Zum Hochfest der LEIBLICHEN AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL

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Francesco Botticini – The Assumption of the Virgin


HOCHFEST DER LEIBLICHEN AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL

PAPST FRANZISKUS

ANGELUS

Petersplatz
Samstag, 15. August 2015

 

Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag und ein gesegnetes Marienfest!

Heute feiert die Kirche eines der wichtigsten Feste, das der allerseligsten Jungfrau Maria gewidmet ist: das Fest ihrer Aufnahme in den Himmel. Am Ende ihres irdischen Lebens ist die Mutter Christi mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden, das heißt in die Herrlichkeit des ewigen Lebens, in die volle Gemeinschaft mit Gott.

Der heutige Abschnitt aus dem Evangelium (Lk 1,39-56) zeigt uns Maria, die sofort nachdem sie Jesus durch das Wirken des Heiligen Geistes empfangen hat, zu ihrer betagten Verwandten Elisabet geht, die auch auf wunderbare Weise ein Kind erwartet. Bei dieser vom Heiligen Geist erfüllten Begegnung bringt Maria ihre Freude mit dem Lobgesang des Magnificat zum Ausdruck,  da sie sich der Bedeutung des Großen vollkommen bewusst geworden ist, das sich in ihrem Leben verwirklicht hat: durch sie gelangt die ganze Erwartung ihres Volkes zur Erfüllung.

Doch das Evangelium zeigt uns auch, was der eigentliche Grund der Größe Marias und ihrer Seligkeit ist: der Grund ist der Glaube. Denn Elisabet grüßt sie mit diesen Worten: »Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ« (V. 45). Der Glaube ist die Herzmitte der ganzen Geschichte Marias, sie ist die Glaubende, die große Glaubende. Sie weiß – und sie sagt dies auch –, dass die Gewalt der Anmaßenden, der Stolz der Reichen und die Arroganz der Hochmütigen auf der Welt lasten. Dennoch glaubt und verkündigt Maria, dass Gott seine demütigen und armen Kinder nicht allein lässt, sondern ihnen mit Barmherzigkeit und mit Aufmerksamkeit zu Hilfe kommt, die Mächtigen vom Thron stürzt, jene zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind. Das ist der Glaube unserer Mutter, das ist der Glaube Marias!

Der Lobgesang der Gottesmutter lässt uns auch die volle Bedeutung der Geschichte Marias erfassen: Wenn die Barmherzigkeit des Herrn die Antriebskraft der Geschichte ist, so konnte »ihr Leib, der den Urheber des Lebens geboren hat, die Verwesung nicht schauen« (Präfation). All dies betrifft nicht allein Maria. Das »Große«, das der Allmächtige an ihr getan hat, berührt uns zutiefst, es spricht zu uns von unserer Reise durch das Leben, es ruft uns das Ziel in Erinnerung, das uns erwartet: das Haus des Vaters. Wenn unser Leben im Licht der in den Himmel aufgenommenen Jungfrau Maria gesehen wird, ist es kein sinnloses Umherziehen, sondern es ist eine Pilgerschaft, die trotz aller Ungewissheit und Leiden ein sicheres Ziel hat: das Haus unseres Vaters, der uns voll Liebe erwartet. Es ist schön, daran zu denken, dass wir einen Vater haben, der uns mit Liebe erwartet, und auch unsere Mutter ist dort oben und erwartet uns mit Liebe.

Während nun das Leben weitergeht, lässt Gott »dem pilgernden Volk […] ein untrügliches Zeichen der Hoffnung und eine Quelle des Trostes [erstrahlen]« (ebd.). Jenes Zeichen hat ein Gesicht, jenes Zeichen hat einen Namen: das leuchtende Antlitz der Mutter des Herrn, der gesegnete Name Marias, die voll der Gnade ist, weil sie an das Wort des Herrn geglaubt hat. Sie ist die große Glaubende! Als Glieder der Kirche sind wir dazu bestimmt, an der Herrlichkeit unserer Mutter teilzuhaben, da auch wir, Gott sei es gedankt, an das Kreuzesopfer Christi glauben und durch die Taufe in dieses Geheimnis des Heils aufgenommen worden sind.

Heute wollen wir alle gemeinsam beten, dass sie uns auf unserem Weg auf dieser Erde ihre barmherzigen Augen zuwende, uns den Weg erhelle, uns das Ziel weise und uns nach diesem Elend Jesus zeige, die gebenedeite Frucht ihres Leibes. Und gemeinsam wollen wir sprechen: O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!

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Quelle


APOSTOLISCHE REISE VON PAPST FRANZISKUS
IN DIE REPUBLIK KOREA AUS ANLASS DES
6. ASIATISCHEN JUGENDTAGES

(13.-18. AUGUST 2014)

BEGEGNUNG MIT ASIATISCHEN JUGENDLICHEN

ANSPRACHE VON PAPST FRANZISKUS

Heiligtum von Solmoe
Freitag, 15. August 2014

 

Liebe junge Freunde,

„Es ist gut, dass wir hier sind!“ (Mt 17,4). Diese Worte sprach der heilige Petrus auf dem Berg Tabor, als er vor dem in Herrlichkeit verklärten Jesus stand. Wahrlich, es ist gut, dass wir hier sind, gemeinsam in diesem Heiligtum der koreanischen Märtyrer, in denen die Herrlichkeit des Herrn zu Beginn des Lebens der Kirche in diesem Land offenbart wurde. In dieser großen Versammlung, die junge Christen aus ganz Asien zusammenführt, können wir die Herrlichkeit Jesu gleichsam greifen – die Herrlichkeit Jesu, der gegenwärtig ist in unserer Mitte, gegenwärtig ist in seiner Kirche, die alle Nationen, Sprachen und Völker umfasst, gegenwärtig ist in der Kraft seines Heiligen Geistes, der alles neu, jung und lebendig macht!

Ich danke euch für euren herzlichen Empfang. Sehr herzlich, sehr herzlich! Und für das Geschenk eurer Begeisterung, für eure freudigen Gesänge, eure Glaubenszeugnisse und eure schönen Darbietungen der Vielfalt und des Reichtums eurer unterschiedlichen Kulturen. In besonderer Weise sage ich Mai, Giovanni und Marina Dank, den drei jungen Freunden, die mich an euren Hoffnungen, euren Problemen und euren Sorgen haben teilhaben lassen. Ich habe ihnen aufmerksam zugehört und werde sie im Gedächtnis behalten. Ich danke Bischof Lazzaro You Heung-sik für seine  einführenden Worte und begrüße euch alle von Herzen.

Heute Nachmittag möchte ich mit euch über einen Teil des Themas vom Sechsten Asiatischen Jugendtag nachdenken: „Die Herrlichkeit der Märtyrer erstrahlt über euch.“ Genauso wie der Herr seine Herrlichkeit im heroischen Zeugnis der Märtyrer weiterleuchten ließ, möchte er seine Herrlichkeit auch in eurem Leben und durch euch aufscheinen lassen, um das Leben dieses weiten Kontinents hell zu machen. Heute klopft Christus an die Tür eures Herzens, meines Herzens. Er fordert euch und mich auf, uns zu erheben, ganz wach und aufmerksam zu sein und die Dinge im Leben zu sehen, die wirklich von Bedeutung sind. Mehr noch: Er bittet euch und mich, hinauszugehen auf die Straßen und Gassen dieser Welt und an die Türen der Herzen anderer zu klopfen mit der Einladung, ihn in ihrem Leben willkommen zu heißen.

Dieses große Treffen junger Asiaten ermöglicht uns ebenfalls, etwas von dem zu sehen, was die Kirche selbst in Gottes ewigem Plan sein soll. Gemeinsam mit jungen Menschen von überall her möchtet ihr dazu beitragen, eine Welt aufzubauen, wo wir alle in Frieden und Freundschaft zusammenleben, indem wir Barrieren überwinden, Zerwürfnisse heilen sowie Gewalt und Vorurteile zurückweisen. Und genau das ist es, was Gott uns wünscht. Die Kirche soll ein Same der Einheit für die gesamte Menschheitsfamilie sein. In Christus sind alle Nationen und Völker in eine Einheit gerufen, welche die Vielfalt nicht zerstört, sondern sie anerkennt, versöhnt und bereichert.

Wie weit entfernt erscheint der Geist der Welt von dieser wunderbaren Vorstellung und diesem großartigen Plan! Wie oft scheint der Same der Güte und Hoffnung, den wir zu säen versuchen, erstickt zu werden vom Unkraut des Egoismus, der Feindseligkeit und der Ungerechtigkeit nicht nur in unserer Umgebung, sondern auch in unserem eigenen Herzen! Wir sind beunruhigt durch die wachsende Kluft zwischen reich und arm in unseren Gesellschaften. Wir sehen Zeichen einer Vergötterung von Besitz, Macht und Vergnügen, was Menschen großen Schaden zufügt. In unserer näheren Umgebung gibt es so viele unserer eigenen Freunde und Altersgenossen, die sogar inmitten  von immensem materiellen Reichtum unter geistlicher Armut, Einsamkeit und stiller Hoffnungslosigkeit leiden. Gott scheint von der Bildfläche verschwunden zu sein. Es ist beinahe, als beginne eine geistige Wüste, sich über unsere ganze Welt auszubreiten. Es wirkt sich auch auf die jungen Menschen aus, indem es ihnen ihre Hoffnung nimmt und in allzu vielen Fällen sogar ihr Leben selbst.

Doch das ist die Welt, in die ihr hinausgehen und Zeugnis bringen sollt für das Evangelium der Hoffnung, für das Evangelium Jesu Christi und die Verheißung seines Reiches – das ist dein Thema, Marina. Ich werde darüber sprechen… In den Gleichnissen sagt Jesus uns, dass das Reich friedlich in die Welt kommt, indem es still, aber sicher wächst, wo immer es von Herzen empfangen wird, die für seine Botschaft der Hoffnung und des Heils offen sind. Das Evangelium lehrt uns, dass der Geist Jesu jedem menschlichen Herzen neues Leben bringen und jede Situation – sogar die scheinbar hoffnungsloseste – verwandeln kann. Jesus kann verwandeln, kann alle Situationen verwandeln! Das ist die Botschaft, die ihr mit euren Altersgenossen teilen sollt: in der Schule, am Arbeitsplatz, in euren Familien, euren Universitäten und euren Gemeinden. Weil Jesus vom Tod erstanden ist, wissen wir, dass er „Worte des ewigen Lebens“ hat (Joh 6,68), dass sein Wort die Macht hat, jedes Herz zu berühren, Böses mit Gutem zu überwinden und die Welt zu verändern und zu erlösen.

Liebe junge Freunde, in dieser Generation zählt der Herr auf euch! Er zählt auf euch! Er kam in euer Herz am Tag eurer Taufe, schenkte euch seinen Geist am Tag eurer Firmung und stärkt euch ständig durch seine Gegenwart in der Eucharistie, so dass ihr seine Zeugen sein könnt vor der Welt. Seid ihr bereit, „Ja“ zu sagen? Seid ihr bereit? [Die Jugendlichen rufen: „Ja!“] – Danke!

Seid ihr müde? [„Nein!“] Sicher? [„Ja!“] – Ein lieber Freund sagte mir gestern: „Du kannst zu den Jugendlichen nicht sprechen, indem du vom Papier abliest; du musst die jungen Leute spontan ansprechen, aus dem Herzen. [Applaus] Aber ich habe eine große Schwierigkeit: Mein Englisch ist schlecht. [„Nein, nein!“] – Doch, doch! Aber wenn ihr wollt, kann ich spontan noch andere Dinge sagen. Seid ihr müde? [„Nein!“] Kann ich weitermachen? [„Ja!“] Aber ich tue es auf Italienisch [großer Applaus – Er wendet sich an den Übersetzer] Würden Sie es übersetzen? Danke! Also los!

Ich habe sehr stark empfunden, was Marina gesagt hat: ihren Konflikt in ihrem Leben. Was tun? Den Weg zu einem gottgeweihten Leben, zum Ordensleben einschlagen, oder studieren, um besser vorbereitet zu sein, den anderen zu helfen.

Das ist ein scheinbarer Konflikt, denn wenn der Herr ruft, dann ruft er immer, um den anderen Gutes zu tun, sei es im Ordensleben, sei es im gottgeweihten Leben, sei es im Laienstand als Vater und Mutter der Familie. Aber der Zweck ist der gleiche: Gott anzubeten und den anderen Gutes zu tun. Was sollen Marina und viele von euch, die sich dieselbe Frage stellen, tun? Auch ich habe sie mir seinerzeit gestellt: Welchen Weg soll ich wählen? – Aber du sollst überhaupt keinen Weg wählen! Der Herr muss ihn wählen! Jesus hat ihn gewählt! Du musst ihn hören und fragen: Herr, was soll ich tun?

Das ist das Gebet, das ein junger Mensch sprechen muss: „Herr, was willst du von mir?“ Und mit dem Gebet und dem Rat einiger wirklicher Freunde – Laien, Priester, Schwestern, Bischöfe, Päpste – auch der Papst kann einen guten Rat geben – mit dem Rat von diesen Menschen den Weg finden, den der Herr für mich will.

Lasst uns zusammen beten! [Er wendet sich an den Übersetzer] Lasse du sie auf Koreanisch wiederholen: „Herr, was willst du von meinem Leben?“ Dreimal. Lasst uns beten! [Die Jugendlichen sprechen die Bitte dreimal im Chor.]

Ich bin sicher, dass der Herr euch erhören wird. Auch dich, Marina, bestimmt. Danke für dein Zeugnis. Entschuldige! Ich habe die Namen verwechselt: Die Frage kam von Mai, nicht von Marina.

Mai hat noch von etwas anderem gesprochen: von den Märtyrern, den Heiligen, den Zeugen. Und mit etwas Kummer, ein wenig Sehnsucht hat sie uns gesagt, dass es in ihrem Land, in Kambodscha, noch keine Heiligen gibt, doch wir hoffen… Heilige gibt es, und viele! Aber die Kirche hat noch keinen anerkannt, hat noch keinen seliggesprochen, noch keinen heiliggesprochen. Und ich danke dir sehr dafür, Mai. Ich verspreche dir, dass ich mich, wenn ich nach Hause zurückkomme, darum kümmern werde, mit dem Zuständigen zu sprechen – es ist ein fähiger Mann und er heißt Angelo – das ist ein guter Name: Angelo – und ich werde ihn bitten, in der Sache Nachforschungen anzustellen, um sie voranzubringen. Danke, vielen Dank!

Es ist Zeit, aufzuhören. Seid ihr müde? [„Nein!“] Sollen wir noch ein bisschen weitermachen? [„Ja!“]

Kommen wir jetzt zu Marina. Marina hat zwei Fragen gestellt… nicht zwei Fragen, sie hat zwei Überlegungen vorgetragen und eine Frage über das Glück. Sie hat uns etwas Wahres gesagt: Das Glück kann man nicht kaufen. Und wenn du ein Glück kaufst, dann merkst du, dass dieses Glück sich verflüchtigt hat… Das Glück, das man kauft, ist nicht von Dauer. Nur das Glück der Liebe, das ist es, was andauert.

Und der Weg der Liebe ist einfach: Liebe Gott und liebe den Nächsten, deinen Mitmenschen, den, der in deiner Nähe ist, den, der Liebe braucht und viele andere Dinge. – „Aber Pater, wie kann ich wissen, ob ich Gott liebe?“ – Einfach, wenn du den Nächsten liebst, wenn du nicht hasst, wenn du keinen Hass in deinem Herzen hast, liebst du Gott. Das ist der sichere Beweis.

Und dann hat Marina eine Frage gestellt – ich verstehe – eine schmerzliche Frage, und ich danke ihr, dass sie sie gestellt hat: die Spaltung zwischen den Brüdern und Schwestern der beiden Koreas. Aber gibt es zwei Koreas? Nein, es gibt ein Korea, aber es ist gespalten, die Familie ist gespalten. Und da ist dieser Schmerz… Wie kann man helfen, dass diese Familie sich vereint? Ich sage zweierlei: zuerst ein Rat und dann eine Hoffnung.

Vor allem der Rat: beten; für unsere Brüder und Schwestern im Norden beten: „Herr, wir sind eine Familie, hilf uns, verhilf uns zur Einheit, du kannst das tun. Dass es weder Sieger noch Besiegte gibt, sondern nur eine Familie, dass es nur die Geschwister gibt.“ Und jetzt lade ich euch ein, gemeinsam zu beten – nach der Übersetzung – schweigend zu beten für die Einheit der beiden koreanischen Staaten.

Beten wir im Schweigen. [Stille]

Und nun die Hoffnung. Welche Hoffnung? Es gibt so viele Hoffnungen, aber eine darunter ist besonders schön. Korea ist eins, ist eine Familie: Ihr sprecht die gleiche Sprache, die Sprache der Familie; ihr seid Geschwister, die die gleiche Sprache sprechen. Als [in der biblischen Erzählung] Josefs Brüder nach Ägypten zogen, um Nahrung zu kaufen – denn sie hatten Hunger; sie hatten Geld, aber nichts zu essen – kamen sie dort an, um Lebensmittel zu kaufen, und fanden einen Bruder! Wieso? Weil Josef gemerkt hatte, dass sie die gleiche Sprache sprachen. Denkt an eure Geschwister im Norden: Sie sprechen die gleiche Sprache, und wenn in der Familie die gleiche Sprache gesprochen wird, gibt es auch eine menschliche Hoffnung.

Eben haben wir etwas Schönes gesehen, diesen Sketch des „verlorenen Sohns“, jenes Sohnes, der fortgegangen war, der sein Geld und alles verschwendet hatte, der seinen Vater, die Familie und alles verraten hatte. Zu einem bestimmten Zeitpunkt – aus Not, aber tief beschämt – hat er sich entschieden zurückzukehren. Und er hatte auch überlegt, wie er seinen Vater um Verzeihung bitten wollte: „Vater, ich habe gesündigt, ich habe dieses Böse getan, aber ich will nun ein Knecht sein, nicht dein Sohn.“ Dies und viele andere schöne Worte hatte er sich zurechtgelegt. Aber das Evangelium erzählt uns, dass der Vater ihn von ferne sah. Und warum sah er ihn? Weil er jeden Tag auf die Dachterrasse stieg, um zu sehen, ob der Sohn heimkehrte. Und er hat ihn umarmt. Und er hat ihn kaum zu Wort kommen lassen, hat ihn jene vorbereiteten Worte gar nicht ausreden und nicht einmal um Verzeihung bitten lassen … und hat ein Fest gefeiert. Er hat ein Fest gefeiert! Und das ist das Fest, das Gott gefällt: Wenn wir nach Hause zurückkehren, zu ihm zurückkehren. – „Aber Pater, ich bin ein Sünder, ich bin eine Sünderin…“ – Umso besser, er erwartet dich! Umso besser, er wird ein Fest feiern! Denn Jesus selbst sagt uns, dass im Himmel für einen Sünder, der umkehrt, ein größeres Fest gefeiert wird, als für hundert Gerechte, die zu Hause bleiben.

Niemand von uns weiß, was uns im Leben erwartet. Und ihr Jugendlichen: „Aber was erwartet mich?“… Wir können üble Dinge tun, sehr üble… aber, bitte, nicht verzweifeln: Da ist immer der Vater, der auf uns wartet! Zurückkehren, zurückkehren! Das ist das Wort. Come back! Nach Hause zurückkehren, denn der Vater wartet auf mich. Und wenn ich ein großer Sünder bin, wird er ein großes Fest feiern. Und ihr Priester, bitte, umarmt die Sünder und seid barmherzig! Und das zu spüren, ist schön! Mich macht das glücklich, denn Gott wird niemals müde, uns zu verzeihen; er wird niemals müde, auf uns zu warten.

Ich hatte drei Vorschläge aufgeschrieben, aber ich habe schon darüber gesprochen: Gebet, Eucharistie und Arbeit für die anderen, für die Armen.

Nun ist es Zeit für mich, zu gehen. [„Nein!“] Ich freue mich darauf, euch in diesen Tagen zu sehen und wieder zu euch zu sprechen, wenn wir uns am Sonntag zur heiligen Messe versammeln. Für jetzt lasst uns dem Herrn danken für den Segen dieser gemeinsamen Zeit und ihn bitten um die Kraft, treue und frohe Zeugen seiner Liebe überall in Asien und in der ganzen Welt zu sein.

Möge Maria, unsere Mutter, über euch wachen und euch immer in der Nähe Jesu, ihres Sohnes bewahren. Und auch der heilige Johannes Paul II., der die Weltjugendtage eingeführt hat, sei euch vom Himmel aus ein ständiger Begleiter. In großer Liebe erteile ich euch meinen Segen. [Er segnet die Versammlung.]

Und bitte, betet für mich, vergesst es nicht, für mich zu beten! Vielen Dank!

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Working Title/Artist: The Assumption of the VirginDepartment: Robert Lehman CollnCulture/Period/Location: HB/TOA Date Code: Working Date: 1340 Digital Photo File Name: DT705.TIF Online Publications Edited By Steven Paneccasio for TOAH 3/17/14

HEILIGE MESSE AM HOCHFEST DER LEIBLICHEN AUFNAHME MARIENS IN DEN HIMMEL

PREDIGT VON PAPST FRANZISKUS

 Castel Gandolfo, 15. August 2013


Fotogalerie

Liebe Brüder und Schwestern,

im Schlussteil der Konstitution über die Kirche hat das Zweite Vatikanische Konzil uns eine wunderschöne Meditation über die Allerseligste Jungfrau Maria hinterlassen. Ich erwähne nur die Aussagen, die sich auf das Geheimnis beziehen, das wir heute feiern. Die erste lautet: »Die unbefleckte Jungfrau, von jedem Makel der Erbsünde unversehrt bewahrt, [wurde] nach Vollendung des irdischen Lebenslaufs mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen und als Königin des Alls vom Herrn erhöht« (Nr. 59). Und gegen Ende des Textes heißt es dann: »Wie die Mutter Jesu, im Himmel schon mit Leib und Seele verherrlicht, Bild und Anfang der in der kommenden Weltzeit zu vollendenden Kirche ist, so leuchtet sie auch hier auf Erden in der Zwischenzeit bis zur Ankunft des Tages des Herrn als Zeichen der sicheren Hoffnung und des Trostes dem wandernden Gottesvolk voran« (Nr. 68). Im Licht dieser wunderschönen Ikone unserer Mutter können wir die Botschaft betrachten, die in den biblischen Lesungen enthalten ist, die wir eben gehört haben. Dabei können wir uns auf drei Schlüsselworte konzentrieren: Kampf, Auferstehung, Hoffnung.

Der Abschnitt aus der Offenbarung stellt die Vision eines Kampfes zwischen der Frau und dem Drachen vor Augen. Die Gestalt der Frau, die für die Kirche steht, ist einerseits herrlich, triumphierend, und andererseits liegt sie noch in Geburtswehen. So ist die Kirche tatsächlich: Auch wenn sie im Himmel schon an der Herrlichkeit ihres Herrn teilhat, erlebt sie in der Geschichte unablässig die Prüfungen und die Herausforderungen, die der Konflikt zwischen Gott und dem Bösen – dem Feind von jeher – mit sich bringt. Und in diesem Kampf, dem die Jünger Jesu sich stellen müssen – wir alle, wir, alle Jünger Christi müssen diesen Kampf aufnehmen –, lässt Maria sie nicht allein; die Mutter Christi und der Kirche ist immer bei uns. Immer ist sie mit uns unterwegs, ist bei uns. In gewissem Sinne teilt auch Maria diesen zweifachen Zustand. Natürlich ist sie bereits ein für allemal in die Herrlichkeit des Himmels eingetreten. Doch das bedeutet nicht, dass sie fern, dass sie von uns getrennt ist; im Gegenteil, Maria begleitet uns, sie kämpft an unserer Seite, sie unterstützt die Christen im Kampf gegen die Kräfte des Bösen. Das Gebet mit Maria, besonders der Rosenkranz – aber hört gut zu: der Rosenkranz! Betet ihr den Rosenkranz jeden Tag? – [Die Leute rufen: Ja!] – Aber ich weiß nicht… Wirklich? Na gut. Das Gebet mit Maria, besonders der Rosenkranz, besitzt auch diese „kämpferische“ Dimension des Ringens; es ist ein Gebet, das in der Schlacht gegen den Bösen und seine Helfershelfer Unterstützung bietet. Auch der Rosenkranz unterstützt uns im Kampf!

Die zweite Lesung spricht uns von der Auferstehung. Der Apostel Paulus betont in seinem Brief an die Korinther mit Nachdruck, dass Christ sein bedeutet, daran zu glauben, dass Christus wirklich von den Toten auferstanden ist. Unser ganzer Glaube gründet sich auf diese fundamentale Wahrheit, die keine Idee, sondern ein Ereignis ist. Und auch das Geheimnis von der Aufnahme Marias in den Himmel mit Leib und Seele ist ganz in die Auferstehung Christi eingefügt. Die Menschheit der Mutter ist vom Sohn in dessen Übergang durch den Tod hindurch gleichsam „mit hineingezogen“ worden. Jesus ist ein für allemal ins ewige Leben eingegangen, mit seiner ganzen Menschheit – jener Menschheit, die er von Maria genommen hatte. So ist Maria, die Mutter, die ihm das ganze Leben hindurch treu gefolgt ist – ihm mit dem Herzen gefolgt ist – mit ihm ins ewige Leben eingetreten, das wir auch Himmel, Paradies, Vaterhaus nennen.

Auch Maria hat das Martyrium des Kreuzes kennen gelernt: das Martyrium ihres Herzens, das Martyrium der Seele. Sie hat so sehr gelitten, in ihrem Herzen, als Jesus am Kreuz litt. Sie hat den Leidensweg ihres Sohnes in ihrem Innern bis zum Grund durchlebt. Im Tod war sie mit ihm völlig vereint, und darum wurde ihr das Geschenk der Auferstehung zuteil. Christus ist der Erste der Auferstandenen, und Maria ist die Erste der Erlösten, die Erste von denen, »die zu ihm gehören«. Sie ist unsere Mutter, doch wir können auch sagen, sie ist unsere Repräsentantin; sie ist unsere Schwester, unsere erste Schwester, sie ist die Erste der Erlösten, die im Himmel angekommen ist.

Das Evangelium schlägt uns das dritte Wort vor: Hoffnung. Hoffnung ist die Tugend dessen, der im Erleben des Konflikts, des täglichen Ringens zwischen Leben und Tod, zwischen Gut und Böse an die Auferstehung Christi, an den Sieg der Liebe glaubt. Wir haben den Gesang Marias gehört, das Magnificat: Es ist der Gesang der Hoffnung, es ist der Gesang des Gottesvolkes, das in der Geschichte unterwegs ist. Es ist der Gesang so vieler Heiliger, von denen einige bekannt, ganz viele andere unbekannt, Gott aber bestens bekannt sind: Mütter, Väter, Katecheten, Missionare, Priester, Schwestern, Jugendliche, sogar Kinder, Großväter und Großmütter: Diese haben sich dem Kampf des Lebens gestellt, indem sie die Hoffnung der Kleinen und der Demütigen im Herzen trugen. Maria sagt: »Meine Seele preist die Größe des Herrn«; das singt an diesem Tag auch die Kirche, und sie singt es in allen Teilen der Welt. Dieser Gesang ist besonders intensiv, wo der Leib Christi heute die Passion erleidet. Wo das Kreuz ist, da gibt es für uns Christen auch Hoffnung. Immer. Wenn keine Hoffnung da ist, sind wir keine Christen. Darum sage ich gerne: Lasst euch die Hoffnung nicht stehlen! Dass sie uns die Hoffnung nicht stehlen, denn diese Kraft ist eine Gnade, ein Geschenk Gottes, das uns voranbringt, indem wir auf den Himmel schauen! Und Maria ist immer dort, nahe bei den Gemeinschaften, die leiden, bei diesen unseren Brüdern und Schwestern, ist mit ihnen unterwegs, leidet mit ihnen und singt mit ihnen das Magnificat der Hoffnung.

Liebe Brüder und Schwestern, stimmen auch wir aus ganzem Herzen in diesen Gesang der Geduld und des Sieges, des Kampfes und der Freude ein – in diesen Gesang, der die triumphierende mit der wandernden Kirche, mit uns verbindet, der die Erde mit dem Himmel verbindet, der unsere Geschichte mit der Ewigkeit verbindet, zu der wir unterwegs sind. So sei es.

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