Nuestra Señora del Pilar – U.L.F. von der Säule

Die Erscheinung der Gottesmutter
noch zu ihren Lebzeiten 
in SARAGOSSA, Spanien,
an den hl. Apostel Jakobus den Älteren

Sohn des galiläischen Fischers Zebedäus und der Salome,
einer Verwandten der Gottesmutter.
(Sein Bruder war der hl. Evangelist Johannes.)

La Virgel del Pilar (Bayeu)

La Virgen del Pilar (Bayeu)

Bekanntlich führt man in Spanien die Gründung der ersten christlichen Gemeinden auf den hl. Apostel Ja­kobus zurück. Insbesondere ist es die Stadt Saragossa (spanisch: Za­ragoza, von lateinisch: Caesaraugu­sta = „Stadt des Kaisers Augustus“), welche sich dieses Vorzugs rühmt. Hier habe der Heilige auf seiner Mis­sionsreise durch Spanien gepredigt und eine christliche Gemeinde um sich versammelt. Doch die ersten Erfolge des hl. Apostels müssen sehr gering gewesen sein. Die Überliefe­rung berichtet von nur ganz weni­gen Personen, die das Christentum angenommen hätten. Neun Jahre  war er bereits in Spanien, scheute keine Mühe, aber das Netz, das er ausgeworfen, blieb meistens leer. Da kam über ihn eines Tages ob all der Mißerfolge eine große Mutlo­sigkeit und Zaghaftigkeit. Bitter be­klagte er sich bei seinen Gefährten, als sie am Ufer des Ebro ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Da erschien ihm, wie es heißt, die hl. Jung­frau auf einem Pfeiler von Jas­pis und tröstete ihn. Sie gab ihm gleichzeitig die Versicherung, daß durch seine Nachfolger erreicht würde, was er selbst nicht habe bewirken können, sie habe dieses Reich in ihren Schutz genommen und werde es bewei­sen. Sie gab ihm weiter den Auftrag, an dieser Stelle eine Kirche oder einen Tempel zu er­richten. Jakobus tat es, und seit dieser Zeit wird diese Kirche zur hl. Jungfrau von der Säule oder „N.S. del Pilar“, genannt.

Die Stadt Saragossa, die dieses Heiligtum birgt, ist eine der größten Wallfahrtsstätten Spaniens. Immer und immer wieder ist im Laufe der Geschichte wahr geworden, wie Maria ihr Heiligtum behütet hat. Darum ist auch der Glaube und die Überzeugung der Kirche in Spanien für diese Begebenheit so stark gewesen, daß der in hohem Anse­hen stehende spanische Gelehrte Martin del Rio erklärte, der dürfe für keinen Gläubigen angesehen werden, der diese Erscheinung Mariens vor dem hl. Jakobus ent­weder leugnet oder nicht glaubt (Martinus del Rio, disquisitionum Magicarum Iibri sex etc., libro II quaest XXVI Col. Agripp. 1720). Im Jahre 1723 ist dem Erzbistum Sara­gossa von der hl. Kongregation die Erlaubnis erteilt worden, in den Lektionen der II. Nokturn dieser frommen und alten Überlieferung (pia et antiqua traditio) zu geden­ken. Diese Nachricht löste in ganz Spanien ungeheuren Jubel aus und wurde festlich begangen. Es stand ja lange fest, daß die historischen Zeugnisse für die Kirche von Sara­gossa schon beim hl. Cyprian, und in den Martyrerakten des hl. Vin­zentius und bei Aurelius Pruden­tius zu finden waren. Die Kirche von Saragossa soll zu jenen gehört haben, welche die meisten Marty­rer aufzuzeichnen wisse. Aurelius Prudentius nennt sie in einem Hymnus (de martyribus Caesar­augustanis) „ein Haus der Engel, das keine Erschütterung zu befürch­ten habe, weil es so herrliche Opfer für Christus in seinem Inneren ber­ge, kaum die Weltstadt Rom über­treffe sie durch den Reichtum ihrer Schätze.“

Kein Sturm habe sich in den Zei­ten der Verfolgung erhoben, der nicht auch in dieser Stadt seine Opfer gefordert habe. Der berühmte italie­nische Kirchenhistoriker und Kardi­nal Baronius nennt Saragossa die Metropole der Martyrer. Aber immer und immer wieder wird auch im Laufe der Geschichte berichtet, wie oft wunderbarerweise Kirche und Heiligtum beschützt wurden und wie der Opfermut der Gläubigen gerade diese Wallfahrtskirche erneut erstehen ließ.

Es ist eigentlich selbstverständ­lich, daß uns die spanische Mystikerin Maria von Agreda, der ja die Gottesmutter ihr Leben einge­hend kundgetan hat (vgl. „Die My­stische Stadt Gottes“, 8 Bände, Taschenbuchausgabe, Immaculata­Verlag), auch über diese Begeben­heit Genaueres mitteilte. Man wür­de uns sicherlich und mit Recht einer Unterlassung bezichtigen, wenn wir diesen Bericht nicht brächten.

Maria von Agreda erfuhr in ihren Visionen, daß die Gottesmutter für den hl. Apostel Jakobus zu Lebzei­ten besonders betete, weil sie wuß­te, daß er zuerst unter den Aposteln sein Blut für den hl. Glauben vergie­ßen sollte. Der Heiland selbst mach­te Maria darauf aufmerksam, wie „die Apostel Ihm auf dem Wege des Kreuzes und des Leidens nachzufol­gen hätten“. Sein Diener Jakobus solle der erste sein. „Er wolle, daß dieser in Jerusalem den Martertod erleide. Es sei notwendig, daß Maria denselben in Spanien besuche, und ihm den Befehl überbringe, sich nach Jerusalem zu begeben. Vorher aber müsse er in Spanien eine Kirche unter Marias Namen errichten. Maria bat, es möge ihr vergönnt sein, in dieser Kirche in Gottes heiligem Namen einen besonderen Schutz Seiner Allmacht versprechen zu können, auch daß dieser heilige Ort ein Anteil ihrer Erbschaft sein möge für alle diejenigen, welche darin Christi heiligen Namen und Marias Fürbitte um Seine Güte anrufen würden. Christus gewährte Seiner Mutter diese Bitte.

Maria wurde von den Engeln nach Saragossa gebracht. Jakobus be­fand sich außerhalb der Stadt. Er war in der Nähe des Ebro am Beten und hatte sich ein wenig von seinen Jüngern entfernt. Die Engel kamen mit Maria unter den Klängen himm­lischer Musik. Jakobus und seine Jünger wurden innerlich ergriffen und mit himmlischem Trost erfüllt. Sie gewahrten über sich ein neues, das Mittagssonnenlicht überstrah­lendes Licht. Die Engel hatten eine Säule von Marmor oder Jaspis (= fein kristallener Quarzstein), und ein Bild der hl. Jungfrau. Maria selber offenbarte sich dem hl. Jakobus auf einem Wolkenthrone, der von En­geln umgeben war. In tiefster De­mut verehrte der glückliche Apostel die Mutter seines Herrn. Zugleich erblickte er die Säule und das Bild.

Die Jungfrau segnete ihn und sprach: „Mein Sohn Jakobus! Diesen Ort hat der Allerhöchste dazu bestimmt, daß du auf demselben ein Bethaus errich­test und heiligest, wo Er unter dem Titel meines Namens den Seinigen erhöht und groß ge­macht haben will. Hier sollen Seine Gnadenschätze ausgeteilt werden, allen Gläubigen wird hier die alte Barmherzigkeit angeboten, welche sie durch meine Fürbitte zu erlangen su­chen, wenn sie von ihnen nur mit wirklichem Glauben und gottgefälliger Andacht gesucht wird. Im Namen des Allmächti­gen verheiße ich ihnen große Gnade und Segen. Dieser Tem­pel wird mein besonderer Erb­teil sein. Zum Zeugnis dieser Wahrheit und meines Verspre­chens soll diese Säule hier blei­ben und mein Bildnis auf diesel­be gesetzt werden. Sie wird an dem Orte, wo du die Kirche bauen wirst, mit dem heiligen Glauben bis ans Ende der Welt bleiben. Beginne unverweilt mit dem Bau. Nach seiner Vollen­dung gehe nach Jerusalem, dort sollst du nach dem Willen mei­nes allerheiligsten Sohnes ihm das Opfer deines Lebens darbie­ten.“

Die Engel stellten auf Marias Gebot die Säule mit dem Bildnis auf der­selben Stelle auf, wo sie noch heute zu sehen ist. Jakobus warf sich zur Erde, und die Engel feierten mit ihm die erste Einweihung der Kirche, welche zuerst in der Welt der gro­ßen Himmelskönigin geweiht wor­den ist. Dies war der Ursprung Unserer Lieben Frau von der Säule zu Saragossa. … Nachdem Maria Jakobus den Segen erteilt hatte, wurde sie von den Engeln aufgeho­ben und nach Jerusalem zurückge­tragen. Auf ihre Bitte wurde zum Schutz der für die Kirche bestimm­ten Stätte ein Engel bestimmt, der noch heute daselbst wacht und wachen wird, so lange das Bild und die Säule dort sind. Bisher ist unter dem Unglauben der Juden, der Abgötterei der Römer, der Ketzerei der Arianer und unter der barbari­schen Tyrannei der Mauren (Mo­hammedaner) und Heiden das Hei­ligtum unverletzt geblieben. Die Bewunderung der Christen würde noch größer sein, wenn sie von den Anschlägen, die die Hölle wider dieses Heiligtum durch jene Natio­nen ausführen wollte, Kunde hät­ten. Die Verheißung der Erhaltung dieses Tempels, obwohl anschei­nend frei und bedingungslos abge­geben, schloß gleichwohl die bei vielen dergleichen Versprechungen vorausgesetzte Bedingung in sich, daß wir unsererseits durch unsere Missetaten Gott nicht zwingen, uns die versprochene und angebotene Gnade und Barmherzigkeit zu ent­ziehen. Des Satans Trachten geht dahin, die Sünden und Laster der Menschen so groß werden zu las­sen, daß durch sie die göttlichen Verheißungen vereitelt werden. Er will die Gläubigen gleichsam zwin­gen, jenes Heiligtum dort nicht mehr zu erhalten. Gelingt ihm das nicht, so hat er seine Absicht wenigstens daraufhin gerichtet, die Andacht und Ehrerbietung gegen jenen heiligen Tempel und damit gegen die gro­ßen Wohltaten zu verhindern, wel­che Maria denen verheißen hat, die darum würdig bitten.

Nachdem die Erscheinung Ma­riens verschwunden war, gab Jako­bus seinen Jüngern, die von der himmlischen Musik und dem hellen Glanze noch ganz benommen wa­ren, von allem übrigen aber nichts vernommen hatten, die nötige Anweisung zur Erbauung der Kirche oder Kapelle, die er noch vor seinem Weggang von Saragossa vollende­te. Später haben die Katholiken je­nes kostbare Gebäude aufgeführt, welches heute das Heiligtum ziert.

Der Evangelist Johannes hat von dieser Entrückung der Himmelskö­nigin nach Spanien keine Nachricht erhalten, Maria hat ihm auch davon nichts mitgeteilt, weil es zur allge­meinen Unterweisung der Gläubi­gen nicht nötig war. Als Jakobus nach der Heimkehr aus Spanien durch Ephesus reiste, teilte er sei­nem Bruder Johannes die Begeben­heit sowie auch den ersten Besuch mit, den er bei Granada von Maria gehabt hatte. In Jerusalem machte er diese Wunder den Gläubigen zu deren Erbauung bekannt. Dieselben trugen sich vierzig Jahre nach der  Geburt des Herrn zu.“

(Anm.: Maria war schon einmal früher dem hl. Jakobus in Spanien erschienen anläßlich einer gegen ihn gerichteten schweren Verfoglung).

„Die Erscheinung Marias zu Sara­gossa erfolgte in der Nacht des 2. Januar (40), vier Jahre, vier Monate, zehn Tage, nachdem Jakobus Jeru­salem verlassen hatte. Er blieb noch ein Jahr, zwei Monate und 23 Tage in Spanien und starb am 25. März im Jahre 41 nach Christi Geburt. Maria war 54 Jahre, 3 Monate, 31 Tage alt, als sie zu Saragossa er­schien.

Nach der Kirche zu Saragossa baute man Maria in Spanien deren noch mehrere. Spanien war unter allen Ländern das erste, worin die heilige Jungfrau noch bei ihren Lebzeiten eine ausgebreitete öffent­liche Verehrung genoß…. Die Spa­nier sollten ihr dankbar sein….“