Rocco Spagnolo: FRATEL COSIMO – „EIN BAD IM LICHT“ – Folge 04

4. Wie soll man diese Erzählungen auslegen?

Man ist nicht verpflichtet, aus diesen Manifestationen/Erscheinungen einen Gegenstand des Glaubens zu machen. Dieser reift mit dem Herzen, aber auch mit dem Verstand. Wenn man dem Sensationellen, der zur Schau gestellten Heiligkeit, misstraut, ist das nicht etwas Schlechtes.

Es genügt schon, die Augen für das Wunder zu öffnen, das jeden Tag unser Leben bedeutet. Wie es auch schon nach Wunder schmeckt, die Welt zu sehen, in der wir leben. Und ein größeres Wunder, für den, der glaubt, ist das Kindsein im Sohne, das heißt Teil des Lebens Gottes selbst zu sein, lebendiges Glied seines Leibes (der Kirche), den der Geist nicht aufhört zu begleiten, trotz des Widerstandes, den wir Ihm entgegensetzen, trotz der Taubheit und der Blindheit für das, was Er in uns und für uns wirkt. Angesichts der sakramentalen Mystik, gestorben und auferstanden in Christus, nähren wir uns von Seinem Leib. Wir essen das Brot in seinem doppelten Aspekt des Wortes Gottes und der eucharistischen Speise. Die Bibel wird so durchdrungen und aufgenommen in ihrer interpellierenden Kraft. Wenn die Leute zum Scoglio gehen, wenn sie beten, das Leben ändern, freuen wir uns darüber.

Gott hat uns geschaffen, indem Er das unendliche Verlangen in uns senkte, Sein Mysterium zu erkennen. Das Wichtige dabei ist, nicht jene „hohle Leichtgläubigkeit“ zu nähren, die schon Pius XII., der große Verehrer der Jungfrau, beklagte.

Die Aufgabe des Priester ist es, den Glauben zu erwecken und ihn zu nähren, ohne ins Emotionale abzugleiten. Darauf zu bestehen, dass im Zentrum des Christentums nicht eine Idee, eine Theorie, sondern eine Person steht.

Christ sein, will sagen: lernen, mit Gott zu leben, glücklich zu sein im Leben mit Ihm, indem man versucht, Ihm ähnlich zu sein.

Die Kirche wird nicht geleitet aufgrund von Erscheinungen oder Offenbarungen. Die „privat“ genannten Offenbarungen, auch wenn sie von der kirchlichen Autorität anerkannt werden, gehören nicht zum Depositum des Glaubens. Folglich kann weder ich noch irgendwer auf dieser Erde behaupten, dass beim Scoglio die Madonna ist und dass die Erscheinungen wahr/echt sind. Wir wären unehrlich. Ich kann nicht den Schleier des Geheimnisses zerreißen, der beinahe undurchdringlich ist. Aber ich kann sagen, dass da ein Baum voller Früchte ist.

Ich glaube jedoch, wohl besser als irgendwer sonst, antworten zu können. Ich sage, aufgrund meiner langen Erfahrung, die auf dem Felde gereift ist, dass es drei Zeichen sind, welche die Echtheit einer Erscheinung erweisen: die Treue gegenüber dem Lehramt der Kirche, das ausgeglichene und beispielhafte Leben des Sehers und die Früchte.

Auf alle drei dieser Fronten haben, in interdisziplinarer Weise, die vier qualifizierten Experten der Studiengruppe, die von Monsignor Bregantini eingesetzt wurde, bereits positiv geantwortet.

Interessant sind einige Betrachtungen/Erwägungen des Psychiaters A. Monorchio. Er macht eine Unterscheidung zwischen Torheit und Wahnsinn. Fratel Cosimo, sagt er, ist ein Törichter, d.h. außerhalb jeglichen Schemas, jeglicher Norm, wie alle Heiligen Törichte Gottes sind. Wahnsinn, hingegen ist eine mentale Krankheit, weil sie keinen Kontakt mit der Realität hat. Überdies sagt er mir, dass er ein regelrechtes psycho-diagnostisches Examen (den Rorschach-Test) gemacht hat, mittels dessen er eine Person normaler psychisch-physischer Ausgeglichenheit festgestellen konnte. Er ist also, alles in allem, nicht psychopatisch. Er lebt wie ein Kind.

Die Früchte, dann, sind solcher Art, dass sie erlauben, ruhig zu behaupten, dass es sich um eine übernatürliche Dimension handeln könnte, die in Gott den Ursprung hat. Man rechnet, in der Tat, dass hier mehr als 500.000 Personen jährlich vorbeikommen. Beim Scoglio gibt es viele Priester, und dies ist bereits eine erste Überraschung. Bischöfe und Priester als Experten haben sich abgelöst in der Beurteilung und der Führung.

Zum Beispiel anerkennt René Laurentin maßgebend die Erscheinungen des Scoglio als wahre/echte, und stellt sie an die Seite von Lourdes, Fatima, Guadalupe, etc.

Wenn es sich um (rein) menschliche Fakten handeln würde, wäre der Scoglio bereits von der Oberfläche der Erde verschwunden. Ich bin Zeuge wie das Phänomen Tag für Tag wächst, sich weltweit ausbreitet, und die ganze Kirche miteinbezieht. Bis zu den Gipfeln des Vatikans hat man Kenntnis davon genommen. Seit mehr als 45 Jahren besteht das Phänomen Scoglio, lebt und wächst es wie ein absolut gesunder Baum mit wunderbaren Früchten. Ich habe diese Früchte mit höchstem selektivem Skrupel kennen gelernt und geprüft. Sie sind groß: so viele physische und geistige Heilungen, Berufungen, Bekehrungen, Gebetsgruppen etc.

Einige haben dem Glanz der Welt den Rücken gekehrt und sind in einen religiösen Orden eingetreten, andere Ordensmitglieder in Krise haben sich wieder aufgefangen.

Viele Pilger (auch Personen mit berühmten Namen) haben  ein befreiendes Bereuen/Weinen erfahren. Nachdem sie die Verirrung überwunden hatten, haben sie ihre Erfahrung öffentlich bekannt und bezeugt, ohne irgend ein Risiko oder den Verlust des Ansehens zu befrüchten. So viele haben ihre Aufmerksamkeit gegenüber dem Nächsten verstärkt und die Sensibiliät in den sozialen Verbindungen erhöht, sind reifer geworden in der Liebe und im Gefühl der Verannwortung gegenüber der Familie und den Verwandten. Zweifelnde und Skeptische haben sich verwandelt in Gläubige. Sie sind bei Jesus angelangt durch Maria. Seit sozusagen einem halben Jahrhundert gibt der heller gewordene Horizont den Dingen ihre richtige Dimension. Auch die existenziellen Koordinaten von Fratel Cisimo sind klarer geworden.

Von den Reihen der Laienschaft, über die Presse, bis zum Klerus, wenn auch mit verschiedenen Akezenten und Modulationen, erkennen so viele Personen in Fratel Cosimo einen wahren Mann Gottes und im Scoglio eine Oase, die Licht, Hoffnung und Möglichkeit der Befreiung verstrahlt. Suchen wir darum, davon mehr zu verstehen.

 

5. Der Ort

Santa Domenica ist nunmehr im Rampenlicht der Geschichte. Es ist ein kleiner Ortsteil, ungefähr 5 km entfernt von Placanica RC). Es ist schwierig, dahin zu gelangen, angesichts der ungeeigneten Straßen und dem Fehlen von Transportmitteln. Es ist eine rückständige Wirklichkeit, fernab von jeglicher turistischen Reiseroute. Es gibt eine Bundesstraße und eine Provinzstraße, schlecht asphaltiert und voller Löcher, welche diese Zone mit der jonischen Küste verbinden: die traditionelle infrastrukturelle Isolierung. Die Tallandschaft hat nur nicht-asphaltierte Wege für Ziegen und Hirten.

Sie ist bewohnt von sehr armen Leuten, die von der mageren Ernte der Felder leben. Diese bleiben unfruhtbar während des größten Teils des Jahres, ausgedörrt von der Trockenheit infolge des Mangels an Wasser. Eine hügelige Landschaft, durchzogen von Tälern verschidener Größe, bis zum Zusammentreffen mit dem gebirgigen Rückengrat.

Der Boden ist lehmhaltig, brüchig, leicht erosionsgefährdet mit häufigen Erdrutschen und Abschwemmungen. Aber er präsentiert einen Öffnung von der aus man das Blau des Jonischen Meeres durchscheinen sieht, das sich verwischt mit jenem unendlichen des Himmels, wie um zu symbolisieren, dass hier Meer und Himmel ein einziges sind. Die kleinen Landbesitzer, gewohnt mit wenig zu leben, haben keinerlei Hoffnung, aus dem harten Leben zu entkommen, es sei denn, indem sie auswandern. Deshalb werden die Dörfer und Ortsteile immer mehr entvölkert. Ein archaisches kalabresisches Bauern- und Hirtenvolk, gebildet aus guten und gastfreundlichen, wenn auch wortkargen Leuten.

Hier im tiefen Süden findet man noch Splittergruppen von proletarischen Leuten mit ausdrucksvollen und gezeichneten Gesichtern. Müden Gesichtern, verbrannt von der Sonne, geprägt und gezeichnet von der mühevollen Arbeit. Bauerngesichter verschleiert von Melancholie. In diesen herben Landschaften gesteppt mit verlassenen, abgelegenen, noch intakten Landhäusern, wo noch Ginster und Feigenkaktusse Wurzeln fassen, spürt man noch den Sinn für das Wesentliche, die Würde und Echtheit. Angrenzend an das bescheidene Haus von Fratel Cosimo befindet sich ein großer Felsblock, aus Kalkstein, ein natürlicher Damm gegen den rutschigen Boden. Im Gebiet befinden sich weitere enorme felsige Sporne, bedeckt mit Dornbüschen  und Stauden.

Gerade dieser große Felsblock, genannte „Scoglio“, hat dem marianischen Ort den Namen gegeben.

Hier bilden die fortwährende Feuchtigkeit, das Eis, die Peitschenhiebe des Windes ein wahres Fegfeuer. Es ist ein kleines isoliertes, verkanntes Zentrum, verlassen zwischen dem Bergmassiv Aspromonte und dem vibonesischen Serre-Gebirge. Eine der vergessensten und rückständigsten Zonen der Provinz Reggio Calabria, von überbordender Hilfsbedürftigkeit.

Und gerade hier wird ein großes Unternehmen verwirklicht. Wo Brombeersträucher, Gebüsche und Schluchten waren, bringt Fratel Cosimo, mit weiser Organisation, aufblühend aus dem Nichts, wie eine zarte Blume, das „große Zentrum der Spiritualität“ hervor. Er will in Tausenden von Seelen jene tiefe Liebe erweckten durch die Heilige Jungfrau, von der er erfüllt ist. Es wurde ein Funke entzündet, und nun ist es ein Feuer von planetarischen Dimensionen, das niemand löschen kann.

Der Einwohner von Placanica identifiziert sich, auch ohne sich ihm anzugleichen, mit diesem Territorium und seiner Geschichte. In all diesen Jahren, mit viel Geduld, Opfer und Leistungsfähigkeit, ist es gelungen, einen ehrgeizigen Traum und Wunsch zu realisieren: der Jungfrau einen angemessenen, würdigen Sitz zu schaffen und allen Pilgern eine Oase des Friedens, in der man Erholung und Komfort finden kann. Und besser konnte man es nicht machen!

Aber wieviel Opfer hat er aushalten müssen. Wieviel Jahre, um persönlich Techniker und Arbeiter zu folgen, indem er stets seine Ratschläge erteilte, die sich als richtig und passend erwiesen. Um nicht zu reden von dem Unvorhergesehenen, das nie fehlt; es gibt dessen, um nicht nur eines, sondern mehrere Leben zu verbrauchen und zu zerstören .

Mit sehr viel Demut hat Cosimo es verstanden, viele Personen um Hilfe zu bitten, die ihm stets großherzig geantwortet haben. Und alle müssen wir stolz sein und ihm danken für das, was er realisiert hat.

Der Herr hat alle seine Anstrengungen fruchtbar gemacht. Er hat sein Ganzes gegeben mit unermüdlicher Zielstrebigkeit. Man sieht ihn nie sich ernähren, nie sich ausruhen. Seine Zeit ist für das Gebet, das Werk für Maria und das Heil der Seelen. Dieses Werk, das internationale Dimensionen erreicht hat, ist noch in fieri (im Werden) (wenn auch in der Endphase). Es fehlen noch zweckmäßige Strukturen für die Aufnahme der Pilger. Es ist geboren aus dem Herzen dieses jungen, unternehmerischen und großherzigen Hirten: das einzige Ziel seines Lebens, das er erträumt, ausgedacht, erhofft, entworfen hat mit so viel Verdienst. Mit der Kraft eines unbeschränkten Vertrauens in die Göttliche Vorsehung.

So ist es ihm gelungen, Grundstück um Grundstück, soviel Boden um den Scoglio zu kaufen, womit er ein einziges Landstück von mehreren Hektaren erreichte. Man ist nun daran, einen Grundstein zu legen, gesegnet vom Papst, um ein kühnes Heiligtum zu errichten unter den größten Süditaliens, ein Werk, gemäß den Worten Fratel Cosimos, „würdig der Madonna und ihrer Verehrer“, mit ungefähr 5000 Plätzen. Unser gütiger Gott, der Seine Werke nicht unvollkommen lässt, wird sein Mitwirken nicht unterlassen.

Santa Domenica di Placanica, ein harter Boden, aber mit unendlichen Horizonten, hat bereitwillige Personen zu unglaublichen Unternehmungen zur Welt gebracht. Kalabrisches Land, aber auch fruchtbar an Heiligkeit: von gleichem Mut, von gleicher Härte, mit gleichen Fähigkeiten der Belastbarkeit/Ausdauer im Dienste der Torheit des Evangeliums.

Für jene, die sich dahin begeben, gibt es die Möglichkeit, eine Erfahrung der Anhörung und der Brüderlichkeit zu machen. Man kündet an, dass nur Christus unser Leben wiederherstellt und unser Leben rettet. Der Scoglio ist durchdrungen von Spiritualität außerhalb des Gewöhnlichen, fähig, einen Fluss von Gnaden anzuziehen und zu liefern.

Hier ist eine lebendige Liturgie, eine streng biblische Meditation, reich an Sinn, eine freudige und begeisterte Predigt, einfachere Gebetsformen. Am Himmel von Santa Domenica ist ein Regenbogen errichtet worden, der Himmel und Erde verbindet.

Dieses unerwartete Zeichen des Himmels, voller Licht und Hoffnung, wölbt sich über alle, aber besonders über so viele Kranke und Leidende.

6. Das Anerkennungs-Dekret

Ich war anwesend bei der feierlichen Konzelebration am 7. Dezember 2008, deren Vorsitz Monsignor G. Fiorini Morosini innegehabt hat. Gerade bei Gelegenheit dieses Ereignisses, vor ungefähr 50.000 feiernden Personen, verlas der Bischof das Dekret Nr. 34, das von ihm stammt, um nach 40 Jahren seit der Gründung, den Ort der Madonna dello Scoglio als „Verehrungsstätte“ anzuerkennen. Und zwar wie folgt:

Dekret von Monsignor Giuseppe Fiorini Morosini
mit dem er offiziell als Verehrungsstätte
den Ort und das Werk der Gemeinschaft „Madonna dello Scoglio“ anerkennt.

Auf unserem diözesanen Gebiet, genauerhin in der Gegend Santa Domenica der Gemeine Placanica (RC), strömt seit ungefähr 40 Jahren das Volk Gottes zusammen, in Gruppen oder einzeln, um zur heiligsten Jungfrau zu beten, die dort als Madonna dello Scoglio angerufen/verehrt wird.

Der Zustrom des Volkes ist nach und nach gewachsen, weshalb heute, nicht nur aus unserem diözesanen Gebiet, sondern auch aus anderen Regionen Italiens und des Auslandes, Gläubige jeglicher gesellschaftlichen Klasse sich an den besagten Ort begeben, an dem sie die Begegnung mit Gott durch die Sakramente der Versöhnung und der Eucharistie finden, weshalb, gedrängt vom Wunsch der pastoralen Sorge für die Seelen, es uns und unseren Vorgängern in der Leitung der Diözese von Locri-Gerace geschienen hat, die Echtheit der dortselbst vom Volke Gottes ausgedrückten Frömmigkeit überprüfen zu müssen.

Nach genauer Überprüfung durchgeführt von Priestern und dazu vorbereiteten, ad hoc dazu eingeladen Laien und, zuletzt auch von uns selbst persönlich, und festgestellt wurde, dass die religiösen Manifestationen theologisch und liturgisch gestaltet sind, haben wir entschieden, diesen Ort offiziell als Verehrungsstätte anzunehmen/anzuerkennen und ihn unter die pastorale Obsorge des Diözesanbischofs zu stellen, wobei das zukünftige Urteil bezüglich der Bewertung der Tatsachen und der Gründe, welche den Beginn des Kultes in besagter Lokalität gegeben haben, dem Heiligen Stuhl überlassen wird.

Daher setzen wir fest, dass die in der Lokalität Santa Domenica di Placanica entstandene religiöse Wirklichkeit, genannt Madonna dello Scoglio, offiziell unter die pastorale Sorge des Bischofs von Locri-Gerace gestellt wird, welcher für die geistliche Assistenz der Pilger sorgen wird, die dort zusammenströmen.

Die Heiligste Jungfrau möge uns vom Himmel den göttlichen Schutz erlangen.

Locri, aus der bischöflichen Residenz, am 7. Dezember 2008, dem zweiten Sonntag im Advent.

 

                                                                     + Giuseppe Fiorini Morosini, Bischof

Don Vincenzo Ruggiero, Pro-Kanzler

 

Mit diesem Dekret nimmt man, nach 40 Jahren, Kenntnis davon, dass der Scoglio ein Ort der Wallfahrt “aus Italien und dem Ausland” ist. (Etymologisch bedeutet „peregrinare“ andare per agros = über das Ackerland gehen = aus der Wohnstatt hinaus).

Auf anthropologischem Niveau stellt die Pilgerfahrt ein Symbol der Wanderschaft der dem menschlichen Sein als homo viator eigenen Bedingung dar. Das Pilgern, mit Glauben durchgeführt, wird eine konkrete Metapher der Bekehrung auf das Ziel der Heiligkeit hin.

Darum, wenn der Scoglio Licht ist für das Volk Gottes, können wir den [folgenden] Dank Christi zu dem unsrigen machen:

Ich danke Dir, Vater, Herr des Himmels und der Erde. Ich danke Dir, weil Du diese Dinge den Großen und den Klugen verborgen und sie den Kleinen offenbart hast. Ja, o Vater, so hast Du es gewollt (Mt 11,12;24,26).

 

7. Die Geisterunterscheidung in den privaten Erscheinungen und Offenbarungen

Für die Geisterunterscheidung in den Erscheinungen und Offenbarungen verfügt die Kirche über objektive Kriterien. Sie ist gut ausgerüstet und gebraucht Vorsicht und Strenge.

Die Glaubenskongregation hat in der Tat offiziell die Vorgehens-Normen publiziert, die bereits in Kraft waren (vgl. den Osservatore Romano vom 30. Mai 2012, S. 6), wobei sie für eine Übersetzung in die hauptsächlichen Sprachen sorgte: es handelt sich um die Normae de modo procedenti in judicandis praesumptis apparitionibus ac revelationibus, herausgegeben vom Dikasterium am 25. Februar 1978 und am ersten Tag unterzeichnet von Papst Paul VI.

Zu jener Zeit wurden sie zur Kenntnis der Bischöfe versandt, ohne dass eine offizielle Veröffentlichung gegeben wurde, auch in Anbetracht der Tatsache, dass diese in erster Linie die Hirten der Kirche betreffen. Nun jedoch stehen sie zur Verfügung von allen. Dies sind sie:

… Wenn die kirchliche Autorität informiert wird über irgendwelche angebliche Erscheinung oder Offenbarung, wird es ihre Aufgabe sein: a) an erster Stelle die Angelegenheit gemäß positiven und negativen Kriterien zu bewerten (cfr. infra, n. 1); b) in der Folge, wenn diese Prüfung zu einer günstigen Schlussfolgerung gelangt, einige öffentliche Kundgaben des Kultes oder der Verehrung zu gestatten, indem über diese mit großer Vorsicht gewacht wird (d.h. dies kommt der Formel gleich: pro nunc nihil obstare); c) schließlich, im Lichte der verflossenen Zeit und der Erfahrung, mit besonderer Berücksichtigung der Fruchtbarkeit der von der neuen Verehrung hervorgebrachten geistlichen Früchte, ein Urteil auszudrücken de veritate et supernaturalitate, wenn es der Fall erfordert.

1. Kriterien, um wenigstens mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit über den Charakter der angeblichen Erscheinungen oder Offenbarungen zu urteilen.

A) Positive Kriterien

a – Moralische Gewissheit oder wenigsten große Wahrscheinlichkeit der Existenz der Tatsache, erworben mittels einer ernsthaften Untersuchung.

b – Besondere Umstände hinsichtlich der Existenz und der Natur der Tatsache, das heißt:

1. Persönliche Qualität des Subjekts oder der Subjekte (vor allem die psychische Ausgeglichenheit, die Ehrenhaftigkeit und die Rechtschaffenheit  des sittlichen Lebens, die habituelle Aufrichtigkeit und Fügsamkeit gegenüber der kirchlichen Autorität, die Haltung, eine normale Regelung des Glaubenslebens anzunehmen, etc.);

2. Was die Offenbarung anbelangt, die theologische und geistliche Lehre, wahr und irrtumsfrei.

3. Gesunde Frömmigkeit/Verehrung und gewohnte und beständige spirituelle Früchte (Geist des Gebetes, Bekehrungen, Zeugnisse der Nächstenliebe, etc.).

B) Negative Kriterien

a) – Offensichtlicher Irrtum in der Sache.

b) – Lehrmäßige Irrtümer, die Gott selber, der Seligsten Jungfrau Maria oder irgendeinem Heiligen in ihren Manifestationen zugeschrieben werden, wobei dem Rechnung zu tragen ist, dass die Möglichkeit besteht, dass die betreffende Person einer echten übernatürlichen Offenbarung, auch unbewusst, rein menschliche Elemente oder irgend einen Irrtum über die natürliche Ordnung hinzugefügt haben könnte (vgl. Hl. Ignatius, Exerzitien, Nr. 336).

c) Ein offensichtliches, direkt mit der Sache verbundenes Streben nach einem Gewinn.

d) Schwerwiegende unmoralische Handlungen begangen im Moment oder bei Gelegenheit des Ereignisses vom Subjekt oder den Anhängern.

e) Psychische Krankheiten oder psychopatische Tendenzen im Subjekt, welche mit Gewissheit einen Einfluss auf den angeblichen übernatürlichen Vorgang gehabt haben können, oder auch Psychosen, Kollektivhysterie oder andere Elemente der Art.

Wenn man diesem der Glaubenskongregation auch die Lehre Benedikts XVI. in einer Passage der postsynodalen Apostolischen Exhortation Verbum Domini vom 30. September 2010, al n. 14, hinzufügt, werden die Theologen und Experten daraus noch vertieftere Überlegungen anstellen können.

Der Papst schreibt:

Die Kirche drückt das Bewusstsein aus, sich mit Jesus Christus vor dem endgültigen Wort Gottes zu befinden; Er ist der „Erste und der Letzte“ (Ap 1,17); Er hat der Schöpfung und der Geschichte ihren endgültigen Sinn gegeben; deshalb sind wir aufgerufen, die Zeit zu leben, die Schöpfung Gottes zu bewohnen innerhalb dieses Rhytmus der letztzeitlichen/eschatologischen) Dinge des Wortes. „Die christliche Oekonomie wird demnach, als neuer und definitiver Bund, nie vergehen, und nie ist zu erwarten eine neue/weitere öffentliche Offenbarung vor der glorreichen Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus“ (vgl. 1 Tm 6,14; tt 2,13). (Dei Verbum, n. 4). In der Tat, wie es die Väter während der Synode ausgedrückt haben, zeigt sich das Eigentümliche des Christentums im Geschehen/Ereignis Jesu Christi, dem Gipfel der Offenbarung, die Erfüllung der Verheißungen Gottes und Mittler der Begegnung zwischen dem Menschen und Gott. Er „der uns Gott offenbart hat“ (Gv 1,18), ist das einzige und endgültige Wort, das der Menschheit übergeben worden ist“ (Propositio, 4).

Der hl. Johannes vom Kreuz hat diese Wahrheit in wunderbarer Weise ausgedrückt:

Von dem Moment an, da er uns Seinen Sohn geschenkt hat, welcher das einzige und endgültige Wort ist, hat er uns alles in einem einzigen Mal gesagt, in diesem alleinigen Wort, und er hat nichts Weiteres mehr zu sagen… In der Tat, was er einst nur teilweise den Propheten sagte, hat er zur Gänze in seinem Sohn gesagt, indem er uns dieses Alles gegeben hat, das Sein Sohn ist. Deshalb, wer den Herrn noch weiter befragen und von ihm Visionen oder Offenbarungen verlangen möchte, würde nicht nur eine Dummheit begehen, sondern würde Gott beleidigen, weil er seinen Blick nicht allein auf Christus richten und Anderes und Neues suchen würde (Aufstieg zum Berge Karmel, II, 22).

Dies Obengenannte vor Augen haltend, offenbart uns der Heilige Vater Benedikt XVI.:

Die Synode hat empfohlen, den Gläubigen dabei „zu helfen, das Wort Gottes von den privaten Offenbarungen zu unterscheiden“ (Propositio 47), deren Rolle „nicht ist… die definitive Offenbarung Christi zu vervollkommnen, sondern dazu zu verhelfen, sie umfassender, vollkommener zu leben in einer bestimmten geschichtlichen Epoche“ (Katechismus der Katholischen Kirche, 67).

Der Wert der privaten Offenbarungen ist wesentlich verschieden von der einzigen öffentlichen Offenbarung: diese erfordert unseren Glauben; in ihr spricht Gott selber zu uns mittels menschlicher Worte und der Vermittlung der lebenden Gemeinschaft, der Kirche. Das Kriterium für die Wahrheit einer privaten Offenbarung ist ihre Orientierung an Christus selbst.

Wenn sie uns von Ihm entfernen, dann kommt sie gewiss nicht vom Heiligen Geist, der uns im Innern des Evangeliums führt und nicht außerhalb. Die private Offenbarung ist eine Hilfe für den Glauben und bezeugt sich als glaubwürdig gerade dadurch, dass sie auf die einzige öffentliche Offenbarung verweist.

Darum zeigt die kirchliche Gutheißung einer privaten Offenbarung wesentlich, dass die relative Botschaft nichts enthalten darf, was dem Glauben und den guten Sitten entgegensteht; an diesem Punkt ist es gestattet, sie zu veröffentlichen, und die Gläubigen sind berechtigt, dieser in vorsichtiger Form ihre Zustimmung zu geben.

Eine private Offenbarung kann neue Akzente einführen, neue Formen der Frömmigkeit hervorbringen und alte vertiefen. Sie kann einen gewissen prophetischen Charakter haben (vgl. 1Ts 5,19-21) und kann eine wertvolle Hilfe sein, um das Evangelium besser zu verstehen und zu leben in der aktuellen Zeit; deshalb darf man sie nicht missachten.

Sie ist eine Hilfe, die angeboten ist, deren Gebrauch jedoch nicht verpflichtend ist. Jedenfalls muss es sich um eine Nahrung des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe handeln, die für alle der immerwährende Weg des Heiles sind (vgl. Glaubenskongregation, Il messaggio di Fatima, 26. Juni 2000, in Ench. Vat. 19, 974-1021).

Nachdem nun die erforderlichen Präzisierungen erfolgt sind, beleuchtet vom Heiligen Lehramt der Kirche, fahren wir unbeschwert und heiter mit der Erzählung über Fratel Cosimo fort. Bestimmte Geschichten sollen nach und nach genossen werden, wie es gemacht wird mit den Tellern delikater Würzungen.

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(Fortsetzung folgt!)

 

 

Rocco Spagnolo: FRATEL COSIMO – „EIN BAD IM LICHT“ – Folge 03

3. Geschichte der Erscheinungen

Erste Erscheinung

Am 11. Mai des Jahres 1968, kurz vor dem Dunkelwerden, war ich am Nachhausegehen von der Arbeit auf den Feldern, und ich trug auf der Schulter eine Heuballe für die Tiere; als ich gerade gegenüber dem Scoglio vorbeiging, wurde ich ich plötzlich von einem großen Licht geblendet.

Ich stand still, erhob den Kopf, um zu sehen, was geschah, aber ich habe nichts gesehen. Kaum hatte ich mich wieder auf den Weg begeben, war es mir, wie wenn mir jemand sagte, ich solle zum Scglio blicken, und ich sah vor meinen Augen, direkt auf dem Gipfel des Scoglio, eine zarte Gestalt einer jungen Frau, von dunkler Hautfarbe, in einem Alter um die 18 Jahre, mit langen, dunkelkastanienfarbenen Haaren.

Sie war barfüßig, hielt die Hände gefaltet, rund herum umgeben von einem Schein strahlendsten Lichtes, und hinter den Schultern sah man wie eine leuchtende Sonne mit langen goldenen Strahlen. Sie trug ein Kleid weiß wie der Schnee, einen Gürtel und einen blauen Mantel, einen weißen transparenten Schleier auf dem Haupt, übersät mit Sternen und am Handgelenk einen glitzernden Perlenrosenkranz.

In diesem Augenblick habe ich wie einen Schauder gespürt, der meinen Körper durchfuhr, ich wurde ergriffen von einem starken Gefühl der Angst, und ich wollte davonlaufen, weil ich dachte, dass es sich um irgendeinen Geist handelte, auch wenn er aussah wie die Madonna.

Die junge Frau machte von der Höhe des Scoglio eine Verneigung mit dem Kopf, öffnete die Hände und machte mir ein Zeichen, dass ich nicht weggehen soll, indem sie mir mit lieblicher Stimme sagte und die Worte langsam aussprach:

„Hab keine Angst; ich komme vom Paradies. Ich, die Unbefleckte Jungfrau, die Mutter des Sohnes Gottes, bin gekommen, um dich zu bitten, hier eine Kapelle zu meinen Ehren zu erbauen. Ich habe diesen Ort gewählt; hier will ich meine Bleibe errichten, und ich wünsche, dass man von allen Ländern hierher komme, um zu beten“.

Kaum hatte sie aufgehört zu reden, hielt sie die Hände wieder zusammen, machte eine Verneigung mit den Kopf, erhob die Augen zum Himmel, entfernte sich vom Scoglio und entschwand augenblicklich in der Luft. Sofort nachher fühlte ich mich wie überwältigt, zutiefst verwirrt, befallen vom Zweifel, ob es wahrhaft die Madonna war oder nicht.

Ich blieb noch einen Augenblick stehen zu Füßen der großen Einzäunung beim Scoglio und dann ging ich sofort nach Hause. Zuhause angekommen, habe ich sofort Papier und Kugelschreiber genommen, und ich habe die Worte, die ich eben von der jungen Frau gehört hatte, niedergeschrieben, um sie nicht zu vergessen.

Zweite Erscheinung

Am Morgen des 12. Mai 1968, kaum war ich aufgestanden, ging ich zum Scoglio; ich betete ein wenig, aber ich sah nichts.

Am späten Abend, als es langsam dunkel wurde, habe ich mich wie gedrängt gefühlt von einem starken inneren Impuls, zum Scoglio zurückzukehren.

Kaum angekommen unter der großen Einzäunung gegenüber dem Scoglio, erhob ich die Augen, um gegen den Scoglio zu blicken, als ich mich jählings geblendet sah von einem strahlenden Licht.

Der Scoglio leuchtete wie wenn es heller Tag wäre; von oben senkte sich eine Lichtbahn, die ihre Strahlen auf den Scoglio warf; in diesem wunderbaren Licht erschien auf einmal die junge Frau. Kaum hatte ich sie gesehen, bin ich, als ob mich die Beine nicht mehr trügen, auf die Knie gefallen, und mit bebender Stimme sagte ich Ihr. „Wenn Sie die Madonna sind, helfen Sie mir“, und Sie antwortete mir, indem sie das Haupt neigte:

„Ich werde dir helfen, aber es werden dir Qualen und Leiden nicht fehlen; entmutige dich nicht, ich werde bei dir sein und dich unterstützen mit meiner Hand; der Herr will dich zum Werkzeug seiner Liebe machen, zum Heil der Seelen“.

Nachdem sie dies gesagt hatte, blickte sie zum Himmel, neigte das Haupt und entschwand in einem Augenblick.

An jenem Abend hatte ich keine Angst; eine große Freude und Frieden drangen in mein Herz; ich kehrte nach Hause zurück zufrieden und schrieb sogleich die Worte auf, die mir die Heilige Jungfrau gesagt hatte.

Dritte Erscheinung

Am Tag des 13. Mai 1968, während des Tagesverlaufs, ging ich mehrere Male zum Scoglio, um zu beten, und, während ich zu Füßen des Scoglio betete, nahm ich einen intensiven Blumenduft wahr.

Als es Abend geworden war, stets mehr oder weniger zur gleichen Zeit wie am vorausgehenden Abend, habe ich wie eine geheimnisvolle Kraft gespürt, die mich anzog, damit ich von neuem zum Scoglio gehe.

Ich bin gegangen, habe mich hingekniet und habe begonnen, das Ave Maria zu beten, indem ich zum Gipfel des Scoglio blickte; plötzlich, wie wenn sich der Himmel öffnen würde, sank ein Licht-Bündel auf den Scoglio hinunter und, in diesem Lichtbündel erschien die Heilige Jungfrau.

Ich fragte sie: „Heilige Jungfrau, sagen Sie mir, was wollen Sie, dass ich für Sie tue“, und Sie, mit leicht geneigtem Haupt, sagte mir:

„Ich bitte dich um den Gefallen, dieses Tal umzuwandeln; hier wünsche ich ein großes Zentrum der Spiritualität, wo die Seelen Frieden und Erquickung finden werden. An diesem Ort will Gott ein Fenster öffnen zum Himmel; hier, durch meine Vermittlung, will Er Seine Barmherzigkeit offenbaren“.

Nachdem sie diese Worte gesprochen hatte, blieb die Heilige Jungfrau für einen kurzen Augenblick in Stille, und dann, indem sie mich mild anlächelte, verschwand sie augenblicklich. Nachher erhob ich mich eilends und ging nach Hause, um aufzuschreiben, was mir von der heiligen Jungfrau mitgeteilt worden war.

Vierte Erscheinung

Am Tag des 14. Mai 1968, wie am Tage zuvor, zur Mittagszeit, begab ich mich zum Scoglio, um zu beten, und nahm ein weiteres Mal den gewohnten Blumenduft wahr.

Am Abend, kurz nachdem es dunkel geworden war, habe ich von neuem in mir wie einen Ruf verspürt, zum Scoglio zurückzukehren.

Als ich angelangt war, habe ich mich hingekniet, und ich begann zu beten; vom Himmel habe ich einen Lichtbündel herunterkommen sehen, und im gleichen Augenblick erschien auf dem Scoglio inmitten großen Glanzes die Heilige Jungfrau.

Sie machte die gewohnte Verneigung mit dem Kopf und dann begann sie zu sprechen, indem sie mir mit betrübter Stimme sagte:

„Wenn die Menschen sich bekehren werden, wenn sie ihre Sünden bereuen, beichten, sich Gott nähern und Ihn mit ganzem Herzen lieben werden, wird sich Gott ihnen nähern und sie aufnehmen in sein Haus“.

Als sie diese Worte aussprach, wurde die Madonna traurig im Gesicht, blieb einige Minuten im Schweigen und nahm dann von ihrem Arm den leuchtenden Rosenkranz und, indem sie die Hand zu mir hin ausstreckte, sagte sie mir:

„Da ist mein Rosenkranz, er sei dein tägliches Gebet, bring ihn meinem unbefleckten Herzen dar zur Bekehrung der Welt, zum Triumph des Reiches Gottes, zum Frieden der Nationen und dem Heil der Menschheit“.

Nachdem sie diese Worte gesprochen hatte, faltete sie langsam die Hände, blieb ein wenig wie in Gedanken versunken, im Gebet, mit geneigtem Haupt, lächelte mich mit großer Milde an, und entschwand gleich darauf, wobei sie einen köstlichen Duft hinterließ. Fast springend bin ich nach Hause zurückgekehrt, habe Papier und Schreibzeug genommen und habe auch dieses Mal alles aufgeschrieben, was mir die Madonna mitgeteilt hatte.

1-Madonna dello Scoglio 1

*

Nach diesen übernatürlichen Begegnungen, verbrachte Cosimo viel Zeit im Gebet und in Buße in seinem feuchten Zimmer. Die Verwaltung der Familie wechselt in die Hände der Mutter und des Bruders Josef. Von den Bußübungen verbraucht, beginnt er sichtlich abzumagern. Sein rissiges Zimmer wird für ihn Kapelle und Ort weiterer Erscheinungen sein, die er seinem Pfarrer berichtet. Hier eine weitere:

Die Gebete, die ich von jeher als Knabe der Madonna darbrachte, ließen mich Tag für Tag immer mehr im Glauben und im Gebet wachsen, und erweckten in meiner Seele ein großes Verlangen, heilig zu werden, indem ich in allem und für alles dem Willen des Herrn und der Madonna entspreche. Eine Stimme flüsterte mir in der Tiefe der Seele ein, mir einen Rosenkranz zu kaufen. Am Tag des 11. Juli 1968 kaufte ich den Rosenkranz von der Schwester des Erzpriesters von Placanica, und am Abend desselben, allein in einem Zimmer, kniete ich nieder und begann mit viel Eifer das Rosenkranzgebet zur Madonna.

Und während ich bete, sehe ich ein blendendes Licht vor mir, und beim Schauen dieses Lichts wusste ich nicht, was es sein könnte; ich wurde von Angst und Schrecken ergriffen. Indem ich den Rosenkranz fest an die Brust drückte,  rief ich mit zitternder Stimme die Madonna an mit den Worten: „Madonna mia!“ Und sogleich darauf ist in diesem wunderbaren Licht eine liebliche Gestalt von einer wunderschönen Frau mit weißem Kleid umhüllt von einer weißen Wolke erschienen, mit gefalteten Händen, von welchen ein strahlender Rosenkranz herabhing, der eingefasst war an den Seiten von einem himmlischen Band. Das Antlitz strahlte von einer unermesslichen Makellosigkeit und Seelenruhe; sie lächelt mich an und spricht dann mit einer ganz lieben Stimme zu mir, indem sie sagt:

„Mein Sohn, fürchte dich nicht, ich bin Maria, jene, die du so sehr liebst, die Mamma des lieben Jesus, willst Du dich dem Herrn darbringen und zur himmlischen Schar der von mir auserwählten Seelen gehören?“

Nach einem Augenblick, seufzend vor Freude, sagte ich Ihr: „Ja, ich will es“.

Hier erhebt die Madonna die Augen in die Höhe, dann senkt sie sie wehmütig und fährt fort mir zu sagen:

„Bete viel, nimm entgegen und trage, was mein Sohn dir schicken will für das Heil so vieler Sünder. Jeden ersten Samstag des Monats mache eine nächtliche Gebetsstunde von 23 bis 24 Uhr zu Ehren meines unbefleckten Herzens mit der Meinung, mir Sühne zu leisten für die Sünder“.

Von diesem Moment an wird Fratel Cosimo nicht mehr ablassen vom Rosenkranz, er wird ein zunehmendes Verbessern der Spiritualität erfahren auf den geheimnisvollen Wegen Gottes. Das Ideal, das seine Jugend begeisterte, war jenes, sich für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen zu verzehren. Ein Dasein, heißt das, unermüdlich nach der totalen Hingabe seiner selbst strebend im Dienste der Kirche. Vor dem Jahr 1968 hatte er nicht die Gewohnheit, den Rosenkranz zu beten. Über die religiöse Übung bis zu seinem 18. Lebensjahr bestätigt er selber:

Mein religiöses Leben zur Zeit der Erscheinungen war wie das Leben eines normalen Gläubigen. Die ersten religiösen Belehrungen habe ich in der Familie empfangen, vor allem von meiner Mutter. Die Gebete, die ich für gewöhnlich sprach, waren das Vater Unser, das Ave Maria, das Gloria Patri, die mir von meiner Mutter beigebracht wurden.

Ein weiteres himmlisches Gespräch, das zu Beginn des Monats Oktober 1974 stattgefunden hat, wird vom franziskanischen Terziar wie folgt berichtet:

Ich war im Gebet während der heiligen Sühnestunde in meinem kleinen Zimmer, als mir die Madonna erschien, eingehüllt in einen wunderbaren und weiten Mantel sternbesät von himmlischer Farbe. Die Madonna stand mit den Füßen auf einer Art Kugel in der Form eines Globus. Auf der rechten Seite, unter dem Mantel, angemacht am Gürtel, trug sie einen langen goldenen Rosenkranz. Sie schaute mich mit mildem Blicke an, lächelte mir zu und sagte mir dann:

„Mein Sohn, was denkst du? Bist es überdrüssig zu beten?“

Ich antwortete Ihr: „Ich werde nie müde sein, ich habe immer mehr Durst zu beten“. Und die Madonna, nachdem sie das Haupt geneigt hatte, fährt fort:

„Bete, mein Sohn, während du verborgen lebst im Schatten meines Mantels. Beten wir für die Kirche, die heute so sehr der Gebete bedarf, für die Priester, für die Bekehrung der Sünder und für den Frieden in der Welt“.

Dann fügte sie hinzu, nachdem sie einige Sätze ausgesprochen hatte betreffend das persönliche Leben von Fratel Cosimo:

„Sorge dafür, dass auch die anderen mit dem Rosenkranz beten, welches das mächtigste Gebet ist gegen jeglichen Angriff des Feindes“.

Die Madonna öffnet die Hände, die sie vorher gefaltet hielt, wendet mit der rechten Hand die Falte des Mantels, nimmt den goldenen Rosenkranz in die Hände, den sie an der Seite hängen hatte und sagt mir:

„… Wo immer ich auf dieser sündigen Erde erschienen bin, habe ich stets um den Rosenkranz gebeten. Alle jene, die ihn im Leben mit Liebe und Hingabe beten, werden mein Herz und jenes meines Jesus trösten, und ich verspreche ihnen das ewige Heil. Ich liebe alle meine guten und bösen Kinder; ich will, dass alle gerettet werden, und für alle werde ich die erbarmungsvolle Mutter sein“.

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(Fortsetzung folgt)