Erzbischof Joachim Kardinal Meisner Predigt zum Hohen Pfingstfest 2013 im Hohen Dom zu Köln am 19. Mai 2013

 

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Der Heilige Geist ist der Lebensatem Gottes, der den Sohn Gottes mit seinem
himmlischen Vater verbindet. Man empfängt ihn als Christ, indem man in die
Atemnähe des Sohnes herantritt, wenn man sich gleichsam von Jesus Christus
beatmen lässt. Je näher am Herrn, desto näher an der Quelle des Heiligen Geistes.
Der Heilige Geist wohnt im Worte Christi. Nicht im Weggehen vom Wort begegne
ich dem Geist, sondern im Zugehen auf sein Wort. Das Wort Christi ist die Stätte
des Heiligen Geistes. Jesus ist die Gegenwart des Geistes Gottes. Je näher wir an
ihn herantreten, desto realer treten wir in den Geist, und je realer tritt der Geist in
uns ein. Der Geist Gottes wird nicht ansichtig im Weggehen vom Sohne Gottes, von
Christus, sondern im Herantreten an den Sohn. In der Atemnähe Jesu empfange
ich den Heiligen Geist. Die Kirche Christi ist gleichsam die Atemnähe des Herrn in
unserer Welt. Heute ist das besonders spürbar in der Feier des Pfingstfestes, das
auch Fest des Heiligen Geistes genannt wird.

1. Der Heilige Geist offenbart sich am Pfingsttag im Sturm, der über den
Aposteln spürbar wird. Das ganze Haus in Jerusalem wurde vom Sturm des Heiligen
Geistes am Pfingsttag erfüllt. Sturm ist intensiver Atem. Sturm ist vor allen
Dingen ein Ausdruck für Macht, in der alten Welt immer für die Macht Gottes, der
die Welt herumwirbelt und die Sterne bewegt, als ob sie Sandkörner wären. Der
Sturm ist aber auch Ausdruck für das Element Luft, das diese Erde von allen anderen
Gestirnen unterscheidet und sie damit ausdrücklich zum Stern des Lebens
werden lässt. Nur wo Luft ist, haben Lungen einen Sinn. Und wo Luft ist, kann geatmet
werden. Und nur dort, wo geatmet werden kann, ist Leben möglich. Was
dieses geheimnisvolle Element der Luft für das biologische Leben bedeutet, das ist
der Heilige Geist für jedweden Geist. Nur wo er geatmet wird, kann das Menschsein
in seiner Würde bestehen, kann Humanität gedeihen, kann menschlicher Geist
sich wirklich entfalten und selbst kreativ werden.
Heute muss leider viel von Umweltverschmutzung und Umweltvergiftung
gesprochen werden. Es gibt aber auch eine geistige Umweltvergiftung, in der die
Herzen der Menschen nicht mehr atmen können. Kinder, Jugendliche und Erwachsene
leben heute auch unter den Einflusssphären des unheiligen Geistes, etwa was
alles in Internet, in Funk und Fernsehen, in Film und Theater, in Schule und Freizeit
auf Menschen heute einwirken kann. Das ist ja nicht immer alles gut und hilfreich.
Wenn der gesellschaftliche Konsens heute in Westeuropa davon ausgeht,
dass die Naturwissenschaft Gott im Labor nicht nachgewiesen hat und es ihn darum
nicht gibt, dann werden Räume für die Götter und Götzen frei, die mit ihrem
unseligen Geist die Herzen der Menschen umnebeln. Unsere Berufung als Jünger
Jesu besteht darin, uns um die reine Luft des Heiligen Geistes zu mühen und in der
Gemeinschaft der Glaubenden, in Familie, Gemeinde und wo auch immer, heilige
Oasen des Atmens und des Aufatmens für Herz und Seele zu schaffen.

2. Der Heilige Geist ist der Geist der Furchtlosigkeit. Der Heilige Geist überwindet
immer die Furcht der Menschen. Die Jünger hatten sich in Jerusalem hinter
verschlossenen Türen vor den Juden versteckt, weil sie ihren Herrn gekreuzigt
hatten und sie selbst verhaftet und hingerichtet werden konnten. Jetzt aber verkünden
sie furchtlos die Frohe Botschaft vom Gekreuzigten und von seiner Auferstehung,
weil sie sich nun in den Händen des Stärkeren wissen. Der Heilige Geist
überwindet die Furcht. Eine Welt des Heiligen Geistes ist nicht geprägt durch unbekannte
Geister und Mächte, sondern durch den Geist, der die Liebe ist und als
die Liebe Gottes Ausdruck seiner göttlichen Allmacht darstellt. Deswegen ist
Furchtlosigkeit immer das Zeichen für den Heiligen Geist, der uns in die Hände der
allmächtigen Liebe Gottes stellt. Darum kann auch der Glaube, wo er gesund ist,
sich furchtlos und tapfer den Mächten und Gewalten dieser Welt entgegenstellen,
weil er sich von dem geführt und gehütet weiß, der als der Stärkere den Starken
überwunden hat. Es ist nicht so, als ob in einer Welt, die den Glauben endgültig
beiseite gewischt hat, dann endlich die reine Vernunft und die reine Furchtlosigkeit
aufstünde. Ganz im Gegenteil! Wo das geschieht, da muss der Mensch wieder
das Fürchten und Gruseln lernen. In einer solchen Umwelt lernt man das Heulen
und Zähneknirschen, wie die Heilige Schrift die Gottferne umschreibt. Wo der
Geist Gottes aber weht, dort ist die Liebe Gottes. Und „Furcht gibt es in der Liebe
nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht“ (1 Joh 4,18), schreibt
Johannes in seinem ersten Brief. Die Geschichte der Heiligen ist eine Geschichte
des Heiligen Geistes und damit auch eine Darstellung christlicher Furchtlosigkeit
in allen Jahrhunderten, unter allen möglichen und unmöglichen Situation. Das ist
der Sieg, der die Welt überwindet: unser Osterglaube. Er verleiht uns Mut und
Furchtlosigkeit. Gott lebt, Christus ist auferstanden! Vor wem sollten wir uns dann
noch fürchten? Das ist die Botschaft des Heiligen Geistes am Pfingstfest.

3. Der Heilige Geist stellt sich uns in brennenden Feuerzungen über den
Aposteln in Jerusalem dar. Christus ist eigentlich der wahre Prometheus, der das
Feuer vom Himmel geholt hat. Dieses Feuer als Kraft des Heiles bringt nicht der
Titan, der Gott beiseiteschiebt, sondern der Sohn des lebendigen Gottes selbst
hervor, der sich dem Feuer der Liebe aussetzt und damit die Mauern der Feindschaft
verbrennt. So wird das Feuer zur Kraft der Verwandlung, der Liebe und einer
neuen Welt. Christentum ist wie Feuer. Es gibt ein außerbiblisches Herrenwort,
das heißt: „Wer mir nahe ist, ist nahe dem Feuer“. Das Christentum ist keine langweilige,
farblose oder laue Angelegenheit. Das Evangelium ist kein frommer Wortschwall,
mit dem wir uns an jeden Wagen anhängen könnten, um immer noch dabei
zu sein. Christentum verlangt von uns die Leidenschaft des Glaubens, die sich
zur Leidenschaft Jesu Christi stellt und von ihr her die Welt erneuert. Darum sagt
der Apostel Paulus ausdrücklich: „Lasst euch vom Geist entflammen!“ (Röm
12,11), oder „Löscht den Geist nicht aus!“ (1 Thess 5,19). Die großen Feuerpropheten
des Alten Bundes sind schon pfingstliche Gestalten vor dem eigentlichen
Pfingsten. Ein geistlicher Mensch ist immer ein feuriger Mensch. In seiner Umgebung
können die Funken sprühen, und die Funken können überspringen. Feuer
steckt an.

Am Pfingstfest hat keiner das Recht, kein Optimist zu sein. Heute hat niemand
das Recht, mit seiner Freude zurückzuhalten. Wem könnten wir denn glauben
machen, dass Gott sich uns geschenkt hat, dass wir Gott in unseren Herzen, in
unseren Händen und auf unseren Lippen tragen, wenn wir darüber nicht begeistert
wären? Gott ist so nahe zu uns gekommen, wie sollte er da nicht unsere leidenschaftliche
Liebe erweckt haben? Dieser Gott wird schlecht verkündet, wenn er
von uns nicht leidenschaftlich verkündet wird. Uns alle beauftragt Gott heute, ihn
zu verkünden. Uns alle schickt er heute hinaus, wie einst die Apostel aus dem
Abendmahlsaal, wo sie sich eingeschlossen hielten. Und er jagt uns gleichsam vor
die Tür auf die Straße, damit wir unsere Welt erschüttern durch unsere große und
unglaubliche Neuigkeit: Wir sind keine Waisen mehr! Gott ist wirklich zu uns wiedergekommen!
Auch wir werden nun bewohnt, bevölkert und durchdrungen von
seinem Geist der Stärke und der Weisheit, von seinem Geist der Freude und des
Glaubens. Der Glaube sagt uns ausdrücklich: Der Geist Gottes ist die einzige Wirklichkeit,
die zählt. Alles Übrige ist Schatten. Öffnen wir unser Leben dem Schöpfergeist
Gottes, und er wird durch uns das Angesicht der Erde erneuern. Amen.

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln

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Der Ausverkauf von Pfingsten an den Islam

BREDA, NETHERLANDS – MARCH 08: PVV Candidate, Geert Wilders is guarded by police as he speaks to the crowd, hands out pamphlets or flyers and poses for selfies on his election campaign near Van Coothplein on March 8, 2017 in Breda, Netherlands. (Photo by Dean Mouhtaropoulos/Getty Images)

Am nächsten Sonntag feiern die Christen das Pfingstfest. Eine evangelische Kirche in den Niederlanden nutzt die Gelegenheit, die Abschaffung des öffentlichen Feiertags für den zweiten Pfingsttag vorzuschlagen. Die Niederländer haben diesen Feiertag seit 1815 offiziell genossen, doch die Kirche will ihn durch einen offiziellen Feiertag an Eid-al-Fitr ersetzen, der Tag, der das Ende des islamischen heiligen Monats Ramadan markiert.

Mit ihrem Vorschlag, sagt die christliche Gruppe, will sie „der Vielfalt der Religionen gerecht werden“. Das ist politisch korrektes Gewäsch. Beim Durchblättern der heutigen Zeitungen kann ich aber verstehen, warum viele Niederländer in festlicher Stimmung sind, sobald der Ramadan vorbei ist! In diesen Tagen sind die Schlagzeilen voller Vorfälle, die De Telegraaf, die führende Zeitung in den Niederlanden, als Ramadan rellen (Ramadan Ausschreitungen) beschreibt.

Angenommen, die Christen würden auf jährlicher Basis nach dem Verlassen der Kirche an Pfingsten zu randalieren beginnen, Eigentum zerstören, Brandstiftungen begehen, die Polizei angreifen und die Fenster der Nachbarn mit Steinen einschmeissen. Angenommen, die Polizei würde sich verpflichtet fühlen, die christliche Fastenzeit im Kalender als Tage erhöhter Spannungen zu markieren. Würden wir uns nicht zu fragen beginnen, was da am Christentum falsch ist?

Oder angenommen, jüdische Banden würden an Yom-Kippur ganze Stadtteile terrorisieren. Würden wir uns nicht fragen, was ihnen wohl in ihren Synagogen gelehrt wird? Oder würden wir es einfach akzeptieren, es sogar feiern als Indikatoren der kulturellen „Vielfalt“ unserer Gesellschaft?

Ich schreibe diese Zeilen in meinem Büro im niederländischen Parlament in Den Haag, kaum ein paar Minuten von dem Haus entfernt, wo der große holländische und jüdische Philosoph Baruch Spinoza aus dem 17. Jahrhundert lebte und starb. Spinoza gab der Welt eine Philosophie der Toleranz und Freiheit.

Was wir jedoch niemals tun sollten, ist, tolerant zu sein gegenüber Intoleranz. Denn wenn Toleranz zur Schlange wird, die ihren eigenen Schwanz verschlingt, wird es bald keine Freiheit mehr geben und die Intoleranz wird die Welt regieren. In der Tat sind wir fast da. Dreieinhalb Jahrhunderte nach Spinoza, in der Stadt, wo er lebte, schreibe ich diese Zeilen in einem schwer geschützten Bereich des Parlamentsgebäudes. Die Fenster sind milchig, die Türen sind gepanzert, und draußen stehen Polizisten. Sie sind da, um mich gegen die Intoleranz zu schützen, die in den letzten Jahrzehnten in unser Land eingetreten ist – eine Intoleranz, die weder christlich noch jüdisch oder weltlich ist, sondern islamisch. Ich bin kein Extremist, wenn ich das sage. Ich sage die Wahrheit. Und das ist meine Pflicht.

Denn hier ist die Krux der Sache: Wenn wir die freie und tolerante Gesellschaft bleiben wollen, die wir früher waren, müssen wir erkennen, dass der Westen eine konkrete Identität hat. Unsere Identität ist nicht islamisch, sondern basiert auf Judentum, Christentum und Humanismus. Unsere Freiheiten ergeben sich aus dieser Identität. Indem wir den Islam der Mittel berauben, unsere Identität zu zerstören, verletzen wir nicht die Freiheit; Wir bewahren unsere Identität und garantieren Freiheit.

Die schreckliche Situation, in der wir uns heute befinden, wird durch unsere Toleranz des Bösen verursacht. Wir sind zu tolerant gegenüber Intoleranz, wir sind zu tolerant gegenüber dem Islam. Wir denken, indem wir den Feinden der Feiheit Freiheit gewähren, dass wir der Welt beweisen, dass wir für die Freiheit einstehen. Aber in Wirklichkeit, indem wir uns weigern, unserer Toleranz Grenzen zu setzen, geben wir unsere Freiheit aus den Händen.

Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen die Idee von Rechten mögen, solange sie keinen Preis dafür zahlen müssen. Die politischen und medialen Eliten sind alle für das Aussprechen der Wahrheit, solange die „Wahrheit“ ein Klischee ist. Doch wenn Pflicht und Ehre ihnen gebieten, sich vor die Geschichte zu stellen und „Stop“ zu schreien, dann fliehen sie. Und jene, die ihre Pflicht tun, werden als Extremisten beschimpft, vor Gericht gezerrt, zum Schweigen gebracht.

Etwas früher heute habe ich gelernt, dass der niederländische Staatsanwalt in Den Haag eine Rede untersucht, die ich vor zwei Jahren in Wien gehalten habe. Er tut dies auf Antrag seines Kollegen, des Staatsanwaltes in Wien, der mich der Verhetzung beschuldigt. Letzteres ist in Österreich eine Straftat und ist vergleichbar mit Aufwiegelung.

Ich finde das wirklich unfassbar. Lassen Sie sie Banditen und Terroristen jagen, statt einen Politiker zu verfolgen, der über den Islam spricht. Es ist eine Schande, dass dies in der Stadt Spinozas geschieht, der nicht nur ein großer Verteidiger der Toleranz, sondern auch der Freiheit des Denkens und der Rede war. Spinozas Gesicht pflegte eine unserer Banknoten zu schmücken, als wir noch unsere eigene Währung hatten. Schade, dass dies heute nicht mehr der Fall ist.

Unglaublich auch, weil es das dritte Mal innerhalb weniger Jahre wäre, dass ich vor Gericht gebracht werden würde, weil ich Dinge gesagt habe, die die Eliten nicht hören wollen. Es ist ein juristischer Dschihad. Während die Eliten für die existenzielle Krise verantwortlich sind, in der wir uns derzeit befinden. Mit ihrer Politik der offenen Grenzen und einer beispiellosen Liebe zum Islam und ihrem kulturellen Relativismus sorgen sie für unseren völligen Ausverkauf und setzen unsere Freiheit und Sicherheit aufs Spiel. Sie haben das Erbe von Spinoza aufgegeben und den Totalitarismus des Mohammedanismus in unsere Nationen eingeführt. Ich sage: nicht länger. Es ist Zeit, unsere Pflicht zu tun und unsere Freiheit und die Freiheit unserer Kinder zu verteidigen.

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Papst Franziskus: Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche

Generalaudienz, 31. Mai 2017

Generalaudienz am 31. Mai 2017
auf dem Petersplatz – Zusammenfassung der Homilie

Papst Franziskus legte in der Homilie mit dem Titel „Der Heilige Geist läßt uns reich an Hoffnung werden“ (vgl. Röm 15,13-14) während der Generalaudienz am 31. Mai 2017 auf dem Petersplatz das Verhältnis zwischen der christlichen Hoffnung und dem Heiligen Geist dar.

Der Heilige Geist „ist der Wind, der uns antreibt“ […] und er läßt nicht zu, dass wir ein ’sitzendes‘ Volk werden“. Passend zum Bild des Segels zitierte Papst Franziskus das Bild des Ankers, das im Brief an die Hebräer 6,18-19 verwendet wird.

Der Anker schenke dem Boot Sicherheit, während das Segel es fahren lasse. Die Hoffnung sei mit einem Segel vergleichbar: Wie das Segel nehme die Hoffnung den Wind des Heiligen Geistes auf und nutze ihn als Antrieb zur Fortbewegung.

„Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und mit allem Frieden im Glauben, damit ihr reich werdet an Hoffnung in der Kraft des Heiligen Geistes“ (Röm 15,13). Papst Franziskus legte dar, dass „Gott der Hoffnung“ nicht nur heiße, dass sich unsere Hoffnung auf Gott richte, sondern Gott auch derjenige sei, der uns hoffen lasse. „Die Menschen brauchen Hoffnung zum Leben und brauchen den Heiligen Geist zum Hoffen“, stellte der Papst fest.

„Gegen alle Hoffnung hat er voll Hoffnung geglaubt, dass er der Vater vieler Völker werde, nach dem Wort: So zahlreich werden deine Nachkommen sein“ (Röm. 4,18). Mit Hoffnung erfüllt zu sein bedeute, nie den Mut zu verlieren, sondern auch „gegen alle Hoffnung“ zu hoffen. Der Heilige Geist ermögliche uns diese unbesiegbare Hoffnung, indem er uns das innere Zeugnis gebe, dass wir Kinder und Erben Gottes seien (vgl. Röm 8,16).

Papst Franziskus fügte hinzu, dass der Heilige Geist uns aber nicht nur Hoffnung schenke, sondern uns selbst Hoffnung säen lasse. Vor allem die Armen, die an den Rand der Gesellschaft Gedrängten, die Ungliebten benötigten jemanden, der sie tröste und verteidige.

„Der Heilige Geist nährt die Hoffnung nicht nur im Herzen der Menschen, sondern auch in der gesamten Schöpfung“, erklärte Papst Franziskus. „Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung: Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt“ (Röm 8,20-22).

Die Kraft, die die Welt in Bewegung versetze, sei der Heilige Geist. Dadurch respektierten wir die Schöpfung. Ein Bild könne man nämlich nicht beschmieren, ohne den Künstler des Bildes zu beleidigen.

Zum Abschluß seiner Homilie erinnerte Papst Franziskus mit dem Blick auf das Pfingstfest, dem Geburtstag der Kirche, daran, den Ärmsten und am Rand der Gesellschaft lebenden Menschen Hoffnung, Trost und Beistand zu schenken.

Papst Franziskus begrüßte, wie üblich im Rahmen der Generalaudienz, die Pilger, die aus aller Welt angereist sind, um an der Generalaudienz teilzunehmen. An die deutschsprachigen Pilger wandte sich der Papst mit folgendem Gruß: „Mit Freude heiße ich die Pilger deutscher Sprache, besonders die Jugendlichen aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden willkommen. Wir brauchen die Hoffnung, um zu leben, und wir haben den Heiligen Geist nötig, um zu hoffen. Rufen wir zum Heiligen Geist, dem Beistand, dass er uns stets in der Hoffnung und im Frieden leite. Er stehe euch bei auf all euren Wegen.“

Wir dokumentieren im Folgenden die offizielle deutsche Zusammenfassung der heutigen Katechese von Papst Franziskus auf dem Petersplatz. Der Volltext ist in einer eigenen Übersetzung hier abrufbar.

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Liebe Brüder und Schwestern, in diesen Tagen vor dem Pfingstfest wollen wir den Zusammenhang zwischen dem Heiligen Geist und der Hoffnung betrachten. Die Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten war von einem Brausen wie bei einem heftigen Sturm begleitet. Dieser Wind trieb die Apostel hinaus auf den Weg ihrer Sendung. Damals wie heute weht dieser Wind des Heiligen Geistes. Er wird sozusagen durch das Segel der Hoffnung aufgefangen. So bringt er die Kirche wie ein Schiff voran. Im Römerbrief spricht Paulus vom Gott der Hoffnung (vgl. 15,13). Das heißt nicht nur, dass Gott das Objekt unserer Hoffnung ist und unsere Hoffnung auf Ihn gerichtet ist, sondern dass Er es ist, der uns die Hoffnung schenkt und uns freudig in der Hoffnung macht. Der Heilige Geist ist dabei die treibende Kraft, dass wir an Hoffnung reich werden (ebd.). Zugleich bezeugt der Geist unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind (vgl. 8,16). So erhalten wir eine unbesiegbare Hoffnung. Wir können daher auch selbst Hoffnung aussäen und Tröster nach dem Bild des Parakleten, des Heiligen Geistes, des Beistands und Trösters werden. Es sind besonders die Armen, die Ausgeschlossenen, die Nicht-Geliebten, die solche Tröster und Verteidiger brauchen. Der Heilige Geist gibt auch der ganzen Schöpfung Hoffnung auf Erlösung und wirkt in ihr. Diese Tatsache drängt uns, die Schöpfung stets zu achten. Man kann nicht ein Bild beschmieren, ohne den Künstler, der es geschaffen hat, zu beleidigen.

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„Das ganze Heilswerk ist ein Werk der Wieder-Geburt“

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Predigt von Papst Franziskus am Pfingstsonntag — Volltext

Am heutigen Sonntag [15.5.] hat Papst Franziskus um 10 Uhr im Petersdom die Pfingstmesse gefeiert. Ausgangspunkt seiner Predigt war folgender Satz aus dem Johannesevangelium: „Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen“ (Joh 14,18).

Das ganze Heilswerk – so unterstrich der Heilige Vater in seiner Betrachtung – sei ein Werk der Wieder-Geburt. Durch die Gabe des Sohnes und des Heiligen Geistes befreit die Vaterschaft Gottes die Menschheit vom Waisensein, in das sie geraten sei, so erklärte der Papst.

Die Gotteskindschaft sei unsere ursprüngliche Berufung, „unsere innerste DNA, die jedoch zerstört wurde und zu deren Wiederherstellung das Opfer des eingeborenen Sohnes erforderlich war“,  fuhr der Papst fort.

Im Heilswerk und im Mysterium der Kirche hat auch Maria eine Stellung inne. Sie ist in der Mitte der im Gebet versammelten Gemeinschaft der Jünger und bildet „das lebendige Gedächtnis des Sohnes und die lebendige Anrufung des Heiligen Geistes. Sie ist die Mutter der Kirche.“

Wir dokumentieren im Folgenden die offizielle Übersetzung der Predigt.

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„Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen“ (Joh 14,18).

Die Sendung Jesu, die in der Gabe des Heiligen Geistes gipfelte, hatte dieses wesentliche Ziel: unsere Beziehung zum Vater, die durch die Sünde zerstört worden war, wieder herzustellen; uns von der Situation als Waisen zu befreien und uns die Gotteskindschaft zurückzugeben.

Der Apostel Paulus schreibt an die Christen von Rom und sagt: „Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!“ (Röm 8,14-15). Hier ist die wiedergeknüpfte Beziehung: Die Vaterschaft Gottes wird dank des Erlösungswerkes Christi und der Gabe des Heiligen Geistes in uns wieder wirksam.

Der Heilige Geist wird vom Vater gegeben und führt uns zum Vater. Das ganze Heilswerk ist ein Werk der Wieder-Geburt. Dabei befreit uns die Vaterschaft Gottes durch die Gabe des Sohnes und des Heiligen Geistes von unserem Waisensein, in das wir geraten sind. Auch in unserer Zeit bemerkt man verschiedene Zeichen unserer Situation als Waisen: die innere Einsamkeit, die wir auch mitten in der Menge von Menschen verspüren und die bisweilen zu einer existenziellen Traurigkeit werden kann; die vermeintliche Unabhängigkeit von Gott, die mit einer gewissen Sehnsucht nach seiner Nähe einhergeht; der verbreitete geistliche Analphabetismus, weswegen wir unfähig sind zu beten; die Schwierigkeit, das ewige Leben als Fülle der Gemeinschaft, die schon hier aufkeimt und nach dem Tod erblüht, als wahr und wirklich zu empfinden; die Mühe, den anderen als Bruder zu erkennen, insofern er ja Kind desselben Vaters ist; und andere ähnliche Zeichen.

All dem widersetzt sich die Gotteskindschaft, die unsere ursprüngliche Berufung ist. Dafür sind wir geschaffen; es ist unsere innerste DNA, die jedoch zerstört wurde und zu deren Wiederherstellung das Opfer des eingeborenen Sohnes erforderlich war. Von der unermesslichen Gabe der Liebe, die der Tod Jesu am Kreuz darstellt, ging für die ganze Menschheit die Ausgießung des Heiligen Geistes wie ein unendlicher Gnadenstrom hervor. Wer in dieses Geheimnis der Wiedergeburt gläubig eintaucht, wird zur Fülle des Lebens als Kind Gottes wiedergeboren.

„Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen.“ Heute, am Pfingstfest, lassen uns diese Worte Jesu auch an die mütterliche Gegenwart Mariens im Obergemach denken. Die Mutter Jesu ist in der Mitte der Gemeinschaft der Jünger, die im Gebet versammelt ist: Maria ist das lebendige Gedächtnis des Sohnes und die lebendige Anrufung des Heiligen Geistes. Sie ist die Mutter der Kirche. Ihrer Fürbitte vertrauen wir in besonderer Weise die Christen, die Familien und die Gemeinschaften an, die in diesem Augenblick die Kraft des Geistes, des Beistands, Fürsprechers und Trösters, des Geistes der Wahrheit, der Freiheit und des Friedens am meisten brauchen.

Wie wiederum der heilige Paulus sagt, macht der Heilige Geist, dass wir zu Christus gehören: „Wer den Geist Christi nicht hat, der gehört nicht zu ihm“ (Röm 8,9). Und indem er unsere Beziehung der Zugehörigkeit zum Herrn Jesus Christus festigt, lässt der Geist uns in eine neue Dynamik der Geschwisterlichkeit eintreten. Durch den Bruder aller, nämlich Jesus, können wir auf neue Weise in Beziehung zu den anderen treten, nicht mehr als Waisen, sondern als Kinder desselben gütigen und barmherzigen Vaters. Und das ändert alles! Wir können uns als Brüder und Schwestern sehen, und unsere Unterschiede vermehren nur die Freude und das Staunen darüber, dass wir zu dieser einen Vaterschaft und Geschwisterlichkeit gehören.

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Pfingstmesse 2016 / © CTV – OSSERVATORE ROMANO

Der Weg der Kirche geht durch das Herz des Menschen

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Der Weg der Kirche geht durch das Herz des Menschen; denn hier ist der verborgene Ort der heilbringenden Begegnung mit dem Heiligen Geist, mit dem verborgenen Gott. Genau hier wird der Heilige Geist zur »sprudelnden Quelle, deren Wasser ewiges Leben schenkt«289. Hierher kommt er als Geist der Wahrheit, als Paraklet, wie er von Christus verheißen worden ist. Von hieraus wirkt er als Tröster, Fürsprecher, Beistand – besonders, wenn der Mensch und die Menschheit vor dem Verdammungsurteil jenes »Anklägers« stehen, von dem die Offenbarung des Johannes sagt, daß er die Brüder »bei Tag und bei Nacht vor unserem Gott verklagt«290. Der Heilige Geist hört nicht auf, Hüter der Hoffnung im Herzen des Menschen zu sein: der Hoffnung aller menschlichen Geschöpfe und besonders derjenigen, die »als Erstlingsgabe den Geist haben« und »auf die Erlösung ihres Leibes warten«291.

Der Heilige Geist setzt in seiner geheimnisvollen göttlichen Gemeinschaft mit dem Erlöser des Menschen dessen Werk kontinuierlich fort: Er nimmt von Christus und vermittelt es allen, indem er durch das Herz des Menschen fortwährend in die Geschichte der Welt eintritt. Hier wird er – wie die Sequenz der Pfingstliturgie sagt – wahrhaft zum »Vater der Armen, Spender der Gaben, Licht der Herzen«; er wird zum »süßen Seelengast«, den die Kirche an der Schwelle zum Herzen eines jeden Menschen beständig grüßt. Er bringt inmitten der Mühen, der Arbeit der Arme und des Verstandes des Menschen »Ruh und Geborgenheit«; er bringt »Ruhe« und »Erquickung« inmitten der Hitze des Tages, inmitten der Unruhen, der Auseinandersetzungen und Gefahren jeder Epoche; er bringt schließlich »Trost«, wenn das menschliche Herz weint und zu verzweifeln versucht ist. Deshalb ruft dieselbe Sequenz aus: »Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund«. Nur der Heilige Geist »überführt der Sünde«, des Bösen, mit dem Ziel, im Menschen und in der menschlichen Welt das Gute wiederherzustellen: um »das Angesicht der Erde zu erneuern«. Deswegen wirkt er die Reinigung von allem, was den Menschen »verunstaltet«, von »dem, was ihn befleckt«; er heilt auch die tiefsten Wunden der menschlichen Existenz; er verwandelt die innere Dürre der Seelen in fruchtbare Felder der Gnade und Heiligkeit. Was »verhärtet« ist, »beugt er«; was »erkaltet« ist, »wärmt er«; was »irre geht«, »lenkt er« auf die Wege des Heils zurück292.

Indem die Kirche so betet, bekennt sie ununterbrochen ihren Glauben: Es gibt in unserer geschaffenen Welt einen Geist, der ein ungeschaffenes Geschenk ist. Es ist der Geist des Vaters und des Sohnes: Wie der Vater und der Sohn ist er nicht geschaffen, unermeßlich, ewig, allmächtig, Gott und Herr293. Dieser Geist Gottes »erfüllt das Universum«, und alles, was geschaffen ist, erkennt in ihm die Quelle seiner Identität, findet in ihm seinen transzendenten Ausdruck, wendet sich an ihn und erwartet ihn, ruft ihn an mit seinem eigenen Sein. Zu ihm als Beistand, als Geist der Wahrheit und der Liebe wendet sich der Mensch, der von Wahrheit und Liebe lebt und der ohne die Quelle der Wahrheit und der Liebe nicht leben kann. Zu ihm wendet sich die Kirche, die das Herz der Menschheit ist, um für alle jene Gaben der Liebe, die durch ihn »in unsere Herzen ausgegossen ist«294, zu erbitten und sie an alle auszuteilen. An ihn wendet sich die Kirche auf den mühsamen Wegen der Pilgerschaft des Menschen auf Erden: Sie bittet und bittet ununterbrochen, daß die Taten der Menschen rechtschaffen seien aufgrund seines Wirkens; sie bittet um die Freude und den Trost, den nur er, der wahre Tröster, spenden kann, indem er in die Tiefe des menschlichen Herzens hinabsteigt295; sie bittet um die Gnade der Tugenden, die die himmlische Herrlichkeit verdienen; sie bittet um das ewige Heil in der vollen Gemeinschaft des göttlichen Lebens, zu dem der Vater die Menschen, die aus Liebe als Bild und Gleichnis der Heiligsten Dreifaltigkeit erschaffen worden sind, von Ewigkeit »vorherbestimmt« hat.

Die Kirche bittet mit ihrem Herzen, das alle menschlichen Herzen in sich faßt, den Heiligen Geist um das Glück, das allein in Gott seine volle Verwirklichung findet: die Freude, »die niemand nehmen kann«296, die Freude, die Frucht der Liebe und somit die Frucht Gottes ist, der die Liebe ist; sie bittet um »Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist«, worin nach dem heiligen Paulus das Reich Gottes besteht297.

Auch der Friede ist Frucht der Liebe: jener innere Friede, den der gehetzte Mensch in der Tiefe seines Wesens sucht; jener Friede, der von der Menschheit, von der Menschheitsfamilie, von den Völkern, von den Nationen, von den Kontinenten gefordert wird mit der bangen Hoffnung, ihn im Blick auf den Übergang vom zweiten zum dritten christlichen Jahrtausend wirklich zu erlangen. Da der Weg zum Frieden letztlich über die Liebe führt und darauf abzielt, eine Zivilisation der Liebe zu schaffen, heftet die Kirche ihren Blick auf den, der die Liebe des Vaters und des Sohnes ist; sie hört trotz der wachsenden Bedrohungen nicht auf zu vertrauen, sie hört nicht auf, den Frieden für den Menschen auf Erden zu fordern und ihm zu dienen. Ihr Vertrauen gründet sich auf denjenigen, der als Geist der Liebe auch der Geist des Friedens ist und nicht aufhört, in der menschlichen Welt, am Horizont der menschlichen Gewissen und Herzen gegenwärtig zu sein, um mit Liebe und Frieden »den Erdkreis zu erfüllen«.

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289 Vgl. Joh 4,14; Dogmatische Konstitution über die Kirche »Lumen gentium«, 4.

290 Vgl. Offb 12, 10.

291 Vgl. Röm 8, 23.

292 Vgl. Pfingstsequenz »Veni, Sancte Spiritus«.

293 Vgl. Glaubensbekenntnis »Quicumque«: DS 75.

294 Vgl. Röm 5, 5.

295 Man kann hier an das wichtige Apostolische Schreiben »Gaudete in Domino« erinnern, das Papst Paul VI. am 9. Mai des Heiligen Jahres 1975 veröffentlicht hat. Denn die dort zum Ausdruck gebrachte Einladung, vom Heiligen Geist »dieses Geschenk der Freude zu erflehen«, bleibt ja immer gültig, so wie auch die Aufforderung, »die wahrhaft geistliche Freude (zu) verkosten, die eine Frucht des Heiligen Geistes ist«: AAS 67 (1975) 289. 302.

296 Vgl. Joh 16, 22.

297 Vgl. Röm 14,17; Gal 5, 22.

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Quelle

Papstmesse: „Echte“, nicht „virtuelle“ Christen

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Eigentlich ist das eine witzige Bibelstelle: In der Lesung von diesem Montag fragt Paulus einige „Jünger“ in Ephesus „Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet?“ Und die antworten ihm: „Wir haben noch nicht einmal gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt.“ Man konnte also im frühen Christentum ein „Jünger“ sein, ohne vom Heiligen Geist gehört zu haben!

Aber auch heute spielt der Heilige Geist für viele Christen keine wirkliche Rolle, sagte Papst Franziskus bei seiner Frühmesse in der Kapelle der Casa Santa Marta. Sie haben vielleicht „im Katechismus gelernt, dass er zur Dreifaltigkeit gehört“ – aber das war’s dann auch schon. Dabei gibt es gar keine Kirche ohne den Heiligen Geist: „Der Heilige Geist ist der, der die Kirche bewegt, der, der in der Kirche wirkt, in unseren Herzen, der, der so viele verschiedene Christen in einer Einheit zusammenführt. Er ist der, der voranführt, die Türen aufstößt und dich dazu bringt, Zeugnis von Jesus abzulegen… Er bewegt uns zum Gotteslob… Der Heilige Geist ist der, der in uns ist und uns lehrt, auf den Vater zu schauen und ,Vater!´ zu ihm zu sagen. Er befreit uns von diesem Waisendasein, zu dem uns der Geist der Welt drängt.“

Der Heilige Geist sei „der Protagonist der lebendigen Kirche“, fuhr Franziskus fort. „Wenn wir das nicht leben, wenn wir nicht auf der Höhe dieser Mission des Heiligen Geistes sind, dann reduzieren wir den Glauben auf eine Moral, eine Ethik.“ Es gehe gerade nicht darum, die Zehn Gebote zu erfüllen „und sonst nichts“: „Das kann man machen, das da nicht; bis hierhin und nicht weiter… Das führt zu Kasuistik und einer kalten Moral.“ Das christliche Leben sei „keine Ethik, sondern eine Begegnung mit Jesus Christus“. Und der Heilige Geist verschaffe uns diese Begegnung.

„Aber wir haben den Heiligen Geist in unserem Leben, in unserem Herzen wie einen Luxus-Gefangenen: Wir lassen nicht zu, dass er uns drängt, dass er uns bewegt. Der Heilige Geist kann uns in die Dinge Jesu einführen – nur eines vermag er nicht: Wohnzimmer-Christentum. Damit kennt er sich nicht aus. Er kann keine virtuellen Christen machen, er macht echte Christen, er geht vom echten Leben aus… Er ist der große Gefangene unseres Herzens. Wir sagen: ,Er ist die dritte Person der Dreifaltigkeit´, aber bleiben dabei stehen…“

Der Papst lud seine Zuhörer dazu ein, in dieser Woche mal „über den Heiligen Geist in meinem Leben nachzudenken“. Ob wir etwa Angst hätten, dass er uns vorwärtsschubse? Wo sei denn unser Mut, aus uns selbst „herauszugehen, um Jesus zu bezeugen?“ Und wie stehe es um unsere Geduld in Prüfungen? Denn auch die Geduld werde uns vom Geist gegeben.

„In dieser Woche der Vorbereitung auf Pfingsten lasst uns überlegen: Glaube ich wirklich an ihn, oder ist der Heilige Geist für mich nur ein Wort? Und versuchen wir, mit ihm zu sprechen und zu sagen: ,Ich weiß, dass du in meinem Herzen bist, dass du im Herzen der Kirche bist, dass du die Kirche vorwärtsbringst, dass du die Einheit unter uns allen wirkst…´? Ihm all das sagen und um die Gnade bitten, zu lernen – aber praktisch, in meinem Leben –, was er wirkt. Das ist die Gnade der Fügsamkeit ihm gegenüber: dem Heiligen Geist gegenüber fügsam sein. Tun wir das in dieser Woche: Denken wir an den Heiligen Geist und sprechen wir mit ihm!“

(rv 09.05.2016 sk)

Die Mutter Kirche öffnet ihre Türen für alle

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Mit einem Spruchband bezeugen Gläubige auf dem Petersplatz ihr Vertrauen in den Heiligen Vater.

Worte von Papst Franziskus vor dem Gebet des Regina Caeli am 24. Mai 2015

Liebe Brüder und Schwestern,

guten Tag!

Das Pfingstfest lässt uns die Anfänge der Kirche neu erleben. Das Buch der Apostelgeschichte berichtet, dass fünfzig Tage nach Ostern in dem Haus, in dem sich die Jünger Jesu aufhielten, »plötzlich vom Himmel her ein Brausen [kam], wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt […] Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt« (2,2.4). Durch diese Ausgießung werden die Jünger vollständig verwandelt: die Angst weicht dem Mut, die Verschlossenheit überlässt ihren Platz der Verkündigung, und jeglicher Zweifel wird durch den Glauben voller Liebe vertrieben. Es ist dies die »Taufe« der Kirche, die so ihren Weg in der Geschichte aufgenommen hat, geführt von der Kraft des Heiligen Geistes.

Jenes Ereignis, das das Herz und das Leben der Apostel und der anderen Jünger verwandelt, wirkt sich sofort außerhalb des Abendmahlssaals aus. Jene für fünfzig Tage verschlossen gehaltene Tür nämlich wird endlich weit geöffnet und die erste christliche Gemeinde, die nicht mehr in sich selbst zurückgezogen ist, beginnt, zur Menge der Menschen unterschiedlicher Herkunft von den großen Dingen zu sprechen, die Gott getan hat (vgl. V. 11), das heißt von der Auferstehung Jesu, der gekreuzigt worden war. Und ein jeder der Anwesenden hört die Jünger in seiner eigenen Sprache reden. Die Gabe des Heiligen Geistes stellt die Harmonie der Sprachen wieder her, die in Babel verlorengegangen war, und nimmt die universale Dimension der Sendung der Apostel vorweg.

Die Kirche entsteht nicht in Abgeschiedenheit, sie entsteht als die universale, eine, katholische Kirche mit einer präzisen, doch für alle

offenen, nicht verschlossenen Identität, einer Identität, die die ganze Welt umfasst, ohne irgendeinen auszuschließen. Keinem macht die Mutter Kirche die Tür vor der Nase zu, keinem! Auch nicht dem größten Sünder, keinem! Und das durch die Kraft, durch die Gnade des Heiligen Geistes. Die Mutter Kirche öffnet ihre Türen, sie reißt sie weit auf für alle, da sie Mutter ist.

Der an Pfingsten in das Herz der Jünger ausgegossene Heilige Geist ist der Beginn einer neuen Zeit: der Zeit des Zeugnisses und der Brüderlichkeit. Es ist eine Zeit, die aus der Höhe kommt, die von Gott kommt, wie die Feuerflammen, die sich auf dem Haupt eines jeden Jüngers niederließen. Es war dies die Flamme der Liebe, die jegliche Bitterkeit verbrennt; es war die Zunge des Evangeliums, die die von den Menschen errichteten Grenzen überschreitet und an die Herzen der Menge rührt, ohne Unterscheidung Sprache, Rasse oder Nationalität. Wie an jenem Pfingsttag wird der Heilige Geist ständig auch heute auf die Kirche und auf jeden von uns ausgegossen, damit wir aus unserer Mittelmäßigkeit und aus unseren Verschlossenheiten heraustreten und der ganzen Welt die barmherzige Liebe des Herrn mitteilen. Die barmherzige Liebe des Herrn mitteilen: das ist unserer Sendung! Auch uns sind die »Zunge« des Evangeliums und das »Feuer« des Heiligen Geistes geschenkt, damit wir, während wir den auferstandenen, lebendigen und in unserer Mitte gegenwärtigen Jesus verkünden, unser Herz und auch die Herzen der Völker erwärmen und sie so ihm, dem Weg, der Wahrheit und dem Leben, nahe bringen.

Wir vertrauen uns der mütterlichen Fürsprache der allerseligsten Maria an, die als Mutter unter den Jüngern im Abendmahlssaal zugegen war: sie ist die Mutter der Kirche, die Mutter Jesu, die zur Mutter der Kirche geworden ist. Ihr vertrauen wir uns an, auf dass der Heilige Geist überreich auf die Kirche unserer Zeit herabkomme, die Herzen aller Gläubigen erfülle und in ihnen das Feuer seiner Liebe entzünde.

Nach dem Regina Caeli sagte der Heilige Vater:

Liebe Brüder und Schwestern, mit großer Sorge und Schmerz in meinem Herzen verfolge ich weiterhin das Drama der zahlreichen Flüchtlinge im Golf von Bengalen und im Andamanischen Meer. Ich bringe meine Wertschätzung für die von jenen Ländern unternommenen Anstrengungen zum Ausdruck, die sich bereit erklärt haben, diese Menschen aufzunehmen, die mit schwerem Leid und Gefahren konfrontiert sind. Ich ermutige die internationale Gemeinschaft, ihnen humanitäre Hilfe zu leisten.

Heute vor 100 Jahren ist Italien in den Großen Krieg eingetreten, in jenes »unnötige Blutbad«. Wir wollen für die Opfer beten und den Heiligen Geist um das Geschenk des Friedens bitten.

Gestern wurden in Salvador und in Kenia ein Bischof und eine Ordensfrau seliggesprochen. Ersterer ist Oscar Romero, Erzbischof von San Salvador; er wurde »in odium fidei« ermordet, während er die heilige Messe feierte. Nach dem Beispiel Jesu hat dieser eifrige Hirte die Entscheidung getroffen, mitten unter seinem Volk zu sein, besonders unter den Armen und Unterdrückten, auch um den Preis seines Lebens. Die Ordensfrau ist die italienische Schwester Irene Stefani der Consolata-Missionsschwestern, die der kenianischen Bevölkerung mit Freude, Erbarmen und zärtlichem Mitgefühl gedient hat. Das heroische Beispiel dieser Seligen erwecke in einem jeden von uns das lebhafte Verlangen, voll Mut und Hingabe das Evangelium zu bezeugen.

Ich grüße euch alle, liebe Römer und Pilger: die Familien, die Pfarrgruppen, die Vereinigungen. Besonders die Gläubigen aus der Bretagne, aus Barcelona und aus Freiburg sowie den Kinderchor aus Hexheim. Ich grüße die dominikanische Gemeinde von Rom, die Gläubigen aus Cervaro (Frosinone), die in Neapel stationierten Angehörigen der italienischen Luftwaffe, die »Sacra Corale Jonica« und die Firmlinge aus Pievidizzio (Brescia).

Heute, am Festtag Maria, Hilfe der Christen, grüße ich die Gemeinschaft der Salesianer: der Herr schenke ihr die Kraft, den Geist des heiligen Johannes Bosco voranzubringen. Und euch allen wünsche ich einen schönen Pfingstsonntag. Bitte vergesst nicht, für mich zu beten. Gesegnete Mahlzeit und auf Wiedersehen.