Halbinsel vorgestellt.

Hinweise:
Die Fürbitten finden Sie untenstehend als pdf-Datei zum Herunterladen. Das Plakat und der Gebetszettel zum Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen können in der Rubrik „Veröffentlichungen“ bestellt oder als pdf-Dateien heruntergeladen werden.

Weitere Informationen sind auf der Initiativseite „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“ verfügbar.

Die Arbeitshilfe „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen – Arabische Halbinsel“ kann in der Rubrik „Veröffentlichungen“ bestellt oder als pdf-Datei heruntergeladen werden.

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Wort des Erzbischofs Rainer Maria Kardinal Woelki: Verrückte Welt

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Eklatante Gegensätze: In reichen Ländern wird aus dem Weihnachtsfest ein riesiges Spektakel. In vielen armen Ländern hingegen herrschen Krieg und Hunger. Uns Christen bleibt da nur die Hoffnung auf ein Licht.

Was für eine verrückte Welt: Nicht nur in Aleppo sterben Tag für Tag Menschen in einem grausamen Krieg – und hier bei uns öffnen jeden Tag die Weihnachtsmärkte, steigt jeden Tag eine neue feuchtfröhliche Weihnachtsfeier. Nicht nur in den Elendslagern rund um Nigeria sterben tausende von Kindern vor Hunger – und hier bei uns wissen viele Eltern noch nicht, mit welchem Geschenk sie ihren Kindern eine Freude zum Fest machen können. Nicht nur in Europa werden fast täglich Flüchtlinge und Flüchtlingsheime angegriffen – und gleichzeitig aber gibt es unzählige gute Adventsaktionen, wo Armen und Bedürftigen geholfen wird.

Manchmal drohe ich kirre zu werden an dieser Welt, die sich so zerrissen, so unfriedlich präsentiert. Aber immer wieder bin ich auch überrascht über die unbeschreiblich große Hilfe für Arme und Notleidende, die überall von Menschen geleistet wird.

Gerade jetzt aber im Advent darf ich hoffen. Hoffen auf einen Heiland, der unsere unheilvolle Welt heil macht. Hoffen auf einen Friedensfürst, der unsere kriegerische und terrorbedrohte Welt befriedet. Hoffen auf ein Licht, dass unsere dunkle Welt hell macht.

Ich freue mich auf Weihnachten. Ich freue mich auf den Engel des Herrn, der unsere Ängste und Sorgen kennt und spricht: „Fürchtet Euch nicht. Siehe, ich verkünde Euch eine große Freude …“

Ich wünsche auch Ihnen diese adventliche Hoffnung und Freude.

Ihr

Rainer Woelki
Erzbischof von Köln

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D: Bischöfe planen gemeinsames Wort zu Amoris Laetitia

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Deutsche Bischöfe bei einem Gottesdienst

Der Würzburger Weihbischof Ulrich Boom stellt ein gemeinsames Papier der deutschen Bischöfe im Nachgang zum päpstlichen Schreiben „Amoris Laetitia“ in Aussicht. Es gehe um ein „Wort der Ermutigung“ für Gemeinden und Priester, „die eigene Verantwortung wahrzunehmen“, sagte Boom mit Blick auf den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Er äußerte sich in Würzburg vor der  Herbstvollversammlung des Landeskomitees der Katholiken in Bayern.

„Amoris Laetitia“, das nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus zu Ehe und Familie, wird teils kontrovers diskutiert. Die argentinischen Bischöfe hatten eine ähnliche pastorale Anweisung erarbeitet, wie die deutschen sie nun offenbar planen. Franziskus hatte die Handreichung seiner Mitbrüder in Argentinien ausdrücklich für ihre pastorale Sensibilität gelobt. In dem Papier steht unter Berufung auf „Amoris Laetitia“, dass betroffene Gläubige im Einzelfall nach einem langen Prozess der Unterscheidung und Begleitung wieder zum Empfang der Eucharistie zugelassen werden können.

Anders sehen das vier Kardinäle, darunter auch der frühere Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner und der deutsche Kardinal Walter Brandmüller. Sie forderten jüngst von Papst Franziskus in einem Brief mehr Klarheit über den kirchlichen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen.

(kna/rv 26.11.2016 gs)